Archiv für das Tag 'Mainz'

Beister: “Trennung das Beste für beide” – Ilicevic verlängert

28. Juni 2015

***Ivo Ilicevic hat das Vertragsangebot des HSV zu stark verringerten, dafür leistungsbezogeneren Konditionen angenommen. Der Kroate verlängert um ein Jahr***

 

Und ich dachte die ganze Zeit, ich hätte heute schön frei. Aber: Pustekuchen. Ich bin dran. Und vor allem, der HSV ruft. Wohlgemerkt nicht nur mich.

Ab sofort Mainzer: Maxi Beister

Ab der neuen Saison für den FSV Mainz aktiv: Maxi Beister

Auch neue Spieler werden in rauen Massen kontaktiert, da es bislang nahezu nur Absagen hagelt. Das passte s fast schon ins Bild, dass selbst diejenigen letztlich nicht nach Hamburg kommen, die behaupten, zum HSV zu wechseln. So geschehen bei Aly Ghazal. Der ägyptische Mittelfeldspieler hatte sich via „Futcom“ sehr offensiv geäußert und angeblich bestätigt, dass er in den nächsten Tagen beim HSV unterschrieben werde. Der schlaksige Sechser berichtete in dem Zusammenhang davon, dass der HSV ihn schon im Winter kontaktiert hätte, sich aber damals für den preislich günstigeren Marcelo Diaz entschied. Eine Meldung, die der HSV dementierte. Den ganzen Beitrag lesen »

So wichtig – ein 2:1 über die Zeit gezittert!

7. Dezember 2014

Das war lange Zeit souverän und wurde dann in den Schlussminuten noch einmal richtig spannend. Der HSV gewinnt sein drittes Heimspiel in Folge, gegen Mainz 05 gab es einen 2:1-Erfolg, der lange Zeit ungefährdet schien, dann aber noch einmal knapp wurde. Immerhin gab es diesen so wichtigen Dreier, der HSV springt damit auf Platz 13 – wie wichtig. Es war kein schönes Spiel, es mangelte beiden Teams an fußballerische Klasse und Finesse, aber das ist alles auch im Abstiegskampf nicht gefragt. Da sind Punkte gefordert, und die müssen dann eben auch mal zur Not etwas „dreckig“ eingefahren werden. Jetzt geht es am nächsten Sonnabend in Freiburg gegen den unbequemen SC, und danach folgt am Dienstag das letzte Heimspiel des Jahres – gegen Huub Stevens und den VfB Stuttgart. Daumendrücken, es geht um jedes Pünktchen – denn wer soll eigentlich aus dieser Liga absteigen? Es ist ja alles so furchtbar eng in der Abstiegszone, die schon im Mittelfeld beginnt.

 


Etliche Plätze in der Arena blieben an diesem nass-kalten Sonntag leer. Nur 45 968 Zuschauer. Was an der Vorweihnachtszeit liegen könnte, am Spieltag – nämlich der ungeliebte Sonntag (Sonnabend spielt die Bundesliga – hieß es früher mal) – und auch an der Tabellen-Situation. Der Vorletzte gegen den Tabellenelften. Das ist in dieser kalten und feuchten Jahreszeit nicht so besonders prickelnd.

 

Trainer Joe Zinnbauer, der frühere Mainzer, hatte wieder einmal viel riskiert – oder auch nur gewagt. Fünf neue Leute gegenüber der 1:3-Niederlage in Augsburg – der HSV immer noch auf der Suche nach der ersten Elf. Heiko Westermann und Valon Behrami fehlten verletzt, Mohamed Gouaida, Ashton Götz und Matthias Ostrzolek, dessen Foul in Augsburg zum 1:2 geführt hatte (und damit auch zur Verärgerung der HSV-Führung) saßen nur auf der Bank. Und Ivo Ilicevic hatte es noch härter erwischt, er durfte auch diesmal nur auf der Tribüne Platz nehmen.

 

Die Umstellungen oder Erneuerungen fruchteten aber, das muss man schon festhalten. Der HSV trat bissig auf, er kämpfte, er hielt dagegen – er wollte. Und Gegner Mainz erwies sich als dankbar für den HSV, denn der Karnevalsverein war früher deutlich besser – keine Frage. Mainz gewann zwar in der ersten Halbzeit die meisten Zweikämpfe, aber leistete sich auch eine Fülle von Fehlpässen. Mehr als der HSV, und der hatte schon einige „krumme Dinger“ dabei, die eigentlich nicht in die Erste Bundesliga gehörten. Aber so ist es wohl, wenn man erst einmal da unten steht. Da spielen dann auch die Nerven mit, und nicht nur die Stiefel und die Kugel.

 

Die erste halbe Stunde verging – ohne einen echten Höhepunkt. Abgesehen von zwei Besonderheiten auf Hamburger Seite. Ecke von links, Nicolai Müller hebt den Arm, bevor er schießt. Das soll heißen: „Freunde, vorübergehend den Flugverkehr einstellen, der Ball kommt hoch und weit.“ Denke ich mal. Der Ball fällt dann aber genau dem ersten (also am ersten Pfosten stehenden) Mainzer auf den Kopf. Oder sollte der den Ball durchlassen und hat den erhobenen Arm nicht richtig gedeutet? Kann auch sein. In der 25. Minute, Freistoß von links für den HSV. Rafael van der Vaart und Müller stehen am Ball, heben den Arm. Beide. Doppel-Arm also. Soll wohl bedeuten, dass nun weder Flugzeuge von links noch von rechts kommen sollen. Der „kleine Engel“ schießt den Ball zur Mitte, und der erste Mainzer köpft die Kugel aus dem Strafraum. Doppel-Arm hilft also auch nicht. Das muss noch geübt werden . . .
Übrigens: Früher wurden Eck- und Freistöße einfach nur zur Mitte geschossen. Ohne Arm.

 

Es war nicht besonders spannend, die erste Halbzeit, aber es fiel immerhin ein Tor. Für den HSV. Eckstoß in der 31. Minute für Mainz, der Ball wird abgewehrt, der Konter über Dennis Diekmeier. Der bedient Müller, und der umkurvt Torwart Karius, doch den nachfolgenden Schuss blockt Brosinski ab – mit der Hand? Mit dem Körper? Schiedsrichter Sascha Stegemann entscheidet auf Eckstoß. Van der Vaart von links, der Ball flippt am Elfmeterpunkt hin und her, Müller schießt, trifft aber nicht richtig, die Kugel prallt Innenverteidiger Cleber vor den rechten Fuß – Tor! Ausgerechnet der Brasilianer! Unfassbar. Und unfassbar schön. Bis auf Jaroslav Drobny kommen alle Spieler zum Gratulieren. Und Cleber strahlt über alle Backen – natürlich.

 

Danach hat der HSV eine sehr gute Zeit. Zweimal Artjoms Rudnevs auf Müller, der einmal vorbeischoss und einmal an Karius hängenbleibt. Aber immerhin. Es gibt Chancen, der HSV spielt nach vorne. Deshalb gibt es Beifall zur Pause.

 

In der Halbzeit war ich bei „Dittsche“ (heute Abend im WDR), bei Olli Dittrich, der sagte zufrieden: „Das sieht deswegen gut aus, weil alle kämpfen, alle in Bewegung sind, keiner den Kopf hängen lässt – sie wehren sich, sie verschenken nichts. So tritt die gesamte Mannschaft auf, das ist eine Geschlossenheit, die mir gefällt.“ Dann sagte „Dittsche“ noch: „Mir imponiert heute Dennis Diekmeier, der ist ja rechts enorm auf Achse und macht viele gute Dinge.“ Stimmt.

 

In der zweiten Halbzeit spielte der HSV auf die Fans im Norden – dort brummte das Leben. Und es wurde in der 53. Minute noch lauter. Pierre-Michel Lasogga flankte von rechts, Noveski sprang dazwischen und klärte mit dem Arm – Elfmeter. Diesmal klar. Selbst Assistent Guido Kleve an der rechten Seite hatte den Strafstoß angezeigt. Es protestierte auch kein Mainzer . . . Rafael van der Vaart schnappte sich den Ball und schoss ihn eiskalt rein – 2:0. Die Vorentscheidung? Fast wäre unmittelbar danach das 3:0 gefallen, als Lewis Holtby den am Strafraum startenden Rudnevs bedient, doch der Lette scheitert freistehend (mit links) an Torwart Karius. Schade. Trotzdem „Rudnevs-Rudnevs“-Rufe. Hat etwas Aufbauendes.

 

Das Spiel plätscherte dann ein wenig vor sich hin, der HSV hatte es gut im Griff. Mainz hatte allerdings eine sehr gute Möglichkeit, die Soto aus sechs Metern vergab – weil er von Rudnevs noch entscheidend gestört worden war. Sehr gut, „Rudi“, das war wichtig. Dennoch fiel der Anschlusstreffer. Ecke von rechts für Mainz, Cleber und Marcos verlieren das luftige Duell, und Okazaki köpft aus drei Metern ein (89.). Da war plötzlich dann doch wieder Spannung drin – Nachspielzeit drei Minuten. In einen weiten Freistoß von Mainz hinein pfeift dann Schiedsrichter Stegemann ab. Es blieb beim 2:1 – Gott sei Dank.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber, Marcos; Jiracek; van der Vaart (83. Arslan); Müller, Holtby; Lasogga (90+3. Gouaida), Rudnevs (90. Kacar).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny bekam nicht so viel zu tun, das, was dann mal kam, hielt er souverän.

 

Dennis Diekmeier bot eine rundherum starke Partie, da gibt es nichts zu meckern – bis auf ein, zwei Abspielfehler.

 

Johan Djourou hielt hinten den Laden zusammen, marschierte sogar einmal über links mit und versuchte sich als „Flanken-Gott“. Note zwei!

 

Cleber lieferte seine bislang beste Partie für den HSV ab, und das nicht nur deshalb, weil er das so wichtige 1:0 schoss. Das war insgesamt eine runde Sache.

 

Ronny Marcos erhielt den Vorzug vor Matthias Ostrzolek, und er nutzte seine Chance. Defensiv stand er gut, nach vorne hatte er etliche Fehlpässe drauf – zweite Halbzeit ließ er etwas nach. Trotz allem solide.

 

Petr Jiracek hatte vorher viele, viele Skeptiker auf seiner Seite, aber er konnte diese Leute frühzeitig beruhigen – das war in Ordnung, was er spielte. Wenn auch einige kleine Unsauberkeiten immer mal dabei sind.

 

Rafael van der Vaart ging kämpferisch wieder mächtig und vorbildlich zur Sache, rieb sich auf, lief viel – Note drei.

 

Nicolai Müller könnte gegen seinen Ex-Club die bislang beste Leistung für den HSV geboten haben. Unheimlich viel unterwegs, ging keinem Zweikampf aus dem Weg – das war einfach nur gut. Warum nicht immer so?

 

Lewis Holtby gefällt mir im Training immer sehr gut, im Spiel benötigt er immer eine längere Anlaufphase, um hinein zu finden. Das gelang ihm zwar auch diesmal, aber er selbst wird damit auch nicht restlos zufrieden sein. Er kann es besser.

 

Artjoms Rudnevs fand erst gegen Ende der ersten Halbzeit so richtig statt, dann aber kam er und beschäftigte die Mainzer Abwehr immer wieder. Hätte aber ein Tor machen können.

 

Pierre-Michel Lasogga sorgte dafür, dass es mit der Doppel-Spitze funktionierte, wich oft auf die Flügel aus (meistens rechts), von wo hm einige gute Vorstöße und Eingaben gelangen.

 

Tolgay Arslan (ab 83. Min. für van der Vaart) hatte in dieser Woche gut trainiert, fiel trotz allem aus der Mannschaft – und durfte dann noch einige Minuten mitmachen. Gut so.

 

Gojko Kacar (ab 90. Min. für Rudnevs) durfte noch mal kurz reinschnuppern.
 

Mohamde Gouaida (ab 90.+3. Min. für Lasogga) nahm noch einige Sekunden von der Uhr.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden dann natürlich über das Spiel gegen Mainz sprechen. Unsere Gäste sind – lasst Euch in diesem Fall mal überraschen. Es wird eine etwas andere „Sendung“, es wird Musike drin sein – davon geht mal aus . . .

 

17.35 Uhr

Direktor Sport Bernhard Peters: “Der HSV ist eine Mammutaufgabe”

3. August 2014

Und plötzlich brandete Applaus auf. „Deshalb haben wir Dich geholt“, brüllte in begeisterter Fan von der Tribüne des Stegersbacher Trainingsplatzes gen Spielfläche, wo Valon Behrami seinen Ballverlust gegen Kerem Demirbay hartnäckig und mit viel Körper(und Textil-)einsatz wiederwettmachen wollte. Dabei stieg der Schweizer zweifellos hart ein, aber nicht grob unfair. Eine Szene, die ebenso für Applaus sorgte, wie sie eigentlich im Profitraining normal sein sollte. Und ich hoffe, dass sie nur der Anfang einer neuen Trainingskultur beim HSV ist. „Valon ist dafür prädestiniert, Stimmung auf dem Platz reinzubekommen. Er bringt Leben mit“, freute sich Dietmar Beiersdorfer, der heute bereits wieder gen Hamburg abgereist ist.

Oder nicht? Gut möglich, dass Hamburg nicht das einzige Ziel Beiersdorfers ist. Zumindest deutet sich im Fall Nicolai Müller eine Entscheidung an. Der Mainzer Offensive war heute nicht im Training. Nachdem er im Europa-League-Spiel „vom Kopf her nicht bei 100 Prozent“ war, wie FSV-Trainer Kasper Hjulmand erklärte, sollen heute muskuläre Probleme dafür verantwortlich gewesen sein, dass der Wunschkandidat des HSV nur mit den Rekonvaleszenten trainieren konnte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Doch etwas böser erwischt hat es offenbar Pierre Michel Lasogga, der auch heute nicht mit der Mannschaftv trainieren konnte. Der Angreifer, den eine Kapselverletzung am Sprunggelenk lahmlegt, konnte auch heute nur separat trainieren und soll frühestens in Hamburg wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Bis dahin bleibt er Trainingsnachbar von einem, dem die Besserung ins Gesicht geschrieben ist: „Geil ist es“, antwortete Maxi Beister heute auf die Frage, wie es denn sei, bei 36 Grad Celsius Steigerungsläufe mit Ball zu absolvieren. „Es ist wirklich geil, weil ich spüre, dass es vor an geht.“

Fürwahr. Beister macht kleine Schritte vorwärts und will „in sechs bis acht Wochen“, wie er selbst sagt, wieder voll mittrainieren. Er hat die härtesten Wochen hinter sich. Gerade die letzte Woche vor dem Trainingslager war noch mal eine deprimierende. „Weil ich das Gefühl hatte, ich käme null voran.“ Anders als jetzt. „Ich bin vorsichtig in Sachen Prognosen“, sagt der Linksfuß, der seit Anfang des Jahres, seit seinem Kreuzbandriss im (überflüssigen) Trainingslager in Indonesien, ausgefallen war, „aber im Moment läuft es gut. Und ich habe wieder richtig Spaß – auch wenn die Einheiten jetzt hammerhart sind und noch übler werden. Denn das abreißen zu können – da wollte ich lange wieder hin.“

Ziel ist es, im Laufe dieser Hinserie wieder zur Verfügung zu stehen. Sollte das nicht umsetzbar sein – Beister stört es nur marginal. „Am Ende ist entscheidend, dass ich wieder bei 100 Prozent bin und nicht eine Sekunde zu früh anfange. Denn wo das hinführt, haben mir verschiedenste Beispiele schon gezeigt. Da wurden viel versprechende Karrieren schnell und früh beendet. Das habe ich aber nicht geplant…“ Dafür ist Beister, der als 3. Vorsitzender des SC Lüneburg einen 12:0-Saisonauftaktsieg seiner Mannschaft feiern darf, zu intelligent. Und er hat Geduld – gelernt. So hart es war, er weiß, was er noch vorhat. „Hier passiert gerade sehr viel und da möchte ich dabei sein. Gesund. Ich glaube, das Warten wird sich am Ende lohnen.“

Geduld muss auch der HSV haben. Zumindest beim Neuaufbau seines Nachwuchses. Denn der liegt – die zwei tollen Siege der U23 in allen Ehren – nahezu brach. Während die gesamte erste und zweite Bundesliga beim U19-EM-Turnier in Ungarn Scouts hatte, fehlte der HSV. Wie zuletzt so oft. Ich habe einen sehr guten Bekannten, um nicht Freund zu sagen, der als Scout im Profibereich seit Jahren aktiv ist. Und der erzählte mir, dass sich die Liga-Scouts schon gar nicht mehr darüber wundern, wenn bei wichtigen Veranstaltungen alle da sind – bis auf den HSV. „Ich habe eine Mammutaufgabe vor mir“, weiß daher auch Bernard Peters zu berichten, der seine Aufgabe beim HSV seit dem 1. August angeht.

***************Aktualisiert um 20.45 Uhr**********************

Richtigstellung in Sachen HSV-Scouts: Harald “Lumpi” Spörl, der ehemalige HSV-Profi und seit Jahren auch als HSV-Scout unterwegs, las “Matz ab” und fiel vom Glauben ab: Er war nämlich sehr wohl in Ungarn, und nicht nur er. HSV-Scout Ludwig Trifellner beobachtete bei dieser U-19-EM die deutsche Gruppe (und die deutsche Mannschaft), “Harry” Spörl war in der anderen Gruppe unterwegs. Und sagte: “Es wäre schon sehr gut, wenn ihr das geradestellen würdet – und nicht nur die betreffende Passage löscht . . .”

Wir haben die falsche Passage drin gelassen – und es zudem gerade gestellt. Hoffentlich zu “Lumpis” hundertprozentger Zufriedenheit. Sorry.

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Dem ehemaligen Chef des Hoffenheim-Nachwuchses steht wirklich eine Grundsanierung bevor. Er muss der Jugendabteilung ein Gesicht geben, das es längst verspielt zu haben scheint. Er wird dafür verantwortlich sein, dem HSV eine Philosophie mitzugeben. In Hoffenheim hatte der heutige HSV-Direktor Sport acht Jahre lang aus dem Nichts eine Jugendabteilung aufgebaut, die inzwischen zu den besten Deutschlands zählt. Und das nicht allein auf Spielerebene. Im Gegenteil: Immer wieder werden Hoffenheims Jugendtrainer als „Trainernachwuchs des Jahres“ vom DFB ausgezeichnet. Mit Gisdol (Hoffenheim), Kramer (Fürth) und Korkut (Hannover) hat Peters zudem drei Trainer aus dem Jugendbereich bis in den Profibereich gebracht. „Ich habe früher die Spieler ausgebildet“, erzählt Peters, „heute sind es die Trainer.“

Das „System Peters“ ist ganzheitlich und daher hier in wenigen Worten nicht darstellbar. Und es klingt nach dem, was der HSV in den letzten Jahren immer wieder vorgegeben – aber bis heute nicht umgesetzt hat. Es klingt gut und hat wesentliche Eckpunkte, die vielversprechend klingen. Und unter einem Konstanz liebenden Vorstand wie Beiersdorfer sollte Peters auch die Zeit bekommen dürften, die dafür nötig sein wird. Nämlich einige Jahre.

Praxisnäheres Training und eine gesunde Mischung aus Be- und Entlastung seien grundsätzlich. Ebenso wie der Kontakt zu den Jugendtrainern im geographischen Umfeld des HSV. Soll heißen, der HSV will dem einen oder andere Jugendtrainer der umliegenden Vereine die Möglichkeit bieten, sich via HSV fortuzubilden. Und: „Es wird für unsere Trainer neben der sportlichen Ausbildung auch vermehrt darum gehen, erzieherisch zu wirken. Ein Trainer darf sich heutzutage nicht mehr nur als Übungsleiter verstehen. Das Ziel muss sein, werteorientiert zu arbeiten. Dabei kommt es nicht auf den Intellekt des Spielers an, sondern darauf, die richtige Mentalität zu fördern.“ Immerhin sei es heute modern, Talenten in jüngsten Jahren schon zu erzählen, sie seien die angehenden Topstars. „Beknacktes Umfeld“ nennt Peters das, wo der HSV mit seinen Trainern gegenanarbeiten muss. Den Jugendlichen soll sportlich wie sozial unter die Arme gegriffen werden. „Mentalität schlägt Talent“, hatte Beiersdorfer am Freitag gesagt – und damit die neue Marschroute vorgegeben.

Eine, die Peters nur zu gern mitgeht, da es auch die seine ist. Er will im Jugendbereich „Entscheider“ entwickeln anstelle von Spielern, die ihr Pensum nur abreißen. Der zurückhaltend wirkende Diplom-Sportlehrer hat einen Plan. Im Jugendbereich will er einzelne Bereiche von Team-Leadern koordinieren, die die vorgegebene Philosophie umsetzen und mit denen er sich regelmäßig austauscht. „Ich sehe hier beim HSV schon jetzt viel guten Willen“, sagt Peters, der noch einige Zeit für die komplette Analyse des Status Quo benötigen wird, „aber da passen leider die Enden oft nicht aneinander.“

Peters wird viel verändern. „Ich habe den Mut zu Veränderungen“, sagt er selbst, angesprochen darauf, sich gegen das finanzielle Schlaraffenland TSG Hoffenheim und für den klammen HSV entschieden zu haben. Peters wirkt dabei stets sehr bedacht. Er will sich selbst nicht zu wichtig nehmen und spricht ruhig – aber er ist in seinen Formulierungen klar. „Ich bin auch kein Missionar. Ich bin sechs bis sechseinhalb Tage die Woche unterwegs. Aber es heißt ja ‚Suche Dir die Arbeit, die Du liebst, dann musst Du nicht mehr arbeiten’. Insofern ist das alles keine Arbeit für mich.“ Gut zu hören angesichts der Herkulesaufgabe, die vor dem 54-Jährigen liegt.

Immer nah draN: Bernhard Peters ist Dauergast bei den Einheiten der Profis.

Immer nah dran: Bernhard Peters ist Dauergast bei den Einheiten der Profis.

Fussball

Aber, Hilfe naht. In den nächsten Tagen soll auch endlich die Einigung mit Wunschkandidat Peter Knäbel als neuen Sportchef erfolgen. Eine Position, die sehr eng mit Peters verknüpft sein wird. Umso besser, dass Peters und Knäbel sich seit Jahren kennen und überaus schätzen. „Bernhard bringt die Erfahrung und die Praxis mit, die wir uns in Hamburg wünschen. Er hat das Netzwerk, das wir brauchen, um uns angemessen aufzustellen“, sagt Beiersdorfer, der das Ziel hat, den Campus möglichst zeitnah bauen zu lassen und: den Etat für den Nachwuchs hochzufahren. “Das wird sicher nötig sein”, so Beiersdorfer.

Was Peters freuen sollte, nimmt dieser zwar zur Kenntnis, aber er hat andere Prioritäten. „Es geht bei dem Ganzen aber weniger ums Geld als um die Umsetzung guter Ideen mit gutem Personal“, mahnt Peters, „wir müssen uns aus uns selbst entwickeln.“ Als Beispiel dafür nennt Peters den FC Barcelona, der neben eigenem Nachwuchs auch immer wieder Trainer hervorbringt. Allerdings ist allen beim HSV bewusst, dass der HSV mit seinem Nachwuchstraining in Ochsenzoll und den Profis an der Imtech-Arena suboptimal aufgestellt ist – vorsichtig formuliert. „Wir wollen Geschlossenheit, da ist es unabdingbar, dass die jungen Nachwuchsspieler nah an den Profis sind. Das ist motivierend.“

Hoch motiviert ist weiterhin Rafael van der Vaart. Für den HSV. Am Sonnabend hatte Beiersdorfer Zeit, sich mit dem Niederländer zusammenzusetzen. „Wir haben uns unterhalten, werden uns aber in Hamburg noch mal zusammensetzen.“ Weil sich der HSV nicht für van der Vaart entscheiden kann? „Nein“, unterbricht Beiersdorfer den Gedanken, „ich weiß ehrlich gesagt nicht, woher die Aktualität in diesem Thema kommt. Von mir definitiv nicht.“

Das Thema Santana hingegen hatte er bestätigt. „Es gibt noch nichts Neues, aber wir sondieren den Markt“, sagt Beiersdorfer, der das Interesse an Santana nicht leugnet, aber gleichzeitig auch sagt, dass der Schalker nicht die einzige Option sei. Und ich frage mich: Was ist mit Tah? Welche Rolle spielt der Youngster mit dem großen Talent: „Er hat die Anlagen und Voraussetzung, ein sehr, sehr guter Innenverteidiger zu sein und hat das schon gezeigt. Es ist unsere Pflicht, uns um ihn zu kümmern.“ Per Leihgeschäft? „Nein“, sagt Beiersdorfer, „diesen Gedanken hatten wir noch nicht.“ Klingt gut. Beiersdorfer mag Tah. Und obgleich es unwichtig ist: Ich auch.

In diesem Sinne, morgen wird einmal trainiert und um 18.30 in Stegersbach getestet.

Bis dahin!
Scholle

P.S.: Werder Bremen hat sich mal wieder genötigt gesehen, den HSV zu kritisieren – was zunächst einmal vermuten lässt, dass hier einiges richtig gemacht wird. Vor allem dann, wenn es um Geld geht. Denn finanziell geht Werder Bremen inzwischen am Stock. Und ein Herr Fischer würde – egal, was er jetzt erzählen mag – sicher nicht wegschicken. Aber macht Euch selbst ein Bild. Hier die Meldung über Agentur:

Bremen/Hamburg(dpa) – WerderBremens Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer hat beim „Tag derFans“ die finanzielleSituation beim Hamburger SV kritisiert. „Wer vernünftig wirtschaften kann, braucht keinen Mäzen wie Kühne beim HSV“, sagte der 73-Jährige am Sonntag bei einem Talk derWerder-Geschäftsführer Fischer, Klaus Filbry und Thomas Eichin auf einerBühne amWeserstadion. Fischer monierte die finanzielle Abhängigkeit des Nordrivalen von Gönner Klaus-Michael Kühne. Obwohl dieHamburger verschuldet sind, gab der neueVorstandschef DietmarBeiersdorfer 13,2 MillionenEuro für Verstärkungen aus.WeitereMillionen sollen noch ausgegeben werden.DieBremer, ebenfalls finanziell nicht auf Rosen gebettet, gaben bislang lediglich 100 000 Euro für vierNeuzugänge aus. Allerdings haben die Hamburger die 13,2 Millionen Euro für den Kauf von Pierre-Michel Lasogga (8,5), Valon Behrami (3,5) und Zoltan Stieber (1,2) aus der eigenen Kasse finanziert. Unter anderem, weil Jungstar Hakan Calhanoglu (14,5) zu Bayer Leverkusen transferiert wurde. Alle weiteren teuren Einläufe müssen nun allerdings von Kühne mitfinanziert werden. Der HSV-Gönner und -Fan ist dem Vernehmen nach bereit, dem klammen Club bis zu 20 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Darlehen soll später in eine Beteiligung übergehen. # dpa

Finks sieben Punkte, ein Reh und ein Löwe

18. November 2012

So schön kann Fußball sein. Hatte ich gestern zweimal geschrieben. Und dann wurde doch tatsächlich und heftigst diskutiert: War das nun schöner Fußball? Oder doch eher nicht? Also ich will mal so sagen: „Es sind auch Doppel-Antworten möglich . . .“ Und wer die Ironie noch immer nicht verstanden hat, der sollte sich diesen Kick dann doch noch einmal in voller Länge „reinziehen“. Und wer dann immer noch behauptet, dass ich gar nicht im Stadion war – oder behauptet, dass ich nun absolut keine Ahnung habe vom Fußball, dem pflichte ich dann auch uneingeschränkt bei. Recht habt ihr. Wobei ich zugebe, dass die Sache mit der Ironie natürlich auch nicht jedermanns Geschmack ist, das ist schon klar. Ich werde mich zurücknehmen. Aber wer diese Bundesliga-Partie zwischen dem HSV und Mainz 05 in voller Länge gesehen hat, der wird niemals ernsthaft davon sprechen können, dass das ein schönes Fußballspiel war. Und wem dann das alles doch ein wenig zu weit geht, dem sage ich – und zwar in absoluter Ernsthaftigkeit: „Entschuldigung. Soll nicht wieder vorkommen. Wenn aber dann doch mal etwas Ironie, dann werde ich es vorher und zur Sicherheit auch noch einmal nachher ankündigen. Und natürlich auch abkündigen. Versprochen.“

Was die Trainer zu diesem Spiel gesagt haben, das möchte ich euch natürlich auch nicht länger vorenthalten. Thomas Tuchel befand: „Glückwunsch zum Sieg, HSV. Ich war mit der ersten Halbzeit sehr zufrieden, weil wir in den ersten Minuten schon ins Spiel gekommen sind, ich finde, dass wir sehr dominant gespielt haben, viele Balleroberungen hatten, viel Ballbesitz hatten, gut gepresst haben, den HSV zu Fehlern gezwungen haben. Zudem hatten wir viele gute Umschaltmöglichkeiten, wir haben auch viele Bälle ins letzte Drittel gespielt – sind damit, ich will nicht sagen fahrlässig – aber fahrig umgegangen. Und wir sind nicht mit der letzten Konsequenz damit umgegangen, dass wir diese Möglichkeit, das Spiel früh auf unsere Seite zu bringen, hatten.“

Dann kam der Mainzer Trainer noch auf zwei umstrittene Situationen: „Ich finde, dass es einen klaren Elfmeter für uns hätte geben müssen, als Adam Szalai umgerissen wurde. Okay, das sei mal dahingestellt, aber dann mussten wir auch noch ein Tor aus dem Nichts hinnehmen, das leider klar abseits gewesen ist. Das war auch leider nicht zu schwer zu erkennen für den Linienrichter, aber er hat es eben nicht erkannt. Und danach haben wir nicht mehr zulegen können, haben auch keine Torgefahr mehr gehabt – so ist die Geschichte des Spiels aus meiner Sicht erzählt.“

Bevor Thorsten Fink vom HSV das Spiel aus seiner Sicht schildert, gebe ich einmal die Daten der 90 Minuten bekannt:
11:16 Torschüsse (also für Mainz), 8:7 Ecken, 9:8 Flanken, 55:45 Prozent Ballkontakte, 48:52 gewonnene Zweikämpfe, 20:11 Fouls, 5:7 Abseits. Die meisten Torschüsse hatte ein HSV-Spieler: Maximilian Beister mit vier – keiner hatte mehr. Auch in Sachen Torschussvorlagen lag ein Hamburger vorn: Rafael van der Vaart brachte es auf fünf. Und ein Unentschieden gab es bei den Zweikampfstärksten: Michael Mancienne brachte es auf 67 Prozent, die beiden Mainzer Svensson und Kirchhoff auch. Wie geschrieben (gestern), die Statistik mit den Querpässen fehlt bei all diesen Zahlen, aber ganz sicher hätte die der HSV klar gewonnen, denn keine Mannschaft spielt so oft und so gerne und so gekonnt und so konsequent zurück, wie der HSV.

Nun aber Thorsten Fink und sein Resümee: „Ich habe gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit defensiv sehr gut gestanden sind, dass wir Probleme hatten mit dem Spielaufbau – aber dadurch, dass man natürlich auch einen guten Gegner hat, der die Räume hervorragend zugestellt hat, haben wir es nicht geschafft, von hinten heraus zu befreien. Wie gesagt, es war ziemlich schwierig, aber wir haben getan, was wir tun mussten – die Null musste stehen. Und wir haben hervorragend verteidigt, wenige Chancen zugelassen, und dann einmal die Klasse von Son gezeigt. Er hat diesen Riecher, einen Riecher muss man auch haben – und vielleicht haben wir auch in der zweiten Halbzeit einen Tick mehr investiert, als Mainz. Und deswegen haben wir meiner Meinung nach auch verdient gewonnen. Natürlich habe ich auch gesehen, dass Maxi Beister vor dem 1:0 im Abseits stand, aber in einer Saison gleicht sich so etwas immer wieder mal aus. Für Mainz ist es natürlich bitter, das einfach hinzunehmen, von wegen es gleicht sich aus, aber es ist oft so – wenn man viel investiert. Und wir haben viel investiert. Die Effektivität war heute sehr gut.“

Wobei der HSV ein wenig Glück hatte, als Michael Mancienne kurz nach der Pause den Mainzer Torjäger Szalai im Strafraum umriss. Beim Sport1-Doppelpass am heutigen Vormittag waren sich alle sicher: „Klarer Elfmeter.“ Und genau deshalb muss ich mal lobend sagen: Für diesen nicht gegebenen Strafstoß blieb Thomas Tuchel bemerkenswert leise. Nun gut, er kann es ja auch dann, wenn er lauter wird, nicht ändern. Und er lernt eben auch noch dazu. Um es aber auch mal ganz fair zu sagen: Generell ist es schlecht, wenn solche Fehlentscheidungen ein Spiel entscheidend beeinflussen. Was hätten wir, was hätte ich, gemosert, gemeckert, geschimpft, wenn dem HSV ein Elfmeter nicht gegeben worden wäre, und dann noch ein Abseitstor des Gegners zur Niederlage geführt hätte.

Kurz-Kommentar noch des HSV-Coaches:
„Das Reh springt nicht von allein ins Maul des schlafenden Löwen. Diesen Spruch habe ich mal gelesen, der ist nicht von mir“, sagte HSV-Trainer Fink nach dem 1:0 gegen Mainz durch ein Abseitstor mit einer anderen Formulierung für: „Das Glück hat nur der Tüchtige.“

So, Themenwechsel. An Artjoms Rudnevs schieden sich auch diesmal wieder die Geister. Ich habe mir vorgenommen, nichts Negatives mehr zu den Vorstellungen des Letten zu sagen, denn es wissen ja ohnehin die meisten User hier bei Matz ab, dass der gute „Rudi“ noch kommen wird. Warum also soll ich ihn niedermachen, wenn er vielleicht im Frühjahr so mächtig aufblüht, dass er die ganze Bundesliga in Schutt und Asche schießt? Im Moment läuft Rudnevs der Musik zwar noch ein wenig hinterher, aber wenn sich erst einmal das Sondertraining auszahlt, das der Torjäger nach fast jeder Einheit von und mit Co-Trainer Nikola Vidovic erhält (sie spielen zu zweit Fußball-Tennis, damit die Technik verbessert wird!), dann wird der Durchbruch noch kommen.

Aber in diesem Zusammenhang muss ich selbst feststellen, dass ich Ironie doch besser unterdrücken sollte. Deswegen: Gebt „Rudi“ eine faire Chance – er wird sie ganz sicher noch nutzen. Auch wenn viele Experten inzwischen (oder schon lange) zweifeln. Kleiner Rat: einfach ignorieren. Er hat es da vorne doch auch nicht einfach – als absoluter Einzelkämpfer. Unterstützung ist doch für ihn, und das ist ernst gemeint, kaum einmal gegeben. Der Grund: Es haben in Sachen Offensive beim HSV doch alle selbst genug mit sich allein zu tun, als wenn sie nebenbei noch für den guten „Rudi“ arbeiten könnten. Zwölf Tore in zwölf Spielen sprechen doch eine deutliche Sprache, woran es hapert beim HSV. Seit dem 1:0-Sieg über Hannover 96 am 29. September gab es ein 1:0 in Fürth, ein 0:1 in Hamburg gegen Stuttgart, ein 2:0 in Augsburg, ein 0:3 gegen Bayern, ein 0:0 in Freiburg und nun ein 1:0 gegen Mainz. Minimalisten-Fußball. Übrigens: In der Vorsaison hieß e bei Mainz – HSV zweimal 0:0, mit einem weiteren 0:0 an diesem Sonnabend wäre der Bundesliga-Rekord eingestellt worden. Den halten mit dreimal in Folge 0:0 der 1. FC Köln und der VfB Stuttgart.

Aber, und nun wird es wieder ganz wichtig: Der Sieben-Punkte-Plan von Thorsten Fink ist immer noch möglich – und das hätte ich schon einmal nicht so richtig geglaubt. Und inzwischen bin ich mir auch sicher, dass der HSV in Düsseldorf (kommenden Freitag) auf jeden Fall schon mal nicht verlieren wird.

Ein Satz noch kurz zu Maximilian Beister. Er hing in der ersten Halbzeit durch, nichts war dem Sturm-Talent gelungen, es war dem Machwuchs-Mann anzumerken, dass er nicht so allzu viel Selbstvertrauen mit sich herumschleppt. Aber: Ich finde es klasse, wie Fink den Youngster „durchzieht“, obwohl die Leistungen noch lange nicht erstliga-reif sind, aber nur so lernt Beister. Dass die Mitspieler gelegentlich ins Grübeln kommen (um es gelinde auszudrücken), wenn Beister mal wieder den ball zum Gegner oder nicht unter Kontrolle gebracht hat, das ist auch irgendwie verständlich, aber negative Gesten und Ausbrüche helfen ihm da kaum auf den rechten Weg. So wie Rafael van der Vaart kurz vor dem Seitenwechsel, als Beister „das Ding“ aus 14 Metern in Richtung Eckfahne prügelte, sodass kurzzeitig der Luftverkehr über dem Volkspark gefährdet war. Da flippte der „Rafa“ dann aber total aus, aber mal ehrlich: Wer hätte freistehend aus 14 Metern nicht auch selbst geschossen? Das musste Beister ganz einfach machen, anstatt dem Wunsche des Niederländers zu entsprechen und die Kugel zurückzulegen. Ein bisschen (mehr) Egoismus muss schon sein. Aber mit dieser Verbal-Attacke nahm die „ewige 23“ dem einst so rotz-frech aufspielenden Beister noch den Rest an Selbstvertrauen Eigentlich hätte Fink den glücklosen Offensivmann in der Halbzeit auswechseln müssen, aber er hielt tapfer an ihm fest. Risiko. Es wurde belohnt – dank der 1:0-Vorlage. Fink u seinem Stürmer: „Er hat sich mit der Tor-Vorlage Selbstvertrauen geholt, der Ball war nicht einfach zu nehmen. Und er hat in der zweiten Halbzeit in Ansätzen gezeigt, was er eigentlich kann. Seine Stärke ist die Effektivität, die hat er zwar im Moment nicht, aber wenn er weiter so arbeitet, dann kommt die zu ihm zurück.“
Nun bin ich gespannt, wie Maxi Beister am Freitag in Düsseldorf (führt jetzt gerade 1:0 in Bremen . . . ) aufziehen wird. Es müsste gerade dort eigentlich ganz gut gehen . . .

Und wenn dann auch noch Heung Min Son seinen starken Lauf bestätigen sollte, dann könnten doch am Rhein die Zeichen erneut auf Auswärtssieg stehen. Apropos Son. Der Südkoreaner sagte auf „Sky“ über die Wechselgerüchte in die Premier League: „Die Bundesliga ist eine tolle Liga, sie ist sehr anstrengend. Über England habe ich nicht nachgedacht.“ Auf die Frage, ob er sich eine Vertragsverlängerung über 2014 hinaus vorstellen könne: „Das ist schwer zu sagen. Ich würde gerne hier bleiben, aber man muss erst schauen, was im Vertrag steht.“ Aha. Das wird denn wohl sein Berater machen. Obwohl Son auch sagt, das er nichts von Angeboten großer europäischer Klubs wisse: „Mein

Berater verrät mir darüber nichts, damit ich nicht abhebe.“ Das ist mal eine kluge Maßnahme eines Beraters.

Ich bin wirklich gespannt, wohin der Weg des Angreifers führen wird – im Sommer 2013. Ich halte England für viel zu früh für ihn, aber das ist meine persönliche Meinung, die natürlich völlig unmaßgeblich ist. Aber genau deswegen bin ich ja auch so gespannt.

Zurück noch einmal zum Mainz-Spiel. Kapitän Heiko Westermann befand: „Die Art und Weise unseres Sieges war bemerkenswert. Wenn man nicht richtig rein kommt ins Spiel dann spielt man einfach – das haben wir getan.“ Stimmt. Und Thorsten Fink steuerte noch einen Treffer bei: „In der vergangenen Saison hätten wir ein solches Spiel verloren.“ Und dann fügte er hinzu: „Wenn wir nicht hervorragend spielen, dann haben wir uns meistens noch eine Kirsche eingefangen. Diesmal aber haben wir nicht die Nerven verloren, sind ruhig geblieben, haben defensiv hervorragend gearbeitet. Das ist schon gut, das hat gezeigt, dass die Mannschaft da insgesamt schon weiter ist, und dass wir uns defensiv sehr gut entwickelt haben. Das ist sehr, sehr wichtig. Wir haben in Freiburg schon wenig hergegeben, und diesmal auch nicht viel.“

Voller Selbstbewusstsein stellte deshalb auch Rene Adler fest: „Wir haben vorher gesagt, dass wenn wir dieses Spiel gewinnen, dann gewinnen wir auch in Düsseldorf. Und davon bin ich mehr denn je überzeugt.“ Was mich total freut, denn wenn ich Adler so beobachte, wenn er sich den Ball zum Abstoß zurechtlegt, dann kommen mir Gedanke wie diese: „Mach bloß nicht so schnell, Rene, denn wenn du schneller machst, dann kommt der Ball auch umso schneller wieder zurück zu dir. Weil die Jungs da vorne nicht allzu viel mit dieser Kugel anfangen können . . .“ Wie gesagt, das ist nur meine Interpretation. Frei nach Matz also. Was der Sportchef wirklich und tatsächlich sagte, könnt ihr hier nun lesen. Frank Arnesen stellte sachlich fest: „Es war ein erwachsener Sieg von uns. Wir mussten geduldig sein und schlau, und das ist der Mannschaft auch gelungen.“

So, zwei Nachrichten habe ich jetzt noch, eine gute, eine schlechte. Zuerst die gute:
Nach nur zwei Tagen ist auch die zweite Tranche der Jubiläums-Anleihe des HSV auch schon wieder ausverkauft. Dem Verein fließen damit fünf Millionen Euro zu. „Es können derzeit leider keine weiteren Kaufanträge entgegengenommen werden“, gab der HSV bekannt, und Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow bedankte sich bei den Fans: „Wir alle sind überwältigt davon, welche Kraft im HSV steckt und welchen Rückhalt wir bei der Jubiläums-Anleihe erhalten haben.“ Die Hamburger wollen mit der Anleihe den Bau eines großen Fan- und Nachwuchszentrums, des „HSV-Campus“, unmittelbar am Stadion finanzieren.

Und das ist das Stichwort für die schlechte Nachricht – Nachwuchs:

Die Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardos kam in Kiel mächtig unter die Räder. Mit :6 wurde der Rothosen-Nachwuchs aus dem Stadion der Störche getrommelt, und das ist nun wirklich ein wenig zu viel des Guten. Wieso spielt diese Mannschaft, in der ja auch einige vielversprechende Talente stehen (so sagt man jedenfalls beim HSV!) einen solchen Katastrophen-Fußball? Ich habe die Mannschaft nun zuletzt zweimal gesehen (gegen den VfB Lübeck und gegen Werder II), ich war schwer enttäuscht. Der Nachwuchs quält sich ähnlich wie die Profis durch und über die 90 Minuten, da ist nichts von Lust, Spaß und Leidenschaft zu erkennen.
Herr Arnesen, tun Sie etwas. Das ist doch ein echtes Trauerspiel. Da muss doch – für den immensen Aufwand, der dort betrieben wird, viel, viel, nein, unendlich mehr und noch viel mehr kommen. Sonst ist diese Truppe doch wirklich nur eine reine Geldvernichtungsmaschine. 1:6 in Kiel – geht’s noch?

16.52 Uhr

Arslan – ein klarer Kopf mit großem Potenzial

15. November 2012

Was bitte erlauben Ibrahimovic? Wie durchgeknallt muss man sein, um aus 30 Metern einen Fallrückzieher aufs Tor zu knallen? Antwort: Eben so, wie es Ibrahimovic ist. Und auch wenn ich den Schweden ob seiner stumpfen Art nicht wirklich zum Geburtstag einladen würde, ich möchte ihm dafür gratulieren und ihm den Schuss Genialität zuschreiben, der ihm von seinen Fans ja seit Jahren bereits attestiert wird. Das war einfach unfassbar! Das müsste eigentlich das Tor des Jahres werden! Die Einschränkung “müsste” auch nur, weil die Bewerbungsfrist der Fifa – völlig sinnfrei schon im November! – unmittelbar zuvor gestern Mittag bereits abgelaufen war. Insofern bleibt ihm nur noch das Tor des Jahrhunderts. Und ob wir das noch miterleben?

Ich hoffe es. Für uns alle. Vor allem aber hoffe ich (irgendwie auch für uns alle), dass ich meine Dauerwette mit einem meiner besten Freunde gewinnen und bis zum Renteneintritt noch einen HSV-Meistertitel feiern kann. Dass das dieses Jahr nichts wird ist klar. Dieses Jahr geht es noch darum, dass sich die Mannschaft nach einem miserablen Jahr und einem missglückten Start stabilisiert. Es geht darum, die jungen Talente ein- und aufzubauen, sie zu Stammspielern zu formen und aus ihnen Leistungsträger für die Zukunft zu machen. Eben so, wie es bei Heung Min Son sowie bei Tolgay Arslan in Ansätzen schon der Fall ist. Du während wir über Erstgenannten die letzten Tage häufiger und meines Erachtens erschöpfend diskutiert haben, wollte ich die Ruhe beim HSV nutzen, um mich mal einem meiner Lieblingsspieler zu widmen: Tolgay Arslan.


Und das aus gutem Grund. Immerhin hat der Spieler der Stunde beim HSV am Mittwoch seine Premiere im Dress der U21-Nationalelf gefeiert. Eine Premiere, die rundum gelungen war – zumindest, was seine Leistung anbetrifft. „Tolgay war für mich der beste Mann auf dem Platz“, lobte Trainer Fink seinen Emporkömmling und fügte scherzend hinzu: „Erst als er ausgewechselt wurde, konnten die Türken das Spiel drehen.“ Und obwohl Fink dabei lachte, empfand ich das ähnlich. Zumindest war mir schleierhaft, weshalb Adrion seinen Debütanten vom Platz nahm. „Alles gut“, so Arslan auf meine erstaunte Nachfrage, ob vielleicht Ermüdung oder gar eine Verletzung dazu geführt hätten. Egal, viel wichtiger ist, dass Arslan fit ist. Ebenso wie die anderen Nationalspieler – bis auf Sala. Der Italiener zog sich eine Wadenverletzung zu und wird am Sonnabend gegen Mainz nicht im Kader stehen.

Arslan hingegen wirkt hochmotiviert. Der Mann, der uns während der EM im Rahmen seines Matz-ab-Live-Auftrittes noch sagte, dass er sich selbst viel Zeit geben wolle, bis er seine Ziele erreicht. „Ich bin keiner von denen, die ankommen und durchstarten. Ich bin kein Überflieger, sondern einer, der jeden einzelnen Entwicklungsschritt mitnimmt. Vielleicht habe ich dafür eine gewachsenere Basis als das eine oder andere Supertalent.“

Wie Recht er behalten sollte. Nach Anfangsproblemen (vor allem verletzungsbedingt) spielte sich der ballsichere Youngster auf der Doppelsechs fest. Inzwischen ist er neben Milan Badelj nicht mehr wegzudenken. Selbst Nationalspieler wie Petr Jiracek mussten für ihn ihre Position räumen. Ob ihm seine inzwischen doch sehr rasante Entwicklung etwas zu schnell geht? „Nein. Ich genieße das und lerne. Ich nehme die positiven Dinge mit.“

Und zwar für die Deutsche Nationalmannschaft – trotz deutschen und türkischen Passes. „Mein Vater war für die deutsche Nationalelf, meine Mutter für die Türkei“, erklärt Arslan seine Entscheidungsfindung, „und da habe ich es mir leicht gemacht. Ich habe gesagt, wer mich zuerst einlädt, für den entscheide ich mich.“ Hundertprozentig sicher sollten sich die DFB-Verantwortlichen dennoch noch nicht sein. Denn laut Fifa-Reglement dürfte Arslan jetzt für die deutsche U21 auflaufen und dennoch anschließend noch für die türkische A-Nationalelf. Was passieren würde, wenn die Türkei ihn fürs A-Team will? „Das weiß ich nicht“, so Arslan, „aber bis dahin ist ja auch noch Zeit.“

Stimmt. Bei aller Euphorie: A-Nationalelf ist dann doch noch nicht drin. Allerdings sollte es Arslans Ziel bleiben. „Zunächst einmal will ich mit der U21 zur EM 2013 nach Israel“, sagt Arslan, der gegen die Türkei am Mittwoch ein sehr emotionales Spiel hinter sich gebracht hat. „Beim Einlaufen die türkische Fahne zu sehen, dann beide Nationalhymnen zu hören – das war schon komisch. Ich kannte ja beide Hymnen.“ Auf dem Platz schlug das komische Gefühl dann auch nicht mehr um. Im Gegenteil. Immer wieder musste sich der HSV-Profi harten Attacken seiner Landsleute erwehren. Ob er bepöbelt wurde? „Darauf habe ich nicht so geachtet. Aber ich kann sagen, dass ich härter attackiert wurde. Aber zum Glück waren sie mir gegenüber genauso wie die Leute auf der Tribüne nur im Spiel aggressiv.“

Harte Attacken darf Arslan auch am Sonnabend erwarten, wenn der FSV Mainz kommt. „Die haben keine Angst“, sagt Dennis Diekmeier, „die hauen richtig rein. Das wird ein echter Fight“, so der Rechtsverteidiger über den nächsten HSV-Gegner, den Fink auf Augenhöhe mit dem HSV sieht. „Mainz spielt das eigene Spiel mutig nach vorn. Ich erwarte ein gutes Spiel mit einigen Torraumszenen, weil der FSV sich nicht hinten reinstellt, sondern mitspielt.“ Ob Fink personell Änderungen plant? „Nee“, so die kurze, klare Antwort. Einzig in der Innenverteidigung ist der Platz neben dem gesetzten Abwehrchef Heiko Westermann noch vakant. Mein geschätzter Kollege Kai-Uwe Hesse versuchte es dann mit einer Suggestivfrage. Allerdings ließ Fink sich nicht in die Karten schauen. „Bruma oder Mancienne spielt. Mit Michael haben wir zuletzt viele Punkte geholt. Jeffrey war bis zu seiner Verletzung gesetzt und hat zuletzt in Freiburg sehr gut gespielt. Ich werde mir das im Training genau anschauen und dann entscheiden.“

Klar ist indes, dass Dennis Aogo weiter Geduld haben muss. Der Linksverteidiger steht derzeit hinter Marcell Jansen an. Ebenso wie Marcus Berg hinter Artjoms Rudnevs, wobei bei dem Schweden zu sagen ist, dass er heute schon wieder mittrainierte. Ich habe es vermieden, ihn anzusprechen, weil ich glaube, dass er andere Sorgen hat. Allerdings wollte ich es bei aller sportlicher Kritik – ich setze voraus, dass das mit seiner Frau Josefine abgesprochen ist – nicht vergessen, ihn dafür zu loben. Es spricht auf jeden Fall für seinen Ehrgeiz.

Für den HSV gegen Mainz spricht zudem, dass Fink sieben Punkte aus den drei Spielen Freiburg, jetzt Sonnabend gegen Mainz und in Düsseldorf am 23. November geholt werden sollten. Um diese Rechnung noch aufgehen zu lassen, ist ein Sieg gegen den FSV unabdingbar. „Das stimmt“, sagt Fink, der mit einem Sieg auch einen „Heimfluch“ abhaken will. Sechs Punkte im eigenen Stadion stehen acht in der Fremde entgegen. „Wir haben zwei Spiele gewonnen und drei verloren – es gilt diese Bilanz zu verbessern, die Serie (von zwei Heimniederlagen in Folge, d. Red.) zu beenden.“

Das sind mal Sorgen. Ich jedenfalls kann noch keine Negativ“serie“ erkennen.

Egal wie, am Sonnabend muss gewonnen werden, um den Tabellensiebten FSV Mainz punktetechnisch einzuholen und den Anschluss ans obere Mittelfeld herzustellen. Die Chance jetzt ist so groß wie in dieser Saison bislang noch nie. Denn, wie sagte Arslan heute so schön? „Außer Bayern marschiert in der Tabelle ja keine weg…“

Stimmt. Und Punkte gegen den FSV sowie anschließend gegen den fulminant gestarteten und langsam schwächelnden Aufsteiger Düsseldorf könnten den HSV endlich mal wieder in den einstelligen Tabellenbereich hieven!

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird leider wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Aber ich werde Euch davon (heute trainierten nur die Spieler ohne Länderspieleinsätze) berichten.

Scholle

P.S.: Wer noch eine Anleihe zeichnen will, sollte sich nicht zu lange Zeit damit lassen. Bereits am ersten Tag wurden 1,6 Millionen Euro (von insgesamt 5 Millionen Euro) der so genannten „Schmuckanleihen“ gezeichnet. Einige wenige davon auch von mir…

Ilicevic geht in die Offensive – von Beginn an?

7. Dezember 2011

Wie erkläre ich, dass ich unzufrieden mit meiner Situation bin, ohne dem Trainer auf den Schlips zu treten? Schwer. Allerdings machbar. Das bewies heute Ivo Ilicevic. Der Kroate bemühte dafür allerdings auch alle Tricks, viel Lächeln und seinen Charme. „Natürlich ist der Trainer das Maß der Dinge, darüber setze ich mich ganz sicher nicht hinweg“, sagt Ivo, „aber ich kann mit Recht behaupten, endlich auf dem Stand zu sein, den ich brauche, um von Beginn an aufzulaufen.“

Unschuldig wirkende Worte des eher zierlichen Mannes, dessen 63 Kilogramm auf 174 Zentimeter verteilt ebenso harmlos wie trügerisch wirken. Vor allem für die zumeist deutlich kräftigeren Gegenspieler, denen Ilicevic regelmäßig Knoten in die Beine gespielt hat – und wieder spielen will. Und zwar so auffällig, wie damals, wo ihn der FC Bayern verpflichten wollte. Ohne das Veto seines damaligen Arbeitgebers 1. FC Kaiserslautern wäre der 25-Jährige am heutigen Mittwoch wahrscheinlich in der Champions League im Einsatz. So aber ist er – zu unserem Glück – beim HSV gelandet. Vier Millionen Euro hat der HSV für den Kroaten bezahlt, der gegen Mainz nur zu gern anfangen würde, Cent für Cent mit Leistung zurückzuzahlen.

Und das zum ersten Mal von Beginn an für den HSV in der Bundesliga. „Natürlich will ich das“, sagt Ilicevic, der auf seiner Lieblingsposition links im Mittelfeld mit dem derzeit formstarken Marcell Jansen konkurriert. „Allerdings kann ich im Mittelfeld auf allen Positionen spielen.“ Also auch im rechten Mittelfeld? Dort, wo sein bester Kumpel Gökhan Töre (Ilicevic: „Gökhan ist charakterlich ein ganz feiner Kerl, wir sprechen irgendwie eine Sprache“) nach fulminantem Start derzeit seit zwei Wochen ein kleines Formtief durchläuft? „Dort und auch zentral hinter den Spitzen. Die Positionen sind nicht so gravierend anders, weil bei uns die außen auch relativ weit nach innen gezogen spielen.“ Soll heißen: Ilicevic bietet sich auf allen Positionen an, um so seine Startelfchancen zu erhöhen.

Ilicevic, der sich zuletzt stets zurückhaltend äußerte und darauf verwies, noch nicht bei hundert Prozent zu sein, geht in die Offensive. Er sei topfit, bräuchte Spielpraxis – und er fordert offen seine Chance ein. Zumal es am Sonnabend um 15.30 Uhr ausgerechnet zu der Mannschaft geht, gegen die er sein Bundesliga-Debüt feierte: zum FSV Mainz 05. Hinzukommt, dass er da etwas gutzumachen hat. Denn am 12. August 2006 hagelte es für ihn mit dem VfL Bochum eine bittere 2:1-Niederlage am Bruchweg. Ein schlechtes Omen? Mitnichten. Am Sonnabend geht es in die neue Coface-Arena – der Bruchweg ist ebenso Geschichte wie das Reservistensein für Ilicevic. Hofft der Kroate. Nur 70 Kilometer von seinem Heimatort Aschaffenburg entfernt warten seine Eltern sowie seine beiden Brüder und etliche Freunde auf ihn. „Und auch die würden sich natürlich freuen, wenn sie mich von Beginn an sehen könnten“, lacht Ilicevic.

Verdient hätte er es. Das einzige Problem ist, dass es zumindest auf den Außenpositionen beim HSV niemand wirklich verdient hat, ausgewechselt zu werden. Weder Jansen, noch Töre. Womit für Ilicevic immerhin noch die Position von zuletzt Heung Min Son bliebe. Der Südkoreaner wirkte zuletzt glücklos, teilweise überfordert. Was auch für Trainer Thorsten Fink nicht verborgen blieb. Der HSV-Coach hatte zuletzt trotz Formschwäche an seinem 19-jährigen Youngster festgehalten und ihm auch gegen Nürnberg eine Chance gegeben. Allein, Son wusste sie nicht zu nutzen und wirkte überspielt, wenigstens aber überfordert. Anlass genug für Fink, über eine Pause für Son nachzudenken. „Er braucht Zeit, er bekommt von mir Zeit“, so Finks solidarische Worte Richtung Son, der gegen Mainz verstärkt damit rechnen muss, zunächst auf der Bank Platz zu nehmen.

Für Ilicevic. Obwohl: für Ilicevic? Immerhin meldet sich jetzt auch Mladen Petric gesund zurück. Ilicevics Landsmann hatte zuletzt fast fünf Wochen aussetzen müssen und konnte heute wieder voll mittrainieren. „Ich freue mich, dass Mladen wieder fit ist“, sagt Ilicevic über seinen Nationalmannschaftskollegen, der mit ihm um die eine Position im Zweiersturm neben Paolo Guerrero konkurriert. Trotzdem lobt Ilicevic fair: „Mladen ist für die Mannschaft ein ganz wichtiger Spieler. Er verfügt über eine riesige Qualität, die die Mannschaft braucht.“ Dass das nicht unbedingt von Beginn an in Mainz so sein muss – selbstredend…

Mit deutlich weniger zufrieden ist dagegen Slobodan Rajkovic. Der Serbe war nach seiner Drei-Spiele-Sperre zuletzt gegen Nürnberg nicht mal mehr im Kader. „Der Trainer hatte mir gesagt, dass er ungern etwas verändern wolle nach den guten Spielen zuvor“, so der körperliche Gegenpart von Ilicevic. Rund 88 Kilogramm verteilt auf 194 Zentimeter verleihen dem 22-Jährigen eine beeindruckende Erscheinung. Dabei ist Rajkovic selbst ein eher schüchterner, höflicher Typ. Ganz entgegen seinem Rambo-Image, das neben seiner imposanten Erscheinung vielleicht auch einen Teil dazu beigetragen haben könnte, dass er „für nichts und wieder nichts“ (O-Ton Rajkovic) gegen Kaiserslautern mit Rot vom Platz musste – und so seinen Stammplatz an Jeffrey Bruma verlor. Der Niederländer machte seinen Job anschließend so gut, dass er als gesetzt gilt. Zumal er seine Schulterverletzung auskuriert zu haben scheint und am Sonnabend einsetzbar ist. „Ich muss warten“, so Riese Rajkovic kleinlaut, „so ist eben Profi-Fußball.“

Und der wird aus Finks Sicht immer schöner. Nachdem der HSV bis auf Platz elf klettern konnte, kann Fink den kurzfristigen Ausfall von Michael Mancienne mit der Hereinnahme von Rajkokvic schnell und allemal ebenbürtig kompensieren. Im Angriff hat er zudem, wie oben bereits beschrieben, viele verschiedene Variationsmöglichkeiten. Und da nur elf Spieler auf dem Platz stehen dürfen, hat der HSV-Coach im normalen Fall (wenn alle gesund bleiben) ausreichend Möglichkeiten auf der Bank, um den Spiel mit Einwechslungen zu verändern. Er hat wieder echte Alternativen. Oder besser gesagt: noch mehr als zuletzt.

Und das ist gut so. Zumindest vergrößert das die Chance, dass Fink auch weiterhin von der ersten bis zur letzten Minute Profis auf dem Platz hat, die um ihren Stammplatz kämpfen. So, wie es Ilicevic zuletzt eindrucksvoll im Training sowie bei seinen Einwechslungen machte und sich meiner Meinung nach damit eine Chance von Beginn an verdient hat. Auch wenn das bedeutet, dass Mladen Petric damit zunächst nur als Reservist dabei ist.

Wohl denen, die so eine Auswahl haben. Wer hätte das am Saisonanfang gedacht?

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird wieder um zehn Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Und um die Startelfplätze gekämpft. Klingt irgendwie gut…

Scholle (18.26 Uhr)

Das Ende der HSV-Ära Hoffmann

6. März 2011

Nach der 2:4-Pleite gegen Mainz wurde es auch hinter den Kulissen beim HSV noch einmal turbulent. Die Aufsichtsräte besuchten den Vorstand und teilten mit, dass es eine neue Entwicklung in Sachen Vertragsverlängerung gegeben habe. Eine Erklärung wurde danach auch den Medien zugespielt, sie lautet wie folgt: „Der Aufsichtsrat hat heute über den Antrag abgestimmt, die Verträge mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus vorzeitig um ein Jahr zu verlängern. Der Antrag hat mit 7:5 Stimmen nicht die erforderliche Mehrheit gefunden. „Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass Bernd Hoffmann und Katja Kraus ihrer Arbeit für den HSV weiter wie bisher professionell nachkommen werden“, sagte Ernst-Otto Rieckhoff, Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Der Versuch eines Kompromisses ist also gescheitert. Was aber dahinter steckt, ist das: Bernd Hoffmann wird kein neues Angebot mehr erhalten, der Aufsichtsrat sucht nun einen Nachfolger für den Posten des Vorstands-Vorsitzenden – die HSV-Ära Hoffmann wird, so wie es am heutigen Abend aussieht, somit spätestens im Dezember 2011 ein Ende finden. Allerdings ist damit das Vakuum, das bislang Bestand hatte, nicht vom Tisch. Der HSV bleibt nun erst einmal blockiert und handlungsunfähig.

So, um auf die sportliche Seite dieses schweren Tages zu kommen, wie in der Schlussphase des Mainz-Spiels die HSV-Mannschaft. Es war nach dem 2:2-Ausgleich absehbar, dass dieser HSV noch wird baden gehen müssen, denn es stimmte hinten und vorne nicht, zudem gab es viele Räume, die den Mainzern quasi kampflos überlassen wurden. Ein echtes Trauerspiel. Der HSV war dem Sieger vor allem in einem Punkt hoffnungslos unterlegen: Tempo. Es war ein Genuss, diese jungen Mainzer spielen und rennen zu sehen, zum Schluss war es ein Klassenunterschied. Ich hatte es vorher angekündigt, dass wir in diesem Spiel einen Hauch von Borussia Dortmund würden erleben können, und genau so ist es auch eingetreten. Sollte jeder HSV-Spieler einmal den Wunsch verspüren, sich diese 90 Minuten noch einmal anschauen zu wollen, dann wird er in sich gehen müssen. Das war vor allem nach dem 2:2-Ausgleich wie Rentner-Fußball gegen ICE-Tempo. Als neutraler Beobachter muss man ganz einfach von dieser Mainzer Mannschaft begeistert sein, so sieht der Fußball von heute aus. Und der HSV spielt noch immer den Fußball von gestern.

Die Stimmen der Trainer:

Thomas Tuchel: „Wir haben dieses Spiel verdient gewonnen. Wir haben eine bessere zweite Hälfte als die erste gespielt, Wir hatten in Halbzeit eins nicht die nötige Ruhe, um zu Torchancen zu kommen. Wir mussten natürlich mit dem 0:1 einen Rückschlag hinnehmen, der nicht einfach war. Ich glaube auch, dass die große Leistung heute darin besteht, dass sich die Mannschaft auch schon gegen Ende der ersten Halbzeit davon freigemacht hatte, mit diesem 0:1 und der Fehlentscheidung zu hadern. Dass wir denn den erneuten Rückstand noch einmal egalisieren konnten und dann sogar als Sieger vom Platz gingen, das macht mich heute schon stolz, ich bin sehr zufrieden.“

Armin Veh: „Ich sehe es ähnlich, der Mainzer Sieg war verdient. Mainz war insgesamt die bessere Mannschaft, war zielstrebiger, frecher und schneller wie wir heute. Wir hatten Schwierigkeiten, sind aber zweimal in Führung gegangen, und wenn man dann merkt, dass der Gegner schneller ist, dann muss man trotz allem so clever sein, dass man nicht so in Konter läuft. Nach dem 2:2 hatte Mainz zu große Räume zum Kontern. Sicher hätten wir etwas holen können, aber der Mainzer Sieg ist verdient, die bessere Mannschaft hat heute gewonnen.“

Armin Veh weiter: „Woran es lag, das kann ich so schnell nach dem Spiel auch nicht sagen, der Gegner war besser. Wir haben es einfach nicht geschafft, unser Spiel, das wir uns vorgenommen hatten, durchzusetzen.“

Armin Veh über das Experiment mit Gojko Kacar und Heiko Westermann: „Ich denke, dass das kein Experiment mehr ist. Kacar hat, bis auf die Situation vor dem 2:3, als er den Ball klären muss, ein gutes Spiel abgeliefert. Und dass Heiko Westermann im Mittelfeld bleibt, das ist im Normalfall so, ich sehe keinen Grund, das zu ändern.“

Armin Veh über die Auswechslungen zu Pause (Jansen und Pitroipa raus): „ Das geschah nicht aus Verletzungsgründen, sondern deshalb, weil wir keinen Zugriff hatten. Wir hatten ja nur ein glückliches Tor gemacht, ansonsten aber zu viel Mainzer Spiel zugelassen.“

Veh über die Chancen des HSV, doch noch international zu spielen: „Das muss man realistisch sagen, dass diese Niederlage eine kleine Vorentscheidung war. Momentan brauchen wir darauf nicht mehr zu schielen. Fünf Punkte Rückstand auf Bayern, sechs Punkte auf Mainz – momentan brauchen wir darüber nicht mehr nachdenken. Obwohl man es auch niemals abhaken sollte, doch heute gegen einen unmittelbaren Konkurrenten verloren zu haben, das wiegt schon schwer. Aus meiner Sicht war Mainz heute besser. Ich habe bei uns viele Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben.“

Veh über die Umstellungen im Mittelfeld (zweite Hälfte mit der Rauten-Taktik): „Ich wollte dadurch die Mitte besser zumachen, was am Anfang auch ganz gut geklappt hat, wir waren zunächst nach vorne auch präsenter und gefährlicher – aber das zweite Gegentor war entscheidend. Dennoch darf man sich zum Schluss im eigenen Stadion nicht so auskontern lassen, wie wir es dann taten.“

Veh über die Mainzer: „Die waren ins in Sachen Schnelligkeit überlegen, das war das Problem. Wir haben den Schürrle nie in den Griff bekommen, aber Mainz ist nach Dortmund auch die beste Auswärtsmannschaft. Die hatten hier nichts zu verlieren, die waren frech und schnell und stark. Und wir haben hinten dann später zu viele Fehler gemacht. Wir haben dieses Spiel nicht in der Offensive verloren.“

Armin Veh über die Auswechslung von Marcell Jansen: „Ich habe ihn heute nicht gut gesehen – er sieht das anders. Ich aber muss Entscheidungen treffen.“

Veh über die Gründe dieser Niederlage: „Mein Gott, Mainz war heute einfach besser. Es muss ja auch nicht am fehlenden Willen liegen, es muss nicht eine Sache des Kopfes sein, es kann ja auch mal am Gegner liegen, der einfach mal besser war. Mainz war einfach gut, wir nicht. Schnelligkeit ist wichtig, es ist wichtig, den Ball schnell nach vorne zu spielen, das haben die Mainzer viel schneller gemacht, wir haben es nicht geschafft – warum auch immer. Mainz hat schnörkellos gespielt, alle marschieren mit, der linke Verteidiger, der rechte Verteidiger, alle gehen mit in die Spitze und schalten aber auch blitzschnell wieder um – das machen viele Mannschaften. Und es gibt immer mehr junge Spieler, die das schon sehr, sehr gut beherrschen.“

Veh über Schiedsrichter Babak Rafati: „An ihm lag es nicht, dass wir verloren haben, ganz klar. Sicher hat er uns einen Elfmeter nicht gegeben, als Paolo Guerrero gelegt worden war, aber auch einen Elfmeter muss man ja erst einmal verwandeln.“

21.24 Uhr

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