Archiv für das Tag 'Magath'

„Danke an Augsburg und Hannover!“

4. Mai 2014

Welche Erleichterung doch eine 1:4-Niederlage auslösen kann…

 

Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka wurde durch die Niederlagen der Konkurrenz zum Sieger des Wochenendes im Kampf um den Klassenerhalt. „Wir müssen uns bei Hannover und Augsburg bedanken“, brachte es Verteidiger Heiko Westermann auf den Punkt. „Diese beiden Teams haben es uns ermöglicht, am kommenden Wochenende aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen.“

 

Neue Hoffnung nach vier Niederlagen in Folge, in denen es 4:10 Tore gab – das gibt’s auch nur beim HSV! Aber die Fakten sprechen ja auch für Hamburg. Nein, genauer gesagt sprechen sie gegen die Konkurrenz. Wer solche Chancen liegen lässt wie Braunschweig und Nürnberg, der hat unter Umständen noch weniger den Klassenerhalt verdient als der HSV – und das will was heißen.

 

 


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Die exakte Aufarbeitung der Niederlage gegen den amtierenden Triple-Gewinner können wir uns an dieser Stelle schenken. In groben Zügen gilt zu konstatieren, dass der HSV gut gepresst hat, die Zweikämpfe angenommen hat, Bayern ärgern konnte – aber letztlich wegen der individuellen Bayern-Klasse chancenlos war.

 

27 Punkte hat der HSV auf dem Konto. Es ist in nahezu allen Bereichen die schlechteste Saison der Geschichte. Wenigste Siege, meiste Niederlagen, meiste Gegentore, schlechteste Heimbilanz, Auswärts-Niederlagenserie, zwei Trainer gefeuert, und und und.

 

Und trotzdem geht da noch was! „Wir gehen davon aus, dass Pierre Michel Lasogga in Mainz wieder mit von der Partie sein wird“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer heute. Lasogga steht also ebenso wie Verteidiger Johann Djourou vor dem Comeback, und das würde dem HSV natürlich enorm helfen. Allein die Aussicht, endlich wieder einen Stürmer auf dem Platz zu haben, gab es seit Wochen nicht.

 

In der Vorbereitung auf die Partie in Mainz, das ja auch noch um die Qualifikation für die Europa League spielt, soll diesmal nichts Ungewöhnliches getan werden. Kein Trainingslager, kein zusätzlicher Geistheiler. Jetzt gilt die volle Konzentration einzig diesem Spiel. Hoffnungsschimmer waren gestern die kämpferischen Auftritte von Rafael van der Vaart und den anderen Offensivspielern, denen in punkto Einsatz kaum ein Vorwurf zu machen war. Ich finde, dass besonders Michael Mancienne in der Innenverteidigung ein ganz starkes Spiel gemacht hat. Der Engländer hat sich dazwischen gehauen, wo es nur ging, und den Bayern wehgetan. Er war ein Vorbild im Abstiegskampf.

 

Trainer Mirko Slomka hat den Sonntag überwiegend in Cottbus verbracht. Dort spielte Greuther Fürth, der mutmaßliche Tabellendritte der Zweiten Liga bei Energie, und siegte deutlich mit 6:0. Nach aktuellem Stand ist Greuther Fürth der Relegationsgegner des HSV. Co-Trainer Nestor El Maestro hat sich das 2:0 des Zweiten SC Paderborn in Aue angesehen. Der HSV will vorbereitet in die Relegation gehen, die am Donnerstag, den 15. Mai, um 20.30 Uhr zu Hause beginnen würde. Das Rückspiel ist für den Sonntag, 18. Mai, um 17 Uhr anberaumt.

 

Wie es am Ende auch ausgehen mag, anschließend wird abgerechnet. Und klar ist auch heute schon und im Grunde seit Monaten, dass all die Ereignisse der vergangenen Monate personelle Konsequenzen auf Führungsebene haben werden. Diese Aussage gilt ganz unabhängig vom Ausgang der Mitgliederversammlung am 25. Mai, auf der über die Ausgliederung in eine Fußball AG nach HSV-Plus-Vorbild entschieden wird.

 

Ich bin in den vergangenen Tagen wieder häufiger angesprochen worden auf meine Beurteilung von Sportchef Oliver Kreuzer, der zuletzt im Winter ja noch sehr gut weggekommen war. Neben dem Trainingsplatz, in Gesprächen kam dieses Thema immer wieder hoch, denn Kreuzer steht bei den meisten ja gewaltig auf dem Index.

 

Am Ende muss eine klare Entscheidung her – das Vorstandstrio Jarchow, Hilke, Kreuzer raus oder nicht – aber bis dahin kann man ja versuchen, differenziert auf diese Personen zu gucken.

 

Was Kreuzer angeht, kann ich natürlich meine Einschätzung vom Winter nach dieser Rückrunde so nicht aufrecht erhalten. Zu viel Schlechtes ist seither geschehen, zu viel auch bekannt geworden, was vor Monaten nicht bekannt war. Damit spiele ich insbesondere an auf die Vertragsdetails bei den Personalien Bert van Marwijk und Johann Djourou an, die den HSV Unsummen kosten. Aber auch andere Entscheidungen sind in die falsche Richtung gegangen. Stichworte: Ola John, Ouasim Bouy, Artjoms Rudnevs. Dagegen stehen allerdings auch die Vertragsverlängerungen von Jonathan Tah und Hakan Calhanoglu, die dem Verein perspektivisch aber mal ganz sicher sehr gut tun werden.

 

Ich sehe in Oliver Kreuzer trotzdem nicht den Hauptschuldigen für die aktuelle Misere. Er ist unter denkbar schlechten Rahmenbedingungen an die Elbe gekommen, die kein einziger anderer Sportchef in der Bundesliga zu erfüllen hatte. Kaum hatte er in Hamburg angeheuert, wurde ihm die Vorgabe mitgegeben, 15 Millionen Euro einzusparen. Dann gab es kurz darauf von Klaus-Michael Kühne gewaltig auf den Latz. In dieser Situation ist Kreuzer niemand zur Seite gesprungen, der ihm hätte zur Seite springen müssen. Kein Aufsichtsrat, kein Vorstandskollege. Kreuzer, der „Drittliga-Manager“, stand von Beginn an allein im Sturm, gebrandmarkt als Schwächling.

 

Hier beginnt allerdings auch sein Versäumnis. Kreuzer hat zu selten sportlich fragwürdige Entscheidungen verhindert. Und das hätte er tun müssen, denn es ist im Wesentlichen sein Verantwortungsbereich. Er hat die Philosophie aller aktuellen Vertragsabschlüsse beim HSV, die da heißt: es muss vor allem wirtschaftlich passen!, nach außen mitgetragen und sich eben nicht dagegen verwehrt. Er hat sich Zoua im Sommer und die genannten Niederländer im Winter quasi von den jeweiligen Trainern aufschwatzen lassen. Die Trainer sind inzwischen weg, somit trägt Kreuzer die alleinige Verantwortung. Kreuzer dazu heute im “Sport-1-Doppelpass”: “Natürlich übernehme ich total die Verantwortung für das, was in dieser Saison passiert ist. Ich habe einen Zweijahresvertrag und würde mich auch dann als Bestandteil des Vereins sehen, den geplanten Aufstieg wieder anzustreben!”

 

Was die Beurteilung von Carl Jarchow und Joachim Hilke angeht, mache ich es mir einfacher. Jarchow muss sich hier nur an den eigenen Vorgaben des Vorjahres messen – dann erübrigt sich eigentlich jeglicher weiterer Kommentar. Er hat gestern im „sportstudio“ schon glockenklar gesagt: „Wenn man solch eine Saison spielt und in solch einer Lage ist wie wir, muss man die Verantwortung tragen. Und dieser Verantwortung werden wir uns auch stellen.“ Im Grunde ist alles, was Jarchow als Zielvorgabe genannt hat, nicht eingetroffen. Dies Urteil muss er gemeinsam mit Hilke hinnehmen. Bei Hilke kommt hinzu, dass er im Winter die fatale Indonesien-Reise vorangetrieben hat. Sie ist auch gegen Widerstände aus dem sportlichen Bereich durchgedrückt worden mit den bekannten Folgen. Indonesien hat seinen Beitrag geleistet zur schlimmen HSV-Rückrunde. Schon Im Februar hatte der damals noch komplette Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der von einigen geplanten Magath-Verpflichtung vorgesehen, Jarchow und Hilke abzulösen. An Kreuzer schieden sich die Geister, weil viele ihn wie ich als Täter und Opfer gleichermaßen sahen und sehen.

 

Was im Februar galt, muss im Mai nicht zwingend auch noch gelten. Aber wenn ich in die nahe Zukunft schaue, dann kann ich mir keine führende Rolle für einen der drei Genannten beim HSV mehr vorstellen. Was Oliver Kreuzer angeht könnte dennoch ein Amt im sportlichen Bereich in der zweiten Reihe möglich sein. Ein anderer Sport-Vorstand einer neuen AG trüge die Verantwortung mit Kreuzer in seinem Stab.

 

Ich denke, es ist kein Zufall, dass diejenigen potentiellen Sportchef-Kandidaten des HSV, die eine gefestigtere Position versprachen als Kreuzer sie verkörpert, aus eigenen Stücken abgesagt haben. Das galt vor einigen Jahren für Nico Hoogma, das galt für Jörg Schmadtke ebenso wie für Felix Magath. Ich meine jetzt nicht die sportliche Kompetenz, sondern die Durchsetzungskraft. Diese drei haben sich gedeihliches Arbeiten beim HSV nicht vorstellen können. Sie haben gemerkt, dass etwas ganz Grundsätzliches falsch läuft beim HSV, so dass sportliche Entwicklung nach den Vorstellungen eines „normalen“ sportlichen Leiters nicht umgesetzt werden können. So wie es jetzt mit Kreuzer gelaufen ist, werden die Absagen der drei im Nachhinein gerechtfertigt.

 

Man könnte sagen: so, wie der HSV vor einem Jahr gestrickt war und heute gestrickt ist, musste die Aufgabe Kreuzer über den Kopf wachsen.

 

Ein letztes Mal noch ein Wort zu Kreuzer. Auch und gerade hier in den Kommentaren wird er oft hart kritisiert für seine häufigen öffentlichen Auftritte. Ich finde, dass öffentliche Präsenz die Pflicht ist eines Sportchefs – gerade wenn sich andere in brenzligen Situationen wegducken. Und das haben einige in den vergangenen Monaten getan – Kreuzer am wenigsten, auch wenn er wusste, dass er dadurch zusätzliche Angriffsfläche riskiert.

 

Unrühmliche Begleiterscheinungen des Kicks gestern waren die Auseinandersetzungen zwischen Ultra-Fans des HSV und der Polizei. Die Scharmützel begannen bereits vor der Partie in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen, in Ottensen und am S-Bahnhof Eidelstedt. Bei ersten Handgreiflichkeiten wurde eine Polizistin verletzt. Die Polizei hat daraufhin etwa 25 Mitgliedern von „Poptown“ den Zugang zum Stadion verwehrt.

 

Entsprechend aufgeladen waren die übrigen „Fans“. Als dann im Stadion das bekannte Plakat ACAB („All Cops are Bastards“) aufgehängt wurde, platzte den Einsatzkräften der Geduldsfaden. Sie schritten in der Halbzeit ein, was weitere Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Viel davon war im Fernsehen zu sehen – es kursieren auch einige Videos von Schlägereien hinter den Tribünen. Tränengas musste eingesetzt werden, die Polizei griff zu Schlagstöcken. Massenhaft Gegenstände wurden in Richtung der Polizisten geschleudert. Fahnenmasten, Bierbecher, sonstiges Zeugs.

 

Es sind sehr unerfreuliche Bilder, und natürlich kann man darüber streiten, ob die Polizei im Stadion wirklich in dieser Form gegen das Plakat vorgehen musste. Wahrscheinlich war das nicht schlau, aber die Verursacher dürfen hier nicht mit den Opfern verwechselt werden. Der HSV ist dabei, wieder ein massives Problem mit seiner Ultra-Szene zu bekommen. In den vergangenen Monaten ist immer mehr passiert, das zeigt sich nicht nur in regelmäßigen Abständen beim Pyro-Thema.

 

Hier ist ein Einschreiten von Seiten des Supporters-Clubs erscheint dringend notwendig. Die Aggression der Ultras in diesem Fall hatte nichts mit dem Fußball auf dem Rasen zu tun, das war offenkundig. Andere Aggression, finde ich, hat aber im Stadion und am Rande eines Fußballplatzes nichts zu suchen. Übrigens wurde im Laufe der Krawalle insgesamt sechsPolizisten leicht verletzt.

 

Soweit die Perspektive der Polizei. Der guten Ordnung halber die Stellungnahme des Supporters-Clubs:

 

Supporters Club und HSV Fanprojekt verurteilen Einsatz der Polizei

In der Halbzeit des Spiels unseres Hamburger Sport-Verein e.V. gegen den FC Bayern München kam es auf der Nordtribüne zu einem Polizeieinsatz, welcher aus Sicht des HSV Supporters Club und des HSV Fanprojekts absolut unverhältnismäßig war und zu verurteilen ist.

„Man muss sich Fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League Qualifikatiopnsspiel FC Schalke 04 – PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat”, so Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club.

Grund des Blocksturmes war ein provokantes Banner „ACAB” (all cops are bastards), der sich gegen die Polizei richtete.

Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöckern zu stürmen, ist vollkommen inakzeptabel. Die In-Kaufnahme von Verletzten im dreistelligen Bereich, steht in keinem Verhältnis zu einer solchen Provokation.

Wir verlangen und erwarten eine umgehende und lückenlose Aufarbeitung des Einsatzes und verurteilen diesen abermals auf das Schärfste.

HSV Supporters Club und HSV Fanprojekt

 

Wenn der Bock zum Gärtner wird…..

 

Zum Schluss noch eine Information, die sich aus einem Interview vom Jürgen Hunke mit dem Deutschlandfunk ergeben hat. Aufsichtsrat Hunke hat sich dortheute  in einer langen Diskussions-Sendung zum HSV auch zur wirtschaftlichen Situation des Clubs geäußert. Er kennt alle Zahlen und hat versichert, dass der HSV die Lizenz für beide Ligen aus seiner Sicht erhalten werden. Und der erfolgreiche Unternehmer ging noch einen Schritt weiter. Im Notfall, so Hunke, stünde er auch bereit, um dem Verein mit seinem Geld über Liquiditätslücken zu helfen. Mit anderen Worten: steht dem HSV das Wasser nicht nur bis zum Hals sondern einige Zentimeter höher, würde Hunke wirtschaftlich helfen.

 

Noch ein paar Sommer-Infos: Der Vorbereitungsplan des  HSV auf die neue Saison steht. Am 18. Juni ist unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit Trainingsstart. Ende Juni fährt das Team für eine Woche ins erste Trainingslager nach Glücksburg in Schleswig-Holstein (22.6.-29.6.). Dort stehen zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm, unter anderem gegen den ETSV Weiche. Vom 4. Bis 11. Juli fliegt der HSV definitiv nach China, und zwar nach Guangzohou im Südosten des Landes. Auch hier stehen zwei Spiele an. Bleibt der HSV erstklassig, dann ist anschließend eine Woche Pause, ehe der Telekom-Cup und eine weitere Trainingswoche in Österreich die Vorbereitung beschließen. Im Fall des Abstiegs entfällt die Trainingspause und es geht mit Volldampf auf den Zweitliga-Start am Wochenende 1. Bis 3. August.

 

Morgen ist trainingsfrei am Stadion, es geht weiter Dienstag um 10 Uhr – vielleicht ja dann mit Pierre Michel Lasogga.

 

Sportlicher Gruß von Lars

 

 

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