Archiv für das Tag 'Mackerodt'

Ein Trainer und fünf Stuttgarter “Helden”

11. März 2013

„Eine hervorragende Mannschaft; und ein Trainer, der sich taktisch immer sehr viele gute Sachen einfallen lässt.“ Das hat niemand über den HSV gesagt, sondern der HSV-Trainer über den VfB Stuttgart. Vor dem Spiel am Neckar. Und dann gewinnt der HSV 1:0. Nicht weil er die überragend bessere Mannschaft gewesen ist, sondern wohl auch deshalb (oder vor allem?), weil sich der HSV-Coach taktisch etwas hatte einfallen lassen: Thorsten Fink. Vielleicht lässt sich ja demnächst Bruno Labbadia mal zu einem solchen Spruch hinreißen: „Eine hervorragende Mannschaft, und ein Trainer, der sich taktisch immer sehr viele gute Sachen einfallen lässt.“ Es war übrigens das erste Mal, dass der Fink dem Labbadia gezeigt hat, was eine Harke ist . . . Und das in seinem 50. Spiel als HSV-Coach – mit einer eher vorsichtigeren Taktik – um nicht Defensiv-Taktik zu sagen. Vorher hatte es ja in Hamburg die eine oder andere Stimme gegeben, die es nicht befürworteten, dass Fink auf nur eine Spitze setzen wollte, um dazu – wie zu Saisonbeginn – mit einer „Doppel-Sechs“ anzutreten. Und diese Änderung war genau richtig, sodass Thorsten Fink auch einmal kräftig gelobt werden sollte. Auch von den Skeptikern. Kapitän Heiko Westermann lobte die taktische Umstellung: „Erstmalig wieder mit einer Doppel-Sechs, ich glaube, dass das der Schlüssel zum Sieg war.“

Neben Fink hatte dieser Sieg auf Hamburger Seite auch weitere fünf Helden – für mich. Da sind zu nennen Rene Adler, Heiko Westermann, Tomas Rincon, Per Ciljan Skjelbred und Artjoms Rudnevs. Wobei Adler und Westermann in dieser Aufzählung wohl als „normal“ zu nennen sind – aber die anderen Profis?

Rincon, den ich ja gerne immer „Popeye“ nenne, weil er die Brust raus hat – und stets so aussieht, als wenn er fragen könnte: „Meine Herren, wo steht das Klavier?“ Dieser Tomas Rincon ist schlicht ein Phänomen. Immer dann, wenn er gerade mal benötigt wird, zeigt er, wie stark er eigentlich ist. Ich habe heute mit meinem Freund Bert Ehm über den HSV-Sieg gesprochen, und der Trainer von Germania Schnelsen befand: „Dieser Rincon hat unglaublich gut gespielt – wie immer, wenn er mal darf. Wenn ich HSV-Trainer wäre, dann würde Rincon immer spielen, weil er einfach klasse ist. Und er ist sich auch für nichts zu schade, der geht zur Sache, räumt mächtig ab- da bekommt jeder Gegner von Beginn an Respekt, und zwar gehörigen Respekt. So einen Mann brauchst du in der Truppe.“ Stimmt. Bitter aber für Rincon: Gegen Augsburg (am Sonnabend um 15.30 Uhr) wird er wohl wieder auf der Bank sitzen müssen, weil es dann doch wieder offensiver wird. Zwei Spitzen, die hatte Thorsten Fink bereits vor dem Stuttgart-Spiel angekündigt. Aber wie schön ist es zu wissen, dass dieser HSV nicht nur noch einen Tomas Rincon in der „Hinterhand“ hat, sondern dass sich dieser HSV auch schon wieder erlauben kann, einen so guten Mann wie Tomas Rincon draußen zu lassen.

Wobei zur „Doppel-Sechs“ auch noch zu sagen wäre, dass Milan Badelj zu Saisonbeginn ja auch noch einen Mann neben sich gehabt hat: Petr Jiracek. Und in dieser Konstellation ging der Stern von Badelj gleich so richtig auf. Er würde bestimmt jetzt auch dafür plädieren, künftig wieder mit der „Doppel-Sechs“ zu spielen – aber die beiden Spitzen haben damals, nach der Umstellung, auch sehr, sehr gut getan. Im nächsten Auswärtsspiel, das den HSV zum neuen Meister FC Bayern führen wird (nach der Länderspiel-Pause), sind aber ganz sicher wieder zwei Mann angesagt. Wahrscheinlich Rincon und Badelj.

Und dann zu Skjelbred. Der Fast-Ausgemusterte. Der Hin-und-her-Springer. Sowohl auf dem Spielfeld, als auch als Spieler überhaupt. Mal draußen, mal drinnen. Nachdem er im Herbst eigentlich schon durchgefallen war und auf der Abschiebeliste als Nummer eins geführt wurde. Und dann diese „Wiederauferstehung“. Fast unglaublich. Der Zögling von „JU aus Qu“, um es einmal sehr überspitzt zu formulieren, hat gewiss schon einige recht gute oder auch sehr gute Spiele abgeliefert, aber vielleicht war dieser Auftritt im Frühling von Stuttgart sein bester überhaupt. In dieser hervorragenden Verfassung wäre es kein Wunder, wenn er demnächst schon wieder eine Einladung von der norwegischen Nationalmannschaft erhielte – denn Spieler dieser Güte hat Norwegen bestimmt nicht allzu viele. Das muss mal festgehalten werden: Per Ciljan Skjelbred, das war eine Klasse-Partie von dir – herzlichen Glückwunsch. Und mehr davon. Es waren 90 Minuten Konzentration, Herz, Engagement, Leidenschaft und Willen (ohne Pause) erkennbar – das war vorbildlich. Und wenn wir uns daran erinnern, was der gute Per vor dem Spiel noch gesagt hatte, angesprochen darauf, was er über seine Rolle als Hin-und-her-Springer denkt? Da hat er doch verkündet: „Ich will zwar immer spielen, aber wenn es zum Wohle der Mannschaft ist, dann geht das eindeutig vor.“ Genau das ist die richtige Einstellung.

Die Null sollte, so wollte es der Trainer, in Stuttgart ja hinten stehen – und sie stand. Dank Rene Adler. Der eine Weltklasse-Partie ohne jeden Fehler ablieferte. Kompliment. Nach dem Tief Hannover und der undankbaren Nummer gegen Fürth zeigte sich der Nationaltorwart nicht nur von seiner besten Seite, sondern avancierte auch zum Matchwinner. Note eins für diesen Adler, obwohl ich, das gebe ich zu, vorher noch einige Bedenken gehabt hatte. Ich glaubte, dass sich der Keeper nun ein kleinen „Zwischentief“ genommen hätte, aber davon war in Stuttgart nun nichts, aber auch absolut nichts zu sehen. Und ich erinnere mich gerne an die Beurteilung von „Lotto King Karl“, der ja (gemeinsam mit dem Ex-Aufsichtsrat Frank Mackerodt – vielen Dank für euren hervorragenden Einsatz!) bei „Matz ab live“ zu Gast war. Hamburg „seine Perle“ sagte: „Adler und Neuer sind zwei der weltbesten Torhüter, wenn sie nicht die beiden weltbesten sind – ich war mir sicher, dass Adler wieder so gut halten würde, wie vor dem Hannover-Spiel. Der Mann ist super.“

Eben die Note eins. Die sich auch Heiko Wesermann verdient hat. Der Kapitän musste ja in der 64. Minute vorzeitig vom Platz, aber nicht, wie ich befürchtet hatte, wegen seines Kopfes (gegen den ja das Bein des Stuttgarters Martin Harnik geprallt war), sondern wegen seiner Wade. Die hatte schon während der gesamten Woche (nach dem Fürth-Spiel) für Kummer gesorgt, aber Westermann wollte sich durchkämpfen. Er hatte sogar, weil er sich so gut fühlte, auf eine Schmerztablette verzichtet, aber während der Partie ging es in der Wade immer schmerzhafter zu. Und bevor etwas ganz kaputt geht, ging er vorsichtshalber raus. Heute gab der HSV dazu bekannt: „Ein Einsatz am Sonnabend gegen Augsburg ist nicht gefährdet.“ Alles richtig gemacht, Käpt’n. Aber noch einmal: Heiko Westermann hat in meinen Augen in Stuttgart ein ganz großes Spiel geliefert. Viele Löcher gestopft, weite Wege gegangen, totalen körperlichen Einsatz (wie in der Szene mit Harnik) gezeigt – einfach nur großartig. Das sollte – endlich einmal – auch seine Kritiker anerkennen – und nicht immer gleich nach jedem kleinen Fehlpass aufspringen und ihn verdammen. Westermann ist unheimlich, und ich wiederhole das gerne, unheimlich wichtig für dieses Team.

Das könnte – eventuell – auch eines Tages über Jeffrey Bruma geschrieben werden. Noch aber ist es nicht ganz so weit. Weil sich in das Spiel des Niederländers ja bekanntlich immer einige oftmals unglaublich Böcke einschleichen. So zum Beispiel der eine Kopfball, den er über das eigene Tor setzte. Da hat sich doch so mancher gefragt: „Wieso hat er eine solche Nummer eigentlich noch immer drauf?“ Gute Frage. Obwohl ich glaube, dass es diesmal am Timing lag. Bruma ist zu früh gesprungen, traf die Kugel erst in der Landephase mit der Stirn, deswegen ging dieser Ball dann nach hinten los. Gefährlich aber sah es trotz allem aus. Und er wäre gut beraten, wenn er solche „Dinger“ künftig schon im Vorfeld bekämpfen würde. Stichwort Konzentration. Dass Bruma nach dem Spiel in einem Stuttgarter Krankenhaus mit vier Stichen an der Lippe genäht werden musste, dass hatte er dem „netten Herrn“ Ibisevic (aus Frust, weil er gegen Bruma keine Schnitte sah?) zu verdanken. Der VfB-Torjäger hatte wieder einmal mit dem Ellenbogen zugelangt – das wäre Rot gewesen, Herr Dingert (der ansonsten gut gepfiffen hat!). Diese Unsitte Ellenbogenschlag sollte ja eigentlich vom DFB massiver bekämpft werden, aber das wird wohl nichts. Wochenende für Wochenende sieht man solche brutalen Schläge, und höchst selten nur wird dafür einmal Rot gezeigt. Schade eigentlich, denn ich glaube, dass man nur so zu einer Reduzierung dieser üblen Fouls kommen könnte.

Wobei ich auch da die Herren Schiedsrichter mal in Schutz nehmen möchte, denn: Zeigt mal einer Rot, wird das ja spätestens am nächsten Tag irgendwie und irgendwo (von Experten) auseinandergepflückt. Motto: „Diese Rote Karte war aber so etwa von überflüssig.“ Ich bin in dieser Thematik ja immer ganz besonders begeistert, wenn Mario Basler so etwas sagt . . . Aber das ist dann doch wieder ein anderes Thema.

Ganz kurz möchte ich dann auch noch auf Artjoms „Rudi“ Rudnevs eingehen. Er trifft sensationell. Und wie schon lange kein HSV-Spieler mehr. Woche für Woche leisten wir Abbitte, am Sonntag war es noch einmal „Scholle“ – und es gesellen sich immer mehr (von Tag zu Tag) hinzu. Da kann man ja auch meckern wie man möchte (möchte ja keiner mehr!), aber die Zahlen sind nicht von der Hand zu weisen. Noch einmal Gratulation an alle, die den guten „Rudi“ schon immer so gut gesehen haben – aber ich kann nur sagen, dass Thorsten Fink ihn zu Saisonbeginn auch nicht unbedingt so gut gesehen hat – denn damals, wir erinnern uns, spielte ja noch Marcus Berg . . . Aber, bei dem Schnee von heute, das ist ja auch schon längst der Schnee von gestern. Kurios ist, dass Thorsten Fink in Stuttgart zur Pause überlegte, den Lette auszuwechseln – gegen Maximilian Beister. Wie gut, dass der Coach da noch rechtzeitig eine Eingebung hatte. Und: Dieses Rudnevs-Tor, ihr lieben HSV-Fans, sollte doch „Tor des Monats“ März werden, oder? Solche ein Hammer. VfB-Torwart Ulreich stand ja dort, wo der Ball über seinem Scheitel einschlug, aber zu halten gab es da nichts. Selbst wenn der Schuss auf Mann gekommen wäre, dann hätte der Stuttgarter Keeper nun “ein Loch im Bauch” . . .

So, das war es in groben Zügen, was zum Sonntags-Spiel des HSV von meiner Seite aus zu sagen wäre. Andere Stimmen könnt ihr – wie immer – bei „Matz ab live“ hören und sehen. Eines möchte ich aber schnell noch einmal aufarbeiten. Ich hatte Tolgay Arslan ja zuletzt, gegen Fürth, als guten Einwechselspieler beschrieben, musste das aber einen Tag später revidieren. Habe es ja auch getan – und zwar mit (der eigenen) Überzeugung. Dass Thorsten Fink nicht nachtragend ist, das zeigte er nun in Stuttgart, als er Arslan in der nicht ganz so unwichtigen Schlussphase einwechselte. Das zeugt davon, dass der Coach Vertrauen zu seinen Leuten hat – ein sehr gutes Zeichen. Besser: Noch ein sehr gutes Zeichen.

In Sachen Stimmung hatte dann auch Rafael van der Vaart (bei Sky) etwas zu sagen – und auch über die internationalen Startchancen: „Ich denke, dass wir eine gute Mannschaft haben, es fehlt nur noch ein bisschen die Konstanz. Bei uns ist jede Woche anders: Heute ist die Stimmung positiv, gegen Augsburg kann es schon wieder anders sein.“

Fredi Bobic (Manager VfB Stuttgart) klagte bei Sky hingegen über die negative Stimmung unter den VfB-Fans: „Das ist bei uns ein Phänomen. Natürlich wollen die Fans die eigene Mannschaft siegen sehen. Aber das bringt der Mannschaft unheimlich wenig. An der Einstellung gibt es nichts zu mäkeln.“ Aber in Stuttgart nimmt es bisweilen schon komische Züge an – wie mir mein Abendblatt-Kollege Kai Schiller berichtete. Als Labbadia den Italiener Molinari einwechseln wollte, der Spieler sich auch schon erhoben hatte, da pfiffen die meisten VfB-Fans nach Leibeskräfte. Moliari setzte sich wieder – und kam nicht. Ud dass Mittelfeldspieler Hajnal nicht zum Einsatz kam, das kommentierte Labbadia wie folgt: “Was soll es, wenn ich einen Spieler bringe, der von den eigenen Fans immer ausgepfiffen wird . . ?”
Das klingt, in der Tat, nicht wirklich gut.

Dann möchte ich noch sagen, dass morgen um 14 Uhr trainiert wird (so es die Schneemassen erlauben!), und dann um 15 Uhr gegen Valerenga Oslo auch gespielt wird. Dann wohl eher vom zweiten Anzug – und ganz sicher auch ohne den angeschlagenen Kapitän.

Schlussphase jetzt von „Matz ab“:
Durch den Sieg in Stuttgart ist Platz vier und damit die Qualifikationsspiele zur Champions League nur noch einen Punkt entfernt. Dazu die Gedankenspiele des „Großmeisters“: „Wir hoffen, es geht so weiter, dann schaffen wir das“, sagt Rafael van der Vaart.

Und, weil wir so lange nichts von ihm gehört haben: Der Sport-Informations-Dienst hat heute auch darüber berichtet:

Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer vom russischen Fußball-Meister Zenit St. Petersburg erwartet durch die WM-Endrunde 2018 in seiner Wahlheimat einen Schub für die Vereine. „Ich denke, dass die russische Liga in den kommenden Jahren sehr stark zulegen wird. Allein wegen der anstehenden WM 2018 wird es infrastrukturelle Veränderungen geben. Deshalb werden sich auch die Vereine weiterentwickeln“, sagte der deutsche Ex-Nationalspieler in einem Interview mit dem kicker. Beiersdorfer sieht besonders noch einen Nachteil der russischen Eliteklasse gegenüber europäischen Top-Ligen wie der Bundesliga: „Die Infrastruktur und die Stadien haben allgemein Nachholbedarf.“ Die Konzentration der Macht bei den russischen Vereinen auf Konzerne und Oligarchen sieht Beiersdorfer als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. „Früher gab’s in der Sowjetunion Polizei- oder Armee-Sportklubs. Daraus sind jetzt eben neue Strukturen entstanden“, meinte der ehemalige Sportchef des Bundesligisten Hamburger SV.

Nun bin ich aber wirklich am Ende. Vielen Dank möchte ich aber schnell noch an die “Matz-abber” sagen, die uns bei der Block-House-Premiere in Eidelstedt Rückendeckung gaben (das war sehr schön!), und ein kurzes Dankeschön auch noch an „Horst Schlau“ (für den ausführlichen Bericht – war gut!) und für den folgenden Satz: “Wer Rechtschreibfehler gefunden hat, darf sie behalten . . .” Dank auch, und dann bin ich wirklich am Ende, an „We are family“, der dagegen protestiert hatte, dass ich einem Abstieg der Regionalliga-Mannschaft des HSV nichts Schlechtes abgewinnen könnte. Dazu sage ich: Es ist (leider) mein Ernst, dass ich nichts gegen einen Abstieg hätte. Wer sich als Talent nach „oben“ durchbeißen will, der wird es auch aus der Oberliga Hamburg. Zumal uns ja gerade zwei HSVer (ein Noch-HSVer), Jonathan Tah und Levin Öztunali gezeigt haben, dass es aus der Jugend (!) sogar ohne die Zwischenstation „Cardoso“ in die Bundesliga gehen könnte (oder kann?). In der Oberliga könnte der HSV zudem viel Fahrgeld sparen . . . Und auch die Platzmiete würde wegfallen. Es gäbe sicherlich einige Gründe mehr, die für einen Abstieg des HSV II sprechen würden. Wohl auch dieser Grund, dass eine (viel zu junge) Mannschaft deshalb absteigt, weil sie – vielleicht – zu schlecht ist.

18.08 Uhr

Turbulenzen in der Luft – und im Volkspark

11. Dezember 2012

Hamburg hat sie wieder – die HSV-Profis. Um 7.23 Uhr am frühen Dienstag ist die HSV-Mannschaft in Fuhlsbüttel aufgeschlagen – mit leichter Verspätung. Weil es schon in Brasilien mit einer Stunde später losging. Eine Halbe Stunde wurde bis zur Zwischenlandung in Dakar aufgeholt, zum guten Schluss waren es dann noch 23 Minuten. Schwamm drüber. Der HSV hat mit diesem Kurz-Trip Geld gemacht, und er hat mit seiner B-Mannschaft auch gut gegen Gremio Porto Alegre ausgesehen – trotz der 1:2-Niederlage. Und nun geht es mit der A-Mannschaft am Sonnabend gegen und in Leverkusen weiter. Der Jahresabschluss. Ein ganz besonderer für Rene Adler, der seinen Ziehvater, Rüdiger Vollborn, den ehemaligen Bayer-Keeper, wieder sehen wird. Und nicht nur ihn, Und alle werden sie in der BayArena sehen, wie super sich der HSV-Schlussmann wieder entwickelt hat. Ich muss dabei immer noch an das Lob denken, dass der ehemalige Aufsichtsrat des HSV, Frank Mackerodt, bei „Matz ab live“ über Adler gesagt hat: „Er hat uns in dieser Hinserie mindestens schon acht Punkte geholt und gerettet.“ Stimmt. Mindestens acht. Und damit kann er in Leverkusen gerne weitermachen. Noch einmal drei – das wäre ein prächtiger Jahresabschluss.

Um noch einmal kurz auf die Rückreise von Porto Alegre zu kommen. Es gab nach der Zwischenlandung (und dem Auftanken) in Dakar das Startzeichen zum Schlafen (von Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen angeordnet), doch daraus wurde bei einigen Spielern nichts – denn es gab doch einige kleinere (gelegentlich auch größere) Turbulenzen.

Die gab es heute auch noch im Volkspark – aber dazu komme ich gleich noch. Erst einmal noch zu zwei nicht unwichtigen Personalien. Milan Badelj, der sich im Spiel gegen Hoffenheim eine leichte Muskelverhärtung eingefangen hatte, hat heute im Volkspark mit Reha-Trainer Markus Günther gearbeitet, und so wie es zurzeit aussieht (also Stand jetzt!), wird der „Ordnungsdienst“ im HSV-Mittelfeld am Sonnabend in Leverkusen aufdribbeln können. Was ja nicht ganz so unwichtig wäre. Und dann noch zu Maximilian Beister. Er ist heiß. Dafür haben wohl auch – oder vor allem – seine ersten beiden Bundesliga-Tore gesorgt. „Maxi“ will, aber bevor er darf, hat Trainer Thorsten Fink gesagt, wird es noch einen Vier-Augen-Unterhaltung zwischen dem Coach und dem Angreifer geben. Fink will wissen, ob es auch tatsächlich geht. Nicht dass Beister aus falschem Ehrgeiz zu viel riskiert und die Verletzung (ein leichter Muskelfaserriss) dann erst recht und viel schlimmer aufreißt.

Und nun zu den heutigen Turbulenzen beim HSV. Stichwort „Viagogo“. Für viele HSV-Fans ein rotes Tuch, das sich jetzt aber wohl erledigt hat. Man trennt sich. Nicht im beiderseitigen Einvernehmen, wie es sonst immer so schön (und in die falsche Richtung deutend) heißt, sondern im Streit. Es soll sogar noch Ärger folgen, es könnte noch ein gerichtliches Nachspiel haben – diese Vernunfts-Ehe. Der HSV erklärte die heutige Trennung mit den folgenden Sätzen:

Nach intensiven Gesprächen mit der Mitgliedschaft kündigt der HSV den Vertrag mit Viagogo zum 31. Juli 2013 und erhöht die Dauerkartenpreise zur Saison 2013/14.
Der Vorstand des Hamburger Sport-Vereins wird das in der Mitgliedschaft umstrittene Vertragsverhältnis mit der Ticketbörse Viagogo zum nächstmöglichen Zeitpunkt am 31. Juli 2013 beenden. „Es war wichtig, zu diesem Thema den Dialog mit Vertretern der Mitgliedschaft zu suchen”, sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke.

Um einen wirtschaftlichen Ausgleich zu schaffen, werden die Dauerkartenpreise zur Saison 2013/14 erstmals seit fünf Jahren angehoben. „Der Vorschlag zu dieser neuen Preisstruktur kam aus dem Fanlager”, so Oliver Scheel, Vorstand für die Belange der Mitglieder. Dabei werden auch die Mitgliederrabatte über alle Preiskategorien auf einheitlich 20 Euro angepasst. „Ich bin überzeugt, dass wir jetzt gemeinsam eine Lösung gefunden haben, die allen zu vermitteln ist”, sagt Supporters-Vorsitzender Ralf Bednarek.

Die „Gegenseite“ reklamierte allerdings für sich, die Trennung herbeigeführt zu haben. Welche von beiden Versionen ist wohl die richtige?

Der britische Ticketanbieter hat dem HSV gekündigt. „Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, weil sich unsere Ansprechpartner beim HSV von Beginn des Vertragsverhältnisses an nicht an die wesentlichen Punkte des Vertrages gehalten haben”, teilte Viagogo am Dienstag mit. „Wir bedauern diesen Schritt sehr, schließlich ist der HSV ein großer, traditionsreicher Verein mit einem großen Stadion und tollen Fans und wir waren stolz darauf, diese Partnerschaft einzugehen.

Der HSV hatte erst im September einen Zweijahresvertrag mit der Ticketplattform abgeschlossen. Der Verein erhielt dafür ein sogenanntes Signing Fee in sechsstelliger Höhe, die Summe beläuft sich auf 800 000 Euro. Der HSV sollte dem Online-Portal 1500 Karten pro Spiel zur Verfügung stellen. Nach der Vereinbarung hätte mit offizieller Zustimmung des Vereins jeder Kartenbesitzer, also auch Inhaber von Tickets auf der Nordtribüne, Karten mit einem Aufschlag bis zu 100 Prozent bei Viagogo verkaufen können.

Das rief den Zorn vieler HSV-Fans hervor, es wurde lautstark protestiert und gefordert, dass dieses Geschäft sofort wieder gekündigt werden sollte. Nun ist Viagogo dem HSV wohl zuvor gekommen. Die AG betont allerdings ausdrücklich, die Kündigung habe nichts mit der Kritik der HSV-Fans zu tun. „Im Gegenteil, das Geschäft mit den HSV-Tickets hat sich als eines der attraktivsten Angebote in der Bundesliga erwiesen, das von vielen Fans genutzt wurde. Die Gründe für die Kündigung liegen vielmehr einzig in der Nichteinhaltung des Vertrages”, teilte Viagogo mit.

„Es geht ja dabei nicht darum, welche Version die richtige ist, unsere oder die von Viagogo. Wir haben gesagt, dass wir so schnell wie möglich und zum frühest möglichen Zeitpunkt aus diesem Vertragsverhältnis wieder aussteigen wollen und werden, wir haben uns deshalb sofort auch um eine neue Eintrittskarten-Struktur bemüht. Viagogo hat das gewusst, deswegen nun diese Erklärung“, sagt HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow dazu.

Nun bin ich mal gespannt, ob diese Trennung noch eine „Schlammschlacht“ nach sich ziehen wird. Zu befürchten ist es. Aber gut, der HSV hat schon Schlimmeres überstanden. Und in diesem Fall sind die Fans wohl sicher auf der Seite des Vereins, denn sie konnten ja von Anfang an nichts mit diesem Via-Nogo-Deal anfangen. Hat sich nun erledigt, wenn auch erst im Sommer 2013.

So, und dann gab es heute noch über die DPA (Deutsche Presse-Agentur) einen interessanten Artikel über eine zurzeit ganz wichtige HSVer. Da ich nicht glaube, dass die hiesigen Zeitungen diesen Bericht abdrucken werden (weil zu lang), stelle ich ihn hier nun einmal rein. Es geht um ein brisantes Thema, das uns zuletzt alle beschäftigte. Nicht zuletzt bei den Spielen, die so richtig stimmungsvoll erst nach 12:12 Minuten begannen. Hier der DPA-Bericht über Philipp Markhardt, der zugleich einer der sieben Autoren des HSV-Buches “Kinder der Westkurve” ist:

Philipp Markhardt kann sich noch genau an sein erstes Mal erinnern. Anfang der 1990er Jahre nahm ihn sein Vater mit ins Hamburger Volksparkstadion. Der HSV unterlag Wattenscheid 09 mit 0:1. Trotz der Niederlage war dies der Startschuss für eine leidenschaftliche Karriere als Fußball-Fan. „Normalerweise bindet so ein Kick niemanden an einen Verein“, sagte Markhardt der Nachrichtenagentur dpa. An jenem Tag erregte ohnehin nicht so sehr das Spiel die Aufmerksamkeit des damals 11-Jährigen. „Ich habe fasziniert auf die Fankurve geschaut. Da wurden auch die einen oder anderen Bengalos gezündet“, erinnerte sich der bekannteste deutsche Ultra.

Als Sprecher der Organisation „ProFans“ und der Protestaktion „12:12“ ist Markhardt die zentrale Figur der Fans und ihrer Ablehnung des Sicherheitskonzeptes der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er ist das Sprachrohr von circa 50 deutsche Ultragruppen, die in der heftig geführten Sicherheitsdebatte eine Gefahr für ihre Fankultur sehen. Sie hoffen, dass die Vertreter der 36 Proficlubs am Mittwoch auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt/Main das umstrittene Konzept nicht verabschieden oder zumindest die Entscheidung vertagen.

Obwohl das Konzept bereits überarbeitet wurde, lehnen Markhardt und die Fan-Organisationen das Papier ab. Auch von Vereinsseite des HSV bestünde noch Kritik: „Es hat sich nicht viel geändert, da ist es logisch, dass die Clubs das nicht einfach abnicken.“ Doch nicht nur die Hamburger Club-Verantwortlichen äußerten Zweifel. Eine Reihe von Vereins-Vertretern kritisierten vor allem den Zeitpunkt zur Abstimmung.

Das Thema Ganzkörperkontrollen erregt bei den Fans ganz besonderen Missmut. „Das neue Papier enthält zwar das Wort Vollkontrollen nicht mehr, dennoch findet man weiterhin Umschreibungen, die letzten Endes darauf hinauslaufen. Solche Kontrollen greifen zu sehr in die Persönlichkeitsrechte aller Fans ein, weswegen wir das Entkleiden weiter kategorisch ablehnen“, erklärte Markhardt.

Mit bundesweiten Demonstrationen und der beispiellosen Protestaktion „12:12“ an drei Spieltagen hintereinander haben die Ultras im Vorfeld des Termins medienwirksam auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht und ein noch nie dagewesenes Echo erzeugt. „Viele Ultras wollen eigentlich nicht mit den Medien sprechen“, betonte Markhardt, „doch ich erachte es als sinnvoll, die Medien für uns nutzen. Für mich war das ohnehin kein Problem, ich arbeite in einer PR-Firma.“ Dass Markhardt ständig in Sachen Fußball und HSV unterwegs ist, und Ultras in der öffentlichen Wahrnehmung ein „Böses-Buben-Image“ besitzen, stört seinen Chef nicht. „Der ist selbst HSV-Fan und zusammen mit mir im Europapokal auswärts mitgefahren“, offenbarte Markhardt.

Bevor sich der 32-Jährige in Fan-Organisationen engagierte, ging er als „normaler“ Fan ins Stadion. Die erste HSV-Dauerkarte kaufte er sich 1993. „Die war allerdings an schulische Leistungen geknüpft“, bemerkte er. Drei Jahre später schloss er sich dem HSV-„Supporters-Club“ an und reiste fortan auch auswärts mit. Dem Fanclub „Chosen Few“ trat er 1999 bei, stieg nur ein Jahr später zum führenden Mitglied auf und ist es noch heute. „Damals spielten Ultras noch überhaupt keine Rolle. Den Gruppen gehörten keine 100 Mann an“, erinnerte er sich.

Um die Jahrtausendwende verloren die Hooligans in Deutschland an Bedeutung, und der Fokus der Polizei richtete sich vermehrt auf die aufkommende Ultrabewegung. „Die Polizei beging damals den Fehler, das auf die Hooligans zugeschnittene Konzept ’Sport und Sicherheit’ auf die Ultras anzuwenden“, meinte Markhardt. Das habe zu Spannungen zwischen der Polizei und den Ultras geführt, die sich bis heute gehalten hätten. Er moniert das ruppige Verhalten vieler Beamter gegenüber den Ultras. Dazu fällt ihm der Satz ein: „Behandle Menschen wie Tiere und sie werden wie welche.“

Für die Zukunft hofft Markhardt, dass sich das Verhältnis zwischen den Ultras und den Verbänden samt Vereinen entspannt. „Ich hoffe die DFL hält Wort und lässt den Worten Taten folgen“, sagte er mit Blick auf eine weitere Zusammenarbeit, „wir setzen jedenfalls auf den Dialog.“

Und dann gibt es da noch einen Bericht von einem Hamburger, der sich mit der HSV-Anleihe befasst. Jens A. aus Berlin schreibt:

Fan- oder Subkultur?

Über den Umgang von Bundesligisten mit ihren Anleihekäufern!

Geboren und aufgewachsen in Hamburg verfolge ich aus Berlin immer mit Sympathie die Spiele der Hamburger Bundesligisten. Mit beiden Vereinen verbinde ich sehr gute Erinnerungen. In der Nähe des Volksparkstadions (das wird es wohl immer für mich bleiben, wie heißt die Arena derzeit noch?) habe ich die Jugend verbracht. Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Herr Bandow hat mir und den anderen Azubis bei der Vereins- und Westbank regelmäßig Mut gemacht, dass man auch mit einer Fünf in Mathe immer noch Vorstand einer Bank werden könne. Außerdem hat er meinen Respekt, da er auch im höheren Alter und hoher Position sich immer noch für die Fußball- Betriebsportmannschaft angeboten und zeitlich frei gemacht hat. Den Mythos St. Pauli hingegen konnte ich durch meine aktive Zeit in deren Jugendmannschaften hautnah erleben. Insbesondere durch Seppo Eichkorn und Helmut Schulte habe ich zu schätzen gelernt, dass Professionalität und Beibehaltung einer Vereinskultur keine gegensätzlichen Inhalte darstellen.

Keine Frage also, wenn einer dieser Vereine Fan-Anleihen herausgibt, dann gehören die Schmuckurkunden in unser Besprechungszimmer gehängt: Für uns als Vermögensverwalter die ideale Verbindung unseres sportlichen Interesses und der Geldanlage.

Die persönliche Abholung der Urkunden bleibt mittels der dankbaren Vor-Ort-Unterstützung meiner Mutter auch aus der Ferne organisierbar.
Überraschend ist aber dann doch, wie unterschiedlich die Ausgabe der Fan-Anleihen von den beiden Vereinen organisiert wird:

Am Millerntor ein gut organisiertes Fan-Fest mit unentgeltlicher Versorgung mit Kaltgetränken, Würstchen, Kaffee, Kuchen. Mittendrin Spieler des Kiez-Clubs im Gespräch mit den kleinsten Kreditgebern des Vereins und Zeit für gemeinsame Fotos (Mama ist immer noch stolz auf das Bild mit dem gefühlt vier Köpfe größeren Pauli-Keeper Tschauner) und Unterschriften auf den Schmuckurkunden. Insgesamt besitzt die ganze Veranstaltung die Atmosphäre eines großen Events, hier ist man willkommen. Die nächste Zeichnung wieder mit uns!

Da ist die Vorfreude auf die Urkundenübergabe beim HSV doch gleich viel größer! Zudem im Anschreiben für die Rautenfreunde eine professionelle Beschreibung des Ablaufes erfolgt, mit dem Hinweis, dass auch für das leibliche Wohl gesorgt wird und dass auch Spieler für Unterschriften und Fotos da sein werden.

Vor Ort dann aber Ernüchterung: Die Übergabe steril, über viele Räume verteilt und unübersichtlich. Ach ja, das leibliche Wohl ist gesichert: Der Cappuccino für EUR 3,00, drei kleine Pfannkuchen zu EUR 3,50. Stellt man sich das als Fan so vor? Insbesondere nach der Ankündigung? Die armen Servicekräfte verstehen die Rückfragen, warum dass bei St. Pauli so anders war. Aber auch sie haben für ihre Sechs-Stunden-Schicht nur ein Getränk und einen Snack frei.

Doch Rafael van der Vaart ist da und gibt Unterschriften. Wo denn? Da hinten im Nebenraum, wo die Wartenden anstehen. Einmal vorsichtig an der Schlange vorbeigegangen, um die Wartezeit einzuschätzen: Oh, da stehen aber viele an. Ein netter Mann, der die Hälfte des Wartens schon hinter sich hat, gibt Auskunft. Bislang wartet er 45 Minuten. Also eine und eine halbe Stunde Anstehen für eine Unterschrift? So viel Fan sind wir dann doch nicht. Das Fazit der Veranstaltung: Sicherlich eine verpasste Chance für die Blauen, etwas für die Verbindung zu ihren Anhängern und kleinen Geldgebern zu machen. Oder einfach nur eine professionellere Sichtweise? Schließlich kann man sich durch das entgeltliche Sorgen für das leibliche Wohl schon einen Teil der Zinsausgaben wieder hereinholen. Die nächste Anleihezeichnung? Eher ohne uns…

In meinem Studium habe ich gelernt, dass ein zufriedener Kunde ca. einem bis zwei Bekannten diese Dienstleistung oder dieses Produkt empfiehlt, ein unzufriedener Kunde aber ca. fünf bis sechs Bekannte über seine Verärgerung informiert. Ich stelle an mir fest, dass mein Bedürfnis über die Erfahrungen im Volkspark zu berichten tatsächlich deutlich höher ist, als über die Begeisterung am Millerntor. Komisch!

Dennoch werde ich auch zukünftig den Fußballvereinen meiner Heimat die Daumen drücken! Aber vielleicht kann das Prozedere beim bisher erfolgreicheren Verein im Umgang mit den Fans und Sympathisanten ja doch noch einmal überdacht werden…?

So, nun bleibt mir nur noch auf das Training am Mittwoch hinzuweisen. Es findet um 15 Uhr an der Arena statt.

Einen aber habe ich noch, versprochen ist versprochen. Es geht um zwei großartige und einzigartige HSV-Bücher, die noch vor Weihnachten an ihre neuen Besitzer übergehen werden. Der bekannte Hamburger Sporttograf Thomas Metelmann und der Kollege und Buchautor Hans Vinke haben nun das Buch “Mythos HSV” herausgebracht. Darin wird die Geschichte des HSV seit der Gründung im Jahre 1887 in Bildern (Fotos) gezeigt. Ein tolles Werk, das das Klubleben des Universalsportvereins HSV mit hervorragenden Fotos zeigt. Einmalig an diesem Buch ist, dass Fotograf Otto Metelmann und sein Sohn Thomas die Geschehnisse um den HSV seit über 65 Jahren aus nächster Nähe dokumentiert haben. Sie setzen mit ihren Fotos dem “Mytos HSV” ein einmaliges Denkmal.
Ich habe den großen Otto Metelmann selbst noch am Rothenbaum erlebt. Es ist heute noch ein kleines Wunder für mich, dass es alle Schiedsrichter geduldet haben, dass der Fotograf (mit dem langen, meines Wissens auch bunten Loden-Mantel) immer direkt neben dem Pfosten stand – gerade so, als wäre er ein zweiter Pfosten. Gelegentlich traf ihn dann auch ein Schuss des Gegners – was natürlich ein höhnisches Gelächter der Fans zur Folge hatte.

Wer sich nun um eines der beiden Bücher bemühen möchte, der sollte bis zur Nacht von Sonnabend auf Sonntag (Mitternacht) folgende Frage beanwtorten (entweder in der Gewinnspieladresse, oder bei Matz ab):

Welche HSV-Spieler wurden im letzten Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem VfB Leipzig ausgewechselt?

18.01 Uhr

Muskelfaserriss – macht Son jetzt den Beister?

3. Dezember 2012

Es gibt viele verschiedene Trainertypen. Und das ist auch gut so, da es auch sehr viele verschiedene Mannschaftskonstellationen gibt. Felix Magath beispielsweise ist ein absoluter Verfechter von Konditionstraining. Fußball spielen könnten sie alle, deshalb seien sie in einer der besten Ligen der Welt. Aber sie müssten obendrein fit sein. Am besten fitter als der Gegner, pflegt Magath zu sagen. Und wenn man sich gestern Wolfsburg angesehen hat ist man geneigt, dem ehemaligen Europapokalhelden des HSV Recht zu geben. Denn der VfL drückte ab der 60. Minute kontinuierlich. Dass es am Ende nur zu einem irregulären Tor gereicht hat – umso bitterer für den HSV.

Rene Adler, dessen Worte höchstselten bis nie undurchdacht sind, hatte sich darüber ebenso aufgeregt, wie er zuvor die Trainingseinheiten gelobt hatte. „Sensationell“ habe die Mannschaft trainiert, sagte er uns in der Runde – und erstaunte mich. Denn das, was die Mannschaft auf dem Platz machte, war sicher oft nett anzusehen – es hatte aber mit Anstrengung nur selten (bei intensiveren Spielen auf verkürztem Feld beispielsweise) zu tun. Die normalen Krafteinheiten fanden nicht öffentlich statt. Beim 1:0 gegen Mainz saß ich neben Dieter und Linne (Matthias Linnenbrügger, inzwischen Mopo), die sich darüber ärgerten, dass der HSV Mitte der zweiten Hälfte einzubrechen schien. Ein Zustand, der sich seitdem in allen Spielen hielt. „Ich habe gemerkt, dass bei mir zum Ende die Kräfte gefehlt haben“, sate Dennis Aogo nach dem 1:1 in Wolfsburg und fügte kritisch hinzu: „Unser Spiel ist sehr laufintensiv, wir versuchen alles in allerhöchstem Tempo. In der zweiten Hälfte waren wir leider oft einen Schritt zu spät.“ Und das, obwohl sich der HSV seit dem frühen Pokal-Aus in Karlsruhe nur in einem Wettbewerb befindet. Mehrfachbelastung? Fehlanzeige. Ob in letzter Zeit zu wenig Krafteinheiten absolviert werden? „Wir arbeiten viel drinnen“, entgegnet Trainer Thorsten Fink, der seither immer die erste Einheit der Woche im Kraftraum absolviert. Und eigentlich müsste Champions-League-Sieger Fink die richtige Balance zwischen Kraft- und Technikeinheiten noch aus eigener Erfahrung abschätzen können.

Insofern bleibt es Spekulation, woran es liegt, dass die Mannschaft immer ab der 60. Minute einen Gang zurückschalten muss. Ebenso spekulativ ist, wo die vermehrt vorkommenden Muskelverletzungen herrühren. Denn: Nach Rafael van der Vaart und Heung Min Son hat es binnen drei Wochen mit Maxi Beister den dritten Spieler im Spiel erwischt. Der Torschütze aus den letzten beiden Spielen zog sich in Wolfsburg einen Muskelfaserriss im hinteren linken Oberschenkel zu. Der Linksfuß fällt somit sicher gegen Hoffenheim am Freitag aus. Zudem ist sein Einsatz gegen Leverkusen im letzten Hinrundenspiel am 15. Dezember mehr als fraglich.

Bitter.

Und das große Glück für Heung Min Son, der seine Rolle als gesetzter Angreifer verloren zu haben schien. Artjoms Rudnevs und Beister hatten mit zwei Toren und einem Assist ein effektives Doppelpack im Angriff abgegeben und ihre Chance somit genutzte. Ganz im Gegensatz zum Südkoreaner, der gegen Wolfsburg nach seiner Einwechslung wie ein Fremdkörper wirkte. 13 Ballkontakte hatte Son, führte gerade mal 3 Zweikämpfe binnen 40 Minuten. Wert am unteren Limit. Dass selbst Adler als Torwart in 90 Minuten mehr lief (5,39 Km) als Son (4,66) in 40 Minuten als Feldspieler – bezeichnend. Zumal Son in einer Phase mitwirkte, in der die Mannschaft vermehrt Läufe insbesondere der gerade erst frisch eingewechselten Spieler gebraucht hätte.

Dennoch, trotz der schlechten Daten wird Son am Freitag voraussichtlich im Angriff beginnen. Zumindest deutete Fink an, sein System beibehalten zu wollen. Und nach Beisters Ausfall bliebe die Wahl zwischen Marcus Berg und Son. Und da hat Son dann nachweislich noch die Nase vorn. Der Südkoreaner, der zuletzt dem öffentlichen und aus meiner Sicht stark übertriebenen Hype um seine Person ein wenig erlegen schien, ist und bleibt ein großes Talent. Wobei ich hier gern die Worte von Frank Mackerodt aus dem „Matz-ab-Live“ vom Sonntag aufgreifen will, der da sagte, dass die Entwicklung beim HSV nicht ausreichend zu erkennen sei. Denn eines der besten Beispiele dafür ist in meinen Augen Son. Trotz der Tore.

Denn Son versteht sich noch immer nicht auf Defensivarbeit. Der Südkoreaner führt Zweikämpfe, die er so nicht mal gegen Landesligisten gewinnen würde. Offensiv lässt sich Son mit kleinen Remplern aus dem Tritt (oder zum Fallen) bringen. Und defensiv ist das kaum besser. Immer wieder zieht Son das Tempo an, als sei er festen Willens, den Ball zu erobern. Er läuft seinem Gegenspieler hinterher, holt ihn dank seiner zweifellosen Sprintstärke oft – aber er stoppt unmittelbar bevor er ihn erreichen würde. Son scheint Defensiv-Zweikämpfen regelrecht aus dem Weg zu gehen.

Weil er es nicht kann?

Es sei nicht unbedingt die Mentalität des Südkoreaners, defensiv zu arbeiten hatte uns Frank Arnesen mal erklärt und im selben Atemzug betont, dass Son das dennoch schnellstmöglich lernen müsse. Immerhin ist diese Schwäche Sons Achillesferse. Bei seiner Schussstärke links wie rechts, seiner außergewöhnlich hohen Ballfertigkeit und seiner Schnelligkeit hat Son beste Voraussetzungen als Angreifer.

Nur um eines klarzustellen: Ich halte Son mit seinen gerade mal 20 Lenzen für ein riesengroßes Talent. Allerdings ist das HSV-Spiel derzeit eher auf Lauffreudigkeit der zwei Spitzen ausgelegt. Und daran muss sich auch Son halten. Also komplett anders, als er es in Wolfsburg versucht hat. „Wir wollen früh Druck machen“, sagt Fink, „und das beginnt defensiv schon ganz vorn.“ Soll heißen: Wenn der Gegner den Ball hat, sind die beiden Angreifer sind die ersten Verteidiger. Eine Disziplin, die nur die allerwenigsten Angreifer mögen…

Allerdings ist diese Taktik, wenn sie denn auf dem Platz so umgesetzt wird, äußerst effektiv. Insbesondere gegen verunsicherte Mannschaften wie den VfL – und ziemlich sicher auch die TSG aus Hoffenheim, die gerade heute (leider!) ihren Trainer Markus Babbel entlassen hat (ich würde wetten, dass Felix Magath sehr bald in Hoffenheim Thema wird…) Sollte der HSV die ersten Minuten wieder ähnlich stark beginnen wie gegen Schalke und Wolfsburg und dazu noch die sich jeweils gebotene Chance zum 2:0 nutzen dürfte es den nächsten Dreier in der Imtech-Arena zu feiern geben. Wenn Son den Beister macht.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle