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Zinnbauer: Van der Vaart bleibt extrem wichtig für uns

23. Oktober 2014

Es fehlte nur Dennis Diekmeier. Der Rest der Startelf aus dem Hoffenheim-Spiel scheint auch gegen Hertha BSC wieder erste Wahl zu sein. Und sollte es Diekmeier morgen ins Mannschaftstraining schaffen, wäre auch er gesetzt. Darauf legte sich Trainer Joe Zinnbauer heute bereits fest (siehe Video). Ergo: Ashton Götz würde wieder auf die Bank rotieren – und Rafael van der Vaart agiert erneut hinter Pierre Michel Lasogga. Im heutigen Training ließ Zinnbauer entsprechend üben. Die Stammviererkette (Götz ersetzte Diekmeier) gegen die Stammoffensive. Mit Müller rechts, van der Vaart hinter Lasogga, Behrami und Arslan auf der Doppelsechs – und Lewis Holtby links, was ich sehr schade finde und wo ich hoffe, dass sich der lauf- und kampfstarke Linksfuß in Berlin steigern kann. Sprechen will Holtby derzeit nicht. „Ich habe genug erzählt, jetzt will ich erstmal wieder einige Spiele machen, bevor ich Interviews gebe.“

Gute Einstellung, wie ich finde, auch wenn es schlecht für uns ist. Aber egal. Mir ist es recht.

Zumal ich große Hoffnungen in Holtby lege. Als sein Kauf nach nur drei Spielen bekanntgegeben wurde, habe ich mich riesig gefreut. Mein erster Impuls war nicht, wie teuer ist er? Und warum lässt sich der HSV so eine (zugegebenermaßen) schwachsinnige Klausel aufdrücken? Nein, mein Impuls war der, dass der HSV das Unmögliche (Kauf bei der derzeitigen finanziellen Situation) möglich gemacht hat und einen Topspieler langfristig bindet. Zumal zu hören war und ist, dass der HSV den Preis für den Linksfuß mit dieser risikobehafteten Klausel in den Verhandlungen maßgeblich drücken konnte.

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Dass er sportlich ein Gewinn ist, hat Holtby restlos bewiesen. Selbst jetzt, wo er die schwierige Situation zu meistern hat, für van der Vaart seine Lieblingsposition zu verlassen. Denn van der Vaart ist bei Zinnbauer absolut gesetzt. „Es ist super, einen van der Vaart an Bord zu haben“, freut sich Zinnbauer und gerät gegenüber „Sky“ ins Schwärmen: „Rafa ist Kapitän gewesen – und er ist auch mein Kapitän. Und das, obwohl er die Binde gar nicht braucht. Die Verantwortung übernimmt er immer.“ Dass der Niederländer noch nicht in seiner persönlichen Topform ist, weiß Zinnbauer. Er will seinen Captain über Einsätze wieder an seine alte Form heranführen. Zinnbauer: „Rafa ist ein absoluter Leader in unserem Team. Spielerisch und als Person. Er ist extrem wichtig für uns.“ Womit sich auch die Frage endgültig erledigt haben dürfte, ob Zinnbauer in Berlin vielleicht wieder auf einen laufstärkeren Zehner (oder neu-fußballdeutsch: Neuneinhalber) setzen wird.

Macht er nicht. Zinnbauer setzt darauf, dass van der Vaart die Mannschaft anführt, ihr offensiv weitere Impulse verleiht. Im Training ist davon bislang noch nicht allzu viel zu sehen. Da mischt van der Vaart zwar munter mit, aber da fallen eher Spieler wie zunehmend Lasogga (außerdem: guter Auftritt bei der PK heute!) und Müller auf. Auch der frisch gebackene Papa Tolgay Arslan blüht aktuell neben dem eigentlich immer starken Valon Behrami auf, der Entwarnung gab. Der Schweizer war heute wieder voll im Training und hat seine Knieprobleme überstanden. „Das war eh nur vorsichtshalber“, so der Sechser vor dem Training zur gestrigen Pause.

Ruhig geworden ist es derzeit um René Adler. Zum einen, weil Drobny stark spielt und sich die Frage nach der ehemaligen Nummer eins nicht stellt. Zum anderen, wie er verletzt ist und die Abgeschiedenheit sucht. Adler will sich über ein intensives Reha-Programm wieder auf 100 Prozent bringen. Und dann wieder ins Tor. Die Chance dafür ist da. Allerdings unter normalen Umständen im Moment nicht. Dafür ist Drobny schlichtweg zu souverän, zu stark. „Es ist eine schwierige Situation für René“, weiß auch Zinnbauer, „aber ich kann nur den Hut davor ziehen, wie er damit umgeht. Das ist schon megaprofessionell und charakterstark.“ Insbesondere der an den Tag gelegte Teamgeist des verletzten Degradierten imponiert Zinnbauer. „Und sein Wille. Er arbeitet jeden Tag maximal hart für sein Comeback.“

Zinnbauer, dessen Vertragsgespräche mit dem HSV in vollem Gange (“Wir sind schon recht weit”) sind, ist begeistert von Adler. Er weiß aber auch, dass er Drobny derzeit selbst mit einem gesunden Adler nicht rausnehmen kann. Dennoch, für all diejenigen, die im Tausch Drobny für Adler schon das Ende für den Letztgenannten in Hamburg vermutet haben sei gesagt: dem ist nicht so. Im Gegenteil. Nachdem Adler tatsächlich eine ganze Weile nichts von den HSV-Verantwortlichen gehört hatte, rief ihn vor einigen Tagen Klubboss Dietmar Beiersdorfer an und bat um einen Termin. Und bei diesem tauschten sich beide Seiten aus und betonten, dass sie weiter fest aufeinander setzen würden.

Auch das ist gut. Finde ich. Denn Adler in Topform hat zweifellos eine Klasse als Torwart, die selten zu finden ist. Zudem läuft der Vertrag des 35-jährigen Jaroslav Drobny zum Saisonende hin aus. Der HSV ist also gut beraten, sich beide Optionen zu halten. So, den Rest des ruhigen HSV-Tages könnt Ihr in den beiden Videos sehen. Vor allem Pierre Michel Lasogga, der bislang eher kein Freund von Pressekonferenzen war, hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Ich finde, ihm ist deutlich anzusehen(anzuhören), wie ihn seine Tore von Druck befreien. Zumindest habe ich ihn lange nicht mehr so locker und entspannt erlebt wie heute. Aber vielleicht ist das auch einfach nur die Vorfreude darauf, es dem Hertha-Trainer Jos Luhukay zeigen zu können. Denn wirklich gute Freunde werden die zwei nimmer mehr…

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In diesem Sinne, viel Spaß mit den Videos und Euch allen einen schönen Restdonnerstag. Morgen wird übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Bis dahin!
Scholle

P.S.: Und für alle, die auf Aufklärung im Fall de Vrij warten – wie wiederholt verspochen: sie kommt. Warum ich das schreibe? Weil ich heute den maßgeblichen Termin zugesagt bekommen habe.

Mertesacker, Skjelbred, Lasogga und der HSV – die Gewinner des Tages

1. Juli 2014

*Aktualisiert: Twitter-Meldung von Sky: .@HSV verpflichtet nach #ssnhd-Informationen Pierre-Michel #Lasogga für knapp 9 Mio. Euro. Stürmer erhält Fünfjahresvertrag #ssnhd #skybuli***

Jetzt geht es los. Endlich. Und zwar in alle Richtungen. Zum einen scheinen sich Dietmar Beiersdorfer und Co. mit Hertha BSC auf eine Ablösesumme für Pierre Michel Lasogga geeinigt zu haben, was auf der anderen Seite bedeutet, dass Klaus Michael Kühne dem Klub finanziell unter die Arme greift, da in Sachen Hakan Calhanoglu intern weiterhin die Marschroute ausgegeben wird, dass der junge Mittelfeldmann weiterhin nicht verkauft werden soll. Zumindest offiziell nicht.


Und diese Marschroute ist für mich in zweierlei Hinsicht gut. Sie bedeutet erstens, dass Dietmar Beiersdorfer die ihm zugesagte Unterstützung von Herrn Kühne bekommt und das wäre ein erster wichtiger derer, die den HSV gestalten wollen und sollen. Zweitens – und auch dafür ist Kühnes Unterstützung zwangsläufig – setzt der HSV in Sachen Calhanoglu ein Zeichen der Stärke. Gegenüber Leverkusen – mit denen man sich noch immer nicht zu Verhandeln bereiterklärt hat. Aber vor allem auch gegenüber den eigenen Spielern mit langfristigen Verträgen. Dass ein Per Skjelbred so einen Hinweis nicht gebraucht hätte, wissen wir. Und das wird auch im Interview deutlich. Aber es ist ein klares Zeichen seitens des HSV, dass man sich nicht zum Selbstbedienungsladen machen lässt.

Und ganz ehrlich, letztlich kann Calhanoglu meinetwegen noch wechseln. Der HSV würde sein Gesicht wahren, denn dann hätte es der HSV letztlich entschieden, weil er es so wollte. Und natürlich, weil dann nebenbei offenbar auch die Ablösesumme stimmen würde, die deutlich über den bisher kolportierten 12,5 Millionen (es sollen eh schon 15 Mio im Raum stehen) Euro liegen wird.

Wie im gestrigen Blog geschrieben, ist Klaus Michael Kühne momentan der entscheidende Faktor. Er muss den Laden aufräumen, der in den letzten Jahren finanziell an den Abgrund geführt wurde. Dass er auch für die Chosen few entscheidend ist, sich zur neuen Saison komplett zurückzuziehen – so soll es sein. Vor allem aber ist Kühne für die Gestaltung der näheren Zukunft beim HSV ein ganz wesentlicher Faktor. Dietmar Beiersdorfer hatte Kühne und Gernandt vor seiner Zusage für ein Engagement detaillierte Pläne vorgelegt, was infrastrukturell, finanziell und personell passieren müsse. Auf kurze wie auf lange Sicht, weil es sicher auch mehr als gewollt zu verbessern gilt. Und der Speditionsmilliardär soll begeistert gewesen sein. Daher wunderte es nicht nur mich, dass Kühne zuletzt zögerte. Aber: Sollte sein zögerliches Verhalten in den letzten Wochen Taktik gewesen sein – chapeau! Dann hätte er beim HSV alle genarrt. Im positiven Sinne. Denn so musste letztlich auch die Hertha einsehen, dass der HSV ohne Kühne nicht annähernd so potent sei, die überzogenen Forderungen von 12 Millionen Euro durchzusetzen.

Den Gedanken, ich würde immer wieder über Herrn Kühne pesten, will und werde ich nicht mehr kommentieren. Der ist angesichts der zuvor vermehrt anderslautenden Blogs absurd. Nicht umsonst bekomme ich von der Seite der Traditionalisten genau das Gegenteil vorgeworfen. Heute mehr denn je.

Nein, ich weiß um die große Bedeutung von Klaus Michael Kühne für den HSV. Gerda deshalb wird er automatisch immer wieder Thema sein. Und ich weiß über Zusagen seinerseits im Vorfeld gegenüber HSVPlus, die mich begeistert hatten. Und auch weiterhin begeistern werden – wenn sie denn umgesetzt werden. Der Anfang ist inzwischen gemacht. Zumindest ist die Personalie Lasogga so weit fortgeschritten, dass Noch-Sportchef Oliver Kreuzer von einem baldigen Vollzug spricht. Und nach meinen Informationen wird das nicht heute und eher auch noch nicht morgen sein – aber dann. Ich weiß zumindest, dass der HSV so professionell plant, dass auch für Lasogga ein Visum für den China-Trip beantragt wurde. Und der beginnt am Freitag…

Dann noch mit dabei sein könnte auch Per Skjelbred. Zumindest scheint diesen Personalie noch nicht so weit behandelt, dass ein schneller Wechsel bevorsteht. „Ich spiele da, wo ich Vertrag habe“, sagt der Norweger und man glaubt es dem sympathischen Mittelfeldspieler einfach. Das Gegenstück des verwöhnten Jungprofis würde gern in Berlin bleiben. Das hat er ehrlich gesagt, ohne daraus eine Forderung abzuleiten. Zum einen, weil er dort sportliches vertrauen bei Trainer Jos Luhukay genießt. Zum anderen, weil die Hauptstädter ihm einen längerfristigen Vertrag anbieten, während selbiger in Hamburg 2015 ausläuft. „Es ist nicht meine Sache, das zu beurteilen, dafür habe ich einen Berater und die vereine sprechen. Der Rest kommt dazu. Und bis dahin werde ich mich in Hamburg vorbereiten. Professionell. Und gern“, so Skjelbred, der unter Slomka noch nie trainiert hat und heute ein erstes Gespräch führte. „So ein Gespräch ist sehr wichtig. Der Trainer ist für so eine Entscheidung sehr wichtig“, sagt der Blondschopf und lächelt weitere Fragen weg. Was soll er auch sagen? Hier hat er Vertrag, dort würde er gern bleiben. Das hat er offen mitgeteilt – gefolgt von dem Satz, dass er die Entscheidung des Klubs respektieren und umsetzen wird.

Menschlich gibt es, glaube ich, kaum eine andere Meinung. Aber sportlich ist es sehr wohl eine Frage der Sinnhaftigkeit, ob Skjelbred zu behalten ist oder nicht. Im Training heute wirkte der quirlige Rechtsfuß stark. Er fiel beim Abschlussspiel sogar positiv auf, war an Toren und Torschüssen beteiligt. Kurzum: Skjelbred wirkte trotz einer Woche weniger Mannschaftstraining fit wie alle anderen auch. „Ich bin jeden Tag laufen. Ohne kann ich nicht sein“, so Skjelbred über seine Urlaubszeit, die er in Venedig und zuletzt in Spanien verbracht hat. Ob der Musterprofi letztlich behalten wird, hängt zum einen an den Finanzen des HSV und dem Ablöseangebot der Hertha – zum anderen auch an den möglichen Alternativen. Denn für die Sechserposition, auf der Slomka Skjelbred sehen soll, wird weiter nach einem Spieler gesucht, der sehr robust zu Werke geht, ohne dabei das gepflegte Aufbauspiel zu vernachlässigen.

Letzteres bietet Skjelbred zweifellos. Da ist er sogar stärker anzusetzen als ein Arslan. Aber ob das reicht? „Da mache ich mir keinen Kopf“, so Skjelbred, „ich trainiere jetzt mit, fliege nach jetzigem Stand am Freitag nach China und spiele beim HSV. Sollte sich das ändern, bekomme ich das schon früh genug mit.“

Stimmt. Keine weiteren Fragen.

Die hatte ich sehr wohl, als ich heute die Mitteilung der Chosen Few zu lesen bekam. Ab sofort und für die komplette Saison 2014/2015 stellen die „CFHH“ ihren Support inklusive aller Choreos bei Heim- und Auswärtsspielen ein. Was ich sehr schade finde. Denn die Choreos waren für mich ebenso wie die lautstarke, kompromisslose Unterstützung der „CFHH“ in der Bundesliga weit vorn. Allerdings muss man die Entscheidung hinnehmen und damit leben. Was auch funktionieren wird. Denn aus meiner Sicht gibt es zwei Dinge, die ich immer voneinander getrennt habe: Meinen Verein – und die Leute, die ihn führen. Wie oft bitteschön ärgere ich mich über die Verantwortlichen, ohne dabei auch nur ein Stück Leidenschaft für meinen Verein an einzubüßen?

Nein, das funktioniert auch nicht. Und ehrlich gesagt wundere ich mich, dass dies ausgerechnet diejenigen machen wollen, denen ich noch deutlich mehr Patriotismus, noch exzessiveres Fansein angedichtet habe als mir und anderen. Die Liebe unterdrücken? Oder ist sie erloschen, weil die Rechtsform sich ändert? Egal wie, es ist nur der Ausdruck ihrer Enttäuschung über all das, was sich beim HSV ändert. Und wer sagt denn, dass Fansein etwas mit Demokratieverständnis zu tun haben muss…?

Nein, das muss es nicht. Der HSV verliert sicher einen Teil seiner lautstarken Unterstützung. Einen Teil den ich als Fan, der eine tolle Atmosphäre bei Heimspielen erhofft, sehr geschätzt hatte. Zumindest nominell. Dennoch bin ich mir sicher, dass das Stadion wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen wird, wenn es darauf ankommt. Ob mit oder ohne die Unterstützung der „CFHH“.

Groß war auch das Interview von Per Mertesacker mit Boris Büchler nach dem Spiel gegen Algerien. Ich habe diesbezüglich heute auch mit meinen Kollegen gesprochen, nein: diskutiert. Wir alle haben ja schon mal so etwas in abgewandelter Form miterleben dürfen. Und ich sage bewusst „dürfen“, weil es doch endlich mal über die stereotypen Antworten hinausgeht und ausnahmsweise mal authentisch ist. Und: Wie oft ertappe ich mich selbst dabei, den Spielern nach hitzigen Spielen Fragen zu stellen, die ich an deren Stelle gar nicht beantworten wollte (ich weiß, eine ziemlich steile Vorlage für Euch…;-))?

Sie tun es aber fast immer trotzdem. Weil sie Profis sind. Weil sie es müssen. Oder nicht? Nein! Ich würde mich freuen, wenn Spieler weniger aufgesetzt und mehr sie selbst sind. Auch wenn das mal wehtut. Umso geiler finde ich es, wenn ein Profi mal Profil zeigt und aus seiner Stimmung keine Mördergrube macht. Ob Mertesacker das richtig gemacht hat? Klar. Weil er ehrlich war. Ob er Büchler angehen muss? Nein. Sicher nicht. Zumindest nicht bei der ersten Frage. Vielleicht auch noch nicht bei der direkten Nachfrage. Aber ganz sicher beim dritten Mal Fragen, warum es ein so schwaches Spiel war. Ich wäre ehrlicherweise gegangen…

Es war ein Gespräch, das nur Gewinner hat. Büchler, weil er für sein hartnäckiges Nachfragen durchaus Komplimente bekommt, Mertesacker für seine authentische und die Mannschaft in Schutz nehmende Antworten – und uns, weil wir unterhalten wurden mit der wichtigen Botschaft: Seht nicht immer erst das Schlechte. „Sollen wir erfolgreich spielen, oder schön spielend ausscheiden“, fragte Mertesacker sinngemäß – und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn was bitteschön maßen wir uns an, im WM-Achtelfinale einen souveränen Sieg zu erwarten. Zumal gegen wirklich starke, aufopferungsvoll kämpfende Algerier?

Nein, das Glas ist diesmal definitiv halbvoll. Auch wenn es spielerisch noch ’ne Menge Steigerungspotenzial gibt – diese Deutsche Nationalelf ist stark. Und Mertesacker hat das in dem sehens- und hörenswerten Interview für mich nur noch mal eindrucksvoll bestätigt.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann unter anderem mit dem dritten Testspiel, diesmal beim VfR Horst.

Scholle

P.S.: Jonathan Tah pausiert aktuell mit Oberschenkelproblemen, soll aber bis zur China-Reise wieder fit sein.

Ostrzolek hatte sich schon für den HSV entschieden

14. Juni 2014

Oh Mann, was für ein Krimi – und dann auch noch ohne Happyend. Deutschlands Handballer haben die WM-Playoffs gegen Polen verloren. Schockstarre im DHB. Und das i-Tüpfelchen auf eine verkorkste Handballsaison für alle Hamburger Fans.

Nur gut, dass wir noch den Fußball haben. Und der macht trotz der anhaltend miesen Schiedsrichterleistungen bei der WM in Brasilien auch mir richtig Spaß. Es sind begeisternd offene Spiele, für mich unfassbar wenig Taktik und folgerichtig viele Tore. Allen voran natürlich „Robben van Persie“ – das aktuelle Ultimum. Das 5:1 der Niederländer ohne van der Vaart gegen den amtierenden Weltmeister macht die Holländer plötzlich zu Topfavoriten auf den Titel. Und in Spanien zeigt sich mal wieder das Phänomen, dass nichts älter ist als vergangener Erfolg. Der Spott aus dem eigenen Land für die „Versager“ ist schon bitter.

Dabei waren die Versager von heute gestern noch Helden. Inzwischen warte ich schon zehn Jahre darauf, endlich mal etwas zu finden, was ich am spanischen Fußball kritisieren kann. Und dann liefern sie plötzlich so eine Vorlage – und tun mir eher leid. Denn statistisch waren sie den Niederländern in diesem Spiel überlegen. Dann das unfassbare 3:1, wo van Persie den wahrscheinlich schwächsten Spanier gestern, Torhüter Iker Casillas, im Fünfer foult – bitter. Vor allem, weil anschließend der mir sehr sympathische Casillas (sein Leben lang für einen Klub zu spielen findest Du sonst kaum noch, den Teamkollegen Xavi mal ausgenommen) noch diesen Aussetzer bei der Ballannahme produziert.

Hämisch kann ich dennoch nicht sein. Das wäre mir andersrum leichter gefallen. Aber trotz meiner sehr extrem überschaubaren Sympathien für unsere Nachbarn muss ich eingestehen, dass ich sie im Vergleich zu den letzten Jahren das erste Mal richtig ernst nehmen würde in Sachen Titelkampf. Denn van Gaal hat vorgemacht, worauf es ankommt: auf die richtige Mischung im Team. Und er hat sich dafür im Vorfeld viel Kritik gefallen lassen müssen. Zu defensiv sei das neue Oranje-Team eingestellt, sie zeige zu wenig Spielfreude und entwickle kaum Torgefahr. Ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn van Gaal mal etwas mehr auf Offensive setzt als gestern. Zum Beispiel gegen Australien…

Aber okay, zurück zum richtigen Fußball. Zurück zum HSV. Der wartet nämlich weiterhin auf ein Zeichen seines Wunschstürmers Pierre Michel Lasogga. Gestern und heute kursierten plötzlich Zahlen. Unter anderem wollte eine Berliner Zeitung erfahren haben, dass Lasogga vom HSV das Fabel-Angebot habe, bis zu fünf Millionen Euro per annum verdienen zu können. Und wisst Ihr was? Wenn das stimmen würde, hätte der HSV Lasoggas Zusage ganz sicher. Das wäre fast schon ein unmoralisches Angebot. Aber in Wirklichkeit geht es gerade mal um die Hälfte. Bei Berlin, Hamburg und auch Newcastle. Und das ist noch immer sehr viel Geld. „Wer aber glaubt, dass sich Pierre allein des Geldes wegen entscheidet, der irrt sich. Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher“, sagt Oliver Kreuzer, der amtierende Sportchef des HSV. Auch heute stand er in Kontakt zu Lasogga, dessen Mutter – und vor allem zum designierten Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer. „Wir sprechen alles ab, Dietmar ist über alles informiert“, sagt Kreuzer, der weiterhin davon ausgeht, dass sich Lasogga noch an diesem Wochenende entscheidet.

Tendenzen gibt es. Aber ganz ehrlich, es macht keinen Sinn, diese Tag für Tag aufzuzählen, weil sie nicht aussagekräftig sind. Und solange mir Lasogga nicht selbst sagt, dass er zum HSV oder einem anderen Klub tendiert – ich spare mir jegliche Spekulation aus. Zumal es sich eh nur noch um Stunden oder maximal wenige Tage handeln soll.

Fakt ist indes, dass Hertha BSC Spieler verkaufen will. Oder besser: muss. Sollten die zwei bislang angedachten Transfers (Heitinga, Beerens) klappen, hätte Hertha plötzlich 34 Profis unter Vertrag. Inklusive Lasogga. „Wir planen nicht, in zwei Trainingsgruppen zu trainieren“, sagt Herthas Manager Michael Preetz im „Kicker“ und kündigt Spielerverkäufe an. Hoffentlich auch den Lasoggas zum HSV…

Hoffnung hat der HSV auch im Buhlen um Matthias Ostrzolek. Auch wenn alles schon ein wenig klarer war, bis Karl Gernandt mit seinen Äußerungen den Trainerstuhl kurzzeitig zum Wackeln brachte. Denn Slomka ist einer der Faktoren, die Ostrzolek zum HSV hatten tendieren lassen. Also, zum echten HSV. Denn der HSV aus Niedersachsen ist inzwischen ebenfalls ins Bieten um den Linksverteidiger mit Potenzial eingestiegen. Dabei hatte sich der Spieler vor fünf Wochen beim persönlichen Treffen mit Kreuzer und Berater Strunz im heimischen Garten von Mirko Slomka in Hannover bereits für Hamburg entschieden. Jetzt soll er abwarten wollen, wie sich die Trainer- und Mangerfrage in Hamburg entscheidet. Kreuzer ausweichend: „Wir haben Kontakt zum Spieler und warten auf ein Zeichen aus Augsburg“, sagt Kreuzer, der zusammen mit Beiersdorfer die Verhandlungen führt. Noch aber liegen Augsburgs Forderungen (mehr als drei Millionen) und das Angebot des HSV (rund zwei Millionen Euro) zu weit auseinander. Zudem soll der FCA zunächst einen Nachfolger gefunden haben wollen, ehe ein Verkauf Ostrzoleks infrage kommt.

Zum Trainingsauftakt am Mittwoch wird der Linksfuß demnach noch nicht da sein. Ebenso wenig wie Tesche und Rincon, deren HSV-Verträge ja noch mehr als zwei Wochen laufen. Dafür wird Per Skjelbred in Hamburg sein. Und mittrainieren. Obgleich dessen Berater dem HSV bereits mitgeteilt hat, dass der Norweger gern bei Leihklub Hertha BSC bleiben würde. Und klar ist: Der HSV will bei dem sympathischen Mittelfeldspieler abwarten, wie die Lasogga-Verhandlungen anlaufen und den Norweger gegebenenfalls „verrechnen“ lassen. „Meines Wissens nach Null Komma Null“ sei indes dran, dass Slomka am Mittwoch nicht der Trainer sein wird, der die Mannschaft zum Auftakt begrüßt. Sagt Kreuzer, der sich mit Beiersdorfer auch in Sachen Hakan Calhanoglu abgesprochen und auf einen gemeinsamen Wortlaut festgelegt. „Jeder Verein, selbst Bayern, Barcelona und Chelsea, hat eine Schmerzgrenze. Aber entscheidend ist, dass wir besser werden wollen. Und dafür bedarf es eines Hakans. Er ist und bleibt ein ganz wesentlicher Bestandteil in unseren Planungen.“

Nun denn, mehr gab es heute nicht. Und ich muss vor den Fernseher. Heute ist ein richtiger Fußball-Marathon angesagt. Mit dem Highlight um Mitternacht: Italien gegen England. Ich wünschen Euch und uns allen einen schönen Sonnabend!

Bis morgen!

Scholle

Tuchel aktuell kein Thema – Lasogga vor Entscheidung

13. Juni 2014

Hoffentlich zum letzten Mal Thema: Dieters Gesundheitszustand. Aber heute sind es erneut gute News, denn Dieter ist wieder zu Hause. Er wird zwar weiter untersucht, ist vorerst auch krankgeschrieben – aber es geht ihm gut, er erholt sich und wir können alle wieder ein wenig durchatmen. Wann er hier wieder voll einsteigt, ist noch offen – aber Lars und ich halten ihm den Rücken so lange frei, wie es nötig ist, um ihn wieder bei alten Kräften zu haben. Und wie ich ihn kenne, wird das eher ein Tag schneller sein, als einer zu lang.

Ebenso hart im Nehmen wie Dieter muss momentan Mirko Slomka sein. Der HSV-Trainer gilt plötzlich als Wackelkandidat in Hamburg. Heute verlautbarte die Mopo sogar, dass sich Slomka am Montag mit dem kommenden HSV-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer treffen werde und es anschließend eine Entscheidung geben soll, ob Slomka Trainer bleibt oder nicht. Und nur für die, die sich gewundert haben, warum ich das Thema HSV/Slomka/Beiersdorfer/Tuchel bislang nicht aufgegriffen habe: Es ist offenbar nichts dran. Dass sich der HSV mit Tuchel beschäftigt hat, ist unstrittig. Und es wäre auch fahrlässig, das nicht getan zu haben, als man noch auf der Suche nach einem Trainer war und aus Mainz Abschiedsgedanken Tuchels zu vernehmen waren. Mehr aber auch (noch) nicht. Ob und wann Tuchel wieder ein Thema wird, weiß ich nicht. Ausgeschlossen ist das bei Trainern mit einer derart guten Reputation eh nie. Daher lassen sich solche Geschichten auch schreiben, ohne dass man jemals das Gegenteil bewiesen bekommt. Aber allen, die Tuchel in der kommenden Woche auf dem HSV-Platz sehen wollen, muss ich enttäuschen.

Und die Slomka sehen wollen, dürfte das freuen. Denn dass bis zum Trainingsstart am kommenden Mittwoch beim HSV der Trainer ausgetauscht wird, gilt nach meinen Informationen als ausgeschlossen. Das Gespräch am Montag zwischen Beiersdorfer und Slomka diene dem Kennenlernen, während Karl gernandt intern bereits verlauten ließ, dass er diese Diskussion mit seinen Äußerungen nicht anschieben wollte, was etwas naiv rüberkommt. Aber ganz sicher wird Slomka das Gespräch mit einem zukünftigen Vorgesetzten auch dem Ausräumen etwaiger Gerüchte nutzen. Zumindest würde ich das an Slomkas Stelle unbedingt geklärt wissen wollen.

Geklärt wissen würde ich persönlich gern die Personalie des Sportchefs. Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte, der amtierende Sportchef Oliver Kreuzer könne vielleicht doch bleiben – und das ist auch noch immer nicht ausgeschlossen, weil er der einzige Sportchef des HSV mit Vertrag ist. Es ist sogar möglich, obgleich bekannt ist, dass sich Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne in Eigenregie mit einem potenziellen Kandidaten auf Mallorca getroffen hatte: mit Jens Lehmann. In der vergangenen Woche war das und ist – inzwischen abgehakt. Lehmann wird wie schon vor einigen Wochen hier an selber Stelle geschrieben, nicht der neue Mann an Beiersdorfers Seite.

Gleiches gilt für Nico Hoogma. Der ehemalige HSV-Kapitän mit zahlreichen persönlichen Verbindungen nach Hamburg war eine Überlegung der HSVPlus-Initiatoren – und ist es wohl nicht mehr. Dafür aber Thomas von Heesen. Der Spielerberater und angehende Aufsichtsrats-Vize war schon vor einigen Wochen vom neuen HSV-Führungsteam angesprochen worden und auch Beiersdorfer stand einer solchen Lösung sehr positiv gegenüber – allerdings konnte man sich bislang nicht einigen. Und es dürfte auch schwierig werden, von Heesen zu ködern. Der ehemalige HSV-Kapitän und Ex-Mannschaftskollege Beiersdorfers ist immerhin beruflich mit seiner eigenen Firma sehr erfolgreich und dürfte für den klammen HSV entsprechend teuer werden.

Teurer wird in jedem Fall auch Pierre Michel Lasogga – sollte er denn kommen wollen. Hintergrund: Lasogga hatte sich in den letzten Tagen gegen alle Interessenten außer dem HSV entscheiden. Und natürlich seinem Exklub Herta, bei dem viele Freunde spielen und bei dem er noch einen bis 2015 laufenden Vertrag hat. Am heutigen Freitag saß Lasoggas Managerin und Mutter angeblich in Düsseldorf mit Hertha-Manager Preetz zusammen, um eine endgültigen Entscheidung festzuzurren. Und auch weil Hertha-Trainer Jos Luhukay wohl ohne Lasogga plant und stattdessen auf einen schnelleren, spielerischer veranlagten Angreifer setzen will, soll Preetz noch mal deutlich gemacht haben, dass sich die Hertha einen Verkauf vorstellen können – dass dieser aber alles andere als billig würde. Rund zehn Millionen sollen die Hauptstädter aufrufen – meines Erachtens ein um mindestens vier Millionen Euro zu hoch angesetzter Preis. Und da der HSV das ähnlich sieht, dürften die Verhandlungen noch einige Tage andauern. Egal, ob Lasogga sich mit dem HSV einig ist.

Und dann noch kurz zur WM: Die ganze Welt regt sich über den Elfmeter für Brasilien auf. Und das auch zurecht. Aber wer erwartet bitte Bestleistungen der Referees, wenn diese aus Fußball-Entwicklungsländern eingeladen werden und international weitgehend unerfahren sind? Vor allem in so brenzligen, die es so und gar schlimmer auch schon in der Bundesliga gab. Die Konsequenz? Klar: Es muss bei dem immer wieder mit Korruptionsvorwürfen übersäten Weltverband endlich mal sinnvoll umgedacht werden. Ich weiß bis heute nicht, warum nicht schlichtweg die besten 15 Schiedsrichter der Welt sich für eine WM qualifizieren können und die di Partien fremder Länder leiten. Urs Meier, der Ex-WM-Schiri aus der Schweiz und aktuelle ZDF-Experte, sagte heute, der japanische Schiri dürfe eigentlich als Konsequenz auf das Dilemma nicht mehr eingesetzt werden. So sehe ich das auch. Und zu dem Elfmeter von gestern: Der Pfiff war schon extrem bitter – aber wirklich wütend macht mich nur die Geste des Brasilianers Fred, der sich dafür noch beim lieben Herrgott bedankt. Oder hat er vielleicht nur gebeichtet? Es wäre wünschenswert.

Aber egal wie, ich lass mir den heutigen Abend gefallen. Obwohl Mexiko bereits zwei Tore fälschlich aberkannt bekommen hat und sich das immer wiederkehrende Schiri-Dilemma fortsetzt. Dennoch, drei Spiele – darunter auch Spanien gegen die Niederlande – sehr viel mehr geht nicht. Außer, Lasogga sagt heute noch dem HSV zu…

In diesem Sinne, sollte noch was passieren, was durchaus möglich ist, melde ich mich wieder.

Scholle

P.S.: Ich kann schon langsam wieder Scherze über den HSV verkraften, habe ich heute gemerkt. Da hat sich Marcell Jansen hat via Facebook auch zum Elfer geäußert und nannte es eine „Frechheit“ und „unfair“. Korrekt, wie Tausende ihm per Kommentar bestätigten. Bis auf User Gike Mrünwald. Der schrieb: „Wenn Fußball fair wäre, würdest Du jetzt in der Zweiten Liga kicken.“ Irgendwie fand ich das erwähnenswert lustig…

HSV ist sich mit Tah bis 2018 einig – mit Option auf die Option

18. November 2013

Er hat eine ganze Menge zu besprechen. Und er fängt sofort damit an. Nachdem HSV-Sportchef Oliver Kreuzer mit einer Prominentenauswahl ein benefiz-Länderspiel gegen die Türkei mit 2:7 verloren hatte, war er sauer. Verlieren mag er eben nicht, auch nicht so im Spaß. Allerdings versöhnte es den Sportchef, dass er anschließend mit dem inzwischen angeblich schon europaweit begehrten Stürmer Pierre Michel Lasogga sprechen konnte. Vor allem, weil der sympathische Angreifer es so wollte! „Pierre war mit seiner Mutter beim Benefizkick in Gelsenkirchen und danach auf der Feier dabei. Er wollte eigentlich noch am Sonntag mit dem Auto zurück. Ich habe ihm gesagt, dass ich am nächsten Morgen fliege, da hat er sich umentschieden und ist mit mir zusammen nach Hamburg geflogen. Und die Zeit haben wir genutzt, um zu sprechen“, so Kreuzer.

Glaubt man spanischen Medienberichten, muss das auch so sein. Der „AS“ zufolge soll Atletico Madrid bereits die Fühler ausgestreckt haben. Eine Gefahr für den HSV im Kampf um seinen besten Stürmer? Kreuzer unmissverständlich: „Da ist überhaupt nichts dran.“ Lasogga sei eh kein Fan von Spanien sondern wenn überhaupt von der englischen Premier League. Und von der Seite gibt es (noch) keine Angebote.

Noch gibt es auch keine Verhandlungen, obgleich Mama Lasogga den Winter als guten Moment für Vertragsverhandlungen ausgerufen hatte. „Wir haben über viele Dinge gesprochen, aber noch nicht über Verträge“, sagt Kreuzer und kündigt an, das sehr bald ändern zu wollen. „Es wird in den nächsten Wochen ganz sicher einen konzentrierten, seriösen Austausch geben, wo ich mal hören will, wie die beiden die Sache sehen.“ Mit „die beiden“ sind Pierre und Mama Lasogga gemeint. „Für mich ist wichtig, was Pierre will.“ Ob der Acht-Tore-Stürmer schon etwas angedeutet hat? „Nein“, sagt Kreuzer, „warum sollte er auch jetzt sagen, dass er unbedingt beim HSV bleiben will. Der lässt das ein bisschen offen. Er kann doch abwarten. Vor allem, weil sich schnell viel ändern kann.“ In Berlin, meint Kreuzer. Dort, wo der Manager Michael Preetz ein erklärter Lasogga-Fan ist und Trainer Jos Luhukay eben nicht. „Mal angenommen, Hertha verliert die nächsten sechs Spiele, dann ist der Trainer weg und ein neuer kommt. Wenn der den Pierre haben will, dann ist Berlin plötzlich wieder im Rennen.“

Zwischen den Zeilen gelesen, scheint sich Lasogga immer mehr vom Gedanken einer Rückkehr zur Hertha zu distanzieren. „Michael Preetz steht auf ihn. Der sagt, dass Pierre ein geiler Kicker ist“, sagt Kreuzer, „und da hat er auch recht. Aber was nützt das Pierre, wenn er einen Trainer hat, der ihn nicht unbedingt braucht. Ich glaube, in der jetzigen Konstellation wäre es schwierig für Pierre, nach Berlin zu gehen. Damit wäre niemandem geholfen – Pierre nicht, der Hertha auch nicht. Und deshalb gibt es auch keine rasche Entscheidung, obwohl wir ihn gern behalten wollen, dass wir so schnell wie möglich alles eintüten wollen – ganz klar. Aber es wird nicht machbar sein. Deshalb, jetzt zu telefonieren mit Preetz würde nicht funktionieren. Wir müssten doch auch erst mit Pierre einig sein. Wenn er bei uns bleiben will, dann rufe ich Michael an und verhandele.“ Klar ist aber, dass es die nächsten Gespräche noch vor der Winterpause geben. „Definitiv“, sagt Kreuzer, „mit Pierre und mit Michael Preetz.“

Noch nichts Neues gibt es dagegen bei Tomas Rincon, wo die Gespräche erst mal ruhen. Ebenso bei Johan Djourou, für den der HSV eine Kaufoption besitzt. „Da haben wir Zeit bis zum März, April. Ganz entspannt“, so der HSV-Sportchef, der auch bei Lasogga gern eine Kaufoption vereinbart hätte. „Das war aber leider von Berliner Seite abgelehnt. Wir haben es versucht, aber keine Einigung erzielt.“

Einig ist sich der HSV mit Jonathan Tah. Der Youngster soll möglichst schnell bis 2018 verlängern. „Innerhalb der nächsten zehn Tage werden wir hoffentlich etwas Positives vermelden können“, sagt Kreuzer und erklärt, dass sich alle weitgehend einig sind. „Es geht hierbei nur noch um Kleinigkeiten. Klitzekleine Kleinigkeiten sogar. Das ist wirklich nicht mehr viel.“ Und wenn die letzten Details geklärt sind, würde dem Aufsichtsrat die Beschlussvorlage vorgelegt werden. „Wir sind mit Jonathan so weit – das passt einfach zusammen.“

Auch, dass der Abwehrspieler eine Ausstiegsklausel im Vertrag hat. Rund 15 Millionen Euro würde dem Vernehmen nach ein Klub 2016 zahlen müssen, um den dann erst 20-Jährigen vorzeitig beim HSV auszulösen. Und sollten meine Informationen stimmen, wären meine ersten Zweifel ob der nicht allzu hohen festgeschriebenen Ablösesumme wie weggewischt. Denn demnach ist selbst die Summe von 15 Millionen Euro nicht endgültig. Nachgefragt bei Kreuzer, erhält man zwar immer dieselbe und aus seiner Sicht völlig logische Antwort: „Ich werde mich zu Vertragsinhalten ganz sicher nicht äußern.“ Aber meinen Informationen zufolge hat der HSV mit Tah eine Option auf die Option ausgehandelt. Soll heißen: Um der etwaigen Wertsteigerung auch in Sachen festgeschriebener Ablösesumme gerecht werden zu können, soll der HSV die Option haben, bei gewissen Leistungsdaten die festgeschriebene Ablöse zu erhöhen. Zum Beispiel, wenn Tah deutscher A-Nationalspieler wird. Dann könnte der HSV die Ausstiegsklausel auf (Achtung, diese Zahl ist frei spekuliert!) 25 Millionen Euro erhöhen – und müsste dafür dem Spieler eine Prämie X bezahlen.

Bei Tah ist man sich einig, eine langfristige Zusammenarbeit anzustreben. Ob das auch für Rodolfo Cardoso gilt, wollte Kreuzer heute noch nicht beantworten. Bei dem angehenden Fußball-Lehrer (im März ist die Prüfung) sollen jedoch in der Winterpause spätestens die Weichen gestellt werden. Zum einen will der HSV abwarten, wie sich die in den letzten Jahren stagnierende U23 in dieser Saison entwickelt. Zum anderen ist nicht einmal klar, ob Cardoso bleiben will. „Ich muss ihn auch fragen, ob er dann weiterhin eine zweite Mannschaft trainieren will oder vielleicht selbst andere Ideen hat.“ Eine Frage, die ich Cardoso jüngst gestellt hatte. „Ich habe nichts anderes geplant bisher. Meine Arbeit macht mir großen Spaß. Wenn der HSV mich weiter will, bleibe ich gern“, so der Argentinier. Ob der HSV ihn noch will? Kreuzer: „Auch wir müssen uns klar sein, ob wir zusammen weiterarbeiten wollen oder ob vielleicht auch wir etwas verändern wollen. Hier ist tatsächlich alles offen.“

Ebenso wie bei Zhi Gin Lam, der sich heute im Training leicht an der Wade verletzte („Ich habe ein kurzes Stechen verspürt“) und nach 50 Minuten vorzeitig abbrach. Der Rechtsverteidiger kommt unter Bert van Marwijk nicht so recht zum Zug und überlegt, sich im Winter zu verändern. „Bislang habe ich davon nichts gehört“, sagt Kreuzer, „aber meine Tür steht immer offen.“ Muss sie auch, immerhin will der Sportchef weiterhin Spieler abgeben und den Kader verkleinern. „Wir hatten Spieler, die wir im Sommer abgeben wollten, und daran hat sich nichts geändert.“ Gemeint sind Slobodan Rajkovic, Robert Tesche, Gojko Kacar und Michael Mancienne. Ob eine Abgabe von Spielern neuen Handlungsspielraum für Verstärkungen nach sich zieht? Der Sportchef: Nicht zwingend. Schließlich wollen wir den Kader ja nicht größer machen sondern verkleinern. Aber falls wir einige abgeben können und eine Sofortverstärkungen greifbar wäre, könnte was passieren.“

Viele, viele Konjunktive. Zu hören ist Kreuzer übrigens in einem extra für Euch eingerichteten Video-Blog, den ich vorweg freigeschaltet habe. Aber insgesamt muss ich sagen, klingt es sowohl bei Lasogga als auch bei Tah sehr positiv. Und dabei werde ich es heute auch belassen: Bei einem reinen Fußball-Blog! Denn das ändert sich eh schnell genug wieder…

In diesem Sinne, bis morgen. Da meldet sich dann Lars bei Euch. Ich habe ein paar Tage frei und bin am Sonntag mit dem Blog und anschließend zur Live-Sendung nach dem Sieg gegen Hannover 96 mit Otto Rieckhoff und Thomas von Heesen wieder für Euch da.

UND ACHTUNG:

Direkt aus seinem Dreimonatsurlaub live in der Sendung und von da an wieder für Euch im Einsatz ist dann auch wieder der sichtbar ausgeruhte Blogvater Dieter Matz. Ich freue mich auf ihn – und natürlich auf Euch.

Bis dahin,
Scholle

P.S.: Am Dienstag wird ausnahmsweise erst um 18 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

“Lasogga kommt – und das war’s dann”

30. August 2013

Das war’s dann schon. Klingt zumindest so. Pierre-Michel Lasogga ist der Königstransfer. Oder besser, er wird es. Denn bisher ist noch nichts in trockenen Tüchern. Ganz im Gegensatz zu Hakan Calhanoglu. Der hat sich entschieden und wird am 6. September gegen Andorra und am 10. September in Rumänien für die Türkei (fest-)spielen. Bis zuletzt war auch die deutsche Nationalelf ein großes Thema für den Deutsch-Türken: „Ich hatte sehr lange überlegt, die DFB-Nationalmannschaft ist sehr reizvoll.“
Allein es kam keine Einladung. Bis Donnerstagabend. Da meldete sich Fatih Terim bei Calhanoglu und beteuerte, dass er ihn unbedingt in seiner Mannschaft sehen will. „Jogi Löw hat sich leider nicht gemeldet“, so der Freistoßspezialist, „deshalb habe ich mich dann für die Türkei entschieden.“ Und seine Eltern damit sehr stolz gemacht.

Nicht wirklich stolz ist indes Per Skjelbred. Der Norweger hat zwar eine sehr vernünftige Vorbereitung gespielt und war relativ betrachtet noch einer der Besseren – in der Saison aber kommt er bei Trainer Thorsten Fink nicht zum Zuge. „Keine Minute bislang – das ist doch mal eine klare Ansage“, sagt Skjebred und man sieht ihm an, dass er trotz der verlockenden Rufe aus Berlin nicht glücklich ist. „Ich wäre schon sehr gern in Hamburg geblieben, wollte mich hier durchbeißen. Aber vielleicht ist es besser für mich, mich woanders auszuprobieren.“ Zumal Herthas Trainer Jos Luhukay begeistert ist vom Norweger. Wie Skjelbred, der am Freitag vormittags in Berlin zu Kennenlerngesprächen weilte, zu berichten weiß. „Der Trainer hat mir erzählt, was er plant. Und er hat zwei Positionen, auf denen er mich sieht“, so Skjelbred, der lächelnd nachschiebt: „Und das sind zwei Positionen mehr als mein Trainer hier.“ Trotzdem trainierte Skjelbred heute mit der Mannschaft. Ist eben noch nichts in trockenen Tüchern.

Soll heißen: Der HSV hat seinen neuen Angreifer und spart trotzdem. Denn von den Aogo-Millionen (700.000 Euro Ablöse und 3 Millionen Euro Gehalt eingespart) wird nichts angetastet. Der Wechsel von Skjelbred gegen Lasogga egalisiert sich in den Kosten. „Die Transfers sind kostenneutral“, so Kreuzer.

Ein guter Deal?

Sollte Lasogga wieder in die Form finden, die er vor seiner Verletzung hatte, ist er an sich ein Gewinn für den HSV. Und das, obwohl auch Lasogga sicher kein Stürmer der Sorte „spielstark“ sondern eher der Typ „Brecher“ ist. Fraglich ist nur, wie Rudnevs reagiert, dem man offensichtlich nicht mehr vertraut. Zumindest scheint sich Rudnevs so langsam seine Gedanken zu machen. Zumal sich im Training andeutet, dass der Torjäger wieder nur auf der Bank landet. Statt seiner agierte Zoua in der Spitze.

Schon seit einigen Wochen wirkt der Lette angespannt, auch heute. Dem letzte Serie mit Son erfolgreichsten Stürmer dürfte es nicht gefallen, dass der HSV ausgerechnet seiner Position am wenigsten traut und immer wieder betont, dass unbedingt noch ein Angreifer geholt werden muss. „Gefährlich“ hatte Sportchef Oliver Kreuzer die Situation ohne neuen Stürmer genannt.

Dennoch scheint der Deal mit Lasogga nicht mehr gefährdet zu sein. Zumindest äußert sich Kreuzer entsprechend optimistisch. „Die Transfers finden zu 98 Prozent statt. Und damit wären unsere Aktivitäten auch abgeschlossen“, so der HSV-Sportchef, der davon ausgeht dass Lasogga am Sonnabend in Hamburg eintrifft. Und das, obgleich der „Berliner Kurier“ zu wissen glaubt, dass Lasogga samt Mutter auf dem Weg nach Hamburg umgedreht sei. Kreuzer nannte diese Meldung „Quatsch“ und sagte, dass er davon ausgehe, dass Lasogga Sonnabend hier eintrifft und am Sonntag seinen Medizincheck absolviert.

Nicht annähernd so optimistisch ist der HSV-Sportchef bei den Streichkandidaten. Obgleich heute die Meldung verbreitet wurde, der FC Augsburg habe Interesse an Slobodan Rajkovic. Der Serbe jedoch verneinte ein solches Engagement. Er wollte von Augsburg noch nicht einmal etwas gehört haben. Ebenso wenig Hoffnung machen derzeit Michael Mancienne, Gojko Kacar und Robert Tesche dem HSV-Verantwortlichen. Tesche hatte zuletzt ein Angebot des FC St. Pauli ausgeschlagen. Zwar hofft Kreuzer auch bei Tesche weiter auf einen Lucky Punch“, allerdings scheinen die HSV-Aussortierten sich mit einem Verbleib beim HSV arrangiert zu haben, was die Konsequenz nach sich zieht, dass ab Montag alle vier ausschließlich bei der U23 trainieren. Ein Szenario, dass die Spielergewerkschaft auf den Plan gerufen hat, die vor Wechseln explizit zum HSV warnt. Gleiches gilt für Hoffenheim, wo sich ein Spieler mächtig verarscht fühlt – von der TSG und vom HSV. Immerhin hatten die HSV-Verantwortlichen immer wieder ihr Interesse an Eren Derdiyok. Der jedoch will von einem ernsthaften HSV-Interesse nichts gehört haben.

Noch nicht viel von dem gesehen, was ich erwartet hatte – das trifft auf Petr Jiracek zu, der am Sonnabend gegen Braunschweig im linken Mittelfeld beginnen soll. Und ich hoffe, dass der Tscheche ein Spiel absolviert, dass seinen EM-Auftritten wenigstens ein bisschen ähnelt. Ansonsten dürfte es auch für den Linksfuß knapp werden, sich bei Fink noch hervorzutun. Der Trainer hatte zwar von Beginn an keine besonders gute Meinung von Jiracek, hatte dem Tschechen aber in der Zwischenzeit etliche Chancen geboten, sich aufzudrängen. Zuletzt im Test gegen Heide klappte das, Jiracek erzielte sogar zwei Buden. „Petr ist gut drauf, trainiert gut“, freut sich Fink, der als Alternative den gerade wieder genesenen Ivo Ilicevic erstmals wieder auf der Bank hat. Gut möglich, dass der Kroate, dessen Eins-gegen-Eins- und Dribbelstärke Fink als „Attribut, das uns sonst fehlt“ bezeichnet, in der zweiten Hälfte zum Einsatz kommt.

Das dürfte bei Johan Djourou etwas unwahrscheinlicher sein, nachdem Fink im laufe der Woche noch von leichten Rhythmusstörungen beim Abwehrmann sprach – dennoch ist er im Kader. Dafür fällt Jonathan Tah hinten rüber und somit aus dem Kader. Tah ist somit ebenso wie Tesche und Kacar bei den Amateuren, bei denen auch Rajkovic spielen würde – wenn er fit wird.

Morgen nach dem Spiel gibt es wieder ein „Matz ab live“. Diesmal mit Bernd Enge und einem Überraschungsgast, dessen Wiedersehen hier vielen Freude machen wird, ganz sicher. Wir melden uns nach dem 2:0-Heimsieg gegen Braunschweig – wobei mir das Ergebnis egal ist, solange gewonnen wird. Denn wenn der HSV auch den Kick gegen den bislang noch punktlosen Aufsteiger in den Sand setzt, dürfte die bisherige ungebrochene Rückendeckung für den Trainer seitens des Vorstandes erhebliche Risse erhalten.

In diesem Sinne, jedes weitere Wort über das morgige Spiel ist überflüssig. Selten war ein Spiel mit so klaren Ansprüchen verbunden wie das am Sonnabend gegen Braunschweig.

Bis morgen,

Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Westermann, Sobiech, Lam – Badelj, Arslan – Beister, van der Vaart, Jiracek – Zoua

Richard Golz: Gedanken zum Abschied

19. Juni 2013

Der aktuelle Bericht von “Scholle” sollte weiterhin viel Beachtung finden, er hat ja auch schon viel Beachtung gefunden und ist ja auch weiterhin zu lesen – ich stelle aber schnell einmal das Interview mit einem Scheidenden (nämlich aus Hamburg) rein: Richard Golz. Mein Kollege Alexander Laux und ich, wir haben uns mit dem ehemaligen HSV-Torwart und mit dem Cotrainer der Regionalliga-Mannschaft getroffen, um noch einige Sachen aufzuarbeiten. Der “Richie”geht bekanntlich nach Berlin, zur Hertha. Und ich, das darf ich sagen, finde es jammerschade. Einen so klugen Kopf, der so viele Erfahrungen im Profi-Fußball über Jahrzehnte gesammelt hat, den hätte der HSV eigentlich halten müssen. Natürlich weiß ich, dass dazu auch Positionen frei sein müssten – aber meiner Meinung nach wäre zumindest eine Position für ihn frei gewesen . . . Nun gut, das lässt sich jetzt ohnehin nicht mehr ändern, deswegen ist es eben so wie es ist. Hier nun das Interview, das in dieser Form heute auch in der Print-Ausgabe des Hamburger Abendblattes erschienen ist:

Alexander Laux
Dieter Matz

In den nächsten Tagen heißt es Koffer packen für Richard Golz. Sonntag startet Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC mit der Vorbereitung auf die neue Saison – mit dem 45-Jährigen, der von 2008 bis 2013 als Co-Trainer beim HSV-Nachwuchs gearbeitet hat, als neuem Torwarttrainer.

Hamburger Abendblatt: Herr Golz, sind Sie enttäuscht, Hamburg wieder mal verlassen zu müssen?

Richard Golz: Nein, wieso? Meine Sichtweise ist eher so, dass ich nach Berlin gehe. Ich verlasse Hamburg auch nicht ganz. Meine Familie bleibt in den kommenden drei Jahren hier, die Jungs sollen die Schule zu Ende machen.

Was hat Sie an Hertha gereizt?

Golz: Vor dem letzten Spiel der U 23 gegen Meppen klingelte das Telefon: Hallo, hier ist Jos Luhukay. Das Gespräch verlief so positiv, dass ich mir sofort vorstellen konnte, mit ihm zu arbeiten. Ich bin froh, dass ich im Nachwuchsbereich meine Erfahrungen sammeln durfte, aber in der Bundesliga spielt nun mal die Musik. Und dass es jetzt in Berlin weitergeht….

…Ihrer Heimatstadt…

Golz: …kommt noch dazu.

Dürfen wir Sie dennoch bitten, einen Blick zurück zu werfen. Hat es der HSV verpennt, mit Ihnen zu verlängern?

Golz: Es war schon relativ schwierig. Am Ende des Jahres suchte ich ein Gespräch mit Frank Arnesen, weil ich in irgendeiner Form weiterkommen wollte. Parallel zu meiner Tätigkeit beim HSV hatte ich ja ein Hochschulstudium zum Sport- und Eventmanager abgeschlossen. Ich habe ihm erzählt, dass ich mir vorstellen könne, nicht nur als Trainer zu arbeiten, sondern auch eine Funktion im Nachwuchsleistungszentrum zu übernehmen.

Wie hat Arnesen reagiert?

Golz: Er antwortete: Toll, das behalte ich im Kopf. Was die Trainer beträfe, könne er sich jetzt noch nicht festlegen. Sie würden schon gerne die besten Leute behalten wollen, aber erst im Frühjahr entscheiden und mit den Leuten sprechen.

Lassen Sie uns raten: Das Frühjahr zog sich hin.

Golz: Ich habe danach nie mehr ein Wort mit ihm gewechselt. Aber ich machte mir keine großen Sorgen, weil mein Vertrag nach fünf Jahren in einen unbefristeten Zustand übergegangen wäre. Es konnte nur niemand genau sagen, was ich inhaltlich machen soll. Es hieß nur hinter vorgehaltener Hand: Wir wollen umstrukturieren, vielleicht nicht mehr so viele Trainer bei der zweiten Mannschaft haben.

Sie streben danach, einmal ein Manageramt zu übernehmen. Beim HSV gab es häufiger Bedarf. Sind Sie traurig, nicht gefragt worden zu sein?

Golz: Ich bin nicht der Typ, der jedem hinterher rennt, um das Interesse an einem Job zu hinterlegen. Es ist halt so, dass Situation und Zeitpunkt passen müssen.

Mehr als zehn HSV-Trainer und Betreuer wussten nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ist es normal, dass man so lange hingehalten wird?

Golz: Ich glaube, Arnesen hat einfach lange nicht gewusst, was er machen soll, vielleicht hatte das auch mit Geld zu tun. Ich denke schon, dass man grundsätzlich den Trainern auch die Chance geben sollte, sich rechtzeitig etwas Neues suchen zu können.

Fühlt man sich ungerecht vom Verein behandelt?

Golz: Wie soll ich das formulieren? (Überlegt) Es hing einfach ganz viel an Arnesen. Er wollte viele Dinge entscheiden, hat sich aber nicht so richtig darum gekümmert. Lee Congerton, der technische Direktor, sollte sein Statthalter sein im Nachwuchsleistungszentrum. Den habe da ich nicht einmal gesehen. Ich korrigiere mich: Einmal war er bei einer Besprechung dabei. Einmal.

Unglaublich. Er sollte doch das Bindeglied sein.

Golz: Er wurde uns auch als unser Ansprechpartner angekündigt. Aber in diesem Nadelöhr sind dann einfach die Dinge stecken geblieben.

Es ist ja seit längerer Zeit in Mode, auf den Nachwuchs des HSV einzuprügeln. Wie fällt denn Ihr Urteil aus?

Golz: Ich war am Wochenende im Berlin, als die B-Junioren von Hertha im Endspiel auf Stuttgart trafen. Als ich da stand, habe ich mir überlegt: Wie viel besser sind diese Teams als unsere U-17 beim HSV? Gravierende Unterschiede habe ich nicht gesehen.

An HSV-Junioren in einem Endspiel können wir uns aber nicht erinnern.

Golz: Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.

Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt.

Golz: Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.

Wie würden Sie das machen?

Golz: Die Trainer, die auf die jungen Spieler losgelassen werden, müssen in dem Bereich richtig fit sein, nur dann kannst du auch besser sein als die anderen. Unsere Jungs sind fußballerisch nicht schlechter. Aber wenn man sich bei den 15-, 16- oder 17-Jährigen umschaut, da schüttelst du manchmal den Kopf und denkst: Wer steht denn da auf dem Platz?

Nämlich?

Golz: Die Abteilung der ganz Abgedrehten, die der moderne Fußball eigentlich nicht mehr vertragen kann. Das ist aber kein HSV-typisches Problem. Was ich meine: Gerade deshalb wäre es wichtig, die Trainer permanent fortzubilden. Natürlich werden in einem DFB-Lehrgang zur A-Lizenz Inhalte aus der Psychologie oder Pädagogik vermittelt, aber das ähnelt doch eher einem Crashkurs. Die Konsequenz daraus ist dann häufig, dass aus einem guten Fußballer kein richtig guter Mannschaftsspieler wird.

Zahlt der HSV auch den Preis für zu viele Wechsel in der Führung des Nachwuchsbereichs?

Golz: Natürlich. In einem Jahr kann man nichts bewirken. Jedes Jahr ein neuer Leiter und ein neues Konzept, das kann ja nicht funktionieren.

Da sie jetzt so viele Konzepte kennen: Gab es eines, das Sie überzeugt hat?

Golz: Paul Meier kam aus der Trainerausbildung, hat die HSV-Trainer besser gemacht und damit auch die Spieler. Diesen Ansatz finde ich sehr schlau, weil man sich so auch die Trainer für die höheren Mannschaften aufbauen kann. Du musst einfach alle Beteiligten permanent weiterentwickeln, unterstützen. Die Trainer aus dem Nachwuchs sind auf Dauer sehr viel besser als diejenigen, die gleich in der Bundesliga eingestiegen sind, davon bin ich fest überzeugt.

Dann könnte man vielleicht auch die häufig anzutreffenden Mentalitätsprobleme bei den Profis eliminieren.

Golz: Ich habe kürzlich mit Freiburgs Christian Streich gesprochen. Wissen Sie, was er gesagt hat? Das wichtigste Kriterium dort ist soziale Kompetenz, das heißt: Wie verhält sich ein Spieler beispielsweise gegenüber den Kollegen und den Fans.

Wie wichtig finden Sie es, ehemalige Spieler im Verein zu beschäftigen, Stichwort Identifikation?

Golz: Es geht häufig um so wichtige Entscheidungen, da spielt der Faktor fachliche Kompetenz eine wichtigere Rolle. Erst dann kommt die Frage, ob jemand mal das Trikot des Clubs getragen hat. Aber das eine schließt ja das andere nicht aus.

Hat sich der Umzug der U-23 in den Volkspark positiv ausgewirkt?

Golz: Ich finde schon, dass sich das gelohnt hat. Wir hatten einen guten Austausch, besonders Frank Heinemann hat sich sehr darum gekümmert. Ich bin allerdings skeptisch, was jüngere Teams betrifft. Die sollten erst mal Gas geben, bevor sie vor Zuschauern trainieren dürfen. Womit wir wieder beim Thema Mentalität sind.

Hinter den Kulissen laufen Bestrebungen, die Strukturen des HSV zu ändern. Befürworten Sie das?

Golz: Ich glaube schon, dass man schneller handeln können muss.

Wenn immer erst mal der Aufsichtsrat einberufen wird…

Golz: …. ist das unpraktisch und macht auch keinen Sinn. Die Leute, die im Vorstand arbeiten, werden ja für ihre Arbeit bezahlt. Auf der anderen Seite sucht ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat, der sein Amt aus Spaß ausübt, einen Sportchef. Unlogisch.

Sorgen Sie sich um die HSV-Zukunft?

Golz: Die Situation ist weiter schwierig. Auch wenn die letzte Serie ja ganz gut über die Bühne ging, heißt das nicht, dass die kommende Saison zwangsläufig besser wird. In der Bundesliga geht es mittlerweile so eng zu, dass jede Schwäche gnadenlos ausgenutzt wird. Es ist jedes Jahr ein harter Kampf. Auch für den HSV.

PS: Bitte nicht den “Scholle”-Beitrag vergessen, den ich nun “leicht” verdrängt habe. . .

9.37 Uhr

Großer Fußball in HH: Brasilien – Dänemark

25. Mai 2012

Und schon wieder ein neuer Name. Hamit Altintop, der Mittelfeld-Biene von Real Madrid (einst Wattenscheid 09 – welch ein Unterschied!), soll beim HSV im Gespräch sein. Der Wahrheitsfaktor aber, so würde ich das alles einstufen, liegt für mich nur bei 0,02 Prozent. Obwohl ich den Deutsch-Türken allein deswegen schon gerne beim HSV sehen würde, weil Trainer Thorsten Fink ja einen Mann sucht, der auf der „Sechs“ spielen kann – und gleichzeitig auch das Spiel nach vorne ankurbelt, der Ideen hat, und der dazu auch mit einem mächtigen Schuss Tore aus der zweiten Reihe erzielen könnte. Letzteres fehlt dem HSV ja schon lange und auch total. Nicht umsonst ist Altintop zu Real Madrid gekommen, der kann schon was. Aber erstens werden da ganz andere Klubs, nämlich jene, die viel Geld in der Kasse haben, am Start sein und mit bieten, und zweitens will Altintop mit Sicherheit auch weiterhin international spielen , und das nicht nur in einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona. Also würde ich bei dem Thema HSV/Altintop den Ball erneut ganz, ganz flach halten. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube.

Die einzige Personalie, die sich heute beim HSV getan hat ist die, dass wieder ein junger Mann von Bord gegangen ist. Hanno Behrens aus der Zweiten, ein Mann von Rodolfo Cardoso also, wechselt zur neuen Saison in die Dritte Liga, er geht für ein Jahr zum SV Darmstadt 98. Viel Glück! Beim HSV hat der 22-jährige Mittelfeldspieler zuletzt bei der Tingeltour über die Dörfer mitgespielt, war teilweise auch nicht schlecht, aber für „ganz oben“ hat es offenbar noch nicht gereicht. Vielleicht entwickelt er sich ja nun im Hessenland – obwohl der HSV nichts davon hätte, denn Behrens ist nicht ausgeliehen worden.

Mehr tat sich heute nicht beim HSV (jedenfalls weiß ich im Moment nicht mehr!). Ich bin verschiedentlich auf meinen letzten Bericht angesprochen worden, warum ich den Namen Artjoms Rudnevs nicht im Zusammenhang mit Paolo Guerrero gespielt habe – als zweiten HSV-Stürmer? Ich hatte ja eher mit Dirk Kuyt geliebäugelt . . . Und dann gibt es neben Guerrero ja auch noch Heung-Min Son und Marcus Berg. Mal abwarten, wer das Rennen machen wird. Zu Rudnevs: Ich wünsche dem Letten ja viel, viel Glück in der Bundesliga, aber er muss sich in der für ihn neuen Spielkasse ja auch erst einmal durchsetzen und behaupten. Der international erfahrene Norweger Per Ciljan Skjelbred lässt schön grüßen . . . Deshalb warte ich mit Artjoms Rudnevs lieber erst einmal ab, denn nicht alle meine Bekannten, die aus Polen kommen oder sich mit dem polnischen Fußball etwas besser auskennen, sind davon überzeugt, dass uns (dem HSV) Rudnevs auf Anhieb helfen wird. Schön wäre es ja auch in diesem Fall, aber einige „Experten“ sind da schon etwas vorsichtiger.

Aus Polen kamen ja schon einige Spieler zum HSV, als Stürmer waren es Jan Furtok (1988 – 93), Marek Saganowski (1997) und Richard Cyron (1991-92) – alle waren sie Nationalspieler, nur Furtok konnte sich letztlich durchsetzen. Dazu behaupteten sich in der Bundesliga auch die Mittelfeldspieler Waldemar Matysik (1990 – 93) und Miroslaw Okonski (1986 – 88), die zu Stammspielern wurden. Wobei mir Saganowski bis heute ein Rätsel blieb. Er hatte beste Anlagen, wurde später noch Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, spielte u. a. für Feyenoord Rotterdam, Legia Warschau, Vitoria Guimaraes, AC Troyes, Southampton und Athen – da hätte ganz einfach mehr kommen müssen. Mehr als Mitläufer waren auch Pawel Wojtala (1997- 98) und Jacek Dembinski (1997 – 01) nicht, in diese Kategorie gehört auch der Stürmer Marek Trejgis (1997 – 99), der es über die Amateure bis in die Bundesliga schaffte, es aber nur auf elf Einsätze brachte.

So, das war kurz ein Abstecher in den internationalen Fußball, an diesem Sonnabend wird es im Volkspark ja noch ein bisschen internationaler – dann treffen um 15.30 Uhr Dänemark und Brasilien aufeinander (live im ZDF). Endlich wieder einmal „richtiger“ Fußball in Hamburg! So sagen es viele Freunde und Bekannte von mir. Wie ungestillt der Hunger nach „Fußball“ in dieser Stadt ist, das zeigt doch die Tatsache, dass das Spiel fast ausverkauft ist. Es kamen heute noch 400 Tickets aus Dänemark zurück, die sind bis zum Abend noch online zu bestellen, ansonsten ist die Tageskasse Nord-Ost von elf Uhr an geöffnet. Rechtzeitiges Kommen sichert noch die letzten Plätze . . . Schiedsrichter dieser Partie ist übrigens der Münchner Dr. Felix Brych – schon lange nicht mehr in Hamburg gesehen, aber bei Abstiegskandidaten werden eben auch keine Spitzenleute eingesetzt.

Zum Thema Dänemark fällt mir im Zusammenhang ein ganz besonderer Tag ein: der 15. November 2000. Da gab der Hamburger Innenverteidiger Ingo Hertzsch sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft, die an diesem Abend in Kopenhagen das Länderspiel gegen Dänemark mit 1:2 verlor. DFB-Teamchef war damals Rudi Völler. Hertzsch machte fast zwei Jahre später auch noch ein zweites Länderspiel (auch unter Völler), und zwar am 21. August 2002 beim 2:2 in Sofia gegen Bulgarien. Dann war Ende mit der ganz großen internationalen Karriere – für den Chemnitzer im HSV-Trikot. Und ich höre heute noch immer so viele „Experten“ sagen, dass Hertzsch ja eher kein Nationalspieler war – und er war es eben und trotz allem dennoch. Die zwei Einsätze (über 90 Minuten) kann ihm niemand nehmen. Und, ganz nebenbei, im HSV-Anhang gibt es ja nicht wenige kritische und überkritische „Fans“, die auch dem einen oder anderen Hamburger mehr grundsätzlich absprechen, ein „richtiger“ oder „verdienter“ Nationalspieler zu sein. Auf Namen verzichte ich lieber. Ich kann aber nur sagen, dass ich mich (als HSV-Fan) über jeden HSV-Profi gefreut habe und freuen werde, der es in die Nationalmannschaft geschafft hat – oder es noch schaffen wird. Über jeden! Denn Nationalspieler wird man ja nicht (nur) deshalb, weil man groß und stark und besonders gut aussieht, sondern weil „Mann“ ja irgendwie und irgendwann auch mal gute oder besonders gute Leistungen gezeigt hat. Oder?

Wo ich gerade bei „Mann“ bin. Es gibt ja immer noch HSV-Anhänger, die sich über die abgemeldete Frauen-Bundesliga-Mannschaft beschweren. Völlig berechtigt, in meinen Augen, ich bedaure das auch sehr. Aber, um das noch einmal aufzuwerfen: Glaubt hier eigentlich noch irgendjemand, dass der HSV immer noch genügend Geld in der Kasse hat? Von wegen der Bilanzen und so! Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hat, dass es in diesem Klub so gut wie „null Kohle“ gibt, dann ist es doch diese Tatsache, dass das Frauen-Kapitel kurz, schmerzlos und ein wenig brutal zugeklappt wurde. Das ist doch ein Debakel und ein Desaster für einen Klub wie den HSV. Ein Offenbarungseid. Oder gibt es auch dazu Einwände?

Zum Thema Vereinspolitik (und was dazu gehört) haben mich auch privat wieder und noch immer viele, viele Mails erreicht – was mich freut. Zeigt es mir doch, dass sich viele HSV-Mitglieder doch ein wenig mehr (und auch sorgenvoller) mit ihrem Verein beschäftigen, als ich noch während der Fortsetzung der Mitgliederversammlung angenommen hatte. Stellvertretend möchte ich dazu einen Brief veröffentlichen, weil ich glaube, dass einige von euch diesem Absender ganz sicher helfen können – indem ihr ihm ein paar Tipps gebt. Los geht es (ungekürzt und von mir unbearbeitet):

„Moin, moin lieber Dieter,

bevor ich Dich mit einer weiteren Frage „belästige”, hoffe ich, dass Ihr, Du und Deine Frau, gesundheitlich wieder voll oben auf seid. Da ich (mal wieder) nicht weiß, wer mir außer Dir auf meine Frage antworten könnte, stelle ich Dir eben diese:

Die Supporters, bei denen ich seit Jahren Mitglied bin, obwohl ich mich seit geraumer Zeit keinesfalls richtig vertreten fühle, stellen sich meiner Meinung nach total quer und blockieren eine positive Entwicklung des Vereins. Ganz kurz, leider gibt es zu den Supporters keine Alternative, sonst wäre diese Alternative meine Wahl. Schließlich möchte ich auf der einen Seite zum Ausdruck bringen, ich bin ein Fan vom HSV. Auf der anderen Seite möchte ich mein Meinungsbild trotzdem irgendwie auch wiederfinden.

Es gibt, so war zu lesen, zwischenzeitlich 71.000 Mitglieder, von denen ca. 53.000 Mitglieder stimmenberechtigt sind. Wäre es nicht eine Verpflichtung der Supporters, eine Umfrage zu starten und deren Mitglieder um deren Meinung zu dem Thema “Fern-/Briefwahl” zu befragen? Offensichtlich gibt es ausreichend Stimmen, die sich dafür aussprechen, die aber die Reise zu einer Mitgliederversammlung nicht antreten können, um ihrer Stimme entsprechend Gewicht zu verleihen.

Die Supporter-Führung um Herrn Bednarek – besteht wirklich ernsthaftes Interesse – die ja die Meinung aller Mitglieder vertritt, müsste sich doch um ein Meinungsbild bemühen.
Es kann doch nicht genügen, zu behaupten, dass man 70.000 Mitglieder vertritt, obwohl es genügend Gegenstimmen gibt. Nicht umsonst wurden doch die „Initiative Pro HSV” gegründet oder eben die „Realos” erfunden. Sollte das wider meinem Empfinden tatsächlich ausreichend sein, dass die Führung der Supporters weiterhin in dieser Hinsicht tatenlos bleibt, welche Möglichkeiten hätte man, um an die einzelnen Adressen zu kommen, um zumindest einen Kettenbrief per e-mail ins Leben zu rufen?

Ein weiterer Gedanke wäre, wenn schon keine Fernwahl zugelassen wird, zumindest einen Bevollmächtigten bestimmen zu können. Und überhaupt, da bemüht man sich, Märkte im Ausland zu erschließen … Und was ist, wenn tatsächlich in China oder Korea Fanclubs gegründet werden? Welche Rechte hätten diese Mitglieder? Stimmentechnisch wohl keine. Verlangt man wirklich, dass diese Mitglieder Tausende von € investieren, um nach Hamburg zu reisen? Es gibt doch jetzt schon Fans des HSV, die im Ausland leben.
Ich wiederhole mich, das kann es nicht sein.

Ich habe das Gefühl, da gibt es eine Führungsebene, die Gleichgesinnte um sich eint. Und diese wenden sich an gewisse Fanclubs, meiner Meinung nach nur, um für ihr Handeln Mitläufer zu finden. Das erinnert mich … na ja. Ich zweifle ganz gewiss nicht an der Intelligenz der SC-Führung, darauf haben sie lange hingewirkt. Steter Tropfen höhlt den Stein, Aber die Leute, die sich vor den Karren spannen lassen, den muss doch eigentlich klar sein, dass sie helfen, dem Verein in seiner Weiterentwicklung zu schaden. Oder denken die überhaupt nicht nach und folgen bloß dem Herdentrieb?

Das betrifft auch das Thema „Aufsichtsrat”. Das die Anzahl der Räte unbedingt reduziert werden muss, sollte eigentlich jedem klar sein. Nimmt man die Verpflichtung von Adler als Beispiel, wie lange hat das gedauert, bis unterschrieben werden durfte?
Die Entscheidungswege sind zu lang.

Wäre es nicht normal, dem Vorstand ein Budget zur Verfügung zu stellen und hierüber frei verfügen zu lassen? Und nur, wenn dieser Betrag aufgebraucht wurde und evtl. ein wenig Geld fehlt, um beispielsweise noch einen guten Spieler zusätzlich verpflichten zu können, dann müssten die hohen Herren angesprochen werden. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass fähige Fachleute erst einmal 12 Laien fragen müssen, ob sie das Geld entsprechend anlegen dürfen. Das ist alles so unbefriedigend.

Im Sinne des HSV muss da etwas passieren. Allerdings bin ich da alles andere als hoffnungsvoll.

Nun gut, genug gejammert, ich breche hier ab.

Schöne Grüße, F.

Um zum Abschluss noch einmal auf „meinen“ Fußball zurückzukommen: Ich habe vom „Kicker“ die Unterlagen zur Wahl der „Fußballer des Jahres“ erhalten – und auch schon beantwortet in die Post gegeben. Ich will euch gerne verraten, dass ich in diesem Jahr einen totalen Außenseiter zum „Trainer des Jahres“ gewählt habe – und zwar Jos Luhukay. Grund: Was der Niederländer mit dem FC Augsburg geleistet hat, ist einfach nur grandios zu nennen. Mal ganz ehrlich, wer von euch hat vor Saisonbeginn nicht auch auf den Aufsteiger FC Augsburg als klaren Absteiger getippt? Und sogar Wetten drauf gelegt? Für fast alle war Augsburg doch schon vorher der klarste Verlierer der Saison 2011/12 – wie damals Tasmania Berlin, so hieß es immer wieder und überall. Und dann geht dieser Luhukay so zur Sache, dass er ein kleines (großes) Fußball-Wunder vollbringt. Hut ab! Das soll ihm mal einer nachmachen.

Neben Luhukay standen bei mir noch zwei seiner Kollegen zur Wahl, letztlich aber entschied ich mich gegen Lucien Favre (toll, was er aus dem Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach gemacht hat!), und ich entschied mich auch gegen Christian Streich, der den SC Freiburg nach dem Abgang von Torjäger Papiss Demba Cisse und in schier auswegloser Lage doch noch gerettet hat. Als Cisse in der Winterpause zu Newcastle United wechselte, da hörte ich überall: „Jetzt ist Freiburg weg!“ Kompliment, Herr Streich, das war im Abstiegskampf einen wahre Meisterleistung. Und das zeigt mir, dass ein Trainer nicht (!) unbedingt den ganz großen Namen haben muss, um zu solch sensationellen Taten fähig zu sein.

Apropos großer Name. Jetzt, wo ich das schreibe, läuft bei Sky (nebenbei) ein Bundesliga-Spiel mit Schalke. Und mit Raul. Schade, dass dieser große Sportsmann die Bundesliga wieder verlassen hat, er war für mich der Größte. Weil er trotz seiner riesigen Erfolge immer hübsch auf dem Boden und ein Mensch geblieben ist. Vorbildlich und zur Nachahmung empfohlen. Und Dank an Felix Magath. Lieber Felix, dass Du ihn einst nach Gelsenkirchen geholt hast, dass Du Dich überhaupt an einen solchen großen Namen herangetraut hast – einsame klasse! Raul von Real Madrid zum FC Schalke, wer hat, als er das damals erstmalig vernommen hatte, nicht an eine Ente geglaubt? Aber manchmal werden (Fußball-)Träume eben auch wahr. Und wenn ich so an Rafael van der Vaart denke . . . Bitte Herr Kühne, bitte helfen Sie. Oder eventuell auch „nur“ mit Hamit Altintop. Der könnte dem HSV sicher auch ein wenig helfen.

PS: In eigener Sache möchte ich schnell noch loswerden, dass „Scholle“ und ich morgen wieder nach dem Länderspiel Schweiz gegen Deutschland mit „Matz ab live“ auf Sendung sind. Es wird, so unser Vorhaben (und falls es keine Absage mehr gibt) ein Journalisten-Stammtisch. Nach dem Schlusspfiff in Basel.

17.41 Uhr

Fink: “Wir haben richtig guten Fußball gespielt”

18. Dezember 2011

Grottenkick, Durchschnitts-Spiel oder sehr gute 90 Minuten? Was war HSV gegen den FC Augsburg tatsächlich? Für mich war es ein schlechtes Spiel. Für die beiden Trainer ein gutes. Darüber später mehr. Vielleicht war es für mich deswegen so furchtbar, weil der HSV diese Begegnung hätte unbedingt gewinnen müssen. Die Enttäuschung war groß, war sogar riesig. Nur 1:1 gegen den Abstiegskandidaten? Das heißt, wer ist hier der Abstiegskandidat gewesen? Beide! Denn wenn man sich mal die Heimbilanz des HSV auf der Zunge zergehen lässt, dann kann einem tatsächlich angst und bange werden:

gegen Nürnberg 2:0
Kaiserslautern 1:1
Köln 3:4
Hoffenheim 2:0
Schalke 1:2
Wolfsburg 1:1
Mönchengladbach 0:1
Hertha 2:2
Augsburg 1:1.

Zwei Heimsiege – und zwar gegen Klubs, die nicht unbedingt zur Creme der Liga zählen. Und keine Siege gegen jene Klubs, die sich stets eher nach unten orientieren, gegen die eigentlich gewonnen werden muss, wenn man die Klasse halten will. Da kann sich jeder leicht ausrechnen, welche Vereine in der Rückrunde nach Hamburg kommen. Und gegen die muss dann wohl gewonnen werden, um nicht abzusteigen. Aber wird gegen die auch tatsächlich gewonnen? Nach dem Kick gegen Augsburg bleiben da doch viele Zweifel.

Die Statistik des Spiels HSV gegen Augsburg spricht allerdings deutlich für Hamburg: 25:12 Torschüsse, 8:0 Eckstöße, 17:9 Flanken, 61:39 Ballkontakte, 53:47 Zweikämpfe. Die meisten Ballkontakte beider Klubs: Tomas Rincon 100, De Jong 53. Die Zweikampfstärksten: Heiko Westermann 78 Prozent, Verhaegh 67 Prozent.
Tore aber 1:1.
Nur die zählen.

Und deswegen bleibt nach diesem Unentschieden eine große Enttäuschung, ich kann mich nur wiederholen. Zumal Augsburg nicht gerade mit einer „Wundermannschaft“ angetreten ist – im Gegenteil. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, mit welcher Bundesliga-Erfahrung der Aufsteiger in diese Partie gegangen ist:

Das ist die FCA-Startformation:

Mohamed Amsif kam von Schalke 04, 0 Bundesliga-Spiele zu Saison-Beginn, jetzt 6.
Paul Verhaegh kam von Vitesse Arnheim, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 9.
Gibril Sankoh kam vom FC Groningen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 10.
Marcel De Jong kam von Roda Kerkrade, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 8.
Andrew Sinkala kam vom SC Paderborn, 37 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 44
Hajime Hosogai kam von Urawa Red Daimonds, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 16.
Torsten Oehrl kam von Fortuna Düsseldorf, 1 Bundesliga-Spiel zu S-Beginn, jetzt 5.
Daniel Baier kam vom VfL Wolfsburg, 28 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 45.
Tobias Werner Carls Zeiss Jena, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 13.
Lorenzo Davids kam vom NEC Nijmegen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 16.
Sascha Mölders kam vom FSV Frankfurt, 11 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 28.

Eingewechselt wurden dann noch:
Daniel Brinkmann kam von Alemannia Aachen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 12.
Dominik Reinhardt kam vom 1. FC Nürnberg, 93 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, 105.
Uwe Möhrle kam vom VfL Wolfsburg, 114 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 123.

Diese Formation des FC Augsburg hatte also insgesamt 161 Bundesliga-Einsätze in den Stiefeln. Im Vergleich dazu beim HSV beispielsweise Jaroslav Drobny (135), Heiko Westermann (209), Paolo Guerrero (151) und Mladen Petric (112).

Wobei noch anzumerken ist: Gefehlt haben beim FC Augsburg in Hamburg immerhin neun Spieler, davon einige sehr erfahrene:
Jentzsch (253 BL-Spiele), Callsen-Bracker (62). Ndjeng (24), Kapllani (53), Rafael (105), de Roeck (7), Bellinghausen (31), Bah (1) und S. Langkamp 19).

So, und nun zu den Beurteilungen der Trainer.

Jos Luhukay (FCA) befand glücklich: „Wir haben heute läuferisch und kämpferisch alles abgerufen, dazu haben wir in mehreren Momenten auch ein Quäntchen Glück gehabt, und wir hatten einen fantastischen Torwart, der uns in den schwierigen Momenten auf den Beinen gehalten hat. Wir haben heute gegen eine Klasse-Mannschaft gespielt, die offensiv mit extrem viel Bewegung gespielt hat, die ein hohes Tempo gegangen ist. Der HSV hat nur vergessen, in den entscheidenden Momenten seine Möglichkeiten zu nutzen, das hat uns immer wieder zurück ins Spiel gebracht. Nach dem Ausgleich hatten wir noch eine hundertprozentige Torchance, wenn wir die nutzten, dann hätten wir das Spiel völlig auf den Kopf gestellt. Unter dem Strich bin ich als FCA-Trainer froh, dass meine Mannschaft heute die mentale Kraft hatte, hier einen Punkt zu erkämpfen. Ich wünsche Thorsten Fink und seinem HSV nach wie vor viel Glück in der Rückrunde.“

Thorsten Fink kommentierte das 1:1 wie folgt: „Ich kann eigentlich nur das wiederholen, was der Kollege bereits gesagt hat, ich kann mich dem nur anschließen, was er gesagt hat, ich kann mich damit identifizieren. Letztlich haben wir unsere Torchancen nicht genutzt. Bis auf die Chancenauswertung gibt es heute nichts zu meckern. Meine Mannschaft war sehr spielfreudig, hat viele Chancen herausgespielt, von daher war ich damit zufrieden. Natürlich sind wir nicht zufrieden, wenn wir unsere Heimspiele nicht gewinnen, das ist auch klar, aber mit der Leistung heute war ich zufrieden.“

Fink weiter: „Wir schauen weiter nach vorne, wir wollen im Pokal in Stuttgart einen weiteren positiven Schub mit in die Rückrunde nehmen, wir haben ja beim letzten Spiel in Stuttgart gezeigt, dass man da gewinnen kann. Insgesamt bin ich mit dem gesamten Verlauf der Saison, seit ich hier bin, sehr zufrieden, weil wir ja auch nach sechs Spielen erst einen Punkt hatten. Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir hier heute wollten, auch vom Spielerischen her, und das ist der Trainer auch immer besonders zufrieden, wenn die Mannschaft das umsetzt, was er vorgegeben hat. Ich denke, dass wenn wir so weiter spielen, dass wir dann auch unsere Heimspiele gewinnen werden, dass wir uns in der Tabelle weiter verbessern werden. Trotzdem werden wir keine anderen Ziele ausgeben, als einen gesicherten Mittelfeldsplatz, und wir sind auf dem besten Wege dorthin – weil wir auch diesmal einen Konkurrenten auf Abstand gehalten haben.“

Thorsten Fink ging dann später noch einmal ins Detail: „Heute haben wir richtig guten Fußball gespielt. Wir haben in den letzten zwei Spielen nicht so gut Fußball gespielt, haben auch im letzten Heimspiel nicht gut gespielt, aber 2:0 gewonnen, weil wir zwei von drei Chancen genutzt haben. Heute haben wir von den vielen Torchancen, die wir hatten nur eine genutzt, das ist alles. Die Mannschaft zeigt jedes Mal Charakter, hat sich viele Bälle erkämpft, hatte viel mehr Ballbesitz, hat auch heute spielerisch gezeigt, was sie kann – und das kann uns keiner mehr nehmen. Wir haben leider nur die Chancen nicht genutzt, aber deswegen müssen wir nicht so kritisch sein mit der Mannschaft. Beim letzten Mal war ich sehr kritisch, aber diesmal nicht. Und ich glaube, dass ich jemand bin, der sehr kritisch ist, wenn es mal nicht so läuft. Dann darf ich mir auch mal erlauben, nicht so kritisch zu sein. Weil ich denke, dass die Zuschauer, die gekommen sind, ein gutes Spiel gesehen haben. Wir haben den Gegner hinten rein gedrängt, wir haben uns auch viele Möglichkeiten sehr gut herausgespielt – jetzt müssen wir sehen, dass wir das mitnehmen, dass wir das in der Vorbereitung noch verbessern.“

Der HSV-Coach befand auch noch: „Wir sind weiter ungeschlagen geblieben, auch wenn es heute gegen eine Mannschaft von unten ging. Aber Augsburg hatte in der letzten Woche Mönchengladbach geschlagen, darf man auch nicht vergessen, und Gladbach spielt im Moment hervorragenden Fußball, ist zurzeit sehr gut drauf. Und von daher haben wir gegen eine Mannschaft gespielt, die unangenehm zu spielen ist, und das hat meine Mannschaft hervorragend gelöst. Aber man wird eben nicht immer im Fußball belohnt. Aber auf Dauer wird man dann schon belohnt.“

Zur sportlichen Gesamtlage sprach Fink noch: „Was wir jetzt geschafft habe ist das, dass wir vom Abstiegsplatz weggekommen sind. Und das nach diesem schlechten Start. Natürlich kann es in den nächsten zwei Jahren nicht der Anspruch sein, dort zu stehen wo wir jetzt stehen, das weiß ich auch, ich will immer weiter höher kommen, und das werden wir auch erreichen. Nur kontinuierlich, mit gezielter Arbeit, alles ein wenig mehr automatisieren. Und wir arbeiten sehr hart, wir arbeiten sehr gut, die Mannschaft ist sehr lernwillig. Wenn ich dann sehe, mit wie vielen Punkten wir angefangen haben, als ich hier die Arbeit aufnahm, und wenn ich sehe, wie viele Punkte wir heute haben, dann hätten sie alle eingeschlagen und gesagt: ‚Jawoll, Herr Fink, wir sind zufrieden damit.’ Wir wollen uns aber stets verbessern. Und hätten ja auch durchaus noch mehr Punkte haben können – siehe Hannover.“

Thorsten Fink fügt noch hinzu: „Wir sehen jetzt keinen Anlass, diese Mannschaft irgendwie noch schnell zu verstärken. Was nicht heißt, dass wir es jetzt nicht machen. Wir werden uns abschließend noch besprechen. Kann sich ja immer mal etwas ergeben. Wenn zum Beispiel ein Cristiano Ronaldo sich anbieten würde und nichts kostet, können wir nicht sagen: Dich nehmen wir nicht, Junge. Es ist immer was möglich im Fußball, aber eigentlich haben wir es jetzt nicht vor. Zur neuen Saison dann werden wir uns natürlich noch verstärken.“

So, das waren die Empfindungen des HSV-Trainers Thorsten Fink. Ich werde – nach diesen Ausführungen – das Wort „Grottenkick“ zwar zurücknehmen, aber trotz allem bleibt es für mich ein schlechtes Spiel des HSV. Nicht weil ich trotzig bin, sondern weil es gegen diesen dezimierten und limitierten Gegner ganz einfach einen Heimsieg geben muss. Muss. Wenn Fink ein gutes spielerisches Match von seinen Mannen gesehen haben will, dann fehlte mir dann doch die kämpferische Komponente. Und auch ein wenig die Lust, der Spaß, die Leidenschaft, das Herz. Und ich finde auch nach wie vor, dass das Nachrücken nicht so klappt, wie es eigentlich sein sollte, sein müsste. Dadurch hängen die beiden Stürmer, erst Mladen Petric, dann Paolo Guerrero, zu oft allein da vorne herum. Hinzu komm, dass es über die Flügel hapert, denn bei Gökhan Töre läuft es im Moment nicht so hervorragend, wie noch vor Wochen, und Ivo Ilicevic verlässt zu oft seine Position. Der Ex-Lauterer läuft überall und nirgends herum, würde er aber auf seinem Platz (für die Mitspieler zu finden) sein, fände er sicherlich wesentlich besser ins Spiel.

Und noch eines hat mir missfallen – wieder einmal. Die Freistöße. Wie fahrlässig geht der HSV bloß damit um. Ihr könnt es beobachten: Pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß in Strafraumnähe für den HSV, läuft die Hälfte der Hamburger Mannschaft zum Punkt. Das ist fast schon lächerlich, wie beim Jugend-Fußball (aber E-Jugend!). Ich will schießen! Ich will schießen! Ich will aber auch schießen. Nein, ich will schießen. Und: Du schießt ganz sicher nicht.
Derjenige, der sich dann mannhaft durchgesetzt hat, der ist von diesem Kamp so mitgenommen (und unkonzentriert), dass er den Ball garantiert in die Wolken oder in die Mauer haut. Unfassbar ist das.

Meine Hoffnungen ruhen aber auch in diesem Fall auf Thorsten Fink. Ich war kürzlich dabei, als der Trainer ein Spielchen unterbrach, weil er eine gewisse OIrdnung beim Einwurf (!) haben wollte. Motto, so Fink: “Wir werfen den Ball immer zum Gegner. Aber wenn sich einer blitzschnell von seinem gegenspieler lösen würde, dann gäbe es eine komfortable Situation von zwei gegen einen. Der, der sich gelöst hat, muss den ball nur zu dem Einwerfenden zurückspielen.” Klingt logisch. Wurde dann auch (im Training) gemacht. So muss sich das dann eigentlich auch mit den Freistößen lösen lassen. Fink sagt vor dem Spiel an, wer zu schießen hat, dann muss nicht später darum gekämpft werden. Kostet doch alles Kraft und Konzentration. Was man dann bei der Ausführung prompt auch sehen kann. Aber: Viele Spiele im heutigen Fußball sind so eng, dass sie gerade durch Freistöße (oder allgemein Standards) entschieden werden können.
Noch verschenkt der HSV in dieser Hinsicht zu viel.

Aber vielleicht wird es ja am Mittwoch alles besser – oder vieles. Und es gibt einen Sieg, wenn nicht unbedingt alle HSV-Fans damit rechnen (können). Im Pokal beim VfB Stuttgart fällt Marcus Berg auf jeden Fall aus, er brach sich am Sonnabend das Schlüsselbein. Dafür ist Marcell Jansen wieder fit, der wegen Leistenbeschwerden gegen Augsburg fehlte – und wohl auch, wie Thorsten Fink verriet, „aus taktischen Gründen“. Die gegen Augsburg ausgewechselten Mladen Petric und Gojko Kacar werden, davon geht der Coach aus, werden im Ländle mit von der Partie sein können, es liegen keine Verletzungen vor.

Ja, und dann war da noch
eine Aussage der besonderen Art. Nicht zum HSV, sondern mal eben in den freien deutschen Fußball-Raum gesprochen. Darauf muss Mann erst einmal kommen:

„Es gibt ein paar Journalisten, die offenbar mein Gesicht nicht mehr sehen können. Das ist nach einer langen Zeit an der DFB-Spitze wohl normal. Dann gehe ich lieber, solange es nur ein paar sind.“

Das hat Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, in einem Interview der „Welt“ gesagt.

Ich hätte da mal einen Rat an den Noch-Präsidenten. Er sollte sich besser auch mal im eigenen Stall umhören. Wenn dann diese Menschen, die er befragt, die Manns genug sind, um ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dann würde er nicht mehr (nur) von Journalisten sprechen . . .
DFB und DFL warten auf die Wachablösung, warten auf Wolfgang Niersbach, der wieder Grund in den größten Sport-Verband der Welt bringen soll – und bringen wird.

16.29 Uhr

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