Archiv für das Tag 'Luhukay'

Mertesacker, Skjelbred, Lasogga und der HSV – die Gewinner des Tages

1. Juli 2014

*Aktualisiert: Twitter-Meldung von Sky: .@HSV verpflichtet nach #ssnhd-Informationen Pierre-Michel #Lasogga für knapp 9 Mio. Euro. Stürmer erhält Fünfjahresvertrag #ssnhd #skybuli***

Jetzt geht es los. Endlich. Und zwar in alle Richtungen. Zum einen scheinen sich Dietmar Beiersdorfer und Co. mit Hertha BSC auf eine Ablösesumme für Pierre Michel Lasogga geeinigt zu haben, was auf der anderen Seite bedeutet, dass Klaus Michael Kühne dem Klub finanziell unter die Arme greift, da in Sachen Hakan Calhanoglu intern weiterhin die Marschroute ausgegeben wird, dass der junge Mittelfeldmann weiterhin nicht verkauft werden soll. Zumindest offiziell nicht.


Und diese Marschroute ist für mich in zweierlei Hinsicht gut. Sie bedeutet erstens, dass Dietmar Beiersdorfer die ihm zugesagte Unterstützung von Herrn Kühne bekommt und das wäre ein erster wichtiger derer, die den HSV gestalten wollen und sollen. Zweitens – und auch dafür ist Kühnes Unterstützung zwangsläufig – setzt der HSV in Sachen Calhanoglu ein Zeichen der Stärke. Gegenüber Leverkusen – mit denen man sich noch immer nicht zu Verhandeln bereiterklärt hat. Aber vor allem auch gegenüber den eigenen Spielern mit langfristigen Verträgen. Dass ein Per Skjelbred so einen Hinweis nicht gebraucht hätte, wissen wir. Und das wird auch im Interview deutlich. Aber es ist ein klares Zeichen seitens des HSV, dass man sich nicht zum Selbstbedienungsladen machen lässt.

Und ganz ehrlich, letztlich kann Calhanoglu meinetwegen noch wechseln. Der HSV würde sein Gesicht wahren, denn dann hätte es der HSV letztlich entschieden, weil er es so wollte. Und natürlich, weil dann nebenbei offenbar auch die Ablösesumme stimmen würde, die deutlich über den bisher kolportierten 12,5 Millionen (es sollen eh schon 15 Mio im Raum stehen) Euro liegen wird.

Wie im gestrigen Blog geschrieben, ist Klaus Michael Kühne momentan der entscheidende Faktor. Er muss den Laden aufräumen, der in den letzten Jahren finanziell an den Abgrund geführt wurde. Dass er auch für die Chosen few entscheidend ist, sich zur neuen Saison komplett zurückzuziehen – so soll es sein. Vor allem aber ist Kühne für die Gestaltung der näheren Zukunft beim HSV ein ganz wesentlicher Faktor. Dietmar Beiersdorfer hatte Kühne und Gernandt vor seiner Zusage für ein Engagement detaillierte Pläne vorgelegt, was infrastrukturell, finanziell und personell passieren müsse. Auf kurze wie auf lange Sicht, weil es sicher auch mehr als gewollt zu verbessern gilt. Und der Speditionsmilliardär soll begeistert gewesen sein. Daher wunderte es nicht nur mich, dass Kühne zuletzt zögerte. Aber: Sollte sein zögerliches Verhalten in den letzten Wochen Taktik gewesen sein – chapeau! Dann hätte er beim HSV alle genarrt. Im positiven Sinne. Denn so musste letztlich auch die Hertha einsehen, dass der HSV ohne Kühne nicht annähernd so potent sei, die überzogenen Forderungen von 12 Millionen Euro durchzusetzen.

Den Gedanken, ich würde immer wieder über Herrn Kühne pesten, will und werde ich nicht mehr kommentieren. Der ist angesichts der zuvor vermehrt anderslautenden Blogs absurd. Nicht umsonst bekomme ich von der Seite der Traditionalisten genau das Gegenteil vorgeworfen. Heute mehr denn je.

Nein, ich weiß um die große Bedeutung von Klaus Michael Kühne für den HSV. Gerda deshalb wird er automatisch immer wieder Thema sein. Und ich weiß über Zusagen seinerseits im Vorfeld gegenüber HSVPlus, die mich begeistert hatten. Und auch weiterhin begeistern werden – wenn sie denn umgesetzt werden. Der Anfang ist inzwischen gemacht. Zumindest ist die Personalie Lasogga so weit fortgeschritten, dass Noch-Sportchef Oliver Kreuzer von einem baldigen Vollzug spricht. Und nach meinen Informationen wird das nicht heute und eher auch noch nicht morgen sein – aber dann. Ich weiß zumindest, dass der HSV so professionell plant, dass auch für Lasogga ein Visum für den China-Trip beantragt wurde. Und der beginnt am Freitag…

Dann noch mit dabei sein könnte auch Per Skjelbred. Zumindest scheint diesen Personalie noch nicht so weit behandelt, dass ein schneller Wechsel bevorsteht. „Ich spiele da, wo ich Vertrag habe“, sagt der Norweger und man glaubt es dem sympathischen Mittelfeldspieler einfach. Das Gegenstück des verwöhnten Jungprofis würde gern in Berlin bleiben. Das hat er ehrlich gesagt, ohne daraus eine Forderung abzuleiten. Zum einen, weil er dort sportliches vertrauen bei Trainer Jos Luhukay genießt. Zum anderen, weil die Hauptstädter ihm einen längerfristigen Vertrag anbieten, während selbiger in Hamburg 2015 ausläuft. „Es ist nicht meine Sache, das zu beurteilen, dafür habe ich einen Berater und die vereine sprechen. Der Rest kommt dazu. Und bis dahin werde ich mich in Hamburg vorbereiten. Professionell. Und gern“, so Skjelbred, der unter Slomka noch nie trainiert hat und heute ein erstes Gespräch führte. „So ein Gespräch ist sehr wichtig. Der Trainer ist für so eine Entscheidung sehr wichtig“, sagt der Blondschopf und lächelt weitere Fragen weg. Was soll er auch sagen? Hier hat er Vertrag, dort würde er gern bleiben. Das hat er offen mitgeteilt – gefolgt von dem Satz, dass er die Entscheidung des Klubs respektieren und umsetzen wird.

Menschlich gibt es, glaube ich, kaum eine andere Meinung. Aber sportlich ist es sehr wohl eine Frage der Sinnhaftigkeit, ob Skjelbred zu behalten ist oder nicht. Im Training heute wirkte der quirlige Rechtsfuß stark. Er fiel beim Abschlussspiel sogar positiv auf, war an Toren und Torschüssen beteiligt. Kurzum: Skjelbred wirkte trotz einer Woche weniger Mannschaftstraining fit wie alle anderen auch. „Ich bin jeden Tag laufen. Ohne kann ich nicht sein“, so Skjelbred über seine Urlaubszeit, die er in Venedig und zuletzt in Spanien verbracht hat. Ob der Musterprofi letztlich behalten wird, hängt zum einen an den Finanzen des HSV und dem Ablöseangebot der Hertha – zum anderen auch an den möglichen Alternativen. Denn für die Sechserposition, auf der Slomka Skjelbred sehen soll, wird weiter nach einem Spieler gesucht, der sehr robust zu Werke geht, ohne dabei das gepflegte Aufbauspiel zu vernachlässigen.

Letzteres bietet Skjelbred zweifellos. Da ist er sogar stärker anzusetzen als ein Arslan. Aber ob das reicht? „Da mache ich mir keinen Kopf“, so Skjelbred, „ich trainiere jetzt mit, fliege nach jetzigem Stand am Freitag nach China und spiele beim HSV. Sollte sich das ändern, bekomme ich das schon früh genug mit.“

Stimmt. Keine weiteren Fragen.

Die hatte ich sehr wohl, als ich heute die Mitteilung der Chosen Few zu lesen bekam. Ab sofort und für die komplette Saison 2014/2015 stellen die „CFHH“ ihren Support inklusive aller Choreos bei Heim- und Auswärtsspielen ein. Was ich sehr schade finde. Denn die Choreos waren für mich ebenso wie die lautstarke, kompromisslose Unterstützung der „CFHH“ in der Bundesliga weit vorn. Allerdings muss man die Entscheidung hinnehmen und damit leben. Was auch funktionieren wird. Denn aus meiner Sicht gibt es zwei Dinge, die ich immer voneinander getrennt habe: Meinen Verein – und die Leute, die ihn führen. Wie oft bitteschön ärgere ich mich über die Verantwortlichen, ohne dabei auch nur ein Stück Leidenschaft für meinen Verein an einzubüßen?

Nein, das funktioniert auch nicht. Und ehrlich gesagt wundere ich mich, dass dies ausgerechnet diejenigen machen wollen, denen ich noch deutlich mehr Patriotismus, noch exzessiveres Fansein angedichtet habe als mir und anderen. Die Liebe unterdrücken? Oder ist sie erloschen, weil die Rechtsform sich ändert? Egal wie, es ist nur der Ausdruck ihrer Enttäuschung über all das, was sich beim HSV ändert. Und wer sagt denn, dass Fansein etwas mit Demokratieverständnis zu tun haben muss…?

Nein, das muss es nicht. Der HSV verliert sicher einen Teil seiner lautstarken Unterstützung. Einen Teil den ich als Fan, der eine tolle Atmosphäre bei Heimspielen erhofft, sehr geschätzt hatte. Zumindest nominell. Dennoch bin ich mir sicher, dass das Stadion wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen wird, wenn es darauf ankommt. Ob mit oder ohne die Unterstützung der „CFHH“.

Groß war auch das Interview von Per Mertesacker mit Boris Büchler nach dem Spiel gegen Algerien. Ich habe diesbezüglich heute auch mit meinen Kollegen gesprochen, nein: diskutiert. Wir alle haben ja schon mal so etwas in abgewandelter Form miterleben dürfen. Und ich sage bewusst „dürfen“, weil es doch endlich mal über die stereotypen Antworten hinausgeht und ausnahmsweise mal authentisch ist. Und: Wie oft ertappe ich mich selbst dabei, den Spielern nach hitzigen Spielen Fragen zu stellen, die ich an deren Stelle gar nicht beantworten wollte (ich weiß, eine ziemlich steile Vorlage für Euch…;-))?

Sie tun es aber fast immer trotzdem. Weil sie Profis sind. Weil sie es müssen. Oder nicht? Nein! Ich würde mich freuen, wenn Spieler weniger aufgesetzt und mehr sie selbst sind. Auch wenn das mal wehtut. Umso geiler finde ich es, wenn ein Profi mal Profil zeigt und aus seiner Stimmung keine Mördergrube macht. Ob Mertesacker das richtig gemacht hat? Klar. Weil er ehrlich war. Ob er Büchler angehen muss? Nein. Sicher nicht. Zumindest nicht bei der ersten Frage. Vielleicht auch noch nicht bei der direkten Nachfrage. Aber ganz sicher beim dritten Mal Fragen, warum es ein so schwaches Spiel war. Ich wäre ehrlicherweise gegangen…

Es war ein Gespräch, das nur Gewinner hat. Büchler, weil er für sein hartnäckiges Nachfragen durchaus Komplimente bekommt, Mertesacker für seine authentische und die Mannschaft in Schutz nehmende Antworten – und uns, weil wir unterhalten wurden mit der wichtigen Botschaft: Seht nicht immer erst das Schlechte. „Sollen wir erfolgreich spielen, oder schön spielend ausscheiden“, fragte Mertesacker sinngemäß – und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn was bitteschön maßen wir uns an, im WM-Achtelfinale einen souveränen Sieg zu erwarten. Zumal gegen wirklich starke, aufopferungsvoll kämpfende Algerier?

Nein, das Glas ist diesmal definitiv halbvoll. Auch wenn es spielerisch noch ’ne Menge Steigerungspotenzial gibt – diese Deutsche Nationalelf ist stark. Und Mertesacker hat das in dem sehens- und hörenswerten Interview für mich nur noch mal eindrucksvoll bestätigt.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann unter anderem mit dem dritten Testspiel, diesmal beim VfR Horst.

Scholle

P.S.: Jonathan Tah pausiert aktuell mit Oberschenkelproblemen, soll aber bis zur China-Reise wieder fit sein.

Nächste Einträge »