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HSV ist sich mit Tah bis 2018 einig – mit Option auf die Option

18. November 2013

Er hat eine ganze Menge zu besprechen. Und er fängt sofort damit an. Nachdem HSV-Sportchef Oliver Kreuzer mit einer Prominentenauswahl ein benefiz-Länderspiel gegen die Türkei mit 2:7 verloren hatte, war er sauer. Verlieren mag er eben nicht, auch nicht so im Spaß. Allerdings versöhnte es den Sportchef, dass er anschließend mit dem inzwischen angeblich schon europaweit begehrten Stürmer Pierre Michel Lasogga sprechen konnte. Vor allem, weil der sympathische Angreifer es so wollte! „Pierre war mit seiner Mutter beim Benefizkick in Gelsenkirchen und danach auf der Feier dabei. Er wollte eigentlich noch am Sonntag mit dem Auto zurück. Ich habe ihm gesagt, dass ich am nächsten Morgen fliege, da hat er sich umentschieden und ist mit mir zusammen nach Hamburg geflogen. Und die Zeit haben wir genutzt, um zu sprechen“, so Kreuzer.

Glaubt man spanischen Medienberichten, muss das auch so sein. Der „AS“ zufolge soll Atletico Madrid bereits die Fühler ausgestreckt haben. Eine Gefahr für den HSV im Kampf um seinen besten Stürmer? Kreuzer unmissverständlich: „Da ist überhaupt nichts dran.“ Lasogga sei eh kein Fan von Spanien sondern wenn überhaupt von der englischen Premier League. Und von der Seite gibt es (noch) keine Angebote.

Noch gibt es auch keine Verhandlungen, obgleich Mama Lasogga den Winter als guten Moment für Vertragsverhandlungen ausgerufen hatte. „Wir haben über viele Dinge gesprochen, aber noch nicht über Verträge“, sagt Kreuzer und kündigt an, das sehr bald ändern zu wollen. „Es wird in den nächsten Wochen ganz sicher einen konzentrierten, seriösen Austausch geben, wo ich mal hören will, wie die beiden die Sache sehen.“ Mit „die beiden“ sind Pierre und Mama Lasogga gemeint. „Für mich ist wichtig, was Pierre will.“ Ob der Acht-Tore-Stürmer schon etwas angedeutet hat? „Nein“, sagt Kreuzer, „warum sollte er auch jetzt sagen, dass er unbedingt beim HSV bleiben will. Der lässt das ein bisschen offen. Er kann doch abwarten. Vor allem, weil sich schnell viel ändern kann.“ In Berlin, meint Kreuzer. Dort, wo der Manager Michael Preetz ein erklärter Lasogga-Fan ist und Trainer Jos Luhukay eben nicht. „Mal angenommen, Hertha verliert die nächsten sechs Spiele, dann ist der Trainer weg und ein neuer kommt. Wenn der den Pierre haben will, dann ist Berlin plötzlich wieder im Rennen.“

Zwischen den Zeilen gelesen, scheint sich Lasogga immer mehr vom Gedanken einer Rückkehr zur Hertha zu distanzieren. „Michael Preetz steht auf ihn. Der sagt, dass Pierre ein geiler Kicker ist“, sagt Kreuzer, „und da hat er auch recht. Aber was nützt das Pierre, wenn er einen Trainer hat, der ihn nicht unbedingt braucht. Ich glaube, in der jetzigen Konstellation wäre es schwierig für Pierre, nach Berlin zu gehen. Damit wäre niemandem geholfen – Pierre nicht, der Hertha auch nicht. Und deshalb gibt es auch keine rasche Entscheidung, obwohl wir ihn gern behalten wollen, dass wir so schnell wie möglich alles eintüten wollen – ganz klar. Aber es wird nicht machbar sein. Deshalb, jetzt zu telefonieren mit Preetz würde nicht funktionieren. Wir müssten doch auch erst mit Pierre einig sein. Wenn er bei uns bleiben will, dann rufe ich Michael an und verhandele.“ Klar ist aber, dass es die nächsten Gespräche noch vor der Winterpause geben. „Definitiv“, sagt Kreuzer, „mit Pierre und mit Michael Preetz.“

Noch nichts Neues gibt es dagegen bei Tomas Rincon, wo die Gespräche erst mal ruhen. Ebenso bei Johan Djourou, für den der HSV eine Kaufoption besitzt. „Da haben wir Zeit bis zum März, April. Ganz entspannt“, so der HSV-Sportchef, der auch bei Lasogga gern eine Kaufoption vereinbart hätte. „Das war aber leider von Berliner Seite abgelehnt. Wir haben es versucht, aber keine Einigung erzielt.“

Einig ist sich der HSV mit Jonathan Tah. Der Youngster soll möglichst schnell bis 2018 verlängern. „Innerhalb der nächsten zehn Tage werden wir hoffentlich etwas Positives vermelden können“, sagt Kreuzer und erklärt, dass sich alle weitgehend einig sind. „Es geht hierbei nur noch um Kleinigkeiten. Klitzekleine Kleinigkeiten sogar. Das ist wirklich nicht mehr viel.“ Und wenn die letzten Details geklärt sind, würde dem Aufsichtsrat die Beschlussvorlage vorgelegt werden. „Wir sind mit Jonathan so weit – das passt einfach zusammen.“

Auch, dass der Abwehrspieler eine Ausstiegsklausel im Vertrag hat. Rund 15 Millionen Euro würde dem Vernehmen nach ein Klub 2016 zahlen müssen, um den dann erst 20-Jährigen vorzeitig beim HSV auszulösen. Und sollten meine Informationen stimmen, wären meine ersten Zweifel ob der nicht allzu hohen festgeschriebenen Ablösesumme wie weggewischt. Denn demnach ist selbst die Summe von 15 Millionen Euro nicht endgültig. Nachgefragt bei Kreuzer, erhält man zwar immer dieselbe und aus seiner Sicht völlig logische Antwort: „Ich werde mich zu Vertragsinhalten ganz sicher nicht äußern.“ Aber meinen Informationen zufolge hat der HSV mit Tah eine Option auf die Option ausgehandelt. Soll heißen: Um der etwaigen Wertsteigerung auch in Sachen festgeschriebener Ablösesumme gerecht werden zu können, soll der HSV die Option haben, bei gewissen Leistungsdaten die festgeschriebene Ablöse zu erhöhen. Zum Beispiel, wenn Tah deutscher A-Nationalspieler wird. Dann könnte der HSV die Ausstiegsklausel auf (Achtung, diese Zahl ist frei spekuliert!) 25 Millionen Euro erhöhen – und müsste dafür dem Spieler eine Prämie X bezahlen.

Bei Tah ist man sich einig, eine langfristige Zusammenarbeit anzustreben. Ob das auch für Rodolfo Cardoso gilt, wollte Kreuzer heute noch nicht beantworten. Bei dem angehenden Fußball-Lehrer (im März ist die Prüfung) sollen jedoch in der Winterpause spätestens die Weichen gestellt werden. Zum einen will der HSV abwarten, wie sich die in den letzten Jahren stagnierende U23 in dieser Saison entwickelt. Zum anderen ist nicht einmal klar, ob Cardoso bleiben will. „Ich muss ihn auch fragen, ob er dann weiterhin eine zweite Mannschaft trainieren will oder vielleicht selbst andere Ideen hat.“ Eine Frage, die ich Cardoso jüngst gestellt hatte. „Ich habe nichts anderes geplant bisher. Meine Arbeit macht mir großen Spaß. Wenn der HSV mich weiter will, bleibe ich gern“, so der Argentinier. Ob der HSV ihn noch will? Kreuzer: „Auch wir müssen uns klar sein, ob wir zusammen weiterarbeiten wollen oder ob vielleicht auch wir etwas verändern wollen. Hier ist tatsächlich alles offen.“

Ebenso wie bei Zhi Gin Lam, der sich heute im Training leicht an der Wade verletzte („Ich habe ein kurzes Stechen verspürt“) und nach 50 Minuten vorzeitig abbrach. Der Rechtsverteidiger kommt unter Bert van Marwijk nicht so recht zum Zug und überlegt, sich im Winter zu verändern. „Bislang habe ich davon nichts gehört“, sagt Kreuzer, „aber meine Tür steht immer offen.“ Muss sie auch, immerhin will der Sportchef weiterhin Spieler abgeben und den Kader verkleinern. „Wir hatten Spieler, die wir im Sommer abgeben wollten, und daran hat sich nichts geändert.“ Gemeint sind Slobodan Rajkovic, Robert Tesche, Gojko Kacar und Michael Mancienne. Ob eine Abgabe von Spielern neuen Handlungsspielraum für Verstärkungen nach sich zieht? Der Sportchef: Nicht zwingend. Schließlich wollen wir den Kader ja nicht größer machen sondern verkleinern. Aber falls wir einige abgeben können und eine Sofortverstärkungen greifbar wäre, könnte was passieren.“

Viele, viele Konjunktive. Zu hören ist Kreuzer übrigens in einem extra für Euch eingerichteten Video-Blog, den ich vorweg freigeschaltet habe. Aber insgesamt muss ich sagen, klingt es sowohl bei Lasogga als auch bei Tah sehr positiv. Und dabei werde ich es heute auch belassen: Bei einem reinen Fußball-Blog! Denn das ändert sich eh schnell genug wieder…

In diesem Sinne, bis morgen. Da meldet sich dann Lars bei Euch. Ich habe ein paar Tage frei und bin am Sonntag mit dem Blog und anschließend zur Live-Sendung nach dem Sieg gegen Hannover 96 mit Otto Rieckhoff und Thomas von Heesen wieder für Euch da.

UND ACHTUNG:

Direkt aus seinem Dreimonatsurlaub live in der Sendung und von da an wieder für Euch im Einsatz ist dann auch wieder der sichtbar ausgeruhte Blogvater Dieter Matz. Ich freue mich auf ihn – und natürlich auf Euch.

Bis dahin,
Scholle

P.S.: Am Dienstag wird ausnahmsweise erst um 18 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

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