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Großer Fußball in HH: Brasilien – Dänemark

25. Mai 2012

Und schon wieder ein neuer Name. Hamit Altintop, der Mittelfeld-Biene von Real Madrid (einst Wattenscheid 09 – welch ein Unterschied!), soll beim HSV im Gespräch sein. Der Wahrheitsfaktor aber, so würde ich das alles einstufen, liegt für mich nur bei 0,02 Prozent. Obwohl ich den Deutsch-Türken allein deswegen schon gerne beim HSV sehen würde, weil Trainer Thorsten Fink ja einen Mann sucht, der auf der „Sechs“ spielen kann – und gleichzeitig auch das Spiel nach vorne ankurbelt, der Ideen hat, und der dazu auch mit einem mächtigen Schuss Tore aus der zweiten Reihe erzielen könnte. Letzteres fehlt dem HSV ja schon lange und auch total. Nicht umsonst ist Altintop zu Real Madrid gekommen, der kann schon was. Aber erstens werden da ganz andere Klubs, nämlich jene, die viel Geld in der Kasse haben, am Start sein und mit bieten, und zweitens will Altintop mit Sicherheit auch weiterhin international spielen , und das nicht nur in einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona. Also würde ich bei dem Thema HSV/Altintop den Ball erneut ganz, ganz flach halten. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube.

Die einzige Personalie, die sich heute beim HSV getan hat ist die, dass wieder ein junger Mann von Bord gegangen ist. Hanno Behrens aus der Zweiten, ein Mann von Rodolfo Cardoso also, wechselt zur neuen Saison in die Dritte Liga, er geht für ein Jahr zum SV Darmstadt 98. Viel Glück! Beim HSV hat der 22-jährige Mittelfeldspieler zuletzt bei der Tingeltour über die Dörfer mitgespielt, war teilweise auch nicht schlecht, aber für „ganz oben“ hat es offenbar noch nicht gereicht. Vielleicht entwickelt er sich ja nun im Hessenland – obwohl der HSV nichts davon hätte, denn Behrens ist nicht ausgeliehen worden.

Mehr tat sich heute nicht beim HSV (jedenfalls weiß ich im Moment nicht mehr!). Ich bin verschiedentlich auf meinen letzten Bericht angesprochen worden, warum ich den Namen Artjoms Rudnevs nicht im Zusammenhang mit Paolo Guerrero gespielt habe – als zweiten HSV-Stürmer? Ich hatte ja eher mit Dirk Kuyt geliebäugelt . . . Und dann gibt es neben Guerrero ja auch noch Heung-Min Son und Marcus Berg. Mal abwarten, wer das Rennen machen wird. Zu Rudnevs: Ich wünsche dem Letten ja viel, viel Glück in der Bundesliga, aber er muss sich in der für ihn neuen Spielkasse ja auch erst einmal durchsetzen und behaupten. Der international erfahrene Norweger Per Ciljan Skjelbred lässt schön grüßen . . . Deshalb warte ich mit Artjoms Rudnevs lieber erst einmal ab, denn nicht alle meine Bekannten, die aus Polen kommen oder sich mit dem polnischen Fußball etwas besser auskennen, sind davon überzeugt, dass uns (dem HSV) Rudnevs auf Anhieb helfen wird. Schön wäre es ja auch in diesem Fall, aber einige „Experten“ sind da schon etwas vorsichtiger.

Aus Polen kamen ja schon einige Spieler zum HSV, als Stürmer waren es Jan Furtok (1988 – 93), Marek Saganowski (1997) und Richard Cyron (1991-92) – alle waren sie Nationalspieler, nur Furtok konnte sich letztlich durchsetzen. Dazu behaupteten sich in der Bundesliga auch die Mittelfeldspieler Waldemar Matysik (1990 – 93) und Miroslaw Okonski (1986 – 88), die zu Stammspielern wurden. Wobei mir Saganowski bis heute ein Rätsel blieb. Er hatte beste Anlagen, wurde später noch Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, spielte u. a. für Feyenoord Rotterdam, Legia Warschau, Vitoria Guimaraes, AC Troyes, Southampton und Athen – da hätte ganz einfach mehr kommen müssen. Mehr als Mitläufer waren auch Pawel Wojtala (1997- 98) und Jacek Dembinski (1997 – 01) nicht, in diese Kategorie gehört auch der Stürmer Marek Trejgis (1997 – 99), der es über die Amateure bis in die Bundesliga schaffte, es aber nur auf elf Einsätze brachte.

So, das war kurz ein Abstecher in den internationalen Fußball, an diesem Sonnabend wird es im Volkspark ja noch ein bisschen internationaler – dann treffen um 15.30 Uhr Dänemark und Brasilien aufeinander (live im ZDF). Endlich wieder einmal „richtiger“ Fußball in Hamburg! So sagen es viele Freunde und Bekannte von mir. Wie ungestillt der Hunger nach „Fußball“ in dieser Stadt ist, das zeigt doch die Tatsache, dass das Spiel fast ausverkauft ist. Es kamen heute noch 400 Tickets aus Dänemark zurück, die sind bis zum Abend noch online zu bestellen, ansonsten ist die Tageskasse Nord-Ost von elf Uhr an geöffnet. Rechtzeitiges Kommen sichert noch die letzten Plätze . . . Schiedsrichter dieser Partie ist übrigens der Münchner Dr. Felix Brych – schon lange nicht mehr in Hamburg gesehen, aber bei Abstiegskandidaten werden eben auch keine Spitzenleute eingesetzt.

Zum Thema Dänemark fällt mir im Zusammenhang ein ganz besonderer Tag ein: der 15. November 2000. Da gab der Hamburger Innenverteidiger Ingo Hertzsch sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft, die an diesem Abend in Kopenhagen das Länderspiel gegen Dänemark mit 1:2 verlor. DFB-Teamchef war damals Rudi Völler. Hertzsch machte fast zwei Jahre später auch noch ein zweites Länderspiel (auch unter Völler), und zwar am 21. August 2002 beim 2:2 in Sofia gegen Bulgarien. Dann war Ende mit der ganz großen internationalen Karriere – für den Chemnitzer im HSV-Trikot. Und ich höre heute noch immer so viele „Experten“ sagen, dass Hertzsch ja eher kein Nationalspieler war – und er war es eben und trotz allem dennoch. Die zwei Einsätze (über 90 Minuten) kann ihm niemand nehmen. Und, ganz nebenbei, im HSV-Anhang gibt es ja nicht wenige kritische und überkritische „Fans“, die auch dem einen oder anderen Hamburger mehr grundsätzlich absprechen, ein „richtiger“ oder „verdienter“ Nationalspieler zu sein. Auf Namen verzichte ich lieber. Ich kann aber nur sagen, dass ich mich (als HSV-Fan) über jeden HSV-Profi gefreut habe und freuen werde, der es in die Nationalmannschaft geschafft hat – oder es noch schaffen wird. Über jeden! Denn Nationalspieler wird man ja nicht (nur) deshalb, weil man groß und stark und besonders gut aussieht, sondern weil „Mann“ ja irgendwie und irgendwann auch mal gute oder besonders gute Leistungen gezeigt hat. Oder?

Wo ich gerade bei „Mann“ bin. Es gibt ja immer noch HSV-Anhänger, die sich über die abgemeldete Frauen-Bundesliga-Mannschaft beschweren. Völlig berechtigt, in meinen Augen, ich bedaure das auch sehr. Aber, um das noch einmal aufzuwerfen: Glaubt hier eigentlich noch irgendjemand, dass der HSV immer noch genügend Geld in der Kasse hat? Von wegen der Bilanzen und so! Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hat, dass es in diesem Klub so gut wie „null Kohle“ gibt, dann ist es doch diese Tatsache, dass das Frauen-Kapitel kurz, schmerzlos und ein wenig brutal zugeklappt wurde. Das ist doch ein Debakel und ein Desaster für einen Klub wie den HSV. Ein Offenbarungseid. Oder gibt es auch dazu Einwände?

Zum Thema Vereinspolitik (und was dazu gehört) haben mich auch privat wieder und noch immer viele, viele Mails erreicht – was mich freut. Zeigt es mir doch, dass sich viele HSV-Mitglieder doch ein wenig mehr (und auch sorgenvoller) mit ihrem Verein beschäftigen, als ich noch während der Fortsetzung der Mitgliederversammlung angenommen hatte. Stellvertretend möchte ich dazu einen Brief veröffentlichen, weil ich glaube, dass einige von euch diesem Absender ganz sicher helfen können – indem ihr ihm ein paar Tipps gebt. Los geht es (ungekürzt und von mir unbearbeitet):

„Moin, moin lieber Dieter,

bevor ich Dich mit einer weiteren Frage „belästige”, hoffe ich, dass Ihr, Du und Deine Frau, gesundheitlich wieder voll oben auf seid. Da ich (mal wieder) nicht weiß, wer mir außer Dir auf meine Frage antworten könnte, stelle ich Dir eben diese:

Die Supporters, bei denen ich seit Jahren Mitglied bin, obwohl ich mich seit geraumer Zeit keinesfalls richtig vertreten fühle, stellen sich meiner Meinung nach total quer und blockieren eine positive Entwicklung des Vereins. Ganz kurz, leider gibt es zu den Supporters keine Alternative, sonst wäre diese Alternative meine Wahl. Schließlich möchte ich auf der einen Seite zum Ausdruck bringen, ich bin ein Fan vom HSV. Auf der anderen Seite möchte ich mein Meinungsbild trotzdem irgendwie auch wiederfinden.

Es gibt, so war zu lesen, zwischenzeitlich 71.000 Mitglieder, von denen ca. 53.000 Mitglieder stimmenberechtigt sind. Wäre es nicht eine Verpflichtung der Supporters, eine Umfrage zu starten und deren Mitglieder um deren Meinung zu dem Thema “Fern-/Briefwahl” zu befragen? Offensichtlich gibt es ausreichend Stimmen, die sich dafür aussprechen, die aber die Reise zu einer Mitgliederversammlung nicht antreten können, um ihrer Stimme entsprechend Gewicht zu verleihen.

Die Supporter-Führung um Herrn Bednarek – besteht wirklich ernsthaftes Interesse – die ja die Meinung aller Mitglieder vertritt, müsste sich doch um ein Meinungsbild bemühen.
Es kann doch nicht genügen, zu behaupten, dass man 70.000 Mitglieder vertritt, obwohl es genügend Gegenstimmen gibt. Nicht umsonst wurden doch die „Initiative Pro HSV” gegründet oder eben die „Realos” erfunden. Sollte das wider meinem Empfinden tatsächlich ausreichend sein, dass die Führung der Supporters weiterhin in dieser Hinsicht tatenlos bleibt, welche Möglichkeiten hätte man, um an die einzelnen Adressen zu kommen, um zumindest einen Kettenbrief per e-mail ins Leben zu rufen?

Ein weiterer Gedanke wäre, wenn schon keine Fernwahl zugelassen wird, zumindest einen Bevollmächtigten bestimmen zu können. Und überhaupt, da bemüht man sich, Märkte im Ausland zu erschließen … Und was ist, wenn tatsächlich in China oder Korea Fanclubs gegründet werden? Welche Rechte hätten diese Mitglieder? Stimmentechnisch wohl keine. Verlangt man wirklich, dass diese Mitglieder Tausende von € investieren, um nach Hamburg zu reisen? Es gibt doch jetzt schon Fans des HSV, die im Ausland leben.
Ich wiederhole mich, das kann es nicht sein.

Ich habe das Gefühl, da gibt es eine Führungsebene, die Gleichgesinnte um sich eint. Und diese wenden sich an gewisse Fanclubs, meiner Meinung nach nur, um für ihr Handeln Mitläufer zu finden. Das erinnert mich … na ja. Ich zweifle ganz gewiss nicht an der Intelligenz der SC-Führung, darauf haben sie lange hingewirkt. Steter Tropfen höhlt den Stein, Aber die Leute, die sich vor den Karren spannen lassen, den muss doch eigentlich klar sein, dass sie helfen, dem Verein in seiner Weiterentwicklung zu schaden. Oder denken die überhaupt nicht nach und folgen bloß dem Herdentrieb?

Das betrifft auch das Thema „Aufsichtsrat”. Das die Anzahl der Räte unbedingt reduziert werden muss, sollte eigentlich jedem klar sein. Nimmt man die Verpflichtung von Adler als Beispiel, wie lange hat das gedauert, bis unterschrieben werden durfte?
Die Entscheidungswege sind zu lang.

Wäre es nicht normal, dem Vorstand ein Budget zur Verfügung zu stellen und hierüber frei verfügen zu lassen? Und nur, wenn dieser Betrag aufgebraucht wurde und evtl. ein wenig Geld fehlt, um beispielsweise noch einen guten Spieler zusätzlich verpflichten zu können, dann müssten die hohen Herren angesprochen werden. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass fähige Fachleute erst einmal 12 Laien fragen müssen, ob sie das Geld entsprechend anlegen dürfen. Das ist alles so unbefriedigend.

Im Sinne des HSV muss da etwas passieren. Allerdings bin ich da alles andere als hoffnungsvoll.

Nun gut, genug gejammert, ich breche hier ab.

Schöne Grüße, F.

Um zum Abschluss noch einmal auf „meinen“ Fußball zurückzukommen: Ich habe vom „Kicker“ die Unterlagen zur Wahl der „Fußballer des Jahres“ erhalten – und auch schon beantwortet in die Post gegeben. Ich will euch gerne verraten, dass ich in diesem Jahr einen totalen Außenseiter zum „Trainer des Jahres“ gewählt habe – und zwar Jos Luhukay. Grund: Was der Niederländer mit dem FC Augsburg geleistet hat, ist einfach nur grandios zu nennen. Mal ganz ehrlich, wer von euch hat vor Saisonbeginn nicht auch auf den Aufsteiger FC Augsburg als klaren Absteiger getippt? Und sogar Wetten drauf gelegt? Für fast alle war Augsburg doch schon vorher der klarste Verlierer der Saison 2011/12 – wie damals Tasmania Berlin, so hieß es immer wieder und überall. Und dann geht dieser Luhukay so zur Sache, dass er ein kleines (großes) Fußball-Wunder vollbringt. Hut ab! Das soll ihm mal einer nachmachen.

Neben Luhukay standen bei mir noch zwei seiner Kollegen zur Wahl, letztlich aber entschied ich mich gegen Lucien Favre (toll, was er aus dem Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach gemacht hat!), und ich entschied mich auch gegen Christian Streich, der den SC Freiburg nach dem Abgang von Torjäger Papiss Demba Cisse und in schier auswegloser Lage doch noch gerettet hat. Als Cisse in der Winterpause zu Newcastle United wechselte, da hörte ich überall: „Jetzt ist Freiburg weg!“ Kompliment, Herr Streich, das war im Abstiegskampf einen wahre Meisterleistung. Und das zeigt mir, dass ein Trainer nicht (!) unbedingt den ganz großen Namen haben muss, um zu solch sensationellen Taten fähig zu sein.

Apropos großer Name. Jetzt, wo ich das schreibe, läuft bei Sky (nebenbei) ein Bundesliga-Spiel mit Schalke. Und mit Raul. Schade, dass dieser große Sportsmann die Bundesliga wieder verlassen hat, er war für mich der Größte. Weil er trotz seiner riesigen Erfolge immer hübsch auf dem Boden und ein Mensch geblieben ist. Vorbildlich und zur Nachahmung empfohlen. Und Dank an Felix Magath. Lieber Felix, dass Du ihn einst nach Gelsenkirchen geholt hast, dass Du Dich überhaupt an einen solchen großen Namen herangetraut hast – einsame klasse! Raul von Real Madrid zum FC Schalke, wer hat, als er das damals erstmalig vernommen hatte, nicht an eine Ente geglaubt? Aber manchmal werden (Fußball-)Träume eben auch wahr. Und wenn ich so an Rafael van der Vaart denke . . . Bitte Herr Kühne, bitte helfen Sie. Oder eventuell auch „nur“ mit Hamit Altintop. Der könnte dem HSV sicher auch ein wenig helfen.

PS: In eigener Sache möchte ich schnell noch loswerden, dass „Scholle“ und ich morgen wieder nach dem Länderspiel Schweiz gegen Deutschland mit „Matz ab live“ auf Sendung sind. Es wird, so unser Vorhaben (und falls es keine Absage mehr gibt) ein Journalisten-Stammtisch. Nach dem Schlusspfiff in Basel.

17.41 Uhr

Fink: “Wir haben richtig guten Fußball gespielt”

18. Dezember 2011

Grottenkick, Durchschnitts-Spiel oder sehr gute 90 Minuten? Was war HSV gegen den FC Augsburg tatsächlich? Für mich war es ein schlechtes Spiel. Für die beiden Trainer ein gutes. Darüber später mehr. Vielleicht war es für mich deswegen so furchtbar, weil der HSV diese Begegnung hätte unbedingt gewinnen müssen. Die Enttäuschung war groß, war sogar riesig. Nur 1:1 gegen den Abstiegskandidaten? Das heißt, wer ist hier der Abstiegskandidat gewesen? Beide! Denn wenn man sich mal die Heimbilanz des HSV auf der Zunge zergehen lässt, dann kann einem tatsächlich angst und bange werden:

gegen Nürnberg 2:0
Kaiserslautern 1:1
Köln 3:4
Hoffenheim 2:0
Schalke 1:2
Wolfsburg 1:1
Mönchengladbach 0:1
Hertha 2:2
Augsburg 1:1.

Zwei Heimsiege – und zwar gegen Klubs, die nicht unbedingt zur Creme der Liga zählen. Und keine Siege gegen jene Klubs, die sich stets eher nach unten orientieren, gegen die eigentlich gewonnen werden muss, wenn man die Klasse halten will. Da kann sich jeder leicht ausrechnen, welche Vereine in der Rückrunde nach Hamburg kommen. Und gegen die muss dann wohl gewonnen werden, um nicht abzusteigen. Aber wird gegen die auch tatsächlich gewonnen? Nach dem Kick gegen Augsburg bleiben da doch viele Zweifel.

Die Statistik des Spiels HSV gegen Augsburg spricht allerdings deutlich für Hamburg: 25:12 Torschüsse, 8:0 Eckstöße, 17:9 Flanken, 61:39 Ballkontakte, 53:47 Zweikämpfe. Die meisten Ballkontakte beider Klubs: Tomas Rincon 100, De Jong 53. Die Zweikampfstärksten: Heiko Westermann 78 Prozent, Verhaegh 67 Prozent.
Tore aber 1:1.
Nur die zählen.

Und deswegen bleibt nach diesem Unentschieden eine große Enttäuschung, ich kann mich nur wiederholen. Zumal Augsburg nicht gerade mit einer „Wundermannschaft“ angetreten ist – im Gegenteil. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, mit welcher Bundesliga-Erfahrung der Aufsteiger in diese Partie gegangen ist:

Das ist die FCA-Startformation:

Mohamed Amsif kam von Schalke 04, 0 Bundesliga-Spiele zu Saison-Beginn, jetzt 6.
Paul Verhaegh kam von Vitesse Arnheim, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 9.
Gibril Sankoh kam vom FC Groningen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 10.
Marcel De Jong kam von Roda Kerkrade, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 8.
Andrew Sinkala kam vom SC Paderborn, 37 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 44
Hajime Hosogai kam von Urawa Red Daimonds, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 16.
Torsten Oehrl kam von Fortuna Düsseldorf, 1 Bundesliga-Spiel zu S-Beginn, jetzt 5.
Daniel Baier kam vom VfL Wolfsburg, 28 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 45.
Tobias Werner Carls Zeiss Jena, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 13.
Lorenzo Davids kam vom NEC Nijmegen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 16.
Sascha Mölders kam vom FSV Frankfurt, 11 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 28.

Eingewechselt wurden dann noch:
Daniel Brinkmann kam von Alemannia Aachen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 12.
Dominik Reinhardt kam vom 1. FC Nürnberg, 93 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, 105.
Uwe Möhrle kam vom VfL Wolfsburg, 114 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 123.

Diese Formation des FC Augsburg hatte also insgesamt 161 Bundesliga-Einsätze in den Stiefeln. Im Vergleich dazu beim HSV beispielsweise Jaroslav Drobny (135), Heiko Westermann (209), Paolo Guerrero (151) und Mladen Petric (112).

Wobei noch anzumerken ist: Gefehlt haben beim FC Augsburg in Hamburg immerhin neun Spieler, davon einige sehr erfahrene:
Jentzsch (253 BL-Spiele), Callsen-Bracker (62). Ndjeng (24), Kapllani (53), Rafael (105), de Roeck (7), Bellinghausen (31), Bah (1) und S. Langkamp 19).

So, und nun zu den Beurteilungen der Trainer.

Jos Luhukay (FCA) befand glücklich: „Wir haben heute läuferisch und kämpferisch alles abgerufen, dazu haben wir in mehreren Momenten auch ein Quäntchen Glück gehabt, und wir hatten einen fantastischen Torwart, der uns in den schwierigen Momenten auf den Beinen gehalten hat. Wir haben heute gegen eine Klasse-Mannschaft gespielt, die offensiv mit extrem viel Bewegung gespielt hat, die ein hohes Tempo gegangen ist. Der HSV hat nur vergessen, in den entscheidenden Momenten seine Möglichkeiten zu nutzen, das hat uns immer wieder zurück ins Spiel gebracht. Nach dem Ausgleich hatten wir noch eine hundertprozentige Torchance, wenn wir die nutzten, dann hätten wir das Spiel völlig auf den Kopf gestellt. Unter dem Strich bin ich als FCA-Trainer froh, dass meine Mannschaft heute die mentale Kraft hatte, hier einen Punkt zu erkämpfen. Ich wünsche Thorsten Fink und seinem HSV nach wie vor viel Glück in der Rückrunde.“

Thorsten Fink kommentierte das 1:1 wie folgt: „Ich kann eigentlich nur das wiederholen, was der Kollege bereits gesagt hat, ich kann mich dem nur anschließen, was er gesagt hat, ich kann mich damit identifizieren. Letztlich haben wir unsere Torchancen nicht genutzt. Bis auf die Chancenauswertung gibt es heute nichts zu meckern. Meine Mannschaft war sehr spielfreudig, hat viele Chancen herausgespielt, von daher war ich damit zufrieden. Natürlich sind wir nicht zufrieden, wenn wir unsere Heimspiele nicht gewinnen, das ist auch klar, aber mit der Leistung heute war ich zufrieden.“

Fink weiter: „Wir schauen weiter nach vorne, wir wollen im Pokal in Stuttgart einen weiteren positiven Schub mit in die Rückrunde nehmen, wir haben ja beim letzten Spiel in Stuttgart gezeigt, dass man da gewinnen kann. Insgesamt bin ich mit dem gesamten Verlauf der Saison, seit ich hier bin, sehr zufrieden, weil wir ja auch nach sechs Spielen erst einen Punkt hatten. Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir hier heute wollten, auch vom Spielerischen her, und das ist der Trainer auch immer besonders zufrieden, wenn die Mannschaft das umsetzt, was er vorgegeben hat. Ich denke, dass wenn wir so weiter spielen, dass wir dann auch unsere Heimspiele gewinnen werden, dass wir uns in der Tabelle weiter verbessern werden. Trotzdem werden wir keine anderen Ziele ausgeben, als einen gesicherten Mittelfeldsplatz, und wir sind auf dem besten Wege dorthin – weil wir auch diesmal einen Konkurrenten auf Abstand gehalten haben.“

Thorsten Fink ging dann später noch einmal ins Detail: „Heute haben wir richtig guten Fußball gespielt. Wir haben in den letzten zwei Spielen nicht so gut Fußball gespielt, haben auch im letzten Heimspiel nicht gut gespielt, aber 2:0 gewonnen, weil wir zwei von drei Chancen genutzt haben. Heute haben wir von den vielen Torchancen, die wir hatten nur eine genutzt, das ist alles. Die Mannschaft zeigt jedes Mal Charakter, hat sich viele Bälle erkämpft, hatte viel mehr Ballbesitz, hat auch heute spielerisch gezeigt, was sie kann – und das kann uns keiner mehr nehmen. Wir haben leider nur die Chancen nicht genutzt, aber deswegen müssen wir nicht so kritisch sein mit der Mannschaft. Beim letzten Mal war ich sehr kritisch, aber diesmal nicht. Und ich glaube, dass ich jemand bin, der sehr kritisch ist, wenn es mal nicht so läuft. Dann darf ich mir auch mal erlauben, nicht so kritisch zu sein. Weil ich denke, dass die Zuschauer, die gekommen sind, ein gutes Spiel gesehen haben. Wir haben den Gegner hinten rein gedrängt, wir haben uns auch viele Möglichkeiten sehr gut herausgespielt – jetzt müssen wir sehen, dass wir das mitnehmen, dass wir das in der Vorbereitung noch verbessern.“

Der HSV-Coach befand auch noch: „Wir sind weiter ungeschlagen geblieben, auch wenn es heute gegen eine Mannschaft von unten ging. Aber Augsburg hatte in der letzten Woche Mönchengladbach geschlagen, darf man auch nicht vergessen, und Gladbach spielt im Moment hervorragenden Fußball, ist zurzeit sehr gut drauf. Und von daher haben wir gegen eine Mannschaft gespielt, die unangenehm zu spielen ist, und das hat meine Mannschaft hervorragend gelöst. Aber man wird eben nicht immer im Fußball belohnt. Aber auf Dauer wird man dann schon belohnt.“

Zur sportlichen Gesamtlage sprach Fink noch: „Was wir jetzt geschafft habe ist das, dass wir vom Abstiegsplatz weggekommen sind. Und das nach diesem schlechten Start. Natürlich kann es in den nächsten zwei Jahren nicht der Anspruch sein, dort zu stehen wo wir jetzt stehen, das weiß ich auch, ich will immer weiter höher kommen, und das werden wir auch erreichen. Nur kontinuierlich, mit gezielter Arbeit, alles ein wenig mehr automatisieren. Und wir arbeiten sehr hart, wir arbeiten sehr gut, die Mannschaft ist sehr lernwillig. Wenn ich dann sehe, mit wie vielen Punkten wir angefangen haben, als ich hier die Arbeit aufnahm, und wenn ich sehe, wie viele Punkte wir heute haben, dann hätten sie alle eingeschlagen und gesagt: ‚Jawoll, Herr Fink, wir sind zufrieden damit.’ Wir wollen uns aber stets verbessern. Und hätten ja auch durchaus noch mehr Punkte haben können – siehe Hannover.“

Thorsten Fink fügt noch hinzu: „Wir sehen jetzt keinen Anlass, diese Mannschaft irgendwie noch schnell zu verstärken. Was nicht heißt, dass wir es jetzt nicht machen. Wir werden uns abschließend noch besprechen. Kann sich ja immer mal etwas ergeben. Wenn zum Beispiel ein Cristiano Ronaldo sich anbieten würde und nichts kostet, können wir nicht sagen: Dich nehmen wir nicht, Junge. Es ist immer was möglich im Fußball, aber eigentlich haben wir es jetzt nicht vor. Zur neuen Saison dann werden wir uns natürlich noch verstärken.“

So, das waren die Empfindungen des HSV-Trainers Thorsten Fink. Ich werde – nach diesen Ausführungen – das Wort „Grottenkick“ zwar zurücknehmen, aber trotz allem bleibt es für mich ein schlechtes Spiel des HSV. Nicht weil ich trotzig bin, sondern weil es gegen diesen dezimierten und limitierten Gegner ganz einfach einen Heimsieg geben muss. Muss. Wenn Fink ein gutes spielerisches Match von seinen Mannen gesehen haben will, dann fehlte mir dann doch die kämpferische Komponente. Und auch ein wenig die Lust, der Spaß, die Leidenschaft, das Herz. Und ich finde auch nach wie vor, dass das Nachrücken nicht so klappt, wie es eigentlich sein sollte, sein müsste. Dadurch hängen die beiden Stürmer, erst Mladen Petric, dann Paolo Guerrero, zu oft allein da vorne herum. Hinzu komm, dass es über die Flügel hapert, denn bei Gökhan Töre läuft es im Moment nicht so hervorragend, wie noch vor Wochen, und Ivo Ilicevic verlässt zu oft seine Position. Der Ex-Lauterer läuft überall und nirgends herum, würde er aber auf seinem Platz (für die Mitspieler zu finden) sein, fände er sicherlich wesentlich besser ins Spiel.

Und noch eines hat mir missfallen – wieder einmal. Die Freistöße. Wie fahrlässig geht der HSV bloß damit um. Ihr könnt es beobachten: Pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß in Strafraumnähe für den HSV, läuft die Hälfte der Hamburger Mannschaft zum Punkt. Das ist fast schon lächerlich, wie beim Jugend-Fußball (aber E-Jugend!). Ich will schießen! Ich will schießen! Ich will aber auch schießen. Nein, ich will schießen. Und: Du schießt ganz sicher nicht.
Derjenige, der sich dann mannhaft durchgesetzt hat, der ist von diesem Kamp so mitgenommen (und unkonzentriert), dass er den Ball garantiert in die Wolken oder in die Mauer haut. Unfassbar ist das.

Meine Hoffnungen ruhen aber auch in diesem Fall auf Thorsten Fink. Ich war kürzlich dabei, als der Trainer ein Spielchen unterbrach, weil er eine gewisse OIrdnung beim Einwurf (!) haben wollte. Motto, so Fink: “Wir werfen den Ball immer zum Gegner. Aber wenn sich einer blitzschnell von seinem gegenspieler lösen würde, dann gäbe es eine komfortable Situation von zwei gegen einen. Der, der sich gelöst hat, muss den ball nur zu dem Einwerfenden zurückspielen.” Klingt logisch. Wurde dann auch (im Training) gemacht. So muss sich das dann eigentlich auch mit den Freistößen lösen lassen. Fink sagt vor dem Spiel an, wer zu schießen hat, dann muss nicht später darum gekämpft werden. Kostet doch alles Kraft und Konzentration. Was man dann bei der Ausführung prompt auch sehen kann. Aber: Viele Spiele im heutigen Fußball sind so eng, dass sie gerade durch Freistöße (oder allgemein Standards) entschieden werden können.
Noch verschenkt der HSV in dieser Hinsicht zu viel.

Aber vielleicht wird es ja am Mittwoch alles besser – oder vieles. Und es gibt einen Sieg, wenn nicht unbedingt alle HSV-Fans damit rechnen (können). Im Pokal beim VfB Stuttgart fällt Marcus Berg auf jeden Fall aus, er brach sich am Sonnabend das Schlüsselbein. Dafür ist Marcell Jansen wieder fit, der wegen Leistenbeschwerden gegen Augsburg fehlte – und wohl auch, wie Thorsten Fink verriet, „aus taktischen Gründen“. Die gegen Augsburg ausgewechselten Mladen Petric und Gojko Kacar werden, davon geht der Coach aus, werden im Ländle mit von der Partie sein können, es liegen keine Verletzungen vor.

Ja, und dann war da noch
eine Aussage der besonderen Art. Nicht zum HSV, sondern mal eben in den freien deutschen Fußball-Raum gesprochen. Darauf muss Mann erst einmal kommen:

„Es gibt ein paar Journalisten, die offenbar mein Gesicht nicht mehr sehen können. Das ist nach einer langen Zeit an der DFB-Spitze wohl normal. Dann gehe ich lieber, solange es nur ein paar sind.“

Das hat Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, in einem Interview der „Welt“ gesagt.

Ich hätte da mal einen Rat an den Noch-Präsidenten. Er sollte sich besser auch mal im eigenen Stall umhören. Wenn dann diese Menschen, die er befragt, die Manns genug sind, um ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dann würde er nicht mehr (nur) von Journalisten sprechen . . .
DFB und DFL warten auf die Wachablösung, warten auf Wolfgang Niersbach, der wieder Grund in den größten Sport-Verband der Welt bringen soll – und bringen wird.

16.29 Uhr

Luhukay ist verärgert und will Fink Lügen strafen

16. Dezember 2011

In Hamburg fällt alles aus. Nahezu alle Hamburger Amateurspiele sind bereits abgesagt, der Rest wird wahrscheinlich morgen noch abgesagt. Nicht so das Spiel gegen Augsburg. Da wird kein Risiko gegangen. Selbst das Abschlusstraining wurde aus dem Stadion auf die Außenplätze verlegt, um den Untergrund in der Imtech-Arena zu schonen. „Trotzdem wird es tief“, weiß Mannschaftskapitän Heiko Westermann und stieß ins gleiche Horn wie sein Trainer Thorsten Fink am Donnerstag. „Es wird ein absolutes Kampfspiel. Augsburg ist nicht nach Hamburg gekommen, um hier spielerische Glanzpunkte zu setzen. Die wollen unser Spiel zerstören, gehen Mann gegen Mann. Da werden wir kein bisschen weniger als 100 Prozent Kampf aufbieten müssen, um zu gewinnen.“

Mit Westermann. Wie immer. Die letzten 50 Spiele hat der Kapitän in der Bundesliga gespielt. Auch gegen Augsburg ist Westermann von Beginn an dabei. 51 Mal in der Startelf, dabei keine Sekunde verpasst – das ist schon beeindruckend. Und selten. Was sein Erfolgsgeheimnis ist? Westermann: „Das ist eine Qualität, die ich habe. Ich habe das Glück, körperlich gute Voraussetzungen zu haben. Und ich pflege sie, arbeite ständig an mir.“ Weil er weiß, was er kann. Und was eben nicht. Westermann zählt zu den Spielern, die sicherlich fußballerisch weniger Talent mit auf den Weg bekommen haben wie andere – beispielsweise Eljero Elia und Marek Heinz um nur zwei von vielen zu nennen -, aber er bringt seine speziellen Qualitäten optimal ein.

Bei Westermann sieht man, vergleichbar mit Bernd Hollerbach, wie wichtig ein gesunder Verstand für einen Fußballer sein kann. Westermann quält sich in jedem Spiel und ist eine Zuverlässigkeit auf dem Platz. So sehr, dass er der unumstrittene Kapitän des HSV ist, der gegen Augsburg am Sonnabend (15.30 Uhr, Imtech-Arena) sein Halbserienziel erreichen kann. Und will. „Wir hatten uns gesagt, es sollten über 20 werden“, so Westermann, „und gegen Augsburg, die wahrlich keine super Mannschaft sind, aber immer kämpfen, machen wir die 21 voll. Egal wie. Das muss auch nicht schön sein. Wenn wir dann noch im Pokal weiterkommen, geht hier alles wieder seinen Weg.“ Soll heißen: dann redet hier niemand mehr von Abstiegskampf. Nein, dann können wir beruhigt in die Winterpause gehen“, so Westermann, der allerdings auch warnt: „Es ist Zeit, hart zu arbeiten. Aber es ist jetzt noch nicht die Zeit zum Träumen.“

Eine kleiner Hieb in Richtung Dennis Aogo, der gestern offen von seinen Europa-League-Träumen sprach? Westermann verneint. „Das habe ich gar nicht gelesen. Ich wollte eigentlich nur klar machen, dass wir nicht vergessen dürfen, wo wir herkommen. Immerhin saßen wir vor zwei, drei Monaten noch hier als Tabellenletzte mit der Aussicht auf – nichts! Nein, erst Augsburg schlagen, egal wie. Danach können wir weitersehen.“ Westermann in Reinkultur. Der Franke holt sich und seine Jungs wieder runter, wenn sie abzuheben drohen.

Komplimente, die man ungefiltert auch an Tomas Rincon weitergeben kann. In der „Bild“ sprach Trainer Thorsten Fink jüngst davon, dass der Venezolaner für ihn die positivste Überraschung der Hinserie sei. „Der hat ein großes Potenzial, das Herz auf dem rechten Fleck und ist ein absoluter Fighter. Mit dem kann ich mich identifizieren. Tomas ist eine Säule mit der wir für die Zukunft planen.“ Worte, die Rincon freuen. Zumal er lange auf dieses Vertrauen von einem Trainer warten musste. „Ich habe auch vorher immer mal gespielt. Aber dann meistens nicht auf meiner Position und unregelmäßig. Das ist jetzt zum Glück anders.“

Dank Thorsten Fink. Der Trainer hat eine seiner Qualitäten ausgespielt und seinen Worten auch Taten folgen lassen. Rincon gilt im Mittelfeld unter ihm sogar als gesetzt. Trotz der zahlreichen Konkurrenz. Gegen Augsburg wird der 23-Jährige voraussichtlich mit Gojko Kacar im Mittelfeld auflaufen, nachdem er in Mainz mit Robert Tesche begonnen hatte. „Das ist aber kein Problem, weil wir uns alle gut kennen, sich jeder von uns hilft. Außerdem sind Robert, Jaro und Gojko auch tolle Spieler, die es einem leicht machen.“

Nicht leicht, dafür aber wie auf ihn abgestimmt dürfte die Augsburg-Partie werden. Ein Spiel, dem der Ruf vorauseilt, es würde ein hartes, kampfbetontes Spiel auf tiefem Geläuf. Eben genau das, was dem Vorzeigekämpfer Rincon liegen dürfte. „Seine Zweikampfstärke werden wir brauchen“, sagt Westermann. Und Rincon stimmt ein: „Wir haben zuletzt zweimal nicht so gut gespielt, müssen jetzt wieder die Spannung reinbekommen. Wir dürfen nicht denken, dass wir hier mal locker 5:0 gewinnen. Sonst verlieren wir“, so Rincon.

Nicht dabei sein wird Marcell Jansen. Der Linksfuß konnte zwar heute wieder voll mittrainieren, wird aber wie angekündigt für das Pokalspiel gegen Stuttgart geschont. „Er hatte leichte Probleme mit dem Oberschenkel, deshalb lassen wir ihn raus“, sagt Fink und bestätigt: „Aber am Mittwoch gegen Stuttgart plane ich wieder mit ihm.“ Für Jansen rückt gegenüber dem Mainz-Spiel Slobodan Rajkovic wieder in den Kader. Auch ein Spieler der Sorte, der sich für keinen Zweikampf zu schade ist. Gute Aussichten, wie ich finde.

Beginnen wird der HSV voraussichtlich mit folgender Elf: Drobny – Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo – Töre, Kacar, Rincon, Ilicevic – Petric, Guerrero. Wobei im Abschlusstraining heute beim abschließenden Spiel auf verkürztem und völlig unter Wasser stehendem Feld bunt gemischt wurde. Da spielte Petric mit Ilicevic zusammen, während auf der anderen Seite Guerreo mit Son angriff und Per Skjelbred spielte Rechtsverteidiger. Ergo: alles eher nichts aussagend.

Aber ziemlich sicher Dinge, die wir morgen wahrscheinlich eher nicht in der Konstellation zu sehen bekommen. Was allerdings Thema sein dürfte, ist der – ich nenne es mal unaufgeregt Zwist – zwischen Jos Luhukay und Fink. Die Worte des HSV-Trainers, Augsburg käme nur, um zu zerstören, bezeichnet der Augsburg-Trainer als „Frechheit“. „Wenn die das wirklich so gesagt haben, dann haben sie uns lange nicht mehr spielen sehen“, so Luhukay sauer, bevor er auch sportliche Rache sinnt: „Ich möchte, dass er sieht, wie wir wirklich spielen, und hoffe, dass er seine Aussage danach revidiert. Wir werden versuchen, nach vorne zu spielen.“

Einmal in Form, konnte sich Luhukay einen kleinen Seitenhieb in Richtung seines Kollegen nicht verkneifen. Der Niederländer führte den jüngsten Aufschwung des HSV nicht nur auf die Person Fink zurück. „Durch den neuen Trainer ist die Mannschaft geschlossener, es ist sehr schwer, sie zu schlagen”, sagte er zwar, ergänzte aber: “Wenn man die Qualität des HSV-Kaders sieht – nicht nur der Stammelf, sondern des kompletten Kaders in der Breite -, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Mannschaft im Mittelfeld positioniert. Das sehe ich unabhängig vom Trainerwechsel.“

Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass sich beide Trainer morgen sportlich fair begegnen werden – und der HSV am Ende gewinnt, sollte die Mannschaft den Kampf annehmen.

In diesem Sinne, morgen meldet sich nach dem Spiel (Sieg) Dieter bei Euch. Ich verabschiede mich bis Montag und stelle Euch ans Ende noch ein paar Daten und Fakten zum Spiel. Bis morgen,

Scholle (18.58 Uhr)

Statistik:

Das einzige Pflichtspielduell beider Teams gab es 1986/87 in der 2. Runde des DFB- Pokals. Beim 2:1-Sieg der Hamburger musste ab der 69. Minute Feldspieler Heinz Gründel ins Tor, nachdem Uli Stein vom Platz geflogen war.

BL-Dino empfängt BL-Neuling: Der HSV steht vor seinem 1645. Spiel, der FC Augsburg vor seinem 17.

Zu Hause gab der HSV gegen Klubs aus dem Freistaat in den vergangenen Jahren stets eine gute Figur ab: Keines der letzten 11 Pflichtspiele gegen bayerische Teams ging verloren (7 Siege, 4 Remis).

Thorsten Fink ist in seinen ersten 7 BL-Spielen ungeschlagen (2 Siege, 5 Remis), der BL-Rekord liegt bei 14(Karl-Heinz Feldkamp beim FCK). Beim HSV war zuletzt Bruno Labbadia zum Start länger ungeschlagen (10 Spiele – 6 Siege, 4 Remis).

In den letzten 5 BL-Partien haben die bayerischen Schwaben immer getroffen, wenngleich sparsam: viermal gelang ein Tor, einmal 2. Dem HSV hingegen gelang zuletzt erstmals unter Fink (8 Pflichtspiele) kein Tor.

Seit Einführung der 3-Punkte-Regel 1995/96 spielte kein BL-Neuling (vor dem FCA waren es sechs) in seiner Premierensaison eine schlechtere Hinrunde als Augsburg. Doch nur SSV Ulm stieg 1999/00 gleich wieder ab.

Seit dem 6. Spieltag hat Augsburg nicht mehr in der 1. Hälfte getroffen. Keine Mannschaft traf so selten in der 1. Hälfte wie der FCA (dreimal).

Der HSV (92) und der FCA (91) ließen die meisten Schüsse auf das eigene Tor zu.