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Das 1:0 – ein großer Schritt zum Profi-Vertrag für Joe Zinnbauer

5. Oktober 2014

Genau ein halbes Jahr war vergangenen seit dem bis dahin letzten Sieg in der Bundesliga. Fast ein ganzes Jahr seit dem letzten Auswärtssieg. Es war überhaupt der erste Saisonsieg – und dann ausgerechnet in der deutschen Fußball-Kathedrale in Dortmund. Aufatmen beim HSV. Sie können doch noch gewinnen, und die Verbesserungen der vergangenen Wochen unter Trainer Joe Zinnbauer haben sich nun auch in einem Resultat niedergeschlagen. Dieses 1:0 fühlt sich an wie ein Brustlöser.

„Der HSV war definitiv stark. Das ist jetzt auch schon eine Tendenz“, meinte Mittelfeldspieler Tolgay Arslan. „Der Trend geht nach vorn und die Mannschaft lebt, wir spielen als Mannschaft.“ Kollege Marcell Jansen ergänzte: „Fürs Herz und für die Fans und für uns ist es ein Gefühl, das wir unbedingt brauchten.“ Ein verdientes Gefühl, meinte Heiko Westermann: „Wir haben uns belohnt für ein gutes Spiel. Eigentlich waren wir die letzten Wochen schon dran. Wir haben an uns geglaubt, und dafür wir man irgendwann belohnt.“

Okay, Borussia Dortmund hat sicher nicht das gebracht, was die Mannschaft in den vergangenen Jahren schon öfters gebracht hat. Aber: Der HSV spielte genau so, wie es der BVB nicht mochte. Am Mittwoch in der Champions League hat es der belgische Verein RSC Anderlecht den Westfalen noch zu leicht gemacht. Gegen den HSV musste die Klopp-Elf über den Schmerzpunkt gehen, sich immer wieder stemmen gegen das stramme Pressing des HSV, durfte sich keine Konzentrationslücken leisten. Und weil die Hamburger in ihrem Bemühen nicht nachgelassen haben, war das 1:0 am Ende sicher auch verdient.

Beste Spieler waren aus meiner Sicht Valon Behrami, der in dieser Verfassung kaum wegzudenken ist aus dem Team. Wo es brennt auf dem Feld, ist der Schweizer und hält seinen Fuß hin. Seine ersten Spiele in Hamburg haben mir noch nicht so gut gefallen, aber hätte er nicht den Japaner Kagawa an die Kette gelegt – wer weiß, wie es ausgegangen wäre. Und dann ist da noch Nicolai Müller, der immer spritziger wird.

Nicht von ungefähr ging die Aktion des Tages auf das Konto von Nicolai Müller. Zuletzt gegen Frankfurt beendete er schon den Torfluch, jetzt hat er seinen ersten HSV-Assist auf dem Konto. Klasse, wie der Ex-Mainzer das Tor durch Pierre Michel Lasogga vorbereitet hat. Zum Spiel sagte Müller: „Wir hatten einen Plan, den haben wir sehr gut umgesetzt. Vergangene Woche haben wir mit dem Tor schon den Bock umgestoßen, jetzt haben wir den ersten Sieg. Unsere Entwicklung geht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern wir müssen weiter hart arbeiten und bescheiden bleiben.“

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Natürlich war es die Geschichte des Tages, dass nun gerade Pierre Michel Lasogga getroffen hat. Vielleicht hätte Uli Stein den Ball auch reingemacht, aber auch wenn es ein relativ einfaches Tor war, sollte es dem Torjäger der vergangenen Saison helfen, zu alter Form zurückzufinden. „Ich weiß, dass Kritik dazugehört. Aber es hat mich kalt gelassen die letzten Wochen. Ich konnte immer in den Spiegel gucken die letzten Spiele, weil ich wusste, dass ich alles gegeben hatte. Und ich wusste, dass ich es ja nicht verlernt habe. Irgendwann würde es zurück kommen – jetzt ist es zurück gekommen. Schön!“ Bei „Sky“ fügte Lasogga noch hinzu, er wisse gar nicht, wer dieser Uli Stein ist, der ihn da so heftig kritisiert hatte.

Heute trat Uli Stein („Lasogga hätte früher bei uns nur das Ballnetz getragen“) noch einmal bei Sport1 auf. Was ja ein wenig untergegangen ist in der Debatte um die rechte Wortwahl zum HSV-Angreifer sind Steins Einschätzungen über die insgesamt positive Entwicklung beim HSV unter Dietmar Beiersdorfer und Joe Zinnbauer. Hier könnte mal also ein wenig differenzieren, ehe Uli Stein pauschal abqualifiziert wird für seine Äußerungen. Der Mann ist immerhin der beste Torwart, den der HSV je hatte – und er hat Erfolge erreicht, die beispielsweise Pierre Michel Lasogga nur ganz schwer erreichen kann. Insofern – Aserbaidschan hin oder her – darf dieser Uli Stein auch mal den Finger in die Wunde legen, wenn er es für notwendig hält.

Gestern habe ich eine Schlagzeile gelesen: „Ex-Außenminister Genscher kritisiert Zustand der Bundeswehr!“ Darf der das auch nicht, der Genscher? Seine aktive Zeit ist ja in etwa so lange vorbei wie die von Uli Stein, oder? Vielleicht sollten viele das Thema Lasogga und Stein mal gelassener sehen – „das ist Stürmerschicksal“, wie Peter Knäbel ganz richtig sagte.

Lasoggas gesamte Leistung gestern in Dortmund war ja auch noch ausbaufähig. Kaum gehaltene Bälle, wenige konstruktive Aktionen. Viele sagen, das sei ja auch alles gar nicht seine Stärke, er müsse gefüttert werden. Ich sehe das nicht ganz so. Vergangene Saison war Lasogga ein Kraft- und Energiebündel, der mit seiner Power manche Situation gelöst hat, die er aktuell noch nicht löst. Es fehlt nach wie vor körperlich, und vielleicht macht er sich auch zu viele Gedanken um seine Situation. Woher mögliche Zweifel kommen, weiß ich nicht. Spürt Lasogga größeren Druck? Wollte er mit Gewalt auch gegen seine persönliche Torflaute angehen? Die meisten Kritiker – außer Stein – haben ja immer mildernd darauf hingewiesen, dass die mangelnde Form des Angreifers vor allem seinem Trainingsrückstand geschuldet ist. Tolgay Arslan sagte heute zu Lasogga: „Für ihn war es wichtig, ein Tor zu schießen. Jetzt muss er weitermachen. Ein Spiel ist schön, mehrere Spieler sind schöner. Pierre habe ich in den letzten Wochen noch nie so erlebt. Er hat viel nachgedacht – ich glaube schon, dass da jetzt ein Knoten geplatzt ist.“

Ein anderer 83er hat gestern im Sportstudio auch seine Meinung gesagt. Wahrscheinlich wird er dafür nicht beschimpft, denn er hat ja auch viel Positives zum Besten gegeben. Horst Hrubesch hat sich Steins Meinung über Pierre Michel Lasogga nicht angeschlossen. Und auch nicht der über Rafael van der Vaart, den Stein gleichsam auf dem Kieker hat. „Van der Vaart ist darauf angewiesen, dass die Mannschaft funktioniert. Das war nicht so in den vergangenen Jahren. Da hattest du nie das Gefühl, dass es voran geht. Mich freut es, dass eine Aufbruchstimmung da ist. Eventuell war das der Brustlöser in Dortmund. Und ich hoffe, dass das nicht wie im letzten Jahr bei einem Spiel bleibt.“

Was die Trainerfrager angeht, sieht Hrubesch durchaus ein Modell für die Zukunft gefunden: „Zinnbauer zu nehmen, war absolut in Ordnung. Ich habe anfangs nur gezweifelt, ob er soweit ist. Aber er hat die Mannschaft wieder aufgerichtet. Alles, was man hört, ist absolut positiv. Ich hoffe, die Mannschaft richtet sich nach ihm und nimmt seinen Einsatz wahr und folgt ihm.“

Damit hat Hrubesch gleich den Punkt getroffen, der am Sonntag auch durch Peter Knäbel, den neuen Direktor Profi-Fußball thematisiert wurde. „Joe hat Werbung gemacht, auf Sicht ein Bestandteil des HSV zu sein“, sagte Knäbel mit Blick auf die ersten vier Spiele unter dem neuen Cheftrainer. In den kommenden zwei Wochen, so viel verriet Knäbel, werde er mit Zinnbauer und seinem Team nun weitreichende Gespräche geben über die Vertragsgestaltung der Zukunft führen. Diese Aussagen darf man sicher so interpretieren, dass die „Bis-auf-weiteres“-Lösung Zinnbauer in eine Dauerlösung umgewandelt werden soll. Knäbel weiter: „Die Art und Weise, wie wir spielen, kommt an. Man darf eines nicht unterschätzen: Joe und sein Team sind eigentlich für den Nachwuchs geholt worden, und arbeiten jetzt mit sehr viel Leidenschaft bei den Profis. Ich habe mich gestern ganz persönlich für Joe gefreut, weil der Sieg eine Belohnung war.“

Interessant auch zu hören, wie Knäbel sein erstes Spiel auf der Trainerbank und die Leistung der Mannschaft beurteilt hat. Ob der HSV so etwas wie der Gewinner des Spieltages sei, wurde Knäbel gefragt: „Wenn man vergleicht, was im Misserfolgsfall hätte geschehen können, dann kann man das schon sagen. Dann wären wir zwei Punkte hinter den anderen gewesen, schon ein bisschen abgeschlagen. Jetzt haben wir den letzten Platz verlassen und sind ein bisschen nach oben gekrabbelt. Klar sind wir ein Gewinner, aber das sind auch andere. Wenn man sieht, wie stabil unser nächster Gegner Hoffenheim ist, zählen die zum Beispiel mehr zu den Gewinnern. Aber wir nehmen natürlich jeden Schwung und jede Energiequelle mit.“

Recht bedeckt hielt sich Knäbel zur Lasogga-Debatte. Der habe durch das Tor seine beste Antwort gegeben und sich für hohen Laufaufwand der vergangenen Wochen belohnt. Auf die Kommentare der Ex-Stars angesprochen, möchte Knäbel darauf nicht generell verzichten: „Wenn jemand wie Horst oder Uli Stein oder andere Stimmungen wahrnehmen, ist es immer etwas wert, wenn sie das sagen. Weil sie auch einen Vergleich haben. Ich finde das wichtig. Und wenn ich von Horst Hrubesch höre, dass er Aufbruchstimmung spürt, freut mich das. Und es ist auch Verantwortung und Motivation für uns.“

Für Peter Knäble geht es nun darum, seinen neuen Verein und die Mannschaft noch besser kennenzulernen. Die Länderspielpause soll da helfen, er will viele Gespräche führen, so wie er es mit dem Mannschaftskapitän schon getan hat. Über Rafael van der Vaart hat Peter Knäbel übrigens eine klare, eine positive Meinung: „Rafael van der Vaart ist der Kapitän der Mannschaft und ein Weltklassespieler, der Spiele entscheiden kann. Für ihn sind die zwei Wochen ungemein wichtig. Ich hoffe, dass er mit der nötigen Kondition und Spielfreude zurückkehrt.“ Den Nutzen der Pause sieht Knäbel auch für andere wie Marcell Jansen, der gestern in Dortmund schon mal einen guten Anfang gemacht hat. „Nach der Länderspielpause geht es Schlag auf Schlag“, so Knäbel.

Soweit also Peter Knäbel, der bei aller positiven Energie nicht ungehemmt aufs Gaspedal treten möchte: „Es ist ein Spiel, das wir gewonnen haben. Es ist lange her, dass wir zwei Mal hintereinander gewonnen haben. Kümmern wir uns darum. Ich spüre eine große Sehnsucht, dass wir einen guten Fußball-Alltag auf hohem Niveau in Hamburg haben.“ Also: Konstanz und Nachhaltigkeit in den Laden bekommen, und nicht von neuen Zielen sprechen.

Kommen wir noch einmal zu Joe Zinnbauer. Der Trainer sagte nach der Partie über…

… den Sieg: „Es fühlt sich gut an, aber es war auch harte Arbeit. Ich sehe, dass wir zu einem Auswärtsspiel fahren und hungrige Spieler haben. Das habe ich auch in den Augen der Spieler gesehen.“
… zur Länderspielpause: „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, etwas mehr zu machen. Aber wir haben auch zehn Spieler bei den Nationalmannschaften. Wir müssen uns für Hoffenheim genauso einstellen, dürfen keinen Zentimeter nachlassen. Im Gegenteil: Wir müssen noch einen Zentimeter weiter gehen.“
… zu Pierre-Michel Lasogga: „Die Mannschaft muss Pierre unterstützen, nicht nur er. Pierre ist ein Torjäger, das weiß nicht nur ich, sondern auch Jogi Löw zum Beispiel. Man muss dem Jungen auch ein bisschen Zeit geben.“
… zu seiner eigenen Perspektive: „Da mache ich mir gar keine Gedanken. Wir haben das Vertrauen aller Beteiligten bekommen. Was geschieht, entscheiden andere. Wir wollen unseren Job machen, und wenn die Mannschaft so weitermacht, wird es sich von allein regeln. Ich habe eh Vertrag und fühle mich wohl in Hamburg. Ob U 23 oder erste Mannschaft, ist natürlich nicht egal, aber ich will Trainer sein. Und das lässt der HSV gerade zu. Und wenn es in der ersten Mannschaft ist – umso schöner.“
… zu seiner Energie: „Es prasselt viel ein, das ist sicher ungewohnt. Auch der Umgang mit den Medien frisst viel Zeit, aber das ist sehr positiv – im Moment jedenfalls. Es ist toll, ich bin belastbar, das war ich schon immer in meinem Leben – nicht nur als Spieler, auch als Privat-Mensch. Ich versuche meine Ziele umzusetzen, wenn mir etwas Spaß macht.“

Gestern in Dortmund musste Dennis Diekmeier angeschlagen ausgewechselt werden. Seine Verletzung stellte sich als nicht so schwerwiegend heraus. Diekmeier hat einen Schlag in die Kniekehle erhalten und soll am Dienstag, bei der nächsten Trainingseinheit, wieder mitmischen.

Oben könnte Ihr Euch auch, wie gewohnt, noch einmal die „Matz-ab-live“-Sendung von gestern angucken. Aus besonderem Anlass dazu ein paar Zeilen von Dieter:

Die Resonanz war groß. Es gab viele Mails und Anrufe, in denen wir Lob für unsere Sendung „Matz ab live“ nach dem Dortmund-Sieg gelobt wurden. Lag es ganz einfach an der guten Stimmung danach, oder war es die Erleichterung? Kann sein. Ich glaube aber eher, dass wir ganz tolle Gäste hatten. Wenn „Scholle“ und ich nach einer solchen Runde auseinander gehen, dann rufen wir uns meistens noch einmal an – und einer fragt den anderen: „Wie fand’s du es? War das so in Ordnung? War es gut? Hat was gefehlt?“ So auch diesmal. „Scholle“ kam mir zuvor, wir haben im Prinzip zugleich an diese „Manöver-Kritik“ gedacht. Und wir waren uns einig: „Das war diesmal sehr gut.“
Was hauptsächlich, das war unser Empfinden, an unseren beiden Gästen lag:Tim Oliver „Timo“ Horn sowie Martin Oetjens. Das sind der frisch gewählte Vorsitzende der Supporters-Abteilung sowie dessen Stellvertreter. Herzlichen Dank an beide Herren, dass sie bei uns waren, das war einfach nur klasse. Diese „Jungs“ haben etwas zu sagen, und sie sind für mich wirklich großartige HSV-Fans. Es war schön zu erleben, dass es zwei Rothosen sind, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie wollen nur das Beste für den HSV, und dafür opfern sie viel Zeit. Was mich absolut positiv gestimmt hat war dies: Da sitzen keine Fans und sagen immer nur: „Wir wollen das, wir brauchen jenes, und ohne uns geht schon mal gar nichts, wir fordern hier und wollen da – also spurt mal schön. Sonst werdet ihr schon erleben, wie es hier demnächst lang geht.“
Horn und Oetjens sind genau das Gegenteil davon. Sie, so mein Gefühl, möchten dem HSV helfen, sie möchten dem HSV dienen, sie bieten dem Club ihre Unterstützung an, sie geben dem Verein ihre Hilfe, damit es überall und in allen Belangen wieder aufwärts geht. Sie möchten kitten und vermitteln, sie möchten alle HSVer wieder zusammenführen. Bravo. Nicht sie stellen sich in den Mittelpunkt, sondern es steht bei ihnen in erster Linie nur der HSV im Blickpunkt ihrer Arbeit und ihres Engagement. Hervorragend. Und Martin Oetjens war einer derjenigen, die die HSV-Reform geplant haben. Die AG und HSVplus haben sich durchgesetzt, aber Oetjens hat nicht aufgegeben, nicht resigniert, nicht beleidigt reagiert und sich auch nicht schmollend zurückgezogen – sondern Flagge gezeigt. Er will mithelfen, dass dieser Verein wieder geeint wird.
Ich war und bin immer noch total begeistert, dass dieser HSV solche großartigen Mitglieder noch immer hat, dass es so etwas gibt. Das gebe ich ehrlich und auch gerne zu. Und zugleich bewundere ich ihren Mut, diese Posten überhaupt angetreten zu haben, ich stelle mir das – gerade in der jetzigen Situation – unheimlich schwer vor. Und ich gestehe auch: das wäre nichts für mich. Aber ich möchte beiden, dem Timo und dem Martin, auch sagen, dass wir ihnen dann helfen werden, wenn sie einmal unsere Unterstützung benötigen – wie auch immer das einmal aussehen könnte.
Danken möchte ich bei der Gelegenheit auch allen jenen, die uns und mir geschrieben haben, oder die mich angerufen haben. Das waren diesmal nicht wenige. Und das zeugt davon, dass sie nicht nur diese Sendung, in der es nur um den HSV geht, gesehen haben, sondern auch davon, dass sie ähnlich (oder genau so) wie wir denken.
Alles Gute und viel Erfolg, Ihr Supporter-Chefs.

Und schließlich noch eine Info für alle, die sich auf das geplante und schon einmal verschobene Testspiel am kommenden Sonnabend in Danzig gefreut hatten: Die Partie wird vermutlich erneut verschoben.

18.10 Uhr
Lars

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