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0:3 – Ex-HSVer Ben-Hatira erschießt HSV!

25. Oktober 2014

So schnell schießen die Preußen eben doch nicht. Der HSV ist wieder auf dem Boden der harten Realität gelandet und wird in nächster Zukunft wieder nur, und absolut nur nach unten die Blicke richten. Nach der 0:3-Klatsche bei Hertha BSC müssen sich alle Spieler hinterfragen, ob sie mit der richtigen Einstellung dabei waren, denn die Niederlage wurde durch einen Konter der Berliner eingeleitet, als der HSV total aufgerückt war und auf das erste Tor drückte. Das war amateurhaft. Ausgerechnet der ehemalige HSV-Profi Änis Ben-Hatira schoss zwei Tore und leistete für das 2:0 die Vorarbeit. Nun müssen die Wunden geleckt werden, und zwar schnell, denn am Mittwoch kommen die Bayern zum Pokal in den Volkspark, und am Sonnabend wird es nicht leichter, denn dann geht es gegen Bayer Leverkusen. Da heißt es sich warm anziehen, das wird ein ganz, ganz harter Winter. Aber wir müssen da alle durch. Alle. Kopf hoch. Das Leben geht weiter, wenn auch im Moment nicht sonderlich schön.

 


 

Spielt Lewis Holtby? Ist Matthias Ostrzolek draußen? Kommt Marcell Jansen von Beginn an zum Zuge? Das waren die Fragen vor dem Anpfiff, die die Fans bewegten. Und Trainer Joe Zinnbauer hatte sich lange nicht in die Karten schauen lassen, erst kurz vor dem Anpfiff sickerte durch: Holtbay sitz nur auf der Bank. Das kam für uns schon etwas überraschend, muss ich zugeben, aber der Coach hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht. Und wohl in erster Linie auf Erfahrung in diesem Auswärtsspiel gesetzt, denn auch Jansen war dabei – wie schon beim 1:0-Sieg in Dortmund.

 

Dass das Match im Olympiastadion kein leichtes werden würde, das war schon klar. Zu oft ist der HSV mit großen und größten Hoffnungen in Berlin zu Gast, und kam dann doch mit leeren Händen zurück in die Hansestadt. Es werden sich einige daran erinnern können . . . Diesmal begann der HSV, wie schon so oft in der jüngeren Vergangenheit, im Stile einer Heim-Mannschaft und bestimmte das Geschehen. Nur Torchancen gab es keine, spätestens am Hertha-Strafraum war Ende mit den offensiven Versuchen des HSV. Obwohl, das soll keine Kritik an Pierre-Michel Lasogga sein, der frühere Herthaner mühte sich, lief viel, hielt einige Male klug den Ball, verteilte ihn auch gut – das konnte sich sehenlassen; unter den Augen von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw. Ob der in erster Linie für Lasogga in die Hauptstadt gekommen war? Oder auch für Nicolai Müller, Jansen, Ostrzolek? Oder sogar für Heiko Westermann? Einen Berliner kann der Bundes-Jogi doch nicht im Sinn gehabt haben, oder? Nein, nein, es ging um einen Hamburger. Für die spielten ja immerhin drei Herthaner mal im Trikot mit der Raute: Änis Ben-Hatira, Peer-Ciljan Skjelbred und der zunächst auf der Bank kauernde Marcel Ndjeng.

 

So richtig aufregend wurde es erstmalig in diesem Spiel in der 17. Minute. Bei einem hohen Ball in den HSV-Strafraum hinein sprang der bullige Berliner Abwehrchef Heitinga HSV-Keeper Jaroslav Drobny ganz böse an. Das war in meinen Augen ein schlimmes Foul, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) aber zog nichts, nicht mal mit den Achseln. In meinen Augen eine klare Gelbe Karte. Und wie Drobny einen solchen Anschlag „überlebt“ und wegsteckt, dafür habe ich keine Erklärung. Der Mann muss aus Eisen sein. Kurze Pflege, einmal schnell geschüttelt – und dann ging es weiter. Und drei Minuten später foulte Skjelbred gegen Tolgay Arslan, indem er „drüber“ hielt. Kein Gelb!

 

Dann wurde es sportlich. Ben-Hatira bediente seinen Stürmer Kalou, der plötzlich halblinks frei vor Drobny aufkreuzte, der HSV-Schlussmann aber kam blitzschnell aus dem Tor, verkürzte den Winkel und hielt per Fußabwehr (22.). Fast im Gegenzug die erste HSV-Möglichkeit. Rechtsflanke von Arslan (seine beste Szene!), am langen Pfosten legte Jansen per Kopf zurück zu Ostrzolek, doch der Linksverteidiger schoss aus 13 Metern hoch und weit über das Berliner Tor. Das Tempo blieb danach hoch in diesem Spiel, es ging hin und her – in dieser Art und Weise hätte der HSV vor Wochen sicherlich nicht dagegenhalten können. Nun kann er es, und er steht auch in der Defensive viel sicherer, weil alle im Team jetzt auch defensiv denken – und mitmachen. Hinten rechts übrigens machte der junge Ashton Götz sein erstes Bundesliga-Spiel von Beginn an, und das machte er meistens auch gut. Er konnte die Gegenspieler (oft Ben-Hatira) zwar nie hundertprozentig neutralisieren, aber er „mischte“ trotz allem prächtig mit. Der Junge, der die Rückennummer 39 trug, kann etwas! Auch wenn in der zweiten Halbzeit ein wenig die Kräfte schwanden . . .

 

Zum zweiten Durchgang kam Lewis Holtby für Arslan, und der HSV kam auch. Jansen bringt den Ball flach zur Mitte, Müller kommt nicht ran – im Rückraum wäre Rafael van der Vaart vollkommen frei und sicher die bessere Option gewesen (55.). Danach stempelte der frühere HSV-Spieler Ndjeng mit einem Weitschuss die Querlatte (58.), bevor es turbulent wurde. Die 59. Minute bringt jeden HSV-Fan an den Rande des Wahnsinns: Erst steht Jansen halblinks frei vor dem Hertha-Gehäuse, doch er zögert einen Tick zu lange – Keeper Kraft stürzt raus und hält den Ball. Im Gegenzug dann machen es die Berliner besser: Die gesamte HSV-Defensive unsortiert, fast alle „turnten“ vorne herum – und der Konter läuft. Ben-Hatira ist die letzte Station, er umkurvt den „zurückfliegenden“ Valon Behrami und schlenzt den Ball klug und überlegt ins lange Eck – unhaltbar für Drobny. Der Anfang vom Ende.

 

Die Vorentscheidung dann in der 65. Minute. Eckstoß von Ben-Hatira, Kopfballduell, am langen Pfosten lauerte der Herthaner Hosogai und lenkt die Kugel an das Torgestänge, auf der Linie steht Heitinga und vollendet. Ganz, ganz bitter! Joe Zinnbauer bringt noch vor dem Wiederanstoß Julian Green für van der Vaart – aber es nützt nichts mehr. Der HSV ist bemüht, aber ohne die rechte Durchschlagskraft. Auch der überraschende Wechsel in der 74. Minute brachte daran keine Änderung – Zinnbauer brachte Valmir Nafiu (!) für Lasogga, der in der zweiten Halbzeit kaum noch in Erscheinung getreten war. Ein bemerkenswerter Wechsel aber in jedem Fall, doch Nafiu hatte im Abschlusstraining noch zwei Tore zum 3:0-Sieg der Reservisten gegen den Stamm erzielt.

 

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Arslan (46. Holtby), Behrami; Müller, van der Vaart (65. Green), Jansen; Lasogga (74. Nafiu).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hielt wie immer gut, an den Toren aber gab es nichts zu halten.

 

Ashton Götz begann abgeklärt, ruhig und sicher, aber mit zunehmender Spieldauer ließ er ein wenig nach – aber an ihm lag es gewiss nicht, dass der HSV verlor. Das müssen sich schon die „älteren Herrschaften“ ankreiden lassen. Legte in der 85. Minute den Ball vor, der zum 3:0 für die Hertha führte.

 

Johan Djourou stand lange Zeit sicher, dann stürmte er, fehlte hinten – und der Schuss ging in den Ofen. Leider, leider. Ein wenig zu viel riskiert, statt auf die Null zu setzen.

 

Heiko Westermann räumte lange Zeit gut auf, Mitte der zweiten Halbzeit schien er ein wenig zu resignieren (gibt es das bei ihm überhaupt?), auf jeden Fall aber war er leicht angeschlagen. Auch er fehlte hinten beim 0:1 – da fehlten nicht nur alle, da fehlte vor allem die Abstimmung in der Defensive.

 

Matthias Ostrzolek verlangt mehr von sich, wie er nach dem Spiel gegen Hoffenheim zugab, diesmal könnte er sich wiederholen. Da muss mehr kommen, ganz klar. Berlin wird er nicht in guter Erinnerung behalten, das war irgendwie ein gebrauchter Tag, der ihm da angedreht worden war.

 

Tolgay Arslan fand nie so richtig ins und zu seinem Spiel. Spielte einige Mal unsauber, lief auch oft hinter dem Ball und dem Gegenspieler hinterher.

 

Valon Behrami rieb sich in unzähligen Duellen auf, dirigierte, wollte mitreißen – es blieb beim Versuch, weil er diesmal auf zu wenig Gegenliebe (Qualität im Team?) stieß.

 

Nicolai Müller tauchte einige Male auf, aber die meiste Zeit eben auch ab.

 

Rafael van der Vaart war sicher sehr bemüht, lief unheimlich viel, aber diesem Spiel konnte er keine Klasse verleihen, er muss erst wieder noch in Form kommen.

 

Marcell Jansen spielte solide mit, aber mehr auch nicht. Note vier.

 

Pierre-Michel Lasogga war auf Besuch bei seiner „alten Dame Hertha“ und sollte, so hatte es der HSV-Anhang erwartet und erhofft, den HSV zum Sieg schießen. Es blieb bei dem Schuss Hoffnung, obwohl Lasogga mindestens eine sehr gute erste Halbzeit hinlegte – aber ohne Abschluss. Zweite Halbzeit war er dann nicht mehr zu sehen. Ob ihn die Pfiffe der Hertha-Frösche zermürbten?

 

Lewis Holtby (ab 46. Min. für Arslan) kam zur Pause rein, war bemüht, auch aktiver als sein berühmter Nebenmann (van der Vaart), aber er konnte nichts mehr inszenieren, da viele neben ihm schon abgetaucht waren.

 
Julian Green (ab 65. Min. für van der Vaart) wollte noch, konnte aber nicht mehr, da kaum noch einer so richtig wollte – oder konnte.

 

Valmir Nafiu (ab 74. Min. für Lasogga) kam zu spät, als dass er noch etwas hätte bewirken können. Immerhin aber kam er einmal.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ aus dem Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel) auf Sendung, wir sprechen dann natürlich über das Spiel in Berlin. „Scholle“ und ich haben wieder zwei Gäste bei uns, es sind diesmal Maximilian Beister und HSV-Talent Gideon Jung. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich einschalten würdet wie zuletzt.

 

PSPS: Am kommenden Freitag (31. Oktober) findet im HSV-Restaurant „Anno 1887“ (Leistungszentrum Ochsenzoll, Ulzburger Straße, Norderstedt) unser Matz-ab-Treffen statt, Beginn 19 Uhr. Mitzubringen wären an diesem Abend (vor dem Leverkusen-Spiel) gute oder auch beste Laune, denn es soll ein Treffen unter Freunden werden. Und keine Mitgliederversammlung!

 

17.30 Uhr

Das 1:0 – ein großer Schritt zum Profi-Vertrag für Joe Zinnbauer

5. Oktober 2014

Genau ein halbes Jahr war vergangenen seit dem bis dahin letzten Sieg in der Bundesliga. Fast ein ganzes Jahr seit dem letzten Auswärtssieg. Es war überhaupt der erste Saisonsieg – und dann ausgerechnet in der deutschen Fußball-Kathedrale in Dortmund. Aufatmen beim HSV. Sie können doch noch gewinnen, und die Verbesserungen der vergangenen Wochen unter Trainer Joe Zinnbauer haben sich nun auch in einem Resultat niedergeschlagen. Dieses 1:0 fühlt sich an wie ein Brustlöser.

„Der HSV war definitiv stark. Das ist jetzt auch schon eine Tendenz“, meinte Mittelfeldspieler Tolgay Arslan. „Der Trend geht nach vorn und die Mannschaft lebt, wir spielen als Mannschaft.“ Kollege Marcell Jansen ergänzte: „Fürs Herz und für die Fans und für uns ist es ein Gefühl, das wir unbedingt brauchten.“ Ein verdientes Gefühl, meinte Heiko Westermann: „Wir haben uns belohnt für ein gutes Spiel. Eigentlich waren wir die letzten Wochen schon dran. Wir haben an uns geglaubt, und dafür wir man irgendwann belohnt.“

Okay, Borussia Dortmund hat sicher nicht das gebracht, was die Mannschaft in den vergangenen Jahren schon öfters gebracht hat. Aber: Der HSV spielte genau so, wie es der BVB nicht mochte. Am Mittwoch in der Champions League hat es der belgische Verein RSC Anderlecht den Westfalen noch zu leicht gemacht. Gegen den HSV musste die Klopp-Elf über den Schmerzpunkt gehen, sich immer wieder stemmen gegen das stramme Pressing des HSV, durfte sich keine Konzentrationslücken leisten. Und weil die Hamburger in ihrem Bemühen nicht nachgelassen haben, war das 1:0 am Ende sicher auch verdient.

Beste Spieler waren aus meiner Sicht Valon Behrami, der in dieser Verfassung kaum wegzudenken ist aus dem Team. Wo es brennt auf dem Feld, ist der Schweizer und hält seinen Fuß hin. Seine ersten Spiele in Hamburg haben mir noch nicht so gut gefallen, aber hätte er nicht den Japaner Kagawa an die Kette gelegt – wer weiß, wie es ausgegangen wäre. Und dann ist da noch Nicolai Müller, der immer spritziger wird.

Nicht von ungefähr ging die Aktion des Tages auf das Konto von Nicolai Müller. Zuletzt gegen Frankfurt beendete er schon den Torfluch, jetzt hat er seinen ersten HSV-Assist auf dem Konto. Klasse, wie der Ex-Mainzer das Tor durch Pierre Michel Lasogga vorbereitet hat. Zum Spiel sagte Müller: „Wir hatten einen Plan, den haben wir sehr gut umgesetzt. Vergangene Woche haben wir mit dem Tor schon den Bock umgestoßen, jetzt haben wir den ersten Sieg. Unsere Entwicklung geht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern wir müssen weiter hart arbeiten und bescheiden bleiben.“

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Natürlich war es die Geschichte des Tages, dass nun gerade Pierre Michel Lasogga getroffen hat. Vielleicht hätte Uli Stein den Ball auch reingemacht, aber auch wenn es ein relativ einfaches Tor war, sollte es dem Torjäger der vergangenen Saison helfen, zu alter Form zurückzufinden. „Ich weiß, dass Kritik dazugehört. Aber es hat mich kalt gelassen die letzten Wochen. Ich konnte immer in den Spiegel gucken die letzten Spiele, weil ich wusste, dass ich alles gegeben hatte. Und ich wusste, dass ich es ja nicht verlernt habe. Irgendwann würde es zurück kommen – jetzt ist es zurück gekommen. Schön!“ Bei „Sky“ fügte Lasogga noch hinzu, er wisse gar nicht, wer dieser Uli Stein ist, der ihn da so heftig kritisiert hatte.

Heute trat Uli Stein („Lasogga hätte früher bei uns nur das Ballnetz getragen“) noch einmal bei Sport1 auf. Was ja ein wenig untergegangen ist in der Debatte um die rechte Wortwahl zum HSV-Angreifer sind Steins Einschätzungen über die insgesamt positive Entwicklung beim HSV unter Dietmar Beiersdorfer und Joe Zinnbauer. Hier könnte mal also ein wenig differenzieren, ehe Uli Stein pauschal abqualifiziert wird für seine Äußerungen. Der Mann ist immerhin der beste Torwart, den der HSV je hatte – und er hat Erfolge erreicht, die beispielsweise Pierre Michel Lasogga nur ganz schwer erreichen kann. Insofern – Aserbaidschan hin oder her – darf dieser Uli Stein auch mal den Finger in die Wunde legen, wenn er es für notwendig hält.

Gestern habe ich eine Schlagzeile gelesen: „Ex-Außenminister Genscher kritisiert Zustand der Bundeswehr!“ Darf der das auch nicht, der Genscher? Seine aktive Zeit ist ja in etwa so lange vorbei wie die von Uli Stein, oder? Vielleicht sollten viele das Thema Lasogga und Stein mal gelassener sehen – „das ist Stürmerschicksal“, wie Peter Knäbel ganz richtig sagte.

Lasoggas gesamte Leistung gestern in Dortmund war ja auch noch ausbaufähig. Kaum gehaltene Bälle, wenige konstruktive Aktionen. Viele sagen, das sei ja auch alles gar nicht seine Stärke, er müsse gefüttert werden. Ich sehe das nicht ganz so. Vergangene Saison war Lasogga ein Kraft- und Energiebündel, der mit seiner Power manche Situation gelöst hat, die er aktuell noch nicht löst. Es fehlt nach wie vor körperlich, und vielleicht macht er sich auch zu viele Gedanken um seine Situation. Woher mögliche Zweifel kommen, weiß ich nicht. Spürt Lasogga größeren Druck? Wollte er mit Gewalt auch gegen seine persönliche Torflaute angehen? Die meisten Kritiker – außer Stein – haben ja immer mildernd darauf hingewiesen, dass die mangelnde Form des Angreifers vor allem seinem Trainingsrückstand geschuldet ist. Tolgay Arslan sagte heute zu Lasogga: „Für ihn war es wichtig, ein Tor zu schießen. Jetzt muss er weitermachen. Ein Spiel ist schön, mehrere Spieler sind schöner. Pierre habe ich in den letzten Wochen noch nie so erlebt. Er hat viel nachgedacht – ich glaube schon, dass da jetzt ein Knoten geplatzt ist.“

Ein anderer 83er hat gestern im Sportstudio auch seine Meinung gesagt. Wahrscheinlich wird er dafür nicht beschimpft, denn er hat ja auch viel Positives zum Besten gegeben. Horst Hrubesch hat sich Steins Meinung über Pierre Michel Lasogga nicht angeschlossen. Und auch nicht der über Rafael van der Vaart, den Stein gleichsam auf dem Kieker hat. „Van der Vaart ist darauf angewiesen, dass die Mannschaft funktioniert. Das war nicht so in den vergangenen Jahren. Da hattest du nie das Gefühl, dass es voran geht. Mich freut es, dass eine Aufbruchstimmung da ist. Eventuell war das der Brustlöser in Dortmund. Und ich hoffe, dass das nicht wie im letzten Jahr bei einem Spiel bleibt.“

Was die Trainerfrager angeht, sieht Hrubesch durchaus ein Modell für die Zukunft gefunden: „Zinnbauer zu nehmen, war absolut in Ordnung. Ich habe anfangs nur gezweifelt, ob er soweit ist. Aber er hat die Mannschaft wieder aufgerichtet. Alles, was man hört, ist absolut positiv. Ich hoffe, die Mannschaft richtet sich nach ihm und nimmt seinen Einsatz wahr und folgt ihm.“

Damit hat Hrubesch gleich den Punkt getroffen, der am Sonntag auch durch Peter Knäbel, den neuen Direktor Profi-Fußball thematisiert wurde. „Joe hat Werbung gemacht, auf Sicht ein Bestandteil des HSV zu sein“, sagte Knäbel mit Blick auf die ersten vier Spiele unter dem neuen Cheftrainer. In den kommenden zwei Wochen, so viel verriet Knäbel, werde er mit Zinnbauer und seinem Team nun weitreichende Gespräche geben über die Vertragsgestaltung der Zukunft führen. Diese Aussagen darf man sicher so interpretieren, dass die „Bis-auf-weiteres“-Lösung Zinnbauer in eine Dauerlösung umgewandelt werden soll. Knäbel weiter: „Die Art und Weise, wie wir spielen, kommt an. Man darf eines nicht unterschätzen: Joe und sein Team sind eigentlich für den Nachwuchs geholt worden, und arbeiten jetzt mit sehr viel Leidenschaft bei den Profis. Ich habe mich gestern ganz persönlich für Joe gefreut, weil der Sieg eine Belohnung war.“

Interessant auch zu hören, wie Knäbel sein erstes Spiel auf der Trainerbank und die Leistung der Mannschaft beurteilt hat. Ob der HSV so etwas wie der Gewinner des Spieltages sei, wurde Knäbel gefragt: „Wenn man vergleicht, was im Misserfolgsfall hätte geschehen können, dann kann man das schon sagen. Dann wären wir zwei Punkte hinter den anderen gewesen, schon ein bisschen abgeschlagen. Jetzt haben wir den letzten Platz verlassen und sind ein bisschen nach oben gekrabbelt. Klar sind wir ein Gewinner, aber das sind auch andere. Wenn man sieht, wie stabil unser nächster Gegner Hoffenheim ist, zählen die zum Beispiel mehr zu den Gewinnern. Aber wir nehmen natürlich jeden Schwung und jede Energiequelle mit.“

Recht bedeckt hielt sich Knäbel zur Lasogga-Debatte. Der habe durch das Tor seine beste Antwort gegeben und sich für hohen Laufaufwand der vergangenen Wochen belohnt. Auf die Kommentare der Ex-Stars angesprochen, möchte Knäbel darauf nicht generell verzichten: „Wenn jemand wie Horst oder Uli Stein oder andere Stimmungen wahrnehmen, ist es immer etwas wert, wenn sie das sagen. Weil sie auch einen Vergleich haben. Ich finde das wichtig. Und wenn ich von Horst Hrubesch höre, dass er Aufbruchstimmung spürt, freut mich das. Und es ist auch Verantwortung und Motivation für uns.“

Für Peter Knäble geht es nun darum, seinen neuen Verein und die Mannschaft noch besser kennenzulernen. Die Länderspielpause soll da helfen, er will viele Gespräche führen, so wie er es mit dem Mannschaftskapitän schon getan hat. Über Rafael van der Vaart hat Peter Knäbel übrigens eine klare, eine positive Meinung: „Rafael van der Vaart ist der Kapitän der Mannschaft und ein Weltklassespieler, der Spiele entscheiden kann. Für ihn sind die zwei Wochen ungemein wichtig. Ich hoffe, dass er mit der nötigen Kondition und Spielfreude zurückkehrt.“ Den Nutzen der Pause sieht Knäbel auch für andere wie Marcell Jansen, der gestern in Dortmund schon mal einen guten Anfang gemacht hat. „Nach der Länderspielpause geht es Schlag auf Schlag“, so Knäbel.

Soweit also Peter Knäbel, der bei aller positiven Energie nicht ungehemmt aufs Gaspedal treten möchte: „Es ist ein Spiel, das wir gewonnen haben. Es ist lange her, dass wir zwei Mal hintereinander gewonnen haben. Kümmern wir uns darum. Ich spüre eine große Sehnsucht, dass wir einen guten Fußball-Alltag auf hohem Niveau in Hamburg haben.“ Also: Konstanz und Nachhaltigkeit in den Laden bekommen, und nicht von neuen Zielen sprechen.

Kommen wir noch einmal zu Joe Zinnbauer. Der Trainer sagte nach der Partie über…

… den Sieg: „Es fühlt sich gut an, aber es war auch harte Arbeit. Ich sehe, dass wir zu einem Auswärtsspiel fahren und hungrige Spieler haben. Das habe ich auch in den Augen der Spieler gesehen.“
… zur Länderspielpause: „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, etwas mehr zu machen. Aber wir haben auch zehn Spieler bei den Nationalmannschaften. Wir müssen uns für Hoffenheim genauso einstellen, dürfen keinen Zentimeter nachlassen. Im Gegenteil: Wir müssen noch einen Zentimeter weiter gehen.“
… zu Pierre-Michel Lasogga: „Die Mannschaft muss Pierre unterstützen, nicht nur er. Pierre ist ein Torjäger, das weiß nicht nur ich, sondern auch Jogi Löw zum Beispiel. Man muss dem Jungen auch ein bisschen Zeit geben.“
… zu seiner eigenen Perspektive: „Da mache ich mir gar keine Gedanken. Wir haben das Vertrauen aller Beteiligten bekommen. Was geschieht, entscheiden andere. Wir wollen unseren Job machen, und wenn die Mannschaft so weitermacht, wird es sich von allein regeln. Ich habe eh Vertrag und fühle mich wohl in Hamburg. Ob U 23 oder erste Mannschaft, ist natürlich nicht egal, aber ich will Trainer sein. Und das lässt der HSV gerade zu. Und wenn es in der ersten Mannschaft ist – umso schöner.“
… zu seiner Energie: „Es prasselt viel ein, das ist sicher ungewohnt. Auch der Umgang mit den Medien frisst viel Zeit, aber das ist sehr positiv – im Moment jedenfalls. Es ist toll, ich bin belastbar, das war ich schon immer in meinem Leben – nicht nur als Spieler, auch als Privat-Mensch. Ich versuche meine Ziele umzusetzen, wenn mir etwas Spaß macht.“

Gestern in Dortmund musste Dennis Diekmeier angeschlagen ausgewechselt werden. Seine Verletzung stellte sich als nicht so schwerwiegend heraus. Diekmeier hat einen Schlag in die Kniekehle erhalten und soll am Dienstag, bei der nächsten Trainingseinheit, wieder mitmischen.

Oben könnte Ihr Euch auch, wie gewohnt, noch einmal die „Matz-ab-live“-Sendung von gestern angucken. Aus besonderem Anlass dazu ein paar Zeilen von Dieter:

Die Resonanz war groß. Es gab viele Mails und Anrufe, in denen wir Lob für unsere Sendung „Matz ab live“ nach dem Dortmund-Sieg gelobt wurden. Lag es ganz einfach an der guten Stimmung danach, oder war es die Erleichterung? Kann sein. Ich glaube aber eher, dass wir ganz tolle Gäste hatten. Wenn „Scholle“ und ich nach einer solchen Runde auseinander gehen, dann rufen wir uns meistens noch einmal an – und einer fragt den anderen: „Wie fand’s du es? War das so in Ordnung? War es gut? Hat was gefehlt?“ So auch diesmal. „Scholle“ kam mir zuvor, wir haben im Prinzip zugleich an diese „Manöver-Kritik“ gedacht. Und wir waren uns einig: „Das war diesmal sehr gut.“
Was hauptsächlich, das war unser Empfinden, an unseren beiden Gästen lag:Tim Oliver „Timo“ Horn sowie Martin Oetjens. Das sind der frisch gewählte Vorsitzende der Supporters-Abteilung sowie dessen Stellvertreter. Herzlichen Dank an beide Herren, dass sie bei uns waren, das war einfach nur klasse. Diese „Jungs“ haben etwas zu sagen, und sie sind für mich wirklich großartige HSV-Fans. Es war schön zu erleben, dass es zwei Rothosen sind, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie wollen nur das Beste für den HSV, und dafür opfern sie viel Zeit. Was mich absolut positiv gestimmt hat war dies: Da sitzen keine Fans und sagen immer nur: „Wir wollen das, wir brauchen jenes, und ohne uns geht schon mal gar nichts, wir fordern hier und wollen da – also spurt mal schön. Sonst werdet ihr schon erleben, wie es hier demnächst lang geht.“
Horn und Oetjens sind genau das Gegenteil davon. Sie, so mein Gefühl, möchten dem HSV helfen, sie möchten dem HSV dienen, sie bieten dem Club ihre Unterstützung an, sie geben dem Verein ihre Hilfe, damit es überall und in allen Belangen wieder aufwärts geht. Sie möchten kitten und vermitteln, sie möchten alle HSVer wieder zusammenführen. Bravo. Nicht sie stellen sich in den Mittelpunkt, sondern es steht bei ihnen in erster Linie nur der HSV im Blickpunkt ihrer Arbeit und ihres Engagement. Hervorragend. Und Martin Oetjens war einer derjenigen, die die HSV-Reform geplant haben. Die AG und HSVplus haben sich durchgesetzt, aber Oetjens hat nicht aufgegeben, nicht resigniert, nicht beleidigt reagiert und sich auch nicht schmollend zurückgezogen – sondern Flagge gezeigt. Er will mithelfen, dass dieser Verein wieder geeint wird.
Ich war und bin immer noch total begeistert, dass dieser HSV solche großartigen Mitglieder noch immer hat, dass es so etwas gibt. Das gebe ich ehrlich und auch gerne zu. Und zugleich bewundere ich ihren Mut, diese Posten überhaupt angetreten zu haben, ich stelle mir das – gerade in der jetzigen Situation – unheimlich schwer vor. Und ich gestehe auch: das wäre nichts für mich. Aber ich möchte beiden, dem Timo und dem Martin, auch sagen, dass wir ihnen dann helfen werden, wenn sie einmal unsere Unterstützung benötigen – wie auch immer das einmal aussehen könnte.
Danken möchte ich bei der Gelegenheit auch allen jenen, die uns und mir geschrieben haben, oder die mich angerufen haben. Das waren diesmal nicht wenige. Und das zeugt davon, dass sie nicht nur diese Sendung, in der es nur um den HSV geht, gesehen haben, sondern auch davon, dass sie ähnlich (oder genau so) wie wir denken.
Alles Gute und viel Erfolg, Ihr Supporter-Chefs.

Und schließlich noch eine Info für alle, die sich auf das geplante und schon einmal verschobene Testspiel am kommenden Sonnabend in Danzig gefreut hatten: Die Partie wird vermutlich erneut verschoben.

18.10 Uhr
Lars

Klare Entscheidungen – in Sachen Knäbel und auch sonst bitte

8. September 2014

Länderspiele der Deutschen haben ja schon seit längerer Zeit nur noch in Ausnahmefällen etwas mit dem HSV zu tun. Wobei das im Spiel gegen Schottland anders war. Nicht, weil die Viererkette ähnlich anfällig war wie der HSV gegen Paderborn. Vielmehr habe ich mich immer wieder gefragt, ob Joachim Löw das bewusst macht gegen einen vermeintlich nicht so starken Gegner. Denn anders war für mich nicht erklärbar, dass diese Viererkette (Rudy, Boateng, Höwedes, Durm) unverändert durchspielte. Zumindest die Linksverteidigerposition mit Durm war inakzeptabel schwach. Gut, es war Durms erstes Pflichtspiel für die Nationalelf – aber was genau ihn jetzt so sehr von Jansen abhebt, dass der HSV-Mann nicht einmal nominiert wurde, erschließt sich mir nicht.



Aber egal. Nationalmannschaft war – jetzt ist HSV. Und der befindet sich weiter auf dem Erneuerungspfad. Diesmal mit der seit Monaten erwarteten Verpflichtung von Peter Knäbel. Die soll (mal wieder) fix sein. Und egal wie wenig sattelfest diese von allen Tageszeitungen verkündete Nachricht ohne offizielle Bestätigung des HSV auch ist – ich bleibe natürlich unverändert bei meinem Statement aus dem Juli: Knäbel kommt.

Und der Chef des Schweizer Fußballverbandes wird in Hamburg weiter umbauen. Das war eine der Bedingungen für den ehemaligen St.-Pauli-Profi. Zuletzt waren die Gespräche immer wieder an dem Punkt gestoppt, wo es um die Festlegung der Kompetenzen ging. Das scheint sich geklärt zu haben. Jetzt, wo fast alle Vorstände im Urlaub weilen ist das zwar ein komischer Zeitpunkt – aber es ist für mich auch eine gute Nachricht. Immerhin gilt Knäbel als Entwickler, als Fußball-Stratege. Den Schweizer Fußballverband leitete er als Direktor bis hoch zum WM-Teilnehmer in die Zwischenrunde. Bei HSV-Nachwuchschef Bernhard Peters steht der 47-Jährige zudem ähnlich hoch im Kurs wie bei Beiersdorfer. Ergo: Knäbel wird ins neue Führungs-Team passen.

 

Für Abendblatt-Blogs


Dass auch diese Verpflichtung die Gerüchte um einen Trainerwechsel nicht leiser werden lassen – es ist zu erwarten. Leider. Zumal dann nicht, wenn ein Aufsichtsratsvorsitzender Forderungen an den Trainer formuliert – aber dazu später mehr. Oder auch nicht. Mal sehen…
 

Egal wie, die Trainerpersonalie ist für mich die letzte, die sich jetzt noch – und vor allem endlich! – langfristig klären muss. Beiersdorfer täte ganz sicher gut daran, nach seinem Urlaub ein klares Signal zu senden, ob und wie es weitergeht. Schon allein, um allen Gerüchten den Garuas zu machen. Und damit wende ich mich hier weder für noch gegen Slomka. Aber ich weiß, dass nichts schädlicher ist als ein geschwächter Trainer in einer schwierigen sportlichen Phase. Und dass sich ausgerechnet jetzt auch noch ein Mann wie Aufsichtsratsboss Karl Gernandt zu Wort meldet und den Trainer zu „mutigen Entscheidungen“ auffordert – es macht die Sache nicht einfacher. Nicht für Slomka, nicht für den HSV – und am wenigsten für alle zusammen. Ganz im Gegenteil.

 

Nein, so deutet fast alles daraufhin, dass Slomka beim HSV schon auf Bewährung ist. Die Frage ist nur, mit welchem Sinn das Ganze versehen sein könnte. Oder ist es nur, weil der potenziell Neue noch nicht überzeugt werden konnte? Glaubt tatsächlich irgendwer, dass ein Sieg in Hannover alles verändern könnte? Wäre dann plötzlich alles wieder gut und Slomka über alle Zweifel erhaben? Was passiert denn, wenn der HSV anschließend in Hannover gewinnt und gegen München direkt danach erwartungsgemäß verliert? Haben wir dann mehr geschafft, als dieselbe schädliche Diskussion auch noch nach dem vierten Spieltag zu führen?






Ich glaube nicht. Für mich ist vielmehr der Moment, in dem ein Trainerjob vom nächsten Spiel abhängig gemacht wird, schon der Moment, in dem gehandelt werden muss. So, wie damals vor Braunschweig, als Oliver Kreuzer als Sportchef mit Slomka eigentlich schon einig war und dem damaligen Trainer Bert van Marwijk trotzdem noch eine (unnötige weil nicht echte) „letzte Chance“ gab.
 

Apropos: Oliver Kreuzer befindet sich jetzt ja schon eine Weile im Urlaub. Gut bezahlt und mit Handy, Dienstwagen und Tankkarte des HSV ausgestattet. Und das bleibt bis zu seinem Vertragsende auch so. Zumindest sollen sich der HSV und sein ehemaliger Sportchef darauf außergerichtlich geeinigt haben. Entlassen zu werden kann eben tatsächlich auch schön sein – zumindest dann, wenn man vorher beim HSV angestellt war…
 

Gerade erst angekommen ist Julian Green. Heute war sein erster Trainingstag – und der macht Hoffnung. Schnell, ballsicher und torgefährlich präsentierte sich der US-Nationalspieler, der vom FC Bayern auf Leihbasis zum HSV gewechselt ist und hier das Ziel hat, den nächsten Karriereschritt einzuläuten. „Ich habe mich lange unterhalten und sowohl von Pep Guardiola als auch von meinem Nationaltrainer Jürgen Klinsmann die klare Empfehlung bekommen, zum HSV zu gehen“, so Green, der erst am letzten Donnerstag vor dem Ende der Transferperiode das erste Mal vom HSV angerufen worden war. „Guardiola meinte, es sei meine Entscheidung und ich solle nach Hamburg gehen und mich durchsetzen. Und das habe ich vor.“
 
Klingt gut. Wobei dem jungen Offensivspieler (bevorzugte Position links offensiv) die Demut vor der neuen Aufgabe anzumerken ist. Und das ist ein gutes Zeichen. „Ich weiß, dass ich Geduld brauche, um einen Schritt nach dem anderen zu machen.“ Weil er eben alle diese Schritte benötigen würde, um sich weiterzuentwickeln. In Hannover dürfte der flinke Rechtsfuß noch von der Bank aus kommen. Aber ich bin ehrlich gespannt, ob mit ihm, dem offensichtlich wieder genesenen Nicolai Müller sowie Ivo Ilicevic (trainierte heute separat: „Ich hoffe, dass ich am Donnerstag wieder mit der Mannschaft trainieren kann“) das Tempo in das HSV-Spiel kommt, dass Slomka für sein immer wieder gefordertes schnelles Umschaltspiel benötigt.
 
Wobei ziemlich klar ist, dass es schlechter als zuletzt gegen Paderborn kaum werden kann. Deshalb hoffe ich zum einen auf klare Entscheidungen in Zeiten, in denen die Weichen für den zukünftigen HSV noch gestellt werden können. Und zum anderen hoffe ich natürlich darauf, dass in Hannover nicht nur neues Personal auf dem Platz zu erkennen sein wird, sondern endlich auch eine neue Mannschaft…
 
In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert. Mittwoch ist trainingsfrei.
 
Scholle

Blogteil 1: Kein Tuchel, dafür Knäbel und mindestens ein Schweizer?

30. Juli 2014

„Ich habe mehrfach betont, wie beeindruckt ich war, mit welcher Ruhe Mirko Slomka unsere Mannschaft nach seiner Amtsübernahme durch die schwere Situation geführt hat. Jetzt hat er die Möglichkeit, die Spieler nach seinen Vorstellungen auf eine Saison vorzubereiten. Ich bin dabei sehr angetan von seiner Arbeitsweise und bekomme dabei ausschließlich positive Rückmeldungen. Damit kann man die Spekulation ein für allemal beenden. Mirko Slomka hat meine Volle Unterstützung.“ Dass er bei Beratern mit Tuchels Wechsel zum HSV kokettieren würde sei eine Beleidigung seiner Intelligenz.

 

Ein Statement, das alles sagt, was zu sagen ist.

 

Somit bleibt klar, dass die heute heißeste Nachricht in Sachen Tuchel einzig die HSV-fremde ist, dass Tuchel nicht Co-Trainer von Joachim Löw werden wird. Und wer Dietmar Beiersdorfer in den letzten Jahren beobachtet hat, der weiß, dass in diesen Sätzen eine Wut mitschwingt, wie sie sich der 50-Jährige nur selten erlaubt. Ebenso wenig wie Urlaub. Beiersdorfer hat in seiner ersten Phase als Sportchef des HSV fast nie Urlaub gemacht, war immer für den HSV unterwegs. Und daraus hat er gelernt.

 

Deshalb holt sich Beiersdorfer aktuell starke Verantwortliche ins Boot. Auf der Trainerposition hat er ihn gefunden, ebenso im Nachwuchs, der Bernhard Peters unterstellt wird. Zudem soll weiterhin Peter Knäbel, der sportliche Direktor der Schweizer Nationalelf als Sportchef zum HSV kommen. Die Gespräche stocken allerdings noch ein wenig. Hintergrund ist, dass Knäbel mehr Entscheidungsmöglichkeiten einfordert als ihm Beiersdorfer zugestehen will. Und vor allem ist man sich beim HSV noch nicht ganz sicher, ob die Kombination Knäbel/Bernhard nicht zu wissenschaftlich, also zu „kopflastig“ sein könnte. Zumal, nachdem mit Slomka ein dritter Sportwissenschaftler am sportlichen Ruder ist. Dennoch, die Gespräche sollen auf einem guten Weg sein.

 

Klar scheint bislang nur, dass sich Beiersdorfer in dieser Transferperiode um die Kadergestaltung hauptverantwortlich kümmern wird. Das zwar im steten Austausch mit Aufsichtsrats-Vize Thomas von Heesen und vor allem natürlich Trainer Mirko Slomka. Und deshalb konnte der „Vorsitzende Vorstand Sport“ auch nicht wie geplant am Mittwoch ins Trainingslager nach Österreich reisen. Stattdessen standen Verhandlungen an. Mit diversen Klub. Auch mit dem FSV Mainz, bei dem Tuchel noch bis Sommer 2015 unter Vertrag steht. Allerdings drehten sich die Gespräche um den Spieler Nicolai Müller, für den der HSV angeblich bereit ist, rund 4 Millionen Euro Ablöse zu zahlen. Und nachdem FSV-Manager Christian Heidel zuletzt immer wieder betont hatte, einen verkauf eher nicht in Betracht zu ziehen, schwenkte er jetzt (absolut erwartungsgemäß) um: „Wenn Nicolai wechseln will, müssen wir wirtschaftlich zufrieden sein und bräuchten eine Alternative“, sagte Heidel der „Sport Bild“. Zudem ist Beiersdorfer in Sachen Valon Behrami aktiv, der beim SSC Neapel keine Rolle mehr spielen soll. Für den Schweizer National-Sechser hat der HSV ebenfalls ein Angebot von rund 4,5 Millionen Euro hinterlegt. Zeitgleich bieten Inter Mailand (angeblich 7 Millionen) und Atlético Madrid mit. Starke Konkurrenz – aber die ist bei Spielern der gehobenen Kategorie eben normal.

 

 

Ein nicht ganz unwesentlicher Faktor könnte Johan Djourou werden, der wie gestern berichtet mit Behrami gut befreundet ist und ihm vom HSV berichtet. „Ich habe ihm erzählt, dass der HSV ein großer Klub ist“, so Djourou, der mit Behrami ebenso wie mit dem zweiten Schweizer auf dem HSV-Wunschzettel in der „Nati“ zusammenspielt: Mittelfeldspieler Blerim Dzemaili. Und da Da Dzemailis Vertrag nur noch ein Jahr läuft, können die „Azzurri“ nur noch dieses Jahr eine Ablöse kassieren. Und in den Poker stieg neben dem HSV auch der AC Milan ein.

Und nur für diejenigen, die noch keinen Zusammenhang sehen: Knäbel soll als Sportdirektor kommen und steht durchgehend und in ständigem Austausch mit Beiersdorfer, der anschließend zwei Nationalspieler ausgerechnet des Verbandes holen will, für den Knäbel hauptverantwortlich ist.


Meine Prognose: Knäbel kommt. Und mit ihm mindestens einer der Schweizer Nationalspieler. Momentan am wahrscheinlichsten ist der als letztes in der Galerie aufgeführte Valon Behrami. Und das neben Müller, Ostrzolek und einem weitern Innenverteidiger. Aber dazu später mehr. Ich wollte Euch hiermit möglichst zeitnah einen ersten Stand der Dinge durchgeben, damit Ihr informiert seid. Den sportlichen Teil lasse ich heute Abend in diesen Blog einfließen und werde die Headline entsprechend mit ****AKTUALISIERT**** ergänzen.

 

Bis später!

 

Scholle

**ERGÄNZT** Vom Warten auf Lasogga, Skjelbreds Verletzung und Calhanoglus Paralleluniversum

2. Juli 2014

***Vorweg: Nachdem ich jetzt die ersten Posts gelesen habe, bitte ich Euch um eine Sache: Es ging mir in dem Teil mit der Nationalelf nur darum, Euch zu zeigen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Damit wollte ich aber keinerlei Spekulationen lostreten, dass beispielsweise ein Götze intern Stunk macht oder ähnliches. Ich weiß nichts über Ärger in der Nationalelf. Ich habe nur erzählt bekommen, wie sich einige Spieler nach außen geben. Und das ist nicht besser, als sonstwo in der Bundesliga. Also , daher meine große Bitte an Euch: Das Letzte, was ich will, ist, dass wir jetzt die Nationalelf in eine interne Krise spekulieren. Dafür bin und bleibe ich (zum Glück!) auch viel zu weit weg, als dass ich das tatsächlich beurteilen könnte. Ich bin froh, hier einmal ganz easy auf Fan machen zu können und will mich am Ende darüber freuen, dass wir alle zusammen Weltmeister geworden sind. Wie, ist mir dabei erst einmal egal…!***

Wäre nicht der zwischenzeitliche Feueralarm bei uns im Haus gewesen – es wäre wahrscheinlich einer der ruhigsten Tage seit Ewigkeiten geworden. Die Mannschaft trainierte nur innen, bevor es am frühen Nachmittag mit dem Bus gen Horst ging (Spielbericht folgt). Zudem war an der Transferfront heute unspektakulär. Soll heißen: Der Lasogga-Transfer wurde formell eingeleitet. Dafür musste der amtierende Vorstand eine Beschlussvorlage beim noch amtierenden Aufsichtsrat des e.V. einreichen. Die Kontrolleure nicken das Gesamtpaket (acht Millionen Euro Ablöse zuzüglich Erfolgsprämien und drei Millionen per annum für vier Jahre) heute Abend – davon ist auszugehen – nur noch ab.

Unspektakulär?

Mitnichten. Denn dieser Transfer bietet viele interessante Denkansätze. Zuerst natürlich die neue Kooperation zwischen dem Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne und dem HSV. Die sollte eigentlich erst mit der Eintragung der AG beginnen, die ja (Klaus Meetz lässt grüßen) aus bekannten Gründen aufgeschoben ist. Nun wurde sie, also die finanzielle Unterstützung Kühnes dank der ausdauernden Überzeugungsarbeit Gernandts bei seinem Chef, notwendigerweise vorgezogen. Und pikanterweise kommt das Kühne-Geld zunächst dem e.V. zugute. Obgleich es später umgewandelt werden soll (muss) auf die AG.


Insgesamt ist dieser Transfer also faktisch noch in den alten Strukturen entstanden – obgleich mit Dietmar Beiersdorfer ein Neuer dabei eine ganz wesentliche Rolle in den Verhandlungen mit der Hertha übernommen hat. Zuvor, das stellen die Verantwortlichen sowie Mutter und Managerin Lasogga auch gern heraus, hatte Oliver Kreuzer viel Überzeugungsarbeit geleistet, ehe er mit Hertha-Manager Michael Preetz aneinandergeriet und Beiersdorfer den Part übernahm. „Good guy – bad guy“ sozusagen – aber auf jeden Fall ein gelungenes Teamwork. Dass dies demnächst anders aussehen wird, scheint zwar nur noch davon abzuhängen, wie die Sportchefsuche von Beiersdorfer voranschreitet. Bislang konnte der designierte Klubboss jedoch noch keine Einigung mit seinem Wunschkandidaten Peter Knäbel erzielen.

Aber, für alle Kreuzer_Kritiker, die sich jetzt die Hände reiben: Jetzt an dieser Stelle wild über derart unentschiedene Personalien wie die Zukunft Kreuzers beim HSV zu spekulieren, halte ich für unmoralisch. Letztlich, obgleich alle aktuellen Vorstände auf Hart mimen, stört es sie dennoch, wenn sie denn irgendwann nicht mehr gewollt sind. Trotz der winkenden Abfindungen. Ego ist das Stichwort.

Auch bei Lasogga. Denn der Angreifer hat sich letztlich auch wegen der hohen Wertschätzung in Hamburg für den HSV entschieden. Dass Herthas Trainer Luhukay deutlich machte, einen anderen Stürmertypen zu bevorzugen hat das Ganze dann zusätzlich in die richtige Richtung – nämlich zu uns – befeuert. Und da Lasogga seinen Medizincheck im UKE heute problemlos bestanden hat, dürfte es nur noch eine Frage von Stunden sein, wann der Fan-Liebling offiziell präsentiert wird. Zumal klar ist, dass Lasogga am Freitagnachmittag mit nach China fliegen soll. Auf einen Trip, der rein finanziell sinnvoll ist, wie Carl Jarchow heute erklärte. „Sportlich ist die Belastung sicher überschaubar, sodass wir da keine Bedenken haben.“

Stimmt! Am Donnerstag ist trainingsfrei, Freitag ebenfalls, weil Reisetag. Am Sonnabend ist Ausspannen nach den Reisestrapazen und dem Jetlag angedacht, ehe es erst am Sonntag wieder auf den Platz geht. Zwei Testspiele stehen in China auf dem Programm – wofür der HSV am Ende rund 500.000 Euro einstreichen soll. Und wenn sich nicht wieder jemand schwer verletzt, soll es uns doch recht sein. Die Woche nach China ist wieder frei für die Spieler, die sich mit insgesamt acht Wochen eh mindestens zwei Wochen länger vorbereiten als der Rest der Bundesliga.

In Sachen Sechser ist der HSV aktuell weder in Sachen Ver- noch in Sachen Einkauf einen Schritt weiter. Ebensowenig bei Ostrzolek, wo sich die Verhandlungspositionen festgefahren haben sollen, wie man hört. Augsburg beharrt jetzt auf drei Millionen Euro, der HSV auf zwei Millionen. Und Per Skjelbred ist auch weiterhin beim HSV. Und er spielt sehr gut. In Horst allerdings nur bis zur 20. Minute, ehe ihn Fußprobleme zum Aufgeben zwangen (Die Statistik und besondere Vorkommnisse des Spiels werde ich nachher hier noch ans Textende reinstellen).

Und dann erlaubt mir noch ein Wort zur WM. Nicht zu den Bestechungsvorwürfen gegen Kameruns Nationalmannschaft, die auch so gegen die Kroaten vergeigt hätte. Vielmehr kann ich jetzt nachvollziehen, warum hier der eine oder andere Blogger grundsätzlich pöbelt, wenn kritisch berichtet wird. Ich weiß nicht, wer von Euch den taz-Artikel über Löw und Co. gelesen hat, indem am Beispiel das Mertesacker-Interviews dem DFB-Tross bockloses und divenhaftes Allgemeinverhalten nachgesagt wird. Aber ich für meinen Teil war zunächst einmal sauer, weil ich den Trend des zu negativen Berichtens bei der Nationalelf sehr wohl erkannt haben wollte und etwas gefährdet sah, was eigentlich recht erfolgreich funktioniert. Aber beim zweiten Blick – und nach einigen Telefonaten mit Nationalelf-Reportern – wurde mir klar, dass auch dort nichts so ist, wie es scheint. Manches ist ähnlich – aber vieles eben auch nicht. Und einiges, was ich erfahren habe, hätte ich lieber nicht gewusst.

Das ist nicht anders als beim HSV. Da stand ich früher mit der Dauerkarte in der Tasche, einer aufgemalten Raute auf der Wange und in Vollausstattung (Kutte, Trikot, Schals in den Gürtelhaltern, Fahne – manchmal im doppelten Sinne) im Block E/F, immer so halbe Höhe. Fanatisch jubelnd, manchmal auch pöbelnd aber durchweg anfeuernd. Bis ich HSV-Reporter wurde. Und was am Anfang noch ganz aufregend war, weil man plötzlich die ganzen Interna und Spieler kennenlernte, weil man vieles mitbekam, worüber nie gesprochen und geschrieben wurde – all das entpuppte sich schnell als desillusionierend. Da war nicht mehr viel von dem Teamdenken, das ich aus meinen Mannschaften kannte und beim HSV hineininterpretiert hatte. Da war nicht viel Stolz auf den Verein bei den Spielern zu hören und zu sehen. Nein, das waren alles Ich-AG’s, die mehr oder weniger gut zusammen funktionierten. Und diese Erfahrung war tatsächlich sehr lehrreich – aber bittersüß, weil sie in mir das eine oder andere Ideal zerstörte.

So viel zum Thema „Ich sehe, was ich sehen will. Und das ist die Wahrheit“. Und bitte, versteht das jetzt nicht als Vorwurf an die Seher in diesem Blogforum! Schließlich habe ich genau diesen Modus in Sachen Nationalelf schnell wieder eingeschaltet. Trotz Löws Verbohrtheit in Sachen Philipp Lahm glaube ich an die Mannschaft und die Möglichkeit, den Titel zu holen. Zumal die WM als Fan ansonsten doch auch keinen Spaß machen würde. Und das gilt für alles, wovon frau/man Fan ist. Aber das kann ich natürlich so nicht machen, wenn ich über den HSV berichte.

Ach ja, apropos eigene Welt – tauchen wir doch noch mal kurz ab in die von Hakan Calhanoglu. Wie jetzt bekannt wurde, scheinen die Bayer-Verantwortlichen die wiederholten Absagen des HSV langsam doch ernster zu nehmen. Denn der Werksklub sichtet schon Alternativen für den Fall, dass Calhanoglu nicht kommt. Im Visier ist laut „Sport Bild“ der französische Nationalspieler Clément Grenier. „Der Spieler ist uns natürlich bekannt, er hat große Qualitäten, die ihn sicherlich für viele Clubs interessant machen”, teilte ein Bayer-Sprecher mit. Es sei ein normaler Vorgang, dass im Rahmen „eines hakenden Transfers“ wie im Fall Calhanoglu schnell andere Namen diskutiert würden. Spielmacher Grenier, der bis 2016 bei Olympique Lyon unter Vertrag steht, soll schätzungsweise rund zehn Millionen Euro Ablöse kosten. Viel Glück dabei, mein „aber-sowas-von-Ex“-Idol Ruuuuuudi. Ach ja, und das Gerücht, Bayer hätte das Angebot für den HSV-Youngster auf 16 Millionen erhöht – wurde umgehend dementiert. Schade eigentlich – sie wären schon fast dran an der Schmerzgrenze…..

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich mit nem 50-Millionen-Angebot und hoffentlich schon der Präsentation von „PML“.

Scholle

VfR Horst (SH-Liga) – HSV 0:15
Tore: Cigerci (35.), 3:0 Stieber (42.), 4:0 van der Vaart (45), 5:0 Demirbay (50.), 6:0 Cigeri (52.), 7:0 Stieber (56.), 8:0 Demirbay (58.), 9:0 Arslan (61.), 10:0 Cigerci (63.), 11:0 Stieber (78.), 12:0 Demirbay (58.), 13:0 Steinmann (84.), 14:0 Cigerci (90.), 0:15 Cigerci (90.+6)
HSV: Brunst (46. Kreidl) – Mancienne, Westermann, Kacar (46. Diekmeier), Jiracek – Jung (46. Steinmann), Skjelbred (22. Demirbay) – Stieber, van der Vaart (46. Arslan), Ilicevic (46. Derflinger) – Cigerci.
Zuschauer: 2500

Lasogga sagt dem HSV ja – aber was heißt das? **Calhanoglu wg. mentaler Probleme krankgeschrieben**

17. Juni 2014

*** 0.16 Uhr: Oha., das ist mal eine Nachricht: Hakan Calhanoglu ist beim Trainingsauftakt am heutigen Mittwoch nicht dabei, weil er von einer Psychologin in Heidelberg einen Gelben Schein ausgestellt bekam auf dem steht, er habe mentale Probleme und sei nicht einsatzfähig. Das berichtet die “Bild” in ihrer Mittwochsausgabe. Nach dem Theater um seinen Wechselwunsch und den daraus resultierenden Anfeindungen in verschiedenen Sozialen Netzwerken soll Calhanoglu derartige Probleme haben, dass er nicht in der Lage ist, seinen Dienst zum Trainingsauftakt anzutreten. Eine Problematik, die nach all dem Theater sicher sehr seltsam anmutet – die aber eben von dieser Stelle aus auch nicht zu widerlegen ist. Insofern: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Daher von unserer Seite: Gute Besserung, Hakan! Und dem HSV ist zu wünschen, dass er seinem jungen Spieler den Rücken stärkt, ihm weiterhin seine große Bedeutung für den Klub verdeutlicht und vor allem alle Zeit gewährt, die er braucht, um sich wieder auf das Training und die Spiele für den HSV zu konzentrieren.***

Am morgigen Mittwoch geht es wieder los. In zwei Etappen wird sich der HSV auf die neue Saison rekordverdächtig lang vorbereiten. Zunächst geht es 22. Bis 29. Juni nach Glücksburg ins Trainingslager, ehe vom 4. Bis zum 11. Juli ein Trainingslager in China auf dem Programm steht. Abschließend, also vom 12. bis zum 18. Juli haben die Spieler dann noch mal eine Woche Pause, ehe es in den zweiten Akt der acht Wochen langen Vorbereitung geht. „Wir hatten in der abgelaufenen Saison Defizite in der Fitness“, so Trainer Mirko Slomkas Erklärung für diese ungewöhnlich lange Vorbereitung, „und das werden wir nicht noch mal zulassen.“ Dafür geht es dann letztlich vom 28. Juli bis zum 5. August ins Trainingslager nach Österreich, ehe am Wochenende 15.-18. August das erste Pokalspiel bei Energie Cottbus angesetzt wird.

Genau eine Woche vor der ersten DFB-Pokal-Runde trifft der HSV in dem inzwischen alljährlich vom SHZ-Verlag veranstalteten Sparda-Bank-Pokal am 7. August (18.45 Uhr, Stadion Flensburg) auf Lazio Rom. Bei den Römern, die im August ein Trainingslager in Norddeutschland absolvieren, ist der Stürmer unserer Nationalelf, Miroslav Klose, aktiv. Und das erleichtert mir den Übergang zu einem mutigen aber in meinen Augen auch absolut gelungenen Gastbeitrag unseres noch jungen Praktikanten Noah Schwarz.

Was haben wir nicht alles diskutiert und gezweifelt an der Form der deutschen Nationalmannschaft.“ So kommentierte ARD-Kommentator Gerd Gottlob beim Stand von 3:0 das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal.
Recht hat er. Wir haben es unserer Mannschaft den Einstieg ins Turnier nicht grade leicht gemacht. Wir erwarten den Titel, aber Unterstützung kam bisher wenig. Vermutlich hätte sich kaum jemand gewundert, wenn das Spiel am Montagabend 4:0 für Portugal ausgegangen wäre. „Wir haben es kommen sehen“, hätten die Zeitungen getitelt.
Stattdessen sind nun alle überwältigt vom Auftritt der DFB-Elf, die trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld der WM die Portugiesen im ersten Gruppenspiel deklassierte. Zahllose Verletzungen, ein Autounfall im Trainingslager, ein Bundestrainer ohne Führerschein: all das wurde in den Medien dermaßen breitgetreten, dass man sich fragen musste, ob wir denn überhaupt hinter unserer Mannschaft stehen, von der wir alle erwarten, dass sie in Brasilien für uns den Titel holt.
Sami Khedira, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer, allesamt Schlüsselspieler, alle waren sie angeschlagen. Fußball-Deutschland hielt den Atem an, malte den Teufel an die Wand. Joachim Löw wurde nicht müde zu beteuern, dass man alle Verletzungssorgen bis zum ersten Gruppenspiel aus der Welt schaffen würde. Was blieb ihm auch anderes übrig. Doch geglaubt hat ihm scheinbar niemand. Jegliche Hoffnungen auf ein starkes Turnier wurden von wilden Presseberichten über das DFB-Lazarett in Südtirol so gut es ging untergraben. Schlechte Nachrichten verkaufen sich halt besser als gute.
Jetzt, nach dem taktischen Glanzstück, huldigt alle Welt Joachim Löw. Der Bundestrainer hat „elf Richtige gezogen“ heißt es im Spiegel. Deutschland ist wieder im WM-Fieber. Die Fans glauben wieder an den Titel, sie erwarten ihn jetzt mehr als je zuvor. Unterstützung aus der Heimat kommt aber erst, wenn man sie sich auch verdient.

Leider hat mein junger Kollege Noah absolut recht. Wobei es hierbei Ausnahmen gibt, zu denen ich mich persönlich zählen würde. Ich habe mich zwar über die eine oder andere Maßnahme (Jansen nominieren und streichen z.B.) gewundert, aber ich bin absolut der Meinung, dass sich Löw unseren Vertrauensvorschuss vor einem so großen Turnier ob seiner Erfolge in den letzten Jahren verdient hat. Und deshalb genießt er ihn bei mir. Ehrlich gesagt, erwarte ich bei dieser WM weniger als bei der vergangenen EM. Auch jetzt noch. Aber irgendwie auch, um mich darüber zu freuen, wenn ich mich irre. Und nicht, weil ich Löw und seinen Jungs nichts zutraue. Und auf die Frage, ob wir Weltmeister werden, werdet Ihr nie eine andere Antwort von mir hören als „ja“. Und das aus eben jenem Grund, weshalb ich in Tipprunden noch nie gegen den HSV getippt habe. Nicht mal in der abgelaufenen Saison…

Darauf getippt, dass sich Lasogga für den HSV entscheidet, hatte ich bereits in der vergangenen Woche. Und heute soll dieser Tipp aufgegangen sein, wie mein Arbeitgeber online verlautbarte. „Lasogga spricht sich intern für den HSV aus“ titelte Abendblatt.de – und liegt damit richtig. Allerdings, und das kommt im Text wieder raus, gibt es weiterhin Konjunktive, die abzuarbeiten sind. Und zwar nicht zu wenige.

Denn allein die Tatsache, dass sich der Spieler im Klaren ist, was er will, löst die Thematik lange nicht auf. Im Gegenteil. Jetzt geht es erst richtig los. Denn Hertha fordert öffentlich in Person des Mangers Michael Preetz einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag, um Lasogga ziehen zu lassen. Den kann und will der HSV nicht aufbieten. Ergo: Eine Einigung ist nicht möglich, ohne dass Preetz seine eigenen Worte schlucken müsste. Zudem wäre der Transfer ohne Mittel von außen für den HSV nicht möglich. Nur gut, dass Kühne seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt hat, zu helfen. Wie er dem HSV finanziell unter die Arme greift – das ist allerdings noch offen.

Ebenfalls offen ist weiterhin, wann der Transfer finalisiert wird, da bislang noch immer die alten Verantwortlichen auf ihre Posten beharren. Zum einen im Vorstand, zum anderen Im Aufsichtsrat. Eine Situation, mit der Kühne sicherlich schwer bis gar nicht arbeiten kann. Denn es ist hinlänglich bekannt, was der Milliardär von Jarchow und Kreuzer hält. Und gleiches gilt in verschärfter Form auch für die noch im Amt befindlichen Aufsichtsräte.
Insofern können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass Lasoggas Wechsel nach Hamburg – sofern er denn stattfindet – nicht in den nächsten Stunden abgewickelt wird. Vielmehr könnte aber die Personalie Lasogga dazu führen, dass der Druck des vorzeitigen Abdankens auf den einen oder anderen Amtsträger in den nächsten Tagen größer wird. Und das auch nicht zu Unrecht. Denn noch immer blockiert die alte Struktur die Übernahme der Neuen. Zumindest noch bis zum 1. Juli. Und obgleich die Zusammenarbeit zwischen Kreuzer, Jarchow und Hilke mit dem designierten, neuen Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer als „produktiv“ bezeichnet wird – sie ist es im Fall Lasogga nur bedingt.


Insofern freue ich mich umso mehr auf frische Themen, die der Trainingsauftakt mit sich bringen wird. Nicht immer nur Calhanoglu (bleibt beim HSV unverkäuflich), Beiersdorfer, Kreuzer, Slomka, Lasogga und Ostrzolek – aber wem sage ich das. Euch wird das sicher nicht groß anders gehen…

Scholle

Darum wollen sich die Supporters auflösen

7. Juni 2014

Schwerer Schock für Fußball-Deutschland knapp eine Woche vor der WM. Marco Reus von Borussia Dortmund hat sich im Länderspiel am Freitagabend gegen Armenien (6:1) in Mainz einen Teilabriss des Syndesmosebandes im linken Fuß zugezogen. Er wurde für die WM gestrichen – Bundestrainer Joachim Löw hat stattdessen Innenverteidiger Shkodran Mustafi nachnominiert.

Das ist natürlich eine Hiobsbotschaft. Löw hat sich nun also entschieden, anstelle eines weiteren offensiven Mittelfeldspielers die Deckung zu verstärken. Kann man nachvollziehen, diesen Schritt. Vielleicht hat der eine oder andere aus Hamburg gehofft, Marcell Jansen würde vielleicht noch eine Chance bekommen. Immerhin kann er ja auch über die linke offensive Seite angreifen. Aber Jansen offenbarte zuletzt ja auch konditionelle Schwächen – verständlich nach seinem Saison- und Verletzungsverlauf. Und Mustafi war bis vor ein paar Tagen ja auch noch im vorläufigen Kader von Jogi Löw dabei. Alles nachvollziehbar also.


 

Beim HSV beginnt das Pfingst-Wochenende einigermaßen ruhig. Einzige „harte“ Meldung: Mittefeldspieler Matti Steinmann hat einen Profi-Vertrag bis 2017 unterschrieben. Zuletzt war es einigermaßen still geworden um den stillen Steinmann. Seine Leistung hat stagniert, nachdem er schon vor geraumer Zeit im Profi-Kader mittrainieren konnte. Nun wird er sicher einen neuen Anlauf starten.

Im „Abendblatt“ heute wurde darüber hinaus berichtet, dass das Kapitel Bert van Marwijk in Hamburg nun endgültig beendet ist.

Hier könnt Ihr den Artikel noch einmal nachlesen. Ganz leise ist damit eines der unrühmlichsten Kapitel der HSV-Trainer-Geschichte beendet worden. Unrühmlich aus sportlicher Sicht sowieso, schließlich überließ van Marwijk die Mannschaft nach sieben Niederlagen in Folge und einem dramatischen 2:4 in Braunschweig in akuter Abstiegsgefahr. Sein Name wird eng verbunden bleiben mit den Verpflichtungen Ouasim Bouy und Ola John, die das Zeug haben, in einem Atemzug mit Marin Zafirov oder Albert Streit genannt zu werden. Wirtschaftlich ist die „Ära“ van Marwijk überdies ein Desaster. Von insgesamt knapp zwei Millionen Euro kann man ausgehen, die das erfolglose Fünf-Monats-Intermezzo den HSV gekostet hat. Schauderhaft.

Zum Blog von gestern noch ein Nachtrag. Ich habe nämlich noch eine Mail bekommen von Volkmar Dohrn:

Moin Moin, toller Beitrag von Euch, habt in meinen Augen aber eines übersehen. Der in fast allen Medien sich äußernde Herr Gernandt ist ab dem 01.07.2014 erst Vorsitzender des AR der HSV-AG. Dafür gibt es von ihm aber ständig “Wasserstandsmeldungen” zum Vorgang Beiersdorfer, jetzige Arbeit/Abschlüsse des amtierenden Vorstandes. Halte ich für ausgesprochen taktisch unklug und verursacht bei mir übelste Magenschmerzen. Wie wird es sein, wenn er nicht mehr im jetzt vorbereitenden operativen Geschäft gebraucht wird und “nur noch” AR der AG ist? Gibt es dann auch stets Hinweise, Arbeitsaufträge etc. für den Vorstand per öffentlichen Foren wie Presse, TV etc. Dann ist aber ein hausgemachtes Problem wie in der Vergangenheit (alter AR des e.V.) auf dem Markt. Ich mahne und warne.

Vielen Dank für diese Mail, deren Sorgen ich nachvollziehen kann. Schließlich haben wir beim HSV auch schon in der Vergangenheit die Probleme gesehen, die erfolgreiche Wirtschaftsbosse haben, wenn sie plötzlich im Profi-Fußballgeschäft aufräumen wollen. Damit sind die Namen Debatin, Becker, Otto und Karan verbunden, die alles in allem die Erwartungen nicht erfüllen konnten – auch weil sie den Job unterschätzt haben und über zu wenige Erfahrungen im Fußball verfügten.

Generell sehe ich die Gefahr bei Gernandt allerdings nicht. Er ist, das wurde hier schon häufiger geschrieben, mit allen Wassern gewaschen. Seine inhaltlichen Entscheidungen sollten schon sitzen – allerdings steckt aktuell hinter mancher Aussage von ihm wohl eine Spur der Haltung seines Chefs Klaus-Michael Kühne, der abgesehen von seinem bewundernswerten finanziellen Engagement beim HSV durch einige Interviews mit der Holzfäller-Methode aufgefallen ist. Aber gut: letztlich müssen die Resultate, in Gernandts Fall die Besetzung des Vorstands, stimmen – dann sind andere am Zug und sollten andere, nämlich Dietmar Beiersdorfer in erster Linie, in der Öffentlichkeit stehen.

Ich habe hier gestern bereits auf die Internet-Seite der „Supporters“ hingewiesen. In einem offenen Brief hat sich dort die Abteilungsleitung an ihre Mitglieder gewandt. Ganz deutlich sind dort Auflösungstendenzen erkennbar. Dazu passt diese Meldung auf der Forum-Seite der „Supporters“:

SC Forum vorübergehend geschlossen

Es muss neu geplant werden

Zur Zeit sortiert sich der HSV neu und wir haben nicht nur keinen Haushalt für das neue Jahr, sondern der neue HSV hat noch kein Konzept vorgelegt, wie er sich die Fanarbeit in Zukunft vorstellt und welche Rolle die Mitglieder und der Supporters Club dabei spielen sollen. Deshalb müssen wir weiter abwarten. Erst wenn diese Fragen geklärt sind und wir einen arbeitsfähigen Etat zur Verfügung haben, können wir uns den verschiedenen Fragen widmen.

Ich habe mich gestern mit Christian Reichert unterhalten, einem der Gründungsväter der „Supporters“ im Jahr 1993. Demnach wird die aktuelle Abteilungsleitung auf der nächsten ordentlichen Sitzung im September ihre Ämter niederlegen. „Es macht keinen Sinn mehr“, sagt Reichert. „Die Mitsprache ist weg, die Unterstützung, die wir geben wollen, nicht mehr erwünscht.“

Geht es nach der Abteilungsleitung, dann hat sich das Kapitel „Supporters“ darüber hinaus mit der Entscheidung gegen den e.V. mit dem 25. Mai gleich komplett erledigt. Zu viele Kompetenzen gingen verloren, zu wenig Eigenständigkeit bleibe. So müssten beispielsweise sogar die Artikel der „Supporters News“ mit der HSV-AG abgesprochen bzw. von ihr genehmigt werden.

Reichert und seine Mitstreiter wollen sich darauf nicht einlassen. „Nur Fähnchen schwenkend in der Ecke zu stehen – darum kann es nicht gehen“, so Reichert. „Aber so ist die Entscheidung nun einmal ausgefallen. Das können wir nicht ignorieren.“ Alle Supporters-Mitglieder sind ja gleichsam in der Abteilung der Förderer, für sie würde sich also an der HSV-Mitgliedschaft nichts ändern. Nur „Supporter“ wären sie dann nicht mehr.

Christian Reichert glaubt übrigens nicht daran, dass sich diese Entwicklung nachhaltig auswirken muss, zum Beispiel auf die Unterstützung und Anfeuerung bei den Spielen. „Vielleicht sind es dann nur andere Leute.“

In den letzten Monaten hat es auch viele selbstkritische Stimmen aus den Reihen dieser Abteilung gegeben. Axel Formeseyn sei hier an erster Stelle genannt, der zuletzt ganz realistisch sagte: „Wir haben es verbockt.“ Formeseyn meint damit zweierlei. Zum einen stehen die „Supporters“ auch durch ihren personellen Einfluss im Aufsichtsrat für den Niedergang der vergangenen Jahre.

Zum anderen haben die „Supporters“, jedenfalls der alte harte Kern, einen taktischen Fehler begangen. In den vergangenen Jahren erfreute sich die Abteilung über immer mehr Mitglieder. Versäumt wurde aber der Blick darauf, dass ganz viele der hinzugestoßenen Fans vorrangig andere Interessen haben als Mitbestimmung und Einflussnahme. Was die Abteilungsleitung und andere Amtsinhaber freut, nämlich die eigene Bedeutung und die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten bis hin zu einem Sitz im Vorstand, das ist der Masse der Mitglieder gar nicht mehr so wichtig gewesen. Sie wollen, das hat der 25. Mai gezeigt, einen anderen HSV als die „Supporters“-Führung. Insofern sind die Gedankenspiele, die Richtung Auflösung gehen, nur konsequent.

Was das nun für den HSV zu bedeuten hat? Schwer zu sagen. Keine Choreos mehr, keine meinungsstarken Fans, weniger Unterstützung von den Rängen?

Es gibt solche Lebensweisheiten, die besagen, dass dort, wo Altes stirbt, Neues entsteht.

Frohe Pfingsten

Lars

 

 

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