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Van der Vaart outet sich als Bremen-Fan – aber will beim HSV bleiben

21. Januar 2014

Oha, wenn die hiesige Stimmung repräsentativ ist, dann verlieren die Supporters gerade eine Menge Mitglieder. Zumindest auf unserer Facebook-Seite und im Blog brüsten sich etliche damit, dass sie aus der SC-Abteilung zu den Förderern Amateursport wechseln oder schon gewechselt sind. Ein Protest, der legitim ist. Und bitter für den SC, der sich, ebenso wie der Verein, in einer Umbruchphase befindet. Nicht zuletzt die beachtliche Rede vom ehemaligen Aufsichtsrat und führenden Supporter Axel Formeseyn hat die Stimmungslage in der eigenen Abteilung verdeutlicht.

Es wurde im Vorwege der Mitgliederversammlung immer von drohenden Gräben gesprochen – und fleißig dementiert. Dabei wussten und wissen alle, dass eine derartige Glaubensfrage wie die aktuelle Strukturdebatte für einige zum unüberwindbaren Endpunkt würde. Viele sind und wären nicht in der Lage, das Ergebnis im Sommer zu akzeptieren. Auf beiden Seiten. Wobei „beide Seiten“ falsch ist, immerhin sind die absoluten Mehrheiten Supporters-Mitglieder und längst nicht alle Gegner von HSVPlus. Zumal keine fanatischen, wie Jojo Liebnau in seiner sehr ausgewogenen Rede („Das ist Demokratie, und dann akzeptiere ich das“) bewies.


Egal wie, am Ende verliert der SC Mitglieder. Schade, da die Abteilung vom Grundsatz her sehr gut ist und in den letzten zehn Jahren aus dem HSV-Publikum des Volksparkstadion ein Stimmungsfeuerwerk in der Imtech-Arena gemacht hat. Der SC hat dem HSV eine Fankultur gebracht, wie sie vorher nie da war.

Den Mitgliedern war es dennoch zu viel. In einigen Bereichen ist der SC bei allen guten Gedanken zu weit vorgedrungen. Das Ergebnis war die Wahl am Sonntag. Wobei hinter allen Konzepten immernoch das große Fragezeichen steht, wer es umsetzen soll. Und die Frage nach Personen im HSVPlus-Konzept wurde bislang – außer von Rieckhoff selbst, der im Matz-ab-Interview noch mal deutlich macht, dass er partout kein Amt übernehmen will – immer ein wenig ausweichend beantwortet. Klar ist, dass sowohl Thomas von Heesen als auch Holger Hieronymus bereit sind, dem HSV aktiv zu helfen. Hinzu sollen sich etliche Ehemalige gesellen (nicht nur 83er!), die flankiert von Wirtschaftsgrößen den verein wieder zu alter Stärke zurückführen sollen. Ditmar Jakobs wird vorerst nicht dabei sein, da er als Versicherungsmakler Geschäfte mit dem HSV macht und sich nicht einem Interessenkonflikt aussetzen und somit leicht angreifbar machen will. Leider auch (noch) nicht dabei ist Horst Hrubesch, vielleicht der Sympathiefaktor schlechthin.

Ich sage leider, weil ich Horst Hrubesch genau so kennengelernt habe, wie er nach außen wirkt. Unkompliziert, gerade heraus und ehrlich. Ein richtig guter Typ. Fast wäre er am Sonntag sogar sitzen geblieben, als er nebst oben genannten Leuten aufstehen sollte und von der ganzen Halle im CCH gefeiert wurde. Warum? Weil er noch nicht aktiv helfen kann und sich nicht mit fremden federn schmücken wollte. Denn wie in der letzten Woche geschrieben, hat Hrubesch noch das große Ziel, mit der U21-Nationalmannschaft, für die er bis 2016 unter Vertrag steht, eben 2016 in Rio olympisches Gold zu gewinnen. „Danach“, fragte mich Hrubesch, der dann 65 wäre und in Pension gehen wird, „danach ist es eine neue Situation. Mal schauen…“

Zum Glück weiß ich, dass Hrubeschs Qualitäten bei den HSVPlus-Initiatoren sehr hoch geschätzt werden. Holger Hieronymus und von Heesen sind zudem eng mit „dem Langen“ befreundet und bearbeiten ihren ehemaligen Mannschaftskollegen nach dem Prinzip „der stete Stein…“, wissend, dass Hrubesch vor 2016 nicht zu haben ist. Dann aber soll der Mann, der im Nachwuchs mit den DFB-Nationalteams etliche Titel gewinnen konnte, zum HSV kommen. „Nach Hause“, wie Hieronymus gestern sagte – obgleich Hrubesch in Hamm geboren wurde und seit nunmehr 14 Jahren in Frankfurt beim DFB arbeitet.

Und ich kann gar nicht oft genug sagen, wie gut ich diese Idee finde. Horts Hrubesch könnte hier der Hermann Gerland des Nordens werden. Ein typ, der in seiner Karriere fast alles erreicht hat, bodenständig geblieben ist und inzwischen 14 (dann sogar 16) Jahre lang mit den größten Talenten Deutschlands gearbeitet hat. Hrubesch hat die Erfahrung, den Identifikationsfaktor, das Wissen und vor allem das Netzwerk, um die weiterhin stagnierende Jugend des HSV wieder bundesweit konkurrenzfähig zu machen. Und nur für die, die das jetzt als Kritik an Michael Schröder, dem aktuellen Nachwuchsleiter sehen – das meine ich mitnichten. Schröder hat in den wenigen Monaten im Amt bereits etliche Neuerungen eingefordert und umgesetzt. Allerdings wäre es vermessen, von ihm das zu erwarten, was von Hrubesch zu erwarten wäre.

Noch keine allzu großen Erwartungen hegt Ola John. Der Niederländer wusste zwar im Test gegen Basel mit Einzelaktionen zu überzeugen – als Stammplatzgarantie sieht er das aber nicht. Im Gegenteil, John weiß, dass er sich über das Training anbieten muss. „Ich bin neu und habe Ziele, auch das, auf dem Platz zu stehen. Aber dafür muss ich jeden Tag aufs Neue zeigen, was ich kann.“ Obgleich der Trainer ihn kennt. „Er hat mich in die Nationalelf berufen, er kennt mich. Er muss mir auch nicht mehr sagen, wie er mich findet“, so John, für den van Marwijk ein ganz wesentlicher Faktor beim Wechsel nach Hamburg war. „Der andere Grund ist die Bundesliga, die für mich sehr anziehend ist. Hier, vor allem auch mit dem HSV, haben viele meiner Freunde sehr gute Erfahrungen gesammelt. Und das will ich auch.“

Das größte Ziel hinter allem bleibt für John die WM in Brasilien im Sommer. „Ich würde lügen, würde ich etwas anderes sagen“, so der sympathische Rechtsfuß, „so ein Turnier will doch jeder Fußballer mal spielen, das ist menschlich.“ Dass er dafür in Hamburg fast übermenschliches Leisten müsste – John glaubt das nicht. Den Vergleich zwischen seinem Exklub, dem Champions-League-Teilnehmer Benfica Lissabon und dem HSV gibt John nicht komplett verloren. „Die Bundesliga ist anders als Portugal, hier ist alles deutlich physischer, deshalb ist der Vergleich schwer. Leverkusen hat uns auch das Leben schwer gemacht.“ Schade nur, dass der HSV (noch) weit hinter Leverkusen einzuordnen ist. Aber sicherlich nett gemeint von John, der in Hamburg auf seine Glücksnummer 15 (trägt Rene Adler) verzichten muss, dafür die 25 („Immerhin die Fünf ist drin“) trägt und wenigstens seine Freundin aus Portugal mitbringen konnte. Noch wohnen beide zusammen im Hotel und John hat nichts von der Stadt gesehen – „aber dafür nur Gutes gehört. Ich hole alles nach, wenn wir gut spielen und in der Liga besser werden. Bis dahin konzentriere ich mich auf den Fußballplatz“, sagt John, den van der Vaart schon mit Eljero Elia vergleicht.

Apropos van der Vaart, der Niederländer war heute zusammen mit Pierre Michel Lasogga in der Raute bei den HSV-Fans in der Talkrunde. Dabei lobten sich die beiden Protagonisten und offenbarten schwere Sünden: Lasogga ist seit Kindesalter Schalke- und van der Vaart war vor einiger Zeit mal Werder-Fan, ehe er nach Hamburg kam. Glücklicherweise löste van der Vaart seine Aussage später auf – es war ein Scherz… Und obgleich van der Vaart anprangerte, der Mannschaft fehle der Leitwolf – sollte er das nicht sein – war die Veranstaltung, auf der wir als Pressevertreter unerwünscht waren (Vielen dank an dieser Stelle noch mal an Mister X, der mir per Whatsapp fleißig tickerte…!!), dem Vernehmen nach ein Erfolg. Beide Spieler präsentierten sich gewohnt Fan-nah und appellierten an die anwesenden Fans, weiter positiv zu bleiben, auch wenn es mal den einen oder anderen Fehlpass gibt. Und spätestens als van der Vaart offenbarte, dass es sein größter Wunsch wäre, nach seiner aktiven Karriere in Hamburg zu bleiben und für den HSV zu arbeiten, kannte die Begeisterung der Anwesenden kaum mehr Grenzen.

Klingt ja auch gut. Im Gegensatz zum verletzten- und Krankenstand beim HSV. Rene Adler (Sprunggelenk und Bänderriss) fällt gegen Schalke ebenso sicher aus wie Maxi Beister (wurde am Montag in Augsburg erfolgreich operiert) und Tomas Rincon. Der Venezolaner leidet an einer bakteriellen Entzündung im Arm und muss eine Woche pausieren – wäre aber eh gesperrt. Hoffnung hat dagegen weiterhin Marcell Jansen, der heute ob eines grippalen Infektes aussetzte, aber ebenso wie Tolgay Arslan möglichst am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll.

Ach ja, und um diesen Blog zu klammern (thematisch am Anfang und am Ende gleich), noch einmal zurück zum Thema Strukturreform. Bislang ist noch unklar, ob es zwei Mitgliederversammlungen geben wird. Also einmal die geplante im Mai und dann noch eine außerordentliche, um das Thema Strukturreform zum Ende zu bringen. Wobei ich mir sicher bin, dass die Initiatoren um Vorstand Oliver Scheel nicht den Fehler machen werden, kurz nacheinander zwei Veranstaltungen abzuhalten, auf denen es um existenzielle Abstimmungen geht. Denn das wäre den von weit her anreisenden Fans schlichtweg nicht zuzumuten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um 15.30 Uhr trainiert.

Scholle

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