Archiv für das Tag 'Liebnau'

Van der Vaart outet sich als Bremen-Fan – aber will beim HSV bleiben

21. Januar 2014

Oha, wenn die hiesige Stimmung repräsentativ ist, dann verlieren die Supporters gerade eine Menge Mitglieder. Zumindest auf unserer Facebook-Seite und im Blog brüsten sich etliche damit, dass sie aus der SC-Abteilung zu den Förderern Amateursport wechseln oder schon gewechselt sind. Ein Protest, der legitim ist. Und bitter für den SC, der sich, ebenso wie der Verein, in einer Umbruchphase befindet. Nicht zuletzt die beachtliche Rede vom ehemaligen Aufsichtsrat und führenden Supporter Axel Formeseyn hat die Stimmungslage in der eigenen Abteilung verdeutlicht.

Es wurde im Vorwege der Mitgliederversammlung immer von drohenden Gräben gesprochen – und fleißig dementiert. Dabei wussten und wissen alle, dass eine derartige Glaubensfrage wie die aktuelle Strukturdebatte für einige zum unüberwindbaren Endpunkt würde. Viele sind und wären nicht in der Lage, das Ergebnis im Sommer zu akzeptieren. Auf beiden Seiten. Wobei „beide Seiten“ falsch ist, immerhin sind die absoluten Mehrheiten Supporters-Mitglieder und längst nicht alle Gegner von HSVPlus. Zumal keine fanatischen, wie Jojo Liebnau in seiner sehr ausgewogenen Rede („Das ist Demokratie, und dann akzeptiere ich das“) bewies.


Egal wie, am Ende verliert der SC Mitglieder. Schade, da die Abteilung vom Grundsatz her sehr gut ist und in den letzten zehn Jahren aus dem HSV-Publikum des Volksparkstadion ein Stimmungsfeuerwerk in der Imtech-Arena gemacht hat. Der SC hat dem HSV eine Fankultur gebracht, wie sie vorher nie da war.

Den Mitgliedern war es dennoch zu viel. In einigen Bereichen ist der SC bei allen guten Gedanken zu weit vorgedrungen. Das Ergebnis war die Wahl am Sonntag. Wobei hinter allen Konzepten immernoch das große Fragezeichen steht, wer es umsetzen soll. Und die Frage nach Personen im HSVPlus-Konzept wurde bislang – außer von Rieckhoff selbst, der im Matz-ab-Interview noch mal deutlich macht, dass er partout kein Amt übernehmen will – immer ein wenig ausweichend beantwortet. Klar ist, dass sowohl Thomas von Heesen als auch Holger Hieronymus bereit sind, dem HSV aktiv zu helfen. Hinzu sollen sich etliche Ehemalige gesellen (nicht nur 83er!), die flankiert von Wirtschaftsgrößen den verein wieder zu alter Stärke zurückführen sollen. Ditmar Jakobs wird vorerst nicht dabei sein, da er als Versicherungsmakler Geschäfte mit dem HSV macht und sich nicht einem Interessenkonflikt aussetzen und somit leicht angreifbar machen will. Leider auch (noch) nicht dabei ist Horst Hrubesch, vielleicht der Sympathiefaktor schlechthin.

Ich sage leider, weil ich Horst Hrubesch genau so kennengelernt habe, wie er nach außen wirkt. Unkompliziert, gerade heraus und ehrlich. Ein richtig guter Typ. Fast wäre er am Sonntag sogar sitzen geblieben, als er nebst oben genannten Leuten aufstehen sollte und von der ganzen Halle im CCH gefeiert wurde. Warum? Weil er noch nicht aktiv helfen kann und sich nicht mit fremden federn schmücken wollte. Denn wie in der letzten Woche geschrieben, hat Hrubesch noch das große Ziel, mit der U21-Nationalmannschaft, für die er bis 2016 unter Vertrag steht, eben 2016 in Rio olympisches Gold zu gewinnen. „Danach“, fragte mich Hrubesch, der dann 65 wäre und in Pension gehen wird, „danach ist es eine neue Situation. Mal schauen…“

Zum Glück weiß ich, dass Hrubeschs Qualitäten bei den HSVPlus-Initiatoren sehr hoch geschätzt werden. Holger Hieronymus und von Heesen sind zudem eng mit „dem Langen“ befreundet und bearbeiten ihren ehemaligen Mannschaftskollegen nach dem Prinzip „der stete Stein…“, wissend, dass Hrubesch vor 2016 nicht zu haben ist. Dann aber soll der Mann, der im Nachwuchs mit den DFB-Nationalteams etliche Titel gewinnen konnte, zum HSV kommen. „Nach Hause“, wie Hieronymus gestern sagte – obgleich Hrubesch in Hamm geboren wurde und seit nunmehr 14 Jahren in Frankfurt beim DFB arbeitet.

Und ich kann gar nicht oft genug sagen, wie gut ich diese Idee finde. Horts Hrubesch könnte hier der Hermann Gerland des Nordens werden. Ein typ, der in seiner Karriere fast alles erreicht hat, bodenständig geblieben ist und inzwischen 14 (dann sogar 16) Jahre lang mit den größten Talenten Deutschlands gearbeitet hat. Hrubesch hat die Erfahrung, den Identifikationsfaktor, das Wissen und vor allem das Netzwerk, um die weiterhin stagnierende Jugend des HSV wieder bundesweit konkurrenzfähig zu machen. Und nur für die, die das jetzt als Kritik an Michael Schröder, dem aktuellen Nachwuchsleiter sehen – das meine ich mitnichten. Schröder hat in den wenigen Monaten im Amt bereits etliche Neuerungen eingefordert und umgesetzt. Allerdings wäre es vermessen, von ihm das zu erwarten, was von Hrubesch zu erwarten wäre.

Noch keine allzu großen Erwartungen hegt Ola John. Der Niederländer wusste zwar im Test gegen Basel mit Einzelaktionen zu überzeugen – als Stammplatzgarantie sieht er das aber nicht. Im Gegenteil, John weiß, dass er sich über das Training anbieten muss. „Ich bin neu und habe Ziele, auch das, auf dem Platz zu stehen. Aber dafür muss ich jeden Tag aufs Neue zeigen, was ich kann.“ Obgleich der Trainer ihn kennt. „Er hat mich in die Nationalelf berufen, er kennt mich. Er muss mir auch nicht mehr sagen, wie er mich findet“, so John, für den van Marwijk ein ganz wesentlicher Faktor beim Wechsel nach Hamburg war. „Der andere Grund ist die Bundesliga, die für mich sehr anziehend ist. Hier, vor allem auch mit dem HSV, haben viele meiner Freunde sehr gute Erfahrungen gesammelt. Und das will ich auch.“

Das größte Ziel hinter allem bleibt für John die WM in Brasilien im Sommer. „Ich würde lügen, würde ich etwas anderes sagen“, so der sympathische Rechtsfuß, „so ein Turnier will doch jeder Fußballer mal spielen, das ist menschlich.“ Dass er dafür in Hamburg fast übermenschliches Leisten müsste – John glaubt das nicht. Den Vergleich zwischen seinem Exklub, dem Champions-League-Teilnehmer Benfica Lissabon und dem HSV gibt John nicht komplett verloren. „Die Bundesliga ist anders als Portugal, hier ist alles deutlich physischer, deshalb ist der Vergleich schwer. Leverkusen hat uns auch das Leben schwer gemacht.“ Schade nur, dass der HSV (noch) weit hinter Leverkusen einzuordnen ist. Aber sicherlich nett gemeint von John, der in Hamburg auf seine Glücksnummer 15 (trägt Rene Adler) verzichten muss, dafür die 25 („Immerhin die Fünf ist drin“) trägt und wenigstens seine Freundin aus Portugal mitbringen konnte. Noch wohnen beide zusammen im Hotel und John hat nichts von der Stadt gesehen – „aber dafür nur Gutes gehört. Ich hole alles nach, wenn wir gut spielen und in der Liga besser werden. Bis dahin konzentriere ich mich auf den Fußballplatz“, sagt John, den van der Vaart schon mit Eljero Elia vergleicht.

Apropos van der Vaart, der Niederländer war heute zusammen mit Pierre Michel Lasogga in der Raute bei den HSV-Fans in der Talkrunde. Dabei lobten sich die beiden Protagonisten und offenbarten schwere Sünden: Lasogga ist seit Kindesalter Schalke- und van der Vaart war vor einiger Zeit mal Werder-Fan, ehe er nach Hamburg kam. Glücklicherweise löste van der Vaart seine Aussage später auf – es war ein Scherz… Und obgleich van der Vaart anprangerte, der Mannschaft fehle der Leitwolf – sollte er das nicht sein – war die Veranstaltung, auf der wir als Pressevertreter unerwünscht waren (Vielen dank an dieser Stelle noch mal an Mister X, der mir per Whatsapp fleißig tickerte…!!), dem Vernehmen nach ein Erfolg. Beide Spieler präsentierten sich gewohnt Fan-nah und appellierten an die anwesenden Fans, weiter positiv zu bleiben, auch wenn es mal den einen oder anderen Fehlpass gibt. Und spätestens als van der Vaart offenbarte, dass es sein größter Wunsch wäre, nach seiner aktiven Karriere in Hamburg zu bleiben und für den HSV zu arbeiten, kannte die Begeisterung der Anwesenden kaum mehr Grenzen.

Klingt ja auch gut. Im Gegensatz zum verletzten- und Krankenstand beim HSV. Rene Adler (Sprunggelenk und Bänderriss) fällt gegen Schalke ebenso sicher aus wie Maxi Beister (wurde am Montag in Augsburg erfolgreich operiert) und Tomas Rincon. Der Venezolaner leidet an einer bakteriellen Entzündung im Arm und muss eine Woche pausieren – wäre aber eh gesperrt. Hoffnung hat dagegen weiterhin Marcell Jansen, der heute ob eines grippalen Infektes aussetzte, aber ebenso wie Tolgay Arslan möglichst am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll.

Ach ja, und um diesen Blog zu klammern (thematisch am Anfang und am Ende gleich), noch einmal zurück zum Thema Strukturreform. Bislang ist noch unklar, ob es zwei Mitgliederversammlungen geben wird. Also einmal die geplante im Mai und dann noch eine außerordentliche, um das Thema Strukturreform zum Ende zu bringen. Wobei ich mir sicher bin, dass die Initiatoren um Vorstand Oliver Scheel nicht den Fehler machen werden, kurz nacheinander zwei Veranstaltungen abzuhalten, auf denen es um existenzielle Abstimmungen geht. Denn das wäre den von weit her anreisenden Fans schlichtweg nicht zuzumuten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um 15.30 Uhr trainiert.

Scholle

**Aktualisiert**Chapeau, “Rhinemike” – da steckt viel Wahres drin!

15. Januar 2014

Rudnevs verliehen, Westermann noch nicht wieder fit, Arslan verletzt, Diekmeier verletzt, Beister schwer verletzt und Kerem Demirbay mit Verdacht auf Bänderriss im Sprunggelenk (wird am Freitag in Hamburg genauer untersucht) – es läuft in dieser Vorbereitung nicht gut. Ganz im Gegenteil. Trainer Bert van Marwijk, der die Reisestrapazen als „nicht optimal“ bezeichnet hatte, gab seinen Profis heute sogar vom Nachmittag an bis zur Abreise morgen frei. „Ich hätte gerne noch mal trainiert, aber wir müssen realistisch sein. Wir haben mehrere Profis, bei denen unsere Docs sagen, dass ihnen eine Trainingspause gut tun würde.“

Bitter. Was für eine holprige Vorbereitung.

Einziger Lichtblick, so mein Kollege vor Ort, Kai Schiller, war Jacques Zoua, der positiv zu gefallen wusste, gestern im Test sogar doppelt traf. Und der einstige Wunschspieler von Thorsten Fink fühlt sich endlich richtig wohl. Auch positionell. „Ich mag es am meisten im Zentrum zu spielen“, so Zoua, der aber über Einsatzzeiten generell schon froh wäre und schnell nachschiebt:, „Aber ich kann auch auf den Flügeln spielen.“

Das kann auch Marcell Jansen, dem Kontakt zu Bayer Leverkusen nachgesagt wird. Inzwischen sogar inniger Kontakt. Zwar dementierten das heute nahezu alle Beteiligten – allerdings muss das nichts heißen. Zumal meinem Kollegen Kai Schiller glaubhaft versichert wurde, dass Jansen in Leverkusen schon im Wort stünde und dies familienintern verkündet hätte. Fünf Millionen Euro würde das dem HSV festgeschriebene Ablösesumme bringen – und der Linksverteidiger, der in den letzten Jahren eigentlich immer zum Kreis der Nationalelf gehörte (auch bei seiner letzten Vertragsverlängerung), kann international spielen. Soll heißen: Sollte Jansen nicht eh schon weg sein, hätte er eine momentan sehr gute Verhandlungsposition – der HSV nicht.

Aber gut, die Situation in diesem Fall passt sich nur der generellen Position des HSV an. Und die ändert sich auf Sicht nicht – es sei denn, am Sonntag wird entsprechend gewählt. Es kann der Startschuss erfolgen, indem (mindestens – und am besten nur) eine Strukturreform gewählt wird. Da die Initiative HSVPlus für mich die einzige ist, die bislang in allen Diskussionsrunden konkrete Lösungsansätze liefern konnte, ist klar, wozu ich tendiere. Denn dieser HSV braucht Sofort-Hilfe – wie gesagt, auf allen Ebenen. Und vor allem finanziell.


Passend dazu bitte ich Euch, Euch den folgenden, mit sehr vielen Wahrheiten versehenen Artikel von „rhinemike“ durchzulesen. Der Verfasser des Textes hat mir heute noch mal ausdrücklich die Erlaubnis zum Abdrucken seines Beitrages auf Transfermarkt.de gegeben und ebenso nette Worte für den Matz-ab-Blog gefunden wie in großen Teilend die HSV-Historie der letzten Jahre korrekt dargestellt. Daher auch an dieser Stelle noch einmal, Chapeau „rhinemike“! Und danke, dass ich ihn hier veröffentlichen darf. Der Text:

Hört auf Hunke!!!!

O-Ton Hunke:”Wir brauchen neue Leute! Immer hatten wir Cliquen, Gruppen von 7,8Mann, die sich zusammen gesetzt haben. Und den Verein übernahmen. Wir brauchen neue Menschen!”

Hunke sagte in der Sendung das, was ich bereits vor 3 Jahren beim HSV kritisierte. Es gibt “Vereine im Verein!” . Das bleibt bei keinem großen Verein aus. Erst recht bei Traditionsclubs, in großen Städten! *Hüstel*

Und besonders in einem so weit verzweigten Club, wie dem HSV, mit dieser Vielzahl an Abteilungen.

Wie dem HSV!

Der HSV:

Einst ein Gigant! In den 80ern mindestens auf Augenhöhe mit Bayern! Ein Name wie Donnerhall! Ein dickes, fettes Stück Bundesliga-Geschichte und tragende Säule des deutschen Fußballs! Ich habe diese Zeiten, als Kind erlebt! Und oft ehrfürchtig nach Norden geschaut!

Es war, als Stünde dort ein Riese, der den Norden dominiert und von dort alles wegfegt!
Irgendwann liefen die Bremer dann sportlich den Rang ab!
Der Riese legte sich hin, zu einem langen, langen Schlaf! Er verschwand völlig aus meiner Wahrnehmung, verkümmerte zur grauen Maus. Die Tabellenplätze wurden dauerhaft zweistellig!
Mit Ausreißern nach oben, unter Magath und Pagelsdorf.

Irgendwann kam dann Hoffmann! Wirkte unsympathisch, überheblich! Aber sehr energisch. Redete von Dingen, die ich damals nicht verstand. Die ich für Teufelswerk hielt, die im Fußball nix verloren hatten. Marketingkonzepte, Strategien, Wachstum generieren, usw.

Damals war dieses überhebliche “Unternehmensberater-Gequatsche” noch verpönt!

Aber er fand in Beierdorfer einen kongenialen Mann vor, der einen Riecher für Transfers zu haben schien! Hoffmann beschaffte die Gelder, die Beiersdorfer in Spieler investierte, die wiederum teuer verkauft wurden, usw.

Mit den beiden wuchs und wuchs der HSV wieder! Es reichte nnoch nicht für ganz oben! Aber der HSV war wieder präsent! Auch international! Und ich konnte den Kerl immer noch nicht leiden! Klar! Didi Beiersdorfer war auch beim FC! Super Typ! Mega-sympathisch! Aber dieser Hoffmann???
Ist kein Sunny-Boy! Aber er scheint was drauf zu haben. Irgendwann führten wir diese Diskussionen, wie man den Verein besser vermarktet und mehr Geld heraus holt, etc. auch beim FC. Ich beschäftigte mich natürlich zwangsläufig mit diesen Dingen. Auch in anderen Clubs. Und irgendwann habe ich den HSV um diesen Hoffmann beneidet!

Einen Macher! Keiner, der auf Person X oder Person Y Rücksicht nimmt! Einer der den Verein nach vorne bringen will. Einer der Ideen hat. Für Hoffmann waren diese Befindlichkeiten, der wachsenden “Ultrakultur” neu! Diese etablierte sich erst Am Anfang des 21. Jahrhunderts so richtig, wuchs mit dem Internet. Ebenso diese internationalen Gemeinsamkeiten wie einen Kodex, für Ultras und ein , wenn man sich stur dran hält, arg begrenztes Weltbild, welches diese “Vereinsverterter” nachbeten.

Wie dem auch sei! Hier stießen Innovation und Tradition( ich bezeichne es mal so), aufeinander!
Hoffmann war dem Verein zu schnell! Er war vielen in der Bundesliga um Jahre voraus! Das Mißtrauen, im Umfeld der Alt-HSVer wuchs! Er kam mit Dingen an, die sie befremdeten, die sie verunsicherten. Weil sie es nicht verstanden! Und das schlimmste von allen: “Er war keiner von ihnen!” Er war kein Hamburger, kein HSVer! Keine Raute im Herzen!

Er hatte keine Seilschaft!!!

Wie dem auch sei! Hoffmann beging den Fehler und trieb Beierdorfer aus dem Club! Den anerkannten Publikumsliebling, der in meiner Wahrnehmung, die meisten Lorbeeren für den bisherigen Aufstieg erntete. Damit gab sich Hoffmann selber zum Abschuß frei!

Er war ja sowieso so anders! “Ein Wirtschaftsmensch”! Einer der kühl und emotionslos daher redet. Mit wirtschaftsbezogenen Fachbegriffen um sich schmeißt! Einer der alles zu Geld machen will!

Total Anti-Ultra! Denn die haben ja diesen Kodex! Und nach dem müssen Ultras ja Kommerz scheiße finden! “Hilfe! Wir haben den leibhaftigen Satan im Verein!” Die Ultras rieben sich an ihm! Sie testeten Ihre Grenzen aus. Und so kam es, dass beim HSV, wie bei anderen Clubs auch, einige Vögel entdeckten, wozu sie in der Lage sind. Sprich Bednarek und momentan Liebnau. Stellvertretend für einige andere auch noch!

Sie haben gemerkt, wie einfach so eine straff organsisierte Gruppe zu mobilisieren, zu lenken ist! Mit ganz einfachen rhetorischen Mitteln. Ein wenig Populismus, ein wenig Demagogie! Hier etwas verzerren, dort etwas aufbauschen, am Ende etwas weglassen. Das ganze mit viel Pathos vorgetragen. Appelle an symbolische, nicht meßbare Dinge, wie Ehre, Tradition, Werte! Und schon schafft man Identifikation!

Dieses Phänomen kennen wir alle aus der Geschichte, aus der Welle, aus vielen radikalen polit. Gruppen! Eine handvoll “Führer” gibt die Parole vor, die Herde blökt sie nach! Die Inhalte sind zwar ganz andere, aber das Prinzip ist bekannt! Diese Probleme hatten auch Köln, Bayern, Schalke, usw.

Die Ultras haben gemerkt, welche Macht sie haben Alleine, über die Kurven! Aber es gibt ja noch andere Wege, die ihnen aber zunächst verschlossen blieben!

Aber es gab ja auch noch andere “Hoffmann”-Verlierer. Leute, die in seiner Ära ihr Pöstchen verloren haben. Vereinspolitische Gegner eben. Aber auch Journalisten, denen er nicht so Rede und Antwort stand, wie die feinen Herrn Lokalreporter es gewohnt waren und erwartet haben. Hoffmann wollte Professionlität! Und dazu gehört es, nicht mehr Preis zu geben, als nötig!

Ein Sakrileg in Hamburg!

Denn, ich zitiere aus Schtonk, einer der genialsten Satiren, ever:
“Hamburg ist ja DIE deutsche Pressestadt”

So wuchsen Interessengemeinschaften! Diverse Lokalreporter aportierten brav jedes Stöckchen, welches ihnen die Hoffmann-Gegner zu warfen. So kam es zu interessanten und ungeahnten Koalitionen! Dass Hunke und Ertel keine Freunde sind, ist wohl kein Geheimnis!

Hunke sieht sich als den wahren “Großen Vorsitzenden”, zumindest im AR. Ich bezweifle, dass er Ertel ernst nimmt und sich selbst wohl eher für das Maß aller Dinge hält. Ertel wiederum weiß, dass Hunke ein Narziss und Selbstdarsteller ist. Dazu ein großer Blender! Aber ein blender, der weit in die Hamburger Bürgerschaft wirkt.

Beide machten sich irgendwo das Potential der Ultras zu nutze! Was nicht schwierig war. Ertel scheint mit seiner linken Weltanschauung sowieso etwas “ultra-kompatibel” zu sein. Aber im Grunde reichte es , wie bei Hunke, einfach irgendwie gegen Hoffmann zu sein. Die Ultras waren das Stimmvieh, Bednarek, Liebnau und Co waren plötzlich wichtig. Sie wurden durch die Hintertür umworben. Es scheint, als haben sich Hunke und Ertel einfach davor geklemmt. Sie öffneten Liebnau und Bednarek wiederum Türen, die vorher für sie verschlossen waren. Der Einfluss, den jede einzelne der Parteien besaß, verschmolz!

Und fertig war die Front!

Man schoss den Vorstand nach und nach sturmfrei! Unterstützt, durch Dauerfeuer der hamburger Presse! Das gipfelte dann in der “Übernahme” durch die Hintertür. Man brachte genug eigene Leute in den AR! Genug, um Hoffmann quasi Handlunsunfähig zu machen.

Ab diesem zeitpunkt wurde der Aufsichtsrat MIßBRAUCHT! Man benutzte dieses Kontroll und Aufsichtsorgan, man pervertierte es , um von dort aus den Verein zu lenken. Bei der nächsten Wahl zogen noch mehr Leute, aus der gemeinsamen Wahl in den AR, dass er nun unter der Herrschaft Ertels, zum Machtzentrum wurde! Man hatte es geschafft! Feierte sich selbst!

Klar schlug der ehemalige AR, Rieckhoff, dann Jarchow vor! Als Interimslösung! Mangels alternativen, in dieser hektischen Zeit, konnte man nur wenige Kandidaten gewinnen. Erst recht, weil sie der “Front” gefallen mussten. So kam Jarchow ins Spiel!

Angedacht, um den HSV in dieser schwierigen Zeit auf Kurs zu halten, bis man sich auf einen “Profi”, als dauerhafte Lösung einigen könnte.

Was die Anti-Hoffmann-Fraktion übersehen, bzw. nicht bemerkt hat:

Der harte Kern der Ultras, die in diesem, von Liebnau vorgegröhlten Block sitzen, sind nicht DIE Mitglieder des HSV! Sie sind nur ein teil! Selbst alle im Stadion, über die Kurven hinaus, sind längst nicht alles. Nein! Weit über Hamburg hinaus gibt es etwa 70.000 Mitglieder und ein vielfaches an Fans! Und ebenso, wie diese Ultrakultur, wuchs im Internet eine weitere Neuerung! Diverse Foren, auf denen über Fußball diskutiert werden. Der ein oder andere weiß, was ich meine! Dort versammeln sich Fans, die nicht zwingend in der Kurve stehen, die keinem auferlegten, schrägen Kodex folgen, die kein Satzungskonformes Weltbild haben. Fans die sich ihre eigenen Meinungen bilden. Die sich nicht über ein Megafon beeinflussen lassen.
Diese Fans stellen fest, dass sie mit ihren Gedanken nicht alleine sind. und dass viele tausende andere auch der Meinung sind, dass Hoffmann eigentlich ein guter war, dass die Absetzung schäbig verlaufen ist. Und teilen ihren Frust, der aber noch immer ignoriert wird, und von oben herab abfällig abgetan wird. “Jaaa im Netz wird viel geschrieben, aber das ist alles nur Hetze und unsachlich!”

Man ignoriert das gepflegt und setzt darauf, die Ultras zu befrieden und bei allem irgendwie bei Laune zu halten! Man glaubte, es genügt, um irgendwie an der Macht zu bleiben. Wie naiv manche sich das vorgestellt haben, den Club besser zu führen, als Hoffmann, habt Ihr bei Konzepten von Hunke, Liebnau und Ertel selber gehört!

Diese Herrschaften dachten sich, wir spielen jetzt mal mit in der großen Fußballwelt!

Und dann begingen die neuen ihren dicksten Fehler! Sie haben Jarchow, einen von ihnen, der nur als Interimslösung verkauft wurde, heimlich still und leise zur Dauerlösung befördert!
Ohne Diskussion! Jarchow war pflegeleicht!

Der User, der ihn vor ein paar Tagen beschrieb, drückte vieles aus, was ich dumpf empfunden habe!
Jarchow wirkte eher wie ein biederer Verwalter! Einer der keinem weh tut. Der nur dann agiert, wenn es denn sein muss. Der , bei kritik, schön die Verantwortung weiter gibt. Gerne auch an “Hoffmann-Leute”, wie Arnesen.

Mit dem Tag der Vertragsverlängerung Jarchow´s, festigte sich die Meinung der breiten Masse! Die Fans und Mitglieder in den Foren, in den Fanclubs! Alle hatten die Schnauze voll! Die Wut festigte sich. Zu dreist, zu überheblich, zu arrogant hat diese Clique in Hamburg die Dinge an sich gerissen!

Zu dreist und arrogant ist sie aufgetreten! Mit einem unglaublich widerlichen Selbstverständnis!
Natürlich! Hätten ja auch alle anderen zu den Versammlungen kommen können. Selber Schuld!

“Wenn euch euer Verein nicht mal wert ist, einmal im Jahr nach Hamburg zu reisen, dann seid Ihr halt keine echten Fans! Dann seid Ihr Fans 2. Klasse! Krankheit, Familie, Geld, Beruf sind doch nur Ausreden und treffen nur bei einzelnen zu. Der Rest ist doch nur zu bequem!”

So schienen die neuen Verantwortlichen zu denken. So wirkten sie, bei all ihrem Handeln!

Dummerweise haben sie sich alle überschätzt! Liebnau, Ertel, Hunke, Jarchow!
Sie zeigten in der Zeit, seit dem Tag der Entlassung, spätestens, dass sie es nicht können. Sie entliessen Arnesen. Der vlt. nicht so engagiert war, wie das alle gedacht haben. Natürlich wurde er unter anderen Vorzeichen geholt. Man hat ihm mit Sicherheit andere Bedingungen versprochen.
Auch er wurde im Laufe der Zeit zermürbt.

Während dessen wuchs aber nun ein neuer “Feind” am Himmel! EOR kam plötzlich, wie aus heiterem Himmel, mit einer initiative, die nicht nur Licht am Ende des finanziellen Tunnels versprach, sondern auch Veränderungen voraus setzten, die beim HSV nichts mehr so lassen würde, wie es war.

Auch dieses wurde zunächst belächelt. Man unterschätzte die Strahlkraft! Aber das wichtigste:
Alle gegner der “Clique” fanden nun eine Stimme. Es schien, als käme da jemand , der die , bisher, nicht organisierten fans verstünde!

Es gibt nun plötzlich eine ungeahnte Opposition! Rieckhoff zog das ganze sachlich, professionell und sehr fleissig auf! Bereiste die Republik!

Endlich! Endlich etwas, worauf dieser Club seit langer Zeit gewartet hat!

Die Clique stellte nun fest, dass dort auf der JHV plötzlich ein völlig neuer Gegner auftaucht! Eine völlig neue Qualität der Mobilisierung! Diskussionen, die so differenziert waren, dass man sie von Fans eigentlich nicht so erwartet hat. Nicht diese einfach zu handelnden “Schafe”, aus dem Block, der Chosen Few! Nein! Viele, viele Fans, die aufgrund der Teilnahme an der Diskussion so gefestigt und überzeugt in ihrer Meinung sind, dass diese populistische Masche nicht mehr läuft!

Man wurde aktionistisch! Der kritische Arnesen wurde durch kreuzer ersetzt. Auch er wird sich das anders vorgestellt haben! Aber er scheint dankbar, für diese Chance zu sein.

Aber auch er konnte aus einem Esel kein Rennpferd machen! Fink wurde durch BvM ersetzt!
Toll ! Sportlicher Aufschwung! Aber einer, der schnell wieder verpuffte! Auch er wirkt desillusioniert!

Beide Personalien zeigten, dass der HSV ein Sumpf ist! Ganz deutlich! Ebenso kann man das an V.d.Vaart festmachen!

Chaosclubs bieten immer große Chancen! Ein guter Spielmacher oder ein charismatischer Trainer oder ein cleverer Sportdirektor können bei so einem Chaos manchmal der große retter sein.

Dass plötzlich ein Rädchen ins andere greift, der Erfolg zurück kommt, und der Laden läuft!

Siehe Watzke, beim BVB!
Siehe Favre bei BMG
Siehe Magath, beim VFB und in der ersten Saison beim S04!

usw.

Aber beim HSV verbrennen sie in kürzester Zeit! Es ist, als ob die Protagonisten abenteuerlustig sind und sich denken, dass sie es schon schaffen. Aber irgendwann merken sie, sie stecken in einem Sumpf. Aus dem sie nicht so schnell heraus kommen.

Die Clique merkt, dass sie ihr Pulver verschossen hat! Sie haben nur noch eine Chance, indem sie HSV+ verhindern. Das haben sie mittlerweile gemerkt!

Und so kommt es am Sonntag zu einer historischen Entscheidung!

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So habe ich den HSV in den letzten Jahren wahr genommen! So habe ich seine Geschichte, seine Entwicklung erlebt! Auch, wenn es ein längerer Post ist, ist es natürlich sehr verkürzt! Ich habe mir viele, viele Gedanken über den HSV gemacht. Und das ist der Eindruck, den ich habe!

Falls ich irre, möge man mich korrigieren!

Ich wiederhole mich in der Sache, aber der HSV MUSS sich von den Cliquen, den Vereinen im Verein lösen! Ich wüsste nicht, wie das anders gehen sollte, als den Verein auszugliedern.

Eine neue Organisation und Struktur würde frischen Wind rein bringen, alte Zöpfe abschneiden.
Andernfalls wird sich nichts dauerhaft ändern. Alleine aufgrund der Durchlässigkeit der momentanen Satzung konnten immer wieder diese Leute in den Verein, die dort nichts zu suchen haben.

Kein anderer Bundesligaclub ist so transparent, wie der HSV! Es scheint so, als habe jeder, jedes AR-Mitglied, jeder Mitarbeiter der geschäftsstelle seinen “eigenen Journalisten”. Das bietet zwar für neutrale einen hohen Unterhaltungswert. Der Verein verkommt so aber zu einer Mischung aus GZSZ, Muppet-Show und Dallas. Damit muss Schluß sein!

Das ist dieses Clubs unwürdig!

Alleine damit hätte der HSV schon wieder einiges gewonnen! Nicht zu letzt Seriösität!
Wenn man dann im 2. Schritt auch gleich das finanzielle Dilemma beseitigen kann, umso besser!

Und auch nach den beiden Sendungen komme ich zum gleichen Schluß, wie der werte Herr Hunke:

“Die Cliquen müssen weg! Wir brauchen neue Leute!”

Tut ihm doch am Sonntag den Gefallen!

Ich habe versucht, mich in beide Parteien hinein zu versetzen. habe Argumente abgewogen.
Und natürlich ist der Preis beachtlich, den HSV+ manchen abverlangt!

Aber es ist mMn. existentiell unumgänglich!

Sorry, wenn ich euch nochmal mit einem längeren Post quälen musste! Aber ich musste das nochmal in Gänze reflektieren, um dann entweder korrigiert oder bestätigt zu werden.

So ist die Situation, wie ich sie in den letzten Jahren wahr genommen habe!

Gute Nacht, aus Kölle!

“rhinemike” transportiert die richtige Nachricht – Cliquen regieren seit Jahren. Und das nicht immer – sogar immer weniger! – zum Wohle des Vereins. Der Aufsichtsrat macht dies augenscheinlich, und auch in der oft zitierten Ära Hoffmann/Beiersdorfer ist das der Grund fürs Scheitern gewesen. Dass in dem Beitrag jetzt nicht alles so war und ich auch die Rollen einzelner nicht so dramatisch beurteilen würde, wie er – so what…?! Das eigentliche Übel hat “rhinemike” erkannt.

Und das war, sowas wird mir trotz allem noch immer von einigen nachgesagt, ganz sicher auch nicht Bernd Hoffmann. Im Gegenteil. Ich habe immer gesagt, dass er und Beiersdorfer im Duett genau das waren, was diesen HSV auf Jahre nach vorn hätte bringen können. Aber leider vertrugen sich beide nicht. Beiersdorfer warf Hoffmann vor, ihn zu hintergehen, ihn zu mobben und aus wichtigen Entscheidungen bewusst auszugrenzen. Hoffmann wiederum kritisierte Beiersdorfers Arbeitsweise. Beiersdorfer war für Hoffmann zu langsam, zu glanzlos. Hoffmann wollte es selbst machen und entscheiden. Und so kam es wie in allen anderen sozialen Schichten auch möglich, zum Zerwürfnis der beiden. Es war ein Ende aus persönlichen Gründen. Es ging einfach nichts mehr – leider anschließend auch nicht mehr für den HSV.

Immer wieder höre ich von Spielern aus der Zeit (2009), dass Bruno Labbadia ein richtig guter Trainer war. Ich weiß, das sieht Dieter anders und auch ich hatte meine Probleme mit Labbadias Trainingsarbeit. Aber letztlich muss man eingestehen, dass der HSV unter Labbadia hervorragenden, attraktiven Fußball spielte. Vielleicht am Anfang sogar den schönsten der letzten 25 Jahre. Und hätte Labbadia, der als bissig und ziemlich beratungsresistent gilt, in dieser Phase einen beruhigenden, erfahrenen Sportchef wie Beiersdorfer an seiner Seite gehabt – er hätte viele interne Machtkämpfe nicht kämpfen müssen und sich mehr auf seine Kernkompetenz konzentrieren können – auf die Mannschaft. Ich bin mir bis heute absolut sicher, mit Beiersdorfer wäre es besser gelaufen.

Aber okay, ich bin schon wieder beim “hätte, wenn und aber” – es ist leider nicht so gekommen.

Im Übrigen, selbst wenn mir jemand nicht sympathisch ist – und davon gab’s in den letzten 15 Berufsjahren einige, wie Ihr Euch denken könnt, ich hatte und habe nicht das Bedürfnis, ihm bewusst zu schaden. In diesem Punkt muss ich “rhinemike” widersprechen. Auch aktuell gibt es einige im HSV, die mir alles andere als sympatisch sind – dies aber m.M.n. auch nicht sein müssen. Solange sie aus meiner Sicht einen guten Job machen, schreibe ich das. Wenn ich irgendwann der Meinung bin, dass die jeweiligen Personen – selbst wenn ich sie persönlich noch so sehr schätze – nicht mehr gut arbeiten, schreibe ich auch das. Um nur ein paar Beispiele zu bringen, fragt doch mal bei Bastian Reinhardt, Holger Hieronymus (den ich heute sehr gern wieder in einer verantwortungsvollen Position beim HSV sehen würde), Jörg Butt, Frank Pagelsdorf, Armin Veh u.s.w. nach… Das sind alles Leute, die ich noch heute sehr schätze, zu denen ich seit ihrem Ausscheiden beim HSV teilweise sogar freundschaftsähnliche Verhältnisse pflege. Aber es sind eben auch Leute, bei denen ich irgendwann das Gefühl hatte, dass es mit ihnen und vor allem auch durch sie beim HSV nicht mehr voranging. So habe ich es zu den verschiedenen Zeitpunkten auch geschrieben – und bin damit nichts besonderes. Ich behaupte sogar, das machen 98 Prozent meiner Kollegen “Lokalreporter” nicht anders.

Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab – und das hat “rhinemike” heute sensationell dargestellt: Dieser HSV muss sich neu aufstellen. Strukturell, personell, finanziell und sportlich ist man derzeit kaum mehr konkurrenzfähig und riskiert viel. Zu viel sogar. Daher sehe ich den durchaus lobenswerten Gedanken von Eckart Westphalen, die Konzeptträger sollten mehr Zeit bekommen, einen Konsens zu finden, als fahrlässig an. Es wird keinen Konsens zwischen den verschiedenen Strukturen mehr geben, wie Otto Rieckhoff im Sportforum sowie im Interview danach deutlich gesagt hatte. Und das wird sich auch am Sonntag zeigen.

Nein, dieser HSV braucht jetzt eine klare Entscheidung, einen neuen Weg. Einen besseren. Vielleicht haben wir dann ja die Möglichkeit, den 19. Januar 2024 als zehnjähriges Jubiläum für eben jenen Tag zu feuern, an dem eine neue, bessere Ära eingeläutet wurde.

ich hoffe es. Sehr sogar.

Also noch einmal: Geht am Sonntag ins CCH. Geht wählen! Der HSV braucht Euch.

Scholle

Marcell Jansen will die „Pflicht-Bescherung“

20. Dezember 2013

Der letzte Spieltag vor Weihnachten bietet traditionell den Anlass für Wortspiele. So wollen sich die Mannschaften selbst den größten Wunsch erfüllen, mit einem Sieg ins Fest zu gehen. Eine schöne Bescherung soll es geben, und was den HSV speziell angeht, eine Versöhnung mit den Fans. Ich weiß nicht, ob es hier eine Entzweiung gibt, aber eine Entschädigung für die vielen schlechten Spiele im eigenen Haus hätten die Anhänger allemal verdient.

Matz_ab_ankuendigung_1800_Uhr

Am Ende nimmt man das Gefühl eines Sieges (wie einer Niederlage) mit in die Weihnachtspause – und dieses Gefühl soll doch bitte positiv sein. Abgesehen davon, dass die Hamburger auf einen Dreier angewiesen sind, um 2014 nicht in Abstiegsnöten zu beginnen. Nationalspieler Marcell Jansen sprach deswegen von einer „Pflicht-Bescherung“ gegen Mainz. Noch so ein Wortspiel.

Überhaupt gehört Jansen ja zu den recht wenigen positiven Erscheinungen des HSV in diesem Jahr. Er steht für Zuverlässigkeit und hohe Qualität. Positiv besetzt sind im Team sicher auch die Nachwuchsspieler Hakan Calhanoglu, Jonathan Tah und auch Stürmer Pierre Michel Lasogga. Bei einigen anderen gibt es positive Ansätze, Badelj, Arslan, Beister, aber die Konstanz fehlt noch. Wohin das führt in dieser Saison? Marcell Jansen dazu: „Wir sollten jetzt den Ball flach halten und erst mal Mainz schlagen. Das ist eine ganz harte Aufgabe. Und dann müssen wir uns auf die Vorbereitung konzentrieren und vielleicht in der letzten Phase der Saison dann definieren, was unsere Ziele sind. Aber das Spiel gegen Mainz ist jetzt erstmal ganz, ganz wichtig.“

In der Weihnachtspause wird sich für Jansen vermutlich zum letzten Mal für einige Zeit die Gelegenheit bieten, sich zu erholen. Im Sommer steht ja die WM auf seinem Plan. „Bei mir ist es die ersten Tage über Weihnachten so, dass ich versuche, runterzukommen. Vom Kopf her auch mal andere Dinge zu sehen, um dann im Januar voll anzugreifen.“

Trainer Bert van Marwijk hat sich heute beim Abschlusstraining nicht in die Karten schauen lassen. Es gab kein Spielchen elf gegen elf, so dass es mutmaßlich bei den Eindrücken von gestern bleibt. Petr Jiracek steht vor einem Comeback in der Startelf, auch weil Tolgay Arslan in dieser Woche leicht angeschlagen nicht alles voll mitmachen konnte. Ansonsten kommt wohl Maximilian Beister wieder für Jacques Zoua ins Team, wenngleich sich die beiden gestern beim Trainingsspielchen in der A-Elf abwechselten.

„Ich hoffe, dass wir unseren Fans einen schönen Jahresabschluss bieten können“, sagte Torjäger Pierre Michel Lasogga vor der Partie gegen die Rheinhessen. „Mit einem Sieg im Rücken kann man noch lieber zur Familie fahren. Bei uns kommt die ganze Familie zusammen, das ist immer sehr schön. Und ich sehe zu, dass ich ein paar Sonnenstrahlen bekomme.“ Da kann man wenig hinzufügen – und es bleibt die Hoffnung, dass die Partie gegen Mainz sich anders gestaltet als die jüngste Heim-Katastrophe gegen den FC Augsburg vor zwei Wochen.

Die voraussichtliche Aufstellung für die Partie gegen Mainz: Drobny (nicht Adler) – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Jiracek – Beister, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Ich habe heute einen ziemlichen Schrecken bekommen. Der HSV hat seine Tagesordnung, sowie die Berichte und Bilanzen für die Mitgliederversammlung am 19. Januar veröffentlicht und auch alle Anträge und Begründungen herumgeschickt. Was für ein Batzen Papier! Auf 120 Seiten DIN-A-4 stehen alle möglichen Anträge, Begründungen zu Anträgen, Strukturmodelle des HSV. Dazu die Bilanzen und Berichte von Vorstand und Aufsichtsrat. Wie soll das alles am 19. Januar auf einer Versammlung besprochen werden? Okay, das ist vor allem ein organisatorisches Problem, es soll ja vielmehr um Inhalte gehen.

Wobei, wenn Antrag Nummer eins durchkommt, kann es ein kurzer HSV-Versammlungstag werden. Aufsichtsrat Eckart Westphalen hat nämlich beantragt, dass alle Entscheidungen um Umstrukturierungen des HSV in die zweite Jahreshälfte 2014 verschoben werden sollen. Bis dahin soll eine Kommission Kompromiss-Lösungen erarbeiten. Die Teilnehmer dieser Kommission setzen sich zusammen aus Vertretern der verschiedenen Veränderungs-Lager sowie Gremienvertretern des HSV. Westphalen sieht die Zeit noch nicht reif für einen neuen HSV.

Ich denke, dieser Vorschlag wird es allerdings schwer haben. Der gesamte HSV ist auf Erneuerung gepolt. Die Debatte um Ausgliederung ja oder nein und alles, was da dranhängt, beschäftigt den HSV landauf, landab seit Monaten. Eine Verschiebung wäre ein Rückschritt. Zumal Otto Rieckhoff ja für sein Modell „HSV-PLUS“ bereits einen Runden Tisch abgelehnt hat.

Antrag b) ist der von Wolfgang Müller-Michaelis. Er möchte aus dem HSV eine Stiftung machen. Dieses Konzept richtet sich vor allem an den Universalsportverein HSV, an seine Rolle in der Stadt. Das Konzept ist explizit weniger als ein Veränderungs-Modell für die Profi-Fußball-Abteilung des HSV angelegt.

Nächster Punkt ist das Strukturmodell „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke. Er möchte im Rahmen der bestehenden Satzung größere Eigenständigkeit der Profi-Fußballer schaffen. Dafür hat er eine neue, schlankere Satzung entworfen. Sein Konzept mit den vielen Änderungsvorschlägen wird als Ganzes abgestimmt. Unter dem Slogan „Rote Karte für den Verkauf des HSV“ wendet sich Hunke ganz klar gegen eine Ausgliederung.

Das Modell „HSV-Reform“ von Johannes Liebnau, Christian Reichert, Jan Bartels und Marten Oetjens will ebenfalls Veränderungen innerhalb der bestehenden Satzung. Im Gegensatz zu Hunke aber nicht als Ganzes, sondern hier liegen sieben einzelne Anträge vor, über die einzeln abgestimmt werden soll.
Danach sind wir bei Punkt k) und dem Modell „HSV-PLUS“, das Wolfgang Klein, Thomas Krüger und Otto Rieckhoff eingebracht haben. Im Gegensatz zu den vorgenannten Satzungsänderungen, die eine Dreiviertelmehrheit benötigen, brauchen die zwei Anträge von „HSV-PLUS“ zunächst nur eine einfache Mehrheit. Antrag eins sieht vor, den Vorstand des HSV mit der Umsetzung und der Schaffung rechtlicher Voraussetzungen für „HSV-PLUS“ zu beauftragen. Im gleichen Atemzug beantragen die Vertreter dieses Modells, dass bis zum 30. Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden soll, auf der dann endgültig – und mit einer nötigen Dreiviertelmehrheit- über „HSV-PLUS“ abgestimmt werden soll. Gleichzeitig liegt hier eine neue HSV-Satzung für den e.V. vor, der ja erhalten bleiben soll.

Unter den Punkten l) und m) kommen die Vertreter von „Rautenherz“ zu Wort. Auch sie wollen eine Ausgliederung der Profi- und Leistungsfußballer im HSV, allerdings nicht als AG, sondern als KG auf Aktien. Martin Rüssel, Rainer Ferslev und Dirk Wechsel stehen für „Rautenherz“. In ihrem zweiten, recht beachtlichen Antrag bauen sie vor: sollte weder „HSV-PLUS“ noch „Rautenherz“ die einfache Mehrheit zur Weiterverfolgung erhalten, dann möchten sie doch zumindest den Gedanken der Ausgliederung generell am Leben erhalten. Sie stellen deswegen einen „konzeptneutralen Ausgliederungsantrag“ – das heißt, der Vorstand soll unabhängig von den vorliegenden Modellen eine Ausgliederung vorantreiben.

Soweit zu den Struktur-Konzepten in aller Kürze.

Was den Bericht des Vorstands angeht, ist es nun offiziell. Der HSV hat in der abgelaufenen Saison ein Minus von 9,81 Millionen Euro erwirtschaftet. Ein schlechtes Ergebnis, das nur deswegen nicht noch schlechter geworden ist, weil der Verein kurz vor Toreschluss den Vertrag mit Vermarkter Sportfive verlängert hat. Die Aufwendungen für den Spielerkader sind trotz Sparvorgabe auf 44 Millionen Euro gestiegen, das Eigenkapital des Vereins nimmt deutlich ab. Alles in allem wahrlich ein schwaches Resultat des HSV unter seinem Vorsitzenden Carl Jarchow.

Darüber hinaus gibt es erneut kritische Kommentare der Rechnungsprüfer, die – das hat schon fast Tradition – nicht alle Unterlagen bekommen haben, die sie angefordert haben. Interessant ist eine Einlassung, die sich auf die gescheiterte Ausgliederung, die Bernd Hoffmann 2005 nicht durchsetzen konnte, bezieht. Danach hatten sich nämlich Vorstand und Aufsichtsrat darauf verständigt, etwaige erneute Ausgliederungs-Bestrebungen auf jeden Fall erst mit den Mitgliedern abzustimmen. Insofern ist auch nachvollziehbar, dass der aktuelle Vorstand – entgegen einer ersten Ankündigung – gar nicht rechtliche Voraussetzungen des „HSV-PLUS“-Modells prüfen durfte, insbesondere wenn damit finanzielle Aufwendungen verbunden gewesen wären.

Schließlich gibt es noch Anträge zu Brief- und Fernwahl und einige Bemerkungen zum Protokoll der Mitgliederversammlung vom Sommer. Hier tauchen kritische Kommentare Richtung Aufsichtsrat wieder auf – dieses Thema ist ja hier bei „Matz ab“ heißdiskutiert worden. Jedenfalls haben Jörg Debatin, Konstantin Rogalla, Reinhard Hupfer und Bernd Günther ihre Wortbeiträge nachträglich angemeldet.

Vorhin kam diese Meldung rein, sie betrifft einen ehemaligen HSV-Profi:

Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton beendet seine Fußball-Karriere. Laut bild.de verkündete der 40 Jahre alte Brasilianer seinen Entschluss am Freitag. Ailton spielte zuletzt bei Hassia Bingen in der Landesliga Südwest. Er kam auf 219 Bundesliga-Partien, in denen er 106 Treffer erzielte.

Seine erfolgreichste Zeit erlebte Ailton von 1998 bis 2004 bei Werder Bremen. Mit den Hanseaten wurde er 2004 deutsche Meister und zweimal DFB-Pokalsieger (1999, 2004). Im Meisterschafts-Jahr wurde der Südamerikaner auch Bundesliga-Torschützenkönig und Fußballer des Jahres in Deutschland. Beim FC Schalke 04 blieb er nur die Saison 2004/2005. In der Rückrunde 2006 war Ailton ohne großen Erfolg beim Hamburger SV noch aktiv.

Anschließend blieb er nie mehr sehr lange bei einem Club. Er spielte unter anderem in der Türkei, Serbien, der Schweiz und China. Für Hassia Bingen war Ailton seit 2012 auf Torejagd. In der Bundesliga war er neben seinen Toren immer auch für seine Sprüche bekannt, die er in gebrochenem Deutsch abließ. In den vergangenen Jahren trat er auch im Fernsehen auf. Unter anderem machte er im Januar 2012 im RTL-Dschungelcamp mit.

Außerdem zwei Daten für alle Reisewütigen: der HSV hat die Anstoßzeiten seiner Testspiele im Trainingslager in Abu Dhabi bekannt gegeben. Die erste Partie findet am Freitag, den 10. Januar, um 21.30 Uhr Ortszeit (18.30 Uhr deutsche Zeit) gegen Vitesse Arnheim aus den Niederlanden statt. Am Dienstag, den 14. Januar, trifft der HSV um 19.30 Uhr Ortszeit auf Quairat Almaty aus Kasachstan.

Und die DFL hat die Bundesliga-Spieltage 22 bis 28 genau terminiert:
Sbd., 22.2., 18.30 Uhr: HSV-Dortmund
Sbd., 1.3., 15.30 Uhr: Bremen-HSV
Sbd., 8.3., 15.30 Uhr: HSV-Frankfurt
So., 16.3., 15.30 Uhr: HSV-Nürnberg
Sbd., 22.3.,15.30 Uhr: Stuttgart-HSV
Mi., 26.3., 20 Uhr: HSV-Freiburg
So., 30.3., 15.30 Uhr: Mönchengladbach-HSV

Morgen geht es hier nach dem Spiel direkt weiter mit „Matz ab live“. Dieter und Scholle begrüßen den früheren HSV-Kapitän Peter „Eiche“ Nogly. Einer der ganz Großen des HSV.

Einen schönen Abend für Euch
Lars

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Korrektur Aufstellung: Natürlich Drobny im Tor, nicht Adler. Sorry!
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Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

„Uns Uwe“ wird 77 – und van der Vaart hängt durch

5. November 2013

Herzlichen Glückwunsch, Uwe Seeler! Der größte Spieler, der je in diesem Verein gespielt hat, wird heute 77 Jahre alt. Alles Gute, sage ich jetzt mal stellvertretend für alle Matz Abber, an den Mann, der wie kein anderer die Seele des Vereins verkörpert. Neulich kam hier ja mal die Frage auf – was ist das eigentlich, die Seele des HSV?! „Uns Uwe“ verkörpert sie – so einfach ist das. Bleiben Sie noch lange gesund, lieber Uwe!

Heute ist nur ein stinknormaler Dienstag nach einem trainingsfreien Tag, das nächste Spiel steht erst am Wochenende an, und trotzdem war eine Menge los. Der Interview-Termin des Tages fand heute nicht, wie üblich, im Stadion statt. Jeden Dienstag, das erklärte Torwart Rene Adler, gehen die Keeper des Vereins ins Athleticum im UKE, um dort insbesondere Kraft- und Sprung-Training zu absolvieren. Auch ein A-Jugend-Torwart ist dabei. Adler begreift das ganze, wie er sagte, als sinnvolle Ergänzung zum Training auf dem Platz an den anderen Tagen. Natürlich wurde Adler noch einmal gefragt nach seinen Erkenntnissen aus der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach. „Diese Niederlage ist für mich leichter wegzustecken als manch andere. Natürlich ärgert mich das Ergebnis ungemein, aber wir waren Welten besser als eine Woche zuvor in Freiburg.“

Für ihn, die Mannschaftskollegen sowie Trainer Bert van Marwijk sei es wichtig, das Wie eines Spiels genau zu bewerten. „Und da haben wir als Mannschaft eben nicht komplett versagt. Es waren viele gute Sachen dabei.“ Und das macht dem Nationaltorwart auch Mut für die nächste, schwere Aufgabe, die für ihn eine ganz besondere ist. Am Sonnabend tritt der HSV bei Adlers Ex-Verein Bayer Leverkusen an. „Das ist für mich natürlich nicht nur ein Spiel gegen einen x-beliebigen Bundesliga-Gegner“, gibt Adler zu. „Ich fiebere diesem Duell nicht das ganze Jahr entgegen, aber meine Freunde und Familie sind da. Ich hatte wunderschöne Jahre in Leverkusen. Das vergisst man nicht.“

Einen besonders guten Draht hat Rene Adler nach wie vor zu seinen Nationalmannschafts-Kollegen Simon Rolfes und Stefan Kießling. „Wir sind gute Kumpels“, so Adler. In diesem Zusammenhang brach Adler auch eine Lanze für Kießling und die Kritik, die der Bayer-Torjäger nach dem Phantomtor in Hoffenheim einstecken musste. „Ich kenne ihn als Mensch und als Sportler. Ich weiß, dass er von Fairplay getrieben ist“, sagte Adler. „Schlimm finde ich, wie er anschließend an den Pranger gestellt wurde. Er wurde massiv bedrängt, es gab Drohungen. Unfassbar, wie einige Idioten reagieren. Haben die Leute nichts anderes zu tun, als in irgendwelchen Foren so über einen Menschen herzuziehen?“ Solidarität also von Rene Adler mit seinem Freund, den er am Sonnabend trotzdem am Toreschießen hindern möchte.

„Es wird ein ganz schwieriges Spiel für uns“, weiß der HSV-Torwart. „Wir haben uns auswärts zuletzt leichter getan als zu Hause. Und wir wollen den Leverkusenern gern einen kleinen Dämpfer verpassen. Und würde das guttun, bei einem Spitzenverein etwas mitzunehmen. Ich bin da ganz optimistisch.“ Neid, dass sein Ex-Verein (wie heute um 20.45 Uhr bei Schachtjor Donezk) in der Champions League spielt, hat Rene Adler nicht. „Mir geht es doch hier nicht schlecht, im Gegenteil. Was in Leverkusen geschieht, ist das Ergebnis jahrelanger, kontinuierlicher Arbeit. Aber hier in Hamburg haben wir auch eine Herausforderung. Diesen Verein, der in der Stadt verankert ist und der hier lebt, nach oben zu führen, ist eine tolle Aufgabe. Unter Bert van Marwijk haben wir schon einen Weg eingeschlagen, den wir weiter gehen wollen. Diese Überzeugung, dass es klappen kann, spürt jeder im Team.“

Soweit Rene Adler zum Auftritt im Leverkusen. Am Schluss wurde der Keeper noch konfrontiert mit der Aussage von Sportchef Oliver Kreuzer, der HSV werde in diesem Kalenderjahr kein Heimspiel mehr verlieren. Adler schmunzelte und entgegnete: „Der Sportchef muss ja auch nicht spielen! Da kann man sowas mal leicht versprechen… Aber im Ernst: was wir versprechen können, ist, alles dafür zu geben, dass die Prognose von Oliver Kreuzer eintrifft. Und unsere Heimbilanz müssen wir ja tatsächlich aufbessern.“ Ein extrem gut gelaunter Rene Adler fragte dann noch interessiert nach, was es denn für neue Geschichten gebe in Fußball-Deutschland und entschwand schließlich zum Training im sportmedizinischen Zentrum des UKE.

In etwa zeitgleich bat Bert van Marwijk die Feldspieler am Volkspark zur Trainingseinheit auf den Platz. Die meisten haben es sofort bemerkt: Rafael van der Vaart fehlte heute. Er hat einen leichten Magen-Darm-Infekt. Das Wort „leicht“ soll sicher gleich bedeuten, dass keine unmittelbare Gefahr für seinen Einsatz am Sonnabend besteht. Warten wir ab, wie es dem „kleinen Engel“ morgen geht. Tomas Rincon ist heute langsam ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, hat erste Zweikämpfe gemacht. Nichts Neues gibt es an der Verhandlungsfront des Venezolaners. Bis zur Stunde hat es kein Ergebnis gegeben aus dem Gespräch von HSV-Sportchef Kreuzer mit Rincons Berater Christian Butscher. Dass Rincon das Angebot (übrigens über eine Million Euro Gehalt! Zu wenig für einen Mann, der kein Stammspieler ist?) bisher ausschlägt, ist bekannt. Insofern ist zeitnah auch keine neue Entwicklung zu erwarten.

Apropos neue Entwicklung. Die angesehene Internet-Plattform www.transfermarkt.de hat heute eine Neubewertung der Martkwerte einiger Fußball-Profis vorgenommen. Ein herrliches Diskussions-Thema! „Gewinner“ unter den HSV-Spielern sind Jonathan Tah und Hakan Calhanoglu. Tah taucht überhaupt zum ersten Mal in dieser Liste mit einem echten Marktwert auf, er wird auf 3,5 Millionen Euro taxiert. Kein Wunder, dass Oliver Kreuzer ihn halten möchte. Die feste Ablösesumme, die der Spieler unter Umständen in seinen neuen Vertrag bekommt, sollte aber bitte um einiges höher liegen. Hakan Calhanoglu hat von drei auf vier Millionen Euro zugelegt. Ein neuer Marktwert für Pierre Michel Lasogga wurde noch nicht ermittelt.

Und jetzt noch zu unserem Dauerthema Strukturreform. Ich bin mir sicher, dass es in Bremen heute Abend hoch her gehen wird. Otto Rieckhoff und Thomas von Heesen vertreten beim Fanclub „Hamburger Stadtmusikanten“ die Stimme von „HSVplus“. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Manfred Ertel spricht für die „HSV-Reform“. Das tut er als „einfaches Vereinsmitglied“, versteht sich… Jojo Liebnau ist ebenfalls mit vor Ort.

Um die ganze Debatte jetzt langsam unübersichtlich zu machen, ist ein viertes Reformmodell auf dem Markt. Professionelle Internet-Präsenz (allerdings auch sehr kompliziertes Vereins-Modell), ähnelt inhaltlich „HSVplus“– das ist mein erster Eindruck, als ich auf www.rautenherz.com herumgesurft bin. Die Initiatoren möchten eine Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung in eine KG auf Aktien. Alles Weitere lest Ihr bitte direkt nach, wenn Ihr mögt. Wie viele Modelle sollen jetzt eigentlich noch kommen? Nichts gegen die vielen Ideen und vielen HSV-Fans, die sich für ihren Verein engagieren möchten. Aber sollen jetzt am 19. Januar vier komplexe Modelle durchdiskutiert werden? Hat vielleicht noch jemand einen zündenden Vorschlag, den er loswerden muss?

Training morgen ist um 15 Uhr. Und um 19 Uhr spielt die U 23 ihr Regionalliga-Nachholspiel an der Hagenbeckstraße gegen den VfB Oldenburg. Zhi Gin Lam soll dort Spielpraxis sammeln.

Einen schönen Champios-League-Abend wünscht
Lars

Van Marwijks schwerstes Spiel – und ein drittes Reform-Modell

31. Oktober 2013

Bert van Marwijk hatte zwar in der vergangenen Woche angedeutet, dass man doch lieber auf die Pressekonferenzen am Donnerstag verzichten solle, aber dieser Vorschlag wurde heute – zum Glück – nicht umgesetzt. Der Niederländer saß auf dem Podium und erklärte, dass er selbst ganz gespannt ist auf die Partie am Sonnabend gegen Borussia Mönchengladbach. „Jetzt haben wir einen schweren Gegner – eine der besten Mannschaften in der Bundesliga. Ich habe die Analyse gesehen, und mit Leuten gesprochen über ihr letztes Spiel gegen Frankfurt (4:1). Sie haben gute Form und einen sehr guten Kader. Ich bin auch gespannt, wo wir stehen im Moment. Gladbach ist ein Team mit höherem Niveau, und dann bin ich gespannt, wie wir darauf reagieren.“ Nach Frankfurt, Nürnberg und Freiburg, drei Mannschaften aus dem unteren Bereich der Tabelle, den so etwa mittelklassigen Stuttgartern nun also der erste Härtetest für den „neuen“ HSV unter Bert van Marwijk.


Hier treffen zwei Teams aufeinander, deren Stärken jeweils in der Offensive liegen. Sowohl die Hamburger als auch die Gladbacher haben schon 23 Tore geschossen. Ob es wieder ein Torfestival gibt, lässt sich nicht vorhersagen. Aber Bert van Marwijk ist doch inzwischen so selbstbewusst, einen Einbruch seines Teams auszuschließen: „Wir haben jetzt eine Organisation, auf die wir zurückgreifen können. Auch wenn wir keine Form haben, können wir ein bestimmtes Niveau halten. Diese Ruhe müssen die Spieler bekommen und dieses Vertrauen. Das war der Fall gegen Freiburg: kein hohes Niveau, aber trotzdem das Spiel gewonnen.“ Sicher stehen auch ohne einen Sturmlauf nach vorn – so lässt sich diese Einschätzung van Marwijks vielleicht am ehesten zusammenfassen.

Personell wird sich gegenüber dem 3:0 in Freiburg beim HSV vermutlich nicht viel verändern. Lasse Sobiech, der schon in diesem Spiel die Rolle des verletzten Johan Djourou eingenommen hatte, steht erneut als erste Alternative in der Innenverteidigung bereit.

Stets ein Thema in den vergangenen Wochen – so auch heute: die Zukunft von Pierre Michel Lasogga. Angesprochen auf ein mögliches Interesse von Borussia Dortmund an dem erfolgreichen Leihstürmer, gab sich van Marwijk erwartungsgemäß zurückhaltend. „Das ist alles viel zu früh. Pierre hat sechs Tore geschossen, aber Rafa auch. Am Ende werden die Preise verteilt. Ein Torjäger steht natürlich im Mittelpunkt, wenn er viele Tore schießt. Aber wir müssen das nicht übertreiben und er muss auch ruhig bleiben.“ Denn Tempo wird in die Personalie sowieso kommen. Spätestens im Frühjahr, und von allein, wenn Lasogga seinen Toreschnitt annähernd beibehält.

Nach der Devise: jedes Mal eine private Frage, gab es auch diesmal ein persönliches Detail des 61 Jahre alten Niederländers. Der Kollege Thorsten Vorbau vom NDR Hamburg Journal wollte wissen, warum van Marwijk in Hamburg das Hotel einem eigenen Haus vorziehe. „Für mich ist es wichtig, mich wohlzufühlen. Es ist eigentlich unwichtig, ob es in einem Hotel oder in einem Haus ist. Ich fühle mich hier immer besser. Wenn es ein Hotel ist, ist es ein Hotel. Im Moment gefällt es mir“, antwortete van Marwijk. Abwehrspieler Heiko Westermann, der heute ebenfalls in der Pressekonferenz saß, machte den Trainer verantwortlich für den aktuellen Aufschwung. „Ich denke einfach, dass er uns als Mannschaft und dem gesamten Verein gut tut. Es ist verdammt wenig Unruhe. Es ist Ruhe eingekehrt – endlich mal. Das merkt man auf dem Trainingsplatz und in der Stadt. Seit ich hier bin, ist das noch nie so gewesen. Aber so muss es sein.“

Was sagt van Marwijk zu so viel Lob? Logisch – es lässt ihn kalt, so viel wissen wir inzwischen von dem wenig extrovertierten Coach: „Ich habe nie Angst gehabt vor Unruhe. Wenn man nicht zufrieden ist, höre ich das, und ich gehe wieder nach Hause. Das liegt an der ganzen Ausstrahlung von allen. Die Sachen um den Verein herum interessieren mich nicht.“

Mit den Sachen „um den Verein herum“ meint van Marwijk vielleicht die Strukturdebatte, die heute um eine Facette reicher geworden ist. Nach „HSVplus“ und „Zukunft mit Tradition“ gibt es nun die „HSV-Reform“. 85 Personen, die man der Fan- und Supporters-Szene zuordnen kann, haben ihre Vorschläge zu einer vergleichsweise moderaten Veränderung der Vereins-Strukturen veröffentlicht. Im Einzelnen ist alles unter www.hsv-reform.de nachzulesen. Zu den prominentesten Unterstützern gehören drei aktuelle Aufsichtsräte (Manfred Ertel, Uli Klüver, Björn Floberg), drei Supporters-Spitzen (Christian Bieberstein, Christian Reichert, Sebastian Rohmann), zwei Chosen-Few-Vorreiter (Jojo Liebnau, Philipp Markhardt) sowie zahlreiche weitere Fan-Club-Mitglieder.

Keine Ausgliederung, keine Investoren. Das steht für die Gruppe ganz weit oben in ihrer Präambel. „Wir gehen davon aus, dass in erster Linie nicht die Rechtsform, sondern die Qualität der handelnden Personen und der Abläufe zum Erfolg führen. In diesem Sinne ist es richtig, dass unsere Vereinsstruktur in konkreten Punkten verbessert werden muss.“

Auch die vier Kernvorschläge der „HSV-Reform“ möchte ich hier (in einer Mischung aus Zitat und eigenen Ergänzungen) wiedergeben:

Der Aufsichtsrat soll verschlankt werden auf acht Personen und die Möglichkeit bekommen, sich durch externe Kompetenz aus Wirtschaft, Sport und Gesellschaft zu verstärken (also zwei Delegierte wie bisher, vier von der Mitgliederversammlung Gewählte, zwei extern Hinzugezogene).

Der Vorstand soll mehr Freiheiten und mehr Verantwortung bekommen und künftig ein Transferbudget bekommen, das sich an einer Dreijahresplanung orientiert. Außerdem soll die Grenze der Abstimmungspflicht im Aufsichtsrat von 500.000 auf zwei Millionen Euro erhöht werden.

Der Ehrenrat soll proaktiver handeln können und bei der Sanktionierung von Fehlverhalten von Aufsichtsräten eine größere Bedeutung bekommen.

Zwei Beiräte, ein Wirtschafts- und ein Sportbeirat, können künftig bei Bedarf zusätzliche Kompetenz und neue Netzwerke für den Verein erschließen.

Im Wesentlichen handelt es sich also bei diesem Reformvorschlag um den Versuch, mit Verbesserungen der bestehenden Satzung nach vorn zu kommen. Und nicht wie bei dem Modell von Jürgen Hunke „Zukunft mit Tradition“, den Profi-Fußballbereich zu entkoppeln. Und erst recht nicht wie bei „HSVplus“ von Otto Rieckhoff u.a., eine eigene Fußball-AG zu schaffen.

Sicher sind inhaltlich jetzt alle Farben möglicher Veränderungen auf dem Tisch. Was wird das für eine Versammlung am 19. Januar! Reicht dafür, also auch für den zu erwartenden Ansturm der Mitglieder, eigentlich der größte CCH-Saal aus? Etwa 5.900 Personen dürfen dort hinein. Größer ist in Hamburg nur die O2-World. Und dort ist an diesem Tag bislang ein Spiel der Hamburg Freezers angesetzt. HSV-Vorstand Oliver Scheel, der die Versammlung organisiert, ist um seine Arbeit diesbezüglich nicht zu beneiden…

Es ist aktuell ziemlich schwierig, sich ein Bild zu verschaffen, welches Modell eine Dreiviertel-Mehrheit erhalten könnte. Mein Eindruck war bisher, dass „HSVplus“ eine große Anhängerschaft genießt. Ich bin gespannt, wie sich die „HSV-Reform“ nun ausdrückt. Klar scheint mir heute nur eins: Es geht nach wie vor eine Spaltung durch diesen Verein. Zu unterschiedlich stehen sich die Modelle gegenüber. Wo genau der Schnitt liegt, 50:50 oder 90:10 oder wo auch immer, wird sich zeigen. Aber der Riss ist da, nach wie vor. Was passiert eigentlich am Ende, wenn zum Beispiel nur noch zwei Modelle um die Dreiviertelmehrheit konkurrieren und ein 60:40-Ergebnis herauskommt? Stehen sich dann auf Dauer zwei Lager unversöhnlich gegenüber, und bleibt der Verein dann in seinen aktuellen, offenbar von allen ungeliebten Strukturen stecken wie ein Karren im Sumpf?

Zurück zum Fußball, denn auch eine gute sportliche Situation könnte die Atmosphäre auf der Mitgliederversammlung im Januar beeinflussen. „Das Spiel gegen Mönchengladbach ist ausverkauft“, sagte Heiko Westermann. „Das zeigt, dass auch die Fans unsere Fortschritte erkennen. Ich freue mich sehr darüber.“ Die Gäste müssen in Hamburg übrigens auf einige Stammspieler verzichten: Innenverteidiger Roel Brouwers (Muskelfaserriss) fehlt ebenso wie Kapitän Filip Daems (muskuläre Probleme im Rücken- und Hüftbereich), Alvaro Dominguez (Schlüsselbeinbruch) und Havard Nordtveit (Knochenödem am Sprunggelenk). Martin Stranzl kehrt dafür nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück.

Morgen beobachtet Scholle für Euch das Training um 15.30 Uhr.

Ein schöner Gruß, und heute immer genügend Süßigkeiten bereit halten!
Lars

Wieviel ist der HSV wert? Vielleicht 126,5 Millionen!

26. Oktober 2013

Wenn ich mir so Eure Kommentare der vergangenen Wochen durchlese, dann ist – mehr noch als die sportliche Situation – die Struktur des HSV das Thema. „HSVplus“ oder „Hunke-Modell“? Ausgliederung oder nicht? Kleiner oder großer Aufsichtsrat? Alte Führung oder zwingend neue Leute? Was denken die „Supporters“ und kommt Jojo Liebnau auch noch mit einem neuen Modell? Pro oder contra Kühne? Und noch eine weitere Frage ist, denke ich, ganz entscheidend. Wieviel ist der HSV überhaupt wert?

Bekannt ist, dass der HSV-Vorstand die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beauftragt hat, eine Änderung der Vereinsstruktur nach dem Modell von „HSVplus“ vorzubereiten. Es geht um die Klärung rechtlich und wirtschaftlich relevanter Fragen, die bei der Schaffung einer neuen HSV-AG aufkommen würden. Da im Modell von Otto Rieckhoff und seinen Mitstreitern die Möglichkeit, einen Investor einzubinden und von ihm viele Millionen Euro zu erhalten, eine zentrale Rolle spielt, wird es hochinteressant sein, wie hoch die KPMG den HSV im Rahmen ihrer Untersuchungen tatsächlich taxiert.

Ich habe es vorab versucht, mir dazu einige Rahmendaten besorgt und die Hilfe eines Wirtschaftsexperten, der sich mit Firmenbeteiligungen hervorragend auskennt. Die entstandene Rechnung kann man kontrovers diskutieren, sie ist mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss und muss nicht eins zu eins auf den Fußball zu übertragen sein. Aber sie gibt doch am Ende, so hoffe ich, einen Überblick, an welchen Kriterien sich der Verein messen lassen muss.

Zunächst gilt es als ungeschriebenes Gesetz, dass in der Wirtschaft die Vermittlung von Beteiligungen als schwierigstes Geschäft eingeordnet wird. In der Bundesliga haben es im Grunde zwei Vereine auf unterschiedliche Weise versucht. Der FC Bayern mit dem Verkauf von Anteilen an Audi und Adidas, Borussia Dortmund durch seine Aktie. Eins ist ein Erfolgsmodell für die Teilhaber, das andere für die Aktionäre nicht. Beim HSV soll nach dem Rieckhoff-Modell so etwas Ähnliches wie bei den Bayern ermöglicht werden. Unabhängig davon, ob es überhaupt ein Unternehmen gibt, das Interesse an HSV-Anteilen hätte, gilt eine Faustregel bei der Ermittlung eines Unternehmenswertes:

Substanzwert plus Ertragswert, das ganze geteilt durch zwei, ergibt den Gesamtwert – und diesen Gesamtwert suchen wir.

Unter Substanzwert fallen beim HSV folgende Punkte zusammen: das Stadion, die Spielerwerte, die stille Reserve im Marktwert der Spieler, Grundstück und Gebäude in Ochsenzoll sowie die „Marke“ HSV. Dagegen stehen Verbindlichkeiten. Im Einzelnen:

Für ein Stadion rechnet man im Allgemeinen 3000 Euro pro Platz, für die imtech-Arena und seine 57.000 Zuschauerplätze ergibt sich demnach ein Betrag von 171 Millionen. Spielerwerte waren in den letzten beiden jüngsten Bilanzen (2010/11 und 2011/12) mit 38 bzw. 29 Millionen Euro veranschlagt. Die aktuelle Bilanz von 2012/13 ist noch nicht veröffentlicht, aber durch die Käufe von van der Vaart und anderen dürfte dieser Betrag aktuell höher sein. Nehmen wir deswegen ruhig 40 Millionen Euro. Darüber hinaus steckt in der Mannschaft noch eine sogenannte „stille Reserve“. Hier handelt es sich um hohe Marktwerte von Spielern, die beim HSV nicht mehr oder nur mit geringen Beträgen zu Buche stehen, weil sie keine Ablöse gekostet haben oder ihre Ablösesumme bereits abgeschrieben ist. Adler, Jansen oder Calhanoglu fallen in dieses Raster. Zusätzliche 15 Millionen Euro scheinen mir einigermaßen realistisch.

Einen Wert hat beim HSV das Gelände und die Gebäude (Jürgen-Werner-Schule und Anno1887) in Norderstedt. Da das riesige Areal mit seinen vielen Sportplätzen kein Bauland ist, scheint zehn Millionen Euro für alles bereits eine hochgegriffene Zahl zu sein. Weitere echte Werte besitzt der HSV nicht. Wir sind bislang bei 236 Millionen Euro angekommen.

In kurzen Worten kann ich den Ertragswert des HSV abhandeln. Hier wird die Jahresbilanz der letzten Jahre genommen. Da der HSV drei Mal in Folge in den Miesen war (insgesamt 20 Millionen), kommt der Verein gut weg, wenn man hier einfach eine Null ansetzt. Mit anderen Worten: der HSV hat keinen Ertragswert.

Noch ist die Rechnung nicht abgeschlossen. In der Wirtschaft werden das Umlaufvermögen des HSV (ca. 45 Millionen Euro) und auf der anderen Seite laufende Verbindlichkeiten (ca. 43 Millionen) hinzugezogen. Die Zahlen heben sich in etwa auf, wir können sie deswegen vernachlässigen.

Nicht vernachlässigen kann man die Verbindlichkeiten des Vereins für das Stadion. Hier muss der HSV noch etwa 35 Millionen Euro an die Banken tilgen. Dieser Betrag ist von den 236 Millionen (s.o.) abzuziehen. Ebenfalls abgerechnet werden muss ein Betrag von 48 Millionen Euro, den der HSV in seiner Bilanz für Grundstückswerte stehen hat. Hier ist fast ausschließlich das Stadion gemeint, und da dieses Stadion bereits einmal in der Bewertung drin ist, und zwar mit 171 Millionen, kann es nicht ein zweites Mal erfasst werden. (Ansonsten würde der Ertragswert des HSV mit dem Fehlbetrag von 48 Millionen Euro belastet). Wir sind der Rechnung zufolge auf 153 Millionen Euro zurückgefallen.

Und hier beginnt die große Unbekannte: der Wert der „Marke“ HSV! Wie kann man dies veranschlagen? Es gibt so gut wie keine Vorreiter-Modelle. Die Bayern sind bei ihrem Anteilverkauf vor Jahren auf einige hundert Millionen Euro geschätzt worden. Aber was bedeutet das für den HSV? Ist das Image insgesamt nicht viel zu schlecht gewesen in den vergangenen Jahren und verkauft der HSV seine „Marke“ nicht schon gewissermaßen regelmäßig durch die Hilfe seiner Sponsoren? Was ist die HSV-Raute wert oder die Tatsache, dass dieser Verein als einziger immer in der Bundesliga war? Zählt es als echter Wert, dass so viele glauben, der HSV sei ein schlummernder Riese in einer Stadt voller Wirtschaftskraft und Fußball-Begeisterung? Kritische Zeitgenossen würden dem HSV sicher einen Markenwert von null Euro zuschreiben. Optimisten sehen dort eher einen dreistelligen Millionen-Betrag. Ich könnte mir vorstellen, dass die KPMG lange grübeln wird über diesem Wert und ihn am Ende eher höher ansetzt als niedriger. Für unser Rechenbeispiel nehme ich deswegen eine runde Summe: 100 Millionen.

So kommen wir also wieder auf 253 Millionen Euro, die – wie eingangs berichtet – in der Wirtschaft per Faustregel halbiert wird. Diesem Gedanken zufolge ist der HSV aktuell 126,5 Millionen Euro wert und ich bin am Ende meiner Überlegungen.

Was meint Ihr? Gibt es hier große Fehleinschätzungen? Ist die Summe nicht ein bisschen dürftig? Der Verkauf von 25 Prozent HSV würde dieser Rechnung zufolge knapp 32 Millionen Euro bringen. Besitzt die „Marke“ HSV in Wirklichkeit einen viel höheren Wert? Oder einen niedrigeren? Sollten wir einige Jahre abwarten, so bis sich der Ertragswert erholt hat, die Verbindlichkeiten fürs Stadion weg sind und die Spieler wieder wertvoller sind? Mir raucht jetzt ganz schön der Kopf…

Zum Abschluss ein sportlicher Überblick vom heutigen Abschlusstraining. 19 Profis waren dabei, von ihnen ist Tomas Rincon in Hamburg geblieben. Er hat die Passübungen mitgemacht, Zweikämpfe darf er nach seinem Kieferbruch noch nicht führen. Am Rande des Trainingsplatzes stand, wie so oft in den vergangenen Tagen, der ehemalige Werder-Coach Wolfgang Sidka. Sidka war sehr angetan, wie er sagte, von den Einheiten der vergangenen Tage. Und das können wir doch gern als gutes Zeichen nehmen, um nach einem Auswärtssieg morgen in Freiburg zu streben.

Dort wird der HSV vermutlich so auflaufen: Adler – Westermann, Djourou, Tah, Jansen – Arslan, Badelj – Beister, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Um 15.30 Uhr ist Anpfiff im Breisgau. Vorher, um 14 Uhr, können alle, die nicht mit nach Freiburg fahren, an der Hagenbeckstraße die U 23 des HSV gegen den SC Victoria sehen. Scholle schreibt Euch dann morgen alles zum Freiburg-Spiel und ist ab halb sechs mit seiner Analyse hier auf Sendung.

Einen schönen Sonntag wünscht
Lars

Adlers außergewöhnliche Rückkehr

12. Dezember 2012

Er sah müde aus, ließ sich davon aber nichts anmerken. Im Gegenteil, Rene Adler wurde noch immer nicht müde, den Brasilien-Trip samt seiner Strapazen zu loben. „Für die Mannschaft war das einfach eine gute Reise“, so der Keeper, der am Sonnabend das erste Mal auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen trifft. Zumal die Mannschaft auch eineinhalb Tage frei hatte. „Wir haben dort ein seriöses Spiel abgeliefert und uns den Umständen entsprechend gut verkauft. Und wir haben den Trip für uns als Mannschaft genutzt, haben an den eineinhalb freien Tagen die Seele baumeln lassen und die Zeit für Gespräche genutzt.“ Teambuilding auf brasilianische Art. „35 Grad statt Minus fünf – das ist schon eine heftige Umstellung“, sagt Adler, der dennoch keinerlei Probleme für das Spiel am Sonnabend sieht: „Nein, die Reise kann keine Ausrede sein, selbst wenn wir verlieren. Wir sind jung genug, das wegzustecken. Wir werden unsren Positivtrend fortsetzen.“ Denn wenn eines auf der Reise klar wurde, dann, dass alle Spieler heiß sind auf das letzte Spiel 2012. „Wir wissen, dass wir einen guten Lauf haben. Wir alle wollen eine Hinserie, die schlecht begonnen hat, unbedingt positiv beenden.“

Ihn persönlich dürfte ein Erfolg an alter Wirkungsstätte besonders freuen. „Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich“, sagt Adler, „immerhin habe ich dort die meiste Zeit meiner Karriere verbracht. Leverkusen war ein schönes Kapitel und ich weiß auch, was ich Bayer zu verdanken habe.“ Dennoch sei er Profi genug, diese Emotionen für 90 Minuten hintenanzustellen. Adler: „Absolut! Ich werde wie immer eine gesunde Anspannung haben. Die ist gut. Die brauche ich“, sagt Adler, „denn die ist wichtig für mein Aktionspotenzial.“ Soll heißen: Anspannung = Motivation. Klingt gut. Zumal direkt danach Weihnachtsferien für die Spieler sind. Wobei genau dieser Gedanke auch die größte Gefahr darstellt. Sofern man sich schon zu früh im Urlaub wähnt.

Wobei ich mir diesbezüglich bei Adler mal gar keine Sorgen mache. Der momentan beste deutsche Torwart wird die Mannschaft eher zu heiß machen, gilt er doch als sehr verbissen. In der Sport Bild von heute ist ein Artikel mit dem HSV-Keeper, in dem auch dessen Zeugnis für die Übergangszeit vom Jugendlichen zum Profi abgedruckt wurde. Und darin hat ihm sein Förderer, Torwarttrainer und Freund in den höchsten Tönen gelobt sowie ihm unbändigen Fleiß und hohe Selbstkritik attestiert. Alles Dinge, die auch heute noch gelten.

Seit heut ist auch beschlossen, dass das Sicherheitspaket ab 2013/2014 umgesetzt wird. Und obwohl es sicherlich einige kleinere Mängel in diesem Sicherheitspapier gibt, ist es eine grundsätzlich positive Entscheidung, wie ich finde. Seitens des DFB heiß es:

„Mit großer Geschlossenheit haben die 36 Profi-Clubs heute im Rahmen
der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes ein umfangreiches
Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit im Fußball verabschiedet. Nach
intensiver Analyse und Diskussion wurden alle 16 vom Vorstand des
Ligaverbandes vorgeschlagenen Anträge inklusive einiger
Modifikationen mit jeweils deutlich größeren Mehrheiten als
erforderlich angenommen.“

Ein gutes Zeichen. Zumindest war die Entscheidung für mich angesichts der Entwicklungen in den Stadien zuletzt alternativlos. Und obwohl ich mir sicher bin, dass die Entscheidung in den nächsten Wochen noch für eine Menge Ärger sorgen wird und tausende Fans weiterhin protestieren werden, glaube ich daran, dass es auf Sicht für mehr Sicherheit und letztlich auch Verständnis aller sorgen wird.

Carl Jarchow dazu: „Dem überwiegenden Anteil der 16 Einzelanträge haben wir inhaltlich aus Überzeugung zugestimmt. Allerdings hatten wir den Antrag auf eine Vertagung zur Abstimmung bezüglich des Sicherheitskonzeptes gestellt, der aber mehrheitlich abgelehnt wurde. Aus unserer Sicht ist es bedauerlich, dass wir es nicht geschafft haben, mehr Zeit zu gewinnen, um im Dialog mit den Fans für mehr Vertrauen in und Verständnis für das Sicherheitskonzept zu werben.“ Dieser Vorschlag wurde übrigens wenig überraschend deutlich mit 31:5 Stimmen abgelehnt. Trotzdem zeigte sich Jojo Liebnau von den “Chosen Few” enttäuscht. „Ich muss schon sagen, dass ich enttäuscht von der DFL bin. Sie haben die Chance verpasst, den Fans zu signalisieren, dass sie ernst genommen werden. Das Prozedere, alle Anträge durchzuwinken und anschließend bekanntzugeben, die Umsetzung mit den Fans im Dialog zu besprechen, klingt schon absurd.“

Zumindest klingt sie auf den ersten Blick widersprüchlich. Aber wie einige Blogger auch war ich bei dem Fantreffen zum Sicherheitspapier anwesend. Eine unsäglich langweilige Veranstaltung, was zum einen dem Thema zum anderen aber der Beteiligung von gerade mal 42 Leuten geschuldet war (inklusive Journalisten und Vorstand Scheel). Schon auf dieser Veranstaltung war herauszuhören, dass es den Kritikern vor allem darum ging, die Einflussnahme des DFB und der DFL auf die Verein nicht zu groß werden zu lassen. Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation „ProFans“ wertete die Entscheidung als „absolut negativ“ und kündigte weitere Proteste an. „Wir machen uns nicht zum Büttel von Herrn Rauball“, sagte Markhardt. Die Fans fürchten trotz einer Entschärfung an wesentlichen Stellen des Papiers Repressalien wie Ganzkörperkontrollen etc. Eine Befürchtung, die Rauball zu nehmen versucht: „Wir können allen Fans versichern, dass die Fankultur nicht gefährdet wird.“

Worte, denen jetzt Taten folgen müssen. Denn wenn diese Diskussion eine klare Nachricht hervorgebracht hat, dann wirklich die, dass sich Liga und Fans deutlich besser austauschen und versuchen müssen, gemeinsam zu arbeiten. Wenn das gelingt, ist allen geholfen. Dann werden auch die Liebnaus und Markhardts dieser Welt wie alle anderen auch den 12.12.2012 als positiven Wendepunkt betrachten. Zumindest ist das meine Hoffnung.

Apropos Hoffnung. Die habe ich auch in Sachen Leverkusen-Spiel. Immerhin konnte die Mannschaft heute auf einem trotz Rasenheizung leicht gefrorenen Untergrund ordentlich trainieren. Und man merkte eigentlich niemandem Müdigkeit an, bei den lustigen Kreis-, Pass- und Fangspielen. Trainer Thorsten Fink setzte heute auf „leichte Trainingskost“, um es mal so zu formulieren, wobei Adler schon vorher gesagt hatte: „Die sind alle heiß, das habe ich schon beim Waldlauf nach unserer Landung am Dienstag gespürt. Da hat keiner gemurrt.“ Wäre ja auch noch schöner…

In diesem Sinne, in Leverkusen wurde nur eines der letzten fünf Spiele verloren. Das macht doch Hoffnung auf einen guten Hinrundenausklang. „Leverkusen ist eine Top-Mannschaft“, warnt Adler und findet auch gleich die Angriffsfläche: „Sie haben Bayern München geschlagen und stehen zurecht oben – aber sie haben genauso gezeigt, dass sie ab und zu schwächeln.“ Wie zum Beispiel zum Hinrundenende 2012/2013…

Ich hoffe es jedenfalls, nachdem seit heute klar ist, dass sowohl Maxi Beister als auch Milan Badelj mit in die hoffentlich pyrofreie BayArena reisen können. Rafael van der Vaart hingegen fällt wie erwartet weiterhin aus.

Bis morgen! Dann wird das letzte Mal öffentlich trainiert im Jahr 2012. Und zwar um 15 Uhr an der Imtech-Arena.

Scholle

Rajkovic: “Mein Ende war beschlossen, bevor ich den Streit mit Son hatte”

18. Juli 2012

Ich hatte es gesagt, vielleicht führt einer der Termine (vom Dienstag) letztlich dazu, dass wir hier im Blog etwas darüber lesen. Dass es in dieser Form und vor allem so schnell etwas wird, hätte ich nicht gedacht. Aber diesmal war es Slobodan Rajkovic, der mich um einen Termin bat, um seine Sorgen in Worte zu fassen. In der Hafencity, unmittelbar in der Nähe seiner Wohnung, trafen wir uns. Und er sprach. Sehr viel. Der Innenverteidiger hatte sich sogar einen DIN-A4-Block mitgebracht und checkte immer wieder ab, was er gesagt hatte – und was noch fehlte. Als er so richtig in Fahrt war, fragte ich, ob er sich über die Tragweite des Interviews im Klaren sei. Ob er wüsste, dass er trotz des Hoffnungsschimmers durch Frank Arnesen nach diesem Interview beim Klub durch wäre. Und er antwortete: „Ja, das weiß ich. Der Trainer will mich nicht. Egal wie. Aber ich will, dass alle wissen, was hier wirklich los ist.“ Und ganz ehrlich, auch wenn es meine Chefs nicht gern lesen werden, ich habe mehrmals danach gefragt, ob es wirklich so abgedruckt werden kann. Ich wollte wissen, ob es nur tief sitzender Frust bei Rajkovic ist, der die Zunge den Emotionen unüberlegt folgen lässt und ihn böse nachtreten lässt. Oder ob es tatsächlich die Wahrheit ist?
Und auch, wenn ich es bis jetzt nicht wissen kann, Rajkovic’s Antwort war: “Ich habe in diesem Interview nicht ein einziges Wort über den Trainer gesagt, das ich dem Trainer nicht auch persönlich genau so gesagt habe.” Und, entscheidend für mich ist, alle Seite anzuhören und möglichst unverfälscht darzustellen. Teil eins ist Rajkovic. Ich hoffe, den Trainer heute folgen lassen zu dürfen. Aber lest selbst:

Matz ab: Herr Rajkovic, sind Sie ein aggressiver Typ?
Slobodan Rajkovic: Nein. Ich bin auf dem Platz hart, das muss sein. Ich will immer gewinnen und würde für meine Mannschaft auch schummeln, wenn es sein muss. Ich gebe immer alles und ein bisschen mehr für meine Mannschaft. Genau das wollen die Trainer. Auch Thorsten Fink fordert das von mir. Das ist normal. Aber ich habe nie Probleme, mich im Griff zu haben.

Matz ab: Trotzdem wurden Sie jetzt wegen einer Schlägerei mit Ihrem Mannschaftskollegen Heung Min Son suspendiert. Haben Sie sich bei Herrn Son entschuldigt?
Rajkovic: Das wollte ich. Ich durfte aber nicht mal in seine Nähe, wurde aus der Kabine ausgesperrt. Ich wollte auch Tolgay Arslan sagen, dass es mir Leid tut. Allerdings war es auch nicht der Streit mit Son, sondern lange vorher beschlossen, dass ich weg muss. Das hat mir der Trainer so bestätigt.

Matz ab: Wie?
Rajkovic: Ich bin nach dem Streit mit Son in die Kabine des Trainers und habe Antworten bekommen auf viele Fragen, die sich in den letzten Monaten und Wochen aufgestaut hatten und die letztlich dazu geführt haben, dass ich so reagiert habe.

Matz ab: Thorsten Fink ist Schuld an Ihrem handfesten Streit mit Heung Min Son?
Rajkovic: Nicht nur. Aber alles zusammen. Wobei das eine lange Geschichte ist.

Matz ab: Die Sie erzählen wollen?
Rajkovic: Ja. Weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Ich wurde noch nie so oft und so lange angelogen. Dabei hätte der Trainer mir am Saisonende einfach nur sagen müssen, dass er mich nicht mehr braucht und ich mir einen neuen Verein suchen soll. Wir waren acht Monate fast jeden Tag auf dem gleichen Trainingsplatz und in derselben Kabine. Und nie kam ein Wort. Nie konstruktive Kritik, noch weniger Lob. Aber vor allem kam nie eine klare Aussage. Das wäre hart für mich gewesen, aber ich hätte Bescheid gewusst und hätte aufhören können, an mir zu zweifeln. Vor allem aber hätte ich die Achtung vor ihm bewahrt, weil er es wenigstens ehrlich kommuniziert. So habe ich hinten herum erfahren, dass der HSV mich verkaufen will. Es war sogar ein Tauschgeschäft mit Dynamo Moskau vom Verein vorgeschlagen worden, ohne, dass mein Berater oder ich involviert waren. Ich wurde im Urlaub von Freunden angerufen, die sich gewundert haben, warum ich Hamburg verlasse. Das war schon hart, zumal ich nie wechseln wollte. Im Gegenteil. Ich habe erst vor ein paar Tagen Moskau trotz einer finanziellen Verdoppelung meines Gehaltes abgesagt. Weil Hamburg ein toller Verein ist. Hier wollte ich meine zweite Heimat finden. Das habe ich Frank Arnesen und auch dem Trainer so gesagt. Alle wussten, dass ich mich hier durchkämpfen wollte. Der HSV mit dem Stadion, mit diesen Fans, der tollen Stadt und der Bundesliga war meine größte Chance, mich zu beweisen. Und wenn ich besser werde, wird es das Geld ganz automatisch.

Matz ab: Sie sprechen in Vergangenheitsform. Heißt das, das Kapitel HSV ist trotz Ihres Vertrages bis 2015 endgültig abgehakt?

Rajkovic: Ja. Sportchef Frank Arnesen will zwar noch mal mit dem Trainer sprechen, aber er hat auch gesagt, dass das wohl nicht viel an der Entscheidung ändern wird. Zumal der Präsident Carl Jarchow bei meiner Suspendierung neben Fink saß. Und der Trainer hat mir gesagt, dass ich bei ihm kein Spiel mehr mache. Wobei der Streit mit Son nur ein willkommener Anlass war. Die Sache war allerdings schon vorher klar. Das hat er mir in einem Vier-Augen-Gespräch auch gesagt. Ich habe ihn gefragt, ob er mich nicht mag. Und er antwortete: ‚Ja.’ Ich sei nicht sein Typ Spieler. Selbst das ist okay, Fußball ist eben auch Geschäft. Aber er hätte mir seine Entscheidung wie ein Mann mitteilen können und sie nicht wie ein Mädchen über Zeitungen lancieren müssen. Nur den Mut hatte er nicht mal in dem letzten Gespräch. Da hat er immer nur auf die Uhr geschaut, weil er los wollte und hat wieder nur gesagt, wie professionell ich mit meiner schwierigen sportlichen Situation umgegangen sei und dass er nur der Streit mit Son sei, weswegen ich suspendiert würde. Dabei gab es doch gerade beim HSV in der letzten Zeit ähnliche Vorfälle, bei denen nicht so reagiert wurde. Gerade der Trainer hatte da seinen Fehltritt.

Matz ab: Sie meinen den Streit mit Muhamed Besic?
Rajkovic: Ja. Der Trainer war damals sauer. Und das zurecht. Er hatte die Laufgruppe, in der Besic und ich waren, immer wieder gefragt, wer beim Waldlauf damals nicht gelaufen sei. Nach dem dritten Mal fragen hat er sich den jüngsten in der Gruppe geschnappt und übel am Hals gepackt. Der Trainer meinte zu mir, dass er eben der Trainer sei und ja auch nicht geschlagen habe. Aber ich habe ihm gesagt, dass er so ein ganz schlechtes Beispiel sei, auch wenn ich seine Reaktion verstanden habe. Weil er eben berechtigt sauer war. Ähnlich wie ich, nachdem ich Sonni dreimal gesagt hatte, das er schneller spielen solle und wir Tore brauchen. Geschlagen habe ich erst, als Sonni reagiert hat und mich treten wollte. Das war nicht gut, aber ich dachte, gerade der Trainer müsste das verstehen. Aber das wollte er nicht. Er sagte, ich hätte zu ihm kommen und ihm sagen sollen, dass Sonni nicht zuhört. Aber mal ehrlich, was soll das? Normalerweise klären Spieler das unter sich. Wir sind erwachsen. Aber bei Fink bestätigt sich langsam das Gefühl, das einige haben, dass Selbständigkeit nicht erwünscht ist. Natürlich darf es nicht eskalieren. Aber zum Vergleich: Mein Freund Dejan Stankovic von Inter Mailand hat mich angerufen und mir erzählt, dass es bei Inter andauernd kleinere und größere Streitigkeiten geben würde, diese aber zu 99 Prozent intern und von den Spielern selbst bereinigt werden. Bei uns geht das doch gar nicht. Es wird immer populistisch eine Hierarchie gefordert – aber hier wird alles von außen gesteuert. Ich glaube auch, dass das der Grund sein könnte, weshalb wir keine Leader in der Mannschaft haben. Im Gegenteil: Gleich nach dem Training hat der Trainer Interviews gegeben und seine Entscheidung mitgeteilt. Mir nicht. Bei mir hat sich selbst unser Ober-Fan Johannes Liebnau gemeldet. Der Trainer aber ewig nicht. Der hat mich öffentlich als Buhmann hingestellt und suspendiert. Noch bevor ich angehört wurde. Wenn ich das mit Bayern München vergleiche, wo sich Ribery und Robben in der Kabine blaue Augen schlagen und wo der Verein seine Spieler nach außen hin schützt und intern alles klärt, sagt das doch schon alles über Thorsten Fink. Trainer müssen immer viele Spieler bedienen und bei Laune halten. Da kann man sicher nicht immer alles sagen. Aber unser Trainer lügt. Er hat zwei Gesichter. Und leider sehen das in der Mannschaft schon einige so. Denn im Gegensatz zu mir wollen hier einige weg.

Matz ab: Wer?
Rajkovic: Das kann ich nicht sagen. Ich petze nicht. Ich habe auch lieber die Einjahressperre hingenommen, als ich einen Schiedsrichter angespuckt haben sollte. Dabei weiß ich, wer es war. Nein, ich wusste, dass wir mit dieser Mannschaft nicht über die individuelle Klasse kommen können, sondern über Zusammenhalt. Dafür habe ich lange geschwiegen. Weil der HSV ein toller Klub ist. Aber jetzt wird es gefährlich, weil man dem Trainer zu viele Rechte einräumt. Wen er nicht will, den behandelt er schlecht. Wie mich in Österreich.

Matz ab: Meinen Sie wirklich, dass er das bewusst macht?
Rajkovic: Leider ja. Er hatte mir bis zum 12. Juli Urlaub gegeben, weil ich nach der Saison noch 15 Tage auf Länderspieltour war. Und plötzlich kommt am 5. Juli eine vom Trainer in Auftrag gegeben SMS von Teammanager Marinus Bester mit ‚Wo bist Du?’, woraufhin ich meinen Urlaub abbreche und so schnell wie möglich ins Trainingslager nach Österreich fliege. Als ich dort ankam, fragte mich Thorsten Fink nur: ‚Was willst Du denn hier?’ Spätestens da habe ich gemerkt, dass hier ein falsches Spiel mit mir gespielt wird. Und das geht nicht nur mir so. Ich sage es nur laut, weil es einem tollen Klub großen Schaden zufügen könnte.

In diesem Sinne, gute Nacht!
Scholle

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