Archiv für das Tag 'Lewandowski'

Ein “Spion” und Julian Green sorgen für Unruhe

13. Februar 2015

Wenn man einen Weg umsonst macht – dann war es dieser. Während des heutigen Geheimtrainings stand neben einigen (hier) bekannten Journalisten auch ein junger Mann, den es schon gestern zum Training gezogen hatte. „Mit Kamera hat er das Training gefilmt“, so Zinnbauer über den vermeintlichen Spion, der am Donnerstag auffällig unauffällig mit der Kamera das Training aufgenommen haben soll. So, wie einst ein Kölner Spion im Trainingslager in Dubai. Wobei sich dieser noch dreister verhalten hatte und sogar an den Presserunden teilgenommen hatte…

 

Und dieser Spion? Er war zumindest schon mal das spannendste Thema dieses Geheimtrainings, das eigentlich gar nicht geheim war, da es auf dem gut einsehbaren vorderen Trainingsplatz stattfand. Und vor allem gab es tatsächlich nichts zu sehen, was in irgendeiner Form Aufschluss auf Sonnabend geben könnte. Außer der Tatsache, dass Ivo Ilicevic und Maxi Beister nicht dabei waren, weil sie bei der U23 eingesetzt werden. Ilicevic dauerhaft, Beister vorübergehend. „Ich habe mit Maxi gesprochen und er hat darum gebeten, in der U23 Spielpraxis zu sammeln.“ Deshalb trainierte der Rechtsfuß heute individuell und steht morgen um 13.30 Uhr in der Startelf gegen den VfL Wolfsburg II.

Beister spielt. Weil er sich entwickeln will. Ein anderer weigert sich, noch zumindest: Julian Green. Der Youngster hatte sich zuletzt darüber beschwert, erst aus der Presse davon erfahren zu haben, dass er in der U23 spielen soll. Peter Knäbel kündigte daraufhin Gespräche für die kommende Woche an. Und diese dürften für den Leihspieler nicht sonderlich angenehm werden.

 

Morgen hat Green auf jeden Fall spielfrei. Stattdessen muss die US-Leihgabe vom FC Bayern trainieren, weil er sich weigert, für die Regionalligamannschaft aufzulaufen. Mediendirektor Jörn Wolf: „Julian hat bislang nicht die Bereitschaft, im Nachwuchs zu spielen.“ Dabei hat der Rechtsfuß aktuell nicht einmal die Form, dort einen Platz in der Startelf einzufordern.

 

Green wird zum Missverständnis – wenn er es nicht schon längst ist. Der US-Nationalspieler sollte beim HSV die Spielpraxis sammeln, die er beim mit Weltklassespielern bestückten FC Bayern nicht bekommen würde. Beim HSV schien das wahrscheinlicher – allerdings rechnete niemand damit, dass 1.) nach drei Spieltagen der Trainer gewechselt würde, und 2.) Green sich in keiner Phase der Saison aufzudrängen wusste. Green, der es bevorzugt, über die Außen zu kommen, ist in Hamburg bis heute nicht angekommen. Das Verhältnis zu Trainer Joe Zinnbauer sei grundsätzlich intakt, sagen beide. Allerdings steht Green bei Zinnbauer nicht weiter oben auf der Liste, seit er sich weigert, für die U23 aufzulaufen. Im Gegenteil: der zweite Arslan droht. Mit dem feinen Unterschied, dass Green nicht mehr wechseln kann. Er dürfte es nach dieser Auseinandersetzung schwer haben, beim HSV überhaupt noch einmal Spielpraxis zu sammeln. Und obwohl ich gestern geschrieben habe, was ich von Profis halte, die die eigene U23 geringschätzend ablehnen – was auch für Green gilt – will ich für ein abschließendes Urteil fairerweise abwarten, wie Green die Situation darstellt.

Eine glasklare Situation findet der HSV bei seinem Gastauftritt in München vor. In keinem Spiel ist der HSV auf dem Papier deutlicher Außenseiter als in der Allianz-Arena. Im Jubiläumsspiel, dem 100. Nord-Süd-Schlager, setzt der HSV auf den Überraschungseffekt. Besser gesagt, Zinnbauer macht das intern so. Der HSV-Trainer wechselte im Laufe der Woche immer wieder seine vermeintliche A-Elf durch – und ließ das Abschlussspiel heute gänzlich aus. Noch immer ist unklar, ob Slobodan Rajkovic oder Heiko Westermann neben Johan Djourou spielt. Noch ist unklar, ob Rafael van der Vaart wirklich eine Pause bekommt und an seiner Stelle Petr Jiracek neben Marcelo Diaz aufläuft. Ebenso vakant ist die Startelfbesetzung des Linksverteidigers, wo sich Ronny Marcos und der im Training zuletzt stärker werdende Matthias Ostrzolek Konkurrenz liefern.

 

Zinnbauer selbst wollte sich heute nicht dazu äußern. Und im Training ließ er ausschließlich ein leichtes Aufwärmtraining sowie eine intensive Torabschlussübung absolvieren. Genau so, wie er vor dem Hannover-Sieg trainieren ließ. Aberglaube? Mit Sicherheit. Zinnbauer ist ein Freund der Rituale. So wird er die Startelfaufstellung tatsächlich erst unmittelbar vor der Mannschaftsbesprechung am Sonnabend in München festlegen. Zusammen mit seinem Trainerteam – genau so, wie vor Hannover…

 

„Wir werden wieder so intensiv spielen müssen wie gegen Hannover“, sagt Ivica Olic, der mit dem HSV in München noch ungeschlagen ist. Nimmt man die jüngste Statistik, ist Böses zu erahnen. 3:23 Tore in den letzten vier Spielen, zwölfmal in Folge blieb man gegen den Rekordmeister ohne Sieg und kassierte dabei den rekordverdächtigen Schnitt von 3,3 Gegentoren.

 

Aber: Bangemachen gilt nicht. Denn auch die Bayern sind noch nicht in der Verfassung der Hinrunde. Sagte Olic am Donnerstag. Und der ist ganz froh darüber, dass mit Boateng (gesperrt) der beste Verteidiger der Münchner ausfällt. Dafür soll Franck Ribéry sein Comeback feiern. Über die linke Seite des FCB würde er es – so schien es im Training – mit Ashton Götz zu tun bekommen. Ein Duell, in dem der Jungprofi eine Menge lernen und gewinnen kann. Auf der anderen Außenverteidigerseite bekommt es offenbar Matthias Ostrzolek mit dem wohl besten Spieler der Liga zu tun: Arjen Robben. Und im Zentrum? Da bekommt es der HSV mit Thomas Müller, Mario Götze oder Robert Lewandowski zu tun. Und egal wer es am Ende wird, sollte der zuletzt von Zinnbauer gelobte Rajkovic für Westermann weichen müssen – es wäre ein bitterer Nackenschlag für den Serben. Einzige Möglichkeit, dass beide spielen wäre, wenn Westermann trotz der letzten beiden Partien noch mal als Rechtsverteidiger auflaufen. Und irgendwie glaube ich, dass es so kommt…

 

Wirklich zu gefallen weiß derzeit Marcelo Diaz. Der Chilene spielt abgezockt, unaufgeregt und nahezu fehlerfrei. Er schlägt hervorragende Standards und auch heute beim Torabschluss hatte er (zusammen mit Jansen) die wahrscheinlichste höchste Erfolgsquote. Und ich hoffe, dass er mit seinen Pässen in München vielleicht den einen oder anderen Konter über Olic, Jansen oder Müller einleitet. Und wenn das nicht funktioniert – vielleicht entscheidet am Ende ja ein Standard das Spiel.

 

Ihr seht, ich bin wirklich nie hoffnungslos vor Spielen. Nicht einmal bei diesem HSV gegen diesen FC Bayern München. Aber ich gebe zu, dass ich eine relativ überschaubare Erwartungshaltung habe. Aber was heißt das schon…?!

 

In diesem Sinne, warten wir ab, wie der HSV in München auftritt. Personell wie leistungstechnisch. Ich bin gespannt. Denn so offen wie diesmal war es lange nicht. Das weiß übrigens auch der Spion, der so gar nicht Spion sein wollte. Ich habe ihn nach dem Training einfach mal angesprochen und gefragt, ob er für den FC Bayern arbeitet. Er antwortete mir, dass er ein Student aus Münster sei, der mit seiner Freundin eine Woche lang in Hamburg zu Besuch ist. Er brachte es zugegebenermaßen nicht besonders glaubhaft rüber. Aber selbst wenn, auch er hat heute nichts sehen können, womit er bei Guardiola glänzen könnte. Dafür gab es gestern viel zu sehen – zumindest viele unterschiedliche Formationen.

 

In diesem Sinne, es bleibt spannend. Bis morgen! Dann übrigens wieder mit einem Matz ab live unmittelbar nach Schlusspfiff um 17.30 Uhr aus dem Champs. Unsere Gäste sind Dennis Diekmeier und Carsten Byernetzki, der ehemalige Schiedsrichter und aktuelle Pressesprecher des Hamburger Fußball-Verbandes.

 

Scholle

So könnten sie spielen: Drobny – Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – Jiracek, Diaz – Müller, Stieber, Jansen – Olic.

3:0 gegen den BVB – ein Sieg für Hermann!

22. Februar 2014

Hermann, wir lieben, vermissen und denken an Dich! Du bist der beste Mann!

„Hey, hey, hey, hier kommt Hamburg!“ Das war der Rieger-Tag, der in die Geschichte eingehen wird. Und hoffentlich die so lange erhoffte Wende eingeläutet hat. Der HSV bezwingt Borussia Dortmund mit sage und schreibe 3:0 – der HSV ist wieder da! Endlich einmal wieder ein Fußball-Fest im Volkspark, endlich einmal wieder ein Tag der Freude und des Jubels. Dieser Sieg sollte allen Auftrieb geben, dieser Sieg könnte am Ende der Saison noch einmal Gold wert sein. „Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals“, sangen die Fans, die großartigen HSV-Fans, die nach dem Schlusspfiff die Mannschaft enthusiastisch feierten.


Hier geht’s zur mobilen Version

Ein wenig vergessen wurde dabei der neue Trainer, denn der hatte dieses Wunder bewirkt. Mirko Slomka hatte Mut zu Veränderungen, und er hat alles richtig gemacht. Gratulation, Herr Slomka, ich hätte es nie geglaubt, niemals sogar, aber Sie haben es möglich gemacht, das war Note eins! Und Sie haben eines gezeigt: Wenn sich ein Trainer Mühe macht, sich mit dieser Situation identifiziert, wenn er bereit ist, sich zu seinen Spielern herabzulassen, um mit ihnen ein Team zu bilden, dann kann auch ein solches „Wunder“ gelingen. Weiter so! Jetzt muss am nächsten Sonnabend in Bremen nachgelegt werden.
Nur der HSV!

Dieses Spiel stand im Zeichen des Kult-Masseurs. Welch ein Spiel! Der Norden des Volksparks wartete mit einer großartigen Choreographie auf, da blieb die ganze Arena mucksmäuschenstill. Über die gesamte Tribüne prangte ein Plakat und ein Spruch: „Für immer unser bester Mann, den niemand je ersetzen kann!“ Schon vor der offiziellen Schweigeminute unter der Regie von WM-Schiedsrichter Dr. Felix Brych (München) war es total still im Stadion, auch die Dortmunder machten mit und schwiegen – das war überragend! Vielen Dank dafür, ihr Borussen, das war vorbildlich, Ihr habt gezeigt, dass wir in einem solchen Fall wirklich eine Familie sind. Nachahmenswert!

Mit 2:6 hatte der HSV das Hinspiel in Dortmund verloren, aber von Beginn an sah es nicht nach einem erneuten Hamburger Debakel aus. Trainer Mirko Slomka hatte viel gewagt, hatte neue Leute gebracht und ein neues System eingeführt – das sah endlich, endlich mal nach Fußball aus, nach richtigem Erstliga-Fußball aus. Und nicht nach einem Gestümper Marke „van Marwijk“, das muss ich mal loswerden, auch wenn es viele als Nachtreten ansehen werden. Diesmal wurde mit Sinn und Verstand Fußball gespielt, jeder war engagiert, konzentriert und auch diszipliniert bei der Sache. Ja, das war erste Sahne, ein Unterschied zwischen dem Deutschen Meister des zweiten Platzes und dem Abstiegskandidaten HSV war in der ersten Halbzeit jedenfalls nicht zu erkennen.

„Wenn sie die ganze Saison so gespielt hätten, dann würde ich mir irgendwelche Sorgen gemacht haben. Das Erschreckende daran ist, dass es nur über die Motivation geht. Nur darüber. Ich bleibe dabei, vom Spielermaterial her gehört der HSV ins erste Drittel, aber es kommt eben darauf an, ob der Trainer die Spieler erreicht und motivieren kann, Slomka hat das offenbar geschafft“, sagte Comedian Olli „Dittsche“ Dittrich und fügte hinzu: „Endlich, endlich haben sie sich mal wieder an Petr Jiracek erinnert, das habe ich ohnehin nie verstanden, dass der so total unbeachtet mitlaufen musste. Das ist doch ein ausgezeichneter Mann. Und der ergänzt sich auch, das sieht man ja, großartig mit Marcell Jansen. Das sieht alles ganz gut aus.“

Das sagte „Dittsche“ zur Pause. Da führte der HSV – fast möchte ich schreiben –sensationell mit 1:0. Verdient. Das Tor fiel in der 42. Minute. Pierre-Michel Lasogga „tanzte“ auf der Torauslinie Gegenspieler Friedrich und auch Schmelzer aus, die Dortmunder hatten die Lage offenbar unterschätzt, die Flanke kam zur Mitte, wo sich Petr Jiracek gegen Aubameyang durchsetze und den Ball aus vier Metern ins Netz köpfte! Ausgerechnet Jiracek. Den hatten die Welt-Trainer, die vorher hier in Hamburg tätig waren, total außen vor gelassen. Einen tschechischen Nationalspieler, daran kann man auch ganz sicher eine gewisse Ahnungslosigkeit des Hamburger Fach-Personals erkennen. Aber immer nach neuen Spielern schreien . . .

Mirko Slomka hatte auch etwas Neues, er ließ den HSV im 4:4:2-System auflaufen. Ja, das hatte Hand und Fuß, weil sich auch jeder Spieler daran hielt und seine Aufgabe erfüllte. Endlich einmal wieder ein Fußball-Festtag im Volkspark – Hermann, hast Du das gesehen? Natürlich, und Du warst da oben auch restlos aus dem Häuschen. Gratulation.

Und, mein lieber Hermann, was sagst Du zu diesem 2:0? Hakan Calhanoglu eroberte in der 58. Minute den Ball, bediente den an der Mittellinie stehenden Tolgay Arslan, und der erkennt sofort die Lage: Super-Pass auf den losziehenden Pierre-Michel Lasogga, der läuft und läuft und läuft und schießt dann aus 16 Metern flach an Weidenfeller vorbei ein. Ein Höllenlärm war in dieser „Kiste die Folge, das ist Freude und Erleichterung pur. Da plumpsten tausende Steine von den Hamburger Herzen . . .

Fast sogar noch das 3:0, aber Dr. Brych versagte einem Kopfballtreffer von Johan Djourou die Anerkennung, weil sich bei der Ecke zuvor Rajkovic aufgestützt hatte (67.).

Dortmund kam, was für ein Wunder, aber der HSV stand gut, bis auf ganz kleine Ausnahmen. Und der HSV hatte den letzten Schuss! Und was für einen! Hakan Calhanoglu drosch in der Nachspielzeit einen Freistoß aus gefühlt 40 Metern zum 3:0 ins Netz. Ein Traum! Ganz Hamburg lag sich in den Armen – auf dem Rasen und in der Arena. Was für Schlusspunkt! Wie gemacht für diesen Tag.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt diesmal wieder großartig, wurde mit „Rene-Adler“-Sprechchören gefeiert, seine größte Taten waren die Paraden nach einem Volleyschuss des eingewechselten Duksch (70.) und nach einem Kopfball von Piszczek, den der HSV-Keeper an die Latte lenken konnte – hervorragend! Immer gegen Dortmund, möchte man bei Adler schreiben . . .

Heiko Westermann kam in die Mannschaft, weil Dennis Diekmeier erkrankte, und der so oft Geschmähte zeigte eine solide und gute Partie. Für einen, der eigentlich zusehen sollte, der dann aber doch plötzlich reinkommen muss, war das eine ansprechende Leistung. Kompliment, Heiko Westermann!

Johan Djourou war nicht wiederzuerkennen, denn er spielte endlich einmal so, dass jeder erkennen konnte, warum er einst vom FC Arsenal verpflichtet worden ist. Das war stark.

Slobodan Rajkovic hatte gefühlt zwei Jahre nicht mehr für den HSV gespielt, und er spielte auf Anhieb so, als wäre er nie weg gewesen. Das Comeback des Jahres! So darf er ruhig weitermachen – ein ganz, ganz dickes Kompliment, Slobo! Und er wurde sogar von BVB-Trainer Klopp „geadelt“, denn Torjäger Lewandowski wurde sogar in der 67. Minute ausgewechselt! Jawohl, ausgewechselt! Unfassbar eigentlich.

Marcell Jansen war von Anfang an auf dem Platz und spielte eine tolle Partie, gewann sogar Wettläufe gegen den pfeilschnellen Aubameyang. In WM-Form!

Tomas Rincon fühlte sich in seinem Element, er ging zur Sache, er war überall, er nähert sich so seiner Form, die er uns allen einst schon gezeigt hat.

Milan Badelj feierte ein schnelles Comeback (nach einem Bänderriss!?), er mischte mit, hatte gute Szenen in der Defensive, aber nach vorne darf er ruhig noch zulegen.

Tolgay Arslan war aggressiv, griffig, stets auf Achse – so schlüpfte er in die Rolle des Sechsers, in die er sich einst so großartig gespielt hatte. Und wenn er sich immer daran erinnert und zu einer solchen Form aufläuft, dann ist er wirklich ein Super-Sechser – von denen Mirko Slomka bei seiner Vorstellung sprach (und für ein wenig Verwirrung sorgte!).

Petr Jiracek zeigte diesmal, nach vielen, vielen vergebenen Möglichkeiten, warum er in diese Mannschaft gehört. Das war einfach nur gut, „Jira“, weiter so.

Hakan Calhanoglu leistete sich in der ersten Hälfte jede Menge Abspielfehler, schoss auch keine guten (eher schlechten) Standards, aber er kam in der zweiten Halbzeit etwas besser zur Geltung – und dann dieser Hammer! „Das war das Tor des jahres“, jubelte Lotto King Karl, und lag damit genau richtig. So etwas hat es hier ja noch nie gegeben, das waren bestimmt 40 Meter – würde ich sagen. Ein Traumtor! Ein Sensationstor! Und unfassbares Tor!

Pierre-Michel Lasogga der Überflieger! Was soll man da noch sagen? Der Mann ist fantastisch – und schoss nun schon sein elftes Saisontor. Überragend, so hat er vielleicht doch noch (und sogar!) eine WM-Chance, dieser Lasogga ist einfach bärenstark. Auch wenn er in Halbzeit eins einige Bälle leichtfertig zum Gegner gespielt hatte.

Jacques Zoua (ab 86. Min. für Lasogga) durfte noch für Zeit sorgen.

So, gleich sind wir in Feierlaune und mit „Matz ab live“ auf Sendung – und die wird uns endlich mal wieder so richtig gute Laune machen. Wir freuen uns auf Euch.

17.33 Uhr

Neun Millionen werden für Wirbel sorgen

13. September 2013

Alles gut beim HSV. Die Sitzung des Aufsichtsrates filterte keine neuen Probleme hervor, es gab auch keinen neuen Maulwurf – und die Suche nach dem alten Mauwurf, die einst sogar die deutsche Justiz beschäftigen sollte, ist eingestellt worden. Alles haben sich (ab) jetzt nur noch ganz furchtbar lieb. Wobei furchtbar wohl wörtlich zu nehmen ist. Aber so ist es nun mal, es gibt keine gravierenden Dinge, die nun spontan beackert oder geklärt werden müssten – wie gesagt, alles ist gut. Und über die aufsehenerregende Rede, ich meine das Interview mit dem Hamburger Abendblatt, des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel, wurde in Reihen des elfköpfigen Rates auch nicht diskutiert – es war ja die private Meinung des AR-Bosses, nicht die Meinung des Rates insgesamt. Nein, wirklich alles bestens beim HSV. Nun müssen nur noch die Bundesliga-Fußballer am späten Sonnabend für Furore sorgen, indem sie bei der zweitbesten deutschen Mannschaft in Dortmund gewinnen, und schon ist wirklich alles allerbest. Und nebenbei bemerkt: Auch von einem Putsch war gestern nicht die Rede. Hatten vor Wochen einige Räte versucht, Manfred Ertel abzusetzen, so wurde dieser Versuch nun kein zweites Mal gewagt, weil es doch keinen Grund dafür gäbe, den AR-Boss von seinem Amt abzusetzen. Alles ist gut.

Bis vielleicht auf den SID-Bericht, den die deutschen Medien heute in ihre Redaktionen bekamen. Der wird für Wirbel sorgen, davon bin ich überzeugt, obwohl es keine Sensation ist, was da zu erfahren war. Und der las sich dann so:

Medien: HSV mit Minus von neun Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat das abgelaufene Geschäftsjahr offenbar mit einem deutlichen Minus abschlossen. Laut Informationen des Radiosenders NDR 90,3 fehlen den Hanseaten neun Millionen Euro in der Bilanz, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend diskutierte. Eine Bestätigung des HSV steht noch aus. Um ein befürchtetes zweistelliges Millionen-Minus zu vermeiden, hatte der Klub den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Dafür soll der Vermarkter auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben. Auch die Ausleihe von Dennis Aogo an den Liga-Konkurrenten Schalke 04 verschaffte den Hamburgern ein wenig Luft. Am Ende der laufenden Saison soll beim Bundesliga-Dino in der Bilanz eine „schwarze Null“ stehen.

Es ist, das gebe ich zu, interessant zu lesen, ganz bestimmt, aber so richtig etwas Neues steht nicht darin. Diese Zahlen waren bekannt. Und auch die Unstände, die dazu geführt haben – und die auch dazu geführt haben, dass es nur 9,9 Millionen sind. Immerhin – keine zehn Millionen. Aber bekannt war das.

Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Interview im Abendblatt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass der HSV in Sachen Strukturen ein Vorbild in Europa ist- wie es Manfred Ertel nun noch einmal kundtat. Natürlich wussten das alle. Ich habe heute versucht (weil die Bundesliga-Mannschaft in Essen trainiert, hatte ich Zeit), mit so vielen namhaften Befürwortern (die Ehemaligen) der strukturellen Veränderungen innerhalb des HSV zu reden – es ist mir auch gelungen. Nur öffentlich wollte sich keiner äußern. Warum wohl nicht? Weil alle wissen, dass der HSV ein Vorbild ist – ist doch klar. „Dazu äußere ich mich nicht, das sollte man so stehen lassen.“ Das war die Antwort, die ich von jedem zuerst vernommen habe. Als hätten sich die Herren abgesprochen . . . Nach dem sechsten Mann habe ich dann aufgegeben. Ich lasse es mal so gelten, dass der HSV ein strukturelles Vorbild in Europa ist – aber irgendwann werde ich den Herrn Uli Hoeneß dazu befragen. Irgendwann . . .

Halt, stopp, einem Ehemaligen habe ich gesprochen, der mir die folgenden Sätze gestattet. Thomas von Heesen, den ich auf einer Geschäftsreise im Ausland erreichte, erlaubte mir, die folgenden Dinge zu schreiben: „Tradition und Fortschritt – das geht. Ganz sicher sogar.“ Und er sagte auch: „Beim Tag der Legenden habe ich mit so vielen Kollegen aus Deutschland über den HSV gesprochen, sie alle wussten, dass ich im Team von Ernst-Otto Rieckhoff bin – und alle machten mir Mut. Sie sagten: ‚Zieht das Ding durch, bleibt beharrlich, lasst nicht locker, nur so kann es im heutigen Profi-Fußball gehen.’ Viele Spieler von einst machen sich durchaus Gedanken darüber, wie der Dino HSV überleben kann.“
Das nur mal am Rande. Schade übrigens, dass erst jetzt einige große HSVer erkannt haben, was ein Thomas von Heesen so auf dem Kasten hat. Zu spät. Ich habe das schon vor Jahren gesagt, ich habe TvH dem HSV vorgeschlagen und sogar angeboten, immer und immer wieder, aber man wollte ihn damals nicht. Weil sie alles besser wussten. Heute würde von Heesen nicht mehr beim HSV arbeiten wollen, denn er hat Arbeit über Arbeit – und kennt die Strukturen des schwerfälligen HSV nur zu genau. Das aber auch nur mal so am Rande.

Und wo ich gerade bei Uli Hoeneß war, dem besten Über-Manager der Liga – komme ich doch zum besten Sanierer der Bundesliga: Hans-Joachim Watzke. Er hat ja, gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportchef Michael Zorc, den BVB vor dem Tode bewahrt und wieder ganz nach oben geführt. Das fand überall in Deutschland größte Anerkennung, und es gab mal Zeiten, da tourte der Herr Watzke durch die Republik und stellte sein Sanierungskonzept bei den interessierten Vereinen vor. Auch beim HSV. Da genoss „Aki“ Watzke dann auch in Hamburg allerhöchste Wertschätzung – sodass er vom HSV auch gefragt wurde, ob er sich vorstellen können, zum HSV zu wechseln, um dann den Traditions-Club von der Rothenbaumchaussee wieder auf die Beine zu stellen. Watzke konnte nicht. Das heißt, Watzke konnte sich nicht vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ob es an den Strukturen des HSV lag? Man weiß es nicht, man weiß es nicht (würde „Dittsche“ sagen). Eher aber lag es wohl doch daran, dass Borussia Dortmund schon zu jener Zeit, und ich spreche von einem Zeitraum von vor drei, vier Jahren, schon längst wieder auf einem aufsteigenden Ast saß.

Die Sache mit dem „damaligen Watzke“ habe ich tatsächlich erst heute erfahren, aber da kann man mal sehen, dass nicht nur einst Jürgen „Kloppo“ Klopp ganz hoch beim HSV im Kurs stand. Was letztlich zählt ist ja aber die Tatsache, dass beide (mit dem besten und größten Erfolg) in Dortmund arbeiten – und dann doch nicht beim HSV gelandet sind.

Ja, wenn ich dann schon beim morgigen HSV-Gegner bin, dann möchte ich Euch doch schnell noch Auskunft über die personelle Situation beim BVB geben. DPA schreibt:

Borussia Dortmund bangt vor dem Heimspiel gegen den HSV um den Einsatz von Jakub Blaszczykowski. „Das könnte eng werden“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. Der polnische Fußball-Nationalspieler klagt seit dem 5:1 in der WM-Qualifikation über San Marino am Dienstag über Knieprobleme. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, ist die Verletzung jedoch nicht schwerwiegend. Dennoch will Klopp nur auf Blaszczykowski zurückgreifen, wenn die gesundheitlichen Probleme vollends ausgestanden sind: „Wir werden nichts riskieren.“

Bessere Chancen auf einen Einsatz in der Startelf haben die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Marco Reus, Robert Lewandowski und Nuri Sahin. Alle drei Profis befinden sich laut Klopp auf dem Weg der Besserung.

In der Diskussion über die Form von Mats Hummels, der sich bei den WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer mit der Reservistenrolle begnügen musste, stärkte Klopp dem Manndecker demonstrativ den Rücken. „Ich bin sehr froh, dass Mats Spieler von Borussia Dortmund ist. Und ich bin mir ganz sicher, das er noch viele gute Spiele für den BVB machen wird.“

Der HSV fährt jetzt gerade zum Training (das schreibe ich um 17.04 Uhr – ich habe gerade mit Medien-Direktor Jörn Wolf telefoniert), aber ich gehe davon aus, dass Thorsten Fink alle Spieler auch danach noch gesund zur Verfügung hat. Die vielleicht wichtigste Frage ist die: Spielen Marcell Jansen und Zhi Gin Lam auf der linken Seite, bleibt Petr Jiracek deswegen draußen? Auf der einen Seite würde ich es ja für gut erachten, wenn Jansen wieder in die Mannschaft käme, auf der anderen Seite hat ihn Lam dort (hinten links) zuletzt zweimal ganz prima vertreten. Lam müsste dann ja nach vorne rücken – also eine andere Position spielen. Ob er das auch so gut macht wie ganz hinten? Das bleibt abzuwarten. Ich denke da an die vergangene Saison, als Tolgay Arslan auf der „Sechs“ großartig einschlug, dann aber, als sich Rafael van der Vaart verletzte, von der „Sechs“ auf die „Zehn“ geschoben wurde. Und als der „Rafa“ wieder fit war, war Arslan dann (einige Male) draußen. So könnte es Lam ja auch ergehen, obwohl ich von ihm hinten links, das muss ich zugeben, sehr angetan war. Mal sehen, wie sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Kleine Ergänzung noch zum Spiel: Die Partie morgen wird geleitet von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden.

So, ich habe heute noch einige Dinge in der Redaktion zu erledigen, dann an diesem Freitag (den 13.) habe ich meinen vorerst letzten Tag. Wie es mit mir weitergehen wird, das werde ich morgen verraten, wenn wir nach dem Spiel es HSV in Dortmund mit „Matz ab live“ auf Sendung sein werden. Unsere (Scholles und meine) Gäste sind zwei Trainer, die sich über Jahrzehnte im Hamburger Amateurfußball einen Namen gemacht haben: Bert Ehm und Manfred Lorenz. Mit beiden bin ich befreundet, Ehm und ich stiegen 1978 (oder 77?) gemeinsam als Trainer ein, mit Lorenz habe ich einst den B-Schein (in Ochsenzoll) „gemacht“ – sie sind auf jeden Fall echte Fußball-Fachleute und wissen, wovon sie reden. Ich freue mich auf die Sendung.

So, dann habe ich noch eine Ergänzung zum letzten Bericht:

Hallo Dieter, hallo Scholle,
ich danke euch für die positive Reaktion auf meine Einladung zur Podiumsdiskussion rund um den HSV. Leider ist das Wichtigste dabei untergegangen, die Einladung zur Veranstaltung selbst: Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr diese noch veröffentlichen könntet, damit möglichst viele HSVer die Chance zur Infogewinnung nutzen. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den HSV, ohne dass eine Spaltung der Fans droht, deshalb müssen beide Seiten das Gespräch suchen.

Hier die Einladung:

Hallo zusammen,

es tut sich was beim HSV. Die Diskussion um die Neustrukturierung des Vereines nimmt Formen an. Da es aus der Ferne sehr problematisch ist, zu einer Meinungsbildung zu kommen, bieten wir allen HSV-Fans eine Plattform an um Informationen zu gewinnen und Fragen zu stellen. Wir, die HSV Freunde Burgwald 2002, veranstalten deshalb am Samstag, 28.09.2013 vor dem Samstagabendspiel in Frankfurt eine Podiumsdiskussion und Fragerunde für alle interessierten HSV-Fans. Grundlage der Diskussion wird die Idee der Initiative “HSVPlus” sein.

Es ist uns gelungen hierfür kompetente Offizielle und Aktive des HSV zu gewinnen:
• Oliver Scheel, Vorstandsmitglied des HSV
• JoJo Liebnau, Zaunleader, Mitglied der Chosen Fews und ein kritischer Betrachter von HSVPlus
• Nicky Hupertz, unser Regionalbetreuer für Nordhessen von den Supporters, Befürworter von HSVPlus
• ein noch nicht namentlich feststehender Vertreter der Initiative HSVPlus

Diese Besetzung verspricht eine hochinteressante Diskussion und hoffentlich viele Fakten. Wir alle sind interessiert an einem sachlichen, konstruktiven und offenen Meinungsaustausch, ohne Polemik und Anfeindungen der “Anderen”. Ihr als Fans bekommt die Möglichkeit, nach der Diskussionsrunde, Fragen an die Mitstreiter zu stellen und eure Meinung zu äußern. Beginn ist am 28. September um 12 Uhr in Bracht, die Dauer ist bis 15.00 Uhr angesetzt, sodass ihr danach alle nach Frankfurt zur SGE fahren könnt (Fahrtzeit PKW eine Stunde, Zug ab Marburg ebenfalls). Die Veranstaltung findet statt in der Mehrzweckhalle in 35282 Rauschenberg Bracht, Lohweg. Nutzt bitte diese Gelegenheit und kommt zahlreich. Bitte gebt mir eine Rückmeldung ob und mit wie vielen Personen ihr kommt und gebt diese Info auch an andere HSVer und andere Fanclubs weiter.Im Anschluss an die Veranstaltung könnt ihr mit uns gemeinsam das Spiel gegen die SGE (Beamer) schauen und weiter Meinungen austauschen.
Solltet ihr noch Fragen haben, kontaktiert mich bitte.
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Martin Schneider, Vorstand HSV Freunde Burgwald 2002, Mobil 0177 3421 836; Mail: hsvfreundeburgwald@googlemail.com

PS: Denkt immer daran, dass es schon etwas Besonderes ist, wenn der HSV gegen Dortmund gewinnt. Zweimal durfte der Rothosen-Anhang nun das ganz Besondere erleben (vergangene Saison), aber so geht es (leider, leider) nicht immer. Wer dann, im Falle einer Niederlage, mit dem HSV hadert, der sollte sich, um dieses Hadern in Grenzen zu halten, vielleicht doch schon mittags das neue HSV-Buch „111 Gründe, den Hamburger SV zu lieben“ kaufen. Lesen und dann vergessen (die Niederlage), das könnte ein Rezept sein. Wobei ich gerne noch eine Einschätzung der Autoren des Buches veröffentlichen möchte:

„Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, weshalb man den HSV einfach lieben muss, es stand nur noch nirgends geschrieben. Wir hätten auch 111 Gründe aufzählen können, warum uns der HSV oft wahnsinnig macht – aber das kann ja jeder.“

An diesem Sonnabend – so gegen 20.30 Uhr – gibt es dann wahrscheinlich den 112. Grund. Auf dieser oder auf jener Seite . . .

17.31 Uhr

Wieder verletzt – Ilicevic bleibt ein Rätsel

10. September 2013

Der 10. September steht für mich seit dem Vormittag für „Winter-Anfang“. Nur 13 Grad im Volkspark, dazu klatschte ein äußerst unangenehmer und permanenter Regen auf die Schirme – gruselig. Dennoch waren viele Kiebitze nicht davon abzuhalten, ihren „Lieblingen“ beim Training zuzusehen. Aufwärmen, fünf gegen zwei (waren sogar ein paar mehr) und dann Flanken von links und von rechts – nach 70 Minuten war die erste Einheit des Tages beendet. Auffällig bei den Torabschlüssen: Pierre Lasogga traf einige Male bilderbuchartig, sodass die Zuschauer staunten. Auch Heiko Westermann brachte einige sehr gute Kopfbälle ins Netz, im Gegensatz dazu war Slobodan Rajkovic der Hoch- und Weitschütze des Tages – einige Bälle suche sie bestimmt an diesem Abend noch. Einmal mehr eine Augenweide: Torwart Sven Neuhaus, der wieder einmal mit einer Reihe herrlichster Paraden aufwartete. Erfreulich bei diesem ersten Training: Sowohl Tolgay Arslan als auch Marcell Jansen mischten mit – ohne Beschwerden, wie es von außen den Anschein hatte. Es fehlten nur die Nationalspieler, die noch bei ihren Ländermannschaften weilen, und dazu Rafael van der Vaart, Milan Badelj, Ivo Ilicevic und Valmir Nafiu. Morgen, am Mittwoch, soll dann der Tag der Entscheidung für van der Vaart sein. Training oder ein Spiel Pause, das ist dann hier die Frage. Heute am Nachmittag sah das, im Sondertraining mit Reha-Coach Markus Günther, schon mal sehr gut aus – sogar der Ball war schon wieder mit im Spiel.

50 Minuten nach dem Vormittags-Training hatte Reha-Trainer Günther schon eine Einzelschicht mit Milan Badelj absolviert. Für 30 Minuten war eine Laufeinheit angesetzt, der Mittelfeldspieler trabte Runde um Runde – und das sah schon wieder ganz gut aus. Im Kraftraum war derweil van der Vaart tätig, während Nachwuchsmann Nafiu, der von Hüftschmerzen geplagt wird, eine Woche Pause einlegen muss. Ein besonderes Thema ist in diesem Zusammenhang wohl Ivo Ilicevic. Bei ihm zwickt der Oberschenkel. Und für mich ist das ein Buch mit sieben Rätseln – wenn man mit sieben überhaupt auskommt. Eher 47 . . .


Wieso der ehemalige Lauterer immer wieder verletzt ist, das ist aber nicht nur mir ein Rätsel. Es ist unfassbar. Da wird Ilicevic (Thorsten Fink über ihn: „Einen wie Ivo haben wir sonst nicht, er hat großartige Fähigkeiten, ich hoffe und baue auf ihn.“) seit Wochen aus dem Mannschaftstraining herausgenommen, damit er behutsam aufgebaut wird, er wird – wie kein anderer HSV-Profi vor ihm – extra in „Watte gelegt“, und trotz allem verletzt er sich immer und immer wieder. Am Freitag, wir erinnern uns, wurde er eher in die Kabine geschickt – vorbeugend. Damit er sich nicht zu sehr verausgabt und eventuell überbeansprucht wird. Das war so mit Thorsten Fink abgesprochen. Und heute nun das. Es ist zum Verzweifeln – besonders der Trainer muss sich doch fragen, was da schief läuft. Ich habe in über 33 Jahren beim HSV keinen vergleichbaren Fall erlebt, obwohl es etliche Spieler gab, die stets ihre Verletzungen hatten (und pflegten). In der Häufigkeit, wie es nun Ilicevic tut, gab es das aber noch nie – würde ich mal behaupten. Aber gut, egal wie man es dreht und wendet, es ändert ja nichts . . .

Warum ich jetzt als Übergang Marcell Jansen habe – Zufall. Wirklich purer Zufall. Der Linksverteidiger hatte sich vor dreieinhalb Wochen einen Zehbruch zugezogen – und heute stand er Nationalspieler erstmals wieder auf dem Platz und trainierte mit den Kollegen. „Es tatnatürlich noch ein bisschen weh, das ist klar, es ist noch nicht ganz verheilt, aber es macht wieder Spaß ich kann es belasten, nun gucken wir mal, wie es bei und nach den weiteren Belastungen aussieht.“ Thorsten Fink hatte am Dienstag noch erklärt, dass er Zhi Gin Lam als Jansen-Ersatz wohl in der Mannschaft lassen werde, aber Jansen gibt die Hoffnung auf das Dortmund-Spiel noch nicht auf: „Ich werde diese Woche trainieren, ich hoffe dass es dann immer so gut geht, wie in dieser Einheit jetzt, und dann werden wir sehen. Man muss nichts übers Knie brechen, aber wenn es gut läuft – warum nicht? Das hängt aber von dieser Woche ab, ob ich die Spritzigkeit wieder habe, wie es geht. Ich gucke da von Tag zu Tag, erst einmal freue ich mich, dass ich wieder trainieren kann.“ Und heute hat Marcell Jansen noch keine Tablette gegen die Schmerzen genommen – das könnte er dann ja sehr wohl in Dortmund. Wenn er dann ran darf.

Einer, der darf, ist Johan Djourou. Der Innenverteidiger kam von Hannover 96 und war gleich verletzt – Adduktoren-OP. Und zuletzt, gegen Eintracht Braunschweig, machte er sein erstes Spiel, musste aber vorzeitig vom Platz – erneute Schmerzen. Die aber gehören der Vergangenheit an. Djourou sagt: „Ich habe keine Probleme mehr, habe seit über einer Woche das volle Programm mit den Kollegen mitgemacht – es ist alles okay.“ Zumal jetzt auch seine Familie in Hamburg angekommen ist: „Wir haben eine Wohnung, wir haben unsere Möbel – alles super. Und Hamburg ist eine schöne Stadt, wir fühlen uns alle sehr wohl hier.“ Er hätte eventuell zur Nationalmannschaft der Schweiz fahren können (Freitag 4:4 gegen Island, heute in Norwegen), aber er hat mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld beschlossen, dass er in Hamburg seine Form stabilisieren soll: „Dann kann ich hundertprozentig im nächsten Spiel dabei sein.“

Johan Djourou ist für den HSV in Dortmund „am Start“, und er weiß, was da auf ihn und seine Kollegen zukommen wird: „Die Borussia hat eine große Mannschaft, technisch starke Spieler, alle sehr schnell, aber wenn man nach oben will, dann muss man gegen sie spielen. Es wird schwer, aber wir werden alles geben, um dort zu bestehen.“ In einem Hexenkessel, in dem 80 000 Fans dabei sein werden. Djourou hat zweimal dort gespielt, zweimal verloren – er sagt über die Arena: „Nach Liverpool ist es das zweitbeste Stadion der Welt.“ Besonders imposant ist dabei die schwarz-gelbe Wand – aber auch gegen die hat sich der HSV schon bewiesen, zuletzt sogar 4:1 gewonnen. Zur Nachahmung empfohlen. Dass es Johan Djourou nun mit Leute wie Marco Reus und Robert Lewandowski zu tun bekommen wird, stört ihn nicht: „Ich habe schon gegen viele sehr gute Stürmer gespielt, richtige Klasse-Stürmer, aber wenn man auf diesem Niveau Fußball spielt, dann trifft man eben auch auf sehr, sehr gute Leute, das will man doch auch – für mich ist das ein Super-Test. Wir wollen dieses Spiel machen, und Angst habe ich nicht, Angst kenne ich nicht. Natürlich hat Dortmund eine sehr gute Qualität, aber die haben wir auch. Und der HSV hat dort zuletzt ja auch souverän gewonnen.“

Apropos Lewandowski. Da gab es heute noch folgende Agentur-Meldung:

Stürmer Robert Lewandowski fehlt der polnischen Fußball-Nationalmannschaft am Dienstagabend im WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino. Der Angreifer von Borussia Dortmund ist vorzeitig zu seinem Club zurückgekehrt. Der 25-Jährige soll sich eine Bänderverletzung im Knie zugezogen haben. Laut BVB besteht vier Tage vor dem Ligaspiel gegen den HSV aktuell kein Grund zur Besorgnis. Eine klare Aussage könne jedoch erst nach Untersuchungen im Lauf des Dienstags getroffen werden.

Ich glaube ja, dass sowohl Lewandowski als auch Reus, der bei der deutschen Nationalmannschaft passen musste, am Sonnabend gegen den HSV fit sein werden. Darauf zu hoffen, dass diese beiden Super-Stürmer ausfallen, das sollte wirklich kein HSV-Fan. Es ist ja noch so viel Zeit . . .

Dann noch einmal zum „Tag der Legenden” zurück, der am Sonntag über die Bühne gegangen ist. Die Deutsche Presse-Agentur wagte heute noch einmal einen Rückblick, der für den HSV (und seinen Anhang) ganz interessant sein dürfte:

Wer an einem Wochenende ohne Bundesligaspiel in aller Munde ist, sollte sich eigentlich glücklich schätzen – es zeigt eine gewisse Bedeutsamkeit. Im Fall des HSV sind im Moment allerdings eher Solidaritätsbekundungen an der Tagesordnung, was für die Verantwortlichen kein gutes Zeichen sein kann. Trotz des Sieges gegen Aufsteiger Braunschweig haben die Niederlagen der ersten Saisonspiele und die internen Querelen um Investor Kühne, Mallorca-Reisen von Spielern und leere Kassen Eindruck hinterlassen. Und führen zu Sympathien für Reformvorhaben.

„Es ist dem Club zu wünschen, dass er zur Ruhe kommt und dass die handelnden Menschen miteinander den Weg gehen“, sagte Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer am Sonntag am Rande des Benefiz-Spiels „Tag der Legenden“ in Hamburg. Dass der Club absteige, glaube er nicht. Aber den momentan Verantwortlichen müsse eben Vertrauen und etwas Geduld geschenkt werden. „Es ist sehr turbulent beim HSV“, stellte auch Ex-Nationalspieler Markus Babbel fest. Sein ehemaliger Mitspieler Thorsten Fink mache seine Sache als Trainer aber gut. Die Mannschaft müsste eben auch mitziehen.

Interessiert diskutiert werden die Reformpläne des ehemaligen HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff. Er will unter anderem die Fußball-Abteilung aus dem Verein ausgliedern und den Aufsichtsrat zurechtstutzen – und bekommt immer mehr Fürsprecher. „Vielleicht kommen ein paar Umstrukturierungen im Club. Man sieht ja, wie große Clubs funktionieren, wie Borussia Dortmund und Bayern München. Vielleicht sollte man so etwas anstreben“, sagte Ex-HSV-Spieler Hasan Salihamidzic. „Die Struktur ist vielleicht nicht mehr die modernste“, meinte Ex-Sportdirektor Bastian Reinhardt.

Deutlicher wurde da Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. „Jeder mischt sich ein, jeder gibt seinen Kommentar. Alles, was intern besprochen wird, ist am nächsten Tag in der Zeitung“, beklagte Matthäus, dem gelegentlich selbst ein zu laxer Umgang mit der Boulevard-Presse nachgesagt wurde. Beim HSV gebe es aber einfach zu viele „Nebenkriegsschauplätze“, so Matthäus.

Aber egal wie auch immer der HSV von „außen“ betrachtet wird, im HSV selbst werden sich Gedanken gemacht, wie die Zukunft besser zu bewältigen sein wird. Und Ernst-Otto Rieckhoff hat mit seiner „Mannschaft“ (in der, neben anderen, Holger Hieronymus, Ditmar Jakobs und Thomas von Heesen stehen), vor allen Dingen auch mit seinen Plänen, für viel Aufsehen im positiven Sinne gesorgt. Der Initiator von „HSVplus“ hat in diesen Tagen beide Hände voll zu tun. Dennoch schwärmt er: „Das, was wir nach der Präsentation unserer Pläne erlebt haben, ist sensationell. Der Wahnsinn. Davon hätten wir nie zu träumen gewagt. 70 000 Besuche auf unsere Seite ‚www.hsvplus.de“, 13 000 Menschen gefällt das, bei Youtube wurde unser Video bislang von 24 000 Besuchern angesehen – und es gibt nichts Negatives. Alle sind begeistert und wollen uns unterstützen – überwältigend.“

Könnte sein, dass im Januar 2014 nur die Arena im Volkspark als Herberge der Mitgliederversammlung dienen kann, denn wenn wirklich alle die HSV-Mitglieder kommen wollen, die es bislang angekündigt haben, dann reicht auch die größte Hamburger Halle nicht aus . . .

So, ich wünsche Euch nun einen wunderschönen Fußball-Abend mit vielen Toren auf der richtigen Seite.

PS: Zur Beachtung: Am Mittwoch wird im Volkspark einmal trainiert, und zwar um 16 Uhr.

PSPS: Mladen Petric hat nun doch noch einen neuen Verein gefunden, der ehemalige HSV-Stürmer unterschrieb einen Vertrag bei West Ham United – und trifft dort auf seinen ehemaligen HSV-Kollegen Guy Demel. Glückwunsch.

18.21 Uhr

“Drobo ist eine coole Socke”

1. Mai 2013

Bevor ich diesmal zum HSV komme, muss ich eines auf jeden Fall schnell mal loswerden:
Herzlichen Glückwunsch Borussia Dortmund!
Ich freue mich für Klopp und Co, dass das Champions-League-Finale erreicht wurde, das ist eine bravouröse Leistung – und selbst die 0:2-Niederlage in Madrid und gegen das große Real war überragend gut.

Geärgert, aber dafür kann Borussia Dortmund nichts, habe ich mich allein über den Sky-Kommentator. So etwas kommt dabei heraus, wenn man einen Bayern-Fan ein Spiel Real gegen den BVB kommentieren lässt. Ich habe gegen Ende des Spiels den Ton abgeschaltet, denn ich konnte mir nicht mehr mit anhören, dass da Sätze wie diese fielen:

„Real Madrid spielt so schlecht, hat keinen Plan, hat auch nicht die Mittel, gegen Dortmund zu gewinnen . . .“

Und dazu gab es in jeder Minute dermaßen viel Mist zu hören, dass es das Maß des Unerträglichen bei weitem überstieg. Erstmals habe ich deshalb den Ton abgedreht. Dieser gute Mann muss sich, der da kommentierte, das habe ich lange Zeit so bei mir gedacht, maßlos geärgert haben, dass der „blasse“ BVB und nicht das „große“ Real das CL-Finale gegen seine Bayern spielen wird. Ein Bayern-Sieg in der Champions League gegen Real Madrid würde natürlich doppelt und dreifach zählen, als wenn das nur gegen das „kleine“ Dortmund geht. Bayern gegen den BVB im Champions-League-Finale ist wahrscheinlich so, wie einst im Tennis und im Endspiel von Wimbledon die Partie Boris Becker gegen Michael Stich. Und hat da nicht Stich gewonnen? Der Außenseiter? Vielleicht auch mal ein Hinweis, dass nicht immer die Favoriten gewinnen, da entscheidet gelegentlich auch die Tagesform.

Und abschließen zu Dortmund: Was Weidenfeller diesmal gehalten hat, war überirdisch, Hummels hat seine unterirdische Leistung aus dem Hinspiel mit einer Weltklasse-Vorstellung vergessen gemacht, Reus war im Dribbling wie von einem anderen Stern – und was Lewandowski gegen Ramos ertragen hat, habe ich noch nie erlebt. Mindestens sieben Box- oder Ellenbogenhiebe hat der Pole vom Spanier an den Kopf und damit ertragen müssen, der BVB-Torjäger hat es alles mit Fassung weggesteckt und ich frage mich: wie geht so etwas? Ich wäre dreimal ausgerastet, viermal explodiert und hätte das Spiel wahrscheinlich nicht bis zum Ende erlebt – aber Lewandowski blieb ruhig. Das ist bewundernswert hoch zehn. Kompliment.

Nun aber zum HSV, ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen Abstecher zur Champions League. Übrigens, wo ich gerade noch dabei bin: Markus Lanz sprach nach dem Spiel mit Prominenz über das erste Halbfinale, und da sagte mein Kollege Jörg Dahlmann etwas, was ich jedem Fan empfehle, wenn er nicht s tolerant sein sollte: „Egal von welchem Club man auch Fan ist, steht ein Bundesliga-Vertreter in einem CL-Halbfinale, dann ist man doch Deutscher iúnd zittert mit dem deutschen Club mit, dann möchte man doch, dass der Bundesliga-Verein weiterkommt.“ Genau, mein Jörg, genau so ist es. In dieser Sendung saß ja auch „Dittsche“, nämlich Olli Dittrich, und der lobte explizit die Arbeit von Thorsten Fink. Ein Extra-Lob an den HSV-Trainer gab es auch von Dahlmann, das sei nicht verschwiegen: „Der HSV ist ganz mies in die Saison gestartet, da hatten doch viele die Befürchtung, dass der HSV diesmal absteigen wird, aber er hatte mit dem Abstieg nichts zu tun, steht im gesicherten Mittelfeld und kann von Europa träumen – das ist Finks Verdienst“

Und damit bin ich dann auch schon voll beim HSV. Heute Training am Vormittag, wunderbares, sommerliches Wetter, viele Fans – und gute Leistungen der Spieler. Obwohl ich davon gar nichts mehr schreiben möchte, denn wer erinnert sich noch an die vergangene („Vor-dem-Schalke-Spiel“-)Woche? Da hatte ich geschrieben, wie super die Mannschaft trainiert hat, wie toll diese ganze Woche gelaufen ist. Und dazu hatte ich mich aus dem Fenster gelehnt: „Der HSV wird auf Schalke auf jeden Fall nicht verlieren. . .“ Und dann dieses erneute Debakel. Deswegen will ich auch nicht mehr bewerten, wie und wie schlecht und wie gut der HSV trainiert hat – alles Makulatur. Die Herren Profis können sich beim Üben noch so sehr den Hintern aufreißen, im Spiel sind sie dann doch nur wieder lammfromm. Auch am Sonntag weder, wenn es gegen die unbequemen Wölfe aus Wolfsburg geht – ich könnte wetten.

Ja, ich gebe zu, der Hals ist vom Schalke-Spiel immer noch dick. Das dauert auch noch. Weil ich es immer noch nicht begreifen kann, wie eine so leblose Truppe eine so große Chance auf die CHAMPIONS LEAGUE einfach so kampflos vertut. Will mir nicht in den Kopf – immer noch nicht. Und im Training gehen sie dann wieder zur Sache . . . Das passt doch nicht.

Thorsten Fink hat sich da auch so seine Gedanken gemacht. Auch er hatte durchaus beobachtet, wie gut seine Mannen vor Schalke trainiert hatten. Heute hat der Coach gesagt: „Wichtig ist immer das Wochenende, das Spiel. Es gibt ja im Fußball die Aussage: ‚So wie man trainiert, so spielt man auch.’ Die stimmt aber nicht.“ Auch Fink ist immer noch verärgert ob dieser Minus-Leistung seines Teams: „Ich habe ja schon gesagt, es fehlt die Cleverness. Und dann hat der eine oder andere einfach nicht erkannt, welche Chance man da vor sich hat. Man kann ja verlieren, aber dabei muss es dann auch blaue Flecken geben . . .“ Der HSV-Trainer dann weiter: „Wenn man nun Real Madrid gesehen hat. Im Hinspiel in Dortmund waren die nicht gut, aber dann gehen die zum Rückspiel auf den Rasen und geben alles. Die haben doch 90 Minuten lang alles gegeben. Und genau das möchte ich von meiner Mannschaft auch sehen. So müssen wir auftreten.“ Um dann noch ergänzend zu sagen: „Okay, in Deutschland hätte es für einen solchen Auftritt wie den gestern von Real mindestens drei Rote Karten gegeben, aber so muss man auftreten, wenn man was erreichen will.“

Und der HSV kann, das ist ja das Schizophrene, ja immer noch etwas erreichen. Freunde, es geht um Europa. Auch gegen Wolfsburg. Um Europa! Dafür lohnte es sich auf jeden Fall früher einmal, das war einst in grauer Vorzeit, sich das eine oder andere Bein auszureißen. Fink sieht das ebenso: „Wir haben jetzt drei Play-off-Spiele vor uns. Jedes Spiel davon ein Play-off-Spiel. Jetzt muss man 1:0 gewinnen, um weiter zu kommen, und genau so muss man jetzt jedes Spiel angehen, es sind doch nur noch drei. Und deswegen ist das jetzt auch keine normale Woche für uns, nein, nein, da kann man nicht einfach so lala trainieren. Nein, da muss jeder wissen, um was es am Sonntag geht. Da muss das Bewusstsein da sein, was auf dem Spiel steht. Und ich versuche natürlich, die Spieler heiß zu machen . . .“

Thorsten Fink weiß aber auch, dass sein VfL-Kollege Dieter Hecking seine Spieler ebenfalls „heiß machen“ wird. Das ist so. Auf Schalke ist es dem Kollegen Jens Keller wahrscheinlich gelungen, sein Team noch ein wenig heißer zu machen. So spielt das Fußball-Leben. Und deswegen ist natürlich nicht davon auszugehen, dass der „heiße HSV“ gegen den „heißen VfL“ am Sonntag gewinnen wird. Fink: „Wolfsburg ist von den Namen her großartig besetzt. Was ist denn, wenn die so eingestellt sind wie wir? Dann wird es schwer. Die haben doch auch Qualität. Aber ich will von meiner Mannschaft sehen, dass sie will. Und da bin ich auch guten Mutes, dass wir das am Sonntag sehen werden.“

Darüber wird der HSV-Coach sicherlich auch mit Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (die Kollegen witzelten, indem sie ihn als „Euro-Eddy“ bezeichneten) gesprochen haben, der beim Training plötzlich neben Thorsten Fink stand. Ich habe im Scherz gemutmaßt: „Der Boss überbringt ihm eine Abmahnung – weil der Trainer doch neue Spieler gefordert hat, obwohl er doch eigentlich wissen müsste, dass der HSV kein Geld hat für neue Spieler, erst recht nicht für jene Spieler, die eine Soforthilfe darstellen würden. Als ich Carl-Edgar Jarchow, also „Euro-Eddy“, mit meiner Vermutung konfrontierte, lachte er und sagte: „Nein, nein, keine Abmahnung, alles ist gut – ich spreche täglich mit dem Trainer.“ Und, Herr Jarchow, wie ist es denn? Der HSV hat doch kein Geld für neue Spieler, oder? Jarchow: „Wieso, zwei neue Spieler haben wir doch schon. Und alles Weitere wird sich finden, das hängt auch von den Verkäufen ab. Ich bin sicher, dass wir noch einige punktuelle Verstärkungen verpflichten werden.“
Klingt gut, Herr Jarchow, dann noch einen schönen Feiertag.
Und wer nicht weiß, wer diese beiden neuen HSV-Spieler sind: Hakan Calhanoglu (vom KSC) und Kerem Demirbay (Borussia Dortmund)

Beim HSV haben heute zwei Spieler im Training gefehlt: Dennis Aogo hat es, weil er zuletzt umgeknickt ist, an der Kapsel (linker Fuß) erwischt, und Milan Badelj hat noch eine Schicht mit Reha-Trainer Markus Günther absolviert. Beide Profis, so der Plan heute, sollen wahrscheinlich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren können. Wobei einer von beiden sicherlich auf die Bank gehen wird – ich tippe mal auf Aogo. Und wenn ich schon mal bei Prognosen bin: Maximilian Beister, der uns Journalisten ja immer noch nicht verziehen hat, dass er vor einigen Wochen (am 16. März im Spiel gegen Augsburg) Rot gesehen hat und vom Platz gestellt worden ist, hat seine Krankheit überwunden und steht wieder im Training. Ich denke aber, dass es bis zum kommenden Sonntag noch nicht wieder reichen wird, sodass er wohl noch einmal als Zuschauer wird auftreten müssen.

Kein Zuschauer, sondern voll am Ball (hoffentlich) wird Jaroslav Drobny sein. Der große „Schweiger“ wird ja bekanntlich am Sonntag für den gelb-gesperrten Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen und beantwortete heute schon mal drei Frage (die ihm Medien-Direktor Jörn Wolf gestellt hat). Die überaus humorvolle Antwort auf Frage eins (ihr dürft euch die Frage überlegen, welche am besten passen würde!): „Es ist mein Job da zu sein, wenn ich gebraucht werde. Spielpraxis habe ich genug. Ich stand doch vor zwei Monaten gegen Gladbach schon im Tor . . .“ Und die Antwort auf Frage zwei: „Wolfsburg ist eine Partie mit Endspielcharakter. Das müssen wir als Mannschaft auf dem Platz zeigen. Mehr gibt es davor nicht zu sagen.“ Richtig.

Und Frage drei, die beantwortete der Keeper wie folgt: „Ich kann mir einiges vorstellen für die Zukunft. Das bespreche ich aber erst mit dem HSV, bevor ich es jemandem mitteile.“ Aha. Na denn ist ja alles klar.

Thorsten Fink antwortete übrigens auch auf eine Frage, die ihm in Richtung Drobny gestellt wurde: „Drobo ist eine coole Socke.“ So nach dem Motto: „Der wird seine Sache schon gut machen, er hat ja auch beim 1:0 gegen Mönchengladbach eine sehr gute Leistung gezeigt, da gibt es keinerlei Zweifel bei mir.“ Bei mir auch nicht. Wer sich im normalen Leben schon so defensiv verhält, der hält sich auch im Spiel sehr defensiv.

Wesentlich offensiver ging da schon Rene Adler an das Thema „Drobny – der Mann neben oder hinter mir“ heran. Der deutsche Nationaltorhüter lobte den tschechischen Nationaltorhüter sehr: „Drobo ist einer der Konkurrenten und Kollegen, mit dem ich super gerne zusammengespielt habe – und noch spielen werde. Es gab schon Kollegen und Trainingspartner, da lief das nicht so ideal wie hier und bei uns, er ist nicht nur ein total witziger Typ, er ist auch extrem wichtig für unsere Mannschaft. Er hat es mir hier von der ersten Minute an sehr einfach gemacht, und das ist auch nicht selbstverständlich. So sportlich wie er sich verhalten hat, da ziehe ich den Hut vor. Dafür kann ich mich bei ihm nur bedanken.“

Rene Adler fast schwärmerisch weiter über Drobny: „Wir haben uns von der ersten Minute an respektiert, haben uns auch relativ offen und ehrlich ausgesprochen, und haben dann wirklich Tag für Tag das Niveau versucht, hoch zu schrauben. Das gilt aber auch für die anderen Torhüter, Tom Mickel noch am Anfang, und Sven Neuhaus. Wir haben alle sehr, sehr gut trainiert, da muss man auch mal Torwarttrainer Ronny Teuber loben, der seine Sache ausgezeichnet macht.“ Dass Drobny am Sonntag deswegen eventuell nicht in Bestform sein könnte, weil er wenig Spielpraxis hat, verneinte Adler übrigens: „Der Drobo ist top trainiert, und er hat bei den Testspielen zwischen den Pfosten gestanden, okay, das ist nicht die Bundesliga, aber er hat gespielt. Ich bin restlos davon überzeugt, dass er bei uns am Sonntag eine ganz wichtige Rolle spielen und auch gut halten wird. Ich drücken ihm auf jeden Fall sämtliche Daumen, die ich habe.“ Das ist ein Daumen weniger – als der HSV am Sonntag Punkte kassieren wird . . . Wenn ich mich mit dem Dreisatz noch richtig auskenne.

Dann fügte Rene Adler noch in Sachen Drobny an: „Er ist extrem wichtig für die Mannschaft, und das sind nicht immer nur die Spieler, die ständig zum Einsatz kommen. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich verhalten sollte, wenn man nicht immer spielt, er sorgt bei uns immer für beste Stimmung.“

Auf geht’s, Drobo, dann sorge bitte auch dafür, dass am Sonntag allerbeste Stimmung im Volkspark herrschen wird – ich sage mal, so spätestens um 19.25 Uhr.

So, und wenn ich gerade mal bei einem Blick in die Zukunft bin, dann passt ja auch diese Meldung:

Das Teilnehmerfeld für den Fußball-Nordcup in Hamburg steht fest. Nach dem neunmaligen dänischen Meister FC Kopenhagen und dem Bundesliga-Rivalen VfL Wolfsburg hat nun auch Erstliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig seine Zusage gegeben. Das Vorbereitungsturnier auf die neue Saison findet am 13./14. Juli in der Hansestadt statt. „Wir freuen uns sehr, ein so attraktives und gleichzeitig regionales Teilnehmerfeld gewonnen zu haben“, sagte HSV-Vorstand Joachim Hilke.

Am 13. Juli finden zunächst zwei Halbfinalspiele statt. Tags darauf werden das Finale und das Match um Platz drei ausgespielt. Alle Spiele werden mit verkürzten Halbzeiten à 30 Minuten und ohne Verlängerung gespielt. Im Falle eines Gleichstandes wird der Gewinner jeweils direkt über das Elfmeterschießen ermittelt.

PS: Und dann noch in eigener Sache. Viele, viele Mails, Briefe (in die Redaktion) und sms gab es in den vergangenen heißen Tagen, dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Ich kann unmöglich alle beantworten, da mein Tag dann gelaufen wäre – da bitte ich euch um Verständnis. Vielleicht gelingt es jenen Usern, die mir privat so emotional schreiben, das dann doch in den Matz-ab-Blog zu stellen. Es wäre besser, denn es sind zum Teil sehr gute Ansichten und Aussagen darunter. Und dann hätten von diesen guten Sachen alle etwas davon – oder auf jeden Fall viele.

Zum Trost für diejenigen, die mir nun geschrieben und nichts davon gehört haben, sei stellvertretend eine Mail, die mich dieser Tage erreichte, veröffentlicht, sie spiegelt das wider, was in fast jeder Mail thematisiert wird:

„Eine jahrzehntelange Liebe beginnt zu sterben, wenn man fühlt, dass der Partner nicht mehr das Gleiche zu geben bereit ist, wie man selbst.“

PSPS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, und am Freitag ebenfalls um 10 Uhr.

PSPSPS: Dann wünsche ich euch und euren Lieben noch einen schönen Rest-Feiertag – und einen wunderbaren Fußball-Abend zum Genießen. Ich drücke übrigens dem FC Bayern die Daumen, denn ein deutsches Finale in England wird auf der ganzen Welt für viel Aufsehen sorgen. Vorsichtshalber werde ich mal das ZDF einschalten – Sky ist mir seit gestern ein wenig zuwider geworden . . .

PSPSPSPS: In der A-Junioren-Bundesliga hat der abstiegsgefährdete HSV heute sein Heimspiel gegen Hertha BSC mit 0:2 verloren.
So meldete es jedenfalls die Agentur. Unser User “Wortspieler” aber weiß es besser, danach hat der HSV mit 2:0 gewonnen. Ist ja auch besser so. Und vielen Dank für den Service, “Wortspieler”.

16.20 Uhr

Son will in die Champions League. Mit dem HSV?

24. April 2013

Milan Badelj ist verletzt. So eine Sch… Ausgerechnet jetzt, wo sich der in meinen Augen eminent wichtige Organisator im Mittelfeld wieder gefangen zu haben schien, musste er mit einer Adduktorenverletzung das Training abbrechen. „Wir haben eine Ultraschall-Untersuchung gemacht und es ist wohl nichts gerissen“, sagt Badelj, ohne Entwarnung geben zu können. Im Gegenteil: „Es fühlt sich aber wie eine Zerrung an. Sollte dem so sein, dürfte Badelj auf Schalke und möglicherweise auch am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg ausfallen. Erneuter Nutznießer könnte Dennis Aogo werden. Der hatte gegen Düsseldorf den an Grippe erkrankten Tolgay Arslan ersetzt. Arslan ist inzwischen wieder gesund und gilt als gesetzt – neben Badelj. Sollte dieser ausfallen, rückt Aogo nach. Mal wieder.

Genaueres in Sachen Badelj soll es am morgigen Donnerstag geben. Da soll die verletzte Stelle erneut untersucht, geröntgt und anschließend eine exakte Diagnose gestellt werden. Ergo: Daumen drücken. Zumindest werde ich das machen.

Gleiche gilt für die Personalie der Woche: Heung Min Son. Der Südkoreaner ist heiß umworben – vom HSV und anderen Klubs. Unter anderem, nein: vor allem von Borussia Dortmund. Intern sorgt das für eine Menge Gesprächsstoff, wie Tolgay Arslan bestätigt. Der wieder genesene Mittelfeldspieler, der von Trainer Thorsten Fink bereits seinen Einsatz auf Schalke signalisiert bekommen hatte, sagt: „Ich habe Sonni schon gesagt, dass er ein echtes Problem hätte, wenn er mir plötzlich als Dortmunder gegenübersteht. Dann müste er aufpassen, dass ich ihn nicht mächtig erwische.“ Worte, die im Spaß gemeint aber durchaus einen ernsten Hintergrund haben. Immerhin rechnet man auch beim HSV auf kurze Sicht mit einem Angebot aus Dortmund. Der BVB hat gerade knapp 70 Millionen Euro für seine beiden Topspieler Robert Lewandowski und Mario Götze (dazu könnt Ihr auf unserer neuen Facebookseite https://www.facebook.com/groups/matzabauch ein Video mit Rene Adler sehen) eingenommen und ist auf der Suche nach Ersatz. „Sonni hat nicht gesagt, wie er sich entscheidet“, so Arslan, „aber ich hoffe, dass er sich für uns entscheidet und bleibt.“

Bleiben will auf jeden Fall Rene Adler. Das zumindest sagte der angeblich vom FC Arsenal umgarnte Keeper den Nachwuchsreportern vom Team „SportXperten“. Die Schüler hatten eine Ausschreibung des Hamburger Weg-Projektes gewonnen und befragten heute eine Stunde lang den HSV-Keeper und seinen Pendant vom HSV-Handball, Jogi Bitter. Adler: „Ich habe in Hamburg ein Haus gekauft, habe einen langen Vertrag – das wäre mir zu unentspannt. Ich habe keine Wechselgedanken.“ Eine Ansicht, die Adler in abgewandelter Form kurz zuvor auch Heung Min Son nahelegte – im persönlichen Gespräch. „Natürlich reden wir, Sonni ist sehr wissbegierig, fragt viel“, so Adler. Er habe dem begehrten Jungstar auch einen Tipp für die Zukunft mitgegeben. „Aber der bleibt geheim.“

Genauso wie das Ziel Heung Min Sons, dessen Vertrag 2014 ausläuft. Sollte der Südkoreaner nicht verlängern, wird er verkauft. Darauf legte sich Sportchef Frank Arnesen bereits fest. Stand Und Son ist weiterhin heiß umworben von englischen Klubs sowie der Bundesligakonkurrenz. Allen voran: Borussia Dortmund. Der noch amtierende Deutsche Meister hat durch den Verkauf seiner Top-Spieler Robert Lewandowski sowie Mario Götze gerade rund 70 Millionen Euro generiert – und ist heiß auf Son. „Mich interessiert das noch nicht“, sagt Son und man spürt die Unbehaglichkeit beim Angreifer. Immerhin ist er einer der Hoffnungsträger im Kampf um einen internationalen Startplatz für den HSV. „Ich lasse das meinen Vater und meinen Berater machen. Für mich ist es erst nach der Saison Thema. Bis dahin zählt nur der HSV.“

Worte, die so gesagt oft Abschiede nach sich zogen. Und angesichts des kolportierten Angebotes von rund zehn Millionen Euro seitens der Dortmunder rückt dieser wohl auch näher. Obgleich der HSV finanziell mit seinem Angreifer einig schien. Zuletzt, so hieß es, ging es nur noch um eine von Son geforderte Ausstiegsklausel. Allein es scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Für Son ist auch die sportliche Perspektive entscheidend. Und die ist in Hamburg tabellarisch ebenso offen wie in Sachen Kaderplanung, da noch keine Spieler verkauft werden konnten.
Das soll – zumindest im Fall Son – auch so bleiben. Deswegen wirken derzeit beim HSV fast alle auf das Sturmjuwel ein. Thorsten Fink hatte zuletzt deutlich gemacht, wie sehr er auf Son setzen wolle. Auch Adler und zuletzt Rafael van der Vaart, der öffentlich zum Verbleib in Hamburg riet, bemühen sich. Nur Son selbst weiß nach eigener Aussage noch überhaupt nicht, wie er sich entscheiden soll.

Er will es auch noch gar nicht. Es sei ein schönes Gefühl, umworben zu sein. Aber eben auch Stress. Und: „Es ist anstrengend, aber ich will Ruhe haben, mich konzentrieren“, sagt Son. „Es ist noch nichts entschieden. Wir haben vereinbart, uns nach der Saison zu besprechen und zu entscheiden.“ Ob der internationale Wettbewerb entscheidend sei? „Der HSV ist meine Familie, egal ob Europa League oder nicht. Champions League ist ein Traum, wäre geil, wenn ich das spielen könnte.“ Das wäre mit dem BVB gesichert. Aber auch der HSV hat noch die Chance. Sagt Son. „Wir müssen mindestens Europa League schaffen. Aber es sind auch nur zwei Punkte bis zur Champions League. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle auf den HSV konzentrieren. Auch ich.“

Bei allem, was Son heute von sich gab, war ihm anzumerken, dass ihm nicht wohl ist im Moment. So schön das Werben anderer Klubs, so verlockend die Aussicht auf das große Gehalt auch ist – Son belastet das Thema. Daher ist die Frage, ob es gut ist, so lange mit einer Entscheidung zu warten, aus meiner Sicht schnell beantwortet. Und auch der HSV hätte lieber gestern als morgen den Vertrag verlängert. Dass es sich letztlich nur noch um eine kleine Ausstiegsklausel handelt, in der sich beide Parteien noch nicht einig sind – Blödsinn. Das mag ein Punkt sein, aber der Kern liegt in den sich „androhenden“ Angeboten großer Klubs. Und auf dem Weg dahin zögern Son, sein Vater und der Berater alles möglichst weit nach hinten raus.

Ein legitimes Vorgehen, das aber zuletzt für eine lange Schwächephase bei Son gesorgt hatte. Es ist kontraproduktiv. Gerade jetzt in der finalen Phase, wo es verrückterweise noch um einen internationalen Startplatz geht, schwächt sich Son. Mit Ausnahmen, wie in Mainz. Und auch gegen Düsseldorf war Son nicht so schlecht, wie ihn viele machen wollten. Allerdings: er war auch nicht top. Was mich immer wieder die eine Frage stellen lässt: Ist Son ein Talent, das später den ganz großen Durchbruch schafft? Oder sollte der HSV selbst interessiert sein, den Spieler teuer abzugeben. Gerade jetzt, wo man finanziell Probleme hat, würde ein solcher Millionendeal helfen.

Denkt man. Sollte man auch denken.

Dennoch befürchte ich, dass ein Millionentransfer nur zu (zu kleinen) Teilen wieder in die Mannschaft investiert würde. Dafür ist man in der Chefetage – auch wieder nur zu Teilen, wohlgemerkt – zu sehr auf eine schwarze null aus.

Dabei sind Investitionen in die Mannschaft zwingend nötig. In der Innenverteidigung fehlen zwei gute Spieler. Wie wichtig die sein können, haben jüngst Dante und Boateng gegen Barca bewiesen. Beide spielten bärenstark und gaben den Bayern trotz gerade 35 Prozent Ballbesitzes die Sicherheit, das Spiel zu gewinnen. „Wenn die Achse funktioniert, verlierst du selten“, hatte Fink vor kurzem gesagt – und er hat Recht. Aber zu einer wirklich top funktionierenden Achse fehlt (neben Westermann) mindestens ein richtig guter Innenverteidiger und eine IV-Alternative, dazu muss ein Badelj deutlich konstanter sein zweifellos vorhandenes Potenzial abrufen – ebenso wie Rafael van der Vaart. Und sollte Son verkauft werden bliebe „nur“ noch Rudnevs. Ergo: eigentlich auf allen Positionen der so wichtigen „Achse“ fehlt es beim HSV noch an Personal. Teilweise sogar doppelt. Dazu kommt, dass Dennis Diekmeier auf rechts hinten quasi konkurrenzlos ist. Auch hier ist Nachbesserung nötig.

Wobei sich – so fair sollten wir sein – ein Jacopo Sala empfehlen dürfen muss. Zum Beispiel am Sonntag. Da dürfte der Italiener erste Wahl sein als Diekmeier-Ersatz. „Er ist eine Option“, so Fink, der lediglich Zhi Gin Lam als weitere Option sieht. Bruma spielt – wie am Dienstag geschrieben – keine Rolle mehr.

Eine ganz wichtige Rolle für meine Abendplanung spielt – natürlich nur neben meinen Kindern und meiner Frau – heute das Spiel des BVB gegen Real Madrid. Und so sehr ich mich gestern für den Auftritt der Bayern (insbesondere für den von Müller!) begeistern konnte, sollte der BVB aus der Götze-Transfer-Bekanntgabe tatsächlich sichtbare Schäden davontragen – ich würde die Bayern dafür verurteilen. Dass der Deal stattfindet und bekannt wurde ist das Eine. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe aber ist das Andere. Der wirkt nicht zufällig. Im Gegenteil, da scheint sich der aktuell von Hoeneß-Geißelungen geplagte FCB einen Deal mit der Berichterstattung erhofft zu haben. Ergo: Gebt ihnen Götze, dann schreiben sie weniger über Hoeneß’ Steuerhinterziehung. Und das wäre nicht nur hochgradig unsportlich sondern auch für den deutschen Fußball schädlich.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der BVB seinen Leistungen im bisherigen Wettbewerb ein weiteres Husarenstück folgen lässt und Real Madrid aus dem Westfalenstadion geschossen wird. So, wie Barca in München. Am besten mit jeweils zwei Treffern von Lewandowski und Götze.

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Dieter wird Euch davon sowie von der Presserunde mit unserem neuen Kapitän Rafael van der Vaart berichten.

Scholle

Son und Dortmund – läuft da was?

21. Februar 2013

Oha, die Verbindung Son und Dortmund nimmt ja tatsächlich Fahrt auf. Und das, obwohl ich mir gerade heute noch einmal aus berufenem Munde beim HSV habe sagen lassen, dass eine Vertragsverlängerung in Hamburg schon sehr wahrscheinlich ist. Dennoch, ich bekam heute einen interessanten Anruf aus Westfalen. Ein Kollege war dran und bat mich um Hilfe, eine Rufnummer betreffend. Und während wir uns grundsätzlich über Fußball, den HSV (er ist HSV-Fan) unterhielten, kam er auf das Thema zu sprechen: Heung Min Son. Er habe gehört, dass auch in Hamburg die Konkurrenz aus Dortmund gefürchtet würde, nachdem Robert Lewandowski sich mit den Bayern geeinigt hatte. Zudem erzählte er mir, dass der Dortmunder Julian Schieber nach Lewandowski abgegeben werden soll und der BVB alle Initiative der Verpflichtung von Edin Dzeko stecken wollten.

So weit so bekannt.

Neu war mir allerdings, dass sich der BVB tatsächlich mit der Personalie Heung Min Son beschäftigt. Der Südkoreaner wäre flexibel einsetzbar und entspräche dem Anforderungsprofil von Trainer Jürgen Klopp, der durch den Verkauf Lewandowskis fast schon mehr Geld in der Kasse haben dürfte, als er ausgeben kann. Klar ist, dass ein Gehalt von zwei bis drei Millionen (so viel dürfte Son beim HSV geboten bekommen) per annum für den Meister kein Problem ist. Zumal nicht, weil Son mit Hanwha Solar und Kumho Tyres auch beim HSV Sponsoren mitgebracht hat, die Millionen in die Klubkassen spülen. „Mit Kagawa hat der Klub sportlich und wirtschaftlich beste Erfahrungen gemacht“, so mein Kollege, der sich zu diesem Thema länger auch mit BVB-Klubboss Hans Joachim Watzke unterhalten hat. „Watzke hat mir bestätigt, dass Son durchaus ein Thema für den BVB sei. Ich habe daraufhin bei Sons Berater Thies Bliemeister angerufen und ich habe ihn danach gefragt. Bliemeister sagte mir, dass es ihn nicht verwundere, dass es aber keinen persönlichen Kontakt diesbezügliche geben würde.“

Nun muss man dazu sagen, dass Bliemeister in Dortmund gut bekannt ist, weil er einst Ilkay Gündogan vertrat und für diesen sowohl beim HSV als auch beim BVB erste Verhandlungen führte, ehe sich Gündogan (so musste er weniger Provision zahlen) doch von seinem Vater vertreten ließ. Zudem ist festzustellen, dass sich Son in Hamburg sehr wohlfühlt und der HSV bereit ist, seinen Vertrag dramatisch anzuheben. Aber so ungern ich es sage – Son und Dortmund, das könnte passen… Insofern setze ich volles Vertrauen in Sportchef Frank Arnesen, den Vertrag mit dem Südkoreaner, der immer mehr Mängel abzustellen weiß, schnellstmöglich und langfristig zu verlängern.

Egal wie, am Sonnabend steht Son für den HSV auf dem Platz. Der umworbene Angreifer soll dabei helfen, dass der vierte Sieg im sechsten Rückrundenspiel eingefahren wird und mit Hannover ein weiterer Verfolger (nach Gladbach letzte Woche) auf Distanz gehalten wird. Immerhin will „Hannover auch….“, sagt Fink und unterbricht seinen zugegebenen Freud’schen Versprecher, „Hannover will in die Europa League. Sie wittern ihre Chance und haben eine starke Mannschaft.“ Ob noch mal so ein Spiel wie das in Dortmund erwartet werden kann? Fink schüttelt den Kopf. „Beim BVB war das ein riesiges Spiel, das kann man nicht so leicht wiederholen. Zumal 96 vorbereitet ist. Die wissen, dass wir auswärts keine Angst haben.“

Fürwahr. Van der Vaart gestern und Fink heute haben es richtig erkannt: dieser HSV hat sich den Respekt in der Liga erarbeitet. „Der HSV kommt gefestigt zu uns“, lobt Hannovers Trainer Mirko Slomka, der ansonsten noch mit dem heutigen Euro-League-Spiel gegen Anschi beschäftigt war. Ein Spiel, das sich Fink vor Ort ansehen wollte. „Es ist nicht weit weg und bietet sich an, live vor Ort die ein schönes Spiel anzuschauen, die Mannschaft zu beobachten und die Stimmung mitzuerleben“, so Fink, der zwar grundsätzlich keine Nachteile für die Niedersachsen ob des Spiels sieht. Allerdings sagte er heute auch: „Hannover ist offensiv stark, stark bei Kontern und spielt mittlerweile sehr gut Fußball. Sie können auch das Spiel machen. Hannover hat eine tolle Mannschaft, aber sie leiden auch unter der Doppelbelastung.“ Ernst gemeint oder nur ein kleines Psychospielchen? Ich glaube, es ist eher Letzteres…

Nicht immer ernst, weil gut aufgelegt, ist auch Per Skjelbred. Der Norweger ist frisch verheiratet, frisch zum Stammspieler aufgestiegen und nach langer Zeit beim HSV endlich richtig glücklich. „Es war schon eine schwierige Situation“, blickt der sympathische Mittelfeldmann kurz zurück, um gleich wieder den Blick nach vorn zu richten: „Im Moment ist alles gut. Aber das ist auch klar. Wenn du spielst, und das gut – dann kommt das Selbstvertrauen.“ Und davon hat der Kämpfertyp eine Menge gewinnen können. Zumal ihn Trainer Fink unter die ersten 14 Mann im Kader zählt. „Ich schaue nur von Woche zu Woche“, so Skjelbred, „aber klar ist, dass sich meine Familie in Hamburg sehr wohlfühlt. Meine Kinder und meine Frau sind sehr glücklich. Wie ich. Ich will in Hamburg bleiben.“

Und das will Fink auch – von Skjelbred. „Ich sehe das genauso“, sagt der Trainer auf den Wunsch des Norwegers angesprochen. Ob es überhaupt noch nötig sei, das vor einigen Monaten angekündigte Gespräch mit dem Norweger über dessen Zukunft in Hamburg zu führen? „Wir reden ja sowieso immer. Und wenn er was hat, kann er immer zu mir kommen. Aber ich muss ihn im Moment nicht ansprechen.“ Weil alles passt und nichts gegen einen Verbleib des Rechtsfußes spricht.

Arslan und Skjelbred – zwei Aufsteiger in einer Saison, die unpassenderweise auch noch um dieselbe Position konkurrieren. Zunächst hatte Arslan mit starken Leistungen die Nase vorn. Doch als er für einen Moment schwächelte, war Skjelbred da. Mehr noch: Schon bei Finks Umstellung vom 4-2-3-1-System auf Raute (4-4-2) erarbeitete sich Skjelbred seinen Platz im Team – damals mit Arslan im zentral-offensiven Mittelfeld. „Ich habe gegen Schalke meine Chance bekommen – und sie genutzt.“ Bis auf die Partie gegen Frankfurt, die 0:2 verloren ging, wirkte er seither immer mit. Und er weckte das Interesse in seiner Heimat. Ob der Nationaltrainer Norwegens ihn schon angerufen habe? „Nein“, sagt der Mittelfeldspieler, „aber ich habe gehört, dass er nach mir gefragt wurde. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal dabei sein darf.“ Verdient hätte er es.

Verdient haben wir uns alle den dritten großen Fußballabend in Folge. Heute natürlich mit einem besonderen Augenmerk auf Hannovers Rückspiel gegen Anschi. Ob ich mich freuen würde, wenn 96 viel Kraft lassen müsste, wurde ich gefragt. Und ich muss mich Finks Antwort auf dieselbe Frage anschließen: Ich freue mich am meisten, wenn Hannover gewinnt, in die nächste Runde einzieht und weitere Punkte für den DFB sammelt. Wer weiß, wann der HSV das nächste Mal auf den Uefa-Koeffizienten angewiesen ist…

In diesem Sinne, Euch allen viel Spaß heute Abend! Und bis morgen. Da wird leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Kurz notiert:
Rene Adler, Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann trainierten heute problemfrei mit. Alle drei sind einsatzbereit für das Spiel in Hannover. Somit dürfte Adler Drobny ersetzen und ansonsten die Startelf aus dem Gladbach-Spiel beginnen.

Auf die Frage, ob der Nachname von Per Skjelbred als „Schellbrett“ oder wie geschrieben ausgesprochen wird, antwortete der Norweger völlig unberührt: „Eigentlich Schellbrett. Aber sche… drauf.“

Auf die Frage, was Fink von der Torkamera hält, antwortete der Coach diplomatisch: „Wenn man so noch besser sehen kann, dann ist das okay. Ich finde sie grundsätzlich gut. Ansonsten finde ich aber, sollte man nicht ständig alles hinterfragen. Es gehört doch dazu, dass die Leute nach den Spielen leidenschaftlich diskutieren können. Gerade diese Emotionen machen doch den Fußball aus.“ Recht hat er.

Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

Der Wahnsinn! 4:1-Sieg bei Meister BVB!

9. Februar 2013

Das ist ja sensationell! Der HSV gewinnt beim Meister in Dortmund 4:1 und springt in der Tabelle auf Platz fünf. Unglaublich, traumhaft, der reine Wahnsinn! In dieser Saison gewinnt damit der HSV die beiden Spiele gegen den BVB, jetzt wissen sie alle, die Hamburger und die Hamburger Fans, dass es ja doch geht. Nämlich dann, wenn sie alle an einem Strang ziehen, wenn sie wollen, wenn sie Biss haben, wenn sie hochmotiviert sind. Das war eine großartige Leistung, vielleicht die beste seit Jahren, auf jeden Fall die beste in dieser Saison. 80 000 Zuschauer rieben sich die Augen, wie diese HSV-Mannschaft aufspielte und sich in keiner Phase des Spiels hatte einschüchtern lassen. Das war ein Spiel für das Lehrbuch – Glückwunsch HSV!


Diesmal waren sie wach! Hellwach! Unglaublich. Der HSV war sofort im Spiel. Großartig. Sie haben alle Wort gehalten, weil sie es ja wussten, dass es in Dortmund nur so gehen würde. Danke für diese erste Halbzeit! In den ersten zehn Minuten hatte der HSV bereits drei Eckbälle. Beim Meister. Bei aller berechtigten Kritik, die nach dem Frankfurt-Spiel auf die Mannschaft eingeprasselt war, dieser Auftritt muss gelobt werden. Das war mutig, das war Fußball mit Herz, das war Tempo-Fußball voller Engagement. Es geht doch!

Bevor der Meister die erste Torchance hatte, stand der HSV vor dem Führungstor: Super-Alleingang mit anschließender Flanke von Dennis Diekmeier (!), Fallrückzieher Heung Min Son – Weidenfeller hält (14.). Wenn Son eventuell durchgelassen hätte, dann wäre Artjoms Rudnevs zur Stelle gewesen – und hätte vielleicht mit einem Volleyschuss getroffen. Hätte, wenn und aber, zählt alles nicht. Auf der Gegenseite hätte das 1:0 fallen müssen, als Nationalspieler Götze allein vor Torwart Rene Adler auftauchte, doch der Dortmunder schoss den Ball am langen Eck vorbei – Glück für den HSV (15.). Es ging hin und her, ein Spiel für den Feinschmecker, für den Genießer. Und es kam wie viele erwartet hatten: Dortmund ging in Führung. Hummels drosch den Ball eher planlos aus der eigenen Hälfte hoch und weit Richtung HSV-Tor, Heiko Westermann sah den aus dem Tor kommenden Adler – und verließ sich darauf. Plötzlich aber blieb Adler auf halber Höhe stehen, Lewandowski nutzte dieses Missgeschick und schoss aus halbrechter Position ein (17.). Irgendwie ein Tor aus dem Nichts, denn der HSV hatte das Spiel eigentlich, bis auf die Götze-Szene, im Griff. Aber hängende Ohren oder hängende Köpfe gab es nach diesem Treffer auf Hamburger Seite nicht. Diesmal war alles anders. Der HSV schlug sofort zurück. Marcell Jansen schickte links Dennis Aogo, das war ein Super-Pass von Jansen, Aogo gab den Ball flach zur Mitte, wo Rudnevs zur Stelle war und zum 1:1 einschoss. Sein bereits neuntes Saisontor, das ist der Wahnsinn! Herzlichen Glückwunsch, Herr Arnesen, und herzliche Glückwünsche erneut an alle HSV-Fans, die von Beginn an an den Letten geglaubt haben.

Nur Sekunden später hätte es schon 2:1 für Hamburg stehen können: Son umkurvte BVB-Torwart Weidenfeller, traf aus spitzem Winkel aber nur den Pfosten. Aber in der 26. Minute machte es Son besser. Ein Traumtor! Wie im Hinspiel: Son kurvte von rechts nach innen, er hätte eigentlich abspielen müssen, eigentlich, aber er schoss mit links. Und wie! Der Ball flog an den hinteren Innenpfosten, Weidenfeller stand wie versteinert – an diesem Ball gab es nichts zu halten. Das wird das „Tor des Monats“!

Dramatisch wurde es nach einer halben Stunde. Dortmunds Torjäger Lewandowski zog ohne Rücksicht auf Verluste gegen Per Ciljan Skjelbred durch, traf den Ball nicht, nur den Norweger. Empörung auf Hamburger Seite, Rafael van der Vaart rennt auf den Polen zu, „geigt“ ihm seine Meinung, lässt auch die Hände sprechen – und Lewandowski auch. Er schubst den Niederländer, der auch von BVB-Kapitän Kehl zu Boden geschickt wird. Da war was los! Alle Spieler auf einem Fleck, auch die Schiedsrichter-Assistenten mischen mit. Nach kurzer Beratungszeit des Gespanns wurden folgende Strafen von Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) verkündet: Rot für Lewandowski, Gelb für van der Vaart – keine Karte für Kehl. Konnte man so machen, aber Kehl wäre eigentlich auch mit Gelb dabei gewesen.

Sekunden vor dem Halbzeitpfiff dann noch einmal Aufregung: Der Ball im HSV-Tor, Jubel bei den Dortmundern. Aber abseits. Reus stand im Abseits, als er den Ball zurückspielte, auch diese Entscheidung war absolut richtig, auch wenn es ein Pfeifkonzert gab. So ist Fußball. Nicht nur in Dortmund.

Und so, wie die erste Halbzeit aufgehört hatte, ging es im zweiten Durchgang weiter. Ein Höhepunkt jagte den nächsten. In der 54. Minute hätte Aogo auf Vorlage von Jansen schon das dritte HSV-Tor machen können, vielleicht müssen, aber er traf den Ball nicht richtig. Hinter Aogo hätte Rudnevs gestanden, der hätte es vielleicht besser richten können . . . Fast im Gegenzug fast das 2:2. Hummels kreuzte frei vor Adler auf, riskierte einen Heber, aber die Kugel flog nicht nur über Adler, sondern auch über das Tor. Knapp, aber drüber. Glück. Aber Dortmund drückte. Und kam durch die Mitte. Reus wurde geschickt, Jeffrey Bruma grätschte – Gräfe erkannte auf Notbremse – Rot. Bruma protestierte auch nicht lange, die Sache schien klar zu sein. Für alle.

Ein herber Verlust für den HSV, der aber erneut, wie schon nach dem 0:1, konterte. Jansen bediente den am linken Strafraumeck stehenden van der Vaart, der Niederländer flankte mustergültig – und Rudnevs setzte sich am langen Pfosten gegen Bender durch, köpfte zum 3:1 ein (62.). Ein Traum. Wieder drei Tore gegen den Meister, HSV, wie geht das?

Thorsten Fink reagierte, nahm danach den Vorlagengeber vom Platz und brachte Slobodan Rajkovic (63.). Damit die Abwehr den Verlust von Bruma verkraftete. Alles richtig gemacht, Trainer!

Aber einen hatte der HSV noch und das war ein traumhafter Abschluss für diesen Nachmittag. Der großartig aufgelegte Jansen brachte den Ball von links flach zur Mitte, wo Son ohne große Mühe zum 4:1-Endstand vollendete. Das war der i-Punkt auf einen perfekten HSV-Tag.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt bis auf das Missverständnis beim 1:0 für den BVB großartig und souverän, war vor allen Dingen auch stets die Ruhe selbst. Bis auf die Tatsache, dass er sich in der 77. Minute seinen Verteidiger Diekmeier packte und ihn wachrüttelte – zu recht. Note zwei.

Dennis Diekmeier begann schon unternehmungslustig, hinten und vorne, stark.

Jeffrey Bruma bot bis zu seiner Roten Karte (59.) eine Klasse-Leistung, war stets hoch konzentriert – so müsste er es eigentlich immer machen, weil er es könnte!

Heiko Westermann leistete sich einige Klopse, rettete aber trotz allem einige Mal in höchster Not. Da muss man ihm die Abspielfehler einfach mal verzeihen – ich mache das.

Marcell Jansen war viel unterwegs, bot endlich einmal eine großartige Partie von Anfang bis Ende – Note eins.

Tomas Rincon nutzte seine Chance, spielte ganz hervorragend, er war genau der richtige Mann für dieses Spiel – Super-Popeye! Note zwei.

Per Ciljan Skjelbred zeigte eine engagierte Leistung, spielte prächtig mit, gerade so, als stünde er jede Woche in diesem Team. Toll.

Dennis Aogo war wieder das reinste Laufwunder, machte viele, viele gute Sachen, rieb sich auf, arbeitete vorbildlich – so macht er sich unersetzlich.

Rafael van der Vaart war sofort auf Betriebstemperatur und mischte hervorragend mit. Besonders dann, als er nach der 30. Minute ständig ausgepfiffen wurde – da biss er sich noch ein wenig mehr rein in diese Partie. So ist er auf dem Weg zur alten Stärke – gut so.

Heung Min Son war einmal mehr wieder sensationell, ein ständiger Gefahrenherd für den BVB, wieder ein Traumtor, dann noch ein Doppelpack – Note eins.

Artjoms Rudnevs bot eine Weltklasse-Partie, Note eins.

Slobodan Rajkovic (63. Min. für van der Vaart) machte gleich super mit, das war sehr gut.

Tolgay Arslan (74. Min. für Skjelbred) durfte an alter Wirkungsstätte noch mitmachen – und das erledigter er zufriedenstellend.

Gojko Kacar (90. Min. für Son) durfte auch noch einmal, endlich einmal wieder – ein Traum für ihn!

17.29 Uhr

Nachtrag 18.36 Uhr: Die Matz-Ab Livesendung mit unserem Gast Thomas Doll ist jetzt beendet. Unser Aufnahmeteam fährt jetzt in die Redaktion und stellt es dann am späteren Abend online. Es ist nicht mehr wie bisher, dass es sofort im Anschluss als Aufzeichnung ansehbar ist.

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.