Archiv für das Tag 'Levy'

Holtby ist da – und er bleibt

1. September 2014

Hektisch wird es bei Dietmar Beiersdorfer immer wieder mal. Vor allem in Transferperioden – und insbesondere an deren Enden. So auch an diesem Wochenende. Wobei die Hektik weniger Beiersdorfer selbst betraf, denn seinen Wunschspieler. Denn der stand gestern für ihn überraschend plötzlich im Kader von Tottenham in der Premier League gegen Liverpool (0:3). Allein er wurde nicht eingewechselt, denn es war am Ende nicht mehr als ein kleines Pokerspielchen des dafür berühmt berüchtigten Hotspurs-Chefs Daniel Levy, der den Preis für seinen Schützling noch ein wenig erhöhen wollte. Und das, obwohl allen Beteiligten schon seit längerer Zeit klar war, dass alles andere als der Wechsel Holtbys zum HSV keinem helfen würde. Weder den Engländern noch dem HSV – und am wenigsten dem Spieler.

Fussball

Deshalb nahm dieser auch gern eine Tortur auf sich, um heute morgen pünktlich zum Medizincheck zu erscheinen. Den späten Flieger aus London erreichte Holtby, weil er nach dem bitteren 0:3 Tottenhams gegen Liverpool direkt ins Auto stieg und quer durch die Stadt jagte. „Es war alles eine Sache von wenigen Minuten. Erst nach dem Spiel stand endgültig fest, dass es für mich noch am selben Abend nach Hamburg geht“, erinnert sich Holtby an den plötzlich hektischer werdenden Sonntagabend. „Zuerst durch die Stadt, dann per Flieger nach Hannover, weil Hamburg irgendwie nicht ging. Und dann bin ich in der Nacht nach der Ankunft noch von Hannover nach Hamburg gefahren worden – das war schon anstrengend. Und ich war spät im Bett. Aber die Strapazen haben sich gelohnt“, sagt Holtby, der es zuletzt in England auf gerade 38 Einsätze in drei ganzen und der aktuell angefangenen Saison bringt. „Ich freue mich wahnsinnig auf den HSV“, so der 23-Jährige zu meinem Abendblatt-Kollegen Florian Heil, der ihn vor dem Medizincheck um 9.04 Uhr am UKE begrüßen durfte.

Fussball

Holtby will vor allem wieder mehr Einsatzzeiten bekommen. „Ich will endlich wieder spielen“, lautet seine klare persönliche Zielsetzung für die Leihzeit beim HSV. Und ich bin mir sicher, dass er diese Zeit auch bekommen wird, sollte er gesund bleiben (dreimal auf Holz geklopft). „Lewis ist ein passstarker Techniker, der unserem Spiel mit seiner Kreativität guttun wird. Er hat mit seinen gerade mal 23 Jahren sowohl in der Bundesliga, der Premier League als auch international bereits eine Menge Erfahrungen gesammelt, die er bei uns einbringen soll“, freute sich Dietmar Beiersdorfer über die Verpflichtung Holtbys via hsv.de.

Fussball

Apropos, ein kleiner Tipp: Wer das Abo von „HSV Total“ hat, kann sich dort schon ein nettes Videointerview mit dem neuen Mann anschauen.

Am Nachmittag gegen 16 Uhr, also vor dem Interview, traf Holtby in der Imtech-Arena ein und unterschrieb seinen Vertrag beim HSV bis Juni 2015. Zudem sicherte sich der HSV eine Kaufoption für den Mittelfeldspieler, der zusammen mit Rafael van der Vaart die Offensivabteilung kreativ beleben soll. Und wie nötig das ist, hat nicht zuletzt das chancenarme Spiel gegen Paderborn gezeigt – es ist der Rote Faden, der sich seit letzter Saison beim HSV durchzieht.

Für Abendblatt-Blogs


Aber es scheint Besserung in Sicht. Nach dem Verkauf von Milan Badelj zum AC Florenz (4 Millionen Euro Ablösesumme) deutet nicht wenig darauf hin, dass Trainer Mirko Slomka sein System auf ein 4-1-4-1 mit Valon Behrami als Abräumer und einzigen Sechser umstellen könnte. Was ich im Übrigen nach der in keinen Augen einen verschwendeten Position auf der Doppel-Sechs sehr begrüßen würde. Denn mit Behrami gibt es nur einen echten Sechser im Team – Arslan und Badelj hingegen waren weder sechs noch zehn, spielten aber dort positioniert. Eine Systemänderung könnte dazu führen, dass endlich alle Spieler auch ihren fußballerischen Kernkompetenzen entsprechend aufgestellt werden.

Egal wie, mit Holtby hat Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer mal wieder halbe Wunder bewirkt. Stieber war schon da, hinzu kamen Lasogga, Behrami, Müller, Cléber, Holtby und Julian Green. Letztgenannter konnte noch keinen Medizincheck absolvieren, dafür stellten der FC Bayern dem HSV seine sportärztliche Untersuchung aus dem Juni/Juli (alle Vereine müssen alle Spieler für die DFL komplett durchchecken lassen) zur Verfügung, da der US-Amerikaner heute schon zur Nationalmannschaft reisen musste. Ein hoffnungsvolles Talent, das mehr erhoffen lässt, als von dem zweifellos engagierten Jacques Zoua (viel Erfolg in der Türkei!) bislang zu sehen war.

Auf jeden Fall hat Beiersdorfer trotz des kontrovers diskutierten Wechsels von Jonathan Tah zur Fortuna Düsseldorf eine Transferstrategie an den Tag gelegt, die erfolgreich und vor allem für die meisten nachvollziehbar war. Die vorhandenen Mittel waren ob der Bedürfnisse in dieser Transferperiode relativ überschaubar. Dennoch wurde viel Qualität geholt und zudem wurden zwei Spieler (Tah, Demirbay), die hier zuletzt und auch aktuell wenig Spielpraxis bekommen hatten und hätten, abgegeben – ohne Kaufoption für den jeweils aufnehmenden Klub. Und wenn diese beiden ähnlich wie bei Beister, tatsächlich gestärkt zurückkommen, dann hat Beiersdorfer in der kommenden Saison die Möglichkeit, aus einer bis dahin mindestens stabilisierten Mannschaft eine richtig gute Mannschaft zu formen. Hoffe ich zumindest.

Ebenfalls hoffe ich, dass in Sachen Trainer eine klare Linie gefahren wird. Die Diskussionen um einen Trainerwechsel könnten den jetzt erst wirklich startenden Neuanfang 2014/2015 stören. Unnötig stören. Denn Dietmar Beiersdorfer, der sich wie immer nicht an irgendeiner Personaldiskussion beteiligen wollte, wird wissen, ob er Slomka vertraut. Tut er es nicht zu 100 Prozent, wird er konsequent sein. So, wie man ihn kennt. Denn wie sagte Beiersdorfer zu Beginn seiner zweiten Amtszeit, noch bevor er sich öffentlich zu Slomka bekannte: „Wenn ich beienr Personalfrage schon von vornherein mit einer Lösung irgendwelche Probleme habe, löse ich sie nicht gut. Das brächte nichts. Mir nicht – und der entsprechenden Person noch weniger.“ Insofern bin ich gespannt. Denn der Gedanke eines Neuanfanges mit einem so hoch gehandelten Trainer wie Thomas Tuchel ist verführerisch – aber er schadet, solange Slomka im Amt ist und die Verantwortung trägt. Daher hoffe ich, dass auch in dieser Personalie schnellsten Klarheit herrscht. Sofern dem nicht schon so ist.

Klar ist auf jeden Fall, dass Slomka in 14 Tagen in Hannover in Sachen Einsatz der Zugänge mutiger sein sollte – und sicher auch sein wird. Er sollte den neuen Gesichtern die Möglichkeit geben, dem weiter schwachen HSV ein neues Gesicht zu verleihen. Behrami wird weiter dabei sein, und dass ein gesunder Holtby da draußen bleibt, halte ich für extrem unrealistisch. Ebenso wie die Reservistenrolle für Nicolai Müller, sollte der bis dahin wieder fit sein. Ob zudem noch ein Matthias Ostrzolek (spielte auf jeden Fall besser als er trainiert hatte) aufläuft und gar ein Cléber in die Innenverteidigung rückt, abwarten. Aber zumindest gibt es diese Möglichkeit. Denn alles, was anders ist als letzte Saison, kann nur besser werden. Das begann mit der Strukturreform und findet in der personellen Umgestaltung der ersten elf nur seine logische Konsequenz.

In diesem Sinne, es geht weiter voran. Trotz des 0:3 gegen Paderborn. Auch wenn man es sich damit eigentlich zu leicht macht, ich mache es mir in diesem Fall ausnahmsweise mal einfach (ich kann es eh nicht mehr ändern) und sage: In 14 Tagen beginnt für mich die neue Saison – mit der neuen Mannschaft.

Bis morgen! Da wird übrigens um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert. Mit Holtby. Und Slomka.

Scholle

Das darf einfach nicht der HSV-Anspruch sein…

22. August 2012

Es tut schon weh, Europa League zu sehen. Nicht weil der HSV nicht mitspielt – das geht vielen anderen Mannschaften auch so. Solche Zeiten kann man überstehen und sich neu aufstellen. Solche Zeiten bieten sogar ungeahnt große Chancen. Aber: es schmerzt, weil der Abstand des HSV zum großen europäischen Bühne so groß wie lange nicht mehr ist – und vor allem, weil er immer größer wird. Inzwischen ist sich der HSV nicht einmal mehr einig über den gemeinsamen Weg. Da sagt Frank Arnesen ganz offen, dass es Spieler gibt, die nur mit der Hilfe von Herrn Kühne zu finanzieren wären und dass darüber nachgedacht wird, der Kontakt zum Speditionsmilliardär da ist. Auf der anderen Seite widerspricht Klubboss Carl Jarchow seinem (immerhin auch) Vizepräsidenten und schließt eine Kooperation aktuell aus. Da sagt Arnesen, dass er keinen Spieler holen werde, nur um einen zu holen und Trainer Thorsten Fink sagt auf derselben Veranstaltung, dass auf jeden Fall noch ein kreativer Mittelfeldmann kommen werde. Es passt im Moment auf Führungsebene eben genau so viel zusammen, wie auf dem Platz.

Und dass das nicht viel ist, weiß inzwischen fast jeder. Auch hier im Blog, wo sich noch immer einige unerschütterliche Fans unfassbar über Dieter gestrigen Blog aufregen, haben die meisten Fans erkannt, dass Fantreue nicht nur blindes vertrauen in die Verantwortlichen bedeutet sondern auch, den Finger in die offene Wunde zu legen. Das äußert sich in den verschiedensten Formen – und zum Glück immer häufiger auch in konstruktiver Kritik. Denn das, was sich beim HSV derzeit abspielt, ist mit „fahrlässig“ noch beschönigt umschrieben. Oder glaubt hier irgendjemand, dass ein Frank Arnesen mit diesem Kader zufrieden ist? Glaubt jemand ernsthaft, dass Thorsten Fink keine Neuen mehr fordert? Beide wissen nur zu gut, dass es bei ausbleibendem Erfolg als allererstes um ihre Köpfe gehen wird. „Die Situation ist wie sie ist“, sagt Arnesen nur noch, „damit muss ich arbeiten.“

Klingt nach hundertprozentiger Überzeugung, meint Ihr nicht…?!?

Nein, liebe Blogger, was Dieter geschrieben hat, trifft es. Es herrscht momentan eine giftige Mixtur aus persönlichen Eitelkeiten, falscher Vorsicht bei Neueinkäufen und Ideenlosigkeit. „Wir holen keinen Zehner, nur um einen zu holen“, hat Arnesen heute wiederholt. Und das kann er nur deshalb gesagt haben weil er schon einen Namen parat hat. Denn alles andere käme seinem Scheitern gleich. Oder ist es zu verstehen, dass der Mann mit dem dicksten Notizblock Europas, wie der sympathische Däne vorgestellt wurde, es in den letzten Monaten (eigentlich seit Amtsantritt) nicht geschafft hat, eine passende Alternative aufzutreiben? „Wir haben das eingenommene Geld ungefähr wieder in Neue investiert“, sagte der Sportchef heute. Soll heißen, das Guerrero- und Töre-Geld sowie die eingesparten Gehaltsmillionen bei Petric stecken in Adler, Rudnevs, Scharner, Beister und Badelj. Geld für einen Zehner? „Im Moment müssen wir nach anderen Lösungen suchen“, so Arnesen ausweichend. Es ist einfach kein Euro mehr da, obwohl der Zehner die von allen immer und immer wieder beteuerte Priorität hatte. Bitter.

Heute wird wieder das Fass van der Vaart aufgemacht. Selbst Fink und Arnesen wollen einen Transfer des Niederländers nach Hamburg auf den letzten Metern der Transferfrist, die am kommenden Sonnabend endet, nicht ausschließen und wanden sich bei den Nachfragen. Arnesen sagte zwar, dass der Niederländer „im Moment kein Thema“ ist, allerdings feuerte er die Spekulationen noch an. Bei Tottenham wüsste man, dass Präsident Daniel Levy immer wieder Transfers in den letzten Sekunden der Transferfrist durchziehen würde. „Der braucht diesen Kick“, so Arnesen, der mit diesen Aussagen bei seinem eigenen Vorstandsboss keine Freudensprünge ausgelöst haben dürfte. Immerhin wäre van der Vaart nur mit sehr großzügiger Hilfe von Kühne finanzierbar…

Apropos Jarchow: Gestern wurde der Klubboss auf der NDR-Veranstaltung gefragt, warum er die von Euch gestellten Fragen nicht beantwortet hätte. Und bei aller Kritik – diesmal ist Herr Jarchow absolut schuldlos. Ich habe ihm die Fragen einmal leicht gefiltert zugeschickt – ihn dabei aber nicht erreicht. Deshalb, ganz klar: Mein Fehler! Als ich von Jarchow hörte, er hätte die Fragen nicht bekommen, hatte ich die Idee, die Fragen nicht schriftlich beantworten zu lassen, sondern vor der Kamera, da so sicherlich deutlich mehr Fragen beantwortet werden könnten. Das hatte ich leider vergessen, hier mitzuteilen, aber das machen wir jetzt. Dieter und ich sind dafür mit Jarchow für Mitte kommender Woche – weil wir das erste Spiel in der Bundesliga unbedingt abwarten wollten – verabredet. Wir werden dann eine Matz-Ab-Sendung drehen und möglichst viele Eurer Fragen von Carl Jarchow beantworten lassen. Dessen Zusage steht.

Sitzen wird am Wochenende Zhi Gin Lam. „Dennis wird den Vorzug erhalten“, ließ sich HSV-Trainer Thorsten Fink heute am Rande der Präsentation der neuen Panini-Bilder entlocken.

Einschub in eigener Sache: Kommt es nur mir so vor oder vermarktet der HSV wirklich alles, was es zu vermarkten gibt? Und wo bleibt dann das eingenommene Geld? Aber okay, es seien noch eine Menge finanzieller Altlasten abzuarbeiten, sagt Jarchow, der seinerseits optimistischer ist als manch anderer. Die Negativstimmung schon im Vorfeld einer Saison habe er so noch nie miterlebt, sagt Jarchow. Und damit mag er Recht haben. Auch damit, dass genau in dieser mehr als geringen Erwartungshaltung von außen eine große Chance liegt.

Aber mal im Ernst: geht es darum? Oder wäre es nicht für alle Beteiligten von Vorteil, eine Art Aufbruchstimmung mit neuen (meinetwegen auch alten) Hoffnungsträgern zu verbreiten? Ich befürchte, wir kommen irgendwann soweit, dass die HSVer sich im Recht sehen, wenn sie nur nicht absteigen. Und das ist ein Anspruch, der so unfassbar niedrig ist. Es ist ein Nicht-Anspruch, den die Nummer eins in einer der reichsten Städte Europas meiner Ansicht nach nicht haben darf.

Der Anspruch fürs Wochenende ist zumindest noch ein Sieg. Zum Glück. Und den plant Thorsten Fink mit einigen Umstellungen. Heung Min Son wird voraussichtlich erneut die Rolle des verletzten Tolgay Arslan bzw. des noch nicht gefundenen kreativen Mittelfeldspielers übernehmen. Diekmeier wie bereits erwähnt Lam ersetzen und Jacopo Sala dafür Maxi Beister auf rechts. Trotz seines Treffers gegen Karlsruhe kritisierte Fink heute seinen Rückkehrer. „Er muss defensiv noch mehr machen, dort dazulernen“, so Fink, der Sala die Rolle als rechter Mittelfeldmann zutraut und dem Italiener gutes Training attestierte. Zudem machte Fink heute Per Skjelbred Hoffnungen auf einen erneuten Startelfauftritt am Sonnabend gegen Nürnberg. „Er hat im Moment die Nase vorn“, so Fink.

Dieter hat den Status Quo sehr emotional, aber absolut passend beschrieben. Und auch seine Forderung, dass alle Beteiligten endlich aufwachen müssen, unterstütze ich zu 100 Prozent. Sie ist richtig. Und wichtig. Denn mit diesem Kader und der bislang unbegründeten Hoffnung auf Besserung in die Saison zu gehen, wäre fahrlässig. Das weiß Fink und macht intern Druck. Das weiß Arnesen, der nicht umsonst die Fässer Kühne und van der Vaart öffnete bzw. offen ließ und zudem den in großen Teilen sicherlich notwendigen aber in dieser Form auch gefährlichen Konsolidierungskurs öffentlich anprangerte („Wir dürfen uns nicht kaputtsparen“). Und das wissen inzwischen selbst die Spieler. Einige äußern sich hinter vorgehaltener Hand, andere übernehmen Verantwortung. Immerhin ging einer von ihnen inzwischen zu Arnesen und fragte offiziell nach, was personell noch geplant sei, weil er sich Sorgen macht.

In diesem Sinne, noch ist Zeit. Wenn auch nicht mehr viel. Aber immerhin noch etwas Zeit, um bisherige Mängel aufzuarbeiten.

Bis morgen,
Scholle

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.