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Bayer kommt mit Calhanoglu – der HSV wieder mit Rudnevs

31. Oktober 2014

Er kommt mit. Und ganz Hamburg ist wie elektrisiert. Alles schaut auf den kleinen Mann mit den tollen Distanzschüssen und dem Hang zu falschen Krankschreibungen. Und so spannend es für die Zuschauer wird, wie vergiftet die Atmosphäre diesem einen Spieler gegenüber sein wird, muss klar sein, dass es der falsche Fokus ist – zumindest für die Mannschaft. Denn: Sechs Punkte nach nunmehr neun Spielen und Platz 16 sind Baustellen, die alle Aufmerksamkeit verlangen. „Ich habe ganz ehrlich noch nicht ein Wort von den Spielern über Hakan gehört“, sagt Joe Zinnbauer, der Hakan Calhanoglu in seiner Zeit als KSC-Trainer unter sich hatte. „Ich habe zwar mit ihm telefoniert“, so Zinnbauer, der das Thema so wenig vordergründig sieht, wie es nur geht, „aber wir haben uns nicht einmal über Fußball unterhalten.“ Gut. Der letzten Aussage maßen wir nicht allzu viel Wahrheitsgehalt bei. Zinnbauer relativierte auch schnell: „Wir haben nach dem Hertha-Spiel gesprochen und ich habe ihm nur gesagt, dass wir gegen Leverkusen sicher nicht so eine Leistung auf den Platz bringen wie gegen Hertha.“

Aber was soll Zinnbauer auch sagen? Er versucht, was richtig ist: Er lenkt den Fokus seiner Spieler auf die eigenen Baustellen – und davon gibt es noch reichlich. Seit dem Bayern-Spiel sogar eine mehr: Heiko Westermann. Der Innenverteidiger wird auch am morgigen Sonnabend gegen Leverkusen wieder von Beginn an spielen, darauf legte sich Zinnbauer bereits fest. „Mit Heiko brauchen wir nicht über den Fehler sprechen – das muss man bei dem Fehler mit keinem Spieler. Er hat ihn gemacht, das weiß er. Und den wird er ausbügeln wollen. Und diese Chance werden wir ihm nicht nehmen. Er ist auch erfahren genug, damit umzugehen.“ Soll heißen: Westermann agiert neben Djourou in der Innenverteidigung. Ob er dann gleich so einen Kracher loslässt wie beim letzten Gastspiel der Werkself sei dahingestellt. Aber mich würde es im doppelten Sinne freuen: Für ihn und für den HSV.

Das Videointerview (entschuldigt bitte die Tonqualität – vor allem dioe Fragen sind kaum zu hören…):

Wobei es mir absolut sch…egal ist, wie und durch wen der HSV letztlich seine Punkte holt. Ich freue mich über die emotionsgeladene Stimmung in diesem Spiel vor allem, weil ich hoffe, dass es dem HSV noch ein wenig mehr Auftrieb gibt. „Wir brauchen unsere Anhänger vielleicht mehr denn je“, sagt Zinnbauer – und wurde erhört. Ab 13.30 Uhr starten die HSV-Fans ab Stellingen einen Unterstützungsmarsch. Aufgerufen vom Fanclub „Inside HSV“.

Welche Elf dann auf dem Platz stehen wird, ließ Zinnbauer natürlich noch offen. Dennis Diekmeier ist zwar wieder eisnetzbar – aber es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich noch gedulden muss. „Wir müssen sehen, ob er in den zwei Wochen Verletzungspause viel verloren hat“, so Zinnbauer, „jeder weiß ja, dass es immer schwierig ist, im Spiel die Viererkette zu wechseln. Deshalb müssen wir schauen, ob er 90 Minuten spielen kann.“ Sollte dem nicht so sein, spielt Götz, den Zinnbauer besser gesehen hat als manch Kritiker: „Er hat seine Sache gut gemacht. Besser, als er dargestellt wurde.“ Dennoch würde er seinen Youngster der Erfahrung opfern, wenn Diekmeier fit ist: „Diekmeier ist ein sehr erfahrener Spieler auf der Position. Wenn die Kräfte reichen, würde ich lieber mit einem erfahrenen Spieler aufstellen – ohne, dass Götz schlecht gespielt hat. Aber, klar ist: Wir müssen hier genau hinschauen.“

Selbiges gilt für die Kombination Holtby/van der Vaart. Zuletzt hieß es nicht nur „entweder oder“ – es wurde auch so umgesetzt. In Berlin startete van der Vaart und Holtby blieb auf der Bank, gegen Bayern im Pokal war es andersrum. Ob er sich vorstellen kann, beide zusammen spielen zu lassen? „Wir arbeiten daran“, sagt der HSV-Trainer, „aber es eine derartige Umstellung im System ist etwas, was Zeit braucht, was vor allem Training braucht. Sowas fällt normalerweise in die Sommer- oder Wintervorbereitung.“

Dennoch probiert es Zinnbauer in den Trainingseinheiten immer wieder aus. Heute auch. Heute ließ er beide in getrennten Mannschaften antreten. Zunächst Holtby hinter Lasogga, in der zweiten Hälfte dann beide zusammen – also van der Vaart auf der Acht, während Holtby weiterhin hinter Lasogga wirbelte. Festlegen würde ich mich dabei, dass Holtby spielt. Das ist eine Lehre aus den letzten beiden Spielen, die selbst dem fußballfremdesten Menschen dieses Planeten aufgefallen sein dürfte. Die Frage jedoch ist, ob Zinnbauer tatsächlich Arslan rausnimmt und dafür mit van der Vaart beginnt. Ich persönlich würde es begrüßen – obgleich dieser Testballon gegen eine weniger spielstarke Mannschaft sicher geeigneter wäre.

 

 

 

Auf links wirbelte heute übrigens wieder ein neues Talent: Mohamed Gouaida. Und das sogar im vermeintlichen A-Team. Allerdings wird der Junge nur als Platzhalter vorgesehen sein. Stieber, ein verschobener Holtby oder Jansen? Ich persönlich setze auf Letztgenannten. Zumal nach der Aussage Zinnbauers, dass er sich gegen Bayer im Zweifel für Erfahrung und gegen die Jugend entscheiden würde. „Wir müssen sehen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Regionalligaspieler sind keine gestandenen Bundesligaspieler und brauchen Zeit. Ich habe berechtigte Hoffnung, dass wir die Zeit hier bekommen, unsere jungen Talente aus der Regionalliga und der U19 in den Bundesligaspielbetrieb einzubauen.“ Allerdings ist das in derart heiklen Phasen nicht allzu leicht. Es sei denn, man bekommt den Zwang auferlegt wie mit der Verletzung Diekmeiers, der in Götz den ersten ernst zu nehmenden Backup seit Jahren hat. Und wie es aussieht, ist Diekmeier wieder fit. Diesmal allerdings mit dem Wissen für den RV-Highlander, dass es doch noch einen Zweiten gibt.

Wieder dabei ist auch Artjoms Rudnevs. Der Lette verdrängte Julian Green aus dem Kader, während Jiracek und Nafiu Behrami und Diekmeier weichen mussten. Soll heißen, der HSV könnte wie folgt spielen, wobei ich meinem Wunsch für die Startelf mal mehr Raum lasse als den Indizien des Trainings: Drobny – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami – Jansen, van der Vaart, Holtby, Müller – Lasogga.

Auf jeden Fall wäre es eine gute Startelf in einem Spiel, das von Beginn an unter besonderer Beobachtung steht. Ich hoffe jedenfalls auf ein Publikum, dass aus dem Protest gegen Calhanoglu Unterstützung für die eigene Team macht. Ich jedenfalls freue mich darauf! Ebenso wie auf unser Treffen gleich im „Anno 1887“.

Bis dahin,
Scholle

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