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0:3 – der HSV stieß an seine Grenzen!

15. Dezember 2012

Das ist eben der Unterschied, zwischen einem Tabellenzweiten und einem Team aus dem Mittelfeld und aus dem Mittelmaß: Bayer Leverkusen zeigte dem HSV im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres 2012 die Grenzen auf – schonungslos. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink war während der 90 Minuten klar unterlegen und blieb quasi chancenlos. Es gelang dem HSV-Team nie wirklich, die quicklebendigen Bayer-Spieler einzufangen oder an die Kette zu legen. Und vorne schaffte es der HSV nicht, eine ständige Gefahr für die Bayer-Defensive zu sein. Es war viel auf Zufall aufgebaut, es waren viele halbherzige Aktionen zu sehen, und symptomatisch war die 88. Minute, als Artjoms Rudnevs den Ball aus acht Metern weit über das Tor der Gastgeber schoss. Der HSV hätte an diesem Nachmittag noch Stunden spielen können, es wäre ihm wahrscheinlich kein Tor gelungen. Fröhliche Weihnachten!

Es muss der Brasilien-Trip gewesen sein. Oder? Vielleicht war auch etwas im Pausen-Tee, der eventuell schon vor dem Anpfiff getrunken wurde? Dieses Getränk muss einschlafende Wirkung haben, denn der HSV war nicht wirklich wach. Und das war die höchst ungute Konstellation: Hier der Tempo-Fußball von Bayer Leverkusen, dort die müden Hamburger – das konnte nicht gut gehen. Ich lege mich fest: Brasilien war es. Irgendetwas muss ja schuld daran sein.

Es begann schon nach ein paar Sekunden. Dennis Aogo war sich zu schade, die Kugel einfach und geschmacklos nach vorne zu dreschen. Einen kurzen Kringel (Trochowski lässt grüßen!) auf der linken Seite, ein Querpass kurz vor dem Strafraum auf Milan Badelj, der Ball ist schludrig gespielt, Badelj verlängert nur – und Schürrle steht mutterseelenallein vor Rene Adler. Welch ein Auftakt! Glück für den HSV, dass Schürrle mit links an den Pfosten schlenzt – das war eine Hundertprozentige! Aber wachgerüttelt war der HSV damit nicht. Es ging meistens in eine Richtung – Richtung Adler. Der hatte alle Hände voll zu tun, auch mit dem Mund. So oft hat der HSV-Schlussmann noch nie gemeckert wie heute. Er brüllte, er rüttelte auf, er meckerte, er war total sauer, aber es half alles nichts. Seine Vorderleute waren unkonzentriert und irgendwie auch immer ein wenig hilflos.

Selbst als nach 12:12 Minuten endlich Stimmung in der BayArena herrschte, ließ sich der HSV nicht aufwecken. Lediglich der Schuss von Heung Min Son, der aus 22 Metern mit links abgezogen hatte, ließ ein kleines Lebenszeichen der Hamburger erkennen. Bayer-Keeper Leno hätte keine Abwehrchance gehabt. Aber hätte, wenn und aber – es kam anders.

Per Ciljan Skjelbred stand nur Spalier, als Schürrle zur Mitte flankte. Dort bemühte sich Leverkusen Castro um die Kugel, fälschte sie aber für den HSV so unglücklich ab, dass Heiko Westermann keine Chance hatte, an den Ball zu kommen. Hinter dem HSV-Kapitän stand Kießling, und der sagte artig danke – 1:0 für Bayer. Adler war ohne jede Abwehrmöglichkeit. Ein ganz bitteres Tor – eher ein Zufallsprodukt. Aber es zählte. So sehr sich Adler auch über seine Vorderleute aufregte (28.).

Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn quasi im Gegenzug das 1:1 gefallen wäre? Flanke von Dennis Diekmeier, Kopfball von Artjoms Rudnevs – Pfosten. Den Nachschuss setzte Dennis Aogo in meinen Augen zu überhastet in die Wolken. Da wäre mehr drin gewesen . . . In der 30. Minute verhinderte Adler zunächst noch im Eins-gegen-eins-Duell mit Bender das zweite Bayer Tor, aber dieser Treffer fiel dann sechs Minuten später. Diekmeier ließ sich überlaufen, der Ball kam zu Kießling, der zu viel Platz von Westermann erhalten hatte – die Kugel kam zu Schürrle, und der umkurvte (mühelos und mit einem Lied auf den Lippen) Michael Mancienne – Schuss, Innenpfosten, Tor, 2:0.

Mit 0:2 lag der HSV zuletzt auch in Leverkusen zurück, schaffte noch ein Unentschieden. Dafür wäre diesmal wohl ein schnelles Anschlusstor nötig gewesen. Badelj hatte es Sekunden vor dem Halbzeitpfiff auf dem Schlappen, schoss aber aus 17 Metern über das Bayer-Tor – Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel kam der HSV, da sah es zeitweise so aus, als sei doch noch etwas möglich – ein Strohfeuer. Son schoss aus 20 Metern mit links, der Ball wurde abgefälscht – aber er flog nicht ins Netz, nur Eckstoß für den HSV (59.). Das nächste Tor fiel leider auf der Gegenseite. Einen Abschlag von Torwart Leno wollte Westermann wieder in die Bayer-Hälfte befördern, wurde aber von Kießling gestört. Der Torjäger hatte danach freie Bahn und überlupfte Rene Adler – 3:0. Da halfen auch die Proteste des HSV-Kapitäns nichts mehr. Westermann wollte sich gefoult sehen, aber ich behaupte, dass er diesen Ball bei etwas besserer körperlicher Präsenz an jedem anderen Tag leicht und mühelos bekommen hätte. Foul von Kießling hin, Foul von Kießling her. Das Spiel war entschieden. Leverkusen, wie der HSV stark ersatzgeschwächt ins Spiel gegangen, konnte es sich danach sogar leisten, den überragenden Schürrle auszuwechseln. Die Mannschaft steht eben nicht umsonst auf Platz zwei – als Bayern-Jäger Nummer eins.

Der HSV kann jetzt seine Wunden lecken, kann darauf hoffen, dass im Januar wieder alle mit von der Partie sind – und dann darf die Bundesliga aufgerollt werden Nicht von hinten, nein, immerhin schon mal aus der Mitte heraus. Aber auch machen! Ansätze waren ja da.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt was er halten konnte, er war der einzige Hamburger in Normalform. Alles anderen befanden sich schon – mehr oder weniger – in der Weihnachtspause.

Dennis Diekmeier hatte arge Probleme, seine Seite dicht zu bekommen – es gelang ihm nie. Das war weit weg von seinen bisherigen guten Leistungen.

Michael Mancienne sah oftmals nur die Hacken der schnellen Leute aus Leverkusen, aber das haben andere schon vor ihm erleben müssen. Dennoch verlor er ungewohnt eine große Zahl von Zweikämpfen – und sein Aufbauspiel war schlampig.

Heiko Westermann trat nicht wie sonst in Erscheinung, er war von Beginn an nicht so dominierend wie in den letzten Monaten – und ging dann mit unter. Mit einem Westermann in 1-A-Form hätten sich vielleicht auch die Neben- und Vorderleute gesteigert, aber so gingen sie alle im Dezember baden.

Zhi Gin Lam traute sich auch diesmal recht wenig, zu wenig zu. Harten Zweikämpfen ging er ebenfalls eher aus dem Weg – er kann nur eine Übergangslösung gewesen sein.

Milan Badelj hatte einen fahrigen Beginn, brachte im Gegensatz zu sonst nur jeden dritten oder vierten Ball an den eigenen Mann. Er könnte es, er hat es allen bewiesen, dass er es besser kann – heute aber blieb er (fast) alles schuldig. Wie fast alle Hamburger. Brasilien lässt grüßen!

Per Ciljan Skjelbred war diesmal nicht in jener Verfassung, die zuletzt alle aufhorchen ließ. Schade. Ich hätte es ihm gegönnt, damit er es dem HSV noch etwas schwerer machen würde – bezüglich eines möglichen Verkaufs. Heute aber war Skjelbred wieder der Norweger, der es bislang nicht in die Stammformation geschafft hatte.

Dennis Aogo blieb weit hinter den Erwartungen. Es begann schon mit dem Fehler nach Sekunden (Schürrle an den Pfosten), offenbar konnte er sich von diesem Lapsus nicht mehr erholen – obwohl er viel lief und auch wieder kämpfte – fußballerisch jedoch klappte fast nichts, auch einfache Pässe landeten beim Gegner oder im Aus.

Tolgay Arslan war wenig zu sehen, dieses Spiel war vielleicht eines zu viel für ihn – oder es war auch zu schnell. Das kann er auf jeden Fall besser als heute.

Heung Min Son mit Licht und Schatten. Wenn es gefährlich für Leverkusen wurde, dann war er daran beteiligt, aber der Südkoreaner hatte auch wieder einige spielerische Defizite und offenbarte zudem großen Schwächen im Zweikampf. Da muss er noch viel, viel lernen – aber auch das kann und wird er auch schaffen. Er hat ja schon so viel gelernt.

Artjoms Rudnevs köpfte einmal an den Pfosten, ansonsten war nicht viel von ihm zu sehen. Hatte seine besten Szenen vielleicht im eigenen Strafraum, wenn er half, die Gefahr zu bereinigen.

Ivo Ilicevic (kam in der 65. Minute für Skjelbred) hatte einen undankbaren Auftrag, nämlich ein fast schon verlorenes Spiel noch zu Gunsten des HSV zu beleben. Er mühte sich redlich, er war auch besser als sein Vorgänger, aber er schaffte es nicht mehr. Immerhin, er hat es versucht – das war gut.

Maximilian Beister (kam in der 65. Minute für Son) hatte auch den Auftrag, für Wirbel zu sorgen, das gelang ihm aber nur zu selten.

Tomas Rincon (kam in der 83. Minute für Badelj) sollte ein Desaster verhindern, das heißt, weitere Gegentore – Auftrag erfüllt.

So, und nun sind wir gleich mit „Matz ab live (zu Gast der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow) auf Sendung. Wäre toll, wenn ihr dabei sein könntet.

17.23 Uhr

Adlers außergewöhnliche Rückkehr

12. Dezember 2012

Er sah müde aus, ließ sich davon aber nichts anmerken. Im Gegenteil, Rene Adler wurde noch immer nicht müde, den Brasilien-Trip samt seiner Strapazen zu loben. „Für die Mannschaft war das einfach eine gute Reise“, so der Keeper, der am Sonnabend das erste Mal auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen trifft. Zumal die Mannschaft auch eineinhalb Tage frei hatte. „Wir haben dort ein seriöses Spiel abgeliefert und uns den Umständen entsprechend gut verkauft. Und wir haben den Trip für uns als Mannschaft genutzt, haben an den eineinhalb freien Tagen die Seele baumeln lassen und die Zeit für Gespräche genutzt.“ Teambuilding auf brasilianische Art. „35 Grad statt Minus fünf – das ist schon eine heftige Umstellung“, sagt Adler, der dennoch keinerlei Probleme für das Spiel am Sonnabend sieht: „Nein, die Reise kann keine Ausrede sein, selbst wenn wir verlieren. Wir sind jung genug, das wegzustecken. Wir werden unsren Positivtrend fortsetzen.“ Denn wenn eines auf der Reise klar wurde, dann, dass alle Spieler heiß sind auf das letzte Spiel 2012. „Wir wissen, dass wir einen guten Lauf haben. Wir alle wollen eine Hinserie, die schlecht begonnen hat, unbedingt positiv beenden.“

Ihn persönlich dürfte ein Erfolg an alter Wirkungsstätte besonders freuen. „Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich“, sagt Adler, „immerhin habe ich dort die meiste Zeit meiner Karriere verbracht. Leverkusen war ein schönes Kapitel und ich weiß auch, was ich Bayer zu verdanken habe.“ Dennoch sei er Profi genug, diese Emotionen für 90 Minuten hintenanzustellen. Adler: „Absolut! Ich werde wie immer eine gesunde Anspannung haben. Die ist gut. Die brauche ich“, sagt Adler, „denn die ist wichtig für mein Aktionspotenzial.“ Soll heißen: Anspannung = Motivation. Klingt gut. Zumal direkt danach Weihnachtsferien für die Spieler sind. Wobei genau dieser Gedanke auch die größte Gefahr darstellt. Sofern man sich schon zu früh im Urlaub wähnt.

Wobei ich mir diesbezüglich bei Adler mal gar keine Sorgen mache. Der momentan beste deutsche Torwart wird die Mannschaft eher zu heiß machen, gilt er doch als sehr verbissen. In der Sport Bild von heute ist ein Artikel mit dem HSV-Keeper, in dem auch dessen Zeugnis für die Übergangszeit vom Jugendlichen zum Profi abgedruckt wurde. Und darin hat ihm sein Förderer, Torwarttrainer und Freund in den höchsten Tönen gelobt sowie ihm unbändigen Fleiß und hohe Selbstkritik attestiert. Alles Dinge, die auch heute noch gelten.

Seit heut ist auch beschlossen, dass das Sicherheitspaket ab 2013/2014 umgesetzt wird. Und obwohl es sicherlich einige kleinere Mängel in diesem Sicherheitspapier gibt, ist es eine grundsätzlich positive Entscheidung, wie ich finde. Seitens des DFB heiß es:

„Mit großer Geschlossenheit haben die 36 Profi-Clubs heute im Rahmen
der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes ein umfangreiches
Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit im Fußball verabschiedet. Nach
intensiver Analyse und Diskussion wurden alle 16 vom Vorstand des
Ligaverbandes vorgeschlagenen Anträge inklusive einiger
Modifikationen mit jeweils deutlich größeren Mehrheiten als
erforderlich angenommen.“

Ein gutes Zeichen. Zumindest war die Entscheidung für mich angesichts der Entwicklungen in den Stadien zuletzt alternativlos. Und obwohl ich mir sicher bin, dass die Entscheidung in den nächsten Wochen noch für eine Menge Ärger sorgen wird und tausende Fans weiterhin protestieren werden, glaube ich daran, dass es auf Sicht für mehr Sicherheit und letztlich auch Verständnis aller sorgen wird.

Carl Jarchow dazu: „Dem überwiegenden Anteil der 16 Einzelanträge haben wir inhaltlich aus Überzeugung zugestimmt. Allerdings hatten wir den Antrag auf eine Vertagung zur Abstimmung bezüglich des Sicherheitskonzeptes gestellt, der aber mehrheitlich abgelehnt wurde. Aus unserer Sicht ist es bedauerlich, dass wir es nicht geschafft haben, mehr Zeit zu gewinnen, um im Dialog mit den Fans für mehr Vertrauen in und Verständnis für das Sicherheitskonzept zu werben.“ Dieser Vorschlag wurde übrigens wenig überraschend deutlich mit 31:5 Stimmen abgelehnt. Trotzdem zeigte sich Jojo Liebnau von den “Chosen Few” enttäuscht. „Ich muss schon sagen, dass ich enttäuscht von der DFL bin. Sie haben die Chance verpasst, den Fans zu signalisieren, dass sie ernst genommen werden. Das Prozedere, alle Anträge durchzuwinken und anschließend bekanntzugeben, die Umsetzung mit den Fans im Dialog zu besprechen, klingt schon absurd.“

Zumindest klingt sie auf den ersten Blick widersprüchlich. Aber wie einige Blogger auch war ich bei dem Fantreffen zum Sicherheitspapier anwesend. Eine unsäglich langweilige Veranstaltung, was zum einen dem Thema zum anderen aber der Beteiligung von gerade mal 42 Leuten geschuldet war (inklusive Journalisten und Vorstand Scheel). Schon auf dieser Veranstaltung war herauszuhören, dass es den Kritikern vor allem darum ging, die Einflussnahme des DFB und der DFL auf die Verein nicht zu groß werden zu lassen. Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation „ProFans“ wertete die Entscheidung als „absolut negativ“ und kündigte weitere Proteste an. „Wir machen uns nicht zum Büttel von Herrn Rauball“, sagte Markhardt. Die Fans fürchten trotz einer Entschärfung an wesentlichen Stellen des Papiers Repressalien wie Ganzkörperkontrollen etc. Eine Befürchtung, die Rauball zu nehmen versucht: „Wir können allen Fans versichern, dass die Fankultur nicht gefährdet wird.“

Worte, denen jetzt Taten folgen müssen. Denn wenn diese Diskussion eine klare Nachricht hervorgebracht hat, dann wirklich die, dass sich Liga und Fans deutlich besser austauschen und versuchen müssen, gemeinsam zu arbeiten. Wenn das gelingt, ist allen geholfen. Dann werden auch die Liebnaus und Markhardts dieser Welt wie alle anderen auch den 12.12.2012 als positiven Wendepunkt betrachten. Zumindest ist das meine Hoffnung.

Apropos Hoffnung. Die habe ich auch in Sachen Leverkusen-Spiel. Immerhin konnte die Mannschaft heute auf einem trotz Rasenheizung leicht gefrorenen Untergrund ordentlich trainieren. Und man merkte eigentlich niemandem Müdigkeit an, bei den lustigen Kreis-, Pass- und Fangspielen. Trainer Thorsten Fink setzte heute auf „leichte Trainingskost“, um es mal so zu formulieren, wobei Adler schon vorher gesagt hatte: „Die sind alle heiß, das habe ich schon beim Waldlauf nach unserer Landung am Dienstag gespürt. Da hat keiner gemurrt.“ Wäre ja auch noch schöner…

In diesem Sinne, in Leverkusen wurde nur eines der letzten fünf Spiele verloren. Das macht doch Hoffnung auf einen guten Hinrundenausklang. „Leverkusen ist eine Top-Mannschaft“, warnt Adler und findet auch gleich die Angriffsfläche: „Sie haben Bayern München geschlagen und stehen zurecht oben – aber sie haben genauso gezeigt, dass sie ab und zu schwächeln.“ Wie zum Beispiel zum Hinrundenende 2012/2013…

Ich hoffe es jedenfalls, nachdem seit heute klar ist, dass sowohl Maxi Beister als auch Milan Badelj mit in die hoffentlich pyrofreie BayArena reisen können. Rafael van der Vaart hingegen fällt wie erwartet weiterhin aus.

Bis morgen! Dann wird das letzte Mal öffentlich trainiert im Jahr 2012. Und zwar um 15 Uhr an der Imtech-Arena.

Scholle

Milan Badelj soll kommen – möglichst noch heute ***Aktualisiert 18.36***

17. Juli 2012

****AKTUALISERT mit Stimme Petric zu Badelj****

So, Leute, heute wird der Blog mal etwas kürzer. Aber er bleibt informativ, wie ich finde.

Hat der HSV seinen ersten neuen fürs Mittelfeld gefunden? Vieles deutet darauf hin. Milan Badelj soll es sein. Der 23-jährige Kroate wurde hier im Blog und in den Tageszeitungen schon häufiger gespielt. Jetzt soll es soweit sein. Badelj war auf jeden fall schon seit längerer zeit auf Frank Arnesens Wunschzettel, auch wenn dieser aktuell noch etwas blockt. „Ich kann im Moment noch nichts zu dieser Personalie sagen“, so der Däne vorsichtig, „außer, dass noch nichts definitiv ist.“ Auf die Nachfrage, ob dennoch noch heute etwas passieren könnte, sagte Arnesen: „Es kann alles passieren.“

Es deutet vieles darauf hin, dass der beidfüßig starke Mittelfeldspieler nach Hamburg kommt. Obwohl er bislang ausschließlich in Kroatien spielte, und somit das Anforderungsprofil nicht hundertprozentig erfüllt. Das sah eigentlich vor, dass der neue zentrale Mittelfeldmann die Bundesliga kennt. „Badelj kann auf der Sechs spielen, ist aber eher ein Achter“, spricht Arnesen im Fußballdeutsch. Soll heißen: Badelj kann defensives, zentrales Mittelfeld spielen, ist aber eher ein fußballerisch versierter Spieler, den man nicht nur fürs Abräumen sondern auch für die Kreativität im Mittelfeld brauchen könnte. Er ist eine Mischung aus einer Sechs und einer Zehn – eine Acht eben… Zumindest aber, so klingt das zumindest für mich, ist der kroatische Nationalspieler nicht DER gesuchte Spielmacher.

Rund vier Millionen Euro soll Badelj kosten. Ein Betrag, den der HSV mit einem Töre-Verkauf (zwei Millionen Euro blieben dem HSV) sowie mit dem Restgeld aus dem Guerrero-Verkauf stemmen könnte. Zusätzlich kämen Gehaltskosten von rund 1,5 Millione Euro (so viel verdient der suspendierte Rajkovic, der abgegeben werden soll) für Badelj hinzu, der mit seinen 23 Jahren schon Mannschaftskapitän bei Dinamo Zagreb ist und Erfahrungen in der Champions League sammeln durfte. Sechs Spiele absolvierte der 186 Zentimeter große Mittelfeldspieler in der Königsklasse, konnte dabei einen Treffer vorbereiten. Zudem absolvierte er elf Europa-League-Spiele (ein Tor, zwei Vorlagen). Und man kann mit gutem Recht behaupten, dass Badelj vereinstreu ist. Bis auf ein Leihjahr 2007/2008 spielt der in Zagreb geborene 23-Jährige nur für Dinamo Zagreb.

Und das, obwohl letzte Saison Bayer Leverkusen um seine Dienste geworben hatten. Damals soll die Verpflichtung an der zu hohen Ablöseforderung der Kroaten gescheitert sein. Und dieses Jahr warb neben dem HSV auch der AC Florenz um Badelj. Die Italiener kolportierten heute jedoch via Internet, sie hätten von einer Verpflichtung ihres Wunschspielers Abstand genommen, weil der sich mit dem HSV geeinigt habe. So zumindest hatte es heute die kroatische Zeitung „Vecernji“ vermeldet.

Egal wie, es könnte der nächste Neue sein. Was genau er kann und wie gut er ist, ist schwer zu sagen. Ich habe deshalb einen mir bekannten Scout angerufen, der eigentlich immer bestens informiert ist. So auch diesmal. „Das ist ein richtig Guter. Den hatten wir schon mehrmals auf dem Zettel, konnten ihn aber nie bezahlen. Jetzt muss Zagreb alles verkaufen, was Geld bringt, weil die richtig klamm sind. Und wenn sich der HSV dabei Badelj angelt, dann machen sie nichts falsch. Ganz im Gegenteil.“

***AKTUALISIERT***In die gleiche Kerbe schlägt auch Mladen Petric, den ich eben erreicht habe. Der Kroate absolviert gerade mit seinem neuen Klub FC Fulham ein Trainingslager in – Leipzig. Siehe an! Aber er hatte die Zeit, mir kurz etwas über seinen Nationalmannschaftskollegen zu erzählen. “Milan ist eins ehr guter techniker, der über ein super Passspiel verfügt. Er ist in der Lage, den Pass in die Tiefe zu spielen und hat absolut keine hemmungen auf dem Platz. Er fordert immer den Ball – auch wenn es mal eng wird.” Zudem sei der potenzielle Zugang des HSV schnell und gut im Eins-gegen-Eins. Vor allem aber sei er als Typ gut. “Milan ist ein unaufgeregter Typ, der etwas im Kopf hat. Er ist einer, der in der Mannschaft sehr gut ankommen wird, weil er solide und absolut kein Spinner ist. Mit Milan kannst du gut reden. Kurzum: Milan ist eine Verstärkung für den HSV.”

Klingt doch gut. Zumal das von einem Man kommt, der sich auf dem Markt bestens auskennt und mir auch schon mitteilte, wenn seiner Meinung nach nichts Gutes verpflichtet wurde. Deshalb habe ich mir selbst den Vorschlag gemacht (und ihn überraschenderweise auch angenommen), dass ich mich über Milan Badelj freue. Wenn er denn kommt.

Ein anderer Vorschlag erreichte mich heute per Email. Per Pressemittelung versuchte sich ein gewisser Herr Sören Bech in dem Fall Klaus Michael Kühne/HSV-Vorstand einzubringen. Schlichtend wohlgemerkt. Aber lest selbst:

„Pressemitteilung: Verhältnis zwischen Kühne und dem HSV – Investmentbanker bietet Schlichtung an

Investmentbanker Sören Bech, stellvertretender Generalbevollmächtigter der Varengold Wertpapierhandelsbank AG hat den Investor Herrn Klaus-Michael Kühne sowie die HSV-Führung in Person von Herrn Frank Arnesen schriftlich zu einem Schlichtungsgespräch eingeladen. Die Vorfälle am Freitag, den 13. Juli haben den Banker Bech bewogen, im Transferkonflikt zwischen der HSV-Vereinsführung und dem Investor Kühne zu vermitteln. „Es scheint, dass Kühne und der HSV nicht mehr direkt miteinander reden“, sagte Bech zum Hintergrund: „Jeder weiß, dass die nächste Saison für den HSV überlebenswichtig ist, da kann so eine Funkstille katastrophale Folgen haben.“
In dieser Situation kommt nun die Schlichtungseinladung an beide Streitparteien: Das Wohl des Vereins stehe doch beiden Interessensgruppen an oberster Stelle und jeder Fan wisse spätestens nach den jüngsten Vorfällen und Presseberichten, wie gefährlich und richtungsweisend die nächste Saison ist. „In dieser Situation muss alles unternommen werden, jeder Impuls ist wichtig und jegliche Idee muss diskutiert werden.“ schreibt der Schlichter in den persönlichen Briefen an Herrn Arnesen und Herrn Kühne. Auch er sei bereit seinen Beitrag dafür zu leisten und bietet seine Vermittlerkompetenz an, um für den Verein und die Fans eine zukunftsweisende Lösung zu präsentieren. Herr Bech hofft nun, dass es die Parteien schaffen ihre persönlichen Belange zum Wohle des Vereins unterzuordnen und das Schlichtungsangebot anzunehmen.“

Klingt doch gut. Auch wenn ich stark bezweifle, dass HSV oder Kühne das Angebot nutzen werden, der HSV-Vorstand will sich zumindest darüber unterhalten. Und das Angebot zeigt, dass viele HSV-Fans noch immer ganz stark hoffen, das Kühne und der HSV sich zusammenraufen und im Sinne des HSV weiterhin zusammenarbeiten.

Wie wir alle auch hier im Blog.

Konstruktive Kritik ist und bleibt erlaubt. Ich war, bin und werde auch in Zukunft ganz sicher nicht übermäßig empfindlich sein. Aber bleibt dabei bitte – vor allem auch untereinander – weiterhin sachlich und hört auf, Euch, unsere Kollegen oder uns einfach nur zu bepöbeln. Das haben wir hier alle nicht nötig. Ihr nicht, die Kolegen nicht – niemand. Im Gegenteil: Dieser Blog sollte auch weiterhin als Beispiel für ein konstruktives, kritisches Miteinander dienen. In unserem Sinne und im Sinne des HSV sollten auch in Zukunft alle Dinge – ob sie nun negativ sind oder positiv – schonungslos angesprochen und mit Nachhaltigkeit und dem nötigen Respekt voreinander ausdiskutiert werden.

Ich bin mir sicher, das schaffen wir.

In diesem Sinne, jetzt ist der Blog doch wieder deutlich länger geworden als geplant. Ich mache mich jetzt auf den Weg zu Terminen, von denen ich Euch hoffentlich in den nächsten Tagen berichten kann. Sollte sich in Sachen Neuzugang noch etwas tun, werde ich versuchen, den Blog auch von unterwegs zu aktualisieren. Und morgen werde ich Euch ob der Zeitverschiebung mit einem frühen Blog (am frühen Nachmittag) den Tag hoffentlich informativ und unterhaltsam gestalten.

Bis dahin,
Euch allen einen schönen Abend,

Scholle (17.42 Uhr)

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