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Kühne: “Es muss ein wirklicher Top-Trainer her”

18. Juni 2014

Ich nannte es noch versucht diplomatisch „suboptimal“ und „Blockieren von Neuem“. Klaus-Michael Kühne spricht noch deutlich deutlicher an, was (ihn) im Moment stört. Wie er es macht – das muss ich nicht mehr kommentieren. Das habe ich schon des Öfteren kritisiert und das wird sich bei dem inzwischen 76-Jährigen wohl auch nicht mehr verfeinern lassen. Aber lest selbst. was der HSV-Fan, HSVPlus-Unterstützer, Investor und Speditionsmilliardär im Interview mit meinen Kollegen vom Hamburger Abendblatt Print sagt. Das Interview für all diejenigen, die es noch nicht lesen konnten, aus der Mittwochsausgabe:






Hamburger Abendblatt: Herr Kühne, eigentlich müssten Sie in Sachen HSV wunschlos glücklich sein. Der HSV hat sich am 25. Mai mit großer Mehrheit für HSVPlus entschieden, eine Reform für die Sie sich persönlich engagiert haben. Dennoch sind Sie unzufrieden. Warum?
Klaus-Michael Kühne: In der Tat war ich sehr glücklich über den Beschluss bei der Mitgliederversammlung. HSVPlus ist der richtige Weg, um den HSV wieder neu aufzustellen. Dies wurde auch hervorragend gemanagt. Leider sind nach der Mitgliederversammlung viele Dinge völlig aus dem Ruder gelaufen.

Was meinen Sie konkret?
Kühne: Aus meiner Sicht hätten all diejenigen, die für die Fehler in der Vergangenheit verantwortlich waren, zurücktreten müssen. Zumindest hätte ich erwartet, dass sie akzeptieren, dass sie nichts mehr zu sagen haben und dass jetzt die HSVPlus-Leute am Ruder sind. Stattdessen hat man einfach so weitergemacht wie bisher, das ist für mich Brunnenvergiftung. Dadurch ist dem HSV großer Schaden entstanden.

Andererseits war Dietmar Beiersdorfer als neuer Vorstandschef nicht sofort verfügbar. Die Verhandlungen liefen noch.
Kühne: Das stimmt. Dennoch hätte man spätestens direkt nach dem Abschluss mit Dietmar Beiersdorfer, den ich für die ideale Lösung halte, ein neues Management aufbauen müssen. Jetzt haben wir wieder wertvolle Tage verloren. Die Zeitspanne bis zum Beginn der Bundesliga-Saison wird immer kürzer. Und es ist aus meiner Sicht nach dieser dramatisch schlechten Saison dringend erforderlich, die Mannschaft auf vielen Positionen neu zu besetzen.

Sind Sie enttäuscht von dem noch amtierenden Vorstandschefs Carl Jarchow?
Kühne: Vielleicht hätte ich ihn persönlich überzeugen müssen, sein Amt am Tag der Mitgliederversammlung niederzulegen. Aber dass er so hartnäckig an seinem Amt festhält, haben weder ich noch Herr Gernandt erwartet. Ich wundere mich sehr. Denn ich habe Herrn Jarchow immer als Ehrenmann betrachtet, der auch sein Bestes für den Verein gibt. Er hat leider unter sehr schwierigen Bedingungen agieren müssen und hat dann auch nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Aus dieser Einsicht heraus, wäre es meines Erachtens gut gewesen, wenn er zurückgetreten wäre. Zumindest hätte er aber akzeptieren müssen, dass jetzt die neuen Leute den Kurs bestimmen.


Wie sehen Sie die Position des noch amtierenden Aufsichtsratschef Jens Meier?
Kühne: Ich hatte zu Beginn seiner Amtszeit mit Herrn Meier Gespräche, die ordentlich verliefen. Er war auch im Prinzip der Meinung, dass Änderungen kommen müssen. Aber er hat sich nie klar positioniert. Und auch Herr Meier hätte die Größe haben müssen, zu sagen, ich will der neuen Entwicklung nicht im Wege stehen. Wahrscheinlich konnte er sich darauf aber mit seinen Ratskollegen nicht verständigen.

Wie groß ist der Schaden, der dem HSV entstanden ist?
Kühne: Das kann man nicht genau bemessen. Aber es gab nach der Mitgliederversammlung eine Stimmung der Euphorie in Hamburg, auch von möglichen neuen Sponsoren. Und nun passieren wieder all die unerfreulichen Dinge der Vergangenheit. Da wurde mit Leverkusen über Calhanoglu verhandelt, obwohl man alles versuchen müsste, einen so wichtigen Spieler zu halten. Da wurde ein neuer Spieler (Zoltán Stieber, die Red.) verpflichtet, ohne sich mit dem neuen Aufsichtsrat abzustimmen. Mag sein, dass der neue Spieler ein Treffer ist, ich kann den gar nicht beurteilen. Bislang hatte man nicht immer eine glückliche Hand. Aber ich finde es unmöglich, dass das nicht mit den zukünftig Verantwortlichen abgestimmt wird. In der Konsequenz kann das dazu führen, dass die Mannschaft noch weiter geschwächt wird.

Am Montag gab es ein Gespräch zwischen Dietmar Beiersdorfer und Mirko Slomka. Danach hieß es, dass Slomka bleiben wird. Wie ist Ihre Position?
Kühne: Dies muss letztlich Dietmar Beiersdorfer entscheiden. Als Privatmann und HSV-Fan kann ich nur sagen, dass ich an diesen Trainer nicht glaube. Er hat in der Endphase der Saison keine Punkte geholt, er hat wahnsinniges Glück gehabt, dass der Abstieg verhindert wurde. Es war eine solche Zitterpartie, die möchte ich nicht noch einmal erleben.

Trainerwechsel gab es in der Vergangenheit beim HSV wahrlich genug. Sie haben den Verein nicht weitergebracht.
Kühne: Das stimmt. Dennoch sollte jetzt noch einmal ein neuer Anlauf gemacht werden. Und ich hoffe sehr, dass dann ein ausgewiesener Profi wie Dietmar Beiersdorfer die richtige Wahl treffen wird. Aber natürlich braucht das Zeit. Gute Trainer sind nicht irgendwo bei Karstadt zu kaufen, sondern man muss sie überzeugen, nach Hamburg zu kommen. Und das ist sehr schwierig, so lange es hier diese Störfeuer gibt.

Die neue Saison beginnt sehr bald…
Kühne: Das stimmt. Und daher muss Herr Beiersdorfer entscheiden, ob er Slomka als Übergangslösung sieht oder von mir auch als Dauerlösung, ich will ihm da gar nicht hineinreden. Herr Slomka gibt ja auch sein Bestes, er hat auch eine sympathische Ausstrahlung. Wichtig ist nur, dass er das neue Sportkonzept des HSV akzeptiert und vielleicht findet man mit ihm auch einen kooperativen Weg, trainiert werden muss ja nun mal. Aber meine persönliche Meinung ist, der Trainer muss noch mal getauscht werden. Es muss ein wirklicher Top-Trainer her.

Herrn Kreuzer haben Sie direkt nach Amtsantritt im Abendblatt als Drittliga-Manager bezeichnet, der den Anforderungen nicht gewachsen sei.
Kühne: Er kam ja mit Karlsruhe aus der Dritten Liga, das ist mir damals eher so rausgerutscht, das Abendblatt hat dann daraus eine Schlagzeile gemacht. Ich fand damals nur, dass der HSV entschieden zu kurz gesprungen ist. Es waren andere Manager auf dem Markt, die in meinen Augen profilierter gewesen wären. Ich kenne Herrn Kreuzer gar nicht persönlich und kann ihn daher nicht ausreichend beurteilen. Ich finde nur, dass man ihm mit diesem Job keinen Gefallen getan hat, zumal er bei seinem Amtsantritt jede Menge Baustellen vorgefunden hat, die er bewältigen musste. Und das hat er nicht geschafft.

Sie haben immer gesagt, dass Sie bereit sind, sich finanziell beim HSV zu engagieren. Wie ist dort der aktuelle Stand?
Kühne: Ich bin nach wie vor bereit, mich in einer Größenordnung von bis zu 25 Millionen Euro für den Neuanfang zu engagieren. Die AG bietet ja die Möglichkeit, dass ich entsprechende Anteile zeichnen kann. Dies würde ich auch gern machen, am liebsten zusammen mit anderen Investoren, aber notfalls auch allein. Ich bin auch bereit, diese Summe vorab als Darlehen zu geben. Dann wüsste ich allerdings schon gern den Verwendungszweck, wobei ich in die neue Führung schon großes Vertrauen habe. Ich fände es gut, wenn das Geld verwendet würde, um Lasogga zu halten. Da scheinen ja auch gute Chancen zu sein, das gefällt mir. Ich helfe gern, will aber keinen Einfluss nehmen.

Sie sehen das auch nicht unter Rendite-Gesichtspunkten?
Kühne: Das ist für mich nicht entscheidend. Natürlich wäre es schön, hin und wieder Prämien zu bekommen. Das hat aber bislang nur in einem einzigen Fall funktioniert, beim Verkauf von Guerrero gab es eine bescheidene Summe.

Kann es einen Moment geben, wo Sie sagen, mir reicht es jetzt?
Kühne: Wenn jetzt nicht endlich die Reformer zum Zuge kommen und stattdessen weiter törichte Entscheidungen getroffen werden, muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich es nicht leid bin. Dies würde sicherlich eintreten, wenn jetzt plötzlich Calhanoglu wider besseres Wissens gegen unseren Willen verkauft wird. Oder ein Trainer oder Sportchef ohne Abstimmung mit den zukünftigen Entscheidungsträgern verpflichtet würde. Das wäre alles sehr schade, besonders für die HSV-Reformer. Aber ich kann nur dringend davor warnen, dass hier weiter die Weichen in die falsche Richtung gestellt werden.

Zählen Sie auch die personellen Änderungen im Stab von Mirko Slomka dazu?
Kühne: Ja natürlich, ich habe auch gar nicht verstanden, warum da jetzt plötzlich Handlungsbedarf war. Offenbar wollte der Trainer auf diese Weise seine Position absichern. Das wäre sehr unerfreulich. Denn so entstehen noch höhere Kosten, wenn hier aufgeräumt werden muss.

Sie haben sich mit Jens Lehmann getroffen. Soll er neuer Sportchef werden?
Kühne: Ich habe ihn vor einem Jahr zufällig kennengelernt. Ich halte ihn für einen guten Typ. Er ist intelligent, kennt sich im Fußball aus und hat mir signalisiert, dass er nach neuen Aufgaben sucht. Ich habe das dem Verein auch im Herbst mal signalisiert, aber damals wollte keiner etwas davon wissen. Jetzt haben wir im Zuge der HSV-Reform den Kontakt intensiviert. Er hat große Verdienste im Fußball und kennt sich sehr gut aus. Da er ja bislang weder als Trainer noch im Fußball-Management gearbeitet hat, weiß ich nicht, welche Position er bei uns bekleiden könnte. Aber ich fände es gut, wenn er zu unserem Team gehören würde. Aber ich kann und will das nicht entscheiden.

Sie haben vor zwei Jahren den Transfer von Rafael van der Vaart finanziert, gelten als sein großer Fürsprecher. Wie sehen Sie den Wechsel rückblickend.
Kühne: Natürlich bin auch ich sehr enttäuscht. Dabei hat er am Anfang ja durchaus für frischen Wind gesorgt, fast hätten wir mit ihm den internationalen Wettbewerb erreicht. Dann passierte leider die Geschichte mit seiner Sylvie bei der Silvesterfeier. Ich habe mich dann noch mal mit ihm getroffen, und es sah so aus, als könnte man das noch einrenken. Leider hat es nicht funktioniert. Unter den privaten Problemen hat dann seine Form leider sehr gelitten. Er hat nicht mehr richtig trainiert, seine alte Form nicht mehr gefunden. Ich bedauere das sehr, zumal es sich für den HSV verhängnisvoll ausgewirkt hat.

Wäre eine Trennung vom HSV jetzt die beste Lösung?
Kühne: Ja, ich fände es gut, wenn er versuchen würde, an neuer Wirkungsstätte an alte Zeiten anzuknüpfen. Ich glaube, das Hamburger Umfeld ist für ihn zu schwierig geworden, er hilft uns nicht mehr weiter. Wenn es da eine Scheidung im fußballerischen Sinne geben würde, fände ich das die beste Lösung.

Einfach mal nur HSVer sein

12. Mai 2014

Alle fahren in den Urlaub – nur wir nicht. Fürth statt Badestrand. Oder schlimmer noch: Erst die D-Elf gegen Polen und dann noch zweimal Relegation gegen Fürth – ein Zusatz zur Saison, den ich mir tatsächlich gern erspart hätte, den wir aber dennoch als Glücksfall ansehen müssen, da nach dem Saisonverlauf noch deutlich Schlimmeres zu befürchten war. Und leider noch ist…

Denn noch haben wir tatsächlich nichts überstanden. Ich habe mir am Sonntag die Zweite Liga angeschaut und dabei immer zwischen Paderborn und Fürth gewechselt. Einzig Dresden vs. Bielefeld konnte mich zwischendurch mal ablenken – aber nur kurzweilig. Denn ich wollte mir einen Überblick über den möglichen Gegner verschaffen, soweit das mit einem Spiel zu machen ist. Und ich behaupte, dass Fürth nicht die spielerische Qualität des HSV hat. Ob wir der klare Favorit sind? Normalerweise schon. Fürth hat nicht mehr Qualität als beispielsweise Braunschweig, die dem HSV spielerisch unterlegen waren und sind. Allerdings bin ich mir sicher, dass Fürths Motivationsfaktor nicht weit hinter dem der Niedersachsen anzusiedeln ist – und das hat dem HSV ein 2:4 eingehandelt. Also: Normal zu prognostizieren ist diese Saison leider nichts. Ob der HSV drin bleibt? Ja. Daran glaube ich noch immer. Und dennoch werde auch ich am Ende nicht wissen, warum genau wir es geschafft haben.

Aber das kann dann auch egal sein, sofern an den richtigen Stellen angesetzt wird – also überall. Denn dieser Verein braucht tatsächlich eine Kernsanierung. Strukturell wie personell. Denn wer glaubt, dass es mit der Wahl von HSVPlus am Sonntag getan ist, der irrt. Das ist lediglich der zwingend notwendige erste Schritt auf einem völlig überflüssig lang gewordenen Weg. Und ganz ehrlich: Alles, was anders ist als das Jetzt ist sowieso erst einmal besser.


Ganz sicher auch eine Rückholaktion der Marke Beiersdorfer. Denn der ehemalige Sportchef gilt als sehr fleißig, sehr gut vernetzt und geht als echter HSVer durch. Er lebt Identifikation vor und kann diesem HSV wieder etwas Pathos vermitteln. Aber die Konstellation mit Jens Lehmann als Sportchef und ihm als Vorstandsvorsitzenden kann ich mir dann doch nur schwer vorstellen. Dafür ist Beiersdorfer zu sehr Gestalter und zu wenig Verwalter, geschweige denn Repräsentant. Und andersrum ist ein Lehmann ganz sicher kein Mann der zweiten Reihe, was das Modell der Bayern (Rummenigge und Sammer arbeiten Hand in Hand und der Vv entscheidet im Zweifel) eher unwahrscheinlich macht.

Und nur um das klarzustellen: Beiersdorfer wäre für den HSV aus meiner Sicht eine Verstärkung, wie sie in den letzten vier Transferperioden nicht mehr vorkam. Aber nur dann, wenn er am richtigen Wirkungsort eingesetzt wird. Und das kann in meinen Augen nur in der sportlichen Leitung sein – nicht auf irgendwelchen Roten Teppichen, in Talkshows oder bei Sponsorenveranstaltungen. „Didi macht lieber viel, als zu viel zu reden“, hatte einst der ehemalige AR-Boss Udo Bandow sehr passend zusammengefasst – und das ist noch immer so. Und es ist Zukunftsmusik. Gegenwärtig wichtiger sind die Spiele am Donnerstag in der Imtech-Arena und am Sonntag in Fürth. Beide Spiele sind bereits binnen weniger Stunden ausverkauft gewesen.

Heute beim lockeren Montagstraining waren fast alle Spieler dabei. Es fehlten lediglich die Langzeitverletzten Rajkovic, Beister, Lam sowie Zoua, die allesamt nicht mehr mitwirken können. Und sinnbildlich für die Bedeutung des Saisonfinales war heute auch Heiko Westermann wieder dabei. Der Mann, der gegen Mainz einen Aussetzer hatte und dennoch bei Trainer Mirko Slomka höchstes Ansehen genießt. „Heiko ist ein Vorkämpfer. Er weiß, worauf es ankommt“, sagte Slomka zuletzt und ließ seine medizinische Abteilung wissen, dass sie alles machen soll, was in ihrer Macht liegt, um Westermann trotz etlicher Wehwehchen die letzten zwei Spiele noch mitmachen zu lassen.

Dem Vernehmen nach soll Westermann bereits seit Wochen massiv angeschlagen sein auf die Zähne beißen. „Es sind noch zwei Spiele in den nächsten sechs Tagen“, sagt Westermann, „da fällt es wohl keinem schwer, noch mal richtig zu beißen und sich hintenanzustellen. Zumal wir danach lange vier Wochen Pause haben.“ Zudem sei die Aussicht, diese Saison doch noch als Erstligist zu beenden, Entschädigung genug. Westermann: „Als Erstligist heilen Wunden im Urlaub sicher noch einen Tick schneller, das stimmt.“

Und Westermann ist nicht der einzige Spieler, der beißt. Auch ein Rafael van der Vaart gibt zum Saisonabschluss noch mal alles. Das reicht konditionell ob des hohen Aufwandes dann zumeist nur noch für 60 Minuten, aber auch das ist wichtig. „Trotz der Niederlage war unsere Ausstrahlung – auch nach innen – in Mainz wieder sehr gut. Und das muss auch gegen Fürth so sein. Da müssen wir allen von der ersten Sekunde an zeigen, dass wir Erstligist und Fürth Zweitligist ist. Und vor allem: Dass das auch so bleibt.“

Und Westermann weiß, wovon er spricht. „Ich hatte irgendwie eine Vorahnung, dass es so kommt und habe schon in den letzten Wochen Fürth immer etwas genauer beobachtet als andere Mannschaften.“ Selbst beim Auftritt der Spielvereinigung beim FC St. Pauli war er live vor Ort. „Fürth hat eine gute Mannschaft mit zwei Stürmern, die ganz sicher Bundesligaformat haben. Da müssen wir aufpassen“, warnt Westermann vor den „Wahnsinnsspielen“ wie er die Relegation nennt. „Wir haben wochenlang darauf hingearbeitet, dass wir mindestens die Relegation schaffen – und jetzt wollen wir diese kuriose Saison wenigstens mit dem Minimalziel Klassenerhalt abschließen.“

Personell sieht es zumindest so gut aus, wie es aussehen kann. Immerhin hat der HSV wieder Alternativen auf der Bank, um das Spiel bei schlechtem Verlauf noch mal zu verändern. Wer heute das Spielchen der Reservisten gesehen hat, der wird mir zustimmen. Marcell Jansen war auffällig stark. Ebenso wie Ivo Ilicevic, Kerem Demirbay und auch Tolgay Arslan. Wobei ich mir relativ sicher bin, dass Slomka am Donnerstag wieder mit Jansen statt Jiracek beginnt und auch Ilicevic gute Chancen haben dürfte, als Offensivspieler im Heimspiel für den deutlich defensiver orientierten Rincon in die Startelf zu rutschen.

Egal wie, irgendwie habe ich die ganze Zeit nur einen Satz im Kopf: „Augen zu und durch.“ Ich will eigentlich gar nicht mehr schreiben oder darüber sprechen, warum hier was wie ist. Da gibt es fast nichts mehr, was keine Wiederholung wäre. Nein, ich will einfach nur noch den Super-GAU abgewendet wissen und dann mit aller Kraft den Neuanfang wagen. Mit einer neuen Struktur und mit neuen Verantwortlichen. Auf und neben dem Platz.

Also, halten wir alle noch mal so zusammen, wie es sich den HSV die letzten Jahre immer wieder ausgezeichnet hat und wie es sich für den HSV gehört. Scheißegal ob als so genannter „Plusser“ oder auch nicht. Wenn sich die Spieler schon fitspritzen lassen, dann sollten wir doch allemal den Schneid haben können, auf der Tribüne eine Einheit zu bilden. Ohne dämliche Plakate und drastische Polizeieinsätze. Einfach nochmal sechs Tage zusammenstehen. Einfach mal nur HSVer sein.

Ich glaube daran.

Scholle

WM? Für mich zählt nur Mainz…

8. Mai 2014

Die Entscheidung war schon ein paar Stunden alt, aber sie wurde nicht besser. Zumindest nicht für Heiko Westermann und Rene Adler, die im Gegensatz zu Marcell Jansen nicht zum vorläufigen WM-Aufgebot zählen. Trost gab es dennoch – von HSV-Trainer Mirko Slomka. Der schob dem Auftreten des HSV in der Bundesliga den Schwarzen Peter zu. „Die Nominierung ist immer auch ein Produkt der gesamten Mannschaftsleistung. Und da müssen wir festhalten, dass wir als Mannschaft nicht dazu beigetragen haben, dass Rene und Heiko nominiert werden.“

Die beiden Nicht-Nominierten konnten allerdings ebenfalls nur unzureichend viel beitragen. „Ich bin schon enttäuscht. Aber was soll man erwarten nach so einer Saison?“, sagt Westermann. „Klar bin ich enttäuscht, dass ich nicht dabei bin, aber ich kann damit umgehen. Ich akzeptiere die Entscheidung und nehme es sportlich. Der Fokus liegt voll auf den nächsten Spielen mit dem HSV. Ich wünsche den Jungs alles Gute für die Zeit in Brasilien“, erklärte indes Torhüter Rene Adler, der aber keinen Zweifel daran lassen wollte, dass dies keine negativen Auswirkungen auf seine Leistung in Mainz haben wird. Ebenso wenig wie Westermann: „Für mich hat das keine Auswirkungen auf Samstag. Ich habe immer gesagt, dass der HSV das Wichtigste für mich ist”, so


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Dass Marcell Jansen nominiert wurde, ist dagegen nicht wirklich überraschend. Schon gar nicht für ihn. „Ich wusste schon länger, dass ich dabei bin. Wir hatten durchgehend Kontakt. Die Nominierung stand nie zur Debatte.“ Zumal sich Jansen trotz vieler Verletzungspausen und einer sehr durchwachsenen Saison tatsächlich nur geringer (quantitativ betrachtet) Konkurrenz als linker Außenverteidiger. Vor allem, seitdem Bundestrainer Joachim Löw Philip das Bayern-Modell angenommen hat und Lahm ins Mittelfeld vorgezogen hat.

Lange unerwähnt und für mich unbekannt, bis ich ihn im Blog vor sechs Monaten mehr oder weniger zufällig interviewte, blieb Shkodran Mustafi. Der ehemalige Jugendnationalspieler des HSV in Diensten Sampdoria Genuas spielte sich allerdings seitdem (NICHT deswegen…) ins Rampenlicht des DFB. Und so sehr ich mich auch über die Nominierung unseres Blogfreundes freue, und so gern ich jetzt auch über die 30 bislang Nominierten schreiben und diskutieren würde – ich lasse es. Weil wir hier Wichtigeres zu tun haben.

Und Slomka weiß das. Der HSV-Trainer geht gar nicht erst unnütz lang auf die Kadernominierung ein. „Ich habe am Dienstagabend mit dem Bundestrainer telefoniert und freue mich für Marcell.“ Und damit hatte sich der Spaß. Denn Mainz steht vor der Tür. Und der FSV muss seinerseits noch punkten, damit der FC Augsburg nicht noch den Europa-League-Platz streitig machen kann. „Es gibt keinen in der Mannschaft, der seinen Urlaubsmodus angestellt hat“, verspricht FSV-Trainer Thomas dem HSV einen heißen Tanz. Und Slomka ist sich dessen bewusst. „In Mainz treffen wir auf eine Mannschaft, die zum dritten Mal in die Europoa League will. Die werden mächtig heiß sein“, so Slomka, „aber wir haben hier von beginn an gesagt, unser Ziel ist nicht die Relegation. Es ist der Klassenerhalt. Daher wird es Zeit, dass wir den Fans und dem verein etwas zurückgeben und nach langer Zeit mal wieder einen Auswärtssieg schaffen.“

Stimmt. Und gerüstet scheint der HSV zu sein. Zumindest personell. Dennis Diekmeier trainierte heute wieder voll mit, ebenso wie Pierre Michel Lasogga, Johan Djourou, Marcell Jansen und Heiko Westermann. Allesamt ohne Probleme. „Vielleicht sogar mit einer kleinen Portion Extramotivation“, lächelt Jansen ob seiner Nominierung und Gesundung. „Der Fuß hält. Und Luft hat man in so einem Spiel eigentlich immer…“

Hoffentlich. Denn Augsburg war nicht minder wichtig – und nicht schönzureden grottig. Das 1:4 gegen Bayern jedoch, das gibt Slomka Hoffnung. „Weil die Mannschaft Charakter bewiesen hat“, wiederholt der HSV-Trainer immer wieder. Und der HSV ist fit. Mehr als 750 intensive Läufe hat die Datenbank verzeichnet – Bundesligarekord. Slomka: „Und genau das wollen wir beibehalten.“ Besser noch: Genau das MUSS beibehalten werden, wenn man bei den heimstarken Mainzern bestehen will. Denn der FSV, der die letzten drei Heimspiele gewann, hat im eigenen Stadion nur gegen die Top vier der Liga verloren, dreimal remis gespielt und neun Siege eingefahren, während der HSV auswärts gefühlt seit der Steinzeit nicht mehr gewonnen hat. „Dafür hatte Mainz mit dem HSV immer Probleme“, macht Berufsoptimist Slomka seinem Namen als „Herr der Statistiken“ alle Ehre, „gegen den HSV wurde zuletzt sechs Spiele nicht gewonnen.“

Stimmt. Drei Remis und drei Niederlagen gab es für das wahrscheinlich friedlichste Publikum (Pfiffe gegen den Gegner werden vom Stadionsprecher laut kritisiert) zu bestaunen. Und am Sonnabend dürfte das Publikum maximal durchsetzt sein mit HSVC-Fans. Zumindest kenne ich keinen Anhänger, der nicht versucht, live vor Ort dabei zu sein. Eine Stimmung, die sich auch auf die Mannschaft übertragen soll. Schon beim Training in Hamburg, weswegen (und wohl auch, weil er abergläubisch ist, wie ich hörte) Slomka darauf verzichtete, früher anzureisen. „Wir wollen den Zusammenschluss mit den Fans, wollen uns nicht verstecken.“

Super. Obgleich das alles noch keine Punkte garantiert.

Dafür hat Slomka seinen Hoffnungsträger wieder dabei: Pierre Michel Lasogga. „Stand jetzt, ist er verfügbar“, freut sich Slomka über seinen Toptorjäger und lobt: „Er macht sicher Hoffnung. Aber wir müssen auch festhalten, dass wir mit dem Auftreten gegen die Bayern uns allen Hoffnung gemacht haben“, erklärt Slomka. Dennoch wird sich sehr viel auf den Stürmer fokussieren, dessen Ende beim HSV trotz anderslautender Gerüchte längst noch nicht feststeht, wie Sportchef Oliver Kreuzer sagt: „Es gibt noch keine Entscheidung.“

In diesem Sinne, die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf allen Ebenen. Auch bei mir. Ach ja, und weil hier viel über Jens Lehmann gefachsimpelt wird, erlaubt mir bitte einen kleinen, persönlichen Einwand: Der ehemalige Nationalkeeper ist tatsächlich wesentlich sympathischer, als er im TV rüberkommt. Auf die Frage, warum er so seltsam arrogant gewesen sei, antwortete er: „Anders hätte ich mich niemals in eine Position gebracht, in der ernsthaft über mich als Nummer eins diskutiert worden wäre. Hätte ich das nicht gemacht, wäre Oliver Kahn wahrscheinlich heute noch die Nummer eins.“ Und irgendwie hat er Recht. Erst durch sein selbstbewusstes (arrogant rüberkommendes) Verhalten, sich selbst als neue Nummer eins zu fordern, wurde diskutiert. Dass er dabei seine Aussetzer (Hubschrauber, Brille, etc.) hatte – es macht ihn doch erst zu einem „echten Torwart“, oder? Allerdings ist Dietmar Beiersdorfer noch immer der absolute Wunschkandidat von HSVPlus für den Fall der Umstrukturierung. Obgleich er vergleichsweise langweilig und normal erscheint, soll der ehemalige HSV-Sportchef in Diensten Zenit St. Petersburgs (die Russen würden ihn dem Vernehmen nach ziehen lassen) den Vorstandsvorsitz übernehmen und zugleich die Kaderplanung mitgestalten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Jacques Zoua wird auch gegen Mainz wegen seines Muskelfaserrisses ausfallen.

Rincon die erste Eins, Lasogga die zweite . . .

28. November 2013

Die Fotografen, die heute beim Abschlusstraining im Volkspark waren, die drücken und drücken und drücken immer wieder auf den Auslöser ihrer Kameras. Für sie war es fast schon wie Weihnachten (und Ostern auf einem Tag). Endlich einmal ein Training im Hellen! Wenn um 16 Uhr trainiert wird, ist es fast schon finster, aber heute um die Mittagszeit bemühte sich sogar für einige Sekunden die Sonne, kurz zu zeigen dass es sie noch gibt. Und weil es dann so hell war, dass es keine Beeinträchtigung für die Augen gab, so sahen die 40 HSV-Anhänger genau, was für morgen, im Freitagsspiel gegen und beim VfL Wolfsburg, von Trainer Bert van Marwijk geplant wird – die Öffentlichkeit war ja nicht ausgeschlossen, nichts war und nichts blieb geheim.
Matz_ab_ankuendigung_2230_Uhr
Es war mein allererstes Van-Marwijk-Training. Fans und Kollegen hatten mich vorher schon informiert: „Es ist ein Tag wie der andere: Aufwärmen, 17 gegen drei im Kreis spielen, Pass-Übungen – und Abschlussspielchen.“ So war es dann auch. Ganz genauso sogar. Wobei bei 17 gegen drei eine richtig gute Stimmung untereinander (die Spieler untereinander, nicht die Fans!) herrschte. Da kam Freude auf. Auf dem Rasen, auf den Rängen. So etwas registrieren Anhänger ja sehr gerne, denn herrscht ein gutes Klima auf dem Rasen, dann lassen sich oft auch Erfolge leichter einfahren. Mal abwarten, wie das morgen so wird . . .

Bert van Marwijk steht während des Trainings oft mit auf dem Rücken verschränkten Armen auf dem Rasen und verfolgt ganz genau das bunte Treiben. Ich glaube, dass ihm dabei nichts entgeht. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, als sei dort ein „Happel-Schüler“ unterwegs. Ernst Happel war früher genauso. Er redete nicht viel, er redete sogar kaum – das macht van Marwijk auch so. Und wenn Happel redete, dann waren seine Anweisungen nur kurz und knapp – und noch knapper. Wie bei van Marwijk. Der einzige Unterschied, den ich erkannte, ist der, dass Happel kurz und meistens zweimal pfiff. Und zwar aus den Zähnen, den Lippen und der Zunge heraus (wie auch immer er es machte – ich kann es bis heute nicht), während van Marwijk eine Trillerpfeife zwischen seine Zähne geklemmt hat. Das hört sich dann ein wenig lauter an, aber in beiden Fällen wird die Wirkung nicht verfehlt – die Spieler parieren. Und zur Stille um van Marwijk dachte ich mir so, dass die Spieler schon sehr genau hinhören müssen, um etwas zu verstehen – und das kann ja nicht schlecht sein. So sind sie immer höchst konzentriert bei der Sache.

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Allerdings: keine Regel ohne Ausnahme. Heute hat Bert van Marwijk, so bestätigten es mir Kollegen, sehr viel geredet. Und zwar vor dem Abschlussspielchen. Da versammelte der Coach seine für morgen angedachte Mannschaft um sich und erklärte akribisch das (neue?) System. Das könnte durchaus ein 4:1:4:1 sein. Der Trainer würde somit seine Taktik ändern, und genau deshalb erklärte er alles auch sehr lange und sehr ausführlich. Wir fragten uns am Rande: „Warum nimmt er sich diese Zeit, wenn er in Wolfsburg nicht so spielen lassen würde? Er würde damit ja nur für eine gewisse Verunsicherung sorgen, wenn er heute so trainieren lassen würde, und morgen anders spielen würde.“ In dieser Formation hatte es dann auch Ivo Ilicevic erwischt, der in der B-Mannschaft spielen musste. Für ihn war Tolgay Arslan wieder im Team. Tomas Rincon war die erste Eins (von hinten), Pierre-Michel Lasogga die zweite Eins. Die erste Viererkette spielte so wie zuletzt, die zweite mit Maximilian Beister, Tolgay Arslan, Milan Badelj und Hakan Calhanoglu.

Diese Mannschaft „gewann“ die Partie gegen die Reservisten mit 1:0, das Tor erzielte – nach hervorragender Vorarbeit von Arslan – Badelj, der Jaroslav Drobny keine Abwehrchance ließ. Später wurden noch jeweils zwei Eckbälle und zwei Freistöße geübt, die stets Calhanoglu schoss (sehr gefährlich, wie ich fand, warum nicht im Spiel? Zuletzt gegen 96 war da nicht viel zu sehen!). Einen Freistoß ließ Drobny, von Heiko Westermann irritiert, abprallen, Lasogga staubte erfolgreich ab. Gegen Ende des Spiels irritierte dann Bert van Marwijk die Trainings-Kiebitze (und auch mich), denn er wechselte das System und zwei Spieler: „Ali“ Arslan ging zu den Reservisten, Ilicevic zur A-Truppe. Dann wurde so gespielt, wie zuletzt gegen Hannover.
Und wenn ich nun gefragt werden sollte, wie denn der HSV morgen in Wolfsburg spielen wird? Dann würde ich dennoch auf ein 4:1:4:1 tippen. Nur tippen, mehr nicht, festlegen werde ich mich nicht.

Auffällig für mich bei diesem Training, nur für mich; Artjoms Rudnevs hatte bei der Pass-Übung eine unheimlich breite Streuung bei seinen Pass-Versuchen, einige Male hatte ich so den Gedanken, als sei der Lette nicht so richtig bei der Sache – oder schon woanders? Ein wenig zu passiv schien mir auch Gojko Kacar, aber das mag daran liegen, dass ich erstens mehr von ihm erwarte, und dass ich mir zweitens auch mehr von ihm erhoffe. Aber da könnte ich wahrscheinlich noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, da wird wohl nicht mehr allzu viel passieren. Und für diesen Freitag ist das schon mal gänzlich ausgeschlossen, denn Kacar ist, wie Robert Tesche, gar nicht im Kader (wo sie gegen 96 noch waren). Dafür rückte natürlich Arslan wieder rein, und auch Petr Jiracek ist wieder mit von der Partie.

Das ist das Stichwort: Mit von der Partie waren im heutigen Abschlusstraining auch zwei Spieler der Zweiten: Dennis Bergmann (23) und der Finne Matias Ojala (18).Noch nicht mit dabei war Rafael van der Vaart, der aber im Volkspark weilte und für sich ein individuelles Training gewählt hatte. Sein Einsatz, das wurde ich heute bereits öfter gefragt, ist ausgeschlossen – natürlich, er ist ja auch nicht im Kader.

Mittendrin und nicht nur dabei ist dagegen Johan Djourou. Er ist wieder dabei. Sein zweiter Einsatz nach seiner Verletzungspause, und sein erstes Spiel in Wolfsburg. Mit Hannover hat der Innenverteidiger bislang nur einmal (in Hannover) gegen Wolfsburg gespielt – und gewonnen. Ein gutes Omen? Djourou sagt über den Gegner: „Der VfL ist eine sehr gute Mannschaft, das wird ein schweres Spiel für uns – obwohl es ja ohnehin keine einfachen Spiele in der Bundesliga gibt. Aber nach dem Sieg gegen Hannover haben wir frisches Selbstvertrauen, und deswegen haben wir auch eine gute Chance, in Wolfsburg ein gutes Spiel zu machen. Wenn wir eine gute Stabilität haben, dann könne wir dort sogar gewinnen.“ Wobei Johan Djourou nicht darauf baut, dass der gesperrte Diego beim VfL fehlen wird: „Wolfsburg hat nicht nur Diego, da gibt es viele sehr gute Spieler, sie werden den Ausfall des Brasilianers verkraften können. Zudem hat Diego auch zwei Wochen zuvor schon nicht für den VfL gespielt, und trotzdem hat er das Spiel gewonnen. Er ist sicher ein Super-Spieler, aber er allein ist nicht Wolfsburg.“

Djourou freut sich auf die 90 Minuten, auch auf die Derby-Stimmung: „Ein Nordderby ist immer etwas Spezielles, das war auch gegen 96 so, da war die Stimmung im Stadion sehr gut, das wird auch in Wolfsburg so sein. Das wird auch uns Spieler beflügeln.“ Was für den HSV nicht von Nachteil sein dürfte, denn unter Bert van Marwijk gab es bislang noch keine zwei Siege in Folge. Djourou: „Dann müssen wir es jetzt schaffen . . .“ Er könnte nicht nur als Abwehrmann dabei mithelfen, sondern auch als „Offensivkraft“. Bislang aber hat Johan Djourou noch kein Tor in der Bundesliga erzielt. Schafft er es ausgerechnet gegen seine Teamkollegen aus der Schweizer Nationalmannschaft? Torwart Diego Benaglio und Abwehrmann Ricardo Rodriguez sind ganz dicke Kumpels des HSV-Innenverteidigers, normal haben gibt es da per Handy mehrfach im Monat Kontakt – aber in dieser Woche schwiegen die Telefone. „Gegen Diego ein Tor zu schießen, das wäre bestimmt ein guter Anfang“, sagt der torlose Djourou, fügt aber hinzu: „Ich bin in erster Linie natürlich Verteidiger, und der Trainer sagt immer, dass das zuerst zu erledigen ist, nämlich keine Tore des Gegners zuzulassen. In meiner Jugend und auch bei Arsenal aber habe ich zuerst im Mittelfeld gespielt, als Sechser, und da habe ich durchaus Tore erzielt.“

Aber natürlich geht „Tore verhindern“ vor. Eindeutig. Und da hat Johan Djourou einen jungen Mann an seiner Seite, der erst 17 Jahre alt ist. Wie kommt er mit dem „Frischling“ klar? Djourou: „Er ist super, wir kommen prima miteinander klar, er ist ein Super-Talent. Aber wenn man so jung ist, dann freut man sich über Nebenleute, die einem helfen, dann braucht man sogar die Hilfe der erfahrenen Spieler. Die gebe ich ihm, und er nimmt sie an. Auch ich war ja mal so jung wie Jona, damals bei Arsenal, und da habe ich mich gefreut, wenn man mir geholfen hat.“ Djourou weiter: „Er ist ein Super-Junge, wir kommen von der Elfenbeinküste, das verbindet auch.“ Französisch ist die „Amtssprache“ dieser beiden HSV-Innenverteidiger, vornehmlich während des Spiels.

Über seine Zeit bei Arsenal London plauderte Johan Djourou auch noch ein wenig, er hat dort mit den größten Stars trainiert, gespielt, hat von ihnen gelernt – wie zum Beispiel Thierry Henry, Patrick Vieira, Ashley Cole oder Armand Traore. Und zu jener Londoner Mannschaft gehörte damals auch Jens Lehmann, deutscher Nationaltorwart. Djourou: „Er war klasse, er tat der Mannschaft sehr gut – er ist ein Verrückter im positiven Sinne. Lehmann war wichtig, denn du kannst in einem Team nicht nur nette Leute haben, du musst auch den einen oder anderen Verrückten haben, und das war Lehmann. Positiv verrückt, wirklich nur positiv verrückt. Nein, ganz ehrlich, Lehmann ist ein positiver Typ, ein Super-Typ.“

Und wer übernimmt eigentlich beim HSV den Part des „Positiv-Verrückten“? Wenn es doch nicht nur „nette Leute“ in einem Team geben sollte? Da darf sich wohl jeder (Fan) einen Spieler ausgucken. Obwohl mir die Wahl schon schwer fiele . . .

Ganz anderes Thema. Die Mitgliederversammlung am 19. Januar. Da es von Tag zu Tag mehr die Befürchtung gibt, dass die angemietete Halle (im CCH) wegen des hohen Mitglieder-Andrangs nicht ausreichen könnte, somit die MV dann geplatzt wäre, sind nun Bestrebungen im Gange, Nägel mit Köpfen zu machen. Der Vorstand will sich per Umfrage darüber schlau machen und informieren, welches Mitglied am 19. Januar auch tatsächlich kommt. Dazu wird (wahrscheinlich) eine Befragung gestartet. Wahrscheinlich deswegen in Klammern, weil es auch noch Bestrebungen innerhalb des Clubs gibt, diese Befragung zu verhindern. So kurios es auch klingen mag. Aber es gibt wohl den Verdacht dabei, dass HSV-Mitglieder, die bislang nichts von der Versammlung wussten, damit dann aufmerksam gemacht werden könnten – und dann auch tatsächlich zur Versammlung kommen. Das wäre wahrscheinlich für eine Seite (der umkämpften und nicht umkämpften neuen Strukturen) nicht so förderlich. Warum auch immer, da darf sich getrost jeder selbst seinen Reim drauf machen. Ohnehin gibt es das Gerücht im HSV, dass eine bestimmte Gruppe innerhalb des Clubs mit juristischen Spitzfindigkeiten noch versuchen, den Termin vom 19. Januar zu kippen (als die Versammlung zu verhindern und nicht stattfinden zu lassen). Man darf gespannt sein, wie sich das weiter entwickelt.

So, dann noch schnell in eigener Sache: An diesem Freitag findet nicht nur das Spiel in Wolfsburg statt, sondern auch wieder „Matz ab live“ aus dem Restaurant „Champs“ (Schnelsen-Burgwedel). Die Sendung beginnt kurz nach dem Schlusspfiff in Wolfsburg, Gäste sind diesmal der ehemalige HSV-Profi (und heutige Sport1-Mitarbeiter) Stefan Schnoor sowie Christian Pletz, der erste „Matz-ab“-Mann an meiner Seite, bevor „Scholle“ einstieg. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder einschalten würdet – nach dem Hannover-Spiel sah das wieder mal ganz prächtig aus. Stefan Schnoor hat heute, an diesem Donnerstag, mit dem HA-Kollegen Andreas Hardt gesprochen und dabei bezüglich des brisanten HSV-Themas „Struktur-Änderungen“ gesagt: „Man kann einen Bundesliga-Club nicht wie einen Kaninchenzüchter-Verein führen – deswegen bin ich für die Initiative HSVPlus.“

Diese Aussage passt natürlich optimal auf die nun folgende Meldung:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
die Initiative HSVPlus möchte Sie mit dieser Pressemitteilung darüber informieren, dass sich heute die Herren Cord Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky, und Thomas Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, unserer Initiative als Unterstützer angeschlossen haben.
Mit Herrn Wöhlke hat sich ein weiterer wirtschaftlicher Fachmann der Freien Hansestadt Hamburg gefunden, der die Ziele der Initiative unterstützt und zugleich darauf hinweist, dass sowohl Budni als auch andere Unternehmen über ein Engagement beim Hamburger Sportverein nachdenken, wenn HSVPlus umgesetzt wird. Herr Wöhlke hat in einem Interview gesagt: „Hamburger Unternehmen warten ab, ob sich der HSV maßgeblich verändert.“
Thomas Krüger zeigt sich für die Arbeit an den durch HSVPlus neu geschaffenen Satzungen verantwortlich, die den Mitgliedern und Fans des HSV zeitnah vorgelegt werden.

PS: Für das Pokalspiel am kommenden Dienstag gegen den 1. FC Köln gibt es nur noch 1500 Eintrittskarten, wer also live dabei sein möchte, der sollte sich möglichst schnell entscheiden.

18.46 Uhr

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Feuer im Stadion – bitte nur auf dem Rasen!

12. Dezember 2011

Heute einmal, weil es ein Ruhetag beim HSV gibt, die etwas andere Eröffnung.
Der Sport-Informations-Dienst berichtet (auch) über einige Fußball-Fans, die es nicht lassen können:

Das Entzünden von Bengalos beim Ostderby gegen Energie Cottbus könnte Fußball-Drittligist Dynamo Dresden im Kampf gegen den Pokalausschluss um die letzte Chance bringen. Der DFB ermittelt. Dunkler Qualm stieg im Dresdner Block auf. Vermummte Anhänger wedelten freudig erregt mit brennenden Bengalos umher. Sicherheitskräfte versuchten vom Rasen aus, mit Wasserwerfern zu löschen – doch der Eklat war nicht mehr zu stoppen. Der Einsatz von Pyrotechnik einiger unverbesserlicher Rowdys kurz vor dem Ostderby gegen Energie Cottbus sorgte bei Dynamo Dresden trotz des 2:1-Sieges für Entsetzen. „Der DFB-Kontrollausschuss ist informiert“, bestätigte Sprecher Jens Grittner.

„Da haben uns wieder einige einen Bärendienst erwiesen“, sagte Dresdens Präsident Andreas Ritter und ergänzte ziemlich verbittert: „Jeder, der normalen Menschenverstand besitzt, weiß doch, wie sehr uns diese Vorfälle jetzt schaden. Sollten wir wegen dieser Vorfälle eine Geldstrafe erhalten, werden wir uns das Geld von den Verursachern zurückholen.“ Der Klub-Boss befürchtet – wohl zu Recht – einen negativen Einfluss auf das Berufungsverfahren, mit dem sich der Klub derzeit gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison wehrt.

Warum ich das veröffentliche? In Mainz waren einige HSV-Fans auch mit viel Feuer bei der Sache. Wie immer. Aber, und das sollte sich jeder jetzt einmal vor Augen führen: Dresden ist hart bestraft worden. Und deswegen geht Dresden auf die Barrikaden. Ost und West wird ungleich behandelt – so das Motto der Dynamos. Und weil es dafür auch Unterstützung aus dem Osten gibt, wird es nicht lange dauern, bis der erste West-Klub nicht zur zur Kasse gebeten wird (das wird er ohnehin schon immer), sondern auch aus irgendeinem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Oder, wie jetzt Hansa Rostock, vor leeren Rängen ein Heimspiel austragen muss.
Alles kein Problem?
Okay, dann weiter so!
Der Verein, in diesem Fall der HSV, muss doch kaputt zu kriegen sein . . . Indem ihm ein klein wenig Feuer gemacht wird. Ich sage aber: Feuer im Stadion? Bitte nur auf dem Rasen!

Um noch einmal auf den morgigen Dienstag zu kommen. Fußballgrößen wie Zinedine Zidane, Ronaldo und Luis Figo sind die Topstars beim neunten „Spiel gegen die Armut“ im Volkspark. Bei dieser von den Vereinten Nationen unterstützten Partie soll Geld für hungernde Menschen am Horn von Afrika gesammelt werden. Das Spiel beginnt um 19.05 Uhr, wird live auf „Sport 1“ übertragen – aber sollte auch immer noch – einige Zuschauer in die Arena ziehen. Der HSV tritt gegen „Ronaldo, Zidane und Friends“ mit seinen Nationalspielern an – und dazu kommen einige Altstars zum Einsatz.

Das „Spiel gegen die Armut“ ist für Zidane, mittlerweile Sportdirektor bei Real Madrid und ehrenamtlich UNO-Goodwillbotschafter, eine echte Herzensangelegenheit. „Wir wollen nicht nur Geld sammeln, sondern auch sensibilisieren für die Not der Menschen in dieser Region. Die Botschaft muss heißen, dass wir uns um bedürftige Menschen kümmern müssen“, sagt der Franzose voller Engagement.

Nach UNO-Schätzungen leben rund 13 Millionen Menschen in Dschibuti, Somalia, Äthiopien und Kenia in bitterster Armut und sind vom Hungertod bedroht. Und so kommen auch noch aktive Fußballstars wie Didier Drogba in die Hansestadt, um zu helfen. Der Torjäger des FC Chelsea ist selbst in der Elfenbeinküste in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: „Deshalb ist es mir eine Ehre, diese Menschen zu unterstützen.“

Das Publikum erwartet eine Fußballshow der Extraklasse, denn die „Freunde“ von Ronaldo und Zidane sind durchaus prominent. Jens Lehmann wird das Tor hüten, die Fußballschuhe schnüren werden weiterhin Fabio Cannavaro, Fernando Hierro und Gheorghe Hagi. Zum Team der HSV-Allstars gehören unter anderem die Ex-Rothosen Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich und Jörg Albertz. Und selbst die „Pfeife“ ist ein Star: Pierluigi Collina, zwischen 1998 und 2003 sechsmal in Folge Welt-Schiedsrichter des Jahres, leitet die Partie. Als Trainer der Gäste fungieren Marcello Lippi und Bora Milutinovic. Und damit auch Deutschlands Tennisheld Boris Beck in offizieller Funktion irgendwie dazugehört, hat man den „Bobbele“ zum Team-Manager gemacht.

Und nicht vergessen: Es geht hier ums Helfen.

Noch nicht vergessen ist, jedenfalls bei mir, dass sich unmittelbar vor der Erstansetzung des Bundesliga-Spiels 1. FC Köln gegen Mainz 05 der angesetzte Unparteiische Babak Rafati in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte (19. November). Der ehemalige Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nimmt nun wegen exakt dieses Suizidversuchs den eigenen Verband in die Pflicht. „Ein kleines Trainer- und Coaching-Team, ergänzt um den Rat und die individuelle Unterstützung von Fachexperten, das ist wohl der richtige Weg auch für unsere Schiedsrichter. Da brauchen wir in der Schiedsrichterführung auch mehr Ruhe für den Blick und das Ohr für den Schiedsrichter als Menschen“, sagte Fröhlich.

Morgen wird das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 nachgeholt. Fröhlich untermauerte, dass auch die medizinische und sportliche Betreuung der Schiedsrichter besser werden müsse. „Wir müssen dranbleiben, können an internationalen Vorgaben nicht einfach vorbeigucken. Das Thema Support und Impulse zur Verbesserung der Fitness werden wir kurzfristig aufgreifen. Dazu gehören auch die Themen Regeneration und medizinische Betreuung“, sagte Fröhlich.

Zu abstrakt ist für Fröhlich auch die Forderung von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter angestoßene Diskussion über Profi-Schiedsrichter: „Das ist in dieser Form nur eine leere Hülle, die manchmal etwas zu populistisch auf den Markt geworfen wird. Inhalte sind wichtig, wie zum Beispiel: Welche Einstellungen haben die Schiedsrichter zu ihrer Tätigkeit? Wie arbeiten Schiedsrichter, und wie wird mit Schiedsrichtern gearbeitet? Und: Wie sind die Rahmenbedingungen ausgestaltet?“, sagte Fröhlich.

Bei der Gelegenheit ist mir am Wochenende eine Szene übel aufgestoßen. Es war beim Spiel Köln gegen Freiburg. Vor dem 1:0 wurde Lukas Podolski steil geschickt. In der Fernseh-Wiederholung, nur eine von unzähligen an diesem Tag, wurde der Fuß des Kölners farbig eingekreist – weil der Fuß im Abseits stand. Ich frage mich aber, ob es wirklich der Fuß war, oder nur der große Zeh? Oder nur der Fußnagel des großen Zehs? Nein, nein, das ist schon pervers. Wird in dieser Szene auf eine Abseitsstellung entschieden, wird im Fernsehen sicher gesagt: „Schade, ursprünglich sollte es ja so ausgelegt werden: Im Zweifel für den Stürmer.“ Und wenn nicht so entschieden wird, dann heißt es: „Abseits, dieser Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen.“

Welche Chance haben da eigentlich noch die Schiedsrichter? Die können doch gar nicht gegen 30 Kameras und mehr (?) anpfeifen, die müssten doch Woche für Woche wahre Wunder vollbringen, wenn sie ohne große Fehlentscheidungen über die 90 Minuten kommen wollten. Und trotzdem, fast unglaublich, schaffen es immer viele – oder welche. So wie am Sonntag Manuel Gräfe aus Berlin, der Stuttgart gegen Bayern wieder einmal super geleitet hat. Auch wenn die Schwaben noch immer Gift und Galle spucken. Ich sage: Kompliment, Herr Gräfe!

So, ich möchte auch noch einmal explizit auf den HSV kommen. Ich denke mit einem leicht mulmigen Gefühl an das letzte Heimspiel des Jahres, am Sonnabend, tatsächlich noch einmal um 15.30 Uhr (womit hat der HSV das verdient?), gegen den zuletzt sehr aufmüpfigen Aufsteiger FC Augsburg. Dazu hat HSV-Nationalspieler Dennis Aogo nach dem 0:0 in Mainz einiges gesagt, und das möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Es wäre sehr wichtig für uns, wenn wir mit einem Heimsieg in die Winterpause gehen könnten, es wäre der krönende Abschluss der letzten Wochen, wir wollen uns unbedingt belohnen für die gute Arbeit. Es wäre für jeden Spieler ideal, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, und es wäre zudem auch in der Tabelle ein entscheidender Schritt.“

Generell befand Aogo zum letzten halben Jahr: „Der Knackpunkt für uns war der Trainerwechsel, Thorsten Fink hat der Mannschaft Selbstvertrauen, Sicherheit und eine Spielidee gegeben, die wir umsetzen. Man hat in Mainz deutlich gesehen, dass sich die Mainzer in dieser Woche sehr viele Gedanken um uns gemacht haben. Sie waren auf der Suche nach Lösungen, um unser Konzept zu stören, das ist ihnen sicherlich auch ganz gut gelungen, aber es zeigt mir auch, dass wir uns den Respekt der Liga zurück erarbeitet haben.“

Um noch einmal auf das Feuer im Spiel zurück zu kommen. Dazu gab es zahlreiche Beiträge bei „Matz ab“, hier nur einige wenige Ausschnitte:

„UnsUwe“: „Ich bin einfach gegen Bengalos in Stadien und denke auch, dass man dies auch ohne „Schande” vertreten kann. Ich habe noch bei keinem Stadionbesuch erlebt, dass es Pyros die Stimmung verbessern, sondern eher negativ anheizen und wirklich gesund ist es auch nicht. Wenn wenigstens nur die „Zünder” von dem Rauch betroffen wären, ok, aber solche „intelligenten Pyros”, welche keine Kollateralschäden verursachen, wurden vermutlich noch nicht erfunden… Schwieriges Thema, aber wenn man sagt, dass man solche Dinge in “allen Stadien” nicht sehen möchte, dann kann man wohl kaum von einer heuchlerischen Debatte sprechen. Finde ich.
.
Noch etwas: Ich wundere mich etwas über den so plötzlich sachlichen und umgänglichen Ton hier im Blog, nein, eigentlich ich freue mich drüber. Weiter so.“

„Mladenhüter“: „Ich habe mich in über zwanzig Jahren bei keinem meiner zahlreichen Stadionbesuche durch Pyrotechnik belästigt gefühlt.“

„PeVo“: „Ich werde auf jeden Fall am 15.01.12 zur Mitgliederversammlung gehen. Und wenn Oliver Scheel sich nicht klar und deutlich gegen diesen Unsinn ausspricht, ist er für mich nicht wählbar.“

„Kollauer“: „Ich sehe immer noch alle Vereine in der Pflicht, diese objektiv potenzielle Gefahr für die Stadionbesucher nicht mehr zuzulassen.“

So, ich bin am Ende. Für heute. Und bitte an morgen denken: 19.05 Uhr in der Arena, der HSV gegen den Rest der Welt – für einen guten, guten Zweck.

16.59 Uhr

PS: Morgen (Dienstag) Training um 10 Uhr im Volkspark.

Und noch eine Ergänzung. Ich sprach eben mit Supporters-Chef Ralf Bednarek, der gestern in einem Beitrag bei “Matz ab” genannt wurde. Weil er die Bengalos legalisieren möchte. Bednarek sagte mir: “Ich setze mich für die Legalisierung ein, nicht dafür, wie damit im Moment umgegangen wird. So wie es jetzt gehändelt wird, so ist es natürlich sehr gefährlich. Ich möchte aber extra freie Zonen dafür, ungefährlichere Materialien, die sich nicht so sehr erhitzen, ich möchte, dass dann mindestens ein Feuerwehrmann dabei ist – und derjenige, der die Bengalos abbrennt, der müsste als Bühnen-Pyrotechniker ausgebildet sein. Ich kenne einige Fans, die sich dazu ausbilden lassen würden.” Ralf Bednarek weiter: “Mit Verboten werden wir, davon bin ich überzeugt, das Problem kaum lösen können. Zum Beispiel Mainz. Da waren die Kontrollen so scharf wie nie. Und trotzdem ist es gelungen, diese Sachen einzuschleusen. Wenn aber Bengalos genehmigt sind, dann wissen alle, DFB, Verein und die Behörden, wer damit am Werk ist.” Zum Schluss sagt der Supporters-Chef noch: “Ganz klar sage ich: Wir wollen keine Böller im Stadion, keine Rauchbomben, die auf die Augen gehen, die auch die Atemwege reizen. Leute, die damit erwischt werden, wenn sie so etwas abbrennen, die müssen mit Strafen rechnen. So wie schon in der Vergangenheit immer.”
Ergänzt um 17.41 Uhr

Fink: “Jeder sollte auf dem Teppich bleiben”

11. Dezember 2011

Nur 0:0 gegen Mainz. Wieso das denn? Nur ein Unentschieden beim Tabellen-13. – in meinem Umfeld machte sich am Sonnabend sofort Unmut breit. Nur ein Punkt in Mainz? Ich habe alle spontan gefragt: „Wieso sagt ihr nur?“ Hatte Mainz daheim zuletzt nicht gerade die Bayern besiegt? Mainz ist sicher nicht so schlecht, wie Tabellenplatz 13 aussagt. Aber viel wichtiger ist: Der HSV stand zu Beginn dieser Saison im Umbruch. Jeder konnte eine schwere Saison erwarten, die meisten haben davon auch Gebrauch gemacht. Nur wenige Fantasten konnten davon träumen, dass es auch mit dieser neuen Mannschaft wieder bergauf gehen würde. Und nun „nur“? Es ist so grausam. In meinen Augen jedenfalls. Ich wäre vorher mit einem Punkt in Mainz zufrieden gewesen, und ich bin es jetzt erst recht. Denn der HSV hat ganz sicher nicht gut gespielt gegen die Tuchel-Truppe. Aber ich behaupte mal kühn: Vor sieben Wochen noch hätte der HSV dieses Spiel in Mainz verloren, denn: Vor dem 22. Oktober 2011, vor dem ersten Spiel von Trainer Thorsten Fink mit dem HSV, stand diese Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz. Vier Spiele, und ein grandioser Punkt auf der Habenseite. Ein ganzes Pünktchen. Aber: Nur eines! Alles schon vergessen? „Ein guter Dirigent kann aus einer Dorf-Kapelle kein Orchester machen“, sagt Fink immer.
Ich sage: Wunder dauern ein wenig länger. Auch beim HSV, selbst mit Thorsten Fink. Für mich aber hilft jeder Punktgewinn, die prekäre Lage, die weiterhin sehr prekäre Lage zu verbessern.

Ich möchte erst einmal vor Augsburg warnen, auch das Spiel am Sonnabend gegen den Vorletzten wird nicht zum Selbstgänger. Ganz im Gegenteil. Augsburg ließ zuletzt aufhorchen, besiegte Wolfsburg (der VfL hatte vorher 4:1 gegen Hannover gewonnen!), besiegte nun auch Borussia Mönchengladbach. Das wird unangenehm, das wird auch harte Arbeit. Und im neuen Jahr? Da möchte ich an den Start erinnern: Daheim gegen Borussia Dortmund, dann geht es zur Hertha nach Berlin, dann kommen die Bayern, es geht nach Köln und es kommt Werder. Die Dauer-Optimisten werden natürlich alles was kommt „weghauen“, aber wie sehen es die Realisten?

Zum Beispiel Thorsten Fink. Der ordnete die Partie in Mainz wie folgt ein: „Wir habend die ersten 20 Minuten gut gespielt, dann das Heft aus der Hand gegeben – bis zur 60. Minute. Dann haben wir das wieder bis zur 80. Minute sehr gut gemacht. Insgesamt aber war es kein überragendes Spiel für uns, es gab viele Fehlpässe – allerdings auf beiden Seiten. Dennoch sage ich: Wir sind weiter auf dem Weg ins gesicherte Mittelfeld. Und das ist unser Ziel in dieser Saison.“

Nur, würden jetzt einige sofort fragen, nur Mittelfeld? Kein internationaler Startplatz? Thorsten Fink: „Ich kann ja nicht zaubern, ich bin ja nicht David Copperfield. Man kann nicht erwarten, dass wir in jedem Spiel auftreten wie eine Spitzenmannschaft. Wir sind auf dem Weg, uns da unten zu verabschieden, wir sind dabei, das Abstiegsgespenst endgültig zu verscheuchen – das war genau meine Aufgabe, als ich hier angetreten bin. Dieses Ziel werden wir auch erreichen, aber jeder sollte jetzt auch auf dem Teppich bleiben Niemand konnte doch erwarten, dass wir Mainz auswärts einfach mal wegfegen. Wir haben noch einiges zu verbessern. Spielerisch geht es sicher noch besser.“ Und: „Im Winter schauen wir mal, was wir in dieser Saison dann noch erreichen können – aber wichtig ist, dass wir uns da unten jetzt verabschieden. Die Entwicklung der Mannschaft kann und muss man nur positiv bewerten, wenn ich langfristig mit diesen Spielern arbeite, dann ist einiges möglich, dann wir die Mannschaft immer besser werden, davon bin ich überzeugt.“

So wird es auch der Sportchef sehen. Frank Arnesen sagte nach der Nullnummer in Mainz: „Das Positive an diesem Spiel ist, dass wir unter der Regie von Thorsten Fink weiterhin ungeschlagen sind. Vor zwei Monaten hätte doch niemand damit gerechnet, dass wir mit einem Sieg über den FC Augsburg auf 21 Punkte kommen können.“ Insgesamt befand Arnesen: „Wir sind müde geworden in den letzten Minuten, dadurch haben sich einige Räume für Mainz geöffnet. Aber das ist völlig normal, wir haben sehr viel gearbeitet in den vergangenen Wochen – viele Spieler sind sehr viel gelaufen.“ Wobei ich noch einmal einhaken möchte: Meine ganze Hoffnung ruht ja auf der Vorbereitung auf die Rückrunde. Dafür ist Thorsten Fink und sein Team verantwortlich, und ich denke, diese Männer werden erkannt haben, wo hier die Hebel anzusetzen sind. Dementsprechend dürfte es schon im spanischen Trainingslager zur Sache gehen – damit der HSV auch dann noch fit ist, wenn (dann) die anderen Mannschaften müde werden.

Beide, Fink und Arnesen, lobten – natürlich – auch Jaroslav Drobny. Der Tscheche hielt wieder einmal fehlerlos, erinnert mich jetzt an den früheren Frank Rost, wenn er souverän, ruhig und konzentriert zwischen den Pfosten stand. Und ausgerechnet jetzt, wo Drobny so großartig hält, hält sich auch ein Gerücht. Der HSV soll mit Rene Adler (noch Leverkusen) verhandeln, verhandelt haben, auf jeden Fall Interesse haben. Dazu sagte Thorsten Fink bei „Liga total“: „Ich kommentiere hier nicht andauernd alle Namen, die in der Zeitung öffentlich gemacht werden. […] Wir sind im Moment sehr zufrieden mit unserem Torhüter.“ Auch einen möglichen Wechsel von Basels Granit Xhaka schon in der Winterpause wollte er nicht kommentieren, sagte nur so viel: „Granit Xhaka ist ein guter Spieler. Aber im Moment kommentieren wir keine Namen von Spielern aus anderen Vereinen.“

Ich möchte noch einmal zu Drobny sagen: Es war völlig normal, dass er zu Beginn der Saison noch nicht in jener Form war, die er jetzt hat. Schließlich hatte er ein Jahr nicht gespielt. Ich erinnere mich an Rudi Kargus, der hier gesagt hat: „Jeder Torwart wird nicht auf Anhieb wieder in Bestform sein, wenn er so lange pausiert hat. Jeder Torwart.“ Recht hatte er damit. Nun hat Drobny wieder genügend Spielpraxis, und nun präsentiert er sich so, wie er einst für Bochum und Hertha BSC gespielt und gehalten hat – sehr gut.

Zwei Dinge brennen mir noch unter den Nägeln. Dass der HSV kein Geld hat (oder nur sehr, sehr wenig), wissen fast alle. Nur jene HSV-Fans anscheinend nicht, die in Mainz wieder für ein wenig Feuer im Stadion sorgten. Ich dachte so bei mir: „Schön, dass diese HSV-Anhänger wieder dafür sorgen, dass der HSV wieder einmal zur Kasse gebeten wird. Ist ja „in“ im Moment. Aber gut, das werden die Jungs schon wissen, die so etwas inszenieren . . . Es gab bei „Matz ab“ dazu eine Mail, die ich gerne veröffentlichen möchte. „Reinhard 1954“ schrieb: „Mit meinem Sohn komme ich gerade aus Mainz zurück. Ich bin sehr sauer auf einige Idioten im HSV Block. Dreimal wurde von Poptown, in der Mitte vom Stehplatzblock J, diese verfluchte Pyrotechnik, abgefackelt. Ich stand ca. 10 Meter links daneben und war minutenlang diesem scheußlichem Gestank und Qualm ausgesetzt. Ausweichen konnte man im vollbesetzten Block nicht. Der HSV-Schal diente als Mund -und Nasenschutz. Mein Sohn stand direkt unten bei Liebnau und hat Gott sei Dank nichts abbekommen.
Für Leute mit Atemwegsproblemen kann dies u.U. fatale Folgen haben. Wann hört dieser Blödsinn endlich auf?

Bald wird der HSV wohl eine saftige Strafe vom DFB bekommen. Unser Supporters-Chef Bednarek möchte Pyrotechnik legalisieren. Dies ist einfach unglaublich. Die Täter müssen dingfest gemacht werden und ein Stadionverbot bekommen.

Zum Spiel ist folgendes zu sagen: Das Spiel des HSV war nicht berauschend. Dank Drobny und dem Unvermögen von Choupo M. konnte der HSV einen Punkt mitnehmen.“

So, das zweite Thema:

Am Dienstag ist die Fußballwelt zu Gast in Hamburg. Beim „Match Against Poverty” tritt eine Weltauswahl um
Ronaldo und Zinédine Zidane gegen den HSV, verstärkt um einige Allstars und Alt-Stars, an. Die beiden Goodwill-Botschafter sammeln mit dem Spiel Spenden für das Entwicklungsprogramm der UN (UNDP) für
humanitäre Hilfe am Horn von Afrika. In ihrer Mannschaft laufen u. a. Stars wie Jens Lehmann und Luis Figo auf, Boris Becker führt die Weltauswahl als Teammanager an. Der HSV verstärkt seine aktuelle Mannschaft mit ehemaligen Profis wie Rodolfo Cardoso, Sergej Barbarez und Anthony Yeboah.

Ich möchte alle Fußball-Fans bitten: Macht diese Veranstaltung nicht zu einem Trauerspiel. Eine solche Partie vor leeren Rängen – es wäre ein Armutszeugnis für uns alle. Bitte, bitte, ich möchte wirklich alle eindringlich bitten, bitte geht am Dienstag in die Arena, zeigt, dass Hamburg eine solche Begegnung nicht nur ausrichten, sondern auch gleichzeitig ein Fest daraus machen kann. Es ist doch für einen guten, einen sehr, sehr guten Zweck.

Zum Abschluss noch ein Bericht aus „Matz ab“, den ich deswegen hier hinein stelle, weil dort ja langte nicht alle lesen. Es soll Euch allen zeigen, wie HSV-Fans ticken, was sie fühlen, wie sie die Lage beurteilen. Deswegen hier einer von uns.
„Piependreier“ schrieb: „Wir waren wohl alle, die einen klaren Sieg tippten, mit zu hohen Erwartungen in die Begegnung gegangen. Der heutige Blog von DM entspricht dem Spielverlauf. Mit dem einen Punkt kann der HSV hoch zufrieden sein. Bei besserer Torausbeute der Mainzer Stürmer hätte es genauso gut wieder eine Schlappe geben können Wichtig ist, dass es wieder ohne Gegentor endete. Unsere Viererkette hatte heute nicht ihren besten Tag. Besonders die Innenverteidigung spielte manchmal konfus. Ohne besonders heraus zu ragen spielte Drobny wieder eine sichere Partie. Der unterstreicht immer mehr das an ihm kein Weg als Nr. 1 im HSV Tor vorbei geht.

Augsburg gab am heutigen Spieltag auch zur rechten Zeit für unsere Mannschaft einen Warnschuss ab.

Wie ich im gestrigen Blog schon an Störzenhofegger schrieb, wird das nächste Spiel gegen Augsburg ein schweres, kampfbetontes Spiel. Das wird ganz bestimmt kein Selbstgänger. Da wird Tho.F. sich wieder etwas einfallen lassen um die zu besiegen.

Der Sportdirektor Arnesen hängt nichts an die große Glocke. Bei dem laufen schon die Vorbereitungen in seinem Büro für die Saison 2012/13. Da wird auch kaum etwas an die Öffentlichkeit dringen. Das ist auch gut so, wenn der nichts sagt, dann glüht die Gerüchteküche. Es ist davon auszugehen, das zum Beginn der Spielzeit 2012/13 ein paar Verstärkungen im HSV Kader stehen. Ziel von F.A. und Tho.F. wird dann wieder ein Platz im internationalen Geschäft sein. Um das Ziel zu erreichen wird ein richtiger Mittelfeldstratege erforderlich sein. Gehandelt werden zu gegebener Zeit viele Namen. Die gewünschten Spieler müssen bezahlbar sein.

Eigentlich können wir HSV Anhänger mit dem erreichten Tabellenplatz trotz der Verjüngung der Mannschaft zufrieden sein. Nach der Winterpause werden die Karten neu gemischt.“

Ich wünsche allen Matz-abbern und Ihren Lieben noch einen schönen Rest vom dritten Advent – und am Montag einen erfolgreichen, dynamischen Start in die neue Woche.

17.43 Uhr

1:1 in Hannover – da war deutlich mehr drin…

26. November 2011

Lehmann war ein Riesentorwart. Das möchte ich vorwegschocken. Ich schätze ihn für seine Verdienste um den deutschen Fußball. Aber seine Kommentare sind eines Pay-TV-Senders wie Sky nicht würdig. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass sie für niemanden, der auch nur ein bisschen mit Fußball zu tun hat, zu gebrauchen sind. Denn was auch immer auf dem Platz passiert, Lehmann sieht was anderes. Vielleicht passt er auch einfach nicht auf. Wer weiß es. Und: eigentlich ist es auch egal. Schließlich können wir alle das Spiel einschätzen, ohne uns von Lehmann beirren zu lassen.

Deshalb bleibe ich auch dabei, dass die erste Halbzeit nicht annähernd so schlecht war, wie Lehmann es machte. Natürlich kann man kein Spiel mit Ballstafetten á la Real Madrid erwarten, dafür geht’s schon allein für den HSV um zu viel. Und für ein solches Spiel agiert Hannover auch definitiv zu de-struktiv. 96-Trainer Slomka hatte bereits angekündigt, keinen erhöhten Wert auf Ballbesitz, dafür aber auf Effektivität seiner Mannschaft zu setzen. Und das hatte ein von seinen Akteuren eher behäbig wirkendes Spier zur Folge.

Dennoch gab es ausreichend rassige Zweikämpfe und Torraumszenen. Gleich vier Mal (!!) rettete der mal wieder überragende Jaroslav Drobny in höchsten Nöten. Dabei konnte der Tscheche in der 14. Minute sogar im Eins-gegen-Eins gegen Hannovers Schlaudraff dank einer sensationellen Fußabwehr eine Hundertprozentige der Niedersachsen vereiteln.

Nein, das Spiel war nicht schön, aber spannend. Und das, weil Hannover wie erwartet gut konterte, und der HSV wie angekündigt ein sehr hohes Laufpensum an den tag legte. Neben Schlaudraff scheiterten auch Hannovers Abdellaoue (17.) und Haggui (20., war allerdings abseits) am HSV-Keeper, während auf der anderen Seite die laufstarken Heung Min Son sowie Paolo Guerrero immer wieder Lücken in die Gegner-Abwehr rissen. Guerrero (2., 32.), Töre (3.), Jansen (10., 25.), Son (29.) und vor allem der starke Gojko Kacar (35.) vergaben für den HSV gute Gelegenheiten. Und, auch wenn ich nach dem unfassbar schlechten Saisonstart des HSV etwas genügsamer geworden bin, daraus dann das „schwächste Topspiel der Saison“ zu machen, wie es Lehmann machte, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, es zog für mich die sofortige Suche nach der Kommentarfunktion im Sky-Menü nach sich.

Und auch in der zweiten Halbzeit legte der HSV von der ersten Sekunde an ein hohes Tempo vor. Und um es vorwegzunehmen, ich hörte weiterhin den Kommentator Dittmann samt Lehmann. Und es dauerte tatsächlich bis zur 48. Minute, bis ich Lehmann vollkommen recht geben musste. Heung Min Son soll bei einem Zweikampf, an dessen Ende Guerrero den Ball zum 1:0 auf dem Fuß hatte, gefoult haben. Gezogen haben sollte er laut Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin), der heute keine glückliche Figur abgab. Allerdings bestätigte die Zeitlupe das auch von Lehmann Er-ahnte: es war KEIN Foul.

Aber egal, die HSV-Mannschaft lamen-tierte nicht lang und legte nach. Mit der besten Chance in der 56. Minute, als Drobny einen schnellen Konter über Westermann einleitete. Der HSV-Kapitän verpasste allerdings den finalen Pass, der Töre die Chance eröffnet hätte, allein aufs 96-Tor zuzulaufen. Ein Fehler, den der HSV fast doppelt bereut hätte, allerdings parierte Drobny den Schuss des 96ers Stoppelkamp.

Doch auch eine weitere vergebene Kontermöglichkeit sollte sich für den HSV nicht weiter rächen. Im Gegenteil, der HSV holte sich den verdienten Lohn seiner Arbeit. Cherundolo hatte unnötig zur Ecke geklärt. Die trat Töre von links und fand in der Mitte den mit ihm zusammen im Sommer vom FC Chelsea zum HSV gewechselten Bruma, der mit einem langen Bein weder seinem Gegenspieler Abdellaoue noch dem guten 96-Torwart Zieler eine Chance ließ – das 1:0 für den HSV in der 64. Minute.

Und als ich mich schon darauf einstellen wollte, den nächsten Dreier hier zu bejubeln, kam das, was Hannover auszeichnet: sie machen aus nichts Tore. Diesmal – wie in 70 Prozent ihrer eigenen Treffer – über einen Eckball. Schlaudraff hatte sich bis kurz vor die Mittellinie zurückgezogen und sich so aus dem Blickfeld der HSV-Defensive gestohlen. Allerdings war er schnell wieder da, als der Eckball getreten wurde und traf mit einer Direktabnahme aus 20 Metern. Ein Traumtor. Unhaltbar für Drobny. Leider. Das 1:1. Besonders ärgerlich: Dem Eckball war ein Foul-pfiff vorausgegangen, der falsch war…

Dennoch, plötzlich war es ein Spiel mit zwei aktiven Mannschaften. Hannover scheiterte durch Pander an Drobny (83.) und der HSV an seiner Ungenauigkeit beim letzten Pass. Nachdem Zwayer einen eindeutigen Freistoß an Son nicht gegeben hatte (wäre direkt am Sechzehner eine sehr gute Position gewesen), konnte Guerrero Son den Ball nicht ausreichend scharf in den Lauf spielen. So rettete Pogatetz, bevor der Südkoreaner allein aufs 96-Tor hätte zulaufen können. Umso ärgerlicher, dass Rincon in der 89. Minute völlig allein vor Zieler beim Schuss ausrutschte.

Was blieb war die Erkenntnis, dass der HSV einen Dreier verpasste, der ebenso drin wie verdient gewesen wäre. Auch deshalb jubelten die Hannoveraner nach dem Schlusspfiff, während beim HSV zunächst der Ärger über die verpasste Chance vorherrschte. Dass Hannovers Trainer anschließend von einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ergebnis sprach, bleibt ihm exklusiv vorbehalten. „Wir haben hier 90 Minuten dominiert, das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend“, konterte Westermann nach dem Spiel. Und er hatte Recht. Auch damit: „Das ist einfach sehr ärgerlich.“ Obwohl die Mannschaft unter Fink weiter ungeschlagen ist. Und obwohl der HSV auswärts dominierte, eine Handschrift des neuen Trainers immer deutlicher erkennbar wird. Der Fußball wird weiter besser. Auch wenn es sich wie heute nicht ausrei-chend oft in drei Punkten nieder-schlägt. „Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht, deshalb ärgere ich mich. Dazu noch so ein Sonntagsschuss – umso ärgerlicher, weil wir die zweite Halbzeit dominiert haben. Wir haben genug Konterchancen gehabt, die wir besser hätten ausspielen müssen.“

Aber ganz sicher: Das holen Fink und Co. nach. In der kommenden Woche gegen Nürnberg.

In diesem Sinne,
bis morgen, (ein nur vom Ergebnis enttäuschter) Scholle

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