Archiv für das Tag 'Lehmann'

Rincon die erste Eins, Lasogga die zweite . . .

28. November 2013

Die Fotografen, die heute beim Abschlusstraining im Volkspark waren, die drücken und drücken und drücken immer wieder auf den Auslöser ihrer Kameras. Für sie war es fast schon wie Weihnachten (und Ostern auf einem Tag). Endlich einmal ein Training im Hellen! Wenn um 16 Uhr trainiert wird, ist es fast schon finster, aber heute um die Mittagszeit bemühte sich sogar für einige Sekunden die Sonne, kurz zu zeigen dass es sie noch gibt. Und weil es dann so hell war, dass es keine Beeinträchtigung für die Augen gab, so sahen die 40 HSV-Anhänger genau, was für morgen, im Freitagsspiel gegen und beim VfL Wolfsburg, von Trainer Bert van Marwijk geplant wird – die Öffentlichkeit war ja nicht ausgeschlossen, nichts war und nichts blieb geheim.
Matz_ab_ankuendigung_2230_Uhr
Es war mein allererstes Van-Marwijk-Training. Fans und Kollegen hatten mich vorher schon informiert: „Es ist ein Tag wie der andere: Aufwärmen, 17 gegen drei im Kreis spielen, Pass-Übungen – und Abschlussspielchen.“ So war es dann auch. Ganz genauso sogar. Wobei bei 17 gegen drei eine richtig gute Stimmung untereinander (die Spieler untereinander, nicht die Fans!) herrschte. Da kam Freude auf. Auf dem Rasen, auf den Rängen. So etwas registrieren Anhänger ja sehr gerne, denn herrscht ein gutes Klima auf dem Rasen, dann lassen sich oft auch Erfolge leichter einfahren. Mal abwarten, wie das morgen so wird . . .

Bert van Marwijk steht während des Trainings oft mit auf dem Rücken verschränkten Armen auf dem Rasen und verfolgt ganz genau das bunte Treiben. Ich glaube, dass ihm dabei nichts entgeht. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, als sei dort ein „Happel-Schüler“ unterwegs. Ernst Happel war früher genauso. Er redete nicht viel, er redete sogar kaum – das macht van Marwijk auch so. Und wenn Happel redete, dann waren seine Anweisungen nur kurz und knapp – und noch knapper. Wie bei van Marwijk. Der einzige Unterschied, den ich erkannte, ist der, dass Happel kurz und meistens zweimal pfiff. Und zwar aus den Zähnen, den Lippen und der Zunge heraus (wie auch immer er es machte – ich kann es bis heute nicht), während van Marwijk eine Trillerpfeife zwischen seine Zähne geklemmt hat. Das hört sich dann ein wenig lauter an, aber in beiden Fällen wird die Wirkung nicht verfehlt – die Spieler parieren. Und zur Stille um van Marwijk dachte ich mir so, dass die Spieler schon sehr genau hinhören müssen, um etwas zu verstehen – und das kann ja nicht schlecht sein. So sind sie immer höchst konzentriert bei der Sache.

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Allerdings: keine Regel ohne Ausnahme. Heute hat Bert van Marwijk, so bestätigten es mir Kollegen, sehr viel geredet. Und zwar vor dem Abschlussspielchen. Da versammelte der Coach seine für morgen angedachte Mannschaft um sich und erklärte akribisch das (neue?) System. Das könnte durchaus ein 4:1:4:1 sein. Der Trainer würde somit seine Taktik ändern, und genau deshalb erklärte er alles auch sehr lange und sehr ausführlich. Wir fragten uns am Rande: „Warum nimmt er sich diese Zeit, wenn er in Wolfsburg nicht so spielen lassen würde? Er würde damit ja nur für eine gewisse Verunsicherung sorgen, wenn er heute so trainieren lassen würde, und morgen anders spielen würde.“ In dieser Formation hatte es dann auch Ivo Ilicevic erwischt, der in der B-Mannschaft spielen musste. Für ihn war Tolgay Arslan wieder im Team. Tomas Rincon war die erste Eins (von hinten), Pierre-Michel Lasogga die zweite Eins. Die erste Viererkette spielte so wie zuletzt, die zweite mit Maximilian Beister, Tolgay Arslan, Milan Badelj und Hakan Calhanoglu.

Diese Mannschaft „gewann“ die Partie gegen die Reservisten mit 1:0, das Tor erzielte – nach hervorragender Vorarbeit von Arslan – Badelj, der Jaroslav Drobny keine Abwehrchance ließ. Später wurden noch jeweils zwei Eckbälle und zwei Freistöße geübt, die stets Calhanoglu schoss (sehr gefährlich, wie ich fand, warum nicht im Spiel? Zuletzt gegen 96 war da nicht viel zu sehen!). Einen Freistoß ließ Drobny, von Heiko Westermann irritiert, abprallen, Lasogga staubte erfolgreich ab. Gegen Ende des Spiels irritierte dann Bert van Marwijk die Trainings-Kiebitze (und auch mich), denn er wechselte das System und zwei Spieler: „Ali“ Arslan ging zu den Reservisten, Ilicevic zur A-Truppe. Dann wurde so gespielt, wie zuletzt gegen Hannover.
Und wenn ich nun gefragt werden sollte, wie denn der HSV morgen in Wolfsburg spielen wird? Dann würde ich dennoch auf ein 4:1:4:1 tippen. Nur tippen, mehr nicht, festlegen werde ich mich nicht.

Auffällig für mich bei diesem Training, nur für mich; Artjoms Rudnevs hatte bei der Pass-Übung eine unheimlich breite Streuung bei seinen Pass-Versuchen, einige Male hatte ich so den Gedanken, als sei der Lette nicht so richtig bei der Sache – oder schon woanders? Ein wenig zu passiv schien mir auch Gojko Kacar, aber das mag daran liegen, dass ich erstens mehr von ihm erwarte, und dass ich mir zweitens auch mehr von ihm erhoffe. Aber da könnte ich wahrscheinlich noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, da wird wohl nicht mehr allzu viel passieren. Und für diesen Freitag ist das schon mal gänzlich ausgeschlossen, denn Kacar ist, wie Robert Tesche, gar nicht im Kader (wo sie gegen 96 noch waren). Dafür rückte natürlich Arslan wieder rein, und auch Petr Jiracek ist wieder mit von der Partie.

Das ist das Stichwort: Mit von der Partie waren im heutigen Abschlusstraining auch zwei Spieler der Zweiten: Dennis Bergmann (23) und der Finne Matias Ojala (18).Noch nicht mit dabei war Rafael van der Vaart, der aber im Volkspark weilte und für sich ein individuelles Training gewählt hatte. Sein Einsatz, das wurde ich heute bereits öfter gefragt, ist ausgeschlossen – natürlich, er ist ja auch nicht im Kader.

Mittendrin und nicht nur dabei ist dagegen Johan Djourou. Er ist wieder dabei. Sein zweiter Einsatz nach seiner Verletzungspause, und sein erstes Spiel in Wolfsburg. Mit Hannover hat der Innenverteidiger bislang nur einmal (in Hannover) gegen Wolfsburg gespielt – und gewonnen. Ein gutes Omen? Djourou sagt über den Gegner: „Der VfL ist eine sehr gute Mannschaft, das wird ein schweres Spiel für uns – obwohl es ja ohnehin keine einfachen Spiele in der Bundesliga gibt. Aber nach dem Sieg gegen Hannover haben wir frisches Selbstvertrauen, und deswegen haben wir auch eine gute Chance, in Wolfsburg ein gutes Spiel zu machen. Wenn wir eine gute Stabilität haben, dann könne wir dort sogar gewinnen.“ Wobei Johan Djourou nicht darauf baut, dass der gesperrte Diego beim VfL fehlen wird: „Wolfsburg hat nicht nur Diego, da gibt es viele sehr gute Spieler, sie werden den Ausfall des Brasilianers verkraften können. Zudem hat Diego auch zwei Wochen zuvor schon nicht für den VfL gespielt, und trotzdem hat er das Spiel gewonnen. Er ist sicher ein Super-Spieler, aber er allein ist nicht Wolfsburg.“

Djourou freut sich auf die 90 Minuten, auch auf die Derby-Stimmung: „Ein Nordderby ist immer etwas Spezielles, das war auch gegen 96 so, da war die Stimmung im Stadion sehr gut, das wird auch in Wolfsburg so sein. Das wird auch uns Spieler beflügeln.“ Was für den HSV nicht von Nachteil sein dürfte, denn unter Bert van Marwijk gab es bislang noch keine zwei Siege in Folge. Djourou: „Dann müssen wir es jetzt schaffen . . .“ Er könnte nicht nur als Abwehrmann dabei mithelfen, sondern auch als „Offensivkraft“. Bislang aber hat Johan Djourou noch kein Tor in der Bundesliga erzielt. Schafft er es ausgerechnet gegen seine Teamkollegen aus der Schweizer Nationalmannschaft? Torwart Diego Benaglio und Abwehrmann Ricardo Rodriguez sind ganz dicke Kumpels des HSV-Innenverteidigers, normal haben gibt es da per Handy mehrfach im Monat Kontakt – aber in dieser Woche schwiegen die Telefone. „Gegen Diego ein Tor zu schießen, das wäre bestimmt ein guter Anfang“, sagt der torlose Djourou, fügt aber hinzu: „Ich bin in erster Linie natürlich Verteidiger, und der Trainer sagt immer, dass das zuerst zu erledigen ist, nämlich keine Tore des Gegners zuzulassen. In meiner Jugend und auch bei Arsenal aber habe ich zuerst im Mittelfeld gespielt, als Sechser, und da habe ich durchaus Tore erzielt.“

Aber natürlich geht „Tore verhindern“ vor. Eindeutig. Und da hat Johan Djourou einen jungen Mann an seiner Seite, der erst 17 Jahre alt ist. Wie kommt er mit dem „Frischling“ klar? Djourou: „Er ist super, wir kommen prima miteinander klar, er ist ein Super-Talent. Aber wenn man so jung ist, dann freut man sich über Nebenleute, die einem helfen, dann braucht man sogar die Hilfe der erfahrenen Spieler. Die gebe ich ihm, und er nimmt sie an. Auch ich war ja mal so jung wie Jona, damals bei Arsenal, und da habe ich mich gefreut, wenn man mir geholfen hat.“ Djourou weiter: „Er ist ein Super-Junge, wir kommen von der Elfenbeinküste, das verbindet auch.“ Französisch ist die „Amtssprache“ dieser beiden HSV-Innenverteidiger, vornehmlich während des Spiels.

Über seine Zeit bei Arsenal London plauderte Johan Djourou auch noch ein wenig, er hat dort mit den größten Stars trainiert, gespielt, hat von ihnen gelernt – wie zum Beispiel Thierry Henry, Patrick Vieira, Ashley Cole oder Armand Traore. Und zu jener Londoner Mannschaft gehörte damals auch Jens Lehmann, deutscher Nationaltorwart. Djourou: „Er war klasse, er tat der Mannschaft sehr gut – er ist ein Verrückter im positiven Sinne. Lehmann war wichtig, denn du kannst in einem Team nicht nur nette Leute haben, du musst auch den einen oder anderen Verrückten haben, und das war Lehmann. Positiv verrückt, wirklich nur positiv verrückt. Nein, ganz ehrlich, Lehmann ist ein positiver Typ, ein Super-Typ.“

Und wer übernimmt eigentlich beim HSV den Part des „Positiv-Verrückten“? Wenn es doch nicht nur „nette Leute“ in einem Team geben sollte? Da darf sich wohl jeder (Fan) einen Spieler ausgucken. Obwohl mir die Wahl schon schwer fiele . . .

Ganz anderes Thema. Die Mitgliederversammlung am 19. Januar. Da es von Tag zu Tag mehr die Befürchtung gibt, dass die angemietete Halle (im CCH) wegen des hohen Mitglieder-Andrangs nicht ausreichen könnte, somit die MV dann geplatzt wäre, sind nun Bestrebungen im Gange, Nägel mit Köpfen zu machen. Der Vorstand will sich per Umfrage darüber schlau machen und informieren, welches Mitglied am 19. Januar auch tatsächlich kommt. Dazu wird (wahrscheinlich) eine Befragung gestartet. Wahrscheinlich deswegen in Klammern, weil es auch noch Bestrebungen innerhalb des Clubs gibt, diese Befragung zu verhindern. So kurios es auch klingen mag. Aber es gibt wohl den Verdacht dabei, dass HSV-Mitglieder, die bislang nichts von der Versammlung wussten, damit dann aufmerksam gemacht werden könnten – und dann auch tatsächlich zur Versammlung kommen. Das wäre wahrscheinlich für eine Seite (der umkämpften und nicht umkämpften neuen Strukturen) nicht so förderlich. Warum auch immer, da darf sich getrost jeder selbst seinen Reim drauf machen. Ohnehin gibt es das Gerücht im HSV, dass eine bestimmte Gruppe innerhalb des Clubs mit juristischen Spitzfindigkeiten noch versuchen, den Termin vom 19. Januar zu kippen (als die Versammlung zu verhindern und nicht stattfinden zu lassen). Man darf gespannt sein, wie sich das weiter entwickelt.

So, dann noch schnell in eigener Sache: An diesem Freitag findet nicht nur das Spiel in Wolfsburg statt, sondern auch wieder „Matz ab live“ aus dem Restaurant „Champs“ (Schnelsen-Burgwedel). Die Sendung beginnt kurz nach dem Schlusspfiff in Wolfsburg, Gäste sind diesmal der ehemalige HSV-Profi (und heutige Sport1-Mitarbeiter) Stefan Schnoor sowie Christian Pletz, der erste „Matz-ab“-Mann an meiner Seite, bevor „Scholle“ einstieg. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder einschalten würdet – nach dem Hannover-Spiel sah das wieder mal ganz prächtig aus. Stefan Schnoor hat heute, an diesem Donnerstag, mit dem HA-Kollegen Andreas Hardt gesprochen und dabei bezüglich des brisanten HSV-Themas „Struktur-Änderungen“ gesagt: „Man kann einen Bundesliga-Club nicht wie einen Kaninchenzüchter-Verein führen – deswegen bin ich für die Initiative HSVPlus.“

Diese Aussage passt natürlich optimal auf die nun folgende Meldung:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
die Initiative HSVPlus möchte Sie mit dieser Pressemitteilung darüber informieren, dass sich heute die Herren Cord Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky, und Thomas Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, unserer Initiative als Unterstützer angeschlossen haben.
Mit Herrn Wöhlke hat sich ein weiterer wirtschaftlicher Fachmann der Freien Hansestadt Hamburg gefunden, der die Ziele der Initiative unterstützt und zugleich darauf hinweist, dass sowohl Budni als auch andere Unternehmen über ein Engagement beim Hamburger Sportverein nachdenken, wenn HSVPlus umgesetzt wird. Herr Wöhlke hat in einem Interview gesagt: „Hamburger Unternehmen warten ab, ob sich der HSV maßgeblich verändert.“
Thomas Krüger zeigt sich für die Arbeit an den durch HSVPlus neu geschaffenen Satzungen verantwortlich, die den Mitgliedern und Fans des HSV zeitnah vorgelegt werden.

PS: Für das Pokalspiel am kommenden Dienstag gegen den 1. FC Köln gibt es nur noch 1500 Eintrittskarten, wer also live dabei sein möchte, der sollte sich möglichst schnell entscheiden.

18.46 Uhr

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