Archiv für das Tag 'Ledesma'

Ditmar Jakobs will keine “Pappnase” sein

29. Dezember 2011

Er hat 323 Bundesliga-Spiele absolviert, ist heute 58 Jahre alt, war HSV-Kapitän und erfolgreicher Nationalspieler, Vize-Weltmeister – und trägt die Raute immer noch fest im Herzen. Ein Gespräch mit Ditmar Jakobs ist immer etwas Besonderes und etwas Schönes, auch diesmal war das so. Ich sprach mit dem ehemaligen Stopper, der sein letztes Spiel für den HSV am 20. September 1989 bestritt (der Karabinerhaken-Unfall), über den heutigen HSV. Und war überrascht von so mancher Antwort. „Jako“ ist mit Feuer und Flamme bei der Sache, weiß alles, kennt jeden, macht sich sein eigenes Bild. In diesem Gespräch war Biss drin – so wie wir ihn alle kennen.

Ditmar, machst Du Dir eigentlich Sorgen um den HSV, der ja durchaus absteigen könnte?
Ditmar Jakobs: „Nein, im Moment mache ich mir keine Sorgen, denn ich glaube nicht, dass die Mannschaft noch einmal so schlecht spielt, wie sie es zu Saisonbeginn tat. Natürlich hängt auch viel von einem guten Start in die Rückrunde ab, und das Programm ist ja alles andere als leicht, aber die Mannschaft ist ja jetzt deutlich besser und stabiler geworden. Nein, ganz klar, ich habe keine Angst vor dem Abstieg.“

Das überrascht mich jetzt schon in der Deutlichkeit. Wieso keine Angst?
Jakobs: Die Spieler sind näher aneinander gerückt, und sie vermitteln mir den Eindruck, als hätten sie den Ernst der Lage erkannt. Sorgen würde ich mir erst dann machen, wenn der HSV auf einem Abstiegsplatz stehen würde, und dann vier oder fünf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hätte – dann würde ich mir Sorgen machen, große Sorgen sogar. Wenn sie so spielen wie zuletzt, wenn sie auch dann und wann mal das Tor besser treffen, dann werden sie da stehen, wo sie zurzeit stehen, im Mittelfeld.

Der HSV wollte, so die früheren Ziele der Verantwortlichen, schon längst wieder zu den Großen in Europa gehören, es ist aber genau das Gegenteil eingetreten – wieso?

Jakobs: „Warum denn wohl? Guckt euch doch mal den Weg an, den wir gegangen sind. Den kennen ja jetzt alle. Den wollten doch alle gehen, und alle haben gesagt, dass wir ihn gehen müssen, alle haben auch gesagt, dass sie ihn mitgehen werden. Der Umbruch musste kommen, ganz klar. Nur das war der Weg. Nur wird dann in den Medien stets sehr schnell vergessen, dass sie diesen Weg einst mitgehen wollten. Sie haben es alle gesagt, aber nach den ersten Niederlagen war das Geschrei gleich riesig. Dabei gab es keinen anderen Weg.“

Aber jedes Jahr ging es irgendwie einen Schritt bergab, und jedes Jahr gab es mindestens einen neuen Trainer . . .

Jakobs unterbricht: „Leute, Leute, Leute, Leute. Wer hat denn einst die hohen Ziele des HSV formuliert und vorgegeben und in die Welt gesetzt? Das waren doch Leute wie Hoffmann, was weiß ich. Das aber ist doch längst schon zu den Akten gelegt worden. Von allen. Wir, der Klub und die Medien doch auch. Deswegen ist es mir auch völlig unverständlich, warum die Medien auf einmal an diese Ziele erinnerten, dass sie auf einmal forderten, diese Ziele noch zu erreichen, dass sie begannen, wieder aus jeden und alle drauf zu hauen. Wir aber wollen keinen internationalen Wettbewerb, wir haben gesagt, dass wir jetzt mit einem Drei- oder Fünf-Jahres-Plan arbeiten werden, wir wollen uns erst einmal wieder national etablieren, erst dann wieder international erscheinen, und wir wollen vor allem Kontinuität, indem wir kontinuierlich gut arbeiten.“

Aber jedes Jahr einen neuen Trainer . . .

Jakobs unterbricht erneut: „Das ist doch aber jetzt Vergangenheit, das ist Schnee von gestern. Wir sind in der Gegenwart, wir gucken nur in die Zukunft. Und die Gegenwart sagt mir, dass wir im Moment Kontinuität drin haben.

Und wohl auch Ruhe, oder täuscht das`?

Jakobs: „Nein, Ruhe haben wir auch. Das wollten wir ja auch, das ist genau das, was wir wollten – alle. Der Klub muss in Ruhe arbeiten können, also lassen wir ihn in Ruhe arbeiten, sollten es auf jeden Fall versuchen. Obwohl ich auch ganz klar sagen muss, dass es nicht so sein darf, dass wir alles kommentarlos hinnehmen müssen, was da gemacht wird, so ist es ja auch nicht. Nur, das muss ich noch einmal sagen, nur war es so, dass jedem klar war, dass wir diesen Schnitt machen müssen, weil wir von dem Lohngefüge runter mussten, wir mussten das Lohngefüge herunterschrauben, deswegen mussten Leistungsträger, die viel verdienten, auch gehen. Nur so ging es doch. Und deswegen wurde es auch so gemacht. Ob wir die richtigen Spieler gehen ließen, ob wir die richtigen jungen Leute geholt haben, das steht auf einem ganz anderen Blatt, ist jetzt aber auch nicht gefragt. Wir haben den Schnitt gemacht, haben den Sprung ins kalte Wasser gewagt, alle sind mit uns ins kalte Wasser gesprungen – und nun sollte man die Leute auch erst einmal vernünftig arbeiten lassen. Momentan sieht es ja so aus, als wäre die richtige Truppe beisammen.“

Vertraust Du denn der jetzigen Klubführung uneingeschränkt?

Jakobs: „Ich habe zu jedem Mann eine eigenen Meinung, und ich hoffe darauf, dass sie sich auch auf ihren Job beschränken. Die, die sportlich die Verantwortung haben, die sollten auch zu den sportlichen Dingen Auskunft geben, und die, die im Marketingbereich arbeiten, die sollten nur über den Marketingbereich reden. Das wird im Moment auch gemacht. Wir haben im Moment einen Super-Vorstand. Und ich sehe den HSV auf dem richtigen Wege.

Sportlich gesehen: Von welchem Spieler oder von welchen Spielern erwartest Du 2012 den Durchbruch?

Jakobs: „Ich hoffe, dass alle den Durchbruch schaffen. Aber das sind junge Leute, die unterliegen auch Formschwankungen. Und die sind nach Deutschland gekommen, ohne unsere Sprach zu können. Da tut sich jeder schwer. Frag mal einen deutschen Spieler, ob der nach einem Vereinswechsel innerhalb Deutschlands sofort seine Leistung gebracht hat? Frag mal Marcell Jansen, wie der sich bei den Bayern gefühlt hat, als er dort neu war? Oder einen Mladen Petric, als der nach Dortmund gekommen ist? Die sind nicht auf Anhieb zurechtgekommen. Das ist so. Und das ist auch erst recht so, wenn junge ausländische Spieler nach Deutschland kommen. Es ist höchst selten einmal der Fall, dass solche Spieler auf Anhieb 100 Prozent bringen. Deswegen sage ich, dass wir unseren Leuten Zeit geben, ein halbes Jahr, ein dreiviertel Jahr. Lasst ihnen Zeit. Man sollte nicht immer nur fordern, man sollte die jungen Leute auch fördern. Nicht nur die Trainer und Manager, sondern auch die Medien – und die Fans.“

Bist Du überrascht von Frank Arnesen, der ja zu Beginn einiges um die Ohren bekommen hat?

Jakobs: „Der hat doch nichts um die Ohren bekommen. Ach du heiliger Bimbam, der hat doch nichts um die Ohren bekommen. Das, was er um die Ohren bekam, war doch nur pille-palle. Das war nichts. Und wenn ich mich recht erinnere, so standen die Medien doch immer eisern zu ihm. Nein, nein, da war gar nichts. Und der Thorsten Fink bekommt, völlig richtig, auch nichts um die Ohren, weil er ja noch kein Bundesliga-Spiel verloren hat. Es ist doch Ruhe. Und das ist auch gut so. Wichtig ist, dass die jungen Leute auch weiterhin ihre Chance beim HSV bekommen, denn nur so klappt auch der Umbruch.“

Auch die jungen Ochsenzoll-Leute von Rodolfo Cardoso?

Jakobs: „Natürlich. Ganz wichtig. Ganz Ochsenzoll guckt doch zu einem Spieler, der mal bei den Profis eingesetzt wird. Wenn der es schafft, wenn er auch dabei bleibt, dann ist das ein großer Ansporn für jeden, der ebenfalls darauf hofft. Der sieht dann doch, dass es nicht unmöglich ist. Aber wenn einer mal schwache zehn Minuten hat und dann sofort verdammt wird, das ist dann der denkbar schlechteste Weg. Das macht jeden mutlos. Und dann sind wir schnell wieder dabei, dass der eine oder andere zu sich sagt: ‚Dann gehe ich lieber nach Osnabrück.’ Und das darf nicht sein.“

Themawechsel: Am 15. Januar ist Hauptversammlung. Bist Du dabei?

Jakobs: „Nein. Was soll ich da?“

Sich sehen lassen, Interesse zeigen – und eventuell einmal bereit sein, ein Amt zu übernehmen. Du wirst doch ab und an mal mit dem Aufsichtsrat in Verbindung gebracht.

Jakobs: „Das will ich nicht. Ich gehe auch niemals in den Aufsichtsrat. Das habe ich immer gesagt. So lange da zwölf Leute drin sind, werde ich niemals in den Aufsichtsrat gehen. Ich will mich nämlich nicht lächerlich machen. Man ist als einer von zwölf nur eine Pappnase. Da sitzen zwölf Pappnasen herum. Wie soll man da mal Grund hineinbekommen? Wieso sollte ein Kaufmann, der viel von Finanzen versteht, über sportliche Dinge im HSV entscheiden? Wieso? Das sehe ich gar nicht ein. Und derjenige, der sportliche Kompetenz hat, wird nach innen dann stets überstimmt, muss aber in der Außenwirkung immer schön seinen Kopf hinhalten? Ich möchte nie eine Pappnase sein. Deswegen – muss ich mir das antun? Nein, nein, da setze ich meine Prioritäten doch ganz, ganz anders.“

Letzte Frage: Ist es richtig, dass der HSV David Jarolim gehen lässt?

Jakobs: „Ich bin kein Freund von Jarolims Spielweise. Aber ich bin einer der weiß, wie wertvoll ein David Jarolim für seine Mannschaft sein kann. Ich finde es schade, dass er jetzt so aufhört, er hätte es anders verdient, keine Frage. Er ist ein wichtiger Spieler für den HSV gewesen, und ich glaube sogar, dass er es noch immer sein könnte. Schade für ihn.

So, das war das Gespräch mit Ditmar Jakobs. Hoffentlich kommt dabei rüber, wie viel Feuer darin war. Danke, „Jako“, und alles Gute für 2012.

Kurz noch zu den Mails, die „Matz ab“ zu dem Bericht „Der HSV und seien Manager“ erhalten hat. Es waren einige mehr, als sie hier jetzt gezeigt werden, aber diese sind es nun einmal:

von „altona“:

Dieter: Danke für den “Winterpausenfüller” Manager des HSV”. Habe ich mit großem Interesse gelesen, obwohl nicht ganz so viel Neues zu lesen war.
Macht aber nichts. An einigen Stellen hätte es gerne noch ausführlicher sein können, z.B. warum sich Huhnke/Volkert und Wulf/Bruchhagen nicht mochten.
Ich erinnere mich noch daran, dass Trikotsponsor TV-Spielfilm auf Grund des Zoffs zwischen Wulf/Bruchhagen für ein Spiel seine Werbung von den Trikots
zurückzog. Bruchhagen ist ja immer noch im Profifussball mehr oder weniger erfolgreich tätig. Wulf dagegen hat es ja nur über die Hintertür gerade mal
wieder zurück ins Kabinett der Eitelkeiten geschafft, damit er wieder Mitglied der ruhmreichen HSV-Familie sein darf, jedenfalls solange, bis neu
gewählt wird…

von „trainerglück“:

Wäre der gestrige Blog eine Printausgabe gewesen, hätte ich mir noch nicht einmal die Mühe gemacht, zwischen Altpapier und Hausmüll zu unterscheiden.
Und dann kommt Dieter wie Kai aus der Kiste und zaubert uns ein schönes Nähkästchen.
Vielen Dank und bitte mehr davon!

von „pwehsv“:

Ich finde, die Masseure sollten auch noch zu ihrem Recht kommen, wenn auch alle neben Herrmann verblassen :)

von „matchball“:

Ist das nicht herrlich, ich glaube da scheint Herr Matz mit seiner Retrospektive in Sachen Management eine Lawine losgetreten zu haben, die bis zum
nächsten Blog eine Welle der Abneigung offenbaren wird gegen alles was sich erfolglos im Bürosessel gedreht hat…
Sir Erich bekommt selbstverständlich die meisten Prügel und wird auch nach so vielen Jahren noch ultimativ verbal geteert und gefedert.
Ich freue mich jetzt schon auf den Trainerblog.
Und dann muss ein ganz spezieller Rückblick auf die gefühlten 500 Spieler Pflicht sein, die in den letzten 25 jahren für den HSV Trikot- und
Sponsorenpflege betrieben haben. Da waren so viele exzellente Talente und Superstars dabei, dass es locker bis zum Trainingsauftakt für mehrere Blogs
langt…

von „HSVLuenen“:

Danke Dieter, beim Lesen kamen doch einige Erinnerungen hoch. Allerdings haben sich dabei doch bei den einen oder anderen Namen heute noch die Nackenhaare gekräuselt.
Bei Felix Magath ist mir aufgefallen, der konnte damals schon nicht einkaufen.
Dieter, vergessen hast Du, dass Dr.Krohn aber auch den “Welttrainer” Rudi Gutendorf geholt hat. Die Beiden haben doch die zukünftige Taktik Des HSV gemeinsam und Medienwirksam in den Sand auf Sylt geritzt.

von „nordbert“:

Als “Knüller” fallen mir eher Cristian Ledesma (der hier irgendwie nie eine richtige Chance bekam – weiß man inzwischen eigentlich, ob ihn HH oder DB
geholt hat?), Thiago Neves, der Golfkart-Mann, oder Carlos Alberto ein, der uns dann ja zum Glück doch noch weggeschnappt wurde, was man aber nicht
UNSEREM Vorstand bzw. Sportchef zuschreiben kann.

So, zu Nordbert möchte ich scnell noch sagen, dass ich – so glaube ich jedenfalls – schon einmal etwas über Ledesma und den HSV geschrieben habe. Da ich noch heute ein Tonband habe (aufbewahrt!), das ein Gespräch mit dem damaligen HSV-Trainer Kurt Jara und meiner Person festgehalten hat, gebe ich dieses Gespräch noch einmal zum Besten. Sportchef des HSV war damals übrigens Holger Hieronymus, Klub-Chef Werner Hackmann.

Hier das damalige Interview im Wortlaut:

Matz: Herr Jara, Sie haben gesagt, dass Sie die Verantwortung für die Mannschaft haben. Das trifft aber doch nicht für den Kauf von Cristian Ledesma zu, oder?

Kurt Jara: „In dem Fall ist es so gewesen, ganz klar, dass ich gesagt habe, dass wir auf dieser Position Spieler haben. Aber der Sportchef kam, er hat gesagt, dass wir den Ledesma haben können er will ihn auch. Und dann habe ich gesagt: Ja, ich habe ihn auf Video gesehen, der Mann hat Talent, der ist 23 Jahre, das wird seine erste Auslandsstation – der kann einer sein, dass kann einer werden. Der war ja in Argentinien auch erst seit einem Jahr Stammspieler. Sicher ist die Ablösesumme der große Rucksack, wie sie es bei Jörg Albertz auch war. Es ist ja auch nicht so, dass nicht nur bei uns solche Spieler nicht spielen, der Matellan hat auch bei Schalke lange Zeit nicht gespielt. Solchen Leuten muss man auch Zeit geben.“

Matz: Was mich überrascht: Sie wollten ihn nicht unbedingt, warum haben Sie ihn dann aber genommen?

Jara: „Sagen Sie als Trainer, wenn Sie einen Spieler bekommen, der in Argentinien spielt, mehr oder weniger ein Jahr Stammspieler ist, sagen Sie dann nein? Und dann stehen Sie am Schluss mit drei Punkten da und der Sportchef sagt: ‚Der Trainer wollte den ja nicht . . .’”

Matz: Aber hätten Sie nicht mit Hieronymus sprechen können, dass Sie Ledesma im Grunde gar nicht benötigen? Sie verstanden sich doch so gut mit Hieronymus…

Jara: „Es ist ja nicht so, dass ich ihn nicht unbedingt wollte. Ich habe gesagt, wir nehmen den, und wenn er sich durchsetzt, dann spielt er. Gegen Hannover hat er sich eine Halbzeit lang durchgesetzt, gegen Bremen hat er sich nicht durchgesetzt. Das argentinische Spiel wollen wir ihm ja nicht wegnehmen, aber er hat in Bremen wie gegen Bayern zweimal attackiert, wie es nicht geht. Gegen Bayern gab es dann Gegentore. Die Attacke gegen Salihamidzic, die zum 0:2 führte, da haben der Manni Linzmaier und ich schon darauf hingewiesen, so wie er sie da gefahren hat, die hat er auch schon in Argentinien gemacht. Nur war da seine Mannschaft jedes Mal zwei Klassen stärker als der Gegner. Ledesma hat seine Fähigkeiten, er hat Talent, er muss sich nur durchsetzen. Wenn man Wicky in der Vorbereitung gesehen hat, dann war der eben stärker. Ich kann ja nicht sagen: Ledesma hat vier Millionen Euro gekostet, deswegen muss er spielen.“

Und ganz kurz, wirklich kurz zu den Fragen, warum sich einige Herren nicht so gut verstanden haben. Ja, warum versteht man sich nicht? Generell muss ich mal schreiben, dass es bei vielen Leuten unterschiedliche Auffassungen über die Arbeitsweise, über die Pünktlichkeit, über den Einsatz gab. Es gab dabei auch schon mal die eine oder andere Abmahnung, die dann aber nicht an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Das war nicht nur in den oben erwähnten Fällen so – oder so ähnlich. Gibt es immer wieder einmal, wird es auch wohl in Zukunft noch das eine oder andere Mal geben – wenn im Moment bei der jetzigen Führung auch kaum vorstellbar. Aber es kommen ja auch noch eines fernen Tages und irgendwann mal auch wieder andere Leute an die Macht . . .

Nun aber. Das war es für heute. Einen wunderschönen Feierabend wünswche ich Euch – bis morgen in alter Frische.

17.23 Uhr

Sprechstunde nach dem Fest

27. Dezember 2009

Mit einer Mischung aus Sprechstunde und Nähkästchen geht es in die letzten Tage von 2009. Es sind wieder einige Fragen aufgelaufen, und mit einer ganz besonderen, die „Bernhard“ gestellt hat, möchte ich beginnen. Gefragt wurde nach Cristian Ledesma, der einige Jahre für den HSV „spielte“, aber nur ganz kurz in Hamburg war, es auf lediglich neun Bundesliga-Einsätze brachte und dann nur noch ausgeliehen wurde. Der heute 31-jährige Argentinier wurde 2002 von Club Atletico River Plate vom damaligen HSV-Sportchef Holger Hieronymus verpflichtet, doch Ledesma wurde trotz der langen Laufzeit seines Vertrages in Hamburg (bis 2006) nur zum “Rohrkrepierer” für den HSV, in seinen neun Einsätzen wurde er zweimal ein- und zweimal ausgewechselt. Heute steht er bei Olympiakos Piräus unter Vertrag, hat in dieser Saison aber nur anfangs gespielt, bringt es bislang in dieser Spielzeit nur auf sieben Einsätze.

Das Thema Ledesma und der HSV ist aber ein ganz, ganz spezielles: Es ist nicht so, dass der Mittelfeldspieler nur aufgrund von DVD-Studien gekauft wurde. Der damalige Trainer Kurt Jara hatte seinen Assistenten Manfred Linzmaier mehrfach nach Argentinien geschickt, um Ledesma zu beobachten. Der ehemalige österreichische Nationalspieler Linzmaier, heute 47 Jahre alt, kam aber nach seinen Besuchen in Südamerika zum dem Fazit: Ledesma bitte nicht kaufen. Der HSV aber kaufte trotz allem.

Ich kann mich noch sehr genau an einen Gang in Ochsenzoll erinnern, den ich gemeinsam mit Kurt Jara und einigen Kollegen (Schreiberlinge wie ich) von ganz unten in Richtung Kabinentrakt antrat. Ich fragte den Trainer, und das Band meines Aufnahmegeräts lief, ich habe es heute noch (!), warum er denn Ledesma trotz der Aussage von Linzmaier verpflichtet hätte. Seine Antwort überraschte mich. Und zwar total.

„Was sollte ich machen? Ich wollte Ledesma auch nicht, aber der Sportchef wollte ihn. Er hat mir gesagt: Mit Cristian Ledesma kommen wir in den Uefa-Cup. Und was soll ich dazu dann sagen? Sage ich nicht ja zu Ledesma und wir geraten ins untere Drittel der Tabelle, so würde mir dann ewig vorgehalten werden, dass wir mit Ledesma in den Uefa-Cup gekommen wären. Und bei Misserfolg hätte ich dann gehen müssen. Also habe ich – wohl oder übel – dem Deal zugestimmt.“ Das sagte Jara damals. Und ich war entsetzt und verblüfft zugleich. So also sah das Verhältnis zwischen Sportchef und Trainer aus, so die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ zwischen zwei leitenden Angestellten des HSV. Ich erinnere mich auch noch genau an ein Vier-Augen-Gespräch mit dem damaligen HSV-Chef Werner Hackmann. Dieses Gespräch allerdings führte ich im Block-House am Gänsemarkt erst, als Hackmann schon DFL-Boss war. Und Hackmann gab seinerzeit zu, damals genauso entsetzt gewesen zu sein wie ich. Er bezeichnete es als seinen größten Fehler, diesem Transfer zugestimmt zu haben, seine Erklärung damals: „Ich kam aus dem Urlaub zurück, und eine meiner ersten Amtshandlungen war es, den Vertrag mit Ledesma zu unterschreiben. . .“

Ledesma hat dem HSV dann auch tatsächlich nicht geholfen. Vielleicht auch deshalb, weil Kurt Jara ihn nicht nur äußerlich (wie mir ja im Gespräch bestätigt), sondern auch innerlich abgelehnt hat. Und warum die Jara-Nachfolger danach alle darauf verzichteten, Ledesma in Hamburg nochmals vorspielen zu lassen? Das kann ich auch nicht genau beantworten, da kann ich nur Vermutungen anstellen: Ledesma war weit weg von Europa, er genoss innerhalb des Klubs keinen besonders guten Ruf, wobei sich das allerdings nur das Fußballerische bezog. Es hat niemals einen Vor- oder Zwischenfall der böseren Art mit ihm gegeben, er kann deshalb also nicht in Ungnade gefallen sein. Und auch innerhalb der Mannschaft war er nicht beliebter oder auch unbeliebter als andere Kollegen. Es hätte einer Bundesliga-Karriere von Cristian Ledesma also nichts im Wege gestanden, außer der Tatsache, dass schon sein Start in Hamburg grandios daneben gegangen war. Wer vom Trainer nicht gewollt ist, der hat es wahrscheinlich auf immer und ewig schwer, und zwar überall auf der Welt.

„HSVJonas“ fragte danach, warum Joris Mathijsen immer so viele lange Bälle spielen würde, die meistens ihr Ziel verfehlen? Das sehe ich inzwischen anders. Mathijsen überlegt sich inzwischen sehr genau, wann er einen langen Ball spielt, es ist, so sehe ich das, deutlich weniger geworden. Und meistens ist es so, dass er den Ball lieber noch zu seinem Nebenmann spielt (Jerome Boateng, David Rozehnal), damit der dann einen (besseren) Pass spielen kann, darf, soll oder muss. Achtet einmal darauf.

„Jan-Peter“ fragte danach, wie es der HSV mit den Hooligans hält, ob da ein härteres Vorgehen zu erwarten ist? Dieses Problem sehe ich gar nicht (mehr). Der letzte gravierende Zwischenfall, an den ich mich erinnere, war die Zwischenstation Bielefeld, bevor es weiter zum Auswärtsspiel nach Mainz ging. Aber waren das Hooligans? Das weiß man ja gar nicht. Das war, so sagte es mir ein einflussreicher HSVer, kein „Hooliganismus“, sondern purer „Vandalismus“. Auch das ist nicht natürlich als verwerflich zu bezeichnen, aber das gibt es immer wieder einmal – und damit wird im Laufe einer Saison auch fast jeder Bundesliga-Klub einmal konfrontiert. Oliver Scheel, Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder, schreibt dazu in der neuesten Ausgabe der „Supporters News“. Mir gefällt besonders gut jene Passage, in der es um die Stadionverbote geht. Scheel: „Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir beim HSV sehr umsichtig verfahren, was heißt, dass wir nicht mit Stadionverboten um uns werfen, sondern eher dem Gedanken des „Im Zweifel für den Angeklagten“ folgen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Ich sehe in der Tat nicht, warum der HSV härter gegen Hooligans vorgehen sollte, denn es gibt aktuell doch kein Problem, das wirklich unter den Nägeln brennt. Oder bin ich da zu weltfremd geworden?
„rautenträger“ fragte nach dem 19-jährigen Macauley Chrisantus: „Warum ist es mit ihm so gekommen, wie es gekommen ist?“ Auch da kann ich nur vermuten: Der Stürmer wurde ja mit großem Tam-tam in Hamburg begrüßt, welcher Klub war nicht hinter ihm her? Chelsea, Arsenal, ManU und, und, und. Und der HSV machte das Rennen. Ein Wahnsinn. Doch es folgte nichts.

Chrisantus fasste bei der Zweiten nie Tritt (nur zwölf Einsätze), und er konnte im Training bei den Profis kaum einmal mit einer positiven Aktion punkten – mir ist keine bekannt. Zudem war er zu ruhig, auf dem Platz, nach dem Duschen. Der brachte kaum einen Ton hervor. Sprach auch kein Wort Deutsch. Und dann sind aus solchem Holz Talente geschnitzt, die zum Scheitern verurteilt sind. Beim KSC spielt der bis zum Sommer 2010 ausgeliehene Chrisantus auch kaum eine Rolle, was allerdings auch an einer Roten Karte lag, nach der er für einige (vier?) Spiele gesperrt war. Es würde mich total überraschen, wenn Macauley Chrisantus (Vertrag mit dem HSV bis 2012) eines Tages doch noch einmal für den HSV in der Bundesliga stürmen würde – aber unmöglich ist auch oder vor allem im Fußball nichts. Ich hatte auch damals gedacht, dass ich Oliver Bierhoff nach seinem Abschied vom HSV nie wieder in der Bundesliga sehen würde, und dann legte er eine solche Weltkarriere hin. Bierhoff – mein größter Irrtum! Und vielleicht ist Chrisantus auch mal wieder einer.

Apropos „rautenträger“. Er erkundigte sich, ob Frau M. nicht schon sauer wäre – wegen der „Arbeitszeiten“ für „Matz ab“. Ich gebe zu, mein Laptop steht in unserer Stube ständig „unter Strom“, ist aus unserem Alltagsleben gar nicht mehr wegzudenken, aber noch erträgt sie es. Allerdings gab es Heiligabend auch schon den ersten Verweis von Frau M., weil ich in den Tagen zuvor ständig bis weit nach Mitternacht gearbeitet hatte. Da reimte ich mir mein HSV-Gedicht zusammen, und deshalb bin ich gleich auch bei „HSVboerni“: Ich habe diese beiden Teile allein gemacht, wie übrigens in der Jahren zuvor auch immer. Anders geht es auch gar nicht.

„DasProdukt“ fragt, ob und wie beim HSV auf die Ernährung der Spieler geachtet wird? Ja, es wird. Seit 2006 arbeitet Jana Dunkel für den Klub, sie ist Köchin. Und sie war auch zum Beispiel zuletzt, beim Europa-League-Spiel in Tel Aviv, mit auf Tour, um die Profis zu bekochen. Unter Martin Jol aßen die Spieler auch an gewissen Trainingstagen gemeinsam, dass ist, so wie ich weiß, nun nicht mehr der Fall, aber wer will, der kann sich in der Woche sportler-gerecht bekochen lassen. So soll es jetzt sein.
„Tante Käthe“ fragt, warum Deutschland sich eine Sommerpause gönnt, statt ein ganzes Jahr durchzuspielen? Erstens befinden sich die Länder, die eine Sommerpause einlegen, in der Mehrzahl, zweitens ist der deutsche Spielplan dem internationalen Rahmenterminkalender angepasst. Ausgeschert sind doch nur die skandinavischen Ländern sowie einige Nationen im einstmals so genannten Ostblock. Wenn ich aber so an die WM 2006 denke, so machten auch mir die sommerlichen Abendspiele durchaus großes Vergnügen, die hätten also durchaus etwas für sich. Aber es wird sich daran wohl auf lange Sicht nichts ändern.

„SingsangHSV“ und viele andere User fragten nach Matthias Sammer als Sportchef. Das kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen, ich halte es sogar für ausgeschlossen, denn Sammer ist ein ganz, ganz starker Mann, der will immer selbst das Rad drehen – und würde zum Beispiel nie zusehen wollen, wenn es Bernd Hoffmann für ihn drehen wollte. Und umgekehrt natürlich auch. Hoffmann könnte mit einem Sammer an seiner Seite niemals leben, denn unter einer solchen Konstellation wäre für das Umfeld unklar, wer denn nun den Verein führen würde. Nein, Sammer wird es auf keinen Fall, so sehr ich ihn auch schätze, denn er ist wirklich ein ganz hervorragender Fachmann, ganz sicher einer der besten Leute in Deutschland.

Generell wurden ja auch andere Namen bei Euch gehandelt, und zwar Spielernamen, die der HSV jetzt, in dieser Winterpause, holen könnte. Kerzhakov, Pandev, Cacau, Altintop, Diekmeier, Görlitz, Lell, Jelavic wurden genannt, andere auch, aber ich sehe die alle nicht in Hamburg. Und es sollte mich wundern, wenn doch auch nur einer an die Elbe käme. Sollte ein neuer Spieler kommen, müsste wohl vorher der eine oder andere gehen (Jonathan Pitroipa soll, so steht es beim DSF, ein Kandidat beim 1. FC Köln sein). Nur so würde und könnte es gehen. Immerhin: Bruno Labbadia hat keinen (Kurz-)Urlaub genommen, er sagte mir, dass er durcharbeiten würde, weil er noch so viel zu tun hätte. Ob diese Arbeit auch eine Neuverpflichtung beinhaltet, das hat er mir natürlich nicht auf die Nase gebunden.

Spaßig fand ich, das sei mir an dieser Stelle einmal gestattet zu schreiben, jene HSV-Mannschaft, die „Nordbert“ aufgestellt hat: Pralija, Zafirov, Simunic, Gravgaard, Ali II, Ledesma, Neves, Zarate, Schopp, Ordenwitz und Schmöller. Ich habe dabei Martin Dahlin und Niclas Kindvall vermisst. . . Und zur Bergedorfer Elf von „Billtal“ sei gesagt: Ich kenne sie alle, denn ich habe einst in Bergedorf, im Gojenbergsweg, gewohnt, und mein Onkel nahm mich damals auch mit ins Billtal-Stadion, als 85 in die Oberliga Nord aufgestiegen war und auf Grand um Punkte gegen den HSV spielte. Ein Erlebnis! „holag“ sei an dieser Stelle kurz gedankt für die Ergänzungen in Sachen „Ochsenzoll“.

„Digga“ schlug mir nach dem Brief an Florian Meyer das Thema Schiedsrichter für „Matz ab“ vor. Nehme ich auch dankbar auf, habe sogar versucht, den einen oder anderen Herren der Zunft zu erreichen – aber es ist ja Winterpause. Ich bleibe dran. Und am 11. Januar kommt – welch ein Zufall – Florian Meyer nach Hamburg, um vor Journalisten einen Vortrag zu halten, wie die Schiedsrichterei in der Bundesliga zu funktionieren hat. Ich werde, sofern nichts dazwischen kommt, Flagge zeigen. Und Euch berichten.

Dass mit Herbert Kühl hier inzwischen ein weitere „Alt-Internationaler“ schreibt, finde ich klasse. Er ergänzte zu meiner (und auch Eurer?) HSV-Mannschaft den Namen Jupp Posipal. Der fehlt bei mir, weil ich ihn leider nie habe spielen sehen. Von Herbert Kühl, heute Ehrenpräsident des SC Concordia, weiß ich aber noch eine wunderschöne Nähkästchen-Anekdote. Ich hoffe, lieber Herbert, dass ich sie einfach mal schreiben darf, ansonsten musst Du mir Deine Freundschaft kündigen (was schade wäre!). Der junge, ich glaube 18-jährige Herbert Kühl kickte mit dem SC Victoria in der Oberliga Nord, spielte an der Hoheluft gegen den HSV mit Posipal. Nach dem Spiel klönten einige Spieler beider Vereine noch eine gewisse Zeit in der Stadion-Gaststätte, dann fragte Posipal den jungen Kühl plötzlich: „Kommst du noch mit? Wir wollen noch ein bisschen weiterziehen.“ Kühl wollte. Und er setzte sich mit auf den Motorroller, den wer fuhr? Natürlich, Jupp Posipal. Und los ging es.

„Dylan1941“ (auch im gebührt mein Dank) erkundigte sich nach Ditmar Jakobs. Wäre das nicht auch ein geeigneter Sportchef-Kandidat? „Jako“ hat heute eine Versicherungs-Agentur, sein Büro ist in der Nähe des Hauptbahnhofes, ganz in der Nähe des Hotels „Atlantik“. Er betreut in dieser Eigenschaft auch HSV-Spieler. „Doerfels Eck“ fragte, ob Ditmar Jakobs seine damals im Bremen-Spiel erlittene Rückenverletzung vollständig auskuriert hat, aber das ist leider nicht der Fall, er hat immer noch seine gesundheitlichen Probleme damit. Hat sich und sein Leben aber darauf eingestellt, kann inzwischen damit umgehen und ganz gut leben.

„Sebert1974“ und ebenfalls viele, viele andere User erkundigten sich danach, warum die „Kicker“ dem Schiedsrichter Florian Meyer im Spiel gegen Bremen eine 1,5 als Note gegeben hat? Weiß ich auch nicht, ich weiß nur, dass das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Ihr werdet mir aber verzeihen, wenn ich mich da jeglichen Kommentars enthalte, denn Noten sind subjektiv. Ich maß mir nicht an, immer richtig zu liegen. Und seht es einmal so: Torsten Frings hat dem Unparteiischen auch eine katastrophale Leistung bescheinigt. Damit wären sich ja alle Seiten dann auch wieder einig – vom „Kicker“ einmal abgesehen.

„Nebraska63“, der uns hier mit dieser wunderschönen Weihnachtsgeschichte beglückte (auch ihm vielen Dank!), fragte nach Messi und Elia, ob die hier in Deutschland fußballerisch eher schlechter ausgebildet worden wären? Es ist zu vermuten, obwohl sich hierzulande schon sehr viel in Sachen Technik getan hat. Es gibt doch kaum noch einen richtigen „Klopper“, der nicht auch Fußball spielen könnte. Alle haben doch inzwischen ein gutes technisches Rüstzeug während ihrer Jugendzeit erhalten. Früher war das noch ganz anders, und das ist noch gar nicht so lange her.

Yordan Letschkov sagte mir einst zu seiner Hamburger Zeit, dass er nicht verstehen könne, dass Jugendtrainer ihren Spieler das Dribbeln verbieten. Er durfte in seiner Jugend spielen wie er wollte, er wurde nie ausgewechselt, angeschrieen oder eingeschränkt, und nur so lernte er auch das richtige Dribbeln. Ich dagegen habe hier noch Jugendspieler erlebt, die von wütenden Trainern, die völlig ihre Fassung verloren hatten, vom Platz geholt wurden, weil sie den Ball nicht abgaben. Ich hoffe (und glaube) aber, dass das heute anders geworden ist.

„devildino“ fragte, was ich von Nico Hoogma als HSV-Sportchef halte? Sehr viel. Nur der HSV, und der ist entscheidend, wohl nichts bis gar nichts. Sonst hätten sie mal bei ihm angefragt. Das aber ist nicht passiert. Ich denke bei Hoogma und dieser Frage spontan auch an Felix Magath. Als der 1986 seine Karriere als Spieler beendete, wurde er von einem Tag zum anderen Sportchef des HSV. Nun gut, er war es nicht lange, aber immerhin, der Klub hat ihm das zugetraut und ihm die Verantwortung übertragen. Damals ging das noch. . .

So, Sprechstunde und Nähkästchen wieder einmal beendet, in der kommenden Woche ziehen mein Kollege Christian Pletz und ich gemeinsam Bilanz der Hinrunde (was ja auch eine Bilanz von „Matz ab“ ist). Und sollte es doch – wieder Erwarten – einen neuen Spieler geben, dann melden wir es natürlich auch hier. Lasst die Weihnachtswoche gut ausklingen, und alles Gute für die letzten Tage des Jahres.

Fehleinkäufe in der Mittagspause

8. September 2009

Ihr kennt das sicher. Plötzlich waren wir während der Mittagspause bei den größten Fehleinkäufen des HSV in der Bundesliga-Geschichte. Von links und rechts prasselten die Namen zur Mitte. Die beiden ersten Spieler kamen 1963 aus dem Ausland: Andreas Mate (New York Hungarians) und Juhani Peltonen (Haka Valkeakosken), der nicht nur Fußballer war, sonder auch finnischer Eishockey-Nationalspieler. Das konnte er offenbar doch besser, er wurde 1966 wieder nach Finnland verkauft. Mate erging es noch schlechter, der wurde bereits im September 1965 „erlöst“.

Und weiter? Fehleinkäufe von gestern bis heute waren: Elmar May (Borussia Neunkirchen), Heinz Libuda (Groningen), Jürgen Seifert (1. FC Nürnberg), Peter Hermann (TuS Neuendorf), Volker Danner (MSV Duisburg), „Buca“ (Sao Paulo), Borisa Djordjevic (Hajduk Split), Mladen Pralija (Rayo Vallecano), Marek Saganowski (Feyenoord Rotterdam), Sascha Ilic (Daewoo Soccer), Martin Zafirov (Lok Sofia), Soner Uysal (Waldhof Mannheim), Michael Molata (Arminia Bielefeld), Joe Simunic (Melbourne Knights), Martin Dahlin (Blackburn Rovers), Alexander Kurtian (Zenit St. Petersburg), Rasoul Khatibi (Pas Club Teheran), Rene Schneider (Hansa Rostock), Kim Christensen (Lyngby Kopenhagen), Cristian Ledesma (River Plate Buenos Aires), Michael Baur (FC Tirol), Richard Kitzbichler (SV Salzburg), Vyacheslav Hleb (VfB Stuttgart), Jean Carlos Donde (Feyenoord Rotterdam), Almani Moreira da Silva (Standard Lüttich), Ailton (Besiktas Istanbul), Juan Pablo Sorin (Villarreal), Thiago Neves (Fluminense), Albert Streit (Schalke 04), Marcel Ndjeng (Mönchengladbach).

Es gibt aber noch weitere Spieler, die zu nennen wären. Die haben es zwar auf ihre Einsätze gebracht, aber enttäuschten in Hamburg trotz allem sehr: Dieter Schatzschneider (Fortuna Köln), Wolfram Wuttke (Schalke 04), Herbert Waas (FC Bologna), Richard Cyron (Gornik Zabrze), Jörn Andersen (Eintracht Frankfurt), Sergio Zarate (1. FC Nürnberg), Niclas Kindvall (IFK Norrköping), Frank Ordenewitz (Furukawa Japan), Jens Dowe (München 1860), Jakob Friis-Hansen (Girondins Bordeaux), Pawel Wojtala (Lech Posen), Vanja Grubac (OFK Belgrad), Marcel Ketelaer (Bor. Mönchengladbach), Marek Heinz (Sigma Olmütz).

Eigentlich fast Stammspieler, dennoch nie richtig in Hamburg angekommen: Benjamin Lauth (1860 München) und Emile Mpenza (Standard Lüttich).

Wie gesagt, das war eine Mittagspause, vielleicht habt Ihr ja noch den einen oder anderen Name mehr auf Lager, der in dieser Liste unterzubringen wäre.

Dann zum aktuellen Tagesgeschehen. Dass ich eine „plumpe Brücke“ zum schlechten Auftritt der HSV-Zweiten und dem Nachwuchs-Chef geschlagen habe, ist mir nicht bewusst, es sollte jedenfalls keine Brücke sein. Zweierlei möchte ich zu diesem Thema hinzufügen: Wer sich den Schuh anzieht. Und: Ich kann die Arbeit von Stephan Hildebrandt gar nicht beurteilen, weil ich ihn noch nie dabei beobachtet habe. Ich höre mal so und mal so, aber vielleicht ergibt sich ja eines Tages eine bessere und genauere Beurteilung. Bis jetzt jedoch kann ich das nicht, deswegen konnte das auch keine Brücke sein.

Und dann, mir ein absolutes Herzensbedürfnis, zu Katja Kraus. Wenn ich sie als „rechte Hand“ von Bernd Hoffmann bezeichne, dann soll das auf keinen Fall ihre gute Arbeit schmälern. Ich möchte jetzt und an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Frau Kraus leistet sehr gute Arbeit für den HSV, das sagen viele HSV-Mitglieder, das möchte ich hiermit nur noch einmal bestätigen. Kürzlich saß ich mit HSV-Größen zusammen, die eher dem Beiersdorfer-Lager zuzuordnen wären, als dann die Sprache auf Frau Kraus kam, sagten alle, wirklich alle, dass sie für ihre Arbeit, die sie für den Klub verrichtet, nur zu loben wäre. Auf einen Nenner gebracht – und um alle Unklarheiten zu beseitigen: Frau Kraus, die „rechte Hand“ von Bernd Hoffmann, tut dem HSV sehr gut.

Und: Sie ist auch eng mit dem Erfolg des Hamburger Wegs verbunden. Seit drei Jahren vereint die Sponsoring-Initiative Der Hamburger Weg Sport, Politik und Wirtschaft und übernimmt gesellschaftliche Verantwortung, indem sie bedürftigen Menschen in Hamburg neue Wege ebnet. Die Initiatoren haben sich nun ein hohes Ziel gesetzt: Bis 2012 sollen 10 000 Wege geebnet werden. Um in Zukunft Hilfsbedürftige noch gezielter zu unterstützen, haben die Wirtschaftspartner des Hamburger Weges, HSV-Spieler und Prominente der Stadt Patenschaften für insgesamt acht Projekte übernommen. Gemeinsam setzen sie sich mit dem Hamburger Weg für diese Projekte ein und unterstützen sie finanziell oder aber auch durch den Einsatz von Mitarbeitern. Erster HSV-Profi, der eine solche Patenschaft übernahm, ist Torwart Frank Rost. Großartig.

Zum Abschluss noch ein Satz an “Jacek Dembinski” in den Süden der Republik. Ich habe den Spieler Dembinski natürlich kennen gelernt, aber kaum Kontakt mit ihm gehabt. Der Mensch Dembinski war fast mehr als introvertiert, wenn er nach einem Spiel aus der Kabine kam, er schlich mehr Richtung Auto, als dass er ging. Sein Kopf war immer gesenkt, was bedeutete: „Bitte nicht ansprechen.“ Lachen habe ich ihn wirklich kein einziges Mal gesehen, und eine Anekdote vom „guten Jacek“ habe ich auch nicht auf Lager. Aber so war er. Wenn er offensiver gewesen wäre, hätte er eventuell ein besseres Standing in der Mannschaft gehabt – und er wäre damit auch besser in Hamburg angekommen. Aber nun ist es zu spät, Jacek Dembinski ist Geschichte.