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“Der HSV muss wieder hanseatisch werden”

5. Juni 2014

„In den letzten fünf Jahren ist es drunter und drüber gegangen.“ Das hat der neue Aufsichtsrats-Boss der HSV-Fußball-AG, Karl Gernandt, in einem Interview mit der Bild zugegeben. Wieso fünf Jahre, habe ich mich gefragt, wie kommt der Gernandt gerade auf diese Zahl? Geht es nicht schon viel länger im HSV drunter und drüber? Gefühlt zehn Jahre? Aber egal, wichtig ist, dass solche Aussagen jetzt kommen, denn solche und genau dieser Art hat es beim HSV zuvor nie gegeben. Da wurde immer alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zugedeckt. Obwohl jeder – oder fast jeder – wusste, auf welche gefährliche Art der HSV in Sachen Abgrund geführt wurde. Gernandt sagt auch drastisch: „Wenn man das Tohuwabohu sieht, da kriegt man Hautausschlag.“ Stimmt.


 

Und deswegen wird es Zeit, dass beim HSV die Aufräumarbeiten beginnen. Leider, leider ist bei der Mitgliederversammlung am 25. Mai keiner aus der HSV-Führung aufgestanden und hat mal offen und ehrlich Ross und Reiter genannt, warum es so gekommen ist mit dem Club. Ein Mann hatte es mir Wochen vorher versprochen, dass er Tacheles sprechen wird, dass es mal Butter bei die Fische geben wird – aber die Traute dazu ist ihm dann wohl doch „unterwegs“ auf der Strecke geblieben. Irgendwann, so hoffe ich weiter, wird es aber mal so kommen, dass die Mitglieder über alle die schlimmen Dinge, die da gelaufen sind, aufgeklärt werden. Hoffentlich. Ich kenne nur hartnäckige Gerüchte, aber es gibt ganz sicher Leute, die dazu auch die passenden Unterlagen hätten . . .

 

Seit dem bewussten 25. Mai sind neue Strukturen im HSV beschlossene Sache. 86,9 Prozent der anwesenden Mitglieder haben dafür gestimmt. Bis zum 1. Juli, also in 26 Tagen, darf die „alte“ Club-Führung noch „machen“, dann kommen die neuen Herren. Bis dahin sollte es Hand in Hand gehen, aber geht es das wirklich? Neue Strukturen soll es geben, aber davon ist bislang nichts zu sehen und zu spüren. Im Gegenteil. Es wird genau so weitergemacht, wie bisher. Es wird gewurschtelt. Stefan Schnoor, der ehemalige HSV-Spieler, hat zu diesem Thema ein großartiges Interview im heutigen Hamburger Abendblatt (Seite 26) stehen, das ist die Wahrheit, der „harte Hund“ von einst legt knallhart die Finger in (fast) alle HSV-Wunden. Wer es nicht gelesen hat – es ist wirklich sehr empfehlenswert.

 

Er spricht darin – unter anderem – auch über den AG-Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. Schnoor hätte an dessen Stelle lieber Holger Hieronymus gesehen – und Beiersdorfer als Sportchef. Geht mir ähnlich, sehe ich ähnlich. Ich hätte vor allem sehr gerne gehabt, dass Thomas von Heesen kein Aufsichtsrats-Mitglied ist, sondern im operativen Geschäft mitmischen kann und darf. Sind von Heesen die Hände gebunden, so verschenkt der HSV in meinen Augen ein unglaublich großes sportliches Potenzial. Und ich wiederhole mich gerne: ein unglaublich großes fußballerisches Potenzial.

 

Wobei ich bei einem Lieblingsthema von mir bin: Wo sind Hieronymus, Ditmar Jakobs und Horst Hrubesch, die sich einst für die Initiative „HSVPlus“ engagiert und stark gemacht hatten, denn jetzt eigentlich hin? Ich hatte mir erhofft und vorgestellt, dass mindestens alle drei Herren – möglichst noch mehr aus dieser Kategorie – in einem sportlichen Aufsichtsrat sitzen werden und den Trainer und den Sportchef bestimmen, mit ihnen Hand in Hand arbeiten. Aber so wie es jetzt aussieht, wird daraus ja wohl nichts (mehr). Was ich für äußerst schade halte, denn solche Experten, die zudem nicht auf irgendwelche Pöstchen – vielleicht auch HSV-Gelder – aus sind, stünden dem „Dino“ gerade jetzt sehr gut zu Gesicht. Diese „Ehemaligen“ hätten nicht ihre Eitelkeiten im Volkspark pflegen lassen, sondern sie hätten sich nur zum Wohle des HSV eingesetzt. Schade, schade.

 

Ich habe darüber mit Ditmar Jakobs gesprochen, obwohl er zuerst nicht so recht wollte: „Alles das, was es über den HSV momentan zu sagen gibt, das hat Stefan Schnoor heute im Abendblatt bereits getan – das war sehr, sehr gut, das waren viele sehr richtige Dinge dabei. Er hat es auf den Punkt gebracht. Mehr muss man gar nicht sagen.“ Ich habe trotz allem mal nachgebohrt. Zum Beispiel habe ich gefragt, warum es um ihn so still geworden ist, warum er beim neuen HSV nicht mitmacht? Der ehemalige HSV-Kapitän: „Es war klar, dass ich keine Rolle spielen werde. Klar war auch, dass ich HSVPlus unterstützen würde, weil es für mich die einzige Möglichkeit war, innerhalb des HSV etwas zu verändern. Das war die einzige Möglichkeit, und deswegen bin ich als Unterstützer von HSVPlus aufgetreten. Bis zur Mitgliederversammlung, so war es abgesprochen, so hatte ich es mir vorgenommen.“

 

Ich hatte diese Jakobs-Rolle etwas anders interpretiert, nämlich dass er dem HSV, seinem HSV, auch danach noch helfen würde. „Diesen Weg sind wir bis zum Schluss gegangen, Horst Hrubesch und auch Holger Hieronymus. Damit haben wir das gehalten, was wir vorher versprochen hatten, und wir schießen jetzt auch nicht quer.“ Jetzt soll der HSV und seine neue Führung mal machen . . .

 

Was bislang – wenn überhaupt – nur eingeschränkt funktioniert. Es wird mit Thomas Westphal einen neuen Teammanager aus Hannover geben – von Trainer Mirko Slomka geholt. Marinus Bester geht auf seinen alten Posten zurück – fühlt sich allerdings, das ist zugegeben, pudelwohl dabei. Sportchef Oliver Kreuzer hatte das Geschäft mit Zoltan Stieber (kommt aus Fürth) schon vor Monaten eingefädelt – und zog es jetzt durch. Obwohl es durchaus Widerstände gab – aber dieser Transfer war eben schon zu „alten“ HSV-Zeiten angeschoben worden . . . Zudem hat Kreuzer aus seiner Stadt Karlsruhe (und vom Karlsruher SC) den neuen U-23-Trainer (Nachfolger von Rodolfo Cardoso) Josef Zinnbauer geholt – allerdings auch schon vor dem 25. Mai. Damals machte im Prinzip jeder das, was er machen wollte. Hier kommt ein Freund, da der nächste. So holte einst Thorsten Fink aus Basel seinen ehemaligen Spieler Jacques Zoua. Warum? Das weiß in Hamburg bis heute kaum einer. Es sieht alles eher ein wenig nach Klüngel aus, aber nicht nach Profi-Verein.

 

Dabei war und ist meine ganz große Hoffnung doch die, dass man endlich Schluss machen würde mit dem Selbstbedienungsladen HSV. Dass in diesem Verein endlich einmal so richtig gut gearbeitet wird, dass man es als professionell bezeichnen könnte. Noch scheint es weiter drunter und drüber zu gehen, wie es Karl Gernandt nennen würde. Aber wahrscheinlich muss der neue Rat diese Kröte nun noch (bis zum 1. Juli) schlucken, damit es keinen Ärger gibt. Ärger, der dann womöglich in der Öffentlichkeit ausgetragen werden würde.

 

Das sieht wohl auch Ditmar Jakobs so. „Der HSV hat mit dem 25. Mai eine neue Philosophie bekommen, habe ich jedenfalls gedacht, aber diese Philosophie wird bislang nicht umgesetzt. Alles läuft so weiter wie zuvor. Dabei müssten Leute, die zum HSV kommen, sich dieser Philosophie unterstellen, mit diesem Konzept müssten sie konform gehen. Im Moment ist es so, wie es bislang beim HSV schon seit Jahrzehnten war: Sportchef und Trainer bringen ihre Philosophie durch, nicht die des HSV. Und das kann es nicht sein. Nach ein paar Monaten oder Jahren sind diese Leute weg, dann kommen neue Kräfte – und die bringen dann wieder nur ihre Philosophie durch? Und so geht es immer weiter? Dann kommt der HSV doch nie mehr auf einen grünen Zweig. Deswegen wird es Zeit, dass die Philosophie des Vereins umgesetzt wird, deswegen wurden doch jetzt die neuen Strukturen gewählt. Und wenn Sportchef und Trainer damit nicht einverstanden sind, dann müssen sie die Konsequenzen ziehen.“ Jakobs fügt hinzu: „So, wie es zurzeit noch läuft beim HSV, so darf es nicht laufen, das kann es ganz einfach nicht sein, und wie es anders läuft, das zeigt uns Bayern, das zeigt uns Dortmund. Da ordnen sich alle der Philosophie des Vereins unter.“ Mit großem Erfolg. Und selbst bei Mainz 05 ist es so . . .

 

Ditmar Jakobs wirkt leicht desillusioniert: „Ich finde das schade, dass dieses neue Vorhaben, das ja nun gewählt worden ist, ein wenig verwässert. Wirklich schade.“ Und weiter: „Wir wollten, dass die neuen Leute diesem Verein endlich eine Philosophie geben, dass ein neues Konzept mal über drei bis fünf Jahre umgesetzt wird. Und wenn ich jetzt sehe, wer wen da holt, wer einen Platz im HSV erhält, wer sich auch einen Platz innerhalb des HSV sicher will, dann sehe ich das Konzept schon wieder sehr infrage gestellt. Das finde ich schade. Denn da ist bislang nichts passiert, und meiner Meinung nach ist das noch überhaupt nicht richtig gelaufen.“

 

In der letzten Winterpause wurden mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler vom Trainer geholt, nicht vom Sportchef. So soll es nie wieder laufen – im neuen HSV. Weil Sportchef Oliver Kreuzer bei Trainer Bert van Marwijk keinen Stich landen konnte. Jakobs hat noch ein anderes Beispiel parat: „Diese vier Aussortierten, was wurden die niedergetrampelt innerhalb des HSV. Wer hat damals nicht alles gesagt: ‚Unter meiner Führung spielen die nie mehr, sonst gehe ich . . .’ Und dann? Plötzlich spielten sie alle wieder. Und? Ist deswegen einer von seinem Posten zurückgetreten? Ich habe keinen gesehen. Aber ich weiß nur, dass der HSV ohne diese vier Aussortierten abgestiegen wäre. Das kann doch so nicht gehen. Diese vier Spieler wurden total verdammt, und niemand ist dagegen eingeschritten.“ Auch von „ganz oben“ niemand.

 

Stichwort Philosophie. Ditmar Jakobs sagt: „Das beinhaltet, wie ich mich als Verein in der Öffentlichkeit gebe, wie ich mich innerhalb des Clubs gebe, welches spielerisches Konzept ich habe, welche Spieler möchte ich haben, um dieses Konzept auch umsetzen zu können, wie die Nachwuchsarbeit laufen soll, ob ich vorzugsweise Leute aus der norddeutschen Region haben möchte – all das muss nach außen gekehrt werden. Der HSV muss wieder hanseatisch werden. Und Sportchef und Trainer müssen sich diesem Konzept voll unterordnen.“

 

Ob das alles so gehen wird, wie es sich die neuen Führungs-Herren vorstellen, oder vorgestellt haben? Weil ja doch Männer wie Mirko Slomka und Oliver Kreuzer zu anderen HSV-Zeiten geholt worden sind. Zu Zeiten, in denen der HSV wie ein Kaninchenzüchter-Verein geführt wurde.

 

So, zum Schluss noch etwas Aktuelles vom Tage:

 

Zhi Gin Lam hat heute einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Zweitliga-Club (!) Greuther Fürth unterschrieben – für ungefähr 200 000 Euro Ablöse.

 

Der designierte AG-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer weilte (weilt) heute in St. Petersburg, um seine Freigabe von Zenit zu erreichen. Bislang war nichts aus Russland zu vernehmen, ob diese Visite erfolgreich gewesen ist. Im HSV allerdings geht niemand mehr davon aus, dass dieser Deal noch platzen wird – Beiersdorfer kehrt zurück, ohne wenn und aber. Ich gehe, sonst bin ich da ja ein wenig vorsichtiger geworden, mal ganz mutig von 100 Prozent aus.

 

Dann stand in der „Bild“ eine Meldung, die aufhorchen ließ. Danach steht Hakan Calhanoglu an 13. Stelle der besten Fußball-Talente der Welt. Und dafür will Bayer Leverkusen nur zwölf Millionen Euro zahlen? Ein Witz! Zumal „Hackis“ Vertrag doch noch bis 2018 läuft. Wie es zu gehen hat, das hat Stefan Schnoor (auf Seite 26) heute ebenfalls schon erklärt. Nur so und nicht anders. Denn Leverkusen hat heute gerade seinen Spieler Can an Liverpool verkauft – für zwölf Millionen Euro. Da stimmt doch die Relation nicht, oder liege ich da falsch?

 

Das war es dann für heute in groben Zügen. Wir sind gleich, ich tippe mal auf 18.10 Uhr (auf jeden Fall in der Gegend), mit „Matz-ab-live“ auf Sendung. Unsere Gäste sind „Matz-abber“, mit denen ich über die abgelaufene Saison sprechen werde, über die abgelaufene Mitgliederversammlung, die neuen Strukturen und die neue Saison. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich zusehen könntet.

 

Einen schönen Feierabend wünscht Euch Dieter.

 

17.22 Uhr

Die Abwehr – Saison-Rückblick Teil III

31. Mai 2014

Weiter geht es in Sachen Saison-Rückblick, da müssen wir durch. Auch wenn es erstens wenig Spaß macht, auf die schlechteste HSV-Spielzeit aller Zeiten zurück zu blicken, und zweitens werden so noch einige Dinge aufgefrischt, die wir eigentlich schon vergessen oder verdrängt hatten, die nun wieder gerade vernarbte Wunden wieder aufreißen. Aber es ist ersten Tradition, dass wir zurückblicken, und zweitens war es der Wunsch vieler „Matz-abber“. Das nannte man früher wohl Selbst-Kasteiung – oder so. Schrecklich genug, das alles. Zum Glück ist das Happy end aber bekannt, letztlich ging alles doch noch (halbwegs) gut aus.

So, wir kommen zur Abwehr des HSV. In 34 Spielen sagenhafte 75 Gegentore, diese Zahl macht fassungslos, und sie reicht normalerweise immer zum Abstieg – nur beim HSV nicht.

Das lag diesmal ganz sicher nicht an Nationaltorwart Rene Adler, der bis vor einem Jahr noch der Überflieger im HSV-Tor war – und dann unglaublich stark abbaute. Acht Riesen-Fehler wurden ihm in dieser Spielzeit nachgesagt, ich glaube, dass diese Zahl noch geschönt war. Adler war mit diesen acht Patzern die Nummer eins in dieser schlimmen Statistik, kein Bundesliga-Schlussmann hat mehr große Fehler gemacht. Warum auch immer das so war, kein Mensch hat eine Erklärung dafür. Wahrscheinlich auch Rene Adler selbst nicht, aber er spricht nicht drüber. Fest steht aber, dass ihm diese Patzer um den Start bei der WM in diesem Sommer gebracht haben, wahrscheinlich haben sie sogar dafür gesorgt, dass die anderen junge, sehr talentierten deutschen Torhüter (Leno, Zieler, ter Stegen, Trapp) damit an ihm vorbeigezogen sind, sodass der HSV-Keeper seine Länderspiel-Karriere wohl als beendet betrachten kann.

Für diese Saison kann Rene Adler, der 2013/14 in 30 Erstliga-Spielen dabei war, nur die Note fünf erhalten. Und diese Fünf scheint noch leicht geschönt.

Anders sieht es da bei Jaroslav Drobny aus. In vier Bundesliga-Spielen stand der Tscheche zwischen den Pfosten des HSV-Tores, aber besonders in den beiden Partien der Relegation stellte er sich in überragender Form vor – er wurde der Retter des HSV, keine Frage. Weil Drobny, der sich der (schreibenden?) Presse seit Jahren verweigert, auch als großartiger Kollege in der HSV-Mannschaft gilt, der für tolle Stimmung sorgt, der auch trotz seiner Ersatzspieler-Rolle ein überragender HSVer ist, gebührt ihm für diese Spielzeit die beste Note – eine glatte Eins.

Ohne Bundesliga-Spiel blieb in dieser Saison Sven Neuhaus, dennoch war er ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft. Er gab im Training immer alles, er brachte stets eine Super-Einstellung mit in den Volkspark, er kümmerte sich um die jungen Spieler – und trat stets und überall als Vorbild-Profi auf. Deswegen gibt es für ihn die Note drei. Hat Hamburg inzwischen verlassen, weil der HSV keine Verwendung mehr für seine Nummer drei hatte. Rückkehr aber eines Tages nicht ausgeschlossen.

Lange Zeit war Dennis Diekmeier so schwer verletzt, dass er es nur auf 20 Saison-Einsätze gebracht hatte – ohne Tor. Die Leistungen waren auch durchwachsen, seine Vorstellung im Rückspiel gegen den 1. FC Nürnberg war top, blieb aber einzigartig. Diekmeier wäre für mich ein absoluter Kandidat, der von einem Einzeltraining sehr profitieren würde, aber die große Frage bleibt ja auch in der kommenden Spielzeit die, ob sich der HSV und sein Trainer Mirko Slomka zu Individual-Training „hinreißen“ lässt. Wahrscheinlich würde es helfen, wahrscheinlich würde es auch Dennis Diekmeier helfen – aber ob für so etwas tatsächlich Zeit vorhanden ist? Bis jetzt verdient sich Diekmeier die Note vier. Gerade noch.

An Heiko Westermann scheiden sich die Geister – das hat Tradition. Die Experten (nicht die Journalisten, das bitte nicht verwechseln) schätzen seinen Einsatz und seine Einstellung zum Profi-Fußball und zur Mannschaft. Viele Fans dagegen sind entsetzt über die unzähligen Patzer, die sich der (ehemalige?) Nationalspieler immer wieder mal geleistet hat. Praktisch in jedem Spiel stockte einem gewissen Teil des HSV-Anhanges der Atem, der Rest hatte sich schon dran gewöhnt. Ich, das wird niemanden überraschen, halte nach wie vor zu Heiko Westermann, weil er sich nicht nur während der 90 Minuten voll in den Dienst der Mannschaft stellt. So wie kaum ein anderer in diesem Team. Dass er in dieser Saison ganz besonders viele Stockfehler „drauf“ hatte, ist mir natürlich auch nicht entgangen, aber wie wäre es wohl gelaufen, wenn Westermann nicht, zu Saisonbeginn, bei jeder Ballberührung von den eigenen Fans ausgepfiffen worden wäre? Es kann sich vielleicht nicht jeder vorstellen, denn hier gilt ja auch der Spruch, dass nur die Harten in den Garten kommen, aber solche Fan-Aktionen können gelegentlich den selbstbewusstesten Spieler ein wenig verunsichern. Wie gesagt, hier können sich das nicht alle vorstellen, es kann aber was dran sein. Gegen Ende der 51. Bundesliga-Saison hielt Heiko Westermann, der in 30 Spielen drei Tore erzielte (dabei das Traumtor zum 2:1 gegen Leverkusen), nur deshalb durch, weil er mit Medikamenten „vollgepumpt“ war. Aber er wollte die Mannschaft in dieser schlimmen Situation nicht hängen lassen. Die 88. Minute in Fürth, das gebe ich allen meinen Kritikern zu, werde ich trotzdem bis an mein Lebensende nicht vergessen. Dieser Westermann-Fehlpass auf Azemi – unglaublich, dass der nicht zum Abstieg des HSV geführt hat. Seit dieser Szene glaube ich tatsächlich, dass dieser HSV unabsteigbar ist. Heiko Westermann erhält für seine Saison auch die Note vier – auch bei ihm gilt die Einschränkung: gerade noch.

Er war der Aufsteiger der Hinrunde, und dann gab es für Jonathan Tah einen gewaltigen Knacks in der Karriereleiter. Angeblich sollen Indiskretionen (in den Zeitungen) um seinen Vertrag dazu geführt haben, ich glaube das nicht so ganz. Für mich hatte das schon Geschmäckle, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man dem jungen Mann in diesem harten Abstiegskampf nicht so recht über den Weg traute. Schade eigentlich, denn im Herbst gehörte Tah, der es auf 16 Saisonspiel brachte, stets zu den besseren HSV-Spielern, und deswegen erhält er auch als Note eine glatte Vier.

Einer der „Verbannten“ oder „Aussortierten“ ist Michael Mancienne, der seine Rolle stets klaglos gespielt hat – von ihm gab es kein Aufbegehren, keine verbalen Entgleisungen – nichts, null. Vorbildlich. Mancienne trainierte eisern und ohne zu resignieren, und er wartete geduldig auf seine Chance – obwohl es gelegentlich immer weiter nach unten ging. Wie er das durchgestanden hat, das wird wohl sein Geheimnis bleiben, aber er hat sich durchgebissen. Hut ab! Dass er zuletzt (in immerhin noch zwölf Einsätzen) oft auch eine Stütze des Teams geworden ist, das spricht ebenfalls für ihn, deswegen auch für den Engländer die glatte Vier.

Zu Beginn seiner Hamburger Zeit blieb Johan Djourou fast alles schuldig. Er stand bei Arsenal London unter Vertrag, aber das war nicht zu sehen. Völlig ohne Selbstvertrauen stolperte der Schweizer in den ersten Spielen für den HSV über den Rasen, er war was weitaus größere Risiko als Nebenmann Westermann. Djourou, der 22 undesliga-Einsätze für den HSV schaffte, galt schon fast als Fehleinkauf, bis Mirko Slomka kam. Seit dieser Zeit sehen wir den wahren Johan Djourou, er ist jetzt schon fast ein „Mister Zuverlässig“ geworden – so darf er weitermachen. Deswegen auch für ihn, selbst auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird – Note vier. Weil er sich immens gesteigert hat.

Zu den „Aussortierten“ gehörte Slobodan Rajkovic, der wahrscheinlich selbst nicht mehr an sein Comeback geglaubt hat – aber es kam. Und wie! Auf Anhieb war der Serbe voll da, brachte fast schon wieder die „alte“ Leistung – und zog sich dann einen Kreuzbandriss zu. Mehr Pech geht nicht. Ob er wiederkommen wird – für den HSV? Zu wünschen wäre es ihm. Note vier.

Komisch gelaufen ist die Saison für Marcell Jansen. Er war gesund, er war auch in den meisten Spielen (er brachte es auf 21) gehörte er zu den besseren Hamburgern – bis es dann dieses dumme Länderspiel gegen Chile gab. Noch heute wird ja gerne geschrieben, dass es ein böser Tritt eines Chilenen war, der Jansen schwer verletzt, aber es war, er hat es mir einst in er Talkrunde von Sky gestanden, ein Fehltritt von ihm selbst. Er wollte den Ball mit dem Außenrist spielen, trat auf die Kugel und knickte böse um. Diese Verletzung warf ihn für Wochen aus der Bahn – und letztlich auch aus der WM in Brasilien. Ganz bitter gelaufen. Noch immer ranken sich die Gerüchte um Mönchengladbach, dass Marcell Jansen im Sommer zu seiner Borussia zurückkehren wird. Ende offen – würde ich sagen. Bis dahin gilt, dass ich Jansen für diese Saison die Note drei gebe.

Innenverteidiger waren oder sind seine große Liebe, die von Thorsten Fink. In der Vor-Saison mussten es acht sein, in dieser waren es sieben. Deswegen wurde Lasse Sobiech noch von Borussia Dortmund geholt. Zehn Einsätze und ein Tor stehen in der Bilanz des ehemaligen St.-Pauli-Profis, aber einen Stammplatz konnte er sich in keiner Phase der Saison erkämpfen – da muss noch viel, viel mehr kommen. Deswegen nur Note fünf.

Auf Verteidiger getrimmt wurde Zhi Gin Lam (von Trainer Fink). Lahm und Lam, da war doch was. So richtig wohl aber fühlte sich der „kleine“ Lam in seiner Rolle nie, er brachte es auch nur auf neun Spiele (ein Tor) und dürfte in der kommenden Saison sein Glück wohl auch etwas weiter vorn versuchen wollen – vielleicht sogar nicht mehr beim HSV? Note fünf für den jungen Mann, der wohl nur aus namenstechnischen Gründen auf die Verteidiger-Position gezwungen worden war.

So, das war die Abwehr. Ziemlich viel die Note vier, aber das spricht vielleicht auch etwas für die These, dass ein gutes Abwehrverhalten schon ganz vorne beginnt. Und mit Sicherheit hat auch die Arbeit des Mittelfeldes damit zu tun – aber dazu kommen wir ja auch noch.

Einfach mal nur HSVer sein

12. Mai 2014

Alle fahren in den Urlaub – nur wir nicht. Fürth statt Badestrand. Oder schlimmer noch: Erst die D-Elf gegen Polen und dann noch zweimal Relegation gegen Fürth – ein Zusatz zur Saison, den ich mir tatsächlich gern erspart hätte, den wir aber dennoch als Glücksfall ansehen müssen, da nach dem Saisonverlauf noch deutlich Schlimmeres zu befürchten war. Und leider noch ist…

Denn noch haben wir tatsächlich nichts überstanden. Ich habe mir am Sonntag die Zweite Liga angeschaut und dabei immer zwischen Paderborn und Fürth gewechselt. Einzig Dresden vs. Bielefeld konnte mich zwischendurch mal ablenken – aber nur kurzweilig. Denn ich wollte mir einen Überblick über den möglichen Gegner verschaffen, soweit das mit einem Spiel zu machen ist. Und ich behaupte, dass Fürth nicht die spielerische Qualität des HSV hat. Ob wir der klare Favorit sind? Normalerweise schon. Fürth hat nicht mehr Qualität als beispielsweise Braunschweig, die dem HSV spielerisch unterlegen waren und sind. Allerdings bin ich mir sicher, dass Fürths Motivationsfaktor nicht weit hinter dem der Niedersachsen anzusiedeln ist – und das hat dem HSV ein 2:4 eingehandelt. Also: Normal zu prognostizieren ist diese Saison leider nichts. Ob der HSV drin bleibt? Ja. Daran glaube ich noch immer. Und dennoch werde auch ich am Ende nicht wissen, warum genau wir es geschafft haben.

Aber das kann dann auch egal sein, sofern an den richtigen Stellen angesetzt wird – also überall. Denn dieser Verein braucht tatsächlich eine Kernsanierung. Strukturell wie personell. Denn wer glaubt, dass es mit der Wahl von HSVPlus am Sonntag getan ist, der irrt. Das ist lediglich der zwingend notwendige erste Schritt auf einem völlig überflüssig lang gewordenen Weg. Und ganz ehrlich: Alles, was anders ist als das Jetzt ist sowieso erst einmal besser.


Ganz sicher auch eine Rückholaktion der Marke Beiersdorfer. Denn der ehemalige Sportchef gilt als sehr fleißig, sehr gut vernetzt und geht als echter HSVer durch. Er lebt Identifikation vor und kann diesem HSV wieder etwas Pathos vermitteln. Aber die Konstellation mit Jens Lehmann als Sportchef und ihm als Vorstandsvorsitzenden kann ich mir dann doch nur schwer vorstellen. Dafür ist Beiersdorfer zu sehr Gestalter und zu wenig Verwalter, geschweige denn Repräsentant. Und andersrum ist ein Lehmann ganz sicher kein Mann der zweiten Reihe, was das Modell der Bayern (Rummenigge und Sammer arbeiten Hand in Hand und der Vv entscheidet im Zweifel) eher unwahrscheinlich macht.

Und nur um das klarzustellen: Beiersdorfer wäre für den HSV aus meiner Sicht eine Verstärkung, wie sie in den letzten vier Transferperioden nicht mehr vorkam. Aber nur dann, wenn er am richtigen Wirkungsort eingesetzt wird. Und das kann in meinen Augen nur in der sportlichen Leitung sein – nicht auf irgendwelchen Roten Teppichen, in Talkshows oder bei Sponsorenveranstaltungen. „Didi macht lieber viel, als zu viel zu reden“, hatte einst der ehemalige AR-Boss Udo Bandow sehr passend zusammengefasst – und das ist noch immer so. Und es ist Zukunftsmusik. Gegenwärtig wichtiger sind die Spiele am Donnerstag in der Imtech-Arena und am Sonntag in Fürth. Beide Spiele sind bereits binnen weniger Stunden ausverkauft gewesen.

Heute beim lockeren Montagstraining waren fast alle Spieler dabei. Es fehlten lediglich die Langzeitverletzten Rajkovic, Beister, Lam sowie Zoua, die allesamt nicht mehr mitwirken können. Und sinnbildlich für die Bedeutung des Saisonfinales war heute auch Heiko Westermann wieder dabei. Der Mann, der gegen Mainz einen Aussetzer hatte und dennoch bei Trainer Mirko Slomka höchstes Ansehen genießt. „Heiko ist ein Vorkämpfer. Er weiß, worauf es ankommt“, sagte Slomka zuletzt und ließ seine medizinische Abteilung wissen, dass sie alles machen soll, was in ihrer Macht liegt, um Westermann trotz etlicher Wehwehchen die letzten zwei Spiele noch mitmachen zu lassen.

Dem Vernehmen nach soll Westermann bereits seit Wochen massiv angeschlagen sein auf die Zähne beißen. „Es sind noch zwei Spiele in den nächsten sechs Tagen“, sagt Westermann, „da fällt es wohl keinem schwer, noch mal richtig zu beißen und sich hintenanzustellen. Zumal wir danach lange vier Wochen Pause haben.“ Zudem sei die Aussicht, diese Saison doch noch als Erstligist zu beenden, Entschädigung genug. Westermann: „Als Erstligist heilen Wunden im Urlaub sicher noch einen Tick schneller, das stimmt.“

Und Westermann ist nicht der einzige Spieler, der beißt. Auch ein Rafael van der Vaart gibt zum Saisonabschluss noch mal alles. Das reicht konditionell ob des hohen Aufwandes dann zumeist nur noch für 60 Minuten, aber auch das ist wichtig. „Trotz der Niederlage war unsere Ausstrahlung – auch nach innen – in Mainz wieder sehr gut. Und das muss auch gegen Fürth so sein. Da müssen wir allen von der ersten Sekunde an zeigen, dass wir Erstligist und Fürth Zweitligist ist. Und vor allem: Dass das auch so bleibt.“

Und Westermann weiß, wovon er spricht. „Ich hatte irgendwie eine Vorahnung, dass es so kommt und habe schon in den letzten Wochen Fürth immer etwas genauer beobachtet als andere Mannschaften.“ Selbst beim Auftritt der Spielvereinigung beim FC St. Pauli war er live vor Ort. „Fürth hat eine gute Mannschaft mit zwei Stürmern, die ganz sicher Bundesligaformat haben. Da müssen wir aufpassen“, warnt Westermann vor den „Wahnsinnsspielen“ wie er die Relegation nennt. „Wir haben wochenlang darauf hingearbeitet, dass wir mindestens die Relegation schaffen – und jetzt wollen wir diese kuriose Saison wenigstens mit dem Minimalziel Klassenerhalt abschließen.“

Personell sieht es zumindest so gut aus, wie es aussehen kann. Immerhin hat der HSV wieder Alternativen auf der Bank, um das Spiel bei schlechtem Verlauf noch mal zu verändern. Wer heute das Spielchen der Reservisten gesehen hat, der wird mir zustimmen. Marcell Jansen war auffällig stark. Ebenso wie Ivo Ilicevic, Kerem Demirbay und auch Tolgay Arslan. Wobei ich mir relativ sicher bin, dass Slomka am Donnerstag wieder mit Jansen statt Jiracek beginnt und auch Ilicevic gute Chancen haben dürfte, als Offensivspieler im Heimspiel für den deutlich defensiver orientierten Rincon in die Startelf zu rutschen.

Egal wie, irgendwie habe ich die ganze Zeit nur einen Satz im Kopf: „Augen zu und durch.“ Ich will eigentlich gar nicht mehr schreiben oder darüber sprechen, warum hier was wie ist. Da gibt es fast nichts mehr, was keine Wiederholung wäre. Nein, ich will einfach nur noch den Super-GAU abgewendet wissen und dann mit aller Kraft den Neuanfang wagen. Mit einer neuen Struktur und mit neuen Verantwortlichen. Auf und neben dem Platz.

Also, halten wir alle noch mal so zusammen, wie es sich den HSV die letzten Jahre immer wieder ausgezeichnet hat und wie es sich für den HSV gehört. Scheißegal ob als so genannter „Plusser“ oder auch nicht. Wenn sich die Spieler schon fitspritzen lassen, dann sollten wir doch allemal den Schneid haben können, auf der Tribüne eine Einheit zu bilden. Ohne dämliche Plakate und drastische Polizeieinsätze. Einfach nochmal sechs Tage zusammenstehen. Einfach mal nur HSVer sein.

Ich glaube daran.

Scholle

“Sonnabend stehen Spieler mit Herz auf dem Platz”

17. April 2014

Es wird wirklich Zeit, dass wieder gespielt wird. Denn alles, was gesagt wird, wiederholt sich. Und während ich eine Mischung aus gelangweilt und genervt bin, gibt sich Trainer Mirko Slomka unvermindert optimistisch und voller Tatendrang. Ob das wirklich seinem aktuellen Gemütszustand entspricht, vermag ich nicht zu sagen. Aber das ist auch egal. Immerhin agiert der Trainer weiter als Vorreiter in Sachen Wille und Kampfgeist. Als verbaler Antreiber – wie am Anfang der Woche. Da hatte Slomka den Spielern ihre Fehler aus dem Hannover-Spiel vorgehalten und Lösungen aufgezeigt. Und die Ansprache hat Wirkung gezeigt. „Man spürt sofort, wie das ankommt“, sagt Slomka und versichert, dass die Mannschaft „eine Reaktion zeigen will“. Und das muss sie auch. Denn das Spiel gegen Wolfsburg ist nicht nur so genannt ein Endspiel. Insbesondere mit Blick auf die Auswärtsschwäche des HSV und der Tatsache, dass nach dem VfL nur noch die Übermannschaft des Rekordmeisters aus München zu Gast ist.

Nicht helfen können weiterhin Zhi Gin Lam, Slobodan Rajkovic und Marcell Jansen, wobei bei Letztgenanntem der Heilungsprozess nach der Knöchel-Operation deutlich schneller voranschreitet als eingeplant. „Marcell ist sehr weit und deutlich vor seinem Plan. Unser Ziel ist, dass Marcell in der kommenden Woche schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigt und uns anschließend gegen Augsburg schon zur Verfügung steht“, hofft Trainer Mirko Slomka auf eine Rückkehr des Nationalspielers, der seinerseits noch sportliche Nachweise erbringen will, weshalb ihn Bundestrainer Joachim Löw mit zur WM nehmen muss.

Keine Empfehlungen für seine Nominierung konnte zuletzt Rafael van der Vaart erbringen, der gegen Wolfsburg definitiv ausfallen wird, nachdem er heute nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Dafür wirkten heute schon Milan Badelj und Heiko Westermann auf dem Trainingsplatz am Ball mit. Noch separat mit Rehatrainer Markus Günther – aber beide sollen am Sonnabend mitwirken können. „Wir kämpfen mit allen Mitteln darum, sie dabei haben zu können.“

Fit ist definitiv die positive Überraschung – nein: die größte Freude der Saison, Hakan Calhanoglu. Der 20-Jährige hat seine leichte Rachenreizung auskuriert und wirkt topfit. „Ich bin gut drauf, fühle mich gesund und fit“, sagt der letzte Hoffnungsträger in der Offensive nach Lasoggas voraussichtlichem Saisonaus. Dass durch das Fehlen des Topstürmers sowie die Verletzung vom eh formschwachen Rafael van der Vaart viel Verantwortung auf seinen Schultern lastet, stört Calhanoglu nicht. „Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen. Klar spüre ich Druck, weil alle Augen plötzlich auf mich gerichtet sind. Aber ich lasse das gar nicht zu nahe an mich heran.“ Wie? Ganz einfach: Nicht nachdenken. „Und das ist eine meiner Stärken“, so Calhanoglu, „auf dem Platz mache ich mir einfach keine Gedanken.“ Okay, das klingt witzig, aber wir alle wissen wohl, wie Hakan Calhanoglu das meint.

Ebenso oft wie die Aussprache seines Nachnamens (Hakan selbst: „Dschall-anol-lu“) habe ich zuletzt über die Bedeutung des Deutsch-Türken für den HSV diskutiert. Denn klar ist, dass Calhanoglu in dieser Saison einer der wichtigsten Spieler für den HSV ist. Und ich persönlich werte das als Zeichen für die mangelnde Kaderzusammenstellung. Denn bei allem Respekt vor dem Leistungsvermögen des besten Freistoßschützen seit Ewigkeiten im HSV, eigentlich darf das nicht so sein. Der normale Verlauf wäre, dass sich Calhanoglu in seiner ersten Bundesligasaison an einem Weltklassemann wie Rafael van der Vaart orientiert und in der Liga etabliert.

Dass er dabei immer wieder mit Geniestreichen glänzen kann – logisch! Das ist absolut erwünscht und erhofft. Und das macht er auch. Aber dem 20-Jährigen jetzt schon die Rolle eines Leaders in der vielleicht schwierigsten Situation der HSV-Historie zuzugestehen ist allemal gefährlich. Denn wer weiß schon, wie stabil dieser junge, angehende Bundesligastar wirklich ist. Und nur zum Verständnis: Ich rechne es Hakan groß an, dass er sich der Verantwortung stellt und sie annimmt. Ich behaupte aber auch, dass er die Folgen selbst nicht absehen kann und sehe darin eine große, unnötige Gefahr.

Aber okay, bislang sind es zum Glück noch mehr die Hoffnungen denn die Erwartungen der Fans, dass Calhanoglu den HSV rettet. Um den Jungen zu schützen, erwähnt Slomka auch immer wieder die Bedeutung von Spielern wie Rene Adler („In absoluter Topform“), Heiko Westermann und Milan Badelj. Selbst van der Vaart wird der Trainer nicht müde, starkzureden. Und das ist auch gut so. Alternativlos – wie ich dem gestrigen Blog angemessen sagen würde… 😉

Für mich auch ein Hoffnungsträger: Ivo Ilicevic. So bitter das ist, einen so verletzungsanfälligen Spieler als Strohhälmchen zu nehmen, der Kroate hat wenigstens das Potenzial, vorn für Gefahr zu sorgen. Und das gegen die zweifellos anfällige Defensive der offensiv im Gegenzug umso stärkeren Wolfsburger. „Im Offensivbereich ist Wolfsburg extrem besetzt“, lobt Slomka, „aber in der Rückwärtsbewegung sind sie anfällig.“ Wer das nutzen soll? Natürlich: Hakan Calhanoglu: „Er sucht die Entscheidung“, frohlockt Slomka, der gegen Wolfsburg voraussichtlich Petr Jiracek wieder auf die Bank setzen wird, da für den Linksfuß nach der Rückkehr von Westermann und Ilicevic auf links sowie Badelj zentral kein Platz mehr zu sein scheint. Es sei denn, Calhanoglu (über Außen finde ich ihn deutlich wirkungsvoller) oder Tolgay Arslan rücken ins Zentrum hinter die einzige Spitze Jacques Zoua. Wobei Letztgenannter im Training im Moment alles schuldig bleibt, was er zuletzt hatte erhoffen lassen. Aber, da ist wieder mein Lieblingswort, Zoua ist eben alternativlos…

Und bevor ich hier wieder anfange, die beschwörenden Sätze gelobter Besserung seitens der Spieler zu wiederholen, will ich diesen Blog mit der Hoffnung beschließen, dass Slomka das richtige Gespür für seine Mannschaft hat. Denn der HSV-Trainer, der wieder die Bedeutung des Zusammenspiels von Mannschaft und Fans betonte („Unser zwölfter Mann ist entscheidend“) betonte, sieht seine Mannschaft in einem Reifeprozess: „Die Analyse hat Wirkung gezeigt. Ich werde der Mannschaft verdeutlichen, dass jedes Spiel ein Endspiel ist und es immer weiter geht. Egal, ob wir gerade mal erfreut oder enttäuscht sind. Und das bis zum Rest der Saison. Angefangen mit dem ersten Sieg des HSV in einem Samstagabend-Topspiel mit Typen auf dem Platz, die das vom Herzen her können und wollen. Denn man kann merken, dass die Mannschaft den letzten Eindruck am Sonnabend wieder umdrehen will.“

Ich kann es nur hoffen. Denn es ist so verdammt wichtig. Es ist sogar alterna… – nein, das schenke ich mir. Ihr wisst ja, was ich meine…

Bis morgen. Da wird übrigens ob des Fanmarsches der Supporters nicht wie geplant unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. „Wir freuen uns über den tollen Zuspruch unserer Anhänger“, so Slomka, „da wollen wir sie nicht aussperren.“

Also, kommt hin. Ich werde da sein.

Scholle

Slomka: “Es war eine harte, ehrliche Analyse”

15. April 2014

Mirko Slomka ist weiter auf Fehlersuche beim HSV. Wobei das meiner Meinung nach keine echte Suche ist. Immerhin sind es so viele Fehler, die Woche für Woche einlaufen, ohne dass man suchen muss. Nach guten folgen schlechte Spiele. Und das immer und immer wieder. Einzige Ausnahme ist, wenn es mal ein paar mehr schwache Partien in Folge sind. „Zwei Siege nacheinander hatten wir in dieser Saison noch nicht“, sagt Slomka, „und das sagt schon so einiges aus.“ Konstanz ist ein Fremdwort – aber notwendig im Abstiegskampf. Das betonen die Spieler, das weiß Slomka. „Wir waren alle enttäuscht, teilweise waren wir auch ein bisschen schockiert. Für den Moment zumindest. Aber gleich in der Nacht darauf haben wir uns darum gekümmert, eine entsprechende Analyse für die Mannschaft zusammenzustellen. Ich wollte allen sehr deutlich machen, worum es geht und was gefehlt hat, um zu gewinnen“, sagt Slomka (siehe folgendes Interview).

Die unerklärliche Darbietung in Hannover – heute wird sie noch aufgearbeitet – ab heute Abend zählt allein der VfL Wolfsburg. Und um sich besser auf die Niedersachsen vorzubereiten, empfahl Slomka seinen Akteuren, sich das Pokalspiel live anzuschauen. Aber Slomka legt auch Wert auf lückenlose Analysen und führte dafür etliche Einzelgespräche – weitere sollen folgen. „Ich glaube schon, dass wir uns mittlerweile alle im Klaren sind, in welcher Situation wir uns befinden. Auch, was es bedeutet, so ein Spiel wie zuletzt mit dem tollen Tor von Heiko zu gewinnen. Der ganze Zuspruch von außen, die Lautstärke, die Euphorie“, sagt Slomka und wundert sich über die zu kurze Halbwertzeit solcher Erfolgserlebnisse: „Diese Euphorie – und trotzdem ist dann in Hannover etwas abgelaufen auf dem Platz, was uns am Ende zehn Kilometer weniger laufen ließ und dazu führte, dass wir nur die Hälfte der intensiven Läufe, die Hälfte der Sprints gemacht haben“, so Slomka, der die Analyse öffentlich wie gewohnt moderat ausführt, intern aber lauter geworden sein soll.

Weil er genauso wenig wie wir nachvollziehen kann, dass eine Mannschaft plötzlich so abtaucht. „Man kann ganz genau erkennen, was für ein positives Ergebnis das gibt, wenn man viel mehr läuft als der Gegner. 2:1- Sieg und in allen Laufstatistiken besser – und dann in Hannover genau das Gegenteil mit 109 Kilometern. Das ist es, was uns die Fragezeichen in die Augen treibt. Aber das mussten wir den Spielern aufzeigen. Und deshalb war es intern eine sehr deutliche, sehr klare Analyse. Sie war in der Ansprache nicht positive, war gerade, persönlich und hart.“

Zuckerbrot und Peitsche – Slomkas Prinzip für diesen HSV. Zumindest ist Slomka weiterhin bemüht, den Schulterschluss mit der Mannschaft zu halten. „Ich habe nicht mit dem Lehrerstock auf den Tisch gehauen, sondern ich muss die Spieler mitnehmen und ihnen zeigen, was genau gefehlt hat, wo sie einen Meter zu wenig gemacht haben. Es geht nicht nur darum, Spieler auf dem Platz zu haben, die wissen, worum es geht. Wir müssen auch Leute auf dem Platz haben, die wissen, wie es geht.“

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Stimmt. Aber die hat der HSV momentan nur bedingt. Heute meldete sich zudem noch Hakan Calhanoglu ab. Der zweitbeste HSV-Torschütze klagt über Halsschmerzen und bekam präventiv Ruhe sowie einige Medikamente verschrieben, um für Sonnabend wieder komplett hergestellt und einsatzbereit zu sein. Gleiches will auch Milan Badelj. „Es fühlt sich ganz gut an“, freute sich der Kroate heute nach dem Lauftraining mit Rehatrainer Markus Günther. Allerdings wollte er noch keine Prognose abgeben. „Das ist zu früh“, so Badelj, der am Mittwoch die Laufintensität steigern und am Donnerstag langsam wieder mit dem Ball arbeiten soll. „Er will unbedingt wieder spielen“, sagt Slomka, „und er ist für uns auch immens wichtig. Aber wir müssen vorsichtig sein, da wir ihn auch in den anderen drei Spielen noch brauchen werden.“

Dennoch hat Slomka noch eine kleine Resthoffnung, den Kroaten am Sonnabend wieder auf der Sechs zu haben. Zumal die Doppelsechs mit Tomas Rincon und Tolgay Arslan gegen Hannover komplett fehlschlug. „Die beiden haben kein gutes Spiel gemacht“, so Slomka, der in dieser Woche erstmals auch Kerem Demirbay Chancen einräumt, wieder zum Kader zu gehören. „Kerem ist heiß und wir werden uns das in den nächsten Tagen genau ansehen“, so Slomka, der auf Ouasim Bouy („Schade, weil er bissig wirkte und sich näher herangearbeitet hat“) verzichten muss. Der Winterzugang war im Training ausgerutscht und hatte sich dabei am Knöchel verletzt. Wie lange er ausfällt, ist offen. Wieder gut im Saft ist Ivo Ilicevic. Zumindest heute im Training.

Ebenso wie die Rückkehr von Rafael van der Vaart. Der HSV-Trainer: „Wir haben einige Fragezeichen. Beim Kapitän Rafael van der Vaart wird es sehr eng mit einer Zerrung in der Wade. Werden alles versuchen, und er kann auch Schmerzen ertragen“, hofft Slomka, „aber für das Spiel am Sonnabend kann ich seinen Einsatz nahezu ausschließen.“ Besser sieht es dagegen bei Heiko Westermann aus. „Bei ihm wird es von Tag zu Tag besser, er wird behandelt und beginnt am Mittwoch mit Lauftraining, um ihn am Sonnabend wieder auf dem Platz zu haben.“

Fehlen wird definitiv Pierre-Michel Lasogga. Der Toptorjäger mit der rätselhaft langwierigen Verletzung weilt momentan in Gelsenkirchen, nachdem er sich in München bei Dr. Müller-Wohlfahrt hatte untersuchen lassen. Weswegen einer der Schlüsselspieler sich nicht in Hamburg untersuchen lässt, erschließt sich mir nicht. „In Gelsenkirchen ist er bei seiner Familie und kann mal so richtig abschalten“, hofft Slomka auf seelische Entspannung bei seinem Toptorjäger. „Klar ist auch, dass emotionale Anspannung den körperlichen Zustand beeinflusst“, so der studierte Pädagoge. Wann Lasogga wieder eingeplant werden kann? „Das wird sicher noch nicht in der kommenden Woche, aber vielleicht in der Woche darauf.“ Dann gegen Bayern München – hofft Slomka.

Am Mittwochmittag indes wird es erstmal wieder politisch. Denn da stellt die Initiative HSVPlus seine personellen Vorschläge für den Fall einer Dreiviertelmehrheit am 25. Mai für ihre Strukturreform vor. „Wir werden unsere Liste per Pressemitteilung veröffentlichen und uns anschließend wieder zurückziehen“, sagt Initiator Ernst-Otto Rieckhoff, „damit wir uns alle sofort wieder auf das Spiel am Sonnabend gegen Wolfsburg konzentrieren können.“ Nicht auf der Liste potenzieller Amtsträger wird überraschenderweise Holger Hieronymus sein. Der sagt unmittelbar vor der Präsentation ab. „Ich kannte seine Entscheidung schon länger und war nicht überrascht“, sagt Rieckhoff. Dass mit Hieronymus der wohl namhafteste Kandidat bislang von der Liste gestrichen wird, stört Rieckhoff nicht. Sagt er. „Holger wird zwar kein Amt übernehmen, aber sich weiterhin intensiv für HSVPlus einsetzen.“ In den nächsten Wochen seien schon fünf, sechs gemeinsame Termine bei Fan-Clubs angesetzt.

Bislang ist tatsächlich relativ wenig durchgedrungen, was die Kandidaten von HSVPlus betrifft. Peter Nogly, Kühne-Attaché Karl Gernandt und Thomas von Heesen scheinen gesichert, ansonsten wird wild spekuliert – was ich hier sein lassen werde. Allerdings konnte die Liste auch deshalb so lange geheim gehalten werden, weil sich selbige erst spät herauskristallisiert hat und der eine oder andere Wunschkandidat (unter anderem auch Hieronymus) letztlich doch nicht für ein Amt beim HSV begeistert werden konnte. „Ich habe nie gesagt, dass ich ein Amt übernehmen will und bin überrascht, dass andere überrascht sind“, sagt Hieronymus selbst. Dass er nicht für den Aufsichtsrat kandidiert, um letztlich von selbigem als Vorstand bestimmt zu werden, ließ Hieronymus („Ich will keine Diskussionen befeuern, wir brauchen Ruhe für den sportlichen Bereich“) unkommentiert. Und Rieckhoff versprach: „Es werden einige Überraschungen dabei sein.“ Ich warte es ab. Morgen um elf soll es soweit sein.

Bis dahin! Um zehn Uhr wird trainiert, was das Wichtigste an diesem Tag sein dürfte. Trotz der Infoveranstaltung am Abend im Grand Elysée. In diesem Sinne: Das Sportliche voranstellen ohne die anschließend zwingend notwendigen Veränderungen aus dem Blick zu verlieren – nur so kann es funktionieren.

Scholle

Jakobs: “Aus der Not eine Tugend machen”

7. März 2014

„Davon lassen wir uns nicht blenden. Der HSV hat ein großes Potenzial, egal ob da nun gegen uns einige Spieler ausfallen sollten. Bei uns fallen auch einige wichtige Spieler aus. Der HSV wollte zu Beginn dieser Saison einen Platz in der Europa League, die wussten schon, warum. Das ist eine Mannschaft, die erstklassig besetzt ist, egal ob da einige fehlen – oder auch nicht. Natürlich haben die Hamburger nicht damit gerechnet, dass sie nun im Abstiegskampf stehen, aber das haben sie in Stuttgart auch nicht. Jetzt ist es so, und sie müssen die Situation annehmen. Wir werden auf jeden Fall hoch konzentriert in dieses Spiel gehen, denn wir wollen etwas aus Hamburg mitnehmen.“ Das hat Armin Veh gesagt, der Frankfurter Trainer, der sich natürlich bestens auskennt mit dem HSV. Immer noch, denn so lange ist es ja noch nicht her, dass er hier tätig war. Genau vom Juli 2010 bis März 2011. Auf die Frage, ob Armin Veh immer bestens informiert sei über die Verletzten-Misere in Hamburg, ob er immer wisse, wer nun noch beim HSV ausfällen würde, antwortete Veh wie es für Veh typisch ist: „Ich habe eine Standleitung zu Mirko, der informiert mich sofort, wenn wieder einer seiner Spieler nicht gegen uns spielen kann . . .“ Gelächter. Auch vom Eintracht-Trainer selbst.

Dabei ist diese Partie alles andere als spaßig. Es geht ja für beide Clubs (!) ums nackte Überleben. Allerdings steht dem HSV das Wasser deutlich höher bis zum Hals, und irgendwie passt es zur derzeitigen Lage, dass es so viele Verletzte gibt wie seit Jahr und Tag nicht mehr. Ich habe kürzlich, vor dem Chile-Länderspiel, von einem Dortmunder Nationalspieler gehört, dass kein anderer Bundesliga-Club in dieser Saison ein so großes Verletzungspech gehabt hat, wie der BVB, und da dachte ich im Stillen schon: „Dann, mein Junge, dann hast du den HSV nicht auf dem Zettel . . .“ Mehr Pech geht doch gar nicht. Der HSV hatte schon oft eine solche schwierige Phase zu durchleben, wenn ich mich recht erinnere, dann war es auch in der Ära Thomas Doll ganz, ganz haarig. Im Herbst 2006 musste er in Moskau mit dem allerletzten Aufgebot spielen – in der Champions League! Mir tat der Trainer damals leid, letztlich denke ich heute noch, dass Doll an dieser Verletzungs-Misere gescheitert ist.

Schlimm war es auch weit vor dieser Zeit. Im September 1989, als Willi Reimann HSV-Trainer war. Am 20. September trat der HSV im Nordderby gegen Werder Bremen an – vor 14 000 (!) Zuschauern im Volkspark. Die meisten Fans werden dieses Spiel allein deswegen in Erinnerung haben, weil sich damals Ditmar Jakobs so schwer verletzte, dass er seine großartige Karriere beenden musste. Vor diesem Werder-Spiel hatten die meisten in Hamburg einen riesigen Bammel, denn beim HSV fehlten Stammspieler wie Dietmar Beiersdorfer, Hans-Werner Moser, Sascha Jusufi, John Jensen, Nando und Oliver Bierhoff. Reimann musste auf Jünglinge wie Jörg Bode und Holger Ballwanz bauen, auf der Bank saßen Ralph Jester und Oliver Geier, die noch kein Bundesliga-Spiel bestritten hatten. Als sich „Jako“ in der 14. Minuten so schwer verletzte (er hing im Karabinerhaken des Tores vor der Ostkurve fest), kam Jester als Ersatzmann – es blieb der einzige Bundesliga-Einsatz des ehemaligen Jugend-Nationalspielers. Und dennoch, trotz des personellen Dilemmas, siegte der HSV am Ende 4:0 gegen die Bremer, die Tore erzielten damals Armin Eck, Ballwanz, Thomas von Heesen und Bode. Ausgerechnet Ballwanz und Bode, die Nobodys, trafen! Zur Nachahmung empfohlen – zum Beispiel morgen, gegen Eintracht Frankfurt.

An das damalige Spiel im September 89, sein letztes überhaupt, kann sich Ditmar Jakobs noch genau erinnern. Auch die prekäre Personal-Situation – vor dem brisanten Derby.

Jakobs sagt rückblickend: „Die Saison 1989/90 war auch, wie heute, sehr schwierig für den Club. Damals ging vieles schief, es gab üble Verletzungen und etliche Ausfälle. Aber wir wussten damals schon recht früh, dass es um die Existenz gehen würde und haben diesen Kampf angenommen. Obwohl wir mit Armin Eck, Thomas von Heesen, Sascha Jusufi und Harald Spörl, um nur einige zu nennen, fußballerisch durchaus Potenzial hatten. Dass ich dann nach dem Spiel gegen Bremen und dem Unfall ausfiel, hat die Mannschaft damals eher noch ein wenig beflügelt, wenn man das so sagen darf. Wir sind dadurch enger zusammengerückt – ansonsten hätten wir die Klasse nicht gehalten.“

Dann fügt der frühere Nationalspieler noch hinzu: „Manchmal sind es die hoffnungslosesten Situationen, in denen große Mannschaften geboren werden.“

Ach, Ditmar, wenn es doch nur wahr werden würde . . .

Zur heutigen Misere sagt der große Kämpfer von einst: „Das Verletzungspech ist momentan schon arg, zugegeben, aber die Mannschaft kann die Situation auch ins Positive verkehren, und daraus eine Tugend machen. Jetzt kann sie sich den nötigen Zusammenhalt für den Abstiegskampf holen, wenn sie die Situation annimmt und fit ist. Ab jetzt gehen alle Spiele nur noch über den Willen. Und Erfolge bringen den Glauben zurück. Eine tolle Mischung, die sich die Mannschaft hart erarbeiten muss.“

Abstiegskampf bis zuletzt. Darauf läuft es hinaus. Hoffentlich. Nicht dass der HSV nun in den kommenden Wochen frühzeitig absackt und ganz ans Tabellenende rutscht und dann vorzeitig abgeschlagen ist. Ditmar Jakobs meint zur Lage der Rothosen: „Das wird eine ganz, ganz harte Saison für uns. Gegen Schalke wurde Jo-jo mit uns gespielt, und auf der Tribüne hatten nicht wenige Fans oder Ehemalige Angst, dass die Mannschaft nicht fit genug ist für den Abstiegskampf. Aber das scheint der Trainer ja ähnlich zu sehen, wenn er nun härter trainieren lässt.“

Diese Angst begleitet den HSV ja schon seit geraumer Zeit. Wobei ich extra das Wort „geraumer“ genommen habe, denn das ist ja relativ. Aber es haben sich eben über lange Strecken viele Altmeister Gedanken über die körperliche Verfassung gemacht – Ditmar Jakobs dazu: „Abstiegskampf ohne Fitness funktioniert ebenso wenig wie allein übers Spielerische den Abstiegskampf meistern zu wollen. Keine Mannschaft darf sich nur auf ihr Talent verlassen. Im Gegenteil: Genau darin steckt die größte Gefahr. Es muss beides da sein. Und die Fitness ist die Basis für alles.“

Fitness ist ein Punkt, Technik ein anderer. Das Spielerische ist ebenso wichtig, das weiß auch Trainer Mirko Slomka, der sicher ist: „Es ist jetzt sicher Kampf gefragt, aber nur Kampf wäre zu wenig, es gehört auch dazu, dass wir Fußball spielen.“ Natürlich. Versucht wurde das ja auch oft genug, aber oft genug hat es ja genau daran gehapert. Ditmar Jakobs sagt: „Diese HSV-Mannschaft hat keinen Vorarbeiter. Aber sie hat einige, die es sein könnten – wenn sie denn körperlich austrainiert und topfit sind.“

Ja, es sind viele Fehler in der Vergangenheit gemacht worden, auch ein ganz großer (oder riesiger) bei der Zusammenstellung dieses Kaders. Gelegentlich höre ich – auch von Ehemaligen – dass „da wohl Ahnungslose am Werk gewesen sein müssen“. Oder solche Leute, die eher an den Geldbeutel gedacht haben, als an eine Mannschaft. Wobei ich auch Geldbeutel einmal so stehen lasse – an welchen Geldbeutel auch immer.

Ditmar Jakobs hat als Mitstreiter bei und für „HSVPlus“ ganz sicher andere Vorstellungen von einem bestens funktionierenden Bundesliga-Verein. Und er sagt mit einem Blick auf die jetzt schon finstere Vergangenheit: „Es ist sicher nicht der Moment, alles laut zu diskutieren, dafür ist die Situation zu ernst. Aber man darf es deshalb nicht vergessen. Es muss zu gegebener Zeit alles analysiert werden. Vielleicht sogar noch detaillierter denn je, damit solche Situationen künftig vermieden werden können.“

Es wäre zu hoffen.

Übrigens: Morgen, nach dem Spiel, sind wir wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, und unsere („Scholles“ und meine) beiden Gäste sind zwei Altmeister: Harry Bähre und Horst Heese, der den HSV einst in einer ganz, ganz schwierigen. Fast hoffnungslosen Lage, gerettet hat. Ditmar Jakobs über den Mann, der seit Jahrzehnten in Belgien lebt: „Einen wie Horst Heese hat die heutige Mannschaft nicht. Horst kam damals und hat alle mit seiner Art angesteckt und mitgezogen. Er war das Vorbild für die vielen Jungen, die damals beim HSV hochgezogen worden waren. Und dieser Horst Heese ist ein Sinnbild für einen erfolgreichen Abstiegskampf.“

Auch deshalb, weil Heese ja nicht nur auf dem Platz den Gegner weggeräumt und weggearbeitet hat, sondern weil er auch in den eigenen Reihen mächtig dazwischengehauen hat. „Weicheier“ hatten nach der Verpflichtung Heeses keine Chance mehr, weder „Weicheier“ noch Stars, die tatsächlich glauben, dass sie Stars sind. Und sich dann dementsprechend benehmen.

Beim heutigen Abschlusstraining fehlte Rafael van der Vaart, er wird also gegen Frankfurt ebenso fehlen wie Petr Jiracek, Pierre-Michel Lasogga, Marcell Jansen, Maximilian Beister, Lasse Sobiech, Zhi Gin Lam, Kerem Demirbay, Slobodan Rajkovic und Torwart Jaroslav Drobny.

Mit von der Partie war wieder Hakan Calhanoglu, und der schoss gleich zu Beginn des Trainings einige Male recht herzhaft auf das Tor, sodass man davon ausgehen kann, dass er morgen auch spielen wird. Auch Ivo Ilicevic war dabei, wirkte auf mich etwas dynamischer als sonst. Einen guten Eindruck, jetzt bitte nicht lachen und nicht wundern, machte auf mich auch Robert Tesche. Jawohl, Robert Tesche. Aber im Training ist das ja immer so, da zeigt er gute und beste Leistungen, aber im Spiel . . .

„Die Stimmung ist angespannt“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer, „aber das muss sie auch sein.“ Zumal wichtige Spiele gegen direkte Konkurrenten in den nächsten Wochen anstehen. Dass eine dezimierte Elf gegen Frankfurt beginnt, will Kreuzer nicht thematisieren. Sehr wohl aber die Bedeutung der nächsten Partien. „Die nächsten Partien sind die Basis für den Endspurt. Viele sprechen von vier wichtigen Spielen – ich sehe eher noch elf wichtige Spiele. Und die beginnen gegen Frankfurt.“

So, um uns mal vorsichtig heranzutasten, „Scholle“ und ich (wir sind heute gemeinsam am Start – „Scholle“ sprach mit Jakobs und Kreuzer) versuchen uns einmal mit einer Aufstellung für morgen:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann; Badelj, Arslan; Rincon, Calhanoglu, Ilicevic; Zoua.

So, ein ganz anderes Thema noch am Rande, einige werden es vielleicht schon wissen, aber es passt auch ein wenig in diese HSV-Zeit, in der ein Mann wie Günter Netzer die Charakter-Frage bezüglich des aktuellen Teams stellte. Um die Jahrtausendwende gab es beim HSV eine nicht unbedingt gute Mannschaft, aber es war eine verschworene Gemeinschaft, die Spieler verstanden sich prächtig – und deswegen gab es auch Erfolge, die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Zu diesem HSV-Team gehörten damals Andrej Panadic und Niko Kovac. Letzterer ist Nationaltrainer Kroatiens geworden, und „Pana“ hat in seiner Heimat den Fußball-Lehrer erworben, als Jahrgangsbester mit der Note eins. Kovac berief nun Panadic in sein WM-Team in Brasilien – als Analytiker und als Scout. „Pana“ musste bei Verbands-Boss Davor Suker „antanzen“ und vorsprechen, dann war die Sache perfekt. Ich finde das ein Parade-Beispiel dafür, dass man sich als ehemaliger Mitspieler durchaus für den anderen verwenden kann. Ob das auch bei diesem heutigen HSV-Team eines Tages der Fall sein wird – da beschleichen mich doch arge Zweifel. Und, auch das noch ergänzend: „Panas“ Sohn Matteo, der auch hier in Hamburg (beim HSV) sein Talent einmal vorstellen durfte (und nicht genommen wurde), ist inzwischen bei Austria Wien gelandet. Ich bin gespannt, wie er sich dort weiterentwickeln wird.

Dann noch etwas ganz, ganz anderes, und das hat unser „dritter Mann“ von „Matz ab“ entdeckt – Lars Pegelow. Er schrieb mir: „Heute ging eine Mail raus an die Anleihen-Zeichner. Da heißt es gegen Ende:

Alle möglichen und nötigen Schritte werden bis zur Entscheidungsreife vorbereitet. In Abhängigkeit von der sportlichen Entwicklung werden diese Entscheidungen zu gegebener Zeit getroffen und der weitere Zeitplan des Projektes HSV-Campus gestaltet.”

Ich (LP) habe mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow darüber gesprochen. „In Abhängigkeit von sportlicher Entwicklung” bezieht sich demnach auf den Fall, dass der HSV absteigt. Im Klartext wird es dann wohl zu Verzögerungen beim Campus-Bau kommen (abgesehen davon, dass aktuell auch noch die endgültigen Bau-Genehmigungen fehlen).

So, wir sind am Ende der Gemeinschaftsproduktion, dann drückt bitte dem HSV alle Daumen, damit es nicht noch weiter nach unten geht.

Nur der HSV! Mehr denn je!

17.57 Uhr

Verletzte ohne Ende! Kreuzer: „Es ist mühsam.“

5. März 2014

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AKTUALISIERUNG: Dem HSV klebt das Pech an den Stiefeln. Linksverteidiger Marcell Jansen musste sich in der 24. Minute des Länderspiels gegen Chile verletzt auswechseln lassen. Jansen signalisierte, dass er sich den linken Fuß umgeknickt hat. Nach dem Spiel wurde beim HSV-Profi ein Außenbandriss festgestellt, damit fällt er für Frankfurt-Spiel am Sonnabend aus – und auch darüber hinaus noch. Aktuell ist Jansen der 13. verletzte, angeschlagene bzw. kranke HSVer!
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Es kennzeichnet Mannschaften in der Abwärtsspirale, dass bei allen Problemen – schlechte Form von Leistungsträgern, individuelle Patzer, extreme Unruhe im Verein, Trainerwechsel, Geldnot – auch oft ein fataler Umstand hinzu kommt: eine Verletztenmisere.

Wer heute beim Training am Volkspark war, der tat sich schwer, allein schon in der Fantasie anhand der wackeren Verbliebenen noch eine einigermaßen schlagkräftige Elf für die Partie gegen Eintracht Frankfurt am kommenden Sonnabend zu basteln. Die Liste der Verletzten ist beim HSV aktuell auf zwölf angewachsen. Eine dramatische Zahl.

Unter ihnen sind allein sieben Spieler, die vergangenen Sonnabend bei der 0:1-Niederlage in Bremen auf dem Rasen standen. Und nur bei wenigen zeichnet sich im Moment deutlich ab, dass es noch reichen könnte für die Partie in drei Tagen im Volkspark.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Am schwersten wiegt der mögliche Ausfall von Pierre Michel Lasogga im Sturm. Der 22 Jahre alte Torjäger ist beim HSV nicht zu ersetzen. Eine Kernspintomografie in München und eine folgende Untersuchung bei Dr. Müller-Wohlfahrt hat bestätigt, dass Lasogga eine Verhärtung im Oberschenkel hat, die beim Training der Nationalmannschaft neu aufgebrochen ist. „Wir werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dass er am Samstag gegen Frankfurt spielen kann“, kündigte Trainer Mirko Slomka an. Es wird allerdings ein Rennen gegen die Zeit – zum einen.

Zum anderen muss sich der Coach natürlich die Frage stellen, ob es überhaupt zu verantworten ist, wenn er Lasogga gegen die Eintracht bringt. Der Leih-Stürmer schlägt sich schon seit Wochen mit ähnlichen Verletzungen herum, die er ganz offensichtlich nie zu 100 Prozent auskuriert. Insofern würde Lasogga eine Pause guttun, auch wenn’s schwer fällt. Und auch wenn Frankfurt eine enorm wichtige Partie ist. Aber das trifft auch auf die Wochen danach zu. Oliver Kreuzer, der Sportchef, formuliert den Zwiespalt so: „Vielleicht müssen wir ein Stückweit ins Risiko gehen.“ In jedem Fall wird Lasogga noch am heutigen Mittwoch-Abend, nach seiner Rückkehr aus München, beim HSV im Stadion weiter behandelt.

Macht es also mehr Sinn, so oder so, erst für Nürnberg mit Lasogga zu planen? Wie schwer sich die anderen HSV-Angreifer tun, hat auch das heute Torschuss-Training gezeigt. Wobei: was heißt eigentlich „die anderen Stürmer“? Es gibt mit Jacques Zoua ja nur einen einzigen, der nominell in Lasoggas Rolle schlüpfen könnte. Jedenfalls ist der Kameruner, weder im Training noch im Spiel, ein echter Knipser. Wesentlich besser stellten sich heute schon Robert Tesche und Ouasim Bouy an. Doch dazu später.

Was Jacques Zoua angeht, hat der ehemalige HSV-Trainer Thorsten Fink heute eine Lanze für den Angreifer gebrochen. Fink hält Zoua, den er im Sommer vergangenen Jahres aus Basel nach Hamburg geholt hat, nach wie vor für einen guten Mann, der Anlaufzeit brauche. Aber, so Fink weiter: „Jacques ist auf jeden Fall besser als die beiden Spieler, die der HSV in der Winterpause geholt hat.“ (Ola John und Ouasim Bouy) Mehr von Zoua (in dieser Bundesliga-Saison erst ein Treffer) und Fink lest Ihr morgen im Hamburger Abendblatt.

Bei Pierre Michel Lasogga ist es neben der medizinischen auch eine Glaubensfrage des Trainers, ob er den Angreifer bringen wird. Komplett ausgeschlossen ist ein Einsatz, um mal bei den sieben aus dem Werder-Spiel zu bleiben, bei Lasse Sobiech. Der Innenverteidiger hat sich im Test gegen die eigene U 23 gestern eine Gehirnerschütterung zugezogen. Außerdem sind ihm gleich drei Zähne abgebrochen. Fünf Tage lang darf Lasse Sobiech sich nun gar nicht belasten. Gute Besserung! Sobiechs Einsatz gegen Frankfurt war allerdings ohnehin nicht vorgesehen, weil sich Mirko Slomka bereits auf sein Abwehrzentrum Djourou/Westermann festgelegt hatte.

Ganz und gar unklar ist noch, welche Mittelfeldspieler zur Verfügung stehen könnten. Rafael van der Vaart hütete auch heute mit einer Grippe das Bett. Das Trio Petr Jiracek/Hakan Calhanoglu/Ivo Ilicevic trainierte individuell mit Reha-Coach Markus Günther. Und Milan Badelj, der nach erfolgreicher Hand-OP wieder ins Training einsteigen wollte, plagen heftige Schmerzen. Dieses Quintett also muss von Tag zu Tag gucken. Am Donnerstag werden wir beim Training sehen, ob der eine oder andere zurückkehrt.

Sportchef Kreuzer hofft, dass zumindest drei der Genannten gegen Frankfurt zur Verfügung stehen. „Bei Hakan bin ich sehr optimistisch“, sagte Kreuzer. „Ich denke, das kriegen wir hin.“ Auch die Entwicklung von Petr Jiracek sei viel versprechend. „Der ist sowieso ein Kämpfer“, meint Kreuzer. Und auch Rafael van der Vaart könnte, wenn das Fieber verschwindet, ein Startelf-Kandidat sein.

Dazu kommen die Langzeitverletzten Slobodan Rajkovic, Maximilian Beister (beide Kreuzbandriss – Rajkovic wurde nicht, wie gestern vom HSV verkündet, gestern operiert – sondern erst am morgigen Donnerstag in Belgien operiert), Zhi Gin Lam (Adduktorenprpbleme), Kerem Demirbay (Bänderriss) sowie Keeper Jaroslav Drobny, dessen verletzte Wade wohl noch nicht bis Sonnabend ausgeheilt sein wird.

„Es ist ziemlich mühsam in diesen Wochen“, fasst Oliver Kreuzer zusammen. „Der Trainingsrhythmus ist auf eine harte Probe gestellt, wenn regelmäßig so viele Spieler ausfallen.“ Viel zu tun gibt es für die medizinische Abteilung des HSV, die ja in den vergangenen Wochen neu geordnet wurde. Nachdem Anfang 2012 die werbewirksam verkündete Zusammenarbeit mit dem UKE begonnen wurde, hatte Philip Catala-Lehnen die Verantwortung. Bereits unter Bert van Marwijk wurde Catala-Lehnen von einer Kapazität abgelöst, wie es in Branchen-Kreisen heißt.

Michael Joneleit, der eine Orthopädie-Praxis in Offenbach betreibt, kümmert sich um die Bundesliga-Spiele herum um die HSV-Mannschaft. Joneleit hat auch einige Jahre in der Schweiz und mit dem bekannten Sportarzt Bernd Seegesser zusammen gearbeitet. In gewisser Weise scheint der Verein also zurückzukehren zu seinem alten Modell, wonach ein Arzt sich als Vertrauensperson um die Mannschaft kümmert.

Zuletzt waren die HSV-Profis für ihre Behandlungen immer wieder zu Ärzten ihres jeweiligen Vertrauens ins ganze Bundesgebiet geflogen, um sich behandeln zu lassen. So macht dann natürlich die gesamte Zusammenarbeit mit dem UKE, die im übrigen auch sehr stark unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis getroffen wurde, keinen Sinn mehr.

Nun ist also Joneleit da, und seine Aufgabe ist in gewisser Weise mit der von Mirko Slomka zu vergleichen. Sowohl medizinische Abteilung als auch Profi-Mannschaft wurde in den vergangenen Jahren personell kräftig durchgewechselt. Viele Physios, der langjährige Osteopath Thomas Marquardt, der eine oder andere Arzt sind verschwunden. Linewitsch, Niedergassel, vorher Dierk und Schwartz, die beide ja lange Jahre erfolgreich für den HSV da waren. Auch hier täte Kontinuität not.

Im Training heute wurde aus allen Lagen geschossen. Schnelles Spiel nach vorn, Flanken, Kopfbälle und Torschuss. Das hat Mirko Slomka seinen Jungs für heute ins Gebetsbuch geschrieben. Robert Tesche, der „Trainingsweltmeister“, stellte die Keeper Adler und Drobny vor größere Probleme. Auch Ouasim Bouy und –mit Abstrichen – Michael Mancienne bewiesen Treffsicherheit. Bedauerlicherweise sind alle drei nicht gerade die Hoffnungsträger für das Spiel gegen das Team des früheren HSV-Trainers Armin Veh, der sich gegen seinen alten Verein sicher einiges vorgenommen hat. Am Nachmittag war von den Jungs des HSV dann am Trainingsplatz nicht mehr viel zu sehen. Sie trainierten individuell im Kraftraum.

Heute sind noch drei HSV-Profis mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Marcell Jansen trifft mit Deutschland in Stuttgart auf Chile. Verteidiger Johan Djourou ist mit der Schweiz in St. Gallen gegen Kroatien im Einsatz. Und Ola John spielt für die U 21 der Niederlande in Velsen-Zuid gegen Israel. Viel Erfolg – ach, Erfolg ist egal. Verletzt Euch nicht auch noch!

Und dann wäre uns allen sicher geholfen, wenn sich die Erklärungen der Spieler nach dem Frankfurt-Spiel daran orientieren würden, was alle Zuschauer auf den Tribünen sehen und spüren. Schon in Bremen haben die HSV-Profis behauptet, sie hätten gekämpft und alles gegeben. Nein! Abstiegskampf ist mehr als das. Dem Gegner wehtun, so wie es Dortmund beim HSV erlebt hat. Einen Schritt mehr gehen, als man gehen kann. Den Schweinehund überwinden. Diese Eigenschaften stecken nicht in dieser HSV-Mannschaft, jedenfalls nicht von Haus aus. Aber sie muss es eingeimpft bekommen Tag und Nacht vor den entscheidenden Wochen dieser Saison, vor den wichtigsten Wochen der letzten 50 Jahre. Zeigt, dass Ihr keinen Millimeter preisgeben wollt gegen Eintracht Frankfurt. Ist das der Fall, gibt es eine Einheit mit dem Publikum bis zur 90. Minute, die zum Erfolg führen kann. Egal ob Rincon oder Bouy im Mittelfeld stehen, egal ob Lasogga oder Zoua stürmt. Gelingt all dies nicht gegen Eintracht Frankfurt und anschließend, dann Gute Nacht.

Einen entspannten Länderspiel-Abend wünscht
Lars

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