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Es geht wieder los – Slomka bittet zum Training

18. Juli 2014

Morgen, genau an diesem Sonnabend, 19. Juli, beginnt die zweite Trainings-Dekade des HSV. Um 15 Uhr bittet Trainer Mirko Slomka seine Mannen im Volkspark zum zweiten Aufgalopp, und wenn ich mich nicht verhört habe, dann spricht der Coach davon, dass es noch härter wird als zum Auftakt. Und was habe ich gemacht, als ich das hörte? Einen Luftsprung! Einen? Drei, vier! Eigentlich springe ich immer noch. Endlich spricht ein Trainer von „Härte“ im Training und in der Vorbereitung. Schluss mit dem Pille-Palle-Training. Mirko Slomka, der von Beginn an die gravierenden Defizite in Sachen körperlicher Fitness seines Teams erkannt und auch sofort reagiert hatte, gibt weiter Gas. Und das ist auch gut so. Der HSV hat doch namentlich eine gute Truppe beisammen, das kann doch keiner bestreiten, diese Truppe muss nur gut oder bestens trainiert werden, um Leistungen zu bringen – und nun ist offenbar ein Trainer am Ruder, der das auch in die Tat umsetzen wird. An diesem Sonnabend werden dann auch die WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj wieder ins Training einsteigen. Fehlen eigentlich nur noch zwei, drei, vier neue Spieler, die der HSV noch dringend benötigt. Um in Richtung Mittelfeld durchstarten zu können.

Durchstarten ist das Stichwort. Das gilt ja nicht nur für die HSV-Profis, das gilt im Grunde genommen für den gesamten Verein. Es gibt viel zu tun, sehr viel aufzuholen, und es ist nun endlich mal an der Zeit, dass da vernünftig und mit Plan angepackt wird. Und da habe ich, das schrieb ich gestern bereits, ein wirklich gutes Gefühl. Deswegen werte ich es auch als sehr gutes Zeichen, dass Bernhard Peters, der beim HSV vom 1. August an als Direktor den Nachwuchsbereich unter Kontrolle bekommen soll, heute bereits einmal sein neues Umfeld inspiziert hat. Der Noch-Hoffenheimer sah sich auch die „Talentschmiede“ Ochsenzoll an. Die Meldung (der Bild), dass Peters bis Ende des Jahres noch in beratender Funktion für die TSG 1899 tätig sein wird, schockt übrigens niemand im HSV. Darunter, so die einhellige Meinung im Volkspark, wird die Arbeit von Bernhard Peters für den HSV nicht leiden. Und auch ich gehe davon aus, denn der ehemalige Hockey-Nationaltrainer ist ein Mann, der anpackt und der etwas erreichen will. Halbe Sachen sind seine Sache nicht. Geht davon aus.

Ansonsten hat sich auch heute wieder nicht so wirklich etwas im HSV getan. Die Sache mit den Neuverpflichtungen dauert noch, da müssen wir alle noch ein wenig Geduld aufbringen. Aber sind wir das nicht schon aus den letzten Jahren gewöhnt? Ich meine ja. Laut Mopo soll ja ein „alt-bekannter“ HSVer im Anmarsch sein: David Jarolim. Der Tscheche hat es in seinem Vertrag stehen, dass er irgendwann einmal als Jugendtrainer (oder in ähnlicher Funktion) beim HSV einsteigen kann. Und wird. Wann das so ist, ist allerdings noch offen. Dietmar Beiersdorfer hatte bis vor wenigen Tagen noch nicht mit „Jaro“ gesprochen, ich denke ja auch, dass das dann eher auch in den „Beritt“ von Bernhard Peters fallen dürfte. Gut finden würde ich es natürlich, wenn ein alter Fahrensmann für David Jarolim, der die Raute stets in seinem Herzen trug, wieder nach Hamburg zurückkehren würde.

Dann gab es ja noch das Gerücht, dass Slobodan Rajkovic in ein Tauschgeschäft verwickelt sein soll. Damit habe ich beim HSV nachgefragt – es ist nichts dran. Die Antwort, die ich erhielt, war eher ein wenig schroff: „Totaler Blödsinn.“ Denke ich ja auch, denn welcher verein bemüht sich jetzt um einen Spieler, der nicht vor Ende des Jahres fit ist? Dieser verein dürfte dann wohl aktuell keinerlei Sorgen haben . . . Nein, nein, ich glaube auch, dass das eine Voll-Ente ist. Dazu passend ist auch das Gerücht, das es um den Dribbelkünstler Hiroshi Kiyotake (24) vom 1. FC Nürnberg gibt. Der HSV soll dran sein, der HSV soll Interesse haben. Was ich mir sogar vorstellen könnte, denn bei seinem ersten Auftritt in Hamburg bot der Japaner eine so großartige Vorstellung, dass ich ihn am liebsten hierbehalten hätte. Ging leider nicht. Und nun soll er fünf Millionen Euro kosten, das ist schon hammerhart. Wobei, das muss ich auch zugeben, Kiyotake meiner Meinung nach nie wieder an jene Leistung herangekommen ist, die er einst im Spiel beim und gegen den HSV gezeigt hatte.

Apropos Leistung: Hakan Calhanoglu hat mal wieder etwas zum Besten gegeben. In der Bild. Der junge Mann ist das unermüdlich. Er hat sich über die HSV-Fans beklagt: „Man hat mich beschimpft und gemobbt, obwohl ich so viel für den Verein getan habe . . .“ Mir wären fast die Tränen gekommen. Ehrlich. Er hat so viel für den HSV getan. Und der HSV? Hat der nicht auch etwas für ihn getan? Immerhin pünktlich das Gehalt überwiesen. Und das dürfte mehr sein, als ein Karstadt-Verkäufer, ein Installateur, ein Versicherungsmakler, ein Maler oder ein Bäcker verdient, gewesen sein. Und all diese Leute haben auch so viel für ihren Arbeitgeber getan – weil es ihre Pflicht ist. So funktioniert das mit der Arbeit. Nur so. Und der HSV hat immerhin dafür gesorgt, dass ein Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC in die Erste Bundesliga kommen konnte, und dass dieser junge Mann davon träumen darf (kann ihm ja niemand verbieten), eines Tages ein so großer Fußballer wie Messi oder Cristiano Ronaldo zu sein.

Nein, irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig. Irgendwann sollte auch ein Berater, der Millionen verdient, in beratender Funktion einschreiten und seinem Mandanten nahelegen, besser mal den Mund zu halten. Es ist doch wesentlich besser, Taten sprechen zu lassen, als sich immer nur zu beklagen. Dass die HSV-Fans sauer auf einen Spieler sind, der sogar davon sprach, bei einem Abstieg in die Zweiten Liga weiterhin für die Raute kicken zu wollen, ist doch klar. Sonnenklar. So ging es letztlich fast jedem Spieler, der es in Hamburg vorzog, das Weite zu suchen – ein Beispiel von vielen ist der Name Daniel van Buyten. Ob sich ein Jung-Millionär allerdings so weit herunterlassen kann, um sich in die Lage eines kleinen HSV-Fans, der seinen Verein ohne jeden Kompromiss liebt, zu versetzen? Da glaube ich fehlt es dann doch. An allem.

Ein anderes Thema. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft von Kapitän Philipp Lahm. Ich denke ja auch, dass mindetens noch ein weiterer Spieler folgen wird – wenn nicht noch mehr. Ich rechne auch mit dem Abschied von Miroslav Klose. Und dann denke ich sofort auch an den HSV. Wenn Dennis Diekmeier und Pierre-Michel Lasogga (den viele ja schon für die WM 2014 auf dem Zettel hatten) nun ordentlich Gas geben, auch ordentlich Gas geben können, weil sie bestens trainiert werden (ja, ich bohre weiter in dieser Wunde herum!), dann könnten sie doch eines Tages für Deutschland auflaufen. Könnten. Ich will da nicht zu viel hineingeheimnissen – aber möglich wäre es immerhin. Weil es ansonsten ja nicht mehr so viele Kandidaten gibt – bislang jedenfalls nicht. Aber, das stimmt natürlich auch, einige Talente sollten es nicht mehr allzu lange auf ihre Entdeckung warten, denn dann läuft man die Gefahr, als „ewiges Talent“ in die Geschichte einzugehen. Thomas von Heesen, der ja hier mitliest, weiß wovon ich spreche . . . Leider. Ich hätte ihm eine Karriere in der Nationalmannschaft gewünscht und auch zugetraut, allein sie blieb ihm versagt.

Ich komme für heute zum Schluss. Und da kommt mir noch eine wunderschöne und zudem eine etwas andere Fußball-Geschichte in den Sinn. Eine HSV-Geschichte. Die Alt-Liga der Rothosen flog kürzlich zum Saisonabschluss in die Türkei. Mit von der Partie der frühere HSV-Meisterspieler von 1960, Erwin Piechowiak. Der heute 77-Jährige Norderstedter hatte bis weit über 70 Jahre für die Alt-Liga des HSV gespielt (und für die Senioren von TuRa Harksheide), dann aber krankheitsbedingt einige Rückschläge erlitten. Erwin Piechowiak, ein fantastischer Mensch, muss mehrmals in der Woche zur Dialyse – und dann in die Türkei? Es wurde, weil „Old Erwin“ nur Freunde hat, alles von den alten HSVern gemanagt. Piechowiak flog – beinahe möchte ich schreiben natürlich – mit in die Türkei, und wurde dort dann zur Analyse gefahren, wenn es sein musste. So viel Zeit muss sein.
Und ich finde, dass das doch wirklich eine Klasse-Geschichte ist. Was Freundschaft und Kameradschaft im Fußball doch so alles bewirken kann. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten, die das bewerkstelligt haben – vorbildlich.

Ganz zum Schluss noch ein ganz anderes Thema. Im Moment wohl auch ein wenig (oder ein wenig mehr) aktuell. Es geht um HSVer, die ihrem Verein den Rücken kehren. Aus dem Westen der Republik erhielten wir nun folgende Mail, die wir hier veröffentlichen möchten. Weil ich trotz allem der Meinung bin, dass man zu seinem Club stehen sollte, und dass man erst einmal abwarten sollte, wohin sich der Verein mit der neuen AG tatsächlich bewegt. Und damit meine ich nicht allein den sportlichen Erfolg (oder Misserfolg), sondern die gesamte Situation im HSV. Manche sehen das anders, einige haben es anders gesehen und haben sich davon gemacht – hier nun gibt es ein neues Beispiel davon. Obwohl ich jeden bitten möchte, nicht zu voreilig zu handeln, obwohl ich jedes Mitglied darum bitten möchte, dem neuen HSV wenigstens eine kleine Chance zu geben. In dem nun folgenden Fall ist es wohl zu spät – schade. Sehr schade.

Hier nu die Mail, die vornehmlich an den HSV gerichtet ist:

Ich leite diese Mail an Euch weiter, damit Ihr seht, warum vielleicht noch mehr HSVer austreten, damit vielleicht zu diesem Thema ein kleiner Blog veröffentlich wird. Es dreht sich mir hauptsächlich um den Umgang mit Menschen, die noch einen Vertrag haben, in diesem Fall bis 2016.
Auch Euch einen schönen Gruß aus Bocholt von Klaus W.

Sehr geehrte Herren vom Vorstand der Fußball AG HSV.

Schweren Herzens habe ich mich nach einigen Nächten “Überschlafen” entschlossen, aus ” meinem ” ehemaligen HSV auszutreten! Es kann doch nicht sein, wie man beim HSV mit Menschen umgeht. Erst wurde Herr Kreuzer, weil Er günstig war, vom Drittligisten KSC geholt um dem HSV nach besten Wissen zu dienen. Man kann doch nicht allen Ernstes verlangen, das Er bei 100 Millionen Verbindlichkeiten des HSV z. B. Messi, Ronaldo und Thomas Müller vielleicht für insgesamt 3 Mill. zum HSV holt. Der Mann hat aus Unerfahrenheit den Transfer durch T. Fink (Zoua) und durch B. v Marwijk (Bouy und noch einen Holländer) leider zugestimmt. Das war natürlich ein großer Fehler, den Er auch selber einsieht. Schade. Er hat aber auch den Vertrag mit Calhanoglu im Februar bis 2018 verlängert, sodass der HSV dadurch 14,5 Mill. eingenommen hat. Außerdem hat Er, nach Aussagen von Herrn Lasogga, durch die Verhandlungsführung mit sich und seiner Mutter, den Wunschstürmer des HSV an den Verein gebunden. Nun kommt Herr Beiersdorfer und fängt mit Herrn Kreuzer die Kaderplanung an und von Heute auf Morgen heißt es: Wir brauchen dich nicht mehr! Nee, Leute, so geht man nicht mit Menschen um!!! Im Profifußball vielleicht doch? Ich weiß es nicht. Darum möchte ich zu dem nächstmöglichen Termin meine Mitgliedschaft kündigen.
Ich bin jetzt 72 Jahre alt und war seit 56 Jahren mit ganzem Herzen HSVer. Ob im Volkspark oder im restlichen Deutschland (hauptsächlich im Westen, da ich in Bocholt wohne), Ich war sehr oft dabei. Schade! Mein Verstand sagt zum HSV nein, aber mein Herz sagt weiterhin ja zum HSV.
Mit freundlichen Grüßen aus Bocholt von Klaus W.

Das war es heute von mir, ich wünsche Euch und Euren Lieben einen schönen Feierabend und ein wunderschönes Wochenende.

Dieter

17.54 Uhr

Lasogga sagt dem HSV ja – aber was heißt das? **Calhanoglu wg. mentaler Probleme krankgeschrieben**

17. Juni 2014

*** 0.16 Uhr: Oha., das ist mal eine Nachricht: Hakan Calhanoglu ist beim Trainingsauftakt am heutigen Mittwoch nicht dabei, weil er von einer Psychologin in Heidelberg einen Gelben Schein ausgestellt bekam auf dem steht, er habe mentale Probleme und sei nicht einsatzfähig. Das berichtet die “Bild” in ihrer Mittwochsausgabe. Nach dem Theater um seinen Wechselwunsch und den daraus resultierenden Anfeindungen in verschiedenen Sozialen Netzwerken soll Calhanoglu derartige Probleme haben, dass er nicht in der Lage ist, seinen Dienst zum Trainingsauftakt anzutreten. Eine Problematik, die nach all dem Theater sicher sehr seltsam anmutet – die aber eben von dieser Stelle aus auch nicht zu widerlegen ist. Insofern: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Daher von unserer Seite: Gute Besserung, Hakan! Und dem HSV ist zu wünschen, dass er seinem jungen Spieler den Rücken stärkt, ihm weiterhin seine große Bedeutung für den Klub verdeutlicht und vor allem alle Zeit gewährt, die er braucht, um sich wieder auf das Training und die Spiele für den HSV zu konzentrieren.***

Am morgigen Mittwoch geht es wieder los. In zwei Etappen wird sich der HSV auf die neue Saison rekordverdächtig lang vorbereiten. Zunächst geht es 22. Bis 29. Juni nach Glücksburg ins Trainingslager, ehe vom 4. Bis zum 11. Juli ein Trainingslager in China auf dem Programm steht. Abschließend, also vom 12. bis zum 18. Juli haben die Spieler dann noch mal eine Woche Pause, ehe es in den zweiten Akt der acht Wochen langen Vorbereitung geht. „Wir hatten in der abgelaufenen Saison Defizite in der Fitness“, so Trainer Mirko Slomkas Erklärung für diese ungewöhnlich lange Vorbereitung, „und das werden wir nicht noch mal zulassen.“ Dafür geht es dann letztlich vom 28. Juli bis zum 5. August ins Trainingslager nach Österreich, ehe am Wochenende 15.-18. August das erste Pokalspiel bei Energie Cottbus angesetzt wird.

Genau eine Woche vor der ersten DFB-Pokal-Runde trifft der HSV in dem inzwischen alljährlich vom SHZ-Verlag veranstalteten Sparda-Bank-Pokal am 7. August (18.45 Uhr, Stadion Flensburg) auf Lazio Rom. Bei den Römern, die im August ein Trainingslager in Norddeutschland absolvieren, ist der Stürmer unserer Nationalelf, Miroslav Klose, aktiv. Und das erleichtert mir den Übergang zu einem mutigen aber in meinen Augen auch absolut gelungenen Gastbeitrag unseres noch jungen Praktikanten Noah Schwarz.

Was haben wir nicht alles diskutiert und gezweifelt an der Form der deutschen Nationalmannschaft.“ So kommentierte ARD-Kommentator Gerd Gottlob beim Stand von 3:0 das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal.
Recht hat er. Wir haben es unserer Mannschaft den Einstieg ins Turnier nicht grade leicht gemacht. Wir erwarten den Titel, aber Unterstützung kam bisher wenig. Vermutlich hätte sich kaum jemand gewundert, wenn das Spiel am Montagabend 4:0 für Portugal ausgegangen wäre. „Wir haben es kommen sehen“, hätten die Zeitungen getitelt.
Stattdessen sind nun alle überwältigt vom Auftritt der DFB-Elf, die trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld der WM die Portugiesen im ersten Gruppenspiel deklassierte. Zahllose Verletzungen, ein Autounfall im Trainingslager, ein Bundestrainer ohne Führerschein: all das wurde in den Medien dermaßen breitgetreten, dass man sich fragen musste, ob wir denn überhaupt hinter unserer Mannschaft stehen, von der wir alle erwarten, dass sie in Brasilien für uns den Titel holt.
Sami Khedira, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer, allesamt Schlüsselspieler, alle waren sie angeschlagen. Fußball-Deutschland hielt den Atem an, malte den Teufel an die Wand. Joachim Löw wurde nicht müde zu beteuern, dass man alle Verletzungssorgen bis zum ersten Gruppenspiel aus der Welt schaffen würde. Was blieb ihm auch anderes übrig. Doch geglaubt hat ihm scheinbar niemand. Jegliche Hoffnungen auf ein starkes Turnier wurden von wilden Presseberichten über das DFB-Lazarett in Südtirol so gut es ging untergraben. Schlechte Nachrichten verkaufen sich halt besser als gute.
Jetzt, nach dem taktischen Glanzstück, huldigt alle Welt Joachim Löw. Der Bundestrainer hat „elf Richtige gezogen“ heißt es im Spiegel. Deutschland ist wieder im WM-Fieber. Die Fans glauben wieder an den Titel, sie erwarten ihn jetzt mehr als je zuvor. Unterstützung aus der Heimat kommt aber erst, wenn man sie sich auch verdient.

Leider hat mein junger Kollege Noah absolut recht. Wobei es hierbei Ausnahmen gibt, zu denen ich mich persönlich zählen würde. Ich habe mich zwar über die eine oder andere Maßnahme (Jansen nominieren und streichen z.B.) gewundert, aber ich bin absolut der Meinung, dass sich Löw unseren Vertrauensvorschuss vor einem so großen Turnier ob seiner Erfolge in den letzten Jahren verdient hat. Und deshalb genießt er ihn bei mir. Ehrlich gesagt, erwarte ich bei dieser WM weniger als bei der vergangenen EM. Auch jetzt noch. Aber irgendwie auch, um mich darüber zu freuen, wenn ich mich irre. Und nicht, weil ich Löw und seinen Jungs nichts zutraue. Und auf die Frage, ob wir Weltmeister werden, werdet Ihr nie eine andere Antwort von mir hören als „ja“. Und das aus eben jenem Grund, weshalb ich in Tipprunden noch nie gegen den HSV getippt habe. Nicht mal in der abgelaufenen Saison…

Darauf getippt, dass sich Lasogga für den HSV entscheidet, hatte ich bereits in der vergangenen Woche. Und heute soll dieser Tipp aufgegangen sein, wie mein Arbeitgeber online verlautbarte. „Lasogga spricht sich intern für den HSV aus“ titelte Abendblatt.de – und liegt damit richtig. Allerdings, und das kommt im Text wieder raus, gibt es weiterhin Konjunktive, die abzuarbeiten sind. Und zwar nicht zu wenige.

Denn allein die Tatsache, dass sich der Spieler im Klaren ist, was er will, löst die Thematik lange nicht auf. Im Gegenteil. Jetzt geht es erst richtig los. Denn Hertha fordert öffentlich in Person des Mangers Michael Preetz einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag, um Lasogga ziehen zu lassen. Den kann und will der HSV nicht aufbieten. Ergo: Eine Einigung ist nicht möglich, ohne dass Preetz seine eigenen Worte schlucken müsste. Zudem wäre der Transfer ohne Mittel von außen für den HSV nicht möglich. Nur gut, dass Kühne seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt hat, zu helfen. Wie er dem HSV finanziell unter die Arme greift – das ist allerdings noch offen.

Ebenfalls offen ist weiterhin, wann der Transfer finalisiert wird, da bislang noch immer die alten Verantwortlichen auf ihre Posten beharren. Zum einen im Vorstand, zum anderen Im Aufsichtsrat. Eine Situation, mit der Kühne sicherlich schwer bis gar nicht arbeiten kann. Denn es ist hinlänglich bekannt, was der Milliardär von Jarchow und Kreuzer hält. Und gleiches gilt in verschärfter Form auch für die noch im Amt befindlichen Aufsichtsräte.
Insofern können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass Lasoggas Wechsel nach Hamburg – sofern er denn stattfindet – nicht in den nächsten Stunden abgewickelt wird. Vielmehr könnte aber die Personalie Lasogga dazu führen, dass der Druck des vorzeitigen Abdankens auf den einen oder anderen Amtsträger in den nächsten Tagen größer wird. Und das auch nicht zu Unrecht. Denn noch immer blockiert die alte Struktur die Übernahme der Neuen. Zumindest noch bis zum 1. Juli. Und obgleich die Zusammenarbeit zwischen Kreuzer, Jarchow und Hilke mit dem designierten, neuen Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer als „produktiv“ bezeichnet wird – sie ist es im Fall Lasogga nur bedingt.


Insofern freue ich mich umso mehr auf frische Themen, die der Trainingsauftakt mit sich bringen wird. Nicht immer nur Calhanoglu (bleibt beim HSV unverkäuflich), Beiersdorfer, Kreuzer, Slomka, Lasogga und Ostrzolek – aber wem sage ich das. Euch wird das sicher nicht groß anders gehen…

Scholle

WM? Für mich zählt nur Mainz…

8. Mai 2014

Die Entscheidung war schon ein paar Stunden alt, aber sie wurde nicht besser. Zumindest nicht für Heiko Westermann und Rene Adler, die im Gegensatz zu Marcell Jansen nicht zum vorläufigen WM-Aufgebot zählen. Trost gab es dennoch – von HSV-Trainer Mirko Slomka. Der schob dem Auftreten des HSV in der Bundesliga den Schwarzen Peter zu. „Die Nominierung ist immer auch ein Produkt der gesamten Mannschaftsleistung. Und da müssen wir festhalten, dass wir als Mannschaft nicht dazu beigetragen haben, dass Rene und Heiko nominiert werden.“

Die beiden Nicht-Nominierten konnten allerdings ebenfalls nur unzureichend viel beitragen. „Ich bin schon enttäuscht. Aber was soll man erwarten nach so einer Saison?“, sagt Westermann. „Klar bin ich enttäuscht, dass ich nicht dabei bin, aber ich kann damit umgehen. Ich akzeptiere die Entscheidung und nehme es sportlich. Der Fokus liegt voll auf den nächsten Spielen mit dem HSV. Ich wünsche den Jungs alles Gute für die Zeit in Brasilien“, erklärte indes Torhüter Rene Adler, der aber keinen Zweifel daran lassen wollte, dass dies keine negativen Auswirkungen auf seine Leistung in Mainz haben wird. Ebenso wenig wie Westermann: „Für mich hat das keine Auswirkungen auf Samstag. Ich habe immer gesagt, dass der HSV das Wichtigste für mich ist”, so


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Dass Marcell Jansen nominiert wurde, ist dagegen nicht wirklich überraschend. Schon gar nicht für ihn. „Ich wusste schon länger, dass ich dabei bin. Wir hatten durchgehend Kontakt. Die Nominierung stand nie zur Debatte.“ Zumal sich Jansen trotz vieler Verletzungspausen und einer sehr durchwachsenen Saison tatsächlich nur geringer (quantitativ betrachtet) Konkurrenz als linker Außenverteidiger. Vor allem, seitdem Bundestrainer Joachim Löw Philip das Bayern-Modell angenommen hat und Lahm ins Mittelfeld vorgezogen hat.

Lange unerwähnt und für mich unbekannt, bis ich ihn im Blog vor sechs Monaten mehr oder weniger zufällig interviewte, blieb Shkodran Mustafi. Der ehemalige Jugendnationalspieler des HSV in Diensten Sampdoria Genuas spielte sich allerdings seitdem (NICHT deswegen…) ins Rampenlicht des DFB. Und so sehr ich mich auch über die Nominierung unseres Blogfreundes freue, und so gern ich jetzt auch über die 30 bislang Nominierten schreiben und diskutieren würde – ich lasse es. Weil wir hier Wichtigeres zu tun haben.

Und Slomka weiß das. Der HSV-Trainer geht gar nicht erst unnütz lang auf die Kadernominierung ein. „Ich habe am Dienstagabend mit dem Bundestrainer telefoniert und freue mich für Marcell.“ Und damit hatte sich der Spaß. Denn Mainz steht vor der Tür. Und der FSV muss seinerseits noch punkten, damit der FC Augsburg nicht noch den Europa-League-Platz streitig machen kann. „Es gibt keinen in der Mannschaft, der seinen Urlaubsmodus angestellt hat“, verspricht FSV-Trainer Thomas dem HSV einen heißen Tanz. Und Slomka ist sich dessen bewusst. „In Mainz treffen wir auf eine Mannschaft, die zum dritten Mal in die Europoa League will. Die werden mächtig heiß sein“, so Slomka, „aber wir haben hier von beginn an gesagt, unser Ziel ist nicht die Relegation. Es ist der Klassenerhalt. Daher wird es Zeit, dass wir den Fans und dem verein etwas zurückgeben und nach langer Zeit mal wieder einen Auswärtssieg schaffen.“

Stimmt. Und gerüstet scheint der HSV zu sein. Zumindest personell. Dennis Diekmeier trainierte heute wieder voll mit, ebenso wie Pierre Michel Lasogga, Johan Djourou, Marcell Jansen und Heiko Westermann. Allesamt ohne Probleme. „Vielleicht sogar mit einer kleinen Portion Extramotivation“, lächelt Jansen ob seiner Nominierung und Gesundung. „Der Fuß hält. Und Luft hat man in so einem Spiel eigentlich immer…“

Hoffentlich. Denn Augsburg war nicht minder wichtig – und nicht schönzureden grottig. Das 1:4 gegen Bayern jedoch, das gibt Slomka Hoffnung. „Weil die Mannschaft Charakter bewiesen hat“, wiederholt der HSV-Trainer immer wieder. Und der HSV ist fit. Mehr als 750 intensive Läufe hat die Datenbank verzeichnet – Bundesligarekord. Slomka: „Und genau das wollen wir beibehalten.“ Besser noch: Genau das MUSS beibehalten werden, wenn man bei den heimstarken Mainzern bestehen will. Denn der FSV, der die letzten drei Heimspiele gewann, hat im eigenen Stadion nur gegen die Top vier der Liga verloren, dreimal remis gespielt und neun Siege eingefahren, während der HSV auswärts gefühlt seit der Steinzeit nicht mehr gewonnen hat. „Dafür hatte Mainz mit dem HSV immer Probleme“, macht Berufsoptimist Slomka seinem Namen als „Herr der Statistiken“ alle Ehre, „gegen den HSV wurde zuletzt sechs Spiele nicht gewonnen.“

Stimmt. Drei Remis und drei Niederlagen gab es für das wahrscheinlich friedlichste Publikum (Pfiffe gegen den Gegner werden vom Stadionsprecher laut kritisiert) zu bestaunen. Und am Sonnabend dürfte das Publikum maximal durchsetzt sein mit HSVC-Fans. Zumindest kenne ich keinen Anhänger, der nicht versucht, live vor Ort dabei zu sein. Eine Stimmung, die sich auch auf die Mannschaft übertragen soll. Schon beim Training in Hamburg, weswegen (und wohl auch, weil er abergläubisch ist, wie ich hörte) Slomka darauf verzichtete, früher anzureisen. „Wir wollen den Zusammenschluss mit den Fans, wollen uns nicht verstecken.“

Super. Obgleich das alles noch keine Punkte garantiert.

Dafür hat Slomka seinen Hoffnungsträger wieder dabei: Pierre Michel Lasogga. „Stand jetzt, ist er verfügbar“, freut sich Slomka über seinen Toptorjäger und lobt: „Er macht sicher Hoffnung. Aber wir müssen auch festhalten, dass wir mit dem Auftreten gegen die Bayern uns allen Hoffnung gemacht haben“, erklärt Slomka. Dennoch wird sich sehr viel auf den Stürmer fokussieren, dessen Ende beim HSV trotz anderslautender Gerüchte längst noch nicht feststeht, wie Sportchef Oliver Kreuzer sagt: „Es gibt noch keine Entscheidung.“

In diesem Sinne, die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf allen Ebenen. Auch bei mir. Ach ja, und weil hier viel über Jens Lehmann gefachsimpelt wird, erlaubt mir bitte einen kleinen, persönlichen Einwand: Der ehemalige Nationalkeeper ist tatsächlich wesentlich sympathischer, als er im TV rüberkommt. Auf die Frage, warum er so seltsam arrogant gewesen sei, antwortete er: „Anders hätte ich mich niemals in eine Position gebracht, in der ernsthaft über mich als Nummer eins diskutiert worden wäre. Hätte ich das nicht gemacht, wäre Oliver Kahn wahrscheinlich heute noch die Nummer eins.“ Und irgendwie hat er Recht. Erst durch sein selbstbewusstes (arrogant rüberkommendes) Verhalten, sich selbst als neue Nummer eins zu fordern, wurde diskutiert. Dass er dabei seine Aussetzer (Hubschrauber, Brille, etc.) hatte – es macht ihn doch erst zu einem „echten Torwart“, oder? Allerdings ist Dietmar Beiersdorfer noch immer der absolute Wunschkandidat von HSVPlus für den Fall der Umstrukturierung. Obgleich er vergleichsweise langweilig und normal erscheint, soll der ehemalige HSV-Sportchef in Diensten Zenit St. Petersburgs (die Russen würden ihn dem Vernehmen nach ziehen lassen) den Vorstandsvorsitz übernehmen und zugleich die Kaderplanung mitgestalten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Jacques Zoua wird auch gegen Mainz wegen seines Muskelfaserrisses ausfallen.

Ein Neuneinhalber statt eines Zehners?

13. August 2012

Das überrascht dann doch. Wochenlang hieß es beim HSV, dass ein neuer Zehner gesucht und geholt werden soll. Und nun das: Sportchef Frank Arnesen sagte beim Abstecher nach Mallorca: „Wir werden keinen neuen Zehner verpflichten, nur um einen neuen Zehner zu verpflichten. Wenn wir keinen mehr bekommen, dann bekommen wir eben keinen.“ Deutlicher geht es nicht. Oder? Wobei mein Kollege Kai Schiller, der für das Hamburger Abendblatt mit auf der Insel weilte, ja davon überzeugt ist, dass doch noch ein Zehner kommen wird. Und dass diese Transaktion schon sehr bald, also in den nächsten Tagen, über die Bühne gehen könnte. Die Kollegen der Bild zitierten Arnesen aber ähnlich: „Ich hole auf der Position nur einen Top-Mann. Wenn wir den nicht finden, werde ich die Finger davon lassen.“ Das kann ja heiter werden. Oder eventuell doch nur besser? Für den HSV.

Meine Theorie im „Fall Zehner“ ist ja folgende: Erstens nervt es Frank Arnesen, ständig auf den noch fehlenden Spielmacher angesprochen und hingewiesen zu werden – er lässt sich eben höchst ungern unter Druck setzen. Und zweitens nervt es ihn, dass ihm ständig und von überall her vorgehalten wird, wo es beim HSV noch nicht passt – personell. Denn er sagte auf Mallorca ja auch: „Wir wissen genau, was wir noch brauchen.“ Das klingt erstens gut, und zweitens nach einem Stürmer. Denn den braucht der HSV auf alle Fälle sehr, sehr dringend. Das, obwohl Marcus Berg ja nun auf Mallorca sogar ein Tor erzielen konnte. Aber wenn man sich das mal nur vor Augen führt: Mit Paolo Guerrero und Mladen Petric wurden zwei (in Worten: zwei) namhafte Stürmer abgegeben, und mit Artjoms Rudnevs kam nur ein neuer hinzu – wenn man einmal davon ausgeht, dass Maximilian Beister ein offensiver Mittelfeldspieler ist. Also fehlt schon rein rechnerisch ein Stürmer – bevor ein Zehner geholt wird, der keine Sofort-Hilfe bedeuten würde.

Mit seinem Schwenk, weg vom Zehner, wollte Frank Arnesen eventuell auch den neuen der auch neuesten Weg aufzeichnen – weg vom Spielmacher, hin zu einem „Neuneinhalber“. Oder von mir aus auch „Zehneinhalber“. So ein Typ wie zum Beispiel Marco Reus, der hinter der Spitze spielt, auch mal in vorderster Linie auftauchen kann, der aber aus der Reihe hinter dem zentralen Stürmer den entscheidenden, den „tödlichen“ Pass geben kann – oder es „notfalls“ auch auf eigene Faust versucht. Ein solcher Typ könnte zum Beispiel Hakan Calhanoglu sein. Der 18-jährige Mittelfeldspieler vom kommenden Pokalgegner Karlsruher SC soll ja erst nächste Saison kommen, aber eventuell wird der HSV versuchen, das Juwel schon in diesen Tagen zu verpflichten, um es dann noch für ein Jahr an den KSC auszuleihen. Das hätte auf jeden Fall schon mal den Vorteil, dass der HSV Calhanoglu fest an der Angel hat und dass kein anderer Klub mehr dazwischenfunken kann.

Zurück zum Zehner. Vergangene Saison hatte der HSV ja schon ein ähnliches Modell. Da spielte Mladen Petric ganz vorne und Paolo Guerrero dahinter. Allerdings kam schon zu jener Zeit (und davor) immer die Ruf nach einem Regisseur auf. Und eigentlich wollte der HSV ja auch einen solchen Mann holen. Wenn es finanziell und sportlich passt. Das scheint bislang allerdings bei allen Fällen noch nicht so recht gepasst zu haben. Fest steht für mich: Spielen Heiko Westermann und Zugang Milan Badelj, der ja bekanntlich erst im September kommen wird, gemeinsam auf der Doppel-Sechs, dann wird es einen zweiten Stürmer nach dem „Petric-Guerrero-Modell“ geben – und keinen Spielmacher mehr. Davon bin ich überzeugt, denn Badelj hat ja durchaus auch offensive Qualitäten, er kann sich, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet, mit in die Offensive einschalten. Entweder als Passgeber, oder als zusätzlicher Mann hinter der Spitze.

Es wird, davon können wir alle aber ausgehen, noch etwas im Offensiv-Bereich des HSV passieren. Das hat mir heute noch einmal ein führendes HSV-Mitglied bestätigt, und auch Arnesen hat ja gesagt, dass er weiß, was noch gebraucht wird. Gefahr erkannt, Gefahr . . .

Viel wird ohnehin davon abhängen, wie sich der HSV als Mannschaft präsentiert. Eine Einheit oder sind es (wieder) nur elf Solisten? Trainer Thorsten Fink sprach ja nach dem 1:0-Sieg auf Mallorca von einem „guten Geist“ in der Truppe. Dieser gute Geist kann ja auch im schwedischen Überlebens-Camp Einzug beim HSV gehalten haben. Schön wäre es auf jeden Fall. Wie man große Erfolge als Team, als verschworener Haufen, feiern kann, das haben uns nun gerade die Olympischen Spiele von London gezeigt. Paradebeispiel dafür ist für mich der deutsche Achter. Was für eine verschworene Truppe. Und seit Jahr und Tag habe ich nie eine solche Mannschaft gesehen, die sich so dermaßen verausgabt hat. Diese acht Männer konnten ja selbst zehn, 15 Minuten nach ihrem Zieleinlauf kein klares Wort reden – das war Weltklasse. Da hat ein Rädchen ins nächste gegriffen, und zwar perfekt. Ähnlich dazu auch die Hockey-Herren, über die der Bundestrainer nach dem Gold-Triumph sagte: „Diese Mannschaft liegt voll auf einer Wellenlänge.“ Und wenn das so ist, dann lassen sich solche Erfolge auch einfahren. Der Wille versetzt manchmal Berge.

Bei der „neuen“ HSV-Mannschaft wird sich, davon bin ich überzeugt, positiv auswirken, dass mit Rene Adler und auch Paul Scharner, der bekanntlich noch keinen Einsatz im HSV-Trikot hatte, zwei Spielertypen dazu gekommen sind, die in meinen Augen absolute Teamplayer gelten. Beide Spieler werden der Mannschaft sicherlich in Sachen Zusammenhalt sehr gut tun. Und vielleicht schließt sich diesen beiden Herren ja auch noch der eine oder andere HSV-Profi an, der es bislang nicht geschafft hat, sich in erster Linie in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Wobei Heiko Westermann und Dennis Aogo damit ausdrücklich nicht gemeint sind, denn sie sind schon seit langer Zeit ganz auf einer Wellenlänge mit Adler und Scharner. Damit sind es auf jeden Fall schon mal vier – und auch ein Fortschritt gegenüber der vergangenen Saison.

Wenn sich jetzt auch noch spielerisch eine Entwicklung abzeichnet – dann könnte der HSV-Fan schon mal ein wenig optimistischer in die Zukunft blicken. Und ein Lichtblick gibt es da für ich bereits, denn der klein Zhi Gin Lam scheint sich ja als Verteidiger zu entwickeln. Dass man hinten rechts (oder links) nicht unbedingt ein Kraftei, ein Bulle oder ein Riesenbaby sein muss, das hat in diesem Land ja Philipp Lahm schon zur Genüge bewiesen. Offenbar hat Thorsten Fink mit seinem Umschulungsversuch ein gutes Händchen bewiesen, und nun bin ich mal gespannt, wie sich das im Bundesliga-Alltag (und auch beim Pokalspiel in Karlsruhe?) anlassen wird.

Und noch ein Mann hat sich in der Vorbereitungszeit des HSV hervorgetan: Marcell Jansen. Von mir oft genug auch deutlich und kräftig kritisiert, nun aber muss dem ehemaligen Nationalspieler bescheinigt werden, dass er sehr wohl wieder auf einem guten Weg ist. Er sollte (und wollte), so hieß es kürzlich bei seiner Vertragsverlängerung, ja künftig mehr Verantwortung übernehmen, und das scheint er nun auch in die Tat umsetzen zu wollen. Wenn es in diesem HSV mal etwas wie ein Offensivspiel gab (und davon gab es noch nicht so sehr viel!), dann war es meistens Jansen, der seinen linken Fuß mit im Spiel hatte. Er ist offensichtlich dabei, seine frühere Dynamik wiederzufinden – fast so etwas wie ein weiterer HSV-Zugang. Hoffen wir mal, dass er auf diesem Weg weitermachen wird. Und vielleicht auch noch so manch anderer HSV-Spieler. Dann befände sich der Klub dann schon mal auf dem Wege der Besserung.

PS: Der HSV trainiert am Dienstag um 10 Uhr im Volkspark und spielt am Abend um 19 Uhr bei Altona 93 (Adolf-Jäger-Kampfbahn).

17.55 Uhr

Italien kommt – Elm noch nicht

25. Juni 2012

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Über Fußball auch. Das ist mal sicher. Und wenn ich hier meine Meinung verbreite, dann weiß ich, dass es viele, viele Fußball-Fans gibt, die das total anders sehen als ich. Ist doch klar. Und dass es dafür dann auch die eine oder andere Kritik gibt, ist ebenso eindeutig – und das ist auch gut so. Solange es alles sachlich bleibt. Und das bleibt es ja auch größtenteils. Aber ich gebe hier nur das zum Besten, was ich über den Fußball weiß, was und wie ich über ein Spiel denke. Und wenn ich in diesen Tagen etwas härter mit Schweinsteiger, Podolski, Klose und Co ins Gericht gehe, dann ist es deshalb, weil ich so denke. Das kann ich nicht ändern. Das ist meine Meinung. Sonst würde ich es ganz sicher anders schreiben. Ich weiß nur, dass ich es ja meistens gleich dann schreibe, wenn ich etwas sehe. Nicht erst lange rückversichern, wie andere (Experten) darüber denken. Das ist auch im Falle der EM so. Ich weiß aber von vielen Freunden und Bekannten, dass sie oft ähnlich denken wie ich. Vor allem die Hamburger Amateurtrainer, mit denen ich Kontakt habe, denken meistens ähnlich. Und glaubt mir, es sind keine Leute dabei, die ahnungslos sind. Die verstehen alle viel vom Fach (Fußball), haben oft nur das Pech, dass sie niemals Profis waren – und deswegen nicht bei einem Profi-Klub landen, somit auch nicht „groß“ herauskommen können. Das soll aber nicht heißen, dass sie nicht auch Fußball-Experten sind. Und für diese Leute ist es, genau das ist der Kernpunkt, ebenfalls unverständlich, wie zum Beispiel ein Weltkasse-Fußballer wie Bastian Schweinsteiger ein solches Spiel wie gegen Griechenland abliefern kann. Und damit Ende (von meiner Seite aus) mit diesem Thema. Nur eines noch: Immerhin hat der „Schweini“ ja selbst eingeräumt, über seine Fehlpässe entsetzt gewesen zu sein.

Wo ich gerade bei „Experten“ war. Die, die ich gemeint habe (aus dem Amateurbereich), die sind ähnlich frustriert über die Spielerei der Spanier wie ich. Ballbesitz. Das ist ja heutzutage (auch im Amateurfußball) das Zauberwort. Motto: „Wenn wir den Ball haben, dann kann der Gegner keine Tore schießen.“ Schön und gut, es langweilt halt nur. Vor, zurück, quer, zurück, quer – Schlafwagen-Fußball. Spanien kann diese Art von Fußball perfekt, aber er ist eben nicht gerade dynamisch – und damit nicht immer schön anzusehen.
Dazu schrieb der Sport-Informations-Dienst (SID) heute einen mir aus der Seele sprechenden Bericht. In dem auch die „wahren“ Experten ihren Unmut über diese Spielerei kundtun.

„Tiki-Taka“ als Valiumtablette: „Die Spanier wollen einschläfern“

Mitte der zweiten Halbzeit hatte das Publikum die Nase gestrichen voll. Mit Pfiffen und Buhrufen machte ein Großteil der Zuschauer in der Donbass-Arena in Donezk seinem Unmut Luft. „Die Spanier wollten mit ihrer Spielweise die Franzosen und die Zuschauer einschläfern, das ist ihnen leider gelungen. Das war ein Unspiel mit viel Ballbesitz“, nörgelte hinterher Arsene Wenger, Teammanager des FC Arsenal, ein Fußball-Ästhet und ein Lehrmeister des „One-Touch-Football“.

Spanien gewann gegen Frankreich (2:0), aber die Zuschauer fühlten sich wie Verlierer. Sie hatten sich auf ein unterhaltsames Duell zweier Weltklasseteams gefreut. Stattdessen erlebten sie ein nahezu leidenschaftsloses und ermüdendes Ballgeschiebe des Titelverteidigers gegen seelenlose Franzosen. Der Erfolg gibt den Spaniern Recht, sie stehen im Halbfinale der EM gegen Portugal (Mittwoch, 20.45 Uhr/ZDF). Der Nächste, der die Schlaftablette „Tiki-Taka“ verabreicht bekommen soll, ist das personifizierte Aufputschmittel Cristiano Ronaldo.

„Tiki-Taka“ ist die spanische Bezeichnung für Klick-Klack-Kugeln. Und der Begriff beschreibt den spanischen Stil, der vor nicht allzu langer Zeit noch als revolutionär und Nonplusultra des modernen Fußballs gefeiert wurde. Bei der EM hat „Tiki-Taka“ eine einschläfernde Wirkung. Ein „Hallo-Wach“ war dagegen der torlose Schlagabtausch im Viertelfinale am Sonntagabend zwischen Italien und England mit einer Verlängerung und einem Elfmeterschießen (4:2) als Zugabe.

Es gibt nach wie vor Menschen, die sind von den Spaniern beeindruckt. „Wenn man die Raumaufteilung sieht, dann ist das beeindruckend. Genauso, wie sie gegen den Ball arbeiten. Frankreich hat so gut wie keine Möglichkeit gehabt“, sagte der deutsche Mannschaftskapitän Philipp Lahm anerkennend. Erfolgreich und effektiv, aber keineswegs attraktiv sind die Auftritte des Welt- und Europameisters aus Spanien, dessen Fußball-Philosophie auf schneller Balleroberung und viel Ballbesitz basiert, die Gegner zur Verzweiflung treibt und die Zuschauer zunehmend nervt.

„Ballbesitz und Spielkontrolle“, betont Spaniens Vicente del Bosque, seien das Wichtigste. Pass nach hinten, Pass nach vorn, danach zweimal seitwärts und wieder nach hinten – aber nur selten steil in die Tiefe. Anders ausgedrückt: zu viele Ballkontakte, zu wenig Risiko, zu wenig Tempo, zu wenig Torszenen. Kurzum: zu wenig Attraktivität, zu wenig Flair und Fußball-Zauber. Lahm: „Also, das ist schon beeindruckend, wie sie arbeiten, gegen den Ball, wie sie den Gegner vom Tor weghalten, vom eigenen.“

Dabei ergötzen sich die Fans am Spiel des FC Barcelona, der diesen Stil zur Perfektion entwickelt hat. Doch im Gegensatz zum Nationalteam dient dort das schnelle Passspiel um den Strafraum des Gegners, das oft an einen Angriff im Handball erinnert, primär dazu, den Offensivkünstlern wie Lionel Messi oder Cesc Fabregas die beste Position zum erfolgreichen Abschluss zu eröffnen. Del Bosque hingegen ließ die Furia Roja gegen Frankreich sogar ohne Stürmer mit sechs Mittelfeldspielern auflaufen. Die „Blauen“ waren völlig überfordert.

„Spanien wird die Rivalen spielerisch ermüden“, kündigte der ehemalige Nationaltrainer Luis Aragones 2008 schon vor dem Finale gegen Deutschland an – und gewann. Ein probates Gegenmittel gegen das spanische Narkotikum scheint noch immer nicht gefunden.

Nun gut, Spanien bekommen wir erst im Finale. Erst einmal ist Italien angesagt. Und das wird schwer genug. Fußball ist ja kein Wunschkonzert, aber ich hätte lieber gegen die schlaffen Engländer gespielt. Mein Gott, wie sind die in der zweiten Halbzeit über ihren Hintern abgebrochen! Da hat sie eigentlich nur der überragende Abräumer John Terry gerettet. Ich bin mal gespannt, wie die Italiener die Verlängerung verkraften, denn sie stellen die älteste Mannschaft des Turniers. Obwohl Mehmet Scholl, der ARD-Experte, ja gesagt hat, dass die Erholungsphase drei Tage dauert, mit Verlängerung vier. Und abends wird dann am vierten Tag gespielt. Sollte also kein Problem sein für diese italienische Mannschaft, die ja schon recht feinen Fußball spielt . . .

Die machen mir aber schon ein wenig Angst. Auch deshalb, weil Deutschland in einem Turnier-Spiel noch nie gegen Italien gewonnen hat. Obwohl: Am 23. März 1994 hat die deutsche Mannschaft bei einem Dreiländerturnier in der Schweiz mit 2:0 gegen Italien gewonnen. In Zürich. Aber das zählt wohl nicht so ganz . . .

Hier sind mal alle Länderspiele zwischen diesen beiden Nationen aufgeführt. Wobei ich sagen muss, dass ich zwei frühe Begegnungen live miterlebt habe. Das erste Spiel fand am 13. März 1965 im Volksparkstadion statt, als Deutschland ohne einen Hamburger 1:1 spielte. Ich war damals 16 Jahre alt und ich weiß noch genau: Mein Platz war in der Westkurve, und ich entdeckte in diesem Spiel den Außenristpass. Der Italiener Rivera, damals eine große Nummer im europäischen Fußball, schlug auf der halblinken Position (genau auf meiner Höhe) einen Ball über 30, 40 Meter genau in den Lauf eines italienischen Stürmers. Der Ball hatte so viel Effet, dass ich dachte, er würde ins Seitenaus segeln, aber er drehte dann doch genau in den Lauf des Mitspielers, so wie dieser Pass auch angedacht war. Herrlich. Ich staunte minutenlang. Und noch tagelang. Und habe danach immer und immer wieder versucht, auch solche „langen Dinger“ zu schlagen – mit dem Außenrist.
Für alle Experten, die noch mehr über dieses damalige Spiel wissen möchten: Mönchengladbachs Abwehrmann Klaus-Dieter Sieloff erzielte in der 39. Minute das deutsche 1:0 per Elfmeter, der große Sandro Mazzola glich in der 76. Minute aus, als Italien in Unterzahl spielte (Platzverweis für Burgnich). Bei Deutschland spielten neben anderen Tilkowski, Piontek, Höttges, Weber, Küppers, Brunnenmeier, Konietzka und Hornig.

Mein zweites Italien-Länderspiel war dann ein ganz besonderes, denn es war mein erstes als Reporter für das Hamburger Abendblatt. 18. April 1987, ein 0:0 in Köln. Hinter mir saß Harald „Toni“ Schumacher, es war das erste Länderspiel ohne ihn – weil er damals sein Enthüllungsbuch „Anpfiff“ über den deutschen Fußball und über die Nationalmannschaft auf den Markt „geschmissen“ hatte. Das war für den Kölner Keeper der „Abpfiff“ – Rot!

Hier nun die Länderspiele zwischen Deutschland und Italien:

26.11.1939 Berlin Deutschland – Italien 5:2
05.05.1940 Mailand Italien – Deutschland 3:2
30.03.1955 Stuttgart Deutschland – Italien 1:2
18.12.1955 Rom Italien – Deutschland 2:1
31.05.1962 Santiago Deutschland – Italien 0:0 WM-Gruppenspiel
13.03.1965 Hamburg Deutschland – Italien 1:1
17.06.1970 Mexiko-Stadt Italien – Deutschland 4:3 n. V. WM-Halbfinale
26.02.1974 Rom Italien – Deutschland 0:0
08.10.1977 Berlin Deutschland – Italien 2:1
14.06.1978 Buenos Aires Deutschland – Italien 0:0 WM-2. Finalrunde
11.07.1982 Madrid Italien – Deutschland 3:1 WM-Endspiel
22.05.1984 Zürich Deutschland – Italien 1:0
05.02.1986 Avellino Italien – Deutschland 1:2
18.04.1987 Köln Deutschland – Italien 0:0
10.06.1988 Düsseldorf Deutschland – Italien 1:1 EM-Gruppenspiel
25.03.1992 Turin Italien – Deutschland 1:0
23.03.1994 Stuttgart Deutschland – Italien 2:1
21.06.1995 Zürich Deutschland – Italien 2:0
19.06.1996 Manchester Italien – Deutschland 0:0 EM-Gruppenspiel
20.08.2003 Stuttgart Deutschland – Italien 0:1
01.03.2006 Florenz Italien – Deutschland 4:1
04.07.2006 Dortmund Deutschland – Italien 0:2 WM-Halbfinale
09.02.2011 Dortmund Deutschland – Italien 1:1

Daraus lässt sich wahrscheinlich erahnen, wie schwer dieser Kick am Donnerstag wird. Obwohl der Assistent von „Jogi“ Löw, der Hansi Flick, gestern nicht zu Unrecht bemerkte: „Statistik ist ja schön und gut, diesmal treffen aber zwei Mannschaften aufeinander, die nichts mit dieser Statistik zutun haben.“ Fast nichts, jedenfalls.

Zum HSV. Da hielt sich heute bei „Matz ab“ ja das Gerücht, dass der Schwede Rasmus Elm zum HSV kommen wird, kommen könnte. Der EM-Teilnehmer wäre der Kreativspieler, der ja noch dringend gesucht und benötigt wird. Der Mann spielt in den Niederlanden für AZ Alkmaar, er steht wohl auch auf der Liste des HSV, aber ich glaube, dass er erst dann ein Thema werden wird (werden könnte), wenn sich alle anderen Versuche zerschlagen würden, einen anderen „Klassemann“ zu finden und unter Vertrag zu nehmen.

Dann gab es noch die folgende Zuschrift:

„Moin, Moin,

ich würde gerne mal ein Thema anregen, das in den Blogartikeln leider noch gar keine Erwähnung gefunden hat: das meiner Meinung nach problematische Verhalten einiger deutscher Fans.

Besonders negativ aufgefallen ist es mir zuletzt beim Spiel gegen Griechenland. In der zweiten Halbzeit wurde lauthals “Hurra, Hurra, die Deutschen sind da” gesungen, kurz vor Spielende dann auch noch “Sieg! Sieg!”. Auch wenn das sicherlich Standard-Fußballgesänge sind (beim HSV stört mich das “Sieg! Sieg!” auch), halte ich es schon für ziemlich unangebracht, solche Gesänge in Danzig anzustimmen. Jeder Mensch mit angemessener Bildung und Sensibilität sollte da entsprechende Assoziationen sehen. Umso mehr hat es mich gestört, dass mit keinem Wort in der Berichterstattung, die ich verfolgt habe, darauf eingegangen wurde. Und es scheint ja gerade bei Länderspielen der deutschen Mannschaft im Ausland so zu sein, dass dort “Fans” mit zweifelhaften Ansichten Dinge ausleben können, die in Deutschland verboten bzw. geächtet sind (wie Nazi-Gesänge, Hitlergrüße, eindeutige Kleidung o.ä.) ohne dass etwas unternommen wird.

Ich finde, dass es in der Verantwortung des DFB, des Fanclubs der DFB-Elf und vor allem jedem Einzelnen liegt, hier klare Zeichen zu setzen und zu handeln.

Europa- und Weltmeisterschaften sind tolle Turniere und es macht Spaß, mit den Mannschaften mitzufiebern, aber ich denke, dass man sich auch immer über das bewusst sein sollte, was man so von sich gibt. Ich bin auch gespannt, ob jetzt zum Halbfinale wieder der chronische Italien-Hass von 2006 bei so vielen durchkommt, den ich damals schon sehr bedenklich fand. Wenn ich in der S-Bahn eine Horde aggressiv “Deutschland, Deutschland”-gröhlender, mit zahlreichen Flaggen und schwarz-rot-goldenen Utensilien ausgerüsteten Fans sehe, fühle ich persönlich mich da nicht wirklich zugehörig. Das Gefühl, dass das, was 2006 als etwas fröhliches begann, seitdem immer ernster geworden ist, ist glaube ich nicht ganz unbegründet.

Ich würde es gut finden, wenn ihr das Thema im Blog (oder auch im HA) mal ansprecht!

Viele Grüße.“

Ich gebe zu, dass ich um diese Thema gerne einen ganz, ganz großen Bogen machen würde. Einen riesigen Bogen. Denn man kann (ich kann) nur verlieren dabei. Egal, was man auch immer dazu sagt. Generell möchte ich mal schreiben, wie ich diese EM nun wahrgenommen habe. Vorher war ja viel davon zu hören, zu sehen und zu lesen, dass die Hooligans im Osten Europas viel Angst und Schrecken verbreiten würden. Dass es im Osten noch viel, viel härter zugeht, als bei uns. Davon habe ich nichts mitbekommen. Ich habe es vorher wohl auch befürchtet, weil ich auch einige Mal im Osten unterwegs war (und einiges miterlebt habe), aber erfahren und gelesen habe ich in diesen EM-Tagen nichts. Was aber nichts bedeuten muss, denn ich weiß von diversen Großveranstaltungen, dass da der Ball in Sachen Berichterstattung über Schlägereien und sonstige Auseinandersetzungen total flach gehalten wurde. Einiges davon wurde bewusst verschwiegen, um den Hooligans erstens kein Forum zu bieten, zweitens um den anderen Zuschauern nicht noch zusätzlich Angst zu machen.

Man wird aber, so sehr ich jeden „normalen Fan“ verstehe, niemals eine Atmosphäre schaffen können, in der es zu 100 Prozent friedlich zugeht. Das schafft man nie. Denn sonst hätte man es längst geschafft. Selbst wenn es nur noch Sitzplätze in den Stadien geben würde – das würde nichts ändern. Ich habe nun wirklich viele, viele Länderspiele erleben dürfen, und ich habe dabei unglaublich viele handgreifliche und höchst brutale Auseinandersetzungen erlebt. Immer wieder wurde im Vorfeld versucht, all das zu unterbinden. Mit Einreiseverboten, mit einem riesigen Polizeiaufgebot, mit „Fan“-Betreuern und, und, und. Und was hat es bis heute gebracht? Kaum etwas. Ich will bewusst nicht von „nichts“ schreiben, aber der entscheidende Punkt ist doch, dass sich das niemals hundertprozentig unterbinden lässt.

Leider sind da auch immer viele Trittbrettfahrer mit von der Partie, die oftmals gar nicht wissen, was sie machen, was sie da schreien. Sie machen einfach nur mit, weil es in der Gruppe natürlich viel mehr Spaß macht, zu provozieren. Und was machen denn auch schon die Vereine gegen solche „Randalierer“? Stadionverbote! Lächerlich. Das hat doch kürzlich erst Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen im Fernsehen erklärt: „In Frankfurt brüsten sich die jungen Fans damit, erst dann ein richtiger Eintracht-Fan zu sein, wenn man mindestens einmal ein Stadionverbot hatte . . .“

Wobei ich einst anmerken muss: „Deutschland, Deutschland“ zu grölen, das finde ich okay. Das sehe ich so wie „HSV, HSV“. Schlimm wird es erst, wenn da gewisse Lieder gesungen werden – aber die werden auch (fast) bei jedem Bundesliga-Spiel gegrölt. Und wird das unterbunden? Nein. Ich durfte mal in einem Zug (nach einem HSV-Spiel) Richtung Hannover fahren, was da gesungen wurde – unfassbar. Aber niemand schritt dagegen ein. Wer auch? Die Polizei? Die kann nicht überall sein. Und die Bahn-Mitarbeiter werden sich hüten, denn die würden so etwas von auf die Glocke bekommen, wenn sie etwas dagegen machen würden.

Und noch eines: Schwarz-rot-goldene Fahnen, Spiegelschoner, Schals, deutsche Trikots und, und, und – was ist daran schlecht? Das hat doch nichts mit „nationalem Denken“ zutun. Da sind so viele Frauen mit ihren schwarz-rot-goldenen Autos unterwegs – alles national denkende Frauen? Da machen wir uns doch lächerlich. In Berlin sollen ja Spiegel abgetreten worden sein, Fahnen an Autos umgeknickt, weil sie angeblich „nationales Denken“ schüren. Das ist doch nur arm und engstirnig, wer so denkt. Ich habe in Hamburg auch viele ausländische Bürger (mit eventuell einem deutschen Pass) gesehen, die deutsche Flaggen an ihren Autos haben. National Denkende? Bestimmt nicht. Da sollte man die Kirche schon mal im Dorf lassen, das ist die Freude pur über eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Mehr nicht.

Aber nun bin ich doch ein wenig abgedriftet – was ich gar nicht wollte. Denn diese Thema ist eigentlich viel zu heiß (und zu schwer), um es hier in einigen Zeilen abzuhandeln.

18.41 Uhr

EM-Notizen mit Scholl, Polen und Trompeten

10. Juni 2012

Ist ja EM. Und ich habe gerade – per Zufall und wieso auch immer – in der Redaktion ein altes Bundesliga-Sonderheft in die Hände bekommen. Eines von der Saison 2010/11. Als ich darin blätterte, las ich eine Überschrift von einem Interview mit Rudi Völler. Der Sportchef von Bayer Leverkusen gab da den gewagten Satz von sich: „Michael Ballack wird der ganzen Liga guttun.“ Tat er aber dann doch nicht, wie wir heute wissen. Und dabei hätten viele HSV-Fans den Herrn Ballack doch so gerne in Hamburg und beim HSV gesehen. Aber, und nun zur EM, was stört uns dieses Geschwätz von gestern? Auch die ganz Großen können sich irren. Wie auch die Kleinen: Ich habe mich ja jetzt ein weiteres Mal geirrt, denn ich habe nicht an einen deutschen Sieg gegen Portugal geglaubt. Es war zwar eng, aber die Löw-Truppe hat gewonnen – also lag ich daneben. So geht das im Fußball. 1:0-Siege, so heißt es in unserem Sport, sollen die schönsten sein. Und obwohl es ja viele Sportsfreunde hierzulande gibt, die der deutschen Mannschaft ein schlechtes Spiel attestieren – ich halte dagegen. Deutschland hat das Spiel gemacht, die Portugiesen haben Beton mit ein wenig härterer Härte angemischt.

In der Totalen im Fernsehen sah man es oft eindrucksvoll: alle Portugiesen im und am eigenen Strafraum. Und die Deutschen, die mit vier, fünf, sechs oder gelegentlich mit sieben Mann angriffen, bissen sich immer wieder fest. Räume dicht. Und mit Mann und Maus kann man gegen diese Portugiesen eben nicht stürmen, denn dann läuft man ins offene Messer. Habt ihr noch in Erinnerung, wie Ronaldo einmal Mitte der zweiten Halbzeit auf links abging? Wie Schmidts Katze. Wie von einem anderen Stern. Hat er den Raum, ist er nicht zu stoppen. Deswegen war dieses Spiel so gefährlich für die DFB-Auswahl. Seien wir alle zufrieden, dass es am Ende einen 1:0-Sieg gab – ich hätte auch mit einem 0:0 gut leben können. Zumal es einige deutsche Spieler gab, die lange nicht ihre 100 Prozent abgerufen haben: Lukas Podolski war bei 60 Prozent (höchstens), Bastian Scheinsteiger bei 70 Prozent (höchstens), Philipp Lahm bei 80 Prozent (allerhöchstens – oder allerhöökschtens, wie Löw sagen würde). Da muss es noch einige gewaltige Steigerungen geben. So wie die von Mats Hummels, der der überragende Mann im deutschen Team war. Zum Glück hatte Löw nicht auf per Mertesacker gesetzt – dann hätte ich auch am Bundestrainer arg gezweifelt.

Wobei, das muss ich schon zugeben, ich nach dem Spiel auch noch etwas andere Sorgen hatte. Die mit „Matz ab live“. Da hatten wir ja mit dem ehemaligen HSV-Profi Detlef Spincke und dem Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Eberhard „Eddy“ Münch (auch Gründungsmitglied Eintracht Norderstedt, Mitglied im DFB-Sozialausschuss, und, und, und), zwei sehr gute, ich möchte fast sagen überragende Gäste, die viele großartige Sachen über den Fußball zu sagen hatten. Aber am Übertragungsort wollte natürlich gefeiert werden. Da kamen sich dann Disk-Jockey, Musik und „Matz ab live“ mitunter – und nach meiner Meinung zu oft – in die Quere. Ich gebe zu, ich wollte schon während der „Sendung“ einige Male hinschmeißen, und ich hatte auch danach einen total dicken Voll-Hals. Das drückt sich dann wie folgt aus: Mikrophon von Kopf und Mund genommen, Lederjacke angezogen, den beiden Technikern des Abendblattes die Hand gegeben (Danke und tschüs) – und weg. Es hat keine Minute gedauert, bis ich das Lokal verlassen hatte und im Auto saß. Und wenn ich zum Schluss gesagt habe, dass das die letzte Sendung gewesen sei, so war das lediglich und nur für diesen Ort gedacht. Wir werden uns etwas anderes einfallen lassen (müssen), so geht es jedenfalls nicht.

Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich „volles“ Verständnis habe für die Fans. Die jubeln während des Spiels mit, die haben „VUwe-VUwe-Seelas“ (die Dinger aus Südafrika!), Trompeten, Tröten und Rasseln mitgebracht, die schreien und ein pfeifen und sind – wie wir – in Deutschland–Trikots gekommen, die wollen natürlich feiern. Die wollen dann auch die Sau rauslassen. Nach einem Sieg und zehn Bier. Und dann kommen wir und – bitten um Ruhe. So geht es natürlich auch nicht. Und das müssen wir schon auf unsere Kappe nehmen, ganz klar. Falsch gedacht und falsch geplant.

Obwohl, und dann ist auch Schluss mit diesem Thema, „uns Scholle“ sagt, alles sei vorher – das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis – mit dem Wirt abgesprochen gewesen. Was für mich aber total egal ist. Du kannst einfach keine bierseligen Fans mit einem Knopfdruck abschalten. Ich mag aber, das sei noch gesagt, Wolfgang Petry – auch richtig schön laut. Das war ja unser „Rausschmeißer“. Und Ende.

Zum Fußball. Fast jedenfalls. Ist ja EM. Und Frau M. hat sich natürlich auch Deutschland gegen Portugal angesehen. Wir sprachen spät in der Nacht noch drüber. Sie: „Ich verstehe nicht, dass diese Sache mit Boateng und er Gina-Lisa so im Mittelpunkt steht. Als gäbe es keinen Fußball . . .“ Und was sagst du so zum Spiel? Frau M.: „Cristiano Ronaldo, der gefällt mir. Ein toller Spieler. Und sieht nebenbei auch gut aus. Und dass der ein so großer Star ist, das merkt man ihm nicht an, der meckert doch nie, der ordnet sich total unter – da ist nichts von Star-Gehabe oder Arroganz erkennbar. Toller Mann und toller Spieler.“ Und ein Deutscher? Gibt es auch einen deutschen Nationalspieler, der dir gefällt? Frau M.: „Ja, du wirst es vielleicht nicht glauben, aber das ist der Mesut Özil.“ Wieso der? Frau M.: „Der spielt klasse, wie der mit dem Ball umgehen kann – wie kein anderer Deutscher. Und trotz der Tatsache, dass er ja eigentlich ein Star ist, der bei Real Madrid spielt, ist er immer auf dem Teppich geblieben. Der ist kein Lautsprecher, im Gegenteil, der ist immer still und bescheiden – der gefällt mir in seiner Art einfach, der ist großartig.“

Vielen Dank für diese kleinen weiblichen EM-Randaspekte, Frau M.

Mir hat ja, um beim Thema zu bleiben, stets Mehmet Scholl gut gefallen. Als Spieler, aber auch als ARD-Experte ganz besonders. Er spricht Klartext mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken, mit einer Prise Ironie und mit viel fußballerischem Sachverstand. Gefällt mir, diese Mischung. Während seiner Zeit als Nationalspieler habe ich ihn ja kommen und gehen gesehen (bei der Nationalmannschaft), hatte aber nie auch nur annähernd ein gutes Verhältnis zu ihm. Zum Beispiel gab es mit ihm nie ein Einzelgespräch für mich. Und wenn wir uns mal zufällig im Hotel über den Weg liefen, dann blickte er stets zu Boden – und husch, weg war er. Nicht etwa, weil er so schüchtern war oder ist. Das ist er nämlich ganz sicher nicht Er ist nur ein Mensch, der mit der Presse und den dazugehörigen „Fuzzis“ nicht viel zu tun haben wollte. Deshalb machte er immer einen ganz großen Bogen um uns (Journalisten). Ähnlich wie Oliver Kahn, der ja ohnehin nur mit den ganz großen Illustrierten sprach – wenn er sich überhaupt einmal dazu herunter ließ. Okay, gelegentlich kam er zu Pressekonferenzen, da durfte ich ihm dann auch die eine oder andere Frage stellen – aber das war es dann auch schon. Kurios ist für mich nur, dass zum Beispiel diese beiden medienscheuen Spieler, Kahn und Scholl, jetzt nicht nur die ganz großen Fußball-Experten für ARD und ZDF sind, sondern dass sie auch fleißig Reklame machen. Werbung mit Scholl und Kahn ist „in“, läuft auf allen Kanälen. Ich jedoch frage mich, warum ich ausgerechnet das kaufen sollte, was mir zwei „Jungs“ anpreisen, die mit dem „Fußvolk“ eigentlich nie so richtig etwas zu tun haben wollten. Aber Werbung ist wohl so.

Um auf Mehmet Scholl zurückzukommen: Als ARD-Mann neben dem von mir sehr geschätzten Reinhold Beckmann hat der „liebe Scholli“ die Einsatzbereitschaft von Mario Gomez beim Auftaktsieg der DFB-Elf gegen Portugal hart kritisiert – wie die deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt: „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss“, sagte Scholl nach dem Portugal-Spiel in der ARD: „Es war zwischenzeitlich wirklich extrem, wenn man geschaut hat, dass die Mittelfeldspieler, die Abwehrspieler, sie wollten nach vorne spielen, sie wollten in die Spitze spielen. Aber da war keiner. Und das ist immer die Frage, wie lange hält eine Mannschaft so was aus.“

Wenn Gomez dann nicht treffe, gehe die Diskussion los. „Das könnte er ganz einfach vermeiden, in dem er einfach mehr tut fürs Spiel“, befand Scholl und wünschte sich einen lauffreudigeren Auftritt des Angreifers mit einer Torquote von 45 Treffern in 58 Pflichtspielen in dieser Saison.

„Man braucht heutzutage Stürmer, die auch nach hinten laufen. Das gibt es eigentlich im modernen Fußball nicht mehr, dass ein Spieler einfach nur zentral bleibt, keinen Ball kurz haben will, sondern nur irgendwo auf Flanken hofft, oder auf einen Laufweg, der sich auftut hofft, oder auf eine freie Straße, die er benutzen kann. Insgesamt ist das zu wenig“, erklärte Scholl, in der neuen Saison Trainer der Amateure beim Gomez-Club FC Bayern.

Oha. Zwei Münchner bei der EM. Aber diese beiden Münchner werden sich schon demnächst auch wieder beim FC Bayern über den Weg laufen. Wie sie sich dann wohl begegnen werden? Da scheint dicke Luft programmiert zu sein. Wobei ich ganz klar sagen möchte, dass Scholl auch in diesem Fall nicht so falsch liegt. Und ich finde es einfach klasse, dass er es auch schonungslos ausspricht, obwohl er damit einen Vereinskollegen kritisiert. Ohnehin halte ich Scholl in Sachen Experte für den besseren Mann – gegenüber Kahn. Um da mal klar Stellung zu beziehen.

Kurze Randnotiz während der EM: In Polen gibt es ja, von Nationaltrainer Franciszek Smuda eventuell in die Welt gesetzt, das Gerücht, dass nach diesem Turnier die Dortmunder Jakub Blaszczykowski, Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski (Manchester United bietet angeblich 18 Millionen Euro für ihn) keine Dortmunder mehr seien werden. Was unglaublich hart für den Meister wäre, keine Frage. Aber es ist eben alles auch eine Sache des Preises. Und der Schmerzgrenze. Dortmund seinerseits soll sich nun auch in den Kampf um Edin Dzeko (Manchester City) eingeschaltet haben – zuletzt waren die Bayern sehr um den ehemaligen Wolfsburger bemüht.
Bin mal gespannt, wie sich das alles entwickeln wird. Piszczek wird mit Real Madrid in Verbindung gebracht, und ich könnte das verstehen. Dieser polnische Verteidiger hat mich in der vergangenen Saison – neben dem Schalker Raul – am meisten beeindruckt, wie er den Platz rauf und runter rennt, wie ihm der Ball gehorcht – klasse, einfach nur klasse. Er spielt mir den Verteidiger schon fast perfekt. Es würde ihm aber bei allen Madrid-Plänen aber wohl doch ein wenig mehr helfen, wenn die polnische Mannschaft wieder ein bisschen besser spielen würde – als die letzten 60 Minuten gegen die Griechen. Mal abwarten, wie sich „ein Drittel Dortmund“ (oder „eine Hälfte Bundesliga“) so entwickelt.

Begonnen habe ich ja mit einem alten Bundesliga-Sonderheft. Aussteigen möchte ich für heute mit der brandaktuellen Schiedsrichter-Zeitung des DFB, das „Offizielle Organ für die Schiedsrichter im deutschen Fußball-Bund“. Die lese ich immer gründlich von vorne bis hinten durch – das ist schon Tradition. Wir bekommen das „grüne Ding“ regelmäßig und kostenlos in die Redaktion – und ich bilde mich auch dadurch immer ein wenig weiter. Zum Beispiel bei kniffligen Regelfragen. Man lernt ja nie aus. Wie wäre es damit: Der Torwart hat den Ball sicher gefangen. Er wirft das Leder zu einem Mitspieler, der im Strafraum steht. Weil der Abwehrspieler einen Gegenspieler hinter sich vermutet, köpft er den Ball in die Arme des Torwarts zurück. Muss der Schiedsrichter eingreifen? Solche Fragen – und noch viel schwerer – finde ich ganz spannend.

Aber zum Kernthema: Ein wenig erstaunt war ich, als ich in der jetzigen Ausgabe 4 (Juli/August – ja, die Unparteiischen sind schon weit vor der Zeit!) auf der Seite 16 ein Foto eines spuckenden Spielers entdeckte – ein Gegenspieler wird angespuckt. Man sieht es in aller Deutlichkeit, nichts wird beschönigt. Und in der Bild-Unterschrift dazu steht dann auch tatsächlich:

Den Gegenspieler anspucken: Die widerlichste aller Unsportlichkeiten muss in jedem Fall mit „Rot“ bestraft werden.

Spontan dachte ich an Christian Lell. Und auch an Paolo Guerrero. Der eine (nämlich der HSV-Spieler) erhält nach einem zugegeben sehr üblen und brutalen Tritt acht Spiele Sperre, der andere, nämlich der Hertha-Spieler aus Berlin, erhält für die „widerlichste aller Unsportlichkeiten“ (so die DFB-Schiedsrichter) fünf Spiele Sperre – er hatte den Düsseldorfer Spieler Assani Lukimya angespuckt. Wahrscheinlich kam in diesem Falle aber noch „strafmildernd“ für den Berliner hinzu, dass er bei diesem chaotischen Relegationsspiel in Düsseldorf auch noch ein zweites Vergehen aufzubieten hatte, denn er hatte ja auch Schiedsrichter Wolfgang Stark beleidigt. Muss nicht zwangsläufig „strafmildernd“ gewesen sein, könnte aber . . .

Nein, ich schrieb es schon kürzlich, als dieses (in meinen Augen) „Skandal-Urteil“ gegen Lell erging – das ist alles nicht mehr normal, was (sich) diese Herren im DFB-Sportgericht leisten. Aber vielleicht wird es uns ja auch mal bei passender Gelegenheit erklärt. Ich bleibe aber dabei: Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Vielleicht ja auch einmal in Denkanstoß, jetzt, wo nichts aktuell passiert ist, mal mit dem DFB zu sprechen und zu verhandeln – das ist doch paradox. Den Schiedsrichter verbal attackieren und dazu auch noch den Gegenspieler anspucken – nur fünf Spiele Sperre? Wo leben die denn in Frankfurt? Immerhin, das sei noch erwähnt, der Kontrollausschuss hatte sechs Spiele Sperre für Lell gefordert. Aber auch das, so muss ich es sagen, wäre für mich ein Witz gewesen . . .

Aber wir haben ja EM. Und da gibt es ja durchaus auch viele positive Aspekte. Zum Beispiel die ersten drei Punkte für Deutschland.

Und wir haben ja, fast schon ein wenig nebenbei, auch immer noch ein bisschen HSV. So richtig viel tut sich da im Moment noch nicht, obwohl ich nicht ausschließen will, dass es da schon bald ein „dickes Ding“
Und dann auch noch das vom HSV:

Liebes HSV-Mitglied,

am kommenden Montag, den 11. Juni 2012 beginnt der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder. Sie als Mitglied können max. eine Dauerkarte für die Saison 2012/2013 erwerben. Ab den freien Vorverkauf (ab 26. Juni 2012) können bis zu zwei Dauerkarten erworben werden.

Folgende Blöcke stehen im Mitgliedervorverkauf zur Verfügung:

Osttribüne: 2 C, 3 C, 4 C, 5 C und 7 A

Westtribüne: 17 C, 18 C, 19, 20 C und 21 A/B/C

Südtribüne: 9 A/B/C, 10 A/B/C und 11 A/B/C

Eine Übersicht der Blöcke finden Sie hier.

Alle anderen Blöcke stehen nicht zur Verfügung. Im freien Vorverkauf werden keine weiteren Blöcke angeboten.

So buchen Sie Ihre Dauerkarte

– im Onlineshop
– telefonisch unter 01805 / 478 478*
– persönlich im HSV Service Center in der Imtech Arena

Alle Informationen zum Dauerkartenvorverkauf erhalten Sie hier.

Ein Verkauf im HSV CITY STORE und im HSV FANSHOP im Herold-Center wird nicht angeboten.

Und dann gibt es da noch eine SID-Meldung, die mich betroffen macht, denn ich schätze diesen Mann sehr, er ist zwar oft sehr locker und leger, aber er ist mit Sicherheit auch ein großer Fußball-Kenner und -Experte:

Fußballtrainer Peter Neururer liegt nach einem am Sonnabend erlittenen Herzinfarkt in einem Gelsenkirchener Krankenhaus im künstlichen Koma. Der 57-Jährige sei mit Freunden auf der Golfanlage Haus Leythe unterwegs gewesen, als er kurz vor Ende der Runde auf der Bahn 17 zusammenbrach. Mitspieler hätten sofort den Notarzt gerufen. Neururer sei dann zunächst ins Krankenhaus Bergmannsheil und von dort ins Marienhospital zum Herzspezialisten Professor Heinrich Blanke transportiert worden.

Gute Besserung, lieber Peter!

Viel Spaß bei den heutigen EM-Spielen.
Und morgen einen guten Start in die neue (EM-)Woche.

16.23 Uhr

Luzern wird ein echter Härtetest

2. September 2011

Stell Dir vor es ist Länderspiel, und keiner vom HSV ist dabei. Dabei hatte ich heute beim Vormittagstraining noch eine Sekunde lang ein wenig Hoffnung, weil Dennis Aogo fehlte. Auf meine Frage, warum der Abwehrspieler denn wohl fehlen würde, bekam ich zu hören: „Der wurde kurzfristig noch bei der Nationalmannschaft benötigt, Jogi Löw hat ihn nachnominiert.“ Hahaha. War natürlich ein Scherz. Aogo hatte einen freien Tag geschenkt bekommen, weil sein Bruder heute heiratet. Wie nett. Gefehlt haben diesmal auch noch Dennis Diekmeier, der ein wenig Oberschenkel-Probleme hat, auch Hanno Behrens war nicht anwesend: Adduktoren-Schmerzen. Geübt, um das noch zu sagen, wurde am Vormittag reichlich Passspiel, dann – fast hätte ich geschrieben bis zum Erbrechen – Aufbauspiel mit Abschluss, gegen Ende gab es noch ein kleines Spielchen.

Da waren Neuhaus, Westermann, Kacar, Bertram, Jarolim, Castelen, Jansen und Petric eine Truppe, sie spielten gegen Mickel, Guerrero, Sternberg, Tesche, Skjelbred, Berg, Zhi Gin Lam (aus der U 23) und Mancienne.

Und ansonsten? Das Nachmittags-Training wurde kurzfristig gestrichen. Und: Ich fühle mich nach nur einem Tag schon wieder toll von Euch aufgenommen. Als wäre ich nie im Urlaub gewesen. Hervorragend. Es ist alles wie immer. Wie schön. So macht „Matz ab“ doch Spaß. Vielen Dank für alles!

Um noch einmal auf meinen gestrigen Beitrag zurück zu kommen: Ich habe Blödsinn geschrieben. Wie immer. Ich habe Muhamed Besic bei Reha-Trainer Markus Günther gesehen (von Weitem sehr entfernt . . .), dabei war das gar nicht Besic, es war Neuzugang Sala. Den kannte ich ja noch nicht. Sorry. Dafür entschuldige ich mich, denn ich möchte ja nicht durch Falschmeldungen glänzen.

Und um noch einmal auf die deutsche Nationalmannschaft zu kommen. Das Buch von Philipp Lahm hat ja für reichlich Wirbel gesorgt, steht aber in vielen Bestseller-Listen auf Platz eins. Zweck erfüllt. Um es gleich zu sagen: Ich finde dieses Werk höchst überflüssig, halte es auch für völlig falsch, dass ein noch spielender Nati-Kapitän ein solches Buch verfasst, aber er ist eben ganz schlecht beraten. Hätte er Schneid gehabt, hätte er dieses Buch noch in letzter Sekunde stoppen lassen, Geld genug hätte er für eine solche Aktion ganz sicher gehabt. Nun gut, er hat es nicht getan. Was ich aber dazu sagen möchte: In einem Punkt muss ich Lahm zustimmen. Das Training der Nationalmannschaft war lange Jahre ein Witz.

Ich habe 1987 mein erstes Länderspiel für das Abendblatt gemacht, wer nachrechnen kann: Franz Beckenbauer war der Teamchef. Seit dieser Zeit habe ich mich immer gewundert, wie die Herren Nationalspieler trainieren. Lustig war es anzusehen. Darüber habe ich einmal im Fernsehen (Dropkick bei Eurosport, moderiert von Rudi Brückner) mit Karl-Heinz Riedle und, so glaube ich, Rudi Assauer, heiß diskutiert und gestritten. Riedle behauptete, dass bei der Nati so trainiert wird wie im Klub. Ich kam nicht dagegen an, behauptete aber das Gegenteil. Das sage ich rückblickend noch heute. In das Nati-Training kam erst System und so etwas wie Ernsthaftigkeit, als Jürgen Klinsmann und Joachim Löw den Laden übernommen hatten. Da konnte man dann Training sagen.

Ein Zeitzeuge dieser „Misere“ ist, so erinnere ich mich schwach, auch Werder-Trainer Thomas Schaaf, der früher das „lahme Training“ monierte. Und zwar in dieser Art: Spieler, die zur Nationalmannschaft fahren und nicht zum Einsatz kommen, die haben eine Art Urlaub verbracht. Sie haben weit weniger trainiert, wie jene Werder-Spieler, die in Bremen geblieben sind und hier trainieren mussten.
Deswegen hat Schaaf seine Spieler, die als Ersatz zur Nati reisten, auch nur höchst ungern ziehen lassen, denn sie haben beim DFB (zu früheren Zeiten) ganz einfach zu oft auf der faulen Haut gelegen. Aber, wie geschrieben, das hat sich in der Neuzeit (und seit Klinsmann/Löw) geändert. Musste ich aber trotz allem loswerden.

Zum Thema Nationalmannschaft wurde heute HSV-Kapitän Heiko Westermann befragt. Ob es wehtue, dass er wieder nicht dabei sei? Der Abwehrspieler ehrlich und rustikal: „Ist zwar Scheiße, dass ich nicht dazu gehöre, aber so ist es eben im Moment . . .“ Es liegt wohl auch an der schlechten Situation, in der sich der HSV derzeit befindet. Westermann weint aber nicht. Er hat keinen Kontakt zur Nati und zum Bundestrainer, sagt aber entschlossen: „Das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir mit dem HSV die Kurve kriegen.“ Genau.

Statt heute gegen Österreich spielt Westermann morgen mit dem HSV in der Schweiz gegen den dortigen Überraschungs-Tabellenersten FC Luzern. „Und auf dieses Spiel freue ich mich total, diese 90 Minuten sind das Highlight für mich in der Länderspielpause. Das ist ein echter Test für uns, Luzern soll sehr gut drauf sein, hat nur drei Gegentore bislang kassiert, wir werden hart gefordert, jeder Spieler sollte das wie ein Bundesliga-Spiel ansehen und dementsprechend auch zur Sache gehen“, sagte Heiko Westermann. Und fügt hinzu: „Luzern ist auch eine schöne Stadt, das Stadion ist toll, es ist ausverkauft – das hört sich alles gut an.“ Und vielleicht überrascht der HSV ja auch wie die Luzerner, indem sie dort aufsteigende Form verraten und – mal nicht verlieren.

Kurz sagte Heiko Westermann auch noch seine Meinung zum Lahm-Buch: „Es hat mich überrascht, dass er damit auf den Markt kam, ich habe nichts davon gewusst. Grundsätzlich ist es so, dass es jeder selbst wissen muss, was er macht. Er wusste es wohl vorher, dass das nicht ohne Ärger abgehen würde. Ich bin kein Freund davon, wenn Leute beurteilt werden, ob nun Trainer oder Spieler. Aber wenn er mit den Reaktionen zurechtkommt, mit sich selbst ins Reine kommt, dann ist es für ihn eben okay.“

Zurück zum Länderspiel. Gut oder schlecht für den HSV, dass es diese Pause gibt? Ich persönlich finde sie nach wie vor gut, denn irgendwie scheint wieder ein wenig Ruhe in die Stadt (Hamburg) eingekehrt zu sein. Westermann sieht es ein kleines bisschen anders: „Ich fand es zuletzt so, dass wir nicht so schlecht drauf waren. Deswegen hätte ich es gut gefunden, wenn es gleich weitergegangen wäre. Mit einer solch miesen Punktzahl in eine Pause zu gehen, ist nämlich nicht so von Vorteil . . .“ Kann ich auch verstehen. Jeder Spieler ist ja bemüht, schlechte Spiele (oder den entstandenen Schaden) so schnell wie möglich zu beheben. Und das dauert nun immerhin 14 Tage . . .

Dann wartet Werder in Bremen. Ebenfalls eine harte Nuss. Ich hatte Werder in dieser Saison mit im Abstiegskampf erwartet, scheine mich aber (einmal mehr) getäuscht zu haben. Vielleicht jedoch wirkt sich ja der Weggang von Per Mertesacker doch noch nachteilig aus. Abwarten. Heiko Westermann geht aber eigentlich davon aus: „Sein Wechsel zum FC Arsenal ist sicher ein Vorteil für uns, aber trotz allem ist Werder mit bislang neun Punkten der Favorit. Wir müssen dieses Spiel aber – gemeinsam mit den Fans – als eine Chance aufnehmen. Wir können dieses Spiel gewinnen, warum sollten wir es nicht gewinnen? Wenn wir so auftreten wie gegen Köln, dann ist das möglich. Und mit einem Sieg hätten wir dann mit einem Schlag viel Sachen wieder gutmachen.“ Westermann weiter: „Wir haben sicher Respekt vor Werder, aber wir sollten keine Angst haben. Wir können da gewinnen, das ist klar – aber wir haben bislang kein Spiel gewonnen, haben erst einen Punkt. Mit einem Sieg hätten wir sicher auch das nötige Selbstvertrauen.“
Um das Feld von hinten aufzurollen?

Abwarten.

So, ich möchte heute noch einen Schlenker auf ein ganz besonderes Spiel machen:

Beim siebten „Tag der Legenden“ treffen an diesem Sonntag am Millerntor mehr als 70 Fußballhelden aus drei Generationen aufeinander. Beim „Showdown am Millerntor“ sind, neben anderen, Jens Lehmann, Jürgen Klopp und Kevin Keegan dabei. 23 000 Hamburger haben sich ihre Karten bereits im Vorverkauf gesichert, im Vorverkauf und an der Stadion-Tageskasse (geöffnet ab 9 Uhr) sind noch rund 1000 Stehplatzkarten erhältlich.

Der Reinerlös des Benefizspiels kommt der von TV-Moderator Reinhold Beckmann 1999 gegründeten Jugendinitiative NestWerk e.V. zugute, die sich u. a. mit kostenlosen Sport- und Musikangeboten für Jugendliche in benachteiligten Hamburger Stadtteilen engagiert. Schirmherr ist in diesem Jahr Boxweltmeister Wladimir Klitschko.

„Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ heißt das Spiel, bei dem einige der erfolgreichsten deutschen Fußballer aller Zeiten antreten. Im „Team Deutschland“ sind u. a. Franz Beckenbauers „Helden von Rom“ – Andreas Brehme, Guido Buchwald und Olaf Thon – ebenso wie die 96er Europameister Markus Babbel, Fredi Bobic, Dieter Eilts und Thomas Helmer. Nach seinem überraschenden Kurz-Comeback bei Arsenal London in diesem Frühjahr betritt auch Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann erneut die große Fußballbühne. Auf eigenen Wunsch will er im Sturm spielen, u. a. an der Seite von Oliver Neuville. Erstmals läuft Meistertrainer Jürgen Klopp am Millerntor auf – unter der Regie von „Team Deutschland“-Coach Felix Magath, der gemeinsam mit Stefan Effenberg an der Seitenlinie stehen wird.

Für das „Team Hamburg“ laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Neben Manfred Kaltz, Stefan Beinlich, Franz Gerber, Richard Golz, Bernd Hollerbach und Dirk Zander stehen u.a. auch HSV-Trainer Michael Oenning und St. Pauli-Coach André Schubert im Kader. Erstmals ist sogar HSV-Ikone Kevin Keegan am Millerntor dabei – der „Kleine“ wird eventuell der Größte sein.

Die Lokalmatadoren wollen ihre Erfolgsbilanz beim „Tag der Legenden“ weiter ausbauen: Im Vorjahr feierten 24 500 Zuschauer im ausverkauften Millerntor einen 3-2-Heimerfolg der Hamburger – und sorgten für einen neuen Besucherrekord.

Schiedsrichter des legendären Spiels sind in diesen Jahr Walter Eschweiler und Bernd Heynemann.

Rund um das Ballspektakel am Millerntor gibt es ein großes Familienprogramm mit Aktionen, Autogrammstunden und einer Showbühne. Die Stadion-Moderation übernimmt Lou Richter. In der Halbzeitpause wird Stefanie Heinzmann live auftreten.

Der NDR übertragt das Match live in seinem Fernsehprogramm (ab 15 Uhr). Abends wandelt sich der „Tag der Legenden“ zur glamourösen „Nacht der Legenden“: Im „Schmidts Tivoli“ auf dem Kiez treten Sonntagabend u.a. Olli Dittrich, Ralf Schmitz und Dick Brave and the Backbeats auf. Erwartet werden 600 geladene Gäste: Neben allen Fußball-Legenden kommen u.a. Prominente aus Sport und Kultur wie Wladimir Klitschko, Ina Müller, Johannes B. Kerner, Matthias Opdenhövel, Michael Stich, Frank Schätzing und Dieter Pfaff.

Auch wenn es das ungeliebte Millerntor ist – geht (bitte) hin zu diesem Spiel, denn es ist ja auch für einen guten Zweck.

16.21 Uhr

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