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Slomka jammert nicht – er macht einfach…

12. März 2014

Mirko Slomka hat es nicht leicht – Sagen die einen. Die anderen behaupten – manchmal nicht ganz ernst gemeint – es sei doch nichts leichter, als einfach immer alles anders zu machen als die Vorgänger. Irgendwie haben beide Recht. Aber am wichtigsten dabei ist, dass Slomka nicht müde wird, das Richtige zu machen. In meinen Augen zumindest. Vor allem schenkt er seiner Mannschaft Vertrauen, ohne sie zu schonen. Er lässt sie im Training hart arbeiten wie lange nicht – und auf der anderen Seite demonstriert er Tag für Tag, dass er tatsächlich alle Spieler braucht. Er jammert nicht über die Verletzten, sondern spricht lieber die Gesunden stark. „Alternativlos“, nannte es Slomka zu Beginn seiner HSV-Zeit. Heute sagte er: „Ich verwende lieber alle Energie auf die Spieler, die Sonntag dabei sein können.“ Und ich bin mir sicher, dass das so richtig ist.

Einen Platz hat der HSV unter Slomka in der Tabelle gutgemacht. Den nächsten will der HSV am Sonntag gegen Nürnberg wettmachen. „Ich bin hier angetreten und habe gesagt, wir wollen mindestens zwei Plätze klettern. Einen haben wir geschafft, wir sind von 17 auf 16. Den nächsten können wir jetzt am Sonntag schaffen, wir haben die Chance von 16 auf 15 zu klettern. Und das ist das vorgegebene Ziel. Und dann gilt es, das zu verteidigen. Denn ich kann nur wiederholen“, so der Trainer, „dass alles noch unglaublich eng ist. Kein Team, das noch keine 30 Punkte hat, kann sich sicher sein. Mannschaften, die sich in Sicherheit wiegen, können noch mit in den Sog gerissen werden. Das geht so schnell. Deshalb sind die vier Punkte, die wir in drei Spielen geholt haben, in Ordnung – aber nicht ideal. Wir müssen am Sonntag gegen Nürnberg nachlegen.“

Punkt.

Unter normalen Umständen müsste ein Trainer seiner Mannschaft nichts weiter sagen, um die richtige Einstellung für ein direktes Abstiegsduell wie gegen Nürnberg herauszukitzeln. Slomka jedoch macht es. Am Nachmittag heute ging es dafür mal überraschend ins Gym zum alternativen Training.

Fussball

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Boxen stand auf dem Plan, um Abwechslung ins Training zu bringen und harte Arbeit mit Spaß zu verbinden. Zudem beugt Slomka so weiteren Verletzungen vor, nachdem sich zuletzt die Muskelverletzungen gehäuft hatten und der Verdacht aufkam, die Belastung aus der Drucksituation im Abstiegskampf sowie das härtere Training könnten mitverantwortlich sein.

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„Das kann ich in Gänze nicht beurteilen“, sagt Slomka, „weil ich die Eingangsuntersuchungen und die Leistungsdiagnostik nicht mitgemacht habe. Was ich sagen kann ist, dass wir den Umfang deutlich erhöht haben und gerade was das Training angeht. Es gibt die Anpassung der Belastung des Spiels aufs Training. Wir müssen 90 Minuten richtig marschieren können, daher müssen wir uns das im Training hart erarbeiten. Und daher gibt es hier und da sicher auch mal muskuläre Verhärtungen.“ Die seien aber nicht zu vermeiden, will man sich physisch auf den notwendigen Stand bringen. Wobei ich noch einmal sagen muss, dass es Slomka ehrt, diesbezüglich nicht auf seine Vorgänger einzugehen. So offensichtlich die Missstände ob seiner Maßnahmen auch werden – er jammert nicht. Er macht einfach.

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Wie im Fall Lasogga. Slomka wurde nicht müde, heute die Bedeutung des Stürmers hervorzuheben, nannte Lasogga den wahrscheinlich momentan traurigsten Bundesligaspieler überhaupt, „weil er unbedingt will. Er ist ein verrückt denkenden Fußballer. Ihm tut das wahnsinnig weh, das er nicht bei der Mannschaft ist und er tut ganz sicher alles, um schon am Sonntag wieder bei der Mannschaft zu sein. Allerdings bin ich da weiterhin skeptisch.“ Und das ist wohl leider berechtigt. Denn auch heute konnte der HSV noch keine Optimismus verbreitende Diagnose verkünden. „Wir warten ab – riskieren aber nichts“, so Slomka, wissend, dass Lasogga angeschlagen wie im Abstiegskampf noch eine entscheidende Rolle einnehmen kann.

Ihn am Sonntag vertreten dürfte erneut Jacque Zoua. Notgedrungen – aber von Slomka starkgeredet. Anstatt die Chancenarmut öffentlich zu diskutieren, hob er die zwei, drei guten Szenen Zouas („Hervorragender Linksschuss, den Trapp stark pariert“) hervor und betonte immer wieder, wie willens- und kopfballstark der Ex-Basel-Profi sei. „Jacque hat seine Sache ordentlich gemacht. Für ihn ist es nicht leicht gewesen, weil er nie mehrere Spiele am Stück hatte. Aber die braucht er, um noch besser zu werden“, so Slomka, der neben Zoua zuletzt vor allem auch die Bedeutung des auch hier am meisten diskutierten Spieler hervorhob: Rafael van der Vaart. „Rafael ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Und genau das verlange ich von ihm.“

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Und dafür bekommt van der Vaart ein neues Bewegungsfeld vorgegeben. „Er braucht viele Bälle in der Zone, wo er unsere Angreifer optimal einsetzen kann und selbst zum Abschluss kommt. Rafa hat einen sehr gezielten, wichtigen Abschluss mit einer hohen Quote. Ich würde behaupten, bei zehn guten Möglichkeiten würde er sieben Mal treffen – und das ist eine sehr gute Quote. Die müssen wir zum Einsatz bringen.“ Auf der Sechserposition sei der HSV spielerisch gut genug, vorne fehle dieser aber. „Ich brauche einen Anspieler, der sich im vorderen Feld als hängender Spieler das Spiel lenkt und leitet. Das ist etwas, was ich bei ihm immer sehrt bewundert habe und wofür ihn die Mannschaft auch dringend braucht.“

Absolut. Alternativlos nenne ich es, van der Vaart stark zu reden. Zu viele Spieler wurden im Laufe dieser Saison unnötig von außen geschwächt. Aussortiert, aus finanziellen Notsituationen heraus zum Verkauf feilgeboten, zur U23 degradiert und nach Japan verliehen – am Ende aber werden sie alle gebraucht. Das ist nichts, was ich jetzt exklusiv habe, das weiß selbst Wortspieler (Achtung, nur n Scherz…). Aber es ist einfach wahr. Martin Jol hat dieses Prinzip beherrscht und allen Spielern das Gefühl gegeben, sie seien besonders wichtig für ihn. Und obwohl die Spieler schon Scherze machten, dass Jol wohl allen sagen würde, dass sie die jeweils besten seien – es kam an. Der Trainer kam an. So, wie Doll mit seiner leidenschaftlichen, teamnahen Art wählt Slomka den Weg, allen Spielern im Voraus Vertrauen zu schenken. Und wer zurückzahlt, der bleibt.

Siehe Ilicevic am Wochenende. Der wird in der Startelf stehen, darauf würde ich wetten. Sollte hier jemand anderer Meinung sein, meldet Euch bei mir… So, wie es Mediendirektor Jörn Wolf machen wollte, sobald er von Lasogga Neues gehört hat. Denn der Angreifer weilte heute in München, wo er sich von Nationalelf-Doktor Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Sobald ich hier etwas Neues habe, melde ich m9ch noch einmal mit einem Update.

Ansonsten verbleibe ich für heute mit den besten Wünschen an die HSV-Verletzten und Euch natürlich. Genießt den Champions-League.-Abend, der gestern mit einer sehr interessanten zweiten Halbzeit des Bayern-Spiels beendet wurde. Mit Hoeneß auf der Tribüne – und weiter ohne ihn im Blog. Das überlasse ich gern anderen.

In diesem Sinne, wir haben hier unsere eigenen Sorgen. Und deshalb zählt für mich hier weiterhin nur der HSV!

Scholle

FOTOS: WITTERS (6)

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