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0:2 – ohne Tor geht auch in Wolfsburg nichts!

9. November 2014

Der Betriebsausflug nach Wolfsburg ging in die Hose. Der HSV verlor beim neuen Tabellenzweiten VfL mit 0:2 und stellte einmal mehr unter Beweis, dass im Spiel nach vorne fast alles fehlt. Nur zwei Gegentreffer ist noch hinnehmbar, in der Offensive aber wird sich der Vier-Tore-HSV spätestens in der Winterpause etwas einfallen lassen müssen, denn so geht es nicht. So wird dieser HSV wieder nur gegen den Abstieg spielen, so kommt er da unten aus dem Sumpf auch kaum noch einmal heraus. Es ist schon grausam zu sehen, wie sich der HSV im Spiel nach vorne anstellt, wie groß die Defizite sind – das ist von 90 Minuten bestimmt 70 Minuten lang nicht einmal zweitligareif. Es darf in Hamburg weiter gezittert werden, aber ab heute recht, recht kräftig. Wenn die Dortmunder gleich gegen Mönchengladbach gewinnen sollten, dann rutscht der HSV auf den vorletzten Platz ab. Gute Nacht, Hamburg! Und der nächste Gegner ist in 14 Tagen im Volkspark Werder Bremen – gegen den Erzfeind ist ein HSV-Sieg auch nicht unbedingt eine klare Sache, wenn man mal in die Vergangenheit blickt. Es wird ein harter Winter, auch wenn es wettermäßig noch immer recht, recht mild ist. Zieht euch warm an, HSV-Fans, es kommen schwere Zeiten auf euch zu. Und der gute Joe Zinnbauer ist um seinen Trainer-Job in Hamburg wirklich nicht zu beneiden, nein, wirklich nicht!

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Die Seitenwahl hatte Rafael van der Vaart gegen VfL-Kapitän Benaglio noch gewonnen . . . Aber schon bald war klar, dass HSV-Tore auch diesmal Mangelware bleiben würden.

 

Eines ist trotz allem klar – und auch gut zu sehen: Dieser HSV wehrt sich von der ersten Minute an. Er hält dagegen, er geht zur Sache, verschenkt nicht einen Zentimeter. Auch beim Bayern-Verfolger in Wolfsburg trat der HSV unerschrocken auf. Zwar nicht ganz in der Leverkusen-Verfassung, als es vor einer Woche ganz ordentlich im Karton rappelte, aber es wurde aggressiv dagegen gehalten. Und die Gelben Karten konnten sich nach einer Halbzeit auch sehenlassen. Dennis Diekmeier, der in der 18. Minute Vieirinha umgrätschte, Matthias Ostrzolek der gegen Träsch mit gestrecktem Bein vorging (21.), und Pierre-Michel Lasogga, der erst Naldo und dann Knoche zu Boden schickte (45.) wurden von Schiedsrichter Knut Kircher verwarnt. Glück hatte Rafael van der Vaart, der de Bruyne von hinten umgrätschte, aber kein Gelb sah – es war ganz, ganz hart am Rande (17.).

 

Nach Toren aber führte der VfL zur Pause mit 1:0, und das ist nun einmal entscheidend. In der 28. Minute wollte Valon Behrami den Ball auf Jaroslav Drobny zurückköpfen, der Ball flog aber ins Toraus – ein Missverständnis. Und das wurde „teuer“. Hunt schlug den Eckstoß von links zur Mitte, das „Ding“ war abgesprochen: Aus 20 Metern nahm de Bruyne den Ball volley, der Schuss wäre am HSV-Tor vorbeigeflogen, aber ausgerechnet der frühere HSV-Star Ivica Olic lenkte die Kugel noch ins Netz. Eigentlich wäre „Ivi“ im Abseits gewesen, aber weil sich Diekmeier sich zu spät vom langen Pfosten gelöst hatte, war es ein reguläres Tor. Leider, leider. Es hatte sich nicht angekündigt, obwohl man schon sagen musste, dass die Wolfsburger schon das bessere Team waren.

 

Es steckt in dieser Spitzen-Mannschaft schon eine Menge oder jede Menge Qualität drin. Das ist der Unterschied zwischen Hamburg und Wolfsburg – im Jahre 2014. Der HSV versuchte spielerische Defizite mit Kampf wettzumachen, was nicht immer gelang. Zudem lief nach vorne beim Zinnbauer-Team kaum etwas zusammen. Lediglich ein Freistoß schwor Gefahr vor dem VfL-Tor herauf. In der 15. Minute lag der Ball 20 Meter vor dem Wolfsburger Gehäuse, van der Vaart wollte aus halbrechter Position schießen, reklamierte aber – völlig richtig – den Abstand der Mauer. Kircher aber ließ sich nicht erweichen, er setzte sein Spray, so er denn eines mitgebracht hatte, konsequent nicht ein. Eigen ist eigen, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich war er auch damals der einzige Unparteiische, der auf sein Head-Set verzichten wollte – einer wehrte sich zu jener Zeit vehement gegen die Ohrenstöpsel – heute haben sie es alle. Weil es eine gute Sache ist. Das Spray wird Kircher eines Tages auch irgendwann einmal einsetzen. Ganz sicher.

 

Die ersten Möglichkeiten in Halbzeit zwei hatte der HSV:
50. Minute: Rafael van der Vaart aus halbrechter Position, Heiko Westermann stieg hoch und köpfte aus acht Metern um Zentimeter drüber.
59. Minute, Flanke Lewis Holtby, Kopfball von Lasogga, der sich gegen Vieirinha durchsetzte, aber der Ball flog weit über das Gehäuse. Das war es dann auch schon wieder.

 

Besser machten es die Wolfsburger. Obwohl es zunächst nicht danach aussah: Diekmeier sprintete nach vorne, wurde am Strafaum-Eck von Naldo gefällt, Gelb und Freistoß. Den schoss van der Vaart, abgeblockt, Konter des VfL, de Bruyne lief Behrami mit einem Lied auf den Lippen auf und davon, Eingabe von rechts, und dann stand Hunt völlig allein und sieben Meter vor Drobny: 2:0, weil der Neu-Wolfsburger eben ein abgezockter Typ ist, der weiß, was er mit der Kugel zu machen hat – und das macht er wirklich klasse. Das muss man neidlos anerkennen. Nicht anerkennen muss man, wie sich die HSV-Defensive verhalten hat – alle Mann nach vorne, das kann man machen, aber das ist in 64. Minute vielleicht ein wenig zu früh. Dass der HSV aufmachen würde (und müsste), das war schon klar, und dass dann das Risiko eines Konters eingegangen wird, ebenfalls. Und gleich der erste Konter saß – das ist bitter.

 

Der HSV brachte Zoltan Stieber, Julian Green und Valmir Nafiu, aber Artjoms Rudnevs blieb draußen. Nach den letzten Trainingseindrücken vom Sonnabend keine Überraschung. Aber nach vorne ging immer noch nichts – da half weder ein Wunder noch sprang der Fußball-Gott in die Bresche. Der HSV spielt ohne Offensive, und so lassen sich eben nur selten mal Spiele gewinnen. Es geht eben nicht immer gegen Dortmund und Leverkusen – nein, ein Scherz. Ohne Offensive muss es schon passen, wenn es einen Sieg geben soll, und es passt eben nicht immer.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami; Müller (ab 79. Min. Green), Holtby, van der Vaart (ab 79. Min. Nafiu), Jansen (ab 70. Min. Stieber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny war am Gegentor schuldlos, ansonsten hatte er wenig zu halten. Das Wenige erledigte er aber souverän.

 

Dennis Diekmeier kniete sich mächtig und gut rein, erledigte seinen Job hinten zuverlässig, nach vorne schaffte er diesmal allerdings recht wenig. Was wohl auch oder in erster Linie der Qualität der VfL-Offensive geschuldet war. In der 62. Minute allerdings sprintete er bis an den VfL-Strafraum, und dann kam Naldo . . . Der sah Gelb, und Diekmeier Sterne.

 

Johan Djourou spielte einen soliden Part, große Klopse hatte er diesmal nicht mit auf den Rasen gebracht.

 

Heiko Westermann war in seinem 300. Bundesliga-Spiel defensiv eine Bank, räumte unten und oben ab, meistens recht kompromisslos, das war okay.

 

Matthias Ostrzolek ließ hinten nichts anbrennen und entfachte vorne leider nichts.

 

Valon Behrami biss wie immer kräftig zu, er ist eine Bank als Abräumer. Beim 0:2 aber sah er (im Laufduell mit de Bruyne) nicht gut aus.

 

Nicolai Müller lief viel, aber meistens ohne Ball, dementsprechend lief vieles – wenn nicht alles – an ihm vorbei. Der Wille, das muss schon erwähnt werden, ist ihm aber nicht abzusprechen. Wenn der HSV eine perfekt oder bestens funktionierende Offensive hätte, dann würde er wohl auch mal so richtig aufblühen, aber so etwas gibt es beim HSV ja leider nicht.

 

Lewis Holtby war in Halbzeit eins nicht zu sehen, dann „taute“ er allmählich auf. Etwas zu spät –leider.

 

Rafael van der Vaart gab alles, grätschte sogar einige Male, aber es reichte einmal mehr nicht – weil auch die Mitspieler nicht immer auf ihn eingehen (können?).

 

Marcell Jansen blieb diesmal blass, hatte kaum Szenen.

 

Pierre-Michel Lasogga rannte, rannte oft umsonst und vergeblich, aber irgendwie ist rennen auch nicht der Sport, der ihm auf den Leib geschneidert ist. So richtig eingesetzt wird er von den Kollegen jedenfalls nicht – und unterstützt auch nicht. Daran krankt diese Vier-Tore-Offensive – schon lange übrigens, nicht erst seit Wolfsburg.

 

Zoltan Stieber (ab 70. Min. für Jansen) machte mit, versuchte auch etwas, aber was sollte da nach vorne noch gehen? Es geht ja auch ohne ihn schon nichts, wie sollte er das schon ändern?

 

Valmir Nafiu (ab 79. Min. für van der Vaart) durfte noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft schnuppern – gebracht hat es wenig. Aber für den Verkauf im Winter mag es vielleicht ganz gut sein . . .

 

Julian Green (ab 79. Min. für Müller) wirbelte noch einige Minuten, ohne dass er groß in Erscheinung trat. Aber das war auch nicht wirklich zu erwarten.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden natürlich über das Spiel gegen den VfL in Wolfsburg sprechen. Unsere Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Alexander Laas (ehemals Wolfsburg) und Stefan Schnoor, der frühere Wolfsburger und heutige Experte von „Sport1“.

 

17.27 Uhr

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