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0:2 – ohne Tor geht auch in Wolfsburg nichts!

9. November 2014

Der Betriebsausflug nach Wolfsburg ging in die Hose. Der HSV verlor beim neuen Tabellenzweiten VfL mit 0:2 und stellte einmal mehr unter Beweis, dass im Spiel nach vorne fast alles fehlt. Nur zwei Gegentreffer ist noch hinnehmbar, in der Offensive aber wird sich der Vier-Tore-HSV spätestens in der Winterpause etwas einfallen lassen müssen, denn so geht es nicht. So wird dieser HSV wieder nur gegen den Abstieg spielen, so kommt er da unten aus dem Sumpf auch kaum noch einmal heraus. Es ist schon grausam zu sehen, wie sich der HSV im Spiel nach vorne anstellt, wie groß die Defizite sind – das ist von 90 Minuten bestimmt 70 Minuten lang nicht einmal zweitligareif. Es darf in Hamburg weiter gezittert werden, aber ab heute recht, recht kräftig. Wenn die Dortmunder gleich gegen Mönchengladbach gewinnen sollten, dann rutscht der HSV auf den vorletzten Platz ab. Gute Nacht, Hamburg! Und der nächste Gegner ist in 14 Tagen im Volkspark Werder Bremen – gegen den Erzfeind ist ein HSV-Sieg auch nicht unbedingt eine klare Sache, wenn man mal in die Vergangenheit blickt. Es wird ein harter Winter, auch wenn es wettermäßig noch immer recht, recht mild ist. Zieht euch warm an, HSV-Fans, es kommen schwere Zeiten auf euch zu. Und der gute Joe Zinnbauer ist um seinen Trainer-Job in Hamburg wirklich nicht zu beneiden, nein, wirklich nicht!

Für Abendblatt-Blogs


 

Die Seitenwahl hatte Rafael van der Vaart gegen VfL-Kapitän Benaglio noch gewonnen . . . Aber schon bald war klar, dass HSV-Tore auch diesmal Mangelware bleiben würden.

 

Eines ist trotz allem klar – und auch gut zu sehen: Dieser HSV wehrt sich von der ersten Minute an. Er hält dagegen, er geht zur Sache, verschenkt nicht einen Zentimeter. Auch beim Bayern-Verfolger in Wolfsburg trat der HSV unerschrocken auf. Zwar nicht ganz in der Leverkusen-Verfassung, als es vor einer Woche ganz ordentlich im Karton rappelte, aber es wurde aggressiv dagegen gehalten. Und die Gelben Karten konnten sich nach einer Halbzeit auch sehenlassen. Dennis Diekmeier, der in der 18. Minute Vieirinha umgrätschte, Matthias Ostrzolek der gegen Träsch mit gestrecktem Bein vorging (21.), und Pierre-Michel Lasogga, der erst Naldo und dann Knoche zu Boden schickte (45.) wurden von Schiedsrichter Knut Kircher verwarnt. Glück hatte Rafael van der Vaart, der de Bruyne von hinten umgrätschte, aber kein Gelb sah – es war ganz, ganz hart am Rande (17.).

 

Nach Toren aber führte der VfL zur Pause mit 1:0, und das ist nun einmal entscheidend. In der 28. Minute wollte Valon Behrami den Ball auf Jaroslav Drobny zurückköpfen, der Ball flog aber ins Toraus – ein Missverständnis. Und das wurde „teuer“. Hunt schlug den Eckstoß von links zur Mitte, das „Ding“ war abgesprochen: Aus 20 Metern nahm de Bruyne den Ball volley, der Schuss wäre am HSV-Tor vorbeigeflogen, aber ausgerechnet der frühere HSV-Star Ivica Olic lenkte die Kugel noch ins Netz. Eigentlich wäre „Ivi“ im Abseits gewesen, aber weil sich Diekmeier sich zu spät vom langen Pfosten gelöst hatte, war es ein reguläres Tor. Leider, leider. Es hatte sich nicht angekündigt, obwohl man schon sagen musste, dass die Wolfsburger schon das bessere Team waren.

 

Es steckt in dieser Spitzen-Mannschaft schon eine Menge oder jede Menge Qualität drin. Das ist der Unterschied zwischen Hamburg und Wolfsburg – im Jahre 2014. Der HSV versuchte spielerische Defizite mit Kampf wettzumachen, was nicht immer gelang. Zudem lief nach vorne beim Zinnbauer-Team kaum etwas zusammen. Lediglich ein Freistoß schwor Gefahr vor dem VfL-Tor herauf. In der 15. Minute lag der Ball 20 Meter vor dem Wolfsburger Gehäuse, van der Vaart wollte aus halbrechter Position schießen, reklamierte aber – völlig richtig – den Abstand der Mauer. Kircher aber ließ sich nicht erweichen, er setzte sein Spray, so er denn eines mitgebracht hatte, konsequent nicht ein. Eigen ist eigen, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich war er auch damals der einzige Unparteiische, der auf sein Head-Set verzichten wollte – einer wehrte sich zu jener Zeit vehement gegen die Ohrenstöpsel – heute haben sie es alle. Weil es eine gute Sache ist. Das Spray wird Kircher eines Tages auch irgendwann einmal einsetzen. Ganz sicher.

 

Die ersten Möglichkeiten in Halbzeit zwei hatte der HSV:
50. Minute: Rafael van der Vaart aus halbrechter Position, Heiko Westermann stieg hoch und köpfte aus acht Metern um Zentimeter drüber.
59. Minute, Flanke Lewis Holtby, Kopfball von Lasogga, der sich gegen Vieirinha durchsetzte, aber der Ball flog weit über das Gehäuse. Das war es dann auch schon wieder.

 

Besser machten es die Wolfsburger. Obwohl es zunächst nicht danach aussah: Diekmeier sprintete nach vorne, wurde am Strafaum-Eck von Naldo gefällt, Gelb und Freistoß. Den schoss van der Vaart, abgeblockt, Konter des VfL, de Bruyne lief Behrami mit einem Lied auf den Lippen auf und davon, Eingabe von rechts, und dann stand Hunt völlig allein und sieben Meter vor Drobny: 2:0, weil der Neu-Wolfsburger eben ein abgezockter Typ ist, der weiß, was er mit der Kugel zu machen hat – und das macht er wirklich klasse. Das muss man neidlos anerkennen. Nicht anerkennen muss man, wie sich die HSV-Defensive verhalten hat – alle Mann nach vorne, das kann man machen, aber das ist in 64. Minute vielleicht ein wenig zu früh. Dass der HSV aufmachen würde (und müsste), das war schon klar, und dass dann das Risiko eines Konters eingegangen wird, ebenfalls. Und gleich der erste Konter saß – das ist bitter.

 

Der HSV brachte Zoltan Stieber, Julian Green und Valmir Nafiu, aber Artjoms Rudnevs blieb draußen. Nach den letzten Trainingseindrücken vom Sonnabend keine Überraschung. Aber nach vorne ging immer noch nichts – da half weder ein Wunder noch sprang der Fußball-Gott in die Bresche. Der HSV spielt ohne Offensive, und so lassen sich eben nur selten mal Spiele gewinnen. Es geht eben nicht immer gegen Dortmund und Leverkusen – nein, ein Scherz. Ohne Offensive muss es schon passen, wenn es einen Sieg geben soll, und es passt eben nicht immer.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami; Müller (ab 79. Min. Green), Holtby, van der Vaart (ab 79. Min. Nafiu), Jansen (ab 70. Min. Stieber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny war am Gegentor schuldlos, ansonsten hatte er wenig zu halten. Das Wenige erledigte er aber souverän.

 

Dennis Diekmeier kniete sich mächtig und gut rein, erledigte seinen Job hinten zuverlässig, nach vorne schaffte er diesmal allerdings recht wenig. Was wohl auch oder in erster Linie der Qualität der VfL-Offensive geschuldet war. In der 62. Minute allerdings sprintete er bis an den VfL-Strafraum, und dann kam Naldo . . . Der sah Gelb, und Diekmeier Sterne.

 

Johan Djourou spielte einen soliden Part, große Klopse hatte er diesmal nicht mit auf den Rasen gebracht.

 

Heiko Westermann war in seinem 300. Bundesliga-Spiel defensiv eine Bank, räumte unten und oben ab, meistens recht kompromisslos, das war okay.

 

Matthias Ostrzolek ließ hinten nichts anbrennen und entfachte vorne leider nichts.

 

Valon Behrami biss wie immer kräftig zu, er ist eine Bank als Abräumer. Beim 0:2 aber sah er (im Laufduell mit de Bruyne) nicht gut aus.

 

Nicolai Müller lief viel, aber meistens ohne Ball, dementsprechend lief vieles – wenn nicht alles – an ihm vorbei. Der Wille, das muss schon erwähnt werden, ist ihm aber nicht abzusprechen. Wenn der HSV eine perfekt oder bestens funktionierende Offensive hätte, dann würde er wohl auch mal so richtig aufblühen, aber so etwas gibt es beim HSV ja leider nicht.

 

Lewis Holtby war in Halbzeit eins nicht zu sehen, dann „taute“ er allmählich auf. Etwas zu spät –leider.

 

Rafael van der Vaart gab alles, grätschte sogar einige Male, aber es reichte einmal mehr nicht – weil auch die Mitspieler nicht immer auf ihn eingehen (können?).

 

Marcell Jansen blieb diesmal blass, hatte kaum Szenen.

 

Pierre-Michel Lasogga rannte, rannte oft umsonst und vergeblich, aber irgendwie ist rennen auch nicht der Sport, der ihm auf den Leib geschneidert ist. So richtig eingesetzt wird er von den Kollegen jedenfalls nicht – und unterstützt auch nicht. Daran krankt diese Vier-Tore-Offensive – schon lange übrigens, nicht erst seit Wolfsburg.

 

Zoltan Stieber (ab 70. Min. für Jansen) machte mit, versuchte auch etwas, aber was sollte da nach vorne noch gehen? Es geht ja auch ohne ihn schon nichts, wie sollte er das schon ändern?

 

Valmir Nafiu (ab 79. Min. für van der Vaart) durfte noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft schnuppern – gebracht hat es wenig. Aber für den Verkauf im Winter mag es vielleicht ganz gut sein . . .

 

Julian Green (ab 79. Min. für Müller) wirbelte noch einige Minuten, ohne dass er groß in Erscheinung trat. Aber das war auch nicht wirklich zu erwarten.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden natürlich über das Spiel gegen den VfL in Wolfsburg sprechen. Unsere Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Alexander Laas (ehemals Wolfsburg) und Stefan Schnoor, der frühere Wolfsburger und heutige Experte von „Sport1“.

 

17.27 Uhr

Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Zwischen Intervall-Läufen und Segeltörn

25. Juni 2014

Co-Trainer Nestor El Maestro hatte es ja angekündigt: jeder zweite Trainingstag an der Flensburger Förde wird hart für die Spieler. Entsprechend mussten sie heute wieder ordentlich schwitzen. Nachdem der Vormittag auf dem Trainingsrasen noch sehr Ball-dominiert war, ging es am Nachmittag richtig ab.

Erneut mussten 1000-Meter-Tempoläufe gestartet werden. Und zwar noch schnellere als zuletzt. Unter vier Minuten hatten die Profis die zweieinhalb Laufrunden auf der Leichtathletik-Bahn zu absolvieren. Und das taten sie auch, selbst wenn die Leidensmiene beim einen oder anderen zunahm. Mit Petr Jiracek und Tolgay Arslan, aber auch Dennis Diekmeier, Matti Steinmann, Zoltan Stieber , Jacques Zoua, Marcell Jansen und Gojko Kacar haben sich jedenfalls schon einige Mittelstrecken-Experten hervorgetan. Aber ganz sicher: Morgen werden ihnen die Oberschenkel immer noch wehtun.

Dann hat der Trainer auch eine ruhige Einheit angesetzt, ganz ohne Laufschuhe und Ball – nämlich auf dem Wasser. In sieben oder acht Booten geht es zum Segeltörn. Und den Wind wollen sie dann so gut lesen, die Skipper in den HSV-Booten, dass sie auf jeden Fall wieder um 18 Uhr an Land sind, um das deutsche Vorrunden-Finale gegen die USA vor dem Fernseher zu verfolgen.

Erfreulich am Rande: bislang gibt es in Glücksburg noch keine verletzungsbedingten Ausfälle. Das muss ja auch mal als positiv und beim HSV gar nicht selbstverständlich herausgehoben werden.

Am Dienstagabend hat der alte Aufsichtsrat ein letztes Mal getagt. Ein Kernthema war die künftige Finanzierung bzw. der Status Quo des e.V. nach Ausgliederung des Profifußball-Bereichs. Ehe die AG im Handelsregister eingetragen ist, gibt es hier offenbar noch einigen Klärungsbedarf. So gibt es immer noch einige Einspruchsfristen, die abgewartet werden müssen, ehe ein solider und belastbarer Etat steht.

In jedem Fall dankte der Vorsitzende Jens Meier seinen Kollegen ausdrücklich für die Arbeit insbesondere der letzten Monate und den Übergangsprozess. Vermutlich wird es in den kommenden Wochen auch noch eine symbolische Übergabe an den neuen Aufsichtsrat der AG und dessen designierten Vorsitzenden Karl Gernandt geben.

Interessant ist diese Formalie: Natürlich müssen auch die Arbeitsverträge aller Angestellten, die bislang im e.V. unter Vertrag standen, auf die AG umgeschrieben werden. Carl Jarchow hat diese Papiere mittlerweile vorbereitet, er war gestern mit einer Mitarbeiterin aus der Personalabteilung in Glücksburg, um den Profis entsprechende Schreiben auszuhändigen. Nach dem Mittagessen ist Jarchow wieder zurückgefahren nach Hamburg. Jedenfalls hat jeder Angestellte, dessen Vertrag nun umgewandelt werden soll, eine vierwöchige Einspruchsfrist. In den allermeisten Fällen wird diese Frist sicher verstreichen. Aber ich sage mal ganz vorsichtig: Es soll ja auch Arbeitnehmer beim HSV in der höheren Gehaltsklasse geben, die aktuell etwas unzufrieden mit ihrem Standort sind. Was geschieht, wenn einer von ihnen die Einspruchsfrist nutzt und juristisch dagegen vorgeht? Das wäre erneut höchst unerfreulich. Wobei es inhaltlich wohl kein allzu großes Problem darstellen würde, denn dann könnte der entsprechende Spieler einfach für den e.V. weiterspielen (und dies würde dann den e.V.-Etat beeinflussen, s.o.).

Was die Meldung der „Sport-Bild“ von heute angeht, wonach Sportchef Oliver Kreuzer definitiv gehen muss, ist offiziell alles beim Alten. Nichts Genaues weiß man nicht. Dietmar Beiersdorfer sucht nach einer Alternative, Thomas von Heesen und Nico Hoogma sind im Gespräch, aber nach wie vor ist Kreuzer in Amt und Würden.

Und nur noch einmal zur Klarstellung für den korrekten Ablauf der nächsten Wochen. Ende dieses Monats oder Anfang des nächsten wird die HSV AG von den Richtern des Registergerichts ins Handelsregister eingetragen. Einen genauen Termin dafür gibt es nicht, das hängt von Tag zu Tag auch immer nach dem Arbeitsaufkommen der Richter ab. Dann ist der Wechsel sozusagen offiziell vollzogen und die neue HSV-Vorstands-AG ist im Amt.

Dazu gehören Joachim Hilke und Carl Jarchow sowie dann auch der neue „Hauptverantwortliche Sport“, wie Carl Jarchow ihn im Abendblatt-Interview nannte, nämlich Dietmar Beiersdorfer. In Wirklichkeit ist Beiersdorfer natürlich mehr als das, er soll der Chef des Ganzen werden. Welche Rolle Jarchow einnehmen wird, ist schwer vorherzusagen. Ursprünglich sollte der AG-Vorstand ja nur aus zwei Personen bestehen (Beiersdorfer, Hilke – Joachim Hilke hat übrigens, im Gegensatz zu Beiersdorfer, bis vergangene Woche noch keinen Vertrag unterzeichnet). Jarchow kommt in diesem Konstrukt nicht vor, er müsste entsprechend abberufen werden. Da er allerdings in diesem Fall Präsident des e.V. werden würde, hätte er einen Sitz im AG-Aufsichtsrat garantiert. Und irgendwie wollen das die AG-Betreiber ja eigentlich auch nicht – klingt irgendwie verzwickt. Es scheint also eine Übergangslösung in welcher Richtung auch immer zu werden, die sich bis zu Jarchows Vertragsende im Sommer 2015 hinziehen könnte.

Was nun den geplanten Einstieg von Klaus-Michael Kühne angeht, ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Mit Sicherheit wird sich Kühne in den vergangenen Wochen intensiv mit Karl Gernandt über dieses Thema ausgetauscht und verschiedene Modelle diskutiert haben. Auch Dietmar Beiersdorfer ist in die Gespräche involviert. Generell müsste jedenfalls nach Inkrafttreten der AG eine Bewertung der HSV AG vorgenommen werden. Wieviel ist der HSV eigentlich wert? Wieviel Geld ist theoretisch zu erlösen, wenn die AG ihre zunächst maximalen 24,9 Prozent veräußern würde? Ist die von Kühne ins Spiel gebrachte Summe von 25 Millionen Euro, mit denen er sich einbringen möchte, realistisch?

Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie die KPMG, die seit Jahren beim HSV die Unterlagen prüft, könnte solch eine Bewertung zunächst vornehmen. Möglichst schnell kann nicht schaden. Pierre Michel Lasogga sitzt auf gepackten Koffern und will endlich beim HSV loslegen.

Die Kollegen der „Bild“ hatten heute von zwölf Millionen Euro berichtet, die Hertha in einer Verhandlungsrunde mit dem HSV (Jarchow und Beiersdorfer waren gemeinsam in der Hauptstadt) aufgerufen habe. Da der HSV nur die Hälfte davon zahlen möchte, könnten sich die Gespräche noch weiter hinziehen.

Zu guter letzt noch diese Meldung, die seit heute Mittag auf abendblatt.de zu lesen ist:

Diese Nachricht kommt überraschend: Ex-St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski und Ex-HSV-Profi Alexander Laas werden neue Geschäftsführer des Rewe-Centers an der Dorotheenstraße in Hamburg-Winterhude.
Ab dem 1. Juli werden die beiden Ex-Fußball-Profis dort eine dreimonatige Einarbeitungsphase durchlaufen, um die Abläufe kennenzulernen. Ende des Jahres wird dann offiziell Stanislawski & Laas GmbH auf der Ladentür zu lesen sein. Am Freitag stellt Rewe die beiden in Winterhude auf einer Pressekonferenz vor. Stanislawski und Laas waren vorher zu keiner Stellungnahme bereit.
Doch wie kam es überhaupt zu dieser Geschäftsidee? Ex-HSV-Aufsichtsratsmitglied Bernd Enge ist ein gemeinsamer Freund der beiden. Der Unternehmer betrieb als Franchisenehmer schon mehrere Edeka-Läden in Hamburg. Enge soll Stanislawski und Laas zusammengebracht und mit ihnen die Geschäftsidee entworfen haben.
Ob Stanislawski damit endgültig seine Trainerkarriere beendet, ist nicht bekannt. Der 44-Jährige war erst vor einem Monat beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg als Coach im Gespräch gewesen, ehe die Verhandlungen aus nicht genannten Gründen scheiterten. Stanislawski hatte offenbar noch weitere Angebote von Profi-Clubs, die er für sein neues Geschäft ausschlug.
Der Ex-St.-Pauli-Trainer ist seit Mai 2013 ohne Job. Damals legte er nach dem verpassten Aufstieg mit dem 1. FC Köln seinen Trainerposten nieder. Zuvor trainierte er sechs Monate lang die TSG 1899 Hoffenheim. Alexander Laas hatte erst Anfang des Jahres einen Vertrag bis 2017 beim Niendorfer TSV unterschrieben.

Morgen wird in Glücksburg am Vormittag einmal trainiert, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie der Verein sagt. Nachmittags geht’s dann aufs Wasser. Auch Rafael van der Vaart soll morgen übrigens nach Glücksburg kommen, nachdem ihm Trainer Mirko Slomka zunächst noch ein paar freie Tage mehr gegönnt hatte.

Und wir melden uns bei Euch nach dem dritten Vorrunden-Spiel der deutschen Mannschaft gegen die USA. Wie von Scholle bereits gestern angesprochen, freuen wir uns auf Michael Oenning, den ehemaligen HSV-Trainer, als unseren Gesprächspartner.

Bis morgen
Lars

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.

Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?

Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.

Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

Christians Sommergeschichte

29. Juni 2010

Liebe “Matz-abber”, sind es die Temperaturen, die einigen von Euch so gewaltig zu Kopfe steigen? Was ist hier nur wieder los? So geht es auf keinen Fall weiter, ich teile die Meinungen vieler User – so geht der Blog kaputt. Es muss etwas passieren, es wird etwas passieren. Was mich besonders trifft: Menschen, die ich als besonnen, vernünftig und nett kennen gelernt habe, die setzen sich nun auch schon über die Schmerzgrenze hinweg – das tut mir besonders weh. Ich wollte eigentlich namentliche Verwarnungen aussprechen, aber es es sollten sich ruhig viele “Matz-abber” angesprochen fühlen. Wir hatten uns alle schon einmal – oder sogar mehrfach – darauf geeinigt, dass wir jene Beiträge, die beleidigend sind, die agggressiv sind oder einfach nur nervig, ganz einfach ignorieren. Nur hält sich niemand daran.
Ich habe mir in den letzten Wochen genau in diesem Punkt Zurückhaltung auferlegt. Und ich habe vor allem jenen User, der hier inzwischen schon jeden dritten Beitrag “absondert”, mit absoluter Nichtachtung gestraft. Ich habe viele, viele Mails von ihm auch in mein privates Postfach bekommen, ich wurde beleidigt, Ihr wurdet beleidigt und diffamiert – ich habe mir aber seit vielen Wochen nicht ein Komma mehr davon angesehen.
Es geht. Warum könnt Ihr das nicht auch?

Wie gesagt, es werden nun Maßnahmen ergriffen, aber ich bitte gleichzeitig auch diejenigen, die weit, weit über das Ziel hinaus geschossen sind, in sich zu gehen. Vielfach wurde mir das auch schon per Telefon versprochen, doch die guten Vorsätze hielten dann nur bis zur nächsten Provokation. Es wäre schade, wenn wir wieder mit Aussperrungen drohen müssten – obwohl ich manchmal daran denke, dass offenbar nur diese Maßnahme so richtig fruchtet. Aber muss das sein?

Es könnte alles so schön sein. Der Sommer ist da – und wir haben immer wiedre neue Sommergeschichten. Heute ist Christian an der Reihe, ich danke Dir für Deine Mühe und für die nette Geschichte – es hat mir viel Spaß gemacht, sie zu lesen. Und los geht es:

Schwarz-Weiß-Blaue Erleuchtung

Ich hatte mein Leben lang mit Fußball nix am Hut, weder als Spieler, noch als Konsument. Und das bei besten Voraussetzungen: Mein Vater ging gerne zum Fußball und besonders in der Zeit, als sein Heimatverein Wuppertaler SV in der Bundesliga spielte, waren die Duelle HSV – WSV Pflichttermine für die Familie. Ich habe den Rothenbaum erlebt, sah Uwe Seelers letzte Spiele und es konnte mich trotzdem nicht fangen: So ging die große Zeit des HSV spurlos an mir vorbei.

Zum Fußball und zum HSV kam ich erst viel später – und völlig unverhofft: Nachdem ich des Berufs wegen Hamburg verlassen habe und jahrelang im Exil lebte, stand Ende 2002 ein neuer Job und die Rückkehr nach Hamburg an. Im November besuchte ich meinen Bruder, um Wohnungen zu besichtigen und saß in seinem Wohnzimmer, als er unvermittelt vorschlug, doch jetzt gleich zum HSV zu gehen. Frau und Schwägerin zurückgelassen, in den Bahn gesprungen und ab nach Stellingen.
Wir kauften Karten an der Tageskasse. Ich: „Kann ich mit Kreditkarte bezahlen?“ Sie: „Sie sind hier beim Fußball!“ (Durchwühlen des Portemonnaies nach Bargeldresten) Ich: „Dann bitte die billigste Karte“.

Als wir unsere Plätze ausgesucht hatten – das konnten wir damals noch, denn die Bude war nur halb voll – trabte Lotto zu seinem Lift, fuhr hoch. Die Nord zeigte die Schals und Fahnen, Lotto stimmte „Hamburg meine Perle“ an. Ich kannte das Lied nicht, ich hatte das Stadion noch nicht erlebt – es traf mich wie ein Hammerschlag.

Wäre mein Leben ein Film, es wäre ein Strahl vom Himmel gekommen, der mich in einen goldigen Glanz gehüllt hätte und ein Chor im Hintergrund hätte schwülstige Stimmung gemacht. Schlagartig war mir klar, was mir in den letzten Jahren entgangen war. Lotto und die Nord hatten mich bekehrt, ich war Fan geworden.

Seit der Folgesaison habe ich eine Dauerkarte in 22C und habe in dieser Zeit große Dinge gesehen. Unvergessen das UI-Cup-Spiel gegen Basel, eigentlich ein trostloser Kick, aber Rafael van der Vaart stand nach langer Verletzung wieder im Kader. Als die Fans sahen, wie er sich warmlief, begannen die Rufe und mit jeder Minute wurde es lauter Als er den Rasen wieder betrat, war es ganz und gar unbeschreiblich. Er war wieder zurück.

Dann sein erstes Spiel nach der Valencia-Affäre, als es gegen Leverkusen ging. Auf dem Weg zum Stadion sah ich Kinder, die den Schriftzug auf ihrem VdV-Trikot dick durchgestrichen hatten und seine Begrüßung im Stadion war eisig. Als er beim Stand von 0:0 den Ball nahm und zum Elfmeter antrat, war es totenstill im Stadion, alle hielten den Atem an. Obwohl schon Jahre her, ist mir die Szene und meine Anspannung noch höchst präsent Auch das Gefühl, als er ihn souverän versenkt hatte und die Arena völlig aus dem Häuschen war.

Daniel van Buyten, wie er im Heimspiel gegen Köln den blutenden Alexander Laas auf seinen Armen vom Feld trug. Wie in der Saison der 1000 Leiden Dortmund mit 3:0 aus dem Stadion gefegt wurde und die Wende gelang, erst ab der 80. Minute konnte ich mich wirklich freuen. Wie der HSV nach Wieses Karatetritt gegen Werder verlor und meine Frau nach dem Spiel in Richtung Gästeblock lief, um die Bremer Mannschaft abzufeiern. Auf dem Rückflug von Fulham der schwule Rugbyclub aus London mit Hünen in Netzstrumpfhosen und Nagellack auf den bratpfannengroßen Händen, der die mürrischen HSV-Fans wieder zum Lachen brachte. Wie Bastian Reinhardt sich in seinem letzten Spiel für uns warmlief, die Rufe nach ihm immer lauter wurden und ihn alle feierten. Wie mein Sohn an der Hand von Hermann Auflaufkind war und selbst seine grün-weiße Mutter Tränen der Rührung in den Augen hatte, als sie den kleinen Mann in die riesige Arena laufen sah.

Neun Jahre große Emotionen: Enttäuschungen, Freudensprünge, Siege, Niederlagen. Und immer das Gefühl, Teil von etwas Einzigartigen zu sein.
Vor allem aber habe ich gesehen, wie sich der HSV entwickelt hat, wie das Stadion immer voller wurde und wie es stetig weiterging in Richtung Spitze. Auch wenn zwei Schritten nach vorne gerne mal einer nach hinten folgt oder wir mal eine Pirouette drehen: Wir sind wieder wer. Die Zeit ist nicht mehr fern, das Bayern München nicht nur vor den Spielen gegen uns, sondern die ganze Saison über mit Sorge und Respekt auf den HSV schaut.

17.44 Uhr

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