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8:2 gegen die Polizei – Mancienne stellt sich vor

6. Juli 2011

Eigentlich sollte er um 11 trainieren. Aber nachdem das Training ob der etwas länger gewordenen ersten Einheit auf 12 Uhr nach hinten verschoben worden war, war außer den Auswärtstrikots der Spieler wenig Neues dabei, auch nicht Zugang Michael Mancienne, der sich stattdessen im Kabinentrakt anstrengenden Leistungstests unterziehen musste. „Mir tut schon einiges weh“, klagte der Engländer anschließend – wenn auch nicht ganz ernst gemeint. In England sei er Konditionstraining immer mit dem Ball am Fuß gewohnt gewesen. „Hier wird auch mal nur gerannt. Das ist echt hart – aber auch gut.“ Schließlich holt sich der 23-Jährige (KORRIGIERT! Ich hatte ihn im Zuge der ganzen 19-jährigen Chelsea-Jungs einfach mal vermengt…) in den wenigen Wochen der Vorbereitung die nötige Fitness für die lange Saison – und für das Spiel heute im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion gegen eine Polizeiauswahl aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Angesprochen darauf, dass er laut Traineransage von Beginn an mit Jeffrey Bruma auflaufen soll, entgegnete er sichtlich überrascht: „Das glaube ich noch nicht. Es ist ja erst mein erster Trainingstag.“

Am Ende behielt Mancienne sogar Recht. Oenning beließ es am ersten Tag beim Training, schonte Mancienne ebenso wie gefühlt 99 Prozent des potenziellen Stammpersonals beim Benefizkick gegen die Polizeiauswahl. Somit kam es auch nicht zu dem von Oenning angekündigten ersten Test mit Bruma und Mancienne als Innenverteidigerduo. Stattdessen trafen Son (18., 28., 83., 88.), Ben-Hatira (10., 66., 80.), Behrens (69.) zum 8:2. Ein Test, der sportlich ebenso reiz- und wertlos war wie sozial von Bedeutung. Denn die gesamten Tageseinnahmen kamen der Arche Jenfeld sowie der Jugendarbeit Eintracht Norderstedts zugute. Womit auch neben der legendären Currywurst im Plambeck-Stadion das Relevanteste erwähnt ist. Dass Oenning im ersten Test auf Hamburger (okay, genau genommen Schleswig-Holstein, aber eben ganz nah dran) Boden eine verbesserte U23 aufbot – Geschmackssache. Höhepunkt des Ganzen waren die keinesfalls unverdienten Gegentore für die Polizeiauswahl zum zwischenzeitlichen 2:3 durch Felix Kerch (52.) und Nils Laabs (57.). beim ersten Gegentreffer sah Hesl bei einem Flankenball schlecht aus, beim zweiten Gegentreffer patzte der selbst heute völlig überforderte Lennard Sowah. Die Blamage drohte. Nur 3:2 gegen eine Auswahl aus Sechst-, Siebt- und sogar unterklassigen Fußballern der Polizei. Oder war allein dieser Zwischenstand zur 60. Minute schon eine Blamage?

Ich kann nur weitergeben, was ich mehrfach zu hören bekam. Und da war von „Verarschung“ bis hin zu „Betrug am Kunden“ die Rede. Einzig der launige Auftritt der Polizei sorgte für etwas (Schaden-)Freude.
Die Aufstellung: Hesl – Diekmeier (Sowah 46.), Labus, Sternberg (58., Behrens), Jansen – Besic, Jarolim (58., Ingreso), Nagy (73. Kacar), Bertram – Ben-Hatira, Son.

Nun denn. Ein guter Zweck wurde erfüllt. Belassen wir es am besten dabei.

Netter war zuvor, was Kevin Keegan über Mancienne gesagt hatte. „Mighty Mouse“ hatte den Zugang am Dienstag in den höchsten Tönen gelobt. Worte, die Mancienne sichtlich erfreuten. „Von einem so großen Mann gelobt zu werden macht schon stolz“, sagte Mancienne, der sich selbst . Und da er erst der zweite englische Bundesligaprofi Engländer nach Keegan beim HSV ist, dieser gerade seinen Fußabdruck für den „Walk-of-Fame“ hinterließ, lag die Frage nahe: Schafft er es, in die Fußstapfen Keegans zu treten? „Die sind schon sehr groß“, so Mancienne ehrfurchtsvoll, „aber ich werde es natürlich versuchen und wünsche es mir.“ Dennoch bliebe er vorerst bescheiden und habe lediglich das Ziel, „beim HSV gut zu spielen und viele Spiele zu gewinnen“. Der Rest käme mit der Zeit automatisch.

Dabei ist Mancienne alles andere als unerfahren. 50 Premier-League-Spiele absolvierte der Verteidiger, davon 46 für Wolverhampton und vier für den FC Chelsea. „Der Schritt in ein neues Land ist trotzdem sehr groß“, warnt Oenning vor zu hohen Erwartungen und begründet auch: „Als erstes müssen wir die Sprachbarriere durchbrechen.“ Dafür erhält Mancienne, der bislang kein Wort Deutsch spricht, ab sofort Deutsch-Unterricht. „Ich will die Sprache lernen“, so der Defensivspieler, der seinen Urlaub in Südfrankreich verbracht hatte und überrascht wurde von der royalen Trauung in Monaco. „Plötzlich gab es ein Riesenfeuerwerk“, so Mancienne, „mehr habe meine Freundin und ich davon kaum mitbekommen.“

Mancienne machte bei allem eine gute Figur. Auch verbal. „Er ist ein sehr offener Typ, der auf die Leute zugeht“, lobt Oenning und wird von Mancienne bestätigt: „Ich bin eher der entspannte Typ, freue mich auf meine neuen Kameraden. Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und habe ein echt gutes Gefühl.“

Das hat auch Oenning. Auch was den neuesten Zugang betrifft, Per Skjelbred. Der Norweger wurde bislang zum 1. Januar 2012 verpflichtet, wäre dann ablösefrei. Dennoch versucht der HSV, den offensiven Mittelfeldspieler schon früher von seinem Heimatverein Rosenborg Trondheim loszueisen. „Rosenborg möchte ihn noch in der Champions-League-Qualifikation einsetzen“, erklärt Oenning, „wir hätten ihn aber gern schon früher hier.“ Ausgeschlossen sei, dass der 24-Jährige bereits mit ins Trainingslager des HSV nach Österreich reist.

Sollte sich der Transfer wider Erwarten nicht bald realisieren lassen, müsste der HSV noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden. „Wir haben nie gesagt, dass wir nichts mehr machen“, sagt Oenning. Der Cheftrainer deutete an, dass durch den Verkauf Jonathan Pitroipas (war heute kurz im Stadion, flog aber nachmittags wieder nach Rennes) sowie noch zu verkaufende Spieler wie Alex Silva (Sportchef Frank Arnesen verhandelte gestern und heute vor Ort in Brasilien), Mickael Tavares und Guy Demel finanzielle Mittel in noch unabsehbarer Größenordnung da wären und reinvestiert werden könnten. Meiner Meinung nach sogar müssen.

Denn, und das deutete Jörn Andersen im Abendblatt ja bereits an, Skjelbred gilt zwar als großes Talent – wirklich angekommen ist er aber außer in Norwegens erster Liga noch nicht. Und diese wiederum ist qualitativ nicht mit der deutlich höher einzustufenden Bundesliga zu vergleichen. „Er hatte immer wieder Angebote großer Klubs“, wundert sich selbst Oenning, „und er ist trotzdem nie gewechselt. Bis jetzt zu uns.“ Auch er selbst hätte als Nürnberg-Trainer mal Interesse an dem Norweger bekundet, „zu einem Gespräch kam es aber nie, weil er wohl auch kein gesteigertes Interesse am FCN hatte“, so der HSV-Coach, der Gerüchten widersprach, der 175-Zentimeter-Mann wäre zu langsam: „Er ist kein Sprinter, niemand, den man immer lang schickt. Aber er hat durch seine fußballerischen Qualitäten die Möglichkeit, das Spiel schnell zu machen.“ Klingt ein wenig wie das Gegenteil unseres pfeilschnellen Abganges aus Burkina Faso.

Aber egal, ich bin sehr gespannt. Gespannt, ob der „Box-to-box-Player“, wie ihn Arnesen nannte, die erhoffte Verstärkung ist. Und gespannt drauf, ob der 24-Jährige wirklich noch die Champions-League-Quali für seinen Verein spielen muss, obwohl er gedanklich wahrscheinlich schon beim HSV ist. Das geht selten gut und ist ähnlich wie es einst unser hier immer wieder (zumeist zurecht) gehuldigte Rafael van der Vaart sowie Khalid Boulahrouz machten, als sie sich beim Spielen mit ihrem Kind bzw. beim Warmmachen so verletzten, dass sie für den HSV international nicht auflaufen konnten.

Zeiten, die vorbei sind. Die einen sagen leider – die anderen freuen sich auf den Neuanfang mit jungen Leuten wie Bruma, Mancienne, und Skjelbred.

In diesem Sinne, ich bin ab Freitag für eine Woche im Urlaub – aber der Blogvater ist da und versorgt Euch wie immer mit den wichtigsten Infos aus dem Trainingslager im Zillertal!

Viel Spaß und bis bald!
Euer Scholle

- Training am Donnerstag ist übrigens um 8.30, 11.30 und 16 Uhr.

- Töre musste das Training wegen muskulärer Probleme abbrechen. Und Jacopo Sala muss mindestens vier Wochen mit einem Muskelbündelriss aussetzen, den er sich im Trainingslager zugezogen hatte. „Er hat sich an der Stelle verletzt, an der er schon vorher Probleme hatte“, sagt Oenning, „deshalb werden wir ihn jetzt ganz behutsam aufbauen.

- Sollten Tavares und Demel bis Freitag nicht verkauft sein, werden beide zurück nach Hamburg kommen und das Training in der U23 aufnehmen. Eine Rückkehr zu den Profis ist für beide ausgeschlossen.