Archiv für das Tag 'Kuyt'

Der HSV will Platz für seine Talente schaffen

6. Juni 2012

Zwischenmahlzeit. So hieß, die etwas älteren Damen und Herren unter uns werden sich erinnern, so hieß eine Sendung im deutschenFernsehen, die von der „Quasselstrippe“ Gisela Schlüter moderiert wurde. An diese Zwischenmahlzeit erinnerte ich mich, als wir heute mit Frank Arnesen sprachen. Es gab dabei zwar nichts zu essen und nichts zu beißen, aber es war schön, den HSV-Sportchef mal wieder gesehen zu haben. Braun ist er, gut gelaunt war er auch – alles bestens. Und natürlich sprach er auch über die EM. Polen gegen Griechenland sieht er sich an, am nächsten Tag Dänemark gegen Niederlande, dann kommt er zurück – für ein paar Tage. „Für mich bleiben Deutschland und Niederlande die Favoriten, in der Gruppe und auch für das Halbfinale“, sagt Arnesen und fügt an: „Wenn Deutschland gegen die Niederlande spielen, dann wird es schwer für mich – ich war schließlich 26 Jahre in Holland.“ Die prägen. Klar. Aber zur deutschen Mannschaft sagt der HSV-Sportchef: „Das ist in den letzten Jahren eine ganz andere Mannschaft geworden. Früher war das mentale Kraft, physische Kraft, aber dann kamen kleine Jungs dazu, die eine brillante Technik haben, es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.“

Zum HSV. „Es ist bislang sehr, sehr wenig passiert, auf dem Transfermarkt, die meisten Vereine haben noch gar keine Spieler gekauft, aber wir haben schon drei. Mit Beister, Rudnevs und Adler. Das sind drei gute Verpflichtungen“, sagt Arnesen. Er ist mit diesem Zwischenstand zufrieden. Und abgerechnet wird in dieser Sportart ja auch erst am 31. August, wenn das Transferfenster geschlossen wird. Was der HSV dann erreicht hat, das ist wichtig – nicht so sehr das, was (schon) am 6. Juni 2012 zu Buche steht. Frank Arnesen sagt zu diesem Thema: „Was wir wollen, Thorsten und ich, ist, dass wir einen Kader haben, in dem die Spieler zufrieden und gesund sind. Deswegen sind wir bemüht darum, einen kleineren Kader zu haben. 21 Feldspieler und drei Torhüter, das ist unser Ziel. Zu viele Spieler ist auch für jeden Spieler nicht gut, weil immer viele nicht spielen könnten – und finanziell für den Verein ist es ebenfalls nicht gut.“ Der Sportchef weiter: „Wir wollen auch deshalb einen kleineren Kader als zuletzt, weil wir junge Spieler, unsere Talente, mittrainieren lassen wollen. Spieler wir Nörgaard und Steinmann sind sehr gute Talente, die sollen sich dort entwickeln – und dafür brauchen wir Raum, dass sie sich dort auch bewegen können.“

Noch aber hat der HSV einige Spieler zu viel an Bord. Zumal auch noch Macauley Chrisantus und Lennard Sowah zurückkommen werden. Und statt der drei Torhüter gibt es mit Rene Adler, Jaroslav Drobny, Tom Mickel und Sven Neuhaus vier Keeper. Und Nachwuchsmann Florian Stritzel ist ja auch noch beim HSV. Da wird es noch die eine oder andere Verkaufswelle geben müssen, ehe der Kader die Zahl 24 erreicht hat. Aber speziell zur Torhüterfrage sagte Arnesen: „Ich war es beim FC Chelsea gewohnt, mit vier Torhütern zu trainieren, das ist kein Problem.“ Aufgeräumt hat Frank Arnesen heute auch noch einmal mit der Mär, dass es ein finanzielles Angebot vom FC Bayern für Drobny gab. Der Sportchef: „Wer das behauptet, der sagt die Unwahrheit. Das ist hundertprozentig unwahr. Ich hatte ein Gespräch mit Bayern-Sportchef Christian Nerlinger, das stimmt, er hat sich bei mir nach Drobny erkundigt. Er hatte aber insgesamt noch drei, vier weitere Kandidaten als Ersatztorwart – und wollte sich nach fünf Tagen wieder melden. Das tat er, und dabei teilte er mir mit, dass sich der FC Bayern gegen Drobny entschieden hat.“

Das Thema David Abraham (FC Basel) hat sich für den HSV wohl erledigt. So sieht es zum jetzigen Zeitpunkt aus, weil der Innenverteidiger bereits im Januar einen Vier-Jahres-Vorvertrag mit dem FC Getafe abgeschlossen hat – bevor er vom Interesse des HSV erfuhr. Frank Arnesen sagt: „In diesem Moment liegt der Ball beim Berater und seinem Spieler – wir können da nichts machen.“ Ganz klar ist aber, so der Sportchef: „Wir werden nichts an Getafe bezahlen, dass da Geld von Hamburg nach Spanien fließt, das ist ausgeschlossen. Dazu stehen wir alle auch hundertprozentig.“

Weil der HSV nach wie vor ja auch kein Geld hat. An dieser Situation hat sich ja nichts geändert. „Wir haben keinen europäischen Fußball, allein deshalb fehlt uns Geld. Und wir müssen sehr, sehr gut und seriös aufpassen, was wir machen“, sagt Frank Arnesen. Und hofft dabei wohl auch weiterhin auf den HSV-Fan und HSV-Sponsor Klaus-Michael Kühne und dessen Frau, dass aus dieser Richtung noch einmal eine kräftige Finanzspritze geben wird. Und das sieht wohl auch nicht ganz so schlecht aus. Erleichtert zeigte sich der Sportchef darüber, dass die Mitglieder bei der Versammlung im Volkspark (20. Mai) Grüns Licht für ein neues Kühne-Engagement gaben – und etwaige „Zuschüsse“ nicht grundlegend ablehnten. Der Antrag auf Satzungsänderung wurde damals ja (nach intensiven Gesprächen hinter den Kulissen) zurückgezogen . . .

Apropos. Zurückgezogen hat ja auch Dirk Kuyt. Sich vom HSV. Er wechselt ja bekanntlich zu Fenerbahce Istanbul. „Er hat sich für die Champions League entschieden, das können wir nicht bieten. Aber das beunruhigt mich gar nicht. Ich finde gut, dass er an uns gedacht hat, dass er auch seriös darüber nachgedacht hat, nach Hamburg zu wechseln. Das ist jetzt leider nicht passiert, der HSV war bei ihm von 14 Interessenten unter den ersten drei Klubs – aber leider ist es nichts geworden. Das Leben geht weiter“, sagt Arnesen und fügt an: „Das ist nicht negativ für uns, das ist gar nichts, das hat nichts zu bedeuten.“ Und er lässt auch seiner Hoffnung auf den einen oder anderen „Kracher“ noch freien Lauf: „Wir gucken uns auch in Spanien, Portugal und Griechenland um, da gibt es gute Spieler, die die Bundesliga vorziehen – weil sie hier ihr Geld sicher haben. In diesen Ländern haben sie zwar gute Verträge mit hohen Summen drin, aber was nützt es, wenn sie dieses Geld nicht bekommen? Dann gehen sie doch lieber in die Bundesliga, da ist das sicherer.“ Arnesen weiter: „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, um den HSV besser zu machen.“

Grundlegend aber ist die Situation für den HSV so: Erst einmal müssen Spieler verkauft werden, bevor neue Leute geholt werden können. Und das wird noch schwer genug. Frank Arnesen: „Ich habe ein gutes Gefühl, denn die Spieler, die wir haben, die wollen gar nicht gehen. Die fühlen sich wohl hier. Die hatten zwar keine gute Saison, aber sie wissen, dass die Atmosphäre hier gut ist, und sie sagen auch alle, dass sie es besser machen wollen, dass se es auch viel besser können. Von den Spielern, die ich zum HSV geholt habe, will keiner weg. Und das war im vergangenen Jahr anders, als ich zum HSV kam, da haben gleich drei, vier Spieler gesagt, dass sie zum Saisonende gehen werden. Dass jetzt keiner gehen will, das ist eine gute Sache.“ Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber ist es auch so: Der HSV zahlt gut, und es gibt keine Angebote anderer Klubs – wer will denn (unbedingt) einen Spieler von einem Fast-Absteiger?

Abwarten. Abwarten, was da noch auf uns zukommen wird. Einfach wird es für Frank Arnesen sicher nicht. Aber er hat ja noch Zeit.

Ja, und dann war da heute noch eine besondere Meldung:

Ich nenne die mal:

Zwei Vergehen – eine Strafe.
Und wer erinnert sich noch: Ein Vergehen, dafür gab es fast eine Höchststrafe? Paolo Guerrero

Bei dieser „Art“ von Rechtsprechung kommt bei mir echte Freude auf:

Jetzt die dpa-Meldung:
Christian Lell von Hertha BSC ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für fünf Pflichtspiele gesperrt worden. Ihm wurde krass sportwidriges Verhalten und Schiedsrichter-Beleidigung vorgeworfen. Lell hatte laut DFB in der Nachspielzeit des Chaosspiels in der Bundesliga-Relegation bei Fortuna Düsseldorf am 15. Mai seinen Gegenspieler Assani Lukimya angespuckt und nach Spielende den Unparteiischen Wolfgang Stark beleidigt. Der DFB-Kontrollausschuss hatte eine Sperre von sechs Spielen gegen den Berliner Verteidiger gefordert.

Ich bin sprachlos. Zwei Vergehen, Schiedsrichter-Beleidigung und dazu den Gegner noch bespuckt – und dafür fünf Spiele? Da fehlt eigentlich nur noch die Ehrenurkunde. Für Lell. Ich verstehe diese Herren im DFB-Sportgericht schon lange nicht mehr, aber nun er recht nicht.

PS: Mein Kollege Oliver Wurm hat mich noch einmal gebeten, für “Hinz und Kunzt” mit der EM-Beilage Werbung zu betreiben – was hiermit geschehen. Die “Macher” haben diesmal – in einem Sommermonat – 30 000 Exemplare mehr drucken lassen, eben wegen dieserEM-Beilage (sind auch vier HSV-Fußballer mit Petric, Jarolim, Bruma und Sala dabei). Ich bitte euch, lasst die Leute nicht hängen, die Verkäufer brauchen das Geld – und die Herausgeber haben alle mit viel Liebe und “für kein Geld” gearbeitet. Danke für die Unterstützung.

19.33 Uhr

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