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Das Warten geht weiter

25. Juli 2014

Oh Mann, selbst fünf Tage Abstinenz von der Droge HSV lassen einen nicht erholen. Kaum einen Tag wieder dabei, hat der Alltag einen zurück. Und neben der allgemein besseren Stimmung in der Mannschaft und ein zwei Neuerungen im Führungsstab hat sich leider nicht viel getan. Genau genommen sogar noch gar nichts. Und so konnte uns Dietmar Beiersdorfer heute auch nichts Neu3es berichten, nachdem er selbiges – in zweifellos inhaltlich deutlich gesteigerter Fassung – dem Trainer Mirko Slomka auf den Platz mitgeteilt hatte. Ob es ein guter Austausch war, wollte ich von Beiersdorfer wissen und er antwortetet nach einer kurzen Überlegungspause: „Das ist es immer. Ich nutze alle Möglichkeiten, um mich mit unseren Leuten auszutauschen und sie auf dem Laufenden zu halten. Ich habe unserem Trainer eben all das erzählt, was sich gerade tut.“ Und nach einer Sekunde Pause relativierte der Vorstandsboss: „Ich habe ihm auch davon berichtet, was leider nicht passiert.“ Und davon offensichtlich etwas mehr. Zumindest wirkte Slomka weniug erfreut über das ihm Mitgeteilte.

Beiersdorfer ist kein Mann unüberlegter Dinge. Er nimmt sich alle Zeit, um am Ende die für ihn beste Entscheidung ausreichend abgewogen zu haben. Und er ist loyal. Allen gegenüber. Selbst denen, die ihn momentan nicht so unterstützen, wie es angekündigt war. Ob er weiterhin alles mit Bordmitteln meistern müsse, wollten wir wissen. Und Beiersdorfer nickte. Noch gibt es keinen Spieler, der verkauft werden könnte – und leider auch noch keinen, der geholt werden könnte. Weil der HSV finanziell momentan nicht in der Lage ist. „Wir sind mit Spielern im Gespräch“, lächelt Beiersdorfer die Misere weg und man merkt ihm an, dass er es gern anders hätte.

Hat er aber nicht. Und deshalb geht er damit um.

Intern gibt es derzeit etliche Gespräche. Vor allem mit Kühne-Attaché und Aufsichtsratsboss Karl Gernandt. Auch am Dienstag. Thema ist immer wieder die Kaderplanung, die ohne frisches Geld weiter stocken wird.

Eine Möglichkeit außerhalb Kühnes wäre ein Verkauf. Per Skjelbred, bislang in der Vorbereitung in sehr guter Verfassung, will weiter nach Berlin. Zumindest untermauerte das sein Berater in einem persönlichen Gespräch mit Beiersdorfer. Der wiederum teilte mit, dass sich aus Berlin noch niemand gemeldet habe, er aber in selbigem Falle gesprächsbereit ist. Und es ist davon auszugehen, dass diese Meldung noch kommt – allein, es ist noch nichts passiert.

So auch nicht im Falle Nicolai Müller, dessen Namen ich sehr gern gelesen habe, weil ich ihn für ein Riesentalent halte. Und weil das Interesse des HSV inzwischen von Müllers Berater bestätigt wurde. Dass sich auch weitere Vereine um den Rechts-Offensiven bemühen – normal. Und Fakt ist auch, dass der HSV intern an Finanzierungsmodellen für den 26-Jährigen werkelt, der im Übrigen denselben Berater wie auch Matthias Ostrzolek hat. Aber es macht keinen Sinn, hier jetzt alle Namen aufzuschreiben, die für den HSV interessant sind. Ich lasse es auch, wie ich eingangs der Sommervorbereitung angekündigt hatte. Denn Beiersdorfer hat ein großes Netz ausgeworfen. Und das muss er auch, wenn er etwas bewegen will.

Bewegen wird sich bis zum T-Home-Cup personell wenig. Abgesehen von dem Austausch der Jung-Talente Tah, Steinmann, Cigerci, Jung, Derflinger und Brunst-Zöllner sollen den Auftakt der Regionalligamannschaft zum Erfolg werden lassen. „Stand jetzt ist keine Neuer dabei“, sagt Beiersdorfer und meint damit nicht allein das Spiel gegen den VfL Wolfsburg morgen Abend um 18.30 Uhr, sondern auch den Trip nach Österreich am Montag ins dritte und damit letzte Trainingslager dieser Sommervorbereitung. Es würde kein neuer kommen – und kein alter gehen, so die wenig euphorisierende Ansage Beiersdorfers.

Und, nur um das klarzustellen: Wenn meine Kollegen (vorrangig von den Printmedien) neue Namen ins Gespräch bringen, die für den HSV interessant sind, stimmen sie zumeist. Eben so wie Stefan de Vrij, der inzwischen bei Manchester United gelandet sein soll – aber noch nicht unterschrieben hat. Sobald sich de Vrijs Zukunft geklärt hat, werde auch ich hier für Aufklärung sorgen. Aber das nur nebenbei.

Interessanter dürfte da schon der erste echte Test auf Hamburger Boden werden. Nicht, dass ich meine Jungs aus Niendorf abqualifizieren will, aber der VfL ist schon eher ein echter Prüfstein. Sollte man zumindest meinen. „Das Ergebnis ist dabei sicher nicht vorrangig“, sagt indes Marcell Jansen – obgleich ich aus verlässlicher Quelle weiß, dass Trainer Slomka in jedem Spiel dem Ergebnis eine maßgebliche Bedeutung beimisst. Gegen Niendorf gleichermaßen wie gegen Bayern, den VfR Horst oder eben auch Wolfsburg zum Auftakt des T-Home-Cups. Und ich finde das gut, zeugt es doch von einem hohen Anspruch, trotz bislang eher marginaler Veränderungen am Kader. „Dafür sind wir körperlich auf einem guten Niveau. Die Mischung aus Läufen, harten Einheiten und Übungen mit Ball passt einfach. Wir trainieren seit Monaten konstant intensiv und haben bislang erstaunlich wenig Verletzungen“, so Jansen, der bei dieser Aussage dreimal gegen seinen Kopf klopft.

Und das stimmt ehrlich gesagt. Bislang gab es bis auf Drobnys kurzen Ausfall keine neuen Verletzungen zu beklagen. „Wir sind frisch, top drauf. Und unsere medizinische Betreuung ist gewohnt gut“, lobt Jansen die Physioabteilung um den neuen Chef-Physio Jörg Fick. Und er bezieht hierbei den verletzungsanfälligsten Spieler im Kader, Ivo Ilicevic, zweifellos mit ein. Der Kroate ist wie viele andere Langzeitverletzte einer der bisherigen Vorbereitungs-Gewinner, sofern man davon überhaupt schon sprechen kann. „Klar“, sieht auch Jansen das so, „bislang haben die am meisten gewonnen, die lange verletzt waren und sich jetzt endlich wieder beweisen können.

Dass der Kroate zum Verkaufspotenzial des HSV zählt, weiß Jansen nicht. Zumal er selbst lange Zeit als möglicher Abgang gehandelt wurde. Ob das inzwischen endgültig vom Tisch ist? Jansen lächelt, wippt hin uns her und antwortet ausweichend: „Es ist jetzt sicher nicht der Moment für den Klub, sich über meinen Vertrag Gedanken zu machen.“ Und wenn doch? Immerhin hat der Linksfuß eine Ausstiegsklausel in exakt selber Höhe wie Müller im Vertrag: Für fünf Millionen könnte er wechseln. Und ausschließen will er es nicht. „Es ist noch Juli und ich habe noch Vertrag. Es ist noch nichts konkret, ich bin auch nicht hinterher. Aber es ist doch klar, dass bei vielen Vereinen noch viel passieren wird. Wenn etwas wäre, würde ich immer den geraden Weg zu Didi finden und mit ihm sprechen.“ Zumal auch er im Gespräch mit Beiersdorfer klar gesagt bekam, dass beim HSV niemand unverkäuflich ist. Auch er nicht. Weil der HSV das Geld braucht. „Ich gehe in meine siebte Saison“, so der dienstälteste HSV-Profi, „und ich gehe davon aus, dass das beim HSV sein wird.“

Und damit schließe ich den Kreis. Denn neben dem Preisgeld will Beiersdorfer am Wochenende auch die Zusage von Klaus-Michael Kühne bekommen, den HSV mit einer Anschubfinanzierung zu unterstützen. Mit der, die Kühne wiederholt angekündigt und bis heute nicht getätigt hat. Und das ist ein Fakt. Sollte dem nicht so sein, könnte sich das Kapitel Kühne/HSV schon sehr bald erledigt haben, ehe es richtig begonnen hat. Denn eines ist klar: So gern sich Beiersdorfer alles noch – und noch – und noch einmal überlegt, eher er entscheidet, so ungern wiederholt er sein Bitten. Und dem Speditionsmilliardär aus der Schweiz hatte Beiersdorfer in den letzten Wochen wiederholt sein ganzheitliches Konzept vorgelegt und jeweils große Zustimmung von Kühne erhalten – aber eben bis heute kein Geld. Hoffentlich ändert sich das schnell, damit nicht noch mehr Verstärkungen am HSV vorbeigehen, als ohnehin schon.

In diesem Sinne, ich melde mich morgen nach dem Wolfsburg-Spiel wieder bei Euch. Auch dann noch ohne Zugänge – aber hoffentlich mit einem weiteren Testspielerfolg.

Scholle

P.S.: Morgen wird um 10 Uhr ein leichtes Aufwärmtraining an der Arena absolviert. Am Abend geht es nach dem Spiel ins Mannschaftshotel.

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