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Ruhig bleiben – am Sonntag um 17.54 Uhr führt der HSV…

25. September 2014

Keine Tore, keine Siege. Das ist eine ebenso einfache wie logische Gleichung, die leider momentan sehr viel mit dem HSV zu tun hat. Weit weniger logisch zu erklären ist indes, weshalb dem so ist. Liegt es an den Angreifern oder doch an ihren Passgebern? Eine Diskussion, die der HSV intern und seine Fans extern führen. Und weder der einen noch der anderen Seite wird es gelingen, einen hundertprozentigen Schluss zu ziehen, geschweige denn, die ultimative Lösung herbeizuführen. Zumindest so lange, wie Klaus Michael Kühne nicht Cristiano Ronaldo nach Hamburg lotst…

Apropos Kühne. Der Multimilliardär und HSV-Fan hat in einem an sich sehr netten Portrait des „Stern“ einen üblen Seitenhieb mitbekommen. Er soll finanzielle Hilfe im Fall Lasogga für den Fall in Aussicht gestellt haben, dass sich der Verein vom damaligen Sportchef Oliver Kreuzer trennt. Inhaltlich will und werde ich allerdings so lange nicht eingehen können, wie mir gegenüber nicht etwas nachweislich bestätigt oder das Gegenteil bewiesen wurde. Und ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass diese Email jemals auftauchen wird.

Und noch einmal apropos Kühne (Achtung, nicht wirklich ernst gemeint!): Der eigenwillige HSV-Mäzen hätte dem HSV die Niederlage in Gladbach mit seinem Gespür erspart – hätte die Klubführung zu Saisonbeginn wenigstens in diesem Fall auf ihn gehört. Denn damals hatte Kühne im Rahmen seiner Hoteleröffnung an der Alster wiederholt betont, wie sehr er Max Kruse schätzen würde und dass dieser junge Angreifer aus Reinbek gut zum HSV passen würde. Hätte man den HSV-Fan damals also nach Hamburg gelotst – er hätte definitiv nicht den Siegtreffer gegen den HSV erzielt. Aber vielleicht für den HSV…

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Doch darauf müssen wir weiter warten, also auf Siegtreffer. 24 Minuten hat der HSV am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt noch Zeit, den Negativrekord nicht wirklich einzustellen, 25 Minuten, um ihn nicht für sich allein zu beanspruchen. Denn am 15. September 1979 war es der VfL Bochum, der nach fünf Spielen ohne Torerfolg am sechsten Spieltag seine Flaute in der 25. Spielminute gegen Borussia Dortmund beendete. Heinz Knüwe traf, ehe VfL-Abwehrspieler Lothar Wölk gerade drei Minuten später den zweiten Bochumer Treffer markierte – allerdings in die eigenen Maschen als Eigentor. Manni Burgsmüller für den BVB und noch einmal Knüwe stellten am Ende das 2:2 sicher.

In der gestrigen Sendung von „Matz ab live“ haben wir fleißig über personelle Änderungen zur Verbesserung der Torgefahr gesprochen. Zwei Spitzen sollte Zinnbauer versuchen – war einer der Vorschläge. Und ich persönlich mag diesen Gedanken. Allerdings nicht mit einer Kompromisslösung wie Müller oder Holtby, denn dann ist das System mit zwei Spitzen schnell wieder weder das eine noch das andere. Es sei denn, der nahezu ausgeschlossene Fall tritt ein und Rafael van der Vaart, der diese Position bestens kennt und schon oft erfolgreich gespielt hat, wird noch bis Sonntag spielfit.

Aber davon darf nicht ausgegangen werden. Auch nicht von der Rückkehr der anderen Verletzten in die Startelf. „Ich will morgen einsteigen und mal schauen, wie weit ich bin. Den Rest macht eh der Trainer“, sagt beispielsweise Marcell Jansen, der ebenso wie van der Vaart und Ivo Ilicevic bis heute im Aufbautraining ist. Letztlich ist aber auch das egal. Solange der HSV das Grundübel der letzten Monate abstellt, das da heißt: Hinten unkonzentriert, vorne uninspiriert. Klingt platt – ist es auch. Aber genau daran hapert das HSV-Spiel, das im vergleich zur Vorsaison besser geworden ist. Was fehlt ist die Belohnung dafür.

Mein Kollege Kai Schiller ist sich sicher, dass Jansen nach aktuellem Stand Matthias Ostrzolek ersetzen wird, sobald er wieder gesund ist. Ich dagegen glaube, dass man nicht nur Zinnbauer in seinem Wirken eine Menge Geduld entgegen bringen muss, sondern dass Zinnbauers Wirken vor allem auch Geduld beinhalten muss. Denn gerade Ostrzolek habe ich zwar anfänglich schwach gesehen, fand ihn aber gegen Bayern 80 Minuten lang gut und in Gladbach besser als zu Saisonbeginn. Der Junge hat Tempo und er kann Flanken, obgleich das gegen Gladbach nicht wirklich funktionierte. Dennoch hatte er zwei, drei Szenen über Außen, wo er bis zur Grundlinie kam und lediglich den entscheidenden Pass vergeigte. Und ich bin mir sicher, dass er das besser kann und besser machen wird – wenn man ihn nur lässt.

Apropos letzter Pass, da muss man sagen, dass ein Tolgay Arslan dafür zwar durchaus vorgesehen ist – diesen aber seit Ewigkeiten nicht mehr hinbekommt. Und nur um das klarzustellen: Ich sehe Arslan als Spieler, der Bälle sicher verarbeiten und verteilen kann. Er ist bissig, ackert und geht mit seiner ausgeprägten technischen Finesse auch immer wieder mal erfolgreich ins bzw. aus dem Eins-gegen-Eins. Aber er ist für mich auf seiner derzeitigen Position weder das Eine noch das andere ganz. Als verkappte Sechs ist er mir nicht zweikampfstark genug – und den alles öffnenden Pass habe ich leider auch schon lange nicht mehr von ihm gesehen. Deswegen bleibe ich dabei, dass der HSV mit seiner Doppelsechs weiterhin eine Position verschenkt.

Aber warten wir es mal ab. Taktische Systeme unterscheiden sich oft nur in Nuancen und ein vom Trainer ausgegebenes 4-2-3-1 sieht auf dem Platz schnell mal wie ein 4-1-4-1 aus – wobei ich letzteres System im Moment am praktikabelsten sehe, sofern Zinnbauer nicht mit den beiden Stoßstürmern Rudnevs und Lasogga zugleich spielen will. Wie das aussehen soll? Mit van der Vaart wäre es leicht. Der würde offensiv alle Freiheiten genießen, während hinter ihm Holtby als Bindeglied zu Behrami agiert und diesen mit seiner unfassbaren (12,8 Kilometer in Gladbach sind der Topwert!) Laufarbeit auch defensiv unterstützen kann. Über die Außen kommen dann Müller auf der einen Seite und Stieber/Jansen/Ilicevic über die andere Seite. Gegen vermeintlich übermächtige Gegner wie Bayern oder in Kürze ja Dortmund (wobei Mama Lasogga mir sagte, ihr Sohn trifft gegen die Ruhrpott-Teams immer und damit letztes Mal auch Recht behielt…) würde ich auch darüber nachdenken, den schnellsten HSV-Stürmer als Konterspieler aufzustellen, nämlich Rudnevs.

Womit wir bei einem anderen, sich zuspitzenden Thema sind. Obwohl, eigentlich gar nicht. Denn die Diskussion um Lasogga, der noch immer nicht in der Verfassung der Vorsaison ist, wird mehr von Umstehenden als von direkt Beteiligten geführt. Denn einem Zinnbauer ist klar, dass Lasogga nach fünf verpassten Vorbereitungswochen noch nicht voll auf der Höhe sein kann. „Er ist sicher noch nicht bei 100 Prozent“, so Zinnbauer, „und das weiß er auch. Aber wir arbeiten täglich intensiv daran, ihn wieder dahin zu bekommen.“ Soll heißen: Zinnbauer stärkt Lasogga den Rücken, schenkt einen Vertrauensvorschuss, der sich auszahlen könnte. Denn so seltsam er uns gegenüber auch auftreten mag – Lasogga ist offensichtlich ein Mannschaftsspieler, den jeder gern in seiner Mannschaft hat. Deshalb grummelt auch im Team niemand über die ständigen Berücksichtigungen des weiterhin außer Topform Befindlichen. Ausgenommen Rudnevs vielleicht. Aber auch von dem ist noch nicht viel zu hören, zumal Lasogga bewiesen hat, dass er es grundsätzlich kann. Daher wäre es Verschwendung von Spielzeit, ihm jetzt auf den (hoffentlich) finalen Metern das Vertrauen zu entziehen…

Fazit: Wir sollten alle weiter geduldig bleiben und Ruhe bewahren. Denn diese Mannschaft ist gewillt, sie tritt so geschlossen auf wie lange nicht mehr. Und sie spielt besser als in der Vorsaison – auch wenn das nach fünf Spielen ohne Tor und entsprechend ohne einen Sieg schwer zu glauben ist. Auch für mich. Und dennoch setze ich darauf, weil diese Mannschaft arbeitet. Sie betreibt endlich den Mehraufwand, den sie ob ihrer noch vorhandenen spielerischen Mängel betreiben muss und den sie letzte Serie hatte vermissen lassen. Ich setze auch darauf, dass der HSV am Sonntag um 17.54 Uhr gegen Frankfurt in Führung liegt. Torschütze: Egal. Und selbst wenn dem nicht so ist – am Ende steht der erste Dreier 2014/2015 zu Buche. Egal wie. Hauptsache ist, sie hat ihn sich verdient.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird übrigens um 17.30 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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