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Kühne lobt Beiersdorfer – und Slomka spürt den Druck

14. August 2014

***Aktualisiert: Sympathisch, talentiert, in Hamburg gescheitert – aber jetzt vom #HSV zu #Nottingham gewechselt: Viel Erfolg, Robert #Tesche!****

Trainer Mirko Slomka hat es nicht leicht. Schon lange nicht mehr. „Ich weiß, dass ich hier schnell Erfolg haben muss“, hatte der Trainer formuliert, nachdem er öffentlich in Frage gestellt worden war. Und dieser schnelle Erfolg ist wahrlich keine Fehleinschätzung, denn Hamburg gilt nicht nur als ungeduldig, es hat es in den letzten zehn Jahren gerade in Sachen Trainerbeschäftigung bewiesen. „Ich glaube grundsätzlich, dass der HSV ein verein ist, der von Erfolg geprägt sein muss. Das gilt für mich genauso wie für meine Vorgänger oder Nachfolger Der HSV ist ein großer Traditionsverein mit vielen Möglichkeiten und ich glaube, dass jeder Trainer, der hier anfängt, massiv unter Druck steht. Ich aktuell vielleicht ein wenig mehr, durch die Aussagen, die da formuliert worden sind“, spricht Slomka die Kritik von Sponsor, Mäzen, Investor und Fan Klaus Michael Kühnes an, der Slomka vor Wochen als „nicht ideale Lösung“ bezeichnet hatte. „Das ist natürlich auch bei den Fans angekommen und ich werde entsprechend kritisch gesehen.“

Ihn kritisch zu sehen liegt in der Natur der Sache, das weiß Slomka. Und er weiß auch, professionell mit der Situation umzugehen. In den vergangenen Wochen hat er nicht nur die längste Vorbereitung aller Zeiten beim HSV absolvieren lassen, sondern sicherlich bis heute auch eine der härtesten. „Die Mannschaft hat sehr gut, sehr hart gearbeitet. Sie weiß, worauf es ankommt. Und wenn sie das Erarbeitete umsetzt, bin ich mir sicher, dass wir auch Erfolg haben“, sagt Slomka, der den Test am Dienstag gegen den Drittligisten Erfurt als Generalprobe für das DFB-Pokalspiel am Montag bei Neu-Drittligist Cottbus (Absteiger) sieht. „Es war gut und wichtig, dass wir diesen Test noch mal hatten, um uns auf das einzustellen, was auf uns zukommt. Dass es hitzig wird in Cottbus, wissen alle. Darauf sind wir vorbereitet. Und das Spiel in Erfurt war für alle ein guter erster Eindruck.“

Intern beim HSV sieht es aus, wie es ein Dietmar Beiersdorfer nach dessen klarem Bekenntnis zu Slomka erahnen lässt: Es ist ruhig. Und das ist sehr gut so. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir diese Stärke auch von innen heraus nach außen strahlen lassen wollen. Wir wollen uns weniger beeinflussen lassen von dem, was von außen an uns herangetragen wird. Wir wollen mit unserer Arbeit unsere Fans und unsere Kritiker beeindrucken, begeistern. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Wochen der Zusammenarbeit mit Dietmar Beiersdorfer sehr gut waren, dass es da eine sehr vertrauensvolle Ebene gibt. Da passt nichts dazwischen. Und dennoch steht auch beim HSV wie bei jedem Bundesligaverein der Erfolg dazwischen. Das gehört einfach dazu. Und damit kann ich umgehen.“

Umgehen muss er zunächst auch mit den Spielern, die im Kader stehen. Wie so oft heißt es auch beim HSV momentan, „erst verkaufen, dann neu holen“. Zumindest ist das so geplant. Dass der HSV in der Innenverteidigung und im Angriff noch etwas machen will, ist unbestritten. Allein der Zeitpunkt, wann etwas passiert, ist offen. Wobei mir heute gesagt wurde, dass bis zum Cottbus-Spiel eher nichts passieren wird. Für Slomka kein Problem. „Ich glaube, dass wir nur etwas machen können, wenn wir auch jemanden abgeben. Das sollte uns bewusst sein, dass wir unseren Etat jetzt ausgeschöpft haben.“ Soll heißen: Die Neuen steigern das Gehaltsgefüge von zuvor rund 43 Millionen Euro auf nunmehr aktuell gut 48 Millionen Euro. Ziel war und ist es jedoch, den Gehaltstat des Vorjahres (43 Millionen Euro) auf weniger als 40 Millionen Euro zu steigern. Und daran arbeitet Beiersdorfer mit Hochdruck. Und während Skjelbreds Verkauf nur noch als Frage der Zeit betrachtet wird, stehen nahezu alle Spieler als potenzielle Verkaufskandidaten zur Debatte.

Oben schon erwähnt, soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich Klaus Michael Kühne heute bei der Grundsteinlegung seines Luxushotels „Fontenay“ zum Thema HSV geäußert hat. „Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt eine Chance geben. Man sollte jetzt kein überehrgeiziges Ziel formulieren.“ Was das sein könnte? „Einen einstelligen Tabellenplatz erhoffe ich mir schon“, sagt Kühne und schiebt nach: „Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Aber das ist vielleicht dann erst in der übernächsten Saison der Fall.“

Beim Thema Neuzugänge (Kühne: „Ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen“) zeigte sich Kühne bislang sehr zufrieden. „Herr Beiersdorfer hat das Talent dazu. Er musste nur leider die guten Spieler immer wieder zu schnell verkauft und viel Geld damit verdient. Und das Geld daraus ist alles verwirtschaftet worden – ein Phänomen für mich“, so Kühne kritisch, ehe er sehr moderat und mit Weitsicht formuliert: „Ich hoffe, dass die Finanzen des Vereins dann irgendwann so gut werden, dass die guten Spieler nicht gleich wieder verkauft werden müssen, sondern bleiben, damit es eine eingespielte, homogene Mannschaft wird. Und das geht nicht von heute auf morgen, das muss in Jahren aufgebaut werden. Es muss hier ganz sicher mittel- bis langfristig gedacht werden.“

Auch bei seinem einstigen Liebling Rafael van der Vaart, dem er vor Wochen noch einen Vereinswechsel empfohlen hatte, scheint Kühne inzwischen etwas optimistischer zu sein. Ein Wechselbad der Gefühle habe er durchlebt. „Ich habe ja mal alles getan, um ihn zu holen und das hat dann ja auch funktioniert. Es gab Auftrieb und er hat gut gespielt. Aber dann ist er leider ob seiner privaten Affären von der Rolle gekommen. Die letzte Saison war alles andere als glücklich – deshalb habe ich das gesagt. Woanders hätte er noch mal groß rauskommen können, beim HSV schien er ein wenig verbrannt. Und nun läuft es anders, van der Vaart gelobt, fit zu sein und man scheint es ja auch, ihm so abzunehmen. Also warten wir es mal ab. Ich habe da so ein wenig gemischte Gefühle. Aber ich freue mich wenn, er hier groß rauskommt. Wenn er nicht so groß rauskommt, dann sollte er sich neue Ziele setzen. Also, warten wir es mal ab.“

Stimmt. Gleich am Montag steht die erste Bewährungsprobe an. „Wir arbeiten jetzt an den letzten Zügen an der Spritzigkeit, der Explosivität und Schnelligkeit. Das haben die Daten gezeigt, dass das noch ein Programmpunkt ist. Aber die Mannschaft hat große Lust, zu starten und ist willig, am Montag einzusteigen.“ Vor allem Matthias Ostrzolek. „Es war ein langer Kampf um ihn und ich habe ihn immer wieder angerufen und gesagt, er solle Geduld haben. Am Ende ist er bei uns. Er hat aber die ganze Zeit trainiert und ist fit und voller Enthusiasmus. Er hat gleich gezeigt, was seine Qualitäten sind. Er ist wahnsinnig schnell, explosiv, schlägt sehr gute Flanken und hat ein sehr gutes Timing.“ Eine Startelfnominierung in Cottbus scheint nicht ausgeschlossen. „Wir haben viel probiert in den letzten Wochen und den Kader so zusammengestellt, dass wir mehrere Optionen haben und ich würde mich freuen, wenn der Pierre dann in den nächsten Tagen mit einsteigen kann.“

Das hoffen in Hamburg wahrscheinlich alle. Und heute war Lasogga schon wieder mit Ball auf dem Platz. „Er hat sehr viel mit dem Ball gearbeitet und Situationen gehabt, die dem Mannschaftstraining schon sehr nahekommen.“ Ob er für Cottbus eine Alternative ist? Slomka hofft bis zum Schluss darauf und wollte es von der körperlichen Reaktion bei Lasogga auf das heutige, gesteigerte Trainingspensum abhängig machen. Voll dabei ist indes Nicolai Müller. „Er ist gut eingeschlagen, hat aber noch ein wenig Probleme mit den Adduktoren. Er ist eine Alternative. Man sieht die fußballerische Klasse, das ist ein ganz fantastischer Neuzugang.“

In diesem Sinne, ich finde, man kann den Blog heute, wo kein neuer Name aufgepoppt ist und wo es rund um Neue und Abgänge ruhig geblieben ist, mit diesem positiven Schlusssatz Slomkas sehr gut beenden und den Rest-Donnerstag genießen.

Bis morgen! Da wird übrigens wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle


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