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Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.

Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?

Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.

Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

Fink ist dabei, Probleme zu lösen – und der HSV sagt dem Schweinske-Cup ab **ergänzt**

6. Dezember 2011

******Eigentlich wollte ich diesen Blog schon vor 30 Minuten online stellen. Allerdings erreichte mich just im Moment der Freigabe eine für mich ebenso traurige Nachricht wie für alle Hallenfreunde. Besonders für Veranstalter Horst Peterson und auch Dieter Matz, dem Peterson einst bescheinigte, er sei seine Motivation gewesen, das traditionelle Hallenspektakel in der Alsterdorfer Sporthalle zu initiieren: Der HSV sagt den Schweinske-Cup ab. Und das, obwohl erst vor wenigen Wochen die Zusage kam und der HSV nach jahrelanger Abstinenz – wenn auch mit der zweiten Mannschaft – endlich sein Comeback auf Hamburger Hallenboden feiern wollte. Wie mir gesagt wurde, geschieht dies aus Sicherheitsgründen. Angeblich sind beim HSV etliche Meldungen eingegangen, wonach bei einer Teilnahme des HSV in der Halle randaliert werden sollte. Wer da wie randalieren wollte, weiß ich noch nicht. Und ich werde bei solchen Dingen eine Teufel tun, zu spekulieren. Deshalb auch diese in Sternchen gehaltene Kurzmeldung vorweg. “So schade es ist, es ist eine gemeinsame Entscheidung mit der Turnier-Organisation gewesen”, sagt HSV-Mediendirektor Jörn Wolf. Das Turnierumfeld, sprich die An- und Abreisewege seien zu eng, um für Sicherheit garantieren zu können. “Die Polizeit hatte uns daher davon abgeraten, an diesem Turnier teilnehmen”, so Wolf weiter. ****

Ebenso traurig kling eigentlich auch Folgendes: „Es herrscht Zuschauerschwund beim HSV.“ Allerdings nur eigentlich. Denn obgleich es bei durchschnittlich mehr als 44000 Zuschauern Meckern auf gehobenem Niveau ist, ist es eigentlich kein Wunder. Zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man sich die sportliche Entwicklung ansieht. Denn die hat in dieser Saison im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen, auch wenn sich unter dem neuen, Trainer Thorsten Fink ein deutlich erkennbarer Aufwärtstrend abzeichnet. Dennoch hat der HSV in dieser Saison noch nicht einmal das Stadion komplett ausverkauft. Auch das ist definitiv zu wenig. Allerdings ebenfalls zu erklären, wie ich finde. Nicht nur, dass die Top-Gegner Bayern Dortmund und Bremen erst noch kommen, für ein jeweils ausverkauftes Haus sorgen und damit den Schnitt deutlich anheben dürften, auch der zu Saisonbeginn proklamierte Umbruch dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben. Zumal der Saisonstart reichlich daneben ging. Ein Punkt konnten die jungen Wilden unter Michael Oenning sammeln und damit nicht die vorhandene Skepsis unter den Fans beseitigen. Damals wurde an allem und jedem gezweifelt, alles hinterfragt. Und das hielt lange an. Bis heute gibt es noch etliche Zweifler, die den Aufwärtstrend unter Fink sehen und sich darüber freuen, die dem Ganzen aber noch nicht vollends vertrauen. Und um dies zu ändern, dafür bedurfte und bedarf es auch weiterhin der aktuellen Form der Mannschaft. Sollte die unter Fink begonnene Entwicklung anhalten, dürften sich auch die Zuschauerzahlen wieder verbessern.

Das gilt auch für Heung Min Son. Auch der Südkoreaner kann eine ganze Menge von Fink profitieren. Dieter hatte gestern beschrieben, dass Fink den zuletzt ganz objektiv betrachtet berechtigt kritisierten Angreifer in Schutz nimmt. Und das ist gut so. Nicht allein von Dieter, sondern vielmehr von Fink. Denn Son ist ein zweifellos großes Talent, das über alle individuellen Fähigkeiten verfügt, die man als Bundesliga-Profi braucht. Allein er zeigt es derzeit nicht auf dem Platz. Und, wenn ich ganz ehrlich hin, zeigt er es schon seit Saisonbeginn nicht mehr. Die (erneuten) Vorschusslorbeeren aus der Vorbereitung, in der er (mal wieder) Top-Scorer war, bewahrheiten sich wieder nicht. Stattdessen wirkt Son nicht handlungsschnell genug, er verliert zu leicht Zweikämpfe und kommt zu selten zum Abschluss.

Aber, und da schließe ich mich nicht nur Fink sondern auch Dieter an, Son fehlt einfach nur eine gesunde Mixtur aus all seinen Talenten. Und diese Mixtur muss er auf dem Platz zeigen, So, wie er es im Training längst nicht kontinuierlich aber wenigstens immer mal wieder schafft. Und dafür wird es in der zweiten Saison auch langsam Zeit. Langsam wird sich Son auch mit Kritik, die ob seiner noch jungen 19 Jahre zuletzt oft gemieden wurden, auseinandersetzen. „Ich will in dieser Saison den nächsten Schritt machen“, hatte uns Son im Sommer gesagt und damit den Schritt zum Stammspieler gemeint. Nun kann man sagen, dass er das mit drei Toren bei elf Einsätzen in 15 Saisonspielen, wovon er achtmal in der Startelf stand, schon fast erreicht hat. Aber andererseits profitierte Son von Verletzungen Petrics, Bergs und Guerreros sowie zuletzt vom guten Willen des neuen Trainers, der ihm einfach eine erneute Chance geben wollte. Ergo: Son ist noch kein Stammspieler. Allemal kein unumstrittener, was auch die Diskussion hier im Blog beweist.

Allerdings ist die Kernfrage vielmehr: muss Son so früh schon so hoch gesteckte Ziele erfüllen, nur weil sie irgendwann von irgendwem formuliert wurden? Und so gern ich auch sagen würde: „Ja, weil er es kann!“, muss ich konstatieren: Nein, er braucht noch Zeit. Also löse ich mich von dem Gedanken, das neue Wunderkind in unseren Reihen gefunden zu haben. Schon allein mit Blick auf die Schicksale unser letzten Wunderkinder Macauley Chrisantus und Mustafa Kucukovic, die sich derzeit bei zweitklassigen Klubs beweisen. Auch wenn man da zumindest Chrisantus nach nunmehr sieben Treffern in 13 Einsätzen im Blick behalten muss.

Dennoch würde und werde ich bei Son eher davon sprechen, einen Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu haben, der der Mannschaft trotz seiner jungen Jahre schon heute weiterhelfen kann und der es in absehbarer Zeit auch zum gestandenen Bundesligaprofi schaffen wird. Er hat alles, aber ihm fehlt noch viel. Vielleicht nimmt man Son dadurch auch den Druck, den der Junge schon allein durch seine langfristige Vertragsverlängerung mit entsprechend angehobenen Bezügen verspürt haben dürfte. Zudem haben wir alle, ob Blogger oder Schreiber hier im Blog, Sons Vorbereitungsleistungen zu hoch eingeschätzt. Dementsprechend tief fühlt sich der Sturz an. Dabei ist Son weiterhin ein großes Talent, das noch Zeit bekommen muss, sich zu entwickeln. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Und ich bin mir relativ sicher, dass ein Herr Fink, der selbst beim FC Bayern München die vielleicht härteste Schule für im Bundesligafußball durchlaufen durfte, da die richtigen Worte und Mittel finden wird.

Denn das scheint er bislang bei den Spielern geschafft zu haben. Nicht ein Spieler ist dabei, der aktuell schlecht über den Trainer und dessen Maßnahmen spricht. Dabei gibt es bei 25 Kaderspielern immer ausreichend Akteure, die sich in ihren Augen vom Trainer nicht gerecht mit Einsatzzeiten ausgestattet empfinden. Jetzt allerdings nicht. Fink hat es geschafft, der Mannschaft eine positive Grundstimmung zu verpassen, die derartige Äußerungen verbietet, worauf ich später hier im Blog noch mal zurückkommen werde. Und so sicher, wie das bei Fink wie bei bisher wahrscheinlich 100 Prozent aller Fußballtrainer auf der ganzen Welt eine vorübergehende Phase sein wird, so sehr sollte man sie genießen. Ebenso wie derartige Siege wie gegen Nürnberg. Solche Spiele hat eine Mannschaft doch auch nur, wenn sie dafür hart arbeitet. Soll heißen: auch wenn der HSV in dem Spiel sicher nicht hoch überlegen war, ist der Sieg nichts, wofür sich die Mannschaft schämen oder entschuldigen müsste. Dafür gab es auch in dieser Serie schon genug Spiele, die unverdient verloren gingen.

Nein, entschuldigen müsste man sich erst dann, wenn man so etwas falsch analysiert und sich stärker redet, als man war. So, wie ich mich im Nachhinein bei Euch und bei Son für meine euphorisierten Worte für die Leistungen des Südkoreaners im Laufe der Vorbereitung entschuldigen muss. Allerdings hat das beim HSV niemand getan, im Gegenteil: Fink hatte schon vor dem Nürnberg-Spiel vor verfrühter Zufriedenheit gewarnt und auch nach dem Nürnberg-Spiel mit Kritik an seiner Mannschaft nicht gespart. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen“, hatte Fink gesagt und damit ebenso pauschal wie richtig gesprochen. Denn, das Spiel des HSV schwebt im Moment auf einer Welle des neuen Selbstvertrauens der HSV-Spieler. Allerdings ist das gesamte Konstrukt selbstverständlich noch sehr fragil. Noch ist die Mannschaft sogar in der Nähe der Abstiegsplätze. Dies richtig einzuschätzen ist die hohe Kunst Finks. Er muss seine Spieler immer wieder warnen, kritisieren und verbessern, ohne ihnen damit das notwendige Selbstvertrauen zu nehmen.

Womit ich, wie vorhin versprochen, noch mal auf Finks Wirkung zurückkomme. Finks taktische Änderungen greifen, was sich leicht auch in den erzielten Punkten nachlesen lässt. Dafür erntet er Respekt und Vertrauen seiner Spieler. Und sollte Fink es zudem schaffen, das nachhaltig auszubauen oder zumindest beizubehalten – sei es durch eine derart schonungslose Ehrlichkeit wie gegenüber einem so verdienten Spieler wie Jarolim oder einfach nur lobende Worte für seine Mannschaft –, dann wird er seinen Erfolg in Hamburg ausbauen. Weil ihm seine Spieler seinen Plan abnehmen und folgen. Und dann werden ganz sicher auch wieder Spiele ausverkauft sein.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle (17.04 Uhr)

P.S.: Am Mittwoch wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.