Archiv für das Tag 'Krohn'

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Kreuzer da – und Victorias Stilz kommt

11. Juni 2013

Das war Tag eins von Oliver Kreuzer beim HSV. Er hat sich auf der Geschäftsstelle bekannt gemacht, bezog sein Büro, er sprach mit dem Vorstands-Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow, er versuchte per Telefon ein paar Spieler und einige Spielerberater zu erreichen – und Oliver Kreuzer sprach mit uns. Und verriet uns fast nebenbei einen „Hamburger Hammer“. Roger Stilz, 36-jähriger Mittelfeldspieler und zugleich Cotrainer des Regionalliga-Clubs SC Victoria, wird Nachfolger des bisherigen HSV-Cotrainers Frank Heinemann. Eine Sensation. Und spontan würde ich sagen, dass das nach vielen Jahrzehnten mal wieder ein Hamburger „Amateur“ in die Profi-Abteilung geschafft hat, ist eine absolute Rarität. Eine Blaue Mauritius – um es mal so zu nennen. Der letzte, der das geschafft hat, ist meines Wissens Dieter Roth. Der war in den 70er-Jahren „Manager“ des Wandsbeker FC und wurde vom damaligen HSV-General Dr. Peter Krohn als Präsidiumsassistent zum HSV geholt. Roth wurde quasi Krohns rechte Hand – und das war im Hamburger Fußball eine mittlere Sensation. So ähnlich ist jetzt auch die „Sache“ mit Stilz, der aus der Schweiz kommt und dort früher in der Zweiten Liga gespielt hat, einzuschätzen. Aber, um auch das noch mal los zu werden: Dass es ein Hamburger Amateur endlich einmal wieder zu den HSV-Profis geschafft hat, finde ich okay.

Wobei es natürlich etliche Spieler durchaus mal geschafft haben, zum HSV zu kommen. Aus der Erinnerung heraus – und ganz spontan – fallen mir Lothar Dittmer (Süderelbe), Christian Hofmeister (Lurup), Walter Laubinger (Bramfeld), Oliver Möller (Lurup), Detlef Spincke (Lurup), Klaus Fock (TuS Finkenwerder), Dieter Wöbcke (Holstein Quickborn?), Benjamin Kruse (1. SC Norderstedt), Bernd Bressem (Komet), Jens Duve (Hummelsbüttel), Matthias Reincke (Bergedorf 85?), und Elard Ostermann (auch vom SV Lurup) ein. Es gibt sicherlich noch mehr, aber diese Herren wüsste ich. Aber einen Cotrainer aus dem Hamburger Amateurfußball? Wüsste ich nicht. Roger Stilz geht in die Geschichte ein.

Und wo ich gerade bei Namen und Trainer bin: Thomas Stratos, von 1990 bis 1992 HSV-Profi, wurde neuer Coach des Zweitliga-Absteigers Jahn Regensburg. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass Stratos unter die Trainer gegangen ist, aber er war beim SC Wiedenbrück tätig. Kompliment, den Trainer-Job habe ich ihm gar nicht zugetraut – wie man sich doch irren kann . . .

Zurück zum HSV. Meinen Rückblick (diesmal auf den HSV-Angriff) verschiebe ich auf morgen, denn heute steht Kreuzer im Mittelpunkt. Der neue Sportchef wird nun eine kleine Nuss zu knacken haben, denn Leverkusen wird Andre Schürrle offenbar doch nicht los, Chelsea hat einen Rückzieher gemacht. Und nun? Was wird mit Son? Geht er trotz allem zur Werkself? Oder hat sich damit alles zerschlagen? Ich habe Kreuzer nach Son gefragt, vor allem, wie viele Angebote es noch gibt? Kreuzer: „Vor Wochen gab es noch einige, jetzt ist das stark reduziert.“ Wie stark? Damit wollte der Sportchef nicht rausrücken. Ein oder zwei Angebote, mehr ist da mit Sicherheit nicht mehr. Nun bleibt abzuwarten, was aus Heung Min Son wird. Denn bleibt Schürrle in Leverkusen, benötigen die Westdeutschen eigentlich keinen Südkoreaner mehr. Jedenfalls keinen Son. Man darf gespannt sein.

Vieles drehte sich am ersten Kreuzer-Tag um Gojko Kacar, Robert Tesche und Marcus Berg. Letztere soll ja vor einem Wechsel nach Athen stehen, aber Oliver Kreuzer weiß davon nichts. Weder hat sich Panathinaikos gemeldet, noch der Schwede selbst. Und das müsste ja wohl der Fall sein, wenn schon die medizinische Untersuchung kurz bevorstehen soll. Also, in der Personalie stimmt etwas nicht. Und auch Oliver Kreuzer sagt: „Ich glaube, dass da nichts dran ist, mit Berg und Athen.“

Findet Berg keinen neuen Arbeitgeber, dann müsste er in Hamburg da trainieren, wo nicht gerade die Profis trainieren. Gemeinsam mit Tesche und Kacar, so sie denn auch bleiben wollen – oder mangels Angebote bleiben müssen. Wo sie dann trainieren, ist noch unklar. Kreuzer will das alles mit den Spielern selbst und mit den Beratern in persönlichen Gesprächen klären: „Ich hoffe auf Einsicht der Spieler . . . Natürlich, sie haben alle gültige Verträge, und die werden wir auch respektieren, danach werden wir uns richten. Aber dennoch wünsche ich mir schon etwas Einsicht der Spieler . . .“ Und weiter: „Ich glaube, dass sind alles junge Spieler, es kann nicht in deren Sinne sein, nur ihren Vertrag hier auszusitzen. Es geht doch auch um die Karriere eines Spielers, und wenn einer mal ein Jahr oder länger nicht gespielt hat, dann kann es ganz schnell mal mit der Karriere zu Ende sein.“ Stimmt. Aber die Verlockung ist riesig, denn der HSV zahlt fast so gut wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund . . .

Klar ist auf jeden Fall, dass die „Aussortierten“ alle Anspruch auf Training haben, und das unter Anleitung eines Fußballlehrers. Das könnte noch gewisse Komplikationen geben. Wenn sie nicht woanders unterkommen. Aber bekommt der HSV eigentlich für Spieler, die nicht mehr gewünscht sind, noch Geld? Kreuzer: „Eines ist ja klar: zu verschenken haben wir nichts. Und die Spieler sind ja auch nicht schlecht. Es hat für sie eben einfach aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gepasst. So etwas gibt es ja.“

Es soll ja so vieles im Fußball geben. So zum Beispiel auch, dass der HSV mal ein Heimspiel mit 0:4 verliert. So geschehen am 26. August 1987. Da zog der Karlsruher SC ganz groß im Volkspark auf – mit Oliver Kreuzer. Sein positivstes Hamburger Erlebnis als Profi-Fußballer. „Das war ein schönes Spiel“, erinnert sich Kreuzer, der allerdings mit seinem damaligen Gegenspieler leicht daneben lag. Er tippte auf Jan Furtok, aber der Pole war nicht dabei. Es muss Bruno Labbadia gewesen sein.

Aber egal. Kreuzer sagt es: „Es ist auf jeden Fall schon sehr lange her.“ Und jetzt heißt es ja HSV. Ohne Ende HSV. Rund um die Uhr HSV. Und auf diese Aufgabe hat sich Oliver Kreuzer schon bei der Fahrt am Montag nach Hamburg gefreut. Er hat eine schwere Arbeit zu verrichten, denn der HSV leidet unter chronischem Geldmangel. Kreuzer aber sagt tapfer: „Wir sind schon handlungsfähig, so ist es nicht. Es ist aber so, dass ja bekannt ist, dass der Lizenzspieler-Kader nicht nur vom Umfang her, sondern auch vom Budget her verringert werden muss. Jetzt müssen wir schauen, dass Abgänge und Neuzugänge in etwa Hand in Hand geht.“ Kreuzer weiter: „Momentan können wir nicht vier Neuzugänge präsentieren können, die eventuell sogar noch irgendwelche Ablösesummen kosten, und auf der anderen Seite haben wir noch immer die Spieler, von denen wir uns trennen wollen. Beidseitiges Vorangehen ist gefragt. Die neuen Spieler müssen finanzierbar sein, auf der anderen Seite muss man schauen, dass man den einen oder anderen Spieler transferieren kann – ganz klar.“

Das hört sich so an, dass es dabei nicht nur um Tesche, Kacar und Berg geht. Es werden wohl mehr aus Hamburg scheiden müssen. Kreuzer: „Man muss schauen. Wir haben uns auf die drei Spieler festgelegt, weil wir ganz klar sagen, dass es keinen Wert mehr hat. Das gilt für beide Seiten. Und sollte der Transfer von Son klappen, dann sind es schon vier Spieler, die uns verlassen. Und dann muss man schauen, ob sich dazu noch der eine oder andere dazugesellt.“ Alles, so Kreuzer, „ganz klar in Absprache mit dem Thorsten“. Gemeint ist natürlich Trainer Fink.

Interessant dürfte es auch bei den Innenverteidigern werden. Heiko Westermann, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner – und dennoch soll ein neuer Abwehrmann verpflichtet werden. Oliver Kreuzer: „Da ist es ja auch logisch, dass sich die Spieler auch ihre Gedanken machen. Die kommen zu uns und sagen: ‚Jetzt habt ihr zwei Innenverteidiger geholt – wo bleibe ich denn, wo ist meine Rolle?’ Das sind Dinge, die sich dann in einer Transferperiode entwickeln.“ Wobei ich genau hingehört habe. Kreuzer hat von „zwei Innenverteidigern“ gesprochen, die geholt werden (könnten).

So, und dann gibt es da noch einen ganz wichtigen Punkt, auf den ich beinahe stündlich angesprochen werde. Und ich sage dazu:
Keine Panik, hinter den Kulissen tut sich etwas. Wer glaubt, dass die Vorhaben bezüglich einer Struktur-Änderung im HSV nur ein kleiner Sturm im Wasserglas gewesen ist, der irrt. Es tut sich etwas, es wird sich etwas tun – ganz sicher, Kompetente Leute und große HSVer arbeiten daran. Und wie nötig das ist, das zeigt mir heute mal wieder ein Bericht der Agentur SID (Sport-Informations-Dienst), den ich gerne veröffentliche, denn er wird dafür sorgen, dass immer mehr auf den Zug aufspringen werden. Wenn der HSV nichts tut, geht er hoffnungslos baden – denn bald gibt es auch keinen Heung Min Son mehr, der noch für eine zweistellige Millionensummer zu verkaufen wäre (weil er dann längst weg ist).
Den lesenswerten Artikel stelle ich auch deswegen hier hinein, weil ich denke, dass keine Tageszeitung einen so langen Bericht so ausführlich übernehmen wird.

Die Kluft zwischen Arm und Reich im deutschen Profi-Fußball wird größer – obwohl bei der Verteilung der Bundesliga-TV-Gelder Solidarität großgeschrieben wird. Die Branchen-Größen, Triple-Gewinner Bayern München und Champions-League-Finalist Borussia Dortmund, schöpften bei den nationalen Fernseheinnahmen natürlich den Rahm ab. Die Bayern verdienten laut fernsehgelder.de 25 834 556 Euro, Vizemeister Dortmund immerhin noch 25 074 716. Werden noch die rund 70 Millionen der beiden Klubs aus der Königsklasse dazu gezählt sowie die Einnahmen aus dem DFB-Pokal, ist der Dritte Bayer Leverkusen als Tabellenfünfter des Vorjahres mit den Einnahmen aus der Europa League und 24 314 876 Millionen Euro aus der Bundesliga schon fast ein armer Schlucker. Die Reichen werden reicher, die Armen bleiben arm – oder werden noch ärmer.

DFL-Chef Christian Seifert weiß genau, dass die Einflussnahme vonseiten der Deutschen Fußball Liga eher begrenzt ist: „Klar ist: Auf nationaler Ebene lassen sich die enormen Erlöse in der Champions League nicht ausgleichen“, sagte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung unlängst dem Kicker: „Natürlich muss sich die Uefa (Europäische Fußball-Union, d. Red.) Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Denn es ist offensichtlich, dass sie durch ihren derzeitigen Verteiler-Mechanismus massive Eingriffe vornimmt mit Blick auf die nationalen Wettbewerbe.“

Dass künftig die Top-Teams vielleicht nicht mehr die höchsten Zahlungen aus der Inlands-TV-Vermarktung erhalten und damit die Konkurreten quasi „subventioniert“ werden, ist für Liga-Präsident Reinhard Rauball keine Option. „Das höchste Gut, das wir haben, ist der freie Wettbewerb, nicht der gesteuerte“, sagte der 66-Jährige im SID-Interview und verweist auf die Entwicklung seiner Borussia nach der Fast-Insolvenz vor rund acht Jahren. „Wir waren nahezu insolvent und haben uns aus eigener Kraft wieder entwickelt zu einem Verein, der sich in Wembley weltweit den Zuschauern präsentieren konnte. Daran sieht man, dass mit Fantasie, mit Disziplin, aber auch mit einer nötigen Portion Glück ein solcher Weg beschritten werden kann“, betonte Rauball, der Präsident von Borussia Dortmund.

Das Leistungsprinzip soll bei der Verteilung der Gelder aus der Bundesliga-TV-Vermarktung nicht außer Kraft gesetzt werden. Andererseits: Selbst Absteiger SpVgg Greuther Fürth kassierte noch 12 917 218 Euro. Das ist exakt die Hälfte dessen, was die Bayern erhielten. Und wer ehrlich die Fernsehpräsenz der Bayern mit denen der Fürther vergleicht, muss zugeben, dass der Absteiger da noch ganz gut wegkommt. In der Liga funktioniert die Solidarität, wobei vier Saisons in die Abrechnung mit einfließen. Wobei die vergangene Spielzeit einen höheren Stellenwert besitzt als die erste Saison, die in der Berechnung berücksichtigt wird.

Die TV-Gelder werden nach einem komplexen Schlüssel verteilt, der mit der Einfachheit des Fußballs nichts mehr zu tun hat. Von den 438,7 Millionen Euro, die der Profifußball für die Saison 2012/13 erhalten hat, gehen 70,5 Prozent an die Bundesliga, lediglich 20,5 Prozent an die Zweite Liga. Das führt dazu, dass Aufsteiger Hertha BSC nur 7 721 120 Euro erhalten hat – also über fünf Millionen weniger als Absteiger Fürth. Der 1. FC Kaiserslautern jedenfalls – in der Relegation an 1899 Hoffenheim gescheitert – hat nur 6 668 240 Euro abgegriffen, Hoffenheim, der Tabellen-16. der Ersten Liga, aber 14 436 958 Euro.

Bemerkenswerte und auch nachdenkenswerte Zahlen. Hamburg und vor allem der HSV wird aufwachen müssen. Und zwar sehr schnell. Denn diese Entwicklung zeigt, dass man in Liga zwei, erst recht in Liga drei kaum noch einmal die Gelegenheit erhält, Anschluss zu halten. Es sei denn, es käme tatsächlich einmal ein „Herr Kühne“ und legt solche Summen hin . . . Obwohl das ja auch von etlichen HSV-Mitgliedern gar nicht gewünscht wäre.

PS: Das muss noch nachgereicht werden! Per Ciljan Skjelbred hat ein Tor erzielt. Super! Im Freundschafts-Länderspiel gegen Mazedonien traf der Norweger in der neunten Minuten zum 1:0 – Endstand 2:0. Na bitte, es geht doch. Nun ist der Knoten geplatzt – hoffentlich. Obwohl erst jetzt die Sommerpause beginnen wird – aber erst das Comeback, nun das Tor, das alles wird ihm nochmals Auftrieb geben. Besser kann man eine Saison ja kaum beenden. Glückwunsch!

18.19 Uhr

Dieser HSV wirft immer viele Fragen auf

3. Juni 2012

Früher war alles wie früher. Daran kann ich mich genau erinnern, denn als vor fast drei Jahren (mir kommt es viel, viel länger vor) Matz ab ins Leben gerufen wurde, da war sonntags immer mein Tag der Antworten gekommen. Ihr habt gefragt, ich habe geantwortet. So gut es ging, so oft wie möglich. Und irgendwann schlief es dann auch irgendwie ein. Keine Antworten auf keine Fragen? Auf jeden Fall gab es in der jüngeren Vergangenheit etliche Fragen und etliche Mails sowie Briefe, in denen sich mehr oder weniger besorgt über den Zustand des HSV geäußert wurde. Ich habe einige davon jetzt herausgegriffen, um sie euch zu präsentieren – und auch um die eine oder andere Antwort zu geben. Sofern ich diese Fragen dann beantworten kann. Und das ist gewiss nicht immer so. Wie in den ersten beiden Fällen, die sich noch einmal mit der Mitgliederversammlung im Volkspark beschäftigen. Ich möchte auch nicht in jedem Fall eine oder auch mehrere Antworten parat haben, ich denke, das ihr euch untereinander vielleicht viel besser helfen könntet. Eventuell ist das hier schon einmal der Fall.

Lieber Dieter Matz!

Ich bin ein ausgewiesen blinder HSV-Fan, der seine Mannschaft gerne siegen sehen will. Wenn sie denn nicht gewinnt, dann will ich sie kämpfen sehen.
Sie soll mir das Gefühl geben, dass meine von mir so geliebte Heimatstadt von ihr würdig vertreten wird. Dazu braucht’s gute Spieler, einen engagierten Trainer, einen beschlagenen Sportdirektor und eine versierte Vereinsführung. Dein Blog gibt mir viele Anregungen, auch lustige Momente und viel Kurzweil …
ABER: Ich möchte von dir nun endlich mal die Hintergründe erklärt bekommen. Wer sind SC und Realos, die Personen im Vorstand und AR, wer steht wofür?
BITTE jetzt mal einen Grundsatz-Artikel ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten!
Danke, dein treuer Leser D. R.

Und noch einmal Mitgliederversammlung. Wobei ich auf die hier vorstehende letzteFrage noch einmal eingehen möchte: Wer sind SC und Realos, die Personen im Vorstand und AR, wer steht wofür? Von der Bühne aus betrachtet, und zwar Richtung Tribüne sehend, saßen rechts die Realos, links die Supporters – oder? Also, um noch einmal konkret zu werden: Wenn rnst-Otto Rieckhoff und zum Beispiel auch Carl-Edgar Jarchow zur Tribüne blickten, dann waren es so wie eben beschrieben. Und ich hatte den Eindruck, dass die Realos diesmal (zum ersten Mal?) ein wenig aggressiver waren als die Supporters, denen das früher immer nachgesagt wurde. Oder täuscht mein Eindruck?

Auf jeden Fall möchte ich zur MV auch noch diesen Beitrag veröffentlichen:

Hallo Dieter,

anbei mein Post im Original. Vielleicht hilft er ja ein wenig in dieser verfahrenen Situation.
Müssen wir denn hier die Grabenkämpfe unbedingt weiterführen? HIER sollte es doch nicht um Macht gehen – wie in der realen Welt 😉 – sondern doch nur darum, über die MANNSCHAFT zu diskutieren. Und, ehrlich gesagt, ob wir mit dem Buntbetuchten, oder EOR Meister werden, ist mir so was von egal.

Den meisten von uns geht es doch um Sympathie oder Antipathie gegenüber den Protagonisten und um die eine oder andere Schlechtleistung im AR und Vorstand, die wir als Außenstehende aber nun mal nicht in letzter Konsequenz beurteilen können. Was wir aber beurteilen können, zumindest subjektiv, ist, ob ein Drobny für 2,2 Mio. hätte gehen können und FA hat 3 Mios gefordert hat. Oder ob ein Jansen sich tatsächlich so entwickelt hat, dass er unbedingt einen neuen Vertrag haben muss (böse Zungen werden jetzt behaupten, wenn CEJ einen neuen Vertrag bekommt, hat Jansen auch einen verdient …).
Letztendlich liegt die Wahrheit auf dem Platz.

Sollten wir nicht versuchen, uns auf diesem Nenner zu begegnen? In der Regel hat das in der Vergangenheit doch ganz gut geklappt. Haben wir gewonnen, waren – fast – alle happy. Bei Niederlagen – fast – alle angefressen.
Ich denke die AOMV hat gezeigt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Lasst doch die, die die Macht brauchen darum kämpfen.

Bei dauerhaft guten Leistungen der MANNSCHAFT bekommen sie Sternchen, bei schlechten, mit der rostigen Fahrradkette eine aufs Maul (beides sinnbildlich).
Ich glaube, wenn wir alle diese machtgeilen Herren, von welcher Seite auch immer, einfach nicht mehr für so wichtig nehmen, sie mehr oder weniger als notwendiges Übel in dieser Vereinsstruktur sehen, ist uns allen mehr geholfen, als wenn wir wochenlang mit immer wieder den gleichen Argumenten aufeinander einhauen.
Grüße, Scorpion

Bei einem Satz horchte ich auf: „Was wir aber beurteilen können, zumindest subjektiv, ist, ob ein Drobny für 2,2 Mio. hätte gehen können und FA hat 3 Mios gefordert hat.“ Dann wisst ihr mehr, dann weiß der Scorpion mehr. Wir haben auch nur (in anderen Zeitungen) gelesen, dass es so gewesen sein soll, aber der HSV hat es uns gegenüber immer bestritten, dass es ein solches Angebot (2,2 Mio.) jemals gegeben hat. Es ist wohl über Mittelsmänner eine lockere Anfrage bezüglich des Herrn Drobny „eingegangen“, aber nie etwas Offizielles vom FC Bayern – also auch keine 2,2-Mio.-Offerte.
Eines begrüße ich auf jeden Fall (in der Mail von Scorpion): alle gemeinsam.
Ich schrieb es bereits: es geht nur so. Alle gemeinsam. Wenn hier aber weiterhin drei Lager gegeneinander arbeiten, weil alle an die Macht wollen, dann kann der HSV nur daran zugrunde gehen.

Zu diesem Thema kam auch noch diese Mail:

Hallo Dieter,

sehr amüsant, deine letzten Beiträge. Egal ob zur Mitgliederversammlung oder dem Interview mit Herrn Jarchow. Doch will ich nochmals auf die MV eingehen und danach das Thema ruhen lassen. Du sprichst dich vor der Versammlung für die Fernwahl aus. Prima dachte ich, aber ca. 24 Stunden vor der Versammlung???
Was wolltest du denn mit so einer Aussage bewirken? Etwa, das sich der ein- oder andere Auswärtige doch noch dazu entschließt nach Hamburg zu kommen?

Genau so wie die Initiative Pro HSV oder die Initiative HSV Realos – das ich mich nicht
totlache!!! Ein Witz ist das. In den letzten Tagen und Stunden wird „Wahlpropaganda“ gemacht. Das Resultat konnte man sehen.
Aber knapp daneben ist halt auch vorbei!!!

Da kocht jeder sein Süppchen. Anstatt man eine gemeinschaftliche Initiative gründet und auch mal auf Fanclubs zugeht, die weit außerhalb von Hamburg kommen – so beispielsweise aus Hessen oder Bayern, oder Thüringen, oder, oder, oder.
Da gibt es viele Fanclubs – oder nennen wir diese doch auch mal HSV – Supporters, die ganz sicher nicht damit einverstanden sind, was mit ihrem HSV so abgeht!!!
Ich hatte die Gelegenheit, mich mal – leider erst nach der Versammlung – mit zwei Mitgliedern der HSV Senioren zu unterhalten. Was ist denn in ein paar Jahren beispielsweise mit einem Herr Dr. Krohn, wenn dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf eine Mitgliederversammlung gehen kann, hat er dann keine „Raute mehr in der Brust“??? Herr Dr. Krohn sollte nur explizit für viele HSV Senioren gelten, die nicht die Möglichkeit haben zur Mitgliederversammlung zu kommen, weil sie nicht die steile Treppe im Stadion gehen können!!!

Der Witz hat eine Fortsetzung.
Wo waren denn die HSV Mitglieder aus dem Behinderten Sport??? Dürfen die nicht mehr an einer Versammlung teilnehmen???
Universalsportverein – oder wie war dass?
Schade, ich hatte mich mal an die Initiative Pro HSV gewandt, wollte mal mit einigen Fanclubs in meiner Nähe in Kontakt treten, die „Werbetrommel“ rühren. Den Leuten mal die Wichtigkeit vor Augen führen!!!
Chance vertan. Bekam auf meine Mail keine Antwort. Nach der letzten Saison, die keiner mehr wieder erleben will, wieder eine Chance verpasst. Denn sollte der HSV wider erwartend eine bessere Saison hinlegen, werden noch weniger Fans zur Versammlung erscheinen – ganz nach dem Motto: Erfolgreich – also alles richtig gemacht.

So jedenfalls können einige – nennen wir sie mal HSV – getreue Fans oder auch Mitglieder Chosen Few – weiter ihr eigenes Süppchen kochen. Ist ja im Januar wieder eine Wahl. Da kann man dann vielleicht noch den ein oder anderen Kandidaten unterbringen.
Sind halt besser organisiert – so ist das halt. Ich für meinen Teil, werde mir überlegen, ob ich mir die mehr als 700 Kilometer noch mal antue, nur um bei einer Mitgliederversammlung teilzunehmen!!!

Auch auf das Interview mit Herr Jarchow will ich noch mal eingehen. Ob es gut war, mit seinen ehemaligen Mitstreitern, Herr Klüver, Herr Hunke und Freunden zu prahlen???
Für mich hat das einen bitteren Beigeschmack!!!

So, mal sehen wie du die Sache siehst.
Gruß Horst
Nur der HSV !!!

Ich habe dem Horst schon persönlich geantwortet. Zum Beispiel, dass ich nichts „damit bezwecken“ wollte – und will. Ich wurde hier schon mehrfach kritisiert, weil ich angeblich erst hinterher meine Meinung zu diesem oder jenem Thema geäußert hätte. Um nicht wieder in diesen Verdacht zu geraten, habe ich meine Meinung vorher (!) öffentlich gemacht. Ohne etwas damit für die eine oder andere Seite „bezwecken“ zu wollen . . .

Kurz noch zum Jarchow-Interview. Ich habe und hatte nie das Gefühl, dass Herr Jarchow mit den Herren Klüver, Hunke und Freunden geprahlt hat. Das hat Jarchow nicht nötig. Da steht er total über den Dingen – anders als (hier im Matz-ab-Blog) einige Leute, die immer mehr wissen wollen. Jarchow hat nicht geprahlt, Jarchow hat nur eine Tatsache angeführt, die leider immer wieder ins Gegenteil verdreht wird. Weil es dann so besser zur eigenen Meinung passt.

Ein ganz anderes Thema. Der abgemeldete Frauen-Fußball. Auch dazu gab es unheimlich viele Zuschriften. Ich stelle dazu eine einmal exemplarisch frei:

Lieber Herr Matz,

vielen Dank, Ihnen und Herrn Scholl, für den sowohl informativen als auch immer wieder sehr unterhaltsamen Blog. Seit Beginn des Blogs habe ich keinen Beitrag verpasst – glaube ich.
Ich möchte ein Mal kritisch anmerken, dass mich die Verärgerung über die Abmeldung der Damen aus der Bundesliga sehr, sagen wir mal, ärgert.

Wann bitte schön hat das Abendblatt (sowie andere Medien) mal ausführlich und regelmässig über HSV-Damen berichtet? Und falls Sie jetzt kontern, und nennen mir vllt. 3 bis 4 Beiträge in den letzten Monaten, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie, die Medien, große Teilschuld mittragen.

Denn – wenn Sie, die Hamburger „Schreiberlinge” 😉 , nichts berichten inklusive Fotos, dann ist klar, dass diese Sparte zum Tode verurteilt war. Denn welcher Sponsor buttert Geld in ein Projekt, dass ihm keine PR/Publicity bringt. Kein. Das sind einfachste Marketing-Regeln.
Es wäre, wie ich persönlich finde, selbstkritisch und fair, sich mit in das Boot zu setzen, in dem andere Parteien sitzen, die für die Abmeldung mitverantwortlich sind.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gebe ganz sicher nicht nur Ihnen (Medien) die Schuld. Aber sich jetzt aufzuregen ist doch, verzeihen Sie mir den Ausdruck, etwas scheinheilig.
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit bei Millionen von Zuschriften 😉 gering ist eine Antwort zu bekommen, ist vielleicht möglich im Blog das Thema anzuschneiden, vor allem ist das Thema noch aktuell. Marcel Jansen möchte da ja was „spenden” um den Mädels zu helfen.
Trotzdem, nobody is perfect ;).
Selbst der Matz-ab-Blog nicht, wobei es fehlt nicht mehr viel.

Übrigens, diese Kritik an den Medien, wären auch bei anderen Sparten angebracht. Statt nur Missstände anzuprangern, wäre es doch mal zur Abwechslung interessant zu erfahren, was bei anderen Vereinen so los ist. Altona 93 z.B. Trauen Sie den Lesern mehr zu. Wir müssen nicht immer wieder die gleichen HSV-Gesichter sehen, die immer das gleiche erzählen. Berichten Sie doch auch mal über, im positiven Sinne, auffällig gewordene Jugendliche der kleinen Verein und bringen Sie so mehr Ihrer Leser in die kleineren Stadien.

Wir, die Leser, werden es Ihnen danken.

Ihnen und auch den Kollegen im Hintergrund möchte ich danken. Es bringt vor allem Spaß, Ihre Beiträge zu lesen.

Dazu möchte ich sagen, dass es schon seit vielen, vielen Jahren immer Diskussionen um den Frauen-Fußball gegeben hat. Auch bei uns in der Redaktion. Zeitungen zu machen ist aber auch immer eine Sache des Platzes. Man muss eben auch den Platz haben, um die Geschichten vom Frauen-Fußball unterbringen zu können. Und die Zeitung möchte ich (heute) sehen, die so viel Platz hat, dass sie sich den Frauen-Fußball tatsächlich und dazu auch noch üppig „gönnen“ kann. Gibt es nicht (mehr). Nirgendwo. Und Zeitungen berichten meistens von Ereignissen, die auch bekannt sind, die viele, viel Leser interessieren, wo viele Leser auch live dabei waren und sich in dem folgenden Artikel dann auch wiederfinden können – oder auch nicht.
Wenn beim Frauen-Bundesliga-Spiel aber 300 oder 400 Zuschauer waren, was dann? Dann zeugt es davon, dass sich dafür nicht sonderlich viele Fußball-Fans interessiert haben. Wären aber u diesem Spiel mehr gekommen, wenn die Zeitungen (Medien allgemein) darüber besser berichtet hätten? Umgekehrt wird ein Schuh draus. Nur umgekehrt. Wenn die Frauen (HSV) so sensationell spielen würden, dass zu jedem Spiel 10 000 und mehr Zuschauer kommen, dann würde jede Zeitung darüber berichten. Hundertprozentig. Aber bei 300 oder 400 Zuschauer? Und das auf Dauer? So wird das nichts. Und es ist ja nicht so, dass nur das Hamburger Abendblatt nichts (über die HSV-Frauen) berichtet. Es berichten andere Zeitungen (in Deutschland) kaum mehr.

Dazu mal ein Beispiel am Rande. Boxen war tot. In Hamburg und in Deutschland. Dann nahm es ein Mann (hier) in die Hand: Klaus-Peter Kohl. Der leistete Pionier-Arbeit – und heute berichten nicht nur die Zeitungen über das Boxen, nein, auch jeder Fernsehsender, der etwas auf sich hält, der zeigt Boxen. Weil Klitschko und Co nicht nur in sind, sondern auch Leistungen zeigen, die die Leute begeistern, die die Masse der Leute auch sehen will. Wenn nun die HSV-Frauen auch einen so sensationellen Fußball zeigen würden, dann würden sie auch im Mittelpunkt des Interesses sehen. Aber so ganz sensationell ist dieser Fußball offenbar noch nicht. Du damit ist nicht nur der HSV gemeint. Anderswo sind auch kaum mehr Zuschauer zu zählen. Und es ist ja nicht einmal so, dass „nur“ Frauen den Frauen-Fußball sehen wollen. Wenn das mal der Fall wäre – ist es aber nicht.

Nein, irgendwie scheint der Frauen-Fußball auf keinen grünen Zweig zu kommen. Ob nun mit Hilfe der Medien – oder ohne. Das wird so nichts. Obwohl die deutschen Frauen ja in der Welt eine absolut erstklassige Rolle spielen. Nur was ist, wenn, wie zuletzt in Bielefeld, bei einem EM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien mal gerade 9000 Zuschauer kommen? Das liegt nicht an der Vorberichterstattung, ganz sicher nicht. Das liegt am Frauen-Fußball. Und an den Leistungen – obwohl die DFB-Auswahl ja meistens überzeugend spielt. Aber ist es nicht so, dass der Männer-Fußball ganz anders ist? Total anders? Ich kann mich erinnern, dass wir mal mit einer Abendblatt-Auswahl (mit Jörn Wolf, mit „Scholle“ und Pletzi) gegen die HSV-Bundesliga-Frauen spielten. In Ochsenzoll. Ist schon lange her. Wenn ich mich richtig erinnere, so gewann wir 11:2. Und die deutschen Frauen spielten einst vor einer WM (als sie letztlich den Titel gewannen!) gegen die A-Jugend des VfB Stuttgart. A- oder B-Jugend. Auf jeden Fall gewannen die jungen Männer in drei Dritteln zweistellig – aber darüber durfte nie berichtet werden. Totgeschwiegen wurde dieser Kick.

Nein, nein, ich glaube ganz einfach, dass es in den nächsten Jahren keinen Aufschwung im Frauen-Fußball geben wird. Und das liegt nicht, ganz sicher nicht an der Aufmerksamkeit der schläfrigen und ignoranten Medien.

Dann gab es auch noch diese Mail (der Absender ist mir bekannt):

Am 29.05.2012 veröffentlichtest Du dann das mit Herrn Jarchow geführte Interview (Teil 1), in dessen Verlauf Herr Jarchow u.a. sagte:
„Ernst nehme ich Leute, die sich mit Namen und Ihrer wahren Identität bei mir melden, die bekommen auch immer eine Antwort.”
Nun, dieses Angebot möchte ich gerne annehmen, obwohl einer der Blogteilnehmer offensichtlich schon eine andere Erfahrung gemacht hat.

KhanSingh sagt:
29. Mai 2012 um 21:15

Also ich habe Herrn Jarchow eine lange E-Mail mit mehreren Fragen geschickt. Mir hat er nicht geantwortet. Auch wieder nur heiße Luft. Aber immerhin: der KUNDENservice hat mir geantwortet. Nämlich, dass Herr Jarchow nicht jede Anfrage beantworten kann.

Ich würde Herrn Jarchow gerne eine Kopie meines Schreibens sowie der direkt darauf bezogenen Reaktionen zukommen lassen und erfahren, wie Herr Jarchow zu diesem Thema steht.

Ist es wirklich im Sinne des HSV’s, wenn die Meinung des größten Teils der Mitglieder (Supporters) in deren Abteilung nicht berücksichtigt wird?

Wie wird denn überhaupt seitens der Supporters das Meinungsbild von 55.000 bzw. 70.000 Mitgliedern erfasst. Die heutige Technik lässt es zu, Raum und Zeit zu überbrücken. Warum nutzt man solche Möglichkeiten nicht? Es verlangt keiner, das bis zu EUR 38.500,00 an Portogeld verbrannt werden. Die Mitglieder sind registriert, eMail Kontakte daher bekannt. Wenn nicht, kann man in der Stadionzeitung um Ergänzung dieser Daten bitten.

Vielleicht könntest du mir neben den Kontaktdaten (eMail) von Herrn Jarchow auch die von Herrn Scheel mitteilen, der für Mitgliedsangelegenheit eigentlich zuständig ist. So hätte Herr Jarchow dann auch einen „Notausgang”, falls er doch nicht selbst antworten möchte.

Ich halte es einfach für zu wichtig – auch im Sinne des HSVs -, dass solche Dinge im Sinne ALLER Mitglieder geklärt wird. Und wenn die Supporters hierzu nicht in der Lage sind, sein wollen, dann muss man sich meiner Meinung nach an die nächst höhere Ebene wenden.

Also, ich werde mich hüten, hier irgendwelche Mail-Adressen oder auch Telefonnummern herauszugeben. Das wäre ja noch schöner. Wer genau gelesen hat, der wird wissen, dass der Herr Jarchow gesagt hat, dass er zu einem Matz-ab-Treffen kommen würde, um dort Rede und Antwort zu stehen.

Wenn der HSV-Boss nun auf jedes Schreiben antworten würde, dann hätten ja jene Kritiker recht, die dem Herrn Jarchow unterstellen, nichts für den HSV zu tun. Was natürlich absolut lächerlich ist. Aber mal angenommen, ihm würden jeden Tag so um die 100 Fans oder Mitglieder schreiben – wer soll dafür Zeit haben? Und an die Bundeskanzlerin kommen täglich 1000 Fragen – soll sie diese auch persönlich beantworten? Geht doch gar nicht.
Nix also von heißer Luft. So etwas geht einfach gar nicht, aus zeittechnischen Gründen schon nicht. Aber, wie gesagt, Herr Jarchow will ja mal (!) zu einem Matz-ab-Treffen kommen, und ich werde jetzt in nächster Zeit mit ihm absprechen, wann das (im Herbst) dann sein könnte. So lange müsstet ihr noch Geduld haben. Und eventuell kommt dann ja auch noch der eine oder andere HSV-Funktionär mit, dann könnte es ein netter Abend werden.

Dann gab es noch diese – wie ich finde sehr bedenkliche – Mail. Thema Nachwuchsarbeit im HSV.

Hallo Matz ab,

ich lese den Blog schon von Anfang an und zum Thema Nachwuchs möchte ich mal einen kleinen Gedankenansatz aus der Basis (Eltern von Talenten ;-)) geben.

Hier in Lüneburg z.B. gibt es einen Partnerverein des HSV, deren Top Nachwuchs wird regelmäßig von Werder Bremen eingeladen, die machen es so, dass sie einige Talente (ab U12) monatlich einladen zum Training und auch mal zu Turnieren und sie mit Material /Trikots usw.) „verarzten”… ein HSV Partnerverein lässt die Talente von Werder umsorgen…???

Wieso kann man nicht die Stützpunk Philosophie vom DFB auf einen Verein (HSV) übertragen, das würde doch dem HSV doch nicht mehr als ein paar tausend im Jahr kosten, die Talente im Umland einmal die Woche zusammenzurufen und dann in der Region vom HSV Coach trainieren zu lassen.

Das Problem der Fahrerei (A7) wäre nicht da, die Talente wären an den HSV „gebunden”, die HSV Trainings- und Fußball Philosophie könnte antrainiert werden, Werder wäre aus dem Spiel 😉 – kurz alle wären glücklich…

Wenn eines dieser Talente dann in 6 Jahren einschlägt, hat sich das doch sofort amortisiert…

Wenn, dann ja. Aber ich finde das ohnehin schon sehr interessant, was da über den HSV und auch über Werder geschrieben wurde. Sollte der HSV einmal kurz aufmucken – und sich dann der Sache annehmen. So kann das nicht im Sinne des Erfinders sein.

Dann schrieb „HSVseit1981“ zu dem Beitrag von „Raschi“:

Jarchow hingegen verweist darauf, dass der HSV in seiner Geschichte
eigentlich überwiegend erfolglos war, er aber „natürlich dem Zuschauer
etwas bieten” wolle. Das ist mit dem Abstiegskampf schon mal ganz
hervorragend gelungen. Ziele, oder auch Visionen, wie es hier immer
wieder genannt wird, sind in dieser Aussage aber nicht zu erkennen.
Absolut korrekte und auf den Punkt gebrachte Analyse. Wie heißt es so
schön „Der Fisch stinkt vom Kopf her”. Wenn von oben derart lahme,
unambitionierte Vorgaben kommen, dann wird es nichts mit dem HSV als Spitzenmannschaft.

Das Potenzial in Hamburg ist für einen europäischen Top-Club da, man muss
es nur abrufen. Es gibt genug Fans, Zuschauer, Medieninteresse,
Einschaltquoten im Pay-TV und auch finanzkräftige Sponsoren.
Nur, wer sich nach dieser Horror-Saison ein gutes Zeugnis ausstellt, den
Vertrag verlängern lässt und meint, dass sei doch alles irgendwie dem
alten Vorstand zu verdanken, versenkt den HSV in der Bedeutungslosigkeit.
Der aktuelle Vorstand hat die Chance mich durch konsequentes Handeln in
Sachen Van der Vaart zu überzeugen. Nachdem uns Mönchengladbach Xhaka
„weggeschnappt” hat, sollte Van der Vaart nicht auch noch in den Westen
der Republik.

Aber hier wird mit Basti Reinhardt jemand zum Nachwuchschef befördert,
weil er sich damals als komplett überforderter Sportchef so loyal
enteiern lassen hat, und jetzt wird ihm mit Michael Schröder jemand
zur Seite gestellt, der in der Scouting-Abteilung nicht mehr gebraucht
wird. Und demnächst sollen Jarolim und Benjamin zurück, nicht weil sie
ihre Kompetenz irgendwo bewiesen hätten, sondern weil sie so
(verdiente) alte Spieler, liebe Kerle und loyale Kämpfer im Zeichen
der Raute sind oder waren. . Wir müssen endlich weg davon, Freunden
und alten Fanlieblingen wichtige, wenn nicht entscheidende Posten
zuzuschanzen, das gilt für Vorstand, Aufsichtsrat und Nachwuchsbereich
gleichermaßen. Wir müssen uns endlich wieder professioneller
aufstellen und unsere Arbeitsplätze mit Fachleuten besetzen anstatt
aus Dankbar- oder Gefälligkeit.

Auch das ist leider die furchtbare Wahrheit. Wir müssen uns konsequent von
denjenigen trennen, die es offensichtlich nicht geschafft haben, in den
vergangenen Jahren die Nachwuchsarbeit nach vorne zu bringen.
Ich frage mich, warum gerade ein so sensibler Bereich wie die Jugendarbeit
zur „Resterampe” für alt- und ausgediente Führungskräfte des HSV verkommt?
Ein professionelles Konzept, um gute Spieler zu entwickeln und an die
Bundesliga-Mannschaft des HSV heranzuführen, sieht anders aus.

Oha, da waren einige Dinger drin. Nachdem uns Xhaka weggeschnappt wurde . . . Nicht auch noch van der Vaart . . . Ja, das stimmt. Volltreffer! Und Messi und Ronaldo auch noch. Von Ronney würde ich mal absehen, der ist schon zu lange nicht mehr in Form . . .

Nein, liebe Leute, es wird wohl noch brauchen, ehe es alle begriffen haben:
FUSSBALL hängt mit GELD zusammen. Man muss Xhaka und van der Vaart, natürlich auch Messi und Ronaldo, auch BEZAHLEN können. Wann merkt es auch der letzte Fan? FUSSBALL HÄNGT MIT GELD zusammen, aber der HSV UND GELD NICHT. `
Der HSV hat fast NULL KOHLE. Deswegen schminkt euch doch solche Leute wie Xhaka und wohl auch van der Vaart (wenn nicht noch der Herr Kühne einspringt) ab. Die sind unbezahlbar, di sind nicht die Preisklasse HSV. Und nur wegen der so wunderschönen Raute kommt kein Profi, der etwas auf sich hält (international) nach Hamburg. Die wollen Geld sehen. Und davon hat der HSV eigentlich ein wenig zu wenig.

Beste Beispiele:
Hamit Altintop wurde hier gehandelt – und geht zu Galatasaray Istanbul. Weil der Klub die bessere „Raute“ hat? Nee, weil da mehr Geld vorhanden ist. Oder Dirk Kuyt. Den wollte Frank Arnesen haben. Sprach auch mit ihm. Und, was ist? Kuyt geht zu Fenerbahce Istanbul. Die haben auf jeden Fall die bessere Raute – nämlich viel, viel Geld in der Kasse.

Also, ich bitte jeden ganz eindringlich – hört endlich auf zu träumen. Sonst kommen Messi und Ronaldo eines Tages wirklich noch zum HSV.

Dann noch zu Bastian Reinhardt – der „enteiert“ wurde.
Dazu möchte ich mal fragen, wer zu jener Zeit nicht „enteiert“ worden ist? Christian Reichard? Dietmar Beiersdorfer? Oliver Scheel? Fragt mal bitte nach – diese drei Herren können sicher mehr erzählen. Deswegen ist es mir viel zu einfach, hier die Lanze über den „enteierten Sportchef Reinhardt“ zu brechen. Viel zu einfach. Aber gut, das können die meisten auch nicht so genau wissen, weil ihnen dieser Einblick ins Eingemachte natürlich auch verwehrt wurde. Logisch. Aber deswegen möchte ich doch darum bitten, mit solchen „enteierten“ Behauptungen sehr, sehr vorsichtig umzugehen. Das hat, das sage ich ganz deutlich, ein Bastian Reinhardt auch nicht verdient.

Dann schrieb „Freddie“ noch seine ganz persönliche Einzelkritik:

Tesche, Drobny, Berg, Guerrero, Skjelbred und evtl. Rajkovic stehen auf
der Verkaufsliste. Meiner Meinung nach sind alle Kandidaten unterschiedlich zu bewerten.
Tesche ist für mich so ein zweiter Fall „Albert Streit”, eine Klette, die
offensichtlich nicht gewillt ist, Leistung zu bringen. Egal, ob im Spiel
nach vorne mit/ohne Ball oder auf dem Weg nach hinten, es gibt nur ein
Einheitstempo.

Drobny, der sehr schlecht begann aber zum Ende der Saison zu Retter wurde.
Für mich bedauerlich, dass er gehen soll. Das soll aber nicht heißen, dass
ich grundsätzlich gegen die Verpflichtung von Adler bin. Ich hätte wohl
nur die Prioritäten anders gelagert. Erst mal das, was dringend notwendig
ist, eben zu Beginn . ein Kreativling im Mittelfeld.

Berg’s bisheriger Aufenthalt in Hamburg, mehr als unglücklich. Er hatte
seine beste Zeit, schien endlich in Fahrt zu kommen, ausgerechnet als van
Nistelrooy verpflichtet wurde. Und der hatte so eine Art Garantie.

Guerrero? Ein sehr guter Techniker, machte gute Spiele. Aber auf’s Jahr
gesehen ist das einfach zu wenig.

Skjelbred hatte nie eine ernsthafte Chance erhalten. Warum nicht? Waren
seine Trainingsleistungen so schlecht?

Rajkovic war der Fels in Brandung, brachte tatsächlich Sicherheit in die
Abwehr, nahm keine Rücksicht auf sich selbst und natürlich auch nicht auf
den Gegner. Hatte dann natürlich ein sehr unglückliches Spiel, als er
letztendlich mit Rot vom Platz gehen musste, weil ein Gegner unbedingt
gegen ihn laufen musste. Mir gefällt seine humorlose Art zu spielen. Er
setzt seinen Körper ein. Mir lieber, als dieses ewige Gegrätsche á la Bruma.
Offensiv fehlt ihm allerdings ein wenig.

Abraham muss wirklich gut sein, dass man sich so für ihn einsetzt.
Irgendwo war zu lesen, dass der Vorvertrag ein normales Mittel ist, um
sich einen Arbeitsplatz bei einem neuen Arbeitgeber zu sichern, oder so.
Dagegen gibt es auch nichts einzuwenden. Allerdings handelt es sich bei
beiden Parteien in der Regel immer um mündige Bürger. Er wurde
entsprechend beraten, d.h. aber nicht, dass man einem Rat unbedingt folgen
muss. Entscheiden tun doch immer noch die Spieler selbst. Für mich daher
auch zu einfach, die Schuld dem ehemaligen Berater in die Schuhe zu
schieben.

Wenn er sich für den HSV entschieden hat, aus welchem Grund auch immer, in
wie weit beteiligt sich der Spieler an den entstehenden Kosten, die im
Normalfall nicht angefallen wären, beteiligen?

Gute Frage, die letzte. Sehr gute Frage. Das habe ich allerdings höchst selten erlebt, dass ein Spieler selbst mal in die Tasche greift . . . Wird wohl auch in diesem Fall nicht passieren. Wenn ihr mich fragt, wie das ausgehen wird? Abraham kommt nicht zum HSV. Wenn Getafe mehr als zwei Millionen haben will, woher soll das denn kommen? Denn Abraham selbst will ja auch noch den einen oder anderen Knopf in seine ganz persönliche Kasse haben. Nein, nein, siehe Altintop und Kuyt . . .

Und dann gab es heute noch eine dpa-Meldung, die ganz gut zu Matz ab passt:

Joachim Löw ist kein Freund von Facebook oder Twitter. Im Gegensatz zum Großteil seiner Fußball-Nationalspieler nutzt der Bundestrainer die sozialen Netzwerke nicht zum Austausch mit Fans und Bekannten. „Für mich spielen sie nur eine ganz untergeordnete Rolle, weil ich teilweise auch schlechte Erfahrungen damit mache“, sagte der 52 Jahre alte Löw der Nachrichtenagentur dpa: „In Facebook gibt es ja Leute, die unter meinem Namen eine Seite betreiben. Das kann ich nicht akzeptieren.“

Er habe aber Verständnis, dass viele seiner 23 EM-Spieler die modernen Kommunikationsmittel intensiv nutzen: „Das ist eine andere Generation. Für sie ist es vollkommen normal, dass sie Bilder rausschicken, dass sie Dinge in die Öffentlichkeit geben, was sie empfinden oder was sie so tun. Ich suche den Kontakt mit ihnen per Telefon oder E-Mail. Das ist mein Stil.“

Für die EM in Polen und der Ukraine hat DFB-Teammanager Oliver Bierhoff die Spieler informiert, an welche Regeln sie sich für ihre Aktivitäten in den sozialen Medien zu halten haben. Die DFB-Ansage lautet zusammengefasst: „Es darf in Facebook und bei Twitter nichts geschrieben werden über Verletzungen, Taktik, einfach über Dinge, die nur die Mannschaft angehen.“ Bierhoff sprach von einem „Spagat“, der zu schaffen sei, zumal der Verband selbst via Facebook und Twitter mit dem Nationalteam aktiv ist: „Es geht nicht um eine Verneinung der Medien. Aber die Vertraulichkeit hat uns auch stark gemacht.“
Der seit Sonntag 20-jährige Dortmunder Mario Götze berichtete während des Trainingslagers in Südfrankreich, dass er „fast jeden Tag“ auf seiner Facebook-Seite nachsehe, „was meine Freunde posten“. Der Schalker Benedikt Höwedes (24) hat die Richtlinien verinnerlicht: „Wir dürfen nicht alles posten, keine intimen Geheimnisse.“
Ein Grund für den Facebook-Knigge war, dass der Leverkusener André Schürrle im November eigenmächtig seine Abreise aus dem DFB-Quartier vor dem Niederlande-Spiel publik gemacht hatte. „Kann heute Abend leider nicht spielen, wegen eines grippalen Infektes. Sehr, sehr schade, hatte mich schon richtig gefreut. Liebe Grüße“, twitterte Schürrle. Löw hätte den Ausfall lieber bis abends geheim gehalten . . .

So, das war es für heute. Denkt bitte, falls ihr noch die Gelegenheit dazu habt, die neue Ausgabe von “Hinz und Kunzt” zu kaufen. Da gibt es das eine oder andere Matz-ab-EM-Nähkästchen zu lesen.

Zum Schluss möchte ich euch noch einmal (und immer wieder) danken für die rege Teilnahme an diesem Matz-ab-Blog. Und gleichzeitig alle trösten die uns (und mir) auch noch geschrieben haben – aber nun nicht “behandelt” worden sind. Es ist einfach zu viel, glaubt es mir. Trotz allem: vielen, vielen Dank für eure Kritik, Anregungen und Fragen, die ihr uns schickt. Danke, danke, danke. Klasse!!!

17.53 Uhr

Rieckhoffs Rücktritt und Krohns Abgang

21. Mai 2012

Es musste ja so kommen. Ernst-Otto Rieckhoff ist von seinem Posten als Aufsichtsrats-Vorsitzender des HSV zurückgetreten. Erwartungsgemäß. Allerdings hat er nur den Posten abgegeben, seinen Stuhl im Rat wird er weiterhin haben – bis zum Januar 2013. Bei der Jahres-Hauptversammlung des HSV wird sich Rieckhoff dann nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Die Vorkommnisse bei der Mitglieder-Versammlung am Sonntag ließen ihm wohl auch keine anderen Ausweg, als genau diesen. Ich hatte sogar mit einem sofortigen Rückzug aus dem Aufsichtsrat gerechnet, aber das hätte wahrscheinlich auch wie ein Fluch ausgesehen, sodass die nun getroffene Entscheidung wohl die richtig ist.

Rieckhoff wollte mit der am Sonntag ausgesprochenen Rückzugs-Forderung (des gesamten Aufsichtsrates) wachrütteln und ein Zeichen setzen, es ist ihm wohl nur zur Hälfte gelungen. Zwar hielt er eine umjubelte Rede, die mehrfach von Bravo-Rufen und Beifallssalven unterbrochen wurde, aber weil dieser HSV gegenwärtig in sich zu sehr zerstritten ist, konnte es nicht nur bei diesem Applaus bleiben. Es gibt im Moment mindestens drei Lager innerhalb des HSV: Die Supporters-Gefolgschaft um Ralf Bednarek und Manfred Ertel, die „Realos“ (die seit Wochen mächtig Dampf machen!) – und die ganz „normalen“ Mitglieder, die nur zusehen wollen, wie dieser Machtkampf eines Tages enden wird.

Bitter, dass es so weit in diesem Traditions-Klub kommen konnte, aber diese Entwicklung wird nicht mehr zu unterbinden sein. Was sicherlich auch zum Großteil dem alten Aufsichtsrat zu verdanken ist, der sich in der Ära vor Carl-Edgar Jarchow zu sehr vom Vorstand „einlullen“ ließ, der dem bunten Treiben im Klub nur zugesehen hat, durchgewinkt und abgenickt hat. Ein Kontrollorgan jedenfalls waren diese Herren zu keiner Zeit, ihnen wurde nach allen Regeln der Kunst auf den Köpfen herumgetanzt – und nun erntet der HSV die Früchte dieser wenig ruhmreichen Vergangenheit.

Am Sonntag hieß es oft: „Nicht die Großen schnappen die Kleinen, sondern die Schnellen schnappen die Langsamen.“ Für den HSV müsste aber ein Zusatz her: „Die schnellen Cleveren schnappen die langsamen und dummen Träumer.“ Wer immer noch von einem HSV von 1960 träumt, der sollte demnächst einmal „umsatteln“ und der Realität in die Augen blicken. Nichts ist mehr, so wie es mal war, und dass bald alles total anders sein wird, daran wird schon kräftig gearbeitet. Von allen Seiten, denn jeder fühlt sich dazu berufen, diesen HSV zu „übernehmen“. Weil alles das, was vorher gelaufen ist, viel zu schlecht und amateurhaft gewesen ist. Wobei das im Kern ja nicht einmal von der hand zu weisen ist. Blickt man aus Hamburg aber immer mal wieder nach München (wo sie jetzt dreimal Zweiter geworden sind), dann wird dieser Vorzeige-Klub immer noch ein wenig anders regiert und geführt, als es die Hamburger Herren nun mit dem HSV vorhaben.

Wer wird Rieckhoff nun als AR-Boss ersetzen? Ich tippe mal auf das Duo der bisherigen Stellvertreter, also Manfred Ertel/Alexander Otto. Oder die „Altmeister“ Ronny Wulff oder Jürgen Hunke? Letzterer hat allerdings am Sonntag erklärt, dass er keinen Posten mehr haben will, auch keinen Posten mehr übernehmen will. Und immer wieder muss ich daran denken, was Hunke auch noch gesagt hat: „Es geht hier nur noch um Macht.“ In dem Fall war der Satzungs-Änderungsantrag, die Reduzierung des zwölfköpfigen Aufsichtsrates gemeint. Aber es könnte alles damit gemeint und verbunden sein, denn keine „Seite“ dieses Machtkampfes im HSV ist besser als die andere. Keine. Sie alle wollen nur an die Macht und ihren Verein führen, lenken und befehligen.

Mir tat der HSV an diesem Sonntag besonders Leid, und auch der Abgang von Dr. Peter Krohn war absolut daneben und besorgniserregend. Eine solche Figur, die sich jahrelang so um die Raute bemüht hat, hat einen Sonntag wie diesen einfach nicht verdient. Es war das erste Mal in der Krohn-Geschichte, dass der „General“ von der Bühne gebuht wurde. Er sagt dazu: „Mit tat es Leid, dass ich nicht zu Ende reden konnte, ich habe das zutiefst bedauert. Und es tat auch weh, denn in meinem Alter, mit meiner Gesundheit – ich komme immer noch zu diesen Versammlungen, andere schon lange nicht mehr . . .“ Dann sagte Krohn auch: „Ich musste in dieser Situation einfach ein Zeichen setzen, deswegen bin ich gegangen.“

Für immer? Hat er nun mit dem HSV, seinem HSV abgeschlossen? Peter Krohn: „Nein, nein, um Himmels Willen, nein, ich werde weiter ein engagierter HSVer bleiben. Ich kann zwar keine Tore schießen oder verhindern, aber ich kann auf das Wesentliche n diesem Klub achten – und das werde ich auch.“ Der ehemalige Präsident hatte natürlich zahlreiche Anrufer an diesem Tag, die ihm alle Trost zusprachen, aber ich hatte das Gefühl, dass Krohn so etwas gar nicht will und braucht. Am Tag danach zeigte er sich kämpferisch wie eh und je. Er sagt: „Ich wollte mit meiner Rede darauf hinweisen, dass es in dieser Phase, in der sich der HSV jetzt befindet, Wichtigeres als Satzungsänderungen gibt. Natürlich sind Satzungsänderungen wichtig, ganz klarer Fall, aber der HSV landete auf Platz 15. Das ist doch mehr als eine Warnung für uns. Da muss man doch mindestens mal eine Stunde drüber reden – und dann erst zu den Satzungsänderungen kommen Zumal, diese ja ohnehin erneut nicht alle zur Sprache gekommen sind. Ich wollte mit meiner Rede die Botschaft geben, dass es so nicht weitergehen kann.“

Und Peter Krohn wollte wissen, wie es nun weitergehen wird, mit dem HSV. Er hat, das ist ihm deutlich anzumerken, große Angst um die Raute. Er sagt nämlich auch. „Mir ist es zu wenig, wenn wir Jubelarien anstimmen, weil wir nicht abgestiegen sind. Ich bitte Sie, wo sind wir denn?“ Dann fügt er leise an: „Man kann jetzt nur noch beten. Und darauf hoffen, dass die neue Saison etwas besser wird, dass die Verantwortlichen mal wieder ein glückliches Händchen haben werden . . .“

Dem kann man sich nur anschließen. Obwohl – mir fehlt ein wenig der Glaube. Wenn ich bei meinen Kollegen von der „Bild“ lese, dass Sportchef Frank Arnesen den Vertrag von Marcell Jansen um drei Jahre verlängern will, weil er (der Ex-Nationalspieler) sich „top entwickelt“ hätte, dann frage ich mich, was wir daraus lernen sollen? Wer hat sich top entwickelt? Ich sage mal so: Wenn Marcell Jansen sich in dieser abgelaufenen Saison top entwickelt hat, dann bin ich nun auf dem besten Wege zum Nobel-Preis. Und ich werde der Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck. Ganz sicher. Denn auch ich habe mich „top entwickelt“. Übrigens: Ich bin nicht mehr gefragt bei dieser nun beginnenden Europameisterschaft, Marcell Jansen auch nicht mehr. Noch Fragen?

So, jetzt noch schnell kleine andere Dinge:

Trainer Thorsten Fink wollt ja seinen Ex-Schützling Xhaka vom FC Basel, hat ihn aber nicht bekommen. Warum nicht? Wenn ihr folgende Meldung gelesen habt, werdet ihr euch ein Bild davon machen können:

„Granit Xhaka kommt mit den besten Empfehlungen. Das mit geschätzten 8,5 Millionen Euro
teuerste Juwel in der Geschichte des fünfmaligen deutschen Meisters Borussia Mönchengladbach ist für den Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ein echter Hochkaräter. „Ich sehe große Ähnlichkeiten mit Bastian Schweinsteiger, den ich bei den Bayern mit 18 Jahren zu den Profis geholt habe“, sagte der Meistertrainer der Bild.
Seine Ziele mit Mönchengladbach hat Xhaka bereits klar formuliert: „Ich bin nicht hier, um gegen den Abstieg zu spielen. Ich will in die Champions League, dafür werde ich in den beiden Quali-Spielen im August richtig Gas geben. Danach will ich eine gute Saison spielen. Das ist für mich ein Platz unter den ersten fünf.“

Dann gab es heute noch das:

Das unter skandalösen Umständen zu Ende gegangene Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt. Das teilte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes am Montag in Frankfurt mit. Der Einspruch wurde als unbegründet abgewiesen, sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. Die Berliner haben nun eine weitere Möglichkeit, vor dem DFB-Bundesgericht Einspruch einzulegen.

Das DFB-Sportgericht hatte sich am Freitag nach mehr als sechsstündiger Beweisaufnahme vertagt. Hertha hatte nach der 2:2 ausgegangenen Partie in Düsseldorf Protest eingelegt.
Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrochen. Als die Fans den Rasen wieder verlassen hatten, pfiff der Referee die Partie noch einmal für 93 Sekunden an. Einen Tag später legte die Hertha Einspruch ein. „Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich“, begründete Manager Michael Preetz.

Gegen die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Diese Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt. (dpa)

Und auch das nur zur Beachtung (und weil man ersehen kann, wie gut Platz 15 doch eigentlich ist:

Eintracht Frankfurt ist der einjährige unfreiwillige Ausflug ins Fußball-Unterhaus teuer zu stehen gekommen. „Die Zweite Bundesliga hat uns elf Millionen gekostet“, sagte Finanzvorstand Thomas Pröckl bei einer Bilanzpressekonferenz des Bundesliga-Aufsteigers am Montag. Das Eigenkapital sei von 15,95 Millionen Euro zum Abschluss der Saison 2010/2011 auf 4,99 Millionen Euro gesunken.

Und zum guten Schluss auch noch dies:

Am 22. Mai 2012 eröffnet der Hamburger Sport-Verein sein neues Vereinshaus auf der Sportanlage in Norderstedt. Um 15 Uhr wird in der neuen Gastronomie mit dem Namen „Anno 1887″ offiziell das erste Bier gezapft. Hierzu haben sich der HSV-Vorstand, Uwe Seeler und Aufsichtsratmitglied Alexander Otto angekündigt. Zur Eröffnung erwartet der neue Chef Sens mehrere hundert Gäste, darunter auch einige bekannte Gesichter des HSV. Bei Live-Musik wird das Anno 1887 zur Feier des Tages bis spät in den Abend geöffnet haben, so dass auch nach Feierabend jeder herzlich willkommen ist.

18.39 Uhr

Der 20. Mai 2012 – ein legendärer Tag!

20. Mai 2012

Ohnsorg-Theater. Das war Ohnsorg-Theater – aber volle Delle. Kennt ihr „Tratsch im Treppenhaus“? Ich glaube es war bei „Tratsch im Treppenhaus“, als Henry „Opa“ Vahl angetrunken nach Hause kommt und immer wieder sagt: „Nigge-nigge-nigge-ding.“ Und dabei fasst er immer in einen Schuhkarton, in dem ein Kaninchen sitzt. „Opa“ kommt vom „Karnickel-Züchter-Verein“. Daran habe ich heute den ganzen Tag denken müssen. Der „Karnickel-Züchter-Verein“ muss HSV heißen. Ganz klar. Man, war das wieder eine Horror-Veranstaltung. Zum Davonlaufen. Was war das denn bloß? Das hat doch mit Profi-Fußball und Erster Liga nichts mehr zu tun. Es ist einfach nur noch traurig. Selbstdarsteller ohne Ende, Wichtigtuer, Aufschneider – und viele, viele selbstverliebte Leute. Unfassbar. Ich habe schon viele verzweifelte Leute bei HSV-Mitgliederversammlungen gesehen, aber so viele wie heute? Noch nie. Kopfschüttelnd sind viele schon früh davon gelaufen, auf und davon. Der frühere Schatzmeister Gerhard Flomm sprach vielen aus dem Herzen: „Wahnsinn, der pure Wahnsinn, ein große Katastrophe.“

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Wirklich nichts. Dieser Tag, dieser 20. Mai 2012, der wird dem HSV schwer geschadet haben. Ganz schwer. Der ohnehin schon zerstrittene Aufsichtsrat ist nun noch mehr auseinander gebracht worden, als ohnehin schon. Ich rechne in den nächsten Stunden ganz schwer mit dem Rücktritt des AR-Bosses Ernst-Otto Rieckhoff, aber dazu komme ich noch. Es ist unheimlich viel Porzellan zerschlagen worden, ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob sich Sportchef Frank Arnesen gefragt hat, in was er hier hineingeraten ist. Okay, okay, er verdient ‚ne Mark Fünfzig beim HSV, das ist auch Schmerzensgeld dafür, mal einen solchen schlimmen Tag zu überstehen, aber es muss für den Dänen trotzdem die Härte, nein, die Oberhärte gewesen sein. Jeder normale Mittel-Europäer muss sich nach diesem Tag fragen: „Womit habe ich das verdient?“

Und: Wenn das so weitergeht, dann lieber HSV, ja, dann gute Nacht, dann steht dem Klub aber eine absolut „ruhmreiche Zukunft“ bevor – aber hallo! Dann könnte der Klub tatsächlich irgendwann mal wieder auf Grand Punktspiele austragen . . . Es war an diesem legendären Tag bei so vielen Redner von der „großen HSV-Familie“ die Rede – wie infam. Wenn das eine Familie sein soll, dann bitte, dann möchte ich bitte nichts mit Vater, Mutter, Oma, Opa und meinen Geschwistern mehr zu tun haben. Das ist doch alles nur noch scheinheilig – erbärmlich.

Eigentlich würde ich jetzt mit diesem Beitrag aufhören, weil ich zu aufgebracht bin nach dieser Un-Veranstaltung, aber ich war dienstlich vor Ort, ich muss darüber berichten, also komme ich meiner Chronisten-Pflicht nach. Schweren Herzens, das gebe ich zu.

Es begann gleich – gegen 11.20 Uhr – mit einem großen Eklat. Einer der ersten Redner, wie könnte es anders sein, war vor 586 HSV-Mitgliedern der frühere HSV-General Dr. Peter Krohn. Er wollte gleich loslegen wie zu seinen besten Zeiten, wurde aber von Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff aus allen Träumen gerissen: „Lieber Peter, du hältst hier eine Grundsatzrede, dabei sind wir aber noch nicht, ich bitte dich, zum Schluss zu kommen.“ Krohn erwiderte: „Du kannst ja deine Ordner die Anweisung geben, dass sie mich hier vom Pult wegschleppen sollen . . .“ Es klang sehr lustig, aber es war bitterer Ernst! Ja, es ging gleich in die Vollen. Weil Krohn dann aber seine Rede fortsetzen wollte, wurde er von einigen HSV-Mitgliedern ausgebuht. „Wollen Sie, dass ich aufhöre?“, fragte der Doktor, und diejenigen, die gebuht hatten, sagten laut: „Ja.“ Krohn ging. Und verließ die Mitgliederversammlung. Natürlich „allerbester Laune“. Es könnte, so vermute ich mal, sein letzter Auftritt beim HSV und damit auch für den Klub gewesen sein.

Ja, soweit ist es jetzt schon gekommen, dass ein Dr. Peter Krohn vertrieben wird. Aber das blieb nicht der einzige Höhepunkt, wenn auch (vielleicht) der unrühmlichste.

Interessant war auch Punkt sechs der Tagesordnung: Antrag auf Änderung der Satzung durch Ingo Thiel. Die Mitgliederversammlung möge beschließen, die Satzung um den Buchstaben „j“ zu ergänzen, der da lautet: „Beschlussfassung über Verträge, die darauf abzielen, Investorenmodelle umzusetzen.“

Hinter den Kulissen gab es vorab schon einige Gespräche zwischen Vorstand und Thiel, man hatte sich schon geeinigt – Thiel zog seinen Antrag zurück, hielt aber zuvor trotz allem eine – sehr gute – Rede. Ich horchte besonders an jenem Punkt auf, als er von schweren Beschimpfungen gegen sich im Internet sprach – natürlich anonym. Ja, lieber Herr Thiel, so geht es da jeden Tag zu, nicht nur wegen einer Satzungsänderung. Wobei Thiel nicht auf die Einzelheiten, die es zu diesem Punkt unterhalb der Gürtellinie gab, einging. Er sagte lediglich – und das ist noch milde: „Alle haben sie keine Ahnung, aber ich als wahrer HSV-Fan, ich habe Ahnung.“ Und: „Ein HSV-Anhänger weiß grundsätzlich alles besser.“

Natürlich. Immerhin sagte Thiel auch, und das hatte er bei seinen Gesprächen mit dem Vorstand erfahren: „Sportchef Frank Arnesen war noch vom alten Vorstand eingestellt worden, und dieser Vorstand hatte ihm damals 15 bis 20 Millionen Euro mehr für neue Einkäufe versprochen . . .“ Diese 15 bis 20 Millionen waren aber weit und breit nicht mehr zu sehen. Aber man sich kann sich ja auch mal versprechen, keine Frage. Ingo Thiel beendete seinen Vortrag mit: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diesem Vorstand und dem weitaus überwiegenden Teil des Aufsichtsrat mehr traue, als dem alten Vorstand.“ Dafür gab es viel Beifall.

Vorstands-Boss Carl-Edgar Jarchow zu dem Vortrag Thiels: „Ich habe schon bei der letzten Mitgliederversammlung am 15. Januar gesagt, dass ich das Kühne-Modell damals nicht unterstützt habe, und ich werde es auch künftig nicht unterstützen. Nur eines ist dieses Modell ganz und gar nicht, es ist kein Investoren-Modell. Es ist ein Modell, mit dem Herr Kühne der größte private Sponsor des HSV geworden ist. Er hat als Sicherheit Anteile von Spielern erhalten, die bereits beim HSV unter Vertrag standen, so etwas lehnt dieser Vorstand ab, so etwas wird es in Zukunft nicht geben.“

Hoch interessant wurde es auch beim Punkt der Fernwahl (Briefwahl). Auch da ging es, wie nicht anders zu erwarten, hoch her. Der ehemalige Präsident Jürgen Hunke war dagegen und sagte: „Wir haben keine müde Mark mehr in der Kasse, wollen aber 100 000 Euro für diesen Versuch ausgeben. Als wenn wir keine anderen Sorgen haben.“ Und: „Ein Bundesliga-Verein besteht aus sportlicher Qualität und aus finanzieller Qualität, aber an beiden Punkten stimmt es bei uns nicht, und daran sollten wir vor allen Dingen arbeiten.“

Alexander Otto, der stellvertretende Aufsichtsrats-Vorsitzende, ist für die Briefwahl und befand: „Ich habe hier nur gehört, dass so etwas nicht geht, aber ich glaube, dass wir im HSV auch mal überlegen sollte, dass etwas geht. Und was geht. Wir müssen auch bereit sein, Mut zu haben. Mut zur Entscheidung, Mut etwas zu verändern.“

Aber geht es wirklich noch um die Briefwahl? Oder um die anderen Tagespunkte? Jürgen Hunke brachte es auf den Punkt: „Es geht um Macht.“ Genau. Ganz genau! Die eine Partei im HSV will mehr Macht als die andere. Nur darum geht es noch, nur darum. Der Verein an sich ist in sich total zerstritten. Und ich frage mich, wie lange sich einige hohe Hamburger Persönlichkeiten diesen Klub noch antun wollen – und werden?

Um Macht ging es wohl auch – und vor allem – beim Punkt: Verkleinerung des Aufsichtsrates. Ein Antrag von AR-Mitglied Horst Becker (der nach für Rede viel Beifall und Bravo-Rufe erntete). Genau zu diesem Punkt platzte eine Bombe – die Rede von Ernst-Otto Rieckhoff. Der u.a. sagte: „Der ganze Aufsichtsrat muss komplett aus der Öffentlichkeit heraus. In anderen Vereinen wissen die Fans gar nicht, wer das was im Aufsichtsrat macht, bei unserem Aufsichtsrat wissen sie alles. Leider nicht immer nur das Positive, und das möchte ich gerne ändern, aber in der derzeitigen Konstellation halte ich das nicht für machbar. Und wenn ich das so sehe, dann geschieht das in höchster Glaubwürdigkeit, denn ich stehe ja nicht in dem Verdacht, persönliche Interessen zu verfolgen, denn ich säge ja gerade an meinem eigenen Stuhl. Auch bei einer neuen Entscheidung in Sachen Aufsichtsrat zählt für mich nur das Wohl des HSV.“

Rieckhoff weiter: „Der HSV steht derzeit auf dem Prüfstand und wird Veränderungen erleben. Der HSV muss seine nähere Vergangenheit dringend korrigieren, gerade nach dem Verlauf der letzten Saison und der für mich unrühmlichen Vereinspolitik der letzten drei Jahre. Und in diesem Zuge müssen wir den Aufsichtsrat verkleinern, und ihn klein machen für einen neuen HSV. Und hierbei sollten dann auch die Mitglieder entscheiden, welche Mitglieder in den Aufsichtsrat sollen. Dafür müssten eleganterweise alle Aufsichtsrats-Mitglieder im Januar zurücktreten und sich möglicherweise neu zur Wahl stellen.“ Rieckhoffs Rede wurde mehrfach von Beifall und Bravo-Rufen unterbrochen. Aber er sprach weiter: „Ein neuer Start für den Aufsichtsrat wäre somit gesichert. Ja, folgen Sie mir, und nehmen Sie die Chance für einen effektiveren HSV wahr, indem Sie dem Antrag von Horst Becker zustimmen.“

Darauf erwiderte Manfred Ertel, der stellvertretende Aufsichtsrats-Chef: „Wenn ich Otto Riekchoff nun widerspreche, dann weil es immer einzelne Punkte gibt, in denen man unterschiedlicher Meinung sein kann. Aber ich muss jetzt schon zugeben, dass ich von dem Beitrag meines Kollegen, den ich sonst sehr schätze, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite, einigermaßen perplex bin. Denn die Wirklichkeit, von der Otto Rieckhoff hier geredet hat, hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die man diesem aktuellen Aufsichtsrat anhängen kann. Und schon gar nicht den Personen, die erst seit einem Jahr in diesem Aufsichtsrat sind.“ Und: „Über unsere Tätigkeit, lieber Otto, hast du bislang hier an dieser Stelle ganz andere Beiträge gehalten.“ Dazu sagte Manfred Ertel auch: „Den Vorschlag, den du, Otto, hier gemacht hast, wir sollten alle zurücktreten, den, so hätte ich mir gewünscht, den hättest du wenigstens ein einziges Mal im Aufsichtsrat vortragen sollen, bevor er hier über 500 Vereinsmitglieder damit konfrontiert werden.“

Professor Dr. Jörg F. Debatin stellte sich (für mich überraschend) auf die Seite von Rieckhoff („Einen besseren Aufsichtsrats-Vorsitzenden als Otto Rieckhoff hätten wir in der Phase nie bekommen, er hat hier segensreich gewirkt“), der Supporters-Chef Ralf Bednarek aber sagte frei heraus: „Lieber Otto, ich bin, ehrlich gesagt, entsetzt über deine Rede.“ Und weiter: „Faktisch willst du ignorieren, was die Mitgliederversammlung bei den letzten Wahlen entschieden hat. Das ist so ein bisschen das Thema der heutigen Versammlung. Ich habe das Gefühl, es soll etwas geändert werden an der Satzung, weil einigen Leuten die Zusammenstellung in diesem Aufsichtsrat nicht passt.“

Und dann wurde es DEUTLICH. Bednarek sagte das, was schon viele Leute seit Monaten wissen: „Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben doch nicht das Problem dass wir zwölf oder elf Aufsichtsräte haben, wir haben das Problem im Verein, dass keiner dem anderen glaubt. Hier haben doch alle Seiten immer nur geguckt, welche Fehler machen die andere Seite.“

Endlich hat es mal einer ausgesprochen. Hinter der vorgehaltenen Hand war schon lange die Rede davon, dass der Aufsichtsrat heillos zerstritten ist, nur wurden alle Mitglieder immer nur für dumm verkauft: „Alles in Ordnung, wir verstehen uns bestens, wir arbeiten auch besser zusammen als vorher.“ Toll. Danke, Ralf Bednarek für diese Aufklärung.

Aufsichtsrats-Mitglied Björn Floberg sagte: „Otto Rieckhoff wurde hier für seine Ehrlichkeit gelobt, aber er hatte nicht den Schneid, uns von seinem Vorschlag des Rücktritts etwas im Aufsichtsrat zu sagen . . .“

Ja, dieser Abend war schon legendär. Übrigens, die Abstimmungsergebnisse sahen wie folgt aus:
Für die Fernwahl waren 256, dagegen 324, es gab fünf Enthaltungen. Und für die Verkleinerung des Aufsichtsrates waren 262, dagegen 244 (bei vier Enthaltungen). Damit war auch dieser Antrag abgelehnt, denn er hätte eine Dreiviertel-Mehrheit bekommen müssen.

So, nun muss ich enden, denn sonst bin ich am Ende. Und ihr hättet diesen Beitrag erst gegen Mitternacht. Um 19.15 Uhr ging dieser Tag heute im Volkspark zu Ende – zum Glück. Mögen die Klugen in diesem Verein dafür sorgen, dass es künftig nur noch viel, viel bessere Mitgliederversammlungen gibt. Sonst könnten diejenigen, die heute dabei waren, ihren Enkeln in Jahren berichten, dass sie dabei waren, als dieser Klub den ersten richtigen Schub nach unten bekommen hat.
Mich stimmt diese Vorstellung total traurig, denn ich habe einen in sich zerstrittenen Verein namens HSV erlebt, erleben müssen.
Leute, wacht auf! Tut etwas dagegen. Gemeinsam. Es geht nur gemeinsam, sonst geht es immer so weiter. Ein Lager, zwei Lager, drei Lager? Mensch, wir sind ein HSV. Und so zerstritten richtet ihr ihn, weil ihr nur euch und eure Interessen seht (egal welches Lager!), zu Grunde. Und das darf doch nicht geschehen. Kehrt um auf diesem falschen Weg, kehrt endlich um, bevor es zu spät ist.

21.08 Uhr

Der HSV und seine Manager

28. Dezember 2011

Keine Zugänge, keine Abgänge – Winterpause. So ist das zurzeit beim HSV. Mein Kollege Kai Schiller hatte heute das Glück, mit ´Frank Arnesen sprechen zu können – es passiert (wohl) nichts mehr. Mein Bauchgefühl hatte mir ja gesagt, dass der HSV noch einen „Kracher“ zu Silvester holen wird – oder auch kurz danach, aber daraus wird wohl doch nichts. Der Blick in die klamme Kasse ist wohl zu ernüchternd . . . Obwohl: Dieses Fass möchte ich gar nicht erst wieder aufmachen. Wir alle werden es ja demnächst – genau am 15. Januar – wieder einmal genau erleben und hören, wie es um den HSV bestellt ist, auf der Jahreshauptversammlung nämlich, und die Herren werden es uns dann schon mitteilen. Die Finanzen des Klubs sind ja schon immer ein ganz, ganz heikles Thema gewesen, und selbst wenn sie noch so schlecht sein sollten – der HSV lebt ja immer noch. Ich sage mir deshalb seit einer geraumen Zeit schon: warum aufregen? Was hat es denn in der Vergangenheit gebracht? Da wurde über leere Kassen, halbleere und volle Kassen geschrieben, aber geändert hat es ohnehin nie etwas. Mir genügt es ohnehin, wenn die jetzige Führung hin und wieder davon spricht, dass finanziell keine großen Sprünge mehr gemacht werden können. Dann weiß ich, dass das Geld zwar knapp ist, aber es ist noch ein bisschen da. So interpretiere ich das jedenfalls – für mich. Nur für mich. Und vor dieser Saison war ja auch eigentlich kein Geld mehr da, oder nur wenig, und trotzdem konnten einige Spieler verpflichtet werden. Wie zum Beispiel Ivo Ilicevic, der mit vier Millionen Euro wohl der teuerste Neuzugang ist. Und vier Millionen sind ja auch Geld, wenn auch im gehobenen Profi-Fußball fast so etwas wie „Kleingeld“. Aber wenn es denn „Kleingeld“ ist, so hat der HSV wenigstens das noch in der Kasse.

Aber nun Schluss mit diesem leidigen Thema. Mehr gibt es, wie gesagt, am 15. Januar. Und zwar dann von kompetenter Seite. Wobei ich, das muss ich schnell noch loswerden, kürzlich sogar deshalb ein Lob erhalten habe (von einem „Matz-abber“), weil ich gar nicht mehr auf dieses Geld-Thema eingegangen bin. Danke dafür (auch Scholle erhielt Lob!), aber ich bin es auch Leid. Deswegen fange ich gar nicht erst (groß) damit an. Immerhin aber ist es ja so, dass der Sportchef zu dieser Saison mit wenig Geld und viel Auge eingekauft hat. Ich glaube, dass ich das immerhin sagen darf, weil sich darüber ja wohl die meisten einig sind. Und weil ich das im Zusammenhang mit Frank Arnesen geschrieben, wurde hier ja viel über den Dänen diskutiert. Was eigentlich ein schönes Thema ist: Wer ist der beste HSV-Manager? Welcher Mann hat hier für Furore gesorgt? Ich habe sie ja alle mitbekommen, angefangen bei Dr. Peter Krohn.

Der „General“ war ja 1973 erstmalig HSV-Präsident, wurde zwei Jahre später dann Generalmanager. Und Krohn war ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, auch ein Mann, der mitunter auch recht unangenehm für seine Mitstreiter werden konnte – aber auch ein Mann, der vor Ideen nur so sprühte. Wenn Uli Hoeneß heute die Mutter alle Bundesliga-Manager ist, dann war Krohn der Vater. Er führte den HSV aus schlimmsten Krisen-Zeiten heraus – bis in die Spitze Europas. Rosa Trikots, Elefanten beim Show-Training. Wer Dr. Krohn daran festmacht, wird ihm nicht gerecht. Krohn holten Felix Magath (Krohn: „Meine Fernseh-Liebe“), Willi Reimann, Horst Bertl, Hans „Buffy“ Ettmayer, Horst Blankenburg, Ivo Buljan und einige mehr, Krohn holte aber vor allem Kevin Keegan. Das, obwohl der HSV – schon damals – kein Geld hatte. Um die Kassen wieder aufzufüllen, erfand Krohn mal eben den „Hafen-Pokal“. Zum Beispiel kam Liverpool nach Hamburg, füllte das Volksparkstadion und die Kassen (beider Klubs). Krohn war, so schrieb das Abendblatt einst, seiner Zeit damals weit voraus, er „verkaufte“ den Klub und die Raute – er setzte Maßstäbe für die nachfolgende Manager-Generation. Dabei hatte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger einst – in Richtung Hamburg – gewarnt: „Krohn soll vom Fußball besser die Finger lassen . . .“ Und Max Merkel spottete damals: „Der Krohn glaubt doch, dass der Ball nur deshalb springt, weil ein Frosch darin sitzt.“ Egal, der äußerst kreative Krohn hat, trotz des Dauerkrachs mit Trainer Kuno Klötzer, dem HSV letztlich sehr, sehr gut getan, er hat Zeichen gesetzt – und die Note eins verdient.

Günter Netzer war dann der Mann, der ihm folgte. „Ich bin aus Mönchengladbach nach Hamburg gefahren, weil ich beim HSV die Stadionzeitung machen wollte, aber dann hat mir der damalige Präsident Paul Benthien gesagt, dass ich die Stadionzeitung nur machen dürfe, wenn ich auch HSV-Manager werde“, hat Netzer einst über seine Hamburger Karriere verraten. Es wurde die erfolgreichste Zeit des HSV. Weil Netzer erst den „harten Hund“ Branko Zebec verpflichtete, danach den genialen Ernst Happel nach Hamburg holte. Und weil es Netzer gelang, den abwanderungswilligen Kevin Keegan beim HSV zu halten – trotz größter Widerstände. Von 1978 bis 1986 war Günter Netzer, den ich noch heute sehr verehre, das muss ich shcnell mal gestehen (weil der Mann einfach Fußball pur ist), HSV-Manager. Gegen Ende seiner HSV-Laufbahn kaufte er Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke – wie das endete, das wissen wir (wohl) alle. Netzer: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass diese beiden Spieler die Mannschaft und den alten Ernst Happel noch so durcheinander bringen könnten, aber sie haben es tatsächlich geschafft . . .“ Von nun an ging’s bergab – würde Hildegard Knef singen.

Später sagte der damalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein über die Netzer-Ära: „Es gab zwischen Ernst Happel, Günter Netzer und mir nie einen einzigen Streit. Jeder hat den Bereich des anderen akzeptiert, auch ein ehemaliger Weltklasse-Spieler wie Günter Netzer hat einem Trainer Happel nie in den Job hineingeredet.“

Nachfolger von Netzer wurde ebenfalls ein „Zehner“: Felix Magath. Der hatte bis zum Sommer 1986 noch selbst gespielt, beendete dann mit dem WM-Finale von Mexiko (Argentinien – Deutschland 3:2) seine Fußball-Karriere und rutschte auf den HSV-Manager-Stuhl. Er holte – oder holten ihn doch eher Wolfgang Klein?) Josip Skoblar als Trainer, und später, nach dem Rauswurf von Torwart Uli Stein, auch Mladen Pralija. Der Anfang vom Ende des Managers Magath. Zumal er schnell begriffen hatte, dass er erstens mit Klein nicht auf einer Wellenlänge lag, und dass er zweitens doch besser in kurzen Hosen auf den Fußballplatz gehörte. Das allerdings dauerte noch, erst wurde Magath noch Manager in Uerdingen und Saarbrücken, bevor er dann die Trainer-Laufbahn einschlug. Erste Station, nur nebenbei, war Bremerhaven.

Für Magath kam 1988 Erich Ribbeck, den der damalige HSV-Präsident Ernst Naumann quasi im Alleingang verpflichtet hatte. Ribbeck war eine meiner größten Enttäuschungen beim HSV – aller Zeiten. Eigentlich ist er noch immer die größte. Mehr ist nicht zu sagen.

Auf Ribbeck folgte Hartmut Dieckhoff, der aber nur eine Art „Mini-Manager“ war. Und den Titel „HSV-Organisationsreferent“ trug. Das waren Zeiten. Ich war einst dabei, als Dieckhoff nach einem Freundschaftsspiel in der Nähe von Husum das Antrittsgeld für den HSV in einer Zigarrenkiste einsammelte und in den Bus trug. Zwischendurch musste er, die Kiste unter dem Arm, noch Autogramme geben . . .

Dann kam 1991 Georg Volkert vom FC St. Pauli Manager. Ein klangvoller Name im deutschen Fußball auch beim HSV, doch die Zusammenarbeit zwischen Volkert und Präsident Jürgen Hunke klappte überhaupt nicht. Das war wie Hund und Katze – ein frühes Ende war keine Überraschung. Auf Volkert folgte Heribert Bruchhagen, der bis Dezember 1994 im Amt war – in meinen Augen auch gute Arbeit geleistet – denn auch damals waren die Verhältnisse in Hamburg nicht gerade rosig. Bruchhagen und der damalige Präsident Ronald Wulff „konnten aber so gar nicht“ miteinander, deswegen die Trennung.

Mit dem neuen Präsidium um Uwe Seeler gab es dann 1995 auch den Manager Bernd Wehmeyer. Aber der ehemalige Linksverteidiger musste schnell lernen, dass es gar nichts – oder nur sehr wenig – zu „managen“ gab. Früher hielt sich das Gerücht, dass Wehmeyer bei Uwe Seeler fragen musste, ob er tatsächlich eine 50-Pfennig-Briefmarke auf dem Umschlag kleben dürfe, oder ob er den Brief doch besser persönlich zustellen solle? Meistens musste er wohl selbst laufen . . . So viel Ebbe herrschte in der Kasse.

1998 kam Holger Hieronymus. Zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter. Keine goldene Ära. „Hiero“ holte Thomas Doll zurück (aus Bari), Alexander Curtianu, Fabian Ernst, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Martin Groth, Setrgej Kirjakow, Nico Hoogma, Oliver Straube – und im Jahre 2001 den alternden Jörg Albertz von den Glasgow Rangers zurück. Im August 2002 übernahm dann Dietmar Beiersdorfer den Manager-Posten. Und ich denke noch heute, dass der „Didi“ Schwung (und Strukturen) in den Verein gebracht hat. Er hatte Ideen, er packte auch an – aber fühlte sich im Zusammenspiel mit dem Vorstand Hoffmann/Kraus wie ein fünftes Rad am Wagen. Leider, leider. Denn eigentlich gab es unter dem Duo Hoffmann/Beiersdofer eine sehr erfolgreiche Zeit, der HSV spielte wieder in Europa mit, der HSV holte namhafte (und teilweise auch teure) Spieler wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Mladen Petric, Marcell Jansen, Ivica Olic, Romeo Castelen, Paolo Guerrero, Joris Mathijsen, Frank Rost und vor allem Rafael van der Vaart. Natürlich aber auch den einen oder anderen „Rohrkrepierer“, und darunter einen „Knüller“ wie Juan Pablo Sorin. Dieser Name allein verdirbt dem Duo H/B eine Note über der Drei. Und ich weiß nicht, ob es der damalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich so weit auf die Spitze getrieben hätte (die fehlende Zusammenarbeit mit dem Sportchef), wenn er gewusst oder geahnt hätte, dass er selbst bald nicht mehr im Amt sein würde. Eigentlich hätte alles so gut weiterlaufen können, aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Wenn’s dem Esel zu wohl wird . . .“

Auf Beiersdorfer folgte dann erst einmal nichts. Die große Leere. Und das war, heute sehen es fast alle ein (auch die, die es damals – in verantwortlicher Position – vehement abgestritten haben!), der größte HSV-Fehler in diesem Jahrtausend. An diesem Vakuum hat der Klub bis heute zu knabbern. Allerdings bleibt uns heute die Hoffnung, dass Frank Arnesen dafür sorgen wird, dass dieser Fauxpas des HSV schon bald in Vergessenheit gerät. Hoffen wir es einmal gemeinsam.

18.55 Uhr

Kehrt Ricardo Moniz zurück?

30. September 2011

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“ Dieser nette Spruch fiel mir heute am Morgen in die Augen, als ich in die Küche kam und auf den beliebten Springer-Kalender blickte. Georg Christoph Lichtenberg, ein Schriftsteller, der von 1742 bis 1799 gelebt hat, erfand diesen klugen Spruch. Und ich dachte so bei mir, das könnte man doch auch mal leicht abwandeln – auf die HSV-Trainersuche gemünzt: „Wer einen Trainer sucht und nur auf den großen Namen achtet, könnte leicht mal einen Rohrkrepierer nach Hause anschleppen.“

Hoffentlich nicht.

Zum Wesentlichen: Die nun folgende Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Und da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, schreibe ich nun hier in aller Deutlichkeit: Die (großartige) Recherche hat in diesem brisanten Fall mein Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geleistet.

Im April 2010 wurde HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia. Moniz machte seine Sache bis zum Saisonende gut, so dass, ähnlich wie im Fall Veh/Oenning, damals viele HSV-Anhänger für eine Weiterbeschäftigung des Niederländers waren. Der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, seinerzeit schon zu Red Bull Salzburg abgewandert, sicherte sich aber schon früh die Zusage von Moniz, ebenfalls ein „roter Bulle“ zu werden. So geschah es dann auch.

Längst ist Ricardo Moniz zum Chef-Trainer in Salzburg aufgestiegen, weil er schon in der vergangenen Saison Huub Stevens beerbte, die Moniz-Mannschaft legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Und nun interessiert sich der HSV wieder für den „verlorenen Sohn“. Moniz soll zurück nach Hamburg. Daran wird im Moment ganz intensiv hinter den Kulissen gearbeitet.

Moniz wäre in meinen Augen ein passender Kandidat, denn: Er kennt den HSV, er kennt die Bundesliga, er kennt Hamburg, kennt die Möglichkeiten, er spricht Deutsch, er kann eine Mannschaft begeistern – und er hat sich stets wohl gefühlt beim HSV. Und, was noch erschwerend hinzukommt, Ricardo Moniz kennt Frank Arnesen. Beide Männer haben schon mehrfach miteinander zu tun gehabt. Der Däne holte den Coach 1994 zum PSV Eindhoven. Dort trainierte Moniz das Nachwuchs-Team – bis 2005. Als Arnesen dann bei Tottenham Hotspur angeheuert hatte, ließ er Moniz ein Jahr später folgen. Pech nur für Moniz: Arnesen, der ihn nach England gelotst hatte, ging just zu jenem Zeitpunkt von Tottenham zum FC Chelsea. 2008 schlug dann Martin Jol zu, der Moniz mit zum HSV brachte – als Techniktrainer.

Jetzt scheint die Lage klar. Der HSV hat Arnesen, Arnesen will Moniz. Als folgt der dem Ruf seines damaligen „Chefs“. Doch leider birgt dieses Fußballmärchen noch kein Happy End in sich, denn: Moniz hat noch einen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag mit Salzburg. Der HSV, so hat er es zuletzt zwar angekündigt, würde unter gewissen Umständen zwar eine Ablösesumme an die „Roten Bullen“ zahlen, aber noch weiß keiner, welche Summe da über den Tisch gehen müsste. Und ob überhaupt eine Summe für die steinreichen Salzburger interessant genug wäre, ihren erfolgreichen Cheftrainer ziehen zu lassen. Es dürfte sich also noch eine Weile hinziehen, dieses Thema „HSV-Trainer“.

„Scholle“ sprach gestern mit Ricardo Moniz, und zwar vor dem Europa-League-Spiel Salzburg gegen Bratislava. Der RBS-Trainer sagte nur: „Dazu kann ich derzeit nichts sagen.“

Und als ich diese Zeilen gerade schreibe, geht Salzburg gegen Bratislava mit 1:0 in Führung. Und was macht Moniz? Der stürmt auf den Platz und umarmt und herzt den Torschützen. Was mich dazu veranlasst, kurz zu denken: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so engagierter Trainer, der mit Salzburg international spielt, zudem an erster Stelle in Österreich steht, zum Tabellenletzten der deutschen Bundesliga wechseln wird, wechseln will.

Aber mal abwarten.

Und was ist in Sachen Trainer-Suche los beim HSV? Da lässt sich weiterhin niemand in die Karten schauen. Unser „Matz-abber“ „Eiche Nogly“, der am Vormittag beim Training war, hatte mir aber von einem aufgekratzten, bestens gelaunten, scherzenden und oft lachenden Sportchef berichtet, der während des Trainings meistens damit beschäftigt war, die U-23 zu beobachten. Und zwar ohne zu telefonieren. Zur Mittagszeit sprach ich mit „Eiche Nogly“, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von Moniz wusste („Eiche“ erfährt es erst jetzt, wenn er diese Zeilen liest), und „Eiche“ legte die gute Laune des Dänen wie folgt aus: „Wenn er nicht telefoniert hat, wenn er viel gelacht hat, dann tippe ich mal darauf, dass er schon weiß, wen er als Trainer verpflichten wird . . .“

Ja, und nun warten wir mal ab.

Kurz noch zum Nachmittag an der Arena. Zum „Walk of fame“. Eine wiederum nette und gute Veranstaltung. Begeistert hat mich Ernst Happel jun., der aus Wien angereist war – und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Unglaublich. Ich unterhielt mich lange Zeit mit dem Österreicher, der viele, viele Anekdoten über seinen Vater zu erzählen hätte. Der Mann spricht wie die Trainer-Legende, bewegt sich wie sie, und muss ständig Autogramme geben. Nur Fußballer wurde er nie. Er sagt: „Was hatte ich bei diesem Vater für eine Chance? Keine. Ich begann ja in Den Haag mit dem Fußball, aber als dann alle wussten, dass ich der Sohn des Trainers bin, winkten sie ab: Der wird nichts. Und als ich das immer und immer wieder hören musste, gab ich auf.“

Ich führte nach den vielen Ehrungen für Dr. Peter Krohn Dr. Wolfgang Klein, Ditmar Jakobs, Kevin Keegan (nicht anwesend), Uli Stein (derzeit mit Aserbaidschan unterwegs) und posthum für Ernst Happel noch viele Gespräche mit den ehemaligen HSV-Stars. Und als ich das Stadion-Gelände verließ, da sagte ich mir schon, dass sich die meisten Alt-Stars – trotz des 2:1-Sieges beim VfB Stuttgart – noch immer ganz große Sorgen um ihren HSV machen. Für die „Ehemaligen “ ist der Keks noch lange nicht gegessen, dass der derzeitige Tabellenletzte am Ende des Jahres, später dann auch am Ende der Saison, im gesicherten Mittelfeld stehen wird.

Aber auch das werden wir abwarten müssen – es bleibt nichts anderes übrig.

Gute Nacht.
Und für die „Matz-abber“, die dies erst morgens lesen: Guten Morgen und einen wunderschönen Freitag.

PS: Salzburg hat noch mit 3:0 gewonnen – und Moniz hat immer kräftig mitgejubelt.

0.00 Uhr

Die Inhalte einer Info-Versammlung

22. Mai 2011

„Die Uhren wurden auf Null gestellt, und es war spontan eine konstruktive Aufbruchsstimmung zu spüren.“ Das sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff zu Beginn seiner Rede über jene Zeit im März, die dem HSV eine neue Klubführung bescherte. Gesagt hat es EOR auf der Informationsveranstaltung, die am Sonntag in der Arena stattfand. Im Westen nichts Neues – so könnte dieser Tag nach dieser Versammlung umschrieben werden.

Was sollte dieses Treffen im Volkspark eigentlich?

Damals, als Bernd Hoffmann und Katja Kraus im Mittelpunkt standen, da wurden die Uhren also auf Null gestellt, und es war spontan eine konstruktive Aufbruchsstimmung zu spüren. Das hatte ich ganz anders in Erinnerung. Es roch ganz stark nach einer Palast-Revolution. Aus der Opposition kam noch eine Opposition hervor, die wollte es dem Aufsichtsrat, vor allem und ganz besonders dem Aufsichtsrat mal zeigen. Was Sache ist, wie es geht, vor allen Dingen wie es nicht geht. Und es ging damals vor allem nicht, Hoffmann und Kraus vor die Tür zu setzen. Dieser Aufsichtsrat sollte nicht nur weg, der musste auch weg! Deswegen sollte es doch, oder irre ich mich, eine Außerordentliche Mitgliederversammlung geben. Und aus der war nun plötzlich diese ganz harmlose Info-Versammlung geworden. Nichts, wirklich nichts von dem, was die Leute damals auf die Palme gebracht hatte, wurde an diesem Sonntag geklärt. Aber nett war es trotz allem.

Es war eben nur eine Info-Versammlung . . .

Die Hoffmann-„Fans“ haben sich längst wieder beruhigt. Es wurde heute weder gepöbelt noch hitzig diskutiert, es gab viel Beifall, manchmal auch nur artigen Applaus, dazu auch einige Unmutsäußerungen, aber die waren an diesem Tag echte Raritäten. Alles scheint, naja, fast alles scheint in diesem HSV wieder ganz normal zu sein.

Und das finde ich auch gut, damit keiner auf dumme Gedanken kommt. Es ist Ruhe eingekehrt, und das ist eine Voraussetzung, wenn nicht die Voraussetzung dafür, dass es tatsächlich eine konstruktive Aufbruchsstimmung gibt. Zu gerne allerdings hätte ich jene Frage beantwortet gehabt, die zweimal gestellt worden war: Warum mussten Bernd Hoffmann und Katja Kraus eigentlich wirklich gehen? So richtig beantwortet wurde das bis jetzt nie. Da wurde viel um den heißen Brei herum gesprochen. Und die Opposition, das hatte ich so nicht erwartet, gab sich damit auch zufrieden.
Friede, Freude, Eierkuchen beim HSV. So geht es doch auch.

Obwohl: Ernst-Otto Rieckhoff ist in diesen Tagen (und Wochen) offenbar die Hutschnur geplatzt. Weil es wiederholt Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat gab, die im Hamburger Abendblatt standen. Gratulation an die Kollegen, die das geschafft haben – denn es ist die Aufgabe eines Journalisten, so etwas zu schaffen. Womit ich gleich eine kurze Anmerkung auf Carl-Edgar Jarchow einfügen möchte: Der neue HSV-Vorstandsvorsitzende hatte kritisiert, dass die Meldung, dass Physiotherapeut Uwe Eplinius nach sieben Jahren vom HSV entlassen wird (!), bereits einen Tag vor der Entlassung im Abendblatt zu lesen war. Das sei unmenschlich, sagte Jarchow. Man stelle sich mal vor: Das Abendblatt erfährt, dass morgen Angela Merkel gehen muss – und es ist dann auch tatsächlich im Abendblatt zu lesen. Weil es die Pflicht von Journalisten ist, so etwas zu vermelden. Ist dann, wenn Merkel tatsächlich entlassen wird, das auch eine unmenschliche Tat vom Abendblatt gewesen?

Wenn Eplinius entlassen werden sollte, dann macht man das gleich. Dann gäbe es keinen Informanten, der mit dieser Nachricht hausieren gehen könnte. So einfach ist das. Intern eine Entlassung anzukündigen, sie dann aber Tage später erst vorzunehmen, ist in jedem Bereich – nicht nur im Sport und beim HSV – ein gefährliches Unterfangen. Ein Journalist, der von einer solchen geplanten Entlassung erfährt, der wäre ein schlechter Journalist, wenn er dies nicht veröffentlichen würde. Dann sollte er sich doch bitte um eine Stellung beim Stadionblatt „HSVlive“ bewerben, dort dürfte davon ganz sicher nicht (von der Entlassung) geschrieben werden.

Dass aber, und damit bin ich wieder beim Aufsichtsrat, immer wieder Geheimnisse des HSV an die Presse gegeben werden, das hat doch auch schon Tradition. Dazu musste es nicht erst den Aufsichtsrat geben. Ich kann mich erinnern, dass der damalige Präsident Drt. Wolfgang Klein einmal von der fast versammelten Medien-Landschaft angeprangert wurde (öffentlich, nach einem Spiel im Volksparkstadion), weil er einer gewissen Zeitung immer wieder bevorzugt Meldungen gesteckt hatte. Dr. Klein sah sich massiven Vorwürfen ausgesetzt, beendete diese öffentliche Diskussion aber mit dem Satz: „Ich werde mir auch weiterhin das Recht heraus nehmen, gezielte Informationen zu verbreiten.“ Dieser Satz ist seit Jahrzehnten in meinem kleinen Hirn verinnerlicht.

Und „gezielte Informationen“ verteilt der eine oder andere Aufsichtsrat des HSV doch auch nur. Und zwar seit 14 Jahren. Seit des diesen Rat gibt. Immer und immer wieder gelangten die größten Geheimnisse ans Tageslicht, mit Jürgen Hunke, ohne Jürgen Hunke. Und auch schon jahrelang ohne Manfred Ertel. Die Menschen sind eben alle mal ganz gerne eine Plaudertasche, der eine mehr, der andere weniger. Ernst-Otto Rieckhoff allerdings will das nicht so einfach hinnehmen. Er war sauer. Berechtigt, aber er wird nie etwas ändern können – NIE!! Weil die Menschen nun einmal so sind. Egal ob es der eine oder andere Rat nicht ist, egal auch, ob es die Fans und Mitglieder nun einmal wahrhaben wollen – oder auch nicht.

„Wo stehen wir jetzt?“, fragte Ernst-Otto Rieckhoff die Mitglieder, gab sich dann aber selbst die Antwort: „Der HSV wieder voll handlungsfähig, die Saisonvorbereitungen verlaufen nach Plan. Alte und neue Projekte werden mit Elan angegangen, der Aufsichtsrat wird den Vorstand bei diesen komplexen Aufgaben begleiten.“ Rieckhoff weiter: „Und das in einer nicht wirklich einfachen Ausgangsposition. Jetzt sind intelligente und kreative Wege zu suchen und zu beschreiten. Für mich darf für mich aber nicht in eine Mittelmäßigkeit führen. Der HSV muss mittelfristig eine gute Rolle in Europa spielen.“ Davon allerdings war er zuletzt ein gutes Stück weit entfernt, der HSV sich davon immer weiter entfernt (mit Platz acht), und er wird nun bekanntlich kleine Brötchen backen müssen – schon deswegen war der AR-Boss gut beraten, von „mittelfristig“ zu reden.

„Wenn wir uns mit allen unseren Kräften miteinander und nicht gegeneinander mächtig für unseren HSV ins Zeug legen, wird der gesamte Verein davon profitieren und ein Vorbild für das Unikat Universalsportverein sein – ich bin dabei“, sagte Rieckhoff. Er hatte zuerst einmal die Geschichte der personellen Veränderungen in der Klub-Führung aufgearbeitet, kam dann zum Abschluss seiner Rede aber noch einmal auf die Indiskretionen im Aufsichtsrat zurück. Rieckhoff: „Ich habe mich seit Januar immer wieder schützend vor diesen Aufsichtsrat gestellt, habe um Einheit geworben – manchmal auch gegen meine Überzeugung, aber immer zum Wohle des HSV. Ich bin aber nicht mehr bereit, mich zum Deppen machen zu lassen. Ich bin nicht mehr bereit, meinen Kopf hinzuhalten und die Verantwortung für die ungeheuren Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat und deren Folgen zu übernehmen.“ Der Boss weiter: „Mein bisheriges Schönreden über diesen Aufsichtsrat werde ich in eine offensivere und echtere Einschätzung umwandeln.“ Für diese Sätze erhielt Rieckhoff mehrere Male sehr viel Beifall. Rieckhoff salopp: „Ich kann über diese Leute, die dem Aufsichtsrat so schaden, nur mit den Ohren schlackern.“

Wie schwer es ist, einen Geheimnisträger zum Schweigen zu bringen, verriet Rieckhoff aber auch noch. Nicht wie schwer, sondern dass es fast unmöglich ist: „Einst war mal wieder ein Geheimnis aus dem Rat verraten worden, es konnte nur einer von den zwölf Herren gewesen sein. Udo Bandow, der AR-Boss, hatte die Nase voll, jeder der zwölf Herren sollte eine Eidesstattliche Versicherung unterschreiben, dass er es nicht war. Und? Alle unterschrieben. Obwohl es einer gewesen sein muss.“
Gute Nacht, liebe Wahrheit.

Ernst-Otto Rieckhoff klang dabei schon ein wenig verzweifelt, als er sagte: „Ich bin inzwischen so weit, dass ich dem Vorstand empfehle, mit personellen Entscheidungen so wenig wie möglich mit dem Aufsichtsrat zu besprechen.“ Und ewig spielt das Misstrauen beim HSV mit . . .

Der Aufsichtsrats-Boss abschließend: „Es gibt in diesem Klub kein Feindbild mehr, dafür aber viele große Herausforderungen. Es ist höchste Zeit für eine schonungslose Selbstkritik, auch über persönliche Eitelkeiten, Verhaltensweisen und über persönliche Interessen nachzudenken. Es ist höchste Zeit, die Frage über unsere Strukturen zu stellen. Andernfalls werden wir sehenden Auges – gerade nach der Überwindung einer schweren Vereins-Krise – eine neue Krise haben.“

Ernst-Otto Rieckhoff erhielt für seine Rede viel Beifall, er war nach Ex-Sportchef Bastian Reinhardt, der schon fast begeistert gefeiert wurde, der zweite Gewinner des Tages. Mit Rieckhoff traf es auch den Richtigen, denn er hat gerade in der ersten Zeit nach dem Amtsantritt als AR-Boss alles dafür getan, damit der HSV wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt. Rieckhoff hatte Tag und Nacht dafür gearbeitet, dass wieder Ruhe in den Klub kommt, dass wieder die sportliche Seite der Raute im Vordergrund steht. Und letztlich hat er es auch geschafft, der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sollte es zu Beginn der Krise noch und vor allem dem Aufsichtsrat an den Kragen gehen, so war diese Informationsveranstaltung ein Treffen, zu dem offenbar alle, wirklich alle, viel, viel Weichspüler getrunken hatten. Hier jedenfalls wollte eigentlich keiner mehr dem anderen an den Kragen.

Und das war auch gut so!

Info war angesagt. Und nebenbei gab es auch das eine oder andere Pläuschen. Dr. Peter Krohn zum Beispiel sagte: „Ernst-Otto Rieckhoff hat hier die große Harmonie ausgerufen, und das ist auch richtig so.“ Aber Krohn sagte auch: „Kritik aber, untereinander, in Versammlungen, die sollte es geben. Verzeihen Sie einem alten Mann, wenn er sagt, dass Dinge in allen Lebensbereichen durch fruchtbare und auch kontroverse Diskussionen vorangetrieben werden. Und nicht dass man Händchen hält und gemeinsam Weihnachtslieder singt.“

Dann lobte Krohn die Arbeit des „alten“ Vorstandes: „Man kann auch einen Klub übernehmen, der ein nicht fertiges Stadion hat, der einen Buckel voller Schulden hat, Negativ-Kapital, wie man das heute sagt. Bernd Hoffmann hatte damals nicht die günstigsten Voraussetzungen, als er sein Amt antrat, seine Nachfolger, das ist meine Meinung, haben heute bessere.“ Und: „In den acht Jahren von Bernd Hoffmann ist im HSV einiges bewegt worden. Ich sage das deswegen, weil ich bis heute noch keine klare Aussage gehört, warum dieser Wechsel erfolgt ist. Einige Dinge sind mir bis zum heutigen Tage nicht klar, warum sie geschehen sind.“

Krohn wollte damit aber nicht als Hoffmann-„Fan“ gelten: „Ich hatte mit ihm und Katja Kraus viele Diskussionen, aber am Ende haben wir uns immer wieder die Hand gegeben – so wie sich das für einen HSVer gehört.“

Der ehemalige „HSV-General“ Krohn bemängelte, dass der jetzige Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow nur ein „Interims-Chef“ ist, weil somit ja wieder keine Kontinuität gewahrt worden ist. Rieckhoff erklärte aber später, dass dieser Vertrag so abgeschlossen wurde, wie es in den Satzungen des HSV steht: „Ein Interim-Vorsitzender darf längstens drei Jahre im Amt sein, er kann aber, sollte eine andere Lösung gefunden werden, eher gehen.“ Drei Jahren sind als kein „Muss“ für Jarchow, sondern nur für den Fall gegeben, wenn der HSV keinen anderen Nachfolger für Bernd Hoffmann findet. Wobei ich ja fest glaube, dass Jarchow dennoch lange – über die drei Jahre hinaus – im Amt bleiben wird, denn er liebt es ja jetzt schon sehr.

Dr. Peter Krohn bemängelte auch, dass Bernd Hoffmann von Seiten des Vereins nicht genügend für die acht Jahre gedankt worden ist. Dazu Ernst-Otto Rieckhoff: „Das habe ich sehr wohl in allen meinen Erklärungen in allen Medien gemacht.“ Vielleicht aber war ja auch ein Abschiedsspiel für Hoffmann gemeint. Übrigens: Bernd Hoffmann hat in den acht Jahren beim HSV sehr gut verdient, und er hat eine schöne Summe zu seinem Abschied erhalten. Ich würde mich freue, wenn ich nach über 30 Jahren Springer, die ich am Ende eventuell hätte, auch mehr als ein Dankeschön erhalten würde, aber wer weiß, wie sich das gestaltet? Ich habe da so meine Zweifel, so mancher „Matz-abber“ hätte sicher einiges dagegen, wenn ich auch noch, nachdem ich jahrelang mein tolles Gehalt hier abgeschleppt habe, fürstlich entlohnt werden würde – aber das nur mal am Rande.
(Jetzt bitte alle aufregen, die es wollen)

Wo ich gerade bei Danksagungen bin: Bastian Reinhardt wurde an diesem Sonntag mehrfach gedankt, und ich fand es großartig, wie die meisten der 402 Besucher der Info-Versammlung dazu standen. Sie klatschten lange und anhaltend. Bravo. Das hat dieser Mann verdient. Denn es war für ihn ganz sicher kein leichtes Jahr, das letzte. Und wer genau, ganz genau hinhörte, der wird das auch von ihm erfahren haben. Sekunden nämlich, bevor er vom Rednerpult wegtrat, da sagte er so etwas in Richtung Oliver Scheel. In etwa so, dass es ja für beide Vorstandsherren kein Zuckerschlecken war – in der alten Zusammensetzung des Vorstandes. Da klang zwischen den Zeilen doch schon so mancher Unmut durch . . .

Zumal Reinhardt vorher schon gesagt hatte: „Es war sicherlich nicht leicht für mich in den vergangenen Jahren, es war eine lehrreiche Zeit. In der habe ich nicht immer nach meinen persönlichen Vorstellungen gearbeitet, aber immer zum Wohle des HSV.“ Sehr vielsagend.

Reinhardt, der nun ins zweite Glied zurücktritt (weil am Montag Frank Arnesen seinen Job antritt), gab zu: „Wir sind unseren Ansprüchen nicht gerecht geworden, weil es uns nicht gelungen ist, aus diesem Kader eine Mannschaft zu formen. Und dafür sind nicht nur die Spieler verantwortlich. Wir haben in der Vergangenheit einige kleine Dinge verschlafen, wie das laufintensivere Spiel, das Tempo im Spiel und einige spiel-taktischen Dinge. Ich bin mir aber sehr sehr sicher, dass Michael Oenning das Potenzial dieser Mannschaft in Zukunft viel besser ausschöpfen wird.“

Carl-Edgar Jarchow sprach über die Zukunft des HSV, der neue Mann an seiner Seite, Joachim Hilke (Marketing-Bereich) versprach: „Wir werden unsere Strukturen leistungsfähiger machen, und unsere Mitarbeiter bekommen mehr Verantwortung übertragen.“ Und: „Wir werden unsere Wettbewerbsfähigkeiten verbessern denn das ist eine gute Vermarktung und unerlässlich im Kampf, an der Spitze zu spielen.“

Jarchow kündigte einen finanziellen Verlust von drei Millionen Euro an und sagte weiter: „Wir stehen vor den Fragen, wer bleiben soll, wer gehen sollte – doch alle diese Fragen sind mit einer weiteren Frage verbunden: was können wir uns leisten? Was können wir uns leisten, ohne unsolide zu werden?“ Das dürfte die Kardinalfrage dieses Sommers werden. Jarchow zur Zielsetzung: „Da unterscheide ich mich nicht von meinen Vorgängern, sie wollten alle, dass wir oben in der Bundesliga mitspielen, und auch in Europa. Das allerdings dürfte im nächsten Jahr nicht möglich sein. Dennoch erwarte ich, dass wir ein Team zusammenstellen werden, das um Platz sechs mitspielen kann.“

Jarchow bat um Geduld, und er verreit über seine bisherige Arbeit im HSV: „Wir alle im Vorstand, wir sind in den zurückliegenden zwei Monaten sehr offen und vertrauensvoll miteinander umgegangen, und so offen und vertrauensvoll wollen wir auch mit den Mitgliedern umgehen.“ Und Jarchow versprach auch: „Wir werden uns mit allen Mitteln auf allen Ebenen für den HSV einsetzen. Das ist meine auch meine Motivation. Ich werde hier nicht mit allen Mitteln meine Job verteidigen, ich werde, das habe ich auch dem Aufsichtsrat erklärt, alles geben was ich kann für den HSV. Ich werde nicht an meinem Sessel kleben, ich mache das alles auch nicht aus Selbstzweck. Ich möchte nur erreichen, dass wir mit mehr Gemeinsamkeit im HSV etwas erreichen.“ Gemeinsam ist das Stichwort. Und „Wir“. Ist der Klub auf dem Wege zu einem neuen Wir-Gefühl? Schön wäre es.

Zurück zu Dr. Krohn. Der zitierte zum Schluss noch einen großen Deutschen, nämlich Alfred Herrhausen. Der hat einst gesagt: „Wir müssen sagen, was wir denken, wir müssen tun, was wir sagen, und wir müssen sein, was wir tun. Das möchte ich der neuen Führung und dem Aufsichtsrat mit auf den Weg geben.“

Heiß diskutiert wird in Zukunft wohl jene Tatsache, dass einige Aufsichtsratsmitglieder gerne ein Mitgliederbefragung durchführen würden. Da ging es heute schon ein wneig zur Sache, das wird in naher Zukunft noch heftiger – ganz sicher. Alexander Otto vom AR befürwortet das, Manfred Ertel vom AR ist strikt dagegen: „Das wäre ein Satzungsverstoß.“ Jürgen Hunke vom AR ist auch dagegen: „Weil das eine unheimlich komplizierte und auch teure Angelegenheit wäre. Meine Zustimmung dafür würde es geben, wenn uns zum Beispiel der FC Bayern oder auch andere Vereine so etwas vorgemacht hätten. Wir aber, so denke ich, haben im Moment ganz andere Sorgen.. Wir müssen daran denken, dass wir eine neue Mannschaft für die nächste Bundesliga-Saison aufbauen müssen, wir müssen erst unsere sportlichen Probleme klären und in den Griff bekommen, bevor wir uns mit einer Mitgliederbefragung beschäftigen.“

So ist es. Und Dr. Krohn hat schon angekündigt: „Im Januar werden wir fragen, was besser geworden ist im HSV – gegenüber den acht Jahren unter der Regie von Bernd Hoffmann.”

Übrigens, und das ist ein schöner Schlusspunkt dieser Info-Versammlung, gefiel mir der Auftritt des ehemaligen Vorstandsmitgliedes Christian Reichert. Der hatte im Abendblatt ein Interview mit Bern Hoffmann gelesen und fragte nun die Klub-Führung, ob Hoffmann nicht jenen Passus in seinem Abfindungsvertrag hätte, nach dem über Dinge, die während der Amtszeit im HSV passiert sind, nicht gesprochen werden darf? Hätte Bernd Hoffmann diesen Passus nicht, dann würde Reichert auch gerne auf diesen Passus in seinem Vertrag haben, denn dann hätte auch er noch einige interessante Dinge aus seiner Zeit als HSV-Vorstandsmitglied auszuplaudern.

Das wäre doch etwas. Dann gäbe es sicher das eine oder andere Detail, über das sich dann die Fan-Gemeinde würde total aufregen würde. Und damit wäre dann auch wieder Leben in der Bude.
So aber, ohne neue Enthüllungen, dürfte es doch ziemlich langweilig durch diese Sommerpause gehen.

Viel Spaß mit Eurem/unseren HSV!

19.42 Uhr

PS: Montag kein Training, auch kein Spielchen – vielleicht eine Neuerwerbung.

Die Mannschaft ist zurück – HSV will Bruma

7. Januar 2011

Vorausgeschickt die dicke Entschuldigung für die Verspätung. Aber um alle hier vermeldeten Informationen wirklich fundiert recherchiert zu haben, musste ich noch eine Meldung bezüglich eines weiteren Neuzugangs abwarten. Den Namen habt Ihr in der Zeile, die bisher bekannten Hintergründe dazu hier im Folgenden. Und für alle, die mehr erwartet hatten: entschuldigt, aber was nicht ist, kann ja noch kommen….

Vorerst aber zur Mannschaft. Die ist wieder da. Um 13.40 Uhr landete der Flieger aus Dubai heute auf dem Hamburger Flughafen. Für die HSV-Spieler war der Tag damit jedoch noch nicht beendet, sie mussten im Volkspark „Auslaufen“ und sich an den Temperaturunterschied gewöhnen. Von 26 auf zwei Grad schockgefrostet, aber immerhin: alle Ankömmlinge sind fit, keiner grippekrank wie zum Beispiel beim Hamburger Nachbarn St. Pauli. Auch der zunächst verschnupfte Piotr Trochowski konnte das Trainingspensum zuletzt wieder ganz mitgehen. Nur vier volle Tage dauerte das Trainingslager mit sieben Einheiten und einem Testspiel in der Mini-Winterpause – trotzdem sprachen fast alle Beteiligten von einem Neuanfang. Ein richtiger Neuanfang? Ich finde es zumindest fraglich, ob diese paar Tage wirklich schon ausreichen, um sich in der Rückrunde plötzlich als echte Einheit zu präsentieren. Nicht, dass ich hier schwarzmalen will, im Gegenteil: ich hoffe es und setze einfach mal die Äußerungen und Beteuerungen mit dem internen Wunsch gleich, dorthin zu gelangen. Vielleicht motiviert es Elia und Co. ja…

Egal wie, morgen beim letzten Test vor dem Rückrundenauftakt können wir uns alle selbst überzeugen, wie es um die Form der Spieler bestellt ist. Es gibt noch reichlich Karten (12 bis 20 Euro), mit 22000 Zuschauern kann wohl gerechnet werden. Nach den Eindrücken meines Kollegen aus Dubai können sich folgende elf Akteure Hoffnungen machen, zur Stammelf zu gehören: Im Tor Rost, die Viererkette spielt mit Aogo links, Westermann und Demel in der Mitte, solange Mathijsen nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Aber schon gegen Schalke könnte er wieder ins Team rücken. Demel wäre auf rechts dann ohne echte Konkurrenz, da sowohl Besic als auch Rincon oder Tesche den Trainer (und mich) nicht hundertprozentig zu überzeugen wussten. Dennoch wird einer von ihnen auf zumindest gegen Ajax noch mal die Chance in der Startelf erhalten.

Im defensiven Mittelfeld ist Zé Roberto wieder gesetzt, Kacar, Jarolim und Trochowski befinden sich im Dreikampf um die zweite Position. Veh war zuletzt voll des Lobes für Kacar, doch das letzte Wort ist hier sicherlich noch nicht gesprochen. Rechts hat sich Pitroipa durch die starke Hinrunde festgespielt, links wird der Zweikampf Elia/Jansen richtig Fahrt aufnehmen, sofern beide die Saison beim HSV fortsetzen. Elia scheint momentan die Nase vorn zu haben, da Jansen, der eh mehr von der Physis lebt als andere, noch nicht wieder voll fit ist. Im Sturm stehen van Nistelrooy und Guerrero als Doppelspitze quasi fest, Torun und Choupo-Moting stehen hinten an und Petric braucht dem vernehmen nach leider noch zwei, drei Wochen.

Allerdings könnte uns der Test gegen die Holländer auch Erkenntnisse auf ganz anderem gebiet bringen. Wie ich gehört (und gelesen) habe, soll laut „voetbal4u“ Ajax-Abwehrmann Jan Vertonghen ins Interesse der Klubführung gerückt sein. Meldungen wie diese tauchen zwar fast jeden Tag auf, doch bröseln wir anhand dieses Beispiels doch mal auf, unter welchen Umständen ein solcher Transfer zustande kommen könnte.

Der 23-Jährige ist noch bis 2013 an die Niederländer gebunden – was im Falle einer Verpflichtung (auch im Sommer) ein nicht unwesentliches, finanzielles Hindernis darstellen würde. Wie die Quelle berichtet, wird für den belgischen Nationalspieler nicht weniger als zwölf Millionen Euro Ablöse aufgerufen. Obschon der Linksfuß wohl perfekt in das Anforderungsprofil des HSV passen würde: 1,89 Meter groß, weitgehend verletzungsfrei, flexibel einsetzbar, zudem torgefährlich und entwicklungsfähig. Andere Top-Klubs sollen auch interessiert sein, doch das hinderte ja schon andere Niederländer nicht, eine ihrer Entwicklungsstufen beim HSV zu nehmen. Vielleicht kann der HSV ja seinen wirklich sehr guten Ruf in den Niederlanden in diesem Fall für sich nutzen.

Klar ist allerdings, dass dann eine noch größere Summe durch einen Verkauf hineingespült werden müsste. Denn wie sich zuletzt herausstellte, ist der HSV – ich drücke es bewusst vorsichtig aus, um hier die zuletzt nicht immer sachlich geführte Diskussion über ein mögliches Minus zu umgehen – derzeit finanziell nicht so flexibel wie in den letzten Jahren. Womit wir wieder bei Elia wären, dessen möglicher Verkauf wohl die einzige Möglichkeit für den Transfer Vertonghens darstellt. Und wie ich dazu stehe, wisst Ihr ja.

Die mögliche, kostengünstige Sofort-Verpflichtung des Hoffenheimers Matthias Jaissle ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis sicherlich zu unterstützen, angesichts seiner Verletzungshistorie wird mir jedoch ein wenig bange. Niemand kann prognostizieren, wie schnell ein Profi, der in den letzten ein Bundesligaspiel bestreiten konnte, fit wird und ob er es dauerhaft bleibt. Als fest einzuplanende Soforthilfe fällt Jaissle somit eigentlich aus, zumal Veh vor dem letzten Spiel der Hinrunde nochmals betonte, dass bei ihm jetzt nur noch „die Spieler auflaufen werden, die 90 Minuten Vollgas geben können.“

Damit wären wir bei einer ganz neuen Personalie, die allerdings derzeit am wahrscheinlichsten erscheint: Der 19-jährige Abwehrmann Jeffrey Bruma. Der ist immerhin beim großen, wenn auch derzeit ziemlich erfolglosen FC Chelsea angestellt, agiert dort in der reserve. Dort bestritt der Niederländer allerdings nur vier Pflichtspiele in dieser Serie. Doch das soll bei einer Konkurrenzsituation á la Chelsea (Terry, Ferreira, Bosingwa, Cole, Alex, Ivanovic u.s.w.) wirklich nichts heißen. Im Gegenteil. Entsprechend wurde mir (leider sehr spät….) bestätigt, dass der U-21-Nationalspieler mit Kaufoption ausgeliehen werden soll.

Diese Nachricht ist übrigens auch der Grund, weshalb dieser Blog erst etwas später reingestellt wurde, da wir diese Information auch im Print in der Sonnabendausgabe haben und die Konkurrenz hier fleißig mitliest. Der Name fiel zwar auch hier schon, allerdings ist der Name mit einer offiziellen Bestätigung erst eine echte Nachricht. Und darauf musste ich leider etwas länger als ghedacht warten. Dass die Mopo es online stellt, macht die Geheimnistuerei ärgerlich – ist aber nicht mehr zu ändern. Da sehe ich mal echt dumm aus – aber das kommt leider auch mal vor… Entschuldigt!

Zweites heiß diskutiertes Thema in den Kommentaren: Die Elefantenrunde zwischen Hoffmann, Klein, Krohn, Hunke und Wulff gestern Abend im Vorgriff auf die anstehende Mitgliederversammlung und Aufsichtsratswahl am Sonntag. Hoffmann musste sich heftige Kritik gefallen lassen, zum Beispiel aufgrund mangelnder sportlicher Kompetenz Fehlentscheidungen getroffen zu haben. Hoffmann konterte mit den Erfolgen der letzten sieben Jahre, die auch ohne Titel sportlich zufriedenstellend gewesen seien. Das kann man bis auf die jüngste Vergangenheit auch wirklich so sehen – doch führte eine genau entgegengesetzte Ansicht damals zu dem Bruch mit Dietmar Beiersdorfer. Der war nach der Saison 2008/09 mit den beiden Halbfinals in Europa League und DFB-Pokal und Platz fünf in der Bundesliga zufrieden, Hoffmann hat das Gesamtergebnis damals nicht gereicht, wie auch in einigen Interviews zu lesen war.

Ich habe Eure Blog-Kommentare (und natürlich Bennos Wortmeldung! Chapeau!) mit viel Freude gelesen, weil es mich in meiner Ansicht bestätigt, dass hier viel inhaltliche Qualität vorhanden ist. Manchmal vielleicht etwas derbe, allerdings im entscheidenden und quantiativ deutlich überwiegenden Teil sehr themenebezogen und konstruktiv. Und auch wenn ich mit meinen 35 Jahren weit davon entfernt bin, hier einen auf Papa zu machen un d Ratschläge zu verteilen, möchte ich Euch alle noch mal bitten, am Sonntag bei der Veranstaltung im CCH aufzutauchen. Ihr seid das, was ein Dr. Peter Krohn als „pulsierendes Vereinsleben“ bezeichnet hat. Ihr seid die Meinung der Mitglieder und könnt – selbst wenn Eure Ideen mal nicht eins zu eins übernommen werden – zumindest viele ganz sicher viele wichtige Entscheidungen entscheidend beeinflussen.

Ansonsten darf konstatiert werden, dass in dem Präsidentengipfel viel heiße Luft war. Wie so oft im Vorfeld einer solchen Veranstaltung. Die Versammlung selbst birgt wesentlich mehr Brisanz, vor allem für Hoffmann, der nach eigener Aussage (!) selbst mehr Gegner als Fürsprecher seiner Person unter den Mitgliedern erwartet. Einige brisante Anträge, nach denen beispielsweise das Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder automatisch erster oder zweiter Vorsitzender sein sollte, wurden jedoch kurzfristig zurückgezogen. Eine kurze Übersicht zum wichtigsten Punkt des Tages, der Wahl der vier Aufsichtsräte:
Der Aufsichtsrat besteht aus 12 Mitgliedern, von denen acht von der Mitgliederversammlung gewählt werden und je ein Mitglied von den Fördernden Mitgliedern, den Amateurabteilungen, von der Gemeinschaft der Senioren und der Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Verein Ochsenzoll-Norderstedt e.V. entsandt wird. Die Wiederwahl bzw. erneute Entsendung ist zulässig. Im ersten Wahlgang ist am Sonntag die absolute Mehrheit erforderlich, im zweiten Durchgang genügt die einfache Mehrheit. Die Zahl der dann zugelassenen Kandidaten ergibt sich durch die Anzahl der dann noch freien Plätze plus drei. Und dass diese Wahl weitreichende Auswirkungen auf die künftige Gestaltung des HSV haben könnte, wissen wir nicht erst seit der Elefantenrunde.

In diesem Sinne, auch wenn es schon spät ist: einen schönen Restfreitag und bis morgen – nach dem letzten Test(-spielsieg)!

Nur der HSV!

Und etwas Gutes hatte das Warten dann doch noch, denn so kann ich noch eine Information meines Kollegen Lars Pegelow mitverarbeiten. Lars schrieb mir, dass Jörg F. Debatin, UKE-Boss und Aufsichtsrat des HSV, entgegen allen bisherigen Bekundungen nun doch nicht für das Amt der Aufsichtsratsvorsitzenden kandidieren wolle. “Dieses Amt ist mit meiner Tätigkeit im UKE nicht gut vereinbar”, lässt er sich bei NDR 90,3 zitieren.

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