Archiv für das Tag 'Krohn'

Kreuzer da – und Victorias Stilz kommt

11. Juni 2013

Das war Tag eins von Oliver Kreuzer beim HSV. Er hat sich auf der Geschäftsstelle bekannt gemacht, bezog sein Büro, er sprach mit dem Vorstands-Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow, er versuchte per Telefon ein paar Spieler und einige Spielerberater zu erreichen – und Oliver Kreuzer sprach mit uns. Und verriet uns fast nebenbei einen „Hamburger Hammer“. Roger Stilz, 36-jähriger Mittelfeldspieler und zugleich Cotrainer des Regionalliga-Clubs SC Victoria, wird Nachfolger des bisherigen HSV-Cotrainers Frank Heinemann. Eine Sensation. Und spontan würde ich sagen, dass das nach vielen Jahrzehnten mal wieder ein Hamburger „Amateur“ in die Profi-Abteilung geschafft hat, ist eine absolute Rarität. Eine Blaue Mauritius – um es mal so zu nennen. Der letzte, der das geschafft hat, ist meines Wissens Dieter Roth. Der war in den 70er-Jahren „Manager“ des Wandsbeker FC und wurde vom damaligen HSV-General Dr. Peter Krohn als Präsidiumsassistent zum HSV geholt. Roth wurde quasi Krohns rechte Hand – und das war im Hamburger Fußball eine mittlere Sensation. So ähnlich ist jetzt auch die „Sache“ mit Stilz, der aus der Schweiz kommt und dort früher in der Zweiten Liga gespielt hat, einzuschätzen. Aber, um auch das noch mal los zu werden: Dass es ein Hamburger Amateur endlich einmal wieder zu den HSV-Profis geschafft hat, finde ich okay.

Wobei es natürlich etliche Spieler durchaus mal geschafft haben, zum HSV zu kommen. Aus der Erinnerung heraus – und ganz spontan – fallen mir Lothar Dittmer (Süderelbe), Christian Hofmeister (Lurup), Walter Laubinger (Bramfeld), Oliver Möller (Lurup), Detlef Spincke (Lurup), Klaus Fock (TuS Finkenwerder), Dieter Wöbcke (Holstein Quickborn?), Benjamin Kruse (1. SC Norderstedt), Bernd Bressem (Komet), Jens Duve (Hummelsbüttel), Matthias Reincke (Bergedorf 85?), und Elard Ostermann (auch vom SV Lurup) ein. Es gibt sicherlich noch mehr, aber diese Herren wüsste ich. Aber einen Cotrainer aus dem Hamburger Amateurfußball? Wüsste ich nicht. Roger Stilz geht in die Geschichte ein.

Und wo ich gerade bei Namen und Trainer bin: Thomas Stratos, von 1990 bis 1992 HSV-Profi, wurde neuer Coach des Zweitliga-Absteigers Jahn Regensburg. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass Stratos unter die Trainer gegangen ist, aber er war beim SC Wiedenbrück tätig. Kompliment, den Trainer-Job habe ich ihm gar nicht zugetraut – wie man sich doch irren kann . . .

Zurück zum HSV. Meinen Rückblick (diesmal auf den HSV-Angriff) verschiebe ich auf morgen, denn heute steht Kreuzer im Mittelpunkt. Der neue Sportchef wird nun eine kleine Nuss zu knacken haben, denn Leverkusen wird Andre Schürrle offenbar doch nicht los, Chelsea hat einen Rückzieher gemacht. Und nun? Was wird mit Son? Geht er trotz allem zur Werkself? Oder hat sich damit alles zerschlagen? Ich habe Kreuzer nach Son gefragt, vor allem, wie viele Angebote es noch gibt? Kreuzer: „Vor Wochen gab es noch einige, jetzt ist das stark reduziert.“ Wie stark? Damit wollte der Sportchef nicht rausrücken. Ein oder zwei Angebote, mehr ist da mit Sicherheit nicht mehr. Nun bleibt abzuwarten, was aus Heung Min Son wird. Denn bleibt Schürrle in Leverkusen, benötigen die Westdeutschen eigentlich keinen Südkoreaner mehr. Jedenfalls keinen Son. Man darf gespannt sein.

Vieles drehte sich am ersten Kreuzer-Tag um Gojko Kacar, Robert Tesche und Marcus Berg. Letztere soll ja vor einem Wechsel nach Athen stehen, aber Oliver Kreuzer weiß davon nichts. Weder hat sich Panathinaikos gemeldet, noch der Schwede selbst. Und das müsste ja wohl der Fall sein, wenn schon die medizinische Untersuchung kurz bevorstehen soll. Also, in der Personalie stimmt etwas nicht. Und auch Oliver Kreuzer sagt: „Ich glaube, dass da nichts dran ist, mit Berg und Athen.“

Findet Berg keinen neuen Arbeitgeber, dann müsste er in Hamburg da trainieren, wo nicht gerade die Profis trainieren. Gemeinsam mit Tesche und Kacar, so sie denn auch bleiben wollen – oder mangels Angebote bleiben müssen. Wo sie dann trainieren, ist noch unklar. Kreuzer will das alles mit den Spielern selbst und mit den Beratern in persönlichen Gesprächen klären: „Ich hoffe auf Einsicht der Spieler . . . Natürlich, sie haben alle gültige Verträge, und die werden wir auch respektieren, danach werden wir uns richten. Aber dennoch wünsche ich mir schon etwas Einsicht der Spieler . . .“ Und weiter: „Ich glaube, dass sind alles junge Spieler, es kann nicht in deren Sinne sein, nur ihren Vertrag hier auszusitzen. Es geht doch auch um die Karriere eines Spielers, und wenn einer mal ein Jahr oder länger nicht gespielt hat, dann kann es ganz schnell mal mit der Karriere zu Ende sein.“ Stimmt. Aber die Verlockung ist riesig, denn der HSV zahlt fast so gut wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund . . .

Klar ist auf jeden Fall, dass die „Aussortierten“ alle Anspruch auf Training haben, und das unter Anleitung eines Fußballlehrers. Das könnte noch gewisse Komplikationen geben. Wenn sie nicht woanders unterkommen. Aber bekommt der HSV eigentlich für Spieler, die nicht mehr gewünscht sind, noch Geld? Kreuzer: „Eines ist ja klar: zu verschenken haben wir nichts. Und die Spieler sind ja auch nicht schlecht. Es hat für sie eben einfach aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gepasst. So etwas gibt es ja.“

Es soll ja so vieles im Fußball geben. So zum Beispiel auch, dass der HSV mal ein Heimspiel mit 0:4 verliert. So geschehen am 26. August 1987. Da zog der Karlsruher SC ganz groß im Volkspark auf – mit Oliver Kreuzer. Sein positivstes Hamburger Erlebnis als Profi-Fußballer. „Das war ein schönes Spiel“, erinnert sich Kreuzer, der allerdings mit seinem damaligen Gegenspieler leicht daneben lag. Er tippte auf Jan Furtok, aber der Pole war nicht dabei. Es muss Bruno Labbadia gewesen sein.

Aber egal. Kreuzer sagt es: „Es ist auf jeden Fall schon sehr lange her.“ Und jetzt heißt es ja HSV. Ohne Ende HSV. Rund um die Uhr HSV. Und auf diese Aufgabe hat sich Oliver Kreuzer schon bei der Fahrt am Montag nach Hamburg gefreut. Er hat eine schwere Arbeit zu verrichten, denn der HSV leidet unter chronischem Geldmangel. Kreuzer aber sagt tapfer: „Wir sind schon handlungsfähig, so ist es nicht. Es ist aber so, dass ja bekannt ist, dass der Lizenzspieler-Kader nicht nur vom Umfang her, sondern auch vom Budget her verringert werden muss. Jetzt müssen wir schauen, dass Abgänge und Neuzugänge in etwa Hand in Hand geht.“ Kreuzer weiter: „Momentan können wir nicht vier Neuzugänge präsentieren können, die eventuell sogar noch irgendwelche Ablösesummen kosten, und auf der anderen Seite haben wir noch immer die Spieler, von denen wir uns trennen wollen. Beidseitiges Vorangehen ist gefragt. Die neuen Spieler müssen finanzierbar sein, auf der anderen Seite muss man schauen, dass man den einen oder anderen Spieler transferieren kann – ganz klar.“

Das hört sich so an, dass es dabei nicht nur um Tesche, Kacar und Berg geht. Es werden wohl mehr aus Hamburg scheiden müssen. Kreuzer: „Man muss schauen. Wir haben uns auf die drei Spieler festgelegt, weil wir ganz klar sagen, dass es keinen Wert mehr hat. Das gilt für beide Seiten. Und sollte der Transfer von Son klappen, dann sind es schon vier Spieler, die uns verlassen. Und dann muss man schauen, ob sich dazu noch der eine oder andere dazugesellt.“ Alles, so Kreuzer, „ganz klar in Absprache mit dem Thorsten“. Gemeint ist natürlich Trainer Fink.

Interessant dürfte es auch bei den Innenverteidigern werden. Heiko Westermann, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner – und dennoch soll ein neuer Abwehrmann verpflichtet werden. Oliver Kreuzer: „Da ist es ja auch logisch, dass sich die Spieler auch ihre Gedanken machen. Die kommen zu uns und sagen: ‚Jetzt habt ihr zwei Innenverteidiger geholt – wo bleibe ich denn, wo ist meine Rolle?’ Das sind Dinge, die sich dann in einer Transferperiode entwickeln.“ Wobei ich genau hingehört habe. Kreuzer hat von „zwei Innenverteidigern“ gesprochen, die geholt werden (könnten).

So, und dann gibt es da noch einen ganz wichtigen Punkt, auf den ich beinahe stündlich angesprochen werde. Und ich sage dazu:
Keine Panik, hinter den Kulissen tut sich etwas. Wer glaubt, dass die Vorhaben bezüglich einer Struktur-Änderung im HSV nur ein kleiner Sturm im Wasserglas gewesen ist, der irrt. Es tut sich etwas, es wird sich etwas tun – ganz sicher, Kompetente Leute und große HSVer arbeiten daran. Und wie nötig das ist, das zeigt mir heute mal wieder ein Bericht der Agentur SID (Sport-Informations-Dienst), den ich gerne veröffentliche, denn er wird dafür sorgen, dass immer mehr auf den Zug aufspringen werden. Wenn der HSV nichts tut, geht er hoffnungslos baden – denn bald gibt es auch keinen Heung Min Son mehr, der noch für eine zweistellige Millionensummer zu verkaufen wäre (weil er dann längst weg ist).
Den lesenswerten Artikel stelle ich auch deswegen hier hinein, weil ich denke, dass keine Tageszeitung einen so langen Bericht so ausführlich übernehmen wird.

Die Kluft zwischen Arm und Reich im deutschen Profi-Fußball wird größer – obwohl bei der Verteilung der Bundesliga-TV-Gelder Solidarität großgeschrieben wird. Die Branchen-Größen, Triple-Gewinner Bayern München und Champions-League-Finalist Borussia Dortmund, schöpften bei den nationalen Fernseheinnahmen natürlich den Rahm ab. Die Bayern verdienten laut fernsehgelder.de 25 834 556 Euro, Vizemeister Dortmund immerhin noch 25 074 716. Werden noch die rund 70 Millionen der beiden Klubs aus der Königsklasse dazu gezählt sowie die Einnahmen aus dem DFB-Pokal, ist der Dritte Bayer Leverkusen als Tabellenfünfter des Vorjahres mit den Einnahmen aus der Europa League und 24 314 876 Millionen Euro aus der Bundesliga schon fast ein armer Schlucker. Die Reichen werden reicher, die Armen bleiben arm – oder werden noch ärmer.

DFL-Chef Christian Seifert weiß genau, dass die Einflussnahme vonseiten der Deutschen Fußball Liga eher begrenzt ist: „Klar ist: Auf nationaler Ebene lassen sich die enormen Erlöse in der Champions League nicht ausgleichen“, sagte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung unlängst dem Kicker: „Natürlich muss sich die Uefa (Europäische Fußball-Union, d. Red.) Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Denn es ist offensichtlich, dass sie durch ihren derzeitigen Verteiler-Mechanismus massive Eingriffe vornimmt mit Blick auf die nationalen Wettbewerbe.“

Dass künftig die Top-Teams vielleicht nicht mehr die höchsten Zahlungen aus der Inlands-TV-Vermarktung erhalten und damit die Konkurreten quasi „subventioniert“ werden, ist für Liga-Präsident Reinhard Rauball keine Option. „Das höchste Gut, das wir haben, ist der freie Wettbewerb, nicht der gesteuerte“, sagte der 66-Jährige im SID-Interview und verweist auf die Entwicklung seiner Borussia nach der Fast-Insolvenz vor rund acht Jahren. „Wir waren nahezu insolvent und haben uns aus eigener Kraft wieder entwickelt zu einem Verein, der sich in Wembley weltweit den Zuschauern präsentieren konnte. Daran sieht man, dass mit Fantasie, mit Disziplin, aber auch mit einer nötigen Portion Glück ein solcher Weg beschritten werden kann“, betonte Rauball, der Präsident von Borussia Dortmund.

Das Leistungsprinzip soll bei der Verteilung der Gelder aus der Bundesliga-TV-Vermarktung nicht außer Kraft gesetzt werden. Andererseits: Selbst Absteiger SpVgg Greuther Fürth kassierte noch 12 917 218 Euro. Das ist exakt die Hälfte dessen, was die Bayern erhielten. Und wer ehrlich die Fernsehpräsenz der Bayern mit denen der Fürther vergleicht, muss zugeben, dass der Absteiger da noch ganz gut wegkommt. In der Liga funktioniert die Solidarität, wobei vier Saisons in die Abrechnung mit einfließen. Wobei die vergangene Spielzeit einen höheren Stellenwert besitzt als die erste Saison, die in der Berechnung berücksichtigt wird.

Die TV-Gelder werden nach einem komplexen Schlüssel verteilt, der mit der Einfachheit des Fußballs nichts mehr zu tun hat. Von den 438,7 Millionen Euro, die der Profifußball für die Saison 2012/13 erhalten hat, gehen 70,5 Prozent an die Bundesliga, lediglich 20,5 Prozent an die Zweite Liga. Das führt dazu, dass Aufsteiger Hertha BSC nur 7 721 120 Euro erhalten hat – also über fünf Millionen weniger als Absteiger Fürth. Der 1. FC Kaiserslautern jedenfalls – in der Relegation an 1899 Hoffenheim gescheitert – hat nur 6 668 240 Euro abgegriffen, Hoffenheim, der Tabellen-16. der Ersten Liga, aber 14 436 958 Euro.

Bemerkenswerte und auch nachdenkenswerte Zahlen. Hamburg und vor allem der HSV wird aufwachen müssen. Und zwar sehr schnell. Denn diese Entwicklung zeigt, dass man in Liga zwei, erst recht in Liga drei kaum noch einmal die Gelegenheit erhält, Anschluss zu halten. Es sei denn, es käme tatsächlich einmal ein „Herr Kühne“ und legt solche Summen hin . . . Obwohl das ja auch von etlichen HSV-Mitgliedern gar nicht gewünscht wäre.

PS: Das muss noch nachgereicht werden! Per Ciljan Skjelbred hat ein Tor erzielt. Super! Im Freundschafts-Länderspiel gegen Mazedonien traf der Norweger in der neunten Minuten zum 1:0 – Endstand 2:0. Na bitte, es geht doch. Nun ist der Knoten geplatzt – hoffentlich. Obwohl erst jetzt die Sommerpause beginnen wird – aber erst das Comeback, nun das Tor, das alles wird ihm nochmals Auftrieb geben. Besser kann man eine Saison ja kaum beenden. Glückwunsch!

18.19 Uhr

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