Archiv für das Tag 'Kreuzer'

Hunt rückt wieder ins Zentrum – Müller ersetzt Gregoritsch

1. Oktober 2015

Aaron Hunt darf in Berlin wieder ins Mittelfeldzentrum zurück - und das ist auch gut so

Aaron Hunt darf in Berlin wieder ins Zentrum zurück – und das ist auch gut so

Irgendetwas fehlt immer. So hatte ich den gestrigen Blog begonnen. Und so kann man auch den heutigen beginnen. Eigentlich kann man diesen Eingangssatz immer nutzen, wenn man sich die Situation des HSV-Nachwuchses ansieht. Selbst in der vergangenen Saison, die man mit neun Siegen aus neun Spielen begann. Die Dritte Liga wurde als Ziel ausgerufen. Denn damals fehlte oben im Bundesligabereich etwas, was von unten nachgebessert werden musste. Logische Konsequenz: Plötzlich fehlte unten wieder Qualität. Aufstieg in die Dritte Liga? Mitnichten. Inzwischen ist man 17. der Regionalliga und der oberste Chef der Nachwuchsabteilung macht sich ernsthaft Sorgen. Wobei, das muss er auch. Denn obgleich ich mich mit meinen Niendorfern über den Bundesliganachwuchs des HSV als attraktiven Gegner in der Oberliga freuen würde – ein Abstieg wäre der GAU für den Nachwuchs des HSV.
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Kühne kontert Rieckhoff

22. Juni 2015

Robbie Kruse - ein Mann für den HSV?****Angeblich hat der HSV bei Inter Mailand ein Angebot über 8 Mio. € Ablöse für den zentralen Mittelfeldspieler Fredy Guarin hinterlegt. Genaueres dazu am Dienstag.****

 

Kruse zum HSV – was für eine Schlagzeile! Da würde ein Wunsch wahr. Doch leider dreht es sich in diesem Fall nicht um den Vierländer Jungen, der beim FC St. Pauli spielte und dem HSV erfolglos feilgeboten wurde. Denn der spielt jetzt für den VfL Wolfsburg in der Champions League – auch, weil die HSV-Scoutingabteilung ihn vor seinem Wechsel nach Gladbach als „zu laufschwach“ einstufte. Für mich unfassbar – bis heute!!
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Rotiert van der Vaart aus dem Team? ***Ergänzt: Green „versuchts“ …

11. Februar 2015

Joe Zinnbauer scherte sich nicht darum, dass er Geburtstag hat. Auch ein Rafael van der Vaart musste an seinem 32. Geburtstag zwischenzeitlich ins B-Team wechseln. Zinnbauer testete aus, was gegen die Bayern am Sonnabend greifen kann. Oder besser, er probiert, ob der HSV überhaupt ein Mittel hat. Zuerst mit van der Vaart, Diaz und Stieber im zentralen Mittelfeld, dann mit Jiracek, Diaz und Stieber. Ergo: Stieber und Diaz im Stamm – über van der Vaart oder Jiracek denkt Zinnbauer offenbar nach. Zumindest sollen die Spieler das so auffassen. Und ich hoffe, dass Zinnbauer tatsächlich darüber nachdenkt. Denn in München wird der HSV nicht mit zwei spielerischen Sechsern (Diaz und van der Vaart) hinter einem eher defensivschwachen Zehner wie Stieber bestehen können. Weniger noch, der HSV würde das Zentrum meiner Meinung nach komplett abgeben.


Aber noch ist Zeit, noch ist nichts entschieden. Diaz und Stieber scheinen im Vorteil – obgleich Letztgenannter heute bei uns in der Presserunde war. Das letzte Mal war er das vor dem Köln-Spiel, als alle dachten, er würde einige Tage später beginnen. Letztlich ließ Zinnbauer ihn aber doch draußen. „Ich hoffe, dass das kein schlechtes Omen ist“, scherzt der Linksfuß.

Grund genug, an seine Startelfnominierung zu glauben hat er jedenfalls. Eineinhalb Treffer in den letzten zwei Spielen, zwei Siege mit ihm auf der Zehn – vieles spricht für Stieber, der selbst noch lange nicht zufrieden ist. „Ich muss hier noch sehr viel beweisen“, so Stieber, der gegen Hannover der laufstärkste HSVer war. „Laufen kann ich immer. Und im Moment geht es nur um Ergebnisse. So gern wir selbst schöneren Fußball spielen wollen – der Kampf geht vor.“


Fürwahr. Wenn es einmal schwierig war, schönen Fußball zu spielen, dann bei diesen Bayern. Trotzdem setzt Stieber auf die Außenseiterchance. „Wir wissen, dass wir wieder alles geben müssen – und diesmal sicher noch etwas mehr. Wir müssen wieder über den Kampf kommen und auf die eine, kleine Chance warten, um einen Treffer zu machen“, so Stieber, der, einmal im Flow, sogar noch nachlegt: „Vielleicht ja auch zwei Tore – immerhin haben die Bayern im Moment auch einige Probleme.“ Oha. Mutig, beim FC Bayern von Problemen zu sprechen…

Dabei ist Stieber definitiv kein Lautsprecher. Eher das Gegenteil ist der Fall. Der Ungar ist zurückhaltend, fleißig, lernwillig – und ein absoluter Teamplayer. Darüber gemeckert, dass er in der Hinrunde nicht mehr als Reservist war, hat er nie. Er hat Gas gegeben. „Ich habe immer weitergemacht, weil ich ein Ziel habe. Das heißt immer noch: Stammspieler beim HSV.“ Mit seinen letzten beiden Spielen hat er sich dem Ziel zweifellos genähert – dennoch ist er noch weit davon entfernt.

Sollte er es irgendwann erreichen – er hätte es sich hart verdient. Denn leicht wurde es Stieber in Hamburg nicht gemacht – bis heute nicht. Von Anfang an galt er als Wunschspieler von Oliver Kreuzer und hatte nach dessen Demission in Hamburg eine Menge Skepsis der neuen HSV-Verantwortlichen zu verdauen. Er schluckte die bittere Pille wortlos und hielt durch. „Zoltan macht es im Moment gut, hat eine gute Vorbereitung gespielt“, lobte Zinnbauer zuletzt. Worte, die Stieber beflügeln. „Es tut gut, Vertrauen zu spüren. Aber ich darf mich nicht darauf ausruhen. Ich möchte mich hier jeden Tag empfehlen. Auch in München.“ Dass es dort – wie zuletzt häufiger – ein Debakel gibt, schließt Stieber aus: „Neun Gegentore werden wir ganz sicher nicht kassieren. Es wird ein hartes Spiel. Aber wir sind ganz sicher nicht ohne Chance.“

Apropos empfehlen: Das wurde Nicolai Müller zuletzt nach wiederholt äußerst mäßiger Leistungen vom Direktor Profifußball nahegelegt. Peter Knäbel hatte die Leistungen des Zugangs vom FSV Mainz kritisch beleuchtet – ebenso wie der Spieler selbst, der mit sich selbst nicht zufrieden ist und Besserung gelobte. Heute im Training ließ er den Worten erste Taten folgen. Der Außenstürmer war einer der Besten im A-Team, ackerte wie ich ihn lange nicht gesehen hatte und kam sogar – endlich – zu Torabschlüssen. Das wollte ich nach aller Kritik an dem Rechtsfuß unbedingt erwähnen. Ebenfalls auffällig: Matthias Ostrzolek. Der Linksverteidiger, der von Ronny Marcos verdrängt worden ist, spielte zunächst in der A-Elf, ehe ihn Marcos ersetzte – und ging als Punktsieger aus dem Duell. Mehr als nett zu erwähnen ist das sicher noch nicht. Klar. Aber es gefiel.

Für Abendblatt-Blogs


In München zu gefallen dürfte gegen den unfassbar starken Arjen Robben (Ostrzolek oder Marcos) indes unfassbar schwierig werden. Fast so, wie als Offensivspieler aufzutrumpfen – dachte ich zunächst. Allerdings hat Müller eine hervorragende Stärke: Tempo. Er ist prädestiniert für schnelles Umschalten, fürs Konterspiel. Und genau das will Zinnbauer ja spielen lassen. Generell – und in München ganz sicher im Speziellen. Und sollte er Müller entsprechend einsetzen und dieser seine Aufgabe endlich auch entsprechend annehmen – es könnte für Müller die Chance sein, nach langer Zeit mal wieder zu überzeugen.

So, wie es Marcelo Diaz bislang schaffte. Beim Kurzeinsatz in Paderborn wusste der Chilene ebenso zu gefallen wie gegen Hannover. Mein Kollege Kai Schiller führte heute ein (sehr gelungenes!) Interview mit dem neuen Taktgeber im HSV-Mittelfeld, das morgen im Printteil des Abendblattes erscheint. Darin kommt Diaz menschlich ebenso gut rüber, wie zuletzt sportlich. Er sagt über sich selbst, er sei Perfektionist, vom HSV überzeugt und habe noch große Ziele. Auch gegen den FC Bayern. „Wenn man mit der Einstellung ins Spiel geht, dass man nur nicht zu hoch verlieren will, dann verliert man. Ich will aber gewinnen. Punkt. Vielleicht gewinnen wir, vielleicht spielen wir Unentschieden. Aber auf jeden Fall tue ich alles dafür, dass wir nicht verlieren. Ich denke immer nur groß“, so Diaz, der hinzufügt: „HSV gegen Bayern – das ist doch genau so ein Spiel, das man als Fußballer liebt. Für so ein Spiel bin ich in die Bundesliga zum HSV gewechselt.“

Was bleibt ist die Hoffnung. Und ich lege mich fest: Dass der HSV in München am Sonnabend besser auftritt, als seine Anwälte heute im Arbeitsrechtsstreit mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Vidovic vor Gericht, ist ziemlich sicher. Denn nachdem man Vidovic zunächst 120000 Euro angeboten hatte, dachten die Anwälte, das Angebot drücken zu können, da Vidovic auf HSV-Tankkarte privat 13 Liter getankt hatte. Vidovics Anwalt hatte zuvor 200000 Euro Abfindung gefordert. Vor Gericht heute stellte der Vorsitzende Richter schnell fest, dass es keine gütliche Einigung geben würde, nachdem die HSV-Anwälte gar eine Strafanzeige gegen Vidovic in Erwägung zogen und nur noch zwei Monatsgehälter á 15000 als Abfindung boten. Der Richter riet den HSV-Anwälten, das ursprüngliche Angebot von 120000 Euro zu erneuern – Vidovics Anwalt hätte das angenommen, die HSV-Anwälte schlugen aus. Ergebnis: Der Richter riet erneut dazu, das Angebot auf die vertraglich geregelten 90000 Euro zuzüglich zwei Monatsgehälter (30000) zu erhöhen. Jetzt hat der HSV bis zum 25. Februar Zeit, sich zu entscheiden. Sollte man sich bis dahin nicht einigen können, wird die Verhandlung am 25. März fortgesetzt.

Fortschritte machen in der Zwischenzeit die Verletzten beim HSV. Dennis Diekmeier, Matti Steinmann und Valon Behrami absolvierten Lauftraining, während Pierre Michel Lasogga sogar mit dem Ball arbeiten konnte. Dass Johan Djourou heute im Training beim Abschlussspiel rausgenommen wurde, nannte Trainer Zinnbauer anschließend „abgesprochen“ und „nicht beunruhigend“. Der Schweizer soll am Sonnabend in München beginnen.

In diesem Sinne, bis morgen! da wird um 15.30 Uhr trainiert.
Scholle

***Julian Green kritisiert HSV***

Julian Green manövriert sich ins Abseits. „Mit mir hat bisher weder der Trainer noch der Sportdirektor gesprochen. Ich habe selbst aus der Presse erfahren, dass ich ab jetzt angeblich für die U23 spiele“, postete der 19-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Er wolle beim HSV Stammspieler werden. „Das war und ist mein Ziel und war der Grund für meinen Wechsel. Ich bin Lizenzspieler, habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und gebe in jedem Training alles“, schrieb Green.*

0:2 gegen ManCity – der HSV hielt nur eine Hälfte dagegen

21. Januar 2015

Im dritten und letzten Testspiel des Trainingslagers in Dubai setzte es für den HSV die erste Niederlage. Das Zinnbauer-Team verlor gegen Manchester City mit 0:2. Eine Halbzeit gar nicht schlecht gespielt vor 5.000 Fans in Al Ain, danach ging aber nicht mehr viel – das ist das Fazit. Auf Twitter machte schnell die Runde: die Gegentore waren die ersten gegen einen Champions-League-Verein in dieser Saison nach den Bundesliga-Partien gegen die Bayern (0:0), in Dortmund (1:0), gegen Leverkusen (1:0) und in Schalke (0:0). Auf jeden Fall blieb dem HSV durch diese Partie im Hazza Bin Zayed Stadium, das einjähriges Bestehen feierte, am Ende ein Sümmchen übrig, das das Trainingslager finanziert.

Die ersten Aktionen waren recht nervös vom HSV. Die junge ersatzgeschwächte Truppe hatte doch ein wenig Ehrfurcht vor dem englischen Meister. Allen voran Sven Mende, der erst kurzfristig für Petr Jiracek (Wadenprobleme) reingerutscht war. In der 5. Minute der erste gute Angriff des HSV. Nach einem öffnenenden Pass von van der Vaart flankte Marcos von links, aber Gouaidas Schuss aus 16 Metern ging über das City-Gehäuse. Das erste Mal eng auf der anderen Seite wurde es in der 12. Minute, als Götz eine Milner-Vorlage beinahe ins eigene Netz lenkte.

Auffällig in der ersten Halbzeit: Beim HSV lief alles über van der Vaart. In der 16. Minute prüfte er Caballero im Manchester-Gehäuse mit einem 25-Meter-Fernschuss. Weniger Mühe hatte der Schlussmann mit einem van-der-Vaart-Freistoß einige Augenblicke später. In der 27. Minute segelte ein Ball von Artjoms Rudnevs, halb Schuss, halb Flanke, über das englische Tor. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar: Der HSV wollte und konnte auch nach vorn spielen. Vielleicht lag es ja daran, dass Frank Lampard Mitte der ersten Hälfte das Feld verließ. Einer der britischen Fußball-Stars des vergangenen Jahrzehnts war offenbar leicht angeschlagen. Glück für die Hamburger kurz vor dem Wechsel, als kurz nacheinander Sagana und Jovetic mit ihren Schüssen das Tor von Jaroslav Drobny verfehlten.

Einmal gab es Hamburger Torjubel, aber Stiebers Treffer in der 43. Minute zählte zurecht nicht, weil der im Abseits stehende Emeghara den Ball abfälschte (43.). Beinahe machte der Leih-Stürmer diese unglückliche Aktion wett, als er eine Minute später aus 22 Meter aufs lange Eck zog. Erneut war Caballero aber zur Stelle.

Die zweite Halbzeit begann mit dem 0:1. Nach einem Milner-Steilpass nahm Jovetic den Ball mit der Brust runter und überwand Adler direkt, obwohl der Hamburger Torwart noch mit der Hand am Ball war (50.). Beim HSV wurde nun viel gewechselt, der Spielfluss schwand zusehends. Mohamed Goauida hatte noch einen sehenswerten Fernschuss übers Tor (73.). Ex-Wolfsburger Edin Dzeko erhöhte in der 74. Minute auf 2:0 für Manchester. Der Treffer hätte wegen eines vorausgegangenen Handspiels auch abgepfiffen werden können. Die jungen Hamburger brachten die englischen Stars nur noch zweimal in Verlegenheit. Nach einer flachen Vorlage von Ashton Götz traf Philipp Müller aus acht Metern die Latte (77.), und ein Kopfball von Ahmet Arslan ging knapp drüber (89.)

Bei den Engländern fehlte übrigens der etatmäßige Kapitän Vincent Kompany. Der ehemalige HSV-Verteidiger wurde geschont und absolvierte vor der Partie im Stadion sein leichtes Trainingsprogramm. Auch Nationalkeeper Joe Hart stand nicht auf dem Rasen.

So spielte der HSV: Drobny (46. Adler) – Götz, Djourou (46. Cleber), Rajkovic (67. Westermann), Marcos (46. Jansen) – Mende – Stieber (67. Kacar), Gouaida (78. A. Arslan), van der Vaart (60. P. Müller), Emeghara (60. Beister) – Rudnevs (74. Green)

Nach diesem Test plant Zinnbauer für den Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ohne zwei seiner Spieler: Valon Behrami und Lewis Holtby. Behrami ist ohnehin gesperrt wegen der fünften Gelben Karte und überdies noch am Knie verletzt. Holtbys Schlüsselbeinbruch war die schwerste Verletzung des Trainingslagers. Alle anderen sollen gegen Köln zur Verfügung stehen. Auch Pierre Michel Lasogga. „Davon gehe ich aus“, so Zinnbauer. „Auch wenn es vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen wird.“ Gleiches gilt für Nicolai Müller, der in Hamburg gleich wieder ins Training einsteigen und schon das Testspiel gegen Odense (hinter verschlossenen Türen) bestreiten soll.

Was die Verletzungen in Dubai angeht, weist Zinnbauer darauf hin, dass nur wenige muskuläre Probleme aufgrund von Überbeanspruchung dabei seien. „Holtby und Ostrzolek waren Unfälle. Lasogga und Behrami haben ihre Maleschen schon mitgebracht. Jung und Cleber haben einen Schlag bekommen, und nur Nicolai Müller hat eine Muskelverhärtung.“ Bei Dennis Diekmeier liegt eine Knochenhautreizung vor. Schmerzhafte Angelegenheit, die auch dauern kann. Zeitpunkt der Rückkehr offen.

Tolgay Arslan wird am Donnerstag – ziemlich sicher ein letztes Mal – den Flieger mit der HSV-Mannschaft besteigen. Der Verkauf zu Besiktas Istanbul ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Sein Vater und Berater hat bestätigt, dass zuvor ein Angebot von Trabzonspor abgelehnt worden war. „Wir sind in Verhandlungen und gehen davon aus, dass wir uns einigen werden“, sagte HSV-Manager Peter Knäbel in Dubai zu den Gesprächen mit Besiktas.

Noch längst nicht soweit ist Ivo Ilicevic. Der Kroate hält sich in Hamburg fit und hat keinen neuen Verein. Sein Vertrag beim HSV läuft bis Saisonende. „Ich kenne Ivo schon aus seiner Zeit in Kaiserslautern. Er ist ein guter Spieler“, sagte Joe Zinnbauer heute. „Aber wir haben die Entscheidung getroffen, ihn in Hamburg zu lassen. Die Begründung habe ich über Peter Knäbel ausrichten lassen.“ Stilistisch nicht ganz elegant, und darüber hat sich Ilicevic heute auch in der „Mopo“ beklagt. Aber guter Stil hin oder her – entscheidend im Profi-Geschäft ist die Leistung, und die hat der Kroate nach Einschätzung der Verantwortlichen in Hamburg viel zu selten abgerufen seit 2011.

In aller Stille hat der HSV mittlerweile den Vertrag mit Ashton Götz bis 2018 verlängert. Götz hat in der Hinrunde seine ersten Profi-Meriten gesammelt. Im Stadionheft des Manchester-Kicks wurde er sogar neben Rafael van der Vaart als zweiter HSV-Star mit großem Porträt vorgestellt – eine etwas voreilige Maßnahme. Joe Zinnbauer ist mit Götz‘ Entwicklung zufrieden und von seiner Perspektive überzeugt: „Ich finde ihn gut. Er kommt aus dem eigenen Stall und hat Qualität. Asthon ist schnell, gut in der Spieleröffnung und agiert sehr vorausschauend. Aber natürlich muss er auch noch besser werden.“

Auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 25. Januar stehen wohl diese vier entscheidenden Punkte. Unter Punkt sechs der Bericht des HSV-Präsidiums, unter Punkt sieben der des AG-Vorstands, dann unter Nummer zwölf die Neuwahl des Präsidiums mit den Präsidentschafts-Kandidaten Jens Meier, und unter Punkt 17 schließlich die verschiedenen Anträge.

Bei sechs und sieben geht es insbesondere um die wirtschaftliche Situation des HSV. Der e.V. hat seinen Verlust des Geschäftsjahres bereits mit knapp vier Millionen Euro beziffert. Vereinbarungsgemäß wurde dieser Verlust je zur Hälfte auf e.V. und AG verteilt, woraus sich ein Gesamtminus von etwa 7,5 Millionen Euro ergibt, den der alte Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Carl Jarchow zu beklagen und zu verantworten hat. Die konkreten AG-Zahlen fehlen allerdings noch, weswegen eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Situation noch offen bleiben muss. Wie hoch sind die Gesamt-Verbindlichkeiten? Welchen Berg schiebt der HSV vor sich her? Wieviel Geld wurde für den Campus-Bau genau verplant bzw. für andere Projekte ausgegeben? Auch interessant zu hören in diesem Zusammenhang: Wie weit ist der HSV mit Alexander Otto, der den Campus finanzieren möchte?

Je nachdem, wie die Berichte ausfallen, geht es auch um die Entlastungen für alte Vorstände und Aufsichtsräte. Ob die Neuwahl des Präsidiums eine lange Angelegenheit wird, ist heute schwer zu beurteilen. Viel eher kann ich mir denken, dass die Debatte sich um das Wahlverfahren ranken wird. Ist es richtig, dass der Beirat für jedes Amt nur einen Kandidaten benennt? Zu dieser Frage sind dann einige Anträge zu entscheiden, die eine Änderung des aktuellen Verfahrens bei künftigen Sitzungen zur Folge haben sollen. Alternativ könnte der Antrag des Seniorenrates zum Tragen kommen, genau diese Frage zu verschieben und bei einer der nächsten Versammlungen zu besprechen, denn Zeitdruck besteht in dieser Frage nicht. Die nächste Präsidiumswahl steht für 2018 an.

Es gibt unsinnige Anträge (wie den nach der Entlassung von Karl Gernandt als Aufsichtsrats-Vorsitzendem, was die Mitgliederversammlung des e.V. gar nicht zu entscheiden hat) und es gibt natürlich noch den Antrag von Manfred Ertel. Der Ex-Aufsichtsrats-Boss hat im Wortlaut beantragt:

Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert alle erdenklichen Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.

In der Praxis würde das bedeuten, dass Jens Meier Karl Gernandt ablösen könnte. Aber: Gernandt selbst hat ja bereits erklärt, dass es eine derartige Klausel nach AG-Recht gar nicht greifen würde. Letzten Endes müsste sich mit der Thematik aber die Hauptversammlung beschäftigen – kurioserweise wäre das dann das e.V-Präsidium selbst als aktuell alleiniger Anteilseigner der AG. Überspitzt formuliert: Meier selbst und seine Mitstreiter könnten darauf drängen, dass Meier den AG-Vorsitz übernimmt. In diesem Szenario sind eine Menge Konjunktive, zumal Hafen-Chef Meier ja bereits angedeutet hat, dass er nicht mit dem Ziel antritt, den Job von Karl Gernandt zu übernehmen. Meier tritt an, um HSV-Präsident zu werden. Was aus der anderen Regelung wird, sollte sie denn durch entsprechende Zustimmung zum Ertel-Antrag angeschoben werden, bleibt abzuwarten. Wie vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, taugt Bayern München hier vielleicht als Beispiel. Die Anteilseigner an der Bayern-AG sitzen im Aufsichtsrat und haben an ihre Spitze Karl Hopfner gewählt, ein FC Bayern-Urgestein. Und zwar ohne entsprechende Aufforderung durch die Bayern-Mitglieder, sondern aus eigener Entscheidung.

Der Antrag von Manfred Ertel spiegelt auch Unzufriedenheit mit dem aktuellen Amtsinhaber wieder. Karl Gernandt selbst hat zwar vor zwei Wochen einen Interessenkonflikt zwischen seiner HSV- und seiner Kühne-Tätigkeit zurückgewiesen. Doch fast im selben Atemzug hat er in die Mikrofone von TV und Radio auch gesagt, dass er sich aus allen Entscheidungen, die Klaus-Michael Kühne beim HSV betreffen, heraushalten würde. Das würde seine Unabhängigkeit beweisen.

Für mich ist das gerade ein Beleg des Gegenteils. Denn als HSV-Aufsichtsrat müsste er auch in Kühne-Fragen allein die Interessen des HSV vertreten können. Eine öffentliche Erklärung zu dieser Frage, noch ehe auf der Versammlung darüber die große Diskussion ausbricht, könnte Gernandt und seiner Glaubwürdigkeit im HSV sicher nicht schaden.

Und dann ist da angesprochene Antrag auf Einzelentlastung, der sich insbesondere gegen das „alte“ e.V.-Präsidium Jarchow/Hilke/Kreuzer/Scheel richtet. Ihnen soll die Entlastung verweigert werden wegen verschiedener schlechter wirtschaftlicher Prozesse und Entscheidungen des betreffenden Geschäftsjahres.

Morgen fliegt der HSV zurück nach Hamburg. Gegen 19 Uhr ist die Landung in Fuhlsbüttel, und mit im Gepäck hat die Mannschaft auf ihr selbstgestecktes Saisonziel. Auf einem Mannschaftsabend am Dienstag hat sich das Team (ohne Trainer) intern auf eine Marschroute für die folgenden 17 Spiele dieser Saison geeinigt. In der Vorrunde blieb sie mit 17 statt angestrebten 19 Zählern knapp hinter der selbstgesteckten Vorgabe zurück. In zehn Tagen startet der zweite Versuch – und er wird anders angegangen. Kein Punkteziel, sondern einzelne, individuelle Zielvorstellungen für die einzelnen Bundesliga-Spiele, die formuliert wurden und werden. Von Spiel zu Spiel. Na dann.

Bis morgen
Lars

18.25 Uhr

PS: Im Vorlauf zu diesem Beitrag hat es ein „Erinnerungsstück“ zum Fall Hoyzer gegeben.

Neujahr 2015 – der HSV steckt noch immer im Wendemanöver

1. Januar 2015

Ich wünsche Euch allen zunächst ein frohes neues Jahr 2015! Viel Gesundheit und Glück – und dass wir alle mal ganz zufrieden sein können mit unserem HSV.

Aber die Sache mit der Zufriedenheit ist nicht so ganz leicht herzustellen. Der HSV beginnt das Jahr 2015 im Vergleich zum Jahresbeginn 2014 mit einem komplett anderen Gesicht. Statt e.V. ist der Profi-Fußball-Bereich eine AG geworden. Statt Carl Jarchow sitzt nun Dietmar Beiersdorfer dem HSV als Vorstands-Chef vor. Es gibt den alten Aufsichtsrat nicht mehr, um den herum sich so viel Unruhe entwickelt hatte. Manfred Ertel war vor zwölf Monaten dessen Vorsitzender. Nun ist es Karl Gernandt im AG-Aufsichtsrat. Im sportlichen Bereich sind komplett neue Leute an der Führung. Statt Kreuzer/van Marwijk haben wir dort nun Peters/Knäbel/Zinnbauer.

Vom Campus liegt immer noch kein einziges Steinchen, der HSV ist finanziell nackt bis auf die Knochen. Klaus-Michael Kühne fungiert nach wie vor als Kreditgeber – er hat im Laufe des Jahres sein Darlehen von 8 auf 25 Millionen Euro erhöht. Im Sommer ist der HSV recht knapp am Lizenz-Entzug vorbeigeschrammt, und schon jetzt gelten alle wirtschaftlichen Planungen dem Ziel, ein enges Rennen wie zuletzt zu vermeiden. Mit dem Bitburger-Bier-Deal wurde vorab geleistet, was im Vorjahr mit adidas der Rettungsanker war.

Gaaanz langsam angekommen ist der Prozess beim HSV in der Bundesliga-Mannschaft. Das Fußballjahr 2013 beendete der HSV mit einer 2:3-Heimniederlage gegen Mainz (Tore: Calhanoglu, van der Vaart) mit 16 Punkten auf Rang 14. Nun gab es ein 0:0 auf Schalke, was bedeutet: Ebenfalls Platz 14, diesmal mit 17 Punkten. Von den elf Spielern in der Startaufstellung Ende 2013 sind Ende 2014 nur zwei übrig geblieben – Torwart Jaroslav Drobny und Innenverteidiger Johan Djourou.

Viele, viele Veränderungen also – aber der Tanker HSV steckt noch mitten im Wendemanöver und hat noch längst nicht Tempo aufgenommen für eine zügige Weiterfahrt in die richtige Richtung.

Noch immer sind die Verantwortlichen dabei, auf allen möglichen Ebenen Fehler der Vergangenheit zu begradigen, um nicht unnötigen Ballast mitzuschleppen. Dazu gehört der offene Arbeitsgerichts-Prozess mit Ex-Sportchef Oliver Kreuzer, aber dazu gehört in erster Linie die Anpassung des Profi-Kaders an die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dies hinzubekommen ist die Kernaufgabe des Jahres 2015. Kühne-Kredit, Bier-Vertrag – all das ist für die Katz, wenn der HSV Jahr um Jahr Gehälter bezahlt in der Größenordnung von Champions-League-Vereinen. Schon das Winter-Transferfenster, das sich diesmal bis zum 2. Februar erstreckt, soll hier Erfolge bringen. Dummerweise weiß ganz Fußball-Europa um die wirtschaftlichen Zwänge des HSV, was die Preise nachhaltig beeinflusst. Jüngstes Gerücht: Tolgay Arslan soll bei Inter Mailand auf der Beobachtungsliste stehen. Das berichtet der Internet-Dienst calciomercato in einer Silvester-Meldung. Arslan ist demnach eine Option für Trainer Roberto Mancini, wenn die Italiener den gewünschten Transfer von Lassana Diarra (zuletzt Lokomotive Moskau) nicht unter Dach und Fach bekommen.

Ebenfalls aus Italien kam in diesen Tagen die Meldung, der HSV sei am Schweizer Innenverteidiger Timm Klose vom VfL Wolfsburg dran. Wie ich gehört habe, kann diese Meldung allerdings vernachlässigt werden.

Wie auch immer: Arslan, Jansen, Adler, Ilicevic, Rajkovic und ein paar andere – die Liste der HSV-Profis, auf die der Verein bei entsprechendem Angebot reagieren würde, ist nicht ganz kurz. Ähnlich sieht es übrigens beim VfB Stuttgart aus. Auch die Schwaben haben ein halbes Dutzend Profis auf ihrer Liste, die sie gern veräußern würden.

Dass sich die Lage zu Jahresbeginn 2015 noch immer so kritisch darstellen würde, hätten viele HSV-Freunde am 25. Mai, dem Tag der beschlossenen Ausgliederung, nicht für möglich gehalten. Die Gleichung, die aufgemacht wurde, lautete damals: HSVPlus + Kühne + Beiersdorfer = Entschuldung + weitere Investoren.

So ist es nicht gekommen, und bis auf einen Punkt ist das wohl auch nicht überraschend. Die Überraschung im negativen Sinne ist, dass Klaus-Michael Kühne beim HSV nicht als Anteilseigner eingestiegen ist. Hieran bestand eigentlich kein Zweifel, bzw. es wurde insbesondere von Karl Gernandt der Eindruck erweckt, dass kein Zweifel an einem entsprechenden Engagement seines Geldgebers Kühne berechtigt sei. Gernandt hat sich jedoch vertan, und diese Fehleinschätzung schmerzt den HSV. Einerseits.

Andererseits beweist Klaus-Michael Kühne mit seinen Interviews, in diesem Halbjahr erschienen in Abendblatt, Stern und Zeit, dass der HSV froh sein muss, ihn nicht als Anteilseigner zu haben. Was Dietmar Beiersdorfer versucht auszustrahlen – Verlässlichkeit, Geradlinigkeit, Konzepttreue, ruhige Hand, Vertrauen – das konterkariert Kühne immer wieder, auch wenn – und das habe ich hier in verschiedenen Blogs immer wieder betont – Kühne sich als Helfer in der Not (angebotene Bürgschaft in der Lizenzfrage im Mai) auch um den HSV verdient gemacht hat. Umso unverständlicher erscheint immer wieder sein Wankelmut, der offenbar keiner geraden Linie folgen mag. Und darunter leidet natürlich auch die Position von Karl Gernandt, der es „nicht mal“ fertig gebracht hat, „seinen“ Kühne an den HSV zu binden.

Weniger überraschend ist dagegen, dass bislang kein anderer HSV-Anteilseigner gefunden wurde. Die Unternehmensbewertung in Höhe von 330 Millionen Euro wird in der Wirtschaft mit Zweifeln betrachtet – nicht nur bei Klaus-Michael Kühne. Und vor allem: die Unsicherheit in der sportlichen Entwicklung, vielleicht sogar in der Liga-Zugehörigkeit, hält Firmen im Moment von zahlungskräftigem Investment ab. Es bleibt dabei: sportliche Entwicklung ist der Motor für den HSV. Stabilisiert sich die Mannschaft, wird der Club auch wieder attraktiver und der Markenwert wird sichtbar. Die Metropole Hamburg, der Status als letzter Dino, die Größe des Vereins – all das ist eine schlummernde Kraft des HSV, die geweckt werden will.

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang gar nicht schlecht, wenn die stets aus der Not geborene Zusammenarbeit zwischen dem HSV auf der einen und Kühne auf der anderen Seite nun eine klarere Basis hat. Kein „vielleicht Investor“ mehr. Kein „will einsteigen“ mehr. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Am 25. Januar wird Jens Meier mutmaßlich neuer Präsident des HSV e.V. Sollte zugleich der Antrag von Manfred Ertel angenommen werden, wonach der e.V.-Präsident automatisch Aufsichtsrats-Vorsitzender der HSV-AG werden soll (ein verständliches Bestreben, schließlich ist und bleibt der e.V. Mehrheitseigner der AG), dann steht – wie ich finde – auch die Position von Karl Gernandt auf gesünderen Füßen. Allein schon die theoretische Möglichkeit eines Interessenkonflikts birgt Unruhe-Potenzial. Beim FC Bayern beispielsweise, die einige Verwaltungsrats-Posten mit Vertretern ihrer Investoren besetzt haben, ist der Vorstands-Posten „in den Händen“ des FC Bayern geblieben – durch Karl Hopfner.

Besteht nun beim HSV weitgehende Einigkeit in allen HSV-Gremien, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, dann muss damit auch kein Gesichtsverlust einher gehen für Karl Gernandt. Selbst wenn Gernandt, der rhetorisch stark und mit einer breiten Mehrheit ausgestattet starten konnte, an Strahlkraft verloren zu haben scheint. Man könnte eine veränderte Konstruktion jedenfalls als die Linderung einer Kinderkrankheit betrachten.

Ob damit dann am 31. Januar mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln eine erfolgreiche Rückrunde eingeläutet werden kann, ist offen. Trainer Joe Zinnbauer muss in den vier Trainingswochen bis dahin insbesondere an den Offensiv-Problemen des HSV arbeiten. Er wird dies bis zum Erbrechen tun, ganz sicher. Ein neuer Stürmer könnte dabei helfen, ganz klar, aber ein Allheilmittel ist auf dem Transfermarkt ganz sicher nicht zu bekommen. Ganz sicher nicht! Immerhin: aus den eigenen Reihen drängt der lange verletzte Maximilian Biester nach. Doch bei ihm sind nach dem Kreuzbandriss und den darauf folgenden Problemen in der Reha sowie insgesamt einem Jahr Fußball-Pause keine Wunder erwartet werden.

Wichtig wäre, wenn die Vorbereitungsarbeit schnell von Erfolgserlebnissen untermauert wird. Wird die Bundesliga-Rückrunde angepfiffen, und die Mannschaft fällt automatisch wieder in alte Verhaltensmuster und alte Ängste zurück, dann wird auch diese Rückrunde eine zähe Angelegenheit. 27, 31, 31, 36, 31, 30, 31, 34, 33, 35 – das sind die Punktezahlen des jeweiligen Tabellen-Sechzehnten der vergangenen Dekade. Das muss der HSV übertreffen, damit es nicht erneut zum Herzkasper-Showdown kommt. Ich traue Joe Zinnbauer und dem HSV zu, sich Abstand von den Abstiegsrängen zu erkämpfen, um in diesem Jahr im sicheren hinteren Mittelfeld einzulaufen.

Zinnbauer wird verstärkt darauf achten, welche Spieler er auf seinem Weg mitnehmen kann. Dass nun schon ein Sextett von U-23-Spielern mit ins Trainingslager fährt (Götz, Gouaida, Marcos, Brunst, Mende, A. Arslan), ist auch ein Beleg für seine Unzufriedenheit mit einigen Etablierten. Die Hierarchie wird umgebaut – mannschaftsintern ein komplizierter Prozess. Wie präsentiert sich Königstransfer Lasogga, eine der größten Enttäuschungen der Hinrunde? Gibt es ein Überraschungs-Comeback eines möglicherweise „Aussortierten“? Und dann auch hier: wird Zinnbauers Linie von einem Erfolgserlebnis, etwa schon gegen Köln, getragen?

Der HSV steht vor einem Jahr voller Fragezeichen. Aber er genießt auch Kredit. Nach wie vor schöpft der HSV Kraft aus der Führungsperson Dietmar Beiersdorfer, dessen Maßnahmen überwiegend auf große Akzeptanz stoßen. Dass nichts alle Transfers sitzen konnten, war doch klar. Dass nicht alle HSV-Plus-Hoffnungen sofort wahr werden würden, ist logisch gewesen. Nach einem halben Jahr HSV-AG ist der Verein weiter gekommen. Viel mehr, denke ich, war im Gesamtpaket kaum drin. Und auch heute in einem Jahr kann es sein, dass der HSV noch nicht dort angekommen ist, wo er gerne hin möchte.

Mir haben viele Heimspiele des HSV in der Hinrunde sogar ansatzweise Spaß gemacht. Da war Leben in der Bude. Mal abgesehen vom Stuttgart-Spiel kann ich mich auch an keinen Auftritt unter Joe Zinnbauer erinnern, an dessen Ende die Mannschaft mit Pfiffen verabschiedet wurde. Es werden junge Spieler eingebaut. Der gesamte Trainerstab, auch inklusive Zinnbauer-Vorgänger Mirko Slomka, hat an der katastrophalen Defensiv-Darbietung der Vorsaison gearbeitet. Auch am desolaten körperlichen Zustand vieler Profis. Es sind Veränderungen sichtbar, wenn auch noch längst nicht genügend.

Vielleicht müssen alle HSVer zu Beginn des neuen Jahres auch ein wenig froh sein, dass ihr Verein nicht mehr hinten dran hängt. Er hat den Anschluss an die hinteren Mannschaften hergestellt. Das war im Frühjahr 2014 wahrlich nicht selbstverständlich, als der HSV in allen Bereichen komplett am Boden lag und den unverdientesten Nichtabstieg der Bundesliga-Geschichte perfekt gemacht hat.

Dietmar Beiersdorfer hat vor zwei Wochen von einem „Pioniergeist“ gesprochen, den er im Verein spüre. Diesen Geist gilt es zu bewahren und auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen. Es bleibt dabei: einen anderen Weg gibt es nicht, ist er auch noch so steinig und langsam. Es bleibt aber auch dabei: keinesfalls ist es ein Automatismus, dass der Weg am Ende ins Licht führt. Die handelnden Personen dürfen nicht erlahmen, müssen weiter durchgreifen und das Sanieren nicht vernachlässigen.

Lars
18.05 Uhr

Beister kämpft für sein Comeback: „Ich bin voll im Plan!“

28. Dezember 2014

Nun ja, jeden Tag neue Namen. So hatten wir es erwartet, so ist es in fast jeder Transferphase. Ich weiß nicht, wie es Euch dieses Jahr geht, aber gibt es in dieser Winterwechselperiode nicht tatsächlich mehr heiße Gerüchte als normalerweise? Xherdan Shaqiri zu Juventus Turin? Poldi zu Inter? Paulinho zur Hertha? Und zuletzt Hatem Ben Arfa zum HSV – obwohl, Pustekuchen. Da war der Spielerberater schneller als die Vereine. Zumindest hat der HSV den Transfer abgelehnt, noch bevor es zum ersten Treffen kam. Angeblich, weil der exzentrische, eigenwillige französische Nationalspieler schon charakterlich nicht ins HSV-Konstrukt passe. Stattdessen taucht heute der Name Paul-José M’Poku Ebunge auf. Der in Kinshasa geborene Linksaußen steht bei Standard Lüttich noch bis Saisonende unter Vertrag. Allein, dass der HSV tatsächlich – wie in Belgien berichtet – Interesse hat, ist bislang nicht bestätigt.

Zudem ist Marcell Jansen (noch) nicht einmal weg. Der Linksfuß will sich erst kurz nach Jahreswechsel mit seinem Berater Gerd vom Bruch beraten und dabei über das Interesse aus Portugal sprechen. Klar scheint, dass Benfica Lissabon den deutschen Nationalspieler per sofort verpflichten will und der HSV bereits wäre, Jansen für eine geringe Ablösesumme ziehen zu lassen. Auch, um Platz im Kader zu schaffen – quantitativ, aber vor allem etattechnisch. Einzig Jansen selbst scheint noch nicht hundertprozentig überzeigt von seinem Wechsel zum Champions-League-Teilnehmer.

Als Einsparung herhalten könnte auch Slobodan Rajkovic, sagt man. Ebenso wie Ivo Ilicevic, an dem sein Exklub Kaiserslautern Interesse signalisiert haben soll. Beim HSV besteht weiterhin der Wunsch, den im Gehalt mit knapp zwei Millionen Euro per annum teuren und dagegen selten auf dem Platz zu findenden Kroaten abzugeben. Zumindest hat Zinnbauer intern klargemacht, den verletzungsanfälligen Rechtsfuß nicht weiter einzuplanen, weil ihm bei dem 28-Jährigen die Zuverlässigkeit fehlen würde. „Wenn es immer wieder mal beim Spieler zwickt, dann überlegt man natürlich als Trainer“, hatte Zinnbauer unlängst gesagt. Dennoch, Ilicevic selbst scheint nicht wechseln zu wollen. Es sei denn, der HSV gleicht das Minus an Gehaltszahlung beim FCK aus…

M’Poku wäre vielleicht diesbezüglich vielleicht ein guter und gehaltstechnisch günstigerer Ersatz. Allerdings sehe ich den Ersatz eher in den eigenen Reihen: Maximilian Beister. Der Offensivmann ist nach seinem Kreuzbandriss vor einem Jahr und der Meniskus-Operation im September auf bestem Wege zurück in den Kader. Vor der Winterpause konnte er bereits voll mittrainieren. „Da waren auch ordentliche Zweikämpfe dabei“, freut sich der Jung-Unternehmer („Snax-Cup“) über die voranschreitende Genesung.

Nutzt die Winterpause, um nach knapp einem Jahr Pause in der Vorbereitung   wieder voll durchzustarten: Maximilian Beister

Nutzt die Winterpause, um nach knapp einem Jahr Pause in der Vorbereitung wieder voll durchzustarten: Maximilian Beister

Allein sein Kopf macht noch nicht so mit, wie er sollte. „Der Respekt vor einer erneuten Verletzung ist noch nicht ganz gewichen, was die Sache am schwierigsten macht, ehrlich gesagt. Denn es gibt tatsächlich nichts schwierigeres, als den eigenen Instinkt zu überlisten.“ Umso trauriger ist Beister über die Winterpause. Er hätte gern mit der Mannschaft durchtrainiert, um seinem Comeback auf dem Spielfeld näherzukommen.

Bis zum 5. Januar, zum offiziellen Trainingsauftakt an der Imtech-Arena, muss sich Beister nun noch gedulden, was ihm hör- und sichtbar schwerfällt. „Für mich kam die Pause denkbar ungelegen“, so Beister, der seine Ungeduld mit täglichem Aufbautraining im Athleticum des UKE zu, wo er Tag für Tag hart mit den HSV-Physios für seine Rückkehr schuftet, zu kompensieren versucht. „Ich bin laut medizinischer Abteilung voll im Plan und muss irgendwie versuchen, die Pause gut rumzukriegen, um am 5. Januar voll fit einzusteigen.“ Was er für den Kopf macht? „Nichts. Ich glaube, da gibt es auch nichts, was man sich antrainieren kann. Ich muss einfach wieder auf den Platz in die Zweikämpfe kommen und dabei spüren, dass alles hält. Ich muss meinem Körper wieder vertrauen können, dann kommt der Rest von allein.“ Klingt logisch.

Bis dahin wird es beim HSV, davon bin ich fest überzeugt, noch etliche potenzielle Zu- und Abgänge geben, die diskutiert werden. Grundsätzlich könnte man wahrscheinlich fast alle Spieler des HSV nennen. Denn der neue Direktor Sport, Peter Knäbel, steht vor der gleichen schwierigen Aufgabe wie seine Vorgänger im vergangenen Winter und den Wintern davor: Der HSV MUSS verkaufen, um an anderer Stelle nachbessern zu können. „Wir wären auch ohne Verkäufe in der Lage, uns zu verstärken“, sagte Knäbel unmittelbar vor der Winterpause, ergänzte aber sofort: „Allerdings ist das nicht unser Ziel. Wir wollen unseren Kader sukzessive optimieren. Auch dann, wenn wir dafür kleine Schritte nach und nach gehen müssen.“

Und das müssen sie. Sie machen es dem Vernehmen nach auch. Zunächst werden die Verträge der Youngster (A. Arslan und Marcos sind bereits verlängert, Götz und Gouaida sollen in Kürze folgen) über das Saisonende hinaus verlängert werden. Zudem werden talentierte Profis beobachtet und angesprochen. Ganz sicher noch deutlich mehr als bisher genannt wurden. Aber der HSV muss seine Netze auch sehr weit auswerfen, um am Ende mit seinen bescheidenen finanziellen Möglichkeiten überhaupt Ertrag zu haben. Womit auch schnell erklärt ist, weshalb der HSV trotz seines aktuellen Überangebotes in der Verteidigung sowie der bevorstehenden Rückkehr von Jonathan Tah Innenverteidiger Kevin Akpoguma auf dem Zettel haben soll. Der 19-Jährige steht noch bis 2017 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, woher ihn Bernhard Peters kennt – und offenbar empfehlen kann.

Ok, normalerweise sollte die Verpflichtung eines Innenverteidigers in meinen Augen auch keine Priorität haben, wenn man sich die Liste der Baustellen im HSV-Kader von oben nach unten durchsieht. Aber durch das Interesse des HSV ist zumindest deutlich, dass die Verantwortlichen auch die Defensive für die neue Saison umplanen wollen. Obwohl momentan einzig die Abwehr zufriedenstellend agiert. Bedenkt man aber, dass alle Beteiligten die Rückkehr von Tah als festen Bestandteil der Kaderplanung für die kommende Saison sehen, Johan Djourou gerade erst fest verpflichtet wurde, zudem Cléber Reis frisch eingekauft wurde und der Vertrag mit Heiko Westermann in den nächsten Wochen verlängert werden soll, scheint die Zeit von Gojko Kacar als auch Slobodan Rajkovic im HSV-Dress über den Sommer hinaus immer unwahrscheinlicher – wenn nicht gar ausgeschlossen. Und das ist einerseits logisch, andererseits auch sehr schade, da beide als Prototypen in Sachen gute Einstellung gelten.

In diesem Sinne, heute gab und gibt es definitiv keine Transfers mehr zu vermelden. Ich werde demnach heute auch nicht noch mal den Blog „updaten“ müssen. Hoffe ich…

Bis morgen!

Scholle

Was hat Joe Zinnbauer vor?

21. November 2014

Das war mal eine Nebeleinheit heute Nachmittag. „Verschleierungstaktik“, twitterte der HSV schon am Morgen beim Blick über den diesigen Trainingsrasen heraus. Von „Fog – Nebel des Grauens“ war die Rede – und nicht wenige Zuschauer fragten sich besorgt, wie der Brasilianer Cleber wohl seine mutmaßlich erste Trainingsschicht bei derartigen Bedingungen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überstehen würde.

Zumindest die Sorge bezüglich des Südamerikaners war unbegründet. Cleber mischte munter mit, natürlich mithilfe dicker Handschuhe, einer Mütze und der langen Trainingshose. Ihm war sogar großer Einsatz anzusehen und auch anzuhören. Es ist schon jetzt unverkennbar, wenn seine dunkle Stimme über den Trainingsplatz dröhnt. Und die von Cleber war heute bei weitem nicht die einzige. 24 Feldspieler hat Trainer Joe Zinnbauer dabei gehabt, es wurde in verschiedenen Formen auf kleinem Feld geübt. Es war sehr laut und augenscheinlich, dass Zinnbauer zwei Absichten verfolgte.

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Zum einen deuteten die Übungen auf kleinem Feld immer wieder darauf hin, dass auch übermorgen im Nordderby gegen Werder Bremen ein harter Kampf um jeden Zentimeter im Mittelfeld erwartet wird. Das Spiel eng machen, sich dort zweikampfstark und mit schnellen Zuspielen behaupten. Das erwartet uns alle also am Sonntag ab 15.30 Uhr im ausverkauften Volkspark. Zum zweiten möchte Zinnbauer durch den bewusst großen 24er-Kader den Konkurrenzkampf am Leben halten. Zum vermeintlichen Stamm zählten heute beispielsweise Mohamed Gouaida, Ronny Marcos, Ashton Götz, Julian Green – dafür mussten sich Matthias Ostrzolek oder auch Tolgay Arslan mit einer möglichen Reservisten-Rolle vertraut machen. Rafael van der Vaart könnte sich gegen Bremen im defensiven Mittelfeld wiederfinden.

Es ist kaum zu erwarten, dass Zinnbauer gleich ein ganzes Quartett unerfahrener U-23-Spieler ins Nordderby schicken wird. Aber warum sollte eigentlich nicht Mohamed Gouaida sein Debüt in der Bundesliga geben? Links im Mittelfeld fällt Marcell Jansen aus. Die Variante mit Lewis Holtby hat bei Hertha BSC nicht geklappt. Zoltan Stieber konnte dort ebenfalls noch nicht begeistern und Ivo Ilicevic bleibt fürs erste wegen seiner ständigen Verletzungen und Trainingspausen ein unsicherer Kandidat. Warum also nicht Gouaida, der vergangenen Sonnabend beim 2:2 der U 23 durch ein wundervolles Tor (übrigens nach Doppelpass mit Philipp Müller und nicht Ahmet Arslan, wie ich vergangene Woche irrtümlich geschrieben hatte) den Endstand erzielte? Der Bursche hat schon was, ist schnell und selbstbewusst. 21 Jahre alt ist der Franzose mit tunesischen Wurzeln, der in Straßburg geboren wurde, und den der HSV im Sommer vom SC Freiburg geholt hat.

Abwarten, was Joe Zinnbauer wirklich plant. Wie Ihr auch im Video von der heutigen Pressekonferenz hören könnt, möchte sich der Trainer alle Optionen offen halten. Wobei er auch klar sagt, dass vor den jungen Nachrückern immer noch eine Reihe Älterer steht, die „einen Schritt“ voraus seien. Aber punktuell kann man sicher mit einem jungen die alte Garde aufmischen. Nach den Länderspielen der vergangenen Woche sind vor allem die beiden Schweizer mit leichten Beschwerden zurückgekehrt. Allerdings gab es heute auch gleich Entwarnung. Sowohl Valon Behrami als auch Johan Djourou konnten im Training wieder dabei sein. Ihr Einsatz am Sonntag ist nicht gefährdet.

Auffällig ist ja vor diesem Nordderby, dem 101. Der Bundesliga-Geschichte, dass sich die Protagonisten mit allzu viel Gedröhne zurückhalten. Das mag auch wiederum zwei Gründe haben. Auf der einen Seite polarisiert die Werder-Truppe in Hamburg sicher nicht mehr so wie mit Tim Wiese oder Torsten Frings. Auf der anderen Seite ist die sportliche Lage sowohl an Weser wie an Elbe alles andere als dafür geschaffen, große Töne zu spucken. Wie würde sich das anhören, wenn die HSVer posaunen würden, Werder aus dem Stadion zu pusten? Da muss man nur mal die Heimstatistik rausholen. Und Werder, mit der zweitschwächsten Deckung der Liga, steckt in etwa so tief im Schlamassel wie der HSV.

Der Weg der beiden Vereine in den vergangenen Jahren lief ja parallel nach unten. Werder Bremen stand zwischenzeitlich fünf Mal in Folge in der Champions League. Geblieben ist von entsprechenden Einnahmen und vom hohen Marktwert der Spieler – nichts. Der HSV war internationaler Dauergast in den 2000er Jahren. Davon geblieben ist – noch weniger als nichts. Beide Nordvereine können ruhig als Prototypen herhalten für diejenigen Bundesliga-Vereine, die mit allergrößtem Aufwand und größtmöglichem Transferrisiko ihre Mannschaft aufgepumpt haben. Der sportliche Erfolg gab ihnen kurzfristig recht, doch sportliche Schwächephasen brachten das ganze Konstrukt zum Einsturz. Der HSV überhob sich (und überhebt sich noch) an seinen viel zu hohen Personalkosten. Werder wurde Opfer einiger teurer Transferflops. Als die Zeiten der genialen Spielmacher Micoud, Diego und Özil vorbei war, wurde teuer investiert in Nachfolger (Arnautovic, Carlos Alberto), die die Erwartungen nicht erfüllten. Was in Hamburg aufgefressen wurde durch zahllose Abfindungen, das ging auch an Werder nicht vorüber. Dort hat man darüber hinaus in Steine statt weitere Beine investiert. Das Stadion wurde umgebaut. Nachhaltig und sinnvoll, aber für den Moment ist Werder Bremen sportlich in einer tiefen Delle. Die Truppe ist eindeutig nicht gut, und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Franco di Santo im Sturm besitzt der HSV ja berechtigte Hoffnungen, diesmal als Sieger vom Platz gehen zu können.

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Apropos Abfindungen. Vier Stunden tagten die DFB-Schlichter gestern mit den Anwälten des HSV und von Mirko Slomka und Nestor el Maestro. Dann war der Gütetermin friedlich beendet. Mehr als 1,4 Millionen Euro Abfindung wollte allein Slomka haben. Am Ende soll eine Summe von 1,8 Millionen herausgesprungen sein. Damit können wir zusammenfassen, dass der Ex-Trainer von Hannover 96 für seine sieben Monate in Hamburg knapp 2,5 Millionen Euro eingestrichen hat. Das ist etwas weniger als Bert van Marwijk für die knapp sechs Monate seiner Amtszeit erhalten hat. Es ist doch schön zu sehen, wie gnädig der HSV mit seinen leitenden Angestellten umgeht. Nicht, dass daraus nachher noch ein Sozialfall wird.

Aber im Ernst: Was ist da eigentlich los in den verantwortlichen Gremien des HSV? Was haben Anwälte, Vorstände und Aufsichtsräte für löchrige Verträge ausgehandelt? Wieso wird da ständig die Abfindung eingeklagt und nach oben verhandelt? Gibt’s das bei anderen Bundesligisten? Cardoso, Addo, Kreuzer, Slomka, el Maestro, van Marwijk – allein in den vergangenen Monaten? Die Verträge liegen dem HSV natürlich nur intern vor. Aber das hier ganz offensichtlich fehlerhaft gearbeitet wurde, liegt zunächst auf der Hand. Bei Kreuzer, so viel ist klar, hat der neue Aufsichtsrat bei der Vertragsumstellung Kreuzers von e.V. auf AG ein Versäumnis begangen und eine ursprünglich gültige Abfindungsregelung nicht übernommen. Glückwunsch dazu! Alle anderen Dinge, wie auch gestern von Scholle zum Fall Otto Addo beschrieben, sind im einzelnen sicher unterschiedlich. Zwei Prozesse stehen übrigens noch an. Am 1. Dezember geht es vor dem Arbeitsgericht um die fristlose Kündigung von Oliver Kreuzer. Und der Gütetermin mit dem ehemaligen Fitness-Trainer Nikola Vidovic, der heute vor dem Arbeitsgericht sein sollte, wurde kurzfristig verlegt. Dazu diese Mitteilung des Arbeitsgerichts:

Herr Vidovic wurde beim HSV e.V. mit Arbeitsvertrag vom 19. Oktober 2011 befristet bis zum 30. Juni 2014 eingestellt. Dieser Arbeitsvertrag wurde nachfolgend bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Herr Vidovic war direkt dem Cheftrainer unterstellt. Das Arbeitsverhältnis ging später auf die HSV Fußball AG über. Mit Schreiben vom 16. September 2014 wurde Herr Vidovic durch die HSV Fußball AG freigestellt und am 22. September zum 31. Oktober 2014 gekündigt. Gegen diese Kündigung wendet sich Herr Vidovic vor dem Arbeitsgericht Hamburg. Weil beide Seiten eine einvernehmliche Regelung derzeit für nicht möglich halten, haben Sie beantragt, den Gütetermin vom 21.11.2014 zu verlegen, und den Kammertermin unmittelbar anzuschließen. Daher hat der Vorsitzende den Termin vom 21.11.2014 aufgehoben und zur mündlichen Verhandlung Termin anberaumt auf den 11. Februar 2015.

Verrückt, diese Prozessflut. Eigentlich kann es nicht im Sinn des Vereins sein, dass die anberaumten Verhandlungen tatsächlich öffentlich stattfinden. Im Zweifel würde wohl nur offenbar, welche Versäumnisse der HSV sich vorzuwerfen hat.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine neue Sonderausstellung im HSV-Museum. Mit 40 geladenen Gästen wurde vorhin der neue Bereich eingeweiht, der noch bis Ende des Jahres zu sehen sein wird und „Charly“ Dörfel gewidmet ist. „Charly“ selbst war anwesend, und das ist umso erfreulicher, weil der geniale Linksaußen von einst ja gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat. Aber, wie er selbst jetzt wohl sagen würde: „Unkraut vergeht nicht!“ Also: Ein Blick ins Museum lohnt sich mal wieder.

Morgen wird noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Für die Matz-ab-live-Sendung am Sonntag nach dem Nordderby haben Dieter und Scholle den ehemaligen Torwart Sven Neuhaus zu Gast. Ein zweiter Gast folgt wie immer.

Lars
18.52 Uhr

Gedanken am trainingsfreien Sonntag

12. Oktober 2014

Was für eine Woche! Und dann steht am Ende fest, dass die Polen erstmalig gegen Deutschland gewinnen! Das passte irgendwie zum Gesamtbild der letzten sieben Tage. Beim HSV herrscht, wie soll es auch anders sein, wieder einmal Aufregung. Nein, diesmal hat das nichts mit dem aktuellen Fußball zu tun, der 1:0-Sieg in Dortmund tut immer noch gut – es geht aufwärts. Oder es wird aufwärts gehen. Nein, ich meine die Dinge, mit denen sich demnächst die deutschen Gerichte herumschlagen müssen. HSV, HSV, HSV. Ich möchte mal so beginnen:

 

Hereinspaziert, hereinspaziert – wer will noch mal, wer hat noch nicht? Noch irgendjemand ohne gültigen Fahrschein? Ich meine, wer will, wer möchte, wer kann den HSV in diesen Tagen und Wochen noch verklagen? Immer raus damit. Es gibt wohl noch Bedarf, den unbedarften Rothosen noch die letzten Cents abzuluchsen. Nach Mirko Slomka, Nestor El Maestro und Oliver Kreuzer werden sich doch noch ein paar weitere Herren einfinden, um den HSV vor den Kadi zu zerren. Da wäre doch gelacht. Irgendwo hat doch bestimmt noch einer einen langfrostig Vertrag, der nicht eingehakten wurde, oder es liegen noch gewisse Kontrakte in den Schubladen, die man noch zu Geld machen könnte . . . Nein, ich halte diesen Schwachsinn schon lange nicht mehr aus. Da werden Leute gleich für ein paar Jahre unter Vertrag genommen, obwohl die Vergangenheit gezeigt hat, und zwar immer und immer und immer wieder, dass die meisten von ihnen nicht mal ein Jahr halten. Wie lange dauerte es denn zuletzt, bis die Haltbarkeit für HSV-Trainer überschritten war? Und nie hat einer etwas daraus gelernt!

 

Wie oft haben Verantwortlich aus dem Hamburger Raum herausposaunt, in Zukunft nur noch Ein-Jahres-Verträge zu geben – geben zu wollen. Nichts da. Dann kommt ein neuer Mann, der fordert mal eben drei, vier, fünf Jahren – und der HSV folgte. Bereitwillig. Was stört mich mein Geschwätz von gestern? Ich halte so viel Dilettantismus schon lange nicht mehr aus. Da wird mit dem Geld herumhantiert, als wäre das gar nichts. Okay, ist es ja auch eigentlich nicht, denn es ist ja nicht das eigene Geld, was hier zum Fenster herausgeworfen wird. Nein, nein, es ist der Wahnsinn – beziehungsweise, es war der Wahnsinn. Im „neuen HSV“, ich meine den mit der AG im Rücken, passieren solche Dinge ja nicht mehr.
Wir alle werden es beobachten. Ganz genau.

 

Obwohl ich zu dieser neuen Führung, das gebe ich gerne zu, absolutes Vertrauen habe. Ich gehe auch fest davon aus, dass so etwas an Peinlichkeit nie wieder passieren wird. Wieso bekommt ein Trainer Slomka gleich einen Vertrag bis 2016? Wieso? Warum reicht da nicht ein Jahr? Das will mir nicht in den Kopf, das wird mir auch in Jahren nicht in den Kopf gehen. Es ist doch unfassbar. Als hätte dieser HSV in den letzten zehn Jahren nicht gefühlt 28 Trainer und mehr „verbraucht“! Immer raus mit dem Geld, immer raus damit. Der nächste Trainer bleibt ganz sicher 16 Jahre – und länger. Das ist so dramatisch amateurhaft, dass es schon wehtut.

 

Und der Slomka-Vertrag war ja – angeblich auf Wunsch von Mirko Slomka – so abgefasst, dass es bei einer vorzeitigen Trennung nur Summe X gibt. Alles fein unterschrieben und in den Safe gelegt. Dabei haben einige Richter diesen Passus schon längst als sittenwidrig erkannt und verworfen. Deswegen darf nun auch fleißig geklagt werden. Wobei ich Dussel immer noch hoffe, dass es einen Richter gibt, der erkennt, dass ein solcher Vertrag ja nicht nur vom Verein unterschrieben worden ist, sondern auch vom Trainer. Da bin ich mal mächtig gespannt. Natürlich nur in der Hoffnung, dass dieser HSV dann auch tatsächlich aus gehabten Schaden was gelernt hat. Doch es hieß ja zuletzt schon aus der Führungsetage: „Wir geben nur noch Ein-Jahres-Verträge, und wenn das ein Trainer nicht akzeptieren will, dann soll er. Dann wird von uns ein anderer Kandidat gesucht. Bis einer damit einverstanden ist, nur einen Ein-Jahres-Vertrag zu unterzeichnen. Schließlich ist der HSV, das betont doch jeder gerade neu verpflichtete Trainer immer wieder, noch immer eine ganz feine Adresse im europäischen Fußball.“ Genau, das stimmt ja auch, deswegen sollte sich der HSV nun auch so verhalten. Wer zum HSV kommt, der hat nach den Richtlinien des HSV zu tanzen – oder gar nicht.

 

Bitte, bitte, liebe Verantwortlichen, lasst diese Klagen-Welle nun endlich einmal verebben. Diese Herren noch, und dann nie wieder. Wobei ich, mir schießen immer noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, mich immer noch an diesen rührenden Abschiedsbrief von Mirko Slomka an die HSV-Fans erinnere (hier erstmalig am 18. September veröffentlicht). Das hatte so noch kein scheidender HSV-Coach gebracht. Wie gesagt, ich habe wie ein Schlosshund geheult und tue es heute noch. Ist ja hier bei „Matz ab“ noch stets und ständig nachzulesen. Wer also noch einige Tränen vergießen will – bitteschön. Es sind aber ja auch wohl zwei verschiedene Dinge, diese Klage gegen den HSV und dem Verein gleichzeitig alles, alles Gute zu wünschen. Das muss man schon ganz fein voneinander trennen können – ich kann das nicht. Aber vielleicht lerne ich das ja noch, man ist schließlich nie zu alt, etwas zu lernen.

 

Mit oder an dem ehemaligen Sport-Chef Oliver Kreuzer soll (und wird?) ja auch nun ein Exempel statuiert. Der soll (und wird?) ja nun wohl weniger Geld für seinen Abschied bekommen – wegen seines vereinsschädigenden Verhaltens. Weniger Geld? Das ist dann ja auch ganz im Sinne eines klammen Sport-Vereins, aber ich habe dabei den leisen Verdacht, dass hier etwas ausgerechnet beim schwächsten Mann versucht werden soll. Ich würde mich schon freuen, wenn so etwas auch einmal bei einem Trainerwechsel versucht werden würde – zumal ja dieser Trennungs-Passus beidseitig im Vertrag verankert wurde. Aber schlecht, lassen wir das. Das werden die hohen Herren und ein Richter schon richtig entscheiden.

 

Apropos Vertrags-Werke. Das goldige Werk, mit dem nun Lewis Holtby von der Insel nach Hamburg gelockt worden ist, hat es ja auch in sich. Nach nur drei Spielen wurde der deutsche Nationalspieler gekauft. So will es der Vertrag. Herrlich. Nach nur drei Spielen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: drei Spiele. Noch toller wäre es ja gewesen, diesen Vertrag mit nur einem Einsatz für den HSV zu versehen. Das hätte auch etwas gehabt. Nun gut, der HSV profitiert ja von diesem „Werk“, denn erstens ist Holtby ein guter Mann, den der HSV sehr, sehr gut gebrauchen kann, und zweitens muss die Summe von 6,5 Millionen Euro ja auch erst im Jahr 2015 bezahlt werden – geht also auch erst im nächsten Jahr in die Geschäftsbücher. Was drei, nur drei Spiele doch Gutes bringen können – man lernt nie aus. Das hat der neue HSV doch wirklich clever eingefädelt, Kompliment!

 

Ja, und wo ich gerade schon dabei bin: „Scholle“ hat über ihn geschrieben, Lars Pegelow gestern ebenfalls – da will ich nicht hintenan stehen. Dieser Philipp Müller, dieser 19-jährige Spieler aus der Zweiten, der geht mir seit Donnerstag nicht mehr so richtig aus dem Kopf. „Scholle“ hat die eine bewusste Szene ja schon ein wenig geschildert. Dieser Müller wird vor dem Tor auf engstem Raum angespielt, der Torwart stürzt aus dem Kasten heraus, wirft sich vor die einschussbereiten Füße – und was macht dieser freche Kerl von Müller. Er zieht den Ball mit der Sohle des rechten Fußes weg vom Keeper und schießt den Ball so, als wäre das gar nichts, mit links ins Tor. Das war eine einzige Bewegung – und die war sensationell.

 

So etwas habe ich lange nicht mehr beim HSV-Training gesehen. Und ich dachte so bei mir, dass Müller ja irgendwie ein Name für solche Geschichten ist. Wenn ich so an Thomas Müller von den Bayern denke. Den sah ich bei einem Aufenthalt in München mal bei der Zweiten des FCB und dachte mir: „Das wird einer!“ Ist er ja auch geworden. Und dieser Philipp Müller? Achtet mal drauf. Der muss ganz einfach einer werden. Wer solche Dinger drauf hat, der hat auch noch andere Sachen im Repertoire. Auf den Burschen freue ich mich, der muss ganz einfach „kommen“ . . . Und es wäre ja mal einer aus der „Nachbarschaft“, wie „Scholle“ herausgefiltert hat: Glashütter SV und Eintracht Norderstedt. Wie toll wäre das denn, wenn mal wieder aus dem Hamburger Raum . . .

 

Mal abwarten. Der HSV, ich meine den „neuen“ HSV, geht ja nun andere Wege. Mehr auf Talente und so. Ja, ich weiß, was Ihr jetzt sagen wollt, natürlich haben wir das in den letzten Jahrzehnten immer wieder mal gehört und vernommen, nein, diesmal aber schient mir dann doch mehr, viel mehr Nachhaltigkeit dahinter zu stecken. Weil die Mannschaft hinter der Mannschaft ganz einfach eine bessere im „neuen“ HSV geworden ist. Wenn ich allein an Bernhard Peters denke. Der Mann taucht fast überall auf, der hat, das ist immer wieder zu hören, klare Vorstellungen davon, wohin es mit dem Nachwuchs des HSV gehen soll – und Peters lässt sich auch nicht aufhalten. Es wagt ganz einfach gar keiner, etwas anderes zu wollen. Der ehemalige Hockey-Bundestrainer wird gewiss niemals ein großer Fußball-Entertainer, weil er eher ein knorriger und vielleicht auch introvertierter Typ ist, aber er muss ja auch keiner werden, der in die Richtung Lautsprecher geht – wenn er denn den HSV-Nachwuchs endlich einmal so auf die Beine stellt, wie es sich für einen Bundesliga-Dino gehört. Und da sind hinter den Kulissen schon einige gute und sogar hervorragende Dinge angeschoben worden – schon in dieser ans sich noch kurzen Zeit. Ich will nicht zu viel versprechen, aber da werden einige (von uns) noch Bauklötze staunen, was da noch alles in nächster Zeit passieren wird. Wie gesagt, die Mannschaft hinter der Mannschaft, die war wohl noch nie so gut wie heute.

 

Was ja auch schon für die U23 des HSV gilt. Zehn Punkte vor Werder Bremen auf Platz eins in der Regionalliga Nord, immer noch ungeschlagen, und auch diesmal wieder gewonnen. Lars Pegelow war beim 4:1 gegen Hannover 96 II dabei, und nicht nur er schwärmte hinter her in den höchsten Tönen. Ich traf am heutigen Nachmittag, beim Spiel Norderstedt – Werder II (0:5), einige Herren, die tags zuvor beim HSV dabei waren, und die schwärmte ebenfalls. Einer sagte, wie zum Beispiel auch Lars P., dass die Tore so großartig herausgespielt worden seien. Und es wurde der Vergleich zwischen dem WM-Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland hergestellt, wie sensationell diese sieben Treffer des späteren Weltmeisters waren. Okay, okay, der Vergleich ist ganz sicher nicht ganz angebracht, aber wenn die HSV-Tore doch auch so spielerisch großartig waren – dann darf man das vielleicht mal erwähnen. Vielleicht. Die Freude jedenfalls, dass diese junge Talente-Truppe des HSV so super marschiert, die ist überall auf den Hamburger Fußballplätzen zu spüren und zu hören. Wobei ich heute an der Ochsenzoller Straße gefragt wurde, was an der Geschichte der „Mopo“ dran ist: Will der HSV mit seiner Zweiten am Ende im Sommer 2015 eventuell gar nicht in die Dritte Liga aufsteigen? Weil dieser Aufstieg zu teuer wäre? Ich wusste darauf noch keine Antwort, aber ich werde mich mal schlau machen. Wäre doch irgendwie schade, wenn dem so wäre. Obwohl ein solches Abenteuer ganz sicher auch kostspielig ist, keine Frage.

 

Dann möchte ich noch kurz hinweisen auf ein Interview, was „bundesliga.de“ mit dem HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer geführt hat. Nur schnell mal ein, zwei, drei Fragen, und dann könnt Ihr entscheiden, ob Ihr auf „bundesliga.de“ mehr davon lesen wollt:

 

Im Interview mit bundesliga.de spricht Beiersdorfer über seine emotionale Bindung zum HSV, über den langwierigen Sanierungsprozess, der vor dem Club liegt.

 

bundesliga.de: Herr Beiersdorfer, nicht Sie persönlich, aber doch „Ihr“ Club musste in den vergangenen Monaten viel Spott – zum Teil auch unter der Gürtellinie – über sich ergehen lassen. Wie sehr schmerzt das?
Dietmar Beiersdorfer: Wir möchten erreichen, dass alle HSVer wieder aufrecht durch die Gegend laufen können. Das ist ein ganz entscheidendes Ziel für uns. Auf den HSV haben in den vergangenen Jahren so viele unterschiedliche Kräfte gewirkt, da waren schmerzhafte Erfahrungen zwangsläufig. Wir haben das Bild vom auseinandergefallenen Puzzle bedient, das wir jetzt Stück für Stück zusammensetzen wollen. Zumindest der Rahmen steht schon wieder durch unsere neuen Strukturen.
bundesliga.de: Sie sind jetzt annähernd drei Monate im Amt. Reicht eine solche Zeit, um sich ein rundes Bild machen und verstehen zu können, was in den vergangenen Jahren schief gelaufen ist beim HSV?
Beiersdorfer: Ich habe den HSV ja auch während meiner Zeit in Salzburg und St. Petersburg nie aus den Augen verloren. Ich bin immer HSVer geblieben, war nur nicht in offizieller Funktion. Sicher habe ich das Geschehen verfolgt und hatte auch eine Meinung dazu. Ich habe mich aber ganz bewusst zurückgenommen, es gab ausreichend Ratgeber aus der Peripherie. Und jetzt richtet sich unser aller Blick grundsätzlich nur nach vorn. Die Analyse ist doch längst gemacht. Es geht nur noch um Aufbau.

 

Wie gesagt, es gibt noch mehr. „Didi“ Beiersdorfer spricht in diesem Interview – neben anderen Dingen – auch über die Verpflichtung von Peter Knäbel, Direktor Profi-Fußball beim HSV, und über die Zukunft von Trainer Joe Zinnbauer.

 

Dann, zum Schluss, noch eine Mail, die uns zu diesem Wochenende erreicht hat. Bei der Gelegenheit möchte ich noch einmal auf das Matz-ab-Treffen am 31. Oktober (Freitag) im HSV-Ochsenzoll-Restaurant „Anno 1887“. Aber jetzt diese Mail – von einem von Euch:

 

Lieber Dieter Matz, und auch Scholle und Lars,

ich möchte an dieser Stelle die Länderspielpause nutzen, um Euch einmal danke zu sagen.
Danke für Euren unermüdlichen Einsatz trotz der durchaus prekären gesundheitlichen Situation „neulich“ bei Dir, lieber Dieter; und trotz der wunderbaren Sache, Vater zu werden – und der üblen Nachrede @ de Vrij – bei Dir lieber Scholle. Ich finde Eure tägliche Leistung großartig – höre regelmäßig 90,3 Radio mit dir, lieber Lars – und beachtenswert und bin – obwohl diverser dummdreister Angriffe im Blog -( ja, ich habe zwischendurch überpaced und dies erkannt ) ein absoluter Fan des Matz-ab-Blogs geworden.

Seit der MV im Stadion im Mai, wo ich als Frischling respektvoll und voller Wertschätzung mit Matz-Abbern bekannt gemacht wurde von Benno, viel gequatscht mit Kieler, Hope, Michailow , Lars und anderen, habe ich so viel dazu lernen dürfen, es ist einfach klasse und ich bin dankbar.
Dankbar für jeden Tag Euren Blog zu lesen und selbst für mich immer einen Mehrwert rausziehen zu können in Sachen Identifikation mit dem Gesamtgeflecht HSV durch Eure aktuellen Beiträge und die anschließenden „never-ending“ user-posts. Da sind wirklich tolle Leute dabei.

So habe ich heute gedacht, ich möchte mich einmal bei Euch bedanken; … doch … wie? Spontan dachte ich so nach dem Motto: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“: o.k., machst eine kleine hommage an die letzten 6 Monate mit gleichzeitigem Bezug zum Matz-ab-Blog. Das Ergebnis in Form eines 3,5 Minuten Clips sende ich Euch mit HSV-Freude im Herzen, mit Dankbarkeit und Zuversicht. Da ich als „cool down “ anonym bleiben möchte, habe ich den Clip nicht auf youtube hochgeladen, um ihn im Blog zu posten, was mir eigentlich eine Herzensangelegenheit wäre; denn auch da investieren die Menschen Lebenszeit und Energie ohne Ende.

Ich finde, erst einmal möge dieser Clip Euch 3en als kleines Dankeschön für Eure Arbeit gegönnt sein. Falls Ihr meint, diesen Clip direkt (oder über yt-upload) in den blog einstellen zu wollen, so ist es hiermit herzlich gerne „genehmigt“; zumal ich denke, dass sich viele User darüber freuen würden und vielleicht auch genießen – wie ich es mir für Euch wünsche – dass man einfach mal loslassen und sacken lassen kann … und vielleicht auch – sollte ;).

Einfach mal reinspüren, welche gewaltigen Veränderungen gerade in Gang sind. So möge der kleine Clip für Euch eine Minitankstelle für Eure Seele sein; Ihr entscheidet, ob auch für den Blog.

Alles Liebe, schönes Wochenende von Eurem treuen „cool down“

 

Vielen Dank für diese Mail und den Clip. Letzteren allerdings können wir hier nicht veröffentlichen, weil dieser Beitrag (wirklich professionell und sehr gelungen!) aus einer Fotostrecke besteht, die der Verlag (also wir) bezahlen müssten, und das ist bei Matz ab nicht vorgesehen. Es tut mir leid, ich bitte da um Verständnis.
Dieter Matz

 

PS: Morgen (am Montag, den 13. Oktober) ist trainingsfrei.

Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein tolle und erfolgreiche Woche!

 

18.25 Uhr

Bravo! Die U 23 begeistert weiter!

11. Oktober 2014

Aus aktuellem Anlass stelle ich heute nicht die Profis nach vorn, sondern den Nachwuchs. Heute Nachmittag hat die U 23 des HSV ihre Serie fortgesetzt. In der Regionalliga Nord gewann das Team von Trainer Daniel Petrowsky mit 4:1 gegen Hannover 96. Und es war zeitweise Fußball wie aus einem Guss. Am Anfang kamen die Niedersachsen, auch angetrieben von ihren zahlreichen Fans, zum ersten Treffer. Doch der HSV hielt dagegen. Glänzend, wie der Ausgleich durch Tolcay Cigerci von Philipp Müller vorbereitet wurde (Ich musste spontan an Scholles Blog vorgestern denken, als er von Müller geschrieben hat. Der Bursche hat echt was drauf.)! Wunderbar die Kombination vor dem 2:1 mit dem letzten Pass von Kapitän Sven Mende in die Mitte zum Torschützen Mohamed Gouaida! Und ebenso klasse die Vorarbeit von Ronny Marcos, die wieder Cigerci zum 3:1 nutzte!

Es gab begeisterten Beifall des Publikums. 1400 Zuschauer haben sich an diesem sonnigen Tag auf den Weg an die Hagenbeckstraße gemacht – und sie haben ihr Kommen ganz sicher nicht bereut. Spielfreude und Tempo waren in der Partie. Das war ohne Einschränkungen wirklich erste Sahne. Nach zwölf Saisonspielen steht die Mannschaft bei elf Siegen und einem Unentschieden, also 34 Punkten, an der Tabellenspitze. 38:9 Tore hat sie geschossen. Eine beeindruckende Bilanz, und von der Stärke des HSV-Nachwuchses hat sich auch Uwe Erkenbrecher überzeugen können. „Erke“ ist aktuell Trainer des VfR Neumünster, des nächsten HSV-Gegners. Dann müssen die Hamburger Jungs auswärts antreten.

Im Publikum staunte übrigens auch die gesamte HSV-Prominenz. Trainer Joe Zinnbauer kam mit dem Fahrrad, auch Sportdirektor Bernhard Peters und der Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer waren da.

So spielte der HSV II: Brunst – Götz, Kim, Jung, Marcos – A. Arslan, Mende, Steinmann (83. Jordan), Gouaida – Cigerci (74. Masek), P. Müller (67. Brüning)
Tore: 0:1 Ernst (7.), 1:1 Cigerci (14.), 2:1 Gouaida (35.), 3:1 Cigerci (38.), 4:1 Arslan (55.)

Die Bundesliga-Profis hatten zum Zeitpunkt des Spiels ihre Einheit am Volkspark bereits hinter sich. Etwa eineinhalb Stunden wurde hier bei besten Bedingungen geübt. Im Mittelpunkt standen Kleinfeldspiele. Und auffällig dabei nicht nur für mich: Rafael van der Vaart in sehr guter Spiellaune. Es macht den Eindruck, als ob ihm seine kleine verletzungsbedingte Zwangspause Frische zurückgegeben hat. Und durch diese Frische hat er Handlungsschnelligkeit zurück erlangt und einige feine Törchen geschossen, die man so ganz sicher von keinem anderen HSV-Spieler sehen würde. Die Spannung steigt vor dem Bundesliga-Duell mit Hoffenheim in der kommenden Woche. Die Spannung über Aufstellung und Leistung im Mittelfeld des HSV.

Nach dem Training mit dem Ball ging es für einige Zeit noch zum Laufen in den Volkspark. Mit dabei war dann auch Julian Green, der sich das Balltraining noch geschenkt hatte. Wenn nach den beiden trainingsfreien Tagen morgen und am Montag dann am Dienstag wieder trainiert wird, wird wohl auch Artjoms Rudnevs wieder dabei sein. Der Lette hat sich gestern Abend in der EM-Quali gegen Island (0:3) die Gelb-Rote Karte eingefangen und ist somit beim nächsten Spiel der Letten nicht spielberechtigt. Zum Zeitpunkt der Hinausstellung stand es übrigens noch 0:0 – in Unterzahl ging das Spiel dann verloren.

Für Abendblatt-Blogs


Eine Sache wollte ich schon immer mal ansprechen, sie ist in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder hochgepoppt. Seit geraumer Zeit werden wir ja überversorgt mit vielen Statistiken zu den Bundesliga-Spielen. Ganz besonders beliebt ist dabei immer wieder die Laufstatistik. Der HSV ist zu faul, läuft soundsoviele Kilometer weniger als der Gegner, ohne Laufen gewinnt man keine Spiele usw. Über bundesliga.de oder auch montags im kicker kann jeder Interessierte ganz viele Daten bekommen, die für viel Diskussionsstoff sorgen.

Ich möchte mich jetzt auf die Gesamt-Laufleistung beziehen, hier habe ich einen Zusammenhang festgestellt, der die vermeintlich klare erste Erkenntnis relativiert. Es steht nämlich diese Laufleistung eines Teams in der Regel in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ballbesitz-Statistik. Ganz konkret bedeutet dies: Hat eine Mannschaft einen deutlich höheren Balbesitzanteil als der Gegner, dann hat der Gegner die höheren Laufwerte. Das ist logisch, denn ohne Ball muss man hinterherlaufen und verteidigen. Ab einem deutlichen Ballbesitz-Übergewicht von mindestens 60 Prozent gibt es fast nie ein Team, das gleichzeitig auch mehr läuft. Mit anderen Worten: Der Laufwert ist nicht in erster Linie ein Indiz für Fitness oder Einsatzbereitschaft eines Teams, sondern für die Spielanlage. Unter Coach Thorsten Fink, der seine Philosophie auf Ballbesitz ausgelegt hatte, besaß der HSV fast immer schlechtere Laufwerte als der Gegner. Jetzt mit Joe Zinnbauer ist das anders. Die Hamburger Mannschaft agiert mit Gegenpressing, ähnlich Borussia Dortmund, was von Haus aus sehr laufintensiv in der Verteidigung ist. Das Spiel nach vorn wird nicht breit gemacht (hoher Ballbesitz, geringe Bewegung), sondern geht in die Tiefe (niedriger Ballbesitz, da riskantes Spiel, und mehr Bewegung).

Ich würde wetten: Wenn wir uns die kommenden Bundesliga-Statistiken unter diesen Kriterien anschauen, dann wird der Zusammenhang sichtbar. Ich schreibe dies, weil es mir oft schlicht zu einfach ist, die Kilometer-Leistung gleichzusetzen mit der eingebrachten Energie der Mannschaft. Ich finde zum Beispiel, dass der HSV hohen Aufwand (bei ganz geringem Ertrag) im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt betrieben hat – am Ende stand ein lächerlich geringer Laufwert von 112 Kilometern. Aussagekräftiger finde ich schon die Statistik der angezogenen Sprints, weil sie auch zeigt, wie intensiv Druck ausgeübt wird auf den Gegner.

Am Ende ist natürlich vieles Glaubenssache – letztlich denke ich, dass Fußball-Statistiken häufig nicht so viel über ein Spiel sagen wie im Basketball oder Baseball.

Zu einem anderen Thema. Was ist eigentlich aus den Ermittlungsverfahren und Strafanträgen geworden, die Klaus Meetz in die Wege geleitet hat? Im Sommer war der ehemalige Volleyball-Star des HSV in aller Munde. Im Hintergrund werden verschiedene Verfahren weitergeführt. Zum einen ist da der Strafantrag, den Meetz gegen den „alten“ HSV-Vorstand beantragt hat – der Vorwurf lautete Veruntreuung der Millionen-Anleihe, die im Zusammenhang mit dem Nachwuchs-Konzept „Campus“ aufgelegt wurde. Das Ermittlungsverfahren wurde mittlerweile eingestellt. Warum, Herr Meetz, ist die Sache für Sie aber noch nicht erledigt?

Gegen den offensichtlich als „Gefälligkeit“ erlassenen, abwegigen Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 11.09.2014 habe ich am 30.09.2014 form- und fristgerecht das gebotene Rechtsmittel „Beschwerde“ eingelegt. Dieses Verfahren ist bei der Generalstaatsanwaltschaft anhängig. Gegen die unterzeichnende Oberstaatsanwältin Gräwe habe ich gleichzeitig, da offensichtlich keine „ernsthaften“ Ermittlungen vorgenommen wurden, wegen der von ihr offensichtlich begangenen strafbaren Handlungen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung im Amt und Begünstigung) Strafanzeige gestellt. Insoweit verweise ich auf den Inhalt meines Ihnen vorliegenden Schreibens vom 30.09.2014, in dem nochmals die strafbaren Handlungen der Herren Jarchow, Kreuzer, Hilke und Scheel und der dem HSV entstandene und noch entstehende Schaden (17,5 Mio. € zweckentfremdete „Campus-Anleihe“, zzgl. Zinsen und Rückzahlung!) nachgewiesen worden ist.

Die Schreiben liegen uns tatsächlich vor. Was den ablehnenden Bescheid der Staatsanwaltschaft angeht, wird dies insbesondere damit begründet, dass kein Geschädigter vorliege. Das heißt: nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei nach wie vor gesichert, dass die Anlagen-Zeichner ihr Geld zurückbekommen, wenn sie es wünschen. Und Meetz reicht diese Begründung eben nicht aus.

Zweites großes Thema ist die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung
in eine AG. Auch hier laufen bzw. liefen Strafanträge gegen Richter des Amtsgerichts, darüber hinaus strebt Meetz nach wie vor an, die Ausgliederung anzufechten. Auch hier gab es bisher durch die Bank ablehnende Briefe der Gerichts – mit welchem Ziel gehen Sie weiterhin dagegen an?

Vorbemerkung:
Es gab bisher keinen einzigen ablehnenden Bescheid eines Gerichts. Am 14.08.2014 habe ich die gegen die Richter des Vereins- und Handelsregisters
gerichtete Strafanzeige ergänzt und sie aus gegebener Veranlassung begründet gegen die Justizsenatorin Schiedeck, den Amtsgerichtspräsidenten Rzadtki und den ersten Bürgermeister Scholz erweitert. Gegen den offensichtlich ebenfalls als „Gefälligkeit“ erlassenen, abwegigen Bescheid der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 04.09.2014, mit dem die „Aufnahme von Ermittlungen“ abgelehnt (!) worden ist (obgleich mir mit Schreiben vom 14.07.2014 die Einleitung des Ermittlungsverfahrens mitgeteilt worden war und die Akten des Vereins- und Handelsregisters von der Staatsanwaltschaft angeblich beigezogen worden sind!) habe ich form- und fristgerecht das gebotene Rechtsmittel „Beschwerde“ eingelegt. Dieses Verfahren ist bei der Generalstaatsanwaltschaft anhängig. Gegen die unterzeichnende Staatsanwältin Wichmann habe ich gleichzeitig, wegen der von ihr offensichtlich begangenen strafbaren Handlungen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung im Amt und Begünstigung) Strafanzeige gestellt. Mit Schreiben vom 26.09.2014 wurde mir von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass „das Ermittlungsverfahren gegen Wichmann unter o.a. Aktenzeichen geführt wird.“ – 3404 Js 358/14. Insoweit verweise ich auf den Inhalt meines Ihnen vorliegenden Schreibens vom 19.09.2014, indem nochmals die strafbaren Handlungen der Beschuldigten begründet nachgewiesen worden sind. Mein simples Ziel ist es, in den Vorgängen die Einhaltung rechtsstaatlicher Normen zu erreichen und in der Folge, die „meinem“ HSV entstandenen Schäden von deren Verursachern ersetzen zu lassen.

Dies für Euch einmal als Zwischenstand. Mit Sicherheit werden sich die Verfahren noch hinziehen. Klaus Meetz hat angekündigt, notfalls bis vor das Oberlandesgericht ziehen zu wollen.

Für heute einen schönen Länderspielabend!
Lars 18.14 Uhr

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