Archiv für das Tag 'Kraus'

René Adler: „Stuttgart ist kein Endspiel!“

12. Mai 2015

Konzentrieren wir uns auf Stuttgart. Als Sinnbild für die notwendige Haltung für dieses vielleicht entscheidende Spiel im Abstiegskampf präsentierte sich heute Torwart Rene Adler. Der 30 Jahre alte Keeper wird nicht nur von seiner Freundin gefordert, wie wir heute lesen konnten, sondern ist auch als Führungsfigur mit einer extrem klaren Einstellung beim HSV gefragt. Selten war es so überzeugend wie heute, was Adler kurz vor dem Ende dieser Saison sagte.

„Ich glaube, es ist der größte Fehler zu denken: Wir fahren nach Stuttgart und es ist ein Endspiel! Für mich ist das kein Endspiel. Die Situation vor drei, vier Spielen war viel aussichtsloser. Wir können aus eigener Kraft die Liga halten. Das ist viel besser, als auf andere angewiesen zu sein.“

„Wir sind alle überzeugt, dass wir es schaffen!“ Immer wieder betont Rene Adler die eigenen Stärken, die er in einen realistischen Kontext setzt. „Wir haben eine Ausgangssituation, die wir uns mit brutal harter Arbeit geschaffen haben. Vor dem Bremen-Spiel haben selbst die größten Optimisten nicht mehr an uns geglaubt. Jetzt haben wir wieder alles in eigener Hand.“ Es werde unter Bruno Labbadia konsequent an der Taktik gearbeitet – und vor allem der Teamgedanke hoch getragen. Diese Einschätzung hören und lesen wir immer wieder in den vergangenen Tagen. Und selbst, wenn wir uns alle fragen, wo bitteschön dieser Teamgedanke vorher war, und ob es sich jetzt nicht alles ein wenig zu pathetisch und mantramäßig anhört – im Moment benötigt der HSV diese positiven Gedanken.

Noch so eine der Weisheiten, die abgedroschen klingen mögen, die aber den Kern treffen: „Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit Stuttgart. Wir sehen unsere eigenen Stärken. Klar, der Gegner wird analysiert, aber unser Ziel ist, mit unserer Stärke nach Stuttgart zu fahren, um dort zu gewinnen.“ Überhaupt müsse sich inzwischen jeder Gegner warm anziehen, wenn er auf den HSV treffe. „Wir sind in den letzten drei Spielen zurückgekommen. Immer gab es Niederschläge, und wir haben dennoch reagiert. Kein Gegner kann sich mehr sicher sein, wenn er gegen uns mit 1:0 führt.“

Warum er all diese positiven Eindrücke hat, konnte Rene Adler auch ganz deutlich benennen. „Es macht wieder Freude, Fußball zu spielen“, so Adler. „Natürlich kann man sich Schöneres vorstellen, als im Abstiegskampf zu stecken. Aber ich fahre mit großer Lust zum Stadion und zum Training. Es macht Spaß, mit der Mannschaft zusammen etwas zu entwickeln, was wir dann gemeinsam am Wochenende zeigen wollen. Das spüre ich wirklich.“ Und das alles durch den Trainerwechsel hin zu Bruno Labbadia.

„Wenn ich jetzt sage, was mir gefällt, dann wird es so ausgelegt, als würde ich etwas gegen die anderen Trainer sagen. So ist das nicht gemeint“, stellt Adler klar. „Aber das der Teamgedanke über allem steht, ist einfach Fakt. Vielleicht“, so der Torwart weiter, „ist es vorher auch menschlich gewesen, dass sich jeder Einzelne angesichts des großen Trubels ein bisschen mehr um sich selbst kümmert. Mittlerweile habe ich diesen Eindruck nicht mehr.“

Adler weiter: „Es ist schon so, dass Bruno Labbadia eine Leidenschaft und eine Entschlossenheit und auch Spaß vorlebt, der es ausmacht. Das ist anders als vor ein paar Monaten – unabhängig von meiner Position. Das ist es, was Mannschaftssport ausmacht.“ Dass dann Einzelne hervorstechen, ist ein normales Phänomen. Beispiel Gojko Kacar. „Wie ich Gojko kennen gelernt habe, hat er sich immer aufgeopfert. Harte Arbeit wird immer belohnt. Jetzt hat er die beiden wichtigsten Tore seiner Karriere geschossen. Mit seinem Charakter ist er eine zentrale Figur für unsere Mannschaft.“

Noch einen Vergleich zieht Adler – diesmal nicht zwischen den Trainern, sondern zum Abstiegskampf in der vergangenen Saison: „Letztes Jahr war es unruhiger im Verein. Es war mehr Tumult da. Ich spüre jetzt Geschlossenheit. Von uns wird viel ferngehalten, das ist entscheidend, warum wir so gepunktet haben. Und das ziehen wir jetzt gnadenlos durch, und dann gehen wir alle davon aus, dass wir in den Urlaub fahren als Erstligisten.“

Auf seine eigene Position angesprochen, hatte Adler heute keine Lust, ins Detail zu gehen. Einzelne Personen seien jetzt nicht wichtig, so der Keeper. Und überhaupt: „Fußball ist ein Tagesgeschäft.“ Vergangene Saison wurde Jaroslav Drobny zum Retter des HSV im Abstiegskampf, nun ruht alles Vertrauen auf Rene Adler.

Wichtig für Adler ist neben der absoluten Konzentration auf die anstehenden Aufgaben eine gesunde Mischung aus An- und Entspannung. „Ich war gestern mit Lewis und Pierre Golf spielen“, sagte Adler. „Wir brauchen einfach den sportlichen Wettkampf.“ Aber eben in ungezwungener Atmosphäre ohne Druck. Sieben Tage in der Woche den Kessel unter Volldampf zu halten – davon hält Rene Adler aus seiner Erfahrung heraus wenig. Er erläuterte, dass er sich die anderen Fußballspiele der Konkurrenz lieber nicht angucke. Da werde er nur noch nervöser und verbrauche Energie, die er für sein eigenes Spiel brauche.

Die Haltung, die bei Rene Adler deutlich wird, schätzt auch der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer. Heute hat Beiersdorfer beim SOS-Kinderdorf in Dulsberg einen Scheck über 25.000 Euro überreicht. Ein großartiger Erfolg einer entsprechenden Initiative über den „Hamburger Weg“. „Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagte Stefan Rebbe, der Einrichtungsleiter in Dulsberg. Und auch, wenn das mit Fußball wenig zu tun hat, darf dies mal gesagt und geschrieben werden. Ich habe jetzt einige Aktionen, meist auf PR-Basis, des Hamburger Weges verfolgt in den vergangenen Jahren. Egal wie das jeweilige Konzept gestaltet war oder wie hoch die Spende im Einzelnen ausfiel – es wird viel Gutes getan mithilfe dieser Idee, die unter Vorstands-Mitglied Katja Kraus und durch Unterstützung mit dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust ins Leben gerufen worden war.

Beiersdorfer nahm auch eine Einschätzung von Rene Adler vor. Dass dabei nicht viel Negatives herauskam, liegt auf der Hand: „Rene war immer da. Natürlich hat er die eine oder andere Verletzung gehabt, aber jetzt hat er wieder das Vertrauen. Er ist ein toller Rückhalt der Mannschaft. Jeder muss spüren und leben, dass er in den letzten Tagen der Saison alles für den HSV geben muss. Das macht Rene großartig.“

Beiersdorfer schwor dann auch noch die gesamte Mannschaft auf die nächsten beiden Aufgaben ein: „Man muss versuchen, die Spiele zu gewinnen. Das ist gar nicht so schwer – nicht das Gewinnen, sondern dieses Ziel zu definieren. Jetzt kommt das schwere Auswärtsspiel in Stuttgart. Es ist eine Riesenchance für uns, einen weiteren Schritt zu machen. Das wollen wir tun.“

Faktisch Neues, etwa Vertragsfragen („Nach der Saison.“) oder zum Wiedersehen mit Huub Stevens („Huub ist ein großer Trainer, der viel erreicht hat und immer wieder gezeigt hat, was er leisten kann.“), gab es heute von Beiersdorfer nicht.

Im Volkspark wurde derweil gleich zwei Mal trainiert. Ein paar Dutzend Zuschauer freuten sich, dass ein Laster aus Tschechien, auf dem Rollrasen für die neuen Trainingsplätze geliefert worden war, als Tribüne taugte, um über die Planen auf die Übungseinheiten der Profis zu schauen. Dort ging es vormittags und nachmittags ziemlich hart zur Sache. Rudnevs und Holtby wurden erwischt – und Johan Djourou. Der Schweizer Verteidiger musste mit dick bandagiertem rechtem Knöchel sogar vorzeitig in die Kabine gefahren werden. Bruno Labbadia geht nicht davon aus, wie er anschließend sagte, dass etwas Schlimmes passiert sei. „Noch mache ich mir keine Sorgen.“ Aber etwas bedrohlich sah es nach dem Zusammenprall mit Lewis Holtby doch aus.

Morgen wird um 15 Uhr noch einmal in dieser Woche öffentlich trainiert, ehe der HSV vor der Stuttgart-Partie die Zäune hochzieht.

Lars
18.30 Uhr

Van der Vaart will in Tottenham bleiben. Töre nach Russland? Und: Jarchow erklärt sich

15. Juli 2012

****Nachtrag: Bitte, liebe Blogger, auch “CosmoSchmidt”: Ich bin absolut und überhaupt nicht beleidigt. Das war ich seit Bloggründung nicht und werde es hoffentlich auch Euretwegen nie sein. Aber wenn Ihr meine Ausführungen hier öffentlich anzweifelt, gebt mir doch das Recht, mich zu verteidigen. Ich mache es doch eh nur in absoluten Ausnahmefällen. Zudem werde ich hier nie jemanden “in Schutz nehmen”, sondern vsuchen, jeden Vorgang anhand meiner Informationen möglichst (ganz geht es nie…) objektiv darzustellen. Das gilt auch und vor allem für die Entscheidungsträger beim HSV. In diesem Sinne, alles wird gut!! Bis morgen!****

Ist schon sensationell. Immer wieder gibt es hier (immer mehr) Leute, die alles besser wissen. Selbst die nie öffentlich gewordene Geschichte mit Felix Magath damals hat eine(r) von Euch sogar „anders in Erinnerung“. Obwohl, vielleicht war er/sie ja dabei. Wenn ja, würde ich mich gern austauschen, da ich damals gearbeitet habe und bis heute dachte, mehr zu wissen als die breite Öffentlichkeit. Ich habe mich an dem Tag zumindest mehrfach mit den Protagonisten unterhalten und auch anschließend mit Magath, Hoffmann und Beiersdorfer mehrfach über die Geschehnisse gesprochen. Aber vielleicht irren wir uns alle. Auch Hoffmann, den ich gestern sogar „angegriffen“ habe? Und dann werfen mir einige vor, ich würde den Vorstand schützen. Hab ich auch durchaus anders empfunden.

Aber okay, nur um noch einmal etwas klarzustellen und bei allen in Erinnerung zu rufen, die es vergessen haben: Das völlig unumstrittene aktuelle Liquiditätsproblem des HSV ist nur zu einem eher geringen Teil auf die Saison 2011/2012 zurückzuführen, dafür maßgeblich auf die Jahre zuvor. Damals verantwortlich: Bernd Hoffmann, Dietmar Beiersdorfer, Katja Kraus und zu Teilen Oliver Scheel. Maßgeblichen Anteil an den Minus-Millionen hatten dabei die Serien 2009/2010/2011. Verantwortlich: Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Oliver Scheel. Wobei Letztgenannter in einige Entscheidungen gar nicht erst mit einbezogen wurde – was zum einen satzungstechnisch eigentlich nicht erlaubt war und somit ein Skandal war, zum anderen aber intern stillschweigend hingenommen wurde, um keine Unruhe entstehen zu lassen. Dass trotz des hohen finanziellen Risikos – immerhin wurden vor der Saison 2009/2010 noch mal 32 Millionen Euro in neue Spieler investiert und den eigenen Einnahmen so vorgegriffen – kein internationaler Wettbewerb erreicht wurde, ist das, was aus dem Risiko eine Niederlage macht. Und alles zusammengefasst bereitet dem HSV jetzt finanzielle Schwierigkeiten.

Wie damit umgegangen wird, liegt am aktuellen Vorstand – namentlich Carl Jarchow, Joachim Hilke, Frank Arnesen und Oliver Scheel. Der Vorstand wird sich dafür verantworten müssen. Wie zuletzt schon. In der vergangenen Saison ging das gerade noch gut, beziehungsweise, zumindest das Minimalziel Klassenerhalt wurde erreicht. Aber auch das habe ich nie lobend erwähnt oder als Erfolg gewertet, sondern kritisiert. Inhaltlich mit einer fußballerischen Rückentwicklung, die wiederum auf eine schlechte Personalpolitik zurückzuführen war – in meinen Augen wohlgemerkt. Sollte sich das wiederholen, werde ich es wieder anprangern. Momentan hat sich dieser HSV noch nicht verbessert. Im Gegenteil: der Verkauf von Guerrero ist finanziell vielleicht gut für den Klub, sportlich aber so lange eine Schwächung, bis ein adäquater Ersatz gefunden ist. Sollte dieser aus Arnesens Sicht tatsächlich 1:1 Rudnevs sein – ich würde mir extrem große Sorgen machen. Denn bei allem Verständnis für dessen Umstellungsprobleme konnte er bis auf eine (die erste) Trainingseinheit noch nicht überzeigen.

Allerdings gebe ich dem Letten natürlich noch Zeit. Wichtig in seiner Bewertung ist die Saison. Sollte er dort überzeugen, wären mir die schwachen Vorbereitungsleistungen völlig schnurz. Ich messe in meinen Bewertungen die Beteiligten an ihren Ergebnissen, am jeweils aktuellen Leistungsstand, der sich verändern kann. Erschwerend oder mildernd ziehe ich dabei das hinzu, was ich im Rahmen meiner Recherchen erfahre. Und wisst ihr was? DAS ist auf jeden Fall der Journalismus, den ich praktiziere und weiterhin praktizieren will und werde. Ich versuche, möglichst ausgewogen und unaufgergt das darzustellen, was passiert.

So auch im Falle Kühne. Der Milliardär hatte dem HSV seine Unterstützung angeboten. Vor dreieinhalb Jahren wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könne, im Falle des damals wechselwilligen Rafael van der Vaart finanziell zu helfen. Zunächst klappte das nicht. Erst als der HSV eine Rückholaktion des Niederländers anstrebte, war Kühne wieder im Boot. Er willigte sine finanzielle Hilfe ein und bekam letztlich Anteile verkauft an den Spielern Westermann, Diekmeier, Sowah, Guerrero, Aogo, Jansen. Ein geschickt eingefädelter Deal von Hoffmann (Kompliment!), der dem Klub zunächst half, seine aktuelle Bilanz besser aussehen zu lassen. Und es war d Startschuss einer hoffentlich noch anhaltenden Beziehung HSV/Kühne. Auch wenn die Anteile lange nicht das waren, was Kühne ursprünglich wollte. Das hat er dem HSV mehrfach gesagt und auch im Telefoninterview noch mal bestätigt. Und dennoch ist Kühne wieder dabei. Diesmal allerdings stark sensibilisiert. Zum einen will er diesmal endlich van der Vaart, zum anderen erinnert er sich an die Reaktionen der Mitglieder. Die hatten bei seinem ersten Engagement befürchtet, der Klub würde sich anteilig verkaufen, was sich letztlich als falsch herausstellte.

Dennoch fühlte sich Kühne falsch behandelt – und er ist vorsichtig geworden. Deshalb dieser Vorstoß in dieser massiven Form. Immerhin kann man diesen Vorstoß, öffentlich das Vorgehen des Vorstandes zu kritisieren und mit einer direkten strategischen Forderung zu versehen als aktiven Eingriff sehen. Kurzum: Kühne macht das, was er nicht machen sollte. Und dennoch erntet er Verständnis. Selbst von denen in diesem Blog, die sich damals aufgeregt haben und den Ausverkauf befürchteten. Aber okay, irren ist menschlich und es ist allemal besser, seinen Irrtum einzusehen, als aus Prinzip auf seiner Theorie zu beharren.

Nun also zur Attacke von Kühne in Richtung Vorstand, die in dieser Form mehr als diskutabel ist, aber in Anbetracht der Vorgeschichte allemal verständlich. Dass sie bei den Fans auf Verständnis stößt, ist lediglich in der starken Form erstaunlich. Denn ansonsten hat der Klub aktuell kaum Hoffnung auf schnelle Verstärkungen ohne auf externe Hilfe zurückzugreifen. Und da gibt es eben nur Kühne. Der Speditions-Milliardär ist die größte Hoffnung des klammen HSV.

Daher muss sich der Vorstand meines Erachtens nach auch intensiver mit dem Thema Kühne beschäftigen und dessen Vorstoß durchaus ernst nehmen.

Matz ab: Haben Sie sich im Vorstand schon überlegt, wie sie auf die Forderungen Kühnes reagieren wollen?
Carl Edgar Jarchow: Warum sollten wir? Wir haben uns am Freitagabend noch darüber unterhalten und sind alle einer Meinung.

Matz ab: Welcher?
CEJ: Wir schätzen das Engagement von Herrn Kühne sehr. Und ich habe in den letzten Monaten immer wieder versucht, die positive Zusammenarbeit mit Herrn Kühne hervorzuheben. Er hat sich nie eingemischt und gesagt, er würde keinen Einfluss nehmen wollen –das nehme ich sehr ernst. Wir als Vorstand sind nicht empfindlich. Aber eine Einflussnahme von außen werden wir nicht akzeptieren. Ich kann diese Form nicht hinnehmen. Das habe ich Herrn Kühne auch in der Form gesagt.

Matz ab: Wie hat Herr Kühne reagiert?
CEJ: Es war ein sehr konstruktives Gespräch. Herr Kühne macht jetzt erst einmal Urlaub und danach sprechen wir wieder.

Matz ab: Herr Kühne warf dem Vorstand vor, nicht intensiv genug am Transfer von Rafael van der Vaart zu arbeiten.
CEJ: Und wir haben Herrn Kühne versucht, deutlich zu machen, dass Herr van der Vaart nicht zu haben ist. Wir wissen doch alle, dass er in Tottenham bleiben will.

Matz ab: Der Vorwurf beinhaltetet, dass der Vorstand kein konkretes Konzept auf den Tisch gelegt hat, wie eine Rückholaktion finanziell zu stemmen wäre. Warum haben Sie nicht einfach das komplette Pakte van der Vaart hochgerechnet, den Anteil, der für den Verein möglich wäre abgezogen und so Herrn Kühne vorgelegt? Dann hätte Herr Kühne immer noch sagen können: ‚Okay, so geht das nicht’? Im besten Fall hätte er ihnen vielleichteinen sehr guten Spielmacher finanziert.
CEJ: Weil wir alle Zahlen vermuten müssten. Wir haben doch nichts Konkretes. Bisher gibt es auch kein Zeichen dafür, dass sich Tottenham von van der Vaart oder Herr van der Vaart von Tottenham trennen wollen. Ich habe das Gefühl, dass hier ein Thema über den Kopf der entscheidenden Person hinweg diskutiert wird. Und das funktioniert nicht. Deswegen glaube ich, dass sich Herr Kühne mit seinem Vorstoß keinen Gefallen getan hat.

Matz ab: Hätten Sie ihm das nicht vorher sagen können? Immerhin soll er Sie über sein Vorhaben, an die Öffentlichkeit zu gehen, am Donnerstagabend zuvor telefonisch informiert und Ihnen seine Pressemitteilung am Morgen vor der Veröffentlichung zugeschickt haben…
CEJ: Er hat mich über die Pressemitteilung informiert, nicht über den konkreten Inhalt. Und bevor ich sie am nächsten Morgen lesen konnte, war sie schon öffentlich.

Matz: Sie sollen nicht erreichbar gewesen sein.
CEL: Herr Kühne kann mich immer erreichen. Und er weiß auch wie.

Matz ab: Herr Kühne sagte, er fühle sich übergangen, weil sie die Fan-Anleihe, die er als seine Idee reklamiert, nur zum Bau eines neuen Trainingstraktes nutzen wollen. War er darüber nicht informiert.
CEJ: Grundsätzlich schon. Wir haben ihm immer gesagt, dass wir eine Fan-Anleihe planen und was wir damit vorhaben. Wir haben ihm das nicht im Detail aufgeschrieben, aber grundsätzlich wusste er es.

Matz ab: War es das jetzt mit der Zusammenarbeit? Immerhin hat Herr Kühne gesagt, ohne den Transfer von van der Vaart würde er sich seinen Anteil am Guerrero-Verkauf auszahlen lassen und würde sich stark überlegen, fortan passiv zu bleiben.
CEJ: Über den Verkauf von Paolo Guerrero haben wir noch überhaupt nicht gesprochen. Aber wie gesagt, wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch und sind Vertragspartner. Wir warten jetzt ab, wie es weitergeht und werden uns als Vertragspartner vernünftig verhalten. Wir werden kein Öl ins Feuer gießen und im Gespräch bleiben.

Matz ab: Herr Kühne sagt, der Verein müsse mutiger werden. Finanziell sehe es gar nicht so schlecht aus, wie es immer behauptet wird.
CEJ: Wir haben unsere Finanzen lange analysiert und wissen, was wir uns leisten können und was nicht. Ich kann doch nicht den Klub an die Wand fahren und dann sagen, ‚war halt Risiko’.

Matz ab: Hand aufs Herz, wollen Sie Rafael van der Vaart wirklich zum HSV holen?
CEJ: Wenn ihn uns jemand finanziert, dann gern. Aber wir können ihn nicht finanzieren.

Nun kann sich jeder von Euch seinen eigenen Reim machen, wie sich der Fall Kühne/Vorstand/van der Vaart darstellt. Zumal heute vom HSV kommuniziert wurde, dass es mehrere Gespräche mit van der Vaart gegeben habe und dieser dem HSV “klar und deutlich“ zu verstehen gegeben habe, bei Tottenham zu bleiben.

Ebenso klar ist, dass Slobodan Rajkovic nach seinem Ausraster im Freitagstraining beim HSV keine Zukunft mehr hat. Heute trainierte der Abwehr-Hüne bereits separat mit Fitnesstrainer Nikola Vidovic. Zudem durfte der Serbe nicht mit aufs Mannschaftsfoto und fliegt auch morgen (um 8.40 Uhr) nicht mit nach Südkorea. Das könnte auch Frank Arnesen und Gökhan Töre passieren, die beide unverzichtbare Protagonisten im Falle eines Wechsels des Deutsch-Türken sind. Zumindest deutet sich hier ein Wechsel immer deutlicher an. An dem Linksfuß ist weiterhin Rubin Kazan interessiert, italienische Interessenten sollen nicht mitbieten. Auf die Frage, ob Töre mitfliegt, kommt auf jeden Fall das eindeutig zweideutige „Stand jetzt, schon…“ Aber versprochen: Ich bleibe dran.

In diesem Sinne, uns allen einen schönen Restsonntag!

Bis morgen!
Scholle

So kann und darf es nicht weitergehen

21. August 2011

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, war der Blog heute Mittag für einige Zeit nicht nutzbar. Ein technisches Problem hatte alle Blogs von „Abendblatt“ und „Welt“ lahmgelegt. Auch wenn ich jetzt etwas früher als angekündigt mit diesem Blog komme – entschuldigt bitte die Verspätung.

Und auch der HSV hat Probleme. Größere noch als der Axel-Springer-Verlag mit seinem Server. Der HSV steckt im Abstiegskampf. Finanziell stark eingeschränkt fehlt der Mannschaft neben Punkten auch die dafür notwendige Qualität. Die Zweifel am aktuellen Kader sind berechtigt und es scheint keine Besserung in Sicht. Zumindest betonen Sportchef Frank Arnesen sowie die aktuelle HSV-Führung, dass sie die Problematik sehr wohl erkannt haben, für notwendige Verstärkungen jedoch kein Geld da ist. Das wiederum hängt weniger damit zusammen, dass in diesem Sommer zu viel ausgegeben wurde. Bislang wurden Gelder eingespart, der Etat drastisch gekürzt. Nein, es liegt tatsächlich daran, dass in den letzten Jahren nicht ausreichend gespart/eingespielt wurde. Es wurde den eigenen Ansprüchen entsprechend investiert allerdings nicht entsprechend erfolgreich gespielt. Das ist Fakt. Unabhängig davon, wer dafür verantwortlich war.

Das nur für die Verschwörungstheoretiker dieses Blogs.

Es geht mir hier noch immer nicht darum, einen einzigen Schuldigen zu finden. Das habe ich nie gemacht, das wäre auch zu kurz gedacht, viel zu simpel. Und, um hier noch etwas klarzustellen: In der Ära Hoffmann war es wie unter allen anderen Verantwortlichen eine Ansammlung aus Vorständen, Aufsichtsräten und einem Trainerteam, die verantwortlich waren für das, was am Ende als Ergebnis dastand. Gleiches zählt heuer für Jarchow, Hilke, Scheel, Arnesen und Oenning. Genau so wie sie gefeiert werden für Erfolge und tolle Zahlen müssen allerdings auch Fehler benannt werden. Die der Vergangenheit ebenso wie die aktuellen. Es geht doch immer nur darum, die Situation zu verstehen, damit man sie ändern kann. Oder besser: damit wir Veränderungen fordern/vorschlagen/erhoffen können.

Deshalb bringt es auch wirklich nichts, hier alles als Hoffmann-Schelte zu interpretieren und beleidigt Vorwürfe und Beleidigungen rauszuschmettern. Natürlich hat Hoffmann gute Arbeit gemacht. Unter seiner Regie als Vorstandsboss ist der HSV international bis unter die Top 20 geklettert. Zusammen mit Katja Kraus und dem damaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer hat Bernd Hoffmann dem HSV zu einem Aufschwung verholfen. Allerdings ist der heute vorbei, es geht gegen den Abstieg und wir sind auf der Suche nach den Gründen dafür. Viele liegen in den letzten Wochen, einige aber eben auch in den letzten Jahren.

Ein Grund, bei dem wir uns hier alle einig sind, ist die fehlende fußballerische Qualität. Das ist, glaube ich, unbestritten. Jetzt kann man sagen: das kommt noch, die Mannschaft braucht Zeit. Allerdings glaube ich nicht daran. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass diese Mannschaft noch Führungstypen benötigt, die eine hohe fußballerische Qualität mitbringen. Dafür reicht kein Heiko Westermann, kein (ohnehin zuletzt enteierter) David Jarolim. Und auch kein Mladen Petric oder gar einer von den Neuen, von den Jungen. Nein, der HSV muss reagieren. Allerdings tut er dies noch nicht mit der Begründung, es seien keine finanziellen Mittel da. Das wiederum liegt daran, dass der HSV zuletzt nicht das eingenommen hat, was er ausgegeben hat. Dort gab es von allen Seiten (selbst von Bernd Hoffmann) unbestrittene Unterdeckungen, die den HSV heute finanziell bestimmen. Damit benenne ich lediglich den Grund, weshalb kein guter und dementsprechend zumeist auch teurer Spieler geholt wird. Oder glaubt Ihr wirklich, ein Arnesen wäre blind? Das wäre nämlich der Umkehrschluss, dem aktuellen Vorstand die Kompetenz abzusprechen.

Nein, alle wissen, was die Uhr geschlagen hat. Aber was bleibt einem Arnesen übrig? Was hätte er nach dem Spiel gestern vor der Kamera sagen sollen, was die ganze Situation nicht noch zusätzlich erschwert hätte? Er muss doch dem Trainer den Rücken stärken. Er betreibt Mängelverwaltung – zum Teil natürlich auch der Spieler, die er selbst geholt hat, die aber noch nicht bundesligatauglich scheinen.

So gern und oft zuletzt Geduld gefordert wurde, jetzt müssen wir sie tatsächlich haben. Bis zum 31. August ist das Transferfenster geöffnet. Und intern wird weiter an den Verkäufen von Demel und Tavares gearbeitet, um Gelder zu generieren. Ich bin mir sicher, selbst Verkäufe aktueller Stars (Petric, Elia) spielen in den Gedanken der Granden inzwischen wieder eine Rolle. Aber bevor nicht eine dieser Geschichten abgewickelt wird, ist es fast unmöglich, Sofortverstärkungen für den HSV zu gewinnen.

Dass das nicht alles ist, das auch mit dieser Mannschaft besserer Fußball gespielt werden kann und auch muss, da sind wir uns glaube ich alle einig. Sich in München nach zehn Minuten Gegenwehr zu ergeben – das spricht nicht für die Moral dieser Mannschaft. Zehn Spiele in Folge nicht zu gewinnen – das spricht weder für Mannschaft noch für den Trainer. Auch Oenning muss sich der Kritik stellen. Wenn meine Statistik stimmt, bringt es Oenning als Cheftrainer auf 0,75 Punkte pro Spiel. Ein Schnitt, der den sicheren Abstieg bedeuten würde und der ebenso dringend wie schnell verbessert werden muss, will Oenning beim HSV bleiben.

Das Argument, mit Dortmund und Bayern Hammergegner zum Auftakt gehabt zu haben, gegen die man verlieren darf, lasse ich gern gelten. Allerdings nur, wenn im Gegenzug Spiele wie gegen Hertha oder eben ach am kommenden Sonnabend gegen Köln als Pflichtsiege betrachtet sowie entsprechend mutig und dominant angegangen werden. Bei aller Wertschätzung für den Umbruch – das Tagesgeschäft hat immer und überall Priorität. Und hierbei steht der HSV – das muss man so sehen – gegen Köln im eigenen Stadion unter Zugzwang.

Ich werde hier nicht, wie von dem einen oder anderen Blogger gefordert, Oennings Rauswurf fordern oder als ultimatives Werkzeug betiteln. Oenning bekommt seine faire Chance. Allerdings hat er die bereits seit drei Spieltagen nicht genutzt. Bislang ist seine Strategie erfolglos – und zehn erfolglose Spieltage kann sich keine Mannschaft erlauben. Das weiß Oenning – und das wissen seine Vorgesetzten. Auch Arnesen. Ganz sicher.

Es ist auch nicht zu erklären, wie eine Mannschaft die ganze Woche davon spricht, taktisch besser geschult zu werden und endlich zu wissen, was defensiv zu leisten ist. Sich dann trotz zweier Defensiv-Viererketten hintereinander so abschießen zu lassen – das ist alarmierend.

Ich hatte gestern im Gegensatz zu sonst einem Blogger per email geantwortet, der mich als bezahlten Handlanger des aktuellen Vorstandes betitelte. Unter dem deprimierenden Eindruck des 0:5 habe ich auf diese Unsachlichkeit leider etwas harsch reagiert – dafür hier noch mal Entschuldigung an den entsprechenden Herren! Allerdings sollten sich auf der anderen Seite einige Blogger ihre Posts vielleicht nochmal mit etwas Abstand durchlesen, ehe sie sie online stellen. Denn das einzig Schlimmere als solche Klatschen wie gestern ist, wenn selbige uns intern auseinander dividieren.

Aber gut, das hatte Dieter hier schon häufiger versucht – ich jetzt auch. Mal sehen, wie wir die kommenden Tage angehen. Wenn es nach mir geht, dann mit konstruktiver und dann auch gern äußerst kritischer Betrachtung.

In diesem Sinne, schon am morgigen Montag wird sich Arnesen in unsere Runde begeben. Und er wird einige unangenehme Fragen beantworten müssen. Da bin ich mir ganz sicher.

Scholle (19.38 Uhr)

Die Inhalte einer Info-Versammlung

22. Mai 2011

„Die Uhren wurden auf Null gestellt, und es war spontan eine konstruktive Aufbruchsstimmung zu spüren.“ Das sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff zu Beginn seiner Rede über jene Zeit im März, die dem HSV eine neue Klubführung bescherte. Gesagt hat es EOR auf der Informationsveranstaltung, die am Sonntag in der Arena stattfand. Im Westen nichts Neues – so könnte dieser Tag nach dieser Versammlung umschrieben werden.

Was sollte dieses Treffen im Volkspark eigentlich?

Damals, als Bernd Hoffmann und Katja Kraus im Mittelpunkt standen, da wurden die Uhren also auf Null gestellt, und es war spontan eine konstruktive Aufbruchsstimmung zu spüren. Das hatte ich ganz anders in Erinnerung. Es roch ganz stark nach einer Palast-Revolution. Aus der Opposition kam noch eine Opposition hervor, die wollte es dem Aufsichtsrat, vor allem und ganz besonders dem Aufsichtsrat mal zeigen. Was Sache ist, wie es geht, vor allen Dingen wie es nicht geht. Und es ging damals vor allem nicht, Hoffmann und Kraus vor die Tür zu setzen. Dieser Aufsichtsrat sollte nicht nur weg, der musste auch weg! Deswegen sollte es doch, oder irre ich mich, eine Außerordentliche Mitgliederversammlung geben. Und aus der war nun plötzlich diese ganz harmlose Info-Versammlung geworden. Nichts, wirklich nichts von dem, was die Leute damals auf die Palme gebracht hatte, wurde an diesem Sonntag geklärt. Aber nett war es trotz allem.

Es war eben nur eine Info-Versammlung . . .

Die Hoffmann-„Fans“ haben sich längst wieder beruhigt. Es wurde heute weder gepöbelt noch hitzig diskutiert, es gab viel Beifall, manchmal auch nur artigen Applaus, dazu auch einige Unmutsäußerungen, aber die waren an diesem Tag echte Raritäten. Alles scheint, naja, fast alles scheint in diesem HSV wieder ganz normal zu sein.

Und das finde ich auch gut, damit keiner auf dumme Gedanken kommt. Es ist Ruhe eingekehrt, und das ist eine Voraussetzung, wenn nicht die Voraussetzung dafür, dass es tatsächlich eine konstruktive Aufbruchsstimmung gibt. Zu gerne allerdings hätte ich jene Frage beantwortet gehabt, die zweimal gestellt worden war: Warum mussten Bernd Hoffmann und Katja Kraus eigentlich wirklich gehen? So richtig beantwortet wurde das bis jetzt nie. Da wurde viel um den heißen Brei herum gesprochen. Und die Opposition, das hatte ich so nicht erwartet, gab sich damit auch zufrieden.
Friede, Freude, Eierkuchen beim HSV. So geht es doch auch.

Obwohl: Ernst-Otto Rieckhoff ist in diesen Tagen (und Wochen) offenbar die Hutschnur geplatzt. Weil es wiederholt Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat gab, die im Hamburger Abendblatt standen. Gratulation an die Kollegen, die das geschafft haben – denn es ist die Aufgabe eines Journalisten, so etwas zu schaffen. Womit ich gleich eine kurze Anmerkung auf Carl-Edgar Jarchow einfügen möchte: Der neue HSV-Vorstandsvorsitzende hatte kritisiert, dass die Meldung, dass Physiotherapeut Uwe Eplinius nach sieben Jahren vom HSV entlassen wird (!), bereits einen Tag vor der Entlassung im Abendblatt zu lesen war. Das sei unmenschlich, sagte Jarchow. Man stelle sich mal vor: Das Abendblatt erfährt, dass morgen Angela Merkel gehen muss – und es ist dann auch tatsächlich im Abendblatt zu lesen. Weil es die Pflicht von Journalisten ist, so etwas zu vermelden. Ist dann, wenn Merkel tatsächlich entlassen wird, das auch eine unmenschliche Tat vom Abendblatt gewesen?

Wenn Eplinius entlassen werden sollte, dann macht man das gleich. Dann gäbe es keinen Informanten, der mit dieser Nachricht hausieren gehen könnte. So einfach ist das. Intern eine Entlassung anzukündigen, sie dann aber Tage später erst vorzunehmen, ist in jedem Bereich – nicht nur im Sport und beim HSV – ein gefährliches Unterfangen. Ein Journalist, der von einer solchen geplanten Entlassung erfährt, der wäre ein schlechter Journalist, wenn er dies nicht veröffentlichen würde. Dann sollte er sich doch bitte um eine Stellung beim Stadionblatt „HSVlive“ bewerben, dort dürfte davon ganz sicher nicht (von der Entlassung) geschrieben werden.

Dass aber, und damit bin ich wieder beim Aufsichtsrat, immer wieder Geheimnisse des HSV an die Presse gegeben werden, das hat doch auch schon Tradition. Dazu musste es nicht erst den Aufsichtsrat geben. Ich kann mich erinnern, dass der damalige Präsident Drt. Wolfgang Klein einmal von der fast versammelten Medien-Landschaft angeprangert wurde (öffentlich, nach einem Spiel im Volksparkstadion), weil er einer gewissen Zeitung immer wieder bevorzugt Meldungen gesteckt hatte. Dr. Klein sah sich massiven Vorwürfen ausgesetzt, beendete diese öffentliche Diskussion aber mit dem Satz: „Ich werde mir auch weiterhin das Recht heraus nehmen, gezielte Informationen zu verbreiten.“ Dieser Satz ist seit Jahrzehnten in meinem kleinen Hirn verinnerlicht.

Und „gezielte Informationen“ verteilt der eine oder andere Aufsichtsrat des HSV doch auch nur. Und zwar seit 14 Jahren. Seit des diesen Rat gibt. Immer und immer wieder gelangten die größten Geheimnisse ans Tageslicht, mit Jürgen Hunke, ohne Jürgen Hunke. Und auch schon jahrelang ohne Manfred Ertel. Die Menschen sind eben alle mal ganz gerne eine Plaudertasche, der eine mehr, der andere weniger. Ernst-Otto Rieckhoff allerdings will das nicht so einfach hinnehmen. Er war sauer. Berechtigt, aber er wird nie etwas ändern können – NIE!! Weil die Menschen nun einmal so sind. Egal ob es der eine oder andere Rat nicht ist, egal auch, ob es die Fans und Mitglieder nun einmal wahrhaben wollen – oder auch nicht.

„Wo stehen wir jetzt?“, fragte Ernst-Otto Rieckhoff die Mitglieder, gab sich dann aber selbst die Antwort: „Der HSV wieder voll handlungsfähig, die Saisonvorbereitungen verlaufen nach Plan. Alte und neue Projekte werden mit Elan angegangen, der Aufsichtsrat wird den Vorstand bei diesen komplexen Aufgaben begleiten.“ Rieckhoff weiter: „Und das in einer nicht wirklich einfachen Ausgangsposition. Jetzt sind intelligente und kreative Wege zu suchen und zu beschreiten. Für mich darf für mich aber nicht in eine Mittelmäßigkeit führen. Der HSV muss mittelfristig eine gute Rolle in Europa spielen.“ Davon allerdings war er zuletzt ein gutes Stück weit entfernt, der HSV sich davon immer weiter entfernt (mit Platz acht), und er wird nun bekanntlich kleine Brötchen backen müssen – schon deswegen war der AR-Boss gut beraten, von „mittelfristig“ zu reden.

„Wenn wir uns mit allen unseren Kräften miteinander und nicht gegeneinander mächtig für unseren HSV ins Zeug legen, wird der gesamte Verein davon profitieren und ein Vorbild für das Unikat Universalsportverein sein – ich bin dabei“, sagte Rieckhoff. Er hatte zuerst einmal die Geschichte der personellen Veränderungen in der Klub-Führung aufgearbeitet, kam dann zum Abschluss seiner Rede aber noch einmal auf die Indiskretionen im Aufsichtsrat zurück. Rieckhoff: „Ich habe mich seit Januar immer wieder schützend vor diesen Aufsichtsrat gestellt, habe um Einheit geworben – manchmal auch gegen meine Überzeugung, aber immer zum Wohle des HSV. Ich bin aber nicht mehr bereit, mich zum Deppen machen zu lassen. Ich bin nicht mehr bereit, meinen Kopf hinzuhalten und die Verantwortung für die ungeheuren Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat und deren Folgen zu übernehmen.“ Der Boss weiter: „Mein bisheriges Schönreden über diesen Aufsichtsrat werde ich in eine offensivere und echtere Einschätzung umwandeln.“ Für diese Sätze erhielt Rieckhoff mehrere Male sehr viel Beifall. Rieckhoff salopp: „Ich kann über diese Leute, die dem Aufsichtsrat so schaden, nur mit den Ohren schlackern.“

Wie schwer es ist, einen Geheimnisträger zum Schweigen zu bringen, verriet Rieckhoff aber auch noch. Nicht wie schwer, sondern dass es fast unmöglich ist: „Einst war mal wieder ein Geheimnis aus dem Rat verraten worden, es konnte nur einer von den zwölf Herren gewesen sein. Udo Bandow, der AR-Boss, hatte die Nase voll, jeder der zwölf Herren sollte eine Eidesstattliche Versicherung unterschreiben, dass er es nicht war. Und? Alle unterschrieben. Obwohl es einer gewesen sein muss.“
Gute Nacht, liebe Wahrheit.

Ernst-Otto Rieckhoff klang dabei schon ein wenig verzweifelt, als er sagte: „Ich bin inzwischen so weit, dass ich dem Vorstand empfehle, mit personellen Entscheidungen so wenig wie möglich mit dem Aufsichtsrat zu besprechen.“ Und ewig spielt das Misstrauen beim HSV mit . . .

Der Aufsichtsrats-Boss abschließend: „Es gibt in diesem Klub kein Feindbild mehr, dafür aber viele große Herausforderungen. Es ist höchste Zeit für eine schonungslose Selbstkritik, auch über persönliche Eitelkeiten, Verhaltensweisen und über persönliche Interessen nachzudenken. Es ist höchste Zeit, die Frage über unsere Strukturen zu stellen. Andernfalls werden wir sehenden Auges – gerade nach der Überwindung einer schweren Vereins-Krise – eine neue Krise haben.“

Ernst-Otto Rieckhoff erhielt für seine Rede viel Beifall, er war nach Ex-Sportchef Bastian Reinhardt, der schon fast begeistert gefeiert wurde, der zweite Gewinner des Tages. Mit Rieckhoff traf es auch den Richtigen, denn er hat gerade in der ersten Zeit nach dem Amtsantritt als AR-Boss alles dafür getan, damit der HSV wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt. Rieckhoff hatte Tag und Nacht dafür gearbeitet, dass wieder Ruhe in den Klub kommt, dass wieder die sportliche Seite der Raute im Vordergrund steht. Und letztlich hat er es auch geschafft, der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sollte es zu Beginn der Krise noch und vor allem dem Aufsichtsrat an den Kragen gehen, so war diese Informationsveranstaltung ein Treffen, zu dem offenbar alle, wirklich alle, viel, viel Weichspüler getrunken hatten. Hier jedenfalls wollte eigentlich keiner mehr dem anderen an den Kragen.

Und das war auch gut so!

Info war angesagt. Und nebenbei gab es auch das eine oder andere Pläuschen. Dr. Peter Krohn zum Beispiel sagte: „Ernst-Otto Rieckhoff hat hier die große Harmonie ausgerufen, und das ist auch richtig so.“ Aber Krohn sagte auch: „Kritik aber, untereinander, in Versammlungen, die sollte es geben. Verzeihen Sie einem alten Mann, wenn er sagt, dass Dinge in allen Lebensbereichen durch fruchtbare und auch kontroverse Diskussionen vorangetrieben werden. Und nicht dass man Händchen hält und gemeinsam Weihnachtslieder singt.“

Dann lobte Krohn die Arbeit des „alten“ Vorstandes: „Man kann auch einen Klub übernehmen, der ein nicht fertiges Stadion hat, der einen Buckel voller Schulden hat, Negativ-Kapital, wie man das heute sagt. Bernd Hoffmann hatte damals nicht die günstigsten Voraussetzungen, als er sein Amt antrat, seine Nachfolger, das ist meine Meinung, haben heute bessere.“ Und: „In den acht Jahren von Bernd Hoffmann ist im HSV einiges bewegt worden. Ich sage das deswegen, weil ich bis heute noch keine klare Aussage gehört, warum dieser Wechsel erfolgt ist. Einige Dinge sind mir bis zum heutigen Tage nicht klar, warum sie geschehen sind.“

Krohn wollte damit aber nicht als Hoffmann-„Fan“ gelten: „Ich hatte mit ihm und Katja Kraus viele Diskussionen, aber am Ende haben wir uns immer wieder die Hand gegeben – so wie sich das für einen HSVer gehört.“

Der ehemalige „HSV-General“ Krohn bemängelte, dass der jetzige Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow nur ein „Interims-Chef“ ist, weil somit ja wieder keine Kontinuität gewahrt worden ist. Rieckhoff erklärte aber später, dass dieser Vertrag so abgeschlossen wurde, wie es in den Satzungen des HSV steht: „Ein Interim-Vorsitzender darf längstens drei Jahre im Amt sein, er kann aber, sollte eine andere Lösung gefunden werden, eher gehen.“ Drei Jahren sind als kein „Muss“ für Jarchow, sondern nur für den Fall gegeben, wenn der HSV keinen anderen Nachfolger für Bernd Hoffmann findet. Wobei ich ja fest glaube, dass Jarchow dennoch lange – über die drei Jahre hinaus – im Amt bleiben wird, denn er liebt es ja jetzt schon sehr.

Dr. Peter Krohn bemängelte auch, dass Bernd Hoffmann von Seiten des Vereins nicht genügend für die acht Jahre gedankt worden ist. Dazu Ernst-Otto Rieckhoff: „Das habe ich sehr wohl in allen meinen Erklärungen in allen Medien gemacht.“ Vielleicht aber war ja auch ein Abschiedsspiel für Hoffmann gemeint. Übrigens: Bernd Hoffmann hat in den acht Jahren beim HSV sehr gut verdient, und er hat eine schöne Summe zu seinem Abschied erhalten. Ich würde mich freue, wenn ich nach über 30 Jahren Springer, die ich am Ende eventuell hätte, auch mehr als ein Dankeschön erhalten würde, aber wer weiß, wie sich das gestaltet? Ich habe da so meine Zweifel, so mancher „Matz-abber“ hätte sicher einiges dagegen, wenn ich auch noch, nachdem ich jahrelang mein tolles Gehalt hier abgeschleppt habe, fürstlich entlohnt werden würde – aber das nur mal am Rande.
(Jetzt bitte alle aufregen, die es wollen)

Wo ich gerade bei Danksagungen bin: Bastian Reinhardt wurde an diesem Sonntag mehrfach gedankt, und ich fand es großartig, wie die meisten der 402 Besucher der Info-Versammlung dazu standen. Sie klatschten lange und anhaltend. Bravo. Das hat dieser Mann verdient. Denn es war für ihn ganz sicher kein leichtes Jahr, das letzte. Und wer genau, ganz genau hinhörte, der wird das auch von ihm erfahren haben. Sekunden nämlich, bevor er vom Rednerpult wegtrat, da sagte er so etwas in Richtung Oliver Scheel. In etwa so, dass es ja für beide Vorstandsherren kein Zuckerschlecken war – in der alten Zusammensetzung des Vorstandes. Da klang zwischen den Zeilen doch schon so mancher Unmut durch . . .

Zumal Reinhardt vorher schon gesagt hatte: „Es war sicherlich nicht leicht für mich in den vergangenen Jahren, es war eine lehrreiche Zeit. In der habe ich nicht immer nach meinen persönlichen Vorstellungen gearbeitet, aber immer zum Wohle des HSV.“ Sehr vielsagend.

Reinhardt, der nun ins zweite Glied zurücktritt (weil am Montag Frank Arnesen seinen Job antritt), gab zu: „Wir sind unseren Ansprüchen nicht gerecht geworden, weil es uns nicht gelungen ist, aus diesem Kader eine Mannschaft zu formen. Und dafür sind nicht nur die Spieler verantwortlich. Wir haben in der Vergangenheit einige kleine Dinge verschlafen, wie das laufintensivere Spiel, das Tempo im Spiel und einige spiel-taktischen Dinge. Ich bin mir aber sehr sehr sicher, dass Michael Oenning das Potenzial dieser Mannschaft in Zukunft viel besser ausschöpfen wird.“

Carl-Edgar Jarchow sprach über die Zukunft des HSV, der neue Mann an seiner Seite, Joachim Hilke (Marketing-Bereich) versprach: „Wir werden unsere Strukturen leistungsfähiger machen, und unsere Mitarbeiter bekommen mehr Verantwortung übertragen.“ Und: „Wir werden unsere Wettbewerbsfähigkeiten verbessern denn das ist eine gute Vermarktung und unerlässlich im Kampf, an der Spitze zu spielen.“

Jarchow kündigte einen finanziellen Verlust von drei Millionen Euro an und sagte weiter: „Wir stehen vor den Fragen, wer bleiben soll, wer gehen sollte – doch alle diese Fragen sind mit einer weiteren Frage verbunden: was können wir uns leisten? Was können wir uns leisten, ohne unsolide zu werden?“ Das dürfte die Kardinalfrage dieses Sommers werden. Jarchow zur Zielsetzung: „Da unterscheide ich mich nicht von meinen Vorgängern, sie wollten alle, dass wir oben in der Bundesliga mitspielen, und auch in Europa. Das allerdings dürfte im nächsten Jahr nicht möglich sein. Dennoch erwarte ich, dass wir ein Team zusammenstellen werden, das um Platz sechs mitspielen kann.“

Jarchow bat um Geduld, und er verreit über seine bisherige Arbeit im HSV: „Wir alle im Vorstand, wir sind in den zurückliegenden zwei Monaten sehr offen und vertrauensvoll miteinander umgegangen, und so offen und vertrauensvoll wollen wir auch mit den Mitgliedern umgehen.“ Und Jarchow versprach auch: „Wir werden uns mit allen Mitteln auf allen Ebenen für den HSV einsetzen. Das ist meine auch meine Motivation. Ich werde hier nicht mit allen Mitteln meine Job verteidigen, ich werde, das habe ich auch dem Aufsichtsrat erklärt, alles geben was ich kann für den HSV. Ich werde nicht an meinem Sessel kleben, ich mache das alles auch nicht aus Selbstzweck. Ich möchte nur erreichen, dass wir mit mehr Gemeinsamkeit im HSV etwas erreichen.“ Gemeinsam ist das Stichwort. Und „Wir“. Ist der Klub auf dem Wege zu einem neuen Wir-Gefühl? Schön wäre es.

Zurück zu Dr. Krohn. Der zitierte zum Schluss noch einen großen Deutschen, nämlich Alfred Herrhausen. Der hat einst gesagt: „Wir müssen sagen, was wir denken, wir müssen tun, was wir sagen, und wir müssen sein, was wir tun. Das möchte ich der neuen Führung und dem Aufsichtsrat mit auf den Weg geben.“

Heiß diskutiert wird in Zukunft wohl jene Tatsache, dass einige Aufsichtsratsmitglieder gerne ein Mitgliederbefragung durchführen würden. Da ging es heute schon ein wneig zur Sache, das wird in naher Zukunft noch heftiger – ganz sicher. Alexander Otto vom AR befürwortet das, Manfred Ertel vom AR ist strikt dagegen: „Das wäre ein Satzungsverstoß.“ Jürgen Hunke vom AR ist auch dagegen: „Weil das eine unheimlich komplizierte und auch teure Angelegenheit wäre. Meine Zustimmung dafür würde es geben, wenn uns zum Beispiel der FC Bayern oder auch andere Vereine so etwas vorgemacht hätten. Wir aber, so denke ich, haben im Moment ganz andere Sorgen.. Wir müssen daran denken, dass wir eine neue Mannschaft für die nächste Bundesliga-Saison aufbauen müssen, wir müssen erst unsere sportlichen Probleme klären und in den Griff bekommen, bevor wir uns mit einer Mitgliederbefragung beschäftigen.“

So ist es. Und Dr. Krohn hat schon angekündigt: „Im Januar werden wir fragen, was besser geworden ist im HSV – gegenüber den acht Jahren unter der Regie von Bernd Hoffmann.”

Übrigens, und das ist ein schöner Schlusspunkt dieser Info-Versammlung, gefiel mir der Auftritt des ehemaligen Vorstandsmitgliedes Christian Reichert. Der hatte im Abendblatt ein Interview mit Bern Hoffmann gelesen und fragte nun die Klub-Führung, ob Hoffmann nicht jenen Passus in seinem Abfindungsvertrag hätte, nach dem über Dinge, die während der Amtszeit im HSV passiert sind, nicht gesprochen werden darf? Hätte Bernd Hoffmann diesen Passus nicht, dann würde Reichert auch gerne auf diesen Passus in seinem Vertrag haben, denn dann hätte auch er noch einige interessante Dinge aus seiner Zeit als HSV-Vorstandsmitglied auszuplaudern.

Das wäre doch etwas. Dann gäbe es sicher das eine oder andere Detail, über das sich dann die Fan-Gemeinde würde total aufregen würde. Und damit wäre dann auch wieder Leben in der Bude.
So aber, ohne neue Enthüllungen, dürfte es doch ziemlich langweilig durch diese Sommerpause gehen.

Viel Spaß mit Eurem/unseren HSV!

19.42 Uhr

PS: Montag kein Training, auch kein Spielchen – vielleicht eine Neuerwerbung.

Analyse Teil sechs: Ärger an der Spitze

21. Mai 2011

Es wird heiß diskutiert werden, es wird sicher auch heftig Kritik an so mancher HSV-Führungsposition geübt – aber es wird nichts beschlossen. Aus der einst als „Palast-Revolution“ geplanten Versammlung ist lediglich eine Informationsveranstaltung des HSV geworden, die an diesem Sonntag um 11 Uhr im Westen der Arena im Volkspark beginnen soll. Wenn es dem Klub dann hilft . . .

In jeder Generation schieden sich die Geister an der Führung des HSV. Unumstritten war in der jüngsten Vereinsgeschichte eigentlich niemand, das war einst schon zu Dr. Peter Krohns Zeiten und zur Amtszeit von Dr. Wolfgang Klein so. Immer gab es mal eine kleine, vielleicht auch einmal die eine oder andere größere Opposition. Und das war natürlich auch in der Ära von Bernd Hoffmann so. Wobei ich bei der Saisonanalyse Teil sechs bin.

Von Februar 2003 an war Hoffmann der HSV-Boss, er ist es bis ins Frühjahr 2011 geblieben. Dann gab es die Ablösung – auch deshalb, weil der Erfolg im Verein ausgeblieben ist. Um es noch einmal zu betonen: Ich habe nichts gegen Bernd Hoffmann, ich habe mich immer neutral ihm gegenüber verhalten. Fest steht, dass der HSV unter seiner Regie aufblühte. Unter seiner Regie, gemeinsam mit Katja Kraus und Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Mir ist bis heute schleierhaft, wieso die drei Führungskräfte diese gut funktionierende, von etlichen zwischenmenschlichen Missverständnissen geprägte Zusammenarbeit aufs Spiel setzten. Aber das ist ein anderes Thema, das liegt schon länger zurück. Ich versuche es salopp unter dem Mott ab: „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis . . .“

Den Erfolg Hoffmanns mache ich immer an den Transfers fest. Die Transfers vor seiner Zeit, und die während seiner Amtszeit. Im Jahre 2000 kamen Spieler wie Christoph Babatz, Alexander Bade, Thomas Gravesen, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Fabian Ernst, Özkan Gümüs, Sascha Ilic, Rasoul Khatibi und Josip Simunic nach Hamburg. Ein Jahr später, es stand immer noch Werner Hackmann an der Spitze des Klubs, waren es Spieler wie Jörg Albertz, Roda Antar, Kim Christensen, Marcel Maltritz, Bernardo Romeo, Raphael Wicky und Stefan Wächter. Ich habe gegen nicht einen dieser Profis etwas, alles nette Kerle und sicher auch brauchbare Fußballer.

Mit Hoffmann und mit Beiersdorfer waren es dann aber in den folgenden Jahren Spieler wie David Jarolim, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Emile Mpenza, Benjamin Lauth, Thimotheee Atouba, Nigel de Jong, Guy Demel und vor allem Rafael van der Vaart. Später folgten noch Joris Mathijsen, Paolo Guerrero, Vincent Kompany und Ivica Olic, um nur einige Hochkaräter zu nennen – zuletzt Ruud van Nistelrooy. Namen, vor allem aber Kaufsummen (auch Leihsummen), an die sich der HSV vor Beginn der Hoffmann-Ära nie oder nur in ganz, ganz seltenen Fällen herangetraut hatte.

Natürlich gab es auch so manchen Flop seit 2003, aber wo gab, wo gibt es die nicht? Selbst der große FC Bayern, dort in Person von Über-Manager Uli Hoeneß, hat sich zahlreiche Fehleinkäufe geleistet. Für mich aber steht fest, dass es mit dem HSV unter Hoffmann, Kraus und Beiersdorfer deutlich bergauf ging. Deswegen habe ich Bernd Hoffmann auch geschätzt. Er hat der Raute sicher viel Gutes getan.

Trotz allem war er nie unumstritten. Was sicherlich auch mit der Art seiner Menschenführung zu tun hatte. Da hat (oder hatte) er sicher Defizite, aber, und das muss ich bei der Gelegenheit auch ganz deutlich sagen, die gab es auch bei so manchem Hoffmann-Vorgänger zu registrieren. Weil solche Schwächen schnell einmal bei Chefs generell auszumachen sind. Sonst werden solche Menschen vielleicht auch keine Chefs.

Was mich bei Bernd Hoffmann bis heute massiv gestört hat, das ist die Tatsache, dass er mir Christian Reichert, Dietmar Beiersdorfer und zuletzt auch Oliver Scheel Männer an seiner Seite hatte, die die Raute bis heute im Herz tragen, die aber, wenn es um die Führung des Klubs ging, stets nur Papiertiger waren. Hoffmann und Kraus trafen die meisten ihrer Entscheidungen allein, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass es auch noch ein drittes Vorstandsmitglied gab. Davon darf sicher jeder gerne selbst sein eigenes Bild verschaffen, er muss nur einmal mit diesen drei betroffenen Herren sprechen. Sie haben ganz sicher andere Vorstellungen von einer vernünftigen Art der Zusammenarbeit gehabt, bevor sie in den HSV-Vorstand kamen. Letztlich sind Reichert und Beiersdorfer daran gescheitert, und natürlich ist es hypothetisch, aber ich könnte wetten, dass auch ein guter Mann wie Scheel letztlich daran zerbrochen wäre – wenn es nicht zu jener Abberufung des Vorstandes kam, über die an diesem Sonntag ganz sicher auch diskutiert wird.

Ich behaupte einmal ganz frech: Hätten Bernd Hoffmann und auch Katja Kraus eine vernünftige Zusammenarbeit mit allen dem Vorstand angehörenden Personen gewählt, sie alle wären noch heute in Amt und Würden. Aber auch das ist natürlich hypothetisch.

Darüber, dass nun die Kassen des HSV leer sind, darüber sollen andere Leute befinden. Bernd Hoffmann hatte jahrelang immer wieder betont, dass er dafür stehe, nur das Geld auszugeben, das der HSV auch tatsächlich hat. Diese sicherlich gute und vorbildliche Vorstellung der Klub-Führung habe ich immer an Hoffmann geschätzt. Aber, und nun kommt das aber, er hat in den letzten (beiden?) Jahren diesen Pfad verlassen. Er ging offenbar, weil er ein überehrgeiziger Mann ist, mehr Risiko. Auch wohl deshalb, weil er die Zeiten leid war, in denen ganz Hamburg vergeblich auf einen Titelgewinn gewartet hat. Hoffmann wollte es – vielleicht mit behutsamer Gewalt – erzwingen, doch das Vorhaben ging schief, wie wir inzwischen alle schmerzlich erfahren mussten.

Auch deshalb geriet Bernd Hoffmann mehr und mehr in die Kritik. Der „neue“ HSV lässt nun ja sogar alle Verträge überprüfen, die in der Hoffmann-Ära abgeschlossen wurden. Das sei legitim, wurde von der jetzigen Führung und auch aus dem Kreis des Aufsichtsrates geäußert. Es mag legitim sein, keine Frage, aber es ist auch nicht nur höchst ungewöhnlich, es ist auch ein Novum in der HSV-Geschichte. Einen solchen Vorfall hat es meines Wissens nie zuvor gegeben. Wobei ich zu gerne einmal wüsste, weshalb das „alte“ Vorstandsduo einen Berater-Vertrag (kostete immerhin eine sechsstellige Summe) mit einer angesehenen Hamburger Firma abgeschlossen hatte. Auch das ist ein Novum. Zu früheren Zeiten gab es solche Beraterverträge (meines Wissens) nicht. Da waren die Klub-Chefs immer selbst in der Lage, ihren Weg zu gehen. Aber vielleicht ist es ja auch Mode geworden – denn die hohe, die ganz, ganz große Politik bedient sich ja auch schon seit Jahren solcher externer Berater.

Wieso, weshalb, warum? Ich habe keinerlei Erklärungen dafür. Wenn ich ein solches Amt bekleiden will, dann muss ich auch wissen, welche Voraussetzungen ich erfüllen muss, um diesen Anforderungen gerecht zu werden – sonst muss ich es geeigneteren Personen überlassen. Deshalb bin ich gespannt, was letztlich aus dem Überprüfen der Verträge heraus kommt.

Quintessenz dieses Vorstands-Theaters: In einem Sport-Verein sollte es in den meisten Fällen gemeinsam gehen, dieses Thema wurde in den letzten Jahren beim HSV verfehlt. Und wenn heute beklagt wurde, dass ein großer Fehler in der Vergangenheit gemacht wurde, als es keinen Sportchef (Nachfolger von Beiersdorfer) gab, dann kommt diese Einsicht Jahre zu spät. In jener Zeit wurden alle diesbezüglichen Fragen schnell abgewimmelt: Man hätte alles im Griff, es fehlt an nichts, es fehlt vor allem kein Sportchef. Heute wissen es alle besser.

Noch ein kurzer Absatz zu Katja Kraus. Sie, das habe ich immer wieder betont, wurde auch von „Oppositionellen“ des HSV für ihre Arbeit, die sie für den Klub verrichtete, gelobt. Ich teile das. Ihr wohl größter Fehler war, dass sie zwar alles für Bernd Hoffmann getan hat, dass sie ihm aber nicht beizeiten auf die Füße getreten ist, was eine gute, vorbildliche und fruchtbare Zusammenarbeit in der Führungsetage eines Sport-Vereins betrifft. Katja Kraus war Nationaltorhüterin, sie hätte ihrem Boss (Hoffmann) durchaus einmal etwas von Teamgeist verklickern können. Vielleicht hat sie es aber auch gemacht, vielleicht hat er es nur nicht angenommen – das vermag ich nicht zu sagen.

Über den „alten“ Aufsichtsrat habe ich schon viel und oft geschrieben. Er hat auf ganzer Linie versagt, das werde ich nur noch einmal wiederholen. Er hat deshalb versagt, weil er es versäumt hat, der Klub-Führung kontrollierend auf die Hände zu gucken. Er hat auch deshalb versagt, weil es zu viele Gemeinsamkeiten mit Bernd Hoffmann gab. Als ich das einmal ansprach, erfuhr ich nur: „Eine gute Zusammenarbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn man sich versteht und gemeinsam an einem Strang zieht.“ Aha. Habe ich damals gedacht, denke ich immer noch.

Nach dem Wechsel an der Klub-Spitze in diesem Frühjahr ist nun wieder Ruhe in den Klub eingekehrt. Zum Glück. Ich habe das Gefühl, dass die Führung und der Aufsichtsrat besser, mehr und auch (vor allem) im Team arbeiten. Ich jedenfalls vertraue dieser Konstellation, und ich kann nur hoffen, dass sich das letztlich auch auf die sportliche Seite niederschlägt. Wenn die Menschen, die nun beim HSV am Ruder sind, merken, dass nicht sie glänzen müssen, sondern nur der Klub, dann ist schon viel gewonnen. Persönliche Eitelkeiten haben vor allem in der jetzigen schwierigen Phase des HSV nichts zu suchen, dafür gibt es im Moment keinen Millimeter Platz. Arbeiten, rackern, schuften und alles für den Erfolg der drei größten Buchstaben der Hansestadt und der Bundesliga tun, das ist nun das Gesetz der Stunde.

17.56 Uhr

Die Mannschaft feiert – der Aufsichtsrat tagt *UPDATE*

12. April 2011

*********Ich wollte mich bei Euch melden, sollte es noch etwas Besonderes von der Aufsichtsratssitzung zu vermelden geben. Und so ist es. Denn, und das ist das “Besonderste” der letzten Jahre, es gibt NICHTS zu vermelden. Gar nichts! Und das trotz der Themenlage. Der Aufsichtsrat, bei dem heute Horst Becker, Ian Karan, Jörg Debatin und Gerd Krug entschuldigt fehlten, schweigt – was es so, in der Konstellation noch nie gab. “Wir haben uns um 19 Uhr getroffen und diverse Dinge besprochen. Aber es gibt nichts zu vermelden”, so Aufsichtsratsboss Ernst Otto Rieckhoff, der auch jede Nachfrage, sei sie noch so thematisch gestellt, unbeantwortet ließ. Bis auf eine: Wie die Saison finanziell abgeschlossen würde? “Mit einem vertretbaren Minus”, so der Chefkontrolleur. Wie hoch “vertretbar” sein kann, ließ Rieckhoff offen. Und das war’s. In diesem Sinne: Gute Nacht aus dem Presseraum der Imtech-Arena!*********

„In der Kabine ist endlich wieder Musik“, freut sich Gojko Kacar und ist sich der Doppeldeutigkeit sehr wohl bewusst. Denn neben guter Laune im Kabinentrakt läuft auch tatsächlich Musik über Lautsprecher. Ein Novum, das der Neu-, Noch- und vielleicht auch Weiterhin-Trainer Michael Oenning eingeführt hat. Und eines, das er auch selbst steuert. „Ich bin aber eher ein sanftes Regulativ“, so Oenning, der als ehemaliger Band-Musiker die Musikauswahl steuert. „Das und Lautstärke regeln, der Rest entwickelt und findet sich“, so der Coach, der nach Angaben von Kacar „dafür sorgt, dass wieder mehr gelacht wird“.

Das mit dem Lachen wiederum gilt derzeit für den restlichen Teil der HSV-Mitarbeiter eher nicht. Aktuell holte sich der neue Vorstand ein Aufgabenprofil von allen Mitarbeitern ein, um zu überprüfen, wo Einsparung möglich oder gar nötig sind. Meines Wissens nach trennte sich der HSV bislang von fünf Mitarbeitern(-innen) der HSV-Zentrale. Insgesamt besteht der here Wunsch, den Geschäftsstellen-Etat am Ende um rund eine Million zu kürzen. Aber bevor ich hier noch mit einer Falschmeldung existenzielle Ängste (schlimmstenfalls sogar unberechtigt) bei Mitarbeitern schüre, belasse ich es bei den Fakten. Die Situation ist für die Betroffenen schon schlimm genug.

Schlimm sah es zunächst auch im Business-Seat-Bereich aus. 29 Prozent der Logen und Business-Seats sind zur neuen Saison gekündigt worden. Und noch nicht neu verkauft. „Wir haben mehr Kündigungen als in den vergangenen Jahren“, bestätigt Marketing-Vorstand Joachim Hilke, um im selben Atemzug zu sagen: „Aber das ist nicht dramatisch. Wir wissen um die Brisanz und unsere Arbeit ist in vollem Gange.“ Die sah so aus, dass allen Kündigungen telefonisch nachgegangen wurde. Es wurde nach den Beweggründen gefragt, Überzeugungsarbeit geleistet. Und bestenfalls bekamen die Bald-Ex-Karten- oder Logen-Besitzer ein Versöhnungsangebot wie Konzertbesuche in Hamburg oder auch Reisen, wie die zum Eurovision-Song-Contest 2011 in Düsseldorf geboten. „Wir arbeiten mit Hochdruck und sind optimistisch“, so Hilke, der zusammen mit seinem Interimsvorstandsboss Carl E. Jarchow heute Abend vor dem Aufsichtsrat zur aktuellen Finanzsituation sprach.

Womit wir bei einem Kernpunkt im Hinblick auf die neue Serie wären: dem Geld. Das sorgt noch mal für ein kurzes Hauen und Stechen. Innerhalb des Aufsichtsrates, wo die neuen Kontrolleure den alten Kontrolleuren vorwerfen, nicht genu aufgepasst zu haben. Aber eben auch zwischen dem aktuellen Vorstand und dem ausgeschiedenen um Bernd Hoffmann und Katja Kraus. Über die Gründe für das aktuelle Finanzloch diskutieren alle Parteien mit unterschiedlichen Standpunkten. Worin sich allerdings alle Beteiligten einig sind, ist, dass das Geld im Vergleich zu den Vorjahren an einigen Stellen fehlen wird. So sehr, dass definitiv eingespart werden muss. Insbesondere bei den Personalkosten für die Bundesligamannschaft. „Die Finanzen beeinflussen natürlich die Kaderplanung“, sagt Michael Oenning, „aber klar ist, dass nicht nur durch Geld etwas entstehen kann.“

Womit Oenning auch außerhalb des Platzes mächtig Werbung für sich machen kann. Denn klar ist, dass der HSV zur neuen Saison sparen und der neue Trainer damit klarkommen muss. Rund zehn Millionen vom – so wird es heute erzählt – bislang 48 Millionen Euro teuren Bundesligakader gilt es einzusparen. Auch deshalb stand heute das Thema Finanzen beim täglichen Telefongespräch zwischen Oenning und Arnesen auf der Agenda. „Wenn man seine sportlichen Ziele ein zweites Mal nicht erreicht, ist es klar, dass man nicht die ganz großen Sprünge machen kann.“ Dennoch, das fügte Oenning hinzu, wüssten er und der designierte Sportchef Frank Arnesen noch immer nicht genau, mit welchen Zahlen gearbeitet werden kann.

Klar ist aber, dass Verkäufe notwendig werden. Unklar hingegen, wer gehen muss. Paolo Guerrero gilt dabei ebenso wie Guy Demel als Wunschverkauf beim HSV, während Eljero Elia und Mladen Petric gehalten werden sollen. Bei Letztgenanntem hatte der Klub zuletzt ein erstes Gespräch geführt. Das wiederum war überhaupt nicht so, wie sich der Stürmer und dessen Berater Volker Struth es sich vorgestellt hatten, woraufhin sich Struth in Petric’s Namen öffentlich beschwerte. „Dennoch wollen wir beide nicht abgeben. Im Gegenteil: Das wäre schon der worst case…“

Ebenfalls unklar ist der Fall Ilkay Gündogan. Der 20-jährige Mittelfeldmann vom 1. FC Nürnberg steht beim HSV weiterhin ganz oben im Kurs. Dass berichtet wurde, der U-21-Nationalspieler des DFB habe sich bereits für einen Wechsel zu Borussia Dortmund entschieden, dementierte Oenning. Und wer sollte es besser wissen als er? „Ich weiß, dass er sich noch nicht entschieden hat. Und es ist ja kein Geheimnis, dass ich eine enge Bindung zu ihm habe und weiß, wie sich die Dinge bei ihm entwickeln.“

Immerhin holte Oenning seinen ehemaligen Schützling zu Bochumer A-Jugendzeiten vor zwei Jahren nach Nürnberg und verhalf ihm zum Sprung ins Profigeschäft, woraus eine Art Freundschaft entstanden ist. „Ich habe Zugang zu ihm“, umschreibt Oenning das Verhältnis zu Gündogan, den er für „sportlich mehr als gut“ bezeichnet und dem er zutraut, „in den nächsten Jahren für Furore“ zu sorgen. „Bei der Entscheidung bin ich sicher ein Faktor, denn es ist klar, dass sich die Spieler an die Leute erinnern, die sie auf den ersten Schritten begleitet haben. Wir sind in seinen Entscheidungsprozess eingebunden.“ Ob er auch direkten Einfluss ausüben kann? Oenning: „Nein.“

Ergo: Abwarten. Aber genau das hat etwas Gutes, denn es gibt wenigstens keine Entscheidung gegen den HSV.

Eine Entscheidung steht auch bei Oenning selbst weiter aus. Diese soll dem Vernehmen nach innerhalb der nächsten zehn Tage (nach Hannover und Stuttgart) gefällt werden. Allerdings weicht Oenning selbst weiter aus und versucht, dabei möglichst entspannt zu wirken. „Die Situation ist im Moment okay. Sie darf natürlich nicht ausufern. Aber ich kann auch keine Erwartungshaltung haben, denn ich bin nicht der Handelnde.“

Das wiederum ist Oenning unumstritten als Cheftrainer. Trotz aller Gerüchte um Stale Solbakken, der sich in London bereits mit Arnesen getroffen haben soll, arbeitet der Münsterländer unbeirrt in Hamburg weiter. Und das erfolgreich. Von deutschen Fußballgrößen wie beispielsweise Jürgen Klopp und Matthias Sammer hochgelobt, erhält Oenning auch aus der Mannschaft breite Unterstützung. „Ich bin gespannt, wie weit das noch zu drehen ist. Aber langsam wird es echt teuer für mich“, scherzt Oenning, um etwas ernster nachzulegen: „Es ist ganz sicher nicht unangenehm. Aber es hilft mir im Moment auch nicht weiter.“

Trotzdem, der studierte Deutsch- und Sportlehrer weiß sich zu verkaufen. Intern – aber auch extern, wo er heute unmissverständlich klar machte, dass selbst eine Rückkehr von Joris Mathijsen zum Spiel gegen Hannover keine Umstellung in der mit Heiko Westermann und Kacar zuletzt sehr starken Innenverteidigung nach sich zieht. „Ich bin momentan nicht gewillt, in der Innenverteidigung etwas umzustellen“, so Oenning, der im Nachmittagstraining auf Zé Roberto verzichten musste. Der Brasilianer absolvierte stattdessen eine Einheit im Kraftraum. Aber Entwarnung: nur vorsichtshalber.

Wo wir in diesem Blog, der natürlich im Schatten der um 18 Uhr in einer Loge beginnenden Aufsichtsratssitzung steht, zum Glück mal sportlich sind, eine hier häufig gestellte Frage. Ich habe heute Oenning auf Lennard Sowah angesprochen, dem Armin Veh jegliche Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatte, und der zumindest in den letzten Wochen wieder im Training mitmischte. Oennings Antwort: „Sowah muss überhaupt erst mal die Grundfitness erreichen. Der ist ja nie wirkliche beschwerdefrei.“

Das war zuletzt Jonathan Pitroipa, der trotzdem nicht berücksichtig wurde und durch die Gelb-Rot-Sperre von Änis Ben-Hatira auf seine erste Kadernominierung unter Oenning hofft. Warum der Offensivspieler, der heute Geburtstag hat, bei ihm keine Beachtung mehr gefunden hatte? „Das geschah im Zuge der Genese der letzten drei Spiele“, so Wortakrobat Oenning, „da kamen einige Dinge zusammen. Aber wenn er sich jetzt anbietet, hat er eine Chance.“ Das sei nach einem Gespräch heute bereits im Training so gewesen. „Ich habe ihm klargemacht, dass er offensiv kreativ ist, aber defensiv zu viel zulässt.“ Eine erste Reaktion sei eine gute Trainingseinheit heute Vormittag gewesen. „Er wird mir diese Woche etwas anbieten“, so Oenning optimistisch.

Ähnlich positiv gestimmt ist der Trainer im Kampf um Platz fünf. Während Kacar die aktuelle Form des HSV als Plus gegenüber der Konkurrenz aus Mainz, Nürnberg und Freiburg sieht, glaubt auch Oenning weiter an das Saisonziel Europa League. „Wir sind nicht chancenlos und hatten sicherlich schon schlechter Ausgangslagen. Auch wenn unsere Situation mit einem Sieg gegen Dortmund noch viel besser gewesen wäre, so glaube ich, dass sich alles erst am letzten Spieltag entscheiden wird.“

Hoffentlich mit einem guten Ende. Und um auf dem weg dahin die Stimmung innerhalb der Mannschaft hochzuhalten, hat Oenning für Donnerstag ein gemeinsames Grillen der Mannschaft auf den Trainingsplan geschrieben.

Warum auch nicht? Wenn’s hilft…

In diesem Sinne, ich vermeide hier weitere Mutmaßungen über fischerAppelt, neue Finanzlöcher und dergleichen. Ich melde mich voraussichtlich morgen wieder bei Euch und werde dann ausgeruht und gut recherchiert von der heutigen Aufsichtsratssitzung berichten. Es sei denn, ich erfahre heute Abend nach der Aufsichtsratssitzung noch Neuigkeiten, die absolut nicht bis morgen warten können.

Bis dahin Euch allen einen schönen (Champions-League-)Abend,

Scholle

18.41 Uhr

Endlich sind die (ersten) Personalien geklärt

16. März 2011

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich bin irgendwie müde. Müde ob der täglichen Überdosis Vereinspolitik. Da hatte ich mich gestern schon gefreut, endlich mal nur über Fußball zu schreiben, bis sich am späten Nachmittag die Ereignisse überschlugen. Inzwischen ist auch das geklärt, Carl Edgar Jarchow ist kommissarisch neuer Vorstandsvorsitzender des HSV und Joachim Hilke. Zwei alte Bekannte, der eine stand immerhin von 2001 bis 2003 im HSV-Aufsichtsrat, der andere agierte bereits 1998 bis 2001 als Vorstand Marketing.

Dafür ist eine große und lange Ära beendet. Und so müde ich auch sein mag, Bernd Hoffmann und Katja Kraus haben es nach ihren Vertragsauflösungen verdient, hier noch mal für ihre erfolgreiche Arbeit der letzten acht Jahre gewürdigt zu werden. Als Team im Februar (Hoffmann) bzw. März (Kraus) 2003 in den HSV-Vorstand berufen, haben die zwei den HSV zum zweithöchsten Umsatz der Bundesliga gepusht. Merchandising und Marketing wurden fast jährlich mit neuen (Vereins-)Rekordzahlen bilanziert, während sich der Verein sportlich von Platz 78 bis in die Top-20 Europas spielte. Und das, was man – ich nehme mich da in keinster Weise aus – als streitbar beim „Machtmenschen“ Bernd Hoffmann und seiner Marketing-Fachfrau Katja Kraus erachtete, war nicht selten deshalb erfolgreich, weil beide hart und kompromisslos an ihren Wegen festhielten. Im Sinne des Vereins. Ginge es rein nach Zahlen und Ergebnissen, gibt es wirklich nur für den verbohrtesten Kritiker ein Haar in der Suppe zu finden. Selbst wenn, wie es sich bereits andeutet, in den nächsten Wochen einige Bestandsaufnahmen und Zahlen veröffentlicht werden, die den Ausblick auf die kommende Saison etwas trüben könnten, Kraus und Hoffmann haben allen Grund, sich als „echte HSVer“ zu betiteln. Denn viel mehr als die beiden haben nicht besonders viele Amtsträger zuvor für den HSV geleistet. „Bernd Hoffmann und Katja Kraus und der HSV haben sich einvernehmlich, wobei ich das Wort ‚einvernehmlich‘ betone, getrennt. Der Aufsichtsrat hat Herrn Hoffmann und Frau Kraus ausdrücklich für die für den Verein geleistete exzellente Arbeit gedankt und wünscht ihnen persönlich und beruflich alles Gute für die Zukunft“, erklärte Otto Rieckhoff, Aufsichtsratsvorsitzende des HSV. Dass es dann plötzlich doch alles ganz schnell ging, sei einer „unerträglichen“ weil unklaren Situation für Kraus/Hoffmann sowie den Verein geschuldet. „Wir haben jetzt ein klares Signal gegeben und werden auf der exzellenten Arbeit aufbauen. Es wird sich einiges ändern – aber nicht das, was gut war.“

Womit die Messlatte hoch gelegt ist. Sehr hoch sogar für das neue Führungsduo Jarchow/Hilke. Wobei der sichtlich erleichterte Ernst Otoo Rieckhoff aus dem Loben gar nicht mehr herauszufinden schien. „Carl Edgar Jarchow ist ein angesehener hanseatischer Kaufmann mit einer großen Leidenschaft für den HSV.“ Immerhin ist Jarchow bekennend seit seiner Kindheit HSV-Fan und aktueller Dauerkartenbesitzer. Als der Vorschlag im Kontrollgremium (Rieckhoff: „Jeder hat seinen Hut in den Ring geworfen“) aufkam, sei er sofort begeistert gewesen. „Sein Name hat mich sofort angesprochen. Er steht für Hamburger Tugenden wie Seriosität und Verlässlichkeit“, lobt Rieckhoff den Imterimsboss ebenso wie die Entscheidung seines Gremiums. Zumal nicht mal ausgeschlossen wird, dass Jarchow auch zur dauerhaften Lösung wird.

Aber wer genau ist Jarchow?

Jarchow ist nach langjähriger Geschäftsführertätigkeit im Im- und Export seit 2005 als Gesellschafter der Firma Empire Megastores tätig. Er ist seit 1990 Mitglied des HSV, war von 1998 bis 2001 stellvertretender Leiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters und von 2001 bis 2004 Mitglied des HSV-Aufsichtsrates. Jarchow ist zudem neugewähltes Mitglied der Hamburger Bürgerschaft – und heiß auf seine neue Aufgabe. „Das ist ein ganz besonderer Tag für mich“, freute sich das neue HSV-Oberhaupt heute, „Ich bin Fan dieses Vereins, solange ich lebe und habe dem Verein schon in anderer Position dienen dürfen.“

Dienen dürfen – klingt angenehm devot, oder? Hier scheint der Verein absolut im Vordergrund jeder Eitelkeit zu stehen. Hoffe ich zumindest…

Auf jeden Fall legte Jarchow bei seiner heutigen Vorstellung einen richtig guten, einen richtig sympathischen Auftritt hin. Erst bei den naturgemäß ob des Vorstandswechsels beunruhigten Mitarbeitern vorgestellt („Es ist keine einfache Situation, aber ich setze auf Kontinuität“), wusste er nach der Pressekonferenz heute auch der Mannschaft zu gefallen, der er sich vor dem Nachmittagstraining im Kabinentrakt vorstellte.

Gleiches gilt für Joachim Hilke. Wer Hilke ist?

Der 43-Jährige saß von 1998 bis 2010 in verschiedenen Führungspositionen der SPORTFIVE Group, zuletzt von Juni 2009 bis Dezember 2010 als CEO SPORTFIVE International und Geschäftsführer aller SPORTFIVE Gesellschaften. Hilke ist HSV-Mitglied seit 1998 und saß von 1998 bis 2001 im HSV-Vorstand. Er hat in dieser Zeit den Abschluss maßgeblicher Sponsoren-Verträge vorangetrieben, gleiches gilt für Planung und Umsetzung des neuen Stadions. Hilke ist aufgrund seiner Arbeit bei SPORTFIVE besonders gut vernetzt in DFB, DFL, Uefa und Fifa.

So zumindest stellte ihn der HSV vor. Hilke selbst gab sich ob seiner lesenswerten Vita selbstbewusst, aber geerdet. „Ich sehe beim HSV eine langfristige Perspektive. Ich bin ein absoluter Teamplayer und gehe den Job mit einer riesengroßen Motivation und einem hohen Maß an Respekt an. Ich bin mir sicher, dass wir eine Menge bewegen können.“ Und während Jarchow nur solange im Amt bleibt, bis der neue Vorstandsvorsitzende gefunden ist. Favorit hierfür ist und bleibt der ehemalige Fußballprofi und heutige geschäftsführende Direktor der Deichmann-Gruppe Björn Gulden, mit dessen Noch-Arbeitgeber der Aufsichtsrat über eine vorzeitige Vertragsauflösung des Norwegers (Guldens Vertrag läuft noch bis zum 31. Dezember) in aussichtreichen Verhandlungen steht.

Aber lieber zurück zu den Fakten. Kraus und Hoffmann sind per sofort aus dem Vorstand ausgeschieden, mit Jarchow, Hilke, Reinhardt und Oliver Scheel steht ein neues Quartett bis auf weiteres dem Verein vor. Und ich glaube, dass sich trotz des Imterims-Status‘ so wenigstens etwas Ruhe herstellen lassen kann. Etwas Ruhe, um die kleine Chance auf das Erreichen der Europa League doch noch umzusetzen. Denn, mal angenommen, Dortmund schlägt am Wochenende Mainz, mit einem Sieg über Köln könnte der HSV wieder auf drei Punkte an Mainz herankommen. Schlagdistanz nennt man sowas – und so unfassbar diese Möglichkeit nach gefühlten 100 Rückschlägen in dieser Saison auch ist – sie baut mich auf. Weil sie mich endlich wieder hoffen lässt. Hoffen, dass sich jetzt erst mal vereinspolitisch keine neuen Gräben auftun. Und hoffen, dass in den nächsten Wochen der Sport wieder in den Vordergrund rückt.

So, wie heute nach der Präsentation im Presseraum der Imtech-Arena. Da setzte sich Dennis Diekmeier zu uns und beantwortete mit einem dauergrinsen unsere Fragen. Den 21-Jährigen, der es bislang auf genau NULL Bundesligaspiele für den HSV bringt, konnte heute nichts schocken, nachdem ihm Trainer Michael Oenning eine Startelfnominierung für Sonnabend gegen Köln avisierte. „Ich kann es kaum noch erwarten“, so der Rechtsverteidiger, der für den noch nicht wieder 100-prozentiug fitten Guy Demel (leichte Probleme nach Schlag auf die Wade) ins Team rücken soll. „ich habe letzte Woche 90 Minuten bei der Zweiten gespielt – das war wichtig für den Kopf. Ich weiß jetzt, dass ich zurück bin“, sagt Diekmeier, der ebenso weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: „Mit Oenning verbinde ich nur gute Gedanken. Er hat mich in Nürnberg hochgebracht“ – und er wiederholt das jetzt beim HSV.

Ich weiß, dass jetzt einige sagen: „Der Scholle hat doch gestern erst geschrieben, dass Diekmeier noch nicht soweit ist“. Und ja, das habe ich auch. Und so kritisch ich diese Neubesetzung auch heute und vielleiht auch morgen noch sehe, jetzt ist meine Meinung komplett unwichtig und die Unterstützung Diekmeiers, der nach seiner extrem langen Verletztenpause Zuspruch sicher brauchen wird, vorrangig.

Zudem noch ein kleiner Hammer: Gestern hatte ich von dem Gespräch van Oenning/Nistelrooy geschrieben. Es scheint gefruchtet zu haben. Zumindest beförderte der Neu-Trainer den zuletzt müden Niederländer im Abschlussspiel in die A-Elf. Dafür musste Paolo Guerrero weichen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Oenning (der ließ auf den Außen Son und Ben-Hatira spielen) etwas dabei gedacht hat…

Zumal ich insgesamt die zarte Hoffnung hege, dass sich bei der Mannschaft endlich etwas Ruhe einstellen wird. Oenning ist mindestens bis Saisonende Trainer, Jarchow eine vernünftige Interimslösung und Hilke ein Vollprofi für Zahlen und Marketing (Hilke: „Das operative kommerzielle Geschäft ist mir wie auf den Leib geschneidert“). Bastian Reinhardt hat entscheidende Gespräche mit den Spielern angekündigt, deren Verträge auslaufen. Und Frank Arnesen trifft munter personelle Entscheidungen aus London, wobei er dieser Tage auch nach Hamburg kommen soll, um die Geschäfte anzukurbeln und sich einen kompletten Überblick über den Status Quo des HSV zu verschaffen. Und geht es nach Hilke, ist dieser Zustand gar nicht mal schlecht: „Der Verein ist in einer besonderen Situation. Aber der HSV steht gut da.“

Alle vier Personalentscheidungen (Auflösungsverträge Hoffmann und Kraus sowie Einsetzungen von Jarchow und Hilke) bedurften übrigens jeweils einer Zweidrittelmehrheit. Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Otto Rieckhoff wurden alle Entscheidungen mit großer Mehrheit getroffen. Und ich weiß, dass sich viele für die genauen Ergebnisse interessieren.

Ich allerdings nicht.

Nicht heute. Denn nachdem ich gehört hatte, dass Hoffmann zehn Tage nach der knappen 7:5 Abstimmung für ihn jetzt mit 3:9 ins Hintertreffen geraten sein soll, war mir klar, dass hier rein ergebnisorientiert abgestimmt wurde. Es durfte einfach keine Abstimmung ergebnislos weil ohne Zweidrittelmehrheit bleiben. Das hätte dem Verein aber in erster Linie dem Kontrollgremium geschadet. Daher sind die genaue Abstimmungsverhältnisse kein genaues Stimmungsbild des Gremiums und für mich völlig zweitrangig. Ich halte es eh am liebsten damit, über gute Ergebnisse auf dem Platz zu berichten.

Na denn, personell gibt es endlich an allen Fronten (mindestens zarte) Fortschritte. Und da mit der Trainerfrage die nächste Personalie seine Schatten bereits vorauswirft, hoffen wir mal, dass die Mannschaft am Sonnabend gegen Köln nicht nur nachzieht, sondern die Vereinspolitik nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder in den Schatten stellt.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

Scholle

19.45 Uhr

P.S.: Heute rief mich ein alter Bekannter an und erzählte mir, dass er sich beim HSV beworben habe: Andrej Panadic. Der ehemalige Innenverteidiger des HSV hat inzwischen seinen Fußballlehrer („Sogar mit Prädikat“) gebaut und hofft auf ein Engagement beim HSV. „Als Assistent oder bei der Zweiten – mir egal. Ich will dem großartigen Verein, meinem Verein, helfen. Ich glaube, der HSV kann ein paar echte HSVer mehr gut gebrauchen.“

Jarchow soll auf Hoffmann folgen

16. März 2011

Auf dem Trainingsplatz versuchte Cheftrainer Michael Oenning am Dienstag mit seinem Assistenten Rodolfo Cardoso und den HSV-Spielern beim ersten Training den Neustart. Mit einem Vortrag vor dem versammelten Team hatte der Nachfolger von Armin Veh versucht, das Team auf die verbleibenden acht Bundesligapartien einzuschwören. „Wir haben beschlossen, uns fortan nur noch auf den fußballerischen Bereich zu konzentrieren“, verriet Kapitän Heiko Westermann. „Denn wir können nur unseren Fußball ändern. Sonst nichts.“

Ändern kann nur der Aufsichtsrat die unsichere Situation im Vorstand. Nachdem vor dem Mainz-Spiel eine Verlängerung der Verträge von Bernd Hoffmann und Katja Kraus um ein Jahr an einer Stimme gescheitert war, erklärte Oberkontrolleur Ernst-Otto Rieckhoff zunächst überraschend, dass beide Vorstände ihre Verträge bis zum 31. Dezember erfüllen sollen.

Im Hintergrund setzte sich der Prozess um eine Umgestaltung der Klubführung jedoch unvermindert fort. Das Ergebnis vieler Gespräche steht nun unmittelbar bevor: Noch in dieser Woche dürften Hoffmann und Kraus ihre Auflösungsverträge unterzeichnen, wenn die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden sollten. Eine Einigung steht zwar noch aus, es ist jedoch damit zu rechnen, dass sehr zeitnah, jedenfalls vor dem kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Köln am Sonnabend, der Abschluss erfolgt.

Zunächst war der Eindruck entstanden, unter anderem während der Versammlung mit den Mitarbeitern der Geschäftsstelle in der vergangenen Woche, dass Hoffmann weiter mit aller Macht um einen Verbleib kämpfen will. Nun aber scheint er nach gut achtjähriger Amtszeit, entnervt von den jüngsten Vorkommnissen im HSV, vorzeitig seinen Abschied nehmen zu wollen.

Eine Ära geht zu Ende.

Wer bei einem sofortigen Abgang Hoffmanns zumindest als Interimslösung den Klub führen könnte, darüber wurde in den vergangenen Wochen viel spekuliert. Auch Rieckhoff gehörte zu den Kandidaten. Ganz offensichtlich macht aber nun Carl Edgar Jarchow das Rennen, der von 2001–04 dem Aufsichtsrat des Vereins angehörte. Der 55-jährige Außenhandelskaufmann zog gerade für die FDP in die Bürgerschaft ein. Erst Ende Januar hatte Jarchow in einem Debatten-Beitrag für das Abendblatt die lange Sportchefsuche – damals hatte gerade Matthias Sammer abgesagt – kritisiert und erklärt, dass weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand ihren Aufgaben gerecht würden. „Spitzentrainer, Spitzenspieler, Top-Nachwuchsspieler oder auch erstklassige Sportvorstände kommen nur zu erstklassig geführten Vereinen“, schrieb er und folgerte: „Jetzt ist es an diesem Gremium (dem Aufsichtsrat, d. Red), Konsequenzen aus den Ereignissen seit 2009 zu ziehen und das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Es ist höchste Zeit!“ Dass die Wahl ausgerechnet auf ihn fallen würde, hätte zu diesem Zeitpunkt niemand gedacht.

Wie lange der Hamburger das Amt des Vorsitzenden ausüben soll, ist noch unklar. Angeblich ist der Personalausschuss des Aufsichtsrats weiter bemüht, den bisherigen Favoriten Björn Gulden an die Elbe zu lotsen, obwohl die Presseabteilung der Deichmann-Gruppe Verhandlungen zwischen dem Norweger und dem HSV kürzlich energisch dementierte. Als Nachfolger für Kraus wird Joachim Hilke (früher Sportfive) gehandelt, ebenfalls in den Vorstand rücken könnte der bisherige Finanzchef Cay Dingwort.

Selbst eine neu formierte Führung ändert allerdings nichts daran, dass nur gute Ergebnisse für Ruhe im Verein sorgen können. So skurril es nach dem 0:6-Debakel bei den Bayern auch klingt: Mit einem Sieg gegen Köln und einer Niederlage von Mainz beim BVB betrüge der Rückstand auf den Hauptkonkurrenten im Kampf um Platz fünf wieder nur drei Punkte.

Nächste Einträge »