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3:2 – der HSV besiegt Werder Bremen

27. Januar 2013

Ergänzt um 21.20 Uhr – jetzt mit Einzelkritik am Ende!

Das war mal ein Derby. Erst ein Niveau zum Davonlaufen, dann Tore und gelb-rote Karten satt – und ein schöner HSV-Sieg, der mit umstrittenen Tore erzielt wurde. Vor 54 725 Zuschauer siegte der HSV mit 3:2 über Werder Bremen, die Nummer eins im Norden ist der Hamburger Sport-Verein. Es war der vierte Heimsieg in Folge für den HSV, der weiter von den oberen Gefilden träumen darf und träumen wird. Vor allen Dingen wohl sein Anhang. Der HSV bleibt im Jahr 2013 ungeschlagen, die Kurve zeigt nach oben – und am nächsten Sonnabend gibt es bereits das nächste Heimspiel, dann kommt Eintracht Frankfurt in den Volkspark. „Es war ein Derby, beide Mannschaften wollten sich beweisen. Dem 2:1 von Aogo ging allerdings ein Handspiel voraus. Und wir haben gegen Ende unsere guten Chancen leider liegenlassen“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. Kommentar Dennis Aogo: “Wenn man ehrlich ist, dann ist es schon so, dass ich den Arm zur Hilfe nehme, aber ich habe so oft schon Pech gehabt mit dem Torabschluss, ich freue mich über diesen Treffer und mein Glück.”

Glücksspiele unter freiem Himmel sind doch eigentlich verboten, oder? Was war das denn bitte für eine erste Halbzeit? Das war noch nicht einmal Billard, denn dort wissen die meisten Spieler, wohin die Kugel rollen soll. Aber im Volkspark? Unfassbar, wirklich unfassbar, diese Fehlpässe. Das war ja das reinste Fehlpass-Festival. Bum-bum-bum-bum-bum-bum-bum – und dann irgendwohin mit der Kugel. Ein ganz, ganz bitterer Kick, das hatte während der ersten 45 Minuten doch kaum einmal Erstliga-Niveau. Freude, wann wacht ihr endlich einmal auf? Das ist doch wirklich nicht Erste Fußball-Bundesliga Deutschland. Wobei ich immer höre, dass der Rasen so erschütternd schlecht ist, so rutschig, so seifig, so glatt – wie Eis. Mag ja alles sein, aber so ist wohl ein Rasen in dieser Jahreszeit. Dennoch kann man sich doch mal zusammenreißen, um einen Ball auch tatsächlich mal an den eigenen Mann zu bringen. Nein, das war grausam. Und meine Hoffnung lag darauf, dass Thorsten Fink – wie in Nürnberg – wieder einmal die richtigen Worte in der Kabine findet, um die Leute wachzurütteln. Schon während der ersten 45 Minuten war der Trainer gelegentlich der Verzweiflung nahe. In der 15. Minute stand der Coach an der Außenlinie und äußerte lautstark seine Säuernis über die Fehlpassquote von Heiko Westermann. Wild fuchtelte Fink mit den Armen in der Luft herum und stieß dabei einen harten Fluch aus. Besser wurde es erst einmal nicht.

Der HSV-Kapitän stand von Beginn an neben sich, aber das war kein Einzelfall. Milan Badelj spielte eine unterirdische erste Halbzeit, Per Ciljan Skjelbred, der den Vorzug vor Tolgay Arslan erhalten hatte, spielte ebenfalls eine unterirdisch erste Halbzeit, und von Rafael van der Vaart war wie schon zuletzt in Nürnberg während des ersten Durchgangs kaum etwas zu sehen. Und wenn es tatsächlich mal gefährlich nach vorne ging beim HSV, dann war es die linke Seite. Rechts kam Dennis Diekmeier über Ansätze in Richtung Offensive nicht hinaus (kein einziges Mal!), aber links hatte Marcell Jansen gleich viele sehr gute Szenen. Das war offensiv eines seiner besten Spiele der jüngeren Vergangenheit. Ganz sicher eines seiner besten Spiele lieferte auch Heung Min Son ab. Der Südkoreaner ging diesmal von Beginn auch körperlich zur Sache, zog nicht zurück sondern ging giftig in den Zweikampf – so wie er es auch schon in der Woche im Training gezeigt hatte. Er lernt eben immer mächtig dazu! Und auch Artjoms Rudnevs war ein Aktivpunkt beim HSV, denn der Lette gab keinen Ball verloren, lief viel, attackierte oft – auch wenn er die eine oder andere Chancen liegen ließ. Das war trotz allem okay.

Werder hatte die erste Möglichkeit, und zwar in der fünften Minute. Petersen zog von links in den HSV-Strafraum ein, legte flach in die Mitte, wo Junuzovic viel zu überhastet und zu schwach abschloss – Rene Adler hielt mühelos. Und im Gegenzug legte Jansen den Ball mustergültig zur Mitte, doch Rudnevs trat aus sieben Metern neben den Ball. Und das erste Tor fiel auf der Gegenseite: Der Bremer Ignjovski flankte aus dem rechten Halbfeld mit links, am Elfmeterpunkt stiegen zwei Werderaner mit Jeffrey Bruma in die Luft, Heiko Westermann hatte es vorsichtshalber fein herausgehalten. Als Zuschauer sah er, wie Bremens Abwehrklotz Lukimya den Ball per Hinterkopf ins Netz verlängerte (9.). Es war wie immer. Meine Stimmung, das gebe ich zu, war das schon tief im Minusbereich. Deswegen wie immer, weil man vorher nur solche Stimmen hörte: „Bremen fegen wir weg, es geht nur um die Höhe des HSV-Sieges.“ Und fast jeder Bremer stimmte dem zu: „Wenn wir hier heute nicht verlieren, dann nie wieder.“ Weil Werder ohne Hunt, Arnautovic und freiwillig auch ohne den ehemaligen HSV-Stürmer Eljero Elia angetreten war.

Zum Glück aber hatte der HSV diesmal einen Son an Bord. Der umkurvte den schwachen Bremer Gebre Selassie im Strafraum aus und schoss, was niemand für möglich hielt, aus einem Winkel auf das Werder-Tor, aus dem man sonst nicht schießt. Bestimmt nicht. Vielleicht war Torwart Mielitz deswegen so überrascht, sodass er vergaß, dass ein Torwart auch die Hände zum Halten nehmen darf. Trotz allem ein herrliches Tor, und Son hat eben gelernt, auch stramm und hart zu schießen (23.). Mit diesem Tor war die Hamburger Seele wieder mit sich im Reinen, auch wenn das Spiel bis zum Halbzeitpfiff grottig blieb.

Dann wurde meine Hoffnung erhört. Fink rüttelte seine Mannschaft wach. Und plötzlich brannte der HSV ein Feuerwerk ab. Wie schon in Nürnberg vor einer Woche. Nach 28 Sekunden lag der Ball im Bremer Netz. Westermann peitschte die Kugel rechts heraus, Diekmeier zog los, flankte zur Mitte – und dort gab es eine kleine Rudelbildung. Dennis Aogo hatte in einem Durcheinander den Durchblick behalten, schnappte sich die Kugel mit dem Arm (!) und schoss mit dem rechten Fuß (!) ein. Welch ein Jubel! Aogos erster Bundesliga-Treffer für den HSV. Ein leicht irregulärer, denn es war wohl Hand. Oder doch nur die (verlängerte) Brust? Es zählte auf jeden Fall, dieses 2:1 in der 46. Minute.

Und kurz darauf sogar 3:1. Aogo flankte zur Mitte, eine Super-Flanke, Rudnevs war zur Stelle und schoss ein. Abseits? Da stritten sich die Experten auf der Tribüne (52.). Ich habe immer noch meine Zweifel, aber auch dieses Tor zählte. Spannung kam dann auf, als Rene Adler – unter den Augen des Torwart-Bundestrainers Andreas Köpke – einen haltbaren Ball unter sich ins Netz rutschen ließ. Bitter. Toll nur, wie die Fans im Norden reagierten, sie skandierten lautstark: „Rene Adler, Rene Adler. . .“ Eine großartige Reaktion – nach dem überflüssigen 2:3 (54.). Kommentar von Adler zu seinem Fauxpas: “Da merkt man, dass ich alt werde . . .”

Farbig wurde es in der Endphase. Erst sah Bremens Fritz Gelb-Rot, dann auch in der Nachspielzeit der eingewechselte Arnautovic. Kein wirklich gelungener Auftritt der Werderaner, aber wenn man zwei umstrittene Treffer kassiert, dann kann man vielleicht auch mal ein bisschen ausflippen.

So, da ich jetzt zu „Matz ab live“ (heute mit Eiche und Eiche) flitzen muss, werde ich die Einzelkritik am Abend nachliefern.

17.36 Uhr

Nachtrag von den Moderatoren: Die Matz-ab-Sendung wird gegen 19:45 Uhr hier zu sehen sein.

Jetzt die versprochene Ergänzung. Es war heute alles ein wenig schwieriger. Erst stürzte der Computer ab, nein, er stürzte nicht ab, er erfror mir. Nichts ging mehr. Ich musste während des Spiels in den warmen Presseraum umziehen, wo mein Laptop auch sofort wieder auftaute und fast zu 100 Prozent funktionierte. Fast. Aber mehr möchte ich mich darüber auch nicht auslassen. Dann den Bericht bei „Matz ab“ veröffentlichen – ohne Einzelkritik! Das war ganz bitter. Erstmalig bei mir. Aber es ging nicht anders, denn wir wollten ja mit „Matz ab live“ auf Sendung gehen. Wollten. Aber erst einmal warteten in der Arena „Eiche“ und „Eiche“ – und die mussten aufgesammelt werden, um sie in die Volksbank-Arena (gegenüber des Stadions) zu bringen. Man geht zehn Minuten, und dann sollte man auch auf Sendung sein, aber der Satellit war wohl wieder mal woanders unterwegs, nur bei uns nicht. Ich vermute, dass es diesmal Kanada oder die Kap Verden waren. Egal, wir konnten nicht senden, und das empfinde ich immer als Niederlage. Als eine persönliche Niederlage. Es, das muss ich zugeben, ärgert mich auch ausgesprochen sehr, sehr, sehr, sehr.

Was natürlich nichts daran ändert, dass wir nicht senden konnten. Und dass „Matz ab live“ nun als Konserve nachgereicht wird. Sorry für das.

Noch einmal zum Spiel. Zunächst einmal möchte ich Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer eine gute Leistung bescheinigen. Er wurde von einigen Leuten ja kritisiert. Wegen der beiden letzten HSV-Tore, und weil er gegen Ende der Partie einige Karten zog. Ich fand diese Karten waren allesamt okay. Und über die gelb-rote Karte für Arnautovic habe ich mich sogar gefreut. Nicht von Hamburg zu Bremen, nicht von HSVer zu Werderaner, sondern als neutraler Beobachter. Der Ösi-Bomber, den ich ja als „Ibrahimovic für Arme“ bezeichne, lief schon vor dem Anpfiff miesgelaunt durch die Arena-Katakomben. Wenn ihn das jemand angesprochen hätte – Explosionsgefahr. Weil er nur auf der Ersatzbank saß? Kann sein. Dass er sich dann gegenüber Kinhöfer so despektierlich verhielt, sprach für sich. Und genau deswegen fand ich Gelb-Rot für den Werder-Stürmer auch total angebracht, hundertprozentig richtig, ein Unparteiischer darf sich nicht alle gefallen lassen. Erst ließ Arnautovic Kinhöfer durch den angedeuteten Schuss hochspringen, dann spuckte er auch noch verächtlich aus. Nicht den Schiedsrichter an, aber eben total verächtlich – ich sah den Platzverweis deswegen als völlig gerechtfertigt an. Und ich möchte zum Abschluss dieses Themas noch einmal sagen, dass Kinhöfer gut gepfiffen hat.

Auch wenn er Aogos Handspiel nicht sah. Aber wer hat es schon gesehen? Und die Abseitsstellung von Artjoms Rudnevs vor dem 3:1? Es gibt Fernsehsender, die auch jetzt noch von „gleicher Höhe“ sprechen – und es anhand einer Grafik auch beweisen (wollen). Aber selbst wenn es eine Abseitsposition gab – wäre das Tor nicht anerkannt worden, dann hätten sämtliche TV-Sender von „gleicher Höhe“ gesprochen und dabei gesagt: „Wie heißt es im Fußball eigentlich immer so schön? Im Zweifel für den Angreifer.“ Genau. Ganz genau sogar. Und diesmal wurde genau so entschieden.

Eines noch zu diesem Thema. Ausdrücklich möchte ich einmal Werder-Trainer Thomas Schaaf loben. Er, der sonst immer so leicht austickt und die Schiedsrichter teilweise massiv und ungerechtfertigt angreift, hielt sich diesmal vornehm und wohltuend zurück. Großartig, Herr Schaaf, darauf lässt sich aufbauen. Diesmal hätten Sie wahrscheinlich Gründe gehabt, den 23. Mann zu kritisieren, aber Sie taten es nicht! Wir haben es registriert. So verhält sich – in meinen Augen – ein fairer Verlierer. Auch wenn Profi-Fußball, ich weiß es wohl, kein Ponyhof ist. Aber ab und an Milde walten zu lassen, das ist schon absolut okay. Ich würde Ihnen, Herr Schaaf, und das ist mein voller Ernst, dafür einen Fairplay-Preis überreichen.

Und nun die versprochene HSV-Einzelkritik:

Rene Adler erlebte einen bitteren Nachmittag, denn eigentlich hatte er relativ wenig zu tun, und dann diese Gurke, die er zum 2:3 schlucken musste. Er tut mir Leid, denn eine solche Szene wollte der auf der Tribüne sitzende Bundes-Torwart-Trainer Andreas Köpke ganz sicher nicht sehen. Aber er sah sie – und wird sie so schnell wohl kaum vergessen. Leider, leider.

Dennis Diekmeier war defensiv ganz okay, könnte er nach vorne aber mehr machen. Er muss sich – in meinen Augen – einfach nur mal ein Herz fassen, er muss einfach nur mal Mut haben, durch die Wand marschieren zu wollen. Wenn er aber ein Hindernis auf dem Weg nach vorne sieht, bricht er ab und spielt zurück. Das ist mir zu einfach.

Jeffrey Bruma erhält von mir die Note drei. Wehrte ab, was er abwehren konnte, blieb dabei fast souverän und auf jeden Fall sehr stabil. Auch wenn er in Sachen Spielaufbau nicht immer glücklich lag. Aber daran muss er arbeiten. Ich hoffe nur für ihn, dass er das auch so sieht – und daran dann auch tatsächlich arbeitet. Denn er kann es doch, er muss sich nur vornehmen, 90 Minuten plus Nachspielzeit konzentriert zu sein – und um so alles für die Raute und für sein Team geben. Etwas mehr Herz, dann wäre er in meinen Augen fast schon bei guten 90 Prozent. Und darauf könnte er dann aufbauen. Er würde es erleben. Wenn er es dann tatsächlich und eines Tages so nah an sich herankommen ließe . . .

Heiko Westermann erlebte in Halbzeit eins einen schweren Rückfall in alte Zeiten. Ich schrieb es bereits: unterirdisch. Selbst seine Kopfbälle, eine Domäne von ihm, landeten im Aus oder beim Gegner. Zum Glück war der Kapitän in der zweiten Halbzeit etwas besser und rettete manchmal in höchster Not. Dennoch – das war eine glatte Fünf. Setzen und besser machen. Gegen Frankfurt.

Marcell Jansen war diesmal eine sehr große Stütze des HSV. Jansen bekommt von mir die Note zwei, denn was er nach vorne gebracht hat, war wirklich absolute (erste) Sahne. Nach hinten, so hatte ich das Gefühl, ließ er gelegentlich in Sachen Deckung zu sehr die lange Leine umherbummeln, aber es ging diesmal ja gut. Auch wenn er vor dem 2:3 den Ball genau einem Bremer in die Füße köpfte . . .

Milan Badelj war diesmal erschütternd schlecht. Da besserte sich auch kaum etwas, obwohl ihm das viele (neutrale?) Beobachter bescheinigten. Ein Mann seiner Klasse aber muss besser spielen. Braucht er vielleicht mal eine Pause? Aber wieso eigentlich, die Rückrunde startet doch jetzt erst so richtig. Nein, da muss wieder mal mehr kommen, er kann es doch viel, viel besser. Note fünf.

Per Ciljan Skjelbred war für mich ebenso eine große Enttäuschung. Da bekommt der Norweger endlich mal wieder die Chance von Beginn an – und dann eine so blutleere Vorstellung. Er täuscht immer viel Aktionismus vor, aber meistens ist es heiße Luft – und endet mit einem Rückpass. Ebenfalls Note fünf.

Dennis Aogo wird im Mittelfeld immer besser. Nicht nur wegen seines Tores und der Vorbereitung zum 3:1. Aogo tobt über das gesamte Feld, ist überall zu finden, reibt sich auf, gibt alles für sein Team – das hat Gesicht. Note zwei.

Rafael van der Vaart war lange, lange – viel zu lange – nicht zu sehen. Im Grunde sind zwei, drei Aktionen, über die die Fans dann auch tatsächlich staunen, viel zu wenig. Gerade für einen Mann mit dieser Vergangenheit! VdV gibt läuferisch immer alles, aber genau darunter leidet dann sein raffiniertes Spiel, das er jetzt nur noch gelegentlich andeuten kann. Note vier.

Heung Min Son war einer der wenigen HSV-Profis, die von Beginn an wach waren. Großartig. Und er geht jetzt sogar zur Sache, setzt sich körperlich ein. Seher, sehr gut. Und dann diese Schüsse – ich staune bei jedem „Kracher“, immer und immer wieder, weil ich mir immer noch nicht erklären kann, woher er diese Dinger nimmt. Er konnte doch früher nicht so schießen. Jetzt schon sein siebtes Saisontor – ganz hervorragend. Und weiter so. Note zwei.

Artjoms Rudnevs gefiel mir ebenfalls von Anfang an. Der BvV („Bulle vom Volkspark“) erzielte schon sein achtes Saisontor (!!) und zeigte sich kampfstark und lauffreudig. Er wird, Tatsache, immer besser. Auch wenn er gleich zu Beginn einmal, als er vor dem 1:0 stand, glatt am Ball vorbeitrat. Auch das wird er noch in den Griff bekommen, davon bin ich überzeugt. Weil er lernfähig ist – und weil er lernen will. Note zwei.

Tolgay Arslan (ab 62. Min. für Skjelbred) kam ins Spiel, wollte und biss! Das ist mal eine Reaktion. Kein Gemaule, keine Säuernis – er war da und spielte mit. Gut so.

Tomas Rincon (ab 82. Min. für van der Vaart) sollte Unheil verhüten – und tat es in den letzten Minuten nach besten Kräften. Ein solches Spiel ist ihm dann ja auf den Lieb geschneidert.

Slobodan Rajkovic (ab 90. Min für Son) kam, sah, strahlte und feierte. Erst auf dem Platz, später in der Kabine. Herzlichen Glückwunsch, Slobo, das ist mal ein Comeback! Vielleicht wird jetzt ja doch noch alles gut.

Zum guten Schluss noch einmal meine herzliche Entschuldigung für die Nicht-live-Sendung. Und zudem noch eine Entschuldigung an unsere drei „Zaungäste“. Die fanden in der „Matz-ab-live“-Sendung tatsächlich keine Erwähnung, obwohl sie sich so super (ruhig) verhalten haben. Als da wären: „Benno Hafas“, von mir auch „el Presidente“ genannt, „Neu-Ossi“ (super dass Du da warst!) und „JU aus Qu“. Ihr wart und seid mir eine große Stütze – vielen Dank für eure Arbeit im Hintergrund. Bei dieser Sendung – und überhaupt.

Nun wünsche ich allen „Matz-abbern“ und ihren Lieben einen wunderschönen Start in die neue Woche. Und vorher noch eine wunderschöne und angenehme Nacht! Macht was draus!

“Die Nummer eins im Norden sind wir!”

24. Januar 2013

„Artjoms Rudnevs hat keine Angst. Er springt positiv brutal in den Ball.“
Diese Aussage von HSV-Trainer Thorsten Fink, der über die Vorzüge seines lettischen Stürmers sprach, wurde von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Spruch des Tages gewählt.

Hoffentlich springt der gute „Rudi“ auch am Sonntag wieder „positiv brutal“ und zugleich erfolgreich in den Ball – und macht mindestens ein Tor. Vielleicht sogar das Siegtor!? Wäre nicht ganz unwichtig, denn es geht ja im Nordderby gegen den ewigen Rivalen von der Weser. Und darum, wer die Nummer eins im Norden wird und ist. Noch ist es, wenn man mal ganz relaxt auf die Tabelle blickt, der HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir!“ Auch wenn es noch natürlich sehr eng ist, aber das kann sich an diesem Wochenende ja schon ändern. In Hannover spielen sie gegen Wolfsburg unentschieden, und der HSV gewinnt – das wäre doch schon mal eine Hausnummer.

Die Voraussetzungen sind gut – für den HSV. Werder dürfte noch damit zu tun haben, die 0:5-Klatsche gegen Dortmund zu verdauen, und der HSV hat mit einer erstklassigen (oder auch nur guten) Leistung in der zweiten Halbzeit in Nürnberg bewiesen, dass er weiß, worum es geht. Und auch wie es geht. Da zudem bis auf Michael Mancienne personell aus dem Vollen geschöpft werden kann, stünde einem ersten Sieg des HSV über die Bremer kaum etwas im Wege. Und Thorsten Fink, der als Hamburger bislang drei Anläufe nahm, gegen Werder zu gewinnen, aber jedes Mal verlor, sehnt sich – ebenso wie Sportchef Frank Arnesen – nach einem HSV-Dreier gegen Werder.

„Ich will dieses Spiel am Sonntag auf jeden Fall gewinnen, weil ich endlich auch mal dieses Derby gewinnen möchte. Es geht ja auch darum, dass wir uns nach oben weiter festsetzen können, dass wir Bremen auf Distanz halten – und wir die ganze Region ist es auch wichtig, dass man dieses Heimspiel gewinnt. Und wir sind in letzter zeit ja sehr heimstark . . .“ Fink sagte weiter: „Wir haben zudem keine personellen Probleme, den Ausfall von Mancienne werden wir verkraften können, denn wir haben gute Leute dahinter.“ So wie Jeffrey Bruma, der in Nürnberg für Mancienne gekommen ist und seine Sache auch gut machte. Bruma gibt mir, vielleicht ja nicht nur mir, Rätsel in der Art auf, dass er eigentlich alle und auch allerbeste Voraussetzungen hätte, Stammspieler als Innenverteidiger des HSV zu sein. Bislang hat er das nicht geschafft, weil da in meinen Augen immer ein „kleiner Tick“ fehlte.

Und zwar in Sachen Engagement. Bruma versucht es immer auf die coole Art, zu cool für mich. Wenn er mehr Herz zeigen würde, wenn er deutlich mehr für die Mannschaft (und die Gemeinschaft) geben würde, dann wäre er aus der Mannschaft nicht zu verdrängen. Weil er eigentlich alles kann. Wenn ihm das (alles) einmal jemand unter vier Augen erzählen würde, damit er sich dann zu seinem Vorteil verändern würde, dann wäre der HSV (und auch Jeffrey Bruma) sicherlich einen großen Schritt weiter. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Bruma auf den Spuren von Gökhan Töre weilt. Auch in diesem deutsch-türkischen Fall droht ein großes Talent seine rosige Zukunft leichtfertig zu verschleudern. Aber vielleicht wacht Bruma ja auch genau jetzt, wo er eine erneute Chance der Bewährung erhält, endlich einmal auf – und zeigt alles, was er kann. Und lässt eben genau jene kleine Unkonzentriertheit weg, die er fast immer mal in einem Spiel gezeigt hat.

Thorsten Fink sagt, dass er in Richtung Sonntag keine große Veranlassung hat, die Mannschaft groß umzukrempeln. Das ist sicherlich auch richtig so. Eine Frage aber wird der Trainer noch zu beantworten haben: Tolgay Arslan oder Per Ciljan Skjelbred? Arslan wurde in Nürnberg, weil er gelb-rot-gefährdet war, in der 38 Minute vom Rasen genommen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Skjelbred kam und machte seine Sache auf Anhieb nicht nur gut, sondern auch ein wenig besser als Arslan. Noch aber hat der Deutsch-Türke einen kleinen Bonus, einen (hauchdünnen?) Vorsprung gegenüber dem Norweger. Den hat sich Arslan durch gute und sehr gute Leistungen in der Hinrunde erarbeitet. Und es ehrt Fink, wenn er deshalb an dem Mittelfeld-Talent festhält. Noch. Ich glaube ja, dass Arslan gegen Werder von Beginn an spielen wird – doch der Druck wird nicht klein sein für ihn. Skjelbred wird auf der Bank sitzen und auch seinen Einsatz warten – ja, er wird brennen. Thorsten Fink zur Problematik Arslan/Skjelbred: „Per ist drauf und dran, in die Mannschaft zu kommen, aber ich überlege noch, ob ich das schon am Wochenende machen werde – weil Tolgay sich in der Hinrunde sicherlich einiges Gutes erspielt hat. Und wir brauchen ihn, gerade auch dann, wenn Rafael van der Vaart einmal ausfallen sollte. Ich schaue mal, will mich aber noch nicht festlegen“

Wobei Arslan natürlich auch ein wenig in der Zwickmühle steckt. Die beständig guten Leistungen, auf die der Coach jetzt verweist, die hat er – zur Überraschung vieler Experten (auch für mich!) – auf der „Sechs“ gezeigt. Da aber spielt längst Milan Badelj, sodass Arslan nun „rechtsdraußen“ sein Glück versuchen muss. Unglückliche Geschichte, denn ich denke mal, dass das nicht unbedingt sein Spiel ist. Auf der Sechs, obwohl ich ihm das in dieser Form nicht zugetraut hatte, hat er das Spiel des Gegners teilweise mit Auge, teilweise auch recht aggressiv zerstört. Arsan sah dabei das Spiel auf sich zukommen, eroberte den Ball und wusste zugleich bestens, wie er den Spielaufbau in die richtigen Bahnen lenken konnte. Genau das hat ihn zentral (auf der „Sechs“) ausgezeichnet. Rechtsdraußen aber ist ein anderes Spiel. Das konnte er zwar einst ganz gut, aber die „Sechs“ konnte er in dieser Saison am besten. Da hatte er seine beste Phase beim HSV. Nun bleibt aber abzuwarten, wie sich das alles für ihn weiter entwickeln wird. Skjelbred sitzt ihm im Nacken, Arslan könnten den Atem des Norwegers spüren – ob das bei dieser ohnehin nicht so ganz glücklichen Konstellation förderlich für ein gutes und selbstbewusstes Spiel ist? Ich habe da meine Zweifel.

Viel wird natürlich auch davon abhängen, ob der HSV es diesmal schaffen wird, von Beginn an Leben zu zeigen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zwar ordentlich gespielt, trotzdem müssen wir lernen, von Anfang an das zu machen, was wir in Nürnberg im zweiten Durchgang gemacht haben. Wenn wir das begreifen, mit Spaß und Freude, trotzdem aber auch aggressiv zu spielen, dann wird die Mannschaft noch das eine oder andere Spiel gewinnen – und am Sonntag erst einmal das wichtigste Spiel für uns“, sagte Thorsten Fink. Trotz der 0:5-Pleite gegen Dortmund wird dieses Spiel nicht leicht für den HSV. Fink: „Das weiß doch jeder. Das wird nicht einfacher durch dieses 0:5. Wir müssen dem Gegner zeigen, dass wir gut drauf sind. Sind wir am Anfang aber zaghaft, dann wird Werder Selbstvertrauen aufbauen können – und dann wird es schwer. Werder hat mit Thomas Schaaf einen sehr erfahrenen Trainer, er wird seine Mannschaft sicherlich heiß machen – wir müssen es schaffen, heißer als Werder zu sein.“

Noch nicht mit von der Partie am Sonntag wird wohl Petr Jiracek sein. Der Tscheche trainiert erst seit einer Woche mit der Mannschaft und wird sich auch weiterhin in Geduld üben müssen. Fink: „Er ist weiter an die Mannschaft herangerückt, aber er braucht auch noch Spielpraxis. Er war ja lange verletzt. Aber er wird in Zukunft sicherlich noch ein wertvoller Spieler für uns, nur hat er ja auch große Konkurrenz bei uns im Mittelfeld. Und wenn er jetzt schon dabei wäre, wäre das gegenüber den anderen Spielern auch ein bisschen ungerecht, denn die haben alle gut trainiert und befinden sich auch in einer bessere Verfassung. Jira muss noch einige Trainingseinheiten absolvieren, um wieder in den Kader zu rutschen.“

Schade eigentlich.

Nach dem Heimspiel gegen Werder wartet bekanntlich eine Woche später Eintracht Frankfurt (am 2. Februar) im Volkspark als Gegner. Und danach geht es für viele Spieler auf Länderspiel-Reisen. Bislang sind sieben HSV-Spieler in dieser Zeit zu ihren Nationalmannschaften gerufen worden: Heung-Min Son soll mit Südkorea am 6. Februar gegen Kroatien spielen, Jeffrey Bruma trifft mit der niederländischen U-21-Mannschaft auf Kroatien, Tomas Rincon absolviert mit Venezuela vom 3. bis zum 7. Februar einen Lehrgang in Spanien, Jaroslav Drobny und Petr Jiracek sind vom tschechischen Nationaltrainer zum Spiel gegen die Türkei (6. Februar) eingeladen worden, Christian Nörgaard spielt mit Dänemarks U 19 am 5. Februar gegen England, und der derzeit verletzte Jacopo Sala ist für Italiens U 21 gegen Deutschland (6. Februar) vorgesehen.

Und am 6. Februar wird die deutsche Nationalmannschaft zudem ein Freundschaftsländerspiel in Paris gegen Frankreich bestreiten, und da könnte dann Torhüter René Adler dabei sein. Apropos Adler. Ich traf heute am Gänsemarkt Andreas Köpke. Der deutsche Torwart-Bundestrainer besucht derzeit den Norden, besuchte in Hamburg Freunde (wird also kein Torwart-Trainer beim HSV – nein, ein Scherz!) und ist morgen bei seinen Eltern in Kiel zu Gast – und sieht sich am Sonntag HSV gegen Werder an. Auch sicherlich deshalb, um die Form von Adler zu überprüfen. Ich habe dem „Andy“ Köpke von Adler vorgeschwärmt („Bester Einkauf seit Jahrzehnten“) – hoffentlich zweigt es der HSV-Keeper dann auch am Sonntag. Aber da bin ich mir eigentlich absolut sicher, dass er das tun wird.

Auf dem Gang in die Redaktion habe ich noch kurz über Andreas Köpke nachgedacht. Wir kennen uns schon lange, lange. Als er noch das Tor von Holstein Kiel hütete. Da war es einst gute Sitte, dass die Holsteiner in Quickborn ihr Trainingslager aufschlugen – und denn gegen den Namensvetter Holstein ein Testspiel austrugen. Ich saß in der Hoffnung, dass sich mal ein Quickborner vor das Köpke-Tor verirrte, immer neben dem Kieler Tor – und hatte viel, viel Zeit, mit dem Keeper zu plaudern . . . Bei der Nationalmannschaft trafen wir uns dann später wieder. Erst als Torwart Nummer eins, dann als Trainer. Köpke ist klasse. Das nur mal am Rande. Und ich frage mich seit heute, was eigentlich aus Holstein Quickborn geworden ist. Man, mit dieser Super-Sportanlage, mit diesen engagierten Funktionären? Wie geht so etwas? Aber damit nun auch genug.

Noch einmal kurz zurück zum HSV. Auch Rafael van der Vaart hat in Hamburg noch nie gegen Werder (wie unangenehm!) gewinnen können. Er will das natürlich ändern, denn er sagt: „Wir sind im Moment besser, ich habe deshalb gute Hoffnungen, dass wir gewinnen werden.“

Das ist doch mal ein gutes Schlusswort!

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

19.12 Uhr

Gleich drei HSV-Spieler für Deutschland!

9. November 2012

Heute ist doch ein echter Freudentag! Drei HSV-Spieler wurden an diesem 9. November für Deutschland nominiert, da kommt doch wirklich Freude auf. Herzlichen Glückwunsch allen diesen Spielern, ich finde das überragend: Rene Adler und Heiko Westermann fahren zur A-Nationalmannschaft, die am Mittwoch in Amsterdam auf die Niederlande treffen wird, und der Deutsch-Türke Tolgay Arslan fährt zur U-21-Nationalmannschaft, die in Bochum im Testspiel auf – ausgerechnet – die Türkei treffen wird. Hervorragend! Ich freue mich, das kann ich nur noch einmal schreiben, so doll, als wäre ich nominiert worden. Alle haben es sich verdient – einfach nur großartig. So sehen das auch die Klub-Verantwortlichen, denn Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen freute sich mit dem Keeper und sagten unisono: „Das ist die Belohnung für seine überragenden Leistungen. Die Berufung ist verdient, obwohl wir schon überrascht sind, dass es nun doch so schnell ging.“

Ja, wirklich großartig. Und gelegentlich kann eben auch ein oft unbeweglicher Apparat wie der DFB über seinen Schatten springen. Heute haben mir schon so viele Fußball-Fans gesagt: „Wenn Adler nicht nominiert worden wäre, dann wäre das wohl das dickste Ding gewesen, was sich der DFB und der Bundestrainer in den letzten Jahren abgekniffen hätten.“ Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Ich bin auch überrascht (aber auch höchst erfreut), dass sich Joachim Löw und Torwart-Trainer Andreas Köpke zu diesem Entschluss durchringen konnten, aber selbstverständlich war das nicht. Weil beide Herren doch immer wieder betont hatten, dass es bei den Torhütern eine Reihenfolge gibt, die sie auch einhalten wollen . . . Da Hannovers Zieler aber (nach dem Platzverweis gegen Argentinien) gesperrt ist und Gladbachs ter Stegen zuletzt in einer Schießbude stand (fing sich am Donnerstag in Marseille einen direkt verwandelten Eckball ein), blieb dem DFB-Duo wohl keine andere Wahl. Es wäre doch ein echter Witz gewesen, wenn dann trotz allem ter Stegen nominiert worden wäre.
Aber: alles wird gut!

Rene Adler sagte zu seiner Nominierung: „Andy Köpke hat mich heute morgen angerufen und mich gefragt, was ich nächste Woche vorhabe? Dann hat er mich informiert, dass ich für das Spiel nominiert bin. Er hat gesagt: ‚Du und Manuel. So wie in alten Zeiten – nur dass ihr beide älter geworden seid.’ Ich freue mich riesig, nach so langer Zeit wieder dabei zu sein. Wenn ich daran denke, wo ich vor einem halben Jahr stand, kommt es mir fast vor wie im Märchen. Die Nominierung ist eine schöne Belohnung für die harte Zeit. Ich werde die Tage bei der Nationalmannschaft genießen und Vollgas geben.“

Bundestrainer „Jogi“ Löw über seine Entscheidung in Sachen Torhüter: „Adler hat im letzten halben Jahr sehr gute Leistungen gezeigt. Seine Fähigkeiten sind bekannt. In der Form gehört er in das Aufgebot.“. Ob auch der Rückkehrer oder allein Neuer zum Einsatz kommen wird, ließ Löw noch offen DFB-Torwart-Trainer Andreas Köpke hatte den Neu-Hamburger nach dessen Top-Leistungen beim HSV schon vor einem Monat in den höchsten Tönen gelobt: „Rene verkörpert eigentlich genau das Torwartspiel, was wir bei der Nationalmannschaft sehen wollen.“ Den Coach hat beeindruckt, wie souverän Adler nach einjähriger Spielpause mit Stammplatzverlust bei Bayer Leverkusen an neuer Wirkungsstätte wieder aufgetreten ist: „René war vor seinen Verletzungen ein überragender Torhüter, und er ist es jetzt wieder.“
So ist es, Herr Köpke, so ist es.

Auch für Heiko Westermann ist dies ein besonders schöner Tag. Bei den vergangenen beiden WM-Qualifikationsspielen (Irland und Schweden) war er zuletzt (nur) deshalb nominiert worden, weil der Dortmunder Mats Hummels gefehlt hat. Da hätte jeder Fan noch sagen können: „Okay, Löw brauchte Ersatz, dazu ist Westermann gut genug.“ Nun aber ist Westermann wieder dabei, nicht nur deshalb, weil Bayerns Holger Badstuber fehlt, sondern weil es sich der HSV-Kapitän verdient hat. Westermann hat sich in den vergangenen Monaten, ja Jahren, hier beim HSV den Hintern aufgerissen, er hat sich vorbildlich für diese schwächelnde Mannschaft aufgeopfert und eingesetzt – jetzt erhält er die Belohnung dafür. Völlig verdient, völlig berechtigt – herzlichen Glückwunsch. Westermann hat längst die Raute in (!) seiner Brust, und eines müssen die HSV-Fans, die ihn nicht so sehr schätzen, doch zugeben: In diesem Jahr sind die Leistungen des Kapitäns doch konstant gut geworden – er spielt doch auf einem stets sehr guten Niveau. Der Innenverteidiger zu seiner Nominierung: „Schön, dass ich jetzt zum zweiten Mal in Folge dabei bin. Spiele gegen Holland haben ihren besonderen Reiz. Natürlich hoffe ich, dieses Mal auch zum Einsatz zu kommen. Ich würde auch aufpassen, dass Rafael van der Vaart nichts passiert, keine Sorge.“
Das wollen wir doch hoffen . .

Zum Spiel in Freiburg. Der HSV hat ja gleich einige personelle Ausfälle zu beklagen, heute kam noch ein weiterer Profi hinzu. Marcus Berg reiste am Vormittag nach Schweden, denn seine Schwiegermutter ist so schwer gestürzt, dass sie erhebliche, sogar lebensbedrohende Verletzungen erlitt. Um bei ihr zu sein, flog Berg sofort in die Heimat. So kam es, dass es diesmal nur einen Spieler „erwischt“ hat, der in Hamburg bleiben muss, diesmal ist das (erneut) Gojko Kacar. Auch die bislang noch offenen Personalien beim HSV wurden heute geklärt. Dennis Diekmeier kann morgen spielen, er trainierte heute (nach seiner Spannprellung) ohne jede Einschränkung mit. Und das „linke Ding“ in der Viererkette ist auch entschieden. Zuvor hatte es ein Gespräch zwischen Marcell Jansen und dem Trainer gegeben – alles bleibt so, wie es war: Jansen verteidigt, Maximilian Beister stürmt im linken Mittelfeld – und Dennis Aogo wird wieder (nur) auf der Bank Platz nehmen. In dieser Formation gab es heute noch zum Abschluss ein Spielchen A gegen B, die Partie endete 1:1. Torschützen: Für B traf Aogo, für A war Artjoms Rudnevs erfolgreich. Thorsten Fink zu seinen Entscheidungen: „Da wir durch die Erkrankung von Michael Mancienne schon in der Innenverteidigung zu einer Änderung gezwungen sind, wollte ich in der Abwehr nicht noch mehr ändern.“ Und zu „Maxi“ Beister, der zuletzt gegen die Bayern ein wenig (mehr) schwächelte befand der Coach: „Er ist ein junger Spieler, der jetzt zeigen kann, dass er lernen will – und schon gelernt hat.“ Auf der einen Seite gut, wie der Trainer denkt (und handelt), denn so sammelt Beister tatsächlich Spielpraxis, kann sich in Form und auch in die Mannschaft kämpfen – oder eben auch nicht.

Ähnlich geht es ja auch mit Paul Scharner. Der Österreicher steht erstmals in der Stammformation und „brennt“: „Die Vorfreude ist da, auf jeden Fall – ich freue mich, dass ich nach längerer Zeit endlich mal wieder auf die Spielwiese darf. Es ist ja jetzt doch schon länger her, dass ich mal Top-Fußball gespielt habe, deswegen ist die Freude darauf schon riesig.“ Er hat lange genug darauf warten müssen. Erst die etwas langwierigere Verletzung, dann die erfolgreiche Mannschaft, die kein Trainer der Welt ändern würde. „Meine Ausgeglichenheit war in dieser Zeit nicht gerade optimal, denn als Fußballer trainierst du ja nun mal, um in den Wettkampf zu gehen. Aber ich habe in meiner Karriere gelernt, dran zu bleiben, hart zu arbeiten und auf meine Chance zu warten. Und jetzt werde ich versuchen, sie zu nutzen.“

Früher war er ein ungeduldiger Typ – gibt er zu: „Das hat mir geholfen, denn dadurch war ich ständig motiviert, dran zu bleiben, mehr zu machen, besser zu trainieren, um so voranzukommen. Und mittlerweile kommt die Erfahrung dazu, meine Geduld ein bisschen im Zaume zu halten. Das ist wohl Altersweisheit.“ Und lacht. Er ist meistens sehr gut gelaunt, ein offener und lustiger Typ, und einer, der stets den geraden Weg nimmt – und liebt.

Und er hat seine Vorstellungen von seinem Spiel – und das seiner Mannschaft: „Und diese Vorstellungen möchte ich gerne in die Mannschaft einbringen, was ihr meiner Meinung nach noch gefehlt hat – das werde ich versuchen, umzusetzen.“ Damit ist nicht unbedingt sein Talent zur Organisation gemeint, auch nicht seine verbale Stärke. Er sagt: „Meiner Meinung nach stehen wir noch zu tief. Das gehört noch geändert, das werde ich versuchen einzubringen, dass die Mannschaft höher steht, mehr Risiko nimmt, um die Offensive in Szene und den Gegner unter Druck zu setzen. Denn umso tiefer man steht, umso schwieriger ist es, den Gegner unter Druck zu setzen. Das wird mein erster Ansatzpunkt sein, das in die Tat umzusetzen.“

Aber hallo! Da kommt einer, der sein erstes Spiel macht (machen will), und dann solche Sätze. Alle Achtung. Ich hoffe nur, dass der Paul Scharner das auch mit dem Trainer abgesprochen hat (oder noch absprechen wird), denn ansonsten möchte ich nicht wissen, wie es mit ihm weitergehen wird, sollte dieses Vorhaben schief gehen. Er sagt weiter: „Man wird sehen, was noch zu ändern ist, wenn ich erst in dieser Mannschaft stehe.“ Scharner wird sich an diesem Abend noch ganz genau auf das Freiburg-Spiel vorbereiten. Er sieht sich Videos aller SCF-Stürmer an, das Videos wurde extra auf seinen Wunsch hin zusammengestellt: „Ich möchte nichts dem Zufall überlassen.“ Die Sache mit den Videos hat er auch dann immer schon gemacht, wenn er nicht gespielt hat. Der Grund: „Wenn man ständig studiert, wie sich die Stürmer bewegen, dann lernt man immer wieder hinzu.“

Mit Paul Scharner kommt nun auch ein Spieler-Typ in die Mannschaft, der nicht nur laut ist, sondern auch (ordentlich) zur Sache geht. Er schont weder sich noch den Gegenspieler. „Ich bin hart, aber herzlich. Aber ich bin kein unfairer Spieler“, sagt er über seine Spielweise. In der Zweiten des HSV schoss Scharner bei zwei Einsätzen sogar schon ein Tor (gegen den VfB Lübeck). Er kann es also auch vorne. Und sagt über seine „Torgefährlichkeit“: „Ungefährlich bin ich nicht. In 200 Premier-League-Spielen in England habe ich 21 Tore erzielt. Ich bin immer für ein Tor gut.“

Was Scharner über die Partie in Freiburg denkt, das verriet er auch: „Das wird definitiv ein schweres Spiel, weil Freiburg in dieser Saison schon einigen Mannschaften Probleme bereitet. Dass wir dort runter fahren, die Punkte kassieren und wieder zurück – so wird das nicht laufen. In erster Linie wird es auf unsere Einstellung ankommen. Und dass wir dem Klub den Schneid abkaufen, immer ein bisschen den Körper und auch Einsatz zeigen.“ Die Zahlen zu diesem Spiel sehen wie folgt aus: Die Breisgauer gewannen erst drei Heimspiele gegen den HSV, aber auch drei der letzten vier Duelle mit den Hanseaten, die in den letzten vier Auftritten an der Dreisam genau ein Gegentor kassierten. Von ihren letzten fünf Pflichtspielen verloren die Freiburger nur eins (0:2 gegen Dortmund am 27. Oktober). In den letzten vier Begegnungen bejubelten sie drei Elfmetertore von Daniel Caligiuri, der vier ihrer letzten sieben Pflichtspieltore schoss. Sieben ihrer 13 Gegentore kassierten die Breisgauer in den 15 Minuten nach dem Wechsel. Der HSV gewann die letzten beiden Gastspiele ohne Gegentor, wobei Heung-Min Son jeweils das 1:0 erzielte. In der zweiten Halbzeit haben die Hanseaten mit 4:9 Treffern die schlechteste Bilanz aller Klubs. Freiburg ließ bislang die wenigsten Flanken zu (60), Hamburg die meisten (152). – Vergangene Saison: 1:2 und 3:1.
Die Duelle in Zahlen: Heimbilanz: 3 S, 5 U, 5 N – 11:17 Tore – Gesamtbilanz: 6 S, 8 U, 12 N – 23:45 Tore. Letzter Heimsieg: 1:0 am 4.12.10 – Letzte Heimniederlage: 1:2 am 16.10.11.

Schlusswort von Paul Scharner (danach ging er): „Und am Sonntag werden wir dann sehen, wie es gelaufen ist . . .“

Genau. Am Sonnabend aber auch schon. Gegen 17.20 Uhr. Nach dem Spiel sind wir dann wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, live aus dem „Champs“ in Schnelsen. Dann ist Andreas Fischer unser Gast – und auch Marcus „Scholle“ Scholz ist wieder mit von der Partie.

17.42 Uhr

Rene Adler: “So fit war ich noch nie”

30. Oktober 2012

Einer fehlt beim Kurkonzert. War in meiner Jugend (also vor dem Krieg) mal ein Titel eines Krimis. Oder auch eines Buches. Heute am Vormittag herrschte zunächst ein wenig Aufregung, weil nicht nur einer beim Training fehlte, sondern gleich mehrere Spieler. Nach einem aber wurde ganz besonders gefahndet: Robert Tesche. Unser „el Presidente“ hatte es ja schon im Blog geschrieben, dass es einen kurzen Zwischenfall im Training gegeben hatte – Tesche und Marcell Jansen waren aneinander geraten. Ist Tesche nun suspendiert worden? Das war die Frage, die viele bewegte. Aber, um es mal auf den Punkt zu bringen, er ist es nicht. Robert Tesche hat „Nacken“, deswegen war er nicht auf dem Rasen zu sehen. Wie auch Michael Mancienne, der Migräne hat, oder Paul Scharner, der für das Abendspiel gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen „geschont“ wurde. Weil der Österreicher zuletzt am Sonntag volle 90 Minuten gegen den VfB Lübeck gespielt hatte.

Das Ergebnis vom Test gegen HR am Ende des Berichts.

Um aber noch kurz auch den „Fall Tesche/Jansen“ zurück zu kommen: Es war ein harter Zweikampf, der da von beiden geführt worden war, und am Ende dieses Duells gab es wohl ein kurzes Nachtreten von Jansen (oder nur der Versuch eines Nachtretens, auf jeden Fall nichts Brutales). Die beiden Spieler gerieten dann aber doch aneinander. „Es war eine kleine Rangelei, so etwas sollte natürlich nicht passieren, ist aber passiert. Es sind eben Emotionen drin, da knallt es dann schon mal im Training. Da brennen dann manchmal die Sicherungen durch. Wir haben geschubst und gezerrt – es war also eher ein Ringkampf. In diesem Falle sage ich: lieber ein bisschen zu viel Aggressivität, als zu wenig. In der Kabine haben wir uns dann wieder die Hand gegeben.“ So schildert Marcell Jansen den Vorfall. Es war ein Zwischenfall, der nicht sonderlich hochgespielt werden muss, denn so etwas passiert eben immer mal – nicht nur beim HSV.

Trainer Thorsten Fink zu diesem brisanten Duell: „Die Mannschaft ist aggressiv, die Jungs wollen weiterkommen, sie kämpfen um ihre Plätze, da passiert so etwas eben mal. Wir haben mit Marcell darüber gesprochen, so etwas geht nicht – aber das interessiert mich jetzt nicht mehr.“ Abgehakt dieser etwas andere Zweikampf. Und das ist auch gut so, denn Bayern steht vor der Tür, jetzt müssen alle Kräfte, auch jene, die in den Armen der Spieler stecken, gebündelt werden, damit das Unmögliche möglich gemacht wird. Nämlich keine Niederlage gegen den Rekordmeister zu kassieren. Auf jeden Fall aber keinen Nackenschlag gegen München. Einmal Nacken genügt.

Gefehlt hat beim Vormittags-Training auch Rene Adler (es war nur Jaroslav Drobny dabei), der mit den Kollegen Tom Mickel und Sven Neuhaus im UKE trainiert hat. Am Nachmittag war Adler dann dabei, obwohl er über einen kleinen Muskelkater klagte. Der wird bis zum Anpfiff am Sonnabend um 18.30 Uhr Geschichte sein, denn der HSV setzt und baut im Nord-Süd-Gipfel (der es früher einmal war) vor allen Dingen auf seinen Keeper, der bislang maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der HSV zu diesem Zeitpunkt schon 13 Punkte auf dem Konto hat. Und nun kommt es zu einem direkten Vergleich mit Deutschlands Nummer eins, Manuel Neuer. Ein Bundesliga-Spiel also, das reichlich Brisanz bietet.

„Die Bayern haben gegen Leverkusen gezeigt, dass sie auch schlagbar sind, aber das soll nichts heißen. Sie haben nun noch ein Pokalspiel vor der Brust, und in dem können sie dann die ganze Wut über die Niederlage ablassen, um dann gegen uns wieder befreit aufzuspielen. Aber grundsätzlich denke ich, dass im Fußball keine Mannschaft unschlagbar ist. Es ist ja das Schöne am Sport ist ja, dass da Menschen zu Werke gehen, und Menschen machen ja auch mal den einen oder anderen Fehler. Wir hoffen natürlich, dass wir am Wochenende den einen oder anderen Fehler der Bayern erzwingen können. Wir stehen relativ gut da und haben nichts zu verlieren“, sagt Rene Adler im Hinblick auf den kommenden Sonnabend. Der HSV steht gut da – und auf Platz sieben. Wer hätte das nach dem verkorksten Saisonstart schon gedacht? Adler zu dieser Momentaufnahme: „Es läuft gut, aber es läuft noch nicht so gut, dass man darüber sprechen könnte. Wir müssen uns unsere Top-Leistungen während des Spiels immer noch zusammenbasteln. Es ist nämlich noch nicht alles gut, wir haben noch sehr viel Luft nach oben. Wir sind weit davon entfernt, eine Spitzen-Mannschaft in Deutschland zu sein.“

Ab jetzt erhalten die HSV-Spieler per Videos Anschauungs-Unterricht über den FC Bayern, über Stärken und Schwächen der Mannschaft, auch wie sie die Standards ausführen. Und, und, und. Alles wird akribisch beäugt und hinterleuchtet, nichts wird dem Zufall überlassen. Rene Adler zur jetzigen Situation: „Es ist schön zu sehen, dass wir schon einen gewissen Platz zu den Abstiegsrängen hergestellt haben, wir können am Sonnabend unbeschwert aufspielen – und es macht ja auch viel mehr Spaß für jeden, oben mitzuspielen, als immer im Abstiegskampf zu sein. Sich mit den Besten zu messen ist wesentlich besser, als um Existenzen zu spielen.“

Das Duell zwischen ihm und Manuel Neuer tangiert ihn nicht: „Das juckt mich überhaupt nicht. Das ist wichtig für die Medien, nicht für mich. Für mich ist wichtig, dass ich am Sonnabend keinen Fehler begehe, nur das zählt für mich.“ Über Neuer sagt Adler: „Er hat sich top entwickelt, das muss man sportlich anerkennen.“ Am 14. November spielt die deutsche Nationalmannschaft in Amsterdam gegen die Niederlande. Ob Adler dann schon wieder dabei ist, steht in den Sternen. Für mich wäre es ein Witz, wenn es der Gladbacher ter Stegen wäre (Hannovers Zieler ist gesperrt), aber das ist natürlich ganz allein eine Sache des Bundestrainers. Adler sagt: „Ich würde mich riesig freuen. Und damit will ich mich gar nicht über die Medien in die Mannschaft hineinreden, denn es ist ja normal, dass ein Sportler für sein Land spielen will. Aber wenn es nichts wird, dann geht für mich die Welt nicht unter, dann versuche ich, noch härter zu trainieren, um es dem Bundestrainer so schwer wie nur möglich zu machen.“

Dabei halten viele Experten Rene Adler schon jetzt für die deutsche Nummer eins – weil der HSV-Torhüter der Beste ist. Dennoch gibt es ja in der Nationalmannschaft eine Torhüter-Hierarchie, die von „Jogi“ Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke zu beachten ist. Meine Meinung aber ist: Wenn es nur nach Leistungen geht, dann muss Adler ganz einfach am 14. November 2012 im Kreise der Nationalmannschaft weilen. Da gibt es gar nichts. Käme es anders, könnte man mir das nicht erklären.

Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. Es auf jeden Fall aber so, dass Hamburg am Sonnabend die beiden besten deutschen Torhüter sehen wird. Rene Adler sagt über seine derzeitige Verfassung: „Ich fühle mich sehr gut, und das spiegelt sich auch in meinen Leistungen wider. Ich habe meinen Weg gefunden, mit allen Nebenerscheinungen wie Wechsel, Verletzungen, Fitnesszustand und familiärer Situation – ich fühle mich einfach wohl. Aber ich weiß auch genau, wie schnelllebig dieses Geschäft ist. Man macht mal zwei, drei schlechtere Spiele, dann ist das schon wieder ganz anders, aber auch das versetzt mich nicht in Panik, denn ich weiß ja, was ich leisten kann, wenn ich fit bin. Ich habe keinen Druck, ich bin ganz entspannt – ich freue mich auf dieses Spiel.“

Ganz Hamburg, nein, ganz Deutschland hat das in den zurückliegenden Wochen gesehen. Adler sagt weiter: „Ich bin aktuell in einem Fitnesszustand, den ich so noch nie hatte. So gut war es noch nie. Ich habe acht Monate Vorbereitungszeit gehabt, in denen ich schon auf den Sommer 2012 hin trainieren konnte, ohne dabei auch nur eine Sekunde Bayer Leverkusen vernachlässigt zu haben. Das nehme ich für mich in Anspruch, das ist wichtig für mich.“

Dieser Adler ist einfach nur super. Das, was er denkt, wie er denkt, was er sagt, was er tut – das ist spitze, das ist hervorragend und auch überragend. Nicht nur ein erstklassiger Torwart, sondern auch ein tadelloser und großartiger Mensch. Für ihn war der Wechsel nach Hamburg auch wichtig: „Wenn man weiß, weil man es jahrelang hatte, wie die Vorbereitung abläuft, dann tut es auch gut, wenn man aus diesem Trott, das soll nun auf keine Fall negativ sein, herauskommt. Mir hat dieser Wechsel zum HSV den letzten Kick gegeben, mich neu zu beweisen. Neue Mannschaft, neue Spieler, neue Umgebung – ich habe ja bemerkt, welche Skepsis hier herrschte. Da kommt einer, der lange verletzt war, der wurde auch noch in einem Alleingang von Frank Arnesen geholt – aber das hat mich auch nur in Prozentteilchen unter Druck gesetzt. Aber dann lief es gut für mich, und die Fans haben mich akzeptiert – und wenn die Fans auf deiner Seite sind, dann kommt man eben auch schneller in einen Verein hinein. Das hat alles gepasst, aber ich habe auch sehr, sehr viel gegeben und sehr viel investiert.“

Dass er beim HSV gelandet ist, das erklärte Adler heute so: „Das ist leider so im Profi-Fußball, dass man kann sich nicht viel dafür kaufen kann, wo man mal war, ob man mal die Nummer eins war, ob man mal mit großen Klubs in Verbindung gebracht worden ist, ob man mal eine Super-Saison gespielt hat. Es kling hart, aber ein verletzter Spieler ist ein toter Spieler. Es kommen andere Spieler, die ziehen dann den Fokus auf sich, und dann ist man als verletzter Spieler ganz schnell weg vom Fenster. Und sich dann wieder ganz nach oben zu kämpfen, das kostet Kraft, Energie und erfordert viel Motivation. Deswegen freue ich mich, dass ich jetzt bei einem Klub wie dem HSV spielen darf – ich bereue es, wie ja auch schon gefragt wurde, überhaupt nicht, hierher gekommen zu sein. Ich verstehe eine solche Frage nicht, kann diese Gedankengänge nicht nachvollziehen.“

Und dann schwärmt Rene Adler von seiner neuen Heimat: „Es ist macht unheimlich viel Spaß, in einer Stadt zu spielen, wo der Verein omnipräsent ist, wo der HSV wie die Reeperbahn zur Stadt gehört. Jeder Hamburger ist doch verwurzelt mit dem Klub, bis auf die paar St.-Pauli-Fans, sonst ist doch alles nur HSV. Und das ist für mich das bislang phänomenalste Erlebnis in meiner Fußball-Laufbahn. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein subjektives Empfinden ist, aber ich habe das Gefühl, dass wenn wir verlieren, das dann so etwas wie ein Schleier über der Stadt liegt. Dass dann die Leute hier etwas weniger gut drauf sind. Und dass sie bei einem HSV-Sieg einfach viel besser drauf sind. Und das ist dann obergeil, ein Teil dieses Vereins zu sein. Und auch ein Teil mit meiner Leistung dazu beitragen kann, dass die Leute Spaß haben. Spaß am Fußball, einfach gut drauf sind – das bereitet mir viel Freude. Das ist eine meiner prägendsten Erfahrungen in meinem Fußballerleben. Was ein Traditions-Verein wie der HSV an Kräften in der Stadt frei setzt, das zu erleben, das macht mir ganz einfach riesigen Spaß.“

Man merkt es ihm an. An jeder Geste, an jedem Wort – an jedem Lächeln. Das sind keine Phrasen. Und in Bezug auf den kommenden Sonnabend und den dann anstehenden 90 Minuten gegen den FC Bayern sagt Rene Adler: „Ich bin heiß. Ich freue mich auf jedes Heimspiel in dieser schönen Arena und diesen tollen Fans – und wenn dann noch die Bayern kommen, dann umso besser.“ Und sein Erfolgs-Rezept für das Spiel? Er sagt: „Die Basis ist, dass wir hinten gut stehen, kompakt stehen. Und dann haben wir im Spiel nach vorne ja auch noch die individuelle Klasse eines Rafael van der Vaart zu bieten, oder auch die Klasse eines Heung Min Son. Wir müssen, und daran arbeiten wir täglich, weniger Torchancen gegen uns zulassen. Das klappt einmal gut und einmal weniger gut, aber wir sind auf einem guten Wege.“ Und dann skizziert der 27-jährige Nationaltorwart auch schnell noch die Zukunft des HSV: „Unser Anspruch muss sein, bis zum Winter Platz sieben, Platz acht zu halten, Anschluss an die internationalen Plätze zu halten, dann wieder anzugreifen, Vollgas geben, voll anzugreifen.“

Ein kluger, ein genialer Plan. Hoffentlich geht er auf. Schon zu zwei Drittel wäre das schön.
Aber ist euch mal aufgefallen, was 13 Punkte aus sechs Spielen alles bewirken können? In Hamburg und beim HSV spricht niemand mehr von Abstieg. Das sollte dann auch nach dem Bayern-Spiel so bleiben, falls es denn tatsächlich nicht zu einem Punkt oder gar zu drei Punkten für den HSV gelangt haben sollte.

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr für das Bayern-Spiel geübt. Und gleich (18 Uhr) findet das Testspiel der B-Vertretung gegen HR statt. Ich melde mich nach dem Schlusspfiff wieder.

18.07 Uhr

Ergänzt um 19.20 Uhr:

Das Spiel gegen Halstenbek-Rellingen endete mit einem 6:0-Sieg des HSV, der antrat mit Neuhaus, Sala, Bruma, Scharner, Aogo; Rincon, Kacar; Nafiu, Skjelbred,Ilicevic; Berg. In der zweiten Halbzeit kamen Strietzel (im Tor), Dennis Bergmann und Dominik Masek. Vor 250 Zaungästen trafen Berg (zweimal 15,, 35.), zum 2:0 Skjelbred (19.), Sala (63.) und der in der 69. Minute eingewechselte Masek zweimal (73. und 79.). Der HSV spielte engagiert, und ein Lob gebührt auch dem Oberliga-Klub (erste Halbzeit mit Claus Reitmaier im Tor), der sich sehr gut verkaufte. Ein Test, der sich für beide gelohnt haben dürfte.

“Psycho-Scharner” – ein echter Typ, den man (frau) mögen muss

11. Oktober 2012

So ist das nun mal mit echten Typen. Sie werden gefeiert – oder eben nicht gemocht. Gleiches gilt für den in Österreich als Enfant terrible bekannten Paul Scharner. Der Österreicher ist ein eigenwilliger Kauz. Aber er ist eben genau der Typ, den man mögen muss. Und einer, den man mögen wird. Schon allein, weil er ein Ehrgeizling erster Güte ist, der verlieren hasst. Ein Trainingsweltmeister, der erst dann genug trainiert hat, wenn der Körper wirklich nichts mehr zulässt. Auch gegen den unterklassigen VfL 93 gab sich Scharner nicht mit dem sicheren Verteidigen der wenigen Angriffe des Bezirksligisten zufrieden. Im Gegenteil. „Das wäre nicht fordernd genug gewesen“, so Scharner, „deshalb habe ich mich mehr ins Spiel eingeschaltet, um meinem Körper so mehr abzuverlangen. Am Ende war ich gut ausgepowert.“

Gesagt, getan. Heute spürte Scharner seine Muskeln. „Ich bin natürlich noch nicht wieder auf normalem Stand“, so der Österreicher, der sich dafür noch die Länderspielpause lang Zeit geben will. „Ich bin noch nicht bei 100 Prozent – aber auch nicht mehr weit weg.“ Zumindest seinen Innenbandriss hat er auskuriert. „Hat alles gehalten“, freut sich Scharner heute, der dem Trainer schon signalisiert hatte, dass er keine normale Verletzungspause bräuchte und schneller wieder da sei. Sein Geheimnis? „Mentaltraining“, so der 32-Jährige, der seit etlichen Jahren mit Valentin Rubel, einem Mentaltrainer, zusammenarbeitet. „Valentin ist mein Karriereplaner“, so Scharner, der beim Mentaltraining durch verschiedene Übungen unter anderem seine Konzentrationsfähigkeit verbessert haben will. „In vielen Gesprächsfolgen lerne ich, mich besser zu konzentrieren. Ich entwickele meine Persönlichkeit. Auch durch Meditation und das Lernen der richtigen Atemtechnik.“

Das hilft “Psycho-Scharner” auch dabei, sich von äußeren Umständen nicht beeindrucken zu lassen. „Ein volles Stadion mit 57000 Zuschauern darf mich nicht negativ beeinflussen – nur positiv“, so Scharner, der durch das Mentaltraining sogar medizinische Vorteile hat. Das sagt er zumindest selbst. „Bei meiner letzten großen Verletzung in England habe ich so satt vier oder fünf Monate nur drei gebraucht. Das ist bewiesen“, so der Rechtsfuß, der jetzt auf seinen ersten Einsatz hofft: „Man darf ja noch utopische Träume haben.“

Zum Beispiel den von einer Startelfnominierung im nächsten Bundesligaspiel in der Imtech-Arena gegen den VfB Stuttgart. Dort sind momentan allerdings seine Konkurrenten Michael Mancienne und Heiko Westermann derzeit als Innenverteidigerduo gesetzt. Ob er sich auch auf einer anderen Position anbieten würde? „Nein“, so die klare Antwort, „ich bin mir auch sicher, dass der Trainer nichts anderes mit mir vorhat. Ich bin als Innenverteidiger geholt worden und habe jetzt 13 Jahre auf verschiedenen Positionen spielen müssen – das reicht. Zumal die Position auch für meine Entscheidung, nach Hamburg zu gehen, entscheidend war.“

Ergo: keine Kompromisse. „So bin ich immer gewesen“, sagt Scharner und erklärt, worauf sich Fans und Mannschaftskollegen bei ihm freuen dürfen: „Ich gebe immer mindestens 100 Prozent persönlichen Einsatz.“ Seine Stärken? „Kopfball, Zweikampf und Siegeswille.“ Dafür habe er sogar die den Österreichern typische Gelassenheit („Wir Österreicher sind eher gemütlich und sage: das passt schon, machen wir“) abgelegt. In seiner Zeit bei Wigan und West Bromwich in England vornehmlich. „Die erste Hälfte meiner Zeit in England war es ein Knochenjob, diese Mentalität abzulegen. Aber seitdem geht’s. Und es wird noch besser.“

Dennoch, das Thema England ist abgehakt, Scharner schaut nicht zurück. Auch nicht in Sachen Nationalelf. Angesprochen auf die Parodie im Internet muss Scharner lachen. „Die ist sensationell“, so der HSV-Profi, „ich kann mich darüber sehr gut amüsieren, weil ich ein durchaus selbstironischer Mensch bin.“ Dennoch birgt die Parodie eins der wenigen Dinge, die Scharner noch weh tun. „Natürlich ist es traurig, dass ich mir das Länderspiel der Österreicher nur im TV ansehen“, sagt Scharner, der seinerseits die Hoffnung nach dem ausgedehnten Streit mit Österreichs Bundestrainer Marcel Koller nicht aufgegeben hat: „Von meiner Seite her steht die Tür immer offen – aber vom ÖFB weiß ich eher nicht…“ Und das stimmt wohl – aus Scharners Sicht leider. Der ÖFB hat Scharner suspendiert und sich somit hinter Koller gestellt.

Bis sich auf dem Gebiet etwas tut, hat Scharner allerdings noch Großes mit dem HSV vor. „Der HSV ist der größte Klub, für den ich je gespielt habe. Wenn ich allein an die Gala denke! Das war unfassbar, das ganze Drumherum. Da ist es doch völlig normal, dass erwartet wird, dass dieser Klub international spielt.“ Zwar sei man davon momentan noch ein ganzes Stück entfernt, „aber es ist verständlich, dass es auf Sicht wieder erwartet wird.“

Erwartet wird vom 32-jährigen Scharner indes eine gewisse Führung. So sieht es der Österreicher selbst. Im Test gegen den VfL war er schon sehr lautstark unterwegs, „und das ist auch meine Art. Ich versuche, die Leute um mich herum noch stärker zu machen. Das wird auch von mir erwartet.“ Wie selbstbewusst Scharner ist, bewies er in diesem Zusammenhang mit einem Vergleich. „Von den Erfahrenen Spielern wird das erwartet – und bei Rafa haben wir gesehen, was es bewirkt. Nur so geht’s. Und das wird auch von mir erwartet.“ Ebenfalls von ihm erwartet wird eine ordentliche Einstandsfeier für die Kollegen. Zudem muss auch Scharner das obligatorische Einstandslied singen. Welches er nimmt? Dreimal dürft Ihr raten… „Ich bin Österreicher – selbstverständlich singe ich ‚Hey Baby’ von DJ Ötzi. Das hat schon meine englischen Mitspieler auf die Tische steigen lassen.“ Steigen soll die Sause nach dem Stuttgart-Spiel – sofern das gewonnen wird. Denn nach einer Niederlage mag ein Paul Scharner sicher nicht feiern…

Grund zum Feiern hatten zuletzt alle Rene-Adler-Fans. Der neue HSV-Keeper ist trotz der Van-der-Vaart-Gala-Auftritte wohl der formstärkste HSVer. Nicht umsonst hatten viele schon mit seinem Nationalelf-Comeback in diesen Tagen gerechnet. Allerdings hatten sich Jogi Löw und sein Trainerteam schon vor Wochen darauf festgelegt, an der Dreier-Kombo Neuer/Zieler/ter Stegen nichts ändern zu wollen. Dennoch darf sich Adler weiter realistische Hoffnungen auf sein DFB-Combeack machen. Zumal er heute von DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke (bekennender Adler-Fan!) selbiges in Aussicht gestellt bekam: „René ist auf einem guten Weg“, sagte Köpke und erklärte: „Er verkörpert eigentlich genau das Torwartspiel, was wir bei der Nationalmannschaft sehen wollen.“

Mehr geht kaum.

In diesem Sinne, heute war es ansonsten ruhig. Die Mannschaft war nicht auf dem Platz sondern laufen. Morgen soll es jedoch um zehn Uhr wieder auf den Platz an der Imtech-Arena gehen. Von dort wird dann wieder unser aller Dieter berichten.

Scholle

P.S.: Heute feiert der Mann seinen gerade erst 45. Geburtstag, der sich als einziger Profi-Fußballer, den ich jemals gesehen habe, die Bälle von seinem Trainer vor dem Spiel links und rechts hinrollen ließ, um diese dann zurückzugrätschen…!! 😉 Herzlichen Glückwunsch, Carsten Kober!!

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