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Westermann: “Wir haben die bessere Mannschaft”

8. Februar 2012

Es ist gar nicht so lange her, da machte ich mir hier im Blog noch Sorgen um Slobodan Rajkovic. Drei Monate musste der Sommerzugang aussetzen, nachdem er gegen Kaiserslautern die Rote Karte erhalten hatte. Zwar nicht die ganze Zeit gesperrt, sondern anschließend auch leistungsbedingt, allerdings verlor er durch den Platzverweis seinen frisch erkämpften Platz in der Innenverteidigung neben Heiko Westermann. Anfänglich wusste der Serbe noch durch seinen Kampfgeist im Training zu gefallen, im Trainingslager in Marbella hatte er dann jedoch seinen Tiefpunkt. Resignierend und in sich gekehrt trottete der 23-Jährige über den Platz. Ein bitteres Bild – das sich spätestens mit dem Bayern-Spiel um 180 Grad gewendet hat. Rajkovic: „Es war ein guter Schritt für mich. Ich musste mich lange gedulden und hart arbeiten, um meine Chance zu bekommen.“ Jetzt hat er sie genutzt.

Gegen Bayern-Stürmer Gomez wusste Rajkovic seine Vorzüge bestens auszuspielen. In der Luft eine Macht, hielt der 23-Jährige gegen den sehr robusten und torgefährlichsten Deutschen der letzten Saison auch körperlich gut dagegen. So gut, dass er sowohl hier in Hamburg als auch in der serbischen Presse gelobt wurde. „Meine Freunde haben mir erzählt, was so geschrieben und gesagt wurde“, sagt Rajkovic und man kann seine Freude darüber erkennen: „Natürlich tut das gut“, so der Verteidiger, „aber noch besser sind mehrere gute Spiele.“

Eines davon soll in Köln am Sonntag (17.30 Uhr) folgen. Denn auch heute konnte Jeffrey Bruma (Knieprobleme) noch nicht mittrainieren, womit Rajkovic’s Chancen auf einen Startplatz bei annähernd 100 Prozent sein dürften. „Der Trainer hat noch nicht mit mir gesprochen“, sagt er, „aber ich bereite mich eh immer so vor, als würde ich spielen. Ich muss bereit sein, wenn meine Zeit kommt.“ Zudem will Rajkovic an das Hinspiel anschließen, das Ergebnis im Rückspiel drehen. „Wir haben damals extrem dumme Gegentore bekommen“, spricht er eines der Hauptprobleme beim HSV an. Immerhin ist vor Kaiserslautern das Team mit den wenigsten Spielen ohne Gegentor. „Wir kriegen ja gar nicht so übermäßig viele Gegentore“, erzählt Rajkovic, „aber eben in zu vielen Spielen wenigstens ein Ding. Das müssen wir abstellen – auch wenn ich keine wirkliche Erklärung dafür habe.“

Gegen Köln bekommt es die HSV-Abwehr mit Milivoje Novakovic zu tun. Einem „Killer“, wie Rajkovic den Slowenen in Anlehnung an dessen Vollstreckungsfähigkeiten vor dem gegnerischen Tor nennt. Also wird es nach Gomez wieder ein Duell zweier Gleicher? „Warum“, fragt Rajkovic, „was ist gleich?“ Antwort: die martialische Beschreibung. Immerhin wird der HSV-Verteidiger ob seiner imposanten körperlichen Erscheinung und seiner Zweikampfhärte Rambo gerufen. „Ich weiß“, lacht Rajkovic, der alle Rambo-Filme gesehen hat und mochte, „aber das ist nicht wirklich ein Vorteil für mich. Immerhin gucken die Schiris oft anders auf einen, wenn einem so ein Ruf vorauseilt.“ So geschehen bei der als harte Entscheidung einzustufenden Roten gegen Kaiserslautern. „Ich glaube, dass mein Ruf mir nicht gerecht wird. Ich bin ein Spieler, der sehr physisch spielt. Aber das ist bei fast allen Verteidigern so. Immerhin haben wir extrem viele Zweikämpfe zu bestreiten und müssen Bälle erobern und nicht verteilen.“ Wahre Worte, wie ich meine. Zumal jeder, der Rajkovic kennenlernt, dasselbe über ihn sagt: „Er ist ein lieber Kerl mit einer tollen Einstellung.“

Heute habe ich diese Worte übrigens von Heiko Westermann gehört, der am Sonntag zusammen mit Rajkovic Kölns Stürmer aus dem Spiel nehmen soll. Wobei mit dem Ausfall von Lukas Podolski der torgefährlichste Kölner fehlen wird. Ein Vorteil? „Mit Sicherheit kein Nachteil“, sagt Westermann, „immerhin war Poldi an zwei Dritteln aller Kölner Tore beteiligt. Allerdings hätte ich eh nicht mit einem Sturmlauf der Kölner gerechnet.“ Eher das Gegenteil sei zu erwarten. Sagt Westermann: „Wir werden von Beginn an das Spiel machen müssen, Köln wird sich auf Konter verlagern“, so der Kapitän, der keinen Hehl daraus macht, gegen den FC Favorit zu sein. „Im Hinspiel haben wir es mit vermeidbaren Fehlern selbst aus der Hand gegeben. Das passiert uns nicht noch mal. Eine unserer Stärken ist, dass wir auf jedes Spiel eine Reaktion zeigen.“ Womit Westermann natürlich nur die positiven Reaktionen auf bittere Spiele wie beispielsweise das Hertha-Spiel nach dem BVB-1:5 meint.

Jetzt also die Revanche für das 3:4 im Hinspiel. Und obgleich das Hinspiel zu Hause war und die Partie am Sonntag auswärts ist, sieht Westermann heute bessere Voraussetzung gegeben. „Wir sind heute deutlich gefestigter“, so der Abwehrchef, ehe er noch deutlicher wird. „Wir haben die größere Qualität, den besseren Kader, die bessere Mannschaft, also die bessere Mentalität. Das sind alles Punkte, die eindeutig für uns sprechen.“ Und mit Sicherheit auch eine Aufzählung, die den Kölnern als Motivationshilfe dienen können.

Zu mutig sind sie dennoch nicht. Zumindest nicht für HSV-Trainer Thorsten Fink. „Ich bin froh, wenn meine Spieler so optimistisch äußern“, sagt Trainer Thorsten Fink, der am Wochenende gegen Bayern erstmals wirklich zufrieden war mit der eigenen Defensivleistung, „allerdings müssen den Worten auch Taten folgen.“ Und der Maßstab für ein gutes Spiel ist kein Prozent weniger Einsatz als gegen Bayern München. „Wir wollen uns selbst an unseren besseren Spielen messen“, sagt Westermann, der gegen München einen Schritt nach vorn entdeckt haben will. „Ich war nach dem Spiel so positiv, weil wir über die gesamte Spielzeit mit allen elf nach hinten gearbeitet haben.“ Das werde zwar gegen Köln nicht zwingend notwendig, „aber wenn wir 1:0 führen und die letzten zehn Minuten unter Druck geraten, erwarte ich genau diese Leistung. Besser gesagt: wir erwarten die von uns.“

Klingt gut. Mal wieder gut. Hat aber noch nichts zu sagen. Zumal eine ganz wichtige Personalie im momentanen HSV-Spiel noch offen ist: die Position neben David Jarolim. Tomas Rincon ist gelbgesperrt, jetzt kämpfen Gojko Kacar, Robert Tesche und sogar Jacopo Sala (dann könnte Ilicevic auf die rechte Mittelfeldseite rücken) um den einen freien Platz. Und obwohl ich es sehr begrüßen würde, wenn Fink Ilicevic von Beginn an bringt un d Sala in die Zentrale rückt (das spielte der Italiener im Trainingslager gegen Brügge sehr ordentlich), wäre das natürlich eine sehr offensive Aufstellung. Und ein Risiko, das der HSV momentan nicht gehen muss. Schon deshalb glaube ich daran, dass Tesche oder Kacar die vakante Position einnehmen werden. Tendenz: Kacar. Aber gut, entscheiden dürften sich die letzten Personalien nicht vor Sonnabend, vor dem Abschlusstraining.

Entschieden ist dagegen, dass der HSV nach Südkorea reist. Ihr werdet es heute vielleicht schon gelesen haben, deshalb hier noch mal die Zusammenfassung für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Vom 16. Bis 25. Juli geht es ins Trainingslager nach Südkorea. Dort wird der Peace-Cup gespielt. Ein Turnier mit dem HSV, dem Permier-League-Team Sunderland, einer saudi-arabischen Mannschaft sowie einem südkoreanischen Team. „Wir fahren aber nicht hin, um eine Freundschaftsspieltour zu machen und damit einmal Geld abzusahnen“, sagt Vorstand Joachim Hilke, „wir setzen einen ersten Anker, um nachhaltig die Marke HSV in Südkorea zu platzieren.“ Und obwohl die 600000 Euro Antrittsgage sowie noch eine Million Euro für den Turniersieger höchst attraktive Aussichten sind, gilt neben der sportlichen Vorbereitung das Hauptaugenmerk dem Ausbau geschäftlicher Beziehen. 2005 hatte es der HSV ob der Personalie Naohiro Takahara in Japan versucht – und scheiterte. Auch, weil Japan zu groß ist. Deshalb Südkorea, die Heimat von Heung Min Son. Zwei Sponsoren hat der HSV mit Kumho Tyres und Hanwha (1,5 Millionen per annum) bereits, zwei weitere haben jetzt unterschrieben. Rund 500000 Euro fließen dadurch in die weitgehend leeren HSV-Kassen.

Auch das klingt gut.

In diesem Sinne, es gab schon deutlich schlechtere Momente. Vor allem in dieser Saison. Hoffen wir darauf, dass sich der HSV am Sonntag mit einem Auswärtssieg erstmals in dieser Serie in die Top-Ten zu schießen. Immerhin kommt danach mit Werder Bremen (schon 52000 Karten verkauft) ein absoluter Aufbaugegner in den Volkspark…

Bis morgen,
Scholle (19.18 Uhr)

P.S.: Morgen wird um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

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