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0:2 – Olic kann auch kein Wunder bewirken! Am Sonntag soll der Chilene Diaz aus Basel kommen

31. Januar 2015

********************Der HSV wird sich weiter verstärken*********************
Laut Transfermarkt, der Schweizer Zeitung Blick und laut “Scholle” wird der HSV morgen einen Mittelfeldspieler verpflichten. Vom FC Basel soll der Chilene Marcelo Diaz kommen, der aktuelle Nationalspieler (30 Länderspiele) wird sich an diesem Sonntag medizinisch untersuchen lassen und danach einen Vertrag mit dem HSV unterzeichnen, die Laufzeit soll bis Sommer 2017 ausgehandelt worden sein. Diaz ist Mittelfeldspieler, hat für den FC Basel 99 Pflichtspiele bestritten, in denen er 13 Tore erzielte (acht Assits). Die Ablösesumme für den Chilenen soll zwei Millionen betragen – der FC Basel zahlte 2012 angeblich 3,4 Millionen Euro an den Club Universidad de Chile für den 1,66 Meter großen Profi, der seine Stärken in der Defensive haben soll. Er käme wohl in erster Linie als Ersatz für Valon Behrami zum HSV, denn der Schweizer wird wohl doch noch eine längere Zeit ausfallen.
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Ergänzt um 23.07 Uhr+++++++++++++++++++++++++++++

 

Auf ihrem obligatorischen Gang in den Norden wurden die HSV-Spieler von Pfiffen empfangen. Und schon drehten sie ab, die Herren Profis. Mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den Aufsteiger 1. FC Köln ist der HSV ernüchternd und total enttäuschend in das neue Fußball-Jahr gestartet, der Leidensweg im Volkspark geht weiter und wird so schnell auch kein Ende haben. Der HSV spielte wie ein Absteiger, da war kein Schwung, keine Frische und kein Herz erkennbar, erst recht nichts von Leidenschaft. Der HSV stolperte über den Rasen, als hätte er schon aufgegeben. Vor 56 053 Zuschauern war der Sieg der Kölner eindeutig verdient, er hätte sogar höher ausfallen können. Was erschütternd und fast schon dramatisch war: Ivica Olic, der „Wunschstürmer“ der HSV-Führung, konnte in dieser niveauarmen HSV-Mannschaft auch kein Wunder bewirken, er konnte auch niemanden mitreißen. Weil es überall in diesem Team an Qualität mangelt. Jetzt geht es am Mittwoch in Paderborn weiter, der Aufsteiger kam heute in Mainz mit 0:5 unter die Räder – mal sehen, wie sich der HSV dort aus der Affäre ziehen wird. Es wird eng, ganz sicher – bis zum Sommer.


War das eine Freude. Oder besser: eine Vorfreude. Endlich wieder Fußball. Nun gut, für die Zuschauer. Die Spieler ackern ja schon seit Wochen auf diesen Tag hin. Mussten in die Sonne, nach Dubai, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Jeden Tag Fußball. Oder fast jeden Tag. Da kann einem schon die Freude mal kurzerhand verlorengehen. Viele Fans aber waren erwartungsfroh in den Volkspark gepilgert – und viele tippten auf einen klaren HSV-Sieg. Okay, die Winterpause war lang, da gerät dann eben auch manches in Vergessenheit . . .

 

Und wenn die HSV-Spieler dann an die Hinrunde anknüpfen, dann sieht das eben so aus, wie in diesem ersten Bundesliga-Heimspiel des Jahres 2015 gegen den 1. FC Köln. Der HSV quälte sich mühsam über die ersten 45 Minuten, suchte an allen Ecken und Enden nach einem Konzept – oder nach was auch immer. Nach Erstliga-Fußball sah das immer noch nicht aus. Von Vorfreude natürlich erst recht nicht. Ob die Abstiegsangst lähmt? Man weiß es nicht, man weiß es nicht. Aber irgendetwas muss es ja sein. Köln ging vorne drauf, und dann weiß der HSV ohnehin nicht, was Sache ist. Und wie man einen solchen kniffligen Fall lösen sollte. Ist ja aber auch gemein, einfach vorne drauf zu gehen, darauf hätten die Kölner ruhig mal verzichten können. Aber so spielt das Leben. Selbst bis an den Rhein hat es sich nun schon herumgesprochen, dass der HSV immer dann schon ganz leicht, aber wirklich nur ganz, ganz leicht überfordert ist, wenn er schon in seiner Hälfte attackiert wird.

 

Nee, nee, meine Herren, das sieht (und sah diesmal) nur nach Alt-Herren-Fußball aus, man muss der Wahrheit auch mal eiskalt ins Gesicht schauen dürfen. So geht Bundesliga in jedem Falle nicht. Immer noch nicht. Kommt vielleicht mal, aber im Moment noch nicht. Ganz offensichtlich war ja auch, dass die Kölner immer einen Tick schneller waren. Die No-name-Truppe hat es begriffen, wie Fußball geht – Schnelligkeit ist das Stichwort. Und dazu die nötige Aggressivität.
Nur die erste Halbzeit zum Maßstab genommen, so muss festgehalten werden, dass sich an diesem „HSV 2015“ nichts geändert hat.

 

Und es funktioniert dann erst recht nicht, wenn einige gar nicht richtig mitspielen. Petr Jiracek suchte seine Rolle, ohne sie zu finden. Der Tscheche hing im luftleeren Raum, der Ball lief meistens an ihm vorbei. Mohamed Gouaida fand gar nicht statt, Nicolai Müller war gar nicht zu sehen – und wenn drei Mann schon nur auf der Stelle treten, kannst du nichts gewinnen. Köln machte es vor: Zwei, drei Stationen mit Tempo-Fußball, jawollo, Tempo-Fußball (!), und dann war man am HSV-Strafraum, gelegentlich sogar drin. Und wenn einmal Ujah (16.) und einmal ein anderer Kölner – war es Peszko (?) – die Kugel unter Kontrolle bekommen hätten, dann hätte es auch leicht 0:1 stehen können.

 

Dabei begann der HSV durchaus unternehmungslustig. Mit Neuzugang Ivica Olic schien endlich mehr Leben in der Bude – sprich vorne – zu sein. Und in der neunten Minute hätte es auch 1:0 für den HSV stehen können, als Heiko Westermann nach einem Van-der-Vaart-Freistoß auf das Kölner Tor köpfte, Keeper Horn aber super hielt.

 

Danach aber nur Möglichkeiten für Köln. Wie geschrieben, zweimal wurde frei vor Jaroslav Drobny der Ball vergessen, und in der 24. Minute hätte Ujah eigentlich das Tor machen müssen, aber seinen Schuss aus 13 Metern hielt Drobny bravourös. Zum Glück für den HSV. Sekunden später schickte Trainer Joe Zinnbauer seine Ersatzleute zum Warmmachen – ein Zeichen für die, die auf dem Platz standen – aber verstanden hat es von ihnen kaum einer. Zinnbauer hatte sich übrigens zuerst im blauen Pullover versucht, zog dann aber doch nach 14 Minuten eine dickere Winterjacke an. Er hätte sich sonst wohl auch eine mächtige Erkältung eingefangen . . .

 

Zweimal fiel der HSV in der ersten Halbzeit noch auf: Rafael van der Vaart zog gegen Peszko, der einen Freistoß blockieren wollte, hart durch – das hätte auch Rot sein können, Schiedsrichter Wolfgang Stark war gnädig und gab beiden (!) Gelb. Und dann versuchte sich Nicolai Müller in der 42. Minute mit einem Volleyschuss von der Strafraumgrenze, ungefähr zwölf Meter überweg.
Seitenwechsel.

 

Im zweiten Durchgang ging es mit dem Prinzip Hoffnung weiter. Vieles war nur auf Zufall aufgebaut, einiges ging deshalb daneben, weil es nicht gekonnt ist, und andere Sachen klappen ganz einfach deshalb nicht, weil die meisten in Sachen Schnelligkeit eben nicht erstklassig sind. Wo ist Ivica Olic da nur hereingeraten?

 

Dabei hatte der HSV durchaus noch einige Szenen, in denen so etwas wie Können aufblitze. Ein Van-der-Vaart-Freistoß sah wie einstudiert aus: Der Ball kam auf Westermann, der legte per Kopf auf Ashton Götz auf – der drüber (49.).

 

Das Tor fiel auf der Gegenseite. Westermann spielte einen Fehlpass, Slobodan Rajkovic verlor ein Duell gegen Peszko, der Ball steil auf Risse, Westermann hechelte hinterher und kam nicht ran – und dann sah auch Drobny bei dem Schuss in die kurze Ecke nicht gut aus – Tor. Unfassbar, diese Fehler. Anfängerhafte Fehler. Amateurhafte Fehler. So spielen sie nicht mal in der Zweiten Liga. Das ist Fußball zum Vergessen.

 

Zinnbauer wechselte dann offensiv aus. Zoltan Stieber, der Gewinner der Vorbereitung (!), kam für Nicolai Müller, Petr Jiracek ging, für ihn kam Pierre-Michel Lasogga (71.), und dann kam auch noch Maximilian Beister für Mohamed Gouaida (76.).

 

Das nächste Tor fiel aber auf der Gegenseite. Wie gehabt. Marcell Jansen sah nicht gut aus, Rajkovic sah sehr langsam aus, und diesmal traf Risse ins lange Eck – Tor (78.). Die Entscheidung. Und völlig verdient. Der HSV wollte zwar noch, blieb aber restlos harmlos und enttäuschend. Wo soll das noch enden?

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Rajkovic, Jansen; Westermann, Jiracek (71. Lasogga); Müller (58. Stieber), van der Vaart, Gouaida (76. Beister); Olic;

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny sah beim ersten Kölner Tor denkbar schlecht aus, den muss er halten. Ansonsten aber okay.

 

Ashton Götz spielte solide, fand nach vorne aber so gut wie nie statt. Sollte er wohl auch nicht, oder?

 

Johan Djourou sah nicht immer souverän aus, war aber hinten noch der beste Mann, weil er viele Sachen (der Kölner) erahnte und bereinigte.

 

Slobodan Rajkovic war eine Halbzeit lang sehr aufmerksam in den Zweikämpfen, beeindruckte durch seine Kopfballstärke – aber zweite Halbzeit war er schlecht. Und in Sachen Spielaufbau ging bei ihm gar nichts!

 

Marcell Jansen spielte mit, ohne groß aufzufallen.

 

Heiko Westermann war eine Halbzeit lang einer der besseren Hamburger, dann baute er stark ab – und leitete die Niederlage ein.

 

Petr Jiracek war nie zu sehen!

 

Nicolai Müller war überhaupt nicht zu sehen, spielte er mit?

 

Rafael van der Vaart wollte, aber was soll er allein bewirken – bei diesen dilettantischen Mitspielern? Mir tut der Mann leid.

 

Mohamed Gouaida war bis zur 76. Minuten ein, es muss leider geschrieben werden, Totalausfall. Und wurde viel zu spät erlöst.

 

Ivica Olic war in Halbzeit eins gut und viel unterwegs, dann tauchte er ab und unter – bestimmt völlig desillusioniert.

 

Zoltan Stieber (ab 58. Min. für Müller) durfte noch mitmachen, aber was sollte er noch machen? Als er kam, lief schon fast alles schief – und dann lief alles nur noch schiefer.

 

Pierre-Michel Lasogga (ab 71. Min. für Jiracek) mischte mit, wollte ganz sicher auch etwas bewirken – aber an diesem Nachmittag ging gar nichts. Immerhin, er zeigte ein, zwei Ansätze, und die waren nicht bei allen erkennbar.

 

Maximilian Beister (ab 76. Min. für Gouaida) durfte seine ersten Bundesliga-Minuten seit einem Jahr schnuppern – er muss sie genossen haben, trotz der Niederlage. Aber das war das einzig Positive für ihn, denn in eine solche Mannschaft hinein zu kommen, das muss ein Albtraum sein.

 

Das war es zunächst vom Rückrunden-Auftakt. Gleich geht es aber weiter, dann sind wir mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über die eben erlebten 90 Minuten im Volkspark sprechen. Zu Gast bei uns sind dann der frühere Nationalspieler Christian Rahn sowie unser „Matz-abber“ „Scorpion“, der Mann mit dem giftigen Stachel, mit dem auch ich schon mehrfach Bekanntschaft machen durfte. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn er wieder bei uns sein würdet.

 

17.36 Uhr

Westermann: “Wir haben die bessere Mannschaft”

8. Februar 2012

Es ist gar nicht so lange her, da machte ich mir hier im Blog noch Sorgen um Slobodan Rajkovic. Drei Monate musste der Sommerzugang aussetzen, nachdem er gegen Kaiserslautern die Rote Karte erhalten hatte. Zwar nicht die ganze Zeit gesperrt, sondern anschließend auch leistungsbedingt, allerdings verlor er durch den Platzverweis seinen frisch erkämpften Platz in der Innenverteidigung neben Heiko Westermann. Anfänglich wusste der Serbe noch durch seinen Kampfgeist im Training zu gefallen, im Trainingslager in Marbella hatte er dann jedoch seinen Tiefpunkt. Resignierend und in sich gekehrt trottete der 23-Jährige über den Platz. Ein bitteres Bild – das sich spätestens mit dem Bayern-Spiel um 180 Grad gewendet hat. Rajkovic: „Es war ein guter Schritt für mich. Ich musste mich lange gedulden und hart arbeiten, um meine Chance zu bekommen.“ Jetzt hat er sie genutzt.

Gegen Bayern-Stürmer Gomez wusste Rajkovic seine Vorzüge bestens auszuspielen. In der Luft eine Macht, hielt der 23-Jährige gegen den sehr robusten und torgefährlichsten Deutschen der letzten Saison auch körperlich gut dagegen. So gut, dass er sowohl hier in Hamburg als auch in der serbischen Presse gelobt wurde. „Meine Freunde haben mir erzählt, was so geschrieben und gesagt wurde“, sagt Rajkovic und man kann seine Freude darüber erkennen: „Natürlich tut das gut“, so der Verteidiger, „aber noch besser sind mehrere gute Spiele.“

Eines davon soll in Köln am Sonntag (17.30 Uhr) folgen. Denn auch heute konnte Jeffrey Bruma (Knieprobleme) noch nicht mittrainieren, womit Rajkovic’s Chancen auf einen Startplatz bei annähernd 100 Prozent sein dürften. „Der Trainer hat noch nicht mit mir gesprochen“, sagt er, „aber ich bereite mich eh immer so vor, als würde ich spielen. Ich muss bereit sein, wenn meine Zeit kommt.“ Zudem will Rajkovic an das Hinspiel anschließen, das Ergebnis im Rückspiel drehen. „Wir haben damals extrem dumme Gegentore bekommen“, spricht er eines der Hauptprobleme beim HSV an. Immerhin ist vor Kaiserslautern das Team mit den wenigsten Spielen ohne Gegentor. „Wir kriegen ja gar nicht so übermäßig viele Gegentore“, erzählt Rajkovic, „aber eben in zu vielen Spielen wenigstens ein Ding. Das müssen wir abstellen – auch wenn ich keine wirkliche Erklärung dafür habe.“

Gegen Köln bekommt es die HSV-Abwehr mit Milivoje Novakovic zu tun. Einem „Killer“, wie Rajkovic den Slowenen in Anlehnung an dessen Vollstreckungsfähigkeiten vor dem gegnerischen Tor nennt. Also wird es nach Gomez wieder ein Duell zweier Gleicher? „Warum“, fragt Rajkovic, „was ist gleich?“ Antwort: die martialische Beschreibung. Immerhin wird der HSV-Verteidiger ob seiner imposanten körperlichen Erscheinung und seiner Zweikampfhärte Rambo gerufen. „Ich weiß“, lacht Rajkovic, der alle Rambo-Filme gesehen hat und mochte, „aber das ist nicht wirklich ein Vorteil für mich. Immerhin gucken die Schiris oft anders auf einen, wenn einem so ein Ruf vorauseilt.“ So geschehen bei der als harte Entscheidung einzustufenden Roten gegen Kaiserslautern. „Ich glaube, dass mein Ruf mir nicht gerecht wird. Ich bin ein Spieler, der sehr physisch spielt. Aber das ist bei fast allen Verteidigern so. Immerhin haben wir extrem viele Zweikämpfe zu bestreiten und müssen Bälle erobern und nicht verteilen.“ Wahre Worte, wie ich meine. Zumal jeder, der Rajkovic kennenlernt, dasselbe über ihn sagt: „Er ist ein lieber Kerl mit einer tollen Einstellung.“

Heute habe ich diese Worte übrigens von Heiko Westermann gehört, der am Sonntag zusammen mit Rajkovic Kölns Stürmer aus dem Spiel nehmen soll. Wobei mit dem Ausfall von Lukas Podolski der torgefährlichste Kölner fehlen wird. Ein Vorteil? „Mit Sicherheit kein Nachteil“, sagt Westermann, „immerhin war Poldi an zwei Dritteln aller Kölner Tore beteiligt. Allerdings hätte ich eh nicht mit einem Sturmlauf der Kölner gerechnet.“ Eher das Gegenteil sei zu erwarten. Sagt Westermann: „Wir werden von Beginn an das Spiel machen müssen, Köln wird sich auf Konter verlagern“, so der Kapitän, der keinen Hehl daraus macht, gegen den FC Favorit zu sein. „Im Hinspiel haben wir es mit vermeidbaren Fehlern selbst aus der Hand gegeben. Das passiert uns nicht noch mal. Eine unserer Stärken ist, dass wir auf jedes Spiel eine Reaktion zeigen.“ Womit Westermann natürlich nur die positiven Reaktionen auf bittere Spiele wie beispielsweise das Hertha-Spiel nach dem BVB-1:5 meint.

Jetzt also die Revanche für das 3:4 im Hinspiel. Und obgleich das Hinspiel zu Hause war und die Partie am Sonntag auswärts ist, sieht Westermann heute bessere Voraussetzung gegeben. „Wir sind heute deutlich gefestigter“, so der Abwehrchef, ehe er noch deutlicher wird. „Wir haben die größere Qualität, den besseren Kader, die bessere Mannschaft, also die bessere Mentalität. Das sind alles Punkte, die eindeutig für uns sprechen.“ Und mit Sicherheit auch eine Aufzählung, die den Kölnern als Motivationshilfe dienen können.

Zu mutig sind sie dennoch nicht. Zumindest nicht für HSV-Trainer Thorsten Fink. „Ich bin froh, wenn meine Spieler so optimistisch äußern“, sagt Trainer Thorsten Fink, der am Wochenende gegen Bayern erstmals wirklich zufrieden war mit der eigenen Defensivleistung, „allerdings müssen den Worten auch Taten folgen.“ Und der Maßstab für ein gutes Spiel ist kein Prozent weniger Einsatz als gegen Bayern München. „Wir wollen uns selbst an unseren besseren Spielen messen“, sagt Westermann, der gegen München einen Schritt nach vorn entdeckt haben will. „Ich war nach dem Spiel so positiv, weil wir über die gesamte Spielzeit mit allen elf nach hinten gearbeitet haben.“ Das werde zwar gegen Köln nicht zwingend notwendig, „aber wenn wir 1:0 führen und die letzten zehn Minuten unter Druck geraten, erwarte ich genau diese Leistung. Besser gesagt: wir erwarten die von uns.“

Klingt gut. Mal wieder gut. Hat aber noch nichts zu sagen. Zumal eine ganz wichtige Personalie im momentanen HSV-Spiel noch offen ist: die Position neben David Jarolim. Tomas Rincon ist gelbgesperrt, jetzt kämpfen Gojko Kacar, Robert Tesche und sogar Jacopo Sala (dann könnte Ilicevic auf die rechte Mittelfeldseite rücken) um den einen freien Platz. Und obwohl ich es sehr begrüßen würde, wenn Fink Ilicevic von Beginn an bringt un d Sala in die Zentrale rückt (das spielte der Italiener im Trainingslager gegen Brügge sehr ordentlich), wäre das natürlich eine sehr offensive Aufstellung. Und ein Risiko, das der HSV momentan nicht gehen muss. Schon deshalb glaube ich daran, dass Tesche oder Kacar die vakante Position einnehmen werden. Tendenz: Kacar. Aber gut, entscheiden dürften sich die letzten Personalien nicht vor Sonnabend, vor dem Abschlusstraining.

Entschieden ist dagegen, dass der HSV nach Südkorea reist. Ihr werdet es heute vielleicht schon gelesen haben, deshalb hier noch mal die Zusammenfassung für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Vom 16. Bis 25. Juli geht es ins Trainingslager nach Südkorea. Dort wird der Peace-Cup gespielt. Ein Turnier mit dem HSV, dem Permier-League-Team Sunderland, einer saudi-arabischen Mannschaft sowie einem südkoreanischen Team. „Wir fahren aber nicht hin, um eine Freundschaftsspieltour zu machen und damit einmal Geld abzusahnen“, sagt Vorstand Joachim Hilke, „wir setzen einen ersten Anker, um nachhaltig die Marke HSV in Südkorea zu platzieren.“ Und obwohl die 600000 Euro Antrittsgage sowie noch eine Million Euro für den Turniersieger höchst attraktive Aussichten sind, gilt neben der sportlichen Vorbereitung das Hauptaugenmerk dem Ausbau geschäftlicher Beziehen. 2005 hatte es der HSV ob der Personalie Naohiro Takahara in Japan versucht – und scheiterte. Auch, weil Japan zu groß ist. Deshalb Südkorea, die Heimat von Heung Min Son. Zwei Sponsoren hat der HSV mit Kumho Tyres und Hanwha (1,5 Millionen per annum) bereits, zwei weitere haben jetzt unterschrieben. Rund 500000 Euro fließen dadurch in die weitgehend leeren HSV-Kassen.

Auch das klingt gut.

In diesem Sinne, es gab schon deutlich schlechtere Momente. Vor allem in dieser Saison. Hoffen wir darauf, dass sich der HSV am Sonntag mit einem Auswärtssieg erstmals in dieser Serie in die Top-Ten zu schießen. Immerhin kommt danach mit Werder Bremen (schon 52000 Karten verkauft) ein absoluter Aufbaugegner in den Volkspark…

Bis morgen,
Scholle (19.18 Uhr)

P.S.: Morgen wird um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Jetzt bitte die richtigen Schrauben nachziehen

31. Oktober 2010

Es ist schon Wahnsinn, was hier manchmal abgeht. Und das meine ich komplett positiv. Das ist Leidenschaft. Und genau wie Ihr, bin auch ich ein leidenschaftlicher Fußballer, von der (meiner) ersten Stunde an. Das hat uns unfassbar viele, schöne Stunden gebracht. Für viele von uns schon auf dem Platz als Spieler. Aber genauso neben dem Platz. Bei mir waren es einst Uwe Seeler, Charly Dörfel und Co., später Kevin Keegan, Horst Hrubesch, Thomas von Heesen, Thomas Doll und letztlich auch die aktuelle HSV-Konstellation, die mir viel Freude bereitet haben. Oder eben auch Frust, Trauer und manchmal gar Verärgerung. Das ist in keiner Phase der letzten HSV-Jahrzehnte ausgeblieben. Das ist eben der kleine Nachteil, wenn man sich emotional so sehr an einen Fußballverein bindet.

Aber man (frau natürlich auch) lernt mit den Jahren, mit den Ereignissen umzugehen, sie zu verarbeiten und einzuordnen. Dazu gehört der Jubel, ganz klar. Nichts macht ein Fan lieber. Aber dazu gehört es einfach auch, klar und ohne Umschweife Fehler anzusprechen. Eben so, wie nach dem gestrigen Spiel. Wer in dem Spiel noch positive Ansätze (außer bei dem Youngster Son) hervorhebt, verklärt die Situation. Denn: Ein Klub, der wie der HSV den Anspruch formuliert, Champions League spielen zu wollen, der unterwirft sich im gleichen Atemzug auch einem sehr hohen Anspruch von außen. Und dieser kann nicht, auch nicht im Entferntesten, mit einer Niederlage in Köln erreicht sein. Egal, ob dabei ein Babak Rafati pfeift… Ich verstehe Fans, die immer positiv bleiben wollen. Optimismus ist wichtig. Aber das allein wäre als Analyse zu einseitig. Das wäre populistisch. Nichts anderes.

Deshalb habe ich gestern klar formuliert, was mir missfallen hat. Angefangen bei Drobny, der natürlich noch keine Sicherheit hat. Der aber als erfahrener Mann mit der Situation umzugehen wissen muss. Und dafür war er mir bei den vielen Flanken zu untätig. Er blieb auf der Linie kleben, traute sich nicht, alles vor ihm wegzuräumen auf dem Weg zum Ball. Ich hätte erwartet, dass er mit seinen 1.92 Metern dominanter auftritt. Ich bin mir wie die meisten hier auch sicher, dass er das kann. Ich weiß auch, dass er ein guter Typ ist, ein Teamplayer – aber in der Form ist er eben auch Teil einer langen Fehlerkette, die Spiele wie gegen lediglich aggressiv spielende, fußballerisch stark limitierte Kölner verlieren lässt. Das gehört in einer Analyse angesprochen.

Dass nach dem Spiel Heiko Westermann davon spricht, er und seine Kollegen hätten einen couragierten Auftritt hingelegt, verbuche ich ihm zuliebe mal unter dem Begriff „Zweckoptimismus“. Ich hoffe, dass er sich als Kapitän dazu berufen sah, das Positive zu suchen und der Mannschaft Mut zuzusprechen. Sollte er allerdings auch intern, im intimeren Kreis mit Mitspielern und Trainerteam, diese Auffassung von dem Spiel in Köln vertreten, würde ich mir Sorgen machen. Noch mehr als mir sein Auftritt in Köln (er war an allen drei Gegentoren beteiligt, dazu noch fast ein Eigentor) bereits macht.

Nein, das darf es nicht sein. Hier gehören Worte hin, die klar machen, was falsch läuft. Das kann man in vielen Worten versuchen, das kann man aber auch wie Armin Veh nach dem Spiel machen. Der sagte nur: „Wir haben den Anspruch, oben mitzuspielen. Dafür musst du in Köln gewinnen. Das haben wir nicht geschafft. Insofern genügen wir unseren eigenen Ansprüchen nicht.“

Trotzdem müssen solchen Worten Taten, in schlimmeren Fällen sogar konzeptionelle Veränderungen folgen. Ihr schreibt immer wieder mal, der HSV bräuchte jetzt den Neuanfang, der HSV solle auf junge Talente setzen. Das ist ein sehr reizvoller Gedanke. Zumal, wenn man sieht, wie beispielsweise ein Sidney Sam gestern bei Bayer Leverkusen aufdreht und die gesamte Schalke-Abwehr narrt. Solche Spieler würden uns in Hamburg sicher auch guttun. Allerdings, so formulierte es der Vorstand, koalierten bei Sam die sportlichen Qualitäten nicht mit den Menschlichen. Da sollen alte Verfehlungen Sams im Internat letztlich zum Zerwürfnis mit dem Vorstand geführt haben.

Abgehakt. Dieser HSV hat andere Sorgen. Sollte wieder ein internationaler Wettbewerb verpasst werden, müssen Spieler verkauft werden. Das hat Sportchef Bastian Reinhardt bereits klar gesagt. Deshalb sollten umso dringender und schnell nach Lösungen suchen, nicht weitere Fragen aufwerfen. Zumal am kommenden Sonnabend mit Hoffenheim und dem anschließenden Auswärtsspiel in Dortmund zwei sehr schwere Aufgaben bevorstehen.

Einige Lösungen bedingen sich aus den Rückkehrern. Ruud van Nistelrooy sollte bis dahin seine Knieprobleme überwunden haben. Auch Marcell Jansen könnte, sofern der gebrochene, linke kleine Zeh wieder in den Schuh passt, wieder mitwirken. Und, das ist vielleicht die wichtigste Rückkehr, Zé Roberto müsste seinen grippalen Infekt bis zum Hoffenheim-Spiel komplett auskuriert und körperliche Defizite wieder aufgearbeitet haben. Womit ich einen kleinen Einwurf machen muss: Ich hatte Trochowski gestern abgesprochen, seine Chance im zentralen Mittelfeld genutzt zu haben. Anschließend habe ich – auch weil ich kein Supertalent oder Carmen Nebel gucken wollte – das ganze HSV-Spiel noch mal in der Wiederholung komplett angesehen. Und ich muss sagen, dass Troche nach vorn einige gute Szenen hatte, die mir im ersten Moment gestern durchgerutscht sein könnten. Dennoch bleibe ich bei meiner Gesamtbeurteilung, dass es zu wenig ist. Troche hat alle Qualitäten, besser: er hat alle Voraussetzungen. Er ruft sie aber noch immer zu selten ab.

Da geht von Zé Roberto an guten Tagen mehr Gefahr aus. Für mich ist der Brasilianer, der gegen Bayern zuletzt zwar auch nicht seinen besten Tag hatte, aber dort offensichtlich schon grippegeschwächt ins Spiel gegangen war, das Kreative Herz des Teams. Hat Zé einen guten Tag, ist der HSV gut. Meistens zumindest. Fällt Zé ab, wie in der letzten Phase von Bruno Labbadia, geht beim HSV kaum etwas. Ein Vakuum, das Troche hätte füllen sollen, dies aber nicht ausreichend schafft.

Zudem kehrt David Jarolim zurück. Der Tscheche war in Köln schon im Kader, hat bis zum Hoffenheim-Spiel noch eine Woche, um wieder topfit zu werden. Hier steht Veh vor einer nicht ganz einfachen Aufgabe. Lässt er den vor seiner Verletzung unumstrittenen Jarolim wieder ran, oder versucht er, Gojko Kacars latenten Aufwärtstrend aus der Köln-Partie zu konservieren?

Und während Jansen selbstverständlich sofort wieder auf die linke Verteidigerposition rücken würde, muss sich Veh bei van Nistelrooys Rückkehr auch wieder mit dem Gedanken auseinandersetzen, das System wieder auf zwei Spitzen umzustellen. Zwar könnte Veh auch Guerrero herausnehmen und Petric auf die zentrale Position hinter der einzigen Spitze stellen – zumindest würde er so das System nicht neuerlich umbauen müssen. Aber ich glaube, dass das intern neue Probleme gäbe. Denn Vehs Grundsatz, ausschließlich nach Leistung zu gehen, konnte Petric mit drei Treffern in den letzten zwei Spielen sicher entsprechen.

Bleibt das Hauptproblem: die Abwehr. Ihr hattet gefragt, warum Besic außen nicht mal eine Chance bekommt. Ich glaube, dass das nichts ist, was wir Veh vorwerfen sollten. Vielmehr glaube ich, dass der Trainer sein Talent schützen will. Schließlich ist Besic ein Innenverteidiger. Würde man den Jungen nun auf einer für ihn ungewohnten Position debütieren lassen, könnte man ihn schnell verheizen. Und das wäre zu schade. Denn auch ich glaube, dass Besic mal ein richtig Guter wird. Allerdings am ehesten als Innenverteidiger. Und beim HSV wohlgemerkt. Auch wenn Veh diese beiden Posten momentan noch mit zwei Nationalspielern fest besetzt hat.

Womit ich mal wieder bei Westermann bin. Für den tut es mir wirklich leid, denn ich halte ihn für einen tadellosen Sportsmann, den ich jede Charakterfrage bestehen lassen würde. Dennoch, das weiß er selbst sicherlich auch, ist er fußballerisch limitiert. Er hat seine Stärken im Zweikampf, eigentlich auch in der Luft. Er schlägt schöne Diagonalpässe á la Jerome Boateng. Und er ist normalerweise torgefährlich bei Standards. Aber ihm fehlt die Übersicht im Offensivspiel, er ist kein Kreativer. Kommt er einmal mit dem Ball in Fahrt, dann läuft er sich fest oder spielt einen Fehlpass. Er wirkt dann auf mich zu oft wie ein Schlittschuhläufer, der nicht bremsen kann und dafür in die Bande fährt. Heiko muss wieder dahin kommen, Bälle zu gewinnen und sie sicher abzuspielen. Er muss, und das gilt für alle in der Mannschaft, wieder dahin kommen, seine Qualitäten optimal in die Mannschaft einzubauen. Um gut zu sein, muss er nicht mehr machen. Aber es darf eben auch nicht weniger sein.

Das wiederum zählt im Übrigen für alle im Team. In jedem Team. Es ist so allgemeingültig, dass es schon fast als Phrase bezeichnet werden kann. Aber es ist eben doch wahr. Ein wirklich gutes Spiel hat mehr Bausteine, als ein einzelner Spieler einbringen kann. Die besten Mannschaften sind die, die vom prädestinierten Zweikämpfer bis zum Edeltechniker alle Spektren ausreichend abdecken. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind die Spanier. Jahrzehntelang hatten sie mit die besten Fußballer, spielten einen begeisternden Kombinationsfußball. Sie gewannen aber keine Titel. Denn ihr System hatte den Haken, dass es zu wenig Wert auf Verteidigung und gute Abwehrspieler gelegt hatte. Statt effektiv zu spielen war Ästhetik Trumpf. Inzwischen spielen dort Typen wie Carles Puyol in der Abwehr – spezialisierte Zweikämpfer eben. Und plötzlich sind sie nicht mehr aufzuhalten.

Deswegen funktionierte der HSV mit einem Olic, deswegen funktionierte er mit einem Reinhardt. Beides keine Alleskönner. Ganz im Gegenteil. Aber eben Spezialisten. Und die fehlen dem HSV im Moment. Zum einen verletzungsbedingt, weswegen gerade in der Abwehr zu oft umgebaut und entsprechend improvisiert werden muss. Zum anderen, weil systematisch wie personell generell zu viel improvisiert wird. Angefangen in der Vorbereitung mit Petric als Rechtsaußen bis hin zu Robert Tesche in Köln als Außenverteidiger.

Der HSV muss sich grundsätzlich Gedanken machen. Denn offensichtlich scheint auch bei der Kaderplanung einiges schiefgelaufen zu sein. Ein Beispiel ist Lennard Sowah. Im Sommer als großes Talent aus der Premier League zum HSV geholt, ist er Veh nicht mal gut genug, um ihn die Reservebank auf 18 Mann auffüllen zu lassen. Stattdessen nahm Veh nur 17 Spieler mit. Und das obwohl Sowah ein gelernter Linksverteidiger ist. Warum? Ganz einfach: weil Sowah als Wunsch Urs Siegenthalers zum HSV kam. Der einst designierte HSV-Sportchef soll seinen Kopf mit aller Macht durchgesetzt haben, obgleich Veh von Beginn an gegen Sowahs Verpflichtung gewesen sein soll – und sie somit von Beginn an zum Scheitern verurteilt war.

Und eine Verpflichtung, die erahnen lässt, dass bei der Kaderplanung einiges schief gelaufen ist. Die Konstellation, mit Siegenthaler, Veh ab Mai mit dem Neuling Reinhardt war nicht optimal. Klar. Aber wie oft hören und sagen wir trotzdem noch, dieser Kader hat mächtig Potenzial? Dabei stützen wir unsere Meinungen auf die Namen der Spieler. Wir beschreiben die individuelle Klasse eines jeden Einzelnen im Team und summieren. Aber, da wiederhole ich mich – Achtung, Phrasenschwein!! – die besten elf machen längst nicht die beste Elf. Hier müssen schon im Winter die richtigen Schrauben festgezogen werden. Wenn das nicht passiert, droht uns nach den letzten, im Endeffekt erfolgreichen Jahren, ein böser Zerfall. Wer auf Champions-League-Niveau denkt, muss auch entsprechend arbeiten. Das gilt für die Spieler, dafür werden und wurden sie heftig kritisiert. Aber es gilt ganz sicher auch für die Vereinsoberen. Denn bei denen beginnt eine gute Saison. Mit der Kaderplanung.

In der Hoffnung auf Besserung: Nur der HSV!

Durchgefallen – HSV verliert 2:3 in Köln

30. Oktober 2010

Ich hatte Euch meine Freude vor Spielbeginn mitgeteilt – Veh würde in Köln stürmen lassen hatte ich der Aufstellung entnommen. Allerdings hatte ich zuerst auf Raute mit Kacar als alleinigen Sechser getippt – am Ende spielte Veh mit einer Spitze, drei offensiven Mittelfeldspieler dahinter sowie zwei Sechsern – Kacar und Trochowski. Eine Idee, die so gar nicht aufgehen sollte. Im Gegenteil. Diese Niederlage ist ein Nackenschlag, es ist fast schon ein Trommelwirbel von Faustschlägen ins Gesicht eines jeden Fans. Und es macht eine Vermutung zur traurigen Gewissheit: der HSV steckt in der Krise. Und im grauesten Mittelmaß.

Dabei reichte den Kölnern ein reiner Willensakt. Zuerst Son, unmittelbar danach Pitroipa – ich hatte den Fernseher kaum angeschaltet, da lagen die beiden schon. Umgetreten von Kölnern, die von Beginn an so aggressiv spielten wie wahrscheinlich noch nie in dieser Saison. Dass dabei sogar die frühe Führung heraussprang, hatten sie jedoch der – mal wieder – bei Standards unsortierten HSV-Defensive zu verdanken. Westermann, eigentlich geholt als Garant in der Luft, verliert das Kopfballduell gegen Geromel, dahinter lassen Tesche und Mathijsen Novakovic ungedeckt und der trifft zum 1:0 (11.). Und plötzlich war sie wieder da, die fast spieltägliche Angst vor Standards. Zumindest bei mir.

Es spricht allerdings für die Moral des HSV – und gegen die Tretertaktik des FC -, dass sie wiederkamen, sogar in Führung gingen. Zuerst hatte Mathijsen seinen Fehler in der Abwehr mit einem schönen Kopfball wieder gut gemacht, den Brecko Petric auf den Kopf servierte (15.). Danach der große Auftritt des kleinen Son. Einen schönen Pass von Kacar erläuft der 18-Jährige und lupft ihn über den Kölner Keeper. Mit welcher Coolness er das machte, insbesondere wie er dann den Dropkick aus 15 Metern bombensicher einnetzte (23.) – das ist schon beeindruckend.

Weniger beeindruckend anschließend, wie Kacar den Ball nicht aus der Gefahrenzone bringen kann, Guerrero in Bedrängnis anspielt, und der Peruaner vergeblich auf Freistoß spekuliert. Dazu kommt noch ein mehr als fragwürdiges Stellungsspiel von Westermann, der sich von Podolski überlaufen lässt. Dessen Querpass kann Novakovic völlig ungedeckt über Drobny hinweg stolpern – das 2:2.

Und, obwohl ich bei den Toren Tesche mit in der jeweiligen Fehlerkette gesehen habe, gefiel er mir bis dahin, weil er körperlich voll gegen die mit allen Mitteln kämpfenden Kölner hielt. Rincon auch – allerdings produzierte mir der Venezolaner zu viele Fouls und dementsprechend Standards rund um den eigenen Sechzehner.

Womit wir schnell in der zweiten Halbzeit sind. Keine acht Minuten waren gespielt, da hatten die Kölner schon wieder zwei Eckbälle sowie drei Freistöße. Ein Problem, das sich durch die gesamte Saison zu ziehen scheint. Diesmal blieben sie allerdings ohne Folgen für den HSV. Im Gegenteil. Der HSV hatte zwei, drei richtig gute Freistoßsituationen, die Trochowski einmal auf den am zweiten Pfosten ungedeckten Petric und zwei Mal in die gegnerische Mauer setzte. Am gefährlichsten war allerdings ein Freistoß, den Westermann fast im eigenen Kasten untergebracht hätte. Eine bezeichnende Szene für das Spiel des HSV, das am Ende sogar noch mit Novakovics drittem Treffer und der zweiten Niederlagen binnen vier Tagen bestraft wurde.

Eine Niederlage, die alarmieren muss. Köln spielte engagiert, okay. Aber sehr viel mehr auch nicht. Und trotzdem reichte es. Weil dieser HSV wackelt – und immer häufiger auch fällt. Die Unsicherheit ist deutlicher denn je zu erkennen. Angefangen bei Jaroslav Drobny, der zwar keinen großen Fehler machte, allerdings bei seinen Faustabwehren nicht den sichersten Eindruck hinterließ. Und, das ist das bitterste für ihn, unter dem Strich stehen zwei Spiele von Beginn an – und acht (!) Gegentreffer.

An denen darf sich allerdings erneut Heiko Westermann eine wesentliche Teilschuld zuschreiben. So sehr ich ihn nach dem Lautern- und dem Bayern-Spiel für die neue Sicherheit in der Abwehr gelobt hatte, so sehr muss ich sein Stellungsspiel, insbesondere die Absprache mit seinen Nebenleuten kritisieren. Er war an allen drei Toren beteiligt. Zuerst verlor er das entscheidende Kopfballduell, dann lässt er sich überlaufen und am Ende hat er Novakovic nicht mehr in Blick, der völlig frei zum Sieg der Kölner einschieben kann. Das ist nicht der Heiko Westermann, der er selbst sein will und den wir uns erhofft hatten. Dass ausgerechnet jetzt sein Nebenmann, in den letzten Jahren so etwas wie die personifizierte Konstanz, Joris Mathijsen, mitwackelt, zeigt, in welchen Schwierigkeiten der HSV steckt.

Da helfen auch engagierte, allerdings oft auch kopflose Leistungen der Aushilfs-Außen Tesche und Rincon nichts. Den beiden mag ich zumindest heute noch die wenigsten Vorwürfe machen, schließlich spielten beide notgedrungen auf für sie eher ungewohnten Positionen. Fraglich ist allerdings, wann der HSV sein meiner Meinung nach seit Jahren wiederkehrendes Problem personell ausbessert. Oder kann mir von Euch jemand sagen, wann wir das letzte Mal auf den Außen wirklich gut standen?

Allein das bereits aufgezählte reicht schon, um Spiele zu verlieren. Trotzdem reihen sich im Mittelfeld nahezu alle Spieler in diese Fehlerkette mit ein. Son wusste mit seinem Tor zu begeistern, ansonsten tauchte er jedoch nahezu wirkungslos ab. Genau wie Trochowski, der bis auf einen schönen Pass auf Guerrero in der zweiten Halbzeit, nur durch vergeben Freistöße seine Chancen, das muss so konstatiert werden, mal wieder nicht nutzen konnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er am kommenden Sonnabend gegen Hoffenheim von Beginn an aufläuft. Zumal bis dahin Zé Roberto wieder fit sein sollte.

Gleiches gilt für Kacar, der bemüht war, einen schönen Pass auf Son spielte, letztlich aber zu wenig für die Offensive tat. Er machte kein schlechtes Spiel, damit mich bitte keiner falsch versteht. Aber er ging letztlich mit unter. Genau wie Pitroipa, der für mich offensiv noch die meisten Akzente setzte. Er wurde am Anfang getreten und gejagt, aber er ließ sich nicht entmutigen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob er selbst immer weiß, was er mit dem Ball macht, er sorgt seit Wochen für Unruhe beim Gegner. Das ist okay.

Womit wir bei unserem Angriff sind. Paolo Guerrero begann nominell als Zehner, war allerdings mit zwei Großchancen diesbezüglich Spitzenreiter im eigenen Team. Petric, der einen Treffer beisteuern konnte, war weniger auffällig. Und diesmal muss die Frage erlaubt sein, warum Veh am Ende Guerrero und nicht den abbauenden Son herunternahm. Ein Test? Schließlich wurde das Spiel in Köln ja offiziell zu Charaktertest ausgerufen. Allein, ich glaube nicht daran. Schließlich lieferte das Spiel vor wie auch nach Guerreros Auswechslung schon die klare Antwort. Und die heißt: Test nicht bestanden, die Mannschaft ist durchgefallen. Wenn das Thema nicht zu ernst wäre, würde ich sagen: wenigstens im Durchfallen war die Mannschaft ein echtes Kollektiv…

18.04 Uhr.

3:3 – das war der Wahnsinn!

6. Februar 2010

 

Das war bitter. 3:1 beim 1. FC Köln geführt, es ging nur noch um die Frage der Höhe des Sieges, und dann doch nur ein 3:3. Wie konnte das geschehen? Ein Wahnsinn! Wieder einmal ein verschenkter Sieg des HSV, der über weite Strecken besser war, aber es versäumte, rechtzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Und der es nicht schaffte, Ruhe in dieses Spiel zu bekommen. Ein abgefälschter Schuss von Chihi sorgte in der 88. Minute noch für ein 3:3, das von den Kölnern wie ein Sieg gefeiert wurde. Die HSV-Spieler dagegen gingen mit hängenden Köpfen in die Kabine. Die Chance auf Platz drei – von mehr ist ja gar keine Rede mehr – wurde wieder einmal vertan, so geht es nur darum, unter die ersten fünf zu kommen. Wahnsinn! Aber so ist Fußball! 

Die Frühstarter waren wieder unterwegs. Bereist in der ersten Minute legte David Jarolim den Ball von der Torauslinie zurück an die Strafraumgrenze, dort hatte Eljero Elia freie Schussbahn – und trat am Ball vorbei. 60 Sekunden später aber lag der Ball dann doch im Kölner Netz. Mladen Petric, der trotz eines Kapselanrisses im rechten Knie spielen konnte (er wurde vor dem Spiel getestet), schoss mit rechts, eigentlich nicht besonders gefährlich, aber Kölns Torwart Mandragon machte noch etwas aus diesem Schuss. Der Ball prallte ab, Marcell Jansen setzte nach und schoss auch mit rechts. Was heißt schoss? Er streichelte die Kugel über die Linie. Am liebsten hätte ich eine ganze Bäckerei hinter diesem Ball her geworfen, damit er nicht vor der Linie verhungert. Passierte zum Glück für Hamburg nicht.

Perfekter Start. Und der HSV gab weiter Gas, spielte überlegen, drückte, spielte schwungvoll. Und hatte in der 7. Minute das 2:0 auf dem Fuß. In Person von Marcus Berg. Guy Demel, der auf mich so wirkt, als hätte er einige Kilos verloren (gab es beim Afrika-Cup nichts zu essen?) schickte Berg, der kreuzte allein vor dem FC-Tor auf, doch der anschließende Schuss verfehlte sein Ziel, der Ball strich am langen Eck vorbei.

Der HSV machte zu diesem Zeitpunkt richtig Spaß. Bis auf Elia, der krass abfiel, waren alle bei der Sache, sprühten vor Spiellust, waren konzentriert und engagiert. Auffällig gut, wie Kapitän Jarolim antizipierte, er hat einen besonderen Blick dafür entwickelt, wie er dem Gegner den Ball abluchsen kann: Unmittelbar nach der Ballannahme (in diesem Fall eines Kölners) schnappt er zu, wenn der Gegenspieler die Kugel nicht unbedingt perfekt am Fuß hat. Der zweite Versuch, den Ball zu kontrollieren, der ist dann zu viel, weil „Jaro“ zur Stelle ist und – und ab geht die Post!

Sehr gut gefiel mir auch der zweite Eckstoß des HSV. Dennis Aogo von rechts, alles wartete in der Mitte auf den Ball, der wurde aber zurück auf Demel gelegt, und der flankte dann aus dem Halbfeld – wurde gefährlich.

Halb gefährlich jedenfalls. Am langen Pfosten spielte Berg dann wieder einmal unsauber (Ihr hattet es zuletzt angemerkt!), abgepfiffen, Chance vertan. Der Schwede leistet sich in der Tat zu viele kleine Unsauberkeiten, die abgepfiffen werden, und fatal ist dabei: Er hätte es gar nicht nötig.

Schmerzlich vermisst habe ich Piotr Trochowski, der neben Ruud van Nistelrooy auf der Bank saß. Dabei hatte ihn der Trainer in der Woche noch gelobt, ob seiner Reaktion nach der Verbannung gegen Wolfsburg. Und dann durfte Elia wieder einmal zeigen, dass er auf rechts keine große Lust hat. Obwohl? Rechts war Elia die wenigste Zeit. Er lief eigentlich immer frühzeitig in die Mitte. Und: Nichts gelang dem Niederländer dabei, nichts – aber er durfte zur zweiten Halbzeit wieder auf den Rasen – statt unter die Dusche.

Mitte des ersten Durchgangs übrigens ließ der HSV etwas nach, spielte ein wenig zu lässig, vielleicht auch zu pomadig. Prompt hatte Köln eine riesige Chance, doch Frank Rost rettete zweimal riesig gegen den Kölner Freis, der frei vor ihm aufgekreuzt war.

Ein Wort schon in dieser Phase zu Schiedsrichter Michael Weiner. Er beging keine großen Fehler, aber was mich sehr störte, das waren seine Nachlässigkeiten in Sachen Tatortbestimmung. Oft zeigte er den Kölnern genau, wo sie den Ball bei einem Freistoß hinzulegen hätten, aber die störte das in keiner Weise. Sie rollten die Kugel dorthin, wo sie sie haben wollten, und der Unparteiische blickte zur Seite. Schade. Wenn er konsequent gewesen wäre, dann hätten es die Kölner vielleicht frühzeitig begriffen, was Sache ist.

In der 31. Minute hieß es 1:1. Wieder einmal ein Freistoß für Köln (davon gab es entschieden zu viele!), wieder einmal ein gefährlicher Ball zur Mitte (das, was der HSV nicht besonders gut kann!), und wie schon gegen Wolfsburg verlor Joris Mathijsen ein entscheidendes Duell. Momamad köpfte den Ball unhaltbar ein. Der Anfang vom Ende?

Nein, der HSV schlug zurück. In Person von Jansen. Der schoss ein wahres „Zauberding“ zur Mitte, schlenzte den Ball in den Rücken der Kölner Abwehr, dort lauerte Petric, und der bekam die Kugel zum Glück im zweiten Versuch unter Kontrolle. Den Rest erledigte er mit der Routine eines abgeklärten, fast schon abgebrühten Torjägers, indem er den Ball über Torwart Mondragon ins Tor lupfte (36.) – die erneute Führung. Ein Super-Tor, schon von der Entstehung her.

Im zweiten Durchgang wurde es dann richtig heiß im nicht so kalten Köln. Wieder ein Frühstart des HSV: Flanke Aogo, der ein richtig gutes Spiel absolvierte, und der Kölner Geromel bekam den Ball an die Hand. Weiner gab – völlig berechtigt – einen Strafstoß. Den verwandelte Petric trotz eines höchst ungewöhnlichen Störmanövers von Torwart Mondragon. Der lief aus seinem Tor, bis hinüber zur Trainerbank, um sich dort zu erkundigen, in welche Ecke Petric wohl schießen würde. Und, was besonders schlimm war, er durfte es! Das war schon kurios.

Danach wurde der Schiedsrichter unter Druck gesetzt („Schieber, Schieber“), aber der HSV kam ganz gewaltig. Jansen hätte die Partie frühzeitig entscheiden können. Einmal lief er frei auf das FC-Tor zu, ließ sich aber noch abdrängen, statt 1:4 nur Eckstoß (54.). Und als Jansen kurz darauf auch schon Torwart Mondragon ausgespielt hatte, „vergaß“ der erneut starke Mittelfeldspieler völlig, das Tor zu machen – das war fast schon dramatisch fahrlässig (63.). Es wäre der „Fangschuss“ für die Kölner gewesen.

So wurde es noch einmal munter. Ich muss zugeben: Köln ist für Schiedsrichter ein ganz, ganz heißes Pflaster, ich möchte hier kein einziges Spiel leiten müssen. Es sei denn, Köln ist der klare Favorit und liegt nach fünf Minuten mit 6:0 vorne. . .

Hier lag der FC aber zurück. Und in der 75. Minute nur noch 2:3. Wieder ein Freistoß, natürlich (für mich übrigens umstritten!). Und den schlenzte Novakovic aus 24 Metern ins Tor. In der Mauer sprang kein Hamburger hoch, der Ball flog knapp über den Kopf von Petric gen Tor, und Frank Rost stand für meine Begriffe zu weit links. Es rächte sich damit bitter, dass der HSV so viele „Hundertprozentige“ hatte liegen lassen.

In der 80.Minute kam Trochowski dann doch noch. Für Berg, nicht für Elia. Der rückte in die Spitze, „Troche“ blieb rechts. Und zwei Minuten vor Schluss sollte Ruud van Nistelrooy dann sein Debüt geben, aber vorher fiel das 3:3, als Chihi mit Glück ins HSV-Tor traf. Der “Ruud” durfte dann zwar doch noch für eine Minute, mit ihm Robert Tesche (raus Elia und der den Kopf schüttelnde Petric), aber diese Premiere hatte sich van Nistelrooy sicher auch ganz anders vorgestellt.

17:29 Uhr

Van Nistelrooy braucht noch Zeit

2. Februar 2010

Schneegestöber, Schneegestöber, Schneegestöber – und mittendrin das erste Mannschaftstraining des neuen HSV-Stars Ruud van Nistelrooy. Schwarz auf weiß sozusagen, denn der Niederländer war heute Morgen bei der locker-flockigen Einheit mit Torschussübungen dunkel gekleidet und hatte offensichtlich großen Gefallen an der Einheit auf – ich sage es mal so – unwegsamem Geläuf.

Nach den Schlagzeilen der vergangenen Tage und van Nistelrooys Selbsteinschätzung, er sei schon bei 80 Prozent, mag es vielleicht etwas anmaßend klingen, aber der Stürmer ist mit Sicherheit noch nicht so weit, dass er in Köln von Anfang an spielen könnte. Ich muss gestehen, dass ich innerlich ein wenig erleichtert durchgeatmet habe, als Trainer Bruno Labbadia nach der Einheit von 60 Prozent bei van Nistelrooy sprach und eine Nominierung des Torjägers für die Partie in Köln in den Eventualitätenbereich verwies. Warum ich so denke? Ganz einfach: Weil doch nichts schlimmer wäre als ein halbfitter van Nistelrooy, der sich nach fast einem ganzen Jahr Pause bei einem Kurzeinsatz in Köln erneut eine Verletzung zu ziehen würde. Ruud, der natürlich vor Tatendrang strotzt, soll sich erst einmal vernünftig aufbauen lassen. Und wenn er dann bei 80 Prozent ist (in ein, zwei Wochen), kann er doch als „Joker“ reinschnuppern. Das macht meines Erachtens viel mehr Sinn, als sich dem aktuellen Hype um seine Person zu beugen und unnötige Risiken einzugehen.

Mein Eindruck bei den Schussübungen war trotzdem gut. Man konnte sehen, dass van Nistelrooy nicht vergessen hat, wo das Tor steht. Er ist ein absoluter Mann des Strafraums. Sobald er dort einen Ball bekommt, will er ihn einnetzen. Und dabei nimmt er jede noch so unspektakuläre Art des Abschlusses in Kauf. Nach seinem fünften Treffer deutete der ehrgeizige Niederländer sogar schon an, wie er seine Torfreude zelebriert – wie ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln „flog“ er mit ausgebreiteten Armen breit grinsend auf seine Kollegen zu. Und nach einem angedeuteten Zweikampf mit Techniktrainer Ricardo Moniz, der ihm in letzter Sekunden den Ball vom Fuß spitzelte, lieferte sich „Van the man“ eine kleine Ringeinlage mit dem Coach. Von Starallüren keine Spur, und auch der arg ramponierte Platz rang dem ehemaligen Real-Madrid-Profi keinerlei abwertende Bemerkung ab. Van Nistelrooy hat Lust auf diese neue Herausforderung. Jetzt hoffe ich nur noch, dass er auch die notwendige Geduld mitbringt.

Labbadia hat es zwar noch nicht explizit gesagt, aber nach seiner Beratung mit der Reha-Abteilung deutet alles darauf hin, dass van Nistelrooy frühestens in anderthalb Wochen erstmals im Kader auftauchen wird. Der Trainer will seine Oldies van Nistelrooy und Ze Roberto möglichst so belastbar machen, dass sie ab dem Tag X ihrer Rückkehr dann auch vollwertige Verstärkungen sind. Bei van Nistelrooy dürfte das ein bisschen schneller gehen, Ze Roberto absolviert derzeit nur ein spezielles Reha-Programm. Heute tauchte er in kurzer Hose und ohne Mütze (!) am Rande des Trainingsplatzes auf und absolvierte einige Läufe.

Über den Zustand des Platzes mache ich mir seit heute auch verstärkte Sorgen. Das Nachmittagstraining, eine Krafteinheit, wurde schon in den Innenraum des Trainingszentrums im Stadion verlegt, weil der Zustand des Rasens (verschneiten Erdreichs wäre treffender) keine reguläre Einheit zulässt. Fraglich nur, was Labbadia bis Köln machen will, um wenigstens Spielformen (für morgen vorgesehen) und aussagekräftige Abschluss-Spiele abhalten zu können. Ich habe gehört, dass sich die Verantwortlichen schon in Köln und Umgebung umhören, um im Falle einer besseren Trainingsalternative dort eine verfrühte Abfahrt zum Auswärtsspiel vorzunehmen. Sinnvoll wäre es allemal. Für die kommenden Wochen kann man nur hoffen, dass der Schnee schnell wegtaut – ansonsten sind Matsch- und Schlammeinheiten angesagt – oder vielleicht eine vorübergehende Rückkehr nach Ochsenzoll?

Labbadia wirkte heute ein bisschen genervt, was die Medienhysterie um van Nistelrooy betrifft. Ich kann ihn verstehen. Natürlich will jeder den Sensationstransfer möglichst schnell und möglichst erfolgreich im HSV-Trikot spielen sehen – er auch -, aber dabei muss man auch immer die Kirche im Dorf lassen. „Ruud ist kein Heilsbringer, und ich betrachte ihn auch nicht so“, sagt Labbadia, der natürlich das große Ganze, seine Mannschaft, seine Spieler im Auge hat.

Mit diesem Team hat der Coach auch unabhängig von van Nistelrooy genug zu tun, das weiß er auch. Gedanklich bastelt er an der Taktik für das Duell mit den wieder erstarkten Kölnern, er passt Trainingsprogramme und –Schwerpunkte gezwungenermaßen den Witterungsbedingungen an und achtet außerdem auf die Form und Stimmung des Einzelnen. Für Köln stellen sich schon ein paar interessante Detailfragen: Bekommt Piotr Trochowski eine Chance von Beginn an? Was wird aus Guy Demel? Startet das Duo Marcus Berg/Mladen Petric?

Diesen und weiteren Themen werde ich mich morgen widmen. Ach ja, eine Kleinigkeit noch: Habt Ihr die Galavorstellung von Sidney Sam im Trikot des 1. FC Kaiserslautern gesehen? Ich bin mal gespannt, was aus der Hamburger Leihgabe wird. Vielleicht kann der HSV in der nächsten Saison ja mal von so einem gezielt aufgesetzten Verleihprogramm zur Stärkung einer hoffnungsvollen Nachwuchskraft profitieren. Ich kann mich kaum erinnern, wann das hier in Hamburg schon mal der Fall war. Oder fallen Euch Beispiele ein?

14:42 Uhr

Gewonnen ist gewonnen

30. August 2009

„Spielerisch war das keine Glanzleistung, aber gewonnen ist gewonnen. Das war ein Arbeitssieg, und man weiß ja aus Erfahrung, dass man nicht immer nur glänzen kann. Hauptsache gewonnen“, sagte der frühere HSV-Meistertorwart von 1960, Horst Schnoor, sichtlich zufrieden. So wie ihm erging es den meisten der 54 112 Zuschauern beim Spiel gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln. Durchatmen, Mund abwischen und Richtung VfB Stuttgart blicken, der kommt nun in 13 Tagen in den Volkspark.

Wer hatte nicht vorher geunkt: „Dem Miso Brecko spielt der Eljero Elia einige Knoten in die Beine.“ Und dann? Dann kam es ganz anders. Muss man als Hamburger anerkennen, der gute Brecko hat seine Haut teuer verkauft. Die Wahl seiner Mittel war nicht immer ganz fair und ganz fein, aber der Zweck heiligt die Mittel. Brecko hatte sich offenbar ganz genau auf Elia vorbereitet, ging mit Härte, Haken, Ösen, Händen und Ellenbogen zur Sache, und kaufte damit der „Rakete aus dem Volkspark“ den Schneid ab. Auf jeden Fall kam Elia nicht so zum Zuge, wie zuvor in den Begegnungen.

Zudem gab es diesmal keinen Frühstart des HSV, was natürlich an der Engmaschigkeit der Kölner Defensive lag. Der FC, so hatte ich auf der Tribüne den Eindruck, wehrte sich mit allen erlaubten und unerlaubten Tricks, spielte aggressiv, mauerte, gab sich enorm lauffreudig, wollte in erster Linie das HSV-Spiel verhindern und zerstören, tat aber viel zu selten etwas, um zu einem eigenen Torerfolg zu kommen. Solche Spiele laufen dann für den Fan nicht immer schön und erst recht nicht spektakulär ab. Und wenn das so ist, dann muss Fußball eben gearbeitet werden. Genau das tat der HSV zur Freude der eigenen Anhänger dann auch.

Glück kam hinzu: Beim 1:0 von Paolo Guerrero hätte der gute Schiedsrichter Dr. Felix Brych auch auf Foul des HSV-Stürmers entscheiden können, beim 2:0 von Guerrero stand Ze Roberto so im Abseits, wie beim Dortmund-Spiel vor 14 Tagen ein Borusse. Ihr erinnert Euch? Frank Rost reklamierte so lange, bis der Unparteiische das vermeintliche 2:4 zurück nahm. Diesmal reklamierte allerdings kein Kölner, nicht einmal Torwart Mondragon. Rost ist eben cleverer.

Und zu Guerrero sei gesagt: Er wird allmählich zu einem riesigen Problem für den HSV. Der Peruaner wird immer stärker, und sein Vertrag läuft nur noch ein paar Monate. Was nun? Den holen die finanziell starken Klub doch so mir nichts dir nichts und auch kurzerhand vom Hof, wenn der Vertrag nicht doch noch schnell (oder bald) verlängert wird. Guerrero hat nicht nur gegen Köln wieder großartig gespielt, er hat dadurch auch erneut unter Beweis gestellt, wie sehr er sich seit seinem Wechsel von Bayern München zum HSV verbessert hat. Unglaublich war eine Szene, die ich für Guerreros geniales Spiel symptomatisch halte: Abschlag von Rost, die Kugel ist 60 Meter in der Luft und plumpst genau auf die Brust des HSV-Stürmers. Und dort liegt der Ball so, als hätte er das Trikot mit Pattex bestrichen, der Ball klebt. Im Gegensatz dazu sprang die Kugel bei Kölner Stoppversuchen wie beim Flipper-Automat hin und her.

In meinen Augen war Jubilar Joris Mathijsen in seinem 100. Bundesliga-Spiel ein Garant für die funktionierende Defensive, der Niederländer war wieder einmal die Zuverlässigkeit in Person. Super und enorm wichtig, wenn auch nicht spektakulär, auch David Jarolim, der permanent die Bälle heranschleppte, ganz souverän erneut Jerome Boateng, der Lukas Podolski über weite Strecken zum Statisten degradierte. HSV-Fan Peter aus Mühlheim an der Ruhr dazu: „Ganz klar: Lahm links, Boateng rechts, so muss die künftige Viererkette in der Nationalmannschaft auf den Außenpositionen besetzt werden.“ Recht hat der gute Mann ja, aber ob Jogi Löw da auch noch ein wenig mitspielt?

Was auffällig war: Als die Mitspieler merkten, dass an diesem Tage nicht viel mit Elia ging, wurde er auch kaum noch gesucht. Ein Fehler? Vielleicht. Auf jeden Fall sollten sich die Kollegen schon ihrer besten Waffe bewusst sein – und sich auch kräftig bedienen. Das trifft auch für Mladen Petric zu. Wie vor einer Woche, beim 4:2-Sieg in Wolfsburg, als Piotr Trochowski oft in bester und freistehender Position vor dem gegnerischen Tor übersehen wurde, so wartete Petric auch oft im Niemandsland auf das Zuspiel, aber er wurde mit fast schon fahrlässiger Nichtachtung gestraft. Oft sogar. Dabei weiß der Kroate wohl am besten beim HSV, wohin der Ball gehört.

Ein Wort noch zu Trochowski: Er war bemüht, er war auch wieder besser als in Wolfsburg, aber er war immer noch nicht so überragend, wie er es sein könnte, vielleicht sogar müsste. Bewundernswert aber ist, wie er sich die Kugel schnappt, wenn es Elfmeter für den HSV gibt. Das macht er überragend, er wandelte auf den Spuren von Manfred Kaltz – und wie wichtig Elfer-Schütze Trochowski ist, werden spätestens dann alle erkennen, wenn erst einmal ein anderer Kollege schießen muss – und es dann kein Tor gibt. Wie sehr auch ein verwandelter Strafstoß Selbstvertrauen geben kann, sahen alle in der Arena nach dem 3:1. Trochowski stieg in die Luft, freute sich wie ein Kind und schrie seine Freude – und die von ihm gewichene Last der Erfolglosigkeit – in den Abendhimmel.

Übrigens: Ze Roberto taute diesmal erst gegen Ende dieses Spiels so richtig auf, und in der Endphase hatte auch Bruno Labbadia wieder eine (seine) Idee: Er wechselte Jonathan Pitroipa für ein paar Minute ein so wie er es in Wolfsburg mit Romeo Castelen tat. Kluger Schachzug, so hält der Trainer den einen oder anderen Spieler mehr bei (bester) Laune. Und das kann nur gut für das Verteidigen der Tabellenführung sein.

Es könnte also alles bestens sein im HSV, es darf und wird wieder reichlich geträumt, sportlich ist vieles super – aber was ist da in Sachen neuer Sportchef los? Ich wurde an diesem Kölner Nachmittag so oft wie kaum einmal zuvor in Sachen Aufsichtsrat angesprochen. Das am meisten benutzte Wort dabei: Unfassbar. Es passt, wenn nun auch noch heraus kommt, dass für Ze Roberto doch vier Millionen Euro Ablöse gezahlt wurde. Auch das unfassbar. Und ganz besonders unfassbar, dass es Monate hieß, Ze Roberto sei ablösefrei gekommen. Das haben alle gesagt und geschrieben, das wurde von allen als bare Münze genommen, aber es ist falsch. Auch das unfassbar, aber wahr!

Nun ist es nicht die Aufgabe des HSV-Vorstandes, das muss man fair zugeben, allen Medien mitzuteilen, dass sie entgegen anders lautenden Berichten doch Ablöse gezahlt wurde. Vertragsinhalte bleiben immer und überall geheim, aber sollte nicht wenigstens der Aufsichtsrat… ?

Nun ja, in der Zweiten Liga steht der „etwas andere Verein“ aus Hamburg an der Spitze, in der Ersten Liga macht sich nun der Tabellenführer auf, ebenfalls ein „etwas anderer Klub“ zu werden. Und dieser Weg ist offenbar gar nicht so schwer, im Gegenteil, er wurde nun schon bestens beschritten!

PS: Jacek Dembinski war da, Ihr könnt morgen bei „Matz ab“ sehen, wer dieser Mann ist. Ich wünsche Euch allen eine gute und erfolgreiche Woche.

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