Archiv für das Tag 'Kober'

Vorschlag: Ein Orden für die HSV-Fans . . .

8. April 2013

Viele, viele Lesrebriefe, Anrufe und Mails heute – und gestern. Zu viele, sodass ich nicht jedem antworten kann. Vielen Dank aber dafür, es ist ein Zeichen, dass sich noch immer jede Menge HSV-Fans um ihren Club die allergrößten Sorgen machen. Wenn ich auch überrascht bin, dass sie die Zahl derer, die für einen erneuten Trainerwechsel beim HSV plädieren, ständig und sogar – wie ich finde – dramatisch steigt. Irgendwie, das muss ich zugeben, kann ich die Leute ja verstehen, denn es läuft ja zurzeit alles andere als gut, aber dennoch sage ich: Was hat der HSV allein aus den Trainerwechseln dieses Jahrtausends gemacht? Nichts! Null. Keinen Schritt nach vorn.

Mit jedem neuen Coach waren die allergrößten Hoffnungen verknüpft, die jedoch nie gehalten werden konnten. Mal abgesehen davon, dass ein Huub Stevens dem HSV die Erste Bundesliga gerettet hat, als ich es schon nicht mehr für möglich gehalten hatte. Deswegen trage ich Stevens auch auf Händen, obwohl wir uns menschlich nie nahe waren – eher war das Gegenteil der Fall. Aber da muss man Prioritäten setzen. Er hat hier eine Super-Arbeit abgeliefert, und das ist einfach nur anerkennenswert. Er war ganz sicher einer jener Trainer, die durchaus langfristig für den HSV hätten arbeiten können – aber letztlich haben Leute seines Kalibers dann doch aufgegeben, weil es hinten und vorne sowie oben und unten beim HSV nicht gepasst hat. Und genau darüber sollte nicht nur der Verein mal nachdenken, sondern auch die HSV-Fans, die jetzt schon wieder einen neuen Trainer fordern. Es liegt nicht an Thorsten Fink. Ganz sicher, das muss ich zugeben, macht der noch junge Trainer immer wieder mal Fehler, aber daran liegt es doch nicht, dass der HSV schon seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt. Fink allein kann den Umschwung sicherlich nicht schaffen, aber er allein kann es auch nicht bewirken, dass der HSV zugrunde geht. Die gesamte Führung ist jetzt gefragt, und zwar nicht im Rumeiern, auch nicht mit „Hände-in-den-Schoß-legen“, sondern damit, mal ganz gehörig mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Tacheles reden, nicht um den heißen Brei herum, sondern die nackte und schonungslose Wahrheit sagen.

Und die Wahrheit ist doch die: Dieser Fußball, der vom HSV gespielt wird, darf nicht Fußball genannt werden. Weil es einfach nur grottig ist. Und diese Ansprüche sollten alle, die beim HSV unter Vertrag stehen, allemal haben. Endlich mal eine Reihe von Spielen in Folge, in denen nicht gestolpert, gepatzt und gestümpert wird, sondern in denen es zur Sache geht, in denen Tempo gebolzt wird und in denen um den Sieg gespielt und gekämpft wird. Und endlich mal wieder kein Rückpass-Festival. Bitte, bitte, endlich einmal wieder kein Rückpass-Festival. Das ist ja nicht mehr zu ertragen. Diese Hilflosigkeit . . .

Bei der Gelegenheit: Klaus Toppmöller war ja auch mal HSV-Trainer. Er muss wohl doch ein wenig gelitten haben, während dieser Zeit, denn wir erinnern uns eventuell noch daran, was der frühere „Coach des Jahres“ noch vor dem Freiburg-Spiel prognostiziert hatte: „Der HSV wird Freiburg überrennen. . .“
Mein Gott, „Toppi“, ich bin ja schon ein lausiger Vorhersager, aber so daneben . . .

Aber zurück zum Wesentlichen:
Wie oft hieß es in der Vergangenheit, dass dem HSV ja deshalb die Hände gebunden wären, weil die Mannschaft noch im Abstiegskampf steht. Deswegen konnten und könnten keine Disziplinarmaßnahmen durchgeführt werden, deswegen konnte der Club oft keinen Spieler (oder keine Spieler), keinen Versager vor die Tür setzen – sie alle wurden noch benötigt. Jetzt aber wäre die Chance da, sich schon von dem einen oder anderen Profi, der es noch immer nicht verstanden hat, zu trennen. Um auch mal ein Zeichen zu setzen. Der HSV kann nicht mehr absteigen, er könnte sogar seine „Zweite“ spielen lassen, und die würde garantiert auch nur mal 2:9 verlieren – trotz der Tatsache, dass sie nun aus der Regionalliga absteigen wird.
Nein, dieser HSV muss endlich einmal ein Zeichen setzen, sonst tanzen ihm die Profis, die hier für allerhöchstens mittelmäßige Leistungen Millionen wegschleppen, weiter auf der Nase herum.

Und ferner bin ich der Meinung, dass nun auch der Sportchef gefordert ist. Ganz dringend sogar. Frank Arnesen müsste seinem Trainer mal deutlich zur Seite stehen, indem er den Profis einmal den Spiegel vor das Gesicht hält. Solche Gurkenspiele, wie sie in diesem Jahr im Volkspark abgeliefert wurden, dürfen nicht länger beschönigt und auch nicht schöngeredet werden. Nicht länger schöngeredet werden. Jetzt ist die gesamte sportliche Führung gefragt – und nicht nur Thorsten Fink. Der HSV ist wieder einmal auf dem besten Wege, zur Lachnummer der Bundesliga zu verkümmern, es ist fünf Minuten vor Zwölf – jetzt muss etwas passieren. Jetzt. Sofort. Es ist dramatisch genug.

In den vergangenen beiden Tagen haben mir genügend HSV-Fans mitgeteilt, dass sie nicht länger gewillt sind, ihre Dauerkarte zu kaufen. Weil diese Art von Anti-Fußball allmählich auch die treuesten Fans aus dem Stadion treibt. Auf meine Antwort, dass die Sommerpause bis jetzt noch jede Wunde geheilt und geschlossen hätte, wurde mir stets geantwortet: „Diesmal nicht. Diesmal vergesse ich nicht – ganz sicher.“ Ich bin gespannt. Und wenn es so wäre, dann täte mir der HSV zwar leid, aber ich hätte Verständnis für jeden dieser frustrierten Anhänger. Denn wer will ein solches Gekicke, das hier dargeboten wird, tatsächlich noch sehen? Wer kann es noch ertragen? Das müssen Masochisten sein. Das geht doch längst schon über das erträgliche Maß hinaus. Und trotz allem sind immer über 50 000 Gucker im Volkspark, wenn es wieder mal losgeht. Ich bewundere den Langmut der HSV-Fans, allein deshalb haben sie mal einen Orden verdient. Europa hat den Friedensnobel-Preis bekommen, also müsste sich doch auch ein Preis oder ein Orden finden lassen für diese einmaligen HSV-Fans, die immer und immer wieder zu ihrem Club stehen. Obwohl sie in schönster Regelmäßigkeit nur noch Gurkenspiele sehen dürfen . . .

Bei der Gelegenheit: Wann sind Sie, wann bist Du, zum letzten Mal so richtig und über 90 Minuten lang vom HSV im Volkspark aus dem Sitz gerissen worden? Von vielen höre ich dann immer wieder: „Das war beim 4:4 gegen Juventus Turin.“
Nur mal zur Probe: das war am 13. September 2000.
Heute schreiben wir den 8. April 2013.

In Hoffenheim haben sie gleich mehrfach in dieser Saison den Trainer vor die Tür gesetzt. Und? Hat es geholfen?
Auf Schalke hat die Öffentlichkeit lange und lautstark gefordert, den Stevens-Nachfolger Jens Keller wieder zu feuern. Und jetzt? Schalke auf dem Weg in die Champions League. Das sind nur zwei Beispiele – von unzähligen. Und die besten Beispiele hat der HSV ja immer noch selbst in seiner Bundesliga-Historie. Allein seit dem Jahr 2000.

Es stimmt doch überall nicht mehr. Rehden ist dazu ein sehr passendes Thema. Wie kann der mit vielen Profis gespickte HSV II in Niedersachsen 1:4 verlieren? 4:1 und aufwärts hätte ich getippt, für den HSV, als ich hörte, wer dort alles aufläuft. Und dann ein solcher fußballerischer Offenbarungseid. Nach dem 2:9 von München ist das ein weiteres Spiel, nach dem sich jeder der Beteiligten schämen sollten – wochen- und monatelang. Aber wer macht das schon? Nicht einer. Obwohl es nach einer solchen Blamage eigentlich Pflicht wäre.
Es ist ja alles so bitter.
Und dennoch greift niemand ein, erst recht niemand durch. Trostlos.
Im Gegensatz zu den Dortmundern, die Bruna Labbadia zuletzt extra nicht (!) unter Artenschutz gestellt hatte, stehen die HSV-Profis offenbar genau unter diesem Artenschutz. „Die Spieler werden jetzt nicht geschlachtet“, hatte Frank Arnesen nach dem 2:9 noch verkündet. Auch nach dem 0:1 gegen Freiburg wurde niemand und keiner geschlachtet. Immerhin: Ein jeder durfte an diesem Montag darüber nachdenken, und zwar zu Hause, welchen Bockmist er da am Wochenende wieder mal verzapft hat. Das ist ja auch schon mal eine Strafe . . .

Und hoffentlich hat Heiko Westermann diese (Frei-)Zeit genutzt, um seine Zukunft zu überdenken. Er soll ja überlegen, ob er von seinem Kapitänsamt zurücktritt, und ich würde ihm dringend raten: sofort! Nicht noch damit bis zum Saisonende warten. Sofort. Dieses Trauerspiel muss ein Ende haben. Weil diese Mannschaft einen solchen Kapitän, der sich stets in jedem Spiel von Minute eins bis zum Abpfiff den Hintern aufreißt, ganz einfach nicht verdient hat. Da soll sich mal ein anderer mit herumschlagen, der wird dann recht bald merken, dass bei dieser Truppe Hopfen und Malz verloren ist. Die braucht keinen Kapitän, die braucht ein Kindermädchen zum Pudern. Und noch einen Grund habe ich, warum Westermann sofort aufgeben sollte: die Pfiffe der Fans. Er wird es in diesem Profi-Leben nicht mehr schaffen, die HSV-Fans auf seine Seite zu ziehen. Ein Fehlpass, und schon geht diese elende Pfeiferei los. Zum Davonlaufen. Zum Heulen. Das sind schon tolle Fans! Hut ab! Da freue ich mich doch lieber mit einem Michael Mancienne, der im Freiburg-Spiel 80 Prozent seiner Pässe an den eigenen Mann gebracht hat. Super! Herzlichen Glückwunsch!

Nicht auszudenken, wenn mal der eine oder andere Pass nicht zum eigenen Mann gekommen wäre – dann wären das lauter Eigentore gewesen, denn ich habe nur Rückpässe von Mancienne auf Rene Adler gesehen. Die sollte man dann doch tatsächlich beherrschen, ansonsten hätte es mal schnell ein 0:9 gegen können. Und passte Mancienne einmal nicht zu Adler zurück, dann war es ein Querpass auf Westermann. Und der durfte dann, weil es lange genug gedauert hatte, die Kugel – teilweise hart bedrängt – nach vorne kloppen und auf die Pfiffe warten, wenn ein Freiburger auf Empfang war. Mancienne war aber stets fein raus . . .
Ja, so bitter und ungerecht kann Fußball sein.
Hoch lebe der HSV!

Wobei ich mich frage, ernsthaft frage, ob sich Rene Adler nicht längst schon fragt, wo er da eigentlich hineingeraten ist – mit seinem Weg nach Hamburg und zum HSV. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

Ein ganz anderes ist auch noch der Auftritt von Marcell Jansen im NDR-Sportclub am Sonntag. Endlich mal wieder eine großartige Vorstellung eines HSV-Profis. Hervorragend! Ob sich der Nationalspieler damit allerdings einen Gefallen bei seinem Mannschaftskollegen getan hat, wage ich zu bezweifeln, aber darum geht es wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Bei keinem.
Ich fand Jansens Auftritt allein schon deswegen gut, weil er erstens nichts beschönigt hat, und weil er zweitens (im Gespräch mit Moderator Gerhard Delling) nicht ein einziges Mal gelächelt oder gelacht hat. Eben den deprimierenden Umständen angepasst. Was Jansen alles gesagt hat, das ist hier zu lesen, es wurde vom NDR freigegeben:

Jansen: „Schwer, mit so viel Frustration umzugehen”

HSV-Profi Marcell Jansen hat im NDR Sportclub deutliche Kritik geübt. Der Nationalspieler, der seit 2008 beim Bundesligisten unter Vertrag steht, bemängelte unter anderem die Einkaufspolitik der Hanseaten und die damit verbundene mangelnde Konstanz: „Ich glaube, es gibt noch zwei Spieler, mit denen ich vor fünf Jahren beim HSV angefangen habe. Ich weiß nicht, wie viele Trainer, Sportdirektoren und andere Verantwortliche den Verein mittlerweile durchlaufen haben“, sagte der 27-Jährige und ergänzte zur aktuellen Diskussion um Führungspersönlichkeiten im Team: „Wir sind im letzten Jahr mit Ach und Krach vor dem ganz Schlimmen bewahrt worden, spätestens das hätte uns wachrütteln sollen. Aber Führungsspieler kann man sich nicht schnitzen, sondern die müssen vom Naturell so sein. Damit muss man sich auseinandersetzen, ob man danach auch verpflichtet hat – über Jahre.“ Der HSV belegt derzeit den elften Tabellenplatz – und steht dort in Jansens Augen auch zu Recht: „Das ist für mich auch eine Qualitätsfrage, die wir so im Moment nicht regeln können. Namen hin oder her, das schaffen wir nicht auf den Platz zu bringen“, sagte er.

Betroffen zeigte sich der HSV-Profi von der peinlichen Pleite der zweiten Mannschaft der Hamburger, die trotz Unterstützung von sechs Bundesliga-Stars am Sonntag in der Regionalliga mit 1:4 in Rehden verlor und als Tabellenvorletzter akut vom Abstieg bedroht ist. „Es wäre dramatisch für den Verein, wenn die zweite Mannschaft in der nächsten Saison in der Oberliga spielt, weil wir gute, talentierte, junge Spieler zur nächsten Saison bekommen. Wenn die in der Oberliga spielen müssen statt eine Liga höher, ist das sehr problematisch“, betonte der Verteidiger und ergänzte: „Das spiegelt ein bisschen die Situation wider, wie sie insgesamt ist. Da müssen wir Spieler uns auch alle fragen, ob das von der Einstellung her so das Richtige ist.“ Es sei schwierig, mit so viel Frustration umzugehen, meinte Jansen, der auch das geplante Grillen mit den Fans kritisierte: „Der Ernst der Lage in der letzten Saison war um einiges beschissener. Da hätte man überlegen sollen, zur neuen Saison vielleicht ein Grillen zu machen. Aber nicht wenn man 2:9 verliert. Dann ist man gestraft genug. Dann brauche ich kein Grillen. Das braucht kein Mensch.“ Nach dem Heimspiel der Hamburger am 20. April gegen Fortuna Düsseldorf laden die Spieler alle Zuschauer zu Fleisch, Wurst und Getränken ein, um sich nach der 2:9-Klatsche bei Bayern München mit ihren enttäuschten Anhängern zu versöhnen.

Das Grillen braucht also kein Mensch. Und damit lieg Jansen – ebenfalls richtig! Volltreffer! Beendet das Grillen, bevor der 21. April 2013 gekommen ist, denn es würde nur Ärger geben. Auch zu diesem Thema habe ich Anrufe und Mails erhalten. Viele schlagen nur vor: absagen! Und einige beschweren sich, dass sie ihre Gratis-Wurst erst am Tag nach dem Düsseldorf-Spiel erhalten sollen: „Sauerei!“ Weil sie doch von außerhalb kommen, und nicht am nächsten Tag – für die eine läppische Wurst – noch mal nach Hamburg kommen können.

Sollte das Grillen aber stattfinden, dann sollte der HSV allen jenen Fans, die von außerhalb kommen und nicht noch einmal kommen können, eine Wurst nach Hause senden. Gut wäre es auch, wenn diese Wurst dann auf jeden Fall schon mal halb angegrillt wäre, damit es dann mit dem Verzehr schneller klappt. Und noch besser wäre es, wenn es zwei Würste wären, die in den Versand gehen, denn dann könnte man sich ja noch das Mittagessen sparen. Und jeder Zuschauer sollte dann auch vor dem Düsseldorf-Spiel auf der Eintrittskarte ankreuzen können, ob die Wurst mit Ketschup oder Senf geliefert werden sollte. Senf dann der scharfen Düsseldorfer Art, oder doch nur mittelscharf? Und Ketschup mit Paprika oder ohne? Die angekreuzten Karten sollten nach Verlassen der Arena dann in einen Briefkasten an der Ecke Nord-Ost eingeworfen werden . . .

Sorgen gibt es, die gibt es gar nicht.
Deswegen: sagt dieses unsägliche Grillen ab! Bitte. Der Schuss könnte sonst schnell mal nach hinten losgehen

Noch einmal kurz in eigener Sache. Ich wurde für „Matz ab live“ von einigen kritisiert. Was grundsätzlich gut ist, denn das war ja alles auch sachlich. Und nicht ganz unbegründet. Dennoch möchte ich schnell mal erklären, warum was passiert ist – und warum auch nicht. Wer es nicht weiß: Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Schatzmeister und Aufsichtsrats-Chef des HSV) und der frühere Bundesliga-Profi Carsten Kober waren bei „Scholle“ und mir zu Gast, und sie waren sehr gut (auch wenn mir der „Master of Grätsche“ nur Widerworte gab!). Vielen Dank noch einmal auch an dieser Stelle dafür.
Ich wurde kritisiert, dass ich erstens zu viel selbst gesprochen habe, und dass ich zweitens Otto Rieckhoff zu oft unterbrochen habe. Daraus wurde gefolgert: Rieckhoff hätte bestimmt noch richtig ausgepackt, wenn Matz nicht zu viel selbst erzählt hätte, und wenn er ihn nicht so oft unterbrochen hätte.

Dazu möchte ich festhalten: es stimmt. Oder: die Vorwürfe stimmen. Fast jedenfalls.
Wenn ich so viel – oder zu viel – erzählt habe, dann denke ich, dass ich einfach Flagge zeigen muss. Ich möchte, will und kann mich nicht hinter den Meinungen anderer Leute verstecken, ich möchte allen selbst mitteilen, was ich und wie ich über das Spiel und den HSV denke (auch wenn ich es vorher schon im Blog geschrieben habe!). Drauf wartet vielleicht trotz allem der eine oder andere HSV-Fan. Diesmal habe ich, das sei zugestanden, aber vielleicht übertrieben. Wobei das dann eventuell auch am Resultat von 0:1 lag. Weil der HSV doch die Freiburger „überrennen“ sollte.

Zurück zum Thema:
Das mit dem „Auspacken“ von Otto Rieckhoff. Er hätte nicht mehr „ausgepackt“. Das hat er mir noch am Sonntag, also eine Nacht nach „Matz ab live“, versichert. Rieckhoff ist ein HSVer durch und durch, der hätte doch nicht ausgepackt, der hätte niemanden diskreditiert, der hätte doch nicht für Unruhe sorgen wollen. Richtig ist allerdings, dass Otto Rieckhoff noch zwei Dinge ansprechen wollte, es aber dann in der Aufregung um dieses 0:1 „vergessen“ hatte. Auch wohl deshalb, weil die Zeit zu knapp war. Rieckhoff aber hat eingesehen, dass ich ihm gegen Ende der „Sendung“ noch zweimal einen Ball auf die Torlinie gelegt hatte. Da hatte er die Chance, versäumte aber das Verwandeln – weil er diese Chancen nicht erkannt hatte. Ich habe ihm aber zugesagt, dass er das bei passender Gelegenheit noch nachholen darf – bei einer neuen „Matz-ab-live-Sendung“.

Dass ich ihn dann tatsächlich einige Mal unterbrochen habe, das liegt einfach und allein nur daran, dass zu lange Monologe (egal von wem) eine solche „Sendung“ nicht gerade beleben, sondern eher langweilen. Deswegen möchte ich mit meinen (gelegentlichen) Unterbrechungen etwas für Tempo sorgen. Nur das ist der Grund.

Grundsätzlich war es am Sonnabend so, dass ich schon unmittelbar nach „Matz ab live“ von den zuschauenden „Benno Hafas“ und „JU aus Q“ (schwer?) kritisiert worden bin. Wegen meiner Unterbrechungen, wegen meiner Vorträge. Ich ziehe mir den Schuh an, das habe ich schon erklärt, und dann wollen wir mal sehen, wie es beim nächsten Mal wird.

Ich bin aber richtig gut gelaunt wegen der Kritik, zeigt sie mir doch, dass erstens sachlich kritisiert wird (bei der Gelegenheit: vielen Dank an das großartige Moderatoren-Team!), und dass zweitens „Matz ab live“ immer mehr gesehen wird. Vielen Dank auch dafür!

PS: Morgen, am Dienstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt – und am Abend um 18 Uhr in Lübeck gegen den in Not geratenen VfB gespielt. Da darf sich dann wahrscheinlich die Rehden-Truppe rehabilitieren.

PSPS: Mein Kollege Mirko Schneider hat mir gerade ein besonderes Liedchen zugemailt: „Norbert und die Feiglinge“ mit „Trotzdem HSV“. Passend zur Gesamtlage des Vereins. Sollte man mal reinhören . . .

18.01 Uhr

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Fink fast wie das HB-Männchen

4. April 2013

Reizende Stimmung beim HSV. Im Training ging es munter zur Sache. Da rauschten Marcell Jansen und Valmir Nafiu mal aneinander, oder auch Slobodan Rajkovic und Heung Min Son, beide Fälle ohne bösartige Absichten, sondern im Kampf um den Ball. Und wer danach die Pressekonferenz, die nach der einstündigen Einheit stattfand, gesehen hat, der entdeckte einen Trainer Thorsten Fink, der gefährlich geladen wirkte. Viel hat diesmal nicht gefehlt, dann wäre der Coach heute – zum ersten Mal – so richtig schön aus der Haut gefahren. Wie das HB-Männchen. Ja, das ist schon ein gefährliches Reizklima, das da im Volkspark herrscht, da können wir alle nur hoffen, dass das bis zum Sonnabend um 18.30 Uhr und den dann folgenden 90 Minuten noch konservieren lässt. Sollte das der Fall werden, dann droht dem SC Freiburg eine wahre „Schlacht um Europa“. Aber mal abwarten, wie sich das noch entwickelt . . .

Wobei ich die eventuell schon gleich wieder aufkeimenden Hoffnungen doch ein wenig dämpfen möchte, denn: Wie oft haben wir schon ein reizendes Klima im Training erlebt, und selbst danach gab es noch giftige Blicke, knurrende Kommentare, aggressive Stimmung – und im folgenden Spiel erlebten wir dann doch das nur das „Schweigen der Lämmer“. Motto: „Wer schmeißt denn da mit Watte?“ Und hinzu kommt ja auch: Was gab es nicht alles nach dem 1:1 gegen Fürth und vor dem 0:1 gegen Augsburg zu hören. Auch da wurden ja die Zähne – und zwar reichlich – gezeigt, doch auf dem Platz stand dann leider nur ein Papiertiger. Auch wenn Marcell Jansen heute gesagt hat, dass es die Heimpleiten (gegen Fürth und den FCA) nur gegeben hat, weil die Chancenverwertung mangelhaft war. Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Ich hoffe nun doch sehr, dass Thorsten Fink seine derzeitige Verfassung auf die Mannschaft übertragen wird – dass er es kann. Schafft er das, dann dürfte der Freiburger Trainer-Kollege Christian Streich, der, so scheint es mir aus der Ferne, eigentlich immer ein wenig aggressiv durch den Fußball-Alltag zu gehen scheint, nur ein Waisenknabe gegenüber Fink sein.

Das unglaubliche 2:9 von München spielt bei diesem Reizklima bestimmt immer noch eine Rolle, aber die Verantwortlichen möchten es natürlich so schnell wie möglich verdrängen. Thorsten Fink sprach heute viel vom Sieg in Dortmund. Den 4:1-Erfolg gab es am 9. Februar, schon einige Wochen her, aber der Coach verknüpft damit doch gewissen Hoffnungen: „In Dortmund kamen wir in die Zweikämpfe, da hat Dortmund gemerkt, dass wir dran sind am Mann, dass wir nicht weit weg sind – und das ist das, was wir aus diesen beiden Spielen gelernt haben.“ Fink weiter: „Das will ich am Sonnabend auch gegen Freiburg sehen.“

Die „Mopo“ hat das Spiel zu einer „Frage der Ehre“ hochsterilisiert (würde Bruno sagen), irgendwie geht es auch um eine Art Wiedergutmachung, aber natürlich geht es in erster Linie darum, mal wieder einen Heimsieg einzufahren. Das weiß auch Fink: „Wir wollen dieses Spiel gewinnen, dass ist das allergrößte Ziel, wir wollen das nächste Spiel gewinnen. Dann werden wir auch wieder andere Dinge angehen können. Dieses Spiel zu gewinnen, das ist sicherlich schon schwer genug.“ Weil Freiburg ein ganz unbequemer Gegner ist. Thorsten Fink: „Freiburg ist eine Mannschaft, die frei aufspielen kann, da sie ihre Ziele eigentlich schon erreicht hat. Sie spielen eine hervorragende Saison, sie sind mutig, sie sind frech, sie spielen nach vorne. Davon leben sie. Da gilt es für uns, dagegen anzugehen, besser zu sein als der SC Freiburg. Der trotzdem meinen großen Respekt bekommt, weil er frisch, fromm und fröhlich Fußball spielt.“

So, wie der HSV in Dortmund. Am 9. Februar. Ob es so auch gegen Freiburg klappen wird? Thorsten Fink ist, nein, er muss optimistisch sein: „Wir haben gut und aggressiv trainiert, zudem sehr intensiv.“ Und er sagt auch: „Meine Meinung ist, dass die Mannschaft es kapiert hat. Und wir reden intern Tacheles. Was andere von außen sagen, das interessiert mich überhaupt gar nicht, denn ich weiß, was mit meiner Mannschaft abgeht, die anderen wissen das nicht. Ich bin überzeugt davon, dass ich eine gute Mannschaft habe.“ Fink sagt zudem: „Jetzt werde ich jene Spieler spielen lassen, die im Moment den besten Eindruck machen. Und da habe ich, glaube ich, eine ganz gute Wahl getroffen – die Jungs werden das machen am Wochenende.“

Thorsten Fink verriet dann auch noch über seine persönliche Marschroute: „Ich mache das, was ich für richtig halte. Das wollte ich Ihnen nur mal sagen. Was andere erzählen, das ist interessiert mich nicht. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Ich gehe den Weg, der für mich richtig ist, und der für meine Mannschaft richtig ist, und ich mache das, was ich denke, und was die Mannschaft braucht.“

Gutes Gelingen.

Meine Bitte an alle: Daumen drücken.

PS: Am Sonnabend gibt es wieder „Matz ab live“, diesmal sind unsere Gäste der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff und der ehemalige HSV-Bundesliga-Profi (und “Matz-abber” „Master of Grätsche“) Carsten Kober, der beim 2:9 in München im Stadion war – und es überlebt hat. Wie er das geschafft hat, darüber können wir ja vielleicht mal reden . . .

18.51 Uhr

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