Archiv für das Tag 'Kober'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
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Aktualisiert: Tesche-Wechsel geplatzt! Und: Horst Heese: “Die verstecken sich alle!”

31. Januar 2014

******ACHTUNG, WICHTIG!*****
Manchmal muss man sich ehrlich schämen. Da erreicht mich heute Vormittag die Nachricht, dass Eva mit fiesen, beleidigenden Mails bombardiert wird. Von dem einen war das zu erwarten. Aber dass es da mehrere gibt, kann ich nicht fassen. HSV-Fans beleidigen sich untereinander? Weil Eva sich mit fremden Federn schmückt?

BITTE?!?! GEHTS DENN NOCH??

Es steht in diesem Blog für alle nachlesbar, dass Eva mich bat, den Brief, den sie ebenso wie ich für eine sehr gute Sache halten, zu veröffentlichen. Für diesen Tipp war ich Ihr dankbar, daher habe ich sie im Blog nur zu gern erwähnt. Mit keinem einzigen Wort aber haben weder Eva noch ich jemals behauptet, der Brief sei von ihr verfasst. Also, bitte: Erst lesen, kurz drüber nachdenken – und dann kommentieren. Danke. Und entschuldige bitte, Eva!

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Es war in dieser Saison 1989/90, als der HSV am 29. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Bundesliga rangierte. Damals trugen Spieler wie Richard Golz, Carsten Kober, Hans-Werner Moser, Dietmar Beiersdorfer, Ditmar Jakobs (neun Spiele lang), Holger Ballwanz, Thomas von Heesen, Armin Eck, Harald Spörl, Michael Schröder, Detlev Dammeier, John Jensen, Jan Furtok, Andreas Merkle, Nando und Oliver Bierhoff die Raute auf ihrer (Trikot-)Brust. Trainer waren Willi Reimann, der nach 21 Spielen von Gerd-Volker Schock abgelöst wurde. Und es gab einen HSV-Spieler namens Sascha Jusufi. Der kam eines Tages nach dem Training in Ochsenzoll laut fluchend und schimpfend aus der Kabine. „Was ist los, Sascha?“ Der Mittelfeldspieler: „Das ist mir alles zu lasch hier, es krempeln nicht alle die Ärmel auf. Das habe ich mal etwas lauter gesagt, denn ich habe keine Lust, auf jener Spieler-Liste zu stehen, die den HSV erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte haben absteigen lassen. Ich erwarte von jedem, dass er nun einen Schlag mehr reinhaut, wir müssen endlich kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg wehren. Mit allen Mitteln.“

Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Der HSV hielt bekanntlich doch noch die Klasse, lief noch auf Rang elf ein, fünf Punkte Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Das war knapp. Und glücklich. So wie in der Saison 1972/73. Da taumelte der HSV monatelang auf dem letzten und vorletzten Platz herum, dann durfte doch noch gefeiert werden (den Nicht-Abstieg), denn dank „Retter“ Horst Heese lief der HSV noch auf Platz 14 ein. Drei Punkte vor einem Abstiegsplatz!

Mit Horst Heese sprach ich heute über den heutigen HSV, den er – in Ost-Belgien wohnend – immer noch sehr genau verfolgt. Drei Spiele seines Ex-Clubs hat er live im Stadion gesehen, die anderen im Bezahl-Fernsehen. Horst Heese (70) über seine derzeitige Stimmungslage: „Ich habe enorme Angst vor dem Abstieg des HSV, muss man doch. Weil keiner Verantwortung übernimmt, da schwimmen alle nur im seichten Gewässer mit, keiner geht nach vorne und reißt die anderen mit – Motto: ‚Jetzt geht es rund!’ So einen Mann sehe ich weit und breit nicht beim HSV – leider. Die verstecken sich alle. Alle.“

Können aber diese HSV-Profis, die nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, noch das Kämpfen lernen? Heese: „Aber natürlich. Es geht doch innerhalb des Clubs um viele Arbeitsplätze dafür muss doch gekämpft und geackert werden. Obwohl die Spieler heutzutage ja gar keine Existenzängste haben müssen, die steigen ab und haben innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Verein. Selbst die schlechtesten Spieler finden wieder einen neuen Arbeitgeber – das macht mich oft fassungslos.“

Woran aber liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV so abgestürzt ist? Horst Heese: „Das liegt einzig und allein an der Zusammenstellung des Kaders. Da ist arglos gehandelt worden, da wurden sich von irgendwelchen Spielervermittlern Leute aufs Auge gedrückt worden, die gar nicht zusammenpassen. Diese Jungs arbeiten doch nicht zusammen, da ist jeder froh, wenn der Ball, weg ist. Jeder verdrückt sich so schnell er nur kann – furchtbar.“ Heese weiter: „Es gibt in diesem Team ja auch keine Hierarchie. Wenn ich da an den Kapitän Rafael van der Vaart denke, der hat mehr mit seinen Frauen als mit Fußball zu tun. Dabei hat der die Marschrichtung vorzugeben. Passiert aber nicht.“

Heese ging damals als Zugang gleich voran. Mit Leistungen, und auch verbaler Natur. Er sagt: „Da musste erst einmal in der Mannschaft aufgeräumt werden. Wir hatten Klasse-Spieler, aber es gab keine Spannung. Da habe ich dann einigen Jungs mal die Köpfe gewaschen – und dann ging es. Da ging es auch im Training zur Sache, da haben dann einige gespürt, wie es ist, wenn man zur Sache kommt. Und so sprang der Funke dann über.“

Auch taktisch ist der HSV schlecht aufgestellt. Heese: „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind viel zu groß, die Viererkette steht zu weit auseinander, der Abstand zwischen der Viererkette und den anderen Mannschaftsteilen ist zu groß – da kann jeder Gegner schön bequem aufspielen, da wird kaum einer gestört. Das sind elementare taktische Fehler, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass daran gar nicht gearbeitet wird . . .“ Einmal Training am Tag. Wissenschaftlich erwiesen, dass das reicht – so der Trainer Bert van Marwijk. Und lieber mal nur einmal am Tag, dafür aber intensiver – so der Sportchef. Wobei „intensiver“ ja dehnbar ist. Horst Heese: „Ich habe gelesen, dass die Spieler einen zu großen Druck verspüren, jetzt muss man mir nur noch was vom Bio-Rhythmus erzählen, dann falle ich tot um. Die Spieler sollten sich mal andere Sportler ansehen, was die für einen Druck haben, dann wissen sie, woran sie noch zu arbeiten haben.“

Sportchef Kreuzer hatte zu Jahresbeginn darüber philosophiert, dass der Trainer seine Spieler künftig „härter anfassen“ wird. Aber denkste! Es wird weiter gepudert und mit Pampers gearbeitet. Heese: „Ich will gar nicht von früher sprechen, darüber lachen die Jungs ja heute nur, obwohl wir auch Fußball gespielt haben. Wir haben aber einst sieben Mal die Woche trainiert. Da ging dienstags die Post so etwas von ab, da waren die Zehnkämpfer Wanzen dagegen. Mensch, was will man in zwei, drei Einheiten trainieren? Da vergeht allein durch das Aufwärmen schon eine halbe Stunde. – Wahnsinn alles.“

Horst Heese über dieses Übel: „Diese Laschheit ist tödlich. Und das sieht man ja auch, diese HSV-Mannschaft hat ja nichts drauf. Die Spieler können gar kein Pressing spielen, die pumpen doch gleich . . . Man kann doch nicht immer nur die weiche Welle fahren. Die müssten Kilometer machen, die müssten rennen bis die Hacken brennen.“

Denkt Horst Heese an das morgige Spiel, dann wird ihm schlecht. Er glaubt an nichts Gutes mehr. „Wenn da morgen keine richtige Ansprache kommt, dann ist dieser Club zum Tode verurteilt. Da kann man den HSV lieben, da kann man HSV-Fans sein, da kann man dem HSV die Daumen drücken – wenn da keine vernünftige Absprache kommt, dann wird sich nichts ändern. Schluss, aus. Entweder ändert sich der Trainer, aber der verdrückt sich hinterher nach Holland und hat nichts mehr mit dem HSV zu tun. Dann ist das Thema für ihn erledigt. Er nimmt das Geld, und weg. Nach mir die Sintflut.“ Heese weiter: „Da hat auch die Führung des HSV versagt, denn da wurden und werden Trainer genommen, die einfach nicht passten. Wie zuletzt Thorsten Fink, der kommt zu einem Verein wie den HSV und hat keine Erfahrung. Schlimm.“

Zum Thema Umbruch hat Horst Heese auch noch seine persönliche Meinung: „Der HSV hat, durch den ganzen Chelsea-Mist, zwei Jahre an Aufbau-Arbeit verloren. Die Spieler aus London haben Plätze besetzt, die der HSV mit Amateuren hätte besetzen können. Das wäre besser gewesen. Zwei Jahre Aufbau-Arbeit sind verloren, dank Frank Arnesen. Dabei gibt es doch Spieler, die es könnten, die muss man nur suchen. Bei HSV aber wurde die bequeme Tour gefahren. Ein Toni Kroos oder ein Bastian Schweinsteiger sind doch auch nicht vom Himmel gefallen. Man muss aber schon suchen, in den Schoß fallen einem solche Talente nicht. Aber beim HSV denken sie schon seit Jahren so, das zieht sich durch den Club wie ein roter Faden. Da müsste meiner Meinung nach mal zusammengefegt werden – und dann müssten Köpfe rollen. Wobei ich nicht vom Vorstand spreche, da gibt es genügend andere Leute, die nichts machen oder nichts können.“

Wie wahr. Und genau deswegen zittern wir nun alle – wieder einmal um den HSV.

Ich gebe aber heute zu, dass ich seinerzeit, als es wieder einmal eine Minute vor Zwölf war, und zwar am 31. Januar 2007, so fest mit dem Abstieg des HSV gerechnet habe, wie vielleicht noch nie. Das erste Spiel des Jahres endete 1:1 in Bielefeld, dann gab es ebenfalls ein 1:1 zu Hause gegen Cottbus. Das war für mich das Ende – Abstieg. Thomas Doll wurde entlassen, es kam Huub Stevens. Der Retter. Der ließ die Null stehen – und gewann dann auch häufig. Ich habe es oft genug geschrieben: Stevens ist nicht mein Freund, wird es auch nie – aber für diese Leistung hätte man ihm eigentlich ein Denkmal setzen müssen. Neben dem Uwe-Seeler-Fuß. Und wer wird in diesem Jahr der Retter des HSV? Ich sehe noch keinen einzigen. Weit und breit nicht. Ich habe nur Angst. Und die ist längst so groß, wie im Januar 2007 – oder sogar noch größer. Ich gehe vom Schlimmsten aus, denn diese Mannschaft mag ja gute Fußballer in ihren Reihen haben, aber kämpfen kann sie nicht. Und da keiner von außen mit bestem Beispiel voran geht, wird sie es auch nicht mehr lernen.

Ich habe heute auch mit Bundesliga-Profi Nummer eins gesprochen. Harry Bähre, der war als Typ „Terrier“ ein echter und harter Kämpfer, will sich jedoch aus dem aktuellen Geschehen strikt heraushalten. Er sagte aber immerhin: „Ich mache mir, wie alle HSVer die ich kenne, ganz, ganz große Sorgen um den Club, denn so schlimm war es noch nie – obwohl es einige Male schon echt sehr schlecht um den HSV bestellt war.“ Ansonsten aber schweigt Harry Bähre. Es ist wohl die Angst, die ihn lähmt.

Was mich an der heutigen so prekären Lage des HSV stört: Wo gibt es denn noch einen Sascha Jusufi? Einen Profi, der sich wehren will, der dafür auch mal unbequem den eigenen Kollegen gegenüber wird? Der Tacheles spricht, der auf dem Rasen zur Sache geht, der Gras frisst? Solche Typen gibt es heutige nicht mehr. Auf jeden Fall nicht mehr beim HSV. Ich sehe ein solches Vorbild schon seit Jahren nicht mehr in diesem HSV. Und das ist das Gefährliche. Zumal sich der Club (wahrscheinlich wohl aus finanziellen Gründen? Ein Scherz!) nicht erlauben konnte, einen Typen wie Horst Heese zu verpflichten. Leider, Leider. Es wäre so schön gewesen, und es wäre gewiss auch ein kleiner Strohhalm gewesen. Wäre.

So wird sich der HSV an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen. Ob ausgerechnet gegen Hoffenheim die Wende eingeläutet wird? Beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim gab es einen 4:1-Erfolg des HSV. Das macht schon mal Mut. Am 11. Mai 2013 schossen Heung Min Son, Dennis Aogo, Petr Jiracek und Artjoms Rudnevs den Sieg heraus – drei Spieler davon spielen zurzeit nicht mehr für den HSV, einer (Jiracek) spielt, obwohl ihm eigentlich mal kämpferische Qualitäten nachgesagt wurden, nur eine Nebenrolle in Hamburg. In den bisherigen fünf Spielen zwischen Hoffenheim und dem HSV gab es drei Heimsiege und ein Unentschieden. Diesmal prallen die beiden Schießbuden der Liga aufeinander, denn die TSG hat bereits 42 Gegentreffer, der HSV bringt es „nur“ auf 41. Schlechtere Vereine gibt es in dieser Statistik nicht. Die Null muss stehen? Das wäre wohl ein kleines Fußball-Wunder, oder sogar ein größeres, wenn das morgen klappen sollte – oder überhaupt noch einmal in dieser Spielzeit.

Beim HSV gibt es personell noch einige Wackelkandidaten. Fest steht: Johan Djourou blieb in Hamburg zurück, wird also ein weiteres Mal fehlen. Beim heutigen Vormittags-Training war in Sachen Aufstellung nichts zu erkennen, im Abschlussspielchen standen sich zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber. Pech für den HSV, dass Marcell Jansen mit einer Knie-Prellung auszufallen droht. Für ihn gäbe es zwei Kandidaten, die einspringen könnten: Slobodan Rajkovic und Zhin Gin Lam. Letzterer hat heute erstmalig in dieser Woche mit der Mannschaft trainiert, Rajkovic wäre plötzlich und unerwartet mittendrin statt nur dabei.

Und das erinnert mich dann an die erste kostenlose Vorführung des HSV gegen Hoffenheim – und zwar am 26. Oktober 2008 in Mannheim. Trainer Martin Jol hatte – im Übermut (?) – Joris Mathijsen als Linksverteidiger aufgeboten, Innenverteidiger waren Alex Silva und Bastian Reinhardt. Alle drei Herren wurden schwindelig gespielt, und nicht nur die. Nach 35 Minuten hieß es bereits 3:0 – es war ein Desaster. Auch deshalb, weil Mathijsen von innen nach außen gedrückt worden war. Das konnte er nun ganz und gar nicht. Und Rajkovic? Ich habe nichts gegen „Slobo“, aber Linksverteidiger? Da habe ich aber meine ganz großen Zweifel.

Auf der Sechs wird es diesmal wohl das Duo Bouy/Badelj geben – Tolgay Arslan bleibt draußen. Ich bin gespannt, ob Quasim Bouy die Sechs kann, aber er soll es ja offenbar können. Grundsätzlich ist mir die HSV-Sechs aber stets zu offensiv besetzt, nur wer erkennt das, wer hat es in den letzten Jahren erkannt? Keiner! Ja, und dann gibt es noch die linke Offensiv-Position: Hakan Calhanoglu oder Ivo Ilicevic? Das Rennen ist völlig offen. Ich würde mich (anstelle des Trainers) für Calhanoglu entscheiden, aus dem Bauch heraus. Und vorne Jacques Zoua. Oder Zoua raus, „Calle“ vorne und Ilicevic links. Wobei rechts Ola John wirbeln soll. Hoffentlich tut er es, hoffentlich hat er sich vom HSV-Virus noch nicht packen lassen.

Übrigens hat ein „Matz-abber“ heute beim Training einen interessanten Vorschlag gemacht: „Rafael van der Vaart sollte eine Verletzung bekommen oder kriegen, damit er mal eine schöpferische Pause einlegen kann. Weil er zuletzt ohnehin nicht viel gebracht hat . . .“ Es darf diskutiert werden.

So, dann hat heute Patrick Owomoyela noch einen Vertrag beim HSV unterschrieben: für die Zweite. Der Kontrakt läuft bis zum Sommer 2014.

Dann gibt es noch in eigener Sache zu berichten:

Der „Matz-ab“-Schreiber Lars Pegelow sitzt am Sonntag beim Doppelpass auf „Sport1“, die Sendung beginnt elf Uhr Und der „Matz-ab“-Schreiber Dieter Matz ist am Sonntag zu Gast bei „0800 – Du bist dr@uf!“, von 21.30 Uhr bis 23 Uhr auf Sky Sport News HD. Die HSV Fans können bei der Sendung von Maik Nöcker live mitdiskutieren, via Telefon, kostenfrei unter 08000 366466. Oder Twitter mit #ssnhd oder direkt an @Sky_MaikN.

Und wer immer mehr HSV braucht und will: Sportchef Oliver Kreuzer sitzt am Sonntag von 18 Uhr an vor dem Mikrofon von NDR 90,3, die Sendung „Sportplatz Hamburg“ wird von Britta Kehrhahn moderiert.

Bereits am Sonnabend, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim, werden wir mit „Matz ab live“ über das Spiel sprechen, unsere Gäste sind Lotto King Karl (der zurzeit allerdings ein wenig schwächelt – ich drücke ihm und uns die Daumen, dass er rechtzeitig gesund wird!) und der frühere Volleyball-Bundestrainer (und heutige „Matz-abber“) Olaf Kortmann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet. Vielen Dank dafür.

Und dann noch ein Hinweis: „Scholle“ wird diesen Text noch ein wenig ergänzen – hat er gesagt. Das sollte zeitnah geschehen. Also immer noch einmal hier hineinschauen. Danke. Bis morgen.

***Ergänzung***
Robert Tesche steht – mal wieder – dem Vernehmen nach kurz vor einem Wechsel ins Ausland. Noch ist der Transfer aber nicht beschlossen. Sollte sich hier noch etwas tun, melde ich mich noch mal.

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Aktualisiert

Laut Tesches Berater Roland Kopp hat sich der Wechsel des HSV-Mittelfeldspielers zerschlagen. Die Engländer – es war von Wigan Athletic die Rede – hätten ihr Interesse zurückgezogen.

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Und dann bat mich Eva noch, einen offenen Brief hier reinzustellen. Oder besser gesagt, den Text und einen wichtigen Link dazu. Und das mache ich gern, weil es eine gute Sache ist. Und weil ich mir sicher bin, dass diese Mannschaft Hilfestellung von außen unbedingt braucht, da sie sich selbst momentan nicht helfen kann. Daher, hier der Text:

Verschwört Euch gegen die Umstände, die sich gegen Euch verschworen haben! Überwindet gemeinsam alle Widerstände!
Liebe Mannschaft!
Lieber Bert, Rafael, René, Jaroslav, Sven, Florian, Michael, Heiko, Johan, Lasse, Jonathan, Slobodan, Marcell, Dennis, Zhi Gin, Tomás, Milan, Matti, Gojko, Ouasim, Tolgay, Kerem, Robert, Petr, Hakan, Ivo, Ola, Pierre-Michel, Maxi, Jacques, Valmir
seit dem Wochenende wissen alle HSVer, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist ernst, sehr ernst.
Gemeinsam können wir, Ihr Spieler und wir Fans, das Ruder herumreißen.
Ihr seid die Mannschaft des HSV. Wir sind die leidenschaftlichen Fans. Gemeinsam sind wir ein TEAM!!!
Lasst es uns gemeinsam anpacken.
Der Verein befindet sich im Umbruch.
Lasst uns daraus eine positive Aufbruchstimmung machen.
Teilt uns mit, wie wir Fans Euch unterstützen, Euch helfen können.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Kurz – aber präzise. Wer diesen Brief an die Mannschaft unterschreiben will, kann das hier tun:

wir-sind-ein-team@gmx.de

Und ich bin auf die Reaktion der Mannschaft gespannt. Schon in Hoffenheim werden wir sehen können, ob diese Mannschaft noch ein Team ist. Denn wenn stimmt, was mir heute in einem langen Telefonat erzählt wurde, steht diese Mannschaft ziemlich hilflos da. Aufgeteilt in Grüppchen. Mit einem Kapitän, der intern Gift und Galle spucken soll. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Frust ausschließlich dazu führt, dass Rafael van der Vaart vorwegmarschiert…

In diesem Sinne, auch von mir noch mal: Euch allen einen schönen Freitagabend und hoffentlich bis morgen, wo wir nach dem ersten, kleinen schritt in die richtige Richtung bei Matz ab live darüber diskutieren, wie gut van der Vaart doch noch sein kann.

Oder so ähnlich zumindest.

Scholle

Vorschlag: Ein Orden für die HSV-Fans . . .

8. April 2013

Viele, viele Lesrebriefe, Anrufe und Mails heute – und gestern. Zu viele, sodass ich nicht jedem antworten kann. Vielen Dank aber dafür, es ist ein Zeichen, dass sich noch immer jede Menge HSV-Fans um ihren Club die allergrößten Sorgen machen. Wenn ich auch überrascht bin, dass sie die Zahl derer, die für einen erneuten Trainerwechsel beim HSV plädieren, ständig und sogar – wie ich finde – dramatisch steigt. Irgendwie, das muss ich zugeben, kann ich die Leute ja verstehen, denn es läuft ja zurzeit alles andere als gut, aber dennoch sage ich: Was hat der HSV allein aus den Trainerwechseln dieses Jahrtausends gemacht? Nichts! Null. Keinen Schritt nach vorn.

Mit jedem neuen Coach waren die allergrößten Hoffnungen verknüpft, die jedoch nie gehalten werden konnten. Mal abgesehen davon, dass ein Huub Stevens dem HSV die Erste Bundesliga gerettet hat, als ich es schon nicht mehr für möglich gehalten hatte. Deswegen trage ich Stevens auch auf Händen, obwohl wir uns menschlich nie nahe waren – eher war das Gegenteil der Fall. Aber da muss man Prioritäten setzen. Er hat hier eine Super-Arbeit abgeliefert, und das ist einfach nur anerkennenswert. Er war ganz sicher einer jener Trainer, die durchaus langfristig für den HSV hätten arbeiten können – aber letztlich haben Leute seines Kalibers dann doch aufgegeben, weil es hinten und vorne sowie oben und unten beim HSV nicht gepasst hat. Und genau darüber sollte nicht nur der Verein mal nachdenken, sondern auch die HSV-Fans, die jetzt schon wieder einen neuen Trainer fordern. Es liegt nicht an Thorsten Fink. Ganz sicher, das muss ich zugeben, macht der noch junge Trainer immer wieder mal Fehler, aber daran liegt es doch nicht, dass der HSV schon seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt. Fink allein kann den Umschwung sicherlich nicht schaffen, aber er allein kann es auch nicht bewirken, dass der HSV zugrunde geht. Die gesamte Führung ist jetzt gefragt, und zwar nicht im Rumeiern, auch nicht mit „Hände-in-den-Schoß-legen“, sondern damit, mal ganz gehörig mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Tacheles reden, nicht um den heißen Brei herum, sondern die nackte und schonungslose Wahrheit sagen.

Und die Wahrheit ist doch die: Dieser Fußball, der vom HSV gespielt wird, darf nicht Fußball genannt werden. Weil es einfach nur grottig ist. Und diese Ansprüche sollten alle, die beim HSV unter Vertrag stehen, allemal haben. Endlich mal eine Reihe von Spielen in Folge, in denen nicht gestolpert, gepatzt und gestümpert wird, sondern in denen es zur Sache geht, in denen Tempo gebolzt wird und in denen um den Sieg gespielt und gekämpft wird. Und endlich mal wieder kein Rückpass-Festival. Bitte, bitte, endlich einmal wieder kein Rückpass-Festival. Das ist ja nicht mehr zu ertragen. Diese Hilflosigkeit . . .

Bei der Gelegenheit: Klaus Toppmöller war ja auch mal HSV-Trainer. Er muss wohl doch ein wenig gelitten haben, während dieser Zeit, denn wir erinnern uns eventuell noch daran, was der frühere „Coach des Jahres“ noch vor dem Freiburg-Spiel prognostiziert hatte: „Der HSV wird Freiburg überrennen. . .“
Mein Gott, „Toppi“, ich bin ja schon ein lausiger Vorhersager, aber so daneben . . .

Aber zurück zum Wesentlichen:
Wie oft hieß es in der Vergangenheit, dass dem HSV ja deshalb die Hände gebunden wären, weil die Mannschaft noch im Abstiegskampf steht. Deswegen konnten und könnten keine Disziplinarmaßnahmen durchgeführt werden, deswegen konnte der Club oft keinen Spieler (oder keine Spieler), keinen Versager vor die Tür setzen – sie alle wurden noch benötigt. Jetzt aber wäre die Chance da, sich schon von dem einen oder anderen Profi, der es noch immer nicht verstanden hat, zu trennen. Um auch mal ein Zeichen zu setzen. Der HSV kann nicht mehr absteigen, er könnte sogar seine „Zweite“ spielen lassen, und die würde garantiert auch nur mal 2:9 verlieren – trotz der Tatsache, dass sie nun aus der Regionalliga absteigen wird.
Nein, dieser HSV muss endlich einmal ein Zeichen setzen, sonst tanzen ihm die Profis, die hier für allerhöchstens mittelmäßige Leistungen Millionen wegschleppen, weiter auf der Nase herum.

Und ferner bin ich der Meinung, dass nun auch der Sportchef gefordert ist. Ganz dringend sogar. Frank Arnesen müsste seinem Trainer mal deutlich zur Seite stehen, indem er den Profis einmal den Spiegel vor das Gesicht hält. Solche Gurkenspiele, wie sie in diesem Jahr im Volkspark abgeliefert wurden, dürfen nicht länger beschönigt und auch nicht schöngeredet werden. Nicht länger schöngeredet werden. Jetzt ist die gesamte sportliche Führung gefragt – und nicht nur Thorsten Fink. Der HSV ist wieder einmal auf dem besten Wege, zur Lachnummer der Bundesliga zu verkümmern, es ist fünf Minuten vor Zwölf – jetzt muss etwas passieren. Jetzt. Sofort. Es ist dramatisch genug.

In den vergangenen beiden Tagen haben mir genügend HSV-Fans mitgeteilt, dass sie nicht länger gewillt sind, ihre Dauerkarte zu kaufen. Weil diese Art von Anti-Fußball allmählich auch die treuesten Fans aus dem Stadion treibt. Auf meine Antwort, dass die Sommerpause bis jetzt noch jede Wunde geheilt und geschlossen hätte, wurde mir stets geantwortet: „Diesmal nicht. Diesmal vergesse ich nicht – ganz sicher.“ Ich bin gespannt. Und wenn es so wäre, dann täte mir der HSV zwar leid, aber ich hätte Verständnis für jeden dieser frustrierten Anhänger. Denn wer will ein solches Gekicke, das hier dargeboten wird, tatsächlich noch sehen? Wer kann es noch ertragen? Das müssen Masochisten sein. Das geht doch längst schon über das erträgliche Maß hinaus. Und trotz allem sind immer über 50 000 Gucker im Volkspark, wenn es wieder mal losgeht. Ich bewundere den Langmut der HSV-Fans, allein deshalb haben sie mal einen Orden verdient. Europa hat den Friedensnobel-Preis bekommen, also müsste sich doch auch ein Preis oder ein Orden finden lassen für diese einmaligen HSV-Fans, die immer und immer wieder zu ihrem Club stehen. Obwohl sie in schönster Regelmäßigkeit nur noch Gurkenspiele sehen dürfen . . .

Bei der Gelegenheit: Wann sind Sie, wann bist Du, zum letzten Mal so richtig und über 90 Minuten lang vom HSV im Volkspark aus dem Sitz gerissen worden? Von vielen höre ich dann immer wieder: „Das war beim 4:4 gegen Juventus Turin.“
Nur mal zur Probe: das war am 13. September 2000.
Heute schreiben wir den 8. April 2013.

In Hoffenheim haben sie gleich mehrfach in dieser Saison den Trainer vor die Tür gesetzt. Und? Hat es geholfen?
Auf Schalke hat die Öffentlichkeit lange und lautstark gefordert, den Stevens-Nachfolger Jens Keller wieder zu feuern. Und jetzt? Schalke auf dem Weg in die Champions League. Das sind nur zwei Beispiele – von unzähligen. Und die besten Beispiele hat der HSV ja immer noch selbst in seiner Bundesliga-Historie. Allein seit dem Jahr 2000.

Es stimmt doch überall nicht mehr. Rehden ist dazu ein sehr passendes Thema. Wie kann der mit vielen Profis gespickte HSV II in Niedersachsen 1:4 verlieren? 4:1 und aufwärts hätte ich getippt, für den HSV, als ich hörte, wer dort alles aufläuft. Und dann ein solcher fußballerischer Offenbarungseid. Nach dem 2:9 von München ist das ein weiteres Spiel, nach dem sich jeder der Beteiligten schämen sollten – wochen- und monatelang. Aber wer macht das schon? Nicht einer. Obwohl es nach einer solchen Blamage eigentlich Pflicht wäre.
Es ist ja alles so bitter.
Und dennoch greift niemand ein, erst recht niemand durch. Trostlos.
Im Gegensatz zu den Dortmundern, die Bruna Labbadia zuletzt extra nicht (!) unter Artenschutz gestellt hatte, stehen die HSV-Profis offenbar genau unter diesem Artenschutz. „Die Spieler werden jetzt nicht geschlachtet“, hatte Frank Arnesen nach dem 2:9 noch verkündet. Auch nach dem 0:1 gegen Freiburg wurde niemand und keiner geschlachtet. Immerhin: Ein jeder durfte an diesem Montag darüber nachdenken, und zwar zu Hause, welchen Bockmist er da am Wochenende wieder mal verzapft hat. Das ist ja auch schon mal eine Strafe . . .

Und hoffentlich hat Heiko Westermann diese (Frei-)Zeit genutzt, um seine Zukunft zu überdenken. Er soll ja überlegen, ob er von seinem Kapitänsamt zurücktritt, und ich würde ihm dringend raten: sofort! Nicht noch damit bis zum Saisonende warten. Sofort. Dieses Trauerspiel muss ein Ende haben. Weil diese Mannschaft einen solchen Kapitän, der sich stets in jedem Spiel von Minute eins bis zum Abpfiff den Hintern aufreißt, ganz einfach nicht verdient hat. Da soll sich mal ein anderer mit herumschlagen, der wird dann recht bald merken, dass bei dieser Truppe Hopfen und Malz verloren ist. Die braucht keinen Kapitän, die braucht ein Kindermädchen zum Pudern. Und noch einen Grund habe ich, warum Westermann sofort aufgeben sollte: die Pfiffe der Fans. Er wird es in diesem Profi-Leben nicht mehr schaffen, die HSV-Fans auf seine Seite zu ziehen. Ein Fehlpass, und schon geht diese elende Pfeiferei los. Zum Davonlaufen. Zum Heulen. Das sind schon tolle Fans! Hut ab! Da freue ich mich doch lieber mit einem Michael Mancienne, der im Freiburg-Spiel 80 Prozent seiner Pässe an den eigenen Mann gebracht hat. Super! Herzlichen Glückwunsch!

Nicht auszudenken, wenn mal der eine oder andere Pass nicht zum eigenen Mann gekommen wäre – dann wären das lauter Eigentore gewesen, denn ich habe nur Rückpässe von Mancienne auf Rene Adler gesehen. Die sollte man dann doch tatsächlich beherrschen, ansonsten hätte es mal schnell ein 0:9 gegen können. Und passte Mancienne einmal nicht zu Adler zurück, dann war es ein Querpass auf Westermann. Und der durfte dann, weil es lange genug gedauert hatte, die Kugel – teilweise hart bedrängt – nach vorne kloppen und auf die Pfiffe warten, wenn ein Freiburger auf Empfang war. Mancienne war aber stets fein raus . . .
Ja, so bitter und ungerecht kann Fußball sein.
Hoch lebe der HSV!

Wobei ich mich frage, ernsthaft frage, ob sich Rene Adler nicht längst schon fragt, wo er da eigentlich hineingeraten ist – mit seinem Weg nach Hamburg und zum HSV. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

Ein ganz anderes ist auch noch der Auftritt von Marcell Jansen im NDR-Sportclub am Sonntag. Endlich mal wieder eine großartige Vorstellung eines HSV-Profis. Hervorragend! Ob sich der Nationalspieler damit allerdings einen Gefallen bei seinem Mannschaftskollegen getan hat, wage ich zu bezweifeln, aber darum geht es wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Bei keinem.
Ich fand Jansens Auftritt allein schon deswegen gut, weil er erstens nichts beschönigt hat, und weil er zweitens (im Gespräch mit Moderator Gerhard Delling) nicht ein einziges Mal gelächelt oder gelacht hat. Eben den deprimierenden Umständen angepasst. Was Jansen alles gesagt hat, das ist hier zu lesen, es wurde vom NDR freigegeben:

Jansen: „Schwer, mit so viel Frustration umzugehen”

HSV-Profi Marcell Jansen hat im NDR Sportclub deutliche Kritik geübt. Der Nationalspieler, der seit 2008 beim Bundesligisten unter Vertrag steht, bemängelte unter anderem die Einkaufspolitik der Hanseaten und die damit verbundene mangelnde Konstanz: „Ich glaube, es gibt noch zwei Spieler, mit denen ich vor fünf Jahren beim HSV angefangen habe. Ich weiß nicht, wie viele Trainer, Sportdirektoren und andere Verantwortliche den Verein mittlerweile durchlaufen haben“, sagte der 27-Jährige und ergänzte zur aktuellen Diskussion um Führungspersönlichkeiten im Team: „Wir sind im letzten Jahr mit Ach und Krach vor dem ganz Schlimmen bewahrt worden, spätestens das hätte uns wachrütteln sollen. Aber Führungsspieler kann man sich nicht schnitzen, sondern die müssen vom Naturell so sein. Damit muss man sich auseinandersetzen, ob man danach auch verpflichtet hat – über Jahre.“ Der HSV belegt derzeit den elften Tabellenplatz – und steht dort in Jansens Augen auch zu Recht: „Das ist für mich auch eine Qualitätsfrage, die wir so im Moment nicht regeln können. Namen hin oder her, das schaffen wir nicht auf den Platz zu bringen“, sagte er.

Betroffen zeigte sich der HSV-Profi von der peinlichen Pleite der zweiten Mannschaft der Hamburger, die trotz Unterstützung von sechs Bundesliga-Stars am Sonntag in der Regionalliga mit 1:4 in Rehden verlor und als Tabellenvorletzter akut vom Abstieg bedroht ist. „Es wäre dramatisch für den Verein, wenn die zweite Mannschaft in der nächsten Saison in der Oberliga spielt, weil wir gute, talentierte, junge Spieler zur nächsten Saison bekommen. Wenn die in der Oberliga spielen müssen statt eine Liga höher, ist das sehr problematisch“, betonte der Verteidiger und ergänzte: „Das spiegelt ein bisschen die Situation wider, wie sie insgesamt ist. Da müssen wir Spieler uns auch alle fragen, ob das von der Einstellung her so das Richtige ist.“ Es sei schwierig, mit so viel Frustration umzugehen, meinte Jansen, der auch das geplante Grillen mit den Fans kritisierte: „Der Ernst der Lage in der letzten Saison war um einiges beschissener. Da hätte man überlegen sollen, zur neuen Saison vielleicht ein Grillen zu machen. Aber nicht wenn man 2:9 verliert. Dann ist man gestraft genug. Dann brauche ich kein Grillen. Das braucht kein Mensch.“ Nach dem Heimspiel der Hamburger am 20. April gegen Fortuna Düsseldorf laden die Spieler alle Zuschauer zu Fleisch, Wurst und Getränken ein, um sich nach der 2:9-Klatsche bei Bayern München mit ihren enttäuschten Anhängern zu versöhnen.

Das Grillen braucht also kein Mensch. Und damit lieg Jansen – ebenfalls richtig! Volltreffer! Beendet das Grillen, bevor der 21. April 2013 gekommen ist, denn es würde nur Ärger geben. Auch zu diesem Thema habe ich Anrufe und Mails erhalten. Viele schlagen nur vor: absagen! Und einige beschweren sich, dass sie ihre Gratis-Wurst erst am Tag nach dem Düsseldorf-Spiel erhalten sollen: „Sauerei!“ Weil sie doch von außerhalb kommen, und nicht am nächsten Tag – für die eine läppische Wurst – noch mal nach Hamburg kommen können.

Sollte das Grillen aber stattfinden, dann sollte der HSV allen jenen Fans, die von außerhalb kommen und nicht noch einmal kommen können, eine Wurst nach Hause senden. Gut wäre es auch, wenn diese Wurst dann auf jeden Fall schon mal halb angegrillt wäre, damit es dann mit dem Verzehr schneller klappt. Und noch besser wäre es, wenn es zwei Würste wären, die in den Versand gehen, denn dann könnte man sich ja noch das Mittagessen sparen. Und jeder Zuschauer sollte dann auch vor dem Düsseldorf-Spiel auf der Eintrittskarte ankreuzen können, ob die Wurst mit Ketschup oder Senf geliefert werden sollte. Senf dann der scharfen Düsseldorfer Art, oder doch nur mittelscharf? Und Ketschup mit Paprika oder ohne? Die angekreuzten Karten sollten nach Verlassen der Arena dann in einen Briefkasten an der Ecke Nord-Ost eingeworfen werden . . .

Sorgen gibt es, die gibt es gar nicht.
Deswegen: sagt dieses unsägliche Grillen ab! Bitte. Der Schuss könnte sonst schnell mal nach hinten losgehen

Noch einmal kurz in eigener Sache. Ich wurde für „Matz ab live“ von einigen kritisiert. Was grundsätzlich gut ist, denn das war ja alles auch sachlich. Und nicht ganz unbegründet. Dennoch möchte ich schnell mal erklären, warum was passiert ist – und warum auch nicht. Wer es nicht weiß: Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Schatzmeister und Aufsichtsrats-Chef des HSV) und der frühere Bundesliga-Profi Carsten Kober waren bei „Scholle“ und mir zu Gast, und sie waren sehr gut (auch wenn mir der „Master of Grätsche“ nur Widerworte gab!). Vielen Dank noch einmal auch an dieser Stelle dafür.
Ich wurde kritisiert, dass ich erstens zu viel selbst gesprochen habe, und dass ich zweitens Otto Rieckhoff zu oft unterbrochen habe. Daraus wurde gefolgert: Rieckhoff hätte bestimmt noch richtig ausgepackt, wenn Matz nicht zu viel selbst erzählt hätte, und wenn er ihn nicht so oft unterbrochen hätte.

Dazu möchte ich festhalten: es stimmt. Oder: die Vorwürfe stimmen. Fast jedenfalls.
Wenn ich so viel – oder zu viel – erzählt habe, dann denke ich, dass ich einfach Flagge zeigen muss. Ich möchte, will und kann mich nicht hinter den Meinungen anderer Leute verstecken, ich möchte allen selbst mitteilen, was ich und wie ich über das Spiel und den HSV denke (auch wenn ich es vorher schon im Blog geschrieben habe!). Drauf wartet vielleicht trotz allem der eine oder andere HSV-Fan. Diesmal habe ich, das sei zugestanden, aber vielleicht übertrieben. Wobei das dann eventuell auch am Resultat von 0:1 lag. Weil der HSV doch die Freiburger „überrennen“ sollte.

Zurück zum Thema:
Das mit dem „Auspacken“ von Otto Rieckhoff. Er hätte nicht mehr „ausgepackt“. Das hat er mir noch am Sonntag, also eine Nacht nach „Matz ab live“, versichert. Rieckhoff ist ein HSVer durch und durch, der hätte doch nicht ausgepackt, der hätte niemanden diskreditiert, der hätte doch nicht für Unruhe sorgen wollen. Richtig ist allerdings, dass Otto Rieckhoff noch zwei Dinge ansprechen wollte, es aber dann in der Aufregung um dieses 0:1 „vergessen“ hatte. Auch wohl deshalb, weil die Zeit zu knapp war. Rieckhoff aber hat eingesehen, dass ich ihm gegen Ende der „Sendung“ noch zweimal einen Ball auf die Torlinie gelegt hatte. Da hatte er die Chance, versäumte aber das Verwandeln – weil er diese Chancen nicht erkannt hatte. Ich habe ihm aber zugesagt, dass er das bei passender Gelegenheit noch nachholen darf – bei einer neuen „Matz-ab-live-Sendung“.

Dass ich ihn dann tatsächlich einige Mal unterbrochen habe, das liegt einfach und allein nur daran, dass zu lange Monologe (egal von wem) eine solche „Sendung“ nicht gerade beleben, sondern eher langweilen. Deswegen möchte ich mit meinen (gelegentlichen) Unterbrechungen etwas für Tempo sorgen. Nur das ist der Grund.

Grundsätzlich war es am Sonnabend so, dass ich schon unmittelbar nach „Matz ab live“ von den zuschauenden „Benno Hafas“ und „JU aus Q“ (schwer?) kritisiert worden bin. Wegen meiner Unterbrechungen, wegen meiner Vorträge. Ich ziehe mir den Schuh an, das habe ich schon erklärt, und dann wollen wir mal sehen, wie es beim nächsten Mal wird.

Ich bin aber richtig gut gelaunt wegen der Kritik, zeigt sie mir doch, dass erstens sachlich kritisiert wird (bei der Gelegenheit: vielen Dank an das großartige Moderatoren-Team!), und dass zweitens „Matz ab live“ immer mehr gesehen wird. Vielen Dank auch dafür!

PS: Morgen, am Dienstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt – und am Abend um 18 Uhr in Lübeck gegen den in Not geratenen VfB gespielt. Da darf sich dann wahrscheinlich die Rehden-Truppe rehabilitieren.

PSPS: Mein Kollege Mirko Schneider hat mir gerade ein besonderes Liedchen zugemailt: „Norbert und die Feiglinge“ mit „Trotzdem HSV“. Passend zur Gesamtlage des Vereins. Sollte man mal reinhören . . .

18.01 Uhr

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Fink fast wie das HB-Männchen

4. April 2013

Reizende Stimmung beim HSV. Im Training ging es munter zur Sache. Da rauschten Marcell Jansen und Valmir Nafiu mal aneinander, oder auch Slobodan Rajkovic und Heung Min Son, beide Fälle ohne bösartige Absichten, sondern im Kampf um den Ball. Und wer danach die Pressekonferenz, die nach der einstündigen Einheit stattfand, gesehen hat, der entdeckte einen Trainer Thorsten Fink, der gefährlich geladen wirkte. Viel hat diesmal nicht gefehlt, dann wäre der Coach heute – zum ersten Mal – so richtig schön aus der Haut gefahren. Wie das HB-Männchen. Ja, das ist schon ein gefährliches Reizklima, das da im Volkspark herrscht, da können wir alle nur hoffen, dass das bis zum Sonnabend um 18.30 Uhr und den dann folgenden 90 Minuten noch konservieren lässt. Sollte das der Fall werden, dann droht dem SC Freiburg eine wahre „Schlacht um Europa“. Aber mal abwarten, wie sich das noch entwickelt . . .

Wobei ich die eventuell schon gleich wieder aufkeimenden Hoffnungen doch ein wenig dämpfen möchte, denn: Wie oft haben wir schon ein reizendes Klima im Training erlebt, und selbst danach gab es noch giftige Blicke, knurrende Kommentare, aggressive Stimmung – und im folgenden Spiel erlebten wir dann doch das nur das „Schweigen der Lämmer“. Motto: „Wer schmeißt denn da mit Watte?“ Und hinzu kommt ja auch: Was gab es nicht alles nach dem 1:1 gegen Fürth und vor dem 0:1 gegen Augsburg zu hören. Auch da wurden ja die Zähne – und zwar reichlich – gezeigt, doch auf dem Platz stand dann leider nur ein Papiertiger. Auch wenn Marcell Jansen heute gesagt hat, dass es die Heimpleiten (gegen Fürth und den FCA) nur gegeben hat, weil die Chancenverwertung mangelhaft war. Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Ich hoffe nun doch sehr, dass Thorsten Fink seine derzeitige Verfassung auf die Mannschaft übertragen wird – dass er es kann. Schafft er das, dann dürfte der Freiburger Trainer-Kollege Christian Streich, der, so scheint es mir aus der Ferne, eigentlich immer ein wenig aggressiv durch den Fußball-Alltag zu gehen scheint, nur ein Waisenknabe gegenüber Fink sein.

Das unglaubliche 2:9 von München spielt bei diesem Reizklima bestimmt immer noch eine Rolle, aber die Verantwortlichen möchten es natürlich so schnell wie möglich verdrängen. Thorsten Fink sprach heute viel vom Sieg in Dortmund. Den 4:1-Erfolg gab es am 9. Februar, schon einige Wochen her, aber der Coach verknüpft damit doch gewissen Hoffnungen: „In Dortmund kamen wir in die Zweikämpfe, da hat Dortmund gemerkt, dass wir dran sind am Mann, dass wir nicht weit weg sind – und das ist das, was wir aus diesen beiden Spielen gelernt haben.“ Fink weiter: „Das will ich am Sonnabend auch gegen Freiburg sehen.“

Die „Mopo“ hat das Spiel zu einer „Frage der Ehre“ hochsterilisiert (würde Bruno sagen), irgendwie geht es auch um eine Art Wiedergutmachung, aber natürlich geht es in erster Linie darum, mal wieder einen Heimsieg einzufahren. Das weiß auch Fink: „Wir wollen dieses Spiel gewinnen, dass ist das allergrößte Ziel, wir wollen das nächste Spiel gewinnen. Dann werden wir auch wieder andere Dinge angehen können. Dieses Spiel zu gewinnen, das ist sicherlich schon schwer genug.“ Weil Freiburg ein ganz unbequemer Gegner ist. Thorsten Fink: „Freiburg ist eine Mannschaft, die frei aufspielen kann, da sie ihre Ziele eigentlich schon erreicht hat. Sie spielen eine hervorragende Saison, sie sind mutig, sie sind frech, sie spielen nach vorne. Davon leben sie. Da gilt es für uns, dagegen anzugehen, besser zu sein als der SC Freiburg. Der trotzdem meinen großen Respekt bekommt, weil er frisch, fromm und fröhlich Fußball spielt.“

So, wie der HSV in Dortmund. Am 9. Februar. Ob es so auch gegen Freiburg klappen wird? Thorsten Fink ist, nein, er muss optimistisch sein: „Wir haben gut und aggressiv trainiert, zudem sehr intensiv.“ Und er sagt auch: „Meine Meinung ist, dass die Mannschaft es kapiert hat. Und wir reden intern Tacheles. Was andere von außen sagen, das interessiert mich überhaupt gar nicht, denn ich weiß, was mit meiner Mannschaft abgeht, die anderen wissen das nicht. Ich bin überzeugt davon, dass ich eine gute Mannschaft habe.“ Fink sagt zudem: „Jetzt werde ich jene Spieler spielen lassen, die im Moment den besten Eindruck machen. Und da habe ich, glaube ich, eine ganz gute Wahl getroffen – die Jungs werden das machen am Wochenende.“

Thorsten Fink verriet dann auch noch über seine persönliche Marschroute: „Ich mache das, was ich für richtig halte. Das wollte ich Ihnen nur mal sagen. Was andere erzählen, das ist interessiert mich nicht. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Ich gehe den Weg, der für mich richtig ist, und der für meine Mannschaft richtig ist, und ich mache das, was ich denke, und was die Mannschaft braucht.“

Gutes Gelingen.

Meine Bitte an alle: Daumen drücken.

PS: Am Sonnabend gibt es wieder „Matz ab live“, diesmal sind unsere Gäste der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff und der ehemalige HSV-Bundesliga-Profi (und “Matz-abber” „Master of Grätsche“) Carsten Kober, der beim 2:9 in München im Stadion war – und es überlebt hat. Wie er das geschafft hat, darüber können wir ja vielleicht mal reden . . .

18.51 Uhr

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

“Psycho-Scharner” – ein echter Typ, den man (frau) mögen muss

11. Oktober 2012

So ist das nun mal mit echten Typen. Sie werden gefeiert – oder eben nicht gemocht. Gleiches gilt für den in Österreich als Enfant terrible bekannten Paul Scharner. Der Österreicher ist ein eigenwilliger Kauz. Aber er ist eben genau der Typ, den man mögen muss. Und einer, den man mögen wird. Schon allein, weil er ein Ehrgeizling erster Güte ist, der verlieren hasst. Ein Trainingsweltmeister, der erst dann genug trainiert hat, wenn der Körper wirklich nichts mehr zulässt. Auch gegen den unterklassigen VfL 93 gab sich Scharner nicht mit dem sicheren Verteidigen der wenigen Angriffe des Bezirksligisten zufrieden. Im Gegenteil. „Das wäre nicht fordernd genug gewesen“, so Scharner, „deshalb habe ich mich mehr ins Spiel eingeschaltet, um meinem Körper so mehr abzuverlangen. Am Ende war ich gut ausgepowert.“

Gesagt, getan. Heute spürte Scharner seine Muskeln. „Ich bin natürlich noch nicht wieder auf normalem Stand“, so der Österreicher, der sich dafür noch die Länderspielpause lang Zeit geben will. „Ich bin noch nicht bei 100 Prozent – aber auch nicht mehr weit weg.“ Zumindest seinen Innenbandriss hat er auskuriert. „Hat alles gehalten“, freut sich Scharner heute, der dem Trainer schon signalisiert hatte, dass er keine normale Verletzungspause bräuchte und schneller wieder da sei. Sein Geheimnis? „Mentaltraining“, so der 32-Jährige, der seit etlichen Jahren mit Valentin Rubel, einem Mentaltrainer, zusammenarbeitet. „Valentin ist mein Karriereplaner“, so Scharner, der beim Mentaltraining durch verschiedene Übungen unter anderem seine Konzentrationsfähigkeit verbessert haben will. „In vielen Gesprächsfolgen lerne ich, mich besser zu konzentrieren. Ich entwickele meine Persönlichkeit. Auch durch Meditation und das Lernen der richtigen Atemtechnik.“

Das hilft “Psycho-Scharner” auch dabei, sich von äußeren Umständen nicht beeindrucken zu lassen. „Ein volles Stadion mit 57000 Zuschauern darf mich nicht negativ beeinflussen – nur positiv“, so Scharner, der durch das Mentaltraining sogar medizinische Vorteile hat. Das sagt er zumindest selbst. „Bei meiner letzten großen Verletzung in England habe ich so satt vier oder fünf Monate nur drei gebraucht. Das ist bewiesen“, so der Rechtsfuß, der jetzt auf seinen ersten Einsatz hofft: „Man darf ja noch utopische Träume haben.“

Zum Beispiel den von einer Startelfnominierung im nächsten Bundesligaspiel in der Imtech-Arena gegen den VfB Stuttgart. Dort sind momentan allerdings seine Konkurrenten Michael Mancienne und Heiko Westermann derzeit als Innenverteidigerduo gesetzt. Ob er sich auch auf einer anderen Position anbieten würde? „Nein“, so die klare Antwort, „ich bin mir auch sicher, dass der Trainer nichts anderes mit mir vorhat. Ich bin als Innenverteidiger geholt worden und habe jetzt 13 Jahre auf verschiedenen Positionen spielen müssen – das reicht. Zumal die Position auch für meine Entscheidung, nach Hamburg zu gehen, entscheidend war.“

Ergo: keine Kompromisse. „So bin ich immer gewesen“, sagt Scharner und erklärt, worauf sich Fans und Mannschaftskollegen bei ihm freuen dürfen: „Ich gebe immer mindestens 100 Prozent persönlichen Einsatz.“ Seine Stärken? „Kopfball, Zweikampf und Siegeswille.“ Dafür habe er sogar die den Österreichern typische Gelassenheit („Wir Österreicher sind eher gemütlich und sage: das passt schon, machen wir“) abgelegt. In seiner Zeit bei Wigan und West Bromwich in England vornehmlich. „Die erste Hälfte meiner Zeit in England war es ein Knochenjob, diese Mentalität abzulegen. Aber seitdem geht’s. Und es wird noch besser.“

Dennoch, das Thema England ist abgehakt, Scharner schaut nicht zurück. Auch nicht in Sachen Nationalelf. Angesprochen auf die Parodie im Internet muss Scharner lachen. „Die ist sensationell“, so der HSV-Profi, „ich kann mich darüber sehr gut amüsieren, weil ich ein durchaus selbstironischer Mensch bin.“ Dennoch birgt die Parodie eins der wenigen Dinge, die Scharner noch weh tun. „Natürlich ist es traurig, dass ich mir das Länderspiel der Österreicher nur im TV ansehen“, sagt Scharner, der seinerseits die Hoffnung nach dem ausgedehnten Streit mit Österreichs Bundestrainer Marcel Koller nicht aufgegeben hat: „Von meiner Seite her steht die Tür immer offen – aber vom ÖFB weiß ich eher nicht…“ Und das stimmt wohl – aus Scharners Sicht leider. Der ÖFB hat Scharner suspendiert und sich somit hinter Koller gestellt.

Bis sich auf dem Gebiet etwas tut, hat Scharner allerdings noch Großes mit dem HSV vor. „Der HSV ist der größte Klub, für den ich je gespielt habe. Wenn ich allein an die Gala denke! Das war unfassbar, das ganze Drumherum. Da ist es doch völlig normal, dass erwartet wird, dass dieser Klub international spielt.“ Zwar sei man davon momentan noch ein ganzes Stück entfernt, „aber es ist verständlich, dass es auf Sicht wieder erwartet wird.“

Erwartet wird vom 32-jährigen Scharner indes eine gewisse Führung. So sieht es der Österreicher selbst. Im Test gegen den VfL war er schon sehr lautstark unterwegs, „und das ist auch meine Art. Ich versuche, die Leute um mich herum noch stärker zu machen. Das wird auch von mir erwartet.“ Wie selbstbewusst Scharner ist, bewies er in diesem Zusammenhang mit einem Vergleich. „Von den Erfahrenen Spielern wird das erwartet – und bei Rafa haben wir gesehen, was es bewirkt. Nur so geht’s. Und das wird auch von mir erwartet.“ Ebenfalls von ihm erwartet wird eine ordentliche Einstandsfeier für die Kollegen. Zudem muss auch Scharner das obligatorische Einstandslied singen. Welches er nimmt? Dreimal dürft Ihr raten… „Ich bin Österreicher – selbstverständlich singe ich ‚Hey Baby’ von DJ Ötzi. Das hat schon meine englischen Mitspieler auf die Tische steigen lassen.“ Steigen soll die Sause nach dem Stuttgart-Spiel – sofern das gewonnen wird. Denn nach einer Niederlage mag ein Paul Scharner sicher nicht feiern…

Grund zum Feiern hatten zuletzt alle Rene-Adler-Fans. Der neue HSV-Keeper ist trotz der Van-der-Vaart-Gala-Auftritte wohl der formstärkste HSVer. Nicht umsonst hatten viele schon mit seinem Nationalelf-Comeback in diesen Tagen gerechnet. Allerdings hatten sich Jogi Löw und sein Trainerteam schon vor Wochen darauf festgelegt, an der Dreier-Kombo Neuer/Zieler/ter Stegen nichts ändern zu wollen. Dennoch darf sich Adler weiter realistische Hoffnungen auf sein DFB-Combeack machen. Zumal er heute von DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke (bekennender Adler-Fan!) selbiges in Aussicht gestellt bekam: „René ist auf einem guten Weg“, sagte Köpke und erklärte: „Er verkörpert eigentlich genau das Torwartspiel, was wir bei der Nationalmannschaft sehen wollen.“

Mehr geht kaum.

In diesem Sinne, heute war es ansonsten ruhig. Die Mannschaft war nicht auf dem Platz sondern laufen. Morgen soll es jedoch um zehn Uhr wieder auf den Platz an der Imtech-Arena gehen. Von dort wird dann wieder unser aller Dieter berichten.

Scholle

P.S.: Heute feiert der Mann seinen gerade erst 45. Geburtstag, der sich als einziger Profi-Fußballer, den ich jemals gesehen habe, die Bälle von seinem Trainer vor dem Spiel links und rechts hinrollen ließ, um diese dann zurückzugrätschen…!! 😉 Herzlichen Glückwunsch, Carsten Kober!!

HSV als Tabellenvorletzter in Frankfurt

15. September 2012

Die Szene war symptomathisch für ihn. Nach dem Trainingsende schlenderte Rafael van der Vaart vom Platz, wenige Meter neben der Tür saßen drei Personen: Teammanager Marinus Bester, Uwe Eplinius, der frühere Physiotherapeut des HSV, und dessen kleiner Sohn. Jeder Star wäre an dem Knaben vorbeigegangen und hätte „Epi“ und den „Herrn Besten“ per Hand begrüßt. Das wäre für einen Star normal gewesen, aber nicht für „Raffa“ van der Vaart. Der gab dem Jungen zuerst die Hand, dann dem Vater. Mit dem lag er sich Sekunden danach sogar gefährlich in den Armen, denn sie „knuddelten“ sich so innig, bis der Niederländer von einer Stufe abrutschte. Zum Glück knickte er nicht mit dem Fuß um, was durchaus möglich gewesen wäre, aber das wäre dann wirklich noch der Höhepunkt gewesen.

In den 82 Trainings-Minuten zuvor hatte van der Vaart seine Klasse gezeigt. Der Mann hat es einfach, kann es einfach, zeigt es, als wäre es ganz einfach wäre. Ich hatte heute das Gefühl, als wäre er nicht nur reifer, abgeklärter und besonnener geworden, sondern dass er auch fußballerisch noch zugelegt hat. Er produziert Ideen fast am laufenden Band, er hat ein Auge für Raum und Mitspieler, er macht das Spiel manchmal genial schnell, dann wieder hält er klug den Ball, um das Spiel zu ordnen. Wenn ihm das morgen von 17.30 Uhr auch in Frankfurt gelingen sollte, fast in Perfektion, dann ist mir um diesen HSV nicht bange. Dann wird im Hessischen auch was geholt. Zumal ja nicht nur van der Vaart dabei sind, sondern auch Milan Badelj und Petr Jiracek. Diese drei Spieler geben dem HSV ein total neues Gesicht. Da kommt schon so etwas wie Vorfreude auf. Auch bei Trainer Thorsten Fink, der heute nach dem Training kurz mit den Pressevertretern sprach und dabei bis über die beiden Ohren strahlte. So sieht ein absolut optimistischer Coach aus, keine Frage.

Weil der HSV drei Mittelfeldspieler nun mehr an Bord hat, blieben auch zwei „alte“ Mittelfeldspieler zu Hause: Robert Tesche und Per Ciljan Skjelbred traten den Flug nach Frankfurt nicht mit an. Obwohl sie von Thorsten Fink gelobt wurden: „Beide haben in letzter Zeit sehr gut trainiert, aber das gilt auch für alle anderen Spieler.“ Tesche und auch Skjelbred können sich dennoch nicht beschweren, dass sie daheim bleiben müssen, denn beide hatten doch immer wieder ihre Chancen bekommen – und sie nur nicht nutzen können. Jetzt sind andere Kollegen eben mal an der Reihe.

Kurz Blick von den Profis zu den Amateuren. Die Regionalliga-Mannschaft des HSV trainierte unter der Regie von Rodolfo Cardoso parallel, und dabei war auch die Nummer vier des HSV, Sven Neuhaus. Als der Keeper – gemeinsam mit „Altmeister“ Richard Golz – vom Rasen ging, strahlte er dennoch über alle (Zwei? Vier?) Backen. Kein Frust, weil er „strafversetzt“ wurde, Neuhaus nimmt die Sache ganz professionell. Toll. Sportlich fair. Vorbildlich. Neben ihm trainierte übrigens Slobodan Rajkovic. Schon ein komisches Gefühl, den verbannten Innenverteidiger so abseits zu sehen, ohne jeden Kontakt zu den früheren Mitspielern. Und so wird es ja auch jeden Fall noch bis zur Winterpause sein, keine ganz angenehme Sache, aber in den Ostblock wollte er ja auch nicht wechseln . . .

Zurück zur Profi-Abteilung. Die Stimmung ist, wie schon in der Woche von Kapitän Heiko Westermann geschildert, wirklich prächtig. Festzumachen auch an der heutigen Aufwärmphase. Da mussten die Spieler kleine Trippelschritte durch eine am Boden liegende (bewegliche) Leiter machen, um danach den Ball zu spielen. Jeffrey Bruma brachte es fertig, die Leiter mit seinen Stiefeln „einzusammeln“, was den spontanen Beifall aller Kollegen und ein wildes Indianergeheul nach sich zog. Selbst Bruma beklatschte sein „Werk“. Und als es dann zur nächsten Übung auf den Nebenplatz ging, da gingen Artjoms Rudnevs und Skjelbred Arm in Arm – wie ein Liebespaar. Das zeugt doch von einer gewissen Harmonie im Team. Und als später Michael Mancienne bei der Torschuss-Übung ein (Traum-)Tor nach dem anderen schoss, da gab es wieder Applaus von den Mitspielern und dazu lautstarke Anfeuerungsrufe. Für morgen? Vielleicht trifft der Engländer ja in Frankfurt einmal so, wie er es heute gleich mehrfach tat. Hätte schon was – mit einem HSV-Sieg im Rücken natürlich nur.

An diesem Sonnabend stand auch wieder das so beliebte „Fünf gegen zwei“-Spiel auf dem Programm. Diesmal drei Stationen mit „sechs gegen zwei“. Wer dabei den Ball gegen die „zwei“ in der Mitte „verdaddelt“, der muss dann selbst in die Mitte. Als einmal Heung Min Son den Ball etwas zu schwach zu Tolgay Arslan kickte, der Ball nach dem Verlegenheitsabspiel von Arslan dann weggeschnappt wurde, da wurde die „Strafe“ geteilt: Arslan wollte zwar, aber Son ging freiwillig und zuerst in die Mitte; und als der Ball dort „einkassiert“ wurde, ging Son nach draußen (er hätte eigentlich erst beim nächsten Mal raus dürfen) – und für ihn kam dann Arslan (auch nur für dieses eine Mal). So geht es ja auch, geteiltes Leid ist halbes Leid.

Für alle diejenigen, die die Aufstellung tippen oder erfahren wollen. Der HSV wird so spielen, wie erwartet: Adler; Bruma, Mancienne, Westermann, Lam; Badelj, Jiracek; Son, van der Vaart, Jansen; Rudnevs.

Ein kleines Wagnis ist dabei für mich ja immer noch Zhin Gin Lam hinten links, aber Thorsten Fink hat sich so entschieden. Und wenn ich ehrlich bin, so hat der frühere Mittelfeldspieler heute im kleinen Trainingsspielchen einen ganz guten Eindruck hinterlassen, er war „giftig“ und hing meistens wie eine Klette an seinem Gegenüber. Okay, den kennt er natürlich auch bestens, mit welchem Frankfurter er es morgen zu tun bekommen wird, ist wohl noch offen. Und eventuell auch ein wenig unangenehmer. Aber drücken wir mal die Daumen, das es besser klappt als vor Wochen noch im Pokal in Karlsruhe. Und wenn nicht, dass Thorsten Fink spätestens zur Pause ein Einsehen hat und wechselt (Dennis Diekmeier rein). Abwarten.

Ab und an regnete es im Volkspark, was der guten Laune aber keinen Abbruch tat. Auch die Trainingskiebitze waren bestens drauf und auch – alle – optimistisch. Wobei ein Thema aber durchaus kritisch angesehen wurde:
Kühne. Der Geldgeber, Mäzen, Sponsor, Gönner und Investor hatte ja in der „Welt“ noch einmal ordentlich gegen die Führung „abgeledert“. Und keiner wusste so recht, warum? „So kurz vorm einem so wichtigen Spiel? Was soll das? Damit tut er dem HSV doch keinen gefallen. Er sorgt doch nur für neue Unruhe.“ So hieß es am Rande des Volksparks. Was ich allerdings nicht so sehe. Den Spielern ist es doch egal, was da in der Führung läuft. Erstens lesen die meisten Profis ohnehin keine Zeitungen (weil es auch meistens gar nicht können!), zweitens geht es für sie doch, sich ins Team zu spielen – und dann auch erfolgreich zu sein. Für den HSV und für den eigenen Geldbeutel – mit der Siegprämie.

Ich glaube ja, dass es Klaus-Michael Kühne egal ist, wann und wie er etwas sagt. Er steht ganz einfach über allen Dingen, er sagt es dann, wenn es für ihn raus muss – so einfach ist das. Was hat er zu verlieren? Nichts. Er wird ja dringender denn je in Hamburg benötigt. Und in seiner Situation muss er kein Diplomat sein, er haut es raus und damit ist gut. Für ihn. Er hat sich Luft verschafft. Ob er sich damit auf Dauer einen Gefallen tut, weiß ich nicht (ihm wird es ebenso egal sein), aber er will sicher auch kein Amt beim HSV übernehmen. Wenn er für seinen Lieblingsklub Geld gibt, dann reicht ihm das – vielleicht nicht ganz. So verstehe ich jedenfalls seine Aussage, dass aus dem „ersten Mal“, als er dem HSV erstmalig finanziell unter die Arme griff, „nichts gemacht worden ist“. Damit meinte er sicher nicht, dass das Geld zum Fenster hinaus geworfen wurde, sondern die Tatsache, dass der HSV mit diesem Geld so gut wie keine Aufbauhilfe geleistet hat. Andernfalls hätte er jetzt wohl nicht erneut und schon wieder „eingreifen“ müssen. Was er ja zum Glück für den HSV noch einmal tat – ich jedenfalls bin noch immer total happy, dass es Kühne noch einmal wagte. Egal, was er danach und auch in Zukunft alles über den HSV und dessen Führung so alles „ablässt“. Wer für die Musik sorgt, der darf auch seinen Mund aufmachen – oder? So heißt es doch.

Ein Thema beim heutigen HSV-Training war auch die „Bomben-Partie“ zwischen Augsburg und Wolfsburg (0:0). Fußball zum Abgewöhnen. Haben alle unisono gesagt. Schlechter geht es offenbar nicht mehr, und so gesehen ist der HSV, egal wie es morgen läuft, schon mal aus dem Schneider, wie er den „schwarzen Peter“ schon mal los ist: Den grausamsten Fußball des Wochenende gab es diesmal bereits am Freitag zu sehen.

Allerdings: Ich bewundere die Augsburger trotz allem ein ganz klein wenig. Weil sie in ihren fußballerischen (und wohl auch finanziellen) Mitteln sehr limitiert sind, aber dennoch 90 Minuten rennen, kloppen, grätschen, fighten, laufen – alles geben. Die Einstellung dieser „No-name-Truppe“ ist vorbildlich, kämpferisch ist dem Abstiegskandidat Nummer eins nichts vorzuwerfen. Eine solche Einstellung wünschte ich mir auch gelegentlich von anderen Erstliga-Mannschaften . . .

So, wie die Partie in Frankfurt ausgeht, das wissen wir alle noch nicht, aber wir werden kurz nach dem Abpfiff auf jeden Fall wieder drüber reden. Wie immer im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), und wie immer „uns Scholle“ und ich. Dazu mit zwei Gästen aus unserem „Matz-ab“-Kreis: Unser aller „Eiche“ wird wohl dabei sein (er ist gesundheitlich noch stark angeschlagen, will sich aber durchbeißen), dazu der „Master of Grätsche“, der ehemalige HSV-Abwehrspieler Carsten Kober. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder zahlreich dabei sein würdet.

Kurz noch zum heutigen Spieltag – ein toller Spieltag! Der Mann des Tages ist für mich ja der Japaner Kiyotake, der Nürnberg zum 3:2-Sieg in Mönchengladbach schoss. Der kleine Mann gefiel mir schon beim 1:0-Sieg des Clubs gegen – ist mir entfallen. War am ersten Spieltag, zu lange her. Aber einen solchen kleinen Japaner, den könnte sich der HSV doch auch einmal einfangen . . . Oder?
Super war das Spiel Hannover – Bremen, und dann mit diesem Abschluss: Huszti mit Fallrückzieher zum 3:2-Sieg (drei Minuten waren da nachgespielt!), dann ab in die Kurve: Gelb. Dann noch Trikot ausgezogen: Gelb-Rot. Warum der ausgewechselte Schlaudraff auf den vierten Mann, Sascha Thielert von Buchholz 08, losgeht und ihn würgen will, ist mir nicht klar, aber die meisten Spieler kennen ohnehin nicht die Regel. Das war alles regelkonform. Selbst Hannovers Trainer Mirko Slomka hat „super“ in Richtung Schiedsrichter Aytekin gesagt – es wahrscheinlich (oder ganz sicher) aber anders gemeint. Nur so sind die Regeln. Die Vereine hätten alle längst mal „super“ sagen sollen – vorher.

PS: Der HSV ist jetzt die einzige Erstliga-Mannschaft Deutschlands ohne ein eigenes Tor. Und: Der HSV steht zurzeit auf dem vorletzten Tabellenplatz. Nur Hoffenheim ist schlechter. Aber das kann sich an diesem Sonntag ja noch alles ändern. Was heißt kann, es muss. Und damit meine ich nicht Hoffenheim!

Schönen Abend noch!

17.41 Uhr

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