Archiv für das Tag 'Klötzer'

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

Jakobs und die zwei Strohhalme

27. August 2012

Heute mal wieder mit einer etwas anderen Eröffnung:

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Jetzt ist Fall X eingetreten, vor dem ich mich immer gefürchtet habe: Der alte Matz sieht nun ganz, ganz alt aus. Betrifft die letzte Meldung dieses Beitrages, ich löse es auch am Ende auf. Sorry.
Ergänzt um 23.33 Uhr
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Werder Bremen setzt wohl schon im Nordderby am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) gegen den HSV auf die Torjägerqualitäten seines neuen Stürmers Joseph Akpala. „Wir müssen uns auf dem Platz noch ein wenig besser kennenlernen. Aber ich habe keine Bedenken, dass das schnell gehen wird“, sagte Trainer Thomas Schaaf bei der offiziellen Vorstellung des Nigerianers. Akpala hat die besondere Bedeutung der Partie bereits verinnerlicht. „Ich weiß um die Brisanz. Für uns und die Fans ist es das Spiel des Jahres“, sagte der 26-Jährige. Akpala war für eine Ablösesumme in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro vom belgischen Vizemeister FC Brügge nach Bremen gewechselt und hatte bei den Hanseaten einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016 unterschrieben.

Das ist eine Meldung der Agentur dapd. Von Artjoms Rudnevs würde ich so etwas auch gerne gelesen haben – oder auch gerne lesen. Aber bei dem einen Stürmer braucht es eben ein wenig Zeit, und bei dem anderen eben ein wenig weniger. Auch wenn der, bei dem weniger Zeit benötigt wird, ein wenig billiger war – runde 700 000 Euro nur, aber immerhin. Dennoch gehe ich davon aus, dass da am Sonnabend im Weserstadion auf jeder Seite ein neuer Torjäger spielen wird. Akpala bei den Grünen, Rudnevs bei den Rothosen.

Über den Letten sprach ich übrigens heute mit „Altmeister“ Ditmar Jakobs. Der ehemalige HSV-Kapitän bittet in diesem „Fall“ auch um Geduld: „Man muss jedem eine Eingewöhnungszeit einräumen. Der gibt im Moment alles. Und es ist ja auch alles für ihn neu, er muss das erst einmal alles kennenlernen.“ Aber darf man für 3,2 Millionen Euro nicht doch erwarten, dass ein Stürmer, der die Nummer eins im HSV-Angriff werden sollte (und noch immer werden soll), sich etwas, wenigstens etwas schneller entwickelt? Jakobs: „Für die 3,2 Millionen kann der Junge ja nichts. Den nun als Sündenbock abzustempeln, das ist das Blödeste was es überhaupt gibt. Er ist doch beobachtet worden von den HSV-Scouts, und die haben es für gut gehalten, ihn für diese Summe zu verpflichten. Er ist bemüht, er spielt so gut wie er kann – und wir müssen mal abwarten, wie es weitergeht mit ihm. Der Junge ist auf jeden Fall ein guter Charakter, und ich rate jedem, ihn nicht zu schnell zu verdammen. Selbst bei einem Wechsel innerhalb Deutschlands brauchen die meisten Spieler ihre Eingewöhnungszeit, also ist es für einen Mann, der aus dem Ausland kommt, wahrscheinlich noch viel schwerer, hier sofort Fuß zu fassen.“

Ditmar Jakobs hat in der vergangenen Woche vor zu hohen Erwartungen an den HSV gewarnt, sagte auch: „Die Mannschaft hat eher an Qualität verloren . . .“ Recht hat er damit, jedenfalls in meinen Augen, aber willkommen ist eine solche leichte, seichte und vorsichtige Kritik innerhalb des Vereins nicht. Obwohl ich mir wünschte, dass noch mehr „Ehemalige“ sich so bemerkbar machen würden, um so dem HSV mal die Augen zu öffnen. „Jako“ aber sagt dazu: „Wenn wir etwas zur Lage des Klubs gesagt haben, dann hieß es doch von den Verantwortlichen immer nur: ‚Was wollen die Alten? Die sollen uns in Ruhe lassen.’ Dabei sind wir doch nicht schadenfroh, wir wünschen dem HSV doch nichts Schlechtes – wir wollen doch nur, dass der HSV in der Bundesliga bleibt.“

Und? Bleibt er? Ditmar Jakobs sagt: „Das sollte geschafft werden. Ich gehe jedenfalls davon aus. Aber ich bin kein Wahrsager. Immerhin ist der HSV in der vergangenen Saison drin geblieben, was bei dieser Heimbilanz eigentlich ein Wunder war – bei nur drei Heimsiegen. Jeder, der so wenig Punkte zu Hause einfährt, der wäre mit Pauken und Trompeten abgegangen – aber wir sind drin geblieben. Aber ob das noch einmal so funktioniert? Man sollte das Glück nicht zu lange strapazieren.“

Aber wie soll das gehen? Mit dieser Mannschaft, die gegen die schwachen Nürnberger verlor, wird das garantiert nichts. Ditmar Jakobs aber klammert sich an zwei Strohhalme: „Man kann nur hoffen, dass Milan Badelj und Petr Jiracek sofort einschlagen. Das ist jedenfalls meine große Hoffnung, dass diese beiden Spieler sofort bei 100 Prozent sind. Und so vielleicht den einen oder anderen Mitspieler mitreißen. Denn wenn man die nächsten vier Spiele des HSV sieht, dann weiß man, dass das nicht leicht wird – um es mal diplomatisch zu sagen. Was nützt es aber, jetzt noch auf die Mannschaft einzuprügeln, so wie es jetzt viele machen? Wir müssen hoffen und abwarten, wie sich das entwickelt.“

Mehr bleibt uns allen nicht.

Wobei ich auch heute wieder erstaunlich viel Post zu einem bestimmten Thema bekommen habe. Den Medien wird darin vorgeworfen, den HSV nicht genügend zu unterstützen. Ein Thema, das ich gestern bereits anschnitt. Heute möchte ich einmal zwei „Fremde“ zu Wort kommen lassen. Für die „Welt“ schrieb Lars Wallrodt in seinem HSV-Bericht nach dem Nürnberg-Spiel:

Es ist unglaublich, wie sich dieser Traditionsverein in den vergangenen Jahren selbst zugrunde gerichtet hat. Unter Vorstandschef Bernd Hoffmann, der im März 2011 vom Hof gejagt wurde, war zumindest noch der Hauch von sportlichen Ambitionen zu spüren, auch wenn er dem Klub mit gewagten Finanzkonstrukten letztlich einen Bärendienst erwiesen hat und auch mit Dietmar Beiersdorfer einen fähigen Sportdirektor vergraulte. Doch seit Hoffmanns Weggang ist der Klub im freien Fall.

Vor kurzem sprach ich mit einem Bundesliga-Klubchef, dessen Name hier nichts zur Sache tut. Irgendwann kam die Sprache auch auf den HSV, was umgehend Kopfschütteln auslöste. „Was dort für ein Potenzial verschenkt wird, ist unglaublich”, sagte er, „in einer der reichsten Städte mit einem riesigen Einzugsgebiet. Und dann so ein Trauerspiel.“

Ja, es ist ein Trauerspiel. Sportchef Frank Arnesen, der 2011 mit reichlich Vorschusslorbeeren ins Amt gelobt wurde, sollte angeblich das dickste Adressbuch des europäischen Fußballs haben. Nur die Spieler, die er daraus hervorzaubert, taugen leider nichts. Mit Akteuren wie Michael Mancienne, Per Skjelbred, Jeffrey Bruma, Artjoms Rudnevs und Ivo Ilicev spielt man nun mal fast automatisch gegen den Abstieg.

Der zweite Kollege ist Jörg Marwedel, der für die „Süddeutsche“ schreibt und schon seit vielen Jahrzehnten (länger als ich!) HSV-Reporter ist (auch einst für das Hamburger Abendblatt), und der von mir sehr geschätzt ist. Er schrieb nun nach dem 0:1 gegen Nürnberg:

„ . . . ich werde nicht müde, an meine Mannschaft zu glauben, sagt der HSV-Trainer. Man könnte nun sagen, Thorsten Fink tritt offen für seine Vorsätze ein. Man könnte aber auch sagen, hier leidet ein Trainer – zusammen mit dem Sportchef Frank Arnesen – an sportivem Realitätsverlust. Ein Klub, der erfahrene Profis wie Paolo Guerrero, Mladen Petric und David Jarolim verliert, ohne adäquat Ersatz zu besorgen, kann nur schwer davon ausgehen, dass es besser wird. Da nützen weder Überlebenscamps in Schweden noch die von beiden stets wiederholte Erklärung, „der Kader sei gut, und: Wir können es viel besser“. So hat sich Arnesen am Samstag wieder vernehmen lassen.

Vielleicht deshalb vernehmen lassen, weil er schon mehr wusste. Bezüglich Badelj und bezüglich Jiracek. Letzterer hat heute für vier Jahre beim HSV unterschrieben, und alle sind hellauf begeistert von diesem Zugang. Auch in Wolfsburg erfährt der Tscheche nur Lob, sowohl von Felix Magath als auch von Co-Trainer Bernd Hollerbach. Dieser Einkauf verspricht also viel. Und da Badelj ebenfalls ein „Guter“ sein soll, verstärkt sich das HSV-Korsett so allmählich wohl doch noch. Rene Adler, Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen, Milan Badelj und Petr Jiracek – das sind sechs Männer, die es nicht nur können, sondern auch wollen. Und wenn es ihnen gelingen sollte, die Teamkollegen mitzureißen, dann stünde der HSV doch gar nicht so schlecht da. Aber mal abwarten, wie sich das alles entwickelt. Wobei ich heute das Gerücht vernahm, dass sich Thorsten Fink eventuell dazu entschließt, Kapitän Westermann doch wieder nur als Innenverteidiger aufzustellen. Das hätte doch auch etwas – wenn dem so wäre.

Und wenn ich dazu noch einen Wunsch äußern dürfte – ich würde mich sehr freuen, wenn in den nächsten Spielen auch auf das Talent von Maximilian Beister gesetzt werden würde. Wenn ich mich recht erinnere, dann hat der HSV lange um den an Fortuna Düsseldorf ausgeliehenen Offensivspieler gekämpft. Natürlich hat Beister – wie Rudnevs – noch gewisse Eingewöhnungsprobleme, weil Liga eins etwas anderes als Liga zwei ist, aber er ist ein Talent, er will beißen, er ist manchmal (wie ein Fohlen) zu ungestüm, will zuviel auf einmal, aber er geht ab und er geht auch dorthin, wo es weh tut, er ist unberechenbar für Abwehrspieler. Und deswegen würde ich mich freuen, wenn Beister (trotz aller Defensivprobleme) mal in den nächsten das Vertrauen des Trainers erhielte. Ich glaube nämlich, dass es so gehen könnte.
Und noch eines: Wenn Marcus Berg gegen Nürnberg aufgestellt wurde, weil er zuvor ein Tor gegen den KSC erzielt hatte (so hat es der Trainer gesagt), dann hätte Beister doch eigentlich auch spielen müssen . . .

So, dann habe ich heute noch zwei Beiträge von „Matz-abbern“, die mir die Moderatoren ans Herz gelegt haben.

Von „HSVHamburg“ kam zum Thema Trainer:

Viele HSV-Trainerentlassungen kommen nicht überraschend:
Der HSV hat früher Trainer wie Klötzer, Zebec und vor allem Happel gehabt und spielte damals finanziell und sportlich auf einer Höhe mit Bayern. Ende der 70er bis zur Mitte der 80er sogar klarer u. langfristiger auf einer Höhe als der BVB bis dato.
+
Ein Erfolgsmerkmal waren die Trainer!
+
1987 trennten sich dann die Wege vom HSV und FC Bayern! Der HSV holte damals NOCH-Lehrling Magath, die „UNBEKANNTE” Skoblar, Willi Reimann, Schock, ewig-Verlie Toppmöller, Pagelsdorf, Cordes, Jara, Doll und wie sie alle hießen. Viele von denen trainieren gar nicht mehr oder eben Oberliga bis Verbandsliga-Teams!
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Bayern hollte ab dieser Zeit bis heute Leute wie Lattek, Heynckes, Trappatoni, einen gereiften Magath, van Gaal, Hitzfeld und jetzt neuerlich Heynckes usw. Mit König Otto kamen sie immerhin bis ins Uefa-Cup Endspiel (gewannen diesen mit Beckenbauer als Trainer auch) und standen auf Platz 2!!!
+
Mit Klinsmann u. Lerby holten sie ähnliche Kandidaten, wie der HSV sie ab 1987 mehrheitlich holte und hatten keinen Erfolg bzw. blamierten sich sogar zeitweise!
+
Ich bin mir sicher, hätte der HSV nach 1987 Leute wie Lattek, Heynckes etc. geholt, hätten wir auch weiterhin den einen oder anderen Titel geholt und zumindest auf Augenhöhe mit Bayern, Dortmund und Brämen gespielt.
+
Die Frage ist eigentlich, warum holte der HSV nach 1987 bis auf Stevens eigentlich keine international anerkannten Trainer mehr?

Und von „Ainu” kam diese Kritik:

Ein großes Dankeschön an die Gremien und sog. Fans des HSV!

Ihr seid die besten Gastgeber in der Bundesliga! Jeder Bundesligaklub kommt gerne nach Hamburg, denn es spielt sich einfach viel schöner gegen eine Mannschaft, die eigentlich keine Fans hat, sondern nur zufällige Besucher, die die Mannschaft des HSV auspfeifen – und das mit sehr viel Enthusiasmus und Engagement.

Es ist für jede Gastmannschaft einfach toll, miterleben zu dürfen, wie der Kapitän Westermann bereits nach nur einem Fehlpass oder ein Spieler, der eingewechselt wird, wie z.B. Robert Tesche, gnadenlos ausgepfiffen werden. Das nenne ich wirkliche Gastfreundschaft! Bitte liebe Pseudo-Fans, macht weiter so! Das demotiviert
die Mannschaft des HSV kolossal und ist das schönste Gastgeschenk für die Gäste.

Zum Schluss noch eine ganz erfreuliche Nachricht – für David Jarolim und seine vielen Fans. Der Tscheche hat einen neuen Arbeitgeber gefunden. Der Dauerläufer, auf den der HSV (leider, leider) nicht mehr setzte, spielt künftig in Frankreich erstklassig – und zwar beim FC Evian Thonon Gaillard (am Wochenende 1:1 gegen Olympique Lyon). Gratulation, „Jaro“, auch im Namen vieler „Matz-abber“, wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg in der neuen Heimat, bleib schön gesund und fit – und wenn Du nach Deiner aktiven Karriere dann wieder nach Hamburg kommen würdest, dann würden sich viele, viele HSV-Fans sehr freuen. Hau rein!

18.03 Uhr
PS: Am Dienstag wird im Volkspark um 10 und um 16 Uhr trainiert.

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So, nun zur Ergänzung. Ich war bei David Jarolim offenbar ein wenig zu optimistisch. Der Wechsel zum FC Evian ist noch nicht perfekt. Eigentlich sollte heute alles klar gehen, medizinische Untersuchung, Unterschrift – fertig. Als ich um 18 Uhr noch nichts von “Jaro” gehört habe, ihn auch mehrfach nicht erreichen konnte, ich aber zur Gala des Hamburger Amateurfußballs ins Hotel Grand Elysee musste (weil ich in der Jury für den Ian-Karan-Integrations-Preis sitze), bin ich davon ausgegangen: alles klar. Weil auch “uns Jaro” ganz optimistisch war. Aber denkste. Um 22.33 Uhr kam die sms: Es ist noch nichts perfekt.
Ja, so kann es gehen. Warten wir also auf den Dienstag, “Scholle” wird dann berichten. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es zu einer Einigung zwischen David Jarolim, der in Frankreich weilt, und dem Klub kommen wird. Aber was soll ich jetzt auch schon anderes sagen . . ? Sorry, sorry, sorry.
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Trauer um Kuno Klötzer

6. August 2011

Der HSV trauert um Kuno Klötzer. Der frühere HSV-Trainer, einer der beliebtesten Sympathieträger aller Zeiten, starb am Sonnabend im Alter von 89 Jahren. In den letzten Monaten hatte der “Ritter” immer wieder mit schweren Herzproblemen zu kämpfen, er lag oft im Krankenhaus von Bad Segeberg. Von dort war er zuletzt in ein Eohnheim nach Norderstedt gekommen, doch in der vergangenen Woche lag Klötzer bereits wieder im Krankenhaus. Jetzt war sein großes Herz zu schwach – der HSV verliert einen großartigen Menschen.

Auch ich bin sehr, sehr traurig, denn Kuno, wie ich ihn nennen durfte, war quasi ein Nachbar von mir. Vorzugsweise trafen wir uns sonnabends beim Einkaufen im Supermarkt – oder beim HSV. Er ließ, wenn er gesund war, kein Heimspiel aus. Und Klötzer war bis zuletzt hellwach, ihm entgimg nichts. Weder von dem, was sich auf dem Spielfeld tat, noch von dem, was hinter den Kulissen passierte.

Kuno Klötzer war ein wirklich hervorragender Mensch, einer, der stets Volksnähe verkörperte. Ich habe ihn nie schlecht gelaunt angetroffen, er war stets herzlich, offen und freundschaftlich.

Alles Gute, lieber Kuno, Du warst ein großartiger Fußball-Fachmann, Du warst ein echter Freund, Du warst ein ganz, ganz feiner Mensch – mach es gut dort oben.

Wir werden stets ehrenvoll an Dich denken, ich werde Dich nie vergessen – ich bin tief traurig.

19.36 Uhr

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