Archiv für das Tag 'Klose'

Arslan und Jansen bleiben die Hoffnungsträger

2. Januar 2015

Am Montag geht es los. Mit dem Fitness-Check in der Alsterdorfer Sporthalle eröffnet HSV-Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer die Phase, an der ihn alle messen werden. Bislang habe er nicht die Zeit gehabt, viel mit der Mannschaft zu machen – aber das sei jetzt anders. „Wir können mit dem kompletten Team von null anfangen und eine vernünftige Struktur reinbringen“, sagt Zinnbauer heute meinem Kollegen Kai Uwe Hesse von der „Bild“. Jetzt sei er darauf aus, das Offensivspiel und die Arbeit bei Standards gegen sich zu verbessern. Was gut ist. Ebenso gut ist, dass Zinnbauer es weiterhin auslässt, über neue Spieler als Heilsbringer zu philosophieren. Er bleibt dabei, zu seinen Spielern zu stehen.

Obgleich die sportliche Leitung weiterhin unbedingt Neue holen will und wohl auch wird. Das weiß und will auch Zinnbauer. Mindestens einen für die Offensive, selbst Innenverteidiger wurden zuletzt gehandelt – blieben aber bislang unbestätigt. Ein immer wiederkehrender Name ist der von Timm Klose. Der ist beim VfL Wolfsburg nur noch Ersatz und soll inzwischen ungeduldig auf seinen Wechsel drängen. Angesichts des vorhandenen HSV-Personals und der Aussicht, vielleicht keinen der fünf (Cléber, Djourou, Westermann, Rajkovic, Kacar) Innenverteidiger davon im Winter abgeben zu können, mag dieser Gedanke der HSV-Führung überraschen. Und ich bin sicher, dass Klose trotz seiner zweifellos hohen Qualität in der Prio-Liste nicht vorn steht.

So schlau ist man beim HSV inzwischen allemal. Die Finanzen lassen keine großen Sprünge zu. Einen Spieler zu holen, den man im Moment nicht zwingend braucht, der aber gerade gut zu bekommen wäre – das gibt es nicht mehr. Der HSV muss sparsam agieren, um nicht erneut die Lizenz zu gefährden. Nur das Wichtigste kommt in den Einkaufswagen – und das muss ein Offensivspieler sein. Wir hatten hier zuletzt exklusiv über das HSV-Interesse an Paul-José Mpoku geschrieben. Und der Außenstürmer von Standard Lüttich wird inzwischen von allen Kollegen gespielt – was mich wundert, da ich gerade erst gehört habe, er sei kein Thema mehr. Dafür soll der HSV inzwischen bei Bursaspor ein erstes unverbindliches Angebot für den jungen, dort aussortierten 18 Jahre jungen Angreifer Batuhan Altintas hinterlegt haben.

Im Gespräch ist eine Ablösesumme von rund 400000 Euro. Eine Summe, die der HSV immer in der Lage sein sollte, zu bezahlen. Allerdings wären es mal wieder 400000 Euro mehr Ausgabe ohne einen entsprechenden Betrag auf der Einnahme-Seite, geschweige denn Ablösesummen für die Frankfurter Jan Rosenthal und/oder Vaclav Kadlec, die dem HSV angeboten worden sein sollen. Dort warten die Verantwortlichen weiterhin auf Angebote für Tolgay Arslan, der laut italienischen Medien sogar beim italienischen Traditionsklub Inter Mailand auf dem Zettel stehen soll. Ein Gerücht, dass Arslan selbst dementiert. Meinem Kollegen Florian Heil (leider geht Arslan bei mir nicht mehr ans Telefon) sagte der Mittelfeldspieler heute für die Sonnabendausgabe, dass es einige Anfragen geben würde und aktuell die drei türkischen Istanbul-Klubs interessant für ihn seien. Nicht, weil er den HSV unbedingt verlassen wolle – dafür aber, weil der Verein ihn im Gegenzug nicht unbedingt halten will. Und da sich Arslan im Gegensatz zu Kacar, Rajkovic, Ilicevic (der FCK ist laut Sportchef Markus Schupp nicht mehr interessiert) und Jansen finanziell mit einem Wechsel verbessern sollte, drängt er aktuell auf seinen Wechsel: „Ich hatte einige Gespräche mit Peter Knäbel. Er hat mir nicht erzählt, dass mich der Verein unbedingt halten möchte – und das sagt ja schon einiges aus.“ Stimmt. Zumal Arslans Rolle momentan nicht mehr als die des Backups für van der Vaart und/oder Behrami ist. Er ist vergleichsweise verzichtbar und wurde von Trainer Zinnbauer zuletzt nicht einmal mehr in den Kader berufen, als es in Gelsenkirchen um Punkte ging.

Es bleibt also dabei: Arslan und Jansen sind die zwei, die das Geld für Neue im Winter einbringen sollen. Investoren und Strategische Partner sind weiterhin außer Reich- und Sichtweite. Die Gespräche mit dem Hamburger Unternehmer und Milliardär Alexander Otto sind noch nicht über das Anfangsstadium hinausgekommen, während man beim HSV zwar vom Interesse des Hotel- und Steakhaus-Unternehmers Eugen Block gehört hat, sich der renommierte HSV-Fan aber noch nicht gemeldet hat. Der 74-Jährige soll dem Vernehmen nach abwarten wollen, inwieweit der HSV und Klaus-Michael Kühne verbunden bleiben. Jener Wahlschweizer, der Block im Vorfeld der Ausgliederungsdebatte davon abhielt, sich ebenfalls der HSV-Plus-Initiative anzuschließen. Wie ich gehört habe führte es sogar so weit, dass Block sich aus Protest der Gegen-Initiative „Rautenherz“ anschloss. Ergo: Kühnes Verzicht auf Anteilserwerb scheint das Vertrauen der Geschäftsleute in den HSV wieder zu stärken. Der Mann, dessen Geld den HSV zweifelsfrei mindestens einmal schon gerettet hat, avanciert so auf unfreiwillige Art erneut zum großen Helfer.

So, einer der letzten ruhigeren Tage dieser Winterpause neigt sich dem Ende entgegen und ich habe heute Abend das Vergnügen, mich theatralisch auf Fußball vorbereiten zu können – „Das Wunder von Bern“ steht ab 20 Uhr auf dem Programm. Ich nehme es einfach mal als Vorbereitung auf das, was hoffentlich beim HSV passiert: Nämlich aus einer Außenseiterrolle das Maximum zu machen. Für den Winter könnte das bedeuten, dass Knäbel, Beiersdorfer und Co. trotz der Finanzlage einen (oder gar mehrere) Top-Verpflichtungen an Land ziehen. Mir würd’s reichen… Und für den Rest zeichnet Zinnbauer verantwortlich, der nach der gefundenen Stabilität im Defensivbereich das Offensivspiel als Kernthema seiner 26 Tage andauernden Vorbereitung festgelegt hat.

Es geht langsam wieder los. Noch ganz langsam. Aber spätestens ab Montag, wenn die Vorbereitung beginnt, wird es heißer. Zumal der HSV noch immer den festen Plan hat, seine(n) Neuen mit in das am 11. Januar beginnende Trainingslager zu nehmen. Dieter, Lars (begleitet den HSV ins Trainingslager) und ich werden Euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Ich möchte den Blog allerdings nicht beschließen, ohne mich noch mal für Eure Reaktionen auf den Blog vom 31. Dezember zu bedanken. Das war mehr und deutlicher als ich mir erhofft hatte. Danke dafür!!

Neujahr 2015 – der HSV steckt noch immer im Wendemanöver

1. Januar 2015

Ich wünsche Euch allen zunächst ein frohes neues Jahr 2015! Viel Gesundheit und Glück – und dass wir alle mal ganz zufrieden sein können mit unserem HSV.

Aber die Sache mit der Zufriedenheit ist nicht so ganz leicht herzustellen. Der HSV beginnt das Jahr 2015 im Vergleich zum Jahresbeginn 2014 mit einem komplett anderen Gesicht. Statt e.V. ist der Profi-Fußball-Bereich eine AG geworden. Statt Carl Jarchow sitzt nun Dietmar Beiersdorfer dem HSV als Vorstands-Chef vor. Es gibt den alten Aufsichtsrat nicht mehr, um den herum sich so viel Unruhe entwickelt hatte. Manfred Ertel war vor zwölf Monaten dessen Vorsitzender. Nun ist es Karl Gernandt im AG-Aufsichtsrat. Im sportlichen Bereich sind komplett neue Leute an der Führung. Statt Kreuzer/van Marwijk haben wir dort nun Peters/Knäbel/Zinnbauer.

Vom Campus liegt immer noch kein einziges Steinchen, der HSV ist finanziell nackt bis auf die Knochen. Klaus-Michael Kühne fungiert nach wie vor als Kreditgeber – er hat im Laufe des Jahres sein Darlehen von 8 auf 25 Millionen Euro erhöht. Im Sommer ist der HSV recht knapp am Lizenz-Entzug vorbeigeschrammt, und schon jetzt gelten alle wirtschaftlichen Planungen dem Ziel, ein enges Rennen wie zuletzt zu vermeiden. Mit dem Bitburger-Bier-Deal wurde vorab geleistet, was im Vorjahr mit adidas der Rettungsanker war.

Gaaanz langsam angekommen ist der Prozess beim HSV in der Bundesliga-Mannschaft. Das Fußballjahr 2013 beendete der HSV mit einer 2:3-Heimniederlage gegen Mainz (Tore: Calhanoglu, van der Vaart) mit 16 Punkten auf Rang 14. Nun gab es ein 0:0 auf Schalke, was bedeutet: Ebenfalls Platz 14, diesmal mit 17 Punkten. Von den elf Spielern in der Startaufstellung Ende 2013 sind Ende 2014 nur zwei übrig geblieben – Torwart Jaroslav Drobny und Innenverteidiger Johan Djourou.

Viele, viele Veränderungen also – aber der Tanker HSV steckt noch mitten im Wendemanöver und hat noch längst nicht Tempo aufgenommen für eine zügige Weiterfahrt in die richtige Richtung.

Noch immer sind die Verantwortlichen dabei, auf allen möglichen Ebenen Fehler der Vergangenheit zu begradigen, um nicht unnötigen Ballast mitzuschleppen. Dazu gehört der offene Arbeitsgerichts-Prozess mit Ex-Sportchef Oliver Kreuzer, aber dazu gehört in erster Linie die Anpassung des Profi-Kaders an die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dies hinzubekommen ist die Kernaufgabe des Jahres 2015. Kühne-Kredit, Bier-Vertrag – all das ist für die Katz, wenn der HSV Jahr um Jahr Gehälter bezahlt in der Größenordnung von Champions-League-Vereinen. Schon das Winter-Transferfenster, das sich diesmal bis zum 2. Februar erstreckt, soll hier Erfolge bringen. Dummerweise weiß ganz Fußball-Europa um die wirtschaftlichen Zwänge des HSV, was die Preise nachhaltig beeinflusst. Jüngstes Gerücht: Tolgay Arslan soll bei Inter Mailand auf der Beobachtungsliste stehen. Das berichtet der Internet-Dienst calciomercato in einer Silvester-Meldung. Arslan ist demnach eine Option für Trainer Roberto Mancini, wenn die Italiener den gewünschten Transfer von Lassana Diarra (zuletzt Lokomotive Moskau) nicht unter Dach und Fach bekommen.

Ebenfalls aus Italien kam in diesen Tagen die Meldung, der HSV sei am Schweizer Innenverteidiger Timm Klose vom VfL Wolfsburg dran. Wie ich gehört habe, kann diese Meldung allerdings vernachlässigt werden.

Wie auch immer: Arslan, Jansen, Adler, Ilicevic, Rajkovic und ein paar andere – die Liste der HSV-Profis, auf die der Verein bei entsprechendem Angebot reagieren würde, ist nicht ganz kurz. Ähnlich sieht es übrigens beim VfB Stuttgart aus. Auch die Schwaben haben ein halbes Dutzend Profis auf ihrer Liste, die sie gern veräußern würden.

Dass sich die Lage zu Jahresbeginn 2015 noch immer so kritisch darstellen würde, hätten viele HSV-Freunde am 25. Mai, dem Tag der beschlossenen Ausgliederung, nicht für möglich gehalten. Die Gleichung, die aufgemacht wurde, lautete damals: HSVPlus + Kühne + Beiersdorfer = Entschuldung + weitere Investoren.

So ist es nicht gekommen, und bis auf einen Punkt ist das wohl auch nicht überraschend. Die Überraschung im negativen Sinne ist, dass Klaus-Michael Kühne beim HSV nicht als Anteilseigner eingestiegen ist. Hieran bestand eigentlich kein Zweifel, bzw. es wurde insbesondere von Karl Gernandt der Eindruck erweckt, dass kein Zweifel an einem entsprechenden Engagement seines Geldgebers Kühne berechtigt sei. Gernandt hat sich jedoch vertan, und diese Fehleinschätzung schmerzt den HSV. Einerseits.

Andererseits beweist Klaus-Michael Kühne mit seinen Interviews, in diesem Halbjahr erschienen in Abendblatt, Stern und Zeit, dass der HSV froh sein muss, ihn nicht als Anteilseigner zu haben. Was Dietmar Beiersdorfer versucht auszustrahlen – Verlässlichkeit, Geradlinigkeit, Konzepttreue, ruhige Hand, Vertrauen – das konterkariert Kühne immer wieder, auch wenn – und das habe ich hier in verschiedenen Blogs immer wieder betont – Kühne sich als Helfer in der Not (angebotene Bürgschaft in der Lizenzfrage im Mai) auch um den HSV verdient gemacht hat. Umso unverständlicher erscheint immer wieder sein Wankelmut, der offenbar keiner geraden Linie folgen mag. Und darunter leidet natürlich auch die Position von Karl Gernandt, der es „nicht mal“ fertig gebracht hat, „seinen“ Kühne an den HSV zu binden.

Weniger überraschend ist dagegen, dass bislang kein anderer HSV-Anteilseigner gefunden wurde. Die Unternehmensbewertung in Höhe von 330 Millionen Euro wird in der Wirtschaft mit Zweifeln betrachtet – nicht nur bei Klaus-Michael Kühne. Und vor allem: die Unsicherheit in der sportlichen Entwicklung, vielleicht sogar in der Liga-Zugehörigkeit, hält Firmen im Moment von zahlungskräftigem Investment ab. Es bleibt dabei: sportliche Entwicklung ist der Motor für den HSV. Stabilisiert sich die Mannschaft, wird der Club auch wieder attraktiver und der Markenwert wird sichtbar. Die Metropole Hamburg, der Status als letzter Dino, die Größe des Vereins – all das ist eine schlummernde Kraft des HSV, die geweckt werden will.

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang gar nicht schlecht, wenn die stets aus der Not geborene Zusammenarbeit zwischen dem HSV auf der einen und Kühne auf der anderen Seite nun eine klarere Basis hat. Kein „vielleicht Investor“ mehr. Kein „will einsteigen“ mehr. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Am 25. Januar wird Jens Meier mutmaßlich neuer Präsident des HSV e.V. Sollte zugleich der Antrag von Manfred Ertel angenommen werden, wonach der e.V.-Präsident automatisch Aufsichtsrats-Vorsitzender der HSV-AG werden soll (ein verständliches Bestreben, schließlich ist und bleibt der e.V. Mehrheitseigner der AG), dann steht – wie ich finde – auch die Position von Karl Gernandt auf gesünderen Füßen. Allein schon die theoretische Möglichkeit eines Interessenkonflikts birgt Unruhe-Potenzial. Beim FC Bayern beispielsweise, die einige Verwaltungsrats-Posten mit Vertretern ihrer Investoren besetzt haben, ist der Vorstands-Posten „in den Händen“ des FC Bayern geblieben – durch Karl Hopfner.

Besteht nun beim HSV weitgehende Einigkeit in allen HSV-Gremien, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, dann muss damit auch kein Gesichtsverlust einher gehen für Karl Gernandt. Selbst wenn Gernandt, der rhetorisch stark und mit einer breiten Mehrheit ausgestattet starten konnte, an Strahlkraft verloren zu haben scheint. Man könnte eine veränderte Konstruktion jedenfalls als die Linderung einer Kinderkrankheit betrachten.

Ob damit dann am 31. Januar mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln eine erfolgreiche Rückrunde eingeläutet werden kann, ist offen. Trainer Joe Zinnbauer muss in den vier Trainingswochen bis dahin insbesondere an den Offensiv-Problemen des HSV arbeiten. Er wird dies bis zum Erbrechen tun, ganz sicher. Ein neuer Stürmer könnte dabei helfen, ganz klar, aber ein Allheilmittel ist auf dem Transfermarkt ganz sicher nicht zu bekommen. Ganz sicher nicht! Immerhin: aus den eigenen Reihen drängt der lange verletzte Maximilian Biester nach. Doch bei ihm sind nach dem Kreuzbandriss und den darauf folgenden Problemen in der Reha sowie insgesamt einem Jahr Fußball-Pause keine Wunder erwartet werden.

Wichtig wäre, wenn die Vorbereitungsarbeit schnell von Erfolgserlebnissen untermauert wird. Wird die Bundesliga-Rückrunde angepfiffen, und die Mannschaft fällt automatisch wieder in alte Verhaltensmuster und alte Ängste zurück, dann wird auch diese Rückrunde eine zähe Angelegenheit. 27, 31, 31, 36, 31, 30, 31, 34, 33, 35 – das sind die Punktezahlen des jeweiligen Tabellen-Sechzehnten der vergangenen Dekade. Das muss der HSV übertreffen, damit es nicht erneut zum Herzkasper-Showdown kommt. Ich traue Joe Zinnbauer und dem HSV zu, sich Abstand von den Abstiegsrängen zu erkämpfen, um in diesem Jahr im sicheren hinteren Mittelfeld einzulaufen.

Zinnbauer wird verstärkt darauf achten, welche Spieler er auf seinem Weg mitnehmen kann. Dass nun schon ein Sextett von U-23-Spielern mit ins Trainingslager fährt (Götz, Gouaida, Marcos, Brunst, Mende, A. Arslan), ist auch ein Beleg für seine Unzufriedenheit mit einigen Etablierten. Die Hierarchie wird umgebaut – mannschaftsintern ein komplizierter Prozess. Wie präsentiert sich Königstransfer Lasogga, eine der größten Enttäuschungen der Hinrunde? Gibt es ein Überraschungs-Comeback eines möglicherweise „Aussortierten“? Und dann auch hier: wird Zinnbauers Linie von einem Erfolgserlebnis, etwa schon gegen Köln, getragen?

Der HSV steht vor einem Jahr voller Fragezeichen. Aber er genießt auch Kredit. Nach wie vor schöpft der HSV Kraft aus der Führungsperson Dietmar Beiersdorfer, dessen Maßnahmen überwiegend auf große Akzeptanz stoßen. Dass nichts alle Transfers sitzen konnten, war doch klar. Dass nicht alle HSV-Plus-Hoffnungen sofort wahr werden würden, ist logisch gewesen. Nach einem halben Jahr HSV-AG ist der Verein weiter gekommen. Viel mehr, denke ich, war im Gesamtpaket kaum drin. Und auch heute in einem Jahr kann es sein, dass der HSV noch nicht dort angekommen ist, wo er gerne hin möchte.

Mir haben viele Heimspiele des HSV in der Hinrunde sogar ansatzweise Spaß gemacht. Da war Leben in der Bude. Mal abgesehen vom Stuttgart-Spiel kann ich mich auch an keinen Auftritt unter Joe Zinnbauer erinnern, an dessen Ende die Mannschaft mit Pfiffen verabschiedet wurde. Es werden junge Spieler eingebaut. Der gesamte Trainerstab, auch inklusive Zinnbauer-Vorgänger Mirko Slomka, hat an der katastrophalen Defensiv-Darbietung der Vorsaison gearbeitet. Auch am desolaten körperlichen Zustand vieler Profis. Es sind Veränderungen sichtbar, wenn auch noch längst nicht genügend.

Vielleicht müssen alle HSVer zu Beginn des neuen Jahres auch ein wenig froh sein, dass ihr Verein nicht mehr hinten dran hängt. Er hat den Anschluss an die hinteren Mannschaften hergestellt. Das war im Frühjahr 2014 wahrlich nicht selbstverständlich, als der HSV in allen Bereichen komplett am Boden lag und den unverdientesten Nichtabstieg der Bundesliga-Geschichte perfekt gemacht hat.

Dietmar Beiersdorfer hat vor zwei Wochen von einem „Pioniergeist“ gesprochen, den er im Verein spüre. Diesen Geist gilt es zu bewahren und auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen. Es bleibt dabei: einen anderen Weg gibt es nicht, ist er auch noch so steinig und langsam. Es bleibt aber auch dabei: keinesfalls ist es ein Automatismus, dass der Weg am Ende ins Licht führt. Die handelnden Personen dürfen nicht erlahmen, müssen weiter durchgreifen und das Sanieren nicht vernachlässigen.

Lars
18.05 Uhr

Es geht wieder los – Slomka bittet zum Training

18. Juli 2014

Morgen, genau an diesem Sonnabend, 19. Juli, beginnt die zweite Trainings-Dekade des HSV. Um 15 Uhr bittet Trainer Mirko Slomka seine Mannen im Volkspark zum zweiten Aufgalopp, und wenn ich mich nicht verhört habe, dann spricht der Coach davon, dass es noch härter wird als zum Auftakt. Und was habe ich gemacht, als ich das hörte? Einen Luftsprung! Einen? Drei, vier! Eigentlich springe ich immer noch. Endlich spricht ein Trainer von „Härte“ im Training und in der Vorbereitung. Schluss mit dem Pille-Palle-Training. Mirko Slomka, der von Beginn an die gravierenden Defizite in Sachen körperlicher Fitness seines Teams erkannt und auch sofort reagiert hatte, gibt weiter Gas. Und das ist auch gut so. Der HSV hat doch namentlich eine gute Truppe beisammen, das kann doch keiner bestreiten, diese Truppe muss nur gut oder bestens trainiert werden, um Leistungen zu bringen – und nun ist offenbar ein Trainer am Ruder, der das auch in die Tat umsetzen wird. An diesem Sonnabend werden dann auch die WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj wieder ins Training einsteigen. Fehlen eigentlich nur noch zwei, drei, vier neue Spieler, die der HSV noch dringend benötigt. Um in Richtung Mittelfeld durchstarten zu können.

Durchstarten ist das Stichwort. Das gilt ja nicht nur für die HSV-Profis, das gilt im Grunde genommen für den gesamten Verein. Es gibt viel zu tun, sehr viel aufzuholen, und es ist nun endlich mal an der Zeit, dass da vernünftig und mit Plan angepackt wird. Und da habe ich, das schrieb ich gestern bereits, ein wirklich gutes Gefühl. Deswegen werte ich es auch als sehr gutes Zeichen, dass Bernhard Peters, der beim HSV vom 1. August an als Direktor den Nachwuchsbereich unter Kontrolle bekommen soll, heute bereits einmal sein neues Umfeld inspiziert hat. Der Noch-Hoffenheimer sah sich auch die „Talentschmiede“ Ochsenzoll an. Die Meldung (der Bild), dass Peters bis Ende des Jahres noch in beratender Funktion für die TSG 1899 tätig sein wird, schockt übrigens niemand im HSV. Darunter, so die einhellige Meinung im Volkspark, wird die Arbeit von Bernhard Peters für den HSV nicht leiden. Und auch ich gehe davon aus, denn der ehemalige Hockey-Nationaltrainer ist ein Mann, der anpackt und der etwas erreichen will. Halbe Sachen sind seine Sache nicht. Geht davon aus.

Ansonsten hat sich auch heute wieder nicht so wirklich etwas im HSV getan. Die Sache mit den Neuverpflichtungen dauert noch, da müssen wir alle noch ein wenig Geduld aufbringen. Aber sind wir das nicht schon aus den letzten Jahren gewöhnt? Ich meine ja. Laut Mopo soll ja ein „alt-bekannter“ HSVer im Anmarsch sein: David Jarolim. Der Tscheche hat es in seinem Vertrag stehen, dass er irgendwann einmal als Jugendtrainer (oder in ähnlicher Funktion) beim HSV einsteigen kann. Und wird. Wann das so ist, ist allerdings noch offen. Dietmar Beiersdorfer hatte bis vor wenigen Tagen noch nicht mit „Jaro“ gesprochen, ich denke ja auch, dass das dann eher auch in den „Beritt“ von Bernhard Peters fallen dürfte. Gut finden würde ich es natürlich, wenn ein alter Fahrensmann für David Jarolim, der die Raute stets in seinem Herzen trug, wieder nach Hamburg zurückkehren würde.

Dann gab es ja noch das Gerücht, dass Slobodan Rajkovic in ein Tauschgeschäft verwickelt sein soll. Damit habe ich beim HSV nachgefragt – es ist nichts dran. Die Antwort, die ich erhielt, war eher ein wenig schroff: „Totaler Blödsinn.“ Denke ich ja auch, denn welcher verein bemüht sich jetzt um einen Spieler, der nicht vor Ende des Jahres fit ist? Dieser verein dürfte dann wohl aktuell keinerlei Sorgen haben . . . Nein, nein, ich glaube auch, dass das eine Voll-Ente ist. Dazu passend ist auch das Gerücht, das es um den Dribbelkünstler Hiroshi Kiyotake (24) vom 1. FC Nürnberg gibt. Der HSV soll dran sein, der HSV soll Interesse haben. Was ich mir sogar vorstellen könnte, denn bei seinem ersten Auftritt in Hamburg bot der Japaner eine so großartige Vorstellung, dass ich ihn am liebsten hierbehalten hätte. Ging leider nicht. Und nun soll er fünf Millionen Euro kosten, das ist schon hammerhart. Wobei, das muss ich auch zugeben, Kiyotake meiner Meinung nach nie wieder an jene Leistung herangekommen ist, die er einst im Spiel beim und gegen den HSV gezeigt hatte.

Apropos Leistung: Hakan Calhanoglu hat mal wieder etwas zum Besten gegeben. In der Bild. Der junge Mann ist das unermüdlich. Er hat sich über die HSV-Fans beklagt: „Man hat mich beschimpft und gemobbt, obwohl ich so viel für den Verein getan habe . . .“ Mir wären fast die Tränen gekommen. Ehrlich. Er hat so viel für den HSV getan. Und der HSV? Hat der nicht auch etwas für ihn getan? Immerhin pünktlich das Gehalt überwiesen. Und das dürfte mehr sein, als ein Karstadt-Verkäufer, ein Installateur, ein Versicherungsmakler, ein Maler oder ein Bäcker verdient, gewesen sein. Und all diese Leute haben auch so viel für ihren Arbeitgeber getan – weil es ihre Pflicht ist. So funktioniert das mit der Arbeit. Nur so. Und der HSV hat immerhin dafür gesorgt, dass ein Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC in die Erste Bundesliga kommen konnte, und dass dieser junge Mann davon träumen darf (kann ihm ja niemand verbieten), eines Tages ein so großer Fußballer wie Messi oder Cristiano Ronaldo zu sein.

Nein, irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig. Irgendwann sollte auch ein Berater, der Millionen verdient, in beratender Funktion einschreiten und seinem Mandanten nahelegen, besser mal den Mund zu halten. Es ist doch wesentlich besser, Taten sprechen zu lassen, als sich immer nur zu beklagen. Dass die HSV-Fans sauer auf einen Spieler sind, der sogar davon sprach, bei einem Abstieg in die Zweiten Liga weiterhin für die Raute kicken zu wollen, ist doch klar. Sonnenklar. So ging es letztlich fast jedem Spieler, der es in Hamburg vorzog, das Weite zu suchen – ein Beispiel von vielen ist der Name Daniel van Buyten. Ob sich ein Jung-Millionär allerdings so weit herunterlassen kann, um sich in die Lage eines kleinen HSV-Fans, der seinen Verein ohne jeden Kompromiss liebt, zu versetzen? Da glaube ich fehlt es dann doch. An allem.

Ein anderes Thema. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft von Kapitän Philipp Lahm. Ich denke ja auch, dass mindetens noch ein weiterer Spieler folgen wird – wenn nicht noch mehr. Ich rechne auch mit dem Abschied von Miroslav Klose. Und dann denke ich sofort auch an den HSV. Wenn Dennis Diekmeier und Pierre-Michel Lasogga (den viele ja schon für die WM 2014 auf dem Zettel hatten) nun ordentlich Gas geben, auch ordentlich Gas geben können, weil sie bestens trainiert werden (ja, ich bohre weiter in dieser Wunde herum!), dann könnten sie doch eines Tages für Deutschland auflaufen. Könnten. Ich will da nicht zu viel hineingeheimnissen – aber möglich wäre es immerhin. Weil es ansonsten ja nicht mehr so viele Kandidaten gibt – bislang jedenfalls nicht. Aber, das stimmt natürlich auch, einige Talente sollten es nicht mehr allzu lange auf ihre Entdeckung warten, denn dann läuft man die Gefahr, als „ewiges Talent“ in die Geschichte einzugehen. Thomas von Heesen, der ja hier mitliest, weiß wovon ich spreche . . . Leider. Ich hätte ihm eine Karriere in der Nationalmannschaft gewünscht und auch zugetraut, allein sie blieb ihm versagt.

Ich komme für heute zum Schluss. Und da kommt mir noch eine wunderschöne und zudem eine etwas andere Fußball-Geschichte in den Sinn. Eine HSV-Geschichte. Die Alt-Liga der Rothosen flog kürzlich zum Saisonabschluss in die Türkei. Mit von der Partie der frühere HSV-Meisterspieler von 1960, Erwin Piechowiak. Der heute 77-Jährige Norderstedter hatte bis weit über 70 Jahre für die Alt-Liga des HSV gespielt (und für die Senioren von TuRa Harksheide), dann aber krankheitsbedingt einige Rückschläge erlitten. Erwin Piechowiak, ein fantastischer Mensch, muss mehrmals in der Woche zur Dialyse – und dann in die Türkei? Es wurde, weil „Old Erwin“ nur Freunde hat, alles von den alten HSVern gemanagt. Piechowiak flog – beinahe möchte ich schreiben natürlich – mit in die Türkei, und wurde dort dann zur Analyse gefahren, wenn es sein musste. So viel Zeit muss sein.
Und ich finde, dass das doch wirklich eine Klasse-Geschichte ist. Was Freundschaft und Kameradschaft im Fußball doch so alles bewirken kann. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten, die das bewerkstelligt haben – vorbildlich.

Ganz zum Schluss noch ein ganz anderes Thema. Im Moment wohl auch ein wenig (oder ein wenig mehr) aktuell. Es geht um HSVer, die ihrem Verein den Rücken kehren. Aus dem Westen der Republik erhielten wir nun folgende Mail, die wir hier veröffentlichen möchten. Weil ich trotz allem der Meinung bin, dass man zu seinem Club stehen sollte, und dass man erst einmal abwarten sollte, wohin sich der Verein mit der neuen AG tatsächlich bewegt. Und damit meine ich nicht allein den sportlichen Erfolg (oder Misserfolg), sondern die gesamte Situation im HSV. Manche sehen das anders, einige haben es anders gesehen und haben sich davon gemacht – hier nun gibt es ein neues Beispiel davon. Obwohl ich jeden bitten möchte, nicht zu voreilig zu handeln, obwohl ich jedes Mitglied darum bitten möchte, dem neuen HSV wenigstens eine kleine Chance zu geben. In dem nun folgenden Fall ist es wohl zu spät – schade. Sehr schade.

Hier nu die Mail, die vornehmlich an den HSV gerichtet ist:

Ich leite diese Mail an Euch weiter, damit Ihr seht, warum vielleicht noch mehr HSVer austreten, damit vielleicht zu diesem Thema ein kleiner Blog veröffentlich wird. Es dreht sich mir hauptsächlich um den Umgang mit Menschen, die noch einen Vertrag haben, in diesem Fall bis 2016.
Auch Euch einen schönen Gruß aus Bocholt von Klaus W.

Sehr geehrte Herren vom Vorstand der Fußball AG HSV.

Schweren Herzens habe ich mich nach einigen Nächten “Überschlafen” entschlossen, aus ” meinem ” ehemaligen HSV auszutreten! Es kann doch nicht sein, wie man beim HSV mit Menschen umgeht. Erst wurde Herr Kreuzer, weil Er günstig war, vom Drittligisten KSC geholt um dem HSV nach besten Wissen zu dienen. Man kann doch nicht allen Ernstes verlangen, das Er bei 100 Millionen Verbindlichkeiten des HSV z. B. Messi, Ronaldo und Thomas Müller vielleicht für insgesamt 3 Mill. zum HSV holt. Der Mann hat aus Unerfahrenheit den Transfer durch T. Fink (Zoua) und durch B. v Marwijk (Bouy und noch einen Holländer) leider zugestimmt. Das war natürlich ein großer Fehler, den Er auch selber einsieht. Schade. Er hat aber auch den Vertrag mit Calhanoglu im Februar bis 2018 verlängert, sodass der HSV dadurch 14,5 Mill. eingenommen hat. Außerdem hat Er, nach Aussagen von Herrn Lasogga, durch die Verhandlungsführung mit sich und seiner Mutter, den Wunschstürmer des HSV an den Verein gebunden. Nun kommt Herr Beiersdorfer und fängt mit Herrn Kreuzer die Kaderplanung an und von Heute auf Morgen heißt es: Wir brauchen dich nicht mehr! Nee, Leute, so geht man nicht mit Menschen um!!! Im Profifußball vielleicht doch? Ich weiß es nicht. Darum möchte ich zu dem nächstmöglichen Termin meine Mitgliedschaft kündigen.
Ich bin jetzt 72 Jahre alt und war seit 56 Jahren mit ganzem Herzen HSVer. Ob im Volkspark oder im restlichen Deutschland (hauptsächlich im Westen, da ich in Bocholt wohne), Ich war sehr oft dabei. Schade! Mein Verstand sagt zum HSV nein, aber mein Herz sagt weiterhin ja zum HSV.
Mit freundlichen Grüßen aus Bocholt von Klaus W.

Das war es heute von mir, ich wünsche Euch und Euren Lieben einen schönen Feierabend und ein wunderschönes Wochenende.

Dieter

17.54 Uhr

Es geht aufwärts. Sagt mir mein Gefühl!

17. Juli 2014

Der Alltag hat uns wieder – nach dieser traumhaften WM. Auch mich hat er wieder, mein Name ist Dieter Matz. Zuletzt hatte ich hier an dieser Stelle durch Abwesenheit geglänzt, aber diese Zeiten sind nun – hoffentlich – vorbei. Nach meinem Krankenhaus-Aufenthalt unmittelbar nach Pfingsten hatten mich die Ärzte für einige Zeit aus dem Verkehr gezogen, danach hatte ich eine Aufgabe übernommen, die ich – natürlich mit Genehmigung des Hamburger Abendblattes (Chefredaktion) – schon vor Monaten vertraglich abgeschlossen hatte. Ich war, gemeinsam mit anderen Herren, so auch der ehemalige Welttorhüter Sepp Maier, WM-Kommentator auf dem „Traumschiff“, der „MS Deutschland“. Die drei Ärzte, die mich während und nach der Krankheit betreuten, hatten mir ausdrücklich zu dieser Tour geraten und mir dafür grünes Licht gegeben. Heute kann ich auch sagen, dass mir diese Reise sehr gut getan hat, denn mir geht es fast schon wieder so gut wie früher, wenn ich nicht bei 100 Prozent bin, dann doch bei 99. Von der rechtsseitigen Gesichtslähmung ist nichts, oder fast nichts mehr zu sehen – es wird alles gut. Deswegen stehe ich auch ab sofort wieder „Matz ab“ zur Verfügung.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich ausdrücklich noch einmal bei allen „Matz-abbern“ (darin eingeschlossen die Matz-abberinnen – klar!) bedanken, die mir in den vergangenen Wochen Genesungswünsche zukommen ließen. Nach der WM nahm es noch einmal wieder leicht zu – danke dafür, Ihr seid wirklich eine Wucht in Tüten, danke, danke, danke. Und ein zweifaches Dankeschön auch an „Scholle“ und Lars Pegelow, die den Blog während meiner Abwesenheit zu großartig betreut und hochgehalten haben. Danke.

Während der Zeit an Bord hatte ich meinen Computer bei mir, aber er hatte leider seinen Geist aufgegeben. Sonst hätte ich sicherlich etwas über diese Weltmeisterschaft geschrieben. Vor dem Turnier war ich restlos davon überzeugt, dass Deutschland am Ende nicht auf dem ersten Platz landen würde. Haus und Hof hätte ich verwettet, aber da kann man mal wieder sehen: keine Ahnung vom Fußball. Ich habe mich stets daran orientiert, dass der Bundestrainer bis auf den 36-jährigen Miroslav Klose, der zudem noch verletzt (oder angeschlagen) anreiste, keinen Stürmer mitgenommen hatte. Und ohne Stürmer? Wie sollte das klappen? Zudem fiel Marco Reus aus, den ich für den zurzeit besten deutschen Spieler halte. Nein, das mit Platz eins konnte in meinen Augen nichts werden.

Dass es dennoch geklappt hat, ist einmalig, sensationell, ein Traum. Und es ist auch absolut verdient. Deutschland hat von allen Teams die konstanteste Leistung gebracht. Ganz nahe dran waren die Niederländer, aber sie hatten sich in der Vorrunde wohl ein bisschen zu sehr verausgabt – allerdings fuhren sie ja ungeschlagen nach Hause! Das erste Halbfinale, Deutschland gegen Brasilien, bleibt natürlich ein absolutes Highlight – bis an mein Lebensende. Auf dem Traumschiff war im Kaisersaal der Teufel los, so etwas hatte dieses Schiff wohl noch nie erlebt. Und wir alle ja auch nicht. Mesut Özil stand in diesem Match vor dem 8:0, am Ende waren alle fassungslos ob des deutschen 7:1-Sieges in und über Brasilien. Dass das Finale dann eine so enge Nummer werden würde, das war mir schon klar. Aber das DFB-Team hat es dann trotzdem gepackt – herrlich! Mich hat die Viererkette begeistert, aus der Jerome Boateng an diesem Tag noch hervorstach. Der ehemalige Hamburger hat in diesem Endspiel wohl das Spiel seines Lebens gespielt – dickes Kompliment. Überragend aber war Bastian Schweinsteiger. Was dieser Mann einstecken musste, schon während dieser WM, dann aber auch im Finale, das war fast schon unmenschlich – aber er stand auch nach den härtesten Attacken immer wieder auf. Vorbildlich, einmalig! Eine solche Energie-Leistung habe ich überhaupt noch nie gesehen. Ich hoffe nur, dass der italienische Schiedsrichter sich diese 120 Minuten noch einige Male ansehen wird, um zu erkennen, wie falsch er in vielen Szenen lag. Ich hoffe es sehr.

Dass die Fifa bis zuletzt betonte, dass in Brasilien die besten Unparteiischen pfeifen, das ist schon krass. Während der WM sprach ich mit einem hohen deutschen Schiedsrichter-Funktionär, und der stellte fest: „In Brasilien pfeifen Leute, die bei uns nicht mal in der Dritten Liga zum Einsatz kommen würden . . .“ Sollte sich der allgewaltige Herr Blatter mal auf der Zunge zergehen lassen. Nein, das muss ich noch einmal loswerden, diese Unparteiischen waren das größte Übel dieses Turniers, da muss sich bis zur WM 2018 in Russland einiges ändern – hoffentlich setzen sich die Herren mal zusammen und ziehen ihre Lehren daraus. Dass ein Japaner das Eröffnungsspiel leiten darf, dort versagt und dann gleich in der Versenkung verschwindet, das muss nicht sein. Und genau deswegen müssen diese Fifa-Herren mal über sich selbst nachdenken. Es fehlt ja nur noch, dass dort Männer von den Malediven, Faröer, von den Fidschi-Inseln oder aus Liechtenstein pfeifen dürfen. Nur wegen der Vielfalt! So unprofessionell können doch selbst Schiedsrichter nicht denken, oder?

Was neu war an dieser WM? Ich würde es begrüßen, wenn die Spraydosen in der Bundesliga eingeführt werden würden. Es wird bei Freistößen viel zu viel geschummelt, so würde es besser gehen – wenn auch bestimmt immer noch nicht hundertprozentig. Oft schien es mir auch so, als würden die Schiedsrichter schon nach nur sieben Metern ihren Strich gezogen haben. Nun gut, das werden sie noch in den Griff bekommen. Und wer dagegen ist: Einige (deutsche) Unparteiische lehnten vor Jahren auch das Headset ab, heute haben es alle – und es funktioniert und hilft. Kurz zurück noch zum Spray. Einen Strich durch die Rechnung machten, ohne dass es bemerkt wurde, die beiden Elfenbeinküsten-Spieler Yaya Toure und Didier Drogba (im Spiel gegen Kolumbien?). Als der 23. Mann den Abstand abschritt, trampelten beide so lange auf dem Strich herum, bis er weg war – und dann wurde der Ball kurzerhand nach vorne gelegt. Es gibt also immer noch pfiffige Jungs, die sich zu helfen wissen . . . Wird natürlich auch in Zukunft (und der Bundesliga) so sein.

Ja, so richtig neu war das Flüstern der Trainer und der Spieler zwar nicht, während dieser WM, aber es war auffällig, wie sehr sich dieses Flüstern doch verbreitet hat. Wenn auf dem Rasen oder am Rande miteinander gesprochen wurde, dann meistens mit vorgehaltener Hand, damit keiner, der vor dem Fernseher sitzt und von den Lippen lesen kann, „mithören“ kann. Es könnte ja etwas von Bedeutung sein, und wenn das dann rauskäme, das wäre unter Umständen nicht im Sinne des Erfinders. Deswegen: immer Hand vor den Mund halten. Der Flüster-Erfinder ist für mich Jose Mourinho, und von dem Portugiesen haben es dann wohl die Spanier zuerst übernommen. Wird auch in der Bundesliga um sich greifen, davon bin ich überzeugt.

Wie auch die Torlinientechnik. Mitunter war es grotesk, dass sie zum Einsatz kam, weil jeder gesehen hatte, dass der Ball nicht „drin“ war, insgesamt aber war es schon eine gute Sache. Und sollte auch in der Bundesliga zum Einsatz kommen – dürfen.

Die Trinkpause, die es gelegentlich gab, waren angeblich per Gerichtsbeschluss durchgesetzt worden, aber dafür hätte – bei diesen Temperaturen – auch der klare Menschenverstand sorgen müssen. Darauf wird die Bundesliga allerdings verzichten können. Neu war auch, dass ein „Beißer“ unterwegs war, auch den wollen wir in Deutschland nicht sehen. Dass ausgerechnet der FC Barcelona einen solchen Mann aufnimmt und Millionen an Liverpool überweist, das kann ich nicht recht glauben, aber die Spanier werden ihre Gründe haben. Bei mir ist Luis Suarez aber untendurch, das muss ich gestehen – er ist ja Wiederholungstäter. Irgendwann und zwischendurch hätte er mal lernen dürfen, dass es so nicht geht . . .

Entsetzt war ich über die Spielweise der Brasilianer, da ist ja nichts Verspieltes oder Raffiniertes oder Geniales mehr erkennbar, im Gegenteil. Da wird richtig schön und brutal zugetreten. Wenn Fußball-Deutschland stets als „Panzer“ dargestellt worden ist – darin haben uns die Brasilianer nun aber mal ganz salopp überholt. Mehr Panzer-Fußball ging ja gar nicht. Und wer es noch einmal ansehen möchte, dieses legendäre 7:1, der wird feststellen, dass die „Brasis“ allesamt auch tolle Schauspieler sind – so viele Schwalben wie in diesem einem Spiel, das geht ja gar nicht. Apropos: Gespannt bin ich zudem, wie sich die Bundesliga-Schiedsrichter künftig mit Arjen Robben aus der Affäre ziehen werden. Der Niederländer war vielleicht der beste Spieler des Turniers, aber seine Flugeinlagen waren auch sehenswert und sind zudem dramatisch in die Höhe gestiegen. Er landet vor allen Dingen immer auf allen Vieren, als würde er ein Fallschirmspringer sein. Ich hoffe, dass er sich das wieder abgewöhnt, oder dass die deutschen Unparteiischen solche Flugmanöver sofort durchschauen. Lieber einmal weiterspielen lassen, als einen Elfer zu geben, der keiner war.

So, zum Abschluss dieser WM noch ein Wort von mir zu den „Gauchos“. Was für ein Theater wird darum gemacht. In meinen Augen total überflüssig, denn damit sollten die Argentinier keineswegs beleidigt werden. Dieser Gesang „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so . . .“ ist so alt wie der Fußball. Den haben wir vor 40 Jahren gesungen, über einen Gegner, den wir in einem wichtigen Spiel bezwungen hatten. Wer sich darüber aufregt, der hatte bislang herzlich wenig mit dem Fußball zu tun – und sollte es am besten auch jetzt ganz schnell wieder lassen. Böse jedenfalls, böse ist da nichts mit gemeint worden, ganz sicher nicht.

Um noch einmal auf Jerome Boateng zurück zu kommen. Ich finde es toll, dass wir einen so großen Spieler mal in Hamburg hatten. Er hat sich in München gewaltig verbessert, ist auch von der Statur her ein großes Kaliber geworden – ich bin total begeistert von ihm. Er hat sich enorm gemausert, und ich frage mich, ob er diesen Weg auch als Hamburger eingeschlagen hätte? Ich habe da meine Zweifel. Und ich hoffe zudem, dass ihm Jonathan Tah nacheifern wird – und will. Tah ist ein so großes Talent, hoffentlich wird es beim HSV auch richtig geschätzt und erkannt, und hoffentlich macht auch Tah selbst etwas aus sich, ohne darauf zu warten, dass es andere mit ihm tun. Wenn ihm das gelingt, könnte er Boateng tatsächlich folgen. Ich drücke dafür die Daumen.

Das hatte ich vor dieser WM auch im Falle Klose getan. Ich freue mich für ihn, ich freue mich sogar riesig und immer noch, dass er den WM-Rekord geknackt hat. Das in seinem Alter, mit 36 Jahren! Unglaublich, aber wahr, das ist ein ganz tolles Ding. Und dass er nach dem Finale – wie so viele, er aber auch – feuchte Augen bekommen hatte, das spricht dafür, wie sehr auch er sich über seine beiden Tore zum Rekord gefreut hat. Und das in Brasilien! Hut ab, Herr Klose, Hut ab! Was selbstverständlich auch für das gesamte Team und den Trainern gilt. Eine tolle Leistung. Und dass auch der frühere HSV-Stürmer Oliver Bierhoff bei der Siegesfeier in Berlin so oft gelobt wurde, fand ich sehr bemerkenswert. Der Manager der Nationalmannschaft kommt in der Öffentlichkeit, so denke ich, immer ein bisschen schlechter weg, aber nun gab es viel Anerkennung für ihn. Wie er das alles rund um dieses Turnier „gemanagt“ hat, das war schon klasse. Kompliment, Oliver!

So, das soll es dann auch gewesen sein mit der WM. Deutschland ist die Nummer eins in der Welt, und der HSV Nummer 16 in der Bundesliga. Aber nicht mehr lange. Es geht aufwärts. Sagt mir mein Gefühl. Okay, ich gebe zu, dass ich nun schon seit geraumer Zeit ein wenig draußen war beim HSV, aber das, was sich getan hat und noch tun wird, das halte ich für vielversprechend. Heute gesellten sich nun noch die 40 bis 50 Millionen Euro von Adidas dazu. Der Vertrag mit dem Sportartikel-Hersteller wurde schon vor etwas mehr als einem Monat verlängert und bringt dem HSV viel Geld ein. Glückwunsch zu diesem Deal! Zwei Jahre lief der Vertrag mit Adidas eigentlich noch, er wurde jetzt um acht Jahre verlängert, sodass der HSV nun die nächsten zehn Jahre in und mit den drei Streifen auflaufen wird. HSV-Vorstandsmitglied Carl-Edgar Jarchow wies darauf hin, dass Adidas den Vertrag zu einem Zeitpunkt verlängerte, als noch nicht feststand, ob der HSV weiterhin in der Ersten Bundesliga spielen würde. Das ist schon ein fast einzigartiges Vertrauen, was die Damen und Herren aus Herzogenaurach da in den HSV gesetzt haben. Dass das Geld im Moment nicht dabei unbedingt dabei hilft, neue Spieler zu kaufen, ist klar, diese Euro müssen noch anderweitig und auch kurzfristig beschafft werden, aber natürlich helfen diese Adidas-Millionen langfristig schon sehr.

Und wo ich gerade mit Carl-Edgar Jarchow gesprochen habe, da habe ich ihn gleich nach seiner Situation befragt. Er antwortete: „Es sind neue Zeiten im HSV angebrochen, manches muss sich noch zurechtruckeln. Ich kenne Dietmar Beiersdorfer schon seit vielen Jahren, ich freue mich wirklich, dass er jetzt wieder da ist.“ Zur sportlichen Lage befindet Jarchow: „Wir brauchen noch zwei, drei neue Spieler.“ Das sollte sich doch machen lassen. Dass Oliver Kreuzer dabei nicht mehr mithelfen darf (und soll), bedauert Carl Jarchow noch immer: „Ich habe immer gesagt, dass ich Kreuzers Arbeit geschätzt habe, aber ich akzeptiere diese Entscheidung.“ Eine Entscheidung, die im sportlichen Bereich getroffen wurde, denn Kreuzer war im neuen HSV nicht mehr im Vorstand, sondern arbeitete im sportlichen Bereich – und diesem steht Dietmar Beiersdorfer vor. „Und Dietmar gibt die Richtung vor, in die sich der HSV nun bewegt“, so Carl Jarchow.

Und das ist auch gut so. Beiersdorfer wird hier, wenn er es noch nicht getan hat, für die nötige Aufbruchsstimmung sorgen. Er wird darüber wachen, dass hier in Zukunft auf allen Gebieten professioneller gearbeitet wird. Und er wird wissen, dass dem Club ein harter und beschwerlicher Weg bevorsteht, der nicht über Nacht zu einem glücklichen Ende führen wird. Es wird dauern, keine Frage, aber ich denke trotz allem, dass es schon im Sommer 2015 deutliche Tendenzen einer Aufwärtsentwicklung zu konstatieren geben wird.

Noch ein kleines Thema am Rande, über das sich zuletzt einige Fans Gedanken gemacht habe: Hat der Berater von Hakan Calhanoglu bei der Vertragsverlängerung im Februar (die ja jetzt null und nichtig ist) eventuell ein hohes Berater-Honorar abgegriffen – und darf er es eventuell behalten? Was einige schon vermuteten. Das ist aber nicht der Fall. Die Berater von heute erhalten ihr Honorar pro gespielter Saison, und da hatte sich ja im Februar nichts geändert, die Saison lief ja zu diesem Zeitpunkt noch einige Monate. Deswegen hat der HSV kein Geld an den Berater gezahlt, es stand und steht ihm nichts zu. Auch das ist ja ein gutes Zeichen.

Und davon gibt es meiner Meinung nach einige in diesen Tagen. Beim HSV haben wohl die meisten begriffen, dass mehr getan werden muss, als das in der Vergangenheit der Fall war. Vor allem hat es auch Trainer Mirko Slomka erkannt, dass jener HSV, den er im Frühjahr übernommen hatte, nicht konkurrenzfähig war – weil zu schlecht trainiert. Hinter vorgehaltener Hand gibt das inzwischen fast jeder HSV-Profi zu, deswegen werte ich das mal als Aufbruch zu besseren Tagen. Diese Mannschaft wäre, wenn sie „vernünftig“ und professionell trainiert wird, immer in der Lage, mindestens einen Mittelfeldplatz zu belegen. Wenn aber die Kraft (und Kondition) nur für 30 Minuten reichen, darf sich niemand beschweren, dass es nur gegen den Abstieg geht. Aber wie gesagt, das ist inzwischen jedem im HSV klar.

Ich hoffe auch, dass Rafael van der Vaart zu diesen Leuten gehört, die wissen, dass es nur mit harter Arbeit wieder nach oben geht. Van der Vaart ist 31 Jahre alt, er wäre fast mit der niederländischen Nationalmannschaft nach Brasilien gereist, er ist immer noch ein hervorragender Fußballer, er ist eigentlich immer noch der beste Mann im HSV, und er hat einen guten Namen, den er zuletzt ein wenig verspielt hat. Das wird er wissen. Und er wird wissen, dass er zulegen muss. Deutschlands Ehrenspielführer Uwe Seeler hat bei „Sky“ auf die Frage geantwortet, ob er Hoffnung habe, dass Rafael van der Vaart noch einmal beim HSV durchstarten wird: „Hoffnung habe ich immer, die stirbt zuletzt. Rafael van der Vaart weiß selbst, dass er noch ein bisschen zulegen muss, weil von ihm einigen verlangt wird.“ Und weiter: „Ich hoffe, dass er sich fit macht und die Saison in guter Verfassung angeht.“

Ein bisschen ist ein bisschen untertrieben, ansonsten bin ich ganz bei Uwe Seeler. Van der Vaart hat sein Privatleben im Griff, er kann sich auf die sportliche Seite seines Lebens konzentrieren, also muss er – so einfach ist das jetzt – Gas geben. Und Mirko Slomka muss und wird ihm dabei helfen. Und der Trainer wird hoffentlich nicht allzu viele Extrawürstchen auf diesem sicherlich steinigen Weg zulassen. So etwas darf es im Interesse des HSV einfach nicht mehr geben. Jetzt müssen alle, wirklich alle an einem Strang ziehen, jetzt müssen alle bereit sein, an die Schmerzgrenze zu gehen, denn noch einmal wird es nicht so viel Glück geben. Wie hatten es mir viele HSV-Fans nach der Relegation noch geschrieben? „Dieser Club hat nunmehr sein Glück für die nächsten fünf Spielzeiten bereits aufgebraucht.“ Stimmt.

Wobei ich zur jetzigen Führungsetage absolutes Vertrauen habe – die Herren werden es richten, es wird wieder bergauf gehen mit dem HSV. Das habe ich auch auf dem Traumschiff immer gesagt, wenn ich nach den drei großen Hamburger Buchstaben gefragt worden bin. Bei dieser Gelegenheit: herzliche Grüße an die Wolfs nach Pulheim. Und auch nach St. Peter-Ording. Und noch einmal Traumschiff (sorry): Es waren neben Sepp Maier auch zwei Herren dabei, die beim „Wunder von Bern“ mitgespielt haben – als fußballspielende Schauspieler: Berni Klodt und Fritz Walter. Deswegen habe ich mich vorher noch mit der Herberger-Zeit beschäftigt – und bin dabei auf Sätze gestoßen, die der große Sepp einst so von sich gegeben hat. Nicht „der Ball ist rund“, oder „der nächste Gegner ist immer der schwerste“, oder „ein Spiel dauert 90 Minuten“. Herberger hat auch Dinge gesagt, die sich der HSV in Sachen Fitness ab sofort in die Kabine hängen sollte:

„Männer, wenn die anderen in eurem Verein dienstags und donnerstags trainieren, dann nehmt ihr noch den Montag, den Mittwoch und den Freitag dazu. Wenn die anderen an ihr Vergnügen denken, denkt ihr an eure Kondition. Wenn ihr es im Sport zu was bringen wollt, muß sich eure ganze Lebensweise danach richten. Es versteht sich wohl von selbst, daß Rauchen, Trinken und unvernünftiges Essen für einen angehenden Nationalspieler nicht in Betracht kommen.“

Und Sepp Herberger sagte auch:

„Höchstleistung im Sport und vergnügliches Leben sind wie Feuer und Wasser. Man kann nicht zwei Herren gleichermaßen dienen. Entweder – oder! Entweder das eine oder das andere. Beide zusammen vertragen sich nicht!“

Das klingt doch super, oder? Der alte Mann und der Ball – er hat es immer gewusst, was zählt.

Zum Abschluss noch etwas ganz Wichtiges!

Es geht um den letzten Beitrag von Lars Pegelow. Er hatte im letzten Absatz über das HSV-Ehrenmitglied Klaus Meetz geschrieben. Das rief nun den Volleyballer auf den Plan, der sich falsch zitiert fand und um Korrektur bat (etwas energischer). Es handelt sich dabei um folgende Sätze, die so richtig sein sollen:

„(…) – die Staatsanwaltschaft hat Meetz am 14.07.2014 das Aktenzeichen mitgeteilt, unter dem gegen die drei Richter das Ermittlungsverfahren wegen Rechtsbeugung geführt wird.

– 2 –

Diese Tatsache hat Meetz der Justizsenatorin Jana Schiedeck sowie dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz mitgeteilt und deren unverzügliches Eingreifen beim Vereins- und Handelsregister gefordert, damit seine
dort gestellten Anträge rechtsmängelfrei erledigt werden.

Darüber hinaus hat Meetz in diesem Zusammenhang Justizsenatorin Schiedeck und den Ersten Bürgermeister Scholz auf die seit September 2013 beiden mit 24 (!) Schreiben nachgewiesenen, von diversen Richtern des Arbeits- und Landes- Arbeitsgericht begangenen strafrechtlich relevanten Handlungen (Rechtsbeugung) nochmals darauf hingewiesen, dass in Kürze nunmehr deswegen die entsprechenden Strafanzeigen insoweit gegen die
benannten Richter gestellt werden – und zwar in diesem Zusammenhang auch gegen die Justizsenatorin und den Ersten Bürgermeister wegen deren „Strafvereitelung im Amt“ und in der Folge deren „Begünstigung“. (…)“

In der Hoffnung, dass damit nun alle Unklarheiten beseitigt worden sind, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen – und wünsche Euch einen wunderschönen und sommerlichen Feierabend. Bis morgen.

Dieter

Kommt Hollands Nationalverteidiger Stefan de Vrij?

8. Juli 2014

Am Montag stand er erstmals wieder beim Trainingsspiel zwischen den Pfosten, heute erneut – und morgen soll Rene Adler nach seiner Bandescheiben-Verletzung sein Comeback gegen den chinesischen Testspielgegner Guangzhou R&F geben. Die Partie gegen das Team des ehemaligen schwedischen Nationaltrainers Sven-Göran Eriksson wurde unterdessen um 30 Minuten nach hinten verlegt und wird somit um 20 Uhr Ortszeit (14 Uhr MESZ) angepfiffen. „Ich hoffe, dass ich bis zum Saisonauftakt wieder bei 100 Prozent bin“, sagt Adler, dessen Kompagnon heute im Training für eine heftige Schrecksekunde sorgte. Denn kurz bevor Trainer Mirko Slomka die Vormittagseinheit beenden konnte, kippte Nachwuchstorwart Alexander Brunst auf dem Platz um und blieb regungslos liegen.


Kreislaufprobleme! Die HSV-Ärztin Dr. Caroline Friebe und die Physiotherapeuten kümmerten sich sofort. „Wir haben das unterbunden, was die Kreislaufproblemen ausgelöst hat, sprich die Hitze gedrosselt sowie Glukose und Wasser verabreicht“, erklärte Physiotherapeut Jörg Fick. Brunst geht es inzwischen schon wieder deutlich besser. Zur Vorsicht gab es im Krankenhaus weitere Kontrolluntersuchungen, um mögliche Risiken auszuschließen. Schon am Mittwoch soll er wieder normal trainieren und eventuell auch im Spiel mitwirken.

Noch nicht dabei war Dietmar Beiersdorfer. Der designierte Vorstandsboss musste noch die AG-Eintragung abwarten, die sich eigentlich noch einige Tage – wenn nicht gar Wochen hätte hinziehen sollen. Zumindest nach dem Willen von Klaus Meetz. Der hatte Befangenheitsanträge gegen die für die Eintragung verantwortlichen Richter des Amtsgerichtes gestellt und dem Vernehmen nach weitere Zeit fordernde Klagen und Anträge vorbereitet. „Es wird dauern, weil es dauern muss, um ordentlich gemacht zu werden“, hatte er mir am Sonntag vor einer Woche gesagt und sich siegessicher gegeben.

Jetzt ist er raus aus der Nummer. Zumindest kann der ehemalige Volleyball-Profi des HSV die Eintragung der AG nicht mehr verhindern. Die ist vollzogen.

Dachten alle.


Aber die haben nicht mit dem Kampfgeist von AG-Schreck Meetz („Ich bin für die Ausgliederung – aber nicht so“) gerechnet. „Das ist Quatsch“, sagt Meetz, „ab morgen ermitteln die Staatsanwälte gegen die Richterin Frau Dr. Mosenheuer, die die Eintragung vorgenommen hat. Ich habe Strafanzeige gegen die Richterin wegen des Verdachtes der Bestechlichkeit sowie Rechtsbeugung gestellt, weil sie meine Anträge missachtet hat. Denn sie hätte erst nach der Prüfung der Anträge entscheiden dürfen. Das wäre das rechtsstaatliche Verfahren gewesen.“ Konsequenz: Sollte die Staatsanwaltschaft den von Meetz angezeigten Verlauf so bestätigen, könnte die Eintragung der AG „von Amts wegen“ gelöscht werden.

Dietmar Beiersdorfer dürfte dann jedoch weiter werkeln. Um gleich das Wichtigste vorwegzunehmen. Zumal er eh schon seit Wochen für den HSV ackert. Auch heute war Dietmar Beiersdorfer schon wieder fleißig. Obwohl er erst morgen um 12 Uhr (PK live und kostenlos bei HSVtotal zu sehen) offiziell als Erster Vorsitzender des Klubs präsentiert werden soll, ließ er keine Sekunde verstreichen, um sich heute schon bei seinen künftigen Mitarbeitern vorzustellen. Er bezog zwar noch kein Büro (offen ist, ob er das von Jarchow bezieht oder nicht), aber er ließ die Mitarbeiter wissen, wie er sich den HSV der Zukunft vorstellt. Allerdings mehr philosophisch denn kadertechnisch betrachtet.

Denn der Kader soll erst jetzt richtig vorangetrieben werde. Ungeachtet des drohenden Ungemachs seitens Meetz soll vor allem auch mit Hilfe des Speditionsmilliardärs Klaus Michael Kühne der Kader verstärkt werden. Ostrzolek ist einer der Namen, der geholt werden soll. Allerdings ist der Linksverteidiger (noch) nicht die Kategorie anzusiedeln, in der Beiersdorfer für den HSV Notwendigkeit sieht. In Hamburg traf sich der HSV-Boss am Wochenende mit Huub Stevens’ Sohn Maikel, der auch mal für den HSV gearbeitet hat und zu dem Beiersdorfer ebenso wie zum Vater ein exzellentes Verhältnis pflegt. Dabei soll es, so habe ich es jetzt gehört, um den niederländischen Nationalspieler Stefan de Vrij gegangen sein, den Spielerberater Maikel Stevens vertritt. Der 22-Jährige passt voll in das von Slomka, Kreuzer und Beiersdorfer vor zwei Wochen erstellte Anforderungsprofil: Er ist mit 22 Jahren noch jung, er ist als Nationalspieler aber erfahren. Er ist 1,89 Meter groß, kopfball- und zweikampfstark, schnell – und er wäre damit sicher ein Führungsspieler beim HSV. Problem ist, dass der Niederländer einen Marktwert von für den HSV ohne Kühne unrealistischen sechs Millionen Euro hat. Das Gute ist, sein Vertrag beim holländischen Erstligisten Feyenorord Rotterdam läuft in einem Jahr aus.

Das mit Abstand Allerbeste jedoch ist: Das ist ein richtig Guter, wie er bei der WM unter Beweis stellt. Von Spiel zu Spiel. Daher: Mach et, Didi! Der Junge dürfte schnell mehr Wert sein, als die von Transfermarkt.de veranschlagten sechs Millionen Euro…

Wobei, eigentlich ist es schon fast Frevel, an dieser Stelle über einen niederländischen Nationalspieler lobende Worte zu verlieren, da sie uns (hoffentlich) im Finale begegnen können. Von daher fahre ich mein HSV-Interesse mal schnell auf ein Mindestmaß runter und richte den Blick voraus auf das Halbfinale gegen Brasilien, von dem viele meiner Bekannten „eine wilde Treterei erwarten“. Dabei haben wir das doch gar nicht nötig, habe ich mir bislang immer gedacht, bis ich die Begründung hörte: „Die Brasilianer müssen sich doch etwas einfallen lassen, weil wir deutlich spielstärker sin.“

Klar!

In diesem Sinne, ohne Merte, mit Klose – so habe ich gehört – spielen wir heute gegen den Gastgeber. Aber wenn wir vor allem einen mit auf dem Platz haben, kann nichts mehr schiefgehen: Den Faktor Ruhe und Disziplin sowie das Selbstvertrauen der letzten Spiele. Mir haben die Deutschen auf dem Platz auf jeden Fall bislang immer sehr viel Spaß gemacht. Ich sehe sie seit Jahren gern und finde, dass die Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass sie cool spielen. Das ist für mich titelreifer Fußball! Und ich bin mir sicher, das werden sie heute auch wieder beweisen.

Bis später! Freuen wir uns jetzt auf ein tolles WM-Halbfinale unserer Jungs und im Anschluss an den Finaleinzug auf eine tolle Sendung mit Bernd Enge sowie dem Frank Mackerodt, der Meetz vor zig Jahren kennengelernt hat, als Gäste unser Late-Night-Sendung „Matz ab live“.

Scholle

Für das Verständnis, und weil es gefragt wird: In der neuen HSV Fußball AG besetzen Carl Jarchow und Joachim Hilke weiter Vorstandsposten, Oliver Kreuzer als Sportchef nicht mehr und Oliver Scheel ist raus. Letztgenannter bildet als kommissarischer Schatzmeister mit dem kompletten alten Vorstand das Präsidium des e.V., das im Januar neu gewählt wird.

Slomkas 100. Bundesligasieg muss her…

11. April 2014

Das hatte schon eine gewisse Situations-Komik. Der HSV trainierte vor dem so wichtigen Spiel bei und gegen Hannover 96 unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Fast jedenfalls. Denn im Osten der Anlage im Volkspark gibt es eine klitzekleine Lücke. Durch die hätte Mann sehen können, wenn die nicht von einem Ordner besetzt worden wäre. Ein Power-Ordner, der auch das Volumen hatte, diese Lücke vollständig zu verdecken. Ein Typ wie es einst Rudi Carrell gewesen ist, also lang und dünne, der hätte diese Lücke nicht ausfüllen können. Und so stand der etwas rundliche Herr (rundlicher als ich – auf jeden Fall!) dort eine Stunde und verdeckte die Lücke. Das erinnerte mich an David gegen Goliath, da hatte der Koloss ja auch eine Schwachstelle – aber die hatte der HSV eben selbst erkannt und entschlossen gehandelt.


Wenn keiner zusehen soll, dann ist es auch keiner. Der Ordner selbst verkniff sich das Zusehen dann auch – meistens jedenfalls, ab und an luscherte er schon, aber er wollte wohl nur wissen, ob das Training noch läuft – wg. Feierabend. Und dieser kam dann schon und doch nach 45 Minuten: Nach der Aufwärmphase gab es noch ein kleines Spielchen – und Ende. Es spielte dabei nicht die für 96 gedachte Mannschaft gegen die B-Elf, sondern zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften. Erkenntnisse, wer morgen spielt, gab es deshalb nicht.


Um ehrlich zu sein, riss mich dieses Spielchen auch nicht von den Socken. Eher war das Gegenteil der Fall. Da lief herzlich wenig zusammen. Ich telefonierte gerade mit einem Kollegen aus Hannover, als ich mich nach dem x-ten Fehlpass dazu hinreißen ließ zu sagen: „Wenn der HSV morgen so spielen sollte, dann . . .“ Gute Nacht. In Hannover. Nein, besonders rund lief es nicht. Das gipfelte in einem Elfmeter, den Ivo Ilicevic schießen durfte (er war im Nicht-van-der-Vaart-Team). Im Tor stand Jaroslav Drobny, und der sah den Ball gar nicht. Die Kugel stieg nicht nur über das Tor, sondern auch noch über den Zaun. Es gibt Gerüchte, nach denen die Ballholer die Pille immer noch suchen . . . Etwas zielsicherer war zuvor Rafael van der Vaart, der für das erste Tor in diesem Kick zuständig war – der Niederländer drosch die Kugel in den rechten oberen Winkel – Bing-Bong, Avon läutet schon bald auch bei Ihnen. Ansonsten aber, das muss ich auch erwähnen, war auch vom kleinen Engel nicht so viel zu sehen, eher war auch hier das Gegenteil der Fall. Aber, so mein Trost, vielleicht haben sich die Helden heute ja auch nur für morgen geschont.

Aber, auch das ist nun mal Tatsache, bei Hannover 96 läuft es ja auch nicht so, wie erwünscht. Lange nicht. Zum ersten Mal seit Jahren gab es vier Pleiten in Folge. Und deshalb ist die Luft an der Leine nicht so besonders rein, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Mannschaft war nun drei Tage im Trainingslager in der Hotel-Residence Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld, um sich auf dieses Abstiegs-Endspiel in aller Ruhe und Abgeschiedenheit vorzubereiten. Ob es hilft, werden wir alle morgen um 17.20 Uhr wissen.

Neben den gesperrten Hoffmann und Huszti wird auch Pocognoli fehlen, er hat Rücken. Und nicht zum Einsatz kommen sollen (auf jeden Fall nicht von Beginn an) die beiden Innenverteidiger Sane und Marcelo. Die beiden Spieler, einst auch von Mirko Slomka (und Sportchef Dufner) an die Leine geholt, haben bislang nicht das gebracht, was sich alle von ihnen erhofft hatten. Und zudem soll sich Sané in diesem Trainingslager mit Trainer Tayfun Korkut (der, da gibt es durchaus Parallelen zum HSV, auch und sehr wohl Trainer des eventuellen Zweitliga-Clubs Hannover 96 bleiben soll) angelegt haben – der Abwehrspieler zeigte dem Coach nicht genügend „Leben“ im Training. So kann es gehen. In der Innenverteidigung von 96 spielen deshalb zwei Leute, die eigentlich keine Innenverteidiger sind: Andreasen und Schulz. Beide werden sich wärmstens um Jacques Zoua kümmern. Und ob dazu auch um Mattia Maggio, dem Nachwuchsmann des HSV, das ist dann – etwas später als 15.30 Uhr – wahrscheinlich alles eine Frage des Spielstandes. Vor dem Spielchen heute nahm sich Mirko Slomka den Stürmer der U23 noch einmal kurz unter vier Augen zur Brust. Einstimmung für ein ganz, ganz wichtiges Spiel. Das übrigens von Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen) geleitet wird.

Dass morgen viel auf dem Spiel steht, muss wohl niemandem plausibel gemacht werden – oder? Es ist ja alles auch eine Art Rechenexempel. Der HSV empfängt danach den VfL Wolfsburg, die wollen noch in Richtung Champions-League-Qualifikation. Dann geht es zum FC Augsburg, und dieser Club (vor allem Trainer Weinzierl und Sportchef Reuter) ist nicht besonders gut auf den HSV zu sprechen, weil die Hamburger sich in jüngster Zeit um zwei Augsburger (Vogt und Ostrzolek) für die kommende Saison bemüht haben soll. Da wird auf jeden Fall mal nichts an Geschenken zu erwarten sein. Danach kommen dann die Bayern, die sich (wohl) kein zweites „Augsburg“ erlauben können und wollen, und danach wartet der Karnevalsverein 05 in Mainz. Mit einem Trainer namens Tuchel, der immer nur eines kennt: Vollgas. Und siegen. Deswegen ist es für den HSV wohl besser, es schon mal morgen in Hannover zu versuchen, einen oder drei Punkte mit an die Elbe zu bringen. Besser wäre es.

Leider kann dabei, es ist ja inzwischen jedem HSV-Fan bekannt, Pierre-Michel Lasogga nicht mithelfen. Der Torjäger ist ja nun für 14 Tage ausgebremst worden, und man sagt ja (aus Erfahrung): „14 Tage Pause bedeuten 14 Tage Training, um sich wieder heran zu kämpfen.“ Dann kann sich jeder wohl ausrechnen, wie oft Lasogga noch im HSV-Trikot (diese Saison) auflaufen wird. Wobei ich diejenigen, die zuletzt schon meinten, dass sich Pierre Lasogga eventuell für einen neuen Club schonen könnte, absolut nicht verstehen kann. Miroslav Klose ist verletzt, Mario Gomez ist verletzt, wer soll da eigentlich (außer einer verkappen Neun) in der Mitte stürmen? Das wäre dann doch die Chance für Lasogga. Und ich glaube, dass er von dieser Chance auch durchaus etwas weiß. Ich vermute sogar, dass diese Chance Antrieb dafür war, dass er es immer wieder versucht hat – einige Male vielleicht oder wahrscheinlich sogar zu früh. Es ist schon bitter – für ihn und den HSV.

So, dann fertig machen zum Zittern. Wobei Mirko Slomka nicht nur die beste Punktebilanz aller Trainer beim HSV in dieser saison hat, sondern auch, weil der Ex-96-Coach ein Angsgegner der Niedersachsen ist. Fünfmal ging es für Hannover gegen Slomka (immer mit Schalke) – herausgekommen sind vier Slomka-Siege und ein remis. Zudem könnte Slokmka morgen in seinem 223. Bundesligaspiel als Trainer seinen 100. Sieg feiern. Also: Alles klar, oder??

Aber im Ersnst: Morgen spielen alle Abstiegs-Kandidaten um 15.30 Uhr, und das ist auch gut so. Es kann mal wieder ein hoch emotionales Hin und Her geben – mit dem hoffentlich besten Ende für den HSV. Also für den großen HSV. Die Rechnung ist klar: Mönchengladbach besiegt den VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg schießt den 1. FC Nürnberg weiter in den Keller, und der SC Freiburg und Eintracht Braunschweig trennen sich unentschieden. Das wäre es doch. Und wenn es dann so gut und super (oder so ähnlich) für den HSV gelaufen ist, könnte der HSV um 17.30 Uhr auf Tabellenplatz 13 rangieren. Okay, okay, ich will da gar nicht so viel „hochsterilisieren“ (wie Bruno sagen würde), aber es könnte ja immerhin sein. Nur ein Startplatz in der Europa League, der ist wohl nicht mehr so ganz drin . . . Ein Scherz, es ist nur ein Scherz. Wirklich.

Und so könnte der große HSV spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic (Jiracek) – Zoua.

Bis morgen! Dann auch wieder mit einem Matz ab live nach dem Spiel. Aus dem Champs senden wir dann mit Frank Rost sowie “Sexmachine” Andreas Fischer ab ca. 17.30 Uhr live.

Dieter und Scholle

Klose wird’s leider nicht – Aogo wechselt zum FC Schalke

27. August 2013

*****Während die Meldung, dass sich der HSV mit Frank Arnesen nun doch auf eine Abfindung einigen konnte, nicht sonderlich überraschte, kam die Meldung, dass Aogo wechselt etwas überraschender. Der Linksverteidiger wechselt für ein Jahr auf Leihbasis zum FC Schalke. Mehr dazu morgen.*****

Mein Namensvetter war wieder einer der Ersten. Per Facebook (www.facebook.com/groups/matzab) informierte er mich über seinen Kenntnisstand. Kein geringerer als Miroslav Klose sollte demnach auf dem Weg nach Hamburg sein. Zum HSV? Der Nationalstürmer reise aus München an, so die Info, die vorher wie nachher von verschiedenen Seiten bestätigt wurde. Also, ab zum Flughafen, einfach mal auf doof versuchen. Mal sehen, was unser Miro so sagt, dachte ich. Und es kam so: mein Gedanke war einfach doof.

Klose war weder am Flughafen zu sehen, noch spielt der Name beim HSV eine Rolle. Im Gegenteil: Auf der turnusmäßigen Vorstandssitzung am heutigen Dienstagmorgen wurde keine Beschlussvorlage zum Kauf eines neuen Angreifers ausgearbeitet und somit auch kein Kaufvorschlag beim Aufsichtsrat für dessen Sitzung am Dienstagabend eingereicht. Sportchef Kreuzer war nicht einmal in der Sitzung anwesend, sondern fuhr mit der Mannschaft zum Testspiel beim Heider SV. Ergo: alles ruhig. Und so gern ich das über andere Bereiche sagen möchte – hier ist es einfach schade.

Zumal Tom Tomsk, die sibirische Versuchung aus der ersten russischen Liga, ganz konkretes Interesse an Gojko Kacar hat und diesem dies offenlegte. Vor dem kleinen Derby am morgigen Mittwochenabend gegen St. Paulis U23 (18.30 Uhr, Millerntorstadion) könnte zudem neben Kacar auch noch (U23-)Leistungsträger Robert Tesche anderweitig anheuern. So zumindest klingt es beim HSV durch, der nur zu gern derartige Infos via Pressemitteilung raustickern würde, um endlich Spielmasse für Mister X zu haben, der „definitiv nicht Miroslav Klose ist“, wie mir glaubhaft versichert wurde. Ebenso glaubhaft wurde meinem Kollegen Kai Schiller gestern versichert, dass Eren Derdiyok beim HSV nicht unterschrieben werde. Vielmehr sollte der bei der TSG Hoffenheim aussortierte Profi am Montag bei seinem neuen Klub unterschreiben. Letzteres ist nicht geschehen…

Dennoch glaube ich meinem Kollegen, da der HSV nach all dem Theater um neue Spieler und insbesondere einem neuen Angreifer unmöglich einen Spieler präsentieren kann, der zuvor schon als abgehakt galt. Es wäre für Kreuzer ein Eingeständnis, nicht die erste Wahl zu treffen, eher das Übriggebliebene nehmen zu müssen. Der Wunschstürmer? Eher nicht.

Nein, Derdiyok kann es eigentlich nicht mehr werden, trotzdem er sein Gehalt um rund 500000 Euro für ein HSV-Engagement drosseln würde. Und trotzdem er sich für eine Teilnahme an der WM 2014 empfehlen will. Und obwohl er seinen Ruf nach der Trainingsgruppe 2 in Hoffenheim wieder aufpolieren will. Aber vor allem, weil Trainer Thorsten Fink dem Vernehmen nach nicht überzeugt ist von dem Schweizer. Im Gegensatz zu Kreuzer, der unbedingt noch einen Angreifer holen will. „Der Neue müsste schon stärker sein, als das, was wir haben“, schränkt Fink ein, ohne auf Namen eingehen zu wollen. Zudem sei denkbar, dass ein junger Nachwuchsstürmer geholt werde. „Den sehe ich in den eigenen Reihen leider noch nicht“, so Fink.

Ich auch nicht. Zumindest nicht aktuell. Ein Brüning hat sicher eine Menge Talent, aber noch lange nicht die Härte und die Reife für die Bundesliga. Gleiches gilt für Pulido, Maggio und Brügmann. Wobei Letztgenannter auf mich noch den fertigsten Eindruck hinterlassen hat.

Egal wie, der HSV muss verkaufen, um zu kaufen. Obwohl der Aufsichtsrat partiell schon dem Flehen seines Sportchefs erlegen ist. Auch die Kontrolleure erahnen die Notwendigkeit, einen Angreifer zu holen, nachdem der HSV in Berlin auf gerade eine herausgespielte Torchance kam und diese ungenutzt bleib. Wie zuvor schon die Zufallschancen von Rudnevs, den die gesteigerte Diskussion um einen neuen Angreifer sicher nicht nur Auftrieb geben wird…

Ebenso wenig förderlich dürfte die Situation für Dennis Diekmeier sein. Und für den möchte ich an dieser Stelle mal eine Lanze brechen. Seitdem er in der Mannschaft Stammspieler ist, bringt er vernünftige Leistungen und entwickelt sich. Er hat noch immer einige Schwächen in der Defensivarbeit, auf der anderen Seite aber ist er der beste Flankengeber des HSV und statistisch sogar europaweit. Dass dieser Spieler einen Gehaltserhöhung erhofft, ist normal. Ich kenne da Arbeitnehmer, bei denen allein die Zeit der Zugehörigkeit in einem Unternehmen – völlig unabhängig von der Qualität der geleisteten Arbeit – diesen Anspruch erwachen lässt. Warum also nicht auch Diekmeier, der von 1,3 Millionen Euro auf 1,5 Millionen Euro hoch will?

Antwort: Weil der HSV insgesamt die Gehälter runterfahren will. Und dieser Fall dient dem Vorstand als Exempel. Kreuzer hatte mit Diekmeiers Berater die Erhöhung bereits ausgehandelt, dem Spieler wurde vor dem Schalke-Spiel offiziell mitgeteilt, dass alles in trockenen Tüchern sei. Und Diekmeier lieferte – nur nebenbei erwähnt – ein ganz starkes Spiel ab. Zwei Tage später hört der Rechtsverteidiger dann, dass eine Erhöhung überhaupt nicht infrage kommt. So hätte es der Vorstandsboss angesichts der Sparzwänge entschieden. „Ich will doch gar keine zehn Millionen mehr, sondern nur eine gewisse Form der Wertschätzung so Diekmeier, den ich daraufhin fragte, ob ein neuer Vertrag an sich nicht so etwas sein könnte. „Schon, aber ich sehe mich inzwischen etwas weiter als damals, wo ich als 19-Jähriger den Vertrag unterschrieben habe.“
Stimmt, ist er auch. Und er ist auch besser geworden. Aber fast parallel zu seinen besseren Leistungen haben sich beim HSV die finanziellen Möglichkeiten verschlechtert. Soll heißen: Ein gleichbleibendes Angebot ist relativ betrachtet wie es eine Gehaltserhöhung vor drei Jahren war. Und wäre da nicht der mal wieder verkorkste Umgang seitens des Vereins bei der Verhandlung, ich würde die Klubführung bei aller tatsächlich vorhandenen Wertschätzung meinerseits für Diekmeier – ich hoffe inständig, dass er verlängert!! – verstehen können.

Verstehen kann ich auch Fink, dass er sich nach einer Belebung für die Offensive sehnt. So in Person von Ivo Ilicevic, der im Test gegen den Heider SV (mehr dazu gegen 20.15 Uhr) endlich wieder gegen den Ball treten durfte. „Ivo ist ein Spielertyp, den wir brauchen“, schwärmt Fink von den Fähigkeiten des Kroaten, Eins-gegen-Eins-Situationen lösen zu können. Schon deshalb könnte der Rechtsfuß am Sonnabend gegen Braunschweig zum Aufgebot zählen, sollte er den Test und die anschließenden Trainingseinheiten ohne neue Schmerzen überstehen. Auf links, so Fink, wäre dann seine Position. Würde bedeuten: Zoua müsste raus. Oder Rudnevs. Wobei beide wohl raus wären, sollte der HSV im Zuge der Transferperiode noch einen Angreifer verpflichten. Und das kann, erinnern wir uns nur an heute vor ziemlich genau einem Jahr, plötzlich alles ganz schnell gehen…

In diesem Sinne, ich melde mich nach Spielschluss in Heide noch kurz mit den statistischen Daten des Spiels und gegebenenfalls noch mit einem Update aus der Aufsichtsratssitzung, sollte es von dort heute noch etwas zu verkünden geben.

Bis später!

PS: Da der FC Schalke 04 in Griechenland 3:2 gewonnen hat und damit in die Champions League eingezogen ist, haben die “Knappen” nun auch ein wenig mehr Geld in der Kasse (zu erwarten). Man spricht von 20 Millionen. Daher ist es jetzt möglich, dass die Verantwortlichen aus Gelsenkirchen in Richtung Hamburg denken (und telefonieren werden) – Dennis Aogo soll nun ein ganz heißer Fall für Schalke 04 sein.

Scholle

P.S.: Das Testspiel beim Heider SV gewann der HSV am Dienstagabend mit 5:1. Vor 2928 Zuschauern trafen in der ersten Hälfte Petr Jiracek (27., 36.), Jacques Zoua (44.), Artjoms Rudnevs (71., FE) und Valmir Nafiu (79.), ehe Reuter für den Schleswig-Holstein-Ligisten auf 1:5 verlürzen konnte. Djourou und Ilicevic wirkten in der ersten Halbzeit mit, blieben aber eher unauffällig.

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

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