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Viel Wirbel um Behrami und Westermann!

8. März 2015

Gute Freunde kann niemand trennen. Sang einst Franz Beckenbauer, und er tat es kürzlich, gemeinsam mit Uwe Seeler, auch noch bei der Hamburger Sport-Gala, als er, der Kaiser und ehemalige HSV-Spieler, für seine Stiftung und sein Lebenswerk geehrt wurde. „Uns Uwe“ verriet mir später, dass „Gute Freunde“ auch fast immer gesungen wird, wenn sich die „Schneeforscher“, ein ganz besonderer Stammtisch bestehend aus ehemaligen deutschen Sport-Größen, treffen. Gute Freunde, oder auch nur Freunde, sind ja auch Joe Zinnbauer und Jürgen „Kloppo“ Klopp. Und weil sich die beiden Trainer am Sonnabend, beim 0:0 im Volkspark, ein wenig in Rage geredet, geschrien oder auch gebrüllt hatten, war zu befürchten, dass sie künftig getrennte Wege gehen würden – aber es sah nach der gemeinsamen Pressekonferenz nicht so aus. Jedenfalls aus der Ferne.

 


 

Da hatten die Trainer ihre unterschiedlichen Meinungen zur Vorstellung von HSV-Profi Valon Behrami noch einmal sehr deutlich gemacht. Zuerst erklärte Joe Zinnbauer den Ellenbogenschlag des Schweizers gegen BVB-Spieler Mkhitaryan, der bereits nach zwei Minuten am Boden lag: „Ja, Valon wollte sich dementsprechend schützen, er sieht den Spieler von der Seite kommen und fährt den Arm aus. Aber trotzdem, wir brauchen nicht darüber reden . . . Ich weiß, Jürgen, Kloppo, dass du jetzt anderer Meinung bist, aber letztendlich hat er auch gesagt, dass er lange nicht mehr auf dem Platz gestanden hat, wir wissen, dass er gerade mal ein paar Tage auf dem Platz gestanden ist, und die Koordination sicherlich auch noch fehlt – Absicht war das mit Sicherheit keine. Seine Spielart ist einfach so, er ist ein Aggressiv-Leader, ich bin froh, dass ich ihn habe.“

 

Das ließ Jürgen Klopp dann nicht mehr ruhen. Er war nicht aufgebracht, war sichtlich darum bemüht, seine Stimme nicht zur erheben – und sagte: „Das ist jetzt ein sehr gutes Beispiel dafür. Ich habe diese Woche irgendetwas über einen Journalisten gesagt. Dabei ging es um das Thema Humor. Daraus ist eine riesige Geschichte entstanden. Und jetzt sitzt ihr alle da und habt die Szene gesehen – und wollt von mir hören, was ich dazu denke, dabei denkt jeder das Gleiche. Außer Joe, weil es sein Job ist. Jeder andere denkt das Gleiche. Dann macht daraus eine Geschichte, und macht nicht mit meinem Namen eine Geschichte, ehrlich gesagt. Das war eine Rote Karte, fertig. Ob der vorher acht Monate nicht gespielt hat, ob er zwei Wochen nicht gespielt hat, ob ihm die Koordination gefehlt hat oder sonst was. Es hat gereicht, um den Arm nach oben zu nehmen und Mkhitaryan ins Gesicht zu schlagen.“

 

Aufklärend sei gesagt, dass sich Jürgen Klopp zuletzt über den TV-Kommentator Marcel Reif geäußert hatte – was hohe Wellen schlagen ließ.

 

Gute Freunde, kann niemand . . . Da wurde es noch einmal hart. Zwischen den beiden Trainern, die einst gemeinsam für Mainz 05 gespielt haben, saß im Presseraum nur HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Aber es blieb, zum Glück, friedlich. Klopp abschließend (leicht aufstöhnend) riet: „Macht damit, was ihr wollt . . .“ Zinnbauer zum Schluss mit versöhnlichen Untertönen: „Jetzt können sie ’ne Geschichte machen, Kloppo.“ Darauf Klopp: „Ich weiß, ich bin ein Idiot.“ Zinnbauer lachend: „Das habe ich nicht gesagt.“ Klopp: „Ich weiß, aber ich weiß es schon lange.“

 

Ja, es ging an diesem Sonnabend wahrlich hoch her, im Volkspark. Ähnlich wie einst beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Am 1. November 2014 hatte der HSV beim 1:0-Sieg gegen die Werks-Elf nicht nur ordentlich dagegengehalten, sondern ab und an auch mal de Hammer herausgeholt. Da war mitunter Brachialgewalt im Spiel, und Schiedsrichter Florian Meyer erntete seinerzeit einiges an Protesten aus dem Leverkusener Lager, allen voran von Rudi Völler.

 

Diesmal war der HSV zwar eine Nuance zurückhaltender, doch es gab schon einige Szenen, die grenzwertig waren. Das muss man als Hamburger schon gestehen. Aber so, und nur so geht es im Abstiegs- und Existenzkampf. Da darf nichts verschenkt werden. Das wollen die Fans sehen. Und weil sie es von dieser HSV-Mannschaft auch endlich sehen können, deswegen ist die Hütte auch immer wieder rappelvoll. 57 000 Zuschauer waren am Sonnabend wieder da, ausverkauft. Das geschieht nur, weil die Hamburger jetzt erkennen, dass sich die Mannschaft gegen das drohende Unheil wehrt. Ein Verdienst der neuen Führung – ein Verdient vor allem von Joe Zinnbauer. Auch wenn diese Gangart nicht von allen akzeptiert oder auch gelobt wird. Das ist schon klar. Ein neutraler Beobachter wie ZDF-Reporter Thomas Wark befand: „Sieben Gelbe Karten und nur fünf Torchancen, ein schlechtes Spiel.“ So kann man es sehen. Aber auf anderen Plätzen sieht es ähnlich aus, wenn sich ein Team – oder gar beide – gegen den Abstieg wehren müssen.

Insgesamt sagte Jürgen Klopp zur Hamburger Härte: „Es hätte sicher einige Möglichkeiten gegeben, Behrami frühzeitig zum Duschen zu schicken. Wir haben Glück gehabt, dass sich keiner verletzt hat, das war hart an der Kante.“ Und in Richtung Behrami sagte der BVB-Coach: „Ich wünsche ihm als Mensch, dass das keine Absicht war.“
Gut fand ich, was BVB-Torwart Roman Weidenfeller resümierend sagte: „Wir mussten uns erst einmal an die Härte des HSV gewöhnen, aber der HSV steht mit dem Rücken zur Wand, da ist eine solche Spielweise okay.“ Hoffentlich bekommt der Nationalkeeper für diese ehrliche Aussage nicht noch nachträglich einen Rüffel der Verantwortlichen.

 

Das hoffe ich natürlich auch für Heiko Westermann. „HW4“ ist nach diesem Spiel so richtig mal ausgeflippt. Endlich einmal! Bravo! Er hatte die vielen, vielen Schmähungen gegen sich viel zu lange schweigend hingenommen. „Die Kritiker und Idioten, die meinen, sie hätten den Fußball erfunden, die können mich alle mal. Ich habe immer den Arsch hingehalten und lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputtmachen“, sagte der frühere Nationalspieler, den etliche HSV-Fans schon seit Jahren „auf dem Kieker“ haben. Ärger, Frust, Häme und sogar Hass – was wurde nicht alles auf Westermann abgeladen, und nun diese Explosion. Die Joe Zinnbauer durchaus nachvollziehen kann. Der Coach verteidigt seinen Abwehrmann: „Ich finde, dass es nach gefühlten fünf Jahren mal an der Zeit gewesen ist, dass er explodiert. Der Heiko hat hier jahrelang den Kopf herhalten müssen, nun hat er sich mal ausgekotzt, das gehört dazu. Irgendwann platzt einem mal der Kragen, ich kann ihn verstehen und freue mich darüber. Heiko ist ein Vollprofi. Er lebt und tut alles für den Verein.“

Wobei Zinnbauer dieses Ausrasten auch auf eine Art sportlich sieht und nimmt: „Das habe ich von ihm auch während des Spiels immer verlangt, dass er explodiert und sich auch verbal etwas zutraut. Wenn er das mit nach zum Spiel gegen Hoffenheim nehmen kann, wäre das top. Das brauchen wir im Moment. Gegen Dortmund hat Heiko ein richtig gutes Spiel gemacht.“ Und sogar Klopp lobte, wenn auch auf Nachfrage, den HSV-Profi-Westermann: „Wenn er heute nicht gespielt hätte, dann stehen wir zweimal allein vor dem HSV-Tor. Er ist der einzige HSV-Innenverteidiger, der in Sachen Schnelligkeit mit einem Aubameyang mithalten kann. Zweimal hat Westermann ihn abgelaufen.“ Übrigens hat Heiko Westermann sich im Internet-Auftrieb des HSV über sich selbst wie folgt geäußert: „Meine persönliche Leistung wird ja öffentlich immer wieder viel diskutiert. Ich habe heute die fünfte oder sechste Position in der Rückrunde gespielt. Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich mir meinen Namen hier nicht kaputt machen lassen will von irgendwelchen Leuten, die denken, sie hätten den Fußball erfunden. Ich habe jeden Ball gefordert und mich in jeden Zweikampf geworfen. Deswegen braucht mir ein sogenannter Fan oder sonst wer nicht erzählen, wie Fußball gespielt wird.“

 

Auch das wird einem gewissen Teil des HSV-Anhangs sicher nichts bedeuten, das ist mir schon klar. Es wird trotz allem weiter gepfiffen. So wie gegen Mönchengladbach war, als Westermann in der 86. Minute eingewechselt worden ist. Und als in der Nachspielzeit der Ausgleich gefallen ist, weil die gesamte Defensive des HSV gepennt hat, wurde Westermann als derjenige ausgemacht, der die Schuld an diesem späten 1:1 trug. Natürlich Westermann. Und wer sich nicht alles erlaubt, über Westermann zu urteilen. Das ist abenteuerlich. Die sehen kein Training, die haben kein Ohr in der Mannschaft – aber sie machen ihn nieder. Permanent. Ich habe in der „Matz-ab-live“-Sendung vom Sonnabend gesagt, dass ich seit mindestens eineinhalb Jahren kein privates Wort mit Heiko Westermann gewechselt habe. Nicht deshalb, weil ich damit dem Pöbel gehorchen wollte, sondern deshalb, weil ich Westermann damit schützen wollte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: So war es einst auch bei Piotr Trochowski (war beim Dortmund-Spiel im Stadion), mit dem ich nicht mal mehr telefoniert habe, nachdem ich einmal mit ihm als Sevilla-Spieler telefoniert und eine Geschichte gemacht hatte – und sich danach, hier bei „Matz ab“, ein enormer Shit-Storm auf den Weg (gegen ihn und mich) gemacht hatte. Ich wollte mit meinem Schweigen, das ich bis heute eingehalten habe, nur jeden weiteren Ärger und Stress für den Spieler vermeiden. Soweit war und ist es schon gekommen.

 

Aber noch einmal zurück zum Fußball. Gefreut habe ich mich nicht nur für Westermann, dass er eine so starke Partie gespielt hat. Und auch, dass Cleber so gut war. Auf Anhieb wieder so gut war. Unser „Matz-ab“-Gast Jürgen Stars lobt den Brasilianer und sagte: „Wir müssen aufpassen, dass er uns nicht ganz schnell wieder für viel Geld abgekauft und weggeholt wird.“ Da ist wohl was dran. Cleber fand auf Anhieb wieder zu seinem Spiel, das er zuletzt gezeigt hatte. Das war für mich, sage ich ehrlich, überraschend. Ich habe ihm einen so starken Auftritt noch nicht wieder zugetraut – „Scholle“ sehr wohl. Für mich wirkte er in dem einen Training, was ich am Dienstag von ihm gesehen habe, noch ein wenig zerbrechlich, auch etwas zimperlich – und noch lange nicht bei 100 Prozent. Gegen Dortmund aber war er voll da – lobenswert! Da hat der HSV doch, und ich schreibe doch, weil er zu Beginn ja schon als Fehleinkauf galt, einen echten Goldfisch an der Angel.

 

Der dritte Mann, mein dritter Mann, dieses Spiels war Gojko Kacar. Hut ab! Wie der Serbe sich wieder zurückgekämpft hat, das imponiert mir gewaltig. Es begeistert mich sogar. Kacar war aussortiert, er wollte weg, er ließ sich – als er bei der Zweiten trainieren musste – auch ein wenig hängen, nahm etwas an Gewicht zu, auch sicher aus Verzweiflung über das Abstellgleis, auf dem er sich befand – aber er gab nie auf. Und er fand auch nie ein böses Wort gegen den HSV. Wie er das geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel, aber er schaffte es auf eine äußerst bemerkenswerte Art. Und jetzt bringt er immer seine Leistung. Egal, ob er von Beginn an spielt, oder nur eingewechselt wird. Das ist wirklich vorbildlich und ein absolut profihaftes Verhalten. Auch wenn ich natürlich weiß, dass mir nun gleich vorgehalten wird, dass er dafür ja auch ein fürstliches Gehalt kassiert. Klar, das ist auch so, aber wer hat es ihm denn aufgezwungen? Damals schmiss der HSV noch mit Geld so um sich, als wäre genügend davon vorhanden. Dafür aber konnte und kann Kacar nichts. Und ich freue mich für ihn, dass er jetzt doch noch einige positive Dinge mit dem HSV und in Hamburg erleben kann. Ganz nebenbei kann ich jedem, der noch gewisse Zweifel hegt, bescheinigen, dass Gojko Kacar ein Super-Typ ist, der eigentlich zu bescheiden durch diese Profi-Welt geht. Da ist nicht gerade typisch für den Fußball.
Dass Kacar dann, weil Behrami wieder spielen konnte, aus der Mannschaft genommen wurde, stieß nicht überall auf Verständnis. Es wurde auch bei „Matz ab live“ recht kontrovers diskutiert. Wie immer hat es Kacar selbst ohne zu murren ertragen und hingenommen. Und ich muss zugeben, dass ich auch dafür war (und immer noch bin), weil es in dieser Mannschaft ansonsten niemanden gibt, der seinen Mund aufmacht. Behrami reißt alle mit (auch die Zuschauer), er motiviert, er dirigiert, er stellt seine Nebenleute. Daran, seien wir doch ehrlich, mangelt es doch schon seit Jahren. Und nun haben wir dort einen, der das kann und auch macht, und deswegen muss er auch spielen – wenn er kann. Und selbst wenn er nur bei 80 oder 90 Prozent ist. Behrami ist für diese Truppe so wichtig, nicht nur als Abräumer, sondern auch als „Erzähler“. Ich kann Joe Zinnbauer da verstehen und auch folgen, bei mir kleinem B-Lizenz-Trainer hätte er auch sofort gespielt. Stellt sich nur die Frage, ob es nicht auch noch einen anderen Kandidaten gegeben hätte, der statt Kacar auf die Bank gegangen wäre. Ich hätte aber auch in dieser Frage so entschieden, wie Zinnbauer.

 

Und auf Valon Behrami muss ich auch noch wegen einer anderen „Geschichte“ zurückkommen. Obwohl ich jetzt die Gefahr laufe, oberlehrerhaft zu wirken. Trotz allem muss ich es noch einmal loswerden: Ich hoffe, dass Trainer oder/und andere HSV-Verantwortliche einmal ganz in Ruhe mit dem Schweizer reden. Sie sollen ihn nicht einengen, auch nicht zurückpfeifen, aber sie sollen zu einer gewissen Besonnenheit aufrufen. Weil er sonst schnell wieder vor einem Platzverweis stehen würde. Glaubt es mir, auch Schiedsrichter sehen sich die Bundesliga-Spiele an, und sie merken sich, wenn einer so foult, wie es Behrami am Sonnabend tat. Macht er weiter so, geht er vom Platz, keine Frage. Und damit ist weder ihm noch dem HSV gedient, der dann womöglich wochenlang auf seinen Abräumer verzichten muss.
Ich schrieb es bereits am Dienstag, dass Behrami zu schnell auf 180 ist. Im Spiel gegen die U23 legte er sich einmal mit Sven Mende an (gar nicht fein), und Minuten später (dann sogar für einige Minuten!) mit Francis Adomah. Das muss nicht sein, ganz ehrlich. Es ist der eigene Verein, da muss man nicht so ausflippen. Und die Verantwortlichen standen am Rande, sie haben es gesehen, müssen es gesehen haben – und sie müssten eigentlich auch reagiert haben. Danach. Denn das Spiel selbst wurde von einem Schiedsrichter-Gespann geleitet. Und dieser Unparteiische wird sich schwer hüten, in einem solchen Kick irgendwelche erzieherischen Maßnahmen (oder einen Platzverweis) vorzunehmen.
Aber vielleicht erübrigt sich das ja alles auch schon recht bald, wenn dann die Koordination bei Valon Behrami zu 100 Prozent wieder stimmt . . .

 

Eine kleine Entwarnung kann es im Verletzten-Fall Johan Djourou geben, denn der Schweizer hat sich wohl doch nicht schwerer am Oberschenkel (Adduktoren?) verletzt. Im Moment ist es so geplant, dass er spätestens am Mittwoch wieder ins Training einsteigen soll.

 

Danken möchte ich an dieser Stelle explizit noch einmal unseren beiden Gäste bei „Matz ab live“ vom Sonnabend. Jürgen „Starsky“ Stars und „el presidente“ Benno Hafas (nicht Harfas oder so!) sagten sofort zu, als sie von unserer Notlage erfuhren, und sie sorgten dann dafür, dass wir eine sehr lebhafte Sendung hinlegen konnten. Danke, danke, danke – Ihr wart super, einfach großartig – vielen Dank. “Starsky” – mit Dir jede Woche. Mindestens! Weil Du immer Klartext sprichst. Übrigens, wer es nicht weiß: „el presidente“ deswegen, weil Benno Hafas Vorsitzender des „Matz-ab“-Fanclubs ist, von Beginn an. Und wer (kostenloses) Mitglied des Clubs werden will, sollte sich bei ihm (fast immer beim Training) oder bei den Moderatoren melden. Oder bei mir.

 
PS: Morgen, am Montag, ist trainingsfrei.

 

Zum Schluss noch einmal ein kleiner Satz, den Trainer Joe Zinnbauer nach dem 0:0 von sich gab, der die Situation des HSV sehr gut beleuchtet – und der bei mir ein wenig für Erleichterung sorgt: „Für uns ist dieser Punkt Gold wert.“

 

17,29 Uhr

Misslungene Generalprobe = gutes Omen?

6. März 2015

Wenn das ungeschriebene Gestz mit der misslungenen Generalprobe stimmt, dann wird der HSV nach diesem Abschlusstraining morgen gegen den BVB ein sensationelles Spiel abliefern. Und das ohne Marcell Jansen.

Fällt erneut aus: Marcell Jansen

Fällt erneut aus: Marcell Jansen

Denn der Linksfuß, der im Abschlusstraining im B-Team agierte, ist nach eigener Aussage noch nicht bei 100 Prozent und wird dementsprechend noch einmal pausieren. Dafür hat Pierre Michel Lasogga seinen Muskelfaserriss auskuriert und ist erstmals seit Köln wieder im Kader. Von Beginn an stürmen wird allerdings ein anderer: Ivica Olic. Zumindest agierte der Kroate heute im Abschlusstraining über die gesamte Spieldauer als einzige Spitze im A-Team. Dass er dabei kein Scheunentor treffen wollte, wir werten es einfach mal als misslungene Generalprobe…

Misslungen, das muss ich hier einwerfen, sind im Übrigen auch einige Kommentare hier im Blog. Das ist grundsätzlich nicht neu und normalerweise auch nicht oft wirklich schlimm. Aber wenn ich lese, dass Labbadia sich an irgendwelchen Spielerfrauen vergangen haben soll, könnte ich kotzen. Wer von Euch WEISS das denn? Und woher? Dass der eine oder andere sein Halbwissen hier als Wahrheit verkauft – okay. Aber einen Menschen derart zu diffamieren ohne jeden Beweis für die Behauptung: Das ist einfach nur inakzeptabel. Nur, damit das hier mal klargestellt wird. Ich werde in Zukunft derartige Blogbeiträge rigoros löschen.

Aber zurück zum HSV. Der stellt wieder einige Positionen um. Cléber wird den verletzten Rajkovic ersetzen. Und der Brasilianer zeigte in den letzten Trainingseinheiten auch, warum sich Trainer Joe Zinnbauer für ihn entschieden hat. Erbarmungslos nagelte der O-beinige Brasilianer heute alles weg, was in Richtung Tor wollte. Viel für den Spielaufbau tat er nicht – aber er zeigte schon mal, worauf sich Immobile, Reus und Co. freuen dürfen. „Es wird ein sehr intensives Spiel, ganz sicher“, hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp gestern geahnt. Und ich bin mir sicher: Er wird Recht behalten.

Zumal der HSV hinten dicht machen will. Drei Innenverteidiger und Diekmeier sollen den gefährlichen Angriff der Dortmunder stoppen. Westermann erhält als Linksverteidiger den Vorzug vor Ronny Marcos und dürfte sich freuen, niemand geringeren als den wohl schnellsten Spieler der Liga gegen sich zu haben: Aubameyang. Ob Reus spielen wird, ließ Klopp zwar offen. Dennoch glaube ich nicht, dass Reus nur wegen eines Pferdekusses ausfällt.

Soll heißen: Defensiv kommt Schwerstarbeit auf den HSV zu. Wohl auch deshalb drückt Zinnbauer Behrami mit allen Mitteln in die Startelf. „Es geht so“, sagte Behrami heute nach dem Training und deutete an, dass er noch immer nicht bei 100 Prozent ist. Worte, die für Gojko Kacar wie Schläge in die Magengrube wirken dürften. Zumal er am vergangenen Wochenende in Frankfurt für mich noch zu den Besseren gehörte. Dennoch, Zinnbauer setzt auf Jiracek und Behrami, so scheint es.

Und während es auf den Außen mit Gouaida und Müller keine Veränderungen geben wird, ist Ivica Olic vorn wieder dabei. Der Kroate ackerte auch heute wieder wie wild – aber das Tor traf nur Lasogga. Olic hingegen hatte Chance auf Chance – und scheiterte immer wieder. Mal an Adler, mal an sich selbst. Selbst bei der Abschlussübung, in der er ca. 30 Mal zum Abschluss kam, traf er wenig. Aber wie oben schon geschrieben: Werten wir es als misslungene Generalprobe und demnach als gutes Omen für morgen. Zu viele Gedanken wird sich Olic definitiv nicht machen – er kennt es nur zu gut, binnen Sekunden von Kreisklassenaktion auf Weltklasseaktion umzustellen…

Gut drauf – zumindest auf dem Platz – war Pierre Michel Lasogga. Nach einer bedenklich langen Muskelfaserriss-Pause (wir haben sehr wohl nachgefragt, bekommen aber vom HSV keine andere Antwort als „hartnäckige Muskelverletzung“) präsentierte sich der bullige Angreifer heute stark. Er traf fürs B-Team beim Abschlussspiel und wirkte fit. Mit ihm, Beister und Rudnevs hat Zinnbauer dem Anschein nach wieder echte Alternativen im Angriff.

Und mit Julian Green will sich ein weiterer Spieler empfehlen. „Ich habe mich mit dem Trainer unterhalten und will mich anbieten“, so die Bayern-Leihgabe heute nach dem Training. Dafür wird er am Sonnabend in der U23 spielen und das alte Interview, das die „Zeit“ am Donnerstag veröffentlichte, vergessen machen. Darin hatte er sein Unverständnis über den Umgang der HSV-Verantwortlichen mit ihm bekundet. Ein Gespräch, das den Eindruck erwecken könnte, der HSV würde sich um seine jungen Talente nicht kümmern. Dass sein Berater Roman Grill zuvor im Winter schon ein Gespräch mit Peter Knäbel über die Situation seines Schützlings hatte blieb unerwähnt und verzog das Bild ein wenig. Heute wurde es geradegerückt – mit einem erneuten Gespräch zwischen Grill und Knäbel…

Egal wie, Green ist ebenso wie Marcell Jansen, der gelbrot-gesperrte Matthias Ostrzolek sowie Ahmet Arslan nicht im Kader für das Dortmund-Spiel, das einige Wissende schon als Bewährungsspiel bezeichnen. Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen, und hoffe, dass der HSV nicht binnen weniger Wochen seine eigenen Worte frisst und stattdessen geduldig bleibt. Denn eines ist nach den letzten Jahren und Monaten klar: Am Trainer allein liegt es nicht. Und wer sich vor 14 Tagen noch „begeistert“ von der Art des Trainers zeigt, kann heute nicht dessen Demission anregen, ohne selbst an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Peter Knäbel jedenfalls schätze ich nicht so ein. Im Gegenteil: Alles, was ich zu hören bekam war, dass der HSV sich überhaupt keine Gedanken über andere Trainer machen würde. Und das ist gut so.

Obgleich Zinnbauer zweifellos Fehler gemacht hat, wie er selbst zugibt. Aber das muss er auch noch dürfen, dafür ist er noch zu frisch im Bundesligageschäft, um etwas anderes erwarten zu können. Und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, dass das Reindrücken Behramis der richtige Schritt ist. FussballDass der Schweizer wichtig für den HSV ist – klar! Aber eben nur, wenn er fit ist. Und da Behrami selbst sagt, er sei noch nicht bei 100 Prozent und bekanntermaßen Knieprobleme hat, die nie ganz geheilt werden können, sollte man hier vorsichtig sein. Zumal dann, wenn man mit Gojko Kacar jemanden opfern muss, der gut gespielt hat. „Es ist halt so“, war alles, was Kacar heute achselzuckend dazu sagen wollte. Aber was soll er auch sagen…?!

Somit haben wir für morgen folgende wahrscheinliche Startelf: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber, Westermann – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Gouaida – Olic. Aber vielleicht hat Zinnbauer wieder eines dieser oft zitierten Bauchgefühle über Nacht, die die Aufstellung noch mal ein wenig drehen. Warten wir es ab…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Zinnbauer: “Der HSV wird nicht absteigen”

3. März 2015

Allmählich kommt die Normalität zum HSV zurück. Hoffentlich. Personell aber scheint es wieder bergauf zu gehen, denn am heutigen Training nahmen Valon Behrami und Cleber Reis schon mal wieder teil, und am Rande trainierten Marcell Jansen, Ivica Olic und sogar Pierre-Michel Lasogga. Mit allen Spielern rechnet Trainer Joe Zinnbauer spätestens am Donnerstag, und dann wären sie wahrscheinlich schon wieder eine Alternative für das enorm schwere Sonnabend-Spiel gegen Borussia Dortmund. Fünf neue Leute, das wäre schon mal was, obwohl sicher noch nicht alle so fit sind, dass sie von Beginn an spielen könnten, aber von der Bank kommend wäre ja auch schon ein kleiner Fortschritt. Und sollten sich die guten Trainingseindrücke, die der Trainer zurzeit und in diesen Tagen von Rafael van der Vaart hat, verstärken, so wäre der Niederländer sogar die sechste Alternative. Wenn sich bis zum Sonnabend keiner eine neue Verletzung zuzieht, das ist schon klar.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Joe Zinnbauer flog an diesem Tag mit Sportchef Peter Knäbel noch zum Pokalspiel Dynamo Dresden gegen Dortmund. Um sich an Ort und Stelle über die zurzeit großartige Form der Borussen zu informieren. Ich habe es schon erwähnt, eigentlich ein schier unmögliches Unterfangen für den HSV (sorry, die Eile – und immer noch die Nässe!), auch nur ein Pünktchen gegen Kloppos Truppe zu ergattern. Aber war es nicht auch im Hinspiel schon so? Und was gab es damals? Richtig. Warum soll das nicht ein weiteres Mal passieren? Ja, warum nicht? Die HSV-Mannschaft müsste doch eigentlich nur einmal über sich hinaus wachsen. „Die letzten Male war es schon so, dass Dortmund gegen den HSV nicht gewinnen konnte, da hoffe ich natürlich, dass das so bleibt“, sagt Zinnbauer und gibt zu: „Ich freue mich, dass Dortmund wieder auf dem Vormarsch ist, vor allen Dingen für den Jürgen freut es mich.“ Der Jürgen? Damit ist sein ehemaliger Mainzer Teamkollege Jürgen Klopp gemeint, der BVB-Trainer. Der wird allerdings nichts zu verschenken haben, denn die Dortmunder Aufholjagd soll ja eigentlich noch in der Champions League enden . . . Zinnbauer erwartet natürlich auch, wie jeder Hamburger, ein schweres Spiel: „Es war doch klar, dass die Borussia noch einmal so kommen würde, denn dazu steckt ja viel zu viel Qualität in dieser Mannschaft.“ Ich habe, das gebe ich gerne zu, speziell unheimlich Angst vor Marco Reus, denn ich halte ihn für den zurzeit besten deutschen Fußballer. Und wenn ich an das Spiel in München zurückdenke, da spielt bekanntlich der zurzeit beste Bundesliga-Spieler, Arjen Robben, und der hat dem HSV beim 8:0 ja enorm zugesetzt. Hoffentlich erwischt nicht auch Reus einen solchen Schokoladentag. Hoffentlich.

 

Vieles hängt natürlich auch davon ab, wie sich der HSV an diesem Sonnabend präsentieren wird. Ob der BVB so spielen darf, wie er will, oder ob da eine Truppe dagegenhält, weil sie nicht absteigen will? Zinnbauer: „Im Moment ist es so ja, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. Bis auf die Bayern. Es ist alles so eng beieinander, es ist so ausgeglichen, und deshalb glauben wir an unsere Chance. Wir sind auch schon mit einer positiven Stimmung nach Frankfurt gefahren, weil wir davon überzeugt waren, dass wir dort gewinnen können, auf jeden Fall dort nicht verlieren. Letztlich haben wir verloren, aber wir haben in der zweiten Halbzeit auch mit nur zehn Mann weiter nach vorne gespielt – und hatten auch die Chance zum 2:2.“ Stimmt. Nur ist das wieder erstarkte Dortmund, wenn auch auswärts in Hamburg, ein doch etwas anderes Kaliber als Frankfurt, das muss man schon mal sehen.
Doch wie heißt es so schön im Fußball: Jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden . . . Eben.

 

Ja, und da ich gerade bei Fußball-Weisheiten bin, so kann man dann auch schnell noch einmal auf eine weitere kommen: Wenn ein Trainer eines Anstiegskandidaten nicht in der Kritik stehen würde, wäre das nicht normal. Und in Hamburg gab es das Gerücht, dass Bruno Labbadia wieder zum HSV zurückkehren könne. Für Joe Zinnbauer. Den aber interessiert so etwas nicht sonderlich: „Das gehört zum Geschäft, aber wir lassen uns da nicht aus der Bahn werfen.“ Mit „wir“ meint er sich. Natürlich. Der HSV-Coach weiter: „Dass in unserer Situation eine solche Spekulation aufkommt, ist doch völlig klar, aber wir haben Dortmund vor der Brust, wir werden uns nur darauf vorbereiten, darauf konzentrieren wir uns, alles andere kann man eh nicht steuern.“

 

Bei der Gelegenheit: Das Gerücht, dass Bruno Labbadia als Trainer zum HSV zurückkommen könnte, würde, ist zum Glück ja wirklich nur ein Gerücht. Es wurde hier, bei „Matz ab“, aber sehr wohl angenommen – und so mancher Witz gerissen. Über das Verhältnis Labbadia/Matz. Es ging dabei vielfach über die Tatsache, dass ich damals keine Handynummer des HSV-Trainers bekam. Das wird mir heute noch immer von einem HSVer, der sehr wohl noch an wichtiger Stelle sitzt, vorgeworfen. Es wird mir unterstellt, dass ich den Herrn Labbadia nur deswegen nicht mochte, weil er mir seine Handynummer nicht gegeben hat. Damals wie heute sage ich: Quatsch. Das ist wirklich der größte und absolut totale Quatsch. Ich hatte die Handynummer, ich habe sie immer noch, es gibt (und gab) sehr wohl Kollegen aus dem Süden der Republik, die sie erstens hatten, und die sie mir zweitens gegeben haben. Fest steht aber auch: Labbadia ist nie ans Telefon gegangen, wenn ich angerufen habe. Damit musste aber nicht nur ich leben, sondern fast alle Hamburger Kollegen von mir. Fast alle. Sage ich bewusst.
Ich aber hatte nur deswegen etwas gegen den Trainer Labbadia, weil er einfach viel zu viel erzählt hat – beim Training. Er erzählte einigen erfahrenen Jungs, die 30, 40 und 50 Länderspiele auf dem Buckel hatten, wie Fußball zu gehen hat. Und das machte der Trainer sowohl im Sommer, als auch bei minus zehn Grad. Letztere Temperaturen sorgten mitunter dafür, dass die Spieler auf dem Rasen anfroren. Nein, ein Witz, aber die Spieler drehten teilweise ab und durch – innerlich. Weil sie froren. Und sie sagten es uns dann auch danach (mit leicht vorwurfsvollem Unterton). Motto: „Ihr bekommt doch auch mit, was da läuft, wie das läuft – das ist doch nicht normal . . .“ Stammspieler waren das, keine Ersatzspieler.
Und diejenigen „Matz-abber“, die fast bei jedem Training sind (und damals waren), die wissen, wovon ich spreche. Sie haben alles miterlebt. Es wurde im Training mehr erzählt als trainiert. So war das damals. Und ich erinnere mich noch genau, dass mich nicht nur ein „Matz-abber“ fragte, wann denn die Herren Profis mal so richtig trainieren und vor allem laufen würden.

Nein, ich muss es noch einmal so deutlich sagen: Ich hatte Angst um den HSV. Mehr nicht. Das war keine fehlende Handynummer, keine Eitelkeit oder sonst etwas, sondern nur die pure und nackte Angst, dass der HSV abmarschieren könnte. In Liga zwei. Deswegen habe ich Labbadia schon Ende Januar, Anfang Februar wegen des (oder seines) Trainings kritisiert. Was zur Folge hatte, dass er nicht mehr mit mir sprach, und sein Co-Trainer Eddy Sözer wieder per Sie mit mir kommunizierte. Aber das waren noch die geringsten Übel.

So, und nur so lief das damals (und heute?) mit Bruno Labbadia und mir. Wobei ich schon zugeben muss, dass ich mir ein zweites Mal (es wäre ja, nachdem ich ihn als HSV-Spieler kommen und gehen sah, sogar das dritte Mal) nicht mehr antun würde. Dann wäre ich eben Voll-Rentner.

 

Zurück zum heutigen HSV, der ja immer noch „abmarschieren“ könnte, das ist mir sehr wohl bewusst. Und wenn ich an den nächsten Sonnabend denke, wird mir auch dann nicht wohler, wenn ich an die Rückkehrer denke, das gebe ich auch zu. Zinnbauer aber hat Vertrauen in seine Mannschaft, und er setzt auf den Willen seiner Mannen: „Wenn wir die Fans wieder mitnehmen, wenn wir wieder die kämpferische Leidenschaft auf den Platz bringen, wie gegen Gladbach, und dazu auch die wichtigen spielerischen Akzente nicht vergessen, dann hoffe ich, dass die Mannschaft gegen Dortmund wieder die richtige Reaktion zeigen wird. Wenn die Einstellung stimmt, dann ist das schon mal die Basis. Und dann ist trotz der Tatsache, dass Borussia Dortmund derzeit einen so guten Lauf, die Chance für uns gegeben, dass wir da etwas mitnehmen.“

 

Naja, hoffentlich hat er seinen Optimismus behalten – nach diesem Nachmittag. Da spielten die Profis gegen die eigene U23 – und das Spiel endete 2:2. Es wurden nicht 90 Minuten gespielt, sondern höchstens 80. Vielleicht noch einige Minuten weniger. Aber es war eher kümmerlich, was da (in erster Linie von den Profis) geboten wurde. Die A-Elf spielte mit: Brunst; Ahmet Arslan, Cleber, Westermann, Marcos; Behrami, van der Vaart; Beister, Ilicevic; Green, Rudnevs. Die Torfolge: Eigentor Rudnevs (32.), 1:1 und 2:1 Beister (50., 65.) und 2:2 Andre Branco aus der U19, der zwei Minuten vor dem Abpfiff eine glänzende Vorarbeit von Roan Kwon nutzte – der Koreaner war im Stile eines 100-Meter-Sprinters Heiko Westermann enteilt und legte den Ball mustergültig zur Mitte, sodass nur noch vollendet werden musste. Ein großartiges Tor.

 

Auffällig an diesem wenig berauschenden Kick, der sich voll dem Wetter anpasste (Dauerregen und schlimmer Wind): Cleber machte seine Sache solide, spielte das was er soll und kann – er dürfte so bei 90 Prozent sein. Valon Behrami gefiel mir ganz und gar nicht, muss ich zugeben. Er wirkte mir gelegentlich nicht bei der Sache, mitunter überheblich, er tänzelte gelegentlich über den Platz, als müsste er sich das gar nicht so wirklich antun. Das war nicht der Behrami, den ich in der Hinrunde kennengelernt habe. Er legte sich auch zweimal – nicht gerade fein – mit Gegenspielern an. Einmal mit Sven Mende, dem er den Ball wütend aus der Hand schlug, und dann mit Francis Adomah, dem er einige weniger schöne Worte an den Hals legte – nein, das war nicht schön. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er sauer war, dass er in einer solchen Mannschaft mitspielen musste. Und dass er erst jetzt gemerkt hat, welche Qualität seine Mitspieler haben. Hat natürlich nichts von der Klasse SSC Neapel . . . Nein, Behrami hat mir nicht gefallen, aber vielleicht wollte er sich auch nur ein wenig für Sonnabend hochfahren, oftmals heißt es ja, dass er diese Aggressivität braucht. Na dann.

 

Nahtlos an sein Frankfurt-Spiel knüpfte Artjoms Rudnevs an, der zwei, drei oder auch vier sehr gute Chancen kläglich vergab. Im Moment trifft der Lette nichts – außer den einen oder anderen guten Bekannten. Ivo Ilicevic hatte nur zu Beginn ein, zwei Szenen, fiel ansonsten nicht auf. Gleiches gilt auch für Rafael van der Vaart, der in diesem hektischen Spiel nicht so in Erscheinung trat, wie es sich Trainer Zinnbauer wohl erhofft hatte. Van der Vaart hatte vor dem Seitenwechsel durchaus ein, zwei, drei gute Szenen, aber für seine Ansprüche (und die des HSV) müsste er die ganz sicher öfter haben. Im zweiten Durchgang war er dann kaum noch zu sehen. Umgekehrt lief es bei Maximilian Beister. Er spielte in der ersten Halbzeit rechts draußen, dort trat er nicht in Erscheinung, später war er neben Rudnevs eine der beiden Spitzen, schoss beide Tore und wirkte wesentlich gefährlicher auf mich, als vorher.
Hinten rechts durfte sich Mittelfeldspieler Ahmet Arslan (aus der U23) versuchen – und er machte seine Sache durchaus nicht schlecht. Mal sehen, ob er sich auf diese Art eventuell mal in die Profi-Truppe kämpfen kann.
Bei den Spielern der Zweiten gefielen mir besonders Mende, Adomah, Kim, Steinmann und Derflinger, alle anderen waren sehr engagiert und wollten sich für höhere Aufgaben empfehlen. Das war gut zu sehen.
Bei der Gelegenheit: Vielen Dank an “el presidente” Benno Hafas, für den Schirm! Du bekommst ihn wieder, Benno, irgendwann!

 

Dann möchte ich, gegen Ende des Beitrags, noch kurz auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Ein Kollege aus Hessen sagte mir heute, dass Schiedsrichter Florian Meyer bereits eine Woche vor dem HSV-Spiel Kontakt mit der Eintracht hatte. Und zwar beim Bundesliga-Spiel Mainz 05 gegen Frankfurt (3:1). Dort hagelte es Frankfurter Kritik an Schiedsrichter Dr. Felix Brych (München), und explizit Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Bruno Hübner beschwerten sich mehrfach und vehement beim vierten Mann: Florian Meyer. Wie kann das sein, dass Meyer dann eine Woche später Frankfurt gegen HSV pfeifen darf? Das ist ein Unding. Geht gar nicht. Und wieso lehnt Meyer es denn auch nicht ab, wo er doch so von zwei Frankfurter Offiziellen angepöbelt worden ist? Das muss er doch den Oberen der Schiedsrichter mitteilen und sagen, dass er nicht sofort noch einmal mit dieser Eintracht und den Eintrachtlern zu tun haben möchte. Ich bin jedenfalls sprachlos, dass es so etwas geben kann.

 

Zumal mir mein hessischer Kollegen heute auch noch sagte, dass später, nach dem Spiel vom vergangenen Sonnabend, im Kollegenkreis gesagt und festgestellt worden ist, dass so gut wie alle Kann-Entscheidungen in dieser Partie pro Eintracht Frankfurt ausgefallen sind.

Kann man nur hoffen, dass so etwas dem HSV nicht so schnell noch einmal widerfährt. Man kann es nur hoffen. Sonst wird es noch düsterer für die Rothosen.

 

Beim HSV war man ob dieser Meyer-Ansetzung auch ganz schön geplättet, um es mal salopp zu umschreiben. Auch Joe Zinnbauer, der heute aber auch kämpferisch sagte: „Wir werden nicht absteigen, wir werden unsere Punkte noch sammeln. Wir haben noch elf Spieltage, zum Schluss wird der HSV nicht absteigen – und fertig.“

 

Sein Wort und Fußball-Gottes Ohr – aber dazu komme ich noch am Ende des heutigen Beitrags.

 

Kurz möchte ich auch noch auf Joe Zinnbauer persönlich eingehen. Kürzlich schrieb ich, dass er mir im Moment gar nicht gut gefällt, weil er sehr, sehr mitgenommen aussieht – natürlich. So etwas geht ja auch nicht spurlos an einem Trainer vorbei. Abstiegskampf ist die Hölle. Auch privat. Ganz sicher. „Kein Trainer wird sagen: ‚Juhu, jetzt haben wir Abstiegskampf.’ Das Privatleben eines Trainers ist natürlich wesentlich ruhiger, wenn man elf Punkte vom Abstiegskampf entfernt ist. Aber dann hat man wieder Druck, um noch in die Europa League zu kommen. Du hast als Trainer kaum Ruhe, aber das, genau das will ich ja auch. Ich will keine Ruhe. Das bin ich nicht. Ich brauche immer Action, ich muss Gas geben können, ich muss irgendwas bewegen können. Stillstand brauche ich nicht, bringt auch nichts. Das ist völlig normal in meinem Leben, meine Familie kennt das auch so von mir, alles ist gut.“

 

Aber es wäre doch auch bestimmt nicht schlecht, wenn es noch einen kleinen Tick besser wäre, oder? Dann mal los!

 

Ja, und dann muss ich noch ein Versäumnis gestehen. Bei „Matz ab live“ am vergangenen Sonntag hatte ich ganz zum Schluss etwas angedeutet, was ich dann doch nicht gehalten habe. Vor einigen Tagen hat mir mein langjähriger Kumpel Rolf Höfert, einst Kapitän beim HSV-Nachbar, einen Witz per Mail geschickt. Dieser Witz besagt, dass der HSV auf keinen Fall absteigen KANN. Und wer nun, bevor ich auf diesen Witz komme, zusammenzuckt, wie ich mit Höfert einen Kumpel von den „Braunen“ habe, der sollte wissen, dass wir uns schon seit der Jugend kennen. Er bei Paloma, ich bei BU. Wir sind Meister geworden, er leider nicht – geht ja nur einer. Aber er nimmt mir das immer noch (im Scherz) übel. Der Unterschied zwischen uns ist aber der: Er wurde Profi, ich nicht. Höfert sollte einst sogar zum FC Bayern, ging dann aber in die Schweiz und lebt seit gefühlt 35 Jahren bei Bern. Wir hatten und haben aber immer noch reichlich Kontakt, obwohl er ein „Brauner“ ist und ich eine „Rothose“. Er ist aber, wenn er in Hamburg ist, auch immer bei den HSV-Spielen . . . Er ist eben in erster Linie Hamburger. Immer noch. Und er liest jeden Tag „Matz ab“, sieht sich auch immer „Matz ab live“ an.

 

So, und nun der Witz:

Uli Hoeneß kommt eines Tages in den Himmel. Der liebe Gott persönlich begrüßt ihn an der Eingangstür und sagt: „Es ist eigentlich nicht üblich, dass ich jeden Neuzugang hier oben persönlich begrüße, aber in Ihrem Falle mache ich gerne eine Ausnahme. Sie haben so viel für den FC Bayern und den deutschen Fußball getan, Sie haben den Menschen geholfen wo Sie nur konnten, Sie haben den ärmsten Leuten Geld gespendet, Sie haben auch einige Vereine vor dem Untergang bewahrt. Das haben wir hier oben sehr wohl registriert. Und deswegen haben wir Ihnen auch extra ein kleines, feines und niedliches Häuschen herrichten lassen. Das bekommen wirklich nur ganz wenige Leute, Sie dürfen sich geschätzt fühlen durch uns.“
Uli Hoeneß reibt sich die Hände, bedankt sich und fragt, wo denn das Häuschen stehen würde. Gott sagt: „Wenn Sie mal schauen wollen, dort drüben, auf Wolke sieben. Sie können von hier aus sofort hinfliegen.“
Gesagt, getan. Schon im Anflug auf das Häuschen sieht Hoeneß die Bayern-Flagge im Garten wehen. Als er das Haus betritt, sieht er die Fußmatte mit dem Bayern-Emblem. Innen ist alles dezent in rot-weiß gehalten, die Vereins-Hymne „Stern des Südens“ wird gespielt – alles vom Feinsten. Hoeneß geht an ein Fenster, um die Umgebung zu erforschen – und erschrickt: Neben seiner Wolke sieben erblickt er einen riesigen Palast, alles in den Farben schwarz-weiß-blau gehalten. Die Diener laufen alle in schwarz-weiß-blauen Anzügen herum, die Damen des Hauses tragen HSV-Trikots, die Raute weht an allen Ecken des Palastes, es gibt einen schwarz-weiß-blauen Swimmingpool, es gibt einen riesigen Wellness-Bereich in schwarzweiß-blauen Farben, Lotto-King-Karls „Hamburg meine Perle“ läuft rauf und runter, sogar der Rasen ist schwarz-weiß-blau.
Wütend schließt Hoeneß das Fenster und beschließt, sofort zu Gott zurück zu fliegen. So geht es nicht. Das sagt er dem Chef dann auch unmissverständlich: „Was hat dieser Beiersdorfer, was ich nicht habe? Wieso hat der einen so riesigen Palast, und ich nur ein so mickriges Häuschen? Was hat dieser Beiersdorfer schon für den deutschen Fußball getan? Nichts! Gerade mal ein Länderspiel. Das ist nicht nur lächerlich, was hier passiert, das ist auch im höchsten Maße ungerecht. Wieso hat Beiersdorfer einen solchen Palast?“
Der liebe Gott bleibt während des Protestes gelassen und ruhig, mahnt dann auch Hoeneß: „Halten Sie jetzt mal den Ball flach, in diesem Palast wohnt nicht Dietmar Beiersdorfer, sondern ich.“

Und lässt ein solcher HSV-Fan den HSV auch tatsächlich ins Verderben rennen? Und absteigen? Nein, nein, nein. Das haben wir doch schon im Sommer 2014 erlebt. Mit 27 Pünktchen. Und wo spielt der HSV mit diesen 27 Pünktchen immer noch? Eben.

 

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

 
18.39 Uhr

Das 1:0 – ein großer Schritt zum Profi-Vertrag für Joe Zinnbauer

5. Oktober 2014

Genau ein halbes Jahr war vergangenen seit dem bis dahin letzten Sieg in der Bundesliga. Fast ein ganzes Jahr seit dem letzten Auswärtssieg. Es war überhaupt der erste Saisonsieg – und dann ausgerechnet in der deutschen Fußball-Kathedrale in Dortmund. Aufatmen beim HSV. Sie können doch noch gewinnen, und die Verbesserungen der vergangenen Wochen unter Trainer Joe Zinnbauer haben sich nun auch in einem Resultat niedergeschlagen. Dieses 1:0 fühlt sich an wie ein Brustlöser.

„Der HSV war definitiv stark. Das ist jetzt auch schon eine Tendenz“, meinte Mittelfeldspieler Tolgay Arslan. „Der Trend geht nach vorn und die Mannschaft lebt, wir spielen als Mannschaft.“ Kollege Marcell Jansen ergänzte: „Fürs Herz und für die Fans und für uns ist es ein Gefühl, das wir unbedingt brauchten.“ Ein verdientes Gefühl, meinte Heiko Westermann: „Wir haben uns belohnt für ein gutes Spiel. Eigentlich waren wir die letzten Wochen schon dran. Wir haben an uns geglaubt, und dafür wir man irgendwann belohnt.“

Okay, Borussia Dortmund hat sicher nicht das gebracht, was die Mannschaft in den vergangenen Jahren schon öfters gebracht hat. Aber: Der HSV spielte genau so, wie es der BVB nicht mochte. Am Mittwoch in der Champions League hat es der belgische Verein RSC Anderlecht den Westfalen noch zu leicht gemacht. Gegen den HSV musste die Klopp-Elf über den Schmerzpunkt gehen, sich immer wieder stemmen gegen das stramme Pressing des HSV, durfte sich keine Konzentrationslücken leisten. Und weil die Hamburger in ihrem Bemühen nicht nachgelassen haben, war das 1:0 am Ende sicher auch verdient.

Beste Spieler waren aus meiner Sicht Valon Behrami, der in dieser Verfassung kaum wegzudenken ist aus dem Team. Wo es brennt auf dem Feld, ist der Schweizer und hält seinen Fuß hin. Seine ersten Spiele in Hamburg haben mir noch nicht so gut gefallen, aber hätte er nicht den Japaner Kagawa an die Kette gelegt – wer weiß, wie es ausgegangen wäre. Und dann ist da noch Nicolai Müller, der immer spritziger wird.

Nicht von ungefähr ging die Aktion des Tages auf das Konto von Nicolai Müller. Zuletzt gegen Frankfurt beendete er schon den Torfluch, jetzt hat er seinen ersten HSV-Assist auf dem Konto. Klasse, wie der Ex-Mainzer das Tor durch Pierre Michel Lasogga vorbereitet hat. Zum Spiel sagte Müller: „Wir hatten einen Plan, den haben wir sehr gut umgesetzt. Vergangene Woche haben wir mit dem Tor schon den Bock umgestoßen, jetzt haben wir den ersten Sieg. Unsere Entwicklung geht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern wir müssen weiter hart arbeiten und bescheiden bleiben.“

Für Abendblatt-Blogs


Natürlich war es die Geschichte des Tages, dass nun gerade Pierre Michel Lasogga getroffen hat. Vielleicht hätte Uli Stein den Ball auch reingemacht, aber auch wenn es ein relativ einfaches Tor war, sollte es dem Torjäger der vergangenen Saison helfen, zu alter Form zurückzufinden. „Ich weiß, dass Kritik dazugehört. Aber es hat mich kalt gelassen die letzten Wochen. Ich konnte immer in den Spiegel gucken die letzten Spiele, weil ich wusste, dass ich alles gegeben hatte. Und ich wusste, dass ich es ja nicht verlernt habe. Irgendwann würde es zurück kommen – jetzt ist es zurück gekommen. Schön!“ Bei „Sky“ fügte Lasogga noch hinzu, er wisse gar nicht, wer dieser Uli Stein ist, der ihn da so heftig kritisiert hatte.

Heute trat Uli Stein („Lasogga hätte früher bei uns nur das Ballnetz getragen“) noch einmal bei Sport1 auf. Was ja ein wenig untergegangen ist in der Debatte um die rechte Wortwahl zum HSV-Angreifer sind Steins Einschätzungen über die insgesamt positive Entwicklung beim HSV unter Dietmar Beiersdorfer und Joe Zinnbauer. Hier könnte mal also ein wenig differenzieren, ehe Uli Stein pauschal abqualifiziert wird für seine Äußerungen. Der Mann ist immerhin der beste Torwart, den der HSV je hatte – und er hat Erfolge erreicht, die beispielsweise Pierre Michel Lasogga nur ganz schwer erreichen kann. Insofern – Aserbaidschan hin oder her – darf dieser Uli Stein auch mal den Finger in die Wunde legen, wenn er es für notwendig hält.

Gestern habe ich eine Schlagzeile gelesen: „Ex-Außenminister Genscher kritisiert Zustand der Bundeswehr!“ Darf der das auch nicht, der Genscher? Seine aktive Zeit ist ja in etwa so lange vorbei wie die von Uli Stein, oder? Vielleicht sollten viele das Thema Lasogga und Stein mal gelassener sehen – „das ist Stürmerschicksal“, wie Peter Knäbel ganz richtig sagte.

Lasoggas gesamte Leistung gestern in Dortmund war ja auch noch ausbaufähig. Kaum gehaltene Bälle, wenige konstruktive Aktionen. Viele sagen, das sei ja auch alles gar nicht seine Stärke, er müsse gefüttert werden. Ich sehe das nicht ganz so. Vergangene Saison war Lasogga ein Kraft- und Energiebündel, der mit seiner Power manche Situation gelöst hat, die er aktuell noch nicht löst. Es fehlt nach wie vor körperlich, und vielleicht macht er sich auch zu viele Gedanken um seine Situation. Woher mögliche Zweifel kommen, weiß ich nicht. Spürt Lasogga größeren Druck? Wollte er mit Gewalt auch gegen seine persönliche Torflaute angehen? Die meisten Kritiker – außer Stein – haben ja immer mildernd darauf hingewiesen, dass die mangelnde Form des Angreifers vor allem seinem Trainingsrückstand geschuldet ist. Tolgay Arslan sagte heute zu Lasogga: „Für ihn war es wichtig, ein Tor zu schießen. Jetzt muss er weitermachen. Ein Spiel ist schön, mehrere Spieler sind schöner. Pierre habe ich in den letzten Wochen noch nie so erlebt. Er hat viel nachgedacht – ich glaube schon, dass da jetzt ein Knoten geplatzt ist.“

Ein anderer 83er hat gestern im Sportstudio auch seine Meinung gesagt. Wahrscheinlich wird er dafür nicht beschimpft, denn er hat ja auch viel Positives zum Besten gegeben. Horst Hrubesch hat sich Steins Meinung über Pierre Michel Lasogga nicht angeschlossen. Und auch nicht der über Rafael van der Vaart, den Stein gleichsam auf dem Kieker hat. „Van der Vaart ist darauf angewiesen, dass die Mannschaft funktioniert. Das war nicht so in den vergangenen Jahren. Da hattest du nie das Gefühl, dass es voran geht. Mich freut es, dass eine Aufbruchstimmung da ist. Eventuell war das der Brustlöser in Dortmund. Und ich hoffe, dass das nicht wie im letzten Jahr bei einem Spiel bleibt.“

Was die Trainerfrager angeht, sieht Hrubesch durchaus ein Modell für die Zukunft gefunden: „Zinnbauer zu nehmen, war absolut in Ordnung. Ich habe anfangs nur gezweifelt, ob er soweit ist. Aber er hat die Mannschaft wieder aufgerichtet. Alles, was man hört, ist absolut positiv. Ich hoffe, die Mannschaft richtet sich nach ihm und nimmt seinen Einsatz wahr und folgt ihm.“

Damit hat Hrubesch gleich den Punkt getroffen, der am Sonntag auch durch Peter Knäbel, den neuen Direktor Profi-Fußball thematisiert wurde. „Joe hat Werbung gemacht, auf Sicht ein Bestandteil des HSV zu sein“, sagte Knäbel mit Blick auf die ersten vier Spiele unter dem neuen Cheftrainer. In den kommenden zwei Wochen, so viel verriet Knäbel, werde er mit Zinnbauer und seinem Team nun weitreichende Gespräche geben über die Vertragsgestaltung der Zukunft führen. Diese Aussagen darf man sicher so interpretieren, dass die „Bis-auf-weiteres“-Lösung Zinnbauer in eine Dauerlösung umgewandelt werden soll. Knäbel weiter: „Die Art und Weise, wie wir spielen, kommt an. Man darf eines nicht unterschätzen: Joe und sein Team sind eigentlich für den Nachwuchs geholt worden, und arbeiten jetzt mit sehr viel Leidenschaft bei den Profis. Ich habe mich gestern ganz persönlich für Joe gefreut, weil der Sieg eine Belohnung war.“

Interessant auch zu hören, wie Knäbel sein erstes Spiel auf der Trainerbank und die Leistung der Mannschaft beurteilt hat. Ob der HSV so etwas wie der Gewinner des Spieltages sei, wurde Knäbel gefragt: „Wenn man vergleicht, was im Misserfolgsfall hätte geschehen können, dann kann man das schon sagen. Dann wären wir zwei Punkte hinter den anderen gewesen, schon ein bisschen abgeschlagen. Jetzt haben wir den letzten Platz verlassen und sind ein bisschen nach oben gekrabbelt. Klar sind wir ein Gewinner, aber das sind auch andere. Wenn man sieht, wie stabil unser nächster Gegner Hoffenheim ist, zählen die zum Beispiel mehr zu den Gewinnern. Aber wir nehmen natürlich jeden Schwung und jede Energiequelle mit.“

Recht bedeckt hielt sich Knäbel zur Lasogga-Debatte. Der habe durch das Tor seine beste Antwort gegeben und sich für hohen Laufaufwand der vergangenen Wochen belohnt. Auf die Kommentare der Ex-Stars angesprochen, möchte Knäbel darauf nicht generell verzichten: „Wenn jemand wie Horst oder Uli Stein oder andere Stimmungen wahrnehmen, ist es immer etwas wert, wenn sie das sagen. Weil sie auch einen Vergleich haben. Ich finde das wichtig. Und wenn ich von Horst Hrubesch höre, dass er Aufbruchstimmung spürt, freut mich das. Und es ist auch Verantwortung und Motivation für uns.“

Für Peter Knäble geht es nun darum, seinen neuen Verein und die Mannschaft noch besser kennenzulernen. Die Länderspielpause soll da helfen, er will viele Gespräche führen, so wie er es mit dem Mannschaftskapitän schon getan hat. Über Rafael van der Vaart hat Peter Knäbel übrigens eine klare, eine positive Meinung: „Rafael van der Vaart ist der Kapitän der Mannschaft und ein Weltklassespieler, der Spiele entscheiden kann. Für ihn sind die zwei Wochen ungemein wichtig. Ich hoffe, dass er mit der nötigen Kondition und Spielfreude zurückkehrt.“ Den Nutzen der Pause sieht Knäbel auch für andere wie Marcell Jansen, der gestern in Dortmund schon mal einen guten Anfang gemacht hat. „Nach der Länderspielpause geht es Schlag auf Schlag“, so Knäbel.

Soweit also Peter Knäbel, der bei aller positiven Energie nicht ungehemmt aufs Gaspedal treten möchte: „Es ist ein Spiel, das wir gewonnen haben. Es ist lange her, dass wir zwei Mal hintereinander gewonnen haben. Kümmern wir uns darum. Ich spüre eine große Sehnsucht, dass wir einen guten Fußball-Alltag auf hohem Niveau in Hamburg haben.“ Also: Konstanz und Nachhaltigkeit in den Laden bekommen, und nicht von neuen Zielen sprechen.

Kommen wir noch einmal zu Joe Zinnbauer. Der Trainer sagte nach der Partie über…

… den Sieg: „Es fühlt sich gut an, aber es war auch harte Arbeit. Ich sehe, dass wir zu einem Auswärtsspiel fahren und hungrige Spieler haben. Das habe ich auch in den Augen der Spieler gesehen.“
… zur Länderspielpause: „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, etwas mehr zu machen. Aber wir haben auch zehn Spieler bei den Nationalmannschaften. Wir müssen uns für Hoffenheim genauso einstellen, dürfen keinen Zentimeter nachlassen. Im Gegenteil: Wir müssen noch einen Zentimeter weiter gehen.“
… zu Pierre-Michel Lasogga: „Die Mannschaft muss Pierre unterstützen, nicht nur er. Pierre ist ein Torjäger, das weiß nicht nur ich, sondern auch Jogi Löw zum Beispiel. Man muss dem Jungen auch ein bisschen Zeit geben.“
… zu seiner eigenen Perspektive: „Da mache ich mir gar keine Gedanken. Wir haben das Vertrauen aller Beteiligten bekommen. Was geschieht, entscheiden andere. Wir wollen unseren Job machen, und wenn die Mannschaft so weitermacht, wird es sich von allein regeln. Ich habe eh Vertrag und fühle mich wohl in Hamburg. Ob U 23 oder erste Mannschaft, ist natürlich nicht egal, aber ich will Trainer sein. Und das lässt der HSV gerade zu. Und wenn es in der ersten Mannschaft ist – umso schöner.“
… zu seiner Energie: „Es prasselt viel ein, das ist sicher ungewohnt. Auch der Umgang mit den Medien frisst viel Zeit, aber das ist sehr positiv – im Moment jedenfalls. Es ist toll, ich bin belastbar, das war ich schon immer in meinem Leben – nicht nur als Spieler, auch als Privat-Mensch. Ich versuche meine Ziele umzusetzen, wenn mir etwas Spaß macht.“

Gestern in Dortmund musste Dennis Diekmeier angeschlagen ausgewechselt werden. Seine Verletzung stellte sich als nicht so schwerwiegend heraus. Diekmeier hat einen Schlag in die Kniekehle erhalten und soll am Dienstag, bei der nächsten Trainingseinheit, wieder mitmischen.

Oben könnte Ihr Euch auch, wie gewohnt, noch einmal die „Matz-ab-live“-Sendung von gestern angucken. Aus besonderem Anlass dazu ein paar Zeilen von Dieter:

Die Resonanz war groß. Es gab viele Mails und Anrufe, in denen wir Lob für unsere Sendung „Matz ab live“ nach dem Dortmund-Sieg gelobt wurden. Lag es ganz einfach an der guten Stimmung danach, oder war es die Erleichterung? Kann sein. Ich glaube aber eher, dass wir ganz tolle Gäste hatten. Wenn „Scholle“ und ich nach einer solchen Runde auseinander gehen, dann rufen wir uns meistens noch einmal an – und einer fragt den anderen: „Wie fand’s du es? War das so in Ordnung? War es gut? Hat was gefehlt?“ So auch diesmal. „Scholle“ kam mir zuvor, wir haben im Prinzip zugleich an diese „Manöver-Kritik“ gedacht. Und wir waren uns einig: „Das war diesmal sehr gut.“
Was hauptsächlich, das war unser Empfinden, an unseren beiden Gästen lag:Tim Oliver „Timo“ Horn sowie Martin Oetjens. Das sind der frisch gewählte Vorsitzende der Supporters-Abteilung sowie dessen Stellvertreter. Herzlichen Dank an beide Herren, dass sie bei uns waren, das war einfach nur klasse. Diese „Jungs“ haben etwas zu sagen, und sie sind für mich wirklich großartige HSV-Fans. Es war schön zu erleben, dass es zwei Rothosen sind, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie wollen nur das Beste für den HSV, und dafür opfern sie viel Zeit. Was mich absolut positiv gestimmt hat war dies: Da sitzen keine Fans und sagen immer nur: „Wir wollen das, wir brauchen jenes, und ohne uns geht schon mal gar nichts, wir fordern hier und wollen da – also spurt mal schön. Sonst werdet ihr schon erleben, wie es hier demnächst lang geht.“
Horn und Oetjens sind genau das Gegenteil davon. Sie, so mein Gefühl, möchten dem HSV helfen, sie möchten dem HSV dienen, sie bieten dem Club ihre Unterstützung an, sie geben dem Verein ihre Hilfe, damit es überall und in allen Belangen wieder aufwärts geht. Sie möchten kitten und vermitteln, sie möchten alle HSVer wieder zusammenführen. Bravo. Nicht sie stellen sich in den Mittelpunkt, sondern es steht bei ihnen in erster Linie nur der HSV im Blickpunkt ihrer Arbeit und ihres Engagement. Hervorragend. Und Martin Oetjens war einer derjenigen, die die HSV-Reform geplant haben. Die AG und HSVplus haben sich durchgesetzt, aber Oetjens hat nicht aufgegeben, nicht resigniert, nicht beleidigt reagiert und sich auch nicht schmollend zurückgezogen – sondern Flagge gezeigt. Er will mithelfen, dass dieser Verein wieder geeint wird.
Ich war und bin immer noch total begeistert, dass dieser HSV solche großartigen Mitglieder noch immer hat, dass es so etwas gibt. Das gebe ich ehrlich und auch gerne zu. Und zugleich bewundere ich ihren Mut, diese Posten überhaupt angetreten zu haben, ich stelle mir das – gerade in der jetzigen Situation – unheimlich schwer vor. Und ich gestehe auch: das wäre nichts für mich. Aber ich möchte beiden, dem Timo und dem Martin, auch sagen, dass wir ihnen dann helfen werden, wenn sie einmal unsere Unterstützung benötigen – wie auch immer das einmal aussehen könnte.
Danken möchte ich bei der Gelegenheit auch allen jenen, die uns und mir geschrieben haben, oder die mich angerufen haben. Das waren diesmal nicht wenige. Und das zeugt davon, dass sie nicht nur diese Sendung, in der es nur um den HSV geht, gesehen haben, sondern auch davon, dass sie ähnlich (oder genau so) wie wir denken.
Alles Gute und viel Erfolg, Ihr Supporter-Chefs.

Und schließlich noch eine Info für alle, die sich auf das geplante und schon einmal verschobene Testspiel am kommenden Sonnabend in Danzig gefreut hatten: Die Partie wird vermutlich erneut verschoben.

18.10 Uhr
Lars

Zinnbauer sorgt für frischen Wind beim HSV

17. September 2014

„Er ist für mich ein super Trainer, und ich hoffe, dass er die ersten Punkte für den HSV holt.“ Das sagte der ehemalige HSV-Profi Hakan Calhanoglu nach dem Champions-League-Spiel von Bayer Leverkusen beim AS Monaco über die Berufung von Josef Zinnbauer zum Hamburger Cheftrainer.

Etwa zur gleichen Zeit saß Jürgen „Kloppo“ Klopp am Dienstag in Dortmund nach dem 2:0-Sieg über Arsenal London bei der Pressekonferenz und sagte und fragte in die Runde: „Ich freue mich sehr für Joe Zinnbauer, dass er Trainer des HSV geworden ist – hat jemand von Euch mal die Handy-Nummer, damit ich ihn anrufen kann, um zu gratulieren?“

 


 

Ja, so geht es dann doch auch. Man muss nicht alles nur schlecht machen oder schlecht reden, man könnte auch ein wenig Hoffnung aus dem Trainerwechsel beim HSV schöpfen. Hoffnung und Zuversicht. Den ersten Tag hat Zinnbauer nun hinter sich, und er hat ihn mit Bravour gemeistert. Er kam zwar exakt 30 Minuten zu spät auf den Trainingsrasen am Volkspark, aber nur deshalb, weil seine „Neu-Jahrs-Ansprache“ wohl einen Tick länger gedauert hatte. Zinnbauer kam mit Co-Trainer Patrick Rahmen und Torwarttrainer Stefan Wächter die „Show-Treppe“ im Süden des Stadions herunter, und unten durchschritten die drei Musketiere dann ein Spalier aus Fans und Medien-Vertretern. Die HSV-Anhänger applaudierten – es muss dem neuen Chef-Trainer heruntergegangen sein wie Öl. Genau fünf Minuten später erschien die Mannschaft. Sie ging auch durch das Spalier, aber ohne Beifall. Der muss sich erst wieder erarbeitet werden.
Übrigens: Zu spät wird Joe Zinnbauer wohl nie, denn er ist nicht nur fünf Minuten vor der Zeit da, sondern fast fünf Stunden . . . Heute fuhr er bereits um 7 Uhr vor den Eingang des Stadions, was noch verschlossen war – aber „Joe hat ja Schlüssel“. Und gestern, als er noch bei der U23 im Amt war, betrat er um 14 Minuten vor Zwölf das Stadion – das Training war für 15.30 Uhr terminiert. So ist der neue Mann des HSV.

 

Wer mehr über Joe Zinnbauer wissen will, oder fast alles, der sollte sich das hier eingebaute Video von seiner Vorstellung heute zur Mittagszeit ansehen (bitte die Play-Liste darunter beachten!). Und wer das wagt, der wird feststellen, dass an diesem Mann nichts Künstliches dran ist, sondern nur Normalität. Dieser Trainer ist authentisch, frisch, fromm, frei und von der Leber weg. Einfach erfrischend, dieser Typ. Und wenn er damit auch bei seiner Mannschaft „landen“ kann, wenn er seine etwas trockenen Profis, von denen viele, viel zu viele schon mit lethargischen Zügen über den Rasen traben, sich von dieser emotionalen Art auch nur etwas mitreißen oder anstecken lassen, dann wird dieser HSV auch wieder auf die Beine kommen. Habt Vertrauen.

 

Wie die beiden großen Agenturen den ersten Tag von Joe Zinnbauer erlebt haben, möchte ich Euch auch noch zukommen lassen, damit das Bild dann noch ein wenig runder wird. Zuerst der Beitrag der Deutschen Presse-Agentur:

HSV-Coach Zinnbauer: „Ich will die Zügel in der Hand haben“

Aufgezeichnet von Christopher Weckwerth

Der neue HSV-Trainer Josef Zinnbauer steht vor seinem Debüt in der Bundesliga: Nach fast 20 Jahren in Amateurligen wittert der 44-Jährige seine Chance, sich im Profibereich zu etablieren.

Josef Zinnbauer ist der neue Trainer beim Fußball-Bundesligist Hamburger SV. Gleich im ersten Training mit der Profimannschaft am Mittwochvormittag gab der bisherige U23-CoachdesHSV lautstark den Ton vor:„Ich will die Zügel in der Hand haben“, erklärte der 44-Jährige anschließend auf einer Pressekonferenz in der Arena. Frage: Was für ein Trainertyp sind Sie? Antwort: Ich bin sehr leidenschaftlich und akribisch. Disziplin ist mir wichtig, ich will schon die Zügel in der Hand haben. Wenn man in Hamburg Trainer ist, sollte man alles ins Zeug legen – ich denke, das habe ich mit der U23 gemacht.
Frage: Haben Sie Respekt vor dem Sprung aus der vierten in die erste Liga? Antwort: Ich bin kein Neuling als Trainer. Ich bin im 26. Lebensjahr in das Geschäft eingestiegen, auch wenn es unterklassig war. Als Zweitligaspieler bei Mainz 05 habe ich auch als Profi auf dem Rasen gestanden – das ist nichts Neues für mich. Respekt habe ich natürlich, das ist doch klar. Aber vor 50 000 Zuschauern zu spielen, darauf freue mich, da sollte man keine Angst vor haben. Das ist doch geiler, als wenn ich vor zehn Leuten stehe. Ich habe Bock auf die erste Liga.
Frage: Wie schätzen Sie Ihre neue Mannschaft ein? Antwort: Mein erster Eindruck ist positiv. Stärken und Schwächen richten sich meiner Meinung nach danach, wie man spielen lässt. Ich will eine eigene Philosophie einbringen. Man kann die Schwächen auch verstecken. Ich habe aber auch der U23 viel zu verdanken: Da sind Spieler drin, die wir hoffentlich mal in der Bundesliga sehen.
Frage: In Mainz haben Sie an der Seite von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp gespielt. Haben Sie noch Kontakt? Antwort:Ja, ich habe ihm neulich noch bei Whatsapp geschrieben. Schon damals in Mainz hat Kloppo gesagt: Wir zwei Blinden können nicht Fußball spielen, aber vielleicht packen wir es ja als Trainer . . .

 

Und beim Sport-Informations-Dienst war zu lesen:

 

„HSV-Joe“ Zinnbauer schießt scharf: „Ich kenne kein Pardon“

Emotionen ins Team bringen und vor allem Druck machen: Mit drastischen Maßnahmen will Josef Zinnbauer als neuer Cheftrainer des Hamburger SV den Profis des sieglosen Tabellenletzten Beine machen – auch schon gegen Bayern München.

Emotional, ehrgeizig, energisch – mit dieser erfrischenden Mischung will Josef Zinnbauer als 17. Cheftrainer binnen 13 Jahren Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV aus dem Tabellenkeller holen. „Ich habe Bock auf die 1. Liga. Es ist doch viel schöner, vor 50 000 statt vor 500 Zuschauern zu spielen“, sagte der 44-Jährige am Mittwoch bei seiner Präsentation in der Hansestadt.
Der einstige Zweitliga-Profi machte unmissverständlich deutlich, dass unter ihm ein anderer Wind wehen wird als bei seinem glücklosen Vorgänger Mirko Slomka, der am Montag nach drei Spielen ohne Sieg und ohne einen einzigen Torerfolg beurlaubt worden war: „An der Qualität der Mannschaft liegt es nicht. Man muss Emotionen reinbringen und am Kopf ansetzen. Wenn nur drei von elf Spielern da nicht mitziehen, funktioniert es einfach nicht.“
Der 44-Jährige, der bereits seit 18 Jahren als Coach arbeitet, hat das beste Druckmittel für lethargische Profis in der Hand. Das von ihm betreute U23-Team führt mit acht Siegen aus acht Spielen die Tabelle der Regionalliga Nord souverän an. So mancher Nachwuchsakteur wirft schon begehrliche Blicke Richtung Erstliga-Kader.
Und darf sich offenbar berechtigte Hoffnungen machen. Zinnbauer: „Wenn es oben nicht läuft, hole ich mir meine jungen Spieler dazu. Da kenne ich kein Pardon. Ich habe ihnen gesagt, dass mein Wechsel in die erste Liga eine große Chance für mich, aber eben auch für sie ist.“

 

Soweit die beiden Agenturen. Wie gesagt, Ihr selbst könnt Euch ein Bild vom neuen HSV-Trainer machen, indem Ihr das Video (plus Play-Liste) von der PK anklickt. Es lohnt sich.

 

Kurz noch zum Training. Rafael van der Vaart, Ivo Ilicevic und Marcell Jansen nahmen nicht daran teil, weil sie verletzt sind. Jansen betrat um 11.26 Uhr den Trainingsplatz und joggte, arbeitete dann aber auch kurz mit Reha-Trainer Markus Günther, der zuvor mit Slobodan Rajkovic beschäftigt war – anschließend gingen alle drei Männer im Volkspark laufen. Beim Profi-Training waren dafür auch drei Spieler aus der Zweiten dabei: Ashton Götz (er wird der erste Spieler sein, der den Sprung zu den Profis schaffen wird – ist meine Überzeugung!), Tolcay Cigerci und Ronny Marcus. Auch die Nachmittagsschicht begann mit einiger Verspätung, denn zuvor hatte es in der Kabine eine Video-Vorführung gegeben. Eine Art Folter-Training . . .

 

Im obligatorischen Trainingsspielchen gegen Ende der Einheit spielte A gegen B – und in dem A-Team standen drei ganz interessante Männer: Jaroslav Drobny im Tor, davor in der Innenverteidigung Heiko Westermann (neben Johan Djourou) und davor, auf der Sechs, Tolgay Arslan. Hat wahrscheinlich noch nichts zu sagen, aber es fand dennoch viel Beachtung. Am Nachmittag wurde dann sehr, sehr ideenreich trainiert, mit Spaß und Freude an der Sache. Eine Übung war so angelegt, dass die Spieler mit Ball und Tennisball zugleich “spielen” mussten . . . So etwas Kreatives gab es im Volkspark schon seit Jahr und Tag nicht mehr.

 

Die Kritiken, die Joe Zinnbauer, der seit 1980 nunmehr mein 27. HSV-Trainer ist (allerdings mit Ralf Schehr, Holger Hieronymus und Frank Arnesen) nach und für seinen ersten Tag bekommen hat (Fans und Kollegen), waren durchweg positiv, meistens überaus positiv. Es weht, so war zu vernehmen, jetzt ein viel frischerer Wind durch den Volkspark, die Stimmung ist plötzlich eine ganz andere. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch bei der Mannschaft so aufgenommen und dann auch gelebt wird.

 

Das hofft natürlich – und in erster Linie – auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer, der sich ganz hinten in der letzten Reihe die erste Pressekonferenz von Joe Zinnbauer ansah und anhörte. Der „Didi“ wirkt auf mich etwas (sehr) gestresst, die Turbulenzen der vergangenen 48 Stunden zeigen sich in seinem Gesicht, er hat Augenränder. Natürlich. So etwas geht ja nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Er muss schließlich innerhalb von wenigen Stunden allerhand Männern erklären, dass sie in Zukunft keine Rolle mehr beim HSV spielen werden – und gehen müssen. Ganz sicher keine angenehme Aufgabe – und so etwas dann am Fließband. Ich stellte gestern ja noch die Frage, was aus Liga-Betreuer Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka im Sommer von Hannover 96 losgeeist hatte, heute sagte Beiersdorfer nur ganz kurz: „Er bleibt beim HSV.“ Was in diesen schweren Zeiten ja gewiss keine Selbstverständlichkeit ist . . .

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark um 15.30 Uhr (nicht, wie zuerst gemeldet, um 10 Uhr!) trainiert.

 
17.15 Uhr

Alle haben Fehler gemacht – jetzt gilt es: Wir alle müssen die Lehren daraus ziehen!

8. Juni 2014

Das Kapitel Bert van Marwijk ist geschlossen, und das ist auch gut so. Der Vize-Weltmeister-Trainer und der HSV haben sich auf Ablösemodalitäten geeinigt, die Trennung ist jetzt auch finanziell besiegelt. Zu welchen Konditionen ist offen, aber es dürfte dem Dino gekostet haben . . . Das waren teure und trostlose 143 Tage, an denen der Niederländer den HSV nur noch tiefer in den Sumpf geführt hat. Aber gut, dieser Teil der äußerst unrühmlichen Vergangenheit der Rothosen ist bekannt – und nicht zu ändern. Erst in der neuen Saison. Und der blicke ich durchaus optimistisch entgegen, denn irgendwann wird auch dieser bislang von vielen Amateuren geführte HSV aus seinen schwersten Fehlern lernen müssen. Genau das hatten in der Vergangenheit immer wieder viele Experten und HSV-Ehemalige an diesem Verein kritisiert.


 

Einer von ihnen ist der frühere HSV- und Nationaltorwart Uli Stein. Ich traf ihn beim ersten Relegationsspiel gegen Fürth, wir hatten einige Zeit, um über diesen HSV zu sprechen. Und genau ein Thema war dabei, dass der HSV nie gelernt hat, die Fehler, die zum stetigen Niedergang geführt haben, zu analysieren und daraus Nutzen zu ziehen. Stein hoffte deshalb vor allem auf neue Strukturen – und die sind dem Club nun gegeben. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt, es könnte “von oben” nun alles besser werden, wenn unten, an der Basis, mit offenen Augen die neue Saison geplant wird. Und das muss ganz klar heißen: Die Lehren aus dem Desaster 2013/14 ziehen.

Ich habe in den letzten Tagen jeden einzelnen Spieler unter die Lupe genommen und oft auch hart kritisiert. Dieses “Hart kritisiert” flog mir danach oft um die Ohren – weil es zu hart war? Schon vergessen, was der HSV für eine grottige Saison gespielt hat, mit seinen kümmerlichen sieben Siegen und 27 Pünktchen? Wahrscheinlich ist es so. Mir flogen aber auch unglaubliche viele Leserbriefe zu, und die habe ich sehr genau durchgelesen. Ein Punkt kam dabei immer wieder hervor, und ich zitiere aus einer Mail an mich:

Ich verstehe es, wenn Ihr Jarchow nicht wehtun wollt, indem Ihr die Wahrheit schreibt. Mir persönlich hätte es allerdings nach dieser Saison eine gewisse Befriedigung meiner geschundenen HSV-Seele gegeben, wenn Klartext geredet werden würde und die Dinge einmal komplett aufgearbeitet werden würden, um dann mit dem leidigen Thema abzuschließen und in eine hoffentlich bessere Zukunft zu schauen.

Carl-Edgar Jarchow ist für viele hier der Sündenbock Nummer eins. Für mich nicht. Gebe ich zu, dazu stehe ich auch. Obwohl er ganz klar auch gravierende Fehler begangen hat – aber wer hat das nicht in diesem HSV? Sie haben alle unheimlich viele und große Fehler gemacht. Jarchows vielleicht größter war, dass er nach einigen Monaten nicht das in die Tat umgesetzt hat, was er vorher angekündigt hat – nämlich dass er nur übergangsweise der HSV-Boss ist. Er hatte Gefallen daran gefunden, ein gefragter Mann in der Hamburger Öffentlichkeit zu sein, er fühlte sich vielleicht auch ein wenig geschmeichelt, dass er der große Mann des HSV geworden war – aber er übersah die vielen, vielen Probleme, die er geerbt hatte. Die hätten ihn, ganz eindeutig sogar, zur frühen, ich meine sogar zur sofortigen Aufgabe des Amtes zwingen müssen. Weil er, das kommt noch ganz entscheidend hinzu, ja auch in der Öffentlichkeit niemals darüber plauderte, was er eigentlich beim HSV vorgefunden hatte – als er der Boss wurde. Carl-Edgar Jarchow hat geglaubt, dass er es mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art richten würde, dass er es so packen würde mit dem HSV, aber das war sein größter Irrglaube.

Zumal er, und das ist Fehler Nummer zwei, nicht der Mann ist, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Nicht dass er dazu nicht fähig wäre, nein, ganz gewiss nicht, er wird auch das können – aber er konnte es mit seinen “Untergebenen”, die für die Bundesliga-Mannschaft des HSV die Hauptverantwortung trugen, nicht. Er konnte zum Beispiel keinem Trainer mehr Fleiß injizieren, Jarchow sah mehr oder weniger tatenlos zu, wie die Herren Trainer nur das machten, was sie wollten, was sie für richtig und die Mehrheit der Experten für grundlegend falsch hielten. Die Trainer machten nicht das, was dieser Club und vor allem diese Mannschaft so dringend gebraucht hätte – und von “oben” sahen die Herren nur zu, auch und genau Carl-Edgar Jarchow.

Ihr werdet Euch noch – sehr unangenehm – an die 2:9-Pleite von München erinnern, vorletzte Saison. Danach stellte sich Carl-Edgar Jarchow vor alle Kameras dieser Welt und sagte mit zusammengekniffenen Lippen (wenn das überhaupt so geht, aber so habe ich es in Erinnerung) und mächtigem Grummeln in der Stimmen und mit ganz bösem, bösem Blick: “Dieses Debakel wird Konsequenzen haben, wir werden am Ende der Saison ganz genau analysieren – und dann dementsprechend reagieren.” Sollte heißen: Köpfe werden rollen, innerhalb der Mannschaft, die so krass versagt hatte. Was blieb aber am Ende (wieder einmal) übrig von diesen Ankündigungen? Nichts. Nur der Trainer wurde gewechselt. Die Spieler durften dem Verein weiter auf der Nase herumtanzen – und Millionen nach Hause abschleppen. Das, was Herr Jarchow angekündigt hatte, war ein Sturm im Wasserglas, dieser sollte die Masse beruhigen – und tat es ja auch im ersten Moment.

Nur: Wenn die Spieler, die ja in der Mehrheit auch große Schlitzohren sind, so etwas mitbekommen, dass große und harte Konsequenzen getätigt werden, aber nie etwas passiert, dann legen die Herren Profis erst recht ihre Füße hoch und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein – und Carl-Edgar Jarchow erst recht. Es ist ja nichts zu befürchten, nicht das Geringste, alles nur heiße, heiße Luft. Wenn überhaupt.

Das sind die Fehler, die ich dem Noch-Boss des HSV ankreide. Er hat es sicher auf seine hanseatische Art niemals böse gemeint, er hat besonders in seiner ersten Zeit wieder für Ruhe im Verein gesorgt, aber ganz sicher wäre es besser gewesen, wenn er auch seinen leitenden Angestellten gegenüber mal etwas energischer aufgetreten wäre. Als Mensch, das muss ich ganz klar sagen, hat mich Jarchow immer überzeugt, da würde ich niemals ein schlechtes Wort über ihn verlieren – deswegen würde ich mir auch wünschen, wenn er diesem und seinem HSV erhalten bliebe, und zwar als der Repräsentant. Und wenn es nicht anders ginge, dann eben nur als Präsident des e.V. Ob er sich diesen Job allerdings noch antun würde? Da habe ich dann doch meine leichten Zweifel.

Welche (glorreichen?) Zeiten nun auf den HSV zukommen könnten, das hat mir einmal mehr das Interview, das die Kollegen der Bild mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in dieser Woche geführt haben, gezeigt. Gernandt, der es bis zur “rechten Hand” von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebracht hat, hat nicht nur angedeutet, wie stramm er in der Führung des HSV mitarbeiten wird. Der Mann gibt eine klare Richtung vor, und ich denke mal nicht, dass er sich auch nur einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen lässt. Gernandt sagt etwas einmal, und dann muss es sitzen, ansonsten wird es Konsequenzen für den geben, der sich nicht nach den Worten des AR-Vorsitzenden richtet. Das ist für mich schon mal nicht nur sehr gut, es ist auch nicht anders durchführbar. Und genau deshalb hat es ja diesen Struktur-Wandel im HSV gegeben. Die Führung gibt die Linie vor, und von außen hat kein Sabbelfreier mehr die Chance, dummes Zeug zum Besten zu geben. Und wenn er es dennoch tut, bleibt es – natürlich – unerhört.

Hinzu kommen wird beim HSV ja auch noch der AG-Vorsitzende, und das wird Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mit dem “Didi” gestern gesprochen, es ist im Fluss. Im Moment liegt es eher an Zenit St. Petersburg, wie und wie schnell es gehen kann, es wird demnächst ein Telefonat zwischen Beiersdorfer und seinem Noch-Club geben, eventuell wird der “Didi” auch noch erst nach Russland gebeten – aber ich denke mal, nachdem was alles hinter den Kulissen läuft und schon gelaufen ist, dass Dietmar Beiersdorfer der erste AG-Vorsitzende des HSV werden wird. Und das ist schon mal sehr beruhigend zu wissen, denn er kennt den HSV, kennt das Geschäft und er weiß genau, was Hamburg von ihm erwartet.

Wer dazu, den Posten gibt es ja auch, der Sportchef des HSV wird, ist noch offen. Obwohl ich mich auch da klar festlege: Es wird einen neuen Mann geben. Oliver Kreuzer, wir erinnern uns, hatte von Beginn an beim HSV dem Titel “Drittliga-Manager” zu leben, der ihm von Klaus-Michael Kühne verpasst worden war. Kaum anzunehmen, dass der große Mann im HSV-Hintergrund jetzt nicht seinem Mann, nämlich Karl Gernandt, die Anweisung geben wird, einen neuen Sportchef zu suchen und zu installieren.

Oliver Kreuzer hat ja auch bei einem Teil (ob nun ein großer oder kleiner Teil, das sei dahingestellt) des HSV-Anhanges fast schon jeglichen Kredit verspielt. Ganz sicher gab es auch einige Entscheidungen, die zu kritisieren waren und sind, ganz sicher gab es auch einige unglückliche Äußerungen von Kreuzer, und wie schwerwiegend die in der Summe dann sind, das müssen die “neuen Herren des HSV” nun bewerten. Wobei ich denke, dass sie es schon längst getan haben, es aber nur deswegen noch nicht verkünden, weil sie offiziell ja erst vom 1. Juli an in Amt und Würden sind. Und mit einem neuen Sportchef, der eventuell sogar technischer Direktor heißen wird, steigt weiter die Hoffnung, dass endlich wieder der Leistungs-Fußball in Hamburg Einzug hält.

Und genau das ist der Punkt, dem ich Oliver Kreuzer am meisten ankreide: Der Sportchef sah zu, wie diese Trainer, die Herren Thorsten Fink und Bert van Marwijk, diesen HSV ins untere Tabellendrittel trainierten. Das war unfassbar. Und ich möchte da mal eine Begebenheit zum Besten geben, die sich vor der Saison abgespielt hat. Und zwar am 21. Juli 2013. Telekom-Cup in Mönchengladbach, der HSV hatte gerade das “kleine Finale” gegen Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Da trafen sich zwei Nationalspieler, je einer von den beteiligten Clubs. Wer das war, verrate ich besser nicht, ich weiß es aber, möchte diese Herren nur schützen. Beide unterhielten sich auch über die Torturen der Vorbereitung. Sagte der Dortmunder: “Man, man, man, ich habe vielleicht dicke Beine, der Trainer scheucht uns gnadenlos, so etwas Hartes habe ich noch nie erlebt, das ist fast schon unmenschlich. Laufen laufen, laufen, das zweimal am Tag, mehr ist im Moment nicht, ich weiß nicht, wie lange das noch andauert – und wie lange ich das noch mitmachen kann. Irgendwann werde ich körperlich am Ende sein. Und was macht ihr?” Der HSV-Profi druckste rum, sah sich nach links und rechts und nach hinten um, suchte nach einer Erklärung und übte sich dann in Diplomatie: “Ja, gelegentlich trainieren wir auch zweimal pro Tag . . .”

Genau das war es doch. Genau, genau, genau. Hier wurden die Spieler im Training doch dicker. Was hier unter dem Thema “Vorbereitung” ablief, das war Kindergarten. Ich wiederhole mich da gerne: Kindergarten. Pille-palle. Lächerlich. Und grausam schlecht. Dafür hätte der HSV eigentlich einen Sportchef gebraucht, der ganz klar sagt was Sache ist. Gab es aber nicht. Oliver Kreuzer sah diesem schlimmen Treiben tatenlos zu, anstatt sich mit seinem “Kumpel” Fink zusammenzusetzen und mal Tacheles zu sprechen, dass es so nicht geht. Es musste erst die Entlassung des Trainers kommen, so geht es dann ja eben auch. Vielleicht wäre es auch gegangen, wenn der HSV eine Führung gehabt hätte, die sich einig darin gewesen wäre, dass sie ihrem Trainer mal den Marsch bläst. Nur dazu fehlte den Herren einheitlich der Schneid.

Und, das gebe ich zu, auch uns, den Hamburger Journalisten, die den HSV begleiteten, fehlte diese Courage. Auch mir, ganz klar, ich nehme mich da nicht aus, auch ich sah nur tatenlos und dämlich zu. Da wird in der Oberliga Hamburg ganz anders und viel härter trainiert, das weiß ich, weil ich einige Trainer kenne, die gelegentlich auch bei den HSV-Profis zusahen – und sich schlapplachten. Bei den Bundesliga-Herren wird das Training ja schon seit geraumer Zeit als “höchst wissenschaftlich” verkauft. Geh mir weg mit “wissenschaftlich”, geh mir weg. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich, so lange ich diesen Job noch machen werde, ich nie mehr wegsehen werde, wenn sich solche gravierenden Missstände wieder einmal auftun sollten. Und wenn ich von dem jeweiligen Trainer jeden Tag was an die Ohren bekomme – ich werde es anprangern. Weil ich von diesem in meinen Augen total unprofessionellen Verhalten die Schnauze gestrichen voll habe. Obwohl ich auch gestehen möchte (und festhalten will): Ich bin nur der kleine Matz, der hier nichts, aber auch absolut nichts zu sagen oder zu entscheiden hat. Also zählt mein Urteil natürlich nicht, ich möchte da nicht auch nur im Ansatz an Selbstüberschätzung leiden – aber bemerkbar werde ich mich trotz allem machen.

Dabei sei noch kurz angefügt, dass in Hamburg wirklich alle Fehler gemacht haben – auch die Fans. Das sollte keiner übersehen, und vielleicht sollte so mancher HSV-Anhänger (Anhängerinnen sind eingeschlossen) doch ganz heimlich und im stillen Kämmerlein Besserung geloben. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Spieler permanent niedergemacht werden. Es begann, so glaube ich, bei Daniel van Buyten (nach Bekanntwerden seines Bayern-Wechsels), dann war Piotr Trochowski dran, es folgte David Jarolim, dann Dennis Aogo und zuletzt Heiko Westermann. Muss das wirklich sein? Ich denke nein. Bei aller Liebe zum HSV, die eigenen Spieler fertig zu machen, das passt nicht. Auch daran darf getrost zur neuen Saison gearbeitet werden.

Aber zurück zur Kraftlosigkeit der HSV-Mannschaft 2013/14. Alle haben sie es doch gesagt, alle, dass diese HSV-Mannschaft total untrainiert ist. Immer und immer wieder. Passiert ist nichts. Auch innerhalb der Führung nicht. Sie alle sahen zu und schwiegen. Das, jawohl, das ist der schlimmste Fehler, der hier passiert ist. Denn es ging doch um einen Profi-Fußball-Verein, da müssen doch die Angestellten, die hier die Punkte einfahren sollen, fit gemacht werden, sodass sie ihrem Auftrag auch gerecht werden können. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die erste Saison, in der es “Matz ab” gab – vor fünf Jahren. Da standen wir mal bei eisiger Kälte im Volkspark und sahen – mit sieben, acht “Matz-abbern” – dem Training zu. Bis “el presidente” mal ganz unaufgeregt in die Runde fragte: “Wann wird hier eigentlich mal Konditionstraining durchgeführt? Ich sehe hier seit Monaten nichts. Machen die das heimlich? Laufen die dann durch den Volkspark, wenn keine Fans da sind? Laufen die vielleicht nachts, in der Dunkelheit?” Gute Frage, aber Antworten hat der gute Benno Hafas darauf nie bekommen. Weil es diese Antwort nie gab – auch in den so genannten Trainingslagern nie. Nie!

Saft und kraftlos waren die Herren in den meisten Spielen. Wenn ich nur an die letzte Partie denke, das in Fürth. Nach dem 1:1 taumelten die HSV-Spieler nur so über den Platz, eine halbe Stunde lang. Schlecht konnte einem davon werden, so etwas zu sehen und erleben zu müssen. Ich hoffe nur, dass die Herren, die dafür verantwortlichen waren (nicht Mirko Slomka!) dass auch gesehen und sich mies dabei gefühlt haben. Hoffentlich, obwohl, mir fehlt der Glaube.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mit der neuen Führung, dazu Beiersdorfer und der neue Sportchef, hier die Post abgehen wird. Sie müssen doch aus ihren Fehlern gelernt haben. Und wenn dann der jeweilige Trainer nicht so mitziehen will, wie die Führung es sich vorstellt, dann muss eben gehandelt werden. Kontinuität hin, Kontinuität her, es muss hier endlich ein richtiger und absoluter Profi-Verein installiert werden, endlich, endlich, endlich. Wenn ein Trainer wirklich gut ist, dann soll er von mir ein Herrgott sein, aber nur dann. Und hier war schon so lange keiner mehr gut, das ist auch klar.

Denn sonst wären die Spieler, auch die Talente, hier gelegentlich besser geworden, aber nichts da, Pustekuchen. Und wer da vielleicht Heung Min Son als Gegenbeispiel anführen möchte – lass mal stecken. Das war überwiegend der Papa. Der hat seinen Filius trainiert. Mit Ball und ohne. Jeden Tag. Jeden noch so langen Tag. Und auch wenn es da einen Vize-Weltmeister-Trainer gegeben hat beim HSV, der feststellte – und es auch der staunenden (?) Öffentlichkeit verkündete: “Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, das einmal Training pro Tag reicht . . . Man kann die Spieler auch kaputttrainieren.” Oha.

Ich habe schon vor einiger Zeit gefragt, ob es wissenschaftlich vielleicht auch längst erwiesen ist, dass zweimaliges Training am Tag nicht schadet? Wenn ich da so an den Herren aus Dortmund erinnern darf, wo zweimal am Tag und tagtäglich gelaufen, gelaufen und gelaufen wurde – es hat dem BVB offenbar nicht sonderlich geschadet. Obwohl, natürlich, der Club von Klopp ist nur Vizemeister geworden. Da war vielleicht doch mehr drin, bei nur einmal Training am Tag.

Es ist beim HSV in diesem Punkt so viel geschludert. Meistens einmal am Tag Bewegung, dann wurde (vielleicht) noch im Kraftraum gearbeitet – das war es. Kaum Standards. Kein Einzeltraining, um gewisse Schwächen abzustellen, oder Stärken noch stärker zu machen. Und wenn ich das schreibe, denke ich sofort an Oliver Bierhoff. Einst bekanntlich HSV-Stürmer und hier gnadenlos gescheitert. Ich habe mich damals schwer getäuscht, weil ich bei seinem Abgang aus Hamburg fest davon überzeugt war: “Den siehst du im großen Fußball nie wieder.” Denkste. Torjäger in Italien ist er noch geworden. Unter anderem deswegen, weil Trainer Alberto Zacceroni bei Udinese Calcio mit ihm Sonderschichten fuhr. Zacceroni hatte bei Bierhoff, der mit 1,91 Meter ja ein großer Kerl ist, eine gravierende Kopfballschwäche festgestellt. Also wurde trainiert, trainiert, trainiert. Der Coach verlangte alles. Früher zog Bierhoff im Kopfballduell immer den Kopf ein, machte sich also kleiner als er ist – und zog meistens den Kürzeren. Unter Zacceroni blühte Bierhoff auf, er “marschierte” dann in den luftigen Duellen immer mächtig durch – und wechselte mit dem Erfolgstrainer dann auch zum AC Mailand.

So geht es eben auch, wenn man sich Mühe gibt, wenn man als Coach etwas erreichen will, wenn einem als Trainer der Verein und die Spieler am Herzen liegen. Hier waren sie zuletzt alle unheimlich bequem, mehr nicht. Und das hätte die Führung erkennen und abstrafen müssen, dann wäre es mit dem HSV nicht so weit gekommen, wie es gekommen ist.

Fehler über Fehler eben. Die vier “Aussortierten” – hat sich das über einen so langen Zeitraum irgendein “Bonbon-Club” erlaubt? Ich kenne keinen, der vier Spieler abschob, obwohl es nur bergab ging. Und dass diese Spieler nicht so schlecht waren, wie sie gemacht wurden, das haben wir in der Endphase der Saison gesehen. Dazu gab es auf dem Rasen keinen Leader, der das Heft mal in die Hand nehmen konnte, um noch etwas zu bewirken. Niemand. Alle gingen sie stets mit unter. Wobei ein Kapitän Rafael van der Vaart schon deswegen eine Fehlbesetzung war, weil er sich einfach zu viele private Eskapaden erlaubte. Zu früheren Zeiten hätte da die HSV-Führung, und wenn es nur der Trainer gewesen wäre, ganz hart durchgegriffen – hier passierte wieder nichts. Dann wurden in der Winterpause mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler geholt, die mindestens ein halbes Jahr keine Spielpraxis mehr hatten. Wahnsinn, wirklich der nackte Wahnsinn Und alle sahen zu! Per Cilian Skjelbred wurde auch abgeschoben, zu Hertha BSC, ketzerische HSVer sagen, weil er dem Trainer zu viel lief! Dass beim HSV eine Doppel-Zehn stets auf der Doppel-Sechs stand, das fiel hier vielen Usern auf, aber keinem Trainer. Ferner stand (oder steht) der HSV in Sachen Marketing an 18. Stelle in Europa. Es müsste also Geld genug da sein, ist es aber nicht. Weil hier seit Jahren das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde. Immer raus damit, wir haben es ja. Und die Aufsichtsräte nickten eifrig und fleißig alles ab. Hauptsache wir bleiben im Amt und bekommen unsere Freikarten . . .

So ließe sich die Liste der groben Fehler sicher noch lange fortsetzen, aber ich lasse es damit jetzt mal bewenden. In der Hoffnung, dass diesmal wahre Experten am Ruder sind, die den HSV wieder aufrichten und zu gewissen Erfolgen führen werden. Darauf hoffe ich, aber ich bin, wie anfangs schon geschrieben, davon auch absolut überzeugt, dass es so kommen wird.

So, und allen jenen, denen ich nun wieder einmal etwas zu forsch auf die Füße getreten bin, bitte ich um Nachsicht. Es musste noch einmal sein. Das war meine General-Analyse von schlechtesten HSV aller Zeiten – ab jetzt nur noch positiv und nach vorne.

Dieter

Neun Millionen werden für Wirbel sorgen

13. September 2013

Alles gut beim HSV. Die Sitzung des Aufsichtsrates filterte keine neuen Probleme hervor, es gab auch keinen neuen Maulwurf – und die Suche nach dem alten Mauwurf, die einst sogar die deutsche Justiz beschäftigen sollte, ist eingestellt worden. Alles haben sich (ab) jetzt nur noch ganz furchtbar lieb. Wobei furchtbar wohl wörtlich zu nehmen ist. Aber so ist es nun mal, es gibt keine gravierenden Dinge, die nun spontan beackert oder geklärt werden müssten – wie gesagt, alles ist gut. Und über die aufsehenerregende Rede, ich meine das Interview mit dem Hamburger Abendblatt, des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel, wurde in Reihen des elfköpfigen Rates auch nicht diskutiert – es war ja die private Meinung des AR-Bosses, nicht die Meinung des Rates insgesamt. Nein, wirklich alles bestens beim HSV. Nun müssen nur noch die Bundesliga-Fußballer am späten Sonnabend für Furore sorgen, indem sie bei der zweitbesten deutschen Mannschaft in Dortmund gewinnen, und schon ist wirklich alles allerbest. Und nebenbei bemerkt: Auch von einem Putsch war gestern nicht die Rede. Hatten vor Wochen einige Räte versucht, Manfred Ertel abzusetzen, so wurde dieser Versuch nun kein zweites Mal gewagt, weil es doch keinen Grund dafür gäbe, den AR-Boss von seinem Amt abzusetzen. Alles ist gut.

Bis vielleicht auf den SID-Bericht, den die deutschen Medien heute in ihre Redaktionen bekamen. Der wird für Wirbel sorgen, davon bin ich überzeugt, obwohl es keine Sensation ist, was da zu erfahren war. Und der las sich dann so:

Medien: HSV mit Minus von neun Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat das abgelaufene Geschäftsjahr offenbar mit einem deutlichen Minus abschlossen. Laut Informationen des Radiosenders NDR 90,3 fehlen den Hanseaten neun Millionen Euro in der Bilanz, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend diskutierte. Eine Bestätigung des HSV steht noch aus. Um ein befürchtetes zweistelliges Millionen-Minus zu vermeiden, hatte der Klub den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Dafür soll der Vermarkter auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben. Auch die Ausleihe von Dennis Aogo an den Liga-Konkurrenten Schalke 04 verschaffte den Hamburgern ein wenig Luft. Am Ende der laufenden Saison soll beim Bundesliga-Dino in der Bilanz eine „schwarze Null“ stehen.

Es ist, das gebe ich zu, interessant zu lesen, ganz bestimmt, aber so richtig etwas Neues steht nicht darin. Diese Zahlen waren bekannt. Und auch die Unstände, die dazu geführt haben – und die auch dazu geführt haben, dass es nur 9,9 Millionen sind. Immerhin – keine zehn Millionen. Aber bekannt war das.

Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Interview im Abendblatt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass der HSV in Sachen Strukturen ein Vorbild in Europa ist- wie es Manfred Ertel nun noch einmal kundtat. Natürlich wussten das alle. Ich habe heute versucht (weil die Bundesliga-Mannschaft in Essen trainiert, hatte ich Zeit), mit so vielen namhaften Befürwortern (die Ehemaligen) der strukturellen Veränderungen innerhalb des HSV zu reden – es ist mir auch gelungen. Nur öffentlich wollte sich keiner äußern. Warum wohl nicht? Weil alle wissen, dass der HSV ein Vorbild ist – ist doch klar. „Dazu äußere ich mich nicht, das sollte man so stehen lassen.“ Das war die Antwort, die ich von jedem zuerst vernommen habe. Als hätten sich die Herren abgesprochen . . . Nach dem sechsten Mann habe ich dann aufgegeben. Ich lasse es mal so gelten, dass der HSV ein strukturelles Vorbild in Europa ist – aber irgendwann werde ich den Herrn Uli Hoeneß dazu befragen. Irgendwann . . .

Halt, stopp, einem Ehemaligen habe ich gesprochen, der mir die folgenden Sätze gestattet. Thomas von Heesen, den ich auf einer Geschäftsreise im Ausland erreichte, erlaubte mir, die folgenden Dinge zu schreiben: „Tradition und Fortschritt – das geht. Ganz sicher sogar.“ Und er sagte auch: „Beim Tag der Legenden habe ich mit so vielen Kollegen aus Deutschland über den HSV gesprochen, sie alle wussten, dass ich im Team von Ernst-Otto Rieckhoff bin – und alle machten mir Mut. Sie sagten: ‚Zieht das Ding durch, bleibt beharrlich, lasst nicht locker, nur so kann es im heutigen Profi-Fußball gehen.’ Viele Spieler von einst machen sich durchaus Gedanken darüber, wie der Dino HSV überleben kann.“
Das nur mal am Rande. Schade übrigens, dass erst jetzt einige große HSVer erkannt haben, was ein Thomas von Heesen so auf dem Kasten hat. Zu spät. Ich habe das schon vor Jahren gesagt, ich habe TvH dem HSV vorgeschlagen und sogar angeboten, immer und immer wieder, aber man wollte ihn damals nicht. Weil sie alles besser wussten. Heute würde von Heesen nicht mehr beim HSV arbeiten wollen, denn er hat Arbeit über Arbeit – und kennt die Strukturen des schwerfälligen HSV nur zu genau. Das aber auch nur mal so am Rande.

Und wo ich gerade bei Uli Hoeneß war, dem besten Über-Manager der Liga – komme ich doch zum besten Sanierer der Bundesliga: Hans-Joachim Watzke. Er hat ja, gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportchef Michael Zorc, den BVB vor dem Tode bewahrt und wieder ganz nach oben geführt. Das fand überall in Deutschland größte Anerkennung, und es gab mal Zeiten, da tourte der Herr Watzke durch die Republik und stellte sein Sanierungskonzept bei den interessierten Vereinen vor. Auch beim HSV. Da genoss „Aki“ Watzke dann auch in Hamburg allerhöchste Wertschätzung – sodass er vom HSV auch gefragt wurde, ob er sich vorstellen können, zum HSV zu wechseln, um dann den Traditions-Club von der Rothenbaumchaussee wieder auf die Beine zu stellen. Watzke konnte nicht. Das heißt, Watzke konnte sich nicht vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ob es an den Strukturen des HSV lag? Man weiß es nicht, man weiß es nicht (würde „Dittsche“ sagen). Eher aber lag es wohl doch daran, dass Borussia Dortmund schon zu jener Zeit, und ich spreche von einem Zeitraum von vor drei, vier Jahren, schon längst wieder auf einem aufsteigenden Ast saß.

Die Sache mit dem „damaligen Watzke“ habe ich tatsächlich erst heute erfahren, aber da kann man mal sehen, dass nicht nur einst Jürgen „Kloppo“ Klopp ganz hoch beim HSV im Kurs stand. Was letztlich zählt ist ja aber die Tatsache, dass beide (mit dem besten und größten Erfolg) in Dortmund arbeiten – und dann doch nicht beim HSV gelandet sind.

Ja, wenn ich dann schon beim morgigen HSV-Gegner bin, dann möchte ich Euch doch schnell noch Auskunft über die personelle Situation beim BVB geben. DPA schreibt:

Borussia Dortmund bangt vor dem Heimspiel gegen den HSV um den Einsatz von Jakub Blaszczykowski. „Das könnte eng werden“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. Der polnische Fußball-Nationalspieler klagt seit dem 5:1 in der WM-Qualifikation über San Marino am Dienstag über Knieprobleme. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, ist die Verletzung jedoch nicht schwerwiegend. Dennoch will Klopp nur auf Blaszczykowski zurückgreifen, wenn die gesundheitlichen Probleme vollends ausgestanden sind: „Wir werden nichts riskieren.“

Bessere Chancen auf einen Einsatz in der Startelf haben die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Marco Reus, Robert Lewandowski und Nuri Sahin. Alle drei Profis befinden sich laut Klopp auf dem Weg der Besserung.

In der Diskussion über die Form von Mats Hummels, der sich bei den WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer mit der Reservistenrolle begnügen musste, stärkte Klopp dem Manndecker demonstrativ den Rücken. „Ich bin sehr froh, dass Mats Spieler von Borussia Dortmund ist. Und ich bin mir ganz sicher, das er noch viele gute Spiele für den BVB machen wird.“

Der HSV fährt jetzt gerade zum Training (das schreibe ich um 17.04 Uhr – ich habe gerade mit Medien-Direktor Jörn Wolf telefoniert), aber ich gehe davon aus, dass Thorsten Fink alle Spieler auch danach noch gesund zur Verfügung hat. Die vielleicht wichtigste Frage ist die: Spielen Marcell Jansen und Zhi Gin Lam auf der linken Seite, bleibt Petr Jiracek deswegen draußen? Auf der einen Seite würde ich es ja für gut erachten, wenn Jansen wieder in die Mannschaft käme, auf der anderen Seite hat ihn Lam dort (hinten links) zuletzt zweimal ganz prima vertreten. Lam müsste dann ja nach vorne rücken – also eine andere Position spielen. Ob er das auch so gut macht wie ganz hinten? Das bleibt abzuwarten. Ich denke da an die vergangene Saison, als Tolgay Arslan auf der „Sechs“ großartig einschlug, dann aber, als sich Rafael van der Vaart verletzte, von der „Sechs“ auf die „Zehn“ geschoben wurde. Und als der „Rafa“ wieder fit war, war Arslan dann (einige Male) draußen. So könnte es Lam ja auch ergehen, obwohl ich von ihm hinten links, das muss ich zugeben, sehr angetan war. Mal sehen, wie sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Kleine Ergänzung noch zum Spiel: Die Partie morgen wird geleitet von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden.

So, ich habe heute noch einige Dinge in der Redaktion zu erledigen, dann an diesem Freitag (den 13.) habe ich meinen vorerst letzten Tag. Wie es mit mir weitergehen wird, das werde ich morgen verraten, wenn wir nach dem Spiel es HSV in Dortmund mit „Matz ab live“ auf Sendung sein werden. Unsere (Scholles und meine) Gäste sind zwei Trainer, die sich über Jahrzehnte im Hamburger Amateurfußball einen Namen gemacht haben: Bert Ehm und Manfred Lorenz. Mit beiden bin ich befreundet, Ehm und ich stiegen 1978 (oder 77?) gemeinsam als Trainer ein, mit Lorenz habe ich einst den B-Schein (in Ochsenzoll) „gemacht“ – sie sind auf jeden Fall echte Fußball-Fachleute und wissen, wovon sie reden. Ich freue mich auf die Sendung.

So, dann habe ich noch eine Ergänzung zum letzten Bericht:

Hallo Dieter, hallo Scholle,
ich danke euch für die positive Reaktion auf meine Einladung zur Podiumsdiskussion rund um den HSV. Leider ist das Wichtigste dabei untergegangen, die Einladung zur Veranstaltung selbst: Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr diese noch veröffentlichen könntet, damit möglichst viele HSVer die Chance zur Infogewinnung nutzen. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den HSV, ohne dass eine Spaltung der Fans droht, deshalb müssen beide Seiten das Gespräch suchen.

Hier die Einladung:

Hallo zusammen,

es tut sich was beim HSV. Die Diskussion um die Neustrukturierung des Vereines nimmt Formen an. Da es aus der Ferne sehr problematisch ist, zu einer Meinungsbildung zu kommen, bieten wir allen HSV-Fans eine Plattform an um Informationen zu gewinnen und Fragen zu stellen. Wir, die HSV Freunde Burgwald 2002, veranstalten deshalb am Samstag, 28.09.2013 vor dem Samstagabendspiel in Frankfurt eine Podiumsdiskussion und Fragerunde für alle interessierten HSV-Fans. Grundlage der Diskussion wird die Idee der Initiative “HSVPlus” sein.

Es ist uns gelungen hierfür kompetente Offizielle und Aktive des HSV zu gewinnen:
• Oliver Scheel, Vorstandsmitglied des HSV
• JoJo Liebnau, Zaunleader, Mitglied der Chosen Fews und ein kritischer Betrachter von HSVPlus
• Nicky Hupertz, unser Regionalbetreuer für Nordhessen von den Supporters, Befürworter von HSVPlus
• ein noch nicht namentlich feststehender Vertreter der Initiative HSVPlus

Diese Besetzung verspricht eine hochinteressante Diskussion und hoffentlich viele Fakten. Wir alle sind interessiert an einem sachlichen, konstruktiven und offenen Meinungsaustausch, ohne Polemik und Anfeindungen der “Anderen”. Ihr als Fans bekommt die Möglichkeit, nach der Diskussionsrunde, Fragen an die Mitstreiter zu stellen und eure Meinung zu äußern. Beginn ist am 28. September um 12 Uhr in Bracht, die Dauer ist bis 15.00 Uhr angesetzt, sodass ihr danach alle nach Frankfurt zur SGE fahren könnt (Fahrtzeit PKW eine Stunde, Zug ab Marburg ebenfalls). Die Veranstaltung findet statt in der Mehrzweckhalle in 35282 Rauschenberg Bracht, Lohweg. Nutzt bitte diese Gelegenheit und kommt zahlreich. Bitte gebt mir eine Rückmeldung ob und mit wie vielen Personen ihr kommt und gebt diese Info auch an andere HSVer und andere Fanclubs weiter.Im Anschluss an die Veranstaltung könnt ihr mit uns gemeinsam das Spiel gegen die SGE (Beamer) schauen und weiter Meinungen austauschen.
Solltet ihr noch Fragen haben, kontaktiert mich bitte.
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Martin Schneider, Vorstand HSV Freunde Burgwald 2002, Mobil 0177 3421 836; Mail: hsvfreundeburgwald@googlemail.com

PS: Denkt immer daran, dass es schon etwas Besonderes ist, wenn der HSV gegen Dortmund gewinnt. Zweimal durfte der Rothosen-Anhang nun das ganz Besondere erleben (vergangene Saison), aber so geht es (leider, leider) nicht immer. Wer dann, im Falle einer Niederlage, mit dem HSV hadert, der sollte sich, um dieses Hadern in Grenzen zu halten, vielleicht doch schon mittags das neue HSV-Buch „111 Gründe, den Hamburger SV zu lieben“ kaufen. Lesen und dann vergessen (die Niederlage), das könnte ein Rezept sein. Wobei ich gerne noch eine Einschätzung der Autoren des Buches veröffentlichen möchte:

„Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, weshalb man den HSV einfach lieben muss, es stand nur noch nirgends geschrieben. Wir hätten auch 111 Gründe aufzählen können, warum uns der HSV oft wahnsinnig macht – aber das kann ja jeder.“

An diesem Sonnabend – so gegen 20.30 Uhr – gibt es dann wahrscheinlich den 112. Grund. Auf dieser oder auf jener Seite . . .

17.31 Uhr

Fink: “Es gibt da einige Fragezeichen”

9. September 2013

So richtig rund ging er nicht. Hatte ich jedenfalls das Gefühl. Thorsten Fink schien ein wenig zu humpeln. Nachwirkungen vom Spiel und Tag „der Legenden“? „Nein, nein, alles in Ordnung, ich habe alles gut überstanden“, sagte der HSV-Trainer und gab Entwarnung. Er spielte mit Hamburg gegen Deutschland, und bei Deutschland war auch Jürgen Klopp mit an Bord. Fink gegen Klopp – aber da gab es keine Berührungspunkte, keine Duelle, nicht mal verbaler Natur. „Wir haben uns kurz die Hand gegeben, das war es dann auch schon. Es waren ja so viele Leute da, da gab es gar keine Zeit, sich länger zu unterhalten“, so der HSV-Coach. Abends, nach dem Spiel, bei der Nacht der Legenden, ergab sich dann auch kein Gespräch mehr zwischen den Trainern, die sich am Sonnabend erneut gegenüberstehen werden: Dortmund – HSV, das späte Sonnabend-Spiel, Anpfiff um 18.30 Uhr.


Finks Fazit vom Tag am Millerntor fiel aber überragend aus: „Es hat sehr viel Spaß gebracht, es kam ja auch viel Geld für einen guten Zweck zusammen – und der Show-Abend verdiente nur ein Prädikat: ‘Weltklasse.’“ Fink: „Das ist Deutschlands beste Benefiz-Veranstaltung, das kann man nicht mehr überbieten. Ein echtes Highlight. Beim Spiel dann 25 000 Zuschauer – da kommt jeder Spieler sehr, sehr gerne. Das ist für niemanden eine Last, das ist Spaß und Freude. Es gibt nichts Besseres.“

Das trifft im deutschen Fußball auch auf die Spitze zu: Bayern und Dortmund. Und nun darf der HSV am Sonnabend seine beiden Siege der vergangenen Saison gegen die Borussia gerne wiederholen. Es soll auf jeden Fall versucht werden. Und wenn wir ehrlich sind: Wer hätte im Vorjahr nach drei sieglosen und punktlosen Spielen schon daran geglaubt, dass der HSV im Volkspark seinen ersten Saisonerfolg schaffen würde? Ich jedenfalls nicht. Damals waren die Voraussetzungen deutlich schlechter für den HSV, als zurzeit. Und da es im Rückspiel einen 4:1-Sieg des HSV gegeben hatte, zeigt uns das doch: alles ist möglich. Zumal der BVB noch nicht so in Form zu sein scheint, wie es die vier Siege in vier Spielen besagen müssten. Und nimmt man mal einen Quervergleich, der natürlich blanker Unsinn ist, als Maßstab, müsste der HSV am Sonnabend eigentlich wieder gewinnen, denn der BVB schaffte gegen Eintracht Braunschweig nur einen mühsamen 2:1-Erfolg, der HSV aber siegte gegen den Aufsteiger glatt 4:0. Noch Fragen?

Natürlich. Wer spielt, wer muss passen – und verletzt sich noch einer bei den Länderspielen am Dienstag? Das alles muss zunächst einmal abgewartet werden. Für Fink steht fest: „Wir wollen gegenüber dem Braunschweig-Spiel nichts Großartiges verändern. Wir müssen aber schauen, wer fit bleibt, wer fit wird. Denn da gibt es ja schon einige Fragezeichen.“

Tolgay Arslan ist eines davon. Der Trainer ist aber optimistisch: „Ich glaube nicht, dass es da große Probleme gibt.“ Der Deutsch-Türke hatte sich eine Zeh-Prellung zugezogen. Ebenfalls mit dem Zeh hat Marcell Jansen zu tun – ein Bruch. Für den Nationalspieler ist morgen der entscheidende Tag, ob er dann mittrainieren kann – ob sein Fuß überhaupt schon wieder in einen Fußballstiefel passt. An diesem Mittwoch kommt dann auch für Rafael van der Vaart der Tag der Entscheidung. Lässt die Oberschenkel-Zerrung schon wieder einen Einsatz auf dem Rasen zu? Thorsten Fink: „Am Mittwoch sollte er trainieren, er kann ja nicht erst am Freitag mit dem Training beginnen um dann einen Tag später zu spielen. Zwei Wochen ohne Training ist mir zu viel. Wenn das mal von Sonnabend auf Sonnabend wäre, das ist nicht so schlimm, aber fast 14 Tage, da würde er dann doch zu viel verlieren.“ Fink ergänzt: „Aber wir tun alles dafür, dass er es noch schafft, denn mit dem Rafael van der Vaart vom letzten Spieltag ist er natürlich für uns sehr wichtig. Und auch seine Erfahrung wäre in Dortmund sicherlich sehr wichtig für uns.“

Thorsten Fink über den kommenden HSV-Gegner: „Der BVB will seine Spitzen-Position sicherlich mit einem weiteren Sieg festigen, und ich denke auch, dass der Trainer seine Spieler darauf aufmerksam machen wird, dass der HSV die letzten zwei Spiele gewonnen hat – und dass das nicht noch ein drittes Mal passieren darf. Deswegen wird Dortmund schon sehr heiß gegen uns sein.“ Was nicht gleichbedeutend mit einer HSV-Niederlage sein muss, denn Fink sagt auch: „Jeder spielt man immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Wenn wir dort eine Top-Leistung abliefern, hat man immer eine Chance, gegen jede Mannschaft. Wir müssen da frech aufspielen, uns nicht verstecken – und wir werden dort auch wieder mit zwei Stürmern antreten, das steht jetzt schon fest. Trotzdem wird es natürlich schwierig, und unsere Leistung vom letzten Spiel gegen Dortmund zu wiederholen, das ist eigentlich gar nicht möglich. Trotzdem, mit einer Top-Leistung können wir dort eine Überraschung schaffen. Und jeder kann in der Bundesliga jeden schlagen, das ist nun mal so.“ Fink sich selbst Mut machend: „Und wenn Dortmund mal nicht so spielt, wie Dortmund spielen kann, dann wollen wir diese Chance auch nutzen. Wir sind ja letztlich auch kein Verein, den man unterschätzen sollte . . .“

Um noch einmal zur personellen Situation des HSV zurück zu kommen: Milan Badelj fällt auf jeden Fall aus, für ihn käme Tomas Rincon in die Mannschaft – falls sich der Südamerikaner nicht doch noch im Länderspiel verletzen sollte. Und hinten links, so sieht es jetzt aus, wird Zhi Gin Lam auf jeden Fall im Team bleiben, auch dann, wenn Marcell Jansen wieder trainieren könnte. Fink: „Zhi Gin Lam hat zuletzt zwei gute Spiele hinten links gemacht, ich sehe keinen Grund, ihn dann rauszunehmen.“ Anders sieht der Coach aber auch keinen Grund, einen „Neuzugang“ gleich reinzubringen: Pierre Lasogga. Fink: „Er hat gute Chancen, mit in den Westen zu fahren, aber von Anfang an eingesetzt zu werden, das wäre sicherlich zu früh. Zumal die beiden Stürmer zuletzt ja gut gespielt haben, und wir wollen ja auch einen vernünftigen Konkurrenzkampf haben – das ist für alle ein Ansporn, zu spielen, da muss sich jeder reinhängen. Einen solchen Konkurrenzkampf hatten wir vergangene Saison nicht, jetzt können wir davon profitieren.“ Und zu Lasogga befand Thorsten Fink: „Pierre braucht sicher noch seine Zeit, um in den richtigen Rhythmus zu kommen, denn er war ja lange verletzt, er braucht schon noch ein bisschen mehr Spritzigkeit. Um ihn mal für zehn Minuten zu bringen, dazu könnte es aber schon reichen.“

Hakan Calhanoglu wird der Ersatzmann sein, falls Rafael van der Vaart doch ausfallen sollte. Fink: „Er hat durch seinen Einsatz gegen Braunschweig Selbstvertrauen bekommen, aber das Dortmund-Spiel wird natürlich viel schwieriger für ihn. Trotzdem, ein junger Spieler kann dann nur besser werden, wenn man ihn einsetzt. Und wenn er denn die Chance bekommt, dann wird er daraus auch lernen – ob positiv oder negativ, er wird seine Erfahrungen sammeln. Fest steht aber, so ist das geplant: Hakan ersetzt Rafael, falls der einmal ausfallen sollte.“ Und dazu könnte es ja jetzt kommen.

Ein wunder Punkt ist für Fink – schon seit Wochen – jede Frage nach der Zukunft von Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic. Darauf reagiert der Coach allergisch. Die Frage hat der Mopo-Redakteur gestellt, ich nehme mir kurz nur eine kleine Antwort heraus, dann ist aber auch schon Schluss damit: „In der Saison kann viel passieren. Ich habe nie gesagt, das keiner mehr spielen wird.“ Leichte Irritationen hatte es aber immerhin gegeben, weil Sportchef Oliver Kreuzer einst angekündigt hatte, dass auch Mancienne und Rajkovic wie Gojko Kacar und Robert Tesche zur U 23 versetzt werden. Fink: „Das haben wir geklärt, es gab da einen Email-Verkehr, und wenn der Sportchef aus dem Urlaub zurück ist, dann werden wir darüber auch noch einmal reden. Ich glaube aber, dass wir zusammen immer gute Entscheidungen treffen, wir sind ein Team, und da wollen wir gemeinsam entscheiden, da werden wir für und wider besprechen. Trotzdem denke ich, dass sich daran jetzt nichts mehr ändern wird, Mancienne und Rajkovic werden weiter bei uns trainieren.“ Am Freitag kehrt Kreuzer aus dem Kurz-Urlaub zurück.

Ich habe dann trotz eines gewissen Reiz-Klimas doch noch gewagt, eine Frage zu Tesche und Kacar zu stellen. Beide haben bei der Niederlage der Zweiten gegen Eintracht Norderstedt nicht gespielt. Warum? Fink: „Das ist die Entscheidung von Rodolfo Cardoso.“ Damit also hat der Chef-Trainer nichts zu tun. Fink sagt nur: „Wenn ich einen Spieler von oben zur U 23 schicke, weil er dort spielen soll, dann spielt er da auch.“
Ich habe fertig.

Ganz kurz noch ein Rückblick auf den Tag der Legenden. Mein Kollege Florian Heil hat mir Stimmen (zur HSV-Zukunft) hinterlassen, die im Abendblatt noch nicht „verarbeitet“ worden sind – ich nehme sie gerne mit, vielen Dank dafür:

Jimmy Hartwig: „Der HSV wird am Ende auf Platz acht bis zehn landen. Ich vermisse die richtige Moral in der Truppe. Die geplante Ausgliederung ist eine gute Idee. Dadurch werden die Geschäfte beim HSV für alle transparenter. Doch auch mit dieser Maßnahme würde es lange dauern, den Anschluss wieder herzustellen. Ich wohne aber mittlerweile in München und muss sagen, dass mich der HSV nicht mehr sonderlich interessiert.”

Thomas Doll: „Der HSV wird einen guten Mittelfeldplatz belegen. Um mehr zu erreichen, müssten die Säulen der Mannschaft um Adler, Westermann und van der Vaart eine überragende Saison spielen, an der sich die anderen dann orientieren können. Die Strukturreform ist eine gute Sache, ich bin für alle modernen Ideen im Fußball total offen. Es gibt ja genügend Vorbilder, an denen sich der HSV orientieren kann. Nur muss der Verein die Fans bei diesem Vorhaben mitnehmen.”

Jörg Butt: „Der HSV tritt auf der Stelle, langfristig muss sich auf jeden Fall etwas ändern. Der Verein steht sich manchmal selbst im Weg. Ich arbeite ja mittlerweile fünf Tage die Woche im elterlichen Betrieb in Oldenburg und sehe selbst, dass schnelle Prozesse und Entscheidungen oft von Vorteil sind. Und diese sind bei der momentanen Struktur im Verein schwer umzusetzen.”

Martin Pieckenhagen: „Beim HSV ist diese Saison alles möglich, zwischen Platz 16 und fünf. Aus Unternehmenssicht wäre eine ausgegliederte AG sicherlich schlau, doch ich glaube kaum, dass die Mitgliedschaft das mitträgt. Solche Pläne haben immer zwei Seiten. Aus traditioneller Sicht sollte alles so bleiben wie es ist, nach vorne geguckt müsste sich was ändern.”

Michel Dinzey: „Wenn der Antrag von Otto Rieckhoff durchkommt, sitzen mit Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus und Thomas von Heesen endlich mal Leute im Beirat, die auch was von Fußball verstehen. Der HSV muss einen Weg finden, auf dem er zur Ruhe kommt.”

Lothar Matthäus: „Wenn keine Ruhe im Club einkehrt, zieht das auch die Profis mit nach unten, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Der HSV braucht Geduld, wird realistisch auf Platz acht bis zwölf landen. Die geplanten Änderungen in der Vereinsstruktur sehe ich überhaupt nicht kritisch, um den Verein gesundzustoßen, muss jedes Mittel Recht sein. Das wäre auf jeden Fall ein legitimer Weg, den HSV zu entschulden.”

PS: Morgen, am Dienstag, wird beim HSV zweimal trainiert. Um 10 Uhr und um 16 Uhr – im Volkspark.

18.52 Uhr

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