Archiv für das Tag 'Klopp'

Son geht, Son bleibt, Son geht – oder bleibt er jetzt doch?

14. Mai 2013

Er hatte es eilig. Immerhin musste er noch den Flieger nach London erreichen, der ihn zum Spiel Wigans bei Arsenal London befördern sollte. Paul Scharner tritt heute Abend für Wigan an – und Fink will zusammen mit Sportchef Frank Arnesen vor Ort überprüfen, inwieweit der Österreicher für den HSV in der kommenden Saison wichtig ist. „Ich muss Paul auch mal live sehen, und heute ergibt sich die Gelegenheit“, sagt Fink. Ob er sich auch andere Spieler ansieht oder sonstige Termine hat? „Keine Termine“, so Fink, „ich fliege tatsächlich nur wegen Paul hin.“ Okay, aber sollte noch jemand auffallen – Stift und Zettel haben Arnesen und Fink dabei, wie der Trainer versichert…

Der hatte zuvor auf einige Stammspieler im Training verzichten müssen. Dennis Aogo kuriert noch die Reste seiner Sprunggelenksverletzung aus, Petr Jiracek hat in Hoffenheim einen Schlag aufs Knie bekommen und Rafael van der Vaart leichte Wadenprobleme. „Alle drei wollen aber schon am Mittwoch wieder mittrainieren“, so Fink, der bei seiner Mannschaft ob des Saisonendspurts „einen gewissen Substanzverlust“ erkannt hat. Allerdings liege der noch im Erträglichen – und die Aussicht auf das Finale am Sonnabend im eigenen Stadion sei Schmerzmittel genug für alle Wunden. „Es ist deutlich, dass hier alle richtig heiß darauf sind, am Sonnabend das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Mannschaft die Überraschung erzwingt.“ Und sollte dies nicht gelingen, weil Frankfurt parallel punktet: „Dann ziehe ich den Hut vor der Eintracht“, so Fink, „dann haben sie es verdient.“

Stimmt. Egal wer am Ende auf welchem Platz steht, er hat es verdient. Wobei ich mir ebenso wie Fink sicher bin, dass sich Ex-HSVer Ivica Olic mit dem VfL Wolfsburg in der Partie bei Eintracht Frankfurt nicht hängenlassen wird, nachdem sie nunmehr neun Spiele in Folge nicht verloren haben und noch die Chance auf einen einstelligen Tabellenplatz haben. Zudem liegt der psychologische Druck bei den Hessen. „Frankfurt hat den Vorteil, nur einen Punkt zu brauchen und ein Heimspiel zu haben. Aber auf der anderen Seite haben wir den psychologischen Vorteil, nur gewinnen zu können, während Frankfurt eine ganze Menge zu verlieren hat.“

Stimmt. Aber ob’s was nützt?

Egal wie, der HSV muss zuerst einmal gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Und die Werkself ist nicht nur tabellarisch nach Bayern und Dortmund der drittschwerste Gegner, den man haben kann. „Taktisch, technisch und physisch ist Bayer top“, lobt auch HSV-Trainer Fink. Zurecht. Denn die Leverkusener sind spielstark, können hervorragend kontern und sind bei Standards gefährlich. Es fehlt an nicht vielem. Außer vielleicht an der Motivation im letzten Saisonspiel, da es für Bayer um nichts mehr geht. Der dritte Rang ist gesichert – weder nach oben noch nach unten geht etwas. „Ich glaube nicht, dass die sich hängenlassen“, sagt Fink, der ein heißes Spiel erwartet: „Alle, ob Spieler, Trainer oder Zuschauer, können sich auf ein geiles Finale freuen.“

Wobei so kurz vor Saisonende auch schon die ersten Andeutungen von Analysen durchsickern. Heute bei Fink. „Wir hatten 48 Punkte mehr oder weniger als Ziel ausgegeben und die jetzt erreicht. Die haben wir auch nicht von irgendwelchen Elfen geschenkt bekommen sondern uns erarbeitet. Wir dürfen uns ganz sicher nicht belügen, da gibt es einiges, was wir verbessern müssen. Aber wie wir nach den großen Rückschlägen in München, Hannover oder hier gegen Schalke zurückgekommen sind zeigt, dass der Kern der Mannschaft da ist. Und der will jetzt die 51 Punkte, was top wäre.“ Immerhin sei man in der Vorsaison 15. Gewesen und jetzt achter. Fink: „Das ist eine absolut positive Entwicklung.“

Allerdings eine, die noch deutlich besser hätte ausfallen müssen. Die Ansprüche, die der HSV hat, können nicht jenseits irgendwelcher Europapokalplätze liegen“, bilanzierte auf der 20. Hamburg-Soirée am Montag Günther Netzer die wechselhafte Saison schon vor dem letzten Spieltag. „Man kann nicht zufrieden sein. Die Mannschaft hat kein Vertrauen geschaffen. Man muss sich nur mal vorstellen, welche Punkte der HSV in dieser Saison liegen gelassen hat“, sagt der vielleicht geeignetste Kandidat für einen HSV-Vorstandsposten, der allerdings und leider weiterhin jegliche Mitarbeit bei seinem Ex-Klub ausschließt.

Ausgeschlossen ist zudem ein letztes Mitwirken von Tolgay Arslan, dessen Kreuzbandzerrung noch immer nicht auskuriert ist und die den jungen Mittelfeldmann vor echte Probleme stellen könnte. „Es sieht nicht gut aus bei ihm“, sagt Fink, bezogen auf einen Einsatz Arslans und ergänzt: „Das wird eng für seine EM-Teilnahme.“ Hintergrund: Arslan zählt noch immer zum Kader der U21-Nationalelf, die vom 5. bis 18. Juni in Israel um den EM-Titel kämpft. Bitter für Tolgay, dem ich von hier gute Besserung wünsche und für den ich beide Daumen gedrückt halte. Er hätte sich so einen krönenden Abschluss absolut verdient.

Verdienen ist ein gutes Stichwort. Das will der HSV mit Spielerverkäufen. Unter anderem stand und steht auch ein Verkauf von Heung Min Son noch auf dem Zettel. Und während in den letzten Tagen immer wieder Champions-League-Finalist Borussia Dortmund als Hauptinteressent genannt wurde, scheint sich dieser Wechsel plötzlich zu zerschlagen. Denn trotz des Dementis von Werders Kevin de Bruyne soll der Transfer des Belgiers zum BVB bereits eingetütet sein. Einzig die Einigung zwischen BVB und Chelsea, von denen de Bruyne an die Weser verliehen ist, steht noch aus. Zudem sollen BVB-Boss Watzke samt Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc in Brasilien bezüglich eines offensiven Mittelfeldspielers und in Porto in Sachen Stürmer fündig geworden sein: Jackson Martinez gilt inzwischen als heißester Kandidat für die wahrscheinliche Nachfolge Robert Lewandowskis.

Zudem gilt intern als hochwahrscheinlich, dass Son ein Engagement in England nicht dem HSV vorziehen werde. Im Gegenteil, heute habe ich das erste Mal seit Wochen wieder einen Offiziellen sagen hören, dass er eher mit einem Verbleib Sons rechnet. Nun denn. – eine Fortsetzung der Arie ist sicher. Geplant ist, dass sich Son im Laufe der kommenden Woche erklärt. Aber dazu werde ich Euch im Laufe dieser Woche hoffentlich noch ein wenig mehr berichten können.

Und wo wir gerade beim Thema Angreifer sind: Während ich vor zwei Wochen an eine taktische Aussage Finks glaubte, als er Maxi Beister hoch lobte, hat sich dieser die Komplimente inzwischen wieder ehrlich verdient. Im Training gibt der reumütige Youngster Vollgas und scheint vieles wiedergutmachen zu wollen. Und das sieht gut aus. Deutlich besser sogar als noch vor der überflüssigen Roten Karte. Weiter so, Maxi!

Klar ist, dass am Sonnabend nur Jeffrey Bruma verabschiedet wird. Für die restlichen Verkaufsposten hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Kacar scheint sich mit Hannover einig werden zu können und Slobodan Rajkovic soll Interessenten aus Russland haben, dort aber nicht hingehen wollen. Aber ansonsten ist noch alles ruhig. „Der Markt bewegt sich schon“, hatte Frank Arnesen vor 14 Tagen gesagt. Allerdings bewegt sich selbiger bislang am HSV vorbei. Aktuell marschiert auch ein Stürmerkandidat am HSV vorbei: Daniel Ginczek wechselt vom FC St. Pauli voraussichtlich nach Nürnberg. Der HSV, der einen groß gewachsenen Stürmer wie Ginczek (22 Jahre alt, 17 Tore, 191 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm schwer) sucht, ist nicht in der Verlosung, worüber sich heute einige aufgeregt haben. Und ehrlich gesagt, zählte auch ich zu denen, die in Ginczek einen richtig Guten erkannt haben wollten. Dennoch bin ich aktuell nicht der Meinung, dass der HSV Ginczek holen muss. Im Gegenteil, der Pauli-Recke ist mir einem Rudnevs zu ähnlich. Und obwohl sich Fink zitieren lässt, Ginczek wäre interessant und würde ins Anforderungsprofil passen, glaube ich, dass der HSV besser beraten wäre, einen langen Stürmer zu nehmen, der über etwas mehr technische Fähigkeiten verfügt. Denn davon gibt’s beim HSV keinen und genau den will Fink. Insofern bin ich diesbezüglich ganz entspannt. Noch hat der HSV ja Zeit.

Nicht vorbei sein wird es mit HSV-Spielen nach der Partie gegen Leverkusen, da die Mannschaft ab kommenden Dienstag für drei Tage (21. Bis 24. Mai) eine Abschlussreise mit Teambuilding-Caharakter nach Neuruppin unternimmt. Die Tour wird durch ein Testspiel gegen Neuruppin abgerundet. Und das alles ja vielleicht doch noch als Europa-League-Teilnehmer.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

“Drobo ist eine coole Socke”

1. Mai 2013

Bevor ich diesmal zum HSV komme, muss ich eines auf jeden Fall schnell mal loswerden:
Herzlichen Glückwunsch Borussia Dortmund!
Ich freue mich für Klopp und Co, dass das Champions-League-Finale erreicht wurde, das ist eine bravouröse Leistung – und selbst die 0:2-Niederlage in Madrid und gegen das große Real war überragend gut.

Geärgert, aber dafür kann Borussia Dortmund nichts, habe ich mich allein über den Sky-Kommentator. So etwas kommt dabei heraus, wenn man einen Bayern-Fan ein Spiel Real gegen den BVB kommentieren lässt. Ich habe gegen Ende des Spiels den Ton abgeschaltet, denn ich konnte mir nicht mehr mit anhören, dass da Sätze wie diese fielen:

„Real Madrid spielt so schlecht, hat keinen Plan, hat auch nicht die Mittel, gegen Dortmund zu gewinnen . . .“

Und dazu gab es in jeder Minute dermaßen viel Mist zu hören, dass es das Maß des Unerträglichen bei weitem überstieg. Erstmals habe ich deshalb den Ton abgedreht. Dieser gute Mann muss sich, der da kommentierte, das habe ich lange Zeit so bei mir gedacht, maßlos geärgert haben, dass der „blasse“ BVB und nicht das „große“ Real das CL-Finale gegen seine Bayern spielen wird. Ein Bayern-Sieg in der Champions League gegen Real Madrid würde natürlich doppelt und dreifach zählen, als wenn das nur gegen das „kleine“ Dortmund geht. Bayern gegen den BVB im Champions-League-Finale ist wahrscheinlich so, wie einst im Tennis und im Endspiel von Wimbledon die Partie Boris Becker gegen Michael Stich. Und hat da nicht Stich gewonnen? Der Außenseiter? Vielleicht auch mal ein Hinweis, dass nicht immer die Favoriten gewinnen, da entscheidet gelegentlich auch die Tagesform.

Und abschließen zu Dortmund: Was Weidenfeller diesmal gehalten hat, war überirdisch, Hummels hat seine unterirdische Leistung aus dem Hinspiel mit einer Weltklasse-Vorstellung vergessen gemacht, Reus war im Dribbling wie von einem anderen Stern – und was Lewandowski gegen Ramos ertragen hat, habe ich noch nie erlebt. Mindestens sieben Box- oder Ellenbogenhiebe hat der Pole vom Spanier an den Kopf und damit ertragen müssen, der BVB-Torjäger hat es alles mit Fassung weggesteckt und ich frage mich: wie geht so etwas? Ich wäre dreimal ausgerastet, viermal explodiert und hätte das Spiel wahrscheinlich nicht bis zum Ende erlebt – aber Lewandowski blieb ruhig. Das ist bewundernswert hoch zehn. Kompliment.

Nun aber zum HSV, ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen Abstecher zur Champions League. Übrigens, wo ich gerade noch dabei bin: Markus Lanz sprach nach dem Spiel mit Prominenz über das erste Halbfinale, und da sagte mein Kollege Jörg Dahlmann etwas, was ich jedem Fan empfehle, wenn er nicht s tolerant sein sollte: „Egal von welchem Club man auch Fan ist, steht ein Bundesliga-Vertreter in einem CL-Halbfinale, dann ist man doch Deutscher iúnd zittert mit dem deutschen Club mit, dann möchte man doch, dass der Bundesliga-Verein weiterkommt.“ Genau, mein Jörg, genau so ist es. In dieser Sendung saß ja auch „Dittsche“, nämlich Olli Dittrich, und der lobte explizit die Arbeit von Thorsten Fink. Ein Extra-Lob an den HSV-Trainer gab es auch von Dahlmann, das sei nicht verschwiegen: „Der HSV ist ganz mies in die Saison gestartet, da hatten doch viele die Befürchtung, dass der HSV diesmal absteigen wird, aber er hatte mit dem Abstieg nichts zu tun, steht im gesicherten Mittelfeld und kann von Europa träumen – das ist Finks Verdienst“

Und damit bin ich dann auch schon voll beim HSV. Heute Training am Vormittag, wunderbares, sommerliches Wetter, viele Fans – und gute Leistungen der Spieler. Obwohl ich davon gar nichts mehr schreiben möchte, denn wer erinnert sich noch an die vergangene („Vor-dem-Schalke-Spiel“-)Woche? Da hatte ich geschrieben, wie super die Mannschaft trainiert hat, wie toll diese ganze Woche gelaufen ist. Und dazu hatte ich mich aus dem Fenster gelehnt: „Der HSV wird auf Schalke auf jeden Fall nicht verlieren. . .“ Und dann dieses erneute Debakel. Deswegen will ich auch nicht mehr bewerten, wie und wie schlecht und wie gut der HSV trainiert hat – alles Makulatur. Die Herren Profis können sich beim Üben noch so sehr den Hintern aufreißen, im Spiel sind sie dann doch nur wieder lammfromm. Auch am Sonntag weder, wenn es gegen die unbequemen Wölfe aus Wolfsburg geht – ich könnte wetten.

Ja, ich gebe zu, der Hals ist vom Schalke-Spiel immer noch dick. Das dauert auch noch. Weil ich es immer noch nicht begreifen kann, wie eine so leblose Truppe eine so große Chance auf die CHAMPIONS LEAGUE einfach so kampflos vertut. Will mir nicht in den Kopf – immer noch nicht. Und im Training gehen sie dann wieder zur Sache . . . Das passt doch nicht.

Thorsten Fink hat sich da auch so seine Gedanken gemacht. Auch er hatte durchaus beobachtet, wie gut seine Mannen vor Schalke trainiert hatten. Heute hat der Coach gesagt: „Wichtig ist immer das Wochenende, das Spiel. Es gibt ja im Fußball die Aussage: ‚So wie man trainiert, so spielt man auch.’ Die stimmt aber nicht.“ Auch Fink ist immer noch verärgert ob dieser Minus-Leistung seines Teams: „Ich habe ja schon gesagt, es fehlt die Cleverness. Und dann hat der eine oder andere einfach nicht erkannt, welche Chance man da vor sich hat. Man kann ja verlieren, aber dabei muss es dann auch blaue Flecken geben . . .“ Der HSV-Trainer dann weiter: „Wenn man nun Real Madrid gesehen hat. Im Hinspiel in Dortmund waren die nicht gut, aber dann gehen die zum Rückspiel auf den Rasen und geben alles. Die haben doch 90 Minuten lang alles gegeben. Und genau das möchte ich von meiner Mannschaft auch sehen. So müssen wir auftreten.“ Um dann noch ergänzend zu sagen: „Okay, in Deutschland hätte es für einen solchen Auftritt wie den gestern von Real mindestens drei Rote Karten gegeben, aber so muss man auftreten, wenn man was erreichen will.“

Und der HSV kann, das ist ja das Schizophrene, ja immer noch etwas erreichen. Freunde, es geht um Europa. Auch gegen Wolfsburg. Um Europa! Dafür lohnte es sich auf jeden Fall früher einmal, das war einst in grauer Vorzeit, sich das eine oder andere Bein auszureißen. Fink sieht das ebenso: „Wir haben jetzt drei Play-off-Spiele vor uns. Jedes Spiel davon ein Play-off-Spiel. Jetzt muss man 1:0 gewinnen, um weiter zu kommen, und genau so muss man jetzt jedes Spiel angehen, es sind doch nur noch drei. Und deswegen ist das jetzt auch keine normale Woche für uns, nein, nein, da kann man nicht einfach so lala trainieren. Nein, da muss jeder wissen, um was es am Sonntag geht. Da muss das Bewusstsein da sein, was auf dem Spiel steht. Und ich versuche natürlich, die Spieler heiß zu machen . . .“

Thorsten Fink weiß aber auch, dass sein VfL-Kollege Dieter Hecking seine Spieler ebenfalls „heiß machen“ wird. Das ist so. Auf Schalke ist es dem Kollegen Jens Keller wahrscheinlich gelungen, sein Team noch ein wenig heißer zu machen. So spielt das Fußball-Leben. Und deswegen ist natürlich nicht davon auszugehen, dass der „heiße HSV“ gegen den „heißen VfL“ am Sonntag gewinnen wird. Fink: „Wolfsburg ist von den Namen her großartig besetzt. Was ist denn, wenn die so eingestellt sind wie wir? Dann wird es schwer. Die haben doch auch Qualität. Aber ich will von meiner Mannschaft sehen, dass sie will. Und da bin ich auch guten Mutes, dass wir das am Sonntag sehen werden.“

Darüber wird der HSV-Coach sicherlich auch mit Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (die Kollegen witzelten, indem sie ihn als „Euro-Eddy“ bezeichneten) gesprochen haben, der beim Training plötzlich neben Thorsten Fink stand. Ich habe im Scherz gemutmaßt: „Der Boss überbringt ihm eine Abmahnung – weil der Trainer doch neue Spieler gefordert hat, obwohl er doch eigentlich wissen müsste, dass der HSV kein Geld hat für neue Spieler, erst recht nicht für jene Spieler, die eine Soforthilfe darstellen würden. Als ich Carl-Edgar Jarchow, also „Euro-Eddy“, mit meiner Vermutung konfrontierte, lachte er und sagte: „Nein, nein, keine Abmahnung, alles ist gut – ich spreche täglich mit dem Trainer.“ Und, Herr Jarchow, wie ist es denn? Der HSV hat doch kein Geld für neue Spieler, oder? Jarchow: „Wieso, zwei neue Spieler haben wir doch schon. Und alles Weitere wird sich finden, das hängt auch von den Verkäufen ab. Ich bin sicher, dass wir noch einige punktuelle Verstärkungen verpflichten werden.“
Klingt gut, Herr Jarchow, dann noch einen schönen Feiertag.
Und wer nicht weiß, wer diese beiden neuen HSV-Spieler sind: Hakan Calhanoglu (vom KSC) und Kerem Demirbay (Borussia Dortmund)

Beim HSV haben heute zwei Spieler im Training gefehlt: Dennis Aogo hat es, weil er zuletzt umgeknickt ist, an der Kapsel (linker Fuß) erwischt, und Milan Badelj hat noch eine Schicht mit Reha-Trainer Markus Günther absolviert. Beide Profis, so der Plan heute, sollen wahrscheinlich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren können. Wobei einer von beiden sicherlich auf die Bank gehen wird – ich tippe mal auf Aogo. Und wenn ich schon mal bei Prognosen bin: Maximilian Beister, der uns Journalisten ja immer noch nicht verziehen hat, dass er vor einigen Wochen (am 16. März im Spiel gegen Augsburg) Rot gesehen hat und vom Platz gestellt worden ist, hat seine Krankheit überwunden und steht wieder im Training. Ich denke aber, dass es bis zum kommenden Sonntag noch nicht wieder reichen wird, sodass er wohl noch einmal als Zuschauer wird auftreten müssen.

Kein Zuschauer, sondern voll am Ball (hoffentlich) wird Jaroslav Drobny sein. Der große „Schweiger“ wird ja bekanntlich am Sonntag für den gelb-gesperrten Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen und beantwortete heute schon mal drei Frage (die ihm Medien-Direktor Jörn Wolf gestellt hat). Die überaus humorvolle Antwort auf Frage eins (ihr dürft euch die Frage überlegen, welche am besten passen würde!): „Es ist mein Job da zu sein, wenn ich gebraucht werde. Spielpraxis habe ich genug. Ich stand doch vor zwei Monaten gegen Gladbach schon im Tor . . .“ Und die Antwort auf Frage zwei: „Wolfsburg ist eine Partie mit Endspielcharakter. Das müssen wir als Mannschaft auf dem Platz zeigen. Mehr gibt es davor nicht zu sagen.“ Richtig.

Und Frage drei, die beantwortete der Keeper wie folgt: „Ich kann mir einiges vorstellen für die Zukunft. Das bespreche ich aber erst mit dem HSV, bevor ich es jemandem mitteile.“ Aha. Na denn ist ja alles klar.

Thorsten Fink antwortete übrigens auch auf eine Frage, die ihm in Richtung Drobny gestellt wurde: „Drobo ist eine coole Socke.“ So nach dem Motto: „Der wird seine Sache schon gut machen, er hat ja auch beim 1:0 gegen Mönchengladbach eine sehr gute Leistung gezeigt, da gibt es keinerlei Zweifel bei mir.“ Bei mir auch nicht. Wer sich im normalen Leben schon so defensiv verhält, der hält sich auch im Spiel sehr defensiv.

Wesentlich offensiver ging da schon Rene Adler an das Thema „Drobny – der Mann neben oder hinter mir“ heran. Der deutsche Nationaltorhüter lobte den tschechischen Nationaltorhüter sehr: „Drobo ist einer der Konkurrenten und Kollegen, mit dem ich super gerne zusammengespielt habe – und noch spielen werde. Es gab schon Kollegen und Trainingspartner, da lief das nicht so ideal wie hier und bei uns, er ist nicht nur ein total witziger Typ, er ist auch extrem wichtig für unsere Mannschaft. Er hat es mir hier von der ersten Minute an sehr einfach gemacht, und das ist auch nicht selbstverständlich. So sportlich wie er sich verhalten hat, da ziehe ich den Hut vor. Dafür kann ich mich bei ihm nur bedanken.“

Rene Adler fast schwärmerisch weiter über Drobny: „Wir haben uns von der ersten Minute an respektiert, haben uns auch relativ offen und ehrlich ausgesprochen, und haben dann wirklich Tag für Tag das Niveau versucht, hoch zu schrauben. Das gilt aber auch für die anderen Torhüter, Tom Mickel noch am Anfang, und Sven Neuhaus. Wir haben alle sehr, sehr gut trainiert, da muss man auch mal Torwarttrainer Ronny Teuber loben, der seine Sache ausgezeichnet macht.“ Dass Drobny am Sonntag deswegen eventuell nicht in Bestform sein könnte, weil er wenig Spielpraxis hat, verneinte Adler übrigens: „Der Drobo ist top trainiert, und er hat bei den Testspielen zwischen den Pfosten gestanden, okay, das ist nicht die Bundesliga, aber er hat gespielt. Ich bin restlos davon überzeugt, dass er bei uns am Sonntag eine ganz wichtige Rolle spielen und auch gut halten wird. Ich drücken ihm auf jeden Fall sämtliche Daumen, die ich habe.“ Das ist ein Daumen weniger – als der HSV am Sonntag Punkte kassieren wird . . . Wenn ich mich mit dem Dreisatz noch richtig auskenne.

Dann fügte Rene Adler noch in Sachen Drobny an: „Er ist extrem wichtig für die Mannschaft, und das sind nicht immer nur die Spieler, die ständig zum Einsatz kommen. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich verhalten sollte, wenn man nicht immer spielt, er sorgt bei uns immer für beste Stimmung.“

Auf geht’s, Drobo, dann sorge bitte auch dafür, dass am Sonntag allerbeste Stimmung im Volkspark herrschen wird – ich sage mal, so spätestens um 19.25 Uhr.

So, und wenn ich gerade mal bei einem Blick in die Zukunft bin, dann passt ja auch diese Meldung:

Das Teilnehmerfeld für den Fußball-Nordcup in Hamburg steht fest. Nach dem neunmaligen dänischen Meister FC Kopenhagen und dem Bundesliga-Rivalen VfL Wolfsburg hat nun auch Erstliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig seine Zusage gegeben. Das Vorbereitungsturnier auf die neue Saison findet am 13./14. Juli in der Hansestadt statt. „Wir freuen uns sehr, ein so attraktives und gleichzeitig regionales Teilnehmerfeld gewonnen zu haben“, sagte HSV-Vorstand Joachim Hilke.

Am 13. Juli finden zunächst zwei Halbfinalspiele statt. Tags darauf werden das Finale und das Match um Platz drei ausgespielt. Alle Spiele werden mit verkürzten Halbzeiten à 30 Minuten und ohne Verlängerung gespielt. Im Falle eines Gleichstandes wird der Gewinner jeweils direkt über das Elfmeterschießen ermittelt.

PS: Und dann noch in eigener Sache. Viele, viele Mails, Briefe (in die Redaktion) und sms gab es in den vergangenen heißen Tagen, dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Ich kann unmöglich alle beantworten, da mein Tag dann gelaufen wäre – da bitte ich euch um Verständnis. Vielleicht gelingt es jenen Usern, die mir privat so emotional schreiben, das dann doch in den Matz-ab-Blog zu stellen. Es wäre besser, denn es sind zum Teil sehr gute Ansichten und Aussagen darunter. Und dann hätten von diesen guten Sachen alle etwas davon – oder auf jeden Fall viele.

Zum Trost für diejenigen, die mir nun geschrieben und nichts davon gehört haben, sei stellvertretend eine Mail, die mich dieser Tage erreichte, veröffentlicht, sie spiegelt das wider, was in fast jeder Mail thematisiert wird:

„Eine jahrzehntelange Liebe beginnt zu sterben, wenn man fühlt, dass der Partner nicht mehr das Gleiche zu geben bereit ist, wie man selbst.“

PSPS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, und am Freitag ebenfalls um 10 Uhr.

PSPSPS: Dann wünsche ich euch und euren Lieben noch einen schönen Rest-Feiertag – und einen wunderbaren Fußball-Abend zum Genießen. Ich drücke übrigens dem FC Bayern die Daumen, denn ein deutsches Finale in England wird auf der ganzen Welt für viel Aufsehen sorgen. Vorsichtshalber werde ich mal das ZDF einschalten – Sky ist mir seit gestern ein wenig zuwider geworden . . .

PSPSPSPS: In der A-Junioren-Bundesliga hat der abstiegsgefährdete HSV heute sein Heimspiel gegen Hertha BSC mit 0:2 verloren.
So meldete es jedenfalls die Agentur. Unser User “Wortspieler” aber weiß es besser, danach hat der HSV mit 2:0 gewonnen. Ist ja auch besser so. Und vielen Dank für den Service, “Wortspieler”.

16.20 Uhr

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

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