Archiv für das Tag 'Klein'

Marcell Jansen will die „Pflicht-Bescherung“

20. Dezember 2013

Der letzte Spieltag vor Weihnachten bietet traditionell den Anlass für Wortspiele. So wollen sich die Mannschaften selbst den größten Wunsch erfüllen, mit einem Sieg ins Fest zu gehen. Eine schöne Bescherung soll es geben, und was den HSV speziell angeht, eine Versöhnung mit den Fans. Ich weiß nicht, ob es hier eine Entzweiung gibt, aber eine Entschädigung für die vielen schlechten Spiele im eigenen Haus hätten die Anhänger allemal verdient.

Matz_ab_ankuendigung_1800_Uhr

Am Ende nimmt man das Gefühl eines Sieges (wie einer Niederlage) mit in die Weihnachtspause – und dieses Gefühl soll doch bitte positiv sein. Abgesehen davon, dass die Hamburger auf einen Dreier angewiesen sind, um 2014 nicht in Abstiegsnöten zu beginnen. Nationalspieler Marcell Jansen sprach deswegen von einer „Pflicht-Bescherung“ gegen Mainz. Noch so ein Wortspiel.

Überhaupt gehört Jansen ja zu den recht wenigen positiven Erscheinungen des HSV in diesem Jahr. Er steht für Zuverlässigkeit und hohe Qualität. Positiv besetzt sind im Team sicher auch die Nachwuchsspieler Hakan Calhanoglu, Jonathan Tah und auch Stürmer Pierre Michel Lasogga. Bei einigen anderen gibt es positive Ansätze, Badelj, Arslan, Beister, aber die Konstanz fehlt noch. Wohin das führt in dieser Saison? Marcell Jansen dazu: „Wir sollten jetzt den Ball flach halten und erst mal Mainz schlagen. Das ist eine ganz harte Aufgabe. Und dann müssen wir uns auf die Vorbereitung konzentrieren und vielleicht in der letzten Phase der Saison dann definieren, was unsere Ziele sind. Aber das Spiel gegen Mainz ist jetzt erstmal ganz, ganz wichtig.“

In der Weihnachtspause wird sich für Jansen vermutlich zum letzten Mal für einige Zeit die Gelegenheit bieten, sich zu erholen. Im Sommer steht ja die WM auf seinem Plan. „Bei mir ist es die ersten Tage über Weihnachten so, dass ich versuche, runterzukommen. Vom Kopf her auch mal andere Dinge zu sehen, um dann im Januar voll anzugreifen.“

Trainer Bert van Marwijk hat sich heute beim Abschlusstraining nicht in die Karten schauen lassen. Es gab kein Spielchen elf gegen elf, so dass es mutmaßlich bei den Eindrücken von gestern bleibt. Petr Jiracek steht vor einem Comeback in der Startelf, auch weil Tolgay Arslan in dieser Woche leicht angeschlagen nicht alles voll mitmachen konnte. Ansonsten kommt wohl Maximilian Beister wieder für Jacques Zoua ins Team, wenngleich sich die beiden gestern beim Trainingsspielchen in der A-Elf abwechselten.

„Ich hoffe, dass wir unseren Fans einen schönen Jahresabschluss bieten können“, sagte Torjäger Pierre Michel Lasogga vor der Partie gegen die Rheinhessen. „Mit einem Sieg im Rücken kann man noch lieber zur Familie fahren. Bei uns kommt die ganze Familie zusammen, das ist immer sehr schön. Und ich sehe zu, dass ich ein paar Sonnenstrahlen bekomme.“ Da kann man wenig hinzufügen – und es bleibt die Hoffnung, dass die Partie gegen Mainz sich anders gestaltet als die jüngste Heim-Katastrophe gegen den FC Augsburg vor zwei Wochen.

Die voraussichtliche Aufstellung für die Partie gegen Mainz: Drobny (nicht Adler) – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Jiracek – Beister, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Ich habe heute einen ziemlichen Schrecken bekommen. Der HSV hat seine Tagesordnung, sowie die Berichte und Bilanzen für die Mitgliederversammlung am 19. Januar veröffentlicht und auch alle Anträge und Begründungen herumgeschickt. Was für ein Batzen Papier! Auf 120 Seiten DIN-A-4 stehen alle möglichen Anträge, Begründungen zu Anträgen, Strukturmodelle des HSV. Dazu die Bilanzen und Berichte von Vorstand und Aufsichtsrat. Wie soll das alles am 19. Januar auf einer Versammlung besprochen werden? Okay, das ist vor allem ein organisatorisches Problem, es soll ja vielmehr um Inhalte gehen.

Wobei, wenn Antrag Nummer eins durchkommt, kann es ein kurzer HSV-Versammlungstag werden. Aufsichtsrat Eckart Westphalen hat nämlich beantragt, dass alle Entscheidungen um Umstrukturierungen des HSV in die zweite Jahreshälfte 2014 verschoben werden sollen. Bis dahin soll eine Kommission Kompromiss-Lösungen erarbeiten. Die Teilnehmer dieser Kommission setzen sich zusammen aus Vertretern der verschiedenen Veränderungs-Lager sowie Gremienvertretern des HSV. Westphalen sieht die Zeit noch nicht reif für einen neuen HSV.

Ich denke, dieser Vorschlag wird es allerdings schwer haben. Der gesamte HSV ist auf Erneuerung gepolt. Die Debatte um Ausgliederung ja oder nein und alles, was da dranhängt, beschäftigt den HSV landauf, landab seit Monaten. Eine Verschiebung wäre ein Rückschritt. Zumal Otto Rieckhoff ja für sein Modell „HSV-PLUS“ bereits einen Runden Tisch abgelehnt hat.

Antrag b) ist der von Wolfgang Müller-Michaelis. Er möchte aus dem HSV eine Stiftung machen. Dieses Konzept richtet sich vor allem an den Universalsportverein HSV, an seine Rolle in der Stadt. Das Konzept ist explizit weniger als ein Veränderungs-Modell für die Profi-Fußball-Abteilung des HSV angelegt.

Nächster Punkt ist das Strukturmodell „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke. Er möchte im Rahmen der bestehenden Satzung größere Eigenständigkeit der Profi-Fußballer schaffen. Dafür hat er eine neue, schlankere Satzung entworfen. Sein Konzept mit den vielen Änderungsvorschlägen wird als Ganzes abgestimmt. Unter dem Slogan „Rote Karte für den Verkauf des HSV“ wendet sich Hunke ganz klar gegen eine Ausgliederung.

Das Modell „HSV-Reform“ von Johannes Liebnau, Christian Reichert, Jan Bartels und Marten Oetjens will ebenfalls Veränderungen innerhalb der bestehenden Satzung. Im Gegensatz zu Hunke aber nicht als Ganzes, sondern hier liegen sieben einzelne Anträge vor, über die einzeln abgestimmt werden soll.
Danach sind wir bei Punkt k) und dem Modell „HSV-PLUS“, das Wolfgang Klein, Thomas Krüger und Otto Rieckhoff eingebracht haben. Im Gegensatz zu den vorgenannten Satzungsänderungen, die eine Dreiviertelmehrheit benötigen, brauchen die zwei Anträge von „HSV-PLUS“ zunächst nur eine einfache Mehrheit. Antrag eins sieht vor, den Vorstand des HSV mit der Umsetzung und der Schaffung rechtlicher Voraussetzungen für „HSV-PLUS“ zu beauftragen. Im gleichen Atemzug beantragen die Vertreter dieses Modells, dass bis zum 30. Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden soll, auf der dann endgültig – und mit einer nötigen Dreiviertelmehrheit- über „HSV-PLUS“ abgestimmt werden soll. Gleichzeitig liegt hier eine neue HSV-Satzung für den e.V. vor, der ja erhalten bleiben soll.

Unter den Punkten l) und m) kommen die Vertreter von „Rautenherz“ zu Wort. Auch sie wollen eine Ausgliederung der Profi- und Leistungsfußballer im HSV, allerdings nicht als AG, sondern als KG auf Aktien. Martin Rüssel, Rainer Ferslev und Dirk Wechsel stehen für „Rautenherz“. In ihrem zweiten, recht beachtlichen Antrag bauen sie vor: sollte weder „HSV-PLUS“ noch „Rautenherz“ die einfache Mehrheit zur Weiterverfolgung erhalten, dann möchten sie doch zumindest den Gedanken der Ausgliederung generell am Leben erhalten. Sie stellen deswegen einen „konzeptneutralen Ausgliederungsantrag“ – das heißt, der Vorstand soll unabhängig von den vorliegenden Modellen eine Ausgliederung vorantreiben.

Soweit zu den Struktur-Konzepten in aller Kürze.

Was den Bericht des Vorstands angeht, ist es nun offiziell. Der HSV hat in der abgelaufenen Saison ein Minus von 9,81 Millionen Euro erwirtschaftet. Ein schlechtes Ergebnis, das nur deswegen nicht noch schlechter geworden ist, weil der Verein kurz vor Toreschluss den Vertrag mit Vermarkter Sportfive verlängert hat. Die Aufwendungen für den Spielerkader sind trotz Sparvorgabe auf 44 Millionen Euro gestiegen, das Eigenkapital des Vereins nimmt deutlich ab. Alles in allem wahrlich ein schwaches Resultat des HSV unter seinem Vorsitzenden Carl Jarchow.

Darüber hinaus gibt es erneut kritische Kommentare der Rechnungsprüfer, die – das hat schon fast Tradition – nicht alle Unterlagen bekommen haben, die sie angefordert haben. Interessant ist eine Einlassung, die sich auf die gescheiterte Ausgliederung, die Bernd Hoffmann 2005 nicht durchsetzen konnte, bezieht. Danach hatten sich nämlich Vorstand und Aufsichtsrat darauf verständigt, etwaige erneute Ausgliederungs-Bestrebungen auf jeden Fall erst mit den Mitgliedern abzustimmen. Insofern ist auch nachvollziehbar, dass der aktuelle Vorstand – entgegen einer ersten Ankündigung – gar nicht rechtliche Voraussetzungen des „HSV-PLUS“-Modells prüfen durfte, insbesondere wenn damit finanzielle Aufwendungen verbunden gewesen wären.

Schließlich gibt es noch Anträge zu Brief- und Fernwahl und einige Bemerkungen zum Protokoll der Mitgliederversammlung vom Sommer. Hier tauchen kritische Kommentare Richtung Aufsichtsrat wieder auf – dieses Thema ist ja hier bei „Matz ab“ heißdiskutiert worden. Jedenfalls haben Jörg Debatin, Konstantin Rogalla, Reinhard Hupfer und Bernd Günther ihre Wortbeiträge nachträglich angemeldet.

Vorhin kam diese Meldung rein, sie betrifft einen ehemaligen HSV-Profi:

Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton beendet seine Fußball-Karriere. Laut bild.de verkündete der 40 Jahre alte Brasilianer seinen Entschluss am Freitag. Ailton spielte zuletzt bei Hassia Bingen in der Landesliga Südwest. Er kam auf 219 Bundesliga-Partien, in denen er 106 Treffer erzielte.

Seine erfolgreichste Zeit erlebte Ailton von 1998 bis 2004 bei Werder Bremen. Mit den Hanseaten wurde er 2004 deutsche Meister und zweimal DFB-Pokalsieger (1999, 2004). Im Meisterschafts-Jahr wurde der Südamerikaner auch Bundesliga-Torschützenkönig und Fußballer des Jahres in Deutschland. Beim FC Schalke 04 blieb er nur die Saison 2004/2005. In der Rückrunde 2006 war Ailton ohne großen Erfolg beim Hamburger SV noch aktiv.

Anschließend blieb er nie mehr sehr lange bei einem Club. Er spielte unter anderem in der Türkei, Serbien, der Schweiz und China. Für Hassia Bingen war Ailton seit 2012 auf Torejagd. In der Bundesliga war er neben seinen Toren immer auch für seine Sprüche bekannt, die er in gebrochenem Deutsch abließ. In den vergangenen Jahren trat er auch im Fernsehen auf. Unter anderem machte er im Januar 2012 im RTL-Dschungelcamp mit.

Außerdem zwei Daten für alle Reisewütigen: der HSV hat die Anstoßzeiten seiner Testspiele im Trainingslager in Abu Dhabi bekannt gegeben. Die erste Partie findet am Freitag, den 10. Januar, um 21.30 Uhr Ortszeit (18.30 Uhr deutsche Zeit) gegen Vitesse Arnheim aus den Niederlanden statt. Am Dienstag, den 14. Januar, trifft der HSV um 19.30 Uhr Ortszeit auf Quairat Almaty aus Kasachstan.

Und die DFL hat die Bundesliga-Spieltage 22 bis 28 genau terminiert:
Sbd., 22.2., 18.30 Uhr: HSV-Dortmund
Sbd., 1.3., 15.30 Uhr: Bremen-HSV
Sbd., 8.3., 15.30 Uhr: HSV-Frankfurt
So., 16.3., 15.30 Uhr: HSV-Nürnberg
Sbd., 22.3.,15.30 Uhr: Stuttgart-HSV
Mi., 26.3., 20 Uhr: HSV-Freiburg
So., 30.3., 15.30 Uhr: Mönchengladbach-HSV

Morgen geht es hier nach dem Spiel direkt weiter mit „Matz ab live“. Dieter und Scholle begrüßen den früheren HSV-Kapitän Peter „Eiche“ Nogly. Einer der ganz Großen des HSV.

Einen schönen Abend für Euch
Lars

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Korrektur Aufstellung: Natürlich Drobny im Tor, nicht Adler. Sorry!
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Der HSV vor einem “heißen” Wochenende

31. Mai 2013

Es geht um die Situation allgemein. Und um die Verlängerung von Vermarkter Sportfive ganz speziell. Darüber steht auf Abendblatt.de ein ganz besonderer Artikel. Der die Tatsache in den Mittelpunkt rückt, dass die HSV-Mtglieder zu diesem deal (Sportfive) befragt werden sollen. Frank Mackerodt, das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied und früherer Kapitän der Volleyball-Nationalmannschaft, hat sich zu diesem Thema kurz einmal freigesprochen:

. . . Dieses Vorgehen sorgt besonders bei einem Mann für Kopfschütteln: Ex-Aufsichtsrat Frank Mackerodt. Auf Facebook lässt der 50-Jährige so richtig Dampf ab und schießt gegen seine Nachfolger in dem Gremium: „Da kann man einfach nun noch den Kopf schütteln: Der AR will die Hauptversammlung um ihre Meinung zu einem neuen Sportfive-Deal befragen. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es gar keine andere Möglichkeit, als den Vertrag zu verlängern! Warum also die Nachfrage bei der Hauptversammlung?”, schreibt Mackerodt.

Und einmal in Fahrt schreibt er weiter: „Die Herren sollten erst mal klären, wer überhaupt den HSV überhaupt in diese Situation gebracht hat, diesen Vertrag verlängern zu müssen? Das ist leider alles so durchsichtig und armselig! Vielleicht sollte der AR zukünftig auch bei allen Spielerverträgen die Meinung der Hauptversammlung einholen! Noch weitergedacht, sollten doch auch alle Mitglieder die Verträge dann gleich mit unterschreiben!“

Mackerodts Sorge: „Leider wird unter diesen Umständen dieser wunderbare Verein in den Abgrund gewirtschaftet. Gerade von den Herren, die uns immer unter Zeit unter Udo Bandow für alles und jedes kritisiert haben. Unter anderem über den Sportfive-Deal, Umgang mit Investoren etc. Und jetzt machen sie alles mit . . .“

Neuer Sprengstoff für das ohnehin prall gefüllte Pulverfass HSV. Denn diese Äußerungen werden sicherlich Reaktionen hervorrufen.

Aber nicht nur diese Äußerungen, das ist klar. Es wird am Sonntag wohl noch ganz andere Reaktion geben. Ich bin auf diese Mitgliederversammlung (Sonntag, 11 Uhr, Arena im Volkspark) sehr gespannt, weil ich weiß, dass sich einige Herren schon mal besonders „präpariert“ haben. Pulverfass ist vielleicht schon das richtige Wort . . .

Wobei ich Frank Mackerodt, den ich über die Maßen schätze (weil er in hundertprozentiger HSVer ist!), natürlich recht geben muss. In allen Punkten. Über diese Punkte wird ganz sicher noch zu reden sein. Und die Mitgliedschaft des HSV wird feststellen, wie schnell aus einem Menschen mit festen Prinzipien ein schillernder Wendehals werden kann . . . Und das ist auch sicher: nicht nur EIN Mensch, sondern mehrere. Mehrere Wendehälse. Schillernde.

Bei der Gelegenheit: Sorry, lieber Frank, dass ich Dich in der heutigen Aufzählung der großen HSV-Größen (Hamburger Abendblatt Seite zwei) vergessen habe aufzuzählen – das ist leider ein unverzeihlicher Fauxpas von mir. Du gehörtest natürlich und selbstverständlich dazu. Und deswegen finde ich es schon mal überragend, dass Du in dieser Form „Gas gegeben“ hast – ohne dazu (von mir) „aufgefordert“ worden zu sein. Großartig. Von diesen HSV-Größen müssten sich viele, viele mehr einmischen, erst einzeln, dann aber auch noch einmal gemeinsam. Und mit Vehemenz.

Der HSV steht ja vor einem „heiße“ Wochenende. Erst der Sonnabend in Berlin. Dort wird Oliver Kreuzer als neuer HSV-Sportchef verpflichtet. Davon gehe ich hundertprozentig aus, denn alles andere kann sich der Club und kann sich der Aufsichtsrat gar nicht leisten. Soll Kreuzer jetzt – aus welchen Gründen auch immer – doch noch abspringen (müssen), dann wäre der HSV tatsächlich die größte Lachpille der Liga, dann würde er auch aus den letzten Zipfeln dieser Republik Hohn und Spott ernten. Gespannt bin ich nur darauf, ob es hinterher verkündet wird, auf welche Ablösesumme es denn letztlich hinausgelaufen ist. Wenn es diese Zahlen dann tatsächlich in der Öffentlichkeit gibt.

Gratulieren möchte ich dem HSV zur Vertragsverlängerung von Jaroslav Drobny. Dass der Tscheche nun doch kein Herthaner wird, sondern in Hamburg bleibt, das halte ich für sehr wichtig. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass Drobny natürlich viel und gut verdient. Das ist erstens berechtigt, und zweitens hat Qualität eben seinen Preis. Der HSV geht dabei auf Nummer sicher – und das ist nur zu befürworten. Die Position des Torhüters ist viel zu wichtig. Und ich habe, das gebe ich zu, noch keinen HSV-Nachwuchstorwart gesehen, der dann in die Bresche springen könnte, wenn Rene Adler einmal ausfallen sollte. Das mag ja noch kommen, aber im Moment gibt es einen solchen Nachwuchsmann noch nicht. Es sei denn, die Torwarttrainer Ronny Teuber und Richard Golz sehen das anders – sie sind dafür ja auch vorgesehen und aufgrund ihrer Erfahrung auch viel prädestinierter als ich.
Bei der Gelegenheit: Ein Tom Mickel, der im Winter vom HSV zur Spielvereinigung Greuther Fürth gewechselt und dort total in der Versenkung verschwunden ist, der hätte dem HSV jetzt bestimmt gut zu Gesicht gestanden. Und was aus einem „gereiften“ Ersatztorwart werden kann, das hat ja Wolfgang Hesl in Fürth gezeigt – Stammtorwart. Bei einem Absteiger, aber immerhin.

Ansonsten Mails, Briefe, Anrufe und auch so manche sms. Die Fans und Mitglieder des HSV sind besorgt. Und weil es ja immer wieder gerne mal genommen (und gelesen) wird, möchte ich eine Mail veröffentlichen, die mich dieser Tage erreicht hat. Immer wieder gern genommen? Natürlich weiß ich schon, dass es einigen „Matz-abbern“ ein Dorn im Auge ist, wenn ich so etwas – wie nun folgend – veröffentliche, aber niemand ist vollkommen. Ich erst recht nicht. Ich weiß aber sehr wohl, dass es auch User gibt, die sich über eine solche Veröffentlichung freuen, weil sie sonst keine Kommentar bei „Matz ab“ lesen. Also – mehr Toleranz auf beiden Seiten.
Los geht es:

Lieber Dieter, lieber Scholle,

vorab bedanke ich mich für euren Blog der für alle Menschen mit der
Raute im Herzen eine tolle Plattform und Informationsquelle ist. Die
Liebe zum HSV springt einem wirklich aus jeder Zeile entgegen.
Für mich ist es das erste Mal überhaupt, dass ich mich zu meinem
Verein schriftlich äußere. Der Grund: ich muss meine Sorgen mal
loswerden.

Nach 41 Jahren, in denen der HSV immer Bestandteil meines Lebens war,
ist nun mein letztes Fünkchen Hoffnung erloschen, dass unser Verein
in absehbarer Zeit wieder “die Kurve” kriegt. Die aktuellen
Ereignisse zeigen überdeutlich, dass es einen gravierenden Fehler im
(Vereins)System gibt, der ein Anknüpfen an die sehr alten Erfolge
heute und in Zukunft unmöglich macht. Die jüngsten Aussagen von
Wolfgang Klein und Felix Magath bestätigen mich m. E. in meiner
Einschätzung.

Tatenlos müssen wir mit ansehen wie der “Elfer-Rat” in wechselnder
Besetzung den Verein immer wieder an die Wand fährt. Nirgendwo auf
der Welt könnte ein mit elf Hobby-Experten besetzter Aufsichtsrat ein
Unternehmen oder Projekt professionell und erfolgreich führen. Nur in
Hamburg wird das immer wieder versucht. Strukturreformen initiiert
durch den Aufsichtsrat? Gott bewahre, da könnten einige Herrschaften
ja an Einfluss und damit an Strahlkraft verlieren. Und das die
Mitglieder keine Reform einfordern wird für mich auf ewig ein Rätsel
bleiben.

Das Leiden steigert der Aufsichtsrat dann noch durch verbale
Ballverluste (siehe Causa Ertel) oder mit eklatanten Abwehrfehlern
sprich dem Ausplaudern von Interna. Es ist doch nur eine Frage der
Zeit, wann wieder der Trainer gehen muss und danach dann der
Sportchef. Wahrscheinlich verkündet von einem Vorstandsvorsitzenden
Jarchow, der sich – außer durch monotone Spar-Appelle und
Dauer-Leichenbittermiene- noch in keinster Weise profiliert hat, aber
vom Aufsichtsrat seltsamerweise auch nicht hinterfragt wird.

Ich bin bestimmt kein negativer Mensch, sonst hätte ich mich nicht
– nach 12 Jahren Axel Springer – mit fast 50 Jahren noch einmal
selbstständig gemacht. Aber der HSV zeigt leider nur Kontinuität bei
den Managementfehlern und das geht zu Lasten meiner Lebensqualität.
Daher wird es für meine Familie und mich zur neuen Saison keinen
Stadionbesuch und kein TV-Bundesliga-Abo mehr geben.

Lieber Dieter, lieber Scholle, macht so positiv weiter, ich bin dann
mal weg.

Beste Grüße, Thorsten

Und dann noch eine kurze „Wasserstandsmeldung“. Für alle, die jetzt noch auf ihre Dauerkarte verzichten möchten – und hinterher vielleicht dann doch traurig sind, dass sie bei Saisonstart „weg“ ist:

Noch bis zum morgigen Sonnabend läuft der Dauerkartenvorverkauf für Inhaber einer Saisonkarte der vergangenen Spielzeit. Bislang haben bereits 25 000 Fans von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Vom 11. bis zum 17. Juni läuft der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder, ehe am 18. Juni der freie Verkauf beginnt.
Wer seinen Dauerkartenplatz der letzten Saison auch in der kommenden Spielzeit besetzen möchte, der kann ihn sich jetzt im Online-Ticketshop auf www.hsv.de, unter der Telefonnummer 040 4155-1887 oder direkt im HSV-Service-Center buchen.

17.08 Uhr

Die Noten für die Klubführung

26. Dezember 2012

Das Weihnachtsfest 2012 ist in wenigen Stunden Geschichte, die Herren, über die nun zu lesen sein wird, sind ebenfalls Geschichte – oder sie werden es in nächster Zeit. Es geht um die Hinrunden-Bilanz, und da sind diesmal nicht die Jungs in den kurzen und roten Hosen dran, sondern jene Herren, die die Zügel in der Hand haben. Die fast frühlingshaften Temperaturen haben für eine gewisse Milde im Land gesorgt, vielleicht auch im Blog – bei mir ohnehin, denn ich werde, wenn es um die Belange des Vorstands geht, kein Wort mehr über die Vereinsführung von Februar 2003 bis ins Jahr 2011 verlieren. Das wird wahrscheinlich die meisten erfreuen, vielleicht aber wird der eine oder andere User enttäuscht abwinken, was ich über die jetzige Vereinsführung denke – und schreibe. Ich kann aber versichern, dass das, was nun folgt, meine Gedanken zu 100 Prozent sind, und dass das nichts mit dem Frühling und dessen Milde Ende Dezember 2012 zu tun hat.

Vorausschicken möchte ich schnell noch, dass ich seit der Ära von Dr. Wolfgang Klein, der HSV-Präsident von Dezember 1979 bis November 18987 war, über den Klub berichte (und schreibe). Klein ging in die Geschichte des HSV als erfolgreichster Klub-Boss ein, unter seiner Führung wurden schließlich nicht nur Meisterschaften geholt, sondern auch der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das ist zu 100 Prozent gut, keine Frage. Aber, und nun kommt das aber, in dieser Zeit, vor allen Dingen aus dieser Zeit konnte der HSV keinerlei Nutzen ziehen. Im Gegenteil, der HSV war erfolgreich, verkaufte aber mit diversen Häusern fast sein ganzes Klub-Vermögen. Horst Hrubesch hat es hier vor ein paar Tagen gesagt: „Während beim FC Bayern die Erfolge und das dadurch eingespielte Geld in die Mannschaft investiert wurde, profitierte beim HSV der Gesamtverein vom Geld der Europapokalsieger.“ Und weg waren die Dollars . . . Es gab also schon immer (oder schon früher) arge Finanzprobleme, das ist in diesen Zeiten nichts Neues.

Nach Wolfgang Klein waren Ernst Naumann, Horst Becker, Jürgen Hunke, Ronald Wulff, Uwe Seeler, Werner Hackmann (kommissarisch), Rolf Mares, Werner Hackmann und nochmals Ronald Wulff (kommissarisch) bis 2003 an der Spitze des Vereins. Ich schreibe das deswegen, weil ich somit etliche Präsidenten erlebt habe, mir also ein Bild machen kann, von dem, was damals so gelaufen ist – und was heute läuft.

Dass Carl-Edgar Jarchow vor eineinhalb Jahren ein schweres Amt übernommen hat, ist kein Geheimnis, dürfte jedem bekannt sein. Ich habe sie noch im Ohr, die Stimmen von jenen HSVern, die für dieses Amt infrage gekommen wären, die aber – schon bevor sie gefragt wurden – entsetzt das Weite gesucht haben, indem sie sagten: „Ohne mich, diese finanziellen Aufbauten des Klubs durchschaue ich nicht, wird niemand mehr durchschauen – das soll ein anderer machen . . .“ Jarchow wurde es, und ich habe nicht gedacht, dass er bis heute noch im Amt sein würde. Eher hatte ich befürchtet, dass er schon nach wenigen Monaten den Bettel hinwirft und ebenfalls das Weite suchen würde. Denkste. Der Mann hält durch. Tapfer, tapfer – ich sage: bewundernswert.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass Carl Jarchow nicht jedermanns „Geschmack“ ist. In letzter Zeit aber, vornehmlich in den letzten Monaten, begegne ich immer mehr Leuten, die einst ganz anders über den heutigen HSV-Vorstandsvorsitzenden gedacht haben, als heute. Zuletzt war das in diesem Dezember der Fall, als Jarchow eine Ehrenamts-Veranstaltung des Hamburger Fußball-Verbandes besuchte. HFV-Sprecher Carsten Byernetzki und ich sprachen in einer Talkrunde etwa 30 Minuten mit Jarchow – über den HSV. Und als der Boss gegangen war, kamen drei Ehrenamtler (unabhängig vorneinander) zu mir und sagten das, was ich zuvor schon einige Male auch von „Matz-abbern „gehört hatte: „Der ist ja ganz anders, als ich gedacht habe, der ist ja sympathisch und wirkt auch kompetent auf mich.“ Ein Mann war dabei, der sogar ans „Eingemachte“ ging: „Mein Sohn schreibt im Internet in einem HSV-Forum mit, den höre ich immer nur über Jarchow schimpfen und meckern. Ich werde ihm mal sagen, was ich nun denke – Jarchow ist ein guter Mann.“

Der in meinen Augen auch so langsam wieder Grund in den HSV bekommt. Auch wenn die Zahlen etwas anderes belegen (wollen). Natürlich hat der HSV in Jarchows Ära weit über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stehen am Ende dieses Jahres tiefrote Zahlen zu Buche, werden sie auch 2013 noch so stehen – oder vielleicht auch noch schlechter, aber: Dieser Vorstand hat es im Griff, und dieser Vorstand musste so handeln, andernfalls wäre die Gefahr riesig gewesen, dass der HSV sehenden Auges in die Zweite Liga marschiert. Ich werde Jarchow und Co auf jeden Fall stets dankbar dafür sein, dass quasi in letzter Sekunde die Reißleine gezogen wurde. Der HSV, so hat es auch (noch einmal) Horst Hrubesch gesagt, wird „nicht in dieser Saison absteigen, und auch nicht in der nächsten“. Weil im Vorstand Mut bewiesen wurde. Das war kein Harakiri-Einsatz, sondern ein dickes Muss. Denn kein Mensch konnte doch vorhersehen, dass mit Fürth und Augsburg zwei Absteiger (fast) schon feststehen. Da unten hätte auch der HSV herumkrebsen können (nach der Vorgeschichte 2011/12), und deswegen mussten Millionen, die der Klub nicht hatte, locker gemacht werden.

Nebenbei soll der „Campus“ im Volkspark gebaut werden, es wird also – quasi nebenbei – auch an der Zukunft des HSV gearbeitet, sodass man sagen kann: es tut sich was. 2015 ist, bis auf Pille-Palle-Kosten, die Arena abbezahlt, es ist also Land in Sicht. Und ich würde mich freuen, wenn Carl-Edgar Jarchow dann noch immer an der Spitze des HSV stehen würde. Wenn ich ihn mit allen Präsidenten, die vorher in diesem Amt waren, vergleiche, dann würde Jarchow von mir eine Schulnote 2,5 erhalten. Er hat ganz sicher schon viel Gutes bewirkt, auch wenn das viele HSVer wahrscheinlich nicht sehen, nicht sehen wollen.

Gleiches kann und werde ich nur über Joachim Hilke, den „Mann an seiner Seite“ sagen. Erstens wird in diesem vierköpfigen Vorstand vertrauensvoll zusammen gearbeitet, es ziehen alle Männer an einem Strang, es gibt keinen Alleinherrscher, es gibt ein faires Miteinander – und daran hat auch Hilke einen ganz entscheidenden Anteil. Ich kann wirklich sagen, dass wenn ich mich mit „Alt-Internationalen“ des HSV unterhalte, dass von zehn Leuten neun voller Lob über diese Klubführung sind, und dass alle, tatsächlich alle auch von Hilke überzeugt und begeistert sind. Mal abgesehen von dieser unsäglichen „Viagogo“-Nummer, aber das wissen längst alle – auch Joachim Hilke, dass das eine große (einmalige) Fehlleistung war. Aber die Herren, das kann man daran sehen, versuchen eben alles, um an Gelder für den HSV zu kommen, dabei wird eben auch mal über das Ziel hinausgeschossen. Abgesehen davon, dass dieser Deal im Sommer 2013 erledigt sein wird (der oder die Prozesse, die noch folgend werden, vielleicht noch nicht ganz!), hat Joachim Hilke in Sachen Finanzen bislang (seit Frühling 2011) ganze Arbeit geleistet. Und wird es auch weiterhin tun. Der Mann weiß genau, was er tut – und er ist in diesen (Finanz- und Marketing-)Kreisen ein anerkannter Fachmann. Auch er erhält von mir die Note 2,5.

Der „dritte Mann“ in diesem Vorstand ist Oliver Scheel. Der Herr für die Fans, für die Mitglieder-Belange. Kein einfacher Job, muss ich gestehen, denn die Fans erwarten viel von ihm (Rückdeckung zum Beispiel), und der Vorstand erwartet, dass er die Fans „gut im Griff“ hat, was, wie wir alle wissen, eher eine fast unlösbare Aufgabe ist. Und ich denke mal, dass diesbezüglich noch einige Dinge zu besprechen sein werden, wenn ich so an die Vorfälle in Sachen Pyrotechnik (in Düsseldorf und auch in Leverkusen) denke. Ich wünschte mir gelegentlich ein entschiedenes Wort von Scheel, wenn es um solche lebensgefährlichen Sachen geht, aber ganz offenbar will er es sich mit niemandem verscherzen. Ich sehe ein, dass das in vielen Fällen auch ein Tanz auf der Rasierklinge für ihn ist, aber dennoch darf ein HSV-Vorstandsmitglied seiner Entrüstung über ausartende Fan-Aktivitäten doch lautstärkeren Ausdruck verleihen, als das in den zurückliegenden Monaten der Fall gewesen ist. Irgendwann sollte dann auch mal Schluss mit lustig sein, so schwer es (Oliver Scheel) auch fällt. Deswegen gibt es auch nur die Note vier.

Und wer nun entsetzt war, dass ich den „Zweiten Mann“ bislang nicht erwähnt habe, dem muss ich sagen, dass ich das mit Bedacht gemacht habe. Weil Sportchef Frank Arnesen doch – auch wenn er der Zweite Vorsitzendes des HSV“ ist, irgendwie ein „Einzelkämpfer“ ist. Der Däne ist für den An – und Verkauf im Klub zuständig, und das macht er fast im Alleingang, eher aber noch mit Trainer Thorsten Fink zusammen, als mit den Vorstandskollegen. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass auch Jarchow und Hilke an „gewissen“ Verpflichtungen „mitgewirkt“ haben. Trotz allem steht Arnesen für die sportliche und personelle Seite der Klubführung, und da der ehemalige dänische Nationalspieler im Sommer verschiedentlich und teilweise auch recht rustikal „angeschossen“ worden war (auch von den Medien, keine Frage, aber nicht nur von ihnen!), muss man nun, nach einem halben Jahr, feststellen, dass Arnesen nicht schlecht gearbeitet hat.

Die meisten Einkäufe tragen das Prädikat „gut“, der Alleingang von Arnesen, der unter dem Namen „Adler“ läuft, wird sogar „Weltklasse“ genannt. Und da mit dem Karlsruher Hakan Calhanoglu bereits der nächste „Hammer“ feststeht, ist vieles von dem, was Frank Arnesen zu erledigen hatte, aufgegangen. Trotz aller Kommentatoren-Tätigkeit während der EM 2012, trotz der Tatsache, dass er nicht jeden Spieler, der zum HSV kommen sollte (weil Thorsten Fink ihn haben wollte), gekommen ist. Schlechter bewertet werden muss an der Tätigkeit von Arnesen, dass er den HSV mit einem viel zu großen Kader in die Saison starten ließ. Das kostet! Jetzt wird sich zeigen, ob der Däne auch das Handwerk des Verlaufens versteht, denn der HSV-Kader muss dringend, händeringend abgespeckt werden, um an den Finanzen positiv zu arbeiten. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob es Frank Arnesen zufriedenstellend gelingen wird, die HSV-Spieler, die „über“ sind, auch tatsächlich an einen anderen Verein bringen kann und wird. Deswegen auch erst einmal nur eine vorsichtige Note 3,5.

Letzter in diesem Bunde ist der Trainer. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Thorsten Fink sich damit schwertut, in Hamburg anzukommen. Diese Skepsis zog sich bis in diese Saison hin. Nach dem verkorksten Start allerdings, als es dann bergauf ging, da war für mich der Fink „voll“ da. Ich habe zuvor immer auch zu mir gesagt: „Okay, der Mann kommt vom großen FC Bayern, der ist ganz anderes gewöhnt, der schwebt immer noch in viel, viel höheren Sphären – und kann sich mit den Hamburger Verhältnissen immer noch nicht so recht anfreunden.“ Vielleicht hat dieser Umstellungsprozess ein wenig länger gedauert, als es der Coach wollte – vielleicht. Zumal die Bundesliga ja für ihn als Trainer ebenfalls Neuland war. Ich habe jetzt aber das Gefühl, dass Thorsten Fink Hamburger geworden ist, und dass er mit diesem HSV (seinem HSV?) noch einige wird bewegen können. Er war als Spieler, bereits in Wattenscheid, immer einer, der die Ärmel hochgekrempelt und zur Sache gegangen ist, das wird er nun auch hier im Volkspark zeigen.

Wenn man ihn denn machen lässt. Da aber der Klub in den nächsten Jahren absolut auf Kontinuität setzen will und wird (der „Fall Oenning“ schmerzt den Oberen immer noch sehr, das weiß ich!), dürfte sich an der Position des Trainers auf absehbarer Zeit nichts ändern – nicht einen Millimeter. Und das ist gut zu wissen, wir alle! Nicht nur für die Spieler, aber auch. Es sei denn, Fink begeht noch einige Fehler jener Art, sich über die zu lange Bahnfahrt in den Westen zu beschweren. Das, und das kann ich aus erster Hand sagen, das gefiel der Klubführung nicht wirklich gut, und ich kann nur hoffen, dass das auch der Coach inzwischen weiß.

Was ich Fink als Medienmann noch hoch anrechnen muss: Trotz aller schlechten Zeiten, die es während der Fast-Abstiegssaison durchaus gab (und nicht nur da!), ist der Trainer nicht ausgeflippt, nie laut geworden, hat sich nie lautstark (über eine eventuell zu harte Kritik) beschwert. Kompliment, Her Fink, das als ehemaliger Star des FC Bayern – das ist klasse. Und souverän. Das haben wir in Hamburg auch schon ganz anders erlebt, ich könnte da aus der Schule plaudern . . . In diesem Punkt darf Thorsten Fink durchaus so weitermachen, er bekommt von mir das Zwischen-Zeugnis 3,5.

Schnell noch ein kurzer Schwenk zum immer noch viel zu großen Aufsichtsrat. Es gab, das ist schon Tradition, so manche Turbulenzen, vor allen Dingen um den Rücktritt von Ernst-Otto Rieckhoff, doch auch das hat der Klub verdrängt und überstanden. Die große Bewährungsprobe wird im nächsten Jahr kommen, wenn dieser Rat eine neue Zusammensetzung erhält – eine Ansammlung von Fans. Ich denke, dass es dann ganz leicht wieder zu mehr Turbulenzen kommen wird, kommen könnte. Die Zeiten, als ein Udo Bandow den ganz Laden bestens im Griff hatte, sind vorbei, aber sie könnten dann – trotz des gelegentlichen Ärgers im Verrat – zum Vorbild genommen werden, wie man es dann doch besser machen sollte. Ich bin gespannt. Sehr gespannt sogar. Und gebe diesem HSV-Aufsichtsrat, bei dem ich den Verlust von Alexander Otto, sehr, sehr bedauere, die Note (gerade noch) vier.

Insgesamt, so denke ich, befindet sich der HSV aber doch wieder auf einem guten Weg der Besserung. Diese Prognose wage ich einmal. Und ich kann alle Skeptiker beruhigen, ob Joachim Hilke und Carl-Edgar Jarchow wirklich die richtigen Männer an der Spitze sind: Beide Herren waren in diesem Herbst zu Gast bei „Matz ab live“, und wer sie (einer sah die Düsseldorf-Pleite, der andere das Leverkusen-Debakel) dabei „abgehen“ sah, wie sie mitfieberten, wie sie gestikulierten, wie sie schrien, wie sie voller Entsetzen aufsprangen und ihre Hände vor das Gesicht schlugen, der weiß, dass da nicht irgendwelche „coole Geschäftsmänner“ (oder Politiker – wie Jarchow), die dem Klub rein zufällig über den Weg gelaufen sind, am Werke sind, sondern HSVer durch und durch. „Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans“, sagte Carl-Edgar Jarchow im Schnelsener „Champs“ (unserem Übertragungs-Restaurant) zu mir, als ich ihm erstaunt sagte, dass ich ein solches Mitgehen weder von ihm noch von Hilke erwartet hätte.

„Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans.“ Welch ein schöner Abschluss dieser Bilanz.

So, nun bin ich für den “Zweeiten” durch, ich möchte aber nicht vergessen, für die immer noch so zahlreich kommenden Weihnachtswünsche an Frau M. und mich zu bedanken. Ihr seid schon klasse. Extraklasse!
Ein kleines Gedicht aus dieser Reihe habe ich schnell noch, auch dafür ganz herzlichen Dank (heute angekommen):

Lieber guter “Matze-Mann”

Du schreibst hier an den Weihnachtsmann
er möge den HSV beglücken
und wieder an die Spitze rücken
er soll besorgen die Millionen
die sich dann wohl doch nicht lohnen….
in Säcken soll die Kohle liegen
denn die Profis möchten fliegen
denn das ist ein Hochgenuss
statt eine Fahrt mal mit dem Bus
Wie gerne denke ich an Zeiten
als die Spieler konnten Freude bereiten
da waren die Fans euphorisiert
weil auf dem Rasen was passiert
heute muss es ein goldener Teppich sein
und die Spieler treten doch drauf ein

Ach, so früher am Rothenbaum
das war schön anzuschauen
die Spieler kamen in bescheidenen Wagen
über Nichtigkeiten gab es keine Klagen
Im Volkspark gab es zumindest Fussball pur
heute höre ich über Geld und Skandale nur
Während heute schon die Pässe “kranken”
gab` s für Uwe von Charly präzise Flanken
Keegan dieser Wirbelwind
war der Liebling ganz geschwind
dann allmählich krankte es immer mehr
viele Trainer mussgen her
doch statt Europa und Pokal
spielte man Durchschnitt und banal
So mancher kam betrogen sich vor
wechselte beispielsweise ans Millerntor….

Während heute viele in Erinnerungen träumen
und vor Wut oft überschäumen
nimmt Gewalt und Überfluss seinen Lauf
keine Fairness, man haut nur auf die Gegner drauf
Ach Dieter, und Du lieber Weihnachtsmann
wie man das nur aushalten kann
Vielleicht hat der Weihnachtsmann statt Geld
Ideen, zur Hilfe dieser Fussball-Welt
z.B. mal im Umland schauen
und mehr auf Talente bauen
Gehälter nach oben begrenzen lassen
die Stars könnten`s wohl kaum fassen.

Kurzum, glauben wir wieder an das Gute
der Weihnachtsmann lässt stecken seine Rute
Wir sind mit Mittelmass nur dann zufrieden
wenn Fans sich nicht mehr so “bekriegen”
Fussball pur, Fairness ohne Ausschreitungen
keine Übertreibungen in den Zeitungen
Und für Dieter schöne HSV-Spoiele auf grünem Rasen
klappt es nicht, frag` nach Verstärkungen den Osterhasen….!

Ganz liebe Grüße aus Hasloh! Dein “Backhus”-Kollege Jörn K.

17.19 Uhr

Kehrt Ricardo Moniz zurück?

30. September 2011

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“ Dieser nette Spruch fiel mir heute am Morgen in die Augen, als ich in die Küche kam und auf den beliebten Springer-Kalender blickte. Georg Christoph Lichtenberg, ein Schriftsteller, der von 1742 bis 1799 gelebt hat, erfand diesen klugen Spruch. Und ich dachte so bei mir, das könnte man doch auch mal leicht abwandeln – auf die HSV-Trainersuche gemünzt: „Wer einen Trainer sucht und nur auf den großen Namen achtet, könnte leicht mal einen Rohrkrepierer nach Hause anschleppen.“

Hoffentlich nicht.

Zum Wesentlichen: Die nun folgende Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Und da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, schreibe ich nun hier in aller Deutlichkeit: Die (großartige) Recherche hat in diesem brisanten Fall mein Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geleistet.

Im April 2010 wurde HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia. Moniz machte seine Sache bis zum Saisonende gut, so dass, ähnlich wie im Fall Veh/Oenning, damals viele HSV-Anhänger für eine Weiterbeschäftigung des Niederländers waren. Der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, seinerzeit schon zu Red Bull Salzburg abgewandert, sicherte sich aber schon früh die Zusage von Moniz, ebenfalls ein „roter Bulle“ zu werden. So geschah es dann auch.

Längst ist Ricardo Moniz zum Chef-Trainer in Salzburg aufgestiegen, weil er schon in der vergangenen Saison Huub Stevens beerbte, die Moniz-Mannschaft legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Und nun interessiert sich der HSV wieder für den „verlorenen Sohn“. Moniz soll zurück nach Hamburg. Daran wird im Moment ganz intensiv hinter den Kulissen gearbeitet.

Moniz wäre in meinen Augen ein passender Kandidat, denn: Er kennt den HSV, er kennt die Bundesliga, er kennt Hamburg, kennt die Möglichkeiten, er spricht Deutsch, er kann eine Mannschaft begeistern – und er hat sich stets wohl gefühlt beim HSV. Und, was noch erschwerend hinzukommt, Ricardo Moniz kennt Frank Arnesen. Beide Männer haben schon mehrfach miteinander zu tun gehabt. Der Däne holte den Coach 1994 zum PSV Eindhoven. Dort trainierte Moniz das Nachwuchs-Team – bis 2005. Als Arnesen dann bei Tottenham Hotspur angeheuert hatte, ließ er Moniz ein Jahr später folgen. Pech nur für Moniz: Arnesen, der ihn nach England gelotst hatte, ging just zu jenem Zeitpunkt von Tottenham zum FC Chelsea. 2008 schlug dann Martin Jol zu, der Moniz mit zum HSV brachte – als Techniktrainer.

Jetzt scheint die Lage klar. Der HSV hat Arnesen, Arnesen will Moniz. Als folgt der dem Ruf seines damaligen „Chefs“. Doch leider birgt dieses Fußballmärchen noch kein Happy End in sich, denn: Moniz hat noch einen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag mit Salzburg. Der HSV, so hat er es zuletzt zwar angekündigt, würde unter gewissen Umständen zwar eine Ablösesumme an die „Roten Bullen“ zahlen, aber noch weiß keiner, welche Summe da über den Tisch gehen müsste. Und ob überhaupt eine Summe für die steinreichen Salzburger interessant genug wäre, ihren erfolgreichen Cheftrainer ziehen zu lassen. Es dürfte sich also noch eine Weile hinziehen, dieses Thema „HSV-Trainer“.

„Scholle“ sprach gestern mit Ricardo Moniz, und zwar vor dem Europa-League-Spiel Salzburg gegen Bratislava. Der RBS-Trainer sagte nur: „Dazu kann ich derzeit nichts sagen.“

Und als ich diese Zeilen gerade schreibe, geht Salzburg gegen Bratislava mit 1:0 in Führung. Und was macht Moniz? Der stürmt auf den Platz und umarmt und herzt den Torschützen. Was mich dazu veranlasst, kurz zu denken: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so engagierter Trainer, der mit Salzburg international spielt, zudem an erster Stelle in Österreich steht, zum Tabellenletzten der deutschen Bundesliga wechseln wird, wechseln will.

Aber mal abwarten.

Und was ist in Sachen Trainer-Suche los beim HSV? Da lässt sich weiterhin niemand in die Karten schauen. Unser „Matz-abber“ „Eiche Nogly“, der am Vormittag beim Training war, hatte mir aber von einem aufgekratzten, bestens gelaunten, scherzenden und oft lachenden Sportchef berichtet, der während des Trainings meistens damit beschäftigt war, die U-23 zu beobachten. Und zwar ohne zu telefonieren. Zur Mittagszeit sprach ich mit „Eiche Nogly“, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von Moniz wusste („Eiche“ erfährt es erst jetzt, wenn er diese Zeilen liest), und „Eiche“ legte die gute Laune des Dänen wie folgt aus: „Wenn er nicht telefoniert hat, wenn er viel gelacht hat, dann tippe ich mal darauf, dass er schon weiß, wen er als Trainer verpflichten wird . . .“

Ja, und nun warten wir mal ab.

Kurz noch zum Nachmittag an der Arena. Zum „Walk of fame“. Eine wiederum nette und gute Veranstaltung. Begeistert hat mich Ernst Happel jun., der aus Wien angereist war – und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Unglaublich. Ich unterhielt mich lange Zeit mit dem Österreicher, der viele, viele Anekdoten über seinen Vater zu erzählen hätte. Der Mann spricht wie die Trainer-Legende, bewegt sich wie sie, und muss ständig Autogramme geben. Nur Fußballer wurde er nie. Er sagt: „Was hatte ich bei diesem Vater für eine Chance? Keine. Ich begann ja in Den Haag mit dem Fußball, aber als dann alle wussten, dass ich der Sohn des Trainers bin, winkten sie ab: Der wird nichts. Und als ich das immer und immer wieder hören musste, gab ich auf.“

Ich führte nach den vielen Ehrungen für Dr. Peter Krohn Dr. Wolfgang Klein, Ditmar Jakobs, Kevin Keegan (nicht anwesend), Uli Stein (derzeit mit Aserbaidschan unterwegs) und posthum für Ernst Happel noch viele Gespräche mit den ehemaligen HSV-Stars. Und als ich das Stadion-Gelände verließ, da sagte ich mir schon, dass sich die meisten Alt-Stars – trotz des 2:1-Sieges beim VfB Stuttgart – noch immer ganz große Sorgen um ihren HSV machen. Für die „Ehemaligen “ ist der Keks noch lange nicht gegessen, dass der derzeitige Tabellenletzte am Ende des Jahres, später dann auch am Ende der Saison, im gesicherten Mittelfeld stehen wird.

Aber auch das werden wir abwarten müssen – es bleibt nichts anderes übrig.

Gute Nacht.
Und für die „Matz-abber“, die dies erst morgens lesen: Guten Morgen und einen wunderschönen Freitag.

PS: Salzburg hat noch mit 3:0 gewonnen – und Moniz hat immer kräftig mitgejubelt.

0.00 Uhr

Die Mannschaft ist zurück – HSV will Bruma

7. Januar 2011

Vorausgeschickt die dicke Entschuldigung für die Verspätung. Aber um alle hier vermeldeten Informationen wirklich fundiert recherchiert zu haben, musste ich noch eine Meldung bezüglich eines weiteren Neuzugangs abwarten. Den Namen habt Ihr in der Zeile, die bisher bekannten Hintergründe dazu hier im Folgenden. Und für alle, die mehr erwartet hatten: entschuldigt, aber was nicht ist, kann ja noch kommen….

Vorerst aber zur Mannschaft. Die ist wieder da. Um 13.40 Uhr landete der Flieger aus Dubai heute auf dem Hamburger Flughafen. Für die HSV-Spieler war der Tag damit jedoch noch nicht beendet, sie mussten im Volkspark „Auslaufen“ und sich an den Temperaturunterschied gewöhnen. Von 26 auf zwei Grad schockgefrostet, aber immerhin: alle Ankömmlinge sind fit, keiner grippekrank wie zum Beispiel beim Hamburger Nachbarn St. Pauli. Auch der zunächst verschnupfte Piotr Trochowski konnte das Trainingspensum zuletzt wieder ganz mitgehen. Nur vier volle Tage dauerte das Trainingslager mit sieben Einheiten und einem Testspiel in der Mini-Winterpause – trotzdem sprachen fast alle Beteiligten von einem Neuanfang. Ein richtiger Neuanfang? Ich finde es zumindest fraglich, ob diese paar Tage wirklich schon ausreichen, um sich in der Rückrunde plötzlich als echte Einheit zu präsentieren. Nicht, dass ich hier schwarzmalen will, im Gegenteil: ich hoffe es und setze einfach mal die Äußerungen und Beteuerungen mit dem internen Wunsch gleich, dorthin zu gelangen. Vielleicht motiviert es Elia und Co. ja…

Egal wie, morgen beim letzten Test vor dem Rückrundenauftakt können wir uns alle selbst überzeugen, wie es um die Form der Spieler bestellt ist. Es gibt noch reichlich Karten (12 bis 20 Euro), mit 22000 Zuschauern kann wohl gerechnet werden. Nach den Eindrücken meines Kollegen aus Dubai können sich folgende elf Akteure Hoffnungen machen, zur Stammelf zu gehören: Im Tor Rost, die Viererkette spielt mit Aogo links, Westermann und Demel in der Mitte, solange Mathijsen nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Aber schon gegen Schalke könnte er wieder ins Team rücken. Demel wäre auf rechts dann ohne echte Konkurrenz, da sowohl Besic als auch Rincon oder Tesche den Trainer (und mich) nicht hundertprozentig zu überzeugen wussten. Dennoch wird einer von ihnen auf zumindest gegen Ajax noch mal die Chance in der Startelf erhalten.

Im defensiven Mittelfeld ist Zé Roberto wieder gesetzt, Kacar, Jarolim und Trochowski befinden sich im Dreikampf um die zweite Position. Veh war zuletzt voll des Lobes für Kacar, doch das letzte Wort ist hier sicherlich noch nicht gesprochen. Rechts hat sich Pitroipa durch die starke Hinrunde festgespielt, links wird der Zweikampf Elia/Jansen richtig Fahrt aufnehmen, sofern beide die Saison beim HSV fortsetzen. Elia scheint momentan die Nase vorn zu haben, da Jansen, der eh mehr von der Physis lebt als andere, noch nicht wieder voll fit ist. Im Sturm stehen van Nistelrooy und Guerrero als Doppelspitze quasi fest, Torun und Choupo-Moting stehen hinten an und Petric braucht dem vernehmen nach leider noch zwei, drei Wochen.

Allerdings könnte uns der Test gegen die Holländer auch Erkenntnisse auf ganz anderem gebiet bringen. Wie ich gehört (und gelesen) habe, soll laut „voetbal4u“ Ajax-Abwehrmann Jan Vertonghen ins Interesse der Klubführung gerückt sein. Meldungen wie diese tauchen zwar fast jeden Tag auf, doch bröseln wir anhand dieses Beispiels doch mal auf, unter welchen Umständen ein solcher Transfer zustande kommen könnte.

Der 23-Jährige ist noch bis 2013 an die Niederländer gebunden – was im Falle einer Verpflichtung (auch im Sommer) ein nicht unwesentliches, finanzielles Hindernis darstellen würde. Wie die Quelle berichtet, wird für den belgischen Nationalspieler nicht weniger als zwölf Millionen Euro Ablöse aufgerufen. Obschon der Linksfuß wohl perfekt in das Anforderungsprofil des HSV passen würde: 1,89 Meter groß, weitgehend verletzungsfrei, flexibel einsetzbar, zudem torgefährlich und entwicklungsfähig. Andere Top-Klubs sollen auch interessiert sein, doch das hinderte ja schon andere Niederländer nicht, eine ihrer Entwicklungsstufen beim HSV zu nehmen. Vielleicht kann der HSV ja seinen wirklich sehr guten Ruf in den Niederlanden in diesem Fall für sich nutzen.

Klar ist allerdings, dass dann eine noch größere Summe durch einen Verkauf hineingespült werden müsste. Denn wie sich zuletzt herausstellte, ist der HSV – ich drücke es bewusst vorsichtig aus, um hier die zuletzt nicht immer sachlich geführte Diskussion über ein mögliches Minus zu umgehen – derzeit finanziell nicht so flexibel wie in den letzten Jahren. Womit wir wieder bei Elia wären, dessen möglicher Verkauf wohl die einzige Möglichkeit für den Transfer Vertonghens darstellt. Und wie ich dazu stehe, wisst Ihr ja.

Die mögliche, kostengünstige Sofort-Verpflichtung des Hoffenheimers Matthias Jaissle ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis sicherlich zu unterstützen, angesichts seiner Verletzungshistorie wird mir jedoch ein wenig bange. Niemand kann prognostizieren, wie schnell ein Profi, der in den letzten ein Bundesligaspiel bestreiten konnte, fit wird und ob er es dauerhaft bleibt. Als fest einzuplanende Soforthilfe fällt Jaissle somit eigentlich aus, zumal Veh vor dem letzten Spiel der Hinrunde nochmals betonte, dass bei ihm jetzt nur noch „die Spieler auflaufen werden, die 90 Minuten Vollgas geben können.“

Damit wären wir bei einer ganz neuen Personalie, die allerdings derzeit am wahrscheinlichsten erscheint: Der 19-jährige Abwehrmann Jeffrey Bruma. Der ist immerhin beim großen, wenn auch derzeit ziemlich erfolglosen FC Chelsea angestellt, agiert dort in der reserve. Dort bestritt der Niederländer allerdings nur vier Pflichtspiele in dieser Serie. Doch das soll bei einer Konkurrenzsituation á la Chelsea (Terry, Ferreira, Bosingwa, Cole, Alex, Ivanovic u.s.w.) wirklich nichts heißen. Im Gegenteil. Entsprechend wurde mir (leider sehr spät….) bestätigt, dass der U-21-Nationalspieler mit Kaufoption ausgeliehen werden soll.

Diese Nachricht ist übrigens auch der Grund, weshalb dieser Blog erst etwas später reingestellt wurde, da wir diese Information auch im Print in der Sonnabendausgabe haben und die Konkurrenz hier fleißig mitliest. Der Name fiel zwar auch hier schon, allerdings ist der Name mit einer offiziellen Bestätigung erst eine echte Nachricht. Und darauf musste ich leider etwas länger als ghedacht warten. Dass die Mopo es online stellt, macht die Geheimnistuerei ärgerlich – ist aber nicht mehr zu ändern. Da sehe ich mal echt dumm aus – aber das kommt leider auch mal vor… Entschuldigt!

Zweites heiß diskutiertes Thema in den Kommentaren: Die Elefantenrunde zwischen Hoffmann, Klein, Krohn, Hunke und Wulff gestern Abend im Vorgriff auf die anstehende Mitgliederversammlung und Aufsichtsratswahl am Sonntag. Hoffmann musste sich heftige Kritik gefallen lassen, zum Beispiel aufgrund mangelnder sportlicher Kompetenz Fehlentscheidungen getroffen zu haben. Hoffmann konterte mit den Erfolgen der letzten sieben Jahre, die auch ohne Titel sportlich zufriedenstellend gewesen seien. Das kann man bis auf die jüngste Vergangenheit auch wirklich so sehen – doch führte eine genau entgegengesetzte Ansicht damals zu dem Bruch mit Dietmar Beiersdorfer. Der war nach der Saison 2008/09 mit den beiden Halbfinals in Europa League und DFB-Pokal und Platz fünf in der Bundesliga zufrieden, Hoffmann hat das Gesamtergebnis damals nicht gereicht, wie auch in einigen Interviews zu lesen war.

Ich habe Eure Blog-Kommentare (und natürlich Bennos Wortmeldung! Chapeau!) mit viel Freude gelesen, weil es mich in meiner Ansicht bestätigt, dass hier viel inhaltliche Qualität vorhanden ist. Manchmal vielleicht etwas derbe, allerdings im entscheidenden und quantiativ deutlich überwiegenden Teil sehr themenebezogen und konstruktiv. Und auch wenn ich mit meinen 35 Jahren weit davon entfernt bin, hier einen auf Papa zu machen un d Ratschläge zu verteilen, möchte ich Euch alle noch mal bitten, am Sonntag bei der Veranstaltung im CCH aufzutauchen. Ihr seid das, was ein Dr. Peter Krohn als „pulsierendes Vereinsleben“ bezeichnet hat. Ihr seid die Meinung der Mitglieder und könnt – selbst wenn Eure Ideen mal nicht eins zu eins übernommen werden – zumindest viele ganz sicher viele wichtige Entscheidungen entscheidend beeinflussen.

Ansonsten darf konstatiert werden, dass in dem Präsidentengipfel viel heiße Luft war. Wie so oft im Vorfeld einer solchen Veranstaltung. Die Versammlung selbst birgt wesentlich mehr Brisanz, vor allem für Hoffmann, der nach eigener Aussage (!) selbst mehr Gegner als Fürsprecher seiner Person unter den Mitgliedern erwartet. Einige brisante Anträge, nach denen beispielsweise das Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder automatisch erster oder zweiter Vorsitzender sein sollte, wurden jedoch kurzfristig zurückgezogen. Eine kurze Übersicht zum wichtigsten Punkt des Tages, der Wahl der vier Aufsichtsräte:
Der Aufsichtsrat besteht aus 12 Mitgliedern, von denen acht von der Mitgliederversammlung gewählt werden und je ein Mitglied von den Fördernden Mitgliedern, den Amateurabteilungen, von der Gemeinschaft der Senioren und der Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Verein Ochsenzoll-Norderstedt e.V. entsandt wird. Die Wiederwahl bzw. erneute Entsendung ist zulässig. Im ersten Wahlgang ist am Sonntag die absolute Mehrheit erforderlich, im zweiten Durchgang genügt die einfache Mehrheit. Die Zahl der dann zugelassenen Kandidaten ergibt sich durch die Anzahl der dann noch freien Plätze plus drei. Und dass diese Wahl weitreichende Auswirkungen auf die künftige Gestaltung des HSV haben könnte, wissen wir nicht erst seit der Elefantenrunde.

In diesem Sinne, auch wenn es schon spät ist: einen schönen Restfreitag und bis morgen – nach dem letzten Test(-spielsieg)!

Nur der HSV!

Und etwas Gutes hatte das Warten dann doch noch, denn so kann ich noch eine Information meines Kollegen Lars Pegelow mitverarbeiten. Lars schrieb mir, dass Jörg F. Debatin, UKE-Boss und Aufsichtsrat des HSV, entgegen allen bisherigen Bekundungen nun doch nicht für das Amt der Aufsichtsratsvorsitzenden kandidieren wolle. “Dieses Amt ist mit meiner Tätigkeit im UKE nicht gut vereinbar”, lässt er sich bei NDR 90,3 zitieren.

Eljero Elia sorgt für Diskussionsstoff – immer!

6. Januar 2011

Eljero Elia. Der junge Mann ist und bleibt beim HSV Thema. Immer. Ob es dabei um seine Art geht, mit den Kollegen umzugehen oder über etwaige Wechselgedanken. Ob er Ärger mit der Vereinsführung hat oder seine Leistungen auf dem Platz in welcher Weise auch immer besonders bemerkenswert sind – Elia hat einfach den Glamourfaktor. So jedenfalls würden die Soziologen den Typus Elia umschreiben. Er polarisiert eben.

Auch hier im Blog. Und das meiner Meinung nach zu Recht. Denn auch ich bin mir in meiner Beurteilung nicht absolut sicher. Weshalb? Ganz einfach: ich bin begeisterte von seinen Möglichkeiten und halte ihn für einen sehr netten Typen. Allerdings weiß ich auch, dass er aus seinen Möglichkeiten bis auf die ersten fünf Spiele 2009/2010 wenig bis nichts macht und es selbst längst nicht so kritisch betrachtet, wie es nötig wäre. Das wiederum hängt mit seinem „besten Freund“ Frank Schouten zusammen. So wird es zumindest erzählt. Soll heißen: spielte Elia schwach und wurde er kritisiert, empörte sich Schouten zusammen mit Elia. Schouten soll seinem Schützling nach dem Mund reden und nicht die beratende Tätigkeit ausüben, die ein so junger Spieler wie Elia braucht.

Ich bin ehrlich gesagt weit davon entfernt, Elia mildernde Umstände zuzugestehen, nur weil ihn keiner mal so richtig auf den Pott setzt. Nein, der Junge war so weit, nach eigenen Angaben ganz bewusst die Verantwortung für eine eigene Familie zu übernehmen (Elia: „Das war kein Unfall sondern das Ergebnis einer langen Überlegung“). Elia will als vollwertig Erwachsener verstanden werden, wer ihm Jugendhaftigkeit unterstellt kriegt seine Wurt zu spüren. Auf die Frage, ob der Wechsel ins Ausland zum HSV, ein Kind und Frau sowie die ersten Millionenverträge samt steilem Karriereanstieg nicht etwas viel sein könnten für einen so jungen Spieler wie ihn, wirkte er verletzt und antwortete: „Warum? Weil ich nur bis zum 16. Lebensjahr zur Schule gegangen bin? Nein! Ich mag jung sein, aber mein Kopf ist weit. Ich kann denken und weiß genau, was ich will. Ansonsten wäre ich in Holland geblieben.“

Anschließend verdeutlichte er mir, dass er einen Masterplan habe. Und der klang vernünftig. Damals sagte er, der Sprung nach Hamburg sei gut durchdacht, seine Freundin und er hätten lange darüber gesprochen und alle Vor- und Nachteile abgewogen. Zudem sagte er, der HSV sei kein Sprungbrett für ihn. Allerdings fing er nicht an zu heucheln sondern sagte nur, der HSV sei seine große Chance, sich auf internationalem Niveau zu beweisen. Er ließ dabei aber immer offen, wohin ihn mögliche Topleistungen führen könnten. Barcelona, Real Madrid, Manchester Undited – selbstverständlich träumt ein ehrgeiziger Fußballer von den besten Klubs der Welt. So unromantisch und realistisch müssen auch wir vermeintlichen Patrioten das sehen… Kurzum: Elia wirkte einfach nur ehrlich. Allein, er ließ seinen Worten nicht ausreichend Taten folgen.

Denn nach den oben bereits beschriebenen guten Auftritten zu Saisonbeginn 2009/2010 fiel Elia schnell durch jugendhafte Dummheiten und asoziales Verhalten auf. Leider. Hierzu eine kleine Anekdote: Als er nach einer längeren Verletzungspause gerade wieder kurz vor seinem ersten Training und einem vermeintlichen Comeback stand, ließ er sich auf beide Brustseiten Tätowierungen stechen. Diese entzündeten sich leicht und Elia durfte nicht trainieren. Labbadia ermahnte ihn – und Elia? Der war beleidigt. Es kam zum Streit und Trainer sowie Spieler hatten ein persönliches Problem. Ergebnis: Elia meuterte gegen alle. Gegen Labbadia, der ihn daraufhin weniger berücksichtigte. Gegen die medizinische Abteilung und den Vorstand, der ihn für die öffentliche Kritik rügte. Er wirkte sogar auf Teamkollegen abweisend. Gemeinsame Unternehmungen mit Teamkameraden gab es kaum noch. Und er absolvierte (auch verletzungsbedingt) in der Rückrunde gerade mal vier Ligaspiele von Beginn an.

Das allerdings, und daran stören sich Elias Kritiker (ich mich übrigens auch), veranlasste Elia nicht zum Nachdenken über eigene Fehler. Nein, Elia gab allen und jedem außer sich selbst die Schuld. Er beklagte sich bei seinem Berater, der nichts besseres zu tun hatte, als beim HSV um ein Gespräch zu bitten, dessen Inhalt nicht die verbesserte Zusammenarbeit war, sondern der Versuch, seinen Schützling trotz Vertrages bis 2014 den Verein wechseln lassen zu dürfen.

Wie das ausging wissen wir alle. Elia ist geblieben, die Wechselgerüchte reißen bis heute nicht ab, auch weil Elia keine Gelegenheit auslässt, davon zu sprechen, dass er nicht ewig in Hamburg bleibt. Trotzdem hoffen der HSV wie auch die Fans auf den Leistungs-Durchbruch des Top-Außenstürmers. Denn, da sind sich alle einig, das sportliche Potenzial ist riesig. Größer als bei den meisten Außenstürmern in Europa. Dennoch beschreibt die Personalie Elia ganz gut das Hauptproblem des HSV: denn (Entschuldigt, ich weiß, dafür gehört ein Fünfer ins Phrasenschwein) Potenzial allein schießt keine Tore. Zumal nicht, wenn sich der Spieler nicht ins Kollektiv einbringen kann oder will.

Stattdessen warten alle auf das angekündigte Angebot aus Wolfsburg. Das allein birgt eine gewisse Unruhe. Und während der Sportchef immer wieder betont, den Spieler nicht abgeben zu wollen, wird intern schon über die Höhe der finanziellen Schmerzgrenze gesprochen, wofür man seinen Problemspieler abgeben würde.
14 Millionen seien so eine Grenze, will ein Kollege von mir gehört haben. Allerdings halte ich diese Summe für so wenig diskutabel wie einen Winter-Wechsel generell. Ich wiederhole mich zwar, aber ich bin mir sicher, dass ein Elia in der Rückrunde nicht sehr viel mehr dafür tun kann, seinen Marktwert zu schmälern als bisher. Im Gegenteil: die Chance, dass er endlich positiv auffällt ist gestiegen. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen aktuellen Marktwert deutlich steigern kann. Und ausreichend Interessenten wird es dann auch noch geben. Aber auch das hatten wir ja schon…

Bleibt nur die Frage, ob die HSV-Verantwortlichen noch genug Glauben an Elia haben. Wenn nicht, und sie werden es besser wissen als wir hier, dann müssen sie ihn verkaufen. Allerdings, wenn sie noch etwas Hoffnung haben, sollten sie die Finger davon lassen und versuchen, mit Hilfe des 23-Jährigen noch in den internationalen Wettbewerb zu erreichen. So hätten sie eine Win-Win-Situation: Elia hätte ihnen zu Zusatzeinnahmen verholfen und dadurch gleichzeitig seinen Marktwert gesteigert.

Das versucht im Übrigen auch gerade die TSG Hoffenheim mit HSV-Wunschspieler Matthias Jaissle. Nachdem in Hoffenheim durch den Trainerwechsel, den Verkauf von Gustavo und der Meuterei Demba Bas sowas wie Land unter herrscht, soll Jaissle plötzlich doch wieder eine Zukunft in Hoffenheim haben. Eigentlich hatte der Innenverteidiger den Kraichgauern bereits angedeutet, seinen Vertrag im Sommer definitiv nicht zu verlängern. Und die TSG schien dem vernehmen nach wenig tangiert. Jetzt aber kündigte die TSG an, erst mal eine Bestandsaufnahme machen zu wollen und eher keine Spieler mehr abgegeben zu können und zu wollen. Das jedenfalls soll Reinhardt heute von Hoffenheimer Seite zu hören bekommen haben, als er offiziell nach den Wechselmöglichkeiten Jaissles angefragt hatte.

Dennoch: auch das ist wohl nicht mehr als ein taktischer Spielzug.

Denn die Gespräche zwischen Spieler und HSV sollen schon weitgehend abgeschlossen sein, der Wechsel fix sein. Auch die Hoffenheimer wissen, dass ihr Spieler nicht mehr lange zu halten ist und nur noch jetzt ein paar Euros zu verdienen wären. Und schon nächste Woche trifft sich Jaissles Berater Gordon Stipic in Hamburg mit HSV-Sportchef Bastian Reinhardt – offiziell nur, um über Stipics Spieler Dennis Aogo und dessen Vertragsverlängerung zu sprechen. So sagen es Reinhardt und Stipic. Allerdings dürften auch diese Aussagen nicht mehr als taktisch gewählt sein.

Bleibt mir zum Ende nur zu sagen, dass ich hoffe, Elia in der Rückrunde endlich so zu sehen, wie wir alle glauben, dass er es kann. Und natürlich, dass der HSV seine offene Personalie in der Innenverteidigung schnell klärt und der Spieler zur Mannschaft stößt, um sich schnell einzugliedern. Denn der HSV muss sich schnell finden. Alles andere macht aus meiner Sicht in diesem Winter keinen Sinn.

Bis morgen!

18.23 Uhr

P.S.: Heute absolvierte die Mannschaft zwei Einheiten. Die Morgeneinheit dauerte zwei Stunden und beinhalte neben ausgiebigem Krafttraining und Läufen einen langen taktischen Teil an dem alle Spieler teilnehmen konnten. Am Abend waren neben Veh und Reinhardt auch Aogo, Heiko Westermann, Marcell Jansen und Ruud van Nistelrooy zu Gast im „Aktuellen Sportstudio Dubais bei Dubai Sports Channel.

P.P.S.: Kleiner Tipp für diejenigen unter Euch, die sich für Vereinspolitik interessieren: Heute Abend ab 19 Uhr findet der große „Präsidentengipfel“ auf NDR 90,3 statt. Mit dabei sind die Ex-Präsidenten Dr. Wolfgang Klein, Dr. Peter Krohn, Ronny Wulff und Jürgen Hunke sowie der aktuelle Klubboss Bernd Hoffmann.

P.P.P.S: Um mich klarer als gestern auszudrücken: ich halte nicht wirklich viel von der Idee, allen Mitgliedern ein HVV-Ticket zu stellen, um so die Teilnehmerzahl bei der Jahreshauptversammlung zu hören. Auch wenn es durchaus JHVs gegeben haben soll, bei denen der Verein als „Sponsor“ Busse für ausgewählte Fanklubs von außerhalb gestellt hat. Nein, vielmehr bin ich überzeugt, dass jeder Vereinsinteressierte am Sonntag da sein sollte, wenn er seine Meinung vertreten wissen will. Allerdings selbstverständlich nur sofern sie/er nicht unabkömmlich ist.

Jörgs Sommergeschichte

2. August 2010

Die Sommergeschichten werden rarer, aber der Sommer schleicht sich ja auch auf leisen Sohlen davon – wie es scheint. Heute kommt ein Beitrag von “Jörg1967″, den wir in Längenfeld kennen gelernt – und animiert haben, seine Geschichte aufzuschreiben. Was er auch prompt gemacht hat – vielen Dank, lieber Jörg, eine sehr schöne Story. Ich gebe zu, ich als “Wessi” inhaliere solche Beiträge sehr, sehr gerne, denn ich habe nie geglaubt, dass ich es noch einmal erlebe, dass die Mauer fallen würde. Ich war 1989 und 1990 ja bei Bild, da musste ich als Reporter in die DDR, zwei Monate lang berichtete ich über die DDR-Oberliga, ganz speziell über Dynamo Dresden und den Chemnitzer FC. Es war, das muss ich sagen, eine großartige Zeit, die viel zu schnell vorüber ging, aber die ich heute noch genieße. Auch deshalb, weil ich viele, viele nette Menschen treffen durfte, vor allen Dingen natürlich Fußballer. Mit einigen stehe ich noch heute in Kontakt. Ganz nebenbei: In meinem Schrank daheim liegen noch zwei Original-Trikots von der DDR-Nationalmannschaft, die mir damals Rico Steinmann (Chemnitz) und Frank Lieberam (Dresden) schenkten. So, genug geschwafelt, jetzt geht es mit “Jörg1967″ weiter. Er schrieb:

Hallo Dieter,

bevor ich mit meiner kleinen Sommergeschichte beginne, möchte ich mich nochmals für den Matz-ab-Blog bedanken.
Durch diesen bin ich ganz nah an meinem HSV dran. Die Vielfalt an Informationen (Beiträge, Fotos) hat mich veranlasst, auch das Trainingslager in Längenfeld zu besuchen. Dort habe ich echt nette HSV-Fans und viele Matz-abber aus unserem Blog kennenlernen dürfen. Bedanken möchte ich mich vor allem bei Jacek Dembinski, er hat mich immer auf dem Laufenden gehalten und hat mir und meinem Sohn Timmi es sehr leicht gemacht, uns in die HSV Fan-Familie einzugewöhnen.

Meine Sommergeschichte beginnt vor cirka 31 Jahren. Damals ich war gerade zwölf Jahre (Jörg1967), dass ist mein Baujahr, wie Ihr es Euch ja denken könnt. Ich bin in Altenburg, Thüringen, geboren und in der DDR aufgewachsen. Von klein auf gab es für mich nur Fußball. Mein Vater verfolgte mehr die Bundesliga, statt „unsere” DDR-Oberliga. Er ist Fan des 1.FC Kaiserslautern und schwärmte immer von seinem “Fritz” (Walter), das nur so nebenbei. Mein Vater kommt deswegen ins Spiel, da er immer mein wichtigster Bezugspunkt im Leben war und ist.

1980 besuchte der Cousin meines Vaters mitsamt Familie das erste Mal die DDR, und natürlich uns. Zur Familie, die übrigens aus Wolfsburg stammt, gehört auch Sohn Jens. Der war damals schon HSVer, die Grünen spielten da noch keine Rolle. Er brachte mir eine HSV-Tasse, einen HSV-Bademantel und HSV-Bettwäsche mit. Das habe ich alles noch immer! So etwas gab es im Osten nicht, dass war für mich so besonders – es bedeutete für mich: Ich bin jetzt HSV-Fan!

Da ich zu dieser Zeit um die 13 Jahre alt war, durfte ich leider nie die Europapokalspiele schauen. Zu spät. Mein Vater legte mir dann immer einen Zettel neben das Bett, worauf alle Ergebnisse der deutschen Mannschaften standen. Nur bei den HSV-Spielen standen noch die Torschützen und die Minuten, wann die Tore gefallen waren, mit drauf. Ich freute mich jedes Mal so sehr, dass ich begann Buch, zu führen. Ich notierte von allen HSV-Spielen Datum, Ergebnis, Zuschauerzahl, Torschützen und die Mannschaftsaufstellung.

Am 15. September 1982 war es dann so weit: Europapokal der Landesmeister, BFC Dynamo Berlin gegen „meinen“ HSV. IRRE! Karten gab es keine, der Mielke-Verein hat nur seine Stasimitarbeiter und eine Handvoll HSV-Fans ins Stadion gelassen. 13 000 Zuschauer, es wurde aber offiziell ein ausverkauftes Stadion gemeldet. In das Stadion passen 30 000 Fans.
Zum Glück hatte mein Vater einen Kumpel, der Ende der siebziger Jahre Stammtorhüter beim BFC war: Jürgen Bräunlich, so ist sein Name, er bekam von meinem Vater einen Anruf – ja wir hatten schon Telefon!

„Jürgen, mein Sohn will zum HSV!“ Und der Keeper und Freund meines Vaters besorgte uns tatsächlich drei Eintrittskarten. Mein Vater, Jürgen B. und ich zu „meinem“ Verein. Da gab es nur noch eine Sache: Jürgen Bräunlich sagte zu meinem Vater: „Dein Sohn darf sich nicht regen oder bei einem Tor für den HSV jubeln, dass geht nicht, das ist verboten.“ Das Spiel endete 1:1, „unser“ Tor schoss Jürgen Milewski (das Rückspiel haben wir mit 2:0, dank Jimmy Hartwig und Horst Hrubesch, gewonnen). In der Halbzeitpause, wir saßen in der Kurve unterhalb zweier Imbissbuden, drehte ich mich gerade dorthin – und staunte. Ich sah, wie Franz Beckenbauer, Günter Netzer und „unser“ Präsident Wolfgang Klein dort entlangliefen. Keiner nahm Notiz den Prominenten, nur ich. Als ich aufstehen wollte, um zu den drei Herren zu gehen, hielten mich zwei große Hände fest: Jürgen B. und mein Vater mussten es verhindern, dass ich zu meinen Idolen
gehen konnte, man durfte ja zum Klassenfeind keinen Kontakt haben. Ich weiß nicht, was da gerade in mir vorging, aber es waren Momente die ich nie vergessen werde.

Jimmy Hartwig kam wie alle Spieler ins Stadion gelaufen, nur er machte sich nicht so warm wie die anderen HSV-Spieler. Er lief eine Ehrenrunde, und zwar noch vor Spielbeginn, und er winkte allen zu. Das interessierte außer die paar HSV-Fans nur niemanden. Heute sehe ich das als reine Provokation – der Jimmy war halt schon immer einen kleinen Tick verrückter!

Dass ich seit der Wende schon viele HSV-Spiele gesehen habe, kann sich ja jeder denken. Längenfeld war jetzt noch das I-Tüpfelchen – mit „meinem“ HSV.

15.37 Uhr