Archiv für das Tag 'Kientz'

Die “älteren HSV-Herren” besiegen Ajax 9:1

8. September 2012

Mutig sind sie ja, die etwas älteren HSV-Herren. Morgen, beim Tag der Legenden am Millerntor, da sollen sie ja die deutschen Stars von der Platte fegen, aber dennoch haben sie es heute schon einmal gewagt. Wenn das mal nicht über ihre Kräfte geht . . . Im Rahmen der 125-Jahr-Festivitäten des HSV gab es an diesem Sonnabend schon einmal ein ganz besonderes Vorspiel: HSV gegen Ajax Amsterdam in Fallingbostel. Und es gab einen eindeutigen Sieger dieser Knaller-Partie – der HSV gewann 9:1 gegen die Niederländer. Wenn das kein gutes Omen für den morgigen Tag ist. Im Vorjahr hatte Deutschland erstmalig gegen Hamburg gewonnen, diesmal sollten die Hanseaten wieder einmal an der Reihe sein – wenn sie sich denn in Niedersachsen nicht zu sehr verausgabt haben.

„Keiner von uns spielt mehr, keiner hat vorher lange trainiert – und trotzdem ist es einfach nur geil, mit den alten Kollegen und Freunden wieder auf dem Rasen zu stehen. Wir hatten damals viel Spaß, und den haben wir auch heute immer noch“, sagte Nico Hoogma nach dem Kantersieg. Der Abwehrspieler traf gegen seine Landsleute einmal, die weiteren Treffer verteilten sich auf Lothar Dittmer (2), Sergej Barbarez (2), Marcus Marin, Stig Töfting, Roy Präger (der zu vier Treffer die Vorarbeitet geleistet hatte) sowie Matthias Rose. Mit von der Partie waren auf Seiten des HSV die beiden Torhüter Uwe Hain und Claus Reitmaier, dazu die Feldspieler Thomas Doll, Peter Hidien, Peter Lübeke, Jochen Kientz, Stefan Schnoor, Thomas Vogel und einige andere mehr.

„Die alten Recken haben wie zu besten Zeiten aufgezogen, das war richtig gut und klasse. Und so, als hätten wir gestern zuletzt zusammengespielt“, befand Roy Präger zufrieden. Der ehemalige Publikumsliebling des HSV sorgt sich auch in diesem Jahr wieder um die Rothosen, sagt aber auch ein wenig resignierend: „Es ist doch schon wieder dasselbe Gerede wie jedes Jahr. Es fehlt mir die klare Struktur im HSV. Natürlich, Rafael van der Vaart kommt jetzt wieder zurück, aber er allein wird es nicht richten können. Alle müssen sich zusammenreißen, müssen es wollen und müssen sich steigern. Sie müssen alles für den HSV geben.“

So wie es die „Alten Herren“ heute in Fallingbostel taten. Nico Hoogma, seit Jahren Manager des niederländischen Erstliga-Klubs Heracles Almelo, macht sich natürlich auch stets Sorgen um „seinen“ HSV. Der frühere Kapitän sagt: „Es tut auch aus der Ferne schon sehr, sehr weh, zu sehen, dass dein Lieblingsklub solche großen Probleme hat. Wenn man aber die Vorbereitung verfolgt hat, die ja nicht immer gute Resultate gebracht hat, dann wusste man, dass es auch in dieser Spielzeit wieder sehr schwer werden würde für den HSV.“ Nico Hoogma dann legt auch den Finger in die Wunde: „Das Umfeld in Hamburg ist mir zu zu negativ. Fast alle sprechen doch nur noch und seit Monaten vom Abstieg des HSV. Das passt nicht, denn wenn man so begleitet wird, dann gehst du auch mit solchen Gedanken in die Spiele – und verlierst sie. Es darf sich meiner Meinung nach keiner wundern, wenn man dann wieder so schlecht startet, wie es der HSV nun getan hat.“
Hoffnung auf Besserung aber haben sie alle.

Übrigens: Wer Nico Hoogma, Roy Präger und all die anderen HSV-Cracks live und in Farbe sehen will, der sollte morgen ans Millerntor gehen, es gibt noch Karten – und die Eintrittsgelder sind ja alle für einen guten Zweck, nämlich für Reinhold Beckmanns „Nestwerk“ in Hamburg. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr und endet um 17.30 Uhr.

Apropos Veranstaltung. Die gab es gestern auch Niendorf. 11:2 siegte der HSV beim Oberliga-Klub TSV, der ja von „uns Scholle“ gemanagt wird. Ich wollte heute mit „Scholle“ über diesen Tag, diese Tage reden, aber er winkte ab: „Nee, nee, lass mal, ich sage doch nicht zu unserer Veranstaltung. Das sollen mal die Matz-abber machen, die das Spiel sahen, die können das viel besser und neutraler.“

Ganz privat sagte mir „Scholle“ dann aber, dass es ein absolutes Highlight in seinem Sportler-Leben war, dieses Spiel: „Ein Traum.“ Wer von euch miterlebt hätte, wie „Scholle“ sich schon seit Monaten jeden Tag mindestens ein Bein für diesen HSV-Auftritt ausgerissen hat, der weiß, wie viel Herzblut in diesen 90 Minuten steckten. Heute gab mir „Scholle“ zu: „Ich habe Blasen an den Füßen, und ich habe einen total wunden Hintern – weil ich so viel gelaufen bin.“ Bereits heute um 8.30 Uhr stand „Scholle“ mitsamt der TSV-Mannschaft wieder auf dem Platz, um die eigens aufgebaute Tribüne wieder abzubauen. Hat alles geklappt, weil alle super mitzogen. „Es hat nicht einen negativen Punkt bei diesem Spiel gegeben, alles blieb friedlich, alles klappte – bis auf den Regen. Und wir haben noch zwei signierte Trikots vom HSV behalten, eines von Rene Adler, auf dem alle Spieler unterschrieben haben, und eines von Rafael van der Vaart. Diese beiden Trikots werden wir demnächst versteigern – es kann geboten werden“, sagte „Scholle“ und beendete das Gespräch. Er ist fix und foxi und muss sich nun erst einmal erholen. Nicht vom 2:11, das ist wohl relativ normal, sondern von diesem ganzen Stress. Aber einmal im Leben eines Amateur-Managers darf man sich ja wohl auch mal den HSV gönnen – und dafür alles tun. Oder?

Und vielleicht hat sich der HSV mit den zwölf Toren von Schwarzenbek und den elf Treffern von Niendorf ja auch bestens auf die Auswärtspartie am Sonntag in Frankfurt ein- und freigeschossen. Wäre ja schön. Auch wenn Heung Min Son dann demnächst mal eine Chance als Sturmspitze erhalten würde. Ich glaube, dass sich der Südkoreaner dort (ich schrieb es bereits vor Tagen) ganz wohl fühlen würde.

Und wo ich gerade an Frankfurt denke, da fallen mir zwei Erlebnisse vom und am Main besonders schnell ein: Das Abseitstor des kleinen Dribbelkünstlers, das den HSV am letzten Spieltag der Saison 2008/09 doch noch etwas überraschend international tätig werden ließ (der kl. Dribbelkünstler, das für alle, die es nicht wissen, ist Piotr Trochowski). Und das zweite Erlebnis aus Frankfurt war ein 6:0-Sieg des HSV gegen die Eintracht am 13. April 1991. Bei diesem Erfolg gab es eine große Besonderheit, denn als Thomas Doll in der 80. Minute von Trainer Gerd-Volker Schock ausgewechselt wurde (es kam der Brasilianer Nando), da erhoben sich alle Zuschauer im Waldstadion und applaudierten minutenlang – für Doll. Das war doll. Und sensationell. Weil „Dolli“ zuvor vielleicht das Spiel seines Lebens absolviert hatte. Ohne ein Tor selbst erzielt zu haben, hatte er die Eintracht ganz allein schwindelig gespielt. Es war unfassbar, ganz sicher eines der besten Spiele, die ich jemals von einem Hamburger gesehen habe. Jan Furtok (3), Harald Spörl, Waldemar Matysik und Armin Eck hatten den HSV zum Sieg geschossen, Minuten nach dem Spiel war Eintracht-Trainer Jörg Berger seinen Job los . . .

Und wir flogen mit der Mannschaft per Lufthansa (mit dem „Lumpensammler“ spät abends nach Hamburg zurück. Und erlebten die unsanfteste Landung aller Zeiten. Schock saß neben mir und war völlig geschockt, er sagte im Ernst: „Ich habe gedacht, wir stürzen ab!“ Zum Glück ging alles gut. Der Lufthansa-Kapitän damals, ich weiß es als wenn es heute wäre, hieß übrigens Berger . . . Ob er der Bruder oder der Schwippschwager des Frankfurter Trainers war, entzieht sich allerdings meinen Kenntnissen.

Aber so ein 6:0 – das hätte doch mal was, oder? Nein, im Ernst, ich wäre diesmal schon mit einem „dreckigen“ 1:0-Sieg des HSV mehr als zufrieden – Tor Son. Oder Tor Artjoms Rudnevs. Egal, wer es macht, Hauptsache einer trifft zum Sieg. Und wenn es wieder ein Abseitstor ist, das dann doch zählt . . .

PS: An diesem Sonntag kein Training im Volkspark. Wg. Spiel am Millerntor – auch mit Thorsten Fink.

20.11 Uhr

Jarchow will den Bundesliga-Etat anheben – und hat einen Plan

7. Juni 2012

Man kann über ihn sagen, was man will, aber er hat definitiv Talent. Die Handschuhe übergestreift und los ging es. Keine zwei Minuten brauchte Carl Jarchow, um mithilfe von Spraydosen ein rotes Bobbycar zum HSV-Gefährt umzugestalten. Alles geschehen im Anschluss an den Audi-Pressetermin „praktisch gut“ im Rahmen der Sponsoring-Initiative „Hamburger Weg“. Erklärung: Audi und der HSV haben ein gemeinsames Projekt für Schüler ins Leben gerufen und verkündeten heute, dass sie diese Zusammenarbeit um weitere Jahre verlängern. Eine gute Sache, bei der aus Praktikanten schon Auszubildende bei Audi geworden sind.

So weit, so gut. Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit, uns mit dem Klubboss Carl Jarchow zu unterhalten, der im Übrigen am kommenden Mittwoch, nach dem Spiel der Deutschen gegen die Niederlande, auch unser Gast bei „Matz Ab live“ sein wird. Insofern, wer Fragen hat, kann diese schon mal aufschreiben.

Zurück zum Gespräch. Im Laufe dessen kamen wir auch auf die Finanzen zu sprechen. Dabei untermauerte Jarchow seinen strikten Konsolidierungsplan. 15 Prozent müssen auf allen Ebenen eingespart werden. Den Profibereich ausgenommen. Dennoch, auch hier gilt: kein unnötiges Risiko. Egal, was für einen Spieler man eventuell auch kaufen könnte, es wird nur der Spieler kommen, den man aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Sagt Jarchow. Wobei hierbei immer auch die Möglichkeit einer Fremdfinanzierung besteht. „Bislang haben wir alle Transfers aus Eigenmitteln finanziert. Wenn es den Fall gibt, dass ein Spieler interessant für uns ist und selbst interessiert, so aber nicht für uns zu finanzieren ist, dann werden wir über kreative Möglichkeiten nachdenken. Entsprechen eben auch über Beteiligungen. Aber wir werden sicher nicht auf zu erwartende Einnahmen setzen und Gelder im Voraus ausgeben.“

Nun weiß ich, dass Kritiker dem Klubboss das negativ auslegen werden und sagen, der HSV spare sich kaputt. Andererseits aber glaube ich, dass dieser Weg der beste sein kann. „Sein kann“ deshalb, weil der HSV eben das große Glück hat, mit Klaus Michael Kühne einen milliardenschweren Gönner als Fan zu haben und nicht zwingend ins Risko gehen muss, um aufzurüsten. Im Winter schon hätte der Wahlschweizer einen Großteil der vom FC Basel geforderten rund acht Millionen Euro für Granit Xhaka übernommen. Und ich bin mir sicher, zumindest wird das beim HSV so kolportiert, dass Herr Kühne dieses Angebot auch für diese Transferperiode aufrecht erhält. Zumal dann, wenn er sieht, dass dieser HSV nicht willkürlich Geld ausgibt. Vor allem nicht das, was er gar nicht hat. Nein, Herr Kühne sieht, dass der HSV bemüht ist, sich selbst zu finanzieren, ohne neue Schulden zu machen. Und er sieht die finanziellen Grenzen. Er weiß, dass der HSV nur mit seiner Hilfe einen Spieler der gesuchten Größenordnung finanzieren kann. Und er weiß, dass der HSV diesen Spieler braucht. Oder besser: Sein HSV braucht diesen Spieler. Und was kann ihn mehr freuen, als dass die Fans irgendwann alle davon sprechen, dass der neue Hoffnungsträger ihm zu verdanken ist? Wenig bis nichts, würde ich sagen.

Wenig bis nichts möchte der HSV auch in Sachen Tilgung des Stadionkredites zahlen. Die Gespräche mit dem zuständigen Bankenkonsortium, bestehend aus HSH Nordbank, Hamburger Sparkasse und der HypoVereinsbank, sind diesbezüglich dem Vernehmen nach schon weit fortgeschritten. 30 Millionen Euro sind von den ursprünglich 137 Millionen Mark (rund 70 Millionen Euro) vom Stadionkredit bis 2017 noch zu tilgen. Zuzüglich der Sportfive-Prämie von einmalig knapp 5,5 Millionen Euro. „Wir wollen die Rückzahlung des Kredites strecken“, sagt Jarchow. Statt in den nächsten fünf Jahren will der HSV den Kredit bis über 2020 hinaus zurückzahlen. Hintergrund ist, dass so nach Möglichkeit schon in den nächsten Jahren von bislang knapp neun Millionen Euro Annuität nur noch eine jährliche Zahlung von weniger als 5 Millionen Euro zu tätigen wäre. Diese Summe soll von Jahr zu Jahr so abnehmen, dass der HSV ab 2020 nur noch rund eine Million per annum zu zahlen hat. Die Rechnung: Der HSV hätte jährlich zunächst vier Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison mehr für Spieler – Tendenz zunehmend. Und das passt, zumal der Etat der Bundesligamannschaft eh angehoben werden soll. Rund 40 statt der bisher 30 Prozent des Gesamtumsatzes (2011/2012 rund 135 Millionen Euro) sollen künftig allein in die Profimannschaft investiert werden.

Ich hatte vor kurzem geschrieben, dass der HSV Platz elf budgetieren will. Das ist soweit auch korrekt. Allerdings nur in Bezug auf die eingeplanten TV-Gelder, bei denen man lieber etwas zurückhaltend planen will. „Platz elf ist aber keinesfalls unser sportliches Ziel“, stellt Jarchow klar, „im Gegenteil: Wir wollen deutlich besser abschneiden. Zumal wir als Rechengrundlage für die Prämienzahlungen an die Mannschaft 45 Punkte ausgegeben haben.“ Ebenso eingeplant sind die Einnahmen aus die Runden im DFB-Pokal „inklusive einem Heimspiel“, so Jarchow weiter.

Der HSV plant konservativ. Allerdings nur, um böse Überraschungen wie in dieser Saison zu vermeiden. Hintergrund: Aktuell fließen allein an TV-Geldern rund vier Millionen Euro weniger an den HSV als vorher budgetiert.

Dennoch, bei allen Schreckensnachrichten in Sachen Finanzen gibt es auch gute. Immerhin muss der HSV in der kommenden Saison bei gleichbleibenden Einnahmen aus Transferraten nur noch knapp neun Millionen Euro an Raten für seine Spieler bezahlen. Im abgelaufenen Jahr waren es immerhin fünf Millionen mehr, nämlich 14 Millionen Euro. Ergo (alle, die sich furchtbar über die Abmeldung der Bundesliga-Frauen geärgert haben, sollten jetzt nicht weiterlesen): Es sind auf einen Schlag fünf Millionen Euro weniger Belastung gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man auf die Weniger-Belastung die angedachte Streckung des Stadionkredites hinzu, würde der HSV im nächsten Jahr bis zu zehn Millionen Euro weniger bezahlen und zumindest in Teilen für die Profimannschaft zur Verfügung haben. Und obendrauf käme noch, dass der HSV seinen 2015 mit Sportfive auslaufenden Vertrag neu verhandelt. Bislang kassiert Sportfive die stolze Prämie von pauschal 20 Prozent von allen Sponsoreneinnahmen. Gut möglich, dass sich diese im Ligavergleich sehr hohe Prozentzahl ebenfalls drücken lässt…

Und dann noch mal zum Sportlichen: Bei Tolgay Arslan und Marcell Jansen gibt es ebenso wie bei neuen Spielern (inklusive David Abraham) noch nichts Neues. Dafür aber – leider! – von Ivo Ilicevic. Der Kroate hatte sich zuletzt eine Muskelverletzung in der Wade zugezogen und bangte um seine EM-Teilnahme. Leider erfolglos. Heute teilte der kroatische Verband mit, dass Ilicevic nicht am Endturnier teilnehmen wird. Coach Slaven Bilic nominierte den 20-jährigen Sime Vrsaljko von Dinamo Zagreb nach.

Schade für den HSV, der somit keinen einzigen Feldspieler beim Turnier dabei hat. Aber noch bitterer ist das alles natürlich für Ilicevic, dem ich auf diesem Wege gute Besserung wünschen möchte…

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem Blogvater, der am Sonnabend übrigens als Trainer der Presseauswahl bei Benefizkick “Ein herz für Kinder” gegen die Altstars (u.a. sind Michael Rummenigge, Manfred Kaltz, Marco Bode, Jochen Kientz, Ingo Hertzsch, Bastian Reinhardt und viele mehr dabei) im Edmund-Plambeck-Stadion fungieren wird. Anpfiff ist um 14.30 Uhr.

Scholle