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“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Die “älteren HSV-Herren” besiegen Ajax 9:1

8. September 2012

Mutig sind sie ja, die etwas älteren HSV-Herren. Morgen, beim Tag der Legenden am Millerntor, da sollen sie ja die deutschen Stars von der Platte fegen, aber dennoch haben sie es heute schon einmal gewagt. Wenn das mal nicht über ihre Kräfte geht . . . Im Rahmen der 125-Jahr-Festivitäten des HSV gab es an diesem Sonnabend schon einmal ein ganz besonderes Vorspiel: HSV gegen Ajax Amsterdam in Fallingbostel. Und es gab einen eindeutigen Sieger dieser Knaller-Partie – der HSV gewann 9:1 gegen die Niederländer. Wenn das kein gutes Omen für den morgigen Tag ist. Im Vorjahr hatte Deutschland erstmalig gegen Hamburg gewonnen, diesmal sollten die Hanseaten wieder einmal an der Reihe sein – wenn sie sich denn in Niedersachsen nicht zu sehr verausgabt haben.

„Keiner von uns spielt mehr, keiner hat vorher lange trainiert – und trotzdem ist es einfach nur geil, mit den alten Kollegen und Freunden wieder auf dem Rasen zu stehen. Wir hatten damals viel Spaß, und den haben wir auch heute immer noch“, sagte Nico Hoogma nach dem Kantersieg. Der Abwehrspieler traf gegen seine Landsleute einmal, die weiteren Treffer verteilten sich auf Lothar Dittmer (2), Sergej Barbarez (2), Marcus Marin, Stig Töfting, Roy Präger (der zu vier Treffer die Vorarbeitet geleistet hatte) sowie Matthias Rose. Mit von der Partie waren auf Seiten des HSV die beiden Torhüter Uwe Hain und Claus Reitmaier, dazu die Feldspieler Thomas Doll, Peter Hidien, Peter Lübeke, Jochen Kientz, Stefan Schnoor, Thomas Vogel und einige andere mehr.

„Die alten Recken haben wie zu besten Zeiten aufgezogen, das war richtig gut und klasse. Und so, als hätten wir gestern zuletzt zusammengespielt“, befand Roy Präger zufrieden. Der ehemalige Publikumsliebling des HSV sorgt sich auch in diesem Jahr wieder um die Rothosen, sagt aber auch ein wenig resignierend: „Es ist doch schon wieder dasselbe Gerede wie jedes Jahr. Es fehlt mir die klare Struktur im HSV. Natürlich, Rafael van der Vaart kommt jetzt wieder zurück, aber er allein wird es nicht richten können. Alle müssen sich zusammenreißen, müssen es wollen und müssen sich steigern. Sie müssen alles für den HSV geben.“

So wie es die „Alten Herren“ heute in Fallingbostel taten. Nico Hoogma, seit Jahren Manager des niederländischen Erstliga-Klubs Heracles Almelo, macht sich natürlich auch stets Sorgen um „seinen“ HSV. Der frühere Kapitän sagt: „Es tut auch aus der Ferne schon sehr, sehr weh, zu sehen, dass dein Lieblingsklub solche großen Probleme hat. Wenn man aber die Vorbereitung verfolgt hat, die ja nicht immer gute Resultate gebracht hat, dann wusste man, dass es auch in dieser Spielzeit wieder sehr schwer werden würde für den HSV.“ Nico Hoogma dann legt auch den Finger in die Wunde: „Das Umfeld in Hamburg ist mir zu zu negativ. Fast alle sprechen doch nur noch und seit Monaten vom Abstieg des HSV. Das passt nicht, denn wenn man so begleitet wird, dann gehst du auch mit solchen Gedanken in die Spiele – und verlierst sie. Es darf sich meiner Meinung nach keiner wundern, wenn man dann wieder so schlecht startet, wie es der HSV nun getan hat.“
Hoffnung auf Besserung aber haben sie alle.

Übrigens: Wer Nico Hoogma, Roy Präger und all die anderen HSV-Cracks live und in Farbe sehen will, der sollte morgen ans Millerntor gehen, es gibt noch Karten – und die Eintrittsgelder sind ja alle für einen guten Zweck, nämlich für Reinhold Beckmanns „Nestwerk“ in Hamburg. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr und endet um 17.30 Uhr.

Apropos Veranstaltung. Die gab es gestern auch Niendorf. 11:2 siegte der HSV beim Oberliga-Klub TSV, der ja von „uns Scholle“ gemanagt wird. Ich wollte heute mit „Scholle“ über diesen Tag, diese Tage reden, aber er winkte ab: „Nee, nee, lass mal, ich sage doch nicht zu unserer Veranstaltung. Das sollen mal die Matz-abber machen, die das Spiel sahen, die können das viel besser und neutraler.“

Ganz privat sagte mir „Scholle“ dann aber, dass es ein absolutes Highlight in seinem Sportler-Leben war, dieses Spiel: „Ein Traum.“ Wer von euch miterlebt hätte, wie „Scholle“ sich schon seit Monaten jeden Tag mindestens ein Bein für diesen HSV-Auftritt ausgerissen hat, der weiß, wie viel Herzblut in diesen 90 Minuten steckten. Heute gab mir „Scholle“ zu: „Ich habe Blasen an den Füßen, und ich habe einen total wunden Hintern – weil ich so viel gelaufen bin.“ Bereits heute um 8.30 Uhr stand „Scholle“ mitsamt der TSV-Mannschaft wieder auf dem Platz, um die eigens aufgebaute Tribüne wieder abzubauen. Hat alles geklappt, weil alle super mitzogen. „Es hat nicht einen negativen Punkt bei diesem Spiel gegeben, alles blieb friedlich, alles klappte – bis auf den Regen. Und wir haben noch zwei signierte Trikots vom HSV behalten, eines von Rene Adler, auf dem alle Spieler unterschrieben haben, und eines von Rafael van der Vaart. Diese beiden Trikots werden wir demnächst versteigern – es kann geboten werden“, sagte „Scholle“ und beendete das Gespräch. Er ist fix und foxi und muss sich nun erst einmal erholen. Nicht vom 2:11, das ist wohl relativ normal, sondern von diesem ganzen Stress. Aber einmal im Leben eines Amateur-Managers darf man sich ja wohl auch mal den HSV gönnen – und dafür alles tun. Oder?

Und vielleicht hat sich der HSV mit den zwölf Toren von Schwarzenbek und den elf Treffern von Niendorf ja auch bestens auf die Auswärtspartie am Sonntag in Frankfurt ein- und freigeschossen. Wäre ja schön. Auch wenn Heung Min Son dann demnächst mal eine Chance als Sturmspitze erhalten würde. Ich glaube, dass sich der Südkoreaner dort (ich schrieb es bereits vor Tagen) ganz wohl fühlen würde.

Und wo ich gerade an Frankfurt denke, da fallen mir zwei Erlebnisse vom und am Main besonders schnell ein: Das Abseitstor des kleinen Dribbelkünstlers, das den HSV am letzten Spieltag der Saison 2008/09 doch noch etwas überraschend international tätig werden ließ (der kl. Dribbelkünstler, das für alle, die es nicht wissen, ist Piotr Trochowski). Und das zweite Erlebnis aus Frankfurt war ein 6:0-Sieg des HSV gegen die Eintracht am 13. April 1991. Bei diesem Erfolg gab es eine große Besonderheit, denn als Thomas Doll in der 80. Minute von Trainer Gerd-Volker Schock ausgewechselt wurde (es kam der Brasilianer Nando), da erhoben sich alle Zuschauer im Waldstadion und applaudierten minutenlang – für Doll. Das war doll. Und sensationell. Weil „Dolli“ zuvor vielleicht das Spiel seines Lebens absolviert hatte. Ohne ein Tor selbst erzielt zu haben, hatte er die Eintracht ganz allein schwindelig gespielt. Es war unfassbar, ganz sicher eines der besten Spiele, die ich jemals von einem Hamburger gesehen habe. Jan Furtok (3), Harald Spörl, Waldemar Matysik und Armin Eck hatten den HSV zum Sieg geschossen, Minuten nach dem Spiel war Eintracht-Trainer Jörg Berger seinen Job los . . .

Und wir flogen mit der Mannschaft per Lufthansa (mit dem „Lumpensammler“ spät abends nach Hamburg zurück. Und erlebten die unsanfteste Landung aller Zeiten. Schock saß neben mir und war völlig geschockt, er sagte im Ernst: „Ich habe gedacht, wir stürzen ab!“ Zum Glück ging alles gut. Der Lufthansa-Kapitän damals, ich weiß es als wenn es heute wäre, hieß übrigens Berger . . . Ob er der Bruder oder der Schwippschwager des Frankfurter Trainers war, entzieht sich allerdings meinen Kenntnissen.

Aber so ein 6:0 – das hätte doch mal was, oder? Nein, im Ernst, ich wäre diesmal schon mit einem „dreckigen“ 1:0-Sieg des HSV mehr als zufrieden – Tor Son. Oder Tor Artjoms Rudnevs. Egal, wer es macht, Hauptsache einer trifft zum Sieg. Und wenn es wieder ein Abseitstor ist, das dann doch zählt . . .

PS: An diesem Sonntag kein Training im Volkspark. Wg. Spiel am Millerntor – auch mit Thorsten Fink.

20.11 Uhr

Jarchow will den Bundesliga-Etat anheben – und hat einen Plan

7. Juni 2012

Man kann über ihn sagen, was man will, aber er hat definitiv Talent. Die Handschuhe übergestreift und los ging es. Keine zwei Minuten brauchte Carl Jarchow, um mithilfe von Spraydosen ein rotes Bobbycar zum HSV-Gefährt umzugestalten. Alles geschehen im Anschluss an den Audi-Pressetermin „praktisch gut“ im Rahmen der Sponsoring-Initiative „Hamburger Weg“. Erklärung: Audi und der HSV haben ein gemeinsames Projekt für Schüler ins Leben gerufen und verkündeten heute, dass sie diese Zusammenarbeit um weitere Jahre verlängern. Eine gute Sache, bei der aus Praktikanten schon Auszubildende bei Audi geworden sind.

So weit, so gut. Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit, uns mit dem Klubboss Carl Jarchow zu unterhalten, der im Übrigen am kommenden Mittwoch, nach dem Spiel der Deutschen gegen die Niederlande, auch unser Gast bei „Matz Ab live“ sein wird. Insofern, wer Fragen hat, kann diese schon mal aufschreiben.

Zurück zum Gespräch. Im Laufe dessen kamen wir auch auf die Finanzen zu sprechen. Dabei untermauerte Jarchow seinen strikten Konsolidierungsplan. 15 Prozent müssen auf allen Ebenen eingespart werden. Den Profibereich ausgenommen. Dennoch, auch hier gilt: kein unnötiges Risiko. Egal, was für einen Spieler man eventuell auch kaufen könnte, es wird nur der Spieler kommen, den man aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Sagt Jarchow. Wobei hierbei immer auch die Möglichkeit einer Fremdfinanzierung besteht. „Bislang haben wir alle Transfers aus Eigenmitteln finanziert. Wenn es den Fall gibt, dass ein Spieler interessant für uns ist und selbst interessiert, so aber nicht für uns zu finanzieren ist, dann werden wir über kreative Möglichkeiten nachdenken. Entsprechen eben auch über Beteiligungen. Aber wir werden sicher nicht auf zu erwartende Einnahmen setzen und Gelder im Voraus ausgeben.“

Nun weiß ich, dass Kritiker dem Klubboss das negativ auslegen werden und sagen, der HSV spare sich kaputt. Andererseits aber glaube ich, dass dieser Weg der beste sein kann. „Sein kann“ deshalb, weil der HSV eben das große Glück hat, mit Klaus Michael Kühne einen milliardenschweren Gönner als Fan zu haben und nicht zwingend ins Risko gehen muss, um aufzurüsten. Im Winter schon hätte der Wahlschweizer einen Großteil der vom FC Basel geforderten rund acht Millionen Euro für Granit Xhaka übernommen. Und ich bin mir sicher, zumindest wird das beim HSV so kolportiert, dass Herr Kühne dieses Angebot auch für diese Transferperiode aufrecht erhält. Zumal dann, wenn er sieht, dass dieser HSV nicht willkürlich Geld ausgibt. Vor allem nicht das, was er gar nicht hat. Nein, Herr Kühne sieht, dass der HSV bemüht ist, sich selbst zu finanzieren, ohne neue Schulden zu machen. Und er sieht die finanziellen Grenzen. Er weiß, dass der HSV nur mit seiner Hilfe einen Spieler der gesuchten Größenordnung finanzieren kann. Und er weiß, dass der HSV diesen Spieler braucht. Oder besser: Sein HSV braucht diesen Spieler. Und was kann ihn mehr freuen, als dass die Fans irgendwann alle davon sprechen, dass der neue Hoffnungsträger ihm zu verdanken ist? Wenig bis nichts, würde ich sagen.

Wenig bis nichts möchte der HSV auch in Sachen Tilgung des Stadionkredites zahlen. Die Gespräche mit dem zuständigen Bankenkonsortium, bestehend aus HSH Nordbank, Hamburger Sparkasse und der HypoVereinsbank, sind diesbezüglich dem Vernehmen nach schon weit fortgeschritten. 30 Millionen Euro sind von den ursprünglich 137 Millionen Mark (rund 70 Millionen Euro) vom Stadionkredit bis 2017 noch zu tilgen. Zuzüglich der Sportfive-Prämie von einmalig knapp 5,5 Millionen Euro. „Wir wollen die Rückzahlung des Kredites strecken“, sagt Jarchow. Statt in den nächsten fünf Jahren will der HSV den Kredit bis über 2020 hinaus zurückzahlen. Hintergrund ist, dass so nach Möglichkeit schon in den nächsten Jahren von bislang knapp neun Millionen Euro Annuität nur noch eine jährliche Zahlung von weniger als 5 Millionen Euro zu tätigen wäre. Diese Summe soll von Jahr zu Jahr so abnehmen, dass der HSV ab 2020 nur noch rund eine Million per annum zu zahlen hat. Die Rechnung: Der HSV hätte jährlich zunächst vier Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison mehr für Spieler – Tendenz zunehmend. Und das passt, zumal der Etat der Bundesligamannschaft eh angehoben werden soll. Rund 40 statt der bisher 30 Prozent des Gesamtumsatzes (2011/2012 rund 135 Millionen Euro) sollen künftig allein in die Profimannschaft investiert werden.

Ich hatte vor kurzem geschrieben, dass der HSV Platz elf budgetieren will. Das ist soweit auch korrekt. Allerdings nur in Bezug auf die eingeplanten TV-Gelder, bei denen man lieber etwas zurückhaltend planen will. „Platz elf ist aber keinesfalls unser sportliches Ziel“, stellt Jarchow klar, „im Gegenteil: Wir wollen deutlich besser abschneiden. Zumal wir als Rechengrundlage für die Prämienzahlungen an die Mannschaft 45 Punkte ausgegeben haben.“ Ebenso eingeplant sind die Einnahmen aus die Runden im DFB-Pokal „inklusive einem Heimspiel“, so Jarchow weiter.

Der HSV plant konservativ. Allerdings nur, um böse Überraschungen wie in dieser Saison zu vermeiden. Hintergrund: Aktuell fließen allein an TV-Geldern rund vier Millionen Euro weniger an den HSV als vorher budgetiert.

Dennoch, bei allen Schreckensnachrichten in Sachen Finanzen gibt es auch gute. Immerhin muss der HSV in der kommenden Saison bei gleichbleibenden Einnahmen aus Transferraten nur noch knapp neun Millionen Euro an Raten für seine Spieler bezahlen. Im abgelaufenen Jahr waren es immerhin fünf Millionen mehr, nämlich 14 Millionen Euro. Ergo (alle, die sich furchtbar über die Abmeldung der Bundesliga-Frauen geärgert haben, sollten jetzt nicht weiterlesen): Es sind auf einen Schlag fünf Millionen Euro weniger Belastung gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man auf die Weniger-Belastung die angedachte Streckung des Stadionkredites hinzu, würde der HSV im nächsten Jahr bis zu zehn Millionen Euro weniger bezahlen und zumindest in Teilen für die Profimannschaft zur Verfügung haben. Und obendrauf käme noch, dass der HSV seinen 2015 mit Sportfive auslaufenden Vertrag neu verhandelt. Bislang kassiert Sportfive die stolze Prämie von pauschal 20 Prozent von allen Sponsoreneinnahmen. Gut möglich, dass sich diese im Ligavergleich sehr hohe Prozentzahl ebenfalls drücken lässt…

Und dann noch mal zum Sportlichen: Bei Tolgay Arslan und Marcell Jansen gibt es ebenso wie bei neuen Spielern (inklusive David Abraham) noch nichts Neues. Dafür aber – leider! – von Ivo Ilicevic. Der Kroate hatte sich zuletzt eine Muskelverletzung in der Wade zugezogen und bangte um seine EM-Teilnahme. Leider erfolglos. Heute teilte der kroatische Verband mit, dass Ilicevic nicht am Endturnier teilnehmen wird. Coach Slaven Bilic nominierte den 20-jährigen Sime Vrsaljko von Dinamo Zagreb nach.

Schade für den HSV, der somit keinen einzigen Feldspieler beim Turnier dabei hat. Aber noch bitterer ist das alles natürlich für Ilicevic, dem ich auf diesem Wege gute Besserung wünschen möchte…

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem Blogvater, der am Sonnabend übrigens als Trainer der Presseauswahl bei Benefizkick “Ein herz für Kinder” gegen die Altstars (u.a. sind Michael Rummenigge, Manfred Kaltz, Marco Bode, Jochen Kientz, Ingo Hertzsch, Bastian Reinhardt und viele mehr dabei) im Edmund-Plambeck-Stadion fungieren wird. Anpfiff ist um 14.30 Uhr.

Scholle

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