Archiv für das Tag 'Keegan'

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

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So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

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