Archiv für das Tag 'Kargus'

Heese: “Es ist jetzt ein anderer Geist drin!”

15. Mai 2015

Zursicher

Mal sehen, was die Affen morgen so machen. Mit Affen sind die Spieler des VfB Stuttgart bezeichnet worden – von ihrem Trainer, ging ja auch Land auf, Land ab in den Zeitungen rauf und runter. So ist Huub Stevens eben. Was er auf der Zunge hat, muss raus. Und er hat es diesmal bestimmt auch deshalb rausgelassen, weil er mit dieser Beleidigung auch noch seinem letzten Spieler sagen will, dass hier allerhöchste Konzentration angesagt ist. Niemand darf auch nur einen Millimeter nach lassen, das wollte Stevens erreichen. Und er hatte auch deshalb die ganz Aufmerksamkeit, weil beim VfB Stuttgart, der ansonsten oft abgeschottet (also ohne Fans) trainiert, am Vatertag jeder Fan willkommen war. Stevens wollte mit seiner Härte auch demonstrieren, dass der Fokus nur auf diesem Abstiegs-Endspiel zu liegen hat. Ganz Stuttgart redet seit Tagen nur noch von dem Spiel gegen den HSV, das Stadion ist mit 60 000 Zuschauer seit Wochen ausverkauft – und 6000 Hamburger werden versuchen, sich in diesem Hexenkessel Gehör zu verschaffen. Und obwohl die Schwaben ja noch immer Tabellenschlusslicht sind, herrscht am Neckar große Zuversicht, dass der VfB an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr den HSV um einen Punkt hinter sich gelassen hat. Es ist für das Ländle das Spiel der Spiele, und der Optimismus ist deswegen so groß, weil der VfB zuletzt stets gute oder sogar beste Leistungen gezeigt hat.

 
Was die meisten VfB-Fans aber in dieser Situation oft verschweigen: Der Tabellenletzte hat seit September 2013 (!) kein zweites Spiel in Folge mehr gewonnen. Seit September 2013! Und zuletzt siegte der VfB bekanntlich 2:0 gegen Mainz 05. Hält diese Negativserie an? Oder schafft es der HSV, so wie er es leider schon so oft geschafft hat, diese Serie zu durchbrechen – und das Schlusslicht so wieder aufzubauen? Was für Stuttgart außerdem ein Horror-Szenario ist, das ist die Tatsache, dass ausgerechnet Bruno Labbadia dem VfB den Gnadenstoß versetzen könnte. Jener Labbadia, der einst sehr wohl Erfolge mit dem VfB vorweisen konnte, der dann aber trotz allem, da gibt es sicher Parallelen zum HSV, vor die Tür gesetzt worden war, weil sich die Verantwortlichen und die Fans mehr erhofft hatten. Heute gibt es in Stuttgart nicht wenige, die meinen, dass die Labbadia-Gegner von damals heute sehr wohl Abbitte leisten müssten, denn nach dem damaligen Abgang des Trainers ist beim VfB nichts besser geworden. Im Gegenteil.

 

Im Ländle regnete es heute, am Sonnabend aber soll die Sonne scheinen. In Hamburg ist es genau umgekehrt. Mal sehen, wie sehr die Punkteverteilung dafür sorgt, dass in einem Fan-Lager so oder so die Sonne scheinen wird. Wir hoffen natürlich, dass es hier trotz des Regens reichlich Sonnenschein geben wird . . .
Beim VfB Stuttgart sind, um mal die sportliche Seite zu beleuchten, alle Mann an Bord. Diejenigen Spieler, die leicht angeschlagen in die Woche gegangen waren, wurden oftmals geschont, mussten nicht immer alle Einheiten mitmachen. Morgen aber wird jeder von ihnen bei 100 Prozent sein. Und besonders auf die Offensive hoffen die Schwaben. Die behaupten, dass es noch nie einen Tabellenletzten in der Bundesliga gegeben hat, der auf eine solche Super-Offensive setzen und bauen und hoffen kann. Vorne sind drei blitzgefährliche Angreifer unterwegs: In der Mitte der ehemalige Millerntor-Bomber Ginczek, links der Sprinter Kostic, rechts der unberechenbare Harnik, und dahinter der schnelle und technisch versierte Didavi, der nach einer längeren Verletzungspause jetzt wieder zur alten Form zurückkehren will – und schon auf dem besten Wege ist. Er wird der HSV-Defensive extrem viele Kopfschmerzen bereiten – neben den Stürmern.

 

Beim HSV herrschte heute nicht nur wegen des guten Wetters beste Stimmung. Bis auf Valon Behrami und Nicolai Müller konnten alle Spieler trainieren. Eine Stunde gab es Programm. Nach dem Aufwärmen folgte ein Spiel fünf gegen fünf gegen fünf. Und danach gab es reichlich Standards. Eckstöße, Freistöße, von links und von rechts zur Mitte gebracht. Meistens von Rafael van der Vaart geschlagen, aber auch Lewis Holtby und Ivo Ilicevic versuchten sich. Mit den Standards wurde ein wirklich lange Zeit verbracht. Zum Schluss folgte Spaß-Training. Die Spieler durften, so sah es aus, das machen, wozu sie Lust hatten. Lange Pässe, kurze Pässe, Torabschlüsse – Flanken. Wobei auch Bruno Labbadia tüchtig mitmischte. Der Coach schlug die Bälle aus dem Anstoßkreis heraus auf die linke Seite, wo Matthias Ostrzolek die Kugel meistens mit der Brust stoppte – um dann aus dem Lauf heraus zu flanken. In der Mitte hatte dann die Angreifer ein Spielchen mit Torwart Jaroslav Drobny zu laufen. Vorher wurde angesagt, wie viele Tore sie aus acht Flanken machen – und der oder die Verlierer mussten danach Liegestütze absolvieren. Da es ein nicht-öffentliches Training war, sah ich nicht alles, gefühlt würde ich sagen, dass die Angreifer mehr Liegestütze machen mussten. Und um ehrlich zu sein, ich habe Drobny nicht am Boden gesehen. Wer Rene Adler dabei vermisst: Der Stammkeeper war nach einer Stunde in die Kabine gegangen, nur mal so, es sah nicht danach aus, als drücke Adler auch nur ein kleiner Schmerz.
Übrigens sah Club-Chef Dietmar Beiersdorfer heute dem Training zu, nach dem Ende der Einheit ging er dann mit einer asiatischen Delegation (sah nach einem jungen Spieler aus) in das Umkleidehaus im Volkspark.

 

Aus dem Kader, der heute trainiert hat, blieben der Brasilianer Cleber, Julian Green und auch Maximilian Beister zu Hause.
Schiedsrichter der Partie in Stuttgart wird der Berliner Manuel Gräfe sein, in meinen Augen eine sehr gute Ansetzung, er ist mit dem Münchner Dr. Felix Brych der zurzeit beste deutsche Unparteiische. Aber – man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Habe ich zuletzt wahrscheinlich das eine oder andere Mal zu viel gemacht. Deswegen halte ich jetzt mal den Ball flach. Obwohl ich, wenn ich bei Schiedsrichter bin, gleich an Rafael van der Vaart denke, denn der hat bislang neun Gelbe Karten „eingefahren“. Sieht er in Stuttgart noch einmal Gelb, dann fand am Neckar das Abschiedsspiel des „kleinen Engels“ statt. Das wäre doch auch dramatisch. Nicht für jeden HSV-Fan, aber auf jeden Fall für van der Vaart selbst.

 

Aber der Niederländer könnte sich ja auch in Sachen Härte oder auch mit verbalen Entgleisungen zurückhalten, dann passiert eben nichts. Hoffentlich. Ich sprach heute noch mit einem ehemaligen HSV-Spieler, der sich in Sachen Zurückhaltung nie besonders zurückhielt. Sein damaliger Trainer Klaus Ochs hat über ihn einst gesagt: „Auf dem Platz ist er ein Ekel.“ Es geht, einige haben es schon erraten, um Horst Heese. Der heute 71-Jährige lebt schon seit Jahrzehnten in Belgien, verfolgt den HSV, für den er einst „nur“ 41 Spiele bestritt, aber immer noch ganz genau – über das Bezahlfernsehen. Heese wurde damals im Winter 1972 verpflichtet und absolvierte sein erstes Spiel für den HSV am 16. Dezember 1972, bei seinem Debüt gab es eine 0:1-Niederlage – und der HSV stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gab es ein Happy end, dank Heese, der in der HSV-Geschichte den Platz eins als HSV-Retter einnimmt. Er riss die gesamte Mannschaft damals mit, und das waren immerhin Spieler wie Rudi Kargus, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Zaczyk, Georg Volkert, Ole Björnmose, Willi Schulz, „Bubi“ Hönig, Caspar Memering, und, und, und.

 

Horst Heese hat in der jüngeren Vergangenheit schon oft um und mit dem HSV gezittert. Diesmal aber schien er mir optimistischer zu sein, denn er sagte: „Das sieht doch jetzt schon wieder viel besser aus, als noch vor ein paar Wochen. Das ist ja jetzt eine ganz andere HSV-Truppe, die kämpfen und hängen sich voll rein – das sieht gut aus, in meinen Augen.“ Den Umschwung hat Bruno Labbadia gebracht, das sieht auch Heese so, denn er befindet: „Sicher hat Bruno viel bewirkt, aber wenn man auf einen schwachen Trainer folgt, dann muss man kein Super-Trainer sein. Da hätte kommen können, wer will, es waren vorher zu viele schwache Trainer da. Wenn die Jungs merken, da vorne steht einer, der versteht sein Handwerk, der hat selbst gespeilt, der weiß wie es geht, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Aber wenn du da vorne ein paar Flaschen vor der Mannschaft stehen hast, in kurzen Sprinterhosen, dazu mit fünf Handys durch die Luft wirbeln, dann wissen die Spieler doch gleich Bescheid. Der kann denen doch gar nichts erzählen, und wie soll das denn funktionieren?“ Heese: „Wenn wir damals gemerkt haben, dass wir eine Flasche vor uns haben, dann haben wir den sofort auf die Rolle genommen. Wenn der in kurzen Hosen vor uns stand, haben wir schon gegrinst, wenn der dann noch seine Stutzen irgendwie schief angezogen hatten, dann war die Sache für uns gleich klar, was wir da für einen vor uns hatten . . . Wenn du aber einen Trainer hast, der selbst an der Front war, dem nimmst du doch eher ab, was er da erzählt. Und von den schwachen Trainern hatte der HSV zuletzt leider einfach zu viele.“

 

Horst Heese sagt über die heutige HSV-Truppe, und das ist aus seinem Munde gewiss ein riesiges Kompliment: „Jetzt ist wieder ein anderer Geist drin. Und wenn du den Bruno Labbadia siehst, das ist echt, das ist authentisch, er lebt das vor, was da jetzt passieren muss. Die anderen Trainer haben, wenn die Kameras auf sie zukamen, ein verzweifeltes Gesicht gemacht, haben ein wissenschaftliches Gesicht gemacht, oder sie haben ihre Notizblöcke vollgeschrieben. Da waren viele Schauspieler am Werk. Aber Gott sei Dank, sie tanzten nur einen Sommer. In Hamburg jedenfalls.“

 

Horst Heese appelliert – auch für die Zukunft des HSV – an die Ehemaligen des HSV: „Da sind doch so viele Pragmatiker, die müssten mal den Mund aufmachen. Damit die Knalltüten ausgespielt haben, damit der HSV endlich mal einen vernünftigen Trainer bekommt. Diejenigen, die noch den engen Draht zum HSV haben, sollten schon mal häufiger den Mund aufmachen.“ Aber, das vermute ich, es haben in der Vergangenheit vielleicht schon oft den Mund aufgemacht, doch es passierte nichts, ihre Tipps verhallten mehr oder weniger ungehört im Volkspark.

 

Und wie ist Horst Heese mit dem Punkt „Härte“ zurzeit mit den HSV-Spielern zufrieden? Heese: „Das könnte ruhig noch etwas mehr sein, ganz klar. Wobei man Härte nicht mit Unfairness verwechseln darfst. Aber es geht doch jetzt um alles. Man darf nicht von hinten zutreten, du kannst ja auch einen Gegner von vorne stören. Aber du musst fit sein, immer eisern und hart am Mann sein. Heute sieht man auch keine Schnitte, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Dann bist du im heutigen Tempo-Fußball total daneben. Und man muss auch immer schön aufpassen, dass man nicht zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum verursacht, das kann sich dann auch schnell rächen, wenn der Gegner da Spezialisten hat, die solche Standards zu nutzen verstehen. Also, mehr Härte ja, aber keine Fouls.“
Mal sehen, wie das denn morgen in Stuttgart so laufen wird – in der HSV-Defensive.

 

Ich habe übrigens in die Programm-Zeitschrift „Hör zu“ geblickt, wie der Prominente (jede Woche ein anderer) den Spieltag, besonders den HSV getippt hat. Diesmal ist das Joscha Kiefer (Soko 5113) gewesen, und der tipp Stuttgart – HSV auf 4:0. Oha, ein dickes Ding! Und eine Woche weiter tippt Lukas Hundt (Akte Ex) den HSV gegen Schalke 04 auf 1:0. Mal abwarten, wie sich das alles (schon an diesem Spieltag) da unten entwickelt.

 

So, zwei Personalien habe ich noch:

Lotto King Karl eröffnet an diesem Sonnabend im Stadtpark die Open-Air-Saison – und ich wünsche dem Kult-Sänger und seiner Band alles Gute, viel Glück – und gutes Wetter. Und Euch, die Ihr dabei seid, viel Spaß.

Dann hat sich heute Joe Zinnbauer bei NDR2 zu Wort gemeldet. Der Trainer, der im Moment nicht groß arbeitet, kann sich durchaus vorstellen, dass er in der nächsten Spielzeit wieder die U23 (spielt am Sonnabend um 14 Uhr in Lübeck um Punkte) trainieren wird. Mich würde das sehr freuen, gebe ich zu, denn der „Joe“ hatte diese Truppe doch märchenhaft ins Laufen gebracht. Vielleicht schafft er das denn ja noch einmal, ich glaube, dass die meisten Spieler nichts dagegen hätten. Ich drücke ihm die Daumen, dass es noch einmal weitergehen wird mit ihm – beim HSV.

 

Und wie es dann in der Bundesliga weitergehen wird, das kann man dann wahrscheinlich schon morgen von 17.20 Uhr an etwas klarer sehen, auch wenn bestimmt noch nicht alles restlos geklärt sein wird. Davon gehen ich mal verstärkt aus Drückt dem HSV tüchtig die Daumen, dass auch diesmal das Abstiegsgespenst in andere Städte abzischt. Hat doch 2014 bestens geklappt – oder?

 

In diesem Sinne, kommt gut rein in den 33. Spieltag – und bleibt positiv!

Dieter.

 

18.46 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

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Hrubesch: “Man muss einen Plan haben . . .”

20. Dezember 2012

Wie bereits angekündigt, gestern habe ich ein Gespräch mit Horst Hrubesch geführt. Einer der Helden von 1983 – einer meiner ganz großen Helden. Zu ihm habe ich immer aufgeschaut. Und ich muss eines mal sagen, zur Weihnachtszeit wird man ja auch immer ein wenig plauderhafter, dass Horst Hrubesch (hoffentlich habe ich es nicht bereits mal geschrieben – sonst würde ich euch ja nur langweilen . . .) neben Franz Beckenbauer der einzige HSV-Spieler war, den ich immer per Sie begrüßt und gesprochen habe. Auch Uwe Seeler wird nicht geduzt, aber bei Hrubesch hatte das einen speziellen Grund. 1983, nach dem Europapokal-Gewinn, war ich in Ochsenzoll der einzige Mensch, der auf die Athener Helden gewartet hat. Gefeiert wurde die Mannschaft in Hamburg, ich stand in Norderstedt und wartete, wartete, wartet. Dann kamen sie alle. Und gingen in die Kabine – ich wartete weiter.

Irgendwann kam Jürgen „Joschi“ Groh raus, sah mich, hakte mich unter einen Arm und sagte – indem er mich in die Kabine schleppte: „Dieter, du kommst jetzt mit und nimmst einen Schluck aus dem Pokal.“ Gesagt, getan. Unten duschten einige Spieler, einige föhnten ihre Haare, andere saßen auf der Bank und unterhielten sich. Plötzlich trat Horst Hrubesch aus der Dusche hervor und herrschte Groh an: „Joschi, was soll der Scheiß? Du weißt geanu, dass Journalisten hier nichts zu suchen haben. Also raus mit ihm!“ Groh, ein wenig angeheitert (weil er offenbar auch schon aus dem Pokal getrunken hatte), sagte: „Ja, ja, Dieter will nur schnell einen Schluck nehmen, dann geht er auch wieder . . .“ Auch so geschah es. Ein Schluck – und ein (Ab-)Gang, das war eins. Schnell weck – w e c k!

Seit dieser Zeit habe ich einen ganz großen Bogen um Horst Hrubesch gemacht. All die Jahre. Ich hatte vor dem Kopf der Meistermannschaft einen irre großen Respekt. Jahre später, wenn wir uns getroffen haben, habe ich ihn immer per Sie angesprochen. Logisch. Das hielt so bis in etwa vor eineinhalb Jahren. Da telefonierten wir – und Hrubesch duzte mich. Da fragte ich ihn – ganz offiziell: „Sind wir nun eigentlich beim Du – oder beim Sie?“ Er: „Natürlich beim Du. Das habe ich ohnehin nie verstanden, dass du immer Sie gesagt hast. Warum eigentlich?“ Da habe ich ihm erzählt, warum. Er lachte nur und sagte: „Erstens musst du doch keine Angst vor mir haben, und zweitens bist du der Ältere, also hätte das Du von dir kommen müssen . . .“

So haben wir die Du-Kuh nach vielen, vielen Jahren vom Eis bekommen . . .

Und ich bin immer noch ein großer Fan des „Ungeheuers“, der ja unheimlich viel für den HSV und die Raute geleistet hat. Viel ist gar kein Ausdruck, er hat Sensationelles geleistet. Nicht nur wegen seiner Aussage: „Flanke Manni, ich Kopf – Tor.“ Hrubesch war der Leader der besten HSV-Mannschaft aller Zeiten, sein Wort war Gesetz. Und er hat dieses Team in ganz bestimmte Bahnen gelenkt – weil er ein großer Teamplayer ist. Ich verehre ihn, das muss ich gestehen, immer noch sehr, ich habe auch immer noch großen Respekt vor seiner Lebensleistung – und vor seiner Menschlichkeit. Horst Hrubesch, der von einigen Mitspielern (von damals) ja auch „Rübe“ genannt wird, passt einfach in diese Welt. Mehr von dieser Sorte, und es würde uns allen – nicht nur fußballerisch – besser gehen Weil er auch stets einen Blick für den Nebenmann hatte – und immer noch hat. Hermann Rieger, fällt mir ein, würde das zu 100 Prozent bestätigen. Und nicht nur der „Dino“, auch vielen andere denken so. Hrubesch ist einfach eine Erscheinung. Und ich würde es immer noch begrüßen, wenn er beim HSV in irgendeiner Form mitmischen würde. Aber das wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben, obwohl ich davon überzeugt bin, dass er dem Klub helfen könnte – und auch würde.

So, das war mein sentimentales Hrubesch-Wort zu Weihnachten. Worüber wir gesprochen haben, das könnt ihr jetzt im folgenden Teil lesen. Nein, stopp, noch nicht. Eines muss ich noch schnell loswerden: Als Matthias Sammer DFB-Sportdirektor wurde, da „biss“ er einige Trainer und deren Helfer schnell mal wech. W e c h. Ist alles nachzulesen. Ich glaube auch, dass Horst Hrubesch auf dieser Streichliste stand – aber dann doch nicht „geköpft“ wurde. Ich sprach darüber einmal mit Sammer, und indirekt bestätigte er mir derartige Überlegungen, aber er sagte auch: „Als ich Horst Hrubesch dann in einem persönlichen Gespräch kennengelernt hatte, da wusste ich, dass er bleiben muss. Er hat mich von seinen großen Fähigkeiten überzeugt. Und ich bin davon immer noch absolut überzeugt.“ Das war noch zu DFB-Zeiten, heute ist Sammer ja bekanntlich ein Bayer und beim Rekordmeister, hat also mit Hrubesch nichts zu tun.

So, nun aber zu unserem Gespräch vom Mittwoch:

Mit dem Abstieg, sagt Horst Hrubesch, hat der HSV nichts mehr zu tun. Das würde auch schon für die nächste Saison gelten. Und das sei beruhigend zu wissen. Überhaupt, er ist zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf, denn er hatte bezüglich dieser Spielzeit mehr oder auch größere Schwierigkeiten für den HSV erwartet. Und er nennt auch einen Grund für diese Prognose: „Für mich sind es aber nicht die beiden letzten Verpflichtungen, die von Rafael van der Vaart und Petr Jiracek, die für die Stabilisierung des Teams gesorgt haben, für mich ist das Milan Badelj. Der Mann hat eine unglaubliche Ruhe in seinem Spiel, ist technisch sehr versiert, er hat viele gute Ideen und hat ein sehr, sehr gutes Auge. Dieser Badelj ist ein riesiger Gewinn für diese Mannschaft.“

Dazu lobt der frühere Nationalstürmer ganz besonders Torwart Rene Adler: „Da hat man jetzt einen Mann zwischen den Pfosten, der die Mannschaft schon mehrfach gerettet hat. Adler hat dem HSV, so denke ich, zwölf Punkte geholt. Und wenn man diese Punkte mal von den bisherigen 24 Punkten abziehen würde, wo würde der HSV dann stehen? Der HSV hat bestimmt einige Spieler dabei, die okay sind, die gut sind, aber es bleibt insgesamt doch noch viel zu tun.“

Horst Hrubesch steht für eine, nein, für die erfolgreichste HSV-Zeit überhaupt. Meisterschaften, Europapokalgewinn, und, und, und. Er hat, daran kann ich mich erinnern, damals stets über den HSV-Erfolg gesagt: „Wir siegen, weil bei uns elf Winner-Typen auf dem Platz stehen.“ Fehlen diese Typen der heutigen Mannschaft? Horst Hrubesch: „Das will ich nicht sagen. Bei uns aber waren es auch nicht elf, das muss ich korrigieren, es waren 18. Und unsere Erfolge basierten nicht auf den Winner-Typen, sondern auf die Leute, die um die Mannschaft herum arbeiteten. Günter Netzer war ein erstklassiger Manager, der seine Vorstellungen vom Spiel dieser Mannschaft personell umsetzte. Dann war Ernst Happel ein riesiger Trainer, dazu war Wolfgang Klein ein hervorragender Präsident. Zu jenen HSV-Zeiten stimmte eben einfach alles im Klub.“

1983 stand der HSV an der Spitze Europas, aber letztlich wurde diese Spitzen-Position wieder verspielt. Höchst bedauerlich. Hrubesch hat auch eine Erklärung dafür: „Da der HSV ein Gesamtverein war, wurde das Geld, das wir eingespielt haben, an alle Abteilungen verteilt. Das ist, im Gegensatz zum FC Bayern, nicht in unsere Mannschaft investiert worden. Bei uns war es deswegen nicht möglich, mich und oder auch Lars Bastrup in Hamburg zu halten – und dazu dann auch noch Wolfram Wuttke und Dieter Schatzschneider zu verpflichten. Es ging nur eins, und dafür mussten letztlich wir gehen. Obwohl Happel und Netzer gerne gesehen hätten, dass ich noch ein Jahr bleibe. Aber aus finanziellen Gründen war das nicht möglich.“ Horst Hrubesch weiter: „Es hieß damals oft, es heißt sogar heute noch mitunter, dass wir mit dem Europapokalsieg den Grundstein für einen starken HSV hätten legen müssen, aber das konnten wir nicht, denn dass Geld wurden eben im ganzen Klub verteilt.“

Hrubesch erinnert sich noch an jene Zeit, als er von Rot-Weiß Essen zum HSV gekommen ist. Das war zur Saison 1978/79. „Ich weiß noch ganz genau, dass es damals in Hamburg hieß, dass der HSV nun ein Abstiegskandidat sei. Weil Leute wie Zaczyk, Volkert, Steffenhagen, Keller und Eigl gegangen waren, und weil nur Spieler aus der Zweiten Liga dazu gekommen waren. Wie Wehmeyer, Hartwig, Gorski, Plücken und mir. Und dann wurden wir Meister, das war sensationell. Dazu gehört zwar etwas Glück, aber wir haben uns auch zu einer sehr, sehr guten Mannschaft entwickelt.“

Als Hrubesch und Bastrup gingen, wurden Wuttke und Schatzschneider geholt. Der Europameister von 1980: „Da haben sich in Hamburg alle in den Armen gelegen, weil diese beiden tollen Spieler zum HSV gekommen sind, aber diese beiden Spieler haben letztlich nicht gewusst, worum es beim HSV geht. Was mich, das gebe ich zu, sehr gewurmt hat. Meine ehemaligen Kollegen haben es damals nicht geschafft, Wuttke und Schatzschneider auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Wir hätten das zu meiner Zeit über das Training geregelt, aber das wurde nach meinem Weggang vom HSV nicht mehr so gemacht . . . Leider nicht.“

Dann ging es bergab mit dem HSV.

Heute stehen die Rothosen im Mittelfeld der Bundesliga und setzen auf den Neuaufbau. Horst Hrubesch trainiert beim Deutschen Fußball-Bund die U-18-Nationalmannschaft, hat also stets viele, viele und große Talente um sich herum. Hat der heutige HSV auch Talente, von denen der Fan noch viel erwarten kann? Der DFB-Trainer: „Der HSV hatte und hat immer den einen oder anderen. Nur was ist bislang über geblieben? Maximilian Beister zum Beispiel, der ein großes Talent hatte, wurde für zwei Jahre ausgeliehen, und viele weiter Spieler auch. Einige von diesen Talenten aber würden, wenn sie noch in Hamburg wären, dem HSV heute bestimmt noch gut zu Gesicht stehen.“

Dann fügt er hinzu: „Ich sage ja immer: Wenn du die Zukunft planen willst, dann musst du die Vergangenheit aufarbeiten. Und wenn man in die Vergangenheit gesehen hätte, als Kaltz, Memering, Kargus, Lübeke, später noch Hidien, Krobbach, Hochheimer, Eigl und, und, und, dazu dann Leute wie Wehmeyer, Hartwig und ich – und dass daraus dann eine erfolgreiche Mannschaft geworden ist, das wäre ein Weg gewesen. Denn letztlich wurde doch durch die jungen Leute der Grundstein für eine erfolgreiche HSV-Zeit gelegt. Diese jungen Leute waren hungrig, und wir alle haben viel und hart trainiert, wir sind immer über eine harte und vorbildliche Arbeit – dafür war Branko Zebec bekannt – zu den Erfolgen gekommen, das war der Grund für diese tolle und erfolgreiche Zeit. Und das wäre doch ein gutes Beispiel für die nachfolgenden Generationen gewesen. Wäre . . .“

Heute hat der HSV wieder eine junge Mannschaft. Und kann dieses Team eventuell einmal so explodieren, dass daraus ein Weg wieder zurück in die nationale Spitze wird? So wie zum Beispiel Borussia Dortmund einst explodiert ist? Horst Hrubesch ist skeptisch: „Dazu müsste schon etwas mehr passieren. Dafür müsste zunächst einmal ein Plan vorhanden sein. Du musst einen Weg vorgeben, du musst ein Ziel haben. Und dieses Ziel muss realistisch sein. Für mich wäre es realistisch, dass der HSV sich so festigt, dass man irgendwann mal wieder in Richtung Europa League gehen kann. Das wäre schon mal gut Dazu muss man aber erst mal eine sportliche Bestandsaufnahme machen – und dazu auch von der wirtschaftlichen Seite her. Dann weiß man, wo man steht, und dann kann ein Plan festgelegt werden . . .“

Und wenn man dabei feststellt, dass man kein Geld für Stars oder fertige Spieler hat, dann muss man sich eben um Talente bemühen. Und so eventuell zu seinem Glück gezwungen werden. In etwa versucht es der HSV ja auch heute so, und man wird sehen, wie erfolgreich dieser Weg verfolgt wird – und ob er letztlich zum Erfolg oder zu Erfolgen führen wird.

Am 13. Januar gibt es beim HSV die Wahlen in den Aufsichtsrat. Vier neue Mitglieder werden gewählt. Viele Fans stellen sich zur Wahl. Sorgt sich Horst Hrubesch um die Zusammensetzung des neuen Rates? Er sagt: „Das kann ich nicht einschätzen, und das kann ich ja ohnehin nicht beeinflussen. Das werde ich genauso abwarten müssen, wie es andere machen. Insgesamt ist es doch so: Die Bundesliga hat nachgewiesen, dass mit diesen Strukturen nicht zu arbeiten ist, der HSV ist aber einer der wenigen Vereine, der noch eine solche Struktur hat – oder vielleicht ist er inzwischen auch der einzige.“

Themenwechsel. Wie denkt Horst Hrubesch über Artjoms Rudnevs? „Der Junge muss sich erst noch an die Liga gewöhnen. Er ist nicht der Stürmer, der beweglich ist, der die Bälle vorne festmacht, der Bälle behauptet oder Tore vorbereitet. Ich kann ihn nicht abschließend beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass er arbeitet, dass er viel tun will, der viel gibt, der stets sein Bestes gibt, der immer einsatzbereit ist, der nicht am Boden liegen bleibt, wenn er mal gefoult worden ist – das rechnen ich ihm an, das macht er gut. Ob er letztlich mal 15 Tore in einer Saison schießen wird, das weiß ich nicht.“

Und was hat der HSV an diesem Saisonende erreicht? Hrubesch: „Ich gehe davon aus, dass er dort stehen wird, wo er jetzt auch steht. Ungefähr Platz zehn, vielleicht zwei Plätze nach oben – und wenn es ganz gut läuft, dann kann es auch ein internationaler Platz werden. Wenn es ganz gut läuft. Aber dazu müsste die Mannschaft auch erst einmal konstanter werden. Und es gibt ja immer noch, das darf nicht vergessen werden, in fast allen Mannschaftsteilen Baustellen. Nur im Tor nicht.“

Wie steht Horst Hrubesch der Debatte um die Pyro-Technik in den Stadien gegenüber? „Für mich ist es überhaupt kein Thema, solche Dinge gehören ganz einfach nicht in Fußballstadien. So einfach ist das. Wir haben es doch bei der WM 2006 im eigenen Lande gezeigt, dass es auch ohne geht. Da hat die Welt doch ein Fußball-Fest der ganz besonderen Art erlebt und gefeiert – ganz ohne Bengalos. Es geht doch. Und zum Glück halten ja jetzt auch viele Zuschauer inzwischen dagegen, wenn in einem Stadion gezündelt wird. Das ist doch ein gutes Zeichen.“

Ein gutes Zeichen ist es sicher auch, dass sieben Bundesliga-Klubs in diesem Winter international überwintert haben. Das ist Rekord. Und ein Zeichen für die großartige Entwicklung des deutschen Fußballs? Hrubesch: „Das ist auch ein Zeichen dafür, dass der Weg, den der DFB damals gegangen ist, mit den Landesverbänden, mit den Stützpunkten, mit den Leistungszentren in der Bundesliga, dass das sehr gut war. Aber ich warne davor, dass man annimmt, dass das immer so weiter geht. Man muss weiterhin viel dafür tun, hart dafür arbeiten, es darf sich nicht ausgeruht werden. Im Moment profitieren wir ganz einfach davon, was der DFB, die DFL und die Bundesliga in diesem Punkt vor zehn Jahren unternommen haben. Alle haben sich da eingebracht. Grundsätzlich ist mein Standpunkt, dass man nicht nur über das Talent viel erreicht, sondern man muss hart arbeiten Und man muss sich zu 100 Prozent in die Sache einbringen, nur so geht es, das allein ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Er hört danach auf, zu sprechen. Für eine gewisse Zeit. Und ich denke, er würde wohl gerne noch etwas mehr zu diesem Thema sagen, aber er sagt es nicht. Da schießt es mir durch meinen Kopf: „Vielleicht denkt Horst Hrubesch ja, dass sich heute längst nicht mehr alle zu 100 Prozent in eine Sache einbringen? Nicht nur beim HSV, aber eben auch.“ Er schweigt.

Bis zur nächsten Frage. Ein ganz anderes Thema: Ist der Tod des niederländischen Linienrichters ein Beweis dafür, dass der Fußball brutaler geworden ist? Horst Hrubesch sagt: „Das glaube ich nicht, solche Vorfälle hat es früher auch schon mal gegeben. Ich habe nicht das Gefühl, dass es in der Häufigkeit eine Steigerung gegeben hat.“

Dann kommen wir zum Schluss. Wie steht Horst Hrubesch zu impulsiven Trainern wie dem Freiburger Christian Streich oder auch dem Mainzer Thomas Tuchel? Sind ihm vielleicht ruhigere Trainer wie zum Beispiel Jupp Heynckes lieber? Hrubesch: „Ich bin froh, dass es solche unterschiedlichen Trainer-Typen gibt. Früher gab es auch einen Christoph Daum. Es waren immer verschiedene Trainer-Typen dabei, das macht den Fußball auch aus – und es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Fußball ist ein einfaches Spiel, aber es gibt unterschiedliche Methoden, um auch erfolgreich zu sein. Mich freut ein Mann wie Christian Streich. Der Mann arbeitet voller Leidenschaft, der Mann hat einen Plan und weiß genau, was er tut. Großartig.“

Ein schönes Schlusswort: großartig!

Obwohl, es gibt da noch zwei Dinge, über die noch geschrieben werden sollte.

Gojko Kacar zum Beispiel steht in Verhandlungen mit Hannover 96. Es soll eine Ablöse von zwei Millionen Euro im Raum stehen. Das wäre schön. Und ein guter Anfang in die Schlussverkaufs-Wochen.

Und dann liegt mir, ich gebe es zu, die Arroganz der Bayern im Magen. Sogar sehr. Hoffentlich verkrafte ich den Puter am ersten Weihnachtsfeiertag. Hoffentlich. Da beschwert sich nämlich nicht nur Fußball-Gott Rummenigge, euer Majestät, über den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (leitete Augsburg – Bayern) in unflätiger Art und Weise, nein, nun mischt sich auch noch die linke Hand des Fußball-Gottes, nämlich Matthias Sammer, ein. Ihn ärgert in der Diskussion, ob die Rote Karte für Franck Ribery gerechtfertigt ist oder nicht (der Franzose wurde für zwei Pokalspiele gesperrt), deshalb besonders, weil nicht über die schlechte Schiedsrichter_Leistung diskutiert wird. Wie bitte? das ist ja unfassbar, das schlägt ja dem Fass den Boden aus. Spinnen die beim FC Bayern nun total? Nur weil sie die Überflieger der Bundesliga sind? Da fehlt mir jegliches Verständnis. Was sind das nur für Menschen, die da in Bayern, haben die ganz allein für sich gepachtet, den Fußball erfunden zu haben? Die müssten doch ihren Trainer Jupp Heynckes jetzt glatt entlassen, weil dieser es doch gewagt hatte, nicht über den Schiedsrichter (Kinhöfer) zu pöbeln. Der DFB, der große DFB, diszipliniert alle und jeden, wenn es irgendetwas zu disziplinieren gibt, nun sollte er endlich auch mal etwas gegen diese selbstherrlichen Herren des FC Bayern unternehmen. Das geht doch schon lange nicht mehr. Rummenigge hat den Bogen doch schon viel zu oft und zu lange überspannt – und Sammer muss ganz offensichtlich nachziehen, damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät.
Nein, so geht es nicht, diese grenzenlose Arroganz muss mal und muss endlich einmal zurückgepfiffen werden.

Ihr Herren vom DFB, zeigt den Jungs aus Bayern mal die Zähne. Oder auch nur mal die Grenzen auf.

PS: Es ist eine Wohltat, dass sich Uli Hoeneß (noch) aus dieser Diskussion heraushält. Er ist eben schlau. Viel schlauer als andere Dummschwätzer.

16.49 Uhr

Fink: “Die Fahrt wird nach oben gehen.”

2. September 2012

„Van der Vaart, van der Vaart, van der Vaart. . . „ Sie klingen mir noch immer in den Ohren, die Gesänge der HSV-Fans am Freitag vor der Arena. Wie der „kleine Engel“ dort gefeiert wurde, das war schon sensationell. So war es nicht mal bei Ruud van Nistelrooy, so war es bei keinem anderen HSV-Spieler. Und der „Raffa-Hype“ wird so schnell auch nicht abebben. Beim Training am Sonntag waren mehr als 1000 HSV-Fans in den Volkspark gekommen, um den „Heilsbringer“ mal wieder mal in Hamburg am Ball zu erleben. Unglaublich, wirklich unglaublich – aber auch toll, super, gigantisch. Es ist fast so, als hätte der HSV am Sonnabend nicht mit 0:2 in Bremen verloren, es ist fast sogar so, als hätte dieses Spiel nie auch nur irgendeine Bedeutung gehabt. Wichtig ist in erster Linie Rafael van der Vaart. Und wenn der wieder mit der Rückennummer 23 auf den Rasen läuft, dann zählt es auch erst. Die beiden bisherigen Bundesliga-Spiele sind wohl doch nur unter Vorbereitung zu verbuchen, und die Vorbereitung verlief ja auch sehr holprig – jedenfalls in den Augen der Fans, nicht in den Augen der Verantwortlichen. Die jedoch haben ja schon immer exklusiv andere Dinge von ihrem HSV gesehen, die kaum mal ein HSV-Anhänger so gesehen hatte.

Um mal im Thema zu bleiben. Frank Arnesen hatte vor dem Spiel in Bremen mit „LIGA total!“ gesprochen. Hier das, was der HSV-Sportchef zur Lage des Vereins sagte:

Frank Arnesen zu Medienberichten, er sei in die Transferverhandlungen gar nicht richtig involviert gewesen: „Wir haben ein Vorstandsteam, jeder macht seinen Part und ich bin auch dabei gewesen. Am Ende ist aber nicht wichtig, wer was macht, sondern für mich ist wichtig, dass wir van der Vaart zurück haben. Ich hatte angesprochen, dass wir mehr Risiko gehen müssen. Und das haben wir glücklicherweise getan mit zwei sehr, sehr guten Verpflichtungen. Erstens mit Jiracek am Mittwoch und im letzten Moment mit van der Vaart. Also zwei Spieler, bei denen Vorstand und Aufsichtsrat vor zwei Wochen gesagt haben, dass wir da kein Geld für haben. Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass da alle mit mir mitgegangen sind und es mit den zwei Verpflichtungen geklappt hat!“

Der 55-Jährige zu dem Gerücht, dass van der Vaart gegen seinen Widerstand geholt worden sei: „Jeder der Ahnung vom Fußball hat, würde niemals nein zu van der Vaart sagen!“

Der Däne zeigte sich sehr zufrieden mit den Neuverpflichtungen, zeigte aber auch Verständnis für die Kritik an seiner Person ob des schlechten Saisonstarts: „Wir haben eine sehr, sehr gute Transferperiode abgeschlossen mit acht Verpflichtungen. Ich bin sehr, sehr zufrieden damit! Vor einem Jahr haben wir einen ganz großen Umbruch gemacht – das dauert nicht nur ein Jahr, sondern ein paar Jahre. Und da kommt dann natürlich auch immer Kritik. Das ist normal. Damit habe ich auch gar kein Problem. Wenn wir mit zwei Niederlagen starten und keine Fortschritte erkennbar sind, dann kriege ich Kritik – und das völlig zu Recht! Ich glaube aber, dass wir nun mit Badelj, Jiracek und van der Vaart […] nicht nur einen, sondern drei Schritte weiter sind!“

Das mit den Schritten ist ja so eine Sache. Laut Frank Arnesen sollten auch die jungen Leute von der vergangenen Saison gelernt haben und – so der Sportchef, „gleich einige Schritte nach vorn“ gemacht haben. Das war das Wunschdenken. Die Wahrheit sieht aber so aus, dass diese Schritte nach vorn noch ausgeblieben sind. Das ist bestens am Beispiel Jeffrey Bruma fest zu machen. Der Niederländer gibt sich zwar stets die größte Mühe, spielt meistens auch absolut solide und mit Erstliga-Niveau, aber er hat immer ein, zwei oder auch drei Dinger dabei, die noch nicht mal als amateurhaft zu bezeichnen sind. Siehe den Elfmeter, den er gegen Elia verursacht hat. Ein Wahnsinn war das! So darf nicht mal ein Spieler in der Kreisklasse in einen Zweikampf gehen. Rückwärts laufen, Fahrt mit Elia aufnehmen, den Stürmer stellen und abwarten, was der machen will. Bruma aber fährt unmissverständlich die Sense aus. Unglaublich. Und das ja nicht zum ersten Mal. Das muss er noch lernen, um dann einige Schritte nach vorn zu machen.

Ich habe mich jetzt mal an jene HSV-Zeiten erinnert, als des dem Klub auch nicht gerade so gut ging – von der Tabelle her gesehen. Anfang der 70-er-Jahre, als die Talente wie Manfred Kaltz, Rudi Kargus, Caspar Memering, Peter Lübeke, Peter Krobbach, Peter Hidien und Co verpflichtet worden sind. Nur mal so zur Erinnerung: Ein Nobody und „Milchgesicht“ wie Kaltz spielte in seiner ersten Bundesliga-Saison fast alle Spiele. Nur zweimal war er von 34 Begegnungen nicht dabei. Von der A-Jugend direkt in Liga eins. Und ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass der große Kaltz mal solche „Aussetzer“ gehabt hat wie sie ein Nationalspieler wie Jeffrey Bruma pro Spiel ein, zwei oder drei Mal hat.

Ich sage es gerne nochmals: Bruma spielt meistens solide und auch gut, aber diese Blackouts sorgen stets dafür, dass er sich um eine bessere Benotung bringt. Wobei ich die Benotung nicht wörtlich genommen meine, vielmehr geht es darum, dass jeder, ob Trainer, Experte oder Fan, nach dem Spiel von ihm sagt: „Der Bruma war ohne jede Einschränkung klasse und fehlerfrei.“

Natürlich weiß ich, dass auch die „älteren Hasen“ des HSV nicht ohne jeden Fehler sind. Heiko Westermann begann die Partie an der Weser katastrophal, da waren vier, fünf Dinger dabei, die eigentlich nicht passieren dürfen. Nach einem Eckstoß legte er die Kugel unfreiwillig vor, Prödl schoss aus vier Metern, doch Rene Adler wehrte großartig ab. Das hätte ein Tor sein müssen. Und dann hätten am Ende dieses Tages nicht nur Bruma, Dennis Aogo und Petr Jiracek mit ihren individuellen Patzern als die Sündenböcke gegolten, sondern auch der Kapitän.

Westermann sagte nach der 0:2-Miederlage (völlig berechtigt): „So, wie wir uns hier in der zweiten Halbzeit präsentiert haben, so dürfen wir uns einfach nicht präsentieren.“ Stimmt. Aber das gilt für alle (bis auf Adler). Die haarsträubenden Fehler passen eigentlich nicht in die Erste Liga, und so lange sich die HSV-Defensive solche Schnitzer erlaubt, so lange wird der Verein auch nur unten herumkrebsen – van der Vaart nun hin, van der Vaart nun her. Der wird nicht zu retten haben, wenn solche schlimmen Sachen stets für zwei, drei Gegentore sorgen.

Und weil ich immer danach gefragt werde (im Blog): Selbstverständlich ist Dennis Aogo auch schwer zu tadeln – wegen seines Fehlers beim zweiten Elfmeter. Der Nationalspieler läuft seiner Bestform immer noch hinterher, das steht fest, und dennoch ist er für mich schon immer einer jener HSV-Spieler, die den Abstiegskampf und die prekäre Situation voll verinnerlicht haben, die Verantwortung im Team übernehmen wollen. Vielleicht ist es sogar inzwischen so, dass Aogo mehr darauf achtet, dass es in der Mannschaft stimmt, anstatt sich zu 100 Prozent nur auf sein eigenes Spiel zu konzentrieren. Es ist nur der Versuch einer Erklärung, es muss nicht so sein, aber hätte Aogo in Bremen nicht diesen „Klops“ gehabt, so wäre sein Spiel (überwiegend gegen Arnautovic) doch mindestens als solide zu bezeichnen gewesen. So aber, mit diesem Fehler, stößt er nicht nur das mit dem Hintern um, was er sich bis dahin als gut aufgebaut hatte, so bringt er sich auch wieder mehr in die Bedrouille, denn er weiß natürlich, dass auch er mal konstant 100 Prozent abliefern muss. Um eine Stütze der HSV-Mannschaft zu bleiben (oder wieder zu werden), und um auch wieder einmal ein Mann für „Jogi“ Löw werden zu können.

Alles eine Sache der Konzentration? Ganz sicher auch eine physische Sache. Ich sehe gerade Wolfsburg gegen Hannover 96. Die Slomka-Truppe (was für ein Super-Team) hat am Donnerstag noch ein Europa-League-Spiel gehabt, aber – meine Herren – was gibt diese Mannschaft Gas! Da war eben ein Wolfsburger Rückpass auf Torwart Benaglio, und was machen die Hannoveraner? Die attackieren den VfL-Keeper am Fünfmeterraum! Warum ich das schreibe? Hannover hat die Kraft dazu. Die attackieren alles. Egal wo. Aber dazu muss man auch die Kräfte haben. Hannover hat sie. Fußball ist ein Laufspiel. Ich sehe beim HSV keinen Angreifer, der nach einem Rückpass des Gegners den Torwart an dessen Fünfmeterraum attackiert. Natürlich gehört so etwas auch zur Philosophie eines Trainers, und wenn Thorsten Fink so früh nicht angreifen lassen möchte, dann haben sich die Spieler auch danach zu richten – klarer Fall. Dennoch ein aber: In Bremen sah es doch nach dem 0:2 in der 67. Minute so aus, dass viele Hamburger Köpfe gen Rasen hingen – nicht so viel ging mehr.

Um es mal ganz klar zu sagen: Ich wünschte mir eine HSV-Mannschaft, die bis zur 90. Minuten Gas geben kann, die grätscht, die rackert, die rennt, die sprintet, die attackiert, die beißt, die will, die alles aus sich heraus holt. Bis zur 90. Minute. Und das habe ich leider schon so lange nicht mehr gesehen. Schade.

Wobei ich ja mit dem HSV-Spiel über weite Strecken durchaus einverstanden war. Gegenüber Karlsruhe und Nürnberg war das eine Steigerung, eindeutig. Aber die Verantwortlichen müssen sich eben auch vor die Brust klopfen und sich fragen, ob das schon alles gewesen ist? Wieder kein Tor. Trotz guter und bester Möglichkeiten. Das allein ist keine so große Überraschung, denn alle haben in den letzten Wochen bereits erkannt, wie harmlos dieser Hamburger Angriff ist. Die Fragen sind doch jetzt die: Wen soll Rafael van der Vaart in Szene setzen, wen soll vorne anspielen, wen soll er steil schicken? Sodass ein solcher Pass auch Sinn macht – soll heißen, dass er einen Abnehmer findet, der daraus etwas „machen“ kann. Diesen Stürmer muss der HSV wohl erst selbst noch „ausgraben“.

Obgleich ich ja sehr wohl gute Ansätze bei Artjoms Rudnevs gesehen habe (haben will). Der Lette hatte ja die besten Hamburger Chancen, vielleicht war es seiner Nervosität zuzuschreiben, dass er sie noch vergab. Eventuell mag ja noch der Knoten (nach seinem ersten Treffer) bei ihm platzen, noch aber ist dieser Angriff ein großer Schwachpunkt der Hamburger – ganz egal, wie sich der Lette auch bewegt und bemüht.

Und natürlich ist auch die mangelnde Unterstützung für Rudnevs ein aktuelles Thema. Außer von Marcell Jansen über links kommt da nicht so viel. Ein absolutes Rätsel ist mir immer noch die Vorstellung von Heung Min Son. In Karlsruhe erschütternd, gegen Nürnberg ein Fast-Totalausfall, gegen Bremen ebenso. Bild-Note „sechs“ gab es für diese „Leistung“. Ich finde es ja mutig, wie Thorsten Fink an dem Südkoreaner festhält. Aber es ist irgendwie auch keine Überraschung. Wir hatten am Sonnabend ja „Matz ab live“ aus dem „Champs“, da war HSV-Torwart (Nummer vier?), Sven Neuhaus, mit von der Partie. Neuhaus, um das schnell noch einmal einzuflechten, war ein großartiger und eloquenter Gast (wie auch „HSVDonald“ – hat Spaß gemacht!), und er lobte nach der Sendung explizit Heung Min Son. Der erfahrene Keeper hat geradezu geschwärmt von seinem jungen Kollegen, dass der alles könne, dass er im Training die sensationellsten Dinge drauf hat – und dass er in einer super funktionierenden Mannschaft wie beispielsweise Bayern oder Dortmund sicher eine großartige Rolle spielen würde.

Kann ja sein, aber nur eben nicht beim HSV. Weil da so gut wie noch nichts funktioniert? Vielleicht muss ja der junge Son, der ja auch erst 19 Jahre alt ist, mal in den Angriff, wo er dann von van der Vaart bedient werden könnte. Und schnell ist er ja. Und eigentlich ja auch ganz kaltschnäuzig vor dem Tor des Gegners. Aber rechts? Nein, das ist offensichtlich nicht seine Position, da hat er sich eher zurückentwickelt – statt einige Schritte nach vorn zu machen.

Und vielleicht kommt über rechts ja auch bald mal Maximilian Beister (in Fahrt)? Auch er gibt mir noch Rätsel auf. Er will wohl, und weil er es auf Biegen und Brechen will, reagiert er über. Kommt rein und schießt aus gefühlten 120 Metern auf das Werder-Tor. Das muss er sicherlich dem Trainer mal erklären. Dennoch denke ich, dass es mal einen Versuch wert wäre, Beister mal in einigen Spielen „durchzuziehen“ wie zuletzt Son. Der freche „Maxi“ geht (oder ging?) doch ab wie Schmidts Katze, er geht dorthin wo es weh tut, er ist auch richtig heiß darauf, (endlich) ein Tor zu machen – eigentlich brennt er doch nach allen Regeln der Kunst. Wenn er dann, wenn er eingesetzt wird, mal seinen Kopf hoch nehmen würde, etwas mehr kaltes Blut durch seine Adern fließen lassen würde (ich weiß, leicht gesagt) und auch etwas mehr taktischen denken würde (nämlich nach hinten), dann müsste es doch eigentlich was werden mit ihm. Eigentlich.

Ja, so gibt es eben noch einige Baustellen beim HSV, die zu beheben oder zu beenden sind. Viel, viel Arbeit noch für Thorsten Fink und auch für Frank Arnesen, der sich als Sportchef ja durchaus mit einbringen darf und kann – wenn er etwas sieht, was nicht so läuft, wie er sich das vorstellt.

Gut für den HSV: Zugang van der Vaart wurde nicht für die beiden Länderspiele der niederländischen Nationalmannschaft nominiert. Deswegen kann er mit seiner neuen (und alten?) Umgebung ausgiebig trainieren, damit es dann am 16. September beim Auswärtsspiel in Frankfurt was wird – mit dem ersten Punkt. Auf die Nationalmannschaft, und zwar auf die kroatische, hat auch Milan Badelj verzichtet, der Mittelfeldspieler erlitt in Bremen eine Oberschenkelzerrung und musste zur Pause in der Kabine bleiben. Zugang Petr Jiracek, der sich in einem Duell mit Arnautovic früh verletzt hatte, flog dagegen zur tschechischen Nationalmannschaft.

Apropos Länderspiel-Pause. Thorsten Fink sagte in Bremen: „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht für uns, dass es diese Pause jetzt gibt.“ Der HSV wird zweimal in dieser Woche gegen Amateure testen. Am Dienstag um 18.30 Uhr in Schwarzenbek, und am Freitag um 18.30 Uhr beim Oberliga-Klub TSV Niendorf, wo „uns Scholle“ ja der „Macher“ ist. Bei beiden Begegnungen ist wohl damit zu rechnen, dass Rafael van der Vaart mit von der Partie ist – was zweimal „volle Hütte“ für die Amateure bedeuten würde. Herzlichen Glückwunsch!

Van der Vaart könnte sich dabei natürlich schon auf sein neues Team einstellen. Ob er dann aber schon gegen Eintracht Frankfurt zur alten Stärke wird auflaufen können, das steht in den Sternen. Aber immerhin traut ihm Marcell Jansen viel zu, denn der Mittelfeldspieler sagte in Bremen: „Rafael hätte gegen Werder die Bälle so gespielt, dass es den Bremern richtig wehgetan hätte.“ Und Heiko Westermann blickte schon mal optimistisch voraus. „Wir freuen uns, dass er da ist. Natürlich erhoffen wir uns einiges von Rafael, aber er wird keine Wunder vollbringen können.“ Nein, natürlich nicht, da muss schon der ganze Rest der Truppe tüchtig und fehlerfrei mitziehen. Thorsten Fink sagte über den Niederländer: „Er kann die Last ganz sicher nicht allein tragen, das muss man schon verteilen, Rafael ist sicher ein sehr guter Fußballer, und darauf muss er sich nun trotz des ganzen Hypes um ihn voll konzentrieren.“ Eine echte Herausforderung. Fink sagt aber auch voller Überzeugung: „Ich hoffe, dass wir mit Rafael effektiver werden. Wir können uns im Moment nicht selbst belohnen. Rafael aber kann Tore schießen und vorbereiten, und er macht auch mal zur rechten zeit den Mund auf.“ Auch das wird helfen.

Obwohl der 29-jährige Niederländer selbst ein wenig einschränkt: „Ich allein werde das sicher nicht stemmen können, das müssen wir schon gemeinsam machen. Ich bin aber sicherlich ein guter Spieler und glaube auch, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.“ Das hat er am Tag nach dem Spiel in Bremen gesagt. Zu der Niederlage befand die „ewige 23“: „Natürlich war das enttäuschend, aber in Bremen ist es immer schwer, da kann man verlieren.“ Er sagte aber auch: „Unsere Spieler haben viel Qualität und ich sehe viel Talent. Nur das Selbstvertrauen fehlt. Wir müssen jetzt ganz schnell den Spaß am Spiel wiederfinden – ich jedenfalls habe immer Spaß am Fußball.“

Vielleicht auch deswegen blickt Trainer Fink den nächsten Wochen und Monaten optimistisch entgegen: „Einem Rafael van der Vaart muss ich eh keine tausend Dinge mehr über den Fußball erklären, auch Badelj und Jiracek sind clevere Spieler. Ich denke, dass wir jetzt schnell in Tritt kommen werden und die Fahrt nach oben geht.“

Diese Sätze bitte in die Gehörgänge des Fußball-Gottes.

In diesem Sinne, einen wunderschönen Abend noch für euch.

Daumen hoch. Nur der HSV!

18.11 Uhr

Hat der HSV ein Torwart-Problem?

5. September 2011

In der Ruhe liegt die Kraft. Und da der HSV heute, an diesem noch schönen Montag, einen Frei-Tag genießen konnte, war wohl auch Kraft tanken angesagt. Muss ja nichts Schlechtes im Hinblick auf das Werder-Spiel bedeuten . . . Für alle, die sich über diesen freien Tag aufregen sei gesagt, es ist der einzige freie Tag in dieser Woche. Und einen Tag mit der Familie sei den Jungs ja wohl zu gönnen. Obwohl ich, das gebe ich zu, auch eher einer bin, der bei einer besonderen Situation auch besondere Maßnahmen ergreifen würde. Okay, ich habe nur einmal die B-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes erworben (gemacht, nicht gekauft), aber wenn ich jetzt Trainer des HSV wäre, dann würde ich alle Register ziehen, damit der Klub aus der Misere kommt. Ich habe es kürzlich schon in einem Interview mit HH1 gesagt, ich würde es so machen: „Trainieren, trainieren, trainieren, trainieren.“ Felix Magath würde es wohl auch so machen, aber da ist eben jeder Trainer anders. Und bevor es hier wieder heißt, dass ich auf Michael Oenning losgehe: Der jetzige HSV-Coach lässt nicht mehr und nicht weniger trainieren, als alle seine Vorgänger in diesem Jahrtausend. Und auch als fast alle im alte Jahrtausend.

Themawechsel. Noch immer beschäftigt die angespannte Lage des Tabellenletzten die HSV-Fans. Ich bekomme täglich viele Anrufe und Mails, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Eine Mail möchte ich – auszugsweise – einmal veröffentlichen. Sie dreht sich um ein ganz spezielles Thema:

„Nach den letzten Ergebnissen werden meine Sorgen immer größer. Zumal
der HSV offenbar nun ein massives Torwartproblem hat.
Ich bin ja sehr von dem australischen Torwart angetan, der bei Dortmund auf
der Bank sitzt. Der hat letzte Saison seine Sache beim Spiel gegen die
Bayern in München sehr gut gemacht. Mitchell Langerak. Wer von der Bank
kommt und in der Allianz Arena gegen die Bayern so die Nerven behält, der
kann auch was.“

Nun ist es ja so, dass die Transferliste geschlossen ist. Es ist also müßig, über Langerak nachzudenken. Was mich bei diesem Thema aber bewegt: Ich kann es immer noch nicht fassen, warum sich der HSV von Wolfgang Hesl getrennt hat. Aber das ist wohl ein ganz anderes Thema.

Die Frage aber, ob der HSV nun ein Torwart-Problem hat oder auch nicht, die stellen sich in diesen Tagen viele Fans. Und nicht nur sie. Ich habe deshalb mit drei „Altmeistern“ gesprochen: Horst Schnoor (77), Jupp Koitka (59) und Rudi Kargus (59). Sie alle verfolgen den HSV, ihren HSV noch immer ganz genau, und sie achten dabei naturgemäß auch immer (ganz besonders) auf ihre Nach-Nachfolger.

Und? Hat der HSV nun ein Torwart-Problem, Horst Schnoor? Der Mann, der über 15 Jahre (!) die Nummer eins des HSV war, der 1960 mithalf, den Meistertitel nach Hamburg zu holen (und den Pokalsieg 1963), sagt: „Wenn man das betrachtet, was bisher passiert ist, dann muss man feststellen, dass das nicht allzu gut aussieht. Ob sich das aber zu einem Problem entwickeln wird, das weiß ich noch nicht, das will ich erst noch abwarten.“ Schnoor, ein großer Befürworter von Frank Rost, sagt aber auch: „Ich will gar nichts gegen Torhüter sagen, denn die haben es besonders schwer. Beim HSV zum Beispiel kann es doch nicht angehen, dass man gegen den 1. FC Köln vier Gegentreffer in einem Heimspiel kassiert. Das liegt auch an der Abwehr, das liegt gewiss nicht nur an Jaroslav Drobny.“

Von HSV-Torhüter Nummer zwei, Tom Mickel, war Horst Schnoor in der Vorbereitungsphase begeistert: „Da hat er mir gefallen, gar keine Frage. Da habe ich auch gedacht, dass das ein junger Mann ist, den man bedenkenlos zwischen die Pfosten stellen kann. Wenn ich aber nun lese, dass er beide Gegentore in Luzern verursacht hat, dann werde ich vorsichtig.“

Wobei Schnoor von der heutigen Torwart-Generation beeindruckt ist, tief beeindruckt sogar: „Der Neuer ist inzwischen ja schon ein alter Hase, aber es kommen ja schon viele gute Leute nach. Hannovers Zieler zum Beispiel, ter Stegen aus Mönchengladbach, Stuttgarts Ulreich, Kaiserslauterns Trapp, der Leno aus Leverkusen – super Leute. Die spielen mit, die stehen weit vor ihrem Tor, sind fußballerisch stark, gehen mutig raus bei Flanken – Hut ab.“

Ähnlich sieht das Rudi Kargus, der von 1971 bis 1980 HSV-Keeper war: „Die jungen Leute von heute sind schon stark, die interpretieren das Torwartspiel völlig neu, sind damit aufgewachsen, das ist schon gut anzusehen. Nur das hilft dem HSV nicht großartig weiter, wenn man die jungen Leute der anderen Klubs hervorhebt.“ Und? Hat der HSV ein Torwart-Problem? Kargus windet sich, möchte nichts Schlechtes sagen. Dann aber entfährt es ihm: „Ich sage das aus weiter Entfernung, denn ich sehe ja auch kein Training. Das aber, was da bislang in den Spielen gelaufen ist, hat nicht gerade gut ausgesehen.“ Der frühere Nationaltorwart weiter: „Da kann man nur – auch für den HSV – hoffen, dass sich Jaroslav Drobny schnell findet und die Kurve kriegt. Es liegt wohl auch daran, dass er ein Jahr nicht gespielt hat. Wenn er nun immer eingesetzt wird, dann wird er sich wohl fangen. Ich hoffe es jedenfalls für ihn, denn ich habe ihn kürzlich kennen gelernt, er ist ein sehr netter Kerl.“

Dass Drobny „schon“ 31 Jahre alt ist, das spielt für Rudi Kargus keine Rolle: „31 ist ja kein Alter für einen Torwart, da hat man genügend Erfahrungen gesammelt, dafür gibt es doch auch in der Bundesliga genügend gute Beispiele.“

Macht sich Rudi Kargus generell Sorgen um den HSV? „Ja, das kann man schon sagen. Dieser Start gibt Anlass zur Sorge, keine Frage. Die Situation ist sehr schwierig, für mich entscheiden die nächsten Wochen darüber, wohin es mit dem HSV gehen wird. Es müssen jetzt Punkte her, dafür muss alles getan werden.“ Um den erstmaligen Abstieg zu vermeiden.

Es wäre der Super-GAU. Obwohl es den, ich weiß, gar nicht gibt. Aber mit diesem GAU beschäftigt sich auch Jupp Koitka, der zweimal (1980 – 82 und 1987 bis 90) HSV-Torwart war. Macht er sich Sorgen um seinen HSV? „Ich habe neulich, als meine Frau und ich den HSV im Fernsehen verlieren sahen, zu ihr gesagt: Diesmal schaffen sie es, diesmal gehen sie runter . . .“ Obwohl er es sich wünschen würde, dass er Unrecht hat.

Und? Hat der HSV ein Torwart-Problem? Jupp Koitka diplomatisch: „Dazu sage ich nichts.“ Dann beurteilt er Jaroslav Drobny doch: „Er war in Bochum und bei Hertha BSC ja ein erstklassiger Mann zwischen den Pfosten, er kann es doch nicht verlernt haben . . .“ Es liegt wohl auch an der einjährigen (Zwangs-)Pause, die Drobny hinter Frank Rost verbringen musste. Koitka: „Ohne Spielpraxis verliert ein jeder seine hundertprozentige Stärke. Wer das nicht wahrhaben will, wer das nicht sehen will, der hat keine Ahnung vom Torwartspiel.“ Für Koitka steht fest, dass Drobny auch deswegen in der Kritik steht, weil der HSV eine völlig neue Mannschaft aufbauen muss: „Da ist ja nicht nur die Abwehr neu, sondern gleich alles. Das muss sich erst noch finden. Dann wird auch Drobny wieder besser. Obwohl ich sagen muss: Es passt beim HSV im Moment vieles nicht, das gesamte Drumherum stimmt einfach nicht.“

Auf jeden Fall aber rät Koitka Trainer Michael Oenning, jetzt weiter an Jaroslav Drobny festzuhalten: „Der Coach hat sich für ihn als Nummer eins entschieden, da kann er sich nicht nach vier Spieltagen schon wieder anders entscheiden, dann muss er das auch durchziehen. Alles andere wäre falsch. Es sei denn, Drobny leistet sich nun in den nächsten Spielen Klops auf Klops.“

Das aber will niemand hoffen.

Übrigens: Jupp Koitka war lange Jahre DFB-Trainer für alle Nachwuchstorhüter. Er kennt sie alle, die Schlussleute in Liga eins und zwei, denn alle sind durch seine Hände gegangen. Und er ist HSVer. Zwar nicht in Hamburg lebend, aber immer noch mit der Raute im Herzen. Wenn nun alles schieflaufen sollte, dann dürfte sich der HSV ruhig einmal an Koitka halten, er könnte nicht nur entsprechende Tipps geben, er hätte sicherlich auch die eine oder andere Telefonnummer . . . Wie gesagt, wenn es nicht nach Wunsch laufen sollte. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah? Mit Horst Hrubesch verhält es sich ja ähnlich. Auch er HSVer durch und durch, auch er kennt jeden jungen Knaben, der in diesen Monaten und Jahren von unten nach oben will. Und die Telefonnummern von diesen beiden HSV-Urgesteinen hat zwar nicht jeder im HSV, aber einer ganz sicher: Bernd Wehmeyer. Wäre mal ein Versuch wert.

Übrigens: Nicht nur mit Horst Schnoor, Jupp Koitka und Rudi Kargus sprach ich heute, sondern auch mit Radio-Supermann und –Legende Manfred „Manni“ Breuckmann. Nicht nur über die Bundesliga allgemein, sondern auch speziell über den HSV. Der gute „Manni“ sagte zum Abschluss: „Macht in Hamburg keinen Mist, entlasst den Michael Oenning bloß jetzt nicht. Gebt ihm Zeit, denn die gesamte Mannschaft ist im Umbruch, da hätte es jeder Trainer schwer. Und wer sollte es dann, wenn Oenning gehen müsste, richten? Funkel? Stevens? Ich kann nur jedem in Hamburg raten: haltet durch.“ Und er hat auch gleich ein Beispiel aus seiner näheren Umgebung parat: „Vor einem Jahr hatte Fortuna Düsseldorf sechs Spiele in Folge verloren. Sechs Spiele. Trotz allem hielt der Klub an Trainer Norbert Meier fest. Und nun? Wo steht die Fortuna heute? Genau. Die schicken sich an, in die Erste Bundesliga aufzusteigen. Mit Meier. Als ist meine Empfehlung: Haltet länger an euren Trainern fest, denn wer weiß, wie es mit einem neuen Mann laufen wird?“

Richtig, „Manni“. Der HSV hat ja auch versprochen, Geduld zu bewahren.

So, ich bin am Ende. Am Dienstag wird im Volkspark zweimal (10 und 15 Uhr) geübt – alles für Bremen. In diesem Sinne, ich wünsche allen einen wunderschönen Feierabend. Mit viiiiiiiiiiiiiel Geduld.

18.06 Uhr

Heese: “Dieser HSV spielt herzlosen Fußball”

19. Dezember 2010

Fußball? Geht noch nicht so richtig wieder. Obwohl ich mir alles am Sonnabend angesehen habe, und jetzt auch die Zweite Liga parallel läuft. In der Redaktion, wohl gemerkt. Wenn mich aber Kolleginnen und Kollegen auf Fußball ansprechen, winkte ich (noch) ab. Und speziell diese drei großen Buchstaben sollten noch unerwähnt bleiben . . . Ich bin immer noch auf der Suche, welches Spiel der Hinrunde schlechter war: St. Pauli, Dortmund oder Mönchengladbach. So langsam tendiere ich zu letzterem Auftritt, obwohl auch die anderen beiden Partien als Grottenkicks in die Geschichte eingegangen sind. Und nun, wo in dem kurzen Winterpäuschen die Weichen für 2011 und für die Rückrunde gestellt werden (müssen), rätsele ich, was dem Klub am besten hilft. Es wird ja vor allen Dingen ein Innenverteidiger gesucht, aber ist es das allein? Nur ein Abwehrspieler? Für mich fehlt ein anderer Mann. Und der fehlt viel dringender. Und vom Typ her habe ich ihn an diesem Wochenende gefunden. Es müsste einer vom Typ Horst Heese kommen. Die jungen Anhänger werden ihn kaum kennen, die älteren Fans aber gewiss: Heese ging in der Saison 1972/73 als Retter des HSV in die Geschichte ein.

Der Mann ging dorthin, wo es wehtat. Er schonte weder sich, noch seine Gegenspieler. Heese wurde im Winter 1972 von Eintracht Frankfurt verpflichtet, der HSV stand seinerzeit auf dem letzten Tabellenplatz in Liga eins. Der Abstieg drohte. Auch deshalb, weil in der Mannschaft kein Leben herrschte. Es gab zwar einige klangvolle Namen in diesem Team, aber es griff kein Rädchen ins nächste. Manfred Kaltz, Franz-Josef „Bubi“ Hönig, Willi Schulz, Klaus Zaczyk, Peter Nogly, Ole Björnmose, Caspar Memering, Peter Hidien und die Torhüter Arkoc Özcan und Rudi Kargus – das waren doch gute Leute. Aber es stimmte in dieser Truppe nicht. Trainer Klaus Ochs stand vor einem Rätsel. So ähnlich, wie es sich heute für Armin Veh darstellt. Der HSV von 1972 und von 2010 ist durchaus vergleichbar, auch wenn die Zeiten im Fußball längst ganz, ganz andere geworden sind – und natürlich nicht mehr vergleichbar sind. Nur eines zählt noch immer: Teamgeist. Damit kann immer noch etwas, immer noch viel erreicht werden.

Horst Heese kam damals, zeigte Herz, Leidenschaft, ging voran – und riss alle aus ihrem Dornröschenschlaf. Heese war robust, kernig, ein Grob-Techniker und ein Kämpfer vor dem Herrn, der zudem nicht auf den Mund gefallen war. Wo auch immer etwas zu sagen war, Heese war dabei. Und er erinnert sich an die damaligen Probleme: „Georg Volkert war ein riesiger Spieler, aber er hatte in Hamburg mit den Fans zu kämpfen, weil er dem Helden Charly Dörfel den Posten weggenommen hatte. Zudem gab es in dieser HSV-Mannschaft einige Spielerfrauen, die sich untereinander nicht grün waren. Sie sprachen nicht miteinander, also sprachen auch die entsprechenden Ehemänner nicht miteinander. Und in einem solchen Klima kann sich kein Teamgeist entwickeln.“

2010 ist es ähnlich. Auch wenn die Probleme ganz sicher andere sind, denn ich denke mal, dass sich Spielerfrauen von heute gar nicht mehr groß untereinander kennen.

Horst Heese hatte damals die Situation erkannt, und er handelte so, wie er es als Teamplayer immer gewohnt war: „Der Willi Schulz und ich, wir waren Typen aus dem Westen, wir haben dann den Laden aufgemischt. Und irgendwie waren alle anderen Mitspieler froh, dass wir die Initiative ergriffen haben. Wir haben Kerle aus den Kollegen gemacht: Da wurde fortan nicht mehr, wenn es kalt war, mit Strumpfhosen gespielt, es gab auch keine Handschuhe, im Gegenteil, da wurden die Ärmel aufgekrempelt – es ging nur noch zur Sache.“ Heese holte den HSV von ganz unten raus, weil er vorbildlich voran marschierte: „Ich habe den Mitspielern gezeigt, dass man mit dem entsprechenden Willen wirklich Berge versetzen kann.“ Undenkbar für die heutige Zeit: Es wurde sogar ein Mannschaftsabend eingeführt. Einmal in der Woche, immer montags, trafen sich alle HSV-Profis in der Kneipe von Arkoc Özcan. Da wurde gesprochen, gesabbelt, geflachst – und gesungen. In der Tat: Sogar Trainer Klaus Ochs erschien gelegentlich mit der Gitarre, und dann ging es hoch her. Heese erinnert sich: „Wenn Willi Schulz ‚Hoch auf dem gelben Wagen’ sang, hatten wir Hochstimmung.“ Der HSV landete letztlich noch auf Rang 14.

Und heute? Horst Heese lebt nach wie vor in Eupen (Belgien). Und er ist nach wie vor mit dem HSV verbunden. Er telefoniert noch oft mit früheren Mitspielern, er ist im ost-belgischen HSV-Fan-Klub Ehrenmitglied, und er sieht sich „seinen“ HSV stets im Fernsehen an. So wie am Freitag. Den Kick in Mönchengladbach. Sein Urteil fällt dramatisch schlecht aus: „Diese Vorstellung war erschreckend. In dieser Mannschaft steckt kein Leben. Wenn sich der eine oder andere Spieler mal aufregt, dann nur über den Schiedsrichter. Aber das eigene Unvermögen wird stets außer Acht lassen. Das ist peinlich.“ Heese weiter: „Dabei stecken doch so viele tolle und große Namen in diesem Kader. Eine solche Mannschaft hätte ich gerne mal trainiert, aber ich hatte nur Gurkentruppen . . .“

Horst Heese ist aber noch nicht am Ende mit seiner gnadenlosen Beurteilung des HSV 2010/11: „Ich habe das Gefühl, dass sich einige Spieler für Weltklasse-Profis halten, da spielen viele Leute, die denken, dass sie Weltmeister sind. Dabei sind die meisten Nieten . . .“ Und: „Da ist keine Seele im Team erkennbar, da zeigt kaum einer Herz für die Raute, wenn es zur Sache gehen müsste, lassen sie lieber den Nebenmann machen. Das nenne ich Dienst nach Vorschrift. Wenn ich allein den Torjubel sehe. Das ist doch keine echte Freude, das kann mir doch niemand erzählen. Das ist doch alles viel zu künstlich.“ Harte Worte, aber Horst Heese hat in seinem Leben niemals Kompromisse gemacht. Er sagt auch: „Die Spieler scheint auch gar nicht zu interessieren, ob sie Siegprämien kassieren können oder nicht. Die scheinen es gar nicht mehr nötig zu haben, auf Prämienjagd zu gehen, denn die verdienen ihre Millionen ja auch schon als festes Gehalt. Die haben heute doch gar keine Zukunftsängste mehr, wenn der HSV absteigen sollte, dann spielen sie eben woanders. Ganz bitter ist das.“

Dann führt Horst Heese noch ein Beispiel an, das dem einen oder anderen von Euch gewiss nicht gefallen wird: „Ich habe auch St. Pauli gegen Mainz gesehen. Die Braunen haben gekämpft wie die Löwen. Im Gegensatz zum HSV. Die Stanislawski-Truppe war immer in Bewegung, die sind hinter jedem Ball her marschiert. Ich will es mal so sagen: St. Pauli spielt mit Herz, der HSV spielt herzlos.“

Was aber kann er dem HSV raten, damit es in der Rückrunde wieder bessere Spiele und vor allem auch erfolgreichere gibt? Heese, der am 31. Dezember 67 Jahre alt wird: „Der HSV muss irgendwann einmal konsequent sein, er muss sich von dem einen oder anderen Spieler trennen, ganz klar. Diese Saison muss der Klub abhaken, und dann muss mit dem Rasieren begonnen werden. Und zwar rigoros. Die Stinkstiefel müssen aussortiert werden. Dringend. “ Hat er Namen auf Lager? Heese: „Der erste Spieler, der bei mir fliegen würde, wäre Paolo Guerrero. Was spielt der eigentlich? Der trabt doch nur noch wie eine Diva über den Platz. Weiß der eigentlich, was Einsatz ist? Wenn ich sein Spiel sehen, macht mich das zornig.“

Er sorgt sich um den HSV, das gibt Horst Heese zu. Aber er sieht auch durchaus noch gute Ansätze, die ihm Hoffnung auf Besserung machen. Kürzlich waren Ruud van Nistelrooy und Heung Min Son zu Gast in seinem belgischen HSV-Fan-Club. Heese begeistert: „Diese beiden Jungs passen super in die Welt. So wie die hier aufgetreten sind, war das beste Werbung für den HSV. Nett, sympathisch, offen. Einige Fans hatten Tränen in den Augen. Son und van Nistelrooy hätten auch bestens in unsere damalige Truppe gepasst . . .“ Heese weiter: „Deswegen verstehe ich das nicht, dass diese HSV-Mannschaft keine Einheit ist. Mit solchen tollen Typen müsste das doch eigentlich klappen können . . .“ Wobei Horst Heese auch noch anmerkt: „Die heutigen HSV-Spieler haben doch den Himmel auf Erden: Hamburg ist eine tolle Stadt, hat der HSV Erfolg, wird jeder Spieler gefeiert. Dazu dieses hervorragende Trainingszentrum am Stadion – schade, schade, dass man daraus nicht mehr macht.“

Aber vielleicht kommt das ja noch. Wenn der HSV einen wie ihn, einen wie Horst Heese findet. Und nicht nur einen Innenverteidiger.

Und auch das möchte ich Euch an diesem vierten Advent nicht vorenthalten:

Sergej Barbarez kritisiert bei „LIGA total!“ die Situation beim HSV:

Sergej Barbarez, früher Spieler und Aufsichtsratsmitglied beim HSV, äußerte sich heute zur Situation bei seinem ehemaligen Klub. Er sagte über die öffentlich geäußerte Kritik von Aufsichtsratsmitglied Peter Becker an HSV-Sportchef Bastian Reinhardt: „Natürlich war ich verwundert ? wie jeder andere! […] Wenn das Ergebnis nicht stimmt, kommen auch andere zu Wort. Jeder weiß: Wenn Aufsichtsratswahlen sind, dann ist schon viel los in Hamburg. Auch jetzt, wo 21 Leute für vier Plätze kandidieren. Da muss man sich schon was ausdenken. Und dass das auf Kosten des Sportdirektors geht, das darf natürlich nicht passieren.“

Der Bosnier weiter: „Man muss eine Linie fahren. Leider läuft das in Hamburg nicht in diese Richtung. Deswegen passieren auch so viele Sachen und man hat kaum Ruhe.“ Barbarez auf die Frage, ob HSV-Boss Bernd Hoffmann insbesondere für die Fans das Hauptproblem sei: „Für die Fans, natürlich. Zumindest für die meisten Fans. Man sieht die Reaktionen, man sieht, dass sie nicht zufrieden sind mit dieser Arbeit.“ Der 39-Jährige Ex-Torjäger mit abschließendem Blick auf die bevorstehende Mitgliederversammlung: „Ich glaube, es wird turbulent am 9. Januar.“
In diesem Falle muss Sergej Barbarez aber auch eigentlich kein Prophet sein.

Aber, das ist nun wieder meine Einschätzung, es dürfte auch schon vorher reichliche Turbulenzen geben. Zum Beispiel in der Trainerfrage. Keine Angst, ich stehe immer noch zu 100 Prozent zu Armin Veh, daran wird sich auch nichts ändern. Ich weiß aber nicht, ob er noch immer hundertprozentig Lust auf diesen HSV hat. Weil auch Veh inzwischen längst erkannt haben dürfte, auf welch ein Abenteuer er sich da im Sommer 2010 eingelassen hat. Aber genau das ist auch der Ansatz für mich, dass ich auch sage: Gerade deswegen müsste Veh mindestens noch ein Jahr blieben, damit er spätestens im Sommer 2011 die längst überfälligen Konsequenzen zieht. Sonst kommt wieder ein neuer Trainer, der erst kurz vor dem Winter weiß, wo die Kandidaten sind, auf die er sich nicht verlassen kann . . . Und schon beginnt dieses Spielchen wieder von vorn. Das sollte allen eine Warnung sein. Jedes Jahr einen neuen Trainer, und der HSV wird es nie schaffen, wieder ganz nach oben zu kommen.
Das wäre mein Weihnachtswunsch 2010 in Sachen Fußball (und HSV).

16.18 Uhr

Zittern um Ze Roberto, Jansen und Demel

30. September 2010

Um erst einmal sportlich zu beginnen: Guy Demel fehlte beim heutigen Training, denn er hat eine Magen- und Darm-Grippe. Marcell Jansen fehlte beim heutigen Training, er hat eine Stirnhöhlenentzündung. Und Ze Roberto fehlte beim heutigen Training, weil er eine kleine Muskelverhärtung hat und die medizinische Abteilung meinte, dass es besser wäre, wenn der Brasilianer einmal einen Tag mit dem Training aussetzen würde. Trainer Armin Veh aber rechnet für das Sonnabend-Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern fest mit dem „großen Ze“, ob es mit Demel und Jansen gehen wird, das ließ der Coach noch offen. Wobei Jansen schon eine Lücke hinterlassen würde, die schwer zu schließen sein dürfte. „Wenn Marcell Antibiotika schlucken müsste, dann dürfte er wohl sicher ausfallen, auch sonst könnte es knapp werden“, sagt Veh über den deutschen Nationalspieler. Der Coach zur allgemeinen Lage: Wir jammern aber trotzdem nicht, denn wir haben noch genügend Leute.“ Wobei Mladen Petric und Paolo Guerrero ohnehin schon als Ausfälle feststanden.

Vier Spiele ohne Sieg. Das ist schlimm genug. Und zudem hat der Kicker heute geschrieben, dass der HSV seit einem Jahr die zweitschlechteste Bundesliga-Mannschaft ist. Nur neun Siege seit einem Jahr. Nürnberg holte als Schlusslicht acht . . . Eine Wahnsinns-Bilanz. Die ich niemals für möglich gehalten hätte. Das ist so wie mit den gefühlten Temperaturen im Wetterbericht. Da heißt es ja auch oft: „Gemessen zwölf Grad, gefühlte sechs.“ Beim HSV hätte ich gedacht: Gefühlte zehn bis 15 Siege – aber tatsächlich gezählt sind es neun. Ein Wahnsinn. Auf einer Veranstaltung am Nachmittag, zu der ich am Ende dieses Beitrags noch komme, sprach ich mit Felix Magath darüber. Der hätte die Zahl von neun Siegen auch nicht für möglich gehalten, weil er den guten Saisonstart von vor einem Jahr noch im Gedächtnis hatte. Dann sagte er aber: „Ich halte nichts von solchen saisonübergreifenden Statistiken, man dreht es sich dann so hin, wie man es braucht.“ Stimmt ja, aber nur neun Siege? Ich kann es nicht fassen, nein, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Kommentar Veh: „Ich bin ja erst ein paar Wochen da, zu diesem Jahr kann ich nichts sagen. Aber wenn ich ein Jahr lang diese Ergebnisse habe, dann bin ich auch nicht mehr da . . .“

Folgt am Sonnabend nun der dritte HSV-Sieg in der Ära Veh? Er sagt: „Vier Spiele ohne Sieg, das passt mir gar nicht. Wir müssen es jetzt erzwingen, das Ergebnis, den Sieg, ganz einfach, und ich bin guter Dinge, dass wir das auch können. Die Mannschaft kann es, sie hat es auch drauf.“

Hoffentlich.

Sollte Jansen tatsächlich nicht spielen können, dann stünden Eljero Elia oder Piotr Trochowski als Alternativen parat. Und für Demel, so denke ich, sollte gegen Kaiserslautern ohnehin Tomas Rincon spielen. An einen Ausfall von Ze Roberto mag ich ja gar nicht denken, aber Veh ist optimistisch.

Beim Training heute gab es nach dem Aufwärmen an drei Stellen das beliebte „Fünf-gegen-zwei-Spiel“, anschließend wurden (Direkt-)Pässe in jeder Form geübt, später über eine halbe Stunde Flanken mit Torabschluss. Eric-Maxim Choupo-Moting „versenkte“ sicher, gekonnt und manchmal spektakulär, Eljero Elia schoss hart und platziert, Robert Tesche ebenfalls – und dann tauchen zwei Namen in dieser Rangliste auf, die Euch alle verblüffen werden: David Jarolim muss Spinat gegessen haben, er schoss wie Popeye und traf mehrfach sehenswert, wie übrigens auch Jonathan Pitroipa. Der hat nach seinem Bremen-Knaller wohl Gefallen an harten Schüsse gefunden. Er drosch die Kugel einmal so wuchtig gegen die Latte, dass sich auf der anderen Seite de Trainingsanlage die Kiebitze erschraken . . . Na bitte, es geht doch! Den Hoch-und-weit-Preis des Vormittags erschoss sich Choupo-Moting, der es als einziger HSV-Profi fertig brachte, die Kugel auch über den hohen Abfangzaun zu schießen. Den Ball suchen sie morgen noch . . .

Um das noch einmal abschließend zu sagen: Die Stimmung heute im Volkspark war gut. Teilweise wurde viel gelacht und gescherzt. Aber auch einmal gezittert und gebangt. Da lag bei fünf gegen zwei plötzlich Frank Rost am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Er war beim Kampf um den Ball mit Choupo-Moting ganz hart zusammengeprallt, das sah wirklich böse aus, Jarolim und Joris Mathijsen gaben an die medizinische Abteilung schon das Auswechselzeichen, aber dann erhob sich der Keeper doch noch, schüttelte sich kurz und „panzerte“ wie eh und je dem Ball nach. Aus solchem Holz sind echte Kerle geschnitzt.

Zum Abschluss des Trainings gab es ein „Scheibenschießen“. Aus 16 Metern Entfernung wurde das Tor, das abwechselnd von Rost und von Jaroslav Drobny gehütet wurde, „befeuert“. Wer traf, durfte das Training beenden. Und, wer war der Erste? Elia. Der schlug vor Freude einen Purzelbaum mit anschließender Schraube und einem Köllerbacher Übersteiger. Endlich einmal eine positive Regung der „Rakete“, es hat ja lange genug gedauert. Platz zwei ging an Muhamed Besic, Platz drei an Collin Benjamin. Nicht trafen Piotr Trochowski, Heiko Westermann, Dennis Diekmeier, Lennard Sowah und Choupo-Moting. Es ging dabei nicht nur um Treffer oder eben kein Treffer, nein, es ging um Geld für die Mannschaftskasse. Diejenigen, die nicht trafen, die müssen „blechen“.

Aber: Trotz der Tatsache, dass die Stimmung „draußen“ beim HSV locker war, es bleibt die Tatsache, dass jetzt gewonnen werden muss. Und demzufolge stehen sie alle unter Druck: Die Vereinsführung, die (und der) Trainer, die Mannschaft. Wie empfindet Armin Veh die derzeitige Situation? „Sie ist unbefriedigend. Ich möchte gewinnen. Und die Möglichkeiten waren in jedem Spiel da, aber wir haben nicht gewonnen. Und damit kann man nicht glücklich und zufrieden sein.“

Deswegen gab es in dieser Woche schon einen härteren Umgangston des Trainers, und es wurde sich meiner Meinung nach noch intensiver mit den bevorstehenden 90 Minuten beschäftigt – und auch mit den zurückliegenden. Am Mittwoch gab es Video-Anschauungsunterricht. Es gab Szenen von anderen Spielen (zum Beispiel Liverpool gegen Barcelona), in denen taktische Dinge, die aufgingen, exemplarisch gezeigt wurden. Wobei auch gute Szenen des HSV (ja, die gibt es!) dabei waren. Denn es war bisher ja nicht alles schlecht. Veh: „Diese Szenen zeigen insgesamt, wie wir uns das Spiel vorstellen, wie wir es haben wollen. Und so etwas werden wir nun öfter machen.“ Bei der Gelegenheit: Morgen (Freitag) ist um 16 Uhr Training, aber in der Arena, das bedeutet: unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Mit Kaiserslautern kommt nun ein Gegner nach Hamburg, der auch eine kleine Durststrecke hinter sich hat. Veh gibt aber zu: „Wir haben natürlich mehr Druck, keine Frage. Kaiserslautern hat es einfacher, die werden sich auf die Defensive stützen, die werden ganz kompakt stehen um dann zu kontern. Und die haben mit Hoffer und Lakic ganz schnelle Angreifer.“

Übrigens: Heute war auch der „Matz-abber“ „Gravesen“ (nicht nur er, aber auch er!) beim Training. Und als wir uns über David Jarolim unterhielten, sagte er genau das, was auch ich immer sage und schreibe: „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass immer wieder einige fordern, Jarolim aus der Mannschaft zu nehmen. Der ist so enorm wertvoll für diesen HSV, der erobert unheimlich viele Bälle, der opfert sich förmlich für das Team auf – der ist nicht zu ersetzen.“ Mein Reden. Aber „Grave“ und ich sind wohl eine Sorte aussterbender Spezies, denn für die tschechische Nationalmannschaft ist „Jaro“ auch diesmal nicht nominiert worden. Muss Tschechien eine starke Nationalmannschaft haben, wenn sie auf einen so guten (HSV-)Spieler verzichten kann . . .

„Ich wäre zur Nationalmannschaft gefahren, aber ich soll ja nicht. Das ist vielleicht auch ganz gut so und besser für mich, denn dort zehn Tage zu verbringen und eventuell nicht zu spielen, das ist nicht gut“, sagt David Jarolim und fügt an: „Es ist die Entscheidung des Trainers, aber er braucht mich wohl nicht.“ Zu seinem heute sehr starken Schusstraining befand „Jaro“: „Es ist ja nicht so, dass ich nicht schießen kann, wichtig ist, dass man den Mut hat zu schießen. Das hat man bei Jonathan Pitroipa in Bremen gesehen.“ Zugabe, Zugabe möchte man rufen . . .

Zum Thema Mentalität hat David Jarolim übrigens eine etwas andere Meinung als sein Trainer. Der ehemalige HSV-Kapitän sagt: „Nach dem Bremen-Spiel müssen wir nicht über Mentalität sprechen, denn alle haben gesehen, das wir Mentalität haben. Es fehlen Kleinigkeiten, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben, aber es lag nicht an der Mentalität, jeder will doch etwas erreichen, jeder marschiert doch. Und wir haben uns doch gegen Wolfsburg und Werder nicht schlecht präsentiert. Wir haben zehn Gegentore bekommen, da müssen wir uns verbessern. Jeder muss dafür zuständig sein, die Defensive zu verbessern. Jeder. Das fängt schon bei den Stürmern an.“ Dann ergänzte Jarolim noch: „Wir spielen doch keine Katastrophe zusammen, wir spielen doch nicht ohne System. Wenn das so wäre, dann hätte ich Schmerzen, aber ich denke, dass wir auf einem ganz guten Weg sind.“ Dennoch gibt er zu: „Angenehm ist der Blick auf die Tabelle zurzeit nicht, das ist klar.“

So, und nun werde ich doch noch ein wenig länger, denn ich muss noch über eine ganz besondere Veranstaltung, die am Nachmittag im Volkspark stattfand, berichten. Es gibt vier neue Füße, zwei neue Hände und eine Gedenktafel rund um den Uwe-Seeler-Fuß auf dem „Walk of fame“. Der Hamburger Unternehmer Andreas Maske (großes Kompliment, Herr Maske!) ist dafür verantwortlich, er lud zu einer ganz besonderen Feierstunde ein – und alle, alle kamen. Es war überwältigend, und Kult-Masseur Hermann Rieger gab danach zu: „Das ging mir sehr zu Herzen, ein Traum, alle diese Leute wieder zu sehen, ein einmaliges Erlebnis, einfach nur super.“

So war es. Ihren Fußabdruck haben nun hinterlassen: Felix Magath, Horst Hrubesch, Georg Volkert und Bernd Wehmeyer. Auf seine Hände blicken kann jetzt Rudi Kargus, und für Weltmeister Jupp Posipal gibt es eine Gedenktafel. HSV-Chef Bernd Hoffmann hielt die einführende Rede, Laudator war Dr. Peter Krohn, der danach viel Lob erhielt – auch von „seinem“ Trainer Kuno Klötzer (88): „Das kann er, das hat er auch richtig gut gemacht.“ Stimmt. Was super war: Nicht nur die geehrten Spieler waren alle da, es war auch fast gesamte große HSV-Familie zugegen. Einmalig.

Dr. Krohn in seinem Resümee: „Zählt man einmal die sportlichen Erfolge der sechs Männer, die heute in den Walk of fame aufgenommen wurden, zusammen, dann ergibt sich ein imponierendes Bild von zusammen 1420 Liga-Pflichtspielen für den HSV, zusammen 112 A-Länderspielen als HSV-Spieler, eine Weltmeisterschaft, zwei Europapokalsiege, drei deutsche Meisterschaften und einen DFB-Pokalsieg – das verdient unseren großen Applaus.“ Und den gab es dann reichlich.

Wie gesagt, eine traumhafte Veranstaltung, zu der viele HSV-Größen gekommen waren: Uwe Seeler, Dr. Wolfgang Klein, Udo Bandow, Jochen Meinke, Horst Schnoor, Gerhard Krug, Erwin Piechowiak, Klaus Neisner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Uwe Reuter, Arkoc Özcan, Bastian Reinhardt, die Ehefrauen von Jupp Posipal, Horst Dehn und Klaus Stürmer (aus Lemgo!) und Kuno Klötzer, um nur einige zu nennen. Fotos von dieser Veranstaltung wird demnächst (so denke ich) unserer „rasender Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas (danke, Benno!) zeigen, dann habt Ihr einen kleinen Eindruck, was dort heute im Volkspark abging.

20.09 Uhr

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