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Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

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Hrubesch: “Man muss einen Plan haben . . .”

20. Dezember 2012

Wie bereits angekündigt, gestern habe ich ein Gespräch mit Horst Hrubesch geführt. Einer der Helden von 1983 – einer meiner ganz großen Helden. Zu ihm habe ich immer aufgeschaut. Und ich muss eines mal sagen, zur Weihnachtszeit wird man ja auch immer ein wenig plauderhafter, dass Horst Hrubesch (hoffentlich habe ich es nicht bereits mal geschrieben – sonst würde ich euch ja nur langweilen . . .) neben Franz Beckenbauer der einzige HSV-Spieler war, den ich immer per Sie begrüßt und gesprochen habe. Auch Uwe Seeler wird nicht geduzt, aber bei Hrubesch hatte das einen speziellen Grund. 1983, nach dem Europapokal-Gewinn, war ich in Ochsenzoll der einzige Mensch, der auf die Athener Helden gewartet hat. Gefeiert wurde die Mannschaft in Hamburg, ich stand in Norderstedt und wartete, wartete, wartet. Dann kamen sie alle. Und gingen in die Kabine – ich wartete weiter.

Irgendwann kam Jürgen „Joschi“ Groh raus, sah mich, hakte mich unter einen Arm und sagte – indem er mich in die Kabine schleppte: „Dieter, du kommst jetzt mit und nimmst einen Schluck aus dem Pokal.“ Gesagt, getan. Unten duschten einige Spieler, einige föhnten ihre Haare, andere saßen auf der Bank und unterhielten sich. Plötzlich trat Horst Hrubesch aus der Dusche hervor und herrschte Groh an: „Joschi, was soll der Scheiß? Du weißt geanu, dass Journalisten hier nichts zu suchen haben. Also raus mit ihm!“ Groh, ein wenig angeheitert (weil er offenbar auch schon aus dem Pokal getrunken hatte), sagte: „Ja, ja, Dieter will nur schnell einen Schluck nehmen, dann geht er auch wieder . . .“ Auch so geschah es. Ein Schluck – und ein (Ab-)Gang, das war eins. Schnell weck – w e c k!

Seit dieser Zeit habe ich einen ganz großen Bogen um Horst Hrubesch gemacht. All die Jahre. Ich hatte vor dem Kopf der Meistermannschaft einen irre großen Respekt. Jahre später, wenn wir uns getroffen haben, habe ich ihn immer per Sie angesprochen. Logisch. Das hielt so bis in etwa vor eineinhalb Jahren. Da telefonierten wir – und Hrubesch duzte mich. Da fragte ich ihn – ganz offiziell: „Sind wir nun eigentlich beim Du – oder beim Sie?“ Er: „Natürlich beim Du. Das habe ich ohnehin nie verstanden, dass du immer Sie gesagt hast. Warum eigentlich?“ Da habe ich ihm erzählt, warum. Er lachte nur und sagte: „Erstens musst du doch keine Angst vor mir haben, und zweitens bist du der Ältere, also hätte das Du von dir kommen müssen . . .“

So haben wir die Du-Kuh nach vielen, vielen Jahren vom Eis bekommen . . .

Und ich bin immer noch ein großer Fan des „Ungeheuers“, der ja unheimlich viel für den HSV und die Raute geleistet hat. Viel ist gar kein Ausdruck, er hat Sensationelles geleistet. Nicht nur wegen seiner Aussage: „Flanke Manni, ich Kopf – Tor.“ Hrubesch war der Leader der besten HSV-Mannschaft aller Zeiten, sein Wort war Gesetz. Und er hat dieses Team in ganz bestimmte Bahnen gelenkt – weil er ein großer Teamplayer ist. Ich verehre ihn, das muss ich gestehen, immer noch sehr, ich habe auch immer noch großen Respekt vor seiner Lebensleistung – und vor seiner Menschlichkeit. Horst Hrubesch, der von einigen Mitspielern (von damals) ja auch „Rübe“ genannt wird, passt einfach in diese Welt. Mehr von dieser Sorte, und es würde uns allen – nicht nur fußballerisch – besser gehen Weil er auch stets einen Blick für den Nebenmann hatte – und immer noch hat. Hermann Rieger, fällt mir ein, würde das zu 100 Prozent bestätigen. Und nicht nur der „Dino“, auch vielen andere denken so. Hrubesch ist einfach eine Erscheinung. Und ich würde es immer noch begrüßen, wenn er beim HSV in irgendeiner Form mitmischen würde. Aber das wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben, obwohl ich davon überzeugt bin, dass er dem Klub helfen könnte – und auch würde.

So, das war mein sentimentales Hrubesch-Wort zu Weihnachten. Worüber wir gesprochen haben, das könnt ihr jetzt im folgenden Teil lesen. Nein, stopp, noch nicht. Eines muss ich noch schnell loswerden: Als Matthias Sammer DFB-Sportdirektor wurde, da „biss“ er einige Trainer und deren Helfer schnell mal wech. W e c h. Ist alles nachzulesen. Ich glaube auch, dass Horst Hrubesch auf dieser Streichliste stand – aber dann doch nicht „geköpft“ wurde. Ich sprach darüber einmal mit Sammer, und indirekt bestätigte er mir derartige Überlegungen, aber er sagte auch: „Als ich Horst Hrubesch dann in einem persönlichen Gespräch kennengelernt hatte, da wusste ich, dass er bleiben muss. Er hat mich von seinen großen Fähigkeiten überzeugt. Und ich bin davon immer noch absolut überzeugt.“ Das war noch zu DFB-Zeiten, heute ist Sammer ja bekanntlich ein Bayer und beim Rekordmeister, hat also mit Hrubesch nichts zu tun.

So, nun aber zu unserem Gespräch vom Mittwoch:

Mit dem Abstieg, sagt Horst Hrubesch, hat der HSV nichts mehr zu tun. Das würde auch schon für die nächste Saison gelten. Und das sei beruhigend zu wissen. Überhaupt, er ist zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf, denn er hatte bezüglich dieser Spielzeit mehr oder auch größere Schwierigkeiten für den HSV erwartet. Und er nennt auch einen Grund für diese Prognose: „Für mich sind es aber nicht die beiden letzten Verpflichtungen, die von Rafael van der Vaart und Petr Jiracek, die für die Stabilisierung des Teams gesorgt haben, für mich ist das Milan Badelj. Der Mann hat eine unglaubliche Ruhe in seinem Spiel, ist technisch sehr versiert, er hat viele gute Ideen und hat ein sehr, sehr gutes Auge. Dieser Badelj ist ein riesiger Gewinn für diese Mannschaft.“

Dazu lobt der frühere Nationalstürmer ganz besonders Torwart Rene Adler: „Da hat man jetzt einen Mann zwischen den Pfosten, der die Mannschaft schon mehrfach gerettet hat. Adler hat dem HSV, so denke ich, zwölf Punkte geholt. Und wenn man diese Punkte mal von den bisherigen 24 Punkten abziehen würde, wo würde der HSV dann stehen? Der HSV hat bestimmt einige Spieler dabei, die okay sind, die gut sind, aber es bleibt insgesamt doch noch viel zu tun.“

Horst Hrubesch steht für eine, nein, für die erfolgreichste HSV-Zeit überhaupt. Meisterschaften, Europapokalgewinn, und, und, und. Er hat, daran kann ich mich erinnern, damals stets über den HSV-Erfolg gesagt: „Wir siegen, weil bei uns elf Winner-Typen auf dem Platz stehen.“ Fehlen diese Typen der heutigen Mannschaft? Horst Hrubesch: „Das will ich nicht sagen. Bei uns aber waren es auch nicht elf, das muss ich korrigieren, es waren 18. Und unsere Erfolge basierten nicht auf den Winner-Typen, sondern auf die Leute, die um die Mannschaft herum arbeiteten. Günter Netzer war ein erstklassiger Manager, der seine Vorstellungen vom Spiel dieser Mannschaft personell umsetzte. Dann war Ernst Happel ein riesiger Trainer, dazu war Wolfgang Klein ein hervorragender Präsident. Zu jenen HSV-Zeiten stimmte eben einfach alles im Klub.“

1983 stand der HSV an der Spitze Europas, aber letztlich wurde diese Spitzen-Position wieder verspielt. Höchst bedauerlich. Hrubesch hat auch eine Erklärung dafür: „Da der HSV ein Gesamtverein war, wurde das Geld, das wir eingespielt haben, an alle Abteilungen verteilt. Das ist, im Gegensatz zum FC Bayern, nicht in unsere Mannschaft investiert worden. Bei uns war es deswegen nicht möglich, mich und oder auch Lars Bastrup in Hamburg zu halten – und dazu dann auch noch Wolfram Wuttke und Dieter Schatzschneider zu verpflichten. Es ging nur eins, und dafür mussten letztlich wir gehen. Obwohl Happel und Netzer gerne gesehen hätten, dass ich noch ein Jahr bleibe. Aber aus finanziellen Gründen war das nicht möglich.“ Horst Hrubesch weiter: „Es hieß damals oft, es heißt sogar heute noch mitunter, dass wir mit dem Europapokalsieg den Grundstein für einen starken HSV hätten legen müssen, aber das konnten wir nicht, denn dass Geld wurden eben im ganzen Klub verteilt.“

Hrubesch erinnert sich noch an jene Zeit, als er von Rot-Weiß Essen zum HSV gekommen ist. Das war zur Saison 1978/79. „Ich weiß noch ganz genau, dass es damals in Hamburg hieß, dass der HSV nun ein Abstiegskandidat sei. Weil Leute wie Zaczyk, Volkert, Steffenhagen, Keller und Eigl gegangen waren, und weil nur Spieler aus der Zweiten Liga dazu gekommen waren. Wie Wehmeyer, Hartwig, Gorski, Plücken und mir. Und dann wurden wir Meister, das war sensationell. Dazu gehört zwar etwas Glück, aber wir haben uns auch zu einer sehr, sehr guten Mannschaft entwickelt.“

Als Hrubesch und Bastrup gingen, wurden Wuttke und Schatzschneider geholt. Der Europameister von 1980: „Da haben sich in Hamburg alle in den Armen gelegen, weil diese beiden tollen Spieler zum HSV gekommen sind, aber diese beiden Spieler haben letztlich nicht gewusst, worum es beim HSV geht. Was mich, das gebe ich zu, sehr gewurmt hat. Meine ehemaligen Kollegen haben es damals nicht geschafft, Wuttke und Schatzschneider auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Wir hätten das zu meiner Zeit über das Training geregelt, aber das wurde nach meinem Weggang vom HSV nicht mehr so gemacht . . . Leider nicht.“

Dann ging es bergab mit dem HSV.

Heute stehen die Rothosen im Mittelfeld der Bundesliga und setzen auf den Neuaufbau. Horst Hrubesch trainiert beim Deutschen Fußball-Bund die U-18-Nationalmannschaft, hat also stets viele, viele und große Talente um sich herum. Hat der heutige HSV auch Talente, von denen der Fan noch viel erwarten kann? Der DFB-Trainer: „Der HSV hatte und hat immer den einen oder anderen. Nur was ist bislang über geblieben? Maximilian Beister zum Beispiel, der ein großes Talent hatte, wurde für zwei Jahre ausgeliehen, und viele weiter Spieler auch. Einige von diesen Talenten aber würden, wenn sie noch in Hamburg wären, dem HSV heute bestimmt noch gut zu Gesicht stehen.“

Dann fügt er hinzu: „Ich sage ja immer: Wenn du die Zukunft planen willst, dann musst du die Vergangenheit aufarbeiten. Und wenn man in die Vergangenheit gesehen hätte, als Kaltz, Memering, Kargus, Lübeke, später noch Hidien, Krobbach, Hochheimer, Eigl und, und, und, dazu dann Leute wie Wehmeyer, Hartwig und ich – und dass daraus dann eine erfolgreiche Mannschaft geworden ist, das wäre ein Weg gewesen. Denn letztlich wurde doch durch die jungen Leute der Grundstein für eine erfolgreiche HSV-Zeit gelegt. Diese jungen Leute waren hungrig, und wir alle haben viel und hart trainiert, wir sind immer über eine harte und vorbildliche Arbeit – dafür war Branko Zebec bekannt – zu den Erfolgen gekommen, das war der Grund für diese tolle und erfolgreiche Zeit. Und das wäre doch ein gutes Beispiel für die nachfolgenden Generationen gewesen. Wäre . . .“

Heute hat der HSV wieder eine junge Mannschaft. Und kann dieses Team eventuell einmal so explodieren, dass daraus ein Weg wieder zurück in die nationale Spitze wird? So wie zum Beispiel Borussia Dortmund einst explodiert ist? Horst Hrubesch ist skeptisch: „Dazu müsste schon etwas mehr passieren. Dafür müsste zunächst einmal ein Plan vorhanden sein. Du musst einen Weg vorgeben, du musst ein Ziel haben. Und dieses Ziel muss realistisch sein. Für mich wäre es realistisch, dass der HSV sich so festigt, dass man irgendwann mal wieder in Richtung Europa League gehen kann. Das wäre schon mal gut Dazu muss man aber erst mal eine sportliche Bestandsaufnahme machen – und dazu auch von der wirtschaftlichen Seite her. Dann weiß man, wo man steht, und dann kann ein Plan festgelegt werden . . .“

Und wenn man dabei feststellt, dass man kein Geld für Stars oder fertige Spieler hat, dann muss man sich eben um Talente bemühen. Und so eventuell zu seinem Glück gezwungen werden. In etwa versucht es der HSV ja auch heute so, und man wird sehen, wie erfolgreich dieser Weg verfolgt wird – und ob er letztlich zum Erfolg oder zu Erfolgen führen wird.

Am 13. Januar gibt es beim HSV die Wahlen in den Aufsichtsrat. Vier neue Mitglieder werden gewählt. Viele Fans stellen sich zur Wahl. Sorgt sich Horst Hrubesch um die Zusammensetzung des neuen Rates? Er sagt: „Das kann ich nicht einschätzen, und das kann ich ja ohnehin nicht beeinflussen. Das werde ich genauso abwarten müssen, wie es andere machen. Insgesamt ist es doch so: Die Bundesliga hat nachgewiesen, dass mit diesen Strukturen nicht zu arbeiten ist, der HSV ist aber einer der wenigen Vereine, der noch eine solche Struktur hat – oder vielleicht ist er inzwischen auch der einzige.“

Themenwechsel. Wie denkt Horst Hrubesch über Artjoms Rudnevs? „Der Junge muss sich erst noch an die Liga gewöhnen. Er ist nicht der Stürmer, der beweglich ist, der die Bälle vorne festmacht, der Bälle behauptet oder Tore vorbereitet. Ich kann ihn nicht abschließend beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass er arbeitet, dass er viel tun will, der viel gibt, der stets sein Bestes gibt, der immer einsatzbereit ist, der nicht am Boden liegen bleibt, wenn er mal gefoult worden ist – das rechnen ich ihm an, das macht er gut. Ob er letztlich mal 15 Tore in einer Saison schießen wird, das weiß ich nicht.“

Und was hat der HSV an diesem Saisonende erreicht? Hrubesch: „Ich gehe davon aus, dass er dort stehen wird, wo er jetzt auch steht. Ungefähr Platz zehn, vielleicht zwei Plätze nach oben – und wenn es ganz gut läuft, dann kann es auch ein internationaler Platz werden. Wenn es ganz gut läuft. Aber dazu müsste die Mannschaft auch erst einmal konstanter werden. Und es gibt ja immer noch, das darf nicht vergessen werden, in fast allen Mannschaftsteilen Baustellen. Nur im Tor nicht.“

Wie steht Horst Hrubesch der Debatte um die Pyro-Technik in den Stadien gegenüber? „Für mich ist es überhaupt kein Thema, solche Dinge gehören ganz einfach nicht in Fußballstadien. So einfach ist das. Wir haben es doch bei der WM 2006 im eigenen Lande gezeigt, dass es auch ohne geht. Da hat die Welt doch ein Fußball-Fest der ganz besonderen Art erlebt und gefeiert – ganz ohne Bengalos. Es geht doch. Und zum Glück halten ja jetzt auch viele Zuschauer inzwischen dagegen, wenn in einem Stadion gezündelt wird. Das ist doch ein gutes Zeichen.“

Ein gutes Zeichen ist es sicher auch, dass sieben Bundesliga-Klubs in diesem Winter international überwintert haben. Das ist Rekord. Und ein Zeichen für die großartige Entwicklung des deutschen Fußballs? Hrubesch: „Das ist auch ein Zeichen dafür, dass der Weg, den der DFB damals gegangen ist, mit den Landesverbänden, mit den Stützpunkten, mit den Leistungszentren in der Bundesliga, dass das sehr gut war. Aber ich warne davor, dass man annimmt, dass das immer so weiter geht. Man muss weiterhin viel dafür tun, hart dafür arbeiten, es darf sich nicht ausgeruht werden. Im Moment profitieren wir ganz einfach davon, was der DFB, die DFL und die Bundesliga in diesem Punkt vor zehn Jahren unternommen haben. Alle haben sich da eingebracht. Grundsätzlich ist mein Standpunkt, dass man nicht nur über das Talent viel erreicht, sondern man muss hart arbeiten Und man muss sich zu 100 Prozent in die Sache einbringen, nur so geht es, das allein ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Er hört danach auf, zu sprechen. Für eine gewisse Zeit. Und ich denke, er würde wohl gerne noch etwas mehr zu diesem Thema sagen, aber er sagt es nicht. Da schießt es mir durch meinen Kopf: „Vielleicht denkt Horst Hrubesch ja, dass sich heute längst nicht mehr alle zu 100 Prozent in eine Sache einbringen? Nicht nur beim HSV, aber eben auch.“ Er schweigt.

Bis zur nächsten Frage. Ein ganz anderes Thema: Ist der Tod des niederländischen Linienrichters ein Beweis dafür, dass der Fußball brutaler geworden ist? Horst Hrubesch sagt: „Das glaube ich nicht, solche Vorfälle hat es früher auch schon mal gegeben. Ich habe nicht das Gefühl, dass es in der Häufigkeit eine Steigerung gegeben hat.“

Dann kommen wir zum Schluss. Wie steht Horst Hrubesch zu impulsiven Trainern wie dem Freiburger Christian Streich oder auch dem Mainzer Thomas Tuchel? Sind ihm vielleicht ruhigere Trainer wie zum Beispiel Jupp Heynckes lieber? Hrubesch: „Ich bin froh, dass es solche unterschiedlichen Trainer-Typen gibt. Früher gab es auch einen Christoph Daum. Es waren immer verschiedene Trainer-Typen dabei, das macht den Fußball auch aus – und es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Fußball ist ein einfaches Spiel, aber es gibt unterschiedliche Methoden, um auch erfolgreich zu sein. Mich freut ein Mann wie Christian Streich. Der Mann arbeitet voller Leidenschaft, der Mann hat einen Plan und weiß genau, was er tut. Großartig.“

Ein schönes Schlusswort: großartig!

Obwohl, es gibt da noch zwei Dinge, über die noch geschrieben werden sollte.

Gojko Kacar zum Beispiel steht in Verhandlungen mit Hannover 96. Es soll eine Ablöse von zwei Millionen Euro im Raum stehen. Das wäre schön. Und ein guter Anfang in die Schlussverkaufs-Wochen.

Und dann liegt mir, ich gebe es zu, die Arroganz der Bayern im Magen. Sogar sehr. Hoffentlich verkrafte ich den Puter am ersten Weihnachtsfeiertag. Hoffentlich. Da beschwert sich nämlich nicht nur Fußball-Gott Rummenigge, euer Majestät, über den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (leitete Augsburg – Bayern) in unflätiger Art und Weise, nein, nun mischt sich auch noch die linke Hand des Fußball-Gottes, nämlich Matthias Sammer, ein. Ihn ärgert in der Diskussion, ob die Rote Karte für Franck Ribery gerechtfertigt ist oder nicht (der Franzose wurde für zwei Pokalspiele gesperrt), deshalb besonders, weil nicht über die schlechte Schiedsrichter_Leistung diskutiert wird. Wie bitte? das ist ja unfassbar, das schlägt ja dem Fass den Boden aus. Spinnen die beim FC Bayern nun total? Nur weil sie die Überflieger der Bundesliga sind? Da fehlt mir jegliches Verständnis. Was sind das nur für Menschen, die da in Bayern, haben die ganz allein für sich gepachtet, den Fußball erfunden zu haben? Die müssten doch ihren Trainer Jupp Heynckes jetzt glatt entlassen, weil dieser es doch gewagt hatte, nicht über den Schiedsrichter (Kinhöfer) zu pöbeln. Der DFB, der große DFB, diszipliniert alle und jeden, wenn es irgendetwas zu disziplinieren gibt, nun sollte er endlich auch mal etwas gegen diese selbstherrlichen Herren des FC Bayern unternehmen. Das geht doch schon lange nicht mehr. Rummenigge hat den Bogen doch schon viel zu oft und zu lange überspannt – und Sammer muss ganz offensichtlich nachziehen, damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät.
Nein, so geht es nicht, diese grenzenlose Arroganz muss mal und muss endlich einmal zurückgepfiffen werden.

Ihr Herren vom DFB, zeigt den Jungs aus Bayern mal die Zähne. Oder auch nur mal die Grenzen auf.

PS: Es ist eine Wohltat, dass sich Uli Hoeneß (noch) aus dieser Diskussion heraushält. Er ist eben schlau. Viel schlauer als andere Dummschwätzer.

16.49 Uhr

Fink: “Die Fahrt wird nach oben gehen.”

2. September 2012

„Van der Vaart, van der Vaart, van der Vaart. . . „ Sie klingen mir noch immer in den Ohren, die Gesänge der HSV-Fans am Freitag vor der Arena. Wie der „kleine Engel“ dort gefeiert wurde, das war schon sensationell. So war es nicht mal bei Ruud van Nistelrooy, so war es bei keinem anderen HSV-Spieler. Und der „Raffa-Hype“ wird so schnell auch nicht abebben. Beim Training am Sonntag waren mehr als 1000 HSV-Fans in den Volkspark gekommen, um den „Heilsbringer“ mal wieder mal in Hamburg am Ball zu erleben. Unglaublich, wirklich unglaublich – aber auch toll, super, gigantisch. Es ist fast so, als hätte der HSV am Sonnabend nicht mit 0:2 in Bremen verloren, es ist fast sogar so, als hätte dieses Spiel nie auch nur irgendeine Bedeutung gehabt. Wichtig ist in erster Linie Rafael van der Vaart. Und wenn der wieder mit der Rückennummer 23 auf den Rasen läuft, dann zählt es auch erst. Die beiden bisherigen Bundesliga-Spiele sind wohl doch nur unter Vorbereitung zu verbuchen, und die Vorbereitung verlief ja auch sehr holprig – jedenfalls in den Augen der Fans, nicht in den Augen der Verantwortlichen. Die jedoch haben ja schon immer exklusiv andere Dinge von ihrem HSV gesehen, die kaum mal ein HSV-Anhänger so gesehen hatte.

Um mal im Thema zu bleiben. Frank Arnesen hatte vor dem Spiel in Bremen mit „LIGA total!“ gesprochen. Hier das, was der HSV-Sportchef zur Lage des Vereins sagte:

Frank Arnesen zu Medienberichten, er sei in die Transferverhandlungen gar nicht richtig involviert gewesen: „Wir haben ein Vorstandsteam, jeder macht seinen Part und ich bin auch dabei gewesen. Am Ende ist aber nicht wichtig, wer was macht, sondern für mich ist wichtig, dass wir van der Vaart zurück haben. Ich hatte angesprochen, dass wir mehr Risiko gehen müssen. Und das haben wir glücklicherweise getan mit zwei sehr, sehr guten Verpflichtungen. Erstens mit Jiracek am Mittwoch und im letzten Moment mit van der Vaart. Also zwei Spieler, bei denen Vorstand und Aufsichtsrat vor zwei Wochen gesagt haben, dass wir da kein Geld für haben. Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass da alle mit mir mitgegangen sind und es mit den zwei Verpflichtungen geklappt hat!“

Der 55-Jährige zu dem Gerücht, dass van der Vaart gegen seinen Widerstand geholt worden sei: „Jeder der Ahnung vom Fußball hat, würde niemals nein zu van der Vaart sagen!“

Der Däne zeigte sich sehr zufrieden mit den Neuverpflichtungen, zeigte aber auch Verständnis für die Kritik an seiner Person ob des schlechten Saisonstarts: „Wir haben eine sehr, sehr gute Transferperiode abgeschlossen mit acht Verpflichtungen. Ich bin sehr, sehr zufrieden damit! Vor einem Jahr haben wir einen ganz großen Umbruch gemacht – das dauert nicht nur ein Jahr, sondern ein paar Jahre. Und da kommt dann natürlich auch immer Kritik. Das ist normal. Damit habe ich auch gar kein Problem. Wenn wir mit zwei Niederlagen starten und keine Fortschritte erkennbar sind, dann kriege ich Kritik – und das völlig zu Recht! Ich glaube aber, dass wir nun mit Badelj, Jiracek und van der Vaart […] nicht nur einen, sondern drei Schritte weiter sind!“

Das mit den Schritten ist ja so eine Sache. Laut Frank Arnesen sollten auch die jungen Leute von der vergangenen Saison gelernt haben und – so der Sportchef, „gleich einige Schritte nach vorn“ gemacht haben. Das war das Wunschdenken. Die Wahrheit sieht aber so aus, dass diese Schritte nach vorn noch ausgeblieben sind. Das ist bestens am Beispiel Jeffrey Bruma fest zu machen. Der Niederländer gibt sich zwar stets die größte Mühe, spielt meistens auch absolut solide und mit Erstliga-Niveau, aber er hat immer ein, zwei oder auch drei Dinger dabei, die noch nicht mal als amateurhaft zu bezeichnen sind. Siehe den Elfmeter, den er gegen Elia verursacht hat. Ein Wahnsinn war das! So darf nicht mal ein Spieler in der Kreisklasse in einen Zweikampf gehen. Rückwärts laufen, Fahrt mit Elia aufnehmen, den Stürmer stellen und abwarten, was der machen will. Bruma aber fährt unmissverständlich die Sense aus. Unglaublich. Und das ja nicht zum ersten Mal. Das muss er noch lernen, um dann einige Schritte nach vorn zu machen.

Ich habe mich jetzt mal an jene HSV-Zeiten erinnert, als des dem Klub auch nicht gerade so gut ging – von der Tabelle her gesehen. Anfang der 70-er-Jahre, als die Talente wie Manfred Kaltz, Rudi Kargus, Caspar Memering, Peter Lübeke, Peter Krobbach, Peter Hidien und Co verpflichtet worden sind. Nur mal so zur Erinnerung: Ein Nobody und „Milchgesicht“ wie Kaltz spielte in seiner ersten Bundesliga-Saison fast alle Spiele. Nur zweimal war er von 34 Begegnungen nicht dabei. Von der A-Jugend direkt in Liga eins. Und ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass der große Kaltz mal solche „Aussetzer“ gehabt hat wie sie ein Nationalspieler wie Jeffrey Bruma pro Spiel ein, zwei oder drei Mal hat.

Ich sage es gerne nochmals: Bruma spielt meistens solide und auch gut, aber diese Blackouts sorgen stets dafür, dass er sich um eine bessere Benotung bringt. Wobei ich die Benotung nicht wörtlich genommen meine, vielmehr geht es darum, dass jeder, ob Trainer, Experte oder Fan, nach dem Spiel von ihm sagt: „Der Bruma war ohne jede Einschränkung klasse und fehlerfrei.“

Natürlich weiß ich, dass auch die „älteren Hasen“ des HSV nicht ohne jeden Fehler sind. Heiko Westermann begann die Partie an der Weser katastrophal, da waren vier, fünf Dinger dabei, die eigentlich nicht passieren dürfen. Nach einem Eckstoß legte er die Kugel unfreiwillig vor, Prödl schoss aus vier Metern, doch Rene Adler wehrte großartig ab. Das hätte ein Tor sein müssen. Und dann hätten am Ende dieses Tages nicht nur Bruma, Dennis Aogo und Petr Jiracek mit ihren individuellen Patzern als die Sündenböcke gegolten, sondern auch der Kapitän.

Westermann sagte nach der 0:2-Miederlage (völlig berechtigt): „So, wie wir uns hier in der zweiten Halbzeit präsentiert haben, so dürfen wir uns einfach nicht präsentieren.“ Stimmt. Aber das gilt für alle (bis auf Adler). Die haarsträubenden Fehler passen eigentlich nicht in die Erste Liga, und so lange sich die HSV-Defensive solche Schnitzer erlaubt, so lange wird der Verein auch nur unten herumkrebsen – van der Vaart nun hin, van der Vaart nun her. Der wird nicht zu retten haben, wenn solche schlimmen Sachen stets für zwei, drei Gegentore sorgen.

Und weil ich immer danach gefragt werde (im Blog): Selbstverständlich ist Dennis Aogo auch schwer zu tadeln – wegen seines Fehlers beim zweiten Elfmeter. Der Nationalspieler läuft seiner Bestform immer noch hinterher, das steht fest, und dennoch ist er für mich schon immer einer jener HSV-Spieler, die den Abstiegskampf und die prekäre Situation voll verinnerlicht haben, die Verantwortung im Team übernehmen wollen. Vielleicht ist es sogar inzwischen so, dass Aogo mehr darauf achtet, dass es in der Mannschaft stimmt, anstatt sich zu 100 Prozent nur auf sein eigenes Spiel zu konzentrieren. Es ist nur der Versuch einer Erklärung, es muss nicht so sein, aber hätte Aogo in Bremen nicht diesen „Klops“ gehabt, so wäre sein Spiel (überwiegend gegen Arnautovic) doch mindestens als solide zu bezeichnen gewesen. So aber, mit diesem Fehler, stößt er nicht nur das mit dem Hintern um, was er sich bis dahin als gut aufgebaut hatte, so bringt er sich auch wieder mehr in die Bedrouille, denn er weiß natürlich, dass auch er mal konstant 100 Prozent abliefern muss. Um eine Stütze der HSV-Mannschaft zu bleiben (oder wieder zu werden), und um auch wieder einmal ein Mann für „Jogi“ Löw werden zu können.

Alles eine Sache der Konzentration? Ganz sicher auch eine physische Sache. Ich sehe gerade Wolfsburg gegen Hannover 96. Die Slomka-Truppe (was für ein Super-Team) hat am Donnerstag noch ein Europa-League-Spiel gehabt, aber – meine Herren – was gibt diese Mannschaft Gas! Da war eben ein Wolfsburger Rückpass auf Torwart Benaglio, und was machen die Hannoveraner? Die attackieren den VfL-Keeper am Fünfmeterraum! Warum ich das schreibe? Hannover hat die Kraft dazu. Die attackieren alles. Egal wo. Aber dazu muss man auch die Kräfte haben. Hannover hat sie. Fußball ist ein Laufspiel. Ich sehe beim HSV keinen Angreifer, der nach einem Rückpass des Gegners den Torwart an dessen Fünfmeterraum attackiert. Natürlich gehört so etwas auch zur Philosophie eines Trainers, und wenn Thorsten Fink so früh nicht angreifen lassen möchte, dann haben sich die Spieler auch danach zu richten – klarer Fall. Dennoch ein aber: In Bremen sah es doch nach dem 0:2 in der 67. Minute so aus, dass viele Hamburger Köpfe gen Rasen hingen – nicht so viel ging mehr.

Um es mal ganz klar zu sagen: Ich wünschte mir eine HSV-Mannschaft, die bis zur 90. Minuten Gas geben kann, die grätscht, die rackert, die rennt, die sprintet, die attackiert, die beißt, die will, die alles aus sich heraus holt. Bis zur 90. Minute. Und das habe ich leider schon so lange nicht mehr gesehen. Schade.

Wobei ich ja mit dem HSV-Spiel über weite Strecken durchaus einverstanden war. Gegenüber Karlsruhe und Nürnberg war das eine Steigerung, eindeutig. Aber die Verantwortlichen müssen sich eben auch vor die Brust klopfen und sich fragen, ob das schon alles gewesen ist? Wieder kein Tor. Trotz guter und bester Möglichkeiten. Das allein ist keine so große Überraschung, denn alle haben in den letzten Wochen bereits erkannt, wie harmlos dieser Hamburger Angriff ist. Die Fragen sind doch jetzt die: Wen soll Rafael van der Vaart in Szene setzen, wen soll vorne anspielen, wen soll er steil schicken? Sodass ein solcher Pass auch Sinn macht – soll heißen, dass er einen Abnehmer findet, der daraus etwas „machen“ kann. Diesen Stürmer muss der HSV wohl erst selbst noch „ausgraben“.

Obgleich ich ja sehr wohl gute Ansätze bei Artjoms Rudnevs gesehen habe (haben will). Der Lette hatte ja die besten Hamburger Chancen, vielleicht war es seiner Nervosität zuzuschreiben, dass er sie noch vergab. Eventuell mag ja noch der Knoten (nach seinem ersten Treffer) bei ihm platzen, noch aber ist dieser Angriff ein großer Schwachpunkt der Hamburger – ganz egal, wie sich der Lette auch bewegt und bemüht.

Und natürlich ist auch die mangelnde Unterstützung für Rudnevs ein aktuelles Thema. Außer von Marcell Jansen über links kommt da nicht so viel. Ein absolutes Rätsel ist mir immer noch die Vorstellung von Heung Min Son. In Karlsruhe erschütternd, gegen Nürnberg ein Fast-Totalausfall, gegen Bremen ebenso. Bild-Note „sechs“ gab es für diese „Leistung“. Ich finde es ja mutig, wie Thorsten Fink an dem Südkoreaner festhält. Aber es ist irgendwie auch keine Überraschung. Wir hatten am Sonnabend ja „Matz ab live“ aus dem „Champs“, da war HSV-Torwart (Nummer vier?), Sven Neuhaus, mit von der Partie. Neuhaus, um das schnell noch einmal einzuflechten, war ein großartiger und eloquenter Gast (wie auch „HSVDonald“ – hat Spaß gemacht!), und er lobte nach der Sendung explizit Heung Min Son. Der erfahrene Keeper hat geradezu geschwärmt von seinem jungen Kollegen, dass der alles könne, dass er im Training die sensationellsten Dinge drauf hat – und dass er in einer super funktionierenden Mannschaft wie beispielsweise Bayern oder Dortmund sicher eine großartige Rolle spielen würde.

Kann ja sein, aber nur eben nicht beim HSV. Weil da so gut wie noch nichts funktioniert? Vielleicht muss ja der junge Son, der ja auch erst 19 Jahre alt ist, mal in den Angriff, wo er dann von van der Vaart bedient werden könnte. Und schnell ist er ja. Und eigentlich ja auch ganz kaltschnäuzig vor dem Tor des Gegners. Aber rechts? Nein, das ist offensichtlich nicht seine Position, da hat er sich eher zurückentwickelt – statt einige Schritte nach vorn zu machen.

Und vielleicht kommt über rechts ja auch bald mal Maximilian Beister (in Fahrt)? Auch er gibt mir noch Rätsel auf. Er will wohl, und weil er es auf Biegen und Brechen will, reagiert er über. Kommt rein und schießt aus gefühlten 120 Metern auf das Werder-Tor. Das muss er sicherlich dem Trainer mal erklären. Dennoch denke ich, dass es mal einen Versuch wert wäre, Beister mal in einigen Spielen „durchzuziehen“ wie zuletzt Son. Der freche „Maxi“ geht (oder ging?) doch ab wie Schmidts Katze, er geht dorthin wo es weh tut, er ist auch richtig heiß darauf, (endlich) ein Tor zu machen – eigentlich brennt er doch nach allen Regeln der Kunst. Wenn er dann, wenn er eingesetzt wird, mal seinen Kopf hoch nehmen würde, etwas mehr kaltes Blut durch seine Adern fließen lassen würde (ich weiß, leicht gesagt) und auch etwas mehr taktischen denken würde (nämlich nach hinten), dann müsste es doch eigentlich was werden mit ihm. Eigentlich.

Ja, so gibt es eben noch einige Baustellen beim HSV, die zu beheben oder zu beenden sind. Viel, viel Arbeit noch für Thorsten Fink und auch für Frank Arnesen, der sich als Sportchef ja durchaus mit einbringen darf und kann – wenn er etwas sieht, was nicht so läuft, wie er sich das vorstellt.

Gut für den HSV: Zugang van der Vaart wurde nicht für die beiden Länderspiele der niederländischen Nationalmannschaft nominiert. Deswegen kann er mit seiner neuen (und alten?) Umgebung ausgiebig trainieren, damit es dann am 16. September beim Auswärtsspiel in Frankfurt was wird – mit dem ersten Punkt. Auf die Nationalmannschaft, und zwar auf die kroatische, hat auch Milan Badelj verzichtet, der Mittelfeldspieler erlitt in Bremen eine Oberschenkelzerrung und musste zur Pause in der Kabine bleiben. Zugang Petr Jiracek, der sich in einem Duell mit Arnautovic früh verletzt hatte, flog dagegen zur tschechischen Nationalmannschaft.

Apropos Länderspiel-Pause. Thorsten Fink sagte in Bremen: „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht für uns, dass es diese Pause jetzt gibt.“ Der HSV wird zweimal in dieser Woche gegen Amateure testen. Am Dienstag um 18.30 Uhr in Schwarzenbek, und am Freitag um 18.30 Uhr beim Oberliga-Klub TSV Niendorf, wo „uns Scholle“ ja der „Macher“ ist. Bei beiden Begegnungen ist wohl damit zu rechnen, dass Rafael van der Vaart mit von der Partie ist – was zweimal „volle Hütte“ für die Amateure bedeuten würde. Herzlichen Glückwunsch!

Van der Vaart könnte sich dabei natürlich schon auf sein neues Team einstellen. Ob er dann aber schon gegen Eintracht Frankfurt zur alten Stärke wird auflaufen können, das steht in den Sternen. Aber immerhin traut ihm Marcell Jansen viel zu, denn der Mittelfeldspieler sagte in Bremen: „Rafael hätte gegen Werder die Bälle so gespielt, dass es den Bremern richtig wehgetan hätte.“ Und Heiko Westermann blickte schon mal optimistisch voraus. „Wir freuen uns, dass er da ist. Natürlich erhoffen wir uns einiges von Rafael, aber er wird keine Wunder vollbringen können.“ Nein, natürlich nicht, da muss schon der ganze Rest der Truppe tüchtig und fehlerfrei mitziehen. Thorsten Fink sagte über den Niederländer: „Er kann die Last ganz sicher nicht allein tragen, das muss man schon verteilen, Rafael ist sicher ein sehr guter Fußballer, und darauf muss er sich nun trotz des ganzen Hypes um ihn voll konzentrieren.“ Eine echte Herausforderung. Fink sagt aber auch voller Überzeugung: „Ich hoffe, dass wir mit Rafael effektiver werden. Wir können uns im Moment nicht selbst belohnen. Rafael aber kann Tore schießen und vorbereiten, und er macht auch mal zur rechten zeit den Mund auf.“ Auch das wird helfen.

Obwohl der 29-jährige Niederländer selbst ein wenig einschränkt: „Ich allein werde das sicher nicht stemmen können, das müssen wir schon gemeinsam machen. Ich bin aber sicherlich ein guter Spieler und glaube auch, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.“ Das hat er am Tag nach dem Spiel in Bremen gesagt. Zu der Niederlage befand die „ewige 23“: „Natürlich war das enttäuschend, aber in Bremen ist es immer schwer, da kann man verlieren.“ Er sagte aber auch: „Unsere Spieler haben viel Qualität und ich sehe viel Talent. Nur das Selbstvertrauen fehlt. Wir müssen jetzt ganz schnell den Spaß am Spiel wiederfinden – ich jedenfalls habe immer Spaß am Fußball.“

Vielleicht auch deswegen blickt Trainer Fink den nächsten Wochen und Monaten optimistisch entgegen: „Einem Rafael van der Vaart muss ich eh keine tausend Dinge mehr über den Fußball erklären, auch Badelj und Jiracek sind clevere Spieler. Ich denke, dass wir jetzt schnell in Tritt kommen werden und die Fahrt nach oben geht.“

Diese Sätze bitte in die Gehörgänge des Fußball-Gottes.

In diesem Sinne, einen wunderschönen Abend noch für euch.

Daumen hoch. Nur der HSV!

18.11 Uhr

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