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Fink: “Vollgas, kratzen, beißen, kämpfen”

12. September 2013

Mit den Toren von gestern gewinnen wir heute keine Spiele mehr. Sagt Dennis Diekmeier. Überall in der Stadt hängen die Plakate. Und das mit den Toren stimmt nicht nur morgen nicht, sondern stimmt auch übermorgen nicht. Besonders übermorgen. Denn „gestern“, genau in der vergangenen Saison, schoss der HSV in zwei Spielen sieben (!) Tore gegen Borussia Dortmund und gewann beide Bundesliga-Spiele gegen den BVB. Aber wie gesagt, Dennis Diekmeier hat es auf den Punkt gebracht. Wie für dieses Spiel gemacht.

Personell pfeift der HSV nicht mehr aus dem letzten Loch, Rafael van der Vaart wird nach seiner überstandenen Oberschenkel-Zerrung dabei sein, Tolgay Arslan und Marcell Jansen nach ihren Problemen mit einem „dicken Zeh“ ebenfalls, lediglich Artjoms Rudnevs, zuletzt beim 4:1-Sieg in Dortmund Doppeltorschütze, dürfte ausfallen. Der Lette hat Adduktoren-Probleme, war zuletzt aber ja auch ohnehin nicht mehr erste Wahl (bei Trainer Thorsten Fink). Die HSV-Hoffnung sitzt auf der Bank: Pierre Lasogga. Für zehn Minuten und zwei Tore ist der Ex-Berliner bestimmt gut. Im Training jedenfalls „bombt“ er schon nach Herzenslust – und trifft auch oft und meistens auch bildschön.

So wie heute. Lasogga traf zwar nicht, aber da war er in bester Gesellschaft. Keiner traf im Abschlussspielchen auf einem Viertel des Platzes. Wenn Lasogga aber schoss, dann mit Schmackes. Da steckt schon was dahinter, Rene Adler hatte mit den flatternden „Dinger“ seine Mühe. Ansonsten war nichts zu erkennen, wie Thorsten Fink in Dortmund spielen lassen will. Er ließ bunt durcheinander gewürfelt spielen, in einem Team spielten erneut drei Innenverteidiger nebeneinander: Michael Mancienne, Johan Djourou und Slobodan Rajkovic. Und davor, quasi auf der Sechs, Heiko Westermann. Rechts und links davon Dennis Diekmeier (der eine Schwalbe probierte, aber keinen Elfmeter bekam – zu durchschaubar) und Marcell Jansen.

Das sah dann doch so aus, als würde Jansen auch in Dortmund hinten links spielen, und davor Zhi Gin Lam. Das „Baueropfer“ wäre dann Petr Jiracek, der am Dienstag noch mit Tschechien in Italien (1:2 verloren) spielte – und der so recht in dieser Saison noch nicht überzeugen konnte. Und irgendeiner muss ja schließlich draußen bleiben, auch Fink darf ja nur mit elf Mann spielen lassen . . . Tomas Rincon, der heute erst um 14 Uhr vom Länderspiel in Venezuela zurückgekehrt ist, trainierte mit, machte auf mich auch keinen müden Eindruck – und könnte wohl, so ihn denn Fink wollte. Ja, bei einem so großen Kader ist es dann doch, wenn alle (fast alle) fit sind, schwer, die richtige Wahl zu treffen. Fest steht aber: Ivo Ilicevic und Artjoms Rudnevs bleiben ebenso hier wie der verletzte Milan Badelj und die Innenverteidiger Nummer fünf und Nummer sechs, Mancienne und Rajkovic.

Übrigens ist Rene Adler mein großer Hoffnungsträger, dass er dem HSV „die Bude“ rein hält. Erwischt er einen solchen Schokoladen-Tag wie den im September 2012, dann werden Dortmunds Stürmer nichts zu lachen und zu feiern haben. „Wir wissen“, sagt der Nationaltorwart, „wie wir in Dortmund bestehen und auch gewinnen können, aber wir wissen auch, wenn wir nicht, und zwar jeder einzelne, die Top-Leistung abrufen werden, dass es dann nicht reichen wird, denn Dortmund ist ja ganz klar die bessere Mannschaft. Aber dieses Spiel ist eine besondere Herausforderung, auf die wir uns freuen – ich jedenfalls freue mich sehr. Der BVB ist neben oder mit Bayern München die beste Mannschaft Deutschlands, das ist doch reizvoll, gegen ein solches Team anzutreten. Dazu dann dieses Stadion, vor 80 000 Zuschauern anzutreten – herrlich.“
Hoffentlich denkt Rene Adler auch am Sonnabend gegen 20.30 Uhr immer noch so . . .

Von den letzten beiden Erfolgserlebnissen des HSV gegen Dortmund will Thorsten Fink nichts mehr wissen: “Letztes Jahr haben wir zweimal gewonnen, aber das bringt uns ja nichts, wenn die uns jetzt mit 3:0 oder 4:0 vom Hof jagen. Wir müssen schon von Beginn an dagegenhalten, richtig Gas geben, kratzen, beißen und kämpfen, dass wir dort einen Punkt holen.” Realist, der Mann. Guter Mann.

Themenwechsel. Im Hamburger Abendblatt erschien heute ein Interview mit dem HSV-Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel. Daraus hat die Agentur einen Kurz-Bericht gemacht:

Aufsichtsratschef Manfred Ertel sieht die diskutierte Strukturreform beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV skeptisch. Der Journalist wendet sich gegen eine Ausgliederung der Profi-Abteilung. Diese sei kein „Allheilmittel für mangelnden sportlichen oder wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Ertel dem „Hamburger Abendblatt“ (Donnerstag) und betonte: „Die letzten Insolvenzen gab es doch gerade bei ausgegliederten Vereinen wie Alemannia Aachen, Kickers Offenbach oder MSV Duisburg. Sportlicher Erfolg hängt nicht von Strukturen ab, sondern von handelnden Personen.“
Ließe sich der HSV in dieser Frage von Stimmungen leiten, drohe ihm „so etwas wie eine feindliche Übernahme“, meinte der 62-Jährige. Aufgrund negativer Erfahrungen sei man im europäischen Ausland auf dem Weg zurück zu Mitglieder-Vereinen. „In Europa gilt der HSV e.V. deshalb vielen als Vorbild“, sagte Ertel. An dem Reformkonzept vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff störe ihn, dass es „Mitbestimmungsrechte der Mitglieder praktisch abschafft“.

Die geforderte Reduzierung des Aufsichtsrates von derzeit elf auf sechs Personen sieht Ertel nicht als vordergründig an, will sich dem Thema aber nicht verschließen. „Maulwürfe bleiben Maulwürfe, ob bei elf oder sieben Mitgliedern“, sagte der Aufsichtsratschef und meinte damit das permanente Ausplaudern von Interna.

Aachen, Offenbach und Duisburg? Welcher Club ist heute denn nicht schon ausgegliedert? Und dann das brisante Thema Vorbild? Stimmt ja wirklich. In Dortmund, bei Bayern München, beim FC Barcelona, bei Real Madrid und bei Manchester United sowie dem FC Arsenal, um nur mal ein Bruchteil jener Clubs zu erwähnen, beneiden sie alle den HSV. Bei diesen Welt-Vereinen kommt schon lange echte Wehmut auf. Sie möchten doch alle so sein, wie dieser großartige HSV. Aber leider haben sie die Chance dazu verpasst. Jetzt laufen in allen diesen Vereinen, und in vielen, vielen mehr, sämtlich Kampagnen zu Struktur-Änderungen. In allen diesen Stadien hängen Plakate, auf denen zu lesen ist: „Zurück zum Fußball! Wir wollen sein wie der HSV in Hamburg!“

Übrigens: „Matz ab“ dient, das sage ich mal so, inzwischen im weltweiten Internet auch als Vorbild aller Fußball-Blogs, und auch ich, sage ich mal so, werde schon seit Jahren als absolutes Vorbild für alle und für jeden gepriesen und hingestellt. Ist wahr. Kann sich jeder erkundigen. Ich bin ein Vorbild, sag ich jetzt mal so, jeder will so sein wie ich. Und wie „Matz ab“ natürlich.

Bis auf den Herrn „Wortspieler“. Der gute Mann ist vielleicht dann doch ein Mann für den HSV-Aufsichtsrat und nun wiederum mein ganz großes Vorbild. Wie der mit den Worten jonglieren kann – einmalig. Er kann alles, weiß alles, weiß alles auch viel besser, und er hat nun ein einzigartiges „Matz-ab-Jubiläum“ aufgedeckt. Wenn wir ihn nicht hätten – und die dicken Kartoffeln. Denn er schrieb nun:

In knapp zwei Stunden (21.00 Uhr) feiert “Matz ab” ein beachtliches Jubiläum: Es sind nunmehr exakt 200 Stunden nach der Vorstellung von “HSVplus”, in denen es der Blogvater geschafft, sich weder mit dem Konzept / Projekt auseinananderzusetzen – weitergeleitete DPA-meldungen außen vor – noch sich in irgendeiner Form zu positionieren. Diese aalglatte Berichterstattung eines Journalisten (!) und Fans sucht seines Gleichen und soll mit diesem Jubiläum Anerkennung finden.

Vielen Dank für den Hinweis auf dieses überragende Jubiläum, wir haben gerade die Sektkorken springen und hüpfen und knallen lassen. Hoch die Tassen, Konfetti und Hintern auf den Tisch.
Wer lesen kann, der ist zwar klar im Vorteil, aber Jubiläum ist Jubiläum.

Dass ich noch keine Stellung zum Thema „HSVplus“ bezogen habe, das ist mir peinlich, aber auch ich lerne ja täglich hinzu. In der Redaktion haben zwar schon einige Damen und Herren angerufen, mir auch geschrieben, ob ich denn schon der Wahl-Helfer, der Presse-Sprecher und der Berater von Ernst-Otto Rieckhoff (und dessen Initiative „HSVplus“) sei, aber die sind ja wohl fast alle wirklichkeitsfremd. Zu diesem Thema aber schrieb ich hier im Blog am 5. September („Lasogga mischt schon richtig gut mit“) – und ich schrieb es schon mehrfach, es mag dem einen oder anderen entgangen sein:

Dann gab es im Sport-Informations-Dienst heute eine Zusammenfassung des heißen Themas „Struktur-Änderungen“ beim HSV, die möchte ich Euch nicht vorenthalten. Auch deshalb schon, weil sich erneut zwei große „Alt-HSVer“ zu Wort gemeldet haben. Um das noch schnell einzufügen, weil ich gefragt worden bin, ob ich der Medienberater von Ernst-Otto Rieckhoff bin: Ich bin es nicht – und bin es doch. Ich unterstütze EOR, weil ich für neue Strukturen bin, sie sind längst überfällig. Wie Thomas von Heesen mir kürzlich sagte: „Der HSV hat den Zeitpunkt verschlafen, das hätte schon vor drei, vier Jahren gemacht werden müssen.“ Stimmt.

Deswegen unterstütze ich Rieckhoff, ich unterstütze aber auch jeden anderen, der sich für neue Strukturen im HSV stark macht. Das gilt für Jürgen Hunke genau so, und falls es den Magath-Plan tatsächlich geben sollte, dann unterstütze ich das auch. In der Hoffnung, das muss ich schon zugeben, dass sich die Herren dann eines Tages so einigen werden, dass etwas Sinnvolles für den HSV dabei herauskommen wird. Das, nur das ganz allein zählt für mich. Nicht jenes und nicht dieser Plan, sondern nur der HSV. Otto Rieckhoff hat aber mit seinem Vorstoß schon mal Maßstäbe gesetzt. Ich hätte mir ja folgende Veränderungen gewünscht:

Aufsichtsrat bleibt Aufsichtsrat – für den HSV e. V. Und für die ausgegliederte Bundesliga-Abteilung drei Vorstandsmitglieder, dazu einen fünfköpfige sportlichen Aufsichtsrat, bestehend aus Jakobs, Hieronymus, von Heesen, Horst Hrubesch und noch einem verdienten Ehemaligen. Das aber, so toll diese Vorstellung für mich auch ist, wäre gar nicht möglich. Weil ja die Mitglieder im HSV entscheiden sollen und müssen. Und in diesem Falle ist eben der Weg, den Rieckhoff nun eingeschlagen hat, der richtige. Was nicht heißen soll, dass nicht auch Hunke und Magath-Kühne einen richtigen Weg (mit den Mitgliedern) einschlagen können. Aber das kommt ja auch erst noch auf uns zu.

Damit habe ich absolut keine Stellung bezogen – das wollte ich so.
Wie oft ich aber schon darauf angesprochen worden bin, dass ich ja für neue Strukturen bin – und dass ich EOR unterstütze, das kann ich gar nicht mehr zählen. Einer der letzten war beim Tag der Legenden am Millerntor der frühere Nationalspieler und heutige Sport1-Moderator Thomas Helmer, der mich am Sonntag wie folgt ansprach: „Du mischt ja ganz schön mit bei den neuen Strukturen des HSV . . .“ Nun gut, offenbar kann man das so und auch so sehen. Der Herr Wortspieler sieht es eben so. Kann ich ihm auch nicht helfen, muss er vielleicht woanders reinschauen, da wird vielleicht kräftiger Stellung bezogen . . . Im Quickborner Tageblatt eventuell.
Ich habe ein Herz für Besserwisser.

Bei der Gelegenheit – auch solche (netten) Beiträge gibt es im Moment wirklich viele:

Hallo ihr beiden,
mit großem Interesse verfolgen wir hessischen HSVer die Entwicklung rund um HSVPLUS.
Da viele von uns mehr Informationsbedarf haben und etwas ändern wollen, haben wir von den HSV Freunden Burgwald eine Infoveranstaltung organisiert, zu der alle hessischen Fanclubs eingeladen wurden.

Vielleicht ist dieses Thema ja auch für euch interessant und ihr möchtet auch kommen und euch das anhören…Ihr seid herzlich eingeladen.
Ein Umweg ist es nicht, wenn ihr nach Frankfurt fahrt, liegt Bracht praktisch auf dem Weg.
Schaut euch doch bitte mal die Einladung an, ich freue mich über eine positive Rückmeldung.

Wir werden übrigens zur JHV im Januar eine Bus chartern und mit unseren HSV-Mitgliedern (41 im Verein) nach HH fahren

Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen

Martin Schneider
HSV Freunde Burgwald 2002
mobil 0177 3421 836
mail: hsvfreundeburgwal@googlemail.com

Einige, fast hätte ich viele geschrieben, also einige „Matz-abber“ haben mir in der Tat berichtet, dass sie Mitglieder schon dahingehend ansprechen, zur Mitgliederversammlung im Januar zu kommen, um diese historische Chance der neuen HSV-Strukturen nicht noch einmal verstreichen zu lassen. Ein Aufsichtsrats-Mitglied wirbt bei dem Heimspielen des HSV in der Nordkurve vehement, einfühlsam und „klettig“ für genau das Gegenteil, deswegen ist es auch ratsam, dass andere „normale“ Mitglieder für einen runderneuerten HSV arbeiten. Und es wird gearbeitet, das weiß ich, nicht nur im Team Rieckhoff, nicht nur bei Jürgen Hunke und auch nicht nur bei Kühne/Magath. Es geht schon rund. Ein Freund von mir ist wieder eingetreten in „seinen“ HSV, weil er unbedingt wählen will, und ich weiß von „Matz-abbern“, die ihrerseits Freunde und Bekannte überreden wollen, (wieder) einzutreten, um so dem HSV eine bessere Zukunft zu verpassen. Ich sage ja immer: Über 25 Jahre haben es nun die versucht, die es dann doch nicht konnten, jetzt sollten andere mal auf eine neue Art zeigen dürfen, dass es sehr wohl besser geht.

Und eines dürfte doch auch wohl jedem klar denkenden HSV-Mitglied klar sein: Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Ditmar Jakobs, Günter Netzer, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Uwe Seeler, heute dazu im „Kicker“ Willi Reimann, die setzen sich nicht nur aus Jux und Dollerei für den neuen HSV ein. Die wissen längst, was in der Bundesliga Sache ist. Auch wenn sie fern ab davon erfahren haben, dass der HSV für viele Clubs und Institutionen in Europa ein Vorbild ist.
Ach man, wenn es nicht so traurig wäre . . .

Bin übrigens gespannt, wie der neue Bild-Kolumnist Frank Rost diese neuen Strukturen demnächst sehen wird. HSV als Vorbild-Verein, oder HSV chancenlos mit diesen amateurhaften Satzungen? Dass Rost nun für Bild schreibt, ist für mich ein echter Hammer, aber man lernt im Leben ja nie aus. Das ist wie weiland Otto Rehhagel. Der hasste einst die Bild wie die Pest. Als ich, es war 1990, noch bei Bild war, bat ich den damaligen Werder-Coach bei einem Hallenturnier in Bremen um ein Interview. Er fragte mich: „Junger Mann, von welcher Zeitung kommen Sie?“ Ich: „Von Bild Hamburg.“ Er: „Dann hat sich unser Gespräch schon erledigt.“ Ich: „Wieso das denn?“ Er: „Dann hat sich unser Gespräch schon erledigt – Ende.“ Ich: „Wieso, Herr Rehhagel, leiden Sie unter Verfolgungswahn? Ich komme aus Hamburg, nicht aus Bremen . . .“ Er wollte mir daraufhin an den Kragen, aber zum Glück für alle Beteiligten mischte sich dann, weil es lauter und hitziger im Raum wurde, Werder-Manger Willi Lemke ein und zog den drohenden und knurrenden und pöbelnde Trainer weg von mir.
Und ein Jahr später? Da war dieser Otto Rehhagel dann Bayern-Trainer – und, weil es Bestandteil seines Vertrags war (auf Vermittlung von Franz Beckenbauer), auch ganz plötzlich Bild-KOLUMNIST!!!! Jawoll, Kolumnist!!! So geht es dann auch mal im Profi-Fußball der Republik. Man darf ja wohl noch mal seine Meinung ändern.

PS: Morgen um 10.40 Uhr fliegt die Mannschaft nach Düsseldorf, dann findet am Nachmittag das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer es einrichten kann – es wird in Essen (nahe Dortmund) geübt.

18.29 Uhr

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