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Noch mal Malente – als Vorbereitung auf den Karlsruher SC

24. Mai 2015

Es ist die Relegation geworden, Fußball-Gott sei Dank. Das führt dazu, dass die meisten HSV-Fans erst einmal für ein, zwei Tage mal kräftig durchzuatmen. Bevor es dann am Donnerstag wieder ans Eingemachte geht. Es gibt nach Abendblatt-Informationen nur noch 7000 Karten für das Spiel gegen den Karlsruher SC, der sich heute durch einen 1:0-Erfolg die Chance auf den nachträglichen Aufstieg sicherte. Wer also noch live dabei sein will, der sollte sich sputen. Das Spiel wird ausverkauft sein, wahrscheinlich hätte der HSV diese 90 Minuten Zusatzzeit zwei- oder dreimal ausverkaufen können. Zum Glück ist es so. Und zum Glück rennen diese Super-Fans dem HSV weiterhin die „Bude“ ein. Und sie sind ein wunderbarer zwölfter Mann für dieses Team geworden, keine Frage. Es ist einfach nur großartig, wie die Hamburger Anhänger ihre Truppe unterstützt – traumhaft.

Stefan Böger, unser Gast bei „Matz ab live“ hatte es uns erzählt: Er beobachtete sogar die Seitenwahl ganz genau, und er schilderte: „Johan Djourou hatte die Wahl gewonnen und suchte sich sehr genau aus, wie er spielen wollte.“ Erst sollte der HSV gen Süden spielen, dann gegen den fantastischen Norden. Und das klappte. Nach der Nullnummer in Halbzeit eins wurde der HSV im zweiten Durchgang noch durchdringlicher nach vorne gepeitscht – und schoss die beiden siegbringenden Tore. Davon sollte es eine Wiederholung geben – an diesem Donnerstag.

Denn eines sollte sich dieser HSV vornehmen – und es somit besser machen als noch vor einem Jahr: Tore im Hinspiel schießen. Vor einem Jahr gab es gegen Greuther Fürth bekanntlich ein 0:0 – zu wenig eigentlich, um überleben zu können. Es gelang trotz allem. Diesmal sollten möglichst genügend Tore erzielt werden, sodass man schon mit einem beruhigenden Vorsprung zum Rückspiel fahren könnte. Ich weiß, ich weiß, keine Panik, das ist natürlich ein ganz frommer Wunsch, und solche Wunschkonzerte werden auch in Relegationsspielen ganz, ganz selten mal erfüllt, aber hoffen darf man doch mal – oder?

Zumal der HSV diesmal doch unter anderen, besseren Voraussetzungen in die Relegation geht. Vor einem Jahr kam der HSV aus einer Niederlagen-Serie heraus in die beiden Spiele, das Selbstvertrauen war total auf der Strecke geblieben. Außerdem war die Mannschaft damals in einem katastrophalen Fitness-Zustand, denn spätestens nach 70 Minuten hatte kein HSV-Spieler mehr die nötigen Körner, um noch eine Normalform abrufen zu können. Ganz eklatant war es im Rückspiel in Fürth, da ging nach 70 Minuten (oder schon eher?) nichts mehr. Nur Jaroslav Drobny hielt die Mannschaft damals in der Ersten Liga. Nur der HSV-Keeper, damals die eigentliche Nummer zwei. Unvergessen, diese Super-Leistung des Tschechen, der diesmal bekanntlich ausfallen wird (Schultereckgelenksprengung).

Diesmal macht Rene Adler den Drobny. Keine Frage. Deutschlands ehemaliger Nationaltorwart ist super drauf, hält seit Wochen die tollsten Dinger – und schwierigsten Sachen. Adler ist super drauf, und er hat ja auch gestanden, dass er Spaß an diesem Abstiegskampf hat. Das möge bis morgen in einer Woche, dann bis möglichst kurz vor Mitternacht, so bleiben. Und wird es wohl auch – wenn nichts mehr Gravierendes dazwischenkommt. Zum Glück für den HSV hat sich Adler wieder ein eine ganz, ganz prächtige Form hineingesteigert, zum Glück. Das macht ihn jetzt besonders wertvoll.

Ähnlich verhält es sich mit Heiko Westermann, der gestern in der 82. Minute ausgewechselt werden musste – der Abwehrrecke war mit seinen Kräften, eigentlich völlig untypisch für ihn, am Ende, und zwar restlos. Westermann war nicht verletzt, er hatte einfach in diesen 82. Minuten alles gegeben, er war rauf und runter gelaufen, half auch fast überall aus, so kennt man ihn – das war eine vorbildliche Vorstellung des ehemaligen Nationalspielers.

„Heiko war k.o., nicht verletzt. Aber genau das habe ich gewollt, das brauchen wir – dafür haben wir ja Dennis Diekmeier draußen sitzen. Der hat sich über das Training wieder sehr gut reingearbeitet, das habe ich schon im Training gesehen – der brennt. Deswegen ist es gut, dass einer, der dann nicht mehr kann, es auch signalisiert – dann können wir auf der Bank reagieren.“

Ein ähnliches Pensum wie Westermann hatte gegen Schalke Ivica Olic absolviert. Und dazu noch das so wichtige 1:0 geschossen. Bruno Labbadia über seinen ältesten Feldspieler: „Ivi hat ein riesiges Laufpensum absolviert – wie alle Spieler. Er hatte aber nach diesen 90 Minuten auch große körperliche Probleme, denn sein Rücken hatte gegen Ende komplett zugemacht – also gestern wirkte er tatsächlich wie ein alter Mann. Es gab auch kleinere Probleme mit den Adduktoren, aber für uns war wichtig, dass das nicht schwerwiegender Art ist.“ Zum 1:0 von Olic befand der Coach: „Für ihn hat mich besonders gefreut, dass er das Tor gemacht hat, denn die Situation ist für ihn jetzt, nach seiner Rückkehr zum HSV, ja nicht besonders einfach. Aber er ist ein erfahrener Mann, und einem Offensivmann tut ein Tor immer ganz besonders gut – deswegen ist jetzt das Allerwichtigste, dass wir seinen Rücken wieder freibekommen, damit er am Donnerstag spielen kann.“
Ganz speziell an diesem Olic-Treffer war ja, dass er den Ball mit rechts in die lange Ecke schoss! Mit rechts. Dieses rechte Bein hat er eigentlich nur, damit er nicht umkippen kann…

Bruno Labbadia sprach heute mit uns, „Scholle“ hat dieses Gespräch aufgezeichnet, dieses Video könnt Ihr Euch hier ansehen. Später, als „Scholle“ nicht mehr aufnahm, gab es noch eine kleine Fortsetzung mit Labbadia, und das Wichtigste davon habe ich geschrieben. Oder schreibe es jetzt noch. Zum Beispiel sprach Bruno Labbadia noch über das Spiel. Für ihn war es ein „riesiges Spiel“ seiner Mannschaft. Wir hatten bei „Matz ab live“ aber über die erste Halbzeit, die ja doch viele Quer- und Rückpässe gebracht hatte (vom HSV), gesprochen und vermutet, dass der Trainer seiner Mannschaft eine gewisse Zurückhaltung in Halbzeit eins auferlegt hatte. So hatte es auch Stefan Böger vage vermutet – oder auch nur in den Bereich einer Möglichkeit gezogen. Labbadia dazu: „Es steht ja auch ein Gegner auf dem Platz. Und Schalke hat definitiv keinen Millimeter abgeschenkt. Wir haben sie dazu gebracht, dass sie irgendwann den Widerstand aufgegeben haben. Aber nur deshalb, weil wir dagegengehalten haben. Deswegen sage ich, dass wir auch in der ersten Halbzeit ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht haben.“

Über die Fehler, die sich in das Spiel seiner Mannschaft im ersten Durchgang eingeschlichen hatten, befand Labbadia: „Das habe ich zur Halbzeit angesprochen, wir die Konter nicht gut ausgefahren haben, und wir sind nicht konsequent in den Strafraum gegangen, obwohl dazu mehrere Möglichkeiten gehabt haben.“ Der HSV-Trainer weiter: „Wenn man zwei Tore in der zweiten Halbzeit schießt, dann ist man schnell dazu geneigt zu sagen, dass die zweite Halbzeit besser war, aber ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit die Ruhe bewahrt haben. Wie will man schnell spielen, wenn der Gegner die Räume so geschickt zustellt. Und das hat Schalke gut getan. Die standen kompakt. Das ist die italienische oder englische Schule von Trainer Di Matteo, er achtet darauf, dass die Passwege geschickt zugestellt werden. Darauf warten sie nur, um dann zu kontern. Wir haben ihnen aber diese Möglichkeiten nicht gegeben. Wir haben ruhig gespielt, wir haben variabel gespielt, wir haben den Ball und den Gegner laufen lassen. Und wenn der Gegner viel laufen muss, dann lässt er irgendwann auch mal nach – das war eine Marschroute, unsere Marschroute.“

Eine schöne Erklärung des Trainers. Die aber wahrscheinlich für einen ehemaligen HSV-Profi nicht so richtig zählt. Für. Wer? William „Jimmy“ Hartwig. Den gibt es. Immer noch. Heute ist er Schauspieler, aber ab und an sagt er auch etwas über den Fußball allgemein und den HSV ganz speziell. Bei „Spox“ meinte Hartwig nach dem 2:0-Sieg über Schalke: „Ich ärgere mich über die Wettbewerbsverzerrung von Schalke. Das ist eine Unverschämtheit von einer Mannschaft, die im Europapokal mitspielen will, keine Gegenwehr zu zeigen. Der HSV hat sich Mühe gegeben, aber sie haben ja keine Gegenwehr gehabt. Das ist so traurig für die Freiburger. Dass sich der HSV jetzt wieder auf den 16. Platz gerettet hat, das befriedigt weder mich noch die anderen ehemaligen HSV-Spieler.“ Und auch das noch: „Der HSV hat wieder das Glück, auf dem Relegationsplatz zu stehen, Dann jubeln sie alle, wie toll der Verein ist, dabei ist er marode und von oben kaputt. Das ist das, was mich am meisten ärgert.“ Zudem offenbarte Hartwig: „Auch wenn ich mal mit den ehemaligen Kollegen wie Manni Kaltz oder Felix Magath spreche – ein schöner Ab- und Aufstieg wäre angebracht gewesen.“

Kann man ja mal sagen, wenn einem danach ist. Aber wer will das eigentlich lesen – oder hören? Von Hartwig? Der ist hier bei jedem Heimspiel zu sehen – natürlich nicht. Aber von solchen Herren gibt es eben immer noch so viele. Nie hier, aber über den HSV reden. Aber auch solche muss es geben. Wahrscheinlich. Hartwig ist da nicht allein.

Schnell noch zu etwas Wichtigerem: Petr Jiracek ist verletzt, hat heute auch nicht trainiert. Weil er vor zwei Tagen im Training einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte. Labbadia: „Es war eigentlich zuerst gar nicht so schlimm, aber jetzt ist es plötzlich dick geworden, er hat Schmerzen. Er hat gestern noch auf die Zähne gebissen, aber heute ging es nicht mehr, jetzt müssen wir abwarten, bis die Schwellung zurückgeht, um zu sehen, wie schwer die Verletzung ist.“

Und nun zu Scholles Teil:

Der Karlsruher SC ist es also geworden. Wobei, bevor ich über den KSC schreibe, an dieser Stelle meinen allerherzlichsten Glückwunsch an unseren Stadtrivalen FC St. Pauli, der sich trotz der 0:1-Niederlage in Darmstadt die Klasse rettete! Chapeau, FC St. Pauli, Herzlichen Glückwunsch zur Rettung, Ewald Lienen! Wir nehmen das mal als gutes Omen für den Hamburger Existenzkampf im Fußball…

Und wenn wir schon anderen gratulieren, dann natürlich dem SV Darmstadt 98. Nachdem sich Darmstadt 98 sensationell wie ich finde, den Aufstieg in die Erste Liga verdient hat, mussten sich die heute extrem souverän auftretenden Badener mit der Relegation gegen den HSV zufrieden geben. Und ich sage es vorweg: Der Anspruch des HSV muss der Klassenerhalt bleiben. In der Relegation ist man zweifellos auch gegen den KSC haushoher Favorit. Dennoch muss ich unseren Matz-ab-Live-Gästen Jan-Christian Müller und Stefan Böger Recht geben, ich hätte angesichts der heutigen Leistung tatsächlich am liebsten den FCK genommen, der ohne den nicht einmal für den Kader nominierten Kerem Demirbay („Ich weiß nicht, warum ich gar nicht dabei war“) gegen den 80%-Ingolstädter Zweitligameister trotz der Führung letztlich enttäuschte. Dieser KSC hingegen war 1860 München die gesamten 90 Minuten überlegen und spielte das so wichtige Spiel erstaunlich gelassen und unaufgeregt runter. In dieser Verfassung, da verrate ich kein Geheimnis, ist der KSC ein ganz harter Brocken.
Ein Brocken mit Selbstvertrauen. „Irgendwann ist Hamburg dran. Warum nicht dieses Jahr…“ – das sagte KSC-Keeper Orlishausen und weiß, wovon er spricht. Immerhin schlug er den HSV vor drei Jahren als Nummer eins mit dem KSC im DFB-Pokal als damaliger Drittligist 4:2, nachdem die Hamburger durch Marcus Berg und Maxi Beister sogar zweimal in Führung gegangen waren. Ich war damals live vor Ort und saß bei gefühlten 100 Grad Celsius neben einem KSC-Reporter, der damals vom mitspielenden Hakan Calhanoglu schwärmte und parallel nicht aufhören konnte, über einen zu schimpfen: Rouwen Hennings. Der war damals erst beim HSV dann beim FC St. Pauli gescheitert, ehe er beim landete und sich dort inzwischen zum Führungsspieler gemausert hat. Dass er jetzt gegen seinen Jugendclub antreten muss – es stört ihn nicht. „Egal gegen wen, die Relegation ist eine Riesenchance und wir wollen unsere tolle Saison krönen“, so Hennings.

Und tatsächlich ist die Chance für diesen KSC groß. Nach Meister Ingolstadt hat man das beste Torverhältnis und nicht allein ob des Topwertes von nur 26 gefangenen Gegentreffern auch die beste Abwehr. Mit gewissen Parallelen zum HSV sogar, denn auch die beiden KSC-Innenverteidiger Gordon und Gulde schädeln nahezu jeden hohen Ball raus und spielen eher rustikal denn filigran. Für den HSV, der zuletzt vermehrt auf Standards setzen konnte, dürfte es mit derselben Taktik beim KSC schwer werden.

Fakt ist jedenfalls, dass der HSV auf eine tief stehende, gut verteidigende und bei Kontern gefährliche Zweitligamannschaft trifft. Nicht unbedingt das Profil, das diesem HSV liegt. Allein über die rechte Verteidigerseite geht nach vorn immer wieder mal die Post ab. Während Max auf links zumindest heute verhältnismäßig ruhig spielte, sorgte Rechtsverteidiger Enrico Valentini vor allem im Duett mit dem quirligen Torschützen Manuel Torres immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Wobei ich glaube, dass das schnelle, dribbelstarke und kurze Leichtgewicht Torres (1,75 Meter) gut zu unserem nicht minder schnellen Linksverteidiger Matthias Ostrzolek (1,78 Meter) passen dürfte.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Restsonntag und einen hoffentlich schönen, sonnigen Pfingstmontag. An diesem findet allerdings kein Training statt, die Mannschaft startet dafür um 16.30 Uhr ins Trainingslager nach Malente. Aber: bevor ich mich hier verabschiede, erlaubt mir (Scholle) bitte noch ein Wort zu Hartwigs Aussagen:

Dass der eigenwillige Offenbacher gern mal einen raushaut, ist bekannt und mir grundsätzlich auch nicht unsympathisch. Er war immer so und ist es noch immer. Aber jetzt als Ex-HSVer dem Verein mehr oder weniger deutlich den Abstieg zu wünschen, das finde ich daneben. Auch Hartwig weiß um die finanzielle Situation beim HSV und kann sich ausmalen, wie schwer ein Abstieg wiegen würde. Und egal wie berechtigt sich die 83er-Helden als Helfer beim „neuen HSV“ auch übergangen fühlen, in einer solch gefährlichen Situation wie aktuell sollte man mehr Zusammenhalt erwarten können. Alles, was er heute gesagt hat, hätte auch noch diese acht Tage bis zum Klassenerhalt Zeit gehabt.

Bis dahin,
Dieter und Scholle

P.S.: Was ich (Dieter) wieder einmal vergessen habe (Asche auf mein Haupt!) – in der Hektik: „Matz ab live“ von gestern ist natürlich wieder eine Sendung, die vom Abendblatt-TV hergestellt wurde, die beiden Regisseure waren Volker Sarbach und Axel Leonhard. Unterstützt werden wir alle von unserem Premium-Partner Maske, die Auto-Langzeitvermietung.
Und dann möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei unseren Gästen Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) und Stefan Böger (ehemaliger HSV-Profi und DDR-Nationalspieler) bedanken, die wieder einmal ganz hervorragende Analytiker waren. Gerne immer wieder, denn so macht es riesigen Spaß – nicht nur, wenn der HSV gewinnt. Aber natürlich auch, ganz klar.

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