Archiv für das Tag 'Kaiserslautern'

1:0 gewonnen – Land in Sicht!

31. März 2012

Der HSV ist wieder über dem Strich – und kann doch noch gewinnen. Nach vier Niederlagen in Folge gab es im Abstiegs-Endspiel beim 1. FC Kaiserslautern einen knappen aber nicht unverdienten 1:0-Erfolg, den Marcell Jansen mit seinem Linksschuss in der 28. Minute sicherte. Dank des überragend haltenden Keepers Jaroslav Drobny konnte der HSV aber diesen so wichtigen Dreier sichern – der Tscheche war der überragende Mann. Glück für den HSV, dass in der 87. Minute kein Elfmeter gegen Hamburg gepfiffen wurde, als Gojko Kacar den Lauterer Wagner im Fünfmeterraum zu Fall brachte. Der HSV kann jetzt erst einmal wieder auf- und durchatmen, es ist wieder Land in Sicht. Aber geschafft ist es immer noch nicht, es folgen immer noch sechs Endspiele, denn die Konkurrenz schläft nicht, wie Freiburg, Mainz und Augsburg zeigen. Jetzt muss der HSV endlich einmal zu Hause nachlegen – gegen Leverkusen im Volkspark.


Von links: Bert Ehm, Lotto King Karl, Dieter Matz, Marcus Scholz

Es ging ja schon gut los: Heiko Westermann gewann die Seitenwahl gegen den Kollegen Tiffert. Ein gutes Omen? Mit Spaß und Lockerheit, so hatte es Marcus Berg vorher gesagt, sollte der Betzenberg gestürmt werden. Aber der Spaß war dem Schweden schnell vergangen, denn er hatte schon nach wenigen Sekunden eine blutende Kopfplatzwunde nach einem Duell mit Rodnei. Minutenlang musste Berg behandelt werden. Spaß und Lockerheit waren aber auch bei den Bergs HSV-Kollegen nicht vorhanden. Zu Beginn war es ein einziges Gewürge und Gestochere, wobei der Tabellenletzte etwas dynamischer wirkte als der HSV.
Die erste gute Tormöglichkeit hatten dann auch die roten Teufel. De Witt, der beim Hinspiel (1:1) sein erstes Bundesliga-Tor erzielen durfte und konnte, marschierte nach einem Abstoß mit dem Ball am Fuß bis 18 Meter vor das HSV-Tor, ein Schuss, Michael Mancienne stellte sich in den Weg und fälschte den Ball ab – das 1:0 schien unvermeidbar. Jaroslav Drobny aber hielt weltmeisterlich – eine Super-Parade, der Tscheche lenkte den fast unhaltbaren Ball gerade noch über die Torlatte. „Drobo“ Drobny – Fußballgott. (11.).
Nach einer Viertelstunde schien sich der HSV gefangen zu haben, es wurde ruhiger, abgeklärter und auch sicherer gespielt, der Ball auch in den eigenen Reihen gehalten, wenn es nach vorne keine Lücken gab. Allerdings musste noch einmal Drobny die Null retten. Wieder war es De Witt, der aus zwölf Metern flach abzog, aber Drobny tauchte flach ab und hielt auch diese Kugel fest (24.). Hervorragend.
Und was machte der HSV in der Offensive? Kaum etwas. Von Mladen Petric war nicht viel (oder kaum etwas) zu sehen, über rechts kam so gut wie nichts gen FCK-Strafraum, denn weder Ivo Ilicevic (wurde permanent ausgepfiffen) noch Dennis Diekmeier konnte sich Richtung Torauslinie „vorkämpfen“. Von links kam wenigstens etwas, weil vor allen Dingen Marcell Jansen diesmal agil wirkte. Auch deshalb gab es hin und wieder mal einen Ball für Marcus Berg, der dabei seine zurzeit gute Form erneut unter Beweis stellte. Für mich schon erstaunlich, denn – ich schrieb es bereits mehrfach – vor einigen Wochen und Tagen war Berg quasi noch weit weg vom Fenster. Jetzt aber macht er seine Sache erstaunlich gut, er hält die Kugel klug (wie vorher oft Paolo Guerrero) und verteilt sie auch geschickt. Bravo!
Auf diese Art fiel auch der Hamburger Führungstreffer. Zweite Flanke von Dennis Aogo von links, am langen Pfosten lauerte Berg. Der Schwede hätte die Kugel direkt nehmen und auf das Tor schießen können, doch er machte es mit viel, viel Übersicht. Er legte den Ball zur Mitte ab, hervorragend gemacht, Ilicevic schoss, der Ball prallte von einem Lauterer ab – Elfmeter? Diese Frage umging Jansen eiskalt, denn er behielt die Nerven und die Übersicht, schoss flach aus zehn Metern ein. Welch ein Jubel im HSV-Team, und auch in der HSV-Kurve wurde wie beim Karneval in Rio gefeiert. Traumhaft. Endlich einmal eine HSV-Führung – so lässt es sich ja in der Tat etwas entspannter spielen.
Personell eng wurde es in der 35. Minute: Diekmeier am Boden, Diekmeier musste draußen behandelt werden. Die bange Frage: wer kommt für den Verteidiger? Da saß nur noch ein „Defensiver“ auf der Bank: Linksfuß Slobodan Rajkovic. Auch deshalb saß er ganz „allein“ dort, weil sich der Mannschaftsrat ja zuvor gegen das Mitwirken von Jeffrey Bruma ausgesprochen. Und so dick ist die Spielerdecke des HSV eben nicht mehr. Was daran zu erkennen war, dass zu Beginn des zweiten Durchgangs mit Jacopo Sala ein Spieler kam, der eher offensive Qualitäten hat.
Nach dem Seitenwechsel kam der HSV besser zum Zuge. Petric hatte das 2:0 auf seinem linken Fuß, doch Sippel hielt. Wenn es glücklich gelaufen wäre für den HSV, aber das haben wir ja schon lange nicht mehr erlebt, hätte der mitgelaufene Jansen die Kugel ins leere Lauterer Tor befördern können, aber er bekam den Ball zu plötzlich vor seinen rechten Fuß – Chance vorbei (47.) . 120 Sekunden später hatte Gojko Kacar das zweite HSV-Tor auf dem Kopf, doch Sippel hielt diesmal glänzend. Wie im Gegenzug Drobny gegen Sahan – nur Eckstoß für die „Teufel“.
In der folgenden Zeit machte das Schlusslicht richtig (gut) Druck. Irgendwie schien der sich nun ein wenig zu weit zurückziehende HSV um ein Gegentor zu betteln.

Die Einzel (diesmal etwas kürzer, weil gleich die Internet-Sendung beginnen soll):

Jaroslav Drobny war ein überragender Rückhalt – trotz seiner muskulären Probleme im Oberschenkel. Note eins für den Tschechen.
Dennis Diekmeier hatte hinten keine besonders starken Szenen gegen Bugera, schaffte es aber auch nach vorne nicht oft, Akzente zu setzen. Da muss irgendwann schon einmal mehr kommen. Er musste zur Pause verletzt raus. Heiko Westermann wie ein Fels in der Brandung – großartig, der beste Feldspieer des HSV. Michael Mancienne stand seinem Kapitän eisern und fest zur Seite, ebenfalls eine sehr, sehr gute Partie. Dennis Aogo hatte seine Seite gut im Griff, verstand sich diesmal auffällig gut mit Jansen. Beide konnten durchaus auch im Spiel nach vorne gefallen.
David Jarolim, der Super- und Vollblut-HSVer, war wieder eine große, hervorragende Stütze des Teams, ein toller Stabilisator, an dem sich alle orientieren konnten. Was der Dauerläufer wieder an Bällen erkämpfte, das ist einfach nur riesig. Kompliment, „Jaro“, ganz dickes Kompliment, das ist immer noch allererste Sahne.
Bei Gojko Kacar wechselten sich gute und nicht so gute Szenen in bunter Reihenfolge ab, in der zweiten Halbzeit hatte er sein Spiel etwas besser im Griff. Grundsätzlich aber muss er noch viel, viel mehr machen – und besser werden. Er hat es doch einst gekonnt.
Ivo Ilicevic blieb eine Halbzeit lang blass, total blass sogar, dann taute er an alter Wirkungsstätte ein wenig auf. Pech für ihn, als er in der 63. Minute nur die Torlatte des FCK-Gehäuses traf. Die Vorarbeit, die soll auch erwähnt werden, kam von Berg und Kacar, der den Ball per Hacke vorlegte. Bester Angriff des Spiels! Links hatte Marcell Jansen einen seiner besseren Tage im HSV-Trikot erwischt – nicht nur wegen des Tores. Allerdings hätte er in der 64. Minute fast das 1:1 verschuldet, als er nach einer Linksflanke Tiffert zum Kopfball kommen ließ – das hätte ins Auge gehen können. Zum Glück sind die Pfälzer ja keine Weltmeister in Sachen Tore schießen . . .
Mladen Petric war lange Zeit nicht zu sehen, aber in Halbzeit zwei legte er zu – das war okay. In der 80. Minute wurde er vom Platz genommen, für ihn kam Heung Min Son –der alles das, was gut aussah, verstolperte. So geht das nicht mehr, Herr Fink! Aber Gökhan Töre ist wohl ebenfalls ein wenig in Ungnade gefallen.
Und Marcus Berg hat, wie schon geschrieben, seine gute Form erneut bestätigt, allerdings schienen ihm im zweiten Durchgang doch ein wenig die Kräfte zu schwinden.
Jacopo Sala mischte auf ungewohnter Position gut mit, das war fast souverän zu nennen.
Ein Blick zum Osterwochenende: Bayer Leverkusen verliert daheim gegen Freiburg. Das allein ist schon nicht gut, aber was passiert mit dem Trainer? Wenn Robin Dutt vor die Tür gesetzt wird, dann kämen die Millionäre aus Leverkusen wohl mit einem neuen Coach – nicht gut für den HSV. Gewiss nicht. Aber mal abwarten.

Und jetzt gleich wollen wir im Internet bei Matz ab auf Sendung gehen.

Es ist alles gesagt – mal wieder. Jetzt zählt nur ein Sieg

28. März 2012

Es gibt ja immer wieder Hinweise von Außenstehenden, die sich bewahrheiten. Gestern zum Beispiel wurde mir erzählt, dass es intern Unruhen gab wegen Muhamed Besic. So weit, so wahr. Was dann allerdings von meinem Bekannten kam, kann in die Schublade „Stille Post“ zurückgesteckt werden. „Er hat sich angeblich darüber beschwert, dass ihm selbst Spieler wie Rajkovic als Linksverteidiger vorgezogen würde.“ Das wiederum ist nicht wahr. Stattdessen wurde Besic suspendiert, weil er sich im Training hängen ließ und auch ansonsten wenig professionelle Einstellung vorlebte. Im Gegenteil, der (erstaunlich, weil so extrem) selbstbewusste Bosnier war immer wieder dadurch aufgefallen, dass er sich selbst als zu gut empfand, um für die eigene U23 zu spielen. Er soll, so berichtet es die SportBild, sogar seinen Rausschmiss gegenüber Trainer Thorsten Fink, der ihn mit beiden Händen am Kragen gepackt haben soll, mit folgenden Worten kommentiert haben: „Wer bist Du, dass Du mich anpackst?“ Es war Fink, sein Trainer. Zugleich die Autoritätsperson für Besic beim HSV. Wobei der 19-Jähreige ausgerechnet damit am meisten Probleme hat. Die einen sagen, weil er es von seinem Vater so vorgelebt bekommt, die anderen betrachten Besic seit dessen Nationalelfnominierung für Bosnien als abgehoben. Und das, obwohl er in der Bundesliga bis heute nicht Fuß fassen konnte.

Nun also noch weniger. Besic dürfte unter Trainer Thorsten Fink keine Berücksichtigung mehr erwarten dürfen. Und auch wenn er sich am Tag danach entschuldigte sowie sein Berater von „beidseitigen Fehlern“ sprach – Fink bleibt stur. Zu recht, wie ich finde. Zumal das auch ein Zeichen an das eine oder andere weitere Talent im Kader ist, das sich zuletzt schon in Sphären wähnte, die nichts mit HSV geschweige denn mit Abstiegskampf zu tun haben.

Das sieht auch Ivo Ilicevic so. Ohne auf diesen expliziten Vorfall einzugehen, begrüßt der rechte Mittelfeldspieler Finks jüngste Maßnahmen. Ilicevic sieht sie unmittelbar vor seiner ersten Rückkehr als Gegner zum 1. FC Kaiserslautern sogar als fruchtbar an. „Es ist völlig zweitrangig, ob ich zu meinem Ex-Klub zurückkehre – wichtiger ist, dass wir gut arbeiten. Und so, wie die Mannschaft trainiert, macht das Hoffnung“, sagt Ilicevic, der heute im Training zu den Besseren beim langen Abschlussspiel gehörte, „es haben jetzt alle verstanden.“

Hoffnung also. Durchs Training. Das hatten wir schon so oft, dass man geneigt ist, nicht mehr daran zu glauben. Zumal, wenn man sieht, dass im Nachmittagstraining – der angekündigten weiten Extraeinheit – Fußball-Tennis gespielt wurde. Viel mehr als aktives Zusammensein ist das nicht. Deshalb nehme ich lieber eine andere Ansicht Ilicevics auf, die mir deutlich besser gefällt und der ich mehr Bedeutung beimesse. „Wir müssen in Lautern über den Kampf kommen“, so der Rechtsfuß. Endlich mal einer, der spricht wie ein „Abstiegskämpfer“. Dass er zwischendurch auch wieder die höhere Qualität des HSV ansprach ist insofern okay, als dass er es in die richtige Reihenfolge setzt. „Wenn wir den Kampf annehmen und gegenhalten, wird sich unsere Qualität letztlich durchsetzen.“

Richtig. Ilicevic weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es auf dem von frenetischen Lautern-Fans befeuerten Betzenberg für gegnerische Mannschaften ist – oder besser: wie schwer es sein kann. Denn auch beim FCK herrscht Unsicherheit. Ilicevic: „Wir haben die große Chance, die Fans gegen die eigene Mannschaft aufzubringen. Wenn wir lange in Ballbesitz sind oder am besten noch in Führung gehen, kippt die Stimmung schnell. Dann wird es auch für Lautern schwer.“ Denn, und darin sieht Ilicevic den Vorteil für den HSV. Der HSV-Profi glaubt sogar daran, dass sich beim 1. FC Kaiserslautern Angst einschleichen könnte. „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Lautern ist jetzt schon sieben Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Da ist das Spiel für die schon so etwas wie die letzte Chance“, sagt Ilicevic. Ob das für den HSV auch gilt? „Nicht ganz so krass. Aber wir wissen, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen.“

Wobei Ilicevic selbst ein wesentlicher Baustein sein könnte. Zumindest soll er das werden. Der Kroate galt nach seinem Wechsel als Sofortverstärkung, traf bei seinem ersten Kurzeinsatz und schürte Hoffnungen, die er seither nicht erfüllen konnte. „Es war bislang keine einfache Saison für mich. Durch die vielen Verletzungen fehlte mir der Rhythmus“, klagt Ilicevic. Allerdings kann davon in der Rückrunde nach nunmehr sieben von zehn Spielen nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Und bevor ich ihn genau das fragen kann, zeigt sich Ilicevic selbstkritisch: „Ich brauche für meine Leistung Spiele – und die habe ich jetzt bekommen. Deshalb muss jetzt mehr kommen von mir. In Lautern beispielsweise – auch wenn ich dort erst einmal vor allem anderen den Kampf annehmen muss.“

Kämpfen tut auch gerade Jaroslav Drobny. Der Tscheche, der in der Partie beim VfL Wolfsburg patzte, ist noch immer nicht wieder hundertprozentig fit. Heute Vormittag pausierte er, am Nachmittag erholte er sich aktiv mit weniger belastenden Torwartübungen auf dem Platz. Klar ist, dass Drobny gegen Kaiserslautern im Tor stehen wird. Trotz der Blessur am Oberschenkelmuskelansatz rechts. Das Schlimme daran: Drobny muss auch deshalb spielen, weil der HSV keine Alternative hat. Denn sowohl Sven Neuhaus als auch Florian Stritzl traut Fink ein Bundesligaspiel nicht zu. Erst recht nicht in einer so brisanten Situation.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Drobny bis Sonnabend ausreichend erholt. Mehr als bis zum Wolfsburg-Spiel. Immerhin gilt er als einer der absoluten Führungsspieler im Team und hat Erfahrungen – auch negative – mit dem Abstiegskampf gemacht. Vielleicht kann der Tscheche seinen Mitspielern ja heute beim von ihm, Heiko Westermann und Dennis Aogo initiierten Mannschaftsabend ein paar wichtige Tipps geben, wie man es im Abstiegskampf (nicht) macht.

In diesem Sinne, es ist eigentlich alles gesagt. Mal wieder. Jetzt – und so sehr das auch eine Floskel ist – jetzt zählt nur noch ein Sieg beim FCK. Morgen steht nur eine Einheit um 15 Uhr an der Arena auf dem Plan. Im Anhang findet Ihr einen Auszug sehr lesenswerter Mails aus unserer (Blog-)Mitte.

Bis morgen,
Scholle

Blogbeiträge:
„Jockel“ schrieb:

Hallo,

mit Erstaunen musste ich die letzten Tage feststellen, dass in der Boulevard-Presse immer wieder die Spieler Besic und Castelen an den Pranger gestellt werden. Entweder sind sie unter einem “anderen” Spieler-Namen aufgelaufen oder ich habe Wahrnehmungsstörungen. Man kann doch nicht ernsthaft die HSV-Misere an zwei Dauer-Reservisten festmachen, um damit den Druck von den eigentlich verantwortlichen Spielern zu nehmen…?! Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer Fink diese
Wirkung erzielen wollte…….falls doch, wäre dies ein Armutszeugnis.

Schwarz-weiß-blaue Grüße,
Jockel 1887

P.S. Die gute Zustands-und Problembeschreibung des Fachmannes Bettin analysiert perfekt die Schwachstellen in der Spielgestaltung beim HSV und gibt damit auch gleichzeitig die Ansatzpunkte vor. Fehlende Kreativität und ein nicht erkennbares System kann in den letzten Spielen daher nur über den Kampf ausgeglichen werden. Ich hoffe, zumindest dies funktioniert noch rechtzeitig.

Von „Magicc“:

Ich gehöre eigentlich eher zu den Lesern als zu den Schreibern, aber bei einigen Kommentaren hier kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr drescht hier auf Spieler und Verantwortliche ein, das geht so gar nicht.

Thema Petric:

Er hat schon immer so gespielt, sich nie viel bewegt, war nie der Mitreißer, aber er hat immer noch viele Tore erzielt. Das der Mann jetzt wie ein beklopptes Huhn über den Platz läuft, ist nicht zu erwarten. Im Moment trifft er nicht, aber daraus solche Dinge abzuleiten, wie „kein Bock mehr” oder „ist mit den Gedanken bei einem anderen Verein” ist Unsinn und beleidigend. Diejenigen, die jetzt hier meckern, waren die gleichen, die nach den (vielen) Toren von ihm gejubelt haben. Übrigens spielt ein Gomez nicht anders, bekommt aber ständig von links und rechts Bälle zugespielt. Petric bekommt vielleicht 2 oder 3 in einem Spiel und muss daraus etwas machen. Bei Bayern hätte er eine ähnliche Quote wie Gomez. Hier würde uns allen ein wenig mehr Respekt, auch für geleistete Jahre, wirklich gut tun.

Thema Jaro:

Ich bin der Meinung, eine eigentlich gefällte Entscheidung zu revidieren, weil dieser Spieler jetzt, in einer wirklich schwierigen Phase, gezeigt hat, wie wichtig er für die Stabilität und vielleicht auch als Führungsspieler sein kann, zeugt von Charakter. An einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten, nur weil man diese einmal getroffen hat, ist Starrsinn.
Jaro hat, als einer der wenigen auf dem Platz tatsächlich die Raute im Herzen und hat sich, trotz seiner beschränkten fußballerischen Fähigkeiten, immer den A… aufgerissen. Und nur mit jungen Leuten wird es nichts. Ein paar erfahrene brauchst du im Team.

Thema Adler/Drobny:

Warum wird Arnesen kritisiert, wenn er sich um Adler kümmert?

Bei aller Objektivität ist Drobny ein höchst durchschnittlicher Torwart. ( z.B. waren beide Tore in WoBu, zumindest zum Teil, seine ) Das er auf der Linie teilweise wirklich starke Reflexe hat, will ich ihm nicht absprechen, aber sonst? Jeder hohe Ball bringt Angst. Kein entschlossenes “Rauslaufen” und zupacken. Wenn überhaupt, dann oft mit einer Faust und viel Gottvertrauen. Sorry, aber da findest du in der dritten Liga mindestens 5 gleichwertige.
8 von 10 Abschlägen landen beim Gegner oder im Aus. Modernes Torwartspiel? Fehlanzeige. Organisation der Abwehr, speziell bei Standards? Hör mir auf.
Mit seinem flatterhaften Verhalten verunsichert er die gesamte Abwehr und ist meiner bescheidenen Meinung nach die Hauptursache für die Abwehrmisere.

Wenn ein Mann wie Adler, der immerhin fast die deutsche Nummer1 geworden wäre, auf dem Markt ist und auch bei unserer finanziellen Ausstattung zu haben ist, dann würde Arnesen fahrlässig handeln, es nicht zumindest zu versuchen. Und wenn Herr Adler sich etwas Bedenkzeit erbittet, weil er nicht geil auf Liga 2 ist, dann kann ich es durchaus verstehen. Das wird uns auch bei anderen Transfers noch passieren, solange der Ligaverbleib nicht geklärt ist.

Aogo fällt aus – und Arnesen ist wieder da

8. März 2012

Oha, das ging schneller als ich dachte. Eigentlich sollt sich der Einsatz von Dennis Aogo erst in den letzten Trainingseinheiten entscheiden. Aber als ich heute zur Pressekonferenz über den Parkplatz vor der Imtech-Arena schlenderte, kam mir Dennis Aogo in seinem Wagen entgegen. Er hielt kurz an und ich fragte, wie es mit seiner Wade aussehen würde. „Gar nicht gut“, so die niedergeschlagene Antwort des Linksfußes, „ich werde am Wochenende wohl nicht dabei sein.“ Eine Einschätzung, die HSV-Trainer Thorsten Fink nur wenig später konkretisierte. „Tomas Rincon hat mit Wadenproblemen gefehlt, soll aber morgen wieder dabei sein. Das wird bei Dennis leider nicht gehen. Dennis wird am Sonntag nicht dabei sein.“

Es drohen nach den Sperren für Jarolim (5. Gelbe) und Paolo Guerrero (acht Wochen) zwei weitere Ausfälle, die dem HSV sehr weh tun würden. Immerhin hatte Fink zuletzt den Versuch mit Marcell Jansen als Linksverteidiger als gescheitert bezeichnet. Heute revidierte er seine Worte: „Marcell ist ein gelernter Linksverteidiger. Das am Sonnabend war nicht gut. Ich glaube aber, dass er es am besten kann.“ Soll heißen: Gegen Schalke spielt Jansen links. Ob auch sonst die gegen den VfB so löchrige Viererkette bleibt?

Es sieht so aus.

Allerdings weniger, weil Fink davon überzeugt ist, als weil sich aus der zweiten (und teilweise dritten) Reihe wirklich niemand aufdrängt. Gestern beim Spiel gegen Victoria hatte ich jedenfalls den Eindruck, als wolle Jeffrey Bruma sich nicht wirklich empfehlen. Als einziger mit dieser neumodernen Schal-Halskrause (tragen zumeist die Keeper) auf dem Platz unterwegs, wirkte der Niederländer nicht wirklich motiviert. Er hielt sich bei Zweikämpfen zurück und ließ im Verbund mit Michael Mancienne in der Innenverteidigung dem Oberligisten eine Fülle von Chancen zu. Wobei man bei Mancienne, der am Ball unsicher wirkte, noch sagen kann, dass er zumindest alles versucht hat. Auch wenn es nicht gut war. „Das Spiel war sehr gut für mich“, gab sich Fink zunächst geheimnisvoll, „es hat mir einige wichtige Aufschlüsse geliefert.“

Welche genau? Na klar, zum einen den, dass Heiko Westermann auf der linken Seite in der Viererkette nichts zu suchen hat. Nicht, dass Westermann („Das habe ich bei Schalke 40- oder 50-mal spielen müssen“) das nicht könnte – er spielt das sicher solide. Nein, Fink musste erkennen, dass die Innenverteidigung nicht auf ihren Abwehrchef verzichten kann. Zu schlecht waren die Darbietungen des niederländisch/englischen Duos. „Ich wollte ja eh nicht allzu viel verändern“, versuchte Fink heute die Entscheidung nicht als gegen Bruma/Mancienne sondern für Westermann/Rajkovic zu umschreiben, „und ich musste erkennen, dass Heiko im Zentrum zu wichtig ist, als dass ich ihn außen spielen lasse. Das wird definitiv nicht passieren.“

Obwohl es sicher noch nicht komplett sicher ist, dass Rajkovic nach seinem Blackout-Spiel gegen Stuttgart wieder in die Innenverteidigung rückt. Fink hatte angekündigt, den Serben im Training ganz genau beobachten zu wollen. Er wollte zunächst abwarten, wie Slobodan Rajkovic das Katastrophenspiel verkraftet. „Slobodan hat gut trainiert. Nach seiner Roten Karte damals war er schlechter drauf.“ Fink stellt auf – nach dem Ausschlussverfahren…

Na gut, das muss noch lange nichts bedeuten. Im Gegenteil. Manchmal entwicklet sich aus der Notsituation etwas Positives. Allerdings ist es sicher alles andere als optimal vor einem schweren Auswärtsspiel wie dem beim FC Schalke. Wobei ich mir fast genauso große Sorgen um unser Mittelfeld mache. Ohne Jarolim und jetzt auch noch ohne Rincon? Dass Kacar kommt, war klar. Aber wer ersetzt im Falle seines Ausfalles Rincon? Robert Tesche? Das wäre ein wirklich hohes Risiko. Ein zu hohes, wie ich glaube. Allerdings gilt das auch für die Alternativen. Denn die beinhalten entweder eine Umstellung oder eine Premiere. So könnte Fink auch Jacopo Sala auf die Sechs ziehen. Dann hätte er zwar einen laufstarken, technisch guten Spieler mehr in der Zentrale – allerdings ohne diesen bislang in der Bundesliga dort spielen gesehen zu haben. Nur gut, dass Fink selbst heute noch sehr optimistisch formulierte: „Bei Tomas ist es eher nicht so ernst.“

Ernst hätte es in London werden können. Dort weilte Sportchef Frank Arnesen, um sich einen Überblick über personelle Möglichkeiten bei seinem Ex-Klub FC Chelsea zu machen. Er sprach mit dem FC-Präsidenten und dem Sportdirektor – auch über die Zukunft von Jeffrey Bruma. Ich habe Arnesen eben im Auto auf dem Weg zum Flughafen erreicht. Und er schien zufrieden mit den Gesprächen zu sein. „Wir haben über Jeffs Entwicklung bei uns gesprochen und Chelsea ist sehr zufrieden mit dem, was wir machen. Sie finden es gut, konnten aber natürlich noch keine konkrete Entscheidung treffen.“ Natürlich deshalb, weil der Abramowitsch-Klub seinen Trainer Andre Villas-Boas (für angeblich rund 14 Millionen Euro Abfindung!!) entlassen hat und bislang noch keinen neuen Trainer präsentieren konnte. „Von dieser Entscheidung hängt natürlich auch einiges ab“, erklärt Arnesen, „er muss sich entscheiden, mit wem er arbeiten will.“ Allerdings dürfte Jeffreys aktuelle Form dem HSV in die Karten spielen…

Zudem nutzte Arnesen den Trip, um mögliche interessante Leihgeschäfte auszuloten. So sprach er auch über Romelu Lukaku, der beim HSV seit Jahren auf dem Wunschzettel steht, bei Chelsea bislang nicht über Einwechslungen hinauskam, aber trotzdem über einen Marktwert von 15 Millionen Euro verfügt. „Wir haben über ihn gesprochen“, gibt sich Arnesen betont vorsichtig, „aber bei ihm wird es ganz sicher keine Entscheidung über seine Zukunft geben, bevor nicht der neue Trainer da ist.“ Und auch der zweite Name, den wir hier im Blog zuerst ins Gespräch gebracht hatten, wurde von Arnesen bestätigt. Tomas Kalas, der tschechische Innenverteidiger, der momentan vom FC Chelsea an Vitesse Arnheim verliehen ist, gilt als einer der Lieblingsspieler vom HSV-Sportchef. „Wir haben damals sehr viel Potenzial in ihm gesehen“, erzählt Arnesen, dessen Sohn Sebastian den heute 18-Jährigen einst für Chelsea gescoutet hatte. „Tomas steht auf unserer Liste, ist aber auch erst 18 Jahre alt. Wir verfolgen seinen Weg. Er hat viel Talent und ist ein Spieler mit einer sehr guten Zukunft. Aber im Moment haben wir vier gute Verteidiger.“

Heute Abend kehrt Arnesen aus London zurück. Etliche Gespräche im Rücken und einige neue Eindrücke im Gepäck. Und obwohl er (zumindest offiziell) noch nichts zu vermelden hat, so ist er „sehr, sehr positiv“, wie er selbst sagt. Und das gelte auch für das Spiel auf Schalke. Arnesen glaubt an eine Reaktion der Mannschaft. Ebenso wie es der heute ungewohnt wortkarge Heiko Westermann sieht: „Wir haben das Debakel gegen Stuttgart abgearbeitet. Jetzt müssen wir eine Reaktion zeigen. Wir haben uns die Suppe selbst eingebrockt – jetzt müssen wir auch wieder aufstehen.“

Punkt. Mehr wollte Westermann eigentlich gar nicht erzählen. „Nach einem 0:4 zu Hause gibt es auch nicht mehr viel zu erzählen. Stattdessen würde ich lieber jetzt als gleich das 0:4 wieder gutmachen.“ Ausgerechnet bei dem Klub, von dem Westermann zum HSV wechselte. „Es ist schon ein anderes Spiel als sonst“, erzählt Westermann, der noch immer Freunde beim FC hat. „Ich habe noch guten Kontakt zu Benedikt Höwedes“, sagt Westermann, „ich hatte dort eine schöne Zeit.“ Als Linksverteidiger? „Auch. Auf links, auf rechts, in der Mitte – und im Mittelfeld“, scherzt Westermann leicht gequält. Dem HSV-Kapitän war anzumerken, dass ihm noch lange nicht nach Scherzen zumute ist.

Und das ist auch gut so. Denn in den nächsten Wochen, mit Schalke, danach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg sowie den beiden Auswärtsspielen in Folge gegen Wolfsburg und Kaiserslautern stehen schwere, richtungweisende Spiele an. In den vier Partien kann sich der HSV ebenso nach unten hin komplett absichern wie wieder mitten in den Abstiegskampf geraten.

Schon deshalb verstehe ich, dass Heiko Westermann nicht nach Scherzen zumute ist. In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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