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Ivica Olic: “Mir tut es weh . . .”

20. April 2014

„Wir dürfen heute enttäuscht sein, aber morgen müssen die Köpfe wieder oben sein. Wir müssen alles dafür tun, dass wir gestärkt in die nächste Woche gehen, wir müssen uns top vorbereiten auf das Spiel in Augsburg. Wir haben schon vor dem Spiel gegen Wolfsburg beschlossen, dass wir einen Tag früher anreisen zu diesem vorletzten Auswärtsspiel, noch einen Tag früher als sonst, wir werden in Augsburg trainieren, und wir wollen und werden dabei sein, wenn am Sonnabend die anderen Club in der Bundesliga spielen, um dann am Sonntag entsprechend nachlegen zu können.“ Sagt HSV-Trainer Mirko Slomka. Und er lässt bei diesen Sätzen keinerlei Zweifel daran aufkommen, ob er noch an die Klassenerhalt des HSV glaubt. Der Coach gibt sich kämpferisch, er beißt noch, er gibt nicht auf – aber reicht das? Sportchef Oliver Kreuzer hat seine Art des Kampfgeistes so formuliert: „Wir fahren nach Augsburg, um dort zu siegen, mit aller Brutalität wollen wir dort gewinnen. Und aus die Maus.“

Schön gesagt. Mich erinnert das an jene Phase, als der HSV noch zehn Spiele vor sich hatte. Damals hatte Kreuzer vorgerechnet: „Aus diesen zehn Partien brauchen wir fünf Siege, um sicher zu sein, dass wir nicht absteigen.“ Jetzt stehen noch drei Begegnungen an – nur noch drei. Und aus den vorangegangenen Spielen wurde gerade einmal zwei Siegchen geholt. Und von den drei Partien, die nun noch kommen geht es zweimal auswärts um die Wurst (Augsburg und Mainz), dazu kommen die Bayern nach Hamburg. Welch eine Ehre. Die großen Bayern. Das letzte Heimspiel der Saison. Geht es nach vielen Experten (heute beim Sport1-Doppelpass) und auch nach vielen, vielen HSV-Fans, ist der Dino bereits abgestiegen. Und wenn man hört, wie sehr nun der mit 3:1 siegreiche VfL Wolfsburg schon fast als „Übermannschaft“ in den Fußball-Himmel gehoben wird (Slomka: „Wolfsburg hat eine Riesen-Klasse“) – wie soll das erst gegen die Bayern werden? Sind die nicht sogar noch etwas besser als die VW-Werkself?

Für Abendblatt-Blogs


Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer noch zuletzt.

Nur auf was oder wen fußt diese Hamburger Hoffnung denn jetzt überhaupt noch? Nach der achten Heimniederlage (von insgesamt 18 in dieser Saison!) gab es Mitleid vom Gegner – das ist fast das Schlimmste, was einem passieren kann. Ivica Olic, zugegeben nicht ganz ein „Gegner“, befand nach dem Spiel mitfühlend: „Es ist sehr schade, so ein Verein, eine solche Stadt und so tolle Fans – es tut mir weh. Ich habe hier mit die schönste Zeit meiner Karriere erlebt. Deswegen wünsche und hoffe ich, dass der HSV in der Bundesliga bleibt. Aber was die Mannschaft zuletzt gezeigt hat, ich weiß nicht, ob das reicht – ganz ehrlich, ich habe große Sorge. Sie müssen alles geben, alle müssen kämpfen, um doch noch den Abstieg zu vermeiden.“

Das, lieber „Ivi“, wissen viele schon seit Wochen. Es wissen nicht alle, aber immerhin einige. Und es werden bis zum letzten Spieltag auch noch einige mehr sein, da bin ich mir sicher. Nur ob es dann auch wirklich alle sind, das weiß ich natürlich nicht. Wenn ich das erste Tor schon nach 90 Sekunden sehe, dann fehlt mir jegliches Verständnis. So sieht es wohl auch Ivo Ilicevic: „Wenn man das Tor nach zwei Minuten sieht, das ist einfach zu einfach. Da läuft einer in der zweiten Minute ganz allein auf unser Tor zu und kann den Ball einschieben – und dann läuft man gleich einem Rückstand hinterher. Und das ist nicht so einfach, das ist sogar extrem schwer, weil Wolfsburg natürlich auch eine gute offensive Qualität hat. Zweite Halbzeit haben wir es zwar etwas besser gemacht, aber nach dem 0:3 war es natürlich extrem schwer für uns.“

Uns Heiko Westermann analysierte nach dem Spiel: „Wenn man natürlich so anfängt, nach 90 Sekunden schon das 0:1 . . . Wir haben in der ersten Hälfte vier, fünf katastrophale Fehler gemacht, die Wolfsburg eiskalt bestraft hat. Ansonsten haben wir in der zweiten Halbzeit versucht, aber wir haben, das muss man auch sagen, gegen ganz starke Wolfsburger gespielt haben. Und das wir nicht die Möglichkeiten hatten mit unserem Kader, diese VfL-Mannschaft zu bezwingen. Aber wir stehen noch auf dem Relegationsplatz, wir haben auch keine fünf Punkte Abstand noch oben, wir können noch die Klasse direkt halten. Und solange diese Möglichkeit besteht, muss da auch jeder dran festhalten.“

An diesem frühen Gegentor bissen sich nachher alle fest. Auch Oliver Kreuzer argumentierte: „Bei diesem 0:1 war unsere Defensive unorganisiert.“ Dann sucht der Sportchef dafür nach Gründen. Wieso war die Defensive schon nach Sekunden unorganisiert? Das allein ist doch ein Skandal. Kreuzer findet aber reale Gründe dafür: „Da stellst du den Heiko Westermann wieder ins Zentrum, der hat die letzten fünf oder sechs Spiele Linksverteidiger gespielt, dann stellst du Jiracek nach links – du hast also fast alle umgebaut. Und bis das alles richtig funktioniert hat, stand es schon 0:1. Wie Wolfsburg die Schnittstelle in der Mitte genau getroffen hat.“ Kreuzer nach einer kurzen Pause weiter: „Natürlich hast du den Ball vorher verloren, aber trotzdem, wenn du einigermaßen organisiert bist, dann passiert so etwas nicht. Aber das sind die Dinge, die ich schon angesprochen habe, irgendwie ist es dann einmal zu viel . . .“

Die vielen Verletzten. Natürlich, es fehlt mehr als eine halbe Stamm-Formation, aber das geht anderen Vereinen gelegentlich auch mal so. Und irgendwie kommt man doch bei all diesen Problemen, die der HSV jetzt hat, immer wieder auf die – so sehe ich das – hirnlose Kader-Zusammenstellung. Ich hätte, um es mal auf die Spitze zu treiben, noch einen Innenverteidiger mehr verpflichtet, und vielleicht auch noch den einen oder anderen Spieler mehr ohne Spielpraxis. Das hat gut funktioniert. Zumal sie alle, wirklich alle und jeder, in der Winterpause gesagt haben: „Wir holen nur dann Spieler, wenn die uns sofort helfen.“ Sie haben sich alle, und auch ein jeder, daran gehalten. Bewundernswert. Nein, meine Freunde, wenn hier nicht der Wurm drin ist, wo dann?

Kreuzer glaubt aber immer noch an das Gute im Profi-Fußball – speziell des HSV: „Okay, man muss die Ergebnisse des Sonntags abwarten, aber im Prinzip ist es doch so, dass wir noch nicht abgeschlagen sind. Und die vier Vereine, die dort unten stehen, haben immer noch alle Möglichkeiten. Deswegen wäre es doch Wahnsinn, wenn man da etwas abschenken würde. Abschenken geht gar nicht, das werden wir auch nicht. Wir werden alles geben.“

Das klingt wie immer. Das hören wir schon seit Monaten. Warum aber hat der Abstiegskandidat HSV zum Beispiel nicht auch alles gegeben? Wenn man dort unten steht, dann muss man sich den Hintern aufreißen wollen, und zwar mit der ersten Spielminute an. An nichts anderes darf ein Profi dann noch denken – aber es wird dann doch verschlafen. Pomadig und überheblich und lässig.

Wir werden also wieder einmal alles geben. Nur, und da sind wir wieder bei der alles entscheidenden Frage: reicht das? 18 Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. 18! Mehr hat nur der Tabellenletzte. Und irgendwelche Vereine müssen ja nun mal absteigen. Mir stimmt die Mentalität in dieser HSV-Truppe nach wie vor nicht. Slomka hatte „Herz“ angekündigt, aber hatten alle dieses „Herz“ – und wer kann dazu noch erstliga-reif Fußball spielen? Hakan Calhanoglu befand ehrlich: „Wir haben viele Zweikämpfe verloren, zudem hat die Laufbereitschaft hat nicht so gut gestimmt – das sind die Punkte, die zu dieser Niederlage geführt haben.“

Mirko Slomka ist um seinen Job nicht zu beneiden. Er will auch alles geben. Und dabei weiß er erstens, dass die Qualität nicht reicht, und er weiß zweitens, dass er jetzt trainieren, trainieren und trainieren kann, es würde nichts helfen. Jetzt ist der Psychologe Slomka gefragt. Und als ein solcher redet der Coach ja auch schon seit Wochen mit Engelszungen auf seine Spieler ein. Er will sie stark reden. Aber ob dazu noch die Zeit besteht? Ich fand es aber schon grenzwertig, wenn Mirko Slomka von den Schocks des HSV vor dem Spiel sprach. „Nachmittags erkrankte uns Jonathan Tah, das war ein erster Schock, und dann verletzte sich kurz vor dem Spiel Johan Djourou, sodass wir umbauen mussten – das war Schock Nummer zwei. Es folgte Schock Nummer drei, nämlich das schnelle Gegentor nach 90 Sekunden.“

Mag ja sein, aber Tah als „Schock“ zu bezeichnen, wo er doch bislang unter Slomka kaum zum Einsatz gekommen war, wo Tah doch zuletzt gar keine Rolle – auch aus Verletzungsgründen – mehr gespielt hatte! Nein, dieser „Tah-Schock“ war ein wenig zu hoch gegriffen – und sah dann doch wieder nur nach „schönreden“ aus. Wer suchet, der findet. Man muss nur erfinderisch sein. Slomka befand: „Die Umstellungen kurz vor Spielbeginn, die tun einfach nicht gut.“ Klar. Dennoch darf man so stehen, wie es sich für eine Profi-Mannschaft eigentlich gehören müsste. Und Slomka suchte natürlich nach einem Strohhalm – und fand ihn dann auch: „Nach dem 0:3 hatten wir, und das macht mir große Hoffnungen auf die nächsten Partien, eigentlich unsere beste Phase. Gerade nach diesem schnellen 0:3. Das zeigt, dass die Mannschaft einen großen Charakter hat, dass sie Willensstärke hat.“ Natürlich. Man muss es nur oft genug wiederholen.

Dass der HSV gerade jetzt so viele Verletzte hat, das, so vermuten einige Experten (und Fans?), könnte auch daran liegen, dass Mirko Slomka plötzlich sein Trainingspensum angezogen hat. Trainiert Slomka zu hart? Er wehrt sich: „Ich hatte gerade in den letzten 14 Tagen das Gefühl, dass wir nicht genug getan haben. Dass wir mal eine Einheit gerade deswegen, weil wir diese Probleme haben, mal lockerer angegangen sind. Ich glaube nicht, dass wir zu hart trainieren, im Gegenteil, wir müssen weiter hart arbeiten, um dran bleiben zu können, und wir müssen uns gut vorbereiten. Dass es jetzt einige Verletzte bei uns gibt, das liegt auch daran, dass man da unten steht. Da gibt es häufiger mal Probleme, weil es weh tut, zu Hause zu verlieren, weil es weh tut, immer wieder dagegen anzukämpfen, dass weiß jeder, der mal Fußball gespielt hat.“

Und dann noch zwei Personalien. Im Fernsehen (und wohl nicht nur dort) haben sie sich ja auf Heiko Westermann „eingeschossen“, weil er an den drei Gegentoren eine Mitschuld trug – tragen sollte. Slomka dazu: „Heiko hat eine starke Partie gezeigt, hat auch im Aufbau viele gute Szenen gehabt.“

Und dann die „unterirdische“ Vorstellung von Jacques Zoua. Slomka: „Jacques arbeitet viel für uns, er versucht die Bälle da vorne festzumachen – und es ist ja auch immer eine Frage der Alternative. Und Mattia Maggio hat ja in Hannover zuletzt eine Halbzeit gespielt, aber er hat uns nicht so überzeugt, dass wir nun sagten, dass er deutlich mehr Spielminuten benötigt.“ Das entscheidet, so geht es im Fußball überall, eben immer in erster Linie der Trainer. Wobei ich nichts gegen Mirko Slomka sagen will, denn der „arme Mann“ hat nun wirklich keine Schuld an dieser HSV-Talfahrt. Dafür müssten ganz andere Leute den Kopf hinhalten.

Immerhin: Heute lässt (oder ließ) der HSV die Zweitliga-Partie Paderborn gegen Greuther Fürth beobachten. Wg. einer eventuellen Relegation . . . Da geht noch was. Slomka: „Wenn wir dann am Ende diese beiden Spiele machen dürfen, so muss man es ja fast schon sagen, dann wollen wir gut vorbereitet sein.“ Im ZDF sagte Slomka zu der Frage, ob er sich damit beschäftig hat, dass er der erste HSV-Trainer ist, der absteigt? Der Coach: „Dann werde ich auch der erste HSV-Trainer sein, der mit der Mannschaft aufsteigt.“

Aber vorher gibt es ja noch einige Spielchen – genau drei. Und dann eventuell die Relegation. Denn Nürnberg, das hat diese 1:4-Niederlage heute gegen Leverkusen bewiesen, ist leistungstechnisch mit dem HSV auf Augenhöhe. Ich hoffe ganz stark darauf, dass das so bleibt und der Club am Ende zusammen mit Braunschweig absteigt, während der HSV gegen Paderborn (oder doch den FCK?) die zweite Chance nutzt. Mehr dürfte auch nicht mehr drin sein. Stuttgart jedenfalls, das ist wenig überraschend für mich, ist seit heute weitgehend raus aus dem Absteigskampf. Zumindest dann, wenn sie das 3:0 (Stand 18.46 Uhr) halten…

18.46 Uhr

1:0 gewonnen – Land in Sicht!

31. März 2012

Der HSV ist wieder über dem Strich – und kann doch noch gewinnen. Nach vier Niederlagen in Folge gab es im Abstiegs-Endspiel beim 1. FC Kaiserslautern einen knappen aber nicht unverdienten 1:0-Erfolg, den Marcell Jansen mit seinem Linksschuss in der 28. Minute sicherte. Dank des überragend haltenden Keepers Jaroslav Drobny konnte der HSV aber diesen so wichtigen Dreier sichern – der Tscheche war der überragende Mann. Glück für den HSV, dass in der 87. Minute kein Elfmeter gegen Hamburg gepfiffen wurde, als Gojko Kacar den Lauterer Wagner im Fünfmeterraum zu Fall brachte. Der HSV kann jetzt erst einmal wieder auf- und durchatmen, es ist wieder Land in Sicht. Aber geschafft ist es immer noch nicht, es folgen immer noch sechs Endspiele, denn die Konkurrenz schläft nicht, wie Freiburg, Mainz und Augsburg zeigen. Jetzt muss der HSV endlich einmal zu Hause nachlegen – gegen Leverkusen im Volkspark.


Von links: Bert Ehm, Lotto King Karl, Dieter Matz, Marcus Scholz

Es ging ja schon gut los: Heiko Westermann gewann die Seitenwahl gegen den Kollegen Tiffert. Ein gutes Omen? Mit Spaß und Lockerheit, so hatte es Marcus Berg vorher gesagt, sollte der Betzenberg gestürmt werden. Aber der Spaß war dem Schweden schnell vergangen, denn er hatte schon nach wenigen Sekunden eine blutende Kopfplatzwunde nach einem Duell mit Rodnei. Minutenlang musste Berg behandelt werden. Spaß und Lockerheit waren aber auch bei den Bergs HSV-Kollegen nicht vorhanden. Zu Beginn war es ein einziges Gewürge und Gestochere, wobei der Tabellenletzte etwas dynamischer wirkte als der HSV.
Die erste gute Tormöglichkeit hatten dann auch die roten Teufel. De Witt, der beim Hinspiel (1:1) sein erstes Bundesliga-Tor erzielen durfte und konnte, marschierte nach einem Abstoß mit dem Ball am Fuß bis 18 Meter vor das HSV-Tor, ein Schuss, Michael Mancienne stellte sich in den Weg und fälschte den Ball ab – das 1:0 schien unvermeidbar. Jaroslav Drobny aber hielt weltmeisterlich – eine Super-Parade, der Tscheche lenkte den fast unhaltbaren Ball gerade noch über die Torlatte. „Drobo“ Drobny – Fußballgott. (11.).
Nach einer Viertelstunde schien sich der HSV gefangen zu haben, es wurde ruhiger, abgeklärter und auch sicherer gespielt, der Ball auch in den eigenen Reihen gehalten, wenn es nach vorne keine Lücken gab. Allerdings musste noch einmal Drobny die Null retten. Wieder war es De Witt, der aus zwölf Metern flach abzog, aber Drobny tauchte flach ab und hielt auch diese Kugel fest (24.). Hervorragend.
Und was machte der HSV in der Offensive? Kaum etwas. Von Mladen Petric war nicht viel (oder kaum etwas) zu sehen, über rechts kam so gut wie nichts gen FCK-Strafraum, denn weder Ivo Ilicevic (wurde permanent ausgepfiffen) noch Dennis Diekmeier konnte sich Richtung Torauslinie „vorkämpfen“. Von links kam wenigstens etwas, weil vor allen Dingen Marcell Jansen diesmal agil wirkte. Auch deshalb gab es hin und wieder mal einen Ball für Marcus Berg, der dabei seine zurzeit gute Form erneut unter Beweis stellte. Für mich schon erstaunlich, denn – ich schrieb es bereits mehrfach – vor einigen Wochen und Tagen war Berg quasi noch weit weg vom Fenster. Jetzt aber macht er seine Sache erstaunlich gut, er hält die Kugel klug (wie vorher oft Paolo Guerrero) und verteilt sie auch geschickt. Bravo!
Auf diese Art fiel auch der Hamburger Führungstreffer. Zweite Flanke von Dennis Aogo von links, am langen Pfosten lauerte Berg. Der Schwede hätte die Kugel direkt nehmen und auf das Tor schießen können, doch er machte es mit viel, viel Übersicht. Er legte den Ball zur Mitte ab, hervorragend gemacht, Ilicevic schoss, der Ball prallte von einem Lauterer ab – Elfmeter? Diese Frage umging Jansen eiskalt, denn er behielt die Nerven und die Übersicht, schoss flach aus zehn Metern ein. Welch ein Jubel im HSV-Team, und auch in der HSV-Kurve wurde wie beim Karneval in Rio gefeiert. Traumhaft. Endlich einmal eine HSV-Führung – so lässt es sich ja in der Tat etwas entspannter spielen.
Personell eng wurde es in der 35. Minute: Diekmeier am Boden, Diekmeier musste draußen behandelt werden. Die bange Frage: wer kommt für den Verteidiger? Da saß nur noch ein „Defensiver“ auf der Bank: Linksfuß Slobodan Rajkovic. Auch deshalb saß er ganz „allein“ dort, weil sich der Mannschaftsrat ja zuvor gegen das Mitwirken von Jeffrey Bruma ausgesprochen. Und so dick ist die Spielerdecke des HSV eben nicht mehr. Was daran zu erkennen war, dass zu Beginn des zweiten Durchgangs mit Jacopo Sala ein Spieler kam, der eher offensive Qualitäten hat.
Nach dem Seitenwechsel kam der HSV besser zum Zuge. Petric hatte das 2:0 auf seinem linken Fuß, doch Sippel hielt. Wenn es glücklich gelaufen wäre für den HSV, aber das haben wir ja schon lange nicht mehr erlebt, hätte der mitgelaufene Jansen die Kugel ins leere Lauterer Tor befördern können, aber er bekam den Ball zu plötzlich vor seinen rechten Fuß – Chance vorbei (47.) . 120 Sekunden später hatte Gojko Kacar das zweite HSV-Tor auf dem Kopf, doch Sippel hielt diesmal glänzend. Wie im Gegenzug Drobny gegen Sahan – nur Eckstoß für die „Teufel“.
In der folgenden Zeit machte das Schlusslicht richtig (gut) Druck. Irgendwie schien der sich nun ein wenig zu weit zurückziehende HSV um ein Gegentor zu betteln.

Die Einzel (diesmal etwas kürzer, weil gleich die Internet-Sendung beginnen soll):

Jaroslav Drobny war ein überragender Rückhalt – trotz seiner muskulären Probleme im Oberschenkel. Note eins für den Tschechen.
Dennis Diekmeier hatte hinten keine besonders starken Szenen gegen Bugera, schaffte es aber auch nach vorne nicht oft, Akzente zu setzen. Da muss irgendwann schon einmal mehr kommen. Er musste zur Pause verletzt raus. Heiko Westermann wie ein Fels in der Brandung – großartig, der beste Feldspieer des HSV. Michael Mancienne stand seinem Kapitän eisern und fest zur Seite, ebenfalls eine sehr, sehr gute Partie. Dennis Aogo hatte seine Seite gut im Griff, verstand sich diesmal auffällig gut mit Jansen. Beide konnten durchaus auch im Spiel nach vorne gefallen.
David Jarolim, der Super- und Vollblut-HSVer, war wieder eine große, hervorragende Stütze des Teams, ein toller Stabilisator, an dem sich alle orientieren konnten. Was der Dauerläufer wieder an Bällen erkämpfte, das ist einfach nur riesig. Kompliment, „Jaro“, ganz dickes Kompliment, das ist immer noch allererste Sahne.
Bei Gojko Kacar wechselten sich gute und nicht so gute Szenen in bunter Reihenfolge ab, in der zweiten Halbzeit hatte er sein Spiel etwas besser im Griff. Grundsätzlich aber muss er noch viel, viel mehr machen – und besser werden. Er hat es doch einst gekonnt.
Ivo Ilicevic blieb eine Halbzeit lang blass, total blass sogar, dann taute er an alter Wirkungsstätte ein wenig auf. Pech für ihn, als er in der 63. Minute nur die Torlatte des FCK-Gehäuses traf. Die Vorarbeit, die soll auch erwähnt werden, kam von Berg und Kacar, der den Ball per Hacke vorlegte. Bester Angriff des Spiels! Links hatte Marcell Jansen einen seiner besseren Tage im HSV-Trikot erwischt – nicht nur wegen des Tores. Allerdings hätte er in der 64. Minute fast das 1:1 verschuldet, als er nach einer Linksflanke Tiffert zum Kopfball kommen ließ – das hätte ins Auge gehen können. Zum Glück sind die Pfälzer ja keine Weltmeister in Sachen Tore schießen . . .
Mladen Petric war lange Zeit nicht zu sehen, aber in Halbzeit zwei legte er zu – das war okay. In der 80. Minute wurde er vom Platz genommen, für ihn kam Heung Min Son –der alles das, was gut aussah, verstolperte. So geht das nicht mehr, Herr Fink! Aber Gökhan Töre ist wohl ebenfalls ein wenig in Ungnade gefallen.
Und Marcus Berg hat, wie schon geschrieben, seine gute Form erneut bestätigt, allerdings schienen ihm im zweiten Durchgang doch ein wenig die Kräfte zu schwinden.
Jacopo Sala mischte auf ungewohnter Position gut mit, das war fast souverän zu nennen.
Ein Blick zum Osterwochenende: Bayer Leverkusen verliert daheim gegen Freiburg. Das allein ist schon nicht gut, aber was passiert mit dem Trainer? Wenn Robin Dutt vor die Tür gesetzt wird, dann kämen die Millionäre aus Leverkusen wohl mit einem neuen Coach – nicht gut für den HSV. Gewiss nicht. Aber mal abwarten.

Und jetzt gleich wollen wir im Internet bei Matz ab auf Sendung gehen.

Es ist alles gesagt – mal wieder. Jetzt zählt nur ein Sieg

28. März 2012

Es gibt ja immer wieder Hinweise von Außenstehenden, die sich bewahrheiten. Gestern zum Beispiel wurde mir erzählt, dass es intern Unruhen gab wegen Muhamed Besic. So weit, so wahr. Was dann allerdings von meinem Bekannten kam, kann in die Schublade „Stille Post“ zurückgesteckt werden. „Er hat sich angeblich darüber beschwert, dass ihm selbst Spieler wie Rajkovic als Linksverteidiger vorgezogen würde.“ Das wiederum ist nicht wahr. Stattdessen wurde Besic suspendiert, weil er sich im Training hängen ließ und auch ansonsten wenig professionelle Einstellung vorlebte. Im Gegenteil, der (erstaunlich, weil so extrem) selbstbewusste Bosnier war immer wieder dadurch aufgefallen, dass er sich selbst als zu gut empfand, um für die eigene U23 zu spielen. Er soll, so berichtet es die SportBild, sogar seinen Rausschmiss gegenüber Trainer Thorsten Fink, der ihn mit beiden Händen am Kragen gepackt haben soll, mit folgenden Worten kommentiert haben: „Wer bist Du, dass Du mich anpackst?“ Es war Fink, sein Trainer. Zugleich die Autoritätsperson für Besic beim HSV. Wobei der 19-Jähreige ausgerechnet damit am meisten Probleme hat. Die einen sagen, weil er es von seinem Vater so vorgelebt bekommt, die anderen betrachten Besic seit dessen Nationalelfnominierung für Bosnien als abgehoben. Und das, obwohl er in der Bundesliga bis heute nicht Fuß fassen konnte.

Nun also noch weniger. Besic dürfte unter Trainer Thorsten Fink keine Berücksichtigung mehr erwarten dürfen. Und auch wenn er sich am Tag danach entschuldigte sowie sein Berater von „beidseitigen Fehlern“ sprach – Fink bleibt stur. Zu recht, wie ich finde. Zumal das auch ein Zeichen an das eine oder andere weitere Talent im Kader ist, das sich zuletzt schon in Sphären wähnte, die nichts mit HSV geschweige denn mit Abstiegskampf zu tun haben.

Das sieht auch Ivo Ilicevic so. Ohne auf diesen expliziten Vorfall einzugehen, begrüßt der rechte Mittelfeldspieler Finks jüngste Maßnahmen. Ilicevic sieht sie unmittelbar vor seiner ersten Rückkehr als Gegner zum 1. FC Kaiserslautern sogar als fruchtbar an. „Es ist völlig zweitrangig, ob ich zu meinem Ex-Klub zurückkehre – wichtiger ist, dass wir gut arbeiten. Und so, wie die Mannschaft trainiert, macht das Hoffnung“, sagt Ilicevic, der heute im Training zu den Besseren beim langen Abschlussspiel gehörte, „es haben jetzt alle verstanden.“

Hoffnung also. Durchs Training. Das hatten wir schon so oft, dass man geneigt ist, nicht mehr daran zu glauben. Zumal, wenn man sieht, dass im Nachmittagstraining – der angekündigten weiten Extraeinheit – Fußball-Tennis gespielt wurde. Viel mehr als aktives Zusammensein ist das nicht. Deshalb nehme ich lieber eine andere Ansicht Ilicevics auf, die mir deutlich besser gefällt und der ich mehr Bedeutung beimesse. „Wir müssen in Lautern über den Kampf kommen“, so der Rechtsfuß. Endlich mal einer, der spricht wie ein „Abstiegskämpfer“. Dass er zwischendurch auch wieder die höhere Qualität des HSV ansprach ist insofern okay, als dass er es in die richtige Reihenfolge setzt. „Wenn wir den Kampf annehmen und gegenhalten, wird sich unsere Qualität letztlich durchsetzen.“

Richtig. Ilicevic weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es auf dem von frenetischen Lautern-Fans befeuerten Betzenberg für gegnerische Mannschaften ist – oder besser: wie schwer es sein kann. Denn auch beim FCK herrscht Unsicherheit. Ilicevic: „Wir haben die große Chance, die Fans gegen die eigene Mannschaft aufzubringen. Wenn wir lange in Ballbesitz sind oder am besten noch in Führung gehen, kippt die Stimmung schnell. Dann wird es auch für Lautern schwer.“ Denn, und darin sieht Ilicevic den Vorteil für den HSV. Der HSV-Profi glaubt sogar daran, dass sich beim 1. FC Kaiserslautern Angst einschleichen könnte. „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Lautern ist jetzt schon sieben Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Da ist das Spiel für die schon so etwas wie die letzte Chance“, sagt Ilicevic. Ob das für den HSV auch gilt? „Nicht ganz so krass. Aber wir wissen, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen.“

Wobei Ilicevic selbst ein wesentlicher Baustein sein könnte. Zumindest soll er das werden. Der Kroate galt nach seinem Wechsel als Sofortverstärkung, traf bei seinem ersten Kurzeinsatz und schürte Hoffnungen, die er seither nicht erfüllen konnte. „Es war bislang keine einfache Saison für mich. Durch die vielen Verletzungen fehlte mir der Rhythmus“, klagt Ilicevic. Allerdings kann davon in der Rückrunde nach nunmehr sieben von zehn Spielen nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Und bevor ich ihn genau das fragen kann, zeigt sich Ilicevic selbstkritisch: „Ich brauche für meine Leistung Spiele – und die habe ich jetzt bekommen. Deshalb muss jetzt mehr kommen von mir. In Lautern beispielsweise – auch wenn ich dort erst einmal vor allem anderen den Kampf annehmen muss.“

Kämpfen tut auch gerade Jaroslav Drobny. Der Tscheche, der in der Partie beim VfL Wolfsburg patzte, ist noch immer nicht wieder hundertprozentig fit. Heute Vormittag pausierte er, am Nachmittag erholte er sich aktiv mit weniger belastenden Torwartübungen auf dem Platz. Klar ist, dass Drobny gegen Kaiserslautern im Tor stehen wird. Trotz der Blessur am Oberschenkelmuskelansatz rechts. Das Schlimme daran: Drobny muss auch deshalb spielen, weil der HSV keine Alternative hat. Denn sowohl Sven Neuhaus als auch Florian Stritzl traut Fink ein Bundesligaspiel nicht zu. Erst recht nicht in einer so brisanten Situation.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Drobny bis Sonnabend ausreichend erholt. Mehr als bis zum Wolfsburg-Spiel. Immerhin gilt er als einer der absoluten Führungsspieler im Team und hat Erfahrungen – auch negative – mit dem Abstiegskampf gemacht. Vielleicht kann der Tscheche seinen Mitspielern ja heute beim von ihm, Heiko Westermann und Dennis Aogo initiierten Mannschaftsabend ein paar wichtige Tipps geben, wie man es im Abstiegskampf (nicht) macht.

In diesem Sinne, es ist eigentlich alles gesagt. Mal wieder. Jetzt – und so sehr das auch eine Floskel ist – jetzt zählt nur noch ein Sieg beim FCK. Morgen steht nur eine Einheit um 15 Uhr an der Arena auf dem Plan. Im Anhang findet Ihr einen Auszug sehr lesenswerter Mails aus unserer (Blog-)Mitte.

Bis morgen,
Scholle

Blogbeiträge:
„Jockel“ schrieb:

Hallo,

mit Erstaunen musste ich die letzten Tage feststellen, dass in der Boulevard-Presse immer wieder die Spieler Besic und Castelen an den Pranger gestellt werden. Entweder sind sie unter einem “anderen” Spieler-Namen aufgelaufen oder ich habe Wahrnehmungsstörungen. Man kann doch nicht ernsthaft die HSV-Misere an zwei Dauer-Reservisten festmachen, um damit den Druck von den eigentlich verantwortlichen Spielern zu nehmen…?! Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer Fink diese
Wirkung erzielen wollte…….falls doch, wäre dies ein Armutszeugnis.

Schwarz-weiß-blaue Grüße,
Jockel 1887

P.S. Die gute Zustands-und Problembeschreibung des Fachmannes Bettin analysiert perfekt die Schwachstellen in der Spielgestaltung beim HSV und gibt damit auch gleichzeitig die Ansatzpunkte vor. Fehlende Kreativität und ein nicht erkennbares System kann in den letzten Spielen daher nur über den Kampf ausgeglichen werden. Ich hoffe, zumindest dies funktioniert noch rechtzeitig.

Von „Magicc“:

Ich gehöre eigentlich eher zu den Lesern als zu den Schreibern, aber bei einigen Kommentaren hier kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr drescht hier auf Spieler und Verantwortliche ein, das geht so gar nicht.

Thema Petric:

Er hat schon immer so gespielt, sich nie viel bewegt, war nie der Mitreißer, aber er hat immer noch viele Tore erzielt. Das der Mann jetzt wie ein beklopptes Huhn über den Platz läuft, ist nicht zu erwarten. Im Moment trifft er nicht, aber daraus solche Dinge abzuleiten, wie „kein Bock mehr” oder „ist mit den Gedanken bei einem anderen Verein” ist Unsinn und beleidigend. Diejenigen, die jetzt hier meckern, waren die gleichen, die nach den (vielen) Toren von ihm gejubelt haben. Übrigens spielt ein Gomez nicht anders, bekommt aber ständig von links und rechts Bälle zugespielt. Petric bekommt vielleicht 2 oder 3 in einem Spiel und muss daraus etwas machen. Bei Bayern hätte er eine ähnliche Quote wie Gomez. Hier würde uns allen ein wenig mehr Respekt, auch für geleistete Jahre, wirklich gut tun.

Thema Jaro:

Ich bin der Meinung, eine eigentlich gefällte Entscheidung zu revidieren, weil dieser Spieler jetzt, in einer wirklich schwierigen Phase, gezeigt hat, wie wichtig er für die Stabilität und vielleicht auch als Führungsspieler sein kann, zeugt von Charakter. An einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten, nur weil man diese einmal getroffen hat, ist Starrsinn.
Jaro hat, als einer der wenigen auf dem Platz tatsächlich die Raute im Herzen und hat sich, trotz seiner beschränkten fußballerischen Fähigkeiten, immer den A… aufgerissen. Und nur mit jungen Leuten wird es nichts. Ein paar erfahrene brauchst du im Team.

Thema Adler/Drobny:

Warum wird Arnesen kritisiert, wenn er sich um Adler kümmert?

Bei aller Objektivität ist Drobny ein höchst durchschnittlicher Torwart. ( z.B. waren beide Tore in WoBu, zumindest zum Teil, seine ) Das er auf der Linie teilweise wirklich starke Reflexe hat, will ich ihm nicht absprechen, aber sonst? Jeder hohe Ball bringt Angst. Kein entschlossenes “Rauslaufen” und zupacken. Wenn überhaupt, dann oft mit einer Faust und viel Gottvertrauen. Sorry, aber da findest du in der dritten Liga mindestens 5 gleichwertige.
8 von 10 Abschlägen landen beim Gegner oder im Aus. Modernes Torwartspiel? Fehlanzeige. Organisation der Abwehr, speziell bei Standards? Hör mir auf.
Mit seinem flatterhaften Verhalten verunsichert er die gesamte Abwehr und ist meiner bescheidenen Meinung nach die Hauptursache für die Abwehrmisere.

Wenn ein Mann wie Adler, der immerhin fast die deutsche Nummer1 geworden wäre, auf dem Markt ist und auch bei unserer finanziellen Ausstattung zu haben ist, dann würde Arnesen fahrlässig handeln, es nicht zumindest zu versuchen. Und wenn Herr Adler sich etwas Bedenkzeit erbittet, weil er nicht geil auf Liga 2 ist, dann kann ich es durchaus verstehen. Das wird uns auch bei anderen Transfers noch passieren, solange der Ligaverbleib nicht geklärt ist.

Aogo fällt aus – und Arnesen ist wieder da

8. März 2012

Oha, das ging schneller als ich dachte. Eigentlich sollt sich der Einsatz von Dennis Aogo erst in den letzten Trainingseinheiten entscheiden. Aber als ich heute zur Pressekonferenz über den Parkplatz vor der Imtech-Arena schlenderte, kam mir Dennis Aogo in seinem Wagen entgegen. Er hielt kurz an und ich fragte, wie es mit seiner Wade aussehen würde. „Gar nicht gut“, so die niedergeschlagene Antwort des Linksfußes, „ich werde am Wochenende wohl nicht dabei sein.“ Eine Einschätzung, die HSV-Trainer Thorsten Fink nur wenig später konkretisierte. „Tomas Rincon hat mit Wadenproblemen gefehlt, soll aber morgen wieder dabei sein. Das wird bei Dennis leider nicht gehen. Dennis wird am Sonntag nicht dabei sein.“

Es drohen nach den Sperren für Jarolim (5. Gelbe) und Paolo Guerrero (acht Wochen) zwei weitere Ausfälle, die dem HSV sehr weh tun würden. Immerhin hatte Fink zuletzt den Versuch mit Marcell Jansen als Linksverteidiger als gescheitert bezeichnet. Heute revidierte er seine Worte: „Marcell ist ein gelernter Linksverteidiger. Das am Sonnabend war nicht gut. Ich glaube aber, dass er es am besten kann.“ Soll heißen: Gegen Schalke spielt Jansen links. Ob auch sonst die gegen den VfB so löchrige Viererkette bleibt?

Es sieht so aus.

Allerdings weniger, weil Fink davon überzeugt ist, als weil sich aus der zweiten (und teilweise dritten) Reihe wirklich niemand aufdrängt. Gestern beim Spiel gegen Victoria hatte ich jedenfalls den Eindruck, als wolle Jeffrey Bruma sich nicht wirklich empfehlen. Als einziger mit dieser neumodernen Schal-Halskrause (tragen zumeist die Keeper) auf dem Platz unterwegs, wirkte der Niederländer nicht wirklich motiviert. Er hielt sich bei Zweikämpfen zurück und ließ im Verbund mit Michael Mancienne in der Innenverteidigung dem Oberligisten eine Fülle von Chancen zu. Wobei man bei Mancienne, der am Ball unsicher wirkte, noch sagen kann, dass er zumindest alles versucht hat. Auch wenn es nicht gut war. „Das Spiel war sehr gut für mich“, gab sich Fink zunächst geheimnisvoll, „es hat mir einige wichtige Aufschlüsse geliefert.“

Welche genau? Na klar, zum einen den, dass Heiko Westermann auf der linken Seite in der Viererkette nichts zu suchen hat. Nicht, dass Westermann („Das habe ich bei Schalke 40- oder 50-mal spielen müssen“) das nicht könnte – er spielt das sicher solide. Nein, Fink musste erkennen, dass die Innenverteidigung nicht auf ihren Abwehrchef verzichten kann. Zu schlecht waren die Darbietungen des niederländisch/englischen Duos. „Ich wollte ja eh nicht allzu viel verändern“, versuchte Fink heute die Entscheidung nicht als gegen Bruma/Mancienne sondern für Westermann/Rajkovic zu umschreiben, „und ich musste erkennen, dass Heiko im Zentrum zu wichtig ist, als dass ich ihn außen spielen lasse. Das wird definitiv nicht passieren.“

Obwohl es sicher noch nicht komplett sicher ist, dass Rajkovic nach seinem Blackout-Spiel gegen Stuttgart wieder in die Innenverteidigung rückt. Fink hatte angekündigt, den Serben im Training ganz genau beobachten zu wollen. Er wollte zunächst abwarten, wie Slobodan Rajkovic das Katastrophenspiel verkraftet. „Slobodan hat gut trainiert. Nach seiner Roten Karte damals war er schlechter drauf.“ Fink stellt auf – nach dem Ausschlussverfahren…

Na gut, das muss noch lange nichts bedeuten. Im Gegenteil. Manchmal entwicklet sich aus der Notsituation etwas Positives. Allerdings ist es sicher alles andere als optimal vor einem schweren Auswärtsspiel wie dem beim FC Schalke. Wobei ich mir fast genauso große Sorgen um unser Mittelfeld mache. Ohne Jarolim und jetzt auch noch ohne Rincon? Dass Kacar kommt, war klar. Aber wer ersetzt im Falle seines Ausfalles Rincon? Robert Tesche? Das wäre ein wirklich hohes Risiko. Ein zu hohes, wie ich glaube. Allerdings gilt das auch für die Alternativen. Denn die beinhalten entweder eine Umstellung oder eine Premiere. So könnte Fink auch Jacopo Sala auf die Sechs ziehen. Dann hätte er zwar einen laufstarken, technisch guten Spieler mehr in der Zentrale – allerdings ohne diesen bislang in der Bundesliga dort spielen gesehen zu haben. Nur gut, dass Fink selbst heute noch sehr optimistisch formulierte: „Bei Tomas ist es eher nicht so ernst.“

Ernst hätte es in London werden können. Dort weilte Sportchef Frank Arnesen, um sich einen Überblick über personelle Möglichkeiten bei seinem Ex-Klub FC Chelsea zu machen. Er sprach mit dem FC-Präsidenten und dem Sportdirektor – auch über die Zukunft von Jeffrey Bruma. Ich habe Arnesen eben im Auto auf dem Weg zum Flughafen erreicht. Und er schien zufrieden mit den Gesprächen zu sein. „Wir haben über Jeffs Entwicklung bei uns gesprochen und Chelsea ist sehr zufrieden mit dem, was wir machen. Sie finden es gut, konnten aber natürlich noch keine konkrete Entscheidung treffen.“ Natürlich deshalb, weil der Abramowitsch-Klub seinen Trainer Andre Villas-Boas (für angeblich rund 14 Millionen Euro Abfindung!!) entlassen hat und bislang noch keinen neuen Trainer präsentieren konnte. „Von dieser Entscheidung hängt natürlich auch einiges ab“, erklärt Arnesen, „er muss sich entscheiden, mit wem er arbeiten will.“ Allerdings dürfte Jeffreys aktuelle Form dem HSV in die Karten spielen…

Zudem nutzte Arnesen den Trip, um mögliche interessante Leihgeschäfte auszuloten. So sprach er auch über Romelu Lukaku, der beim HSV seit Jahren auf dem Wunschzettel steht, bei Chelsea bislang nicht über Einwechslungen hinauskam, aber trotzdem über einen Marktwert von 15 Millionen Euro verfügt. „Wir haben über ihn gesprochen“, gibt sich Arnesen betont vorsichtig, „aber bei ihm wird es ganz sicher keine Entscheidung über seine Zukunft geben, bevor nicht der neue Trainer da ist.“ Und auch der zweite Name, den wir hier im Blog zuerst ins Gespräch gebracht hatten, wurde von Arnesen bestätigt. Tomas Kalas, der tschechische Innenverteidiger, der momentan vom FC Chelsea an Vitesse Arnheim verliehen ist, gilt als einer der Lieblingsspieler vom HSV-Sportchef. „Wir haben damals sehr viel Potenzial in ihm gesehen“, erzählt Arnesen, dessen Sohn Sebastian den heute 18-Jährigen einst für Chelsea gescoutet hatte. „Tomas steht auf unserer Liste, ist aber auch erst 18 Jahre alt. Wir verfolgen seinen Weg. Er hat viel Talent und ist ein Spieler mit einer sehr guten Zukunft. Aber im Moment haben wir vier gute Verteidiger.“

Heute Abend kehrt Arnesen aus London zurück. Etliche Gespräche im Rücken und einige neue Eindrücke im Gepäck. Und obwohl er (zumindest offiziell) noch nichts zu vermelden hat, so ist er „sehr, sehr positiv“, wie er selbst sagt. Und das gelte auch für das Spiel auf Schalke. Arnesen glaubt an eine Reaktion der Mannschaft. Ebenso wie es der heute ungewohnt wortkarge Heiko Westermann sieht: „Wir haben das Debakel gegen Stuttgart abgearbeitet. Jetzt müssen wir eine Reaktion zeigen. Wir haben uns die Suppe selbst eingebrockt – jetzt müssen wir auch wieder aufstehen.“

Punkt. Mehr wollte Westermann eigentlich gar nicht erzählen. „Nach einem 0:4 zu Hause gibt es auch nicht mehr viel zu erzählen. Stattdessen würde ich lieber jetzt als gleich das 0:4 wieder gutmachen.“ Ausgerechnet bei dem Klub, von dem Westermann zum HSV wechselte. „Es ist schon ein anderes Spiel als sonst“, erzählt Westermann, der noch immer Freunde beim FC hat. „Ich habe noch guten Kontakt zu Benedikt Höwedes“, sagt Westermann, „ich hatte dort eine schöne Zeit.“ Als Linksverteidiger? „Auch. Auf links, auf rechts, in der Mitte – und im Mittelfeld“, scherzt Westermann leicht gequält. Dem HSV-Kapitän war anzumerken, dass ihm noch lange nicht nach Scherzen zumute ist.

Und das ist auch gut so. Denn in den nächsten Wochen, mit Schalke, danach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg sowie den beiden Auswärtsspielen in Folge gegen Wolfsburg und Kaiserslautern stehen schwere, richtungweisende Spiele an. In den vier Partien kann sich der HSV ebenso nach unten hin komplett absichern wie wieder mitten in den Abstiegskampf geraten.

Schon deshalb verstehe ich, dass Heiko Westermann nicht nach Scherzen zumute ist. In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Der Trend bleibt positiv

26. Oktober 2011

Der Tag danach. Vom „Schlechtesten, was der HSV je geboten hat“ bis hin zu „egal, sie sind endlich mal wieder in der dritten Runde“ habe ich seit gestern 23.15 Uhr circa alle Kommentare über das Spiel gehört, die es gibt. Wobei insgesamt – und das sogar eindeutig – die Kritik überwiegt. Neben mir sind auch hier im Blog und in meinem Bekanntenkreis sehr viele zu der Überzeugung gekommen, dass dieser HSV noch keinen passenden zweiten Anzug hat. Auch wenn Trainer Thorsten Fink sagte: „Wir haben keinen ersten und keinen zweiten Anzug. Wir haben nur ein paar Spieler, die bei uns auf der Bank saßen und die auch sehr gut sind. Und es ist meine Art Teamwork, denen in solchen Spielen in Englischen Wochen eine faire Chance zu geben, sich zu zeigen.“

Womit Fink bestimmt richtig liegt. Die Spieler, die gestern zum Einsatz gekommen sind, dürften es ihm auf Sicht eher danken. Ausgenommen wahrscheinlich die zwei schon zur Halbzeit wieder ausgewechselten, Michael Mancienne und David Jarolim. Letzteren zähle ich zu den Spielern beim HSV, die sich extrem verdient gemacht haben und noch immer schonungslos mit sich selbst Verantwortung versuchen zu übernehmen. Jaro ist ein tadelloser Sportsmann, der sich auch gestern nach dem Spiel professionell gab. „Es geht hier nicht um mich, um das mal klarzustellen. Es geht um die Mannschaft. Und die hat kein gutes Spiel gemacht, das müssen wir auch nicht schönreden.“ Insbesondere die erste Halbzeit, als er noch auf dem Platz stand, sei schlecht gewesen. Und dennoch, obwohl Jarolim mit Sicherheit nicht der Schlechteste war und trotzdem ausgewechselt wurde – er hielt sich zurück. Wohlwissend, dass es nicht der Hauptgrund war, sagte er: „Der Trainer sagte mir, ich sei gelbrot-gefährdet. Das akzeptiere ich. Denn am Ende zählt nur, dass wir die nächste Runde erreicht haben. Als Team.“

Klar, Jarolim ist frustriert und hält zurück, wie er wirklich über seine persönliche Situation denkt. Das dürfte uns allen klar sein. Aber er macht es wenigstens, während in den vergangenen Jahren selbst weniger verdienstvolle Spieler wie Eljero Elia immer wieder sofort Ärger verursachten. Vielleicht ein erster Verdienst von Fink, der keine Sekunde ungenutzt lässt, den Teamgedanken zu proklamieren.

Wie nach dem Spiel. Da musste Fink immer wieder erklären, weshalb er gleich sieben Spieler austauschte und entsprechend hohes Risiko gegangen war. Eine Frage, die den einstigen Bayern-Profi zunehmend nervte. Letztlich, bei uns, platzte es dann aus ihm heraus: „Wer sagt denn, dass ich Risiko gegangen bin? Für mich war es das nicht. Einen Son aufzustellen ist kein Risiko. Einen Marcus Berg aufzustellen ebenfalls nicht.“ Wobei ich zumindest bei Berg konstatieren muss, dass der teuerste Zugang der Vereinsgeschichte auf fast kompletter Linie enttäuscht hat. Fast deshalb, weil er getroffen hat. Und ganz ehrlich: das Tor macht er auch gut. Aber gefühlte 98 Prozent Ballverlust, fast keinen gewonnenen Zweikampf und ein fast durchgehend indisponiertes Stellungsspiel zuvor sprechen eine deutliche Sprache. Wobei mich nur eine Sache irritierte: Wieso trifft Berg erst, nachdem Fink ihn auf eine meiner Meinung nach falsche Position, nämlich ins rechte offensive Mittelfeld, gesetzt hatte? Eine Frage, die ich nur damit beantworten konnte, dass es keine Kausalität gibt.

Wobei es meiner Meinung nach eindeutig einen Zusammenhang gibt zwischen den Siegen und der Leistung von Jaroslav Drobny. Der Tscheche scheint sich endlich gefangen zu haben und brillierte gestern in Trier einmal mehr als Retter, als er in der 61. Minute das sichere 0:2 mit einer Glanzparade verhinderte. Selbiges gelang ihm in der Verlängerung (102.), wo er einen Zittlau-Schuss gerade noch über die Latte lenken konnte. Beide Male hielt er seine Mannschaft im Spiel und erhielt anschließend von Fink ein Sonderlob: „Jaroslav hat eine sehr positive Wirkung auf die Mannschaft, eine absolut ruhige Ausstrahlung. Wir haben einen guten Torwart“, so der HSV-Trainer, der zu Beginn der Saison aufgekommene Torwartdiskussionen ablehnt: „Ich habe im Tor keine Baustelle.“

Worte, die Jaroslav Drobny freuen dürften. Obgleich der Tscheche sich alle Mühe gibt, nichts von seinem Inneren, nichts von seiner Gefühlswelt preiszugeben. Auch heute nicht, wo er sich das erste Mal seit dem Hertha-Spiel wieder bei uns in die Runde setzte. Fragen nach seinem Gefühlsleben bei seinen Fehlern schmetterte der Keeper ab. Die an sich sehr nett fragende Journalistin vom Pay-TV-Sender Sky kann ein Lied davon singen. Ob und wie er sich inzwischen anders als sonst auf Spiele vorbereitet, wollte sie wissen. Drobnys Antwort: „Gar nicht.“ Womit die Nummer eins des HSV das Interview kurzerhand abbrach, wortlos wegmarschierte und die TV-Lady einfach stehen ließ.

Nein, Drobny ist zweifellos gezeichnet. Die erste Phase der Hinrunde hat Spuren hinterlassen. Und das ist nur logisch. Aber er blickt nicht mehr zurück, sieht nur den Moment und seine aktuell gute Verfassung. „Ich habe immer gleiches Vertrauen in meine Person“, so Drobny, der sich dann doch zu einem Satz über die vielleicht schwierigste Phase seiner Karriere verlor: „Ich weiß, was passiert ist und was ich falsch gemacht habe. Aber ich blicke nicht mehr zurück. Ich habe mit dem Torwarttrainer und den wichtigen Leuten im Verein darüber gesprochen. Das war für mich am wichtigsten.“

Gut so. Und zu 100 Prozent akzeptiert. Zumal es ihm und dadurch auch der Mannschaft ganz offensichtlich gut getan hat. Wie gestern in Trier. Oder auch davor gegen Wolfsburg. Und Freiburg. Und Stuttgart. Aber vor allem natürlich: wie auch am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern. Denn dieses Spiel soll ein Wendepunkt der Saison werden. „Deshalb denke ich nicht an vorher, oder an Trier“, sagt Drobny, „Sonntag ist das Spiel, das wir gewinnen wollen, um in der Tabelle zu klettern. Wir wollen endlich auch mal wieder ein Heimspiel gewinnen.“ Schon allein, um die Fans für ihren Support durch die letzten, schweren Wochen zu belohnen? Drobny antwortet in der für ihn derzeit bezeichnenden, ruhigen Art: „In erster Linie, um in der Tabelle zu klettern.“ Drobny weiß (aus eigener Erfahrung): Der Rest kommt von allein.

Sicher, die Art und Weise des Weiterkommens in Trier war nicht schön. Sie darf auch nicht unter den Teppich gekehrt werden. Aber wie sagte Fink anschließend so schön? „In unserer Situation kann ich noch nicht die nötigen Automatismen und den Kombinationsfußball erwarten, der mir vorschwebt. Aber letztlich haben wir uns den Sieg in Trier nicht gestohlen, sondern auch erarbeitet. Und jeder Sieg bringt uns in der aktuellen Lage weiter. Jeder Sieg gibt uns neues Selbstvertrauen.“ Siehe Drobny.

In diesem Sinne: abhaken, weitermachen. Und auch wenn es ins Phrasenschwein kostet, es stimmt: Kaiserslautern am Sonntag ist mit weitem Abstand das schwerste Spiel der Saison. Genau wie anschließend – allerdings auch erst danach – Leverkusen. Und dann Hoffenheim, Hannover, etc…

Aber: Der Trend ist positiv – und ich hoffe, das bleibt so.

Bis morgen,
Scholle (18.31 Uhr)

Kurz notiert:
Kader: Heute trainierten nur die Spieler auf dem Platz, die 45 oder weniger Minuten gegen Trier gespielt hatten, inklusive der drei Angeschlagenen Gökhan Töre, Mladen Petric und Kacar. Einziger Wehrmustropfen: Tomas Rincon brach nach zehn Minuten mit Oberschenkelproblemen ab und fuhr zum Arzt. Ob er am Sonntag spielen kann? „Schwer zu sagen“, so Rincon, der beim Hinaufsteigen des Hügels in Richtung Umkleide sichtbare Probleme hatten.

Wechsel: Spektakulärer Neuzugang beim Fußball-Oberligisten SV Halstenbek-Rellingen: Der derzeit vereinslose Claus Reitmaier, ehemaliger Bundesligatorwart und Torwarttrainer beim Hamburger SV, wird von sofort an die SV Halstenbek-Rellingen verstärken und möglicherweise schon im Heimspiel am Sonntag um 14 Uhr gegen Eintracht Norderstedt dem Kader der Halstenbeker angehören. Der 47 Jahre alte Reitmaier soll als Torwart einspringen, falls der derzeitige Keeper, der 19 Jahre alte Maximilian Rohrbach – er vertritt den langzeitverletzten Stammtorhüter Thomas Brandt – sich der Aufgabe nicht gewachsen zeigt. Vermittelt hat die Verpflichtung der für seine guten HSV-Kontakte bekannte HR-Manager Detlef Kebbe.

Interesse: Angeblich ist der HSV an Perus Supertalent Andy Polo (17) interessiert. Der peruanische Offensivspieler soll bereits seit einiger Zeit von Arsenal London, Manchester City und Liverpool umworben worden sein, aber lieber in die Bundesliga wechseln wollen. Dort soll neben Schalke der HSV interessiert sein. Wer den Artikel über den peruanischen U-17-Nationalspieler nachlesen will, guckt hier: http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-2053573/Andy-Polo-snub-Premier-League-Germany.html#ixzz1bsLxw1pz

Fink schwärmt vom HSV, Westermann warnt: “Freiburg will uns niederstrecken”

11. Oktober 2011

Seit der Posse um Matthias Sammer ist beim HSV nichts mehr, wie es war. Niemand setzt mehr darauf, dass lange Gespräche mit mündlichen Einigungen auch zwingend in den vermeintlich abgemachten Vertrag münden. Angekündigte Zusammenarbeiten können gekündigt werden – bis zur letzten Sekunde. Deshalb lege ich mich hier heute zwar noch nicht hundertprozentig fest, bleibe aber dabei, dass Thorsten Fink neuer Trainer beim HSV wird. Die Frage ist allerdings noch, ab wann? Und vor allem: lässt der FC Basel seinen Cheftrainer überhaupt ziehen? Und was muss der HSV an den FC zahlen, damit dieser seinen Cheftrainer trotz Vertrages bis 2013 ziehen lässt?

Fragen, die in den nächsten Tagen beantwortet werden sollen. So zumindest heißt es aus Hamburg und der Schweiz. Dem Vernehmen nach soll FC-Präsident Bernhard Heusler am Donnerstag wieder in die Schweiz zurückkehren und umgehend die Gespräche mit Fink und dessen Berater Thomas Kroth aufnehmen. „Richtig ist, dass wir uns mit dem Präsidium zusammensetzen werden, wenn der Präsident wieder da ist. Dann werden wir besprechen und festlegen, wie wir weiter vorgehen“, sagt Fink, „und bis das passiert ist, kann ich nichts anderes sagen, als dass ich Trainer des FC Basel bin und mich voll auf meine Aufgabe konzentriere.“

Was anderes bleibt Fink auch nicht übrig. „Es ist für mich eine sehr schwierige Situation. Auf der einen Seite will ich nicht lügen, auf der anderen Seite kann alles, was ich jetzt sage, mir negativ ausgelegt werden. Deshalb halte ich mich an die Fakten. Und Stand jetzt habe ich einen laufenden Vertrag bis 2013. Ich bin und bleibe also erstmal Trainer beim FC Basel“, sagte mir Fink heute am Telefon. Und nebenbei: Neben dem vorauseilend wirklich sehr guten Ruf als Trainer macht der Ex-Bayern-Profi auf mich einen sehr sympathischen, klaren und zielgerichteten Eindruck. In jedem Satz erwähnte er, dass er seinem Arbeitgeber gegenüber loyal sein muss – aber vor allem, dass er es auch unbedingt sein möchte. Zugleich wollte er mich auch nicht anlügen (was bei Trainern uns Journalisten gegenüber ein durchaus gängiges und manchmal auch nachvollziehbares Stilmittel ist…) und bat um Verständnis, dass er sich nicht sofort öffentlich zum HSV bekennt. Dennoch, ganz ohne sein Interesse für den HSV zu unterstreichen, wollte er dann doch nicht bleiben: „Ich habe immer gesagt, dass der HSV ein toller Klub ist, ganz klar. Es gibt aber noch keinen unterschriebenen Vertrag zwischen dem HSV und mir. Auch wenn es kein Geheimnis ist, dass wir uns unterhalten haben.“

In diesem Gespräch hat Fink beim HSV einen Zweieinhalbjahresvertrag bis 2014 angeboten bekommen. Die Rahmendaten sollen dabei breits abgestimmt sein. Einzig der FC Basel – und das kann ein größeres Hindernis werden als man denkt – muss noch seine Zusage geben. Zudem machte sich kein Geringerer als der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld für einen Verblieb Finks in der Schweiz stark. „Thorsten leistet beim FC Basel großartige Arbeit. Die Erfolge sprechen für sich. Und beim FC Basel weiß man auch, dass man mit Thorsten Fink einen absoluten Spitzentrainer hat, der es versteht, trotz Mehrfachbelastung mit UEFA Champions League, Swiss Football League und Schweizer Cup immer wieder junge Spieler zu fördern und in die erste Mannschaft einzubauen“, sagte er dem Internetportal www.goal.com, „darum wünsche ich mir, dass Thorsten beim FC Basel und somit auch dem Schweizer Fussball erhalten bleibt.“

Und bislang gibt es zumindest noch einen klitzekleinen Funken Hoffnung für Hitzfeld. Immerhin gab es bisher nur eine einzige Ansage aus der Schweiz – und die hat einen Wechsel verneint. Zudem hat der FC Basel, der von der Milliardärin Gisela Oeri massiv unterstütz wird, finanziell keine Notwendigkeiten, was bei der bevorstehenden Ablöseverhandlung zum Nachteil für den HSV werden könnte. Allerdings hat Fink, der keine Ausstiegsklausel in seinem bis 2013 laufenden Vertrag beim FC Basel hat, die mündliche Zusage, dass er bei einem interessanten Angebot aus der Bundesliga die Freigabe erhält. Wenn stimmt, was man mir erzählt hat, wurde damals sogar der HSV als Beispiel für ein solches Angebot genannt.

Egal wie, noch ist Fink nicht da. Noch führen Frank Arnesen und Rodolfo Cardoso die sportlichen Geschicke des HSV. Und im Gegensatz zu gestern machte Arnesen dies heute auch aktiv auf dem Platz. „Vier-, fünfmal hat er uns zusammengerufen und seine Ansagen gemacht. Man merkt, dass er selbst mal ein richtig guter Fußballer war. Er achtet sehr genau auf Details und ist sehr kommunikativ“, lobt Mannschaftskapitän Heiko Westermann den neuen Teamchef, wie sich Arnesen selbst schimpft. Westermann zuversichtlich: „Wir werden hier nicht alles komplett ändern, schließlich wollen wir an unsere letzten Spiele anknüpfen.“

Westermann, der die bundesweit sehr skeptisch betrachtete Trainersuche beim HSV als „sorgfältig und gut überlegt“ verteidigt, hat selbst auch schon den Namen Fink gehört. „Ich habe schon mitbekommen, dass Fink zum Gespräch steht. Aber ich kann mir darüber jetzt keine großen Gedanken machen, weil unser Spiel am Sonntag in Freiburg einfach zu wichtig ist.“ Mahnende Worte, die auch keinen Tag zu früh kommen. Denn bei gerade mal vier Punkten muss der HSV Aufgaben wie Freiburg oder auch anschließend Wolfsburg und Kaiserslautern nutzen, um sich ins Tabellenmittelfeld vorzuarbeiten. Wie das gelingen soll? „Wir werden unsere Philosophie beibehalten“, sagt Westermann und führt aus: „Unsere Schlagrichtung hat sich durch die Veränderung im Trainerteam nicht verändert, wir wollen weiter Fußball spielen. Aber wir wissen auch, dass wir in Freiburg kein schönes Spiel erwarten können. Die Freiburger werden um ihr Leben kämpfen. Denen ist scheißegal, ob wir auf dem Papier die größere Mannschaft sind. Die wollen uns niederstrecken.“

Gut, nun glaube ich, dass Heiko den letzten Satz nicht wörtlich meint. Zumal er im nächsten Satz erklärte, dass das mit sportlchen Mitteln geschehen soll: „Wir werden zunächst den Kampf annehmen müssen und dagegenhalten. Wenn wir das machen, wird über die gesamten 90 Minuten am Ende unsere zweifellos höhere Qualität den Ausschlag geben.“ Eine Qualität, die sich ob der Rückkehrer in den letzten Wochen sowie dem bevorstehenden ersten Einsatz von Zugang Ivo Ilicevic definitiv erhöht hat. „Es sind definitiv wichtige Leute zurück, die den Konkurrenzkampf verstärken. Und das tut uns als Mannschaft sehr gut“, sagt Westermann.

Insbesondere Romeo Castelen wusste dabei in den letzten Tagen und Wochen (auch bei der Regionalliga-Mannschaft) zu überzeugen. „Was der hier abzieht, ist fast schon eine Sensation. Wie schnell und wendig der ist. Und das nach einer so langen Verletzungspause – Wahnsinn!“

Der Niederländer kommt immer besser in Fahrt. Im Training lässt er seine Kollegen und Gegenspieler stehen wie nichts. Einzig konditionell scheint er noch nicht komplett am Leistungslimit, weshalb er nach den Einheiten immer mal wieder Extra-Laufeinheiten einschiebt. „Ich fühle mich endlich wieder fit“, so der pfeilschnelle Rechtsaußen, „aber ein wenig fehlt mir natürlich noch.“ Genau genommen fehlt nach den zwei Jahren Pause ein wenig Kondition. Die holt sich Castelen allerdings langsam und in Sondereinheiten mit Fitnesstrainer Günter Kern zurück. „Er ist brutal zu mir“, lacht Castelen, „aber es bringt mir was.“

Und somit bringt es auch den HSV weiter. „Er wird uns in der Verfassung ganz sicher weiterhelfen“, freut sich Westermann, der gegen Freiburg erneut über rechts verteidigen wird – und damit auch kein Problem hat. Obgleich er bei seinem Wechsel aus Gelsenkirchen nach Hamburg betont hatte, in die Innenverteidigerposition zu gehören. „Im Moment interessiert mich das überhaupt nicht. Mir fehlt nichts. Außer die Punkte.“ Und sobald die kommen, will sich Westermann auch wieder für die Nationalelf empfehlen. „Wie von jedem Fußballprofi ist das natürlich auch mein Ziel. Aber das darf in dieser Situation nicht das Thema sein“, so der Kapitän glaubhaft. „Wir haben andere Probleme.“

In diesem Sinne, lasst uns Probleme lösen! Am besten mit drei Punkten in Freiburg, sowie anschließend mit Siegen zuhause gegen Wolfsburg und Kaiserslautern. Dann wäre es wahrscheinlich uns allen ziemlich sch…egal, ob das mit oder ohne den neuen Trainer passiert…

Obwohl, bevor ich den heutigen Blog abschließe, noch ein ganz wichtiger Gruß. Der kommt von Bernd „Fummel“ Wehmeyer, der nach seinem Herzinfarkt wieder auf dem Weg der Besserung ist. Dieter hatte den sympathischen Klubmanager beim Doppelpass gegrüßt, was diesen nicht nur sehr freute, sondern auch dazu veranlasste, Euch alle hier in Dieters Blog grüßen zu lassen.

Ich schließe mich Fummel einfach mal an und grüße dabei insbesondere den „Master of Grätsche“, der heute seinen 44. Geburtstag feiert.

Bis morgen,
Scholle (18.31 Uhr)

Kurz notiert:

– Am Mittwoch ist um 15 Uhr Training an der Imtech-Arena

– Tolgay Arslan (Knöchelprobleme) und Michael Mancienne (muskuläre Probleme) setzten heute beim Training aus und absolvierten individuelles Krafttraining sowie einen Waldlauf. Und während die beiden gegen Freiburg wohl weiterhin fehlen werden, setzte Ivo Ilicevic nach einer vernünftigen Vormittagseinheit beim Nachmittagstraining vorsichtshalber aus, soll aber am Mittwoch schon wieder mittrainieren können.

Der HSV bald auf Dortmunds Spuren . . .

27. Februar 2011

Armin Veh geht, Armin Veh bleibt, Veh hat keine Lust mehr auf diese Eierei, Veh bleibt, Veh geht – ja was denn nun? Ich weiß es doch auch nicht. Weil alle nur noch rumeiern. Der Trainer selbst, die Verantwortlichen des HSV schon lange. Und, so die offizielle Version, so soll es ja auch noch zwei, drei Wochen weitergehen. Nichts Genaues weiß man nicht. Falls mich jemand fragt, denke ich mir eine Antwort immer mit dem Bauch aus: Armin Veh bleibt bis zum Saisonende, denn der HSV steht zurzeit auf Platz sechs, hat Platz fünf noch in Blickweite. Warum also jetzt den Trainer vor die Tür setzen? Aber am Saisonende, da wird Veh, und da vertraue ich nur meinem Bauch, Abschied nehmen von Hamburg.

Was ich nach wie vor nicht begrüße, aber das steht auf einem ganz anderen Papier. Armin Veh ist wahrscheinlich zum schlechtesten Zeitpunkt zum HSV gekommen, den ein Trainer sich nur aussuchen konnte, doch darüber habe ich bereits genügend Texte verfasst . . .

Wobei ich beim Thema Team mit Geist angekommen bin. Und bei „richtigem“ Fußball. War das nicht eine Wucht, wie Dortmund die Bayern entzaubert hat? Unglaublich. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Rekordmeister auf eigener Anlage jemals so von einem deutschen Gegner so beherrscht, teilweise sogar vorgeführt worden ist. Warum ich das hier erwähne? Nicht, weil ich eine vielleicht gerade verheilte Wunde wieder aufreißen will (BVB – HSV). Es ist vielmehr die Tatsache, dass der HSV in diesem Sommer genau jenen Dortmunder Weg einschlagen wird (und muss), den auch die Borussia ging. Die Dortmunder waren doch unter der Führung Niebaum/Mieer finanziell mausetot, nachdem sie jahrelang „Millionenden“ zum Fenster hinausgeschmissen hatten. Und nun diese Wandlung – unfassbar!

Ihr werdet es aber erleben, dass der HSV nach dieser Saison auf den Spuren der Borussia wandelt. Ihr werdet es erleben, ganz sicher. Ich vertraue dabei vor allem dem neuen Sportchef Frank Arnesen. Der soll seine Hauptaufgabe in den vergangenen Jahren ja auch darin gehabt haben, beide Augen auf die Jugend zu richten. Nun wurde hier (bei Matz ab) ja schon genug gemault, dass bei Chelsea nie auch nur ein eigener Nachwuchsspieler das Licht der Premier League erblickt hat – was ja auch stimmen mag. Dennoch weiß ich aus berufenem Munde, dass Arnesen sich gerade im Nachwuchsbereich, und zwar im europäischen (!), bestens und überragend auskennt. Und deshalb muss der Däne dem HSV ganz einfach genügend junge Talente anschleppen – die in den letzten Jahren eben nicht in (und nach) Hamburg angeschleppt wurden. Der HSV muss doch mal in der Lage sein, kontinuierlich eigene Spieler an die Erste Liga heranzuführen. Herr Arnesen, übernehmen Sie! Sie sind im Prinzip meine letzte Hoffnung – nachdem es schon seit Jahrzehnten nicht geklappt hat.

Zur Erinnerung: Bei Dortmund spielt ein 18-jähriges Talent namens Mario Götze. Jetzt schon A-Nationalspieler. Der kam 2001 (!) von Eintracht Hombruch zur Borussia. Und: Es spielt für Schwarz-Gelb auch ein Mann namens Kevin Großkreutz. Der ist erst 22 Jahre alt, wurde auch schon A-Nationalspieler (lief und arbeitete gestern, ganz nebenbei, einen Mann namens Lahm in Grund und Boden) und kam nicht etwa von Inter Mailand. Auch nicht vom FC Barcelona. Er kam von Rot-Weiß Ahlen, und zwar im Jahre 2009. Nuri Sahin (22), der BVB-Kapitän, wurde auch von Dortmund entdeckt, und zwar beim „Welt-Verein“ RSV Meinerzhagen. Sven Bender (21) kam von München 1860, Marcel Schmelzer (23) vom 1. FC Magdeburg, der 22-jährige Torwart Mitchell Langerak, der gegen die Bayern völlig unaufgeregt seine Bundesliga-Premiere gab, wurde vom „Weltklasse-Klub“ Melbourne Victory verpflichtet, Stürmer Robert Lewandowski (22) kam von Lech Posen, wurde hierzulande einigen Erstliga-Klubs wie Sauerbier angeboten, bevor der BVB zugriff. Von dem Japaner Shinji Kagawa und dem Paraguayer Lucas Barrios einmal ganz abgesehen.

All diese Namen machen mir Hoffnung, dass der HSV diesen Weg auch einschlagen – und sich so an den eigenen Haaren aus dem Sumpfe ziehen wird. Und mal ehrlich: Ist ein solcher Fußball, den die Borussia in dieser Saison bietet, nicht einfach nur herrlich anzusehen? „Ich bin gespannt, ob diese junge Truppe dieses Tempo auch in der zweiten Halbzeit noch gehen kann – und wird“, hatte die Lichtgestalt Franz Beckenbauer zur Pause in München gefragt. Nach einer weiteren Stunde war er schlauer: Dortmund konnte dieses Tempo gehen. Die laufen nicht nur alle, die sprinten sogar. Die rasen wie die Hasen, die geben wie von Sinnen alles. Klasse. Einen solchen Überflieger-Fußball spielt in Deutschland nur Dortmund. Und wer auch immer von den jungen Kerlen nach dem Spiel gefragt wird, wieso das so ist, dann wird nur darauf verwiesen: „Wir sind ein Team, wir sind alle befreundet, hier kämpft jeder für jeden, wir verstehen uns auf dem Platz und im Alltag bestens.“ Das sagt jeder. Und ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass es nicht stimmt. Da passt einfach alles. So muss Fußball aussehen. Und wenn ich mir vorstelle, dass so auch bald der HSV . . . Sensationell, diese Vorstellung.

Fußball ist ja ein Laufspiel . . . Und auch in diesem Punkt gibt es beim HSV einigen Nachholbedarf. In Kaiserslautern klafften mir oft zu riesige Lücken zwischen Defensive und Offensive, da wurde auch nicht entschlossen nachgerückt, als der HSV nach der Pause am Drücker war. Aber liegt das nur am Alter der Spieler? Wenn das so einfach wäre, dann würden doch alle Vereine mit einem Talentschuppen a la Dortmund spielen. Wenn ich nur daran denke, dass beim BVB ein Robben nicht nur gedoppelt, sondern oftmals auch mit gleich drei Leuten bewacht wurde, die dann bei Balleroberung alle auch blitzartig umschalteten, dann wissen wohl alle in Hamburg, woran es hapert, woran hart gearbeitet werden müsste.

Aber nun weg vom kommenden Meister. Der HSV hat noch alle Chancen, ins internationale Geschäft zu kommen, es stehen noch zehn Spiele auf dem Programm. Wobei die nächsten beiden Partien nicht ganz so einfach werden, denn zu Hause gegen Mainz wird es schon ganz, ganz schwer. Und gerade diese Begegnung müsste der HSV schon gewinnen, um sich die Chance zu erhalten. Danach geht es zum FC Bayern, und dort zu gewinnen – schafft bekanntlich nicht jeder. Da aber die Mannschaft inzwischen selbst davon überzeugt ist, dass sie sich in diesem Jahr auf dem Wege der Besserung befindet, sollte sie es in den kommenden beiden Spielen mal unter Beweis stellen, dass es tatsächlich so ist – und dass das nicht nur hohle Worte sind.

Gespannt bin ich, wohin nun der Weg von Piotr Trochowski führen wird. Ob er sich noch einmal durch gute Trainingsleistung in die Startelf spielen kann? Ob er von der Bank aus kommend auf sich aufmerksam machen kann? Oder ob er künftig keine Berücksichtigung mehr finden wird? Ich gebe allen seinen (und meinen) Kritikern gegenüber zu, dass „Troche“ in Kaiserslautern kein Bein vor das nächste gesetzt hat. Das war gar nichts, das war ganz schwach. Er sollte eigentlich „rechtsdraußen“ spielen, hielt sich verstärkt aber in der Mitte auf. Es spricht für Armin Veh, dass er Trochowski nach dem Schlusspfiff nicht in Grund und Boden rammte (verbal natürlich nur), sondern nur eine sehr moderate Kritik äußerte. Der Spieler selbst wird wohl wissen, dass das nicht sein Tag gewesen ist. Wobei ich deutlich sage: schade. Für Trochowski selbst – und auch für mich.

Themawechsel. Während ich schreibe, läuft das Spiel Frankfurt – Stuttgart nebenbei. VfB-Spieler Delpierre wurde vom Platz gestellt, nachdem er den Frankfurter Provokateur Maik Franz umgeschubst hat. Das war Rot, klare Sache, aber dass ein Mann wie Wolfgang Stark immer noch nicht weiß, was dieser Franz auf dem Platz alles anstellt, dass niemand ihn nur aus heiterem Himmel umschubst, das kann ich nicht begreifen, das will mir auch nicht in den Kopf. So allmählich müssten doch alle Schiedsrichter wissen, was da abgeht – mit Franz. Der hatte, als der Ball vor einem Freistoß ruhte, dem VfB-Kapitän Delpierre – natürlich total unabsichtlich – auf den Fuß getreten. Übel, ganz, ganz übel, dass das ein so erfahrenes Gespann nicht sieht. Und sogar erst noch den falschen Spieler (Khalid Boulahrouz) vom Platz stellt. Ich wäre übrigens sehr gerne bereit, den Schiedsrichtern ein Videoband mit jenen Franz-Methoden zusammen zu schneiden, wie dieser Herr schon seit Jahren schauspielert und provoziert. Die Unparteiischen beeindrucken doch vor jeder Saison mit solchen Videobändern (bei allen Profi-Klubs werden diese vorgestellt), auf den klassische Fouls zu sehen sind. Warum nicht auch solche Dinge?

Zurück zum HSV. Über den Acker in der Pfalz haben sich alle aufgeregt. Und in der Tat, so etwas geht gar nicht. Ich kann mich erinnern, als der damalige HSV-Vorstands-Boss Werner Hackmann mal dabei war, als der Rasen in der Arena gewechselt wurde, da standen wir am Rande und er sagte zu mir: „In einigen Jahren wird hier Kunstrasen verlegt, da bin ich mir ganz, ganz sicher.“ Er hat es nicht mehr erlebt, aber wie lange wird es noch dauern? Weil ich dazu heute aus Richtung Geesthacht gefragt wurde, wie es sich mit dem Rasen und dem Kunstrasen verhält, hier die DFB-Geschichte dazu:

DURCHFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN ZUR SPIELORDNUNG

ALLGEMEINER TEIL 1. Spielfeld und Stadion §1
Platzanlage
Jeder Verein hat die Pflicht, eine ordnungsgemäße Sportplatzanlage zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass die während eines Spieles auftretenden Schäden am Spielfeldaufbau unverzüglich behoben werden können. Dies gilt insbesondere auch für beschädigte Tore.
Der Spielfeldaufbau erfolgt nach den geltenden Bestimmungen der Fußball- Regeln (Regel 1) und ist daher von Werbung durch Dritte freizuhalten. Über Ausnahmen befindet der DFB.
§2
Platzsperre
Wird gegen einen Verein eine Platzsperre verhängt, so sind die in die Sperrzeit fallenden Heimspiele auf einem Platz auszutragen, der mindestens 30 Kilometer entfernt liegt und nicht ebenfalls einer Platzsperre unterworfen ist.
Erzielt der Verein, gegen den eine Platzsperre verhängt ist, gegenüber den möglichen Einkünften auf seiner Platzanlage Mehreinnahmen, sind diese ab- zuführen. Über die Verwendung entscheidet das Präsidium des DFB.
§3
Spielfläche
Das Spielfeld der Sportplatzanlage muss eine Naturrasen-Spielfläche haben. Die Spielfeldabmessung muss 105 Meter x 68 Meter betragen. Der DFB-Spielausschuss kann innerhalb folgender Bandbreite Ausnahmen bewilligen: Länge zwischen 100 Meter und 110 Meter, Breite zwischen 64 Meter und 75 Meter. Außerhalb der Begrenzungslinien des Spielfelds soll eine mindestens 1,5 Meter breite Grasnarbe oder Kunstrasenfläche vorhanden sein. Der ganze Spielfeld- bereich soll 120 Meter x 80 Meter betragen.
Bei Bundesspielen der Junioren und Juniorinnen und der 2. Frauen-Bundesliga ist als Ausweichplatz ein Kunstrasenplatz zulässig, der den Abmessungen von Absatz 1 entsprechen muss.

So, das war die offizielle Version in Sachen Rasen. Wir ein neuer Natur-Rasen verlegt, kostet das den Vereinen in der Regel um die 100 000 Euro.

Da der HSV erst am Sonntag auf Mainz 05 treffen wird, hatte die Mannschaft heute einen freien Tag – und auch der Montag ist noch frei. Weiter geht es am Dienstag um 10 Uhr im Volkspark. Auf Natur-Rasen.

17.03 Uhr

Einen Punkt vom Acker geholt

26. Februar 2011

Immerhin nicht verloren! 1:1 hatte vor kurzem auch Tabellenführer Dortmund beim 1. FC Kaiserslautern gespielt, aber der HSV hätte durchaus mehr als einen Punkt mit vom Betzenberg mit nach Hamburg bringen können. Der 4:0-Erfolg zuletzt über Werder hätte für viel Rückenwind sorgen können, doch gegen die hart, wacker und verbissen kämpfenden Lauterer tat sich die Veh-Elf lange Zeit schwer. Nach dem Pausenrückstand sorgte eine druckvolle Phase dann wenigstens noch für den Ausgleich, es gab danach nur noch ganz, ganz wenige Möglichkeiten, daraus einen Sieg zu machen. Letztlich ist dieses Unentschieden verdient, obwohl es beiden Mannschaften nicht so richtig helfen wird. Die böse Serie aber, dass der HSV immer dann verliert, wenn er oben „wieder dran“ sein könnte, diese Niederlagen-Serie ist gerissen. Und wer weiß, ob nicht auch der Punkt vom Betzenberg am Ende der Saison nicht noch ganz hilfreich sein könnte.

Einige tauschen den Rasen eben öfter mal aus, die anderen nicht. Und dann kommt ein solches Spiel dabei heraus. Ganz, ganz bitter. Flach spielen und hoch gewinnen, so heißt es ja oftmals, aber das war auf diesem Acker gar nicht möglich. Und dennoch kombinierte mir der HSV auf diesem Dorfplatz noch viel zu viel, statt sich das Leben mit langen Pässen zu erleichtern. Auch wenn das natürlich nicht nach kultiviertem Fußball aussieht, das ist mir schon klar, aber was macht man, wenn die Kugel wie in einem Flipper-Automaten hin und her springt? Ganz klar, dieser Boden kam den Pfälzern eindeutig entgegen, spätestens nach dem Führungstor. Denn da stellten sie sich hinten rein, machten die Räume ganz eng, gingen hart zur Sache – und versuchten sich mit langen Dingern.

Hart zur Sache – das ist das Stichwort. Jedes Mal, wenn ich mich auf einen Schiedsrichter freue, liege ich daneben. So auch diesmal. Dr. Felix Brych ist einer der besten Leute seiner Zunft, da hatte ich vorher keinerlei Bedenken, aber für ihn war es offenbar Gift, dass er zuletzt noch Marseille gegen Manchester United leitete. Brych pfiff in Kaiserslautern immer noch „international“. Nach dem Anpfiff erfolgte sein nächster Pfiff gefühlt erst in der 23. Minute – bei einem Foul an Mladen Petric. Dass zuvor Petric und Paolo Guerrero mehrfach zu Boden gebracht worden war, „übersah“ der Unparteiische geflissentlich, er tat es wohl als „internationale Härte“ ab und ließ das Spiel meiner Meinung nach viel zu großzügig laufen.

Dass der HSV zur Pause mit 0:1 zurück lag, das allerdings lag ganz gewiss nicht an Brych. Das lag ganz allein an Joris Mathijsen, der den Lauterern diese Möglichkeit erst ermöglichte, indem er die Kugel leichtfertig vertändelte. Orientierungsschwierigkeiten waren das. Wobei der Niederländer den langen Pass der Pfälzer besser erst gar nicht angenommen hätte, denn da stand der spätere Torschütze Hlousek klar im Abseits. Ein ganz, ganz erschütterndes Tor, dass so gar nicht zu einem Erstliga-Profi passte. Aber auch nicht untypisch für den HSV. Solche Dinger fängt im Zweifel immer nur Hamburg.

Zwei Chancen hatte Kaiserslautern, zwei auch der HSV. Der sich schwer tat, ins Spiel zu kommen. Teilweise zu langsam und pomadig der Aufbau, dann war es vorne schwer, den Ball zu kontrollieren. Die Umstellungen, die Armin Veh vorgenommen hatten, zahlten sich nicht wie vom Coach erhofft aus. Die rechte Seite blieb alles schuldig, alles. Piotr Trochowski hatte in der Offensive nicht eine einzige Szene, über seine Seite kam nichts, null – bedauerlich. Zumal Guy Demel auch keine Anstrengungen unternahm, etwas nach vorne zu tun. Und wenn doch, dann gab es (exakt zweimal) erschütternde Flanken ins Niemandsland. Nein, mit dieser rechten Seite war wahrlich kein Blumentopf zu gewinnen.

Über links ging es besser, wenn auch nie überragend. Allerdings hatte der wieder ins Spiel gekommene Marcell Jansen deutlich mehr und bessere Aktionen, als Trochowski auf der anderen Seite. Gebracht hat es allerdings auch nichts. Auch deshalb, weil die Pfälzer aggressiver und einfach giftiger waren. So hätte ich mir einmal mehr auch den HSV gewünscht, aber Fußball-Bundesliga ist ja kein Wunschkonzert.

Frank Rost verbrachte – bis auf die Schlussphase – eigentlich einen geruhsamen Nachmittag, beim 0:1 gab es nichts zu halten für ihn. Demel nach hinten ganz okay, wenn auch nie souverän, man muss oftmals Angst haben – Stichwort Stellungsspiel! Und einen „Bock“ hat er ja auch immer drauf – so diesmal in der 72. Minute, als er Moravek mustergültig „bediente“, Rost aber glänzend hielt.

Demels Nebenmann Gojko Kacar bot eine überragende Leistung, an ihm können (und sollten) sich alle ein Beispiel nehmen, wie man effektiv, konzentriert und engagiert bis in die Haarspitzen spielen kann. Das war eine glatte Eins. Was natürlich nicht für Mathijsen gelten kann – siehe das 0:1. Immerhin ließ sich der Routinier von seinem Patzer nicht runter ziehen, sondern spielte seinen Part solide zu Ende.

Solide war auch die Vorstellung von Dennis Aogo, obwohl er mir in der Anfangsphase ein wenig zu fahrig und auch zu nachlässig spielte. Immer dann, wenn er sich hundertprozentig auch körperlich einbringt, ist er gut und eine Stütze.

Gleiches gilt für Ze Roberto, der mir in Halbzeit eins ein wenig zu langsam spielte, oftmals den Quer- und den Rückpass als Option wählte. Das kann er wesentlich besser, vielleicht hat ihn der Trainer daran auch zur Pause erinnert, denn sein Pass auf Jansen, der in der 54. Minute das 1:1 erzielten konnte, war einfach nur klasse – ein Zuckerpass eben. Und: Ze Roberto legte dann auch eine deutlich bessere zweite Halbzeit hin.

Nebenmann Heiko Westermann spulte ein immenses Pensum herunter, gewann viele Zweikämpfe, erkämpfte sich etliche Bälle – wenn er dann die Ruhe bewahren würde, dann wäre er wahrscheinlich Weltklasse. Aber Westermann und das Abspiel, das ist ein ganz besonderes Kapitel, daran wird noch viel zu arbeiten sein, das wird auch noch so manchem HSV-Trainer graue Haare einbringen. Dennoch: Westermann ist ein vorbildlicher Kapitän und eine Stütze in diesem Team.

Was ich über Trochowski wahrscheinlich nie mehr schreiben werde. „Troche“ war bemüht, er lief viel, wollte ganz offenbar die Gunst der Stunde (und der unerwarteten Chance) nutzen – aber er war dabei ganz offensichtlich übermotiviert. Deswegen kappte nichts. Völlig berechtigt deshalb seine Auswechslung zur Pause, als Änis Ben-Hatira für ihn kam.

Links, wie gesagt, gelang Jansen deutlich mehr – und er schoss sogar sein erstes Saisontor. Mit rechts! Lohn für eine läuferisch gute Vorstellung. Läuferisch stark war auch Paolo Guerrero, der mir in Sachen Einstellung wirklich großartig gefiel. Paolo der Kämpfer. Er hat es offenbar kapiert, wie es zu gehen scheint. Wobei mir auch imponierte, dass er bewundernswert gelassen blieb, wenn er oftmals (ohne Pfiff) zu Boden befördert worden war. Eigentlich kennen wir ihn ganz anders, aber offenbar hat sich der Peruaner jetzt auch besser im Griff. Sein Stürmerkollege Mladen Petric versuchte auch immer viel (auch einige Male etwas zu egoistisch), wobei es oftmals nur bei diesen Versuchen blieb – der Kroate blieb blass. Ähnlich wie Ben-Hatira, der ein wenig zu „hippelig“ wirkte. Der Deutsch-Tunesier muss ganz einfach (wenn es denn so einfach wäre) abgeklärter werden – aber er ist ja noch jung und lernfähig.

In der 73. Minute brachte Veh für den ausgelaugten und glücklosen Guerrero Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer aber hatte keine Szene mehr – außer nach einem Eckstoß, als er den Ball aus dem Gedränge heraus mit dem Arm Richtung Tor befördert hatte – Keeper Sippel hielt glänzend.

Schlusswort von Mladen Petric: “Wir wollten hier gewinnen, aber auch mit diesem Unentschieden ist noch nichts verloren für uns.”

17.26 Uhr

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