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WM? Für mich zählt nur Mainz…

8. Mai 2014

Die Entscheidung war schon ein paar Stunden alt, aber sie wurde nicht besser. Zumindest nicht für Heiko Westermann und Rene Adler, die im Gegensatz zu Marcell Jansen nicht zum vorläufigen WM-Aufgebot zählen. Trost gab es dennoch – von HSV-Trainer Mirko Slomka. Der schob dem Auftreten des HSV in der Bundesliga den Schwarzen Peter zu. „Die Nominierung ist immer auch ein Produkt der gesamten Mannschaftsleistung. Und da müssen wir festhalten, dass wir als Mannschaft nicht dazu beigetragen haben, dass Rene und Heiko nominiert werden.“

Die beiden Nicht-Nominierten konnten allerdings ebenfalls nur unzureichend viel beitragen. „Ich bin schon enttäuscht. Aber was soll man erwarten nach so einer Saison?“, sagt Westermann. „Klar bin ich enttäuscht, dass ich nicht dabei bin, aber ich kann damit umgehen. Ich akzeptiere die Entscheidung und nehme es sportlich. Der Fokus liegt voll auf den nächsten Spielen mit dem HSV. Ich wünsche den Jungs alles Gute für die Zeit in Brasilien“, erklärte indes Torhüter Rene Adler, der aber keinen Zweifel daran lassen wollte, dass dies keine negativen Auswirkungen auf seine Leistung in Mainz haben wird. Ebenso wenig wie Westermann: „Für mich hat das keine Auswirkungen auf Samstag. Ich habe immer gesagt, dass der HSV das Wichtigste für mich ist”, so


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Dass Marcell Jansen nominiert wurde, ist dagegen nicht wirklich überraschend. Schon gar nicht für ihn. „Ich wusste schon länger, dass ich dabei bin. Wir hatten durchgehend Kontakt. Die Nominierung stand nie zur Debatte.“ Zumal sich Jansen trotz vieler Verletzungspausen und einer sehr durchwachsenen Saison tatsächlich nur geringer (quantitativ betrachtet) Konkurrenz als linker Außenverteidiger. Vor allem, seitdem Bundestrainer Joachim Löw Philip das Bayern-Modell angenommen hat und Lahm ins Mittelfeld vorgezogen hat.

Lange unerwähnt und für mich unbekannt, bis ich ihn im Blog vor sechs Monaten mehr oder weniger zufällig interviewte, blieb Shkodran Mustafi. Der ehemalige Jugendnationalspieler des HSV in Diensten Sampdoria Genuas spielte sich allerdings seitdem (NICHT deswegen…) ins Rampenlicht des DFB. Und so sehr ich mich auch über die Nominierung unseres Blogfreundes freue, und so gern ich jetzt auch über die 30 bislang Nominierten schreiben und diskutieren würde – ich lasse es. Weil wir hier Wichtigeres zu tun haben.

Und Slomka weiß das. Der HSV-Trainer geht gar nicht erst unnütz lang auf die Kadernominierung ein. „Ich habe am Dienstagabend mit dem Bundestrainer telefoniert und freue mich für Marcell.“ Und damit hatte sich der Spaß. Denn Mainz steht vor der Tür. Und der FSV muss seinerseits noch punkten, damit der FC Augsburg nicht noch den Europa-League-Platz streitig machen kann. „Es gibt keinen in der Mannschaft, der seinen Urlaubsmodus angestellt hat“, verspricht FSV-Trainer Thomas dem HSV einen heißen Tanz. Und Slomka ist sich dessen bewusst. „In Mainz treffen wir auf eine Mannschaft, die zum dritten Mal in die Europoa League will. Die werden mächtig heiß sein“, so Slomka, „aber wir haben hier von beginn an gesagt, unser Ziel ist nicht die Relegation. Es ist der Klassenerhalt. Daher wird es Zeit, dass wir den Fans und dem verein etwas zurückgeben und nach langer Zeit mal wieder einen Auswärtssieg schaffen.“

Stimmt. Und gerüstet scheint der HSV zu sein. Zumindest personell. Dennis Diekmeier trainierte heute wieder voll mit, ebenso wie Pierre Michel Lasogga, Johan Djourou, Marcell Jansen und Heiko Westermann. Allesamt ohne Probleme. „Vielleicht sogar mit einer kleinen Portion Extramotivation“, lächelt Jansen ob seiner Nominierung und Gesundung. „Der Fuß hält. Und Luft hat man in so einem Spiel eigentlich immer…“

Hoffentlich. Denn Augsburg war nicht minder wichtig – und nicht schönzureden grottig. Das 1:4 gegen Bayern jedoch, das gibt Slomka Hoffnung. „Weil die Mannschaft Charakter bewiesen hat“, wiederholt der HSV-Trainer immer wieder. Und der HSV ist fit. Mehr als 750 intensive Läufe hat die Datenbank verzeichnet – Bundesligarekord. Slomka: „Und genau das wollen wir beibehalten.“ Besser noch: Genau das MUSS beibehalten werden, wenn man bei den heimstarken Mainzern bestehen will. Denn der FSV, der die letzten drei Heimspiele gewann, hat im eigenen Stadion nur gegen die Top vier der Liga verloren, dreimal remis gespielt und neun Siege eingefahren, während der HSV auswärts gefühlt seit der Steinzeit nicht mehr gewonnen hat. „Dafür hatte Mainz mit dem HSV immer Probleme“, macht Berufsoptimist Slomka seinem Namen als „Herr der Statistiken“ alle Ehre, „gegen den HSV wurde zuletzt sechs Spiele nicht gewonnen.“

Stimmt. Drei Remis und drei Niederlagen gab es für das wahrscheinlich friedlichste Publikum (Pfiffe gegen den Gegner werden vom Stadionsprecher laut kritisiert) zu bestaunen. Und am Sonnabend dürfte das Publikum maximal durchsetzt sein mit HSVC-Fans. Zumindest kenne ich keinen Anhänger, der nicht versucht, live vor Ort dabei zu sein. Eine Stimmung, die sich auch auf die Mannschaft übertragen soll. Schon beim Training in Hamburg, weswegen (und wohl auch, weil er abergläubisch ist, wie ich hörte) Slomka darauf verzichtete, früher anzureisen. „Wir wollen den Zusammenschluss mit den Fans, wollen uns nicht verstecken.“

Super. Obgleich das alles noch keine Punkte garantiert.

Dafür hat Slomka seinen Hoffnungsträger wieder dabei: Pierre Michel Lasogga. „Stand jetzt, ist er verfügbar“, freut sich Slomka über seinen Toptorjäger und lobt: „Er macht sicher Hoffnung. Aber wir müssen auch festhalten, dass wir mit dem Auftreten gegen die Bayern uns allen Hoffnung gemacht haben“, erklärt Slomka. Dennoch wird sich sehr viel auf den Stürmer fokussieren, dessen Ende beim HSV trotz anderslautender Gerüchte längst noch nicht feststeht, wie Sportchef Oliver Kreuzer sagt: „Es gibt noch keine Entscheidung.“

In diesem Sinne, die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf allen Ebenen. Auch bei mir. Ach ja, und weil hier viel über Jens Lehmann gefachsimpelt wird, erlaubt mir bitte einen kleinen, persönlichen Einwand: Der ehemalige Nationalkeeper ist tatsächlich wesentlich sympathischer, als er im TV rüberkommt. Auf die Frage, warum er so seltsam arrogant gewesen sei, antwortete er: „Anders hätte ich mich niemals in eine Position gebracht, in der ernsthaft über mich als Nummer eins diskutiert worden wäre. Hätte ich das nicht gemacht, wäre Oliver Kahn wahrscheinlich heute noch die Nummer eins.“ Und irgendwie hat er Recht. Erst durch sein selbstbewusstes (arrogant rüberkommendes) Verhalten, sich selbst als neue Nummer eins zu fordern, wurde diskutiert. Dass er dabei seine Aussetzer (Hubschrauber, Brille, etc.) hatte – es macht ihn doch erst zu einem „echten Torwart“, oder? Allerdings ist Dietmar Beiersdorfer noch immer der absolute Wunschkandidat von HSVPlus für den Fall der Umstrukturierung. Obgleich er vergleichsweise langweilig und normal erscheint, soll der ehemalige HSV-Sportchef in Diensten Zenit St. Petersburgs (die Russen würden ihn dem Vernehmen nach ziehen lassen) den Vorstandsvorsitz übernehmen und zugleich die Kaderplanung mitgestalten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Jacques Zoua wird auch gegen Mainz wegen seines Muskelfaserrisses ausfallen.

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