Archiv für das Tag 'Kahn'

Fink setzt in München auf Offensive – hoffentlich…

27. März 2013

*****Update: Training ist erst um 15 Uhr an der Arena! *****

Er ist wieder da. Und das besser denn je. Zumindest besser als bisher in dieser Saison – sagt er selbst. „Ich habe mir wieder Selbstvertrauen geholt, bin heute noch etwas schlapp – aber ich bin wieder richtig gut drauf.“ Ein verschmitztes Lächeln dazu – und fertig war die Portion Hoffnung auf einen Erfolg in München. Denn: Mit Rafael van der Vaart hat der HSV zuletzt in München zwei Siege und ein Remis geholt. Ob die Bayern sowas wie sein Lieblingsgegner sind? „Nein“, sagt der Mann mit der Rückennummer 23, „aber es ist immer etwas Besonderes, in München zu spielen.“ Dass dies mal dauerhaft angedacht war, dass der “kleine Engel” durchaus mal mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht wurde – es interessiert van der Vaart nicht mehr. Auf die Frage, wie weit die Gespräche damals fortgeschritten waren, sagt der „Maestro“: „Die Sache mit den Bayern lief mehr über die Zeitungen, das war nie konkret.“

Zum Glück nicht.

Vier Tore in den letzten vier Länderspielen – so lautete van der Vaarts Antwort auf die in den Niederlanden wachsenden Kritik an ihm und seinem kongenialen Mannschaftskollegen (und Konkurrenten) Wesley Snijder. Zu unfit seien die beiden, körperlich dem Tempo der jüngeren Spieler nicht mehr gewachsen heißt es da. Und auch in Hamburg wird immer wieder über van der Vaarts körperliche Verfassung getuschelt. Zumal, wenn es wie zuletzt mal nicht so richtig rund läuft werden dem Niederländer seine Pfunde zu viel vorgehalten. Dabei, und das muss man dazu sagen, van der Vaart ist ein echter Straßenfußballer. Er lebt nicht asketisch, das ist ziemlich klar. Aber er ist gesegnet mit einem Talent, dass ihn nie gezwungen hat, übermäßig fleißig zu werden. Van der Vaart braucht den Ball, stumpfes Kraft- oder Ausdauertraining ist nichts für den Techniker, der allerdings – das muss gesagt sein – absolut nicht unfit ist. Nein, der Mann hat tatsächlich in dem Moment Spaß, wo er einen Ball an den Füßen hat. Er ist noch nicht satt, wie es viele Weltstars irgendwann sind. Van der Vaart ist Meilen davon entfernt, sein Programm für den üppigen Gehaltscheck einfach abzuspulen. Abgestumpft ist er maximal im Umgang mit uns (zugegebenermaßen oft tatsächlich nervigen) Journalisten. Aber selbst nach dem 1000. Interview gibt sich van der Vaart Mühe, höflich zu sein.

So wie heute. Da saß er auf der Empore im PK-Raum der Imtech-Arena und stellte sich vor dem Nord-Süd-Gipfel den Fragenden, unter denen sich eine Schulkasse befand. Welchen Moment aus einem Spiel in München er noch in besonderer Erinnerung hat, wurde gefragt. Und er antwortete ohne zu zögern: „Das war mein schönes Tor gegen Oliver Kahn“, so van der Vaart über seinen 1:1-Ausgleichstreffer in der Allianz-Arena am 28. April 2007, bei seinem letzten Auftritt mit dem HSV beim Rekordmeister. Wie jetzt sein Torgefühl ist? „Ob ich ein Tor mache? Also wenn man zwei Tore in zwei Länderspielen gemacht hat, dann kann man mal eine Serie beginnen.“

Am besten in München, so der Linksfuß mit einem Augenzwinkern. Denn auch er weiß, dass nominell in München nicht viel zu holen ist. Bei der niederländischen Nationalmannschaft hat van der Vaart kurz mit Robben gesprochen, ihn gefragt, ob er von Beginn an spielt. Robben wusste es nicht. „Weil am Dienstag Juventus Turin ansteht“, sieht auch van der Vaart ne Menge Ablenkungspotenzial in dem bevorstehenden Viertelfinal-Hinspiel. So wie Fink. „Ich war auch mal Fußballer“, erzählt der Ex-Bayern-Profi, „und natürlich schwirrt so ein wichtiges Spiel n den Köpfen der Spieler herum. Ich kenne das, da ist man häufig vom Kopf her schon beim nächsten Spiel.“

Dennoch, es müsste schon alles passen (und noch ein wenig mehr), um in München zu gewinnen. Van der Vaart sieht es so: „Wenn wir genauso wie in Dortmund spielen und Bayern einen nicht so guten Tag hat – dann haben wir vielleicht eine Chance.“ Fink ist da schon etwas optimistischer. „Wir haben nach der letzten Länderspielpause in Dortmund gewonnen. Und wir haben gerade gegen die Topteams gezeigt, dass auch wir zu Topleistungen fähig sind. Ich rechne mir auch in München etwas aus.“

Zumindest will Fink mutig spielen lassen. Offensiv. „Wenn wir da verlieren, dann mit einem guten Spiel. Wir werden frech spielen, nach vorn spielen. Ähnlich wie in Dortmund.“ Allerdings mit einer anderen Aufstellung. So deutete Fink heute an, dass er wohl auf Tomas Rincon verzichten werde. Der Venezolaner habe zweimal 90 Minuten in den Beinen und kehrt erst am Donnerstag zur Mannschaft zurück. Ich brauche Spieler, die körperlich und geistig auf Topniveau sind.“ Und das sei Rincon wohl eher nicht. Glaubt Fink.

Finks Plan ist gut, sagt er. Allerdings scheint er gedanklich noch nicht zu 100 Prozent sicher, welchen Plan er spielen will. Mit Per Skjelbred neben Milan Badelj? Es wäre eine hervorragende Alternative zu Rincon. Der Norweger ist zwar nicht ganz so defensivstark wie Rincon, allerdings besticht Skjelbred neben seiner Ballsicherheit vor allem durch seine Laufleistung. Davor würde Rafael van der Vaart als hängende Spitze hinter Artjoms Rudnevs spielen, während Son wieder auf die rechte Seite rückt. Und ganz ehrlich, ich glaube, Fink wollte eigentlich zunächst ohne Son spielen und hat sich das nach dessen Mut gebendem Siegtreffer für die südkoreanische Nationalelf wieder anders überlegt.

Aber warten wir es ab. Am Freitag beim Abschlusstraining sei die Startformation wohl erkennbar, sagt Fink, der in den wenigen Tagen bis zum Spiel vermehrt auf Videostudium mit den Spielern setzt. Im Training seien die taktischen Dinge zumindest nicht mehr annähernd durchzusetzen.

Egal wie, ich würde mich freuen, wenn Fink bei seinem ersten Auftritt als HSV-Trainer an alter Wirkungsstätte (zumindest die Stadt) in München mutig auftritt. So, wie Düsseldorf. Oder Arsenal. Wobei ich die Einschätzung, Düsseldorf war dem Sieg nah, nicht teile. Ich habe das Spiel 90 Minuten gesehen und hatte dabei immer das Gefühl, dass die Bayern die ganze Geschichte etwas unterschätzt haben und ihre Fehleinschätzung mit einem kurzen Zwischenspurt nur korrigierten.

In diesem Sinne, morgen kann ich Euch hoffentlich schon etwas mehr zur geplanten Startelf sagen. Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen Abend, eine gute Nacht und sage (schreibe): Bis morgen!

Scholle

Nächste Einträge »