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Slomka spendierte Steaks aus Uruguay

12. September 2014

In Geburtstagslaune war Mirko Slomka heute nicht gerade. Der HSV-Trainer ist heute 47 Jahre jung geworden, er gab auch ein Geburtstagsessen für seine Mannschaft aus, aber ansonsten wirkte er nicht besonders gut aufgelegt. Im Gegenteil, wenn ich gefragt werden würde, wie ich Slomka heute bei der Pressekonferenz erlebt habe, dann würde ich schon sagen: „Ein wenig angefressen.“ Und das hatte nun nichts mit dem Steak aus Uruguay zu tun, das der Coach auf „den Markt geschmissen“ hatte. Die ganze Situation setzt ihm offenbar mehr zu, als er mit gelegentlichem Lächeln vor den Kameras zu überspielen versucht. Mein Kollege Axel Leonhard, der große Regisseur (von Matz ab live) macht mich ja immer total arbeitslos, indem er Sekunden nach der PK hier schon alles veröffentlich, aber es hat den großen Vorteil für Euch: Jeder kann sich selbst ein Bild machen, wie er Mirko Slomka an diesem Freitag, seinem Feiertag, empfindet.

 

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Ich fand den Trainer, der offenbar alles selbst liest oder lesen lässt (um sich dann informieren zu lassen), auch ein wenig dünnhäutig. Die Frage aber, die dahinter steckt, ist doch die: Eine Erfolgsserie hat Slomka mit diesem HSV ja nicht gerade gestartet. Im Gegenteil. Ganz im Gegenteil. Und dann greifen eben die Mechanismen, die es in solchen Fällen im Profi-Fußball gibt. Das muss kein Fan großartig pöbeln, da muss keine Zeitung besonders schlimm schreiben – sollte diese Negativserie anhalten, dann muss niemand mehr etwas sagen oder schreiben, dann handelt der Vorstand. So einfach ist das. Und das wäre in München, Berlin oder Stuttgart ebenso.

 

Darüber ist sich Slomka sicher auch selbst klar, aber eine solche prekäre Situation dann zu durchleben, das ist dann eben doch etwas anderes. Und es geht ja nicht nur allein um die Schüsse, die Richtung Trainer abgefeuert werden, es gibt ja auch genügend Sorgen, die rund um die Mannschaft schon wieder entstanden sind. Und wenn gestandene Spieler wie Rafael van der Vaart und Marcell Jansen ausfallen, dann kann auch keinem Coach der Welt zum Lachen sein, egal ob er Spieler dieses Kalibers auch im nächsten Spiel tatsächlich aufgestellt hätte. Sollte es nämlich schiefgehen, wenn nun die Neuzugänge am Sonntag in Hannover zum Einsatz kommen, dann könnte er immer noch einen erfahrenen Mann von der Bank einwechseln – das ist nun fast schon ausgeschlossen.

 

Mal abgesehen von Heiko Westermann, der dort am Sonntag um 17.30 Uhr Platz nehmen wird. Eine Tatsache, die diejenigen erfreuen wird, die auf eine solche Maßnahme schon seit Monaten warten. Dass ich nicht ganz konform damit gehe, mag niemanden überraschen, aber ich denke da weniger an den „HW4“ und sein Wohlbefinden selbst, sondern an die Mannschaft. Und da ganz besonders an jene Standardsituationen, die dem HSV am Sonntag von 17.30 Uhr an um die Ohren fliegen werden – wenn es Schiedsrichter Schmidt aus Stuttgart denn so entschieden hat. Ich behaupte einmal, dass Westermann der Defensive wegen seiner Kopfballstärke schon sehr fehlen wird. Zumal jetzt viele Spieler (es darf sich jeder von Euch darüber seine eigenen Gedanken machen!) zum Einsatz kommen werden, die kein Gardemaß haben. Da aber alle Männer vorzugsweise dann hinten benötigt werden, wenn der Gegner Standards vor das HSV-Tor schlagen kann, sind auch die „kleinen Jungs“ gefragt. Ob sie helfen können, das sei dann dahingestellt. Wir werden es alle erleben.

 

 

Es wird in Hannover auf jeden Fall eine „runderneuerte“ Viererkette geben. Dennis Diekmeier wird zwar rechts seinen Platz behalten, auch Johan Djourou bleibt in der Mitte gesetzt, aber links von ihm werden der Brasilianer Cleber und der ehemalige Augsburger Matthias Ostrzolek stehen. Der Beginn einer neuen Mannschaft. Zumal die beiden Sechser auch „neu“ sein werden: Valon Behrami und Lewis Holtby. Letzterer sprühte heute vor Spiellust beim Training, und er gefiel mir auch als Vollstrecker bei der abschließenden Übung, als es darum ging, Flanken von rechts und links zu verwandeln. Holtby schaffte das auch mit ganz schwierigen Bällen, das sah richtig, richtig gut aus.

 


 

Auf den Außenpositionen könnte es wieder erwarten noch eine Änderung geben, denn Ivo Ilicevic verletzte sich kurz vor dem Trainingsende, er konnte seinen linken Fuß (oder das linke Bein) nicht mehr hundertprozentig „benutzen“, und nun ist im Moment noch nicht sicher, ob es mit einem Einsatz am Sonntag überhaupt etwas wird. Die anderen Positionen allerdings sind klar: Zoltan Stieber wird auf einem Flügel spielen, und in der Mitte (hinter der Spitze Pierre-Michel Lasogga) wird (wohl) Nicolai Müller spielen. Der Mann, aus Mainz gekommen, trainierte diese Rolle heute schon mal und gefiel mir dabei sehr. Weil er schnell, gewandt und torgefährlich ist. Auf die Frage, ob Müller schon bei 100 Prozent sei, antwortete Slomka aber: „Er wäre bei 100 Prozent, wenn er in dieser Saison schon ein Bundesliga-Spiel über 90 Minuten gemacht hätte.“ Das hat er nicht – aber das kann ja noch werden. In Hannover zum Beispiel.

 

Eine weitere Frage aber wäre dann die: Wer kommt ins Team, falls Ilicevic ausfallen sollte? Dann wird es nämlich schon eng. Tolgay Arslan rechts, Stieber links? Das wäre eine Variante. Arslan hatte im heutigen Training durchaus einige sehr gute Szenen. Petr Jiracek auf die linke Seite? Wäre auch möglich. Oder Artjoms Rudnevs (statt Arslan) nach rechts? Eine faustdicke Überraschung wäre auch denkbar, dann würde Slomka auf einen Mann aus der Zweiten (immerhin Tabellenführer in der Regionalliga) namens Philipp Müller zurückgreifen, der heute mittrainierte und einen quirligen Eindruck auf mich machte. Eine weitere Variante wäre auch die, dass Westermann mit Behrami auf die Sechs ginge, Holtby auf die verwaiste Van-der-Vaart-Position – und Nicolai Müller nach rechts, Stieber nach links. Aber das ist natürlich die Geschichte, die mir im Moment am wenigsten möglich erscheint – weil Westermann eben total out ist. Schnell noch ein Wort zum heutigen Trainingsspielchen, denn da gefiel mir auch, das nur am Rande, Ashton Götz als Rechtsverteidiger. Und gute Szenen hatte auch der Südkoreaner Dongsu Kim, der im B-Team neben Westermann einen der Innenverteidiger gab. Das nur schnell eingeschoben.

 

In oder out? Das ist in diesen Tagen beim HSV ganz sicher ein viel diskutiertes Thema. Wie das im „Fall Adler“ ist, das wird zurzeit unterschiedlich – von meinen Kollegen – beobachtet. Vor dem Training heute waren sich die meisten sicher, dass Rene Adler am Sonntag gegen Hannover zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen wird, nach der Einheit am Stadion aber waren sich fast alle einig: Jaroslav Drobny wird gegen die Niedersachen das HSV-Tor hüten. Wobei Mirko Slomka sich nicht entlocken ließ, wer denn tatsächlich als Keeper auflaufen wird: „Das entscheide ich immer erst am Spieltag.“ Ist doch klar, denn was ist, wenn Drobny nun plötzlich noch erkranken würde? Dann müsste Adler, der vorher eventuell „enteiert“ worden ist, doch spielen. Keine so ganz günstige Konstellation. Aber, um nicht drum herum zu schreiben, ich gehe nach diesem Tag auch davon aus, dass Droby spielen wird. Ihr könnt ich die PK von diesem Freitag ja sofort ansehen – und werdet dann wohl auch zu diesem Schluss kommen.

 

Erfreuliches gibt es noch von der Verletzten-Szene zu berichten. Gojko Kacar soll (oder könnte) bereits in der nächsten Woche schon wieder ins Mannschafts-Training einsteigen, und auch bei Slobodan Rajkovic sieht es wohl schon sehr viel besser aus, der Coach stellte in Aussicht, dass der Innenverteidiger eine Woche später wieder mit den Kollegen trainieren könnte. Das wäre doch mal was . . .

 

Zu einem anderen Thema. Aber immer wieder aktuell:

Im heutigen Hamburger Abendblatt gibt es ja ein Interview mit HSV-Gönner, -Sponsor, -Helfer Klaus-Michael Kühne, der darin auch noch einmal auf den Trainer eingeht. Mirko Slomka aber ließ das kalt, er blieb diesbezüglich total unaufgeregt und neutral und sagte: „Ich habe an dieser Stelle schon einmal gesagt, dass ich kürzlich ein längeres Telefonat mit Herrn Kühne geführt habe. Ich kann nach wie vor dazu nur sagen, dass alle diejenigen, die uns von außen kritisch bewertet haben, Recht hatten. Unser Spiel gegen Paderborn war einfach unterirdisch. Wenn man dann in eine solche Aufbruchsstimmung hinein kommt, auch Herr Kühne hat uns ja dabei geholfen, eine solche Aufbruchsstimmung zu verbreiten, dann kann ich auch von allen, jetzt nicht nur speziell vom Trainer, sondern konkret von allen Mitarbeiten einer besseren Job auf und neben dem Platz verlangen.“

Vielleicht klappt es ja diesbezüglich schon am Sonntag in Hannover. Ich habe im Hamburger Abendblatt – ganz optimistisch – 2:2 getippt, und damit wäre ich auch schon mal sehr zufrieden.

PS: Lars Pegelow hat sich ja gestern schon zur Abrechnung von
Trainer Bert van Marwijk mit dem HSV geäußert. Ich möchte es schnell noch einmal ergänzen. Der Niederländer, auch Vize-Weltmeister, hatte ja festgestellt, dass sein Engagement beim HSV “ein Fehler” gewesen sei. „Da ging vieles drunter und drüber. So was habe ich noch nie erlebt. Die Konzentration auf den Fußball war fast nicht möglich”, sagt van Marwijk. Komisch ist das schon. Er hatte uns allen doch immer wieder eines verkauft: „Ich hatte immer mal wieder Angebote, zu diesem oder jenen Verein zu gehen, aber ich habe lange gewartet, habe mich lange Zeit schlau gemacht und mir dann den besten Club ausgesucht – den HSV.“ Toll, was? Ja, jeder dreht sich seine Wahrheit letztlich so hin, wie er sie gerade braucht. Van Marwijk kann auch ja auch schlecht zugeben, dass er, der große Meister, sich mal geirrt hat. Oder er kann nicht zugeben, dass der HSV deswegen der beste Club für ihn gewesen ist, mit dem man ein solches Spielchen, wie er es mit dem HSV getrieben hat, auch tatsächlich spielen kann – und dann auch noch mit Millionen über den Jordan gehen. So gesehen war der HSV dann wirklich seine beste Wahl – alles richtig gemacht!

PSPS: Morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

18.12 Uhr

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