Archiv für das Tag 'Kacar'

Beiersdorfer: “Ein sehr guter Tag für den HSV”

22. Januar 2015

Um 23.16 Uhr hatte die Presseabteilung am Mittwochabend geladen, um 9.30 des heutigen Donnerstages waren die Journalistenkollegen und ich vor Ort. Per Mannschaftsbus wurden wir in den nahegelegenen Volkspark gefahren. Dort angekommen, ließ sich erahnen, was folgen würde. Eine alte Sitzreihe des ehemaligen Volksparkstadions sowie eine Traditionsfahne des HSV bildeten den Rahmen der feierlichen Verkündung von Aufsichtsratsboss Karl Gernandt (siehe Videos). Denn Klaus-Michael Kühne hat sich nun doch dazu entschlossen, einen großen Teil seines 25-Millionen-Darlehens für den HSV umzuwandeln in Vereinsanteile. 18,75 Millionen Euro gehen somit auf den HSV über, im Gegenzug erhält der Speditionsmilliardär 7,5 Prozent an der HSV AG. Zudem, und das war die emotional zweifellos deutlich schönere Nachricht, zahlt Kühne dem HSV ab Juli 2015 für die kommenden vier Jahre jeweils vier Millionen Euro, um die Imtech-Arena in „Volksparkstadion“ um- oder besser: zurückzutaufen. Eine Idee, die seit Monaten über die Flure des HSV schwebte – und die jetzt endlich umgesetzt wird.


Dass sich die Anwesenden, von Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer über seinen Vize Joachim Hilke bis hin zu Aufsichtsratsboss und Kühne-Attaché Karl Gernandt über alle Maßen erfreut äußerten – logisch. Denn die Tatsache, dass nicht mehr 25 Millionen zurückgezahlt werden müssen, sondern „nur noch“ 6,25 Millionen – und die bis 2019 in Raten, gibt dem HSV neuen Handlungsspielraum.

Fussball

Oder nicht?

Beiersdorfer: Es bedeutet, dass wir versuchen, die Konsolidierung des Klubs weiter voranschreiten zu lassen. Es tut uns gut bilanziell, Eigenkapital aufzustocken durch die Umwandlung. Wir sparen uns zudem erhebliche Zinsen. Das hat natürlich auch Ausschlag auf die Lizenzierung. Es hat aber keine wirklichen oder große Auswirkungen auf Spielertransfers. Die Eigenkapitalquote verbessert sich dadurch und wir haben eine verbesserte Gesprächsgrundlage mit den Banken, wenn es um Veränderungen in unserer Infrastruktur geht. Und das hilft.“

Karl Gernandt indes zeigte sich zuversichtlich, dass der HSV im aktuellen Transferfenster jetzt leichter tätig werden kann. Zumal er sagte: „Es gibt einen möglichen Investor, der mir gestern in einem sehr guten Gespräch gesagt hat, dass er sich sehr ernsthaft mit einem Einstieg beim HSV beschäftigt.“ Wer das ist, blieb natürlich verschlossen. Obwohl Gernandt, sichtlich euphorisiert und in Plauderlaune, auf den Wunschstürmer Josip Drmic angesprochen sagte: „Wir können ihn uns leisten und jetzt muss man sehen, ob man mit dem anderen Verein einig wird.“ Dietmar Beiersdorfer ergänzte bei dem Neujahrsempfang in der Hanse-Lounge vor rund 150 Gästen: „Das wir Interesse an dem Spieler haben, ist nicht neu. Leverkusen ist auch bereit ihn abzugeben, wenn sie Ersatz finden. Wir müssen geduldig sein.“ Immerhin sei in diesem Transferfenster – Dortmunds Kampl mal ausgenommen – noch kein großer Transfer über die Bühne gegangen. „Der Markt ist noch ruhig, kann aber ganz plötzlich und ganz schnell in Wallung kommen. Oftmals ist es so, dass ein Transfer mehrere Transfers auslöst, das ist wie beim Domino.“

Spielerisch erklärt, was technisch schwer umzusetzen zu sein scheint. Denn Leverkusens Sprecher der Geschäftsführung, Michael Scha(n)de. Zumal Beiersdorfer andeutete, dass sich durch die Verletzung Lewis Holtbys eine weitere personelle Baustelle aufgetan hat. „Er hat einen komplizierteren Trümmerbruch in der Schulter. Das kann dauern. Wir rechnen mit zehn Wochen bis drei Monaten.“ Ob daher für den zentral-offensiven Bereich noch nach einem Spieler geschaut wird? Beiersdorfer, der auch beim Neujahrsempfang wiederholt bestätigte, die Kühne-Gelder für die Konsolidierung zu nehmen und nicht in Spieler zu stecken, überlegt kurz, dann lächelt er verschmitzt und umgeht eine klare Antwort: „Wir haben den Markt im Blick.“ Abzuwarten sei zudem, so der Vorstandsboss des HSV, was mit Tolgay Arslan passiert. Während der Podiumsdiskussion beim Empfang summte sein Handy wiederholt. „Das wird damit zu tun haben“, so Beiersdorfer, der mit einem Ergebnis binnen der nächsten Tage rechnet. „Zwei Tage“, um seine Wortwahl genau wiederzugeben.



Seite heute wieder da ist Lars Pegelow – zusammen mit der Mannschaft des HSV landen sie heute Abend um 19 Uhr in Fühlsbüttel. Vorher hatte er noch die letzten News zusammengetragen und verfasst. Ich verabschiede mich an dieser Stelle bis morgen. Es ist noch lange nichts gerettet – weder sportlich noch finanziell. Aber die Richtung stimmt zumindest. Das ist ein guter Tag für den HSV. Für die Vereinsführung zudem ein äußert glücklicher Zeitpunkt. Immerhin ist am Sonntag Mitgliederversammlung und Offenlegung der Bilanz…

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

Und jetzt, viel Spaß bei Lars’ Text aus Dubai:

Ganz unabhängig von den Geschehnissen in Hamburg hat die Mannschaft heute ihr Trainingslager in Dubai beendet. Trainer Joe Zinnbauer ist mit vielen Eindrücken, aber auch mit einigen Problemen am Nachmittag Dubai-Zeit in den Emirates-Flieger gestiegen. War das nun ein gutes Trainingslager? Das wäre mit Sicherheit zu hoch gegriffen. Der Bundesliga-14. Steht vor einer ungewissen Rückrunde.

„Natürlich mache ich mir Gedanken, ob der eine oder andere Spieler zurückkommen kann“, sagte Zinnbauer nach dem Abpfiff des letzten Tests in Al Ain, der 0:2-Niederlage gegen Manchester City. „Aber ich gehe davon aus, dass uns bis auf Behrami und Holtby zum Rückrundenstart gegen Köln alle Spieler zur Verfügung stehen.“ Das mag sein, aber es bleibt doch dabei, dass viele Spieler entscheidende Vorbereitungstage verpasst haben, selbst wenn ihre jeweilige Verletzung nicht dramatisch war. So haben neben den genannten Spielern insbesondere Nicolai Müller und Pierre Michel Lasogga keine Testspielminute auf dem Buckel.

„Ich hoffe, dass sie ihren Rückstand schnell wieder aufholen können“, so Zinnbauer beim Abschlussgespräch im noblen Meydan-Hotel, dem „Raumschiff“ in der Wüste am Rand von Dubai. „Alle Verletzte haben auch in unseren Video-Sitzungen hart gearbeitet und ihre Einheiten im Reha-Bereich durchgezogen.“ Die Bedingungen waren für den Trainer „wunderbar und traumhaft“. Ohnehin hofft der HSV darauf, auch im kommenden Winter nach Dubai zurückzukehren.

Stichwort Video-Sitzungen. Zinnbauer hat hier sicher neue Maßstäbe beim HSV gesetzt. „Wir haben hier vor jedem Training Ausschnitte gezeigt“, so der Trainer. „Entweder aus Hinrunden-Spielen, aus den Testspielen hier oder auch aus dem Training. Wir filmen jede Einheit und weisen die Spieler dann darauf hin, was gut und schlecht war. Und woran wir dann in der nächsten Einheit arbeiten wollen.“ Klappt es dann, freut sich der Trainer. Klappt es nicht, und das haben wir hier auf dem Trainingsplatz in Dubai häufig genug gesehen, dann explodiert der Zinnbauer-Vulkan schon mal. „Wir haben hier nicht viel Zeit, deswegen muss man da manchmal aggressiver rangehen. Insgesamt setzen die Spieler das sehr gut um, was wir vorgeben. Aber es geht nicht innerhalb von zwei Wochen.“

Eine glasklare Prognose, ob und wie es weitergeht – vor allem in Sachen Toreschießen – das traut sich Zinnbauer noch nicht zu. „Ich habe den Eindruck, es geht besser auf dem Weg nach vorn. Aber du musst im Spiel Tore schießen, nicht nur im Training.“ Die letzten zwei Tests (auch vorher gegen Astana beim 0:0) blieb der HSV erneut ohne Treffer, wobei gegen Man City zumindest einige gute Chancen vorhanden waren. In diesem Zusammenhang hofft Zinnbauer händeringend auf Verstärkung für den Angriff. „Für beide Parteien wäre es besser, wenn der Knipser schon da wäre“, sagte der Trainer. „Kommt dann einer kurz vor dem Ende der Wechselfrist, werden oft gleich Wunderdinge erwartet. Aber es gibt noch keine Eingewöhnung und kein Einleben. Sportlich wie privat. Aber so ist das Geschäft im Winter…“

Eine endgültige Entscheidung über Innocent Emeghara steht dabei noch aus. Weil Manager Peter Knäbel bereits am Donnerstagmorgen nach Hamburg geflogen ist, wird hier wohl erst am Freitag Klarheit herrschen. „Es nützt mir nichts, wenn er erst in drei Monaten Leistung bringt“, sagte Zinnbauer über Emeghara vor dem Manchester-Spiel. Dort hatte der Stürmer gute und schlechte Szenen. Ob es reicht für ein Engagement in Hamburg? Zweifelhaft.

Generell hofft Zinnbauer, dass die Mannschaft auch von den Rahmenbedingungen viel mitgenommen hat in Dubai. „Der Verein stellt viel auf die Beine. Das sehen auch die Profis. Ich denke, viele waren überrascht über die Möglichkeiten hier. Und es herrscht ein Geist: So etwas wie mit dem Abstiegskampf im vergangenen Jahr wollen wir nicht mehr.

Wer sind die Gewinner? Zu ihnen zählt der Brasilianer Cleber („Er hat sich gut präsentiert“). Ebenso Slobodan Rajkovic, den Zinnbauer immer wieder lobte („Er ist sehr kompakt und hat den Vorteil, ein Linksfuß zu sein“). In der Innenverteidigung, in der Heiko Westermann der Trainingsrückstand nach überstandener Knieverletzung anzumerken ist, herrscht jedenfalls Konkurrenzdruck um den Platz neben Johan Djourou. „Es muss auch nicht immer dieselbe Formation spielen“, so Zinnbauer.

Große Sorgen sind auf der Sechser-Position entstanden. Hier kneift es, neben der Stürmer-Frage, mittlerweile am meisten. Behrami verletzt. Arslan (fast) verkauft. Holtby verletzt. Jiracek angeschlagen. Das sieht also gar nicht gut aus, und der Kapitän der U 23, Sven Mende, kann noch keine Stütze sein. „Er hat gut gespielt“, attestierte ihm Rafael van der Vaart zwar, aber seine Nervosität konnte Mende noch nicht ablegen. Er braucht Zeit. „Gojko Kacar könnte diese Position auch spielen“, erklärte Zinnbauer, „aber er sieht sich eher als Innenverteidiger. Da müssen wir ihn nochmal überzeugen.“ Bis auf Weiteres wird Zinnbauer mangels Alternativen jedenfalls auf ein 4-1-4-1-System setzen müssen – mit nur einem Sechser.

In der Torwartfrage hat sich nicht viel an der bisherigen Reihenfolge geändert. „Was hat sich Drobny denn zu Schulden kommen lassen?“, lautet die rhetorische Gegenfrage des Trainers. Allerdings möchte Zinnbauer auch seinen Torwart-Trainer Stefan Wächter in die endgültige Festlegung einbinden. Auf der anderen Seite zeigte sich Zinnbauer sehr zufrieden mit Rene Adler. „Ich will bei allen Reaktionen sehen, auch wenn sie nicht gesetzt sind. Adler weiß, was los ist, und er sucht seine Chance, hangelt sich hoch. Was gibt es für einen Trainer Schöneres, als zwei solche Torhüter zu haben?“

Verletzungen hin, offene Stürmerfrage her. Joe Zinnbauer zeichnet ein positives HSV-Bild. Die Mentalität ändere sich, beobachtet der Coach. „Ich kann einen Spieler verstehen, wenn er verärgert oder enttäuscht ist, sollte er nicht berücksichtigt werden. Aber das darf er dann im Training nicht durch Leistungsreduzierung zeigen, sondern im Gegenteil durch größeres Engagement.“ Und genau diese Entwicklung bahne sich an.

Unterstützt wird Zinnbauer von Kapitän van der Vaart, der die Mannschaft auf einem guten Weg sieht: „Es ist schwer zu sagen, was dann in der Rückrunde passiert. Aber fußballerisch sieht es besser aus, und das macht dann auch mehr Spaß.“ Was man gerade van der Vaart gegen Manchester anmerkte, er war der Dreh- und Angelpunkt des HSV. „Das war ein guter Test, auf den hatten wir alle Bock.“

Am Ende ist es so, wie der Belgier Vincent Kompany sagte, der Kapitän von ManCity – ehemals HSV-Profi. Nach der Partie in Al Ain meinte Kompany: „Ich glaube, der HSV braucht einfach nur Stabilität, dann gehört er unter die Top vier in Deutschland.“

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