Archiv für das Tag 'Kacar'

Alle haben sich lieb, und auch Kühne ist jetzt zufrieden

4. Juli 2014

Der HSV meint es gut mit uns. Also, mit Lars und mir. Denn nachdem gestern nicht nur ein langer, sondern auch recht aufregender, aufreibender Tag war – ist es heute ruhig. Tatsächlich ruhig. Denn die Mannschaft reist und in Hamburg haben sich alle lieb, nachdem Problemfall Hakan Calhanoglu ver- und Publikumsliebling Pierre Michel Lasogga gekauft wurde. Selbst Klaus Michael Kühne ließ aus seiner Wahlheimat in der Schweiz verkünden, er habe Frieden mit der Personalie Calhanoglu geschlossen. Und der Deutsch-Türke unterschrieb beim Werksklub einen Vierjahresvertrag, kassiert dort künftig 2,8 Millionen statt der bisher 960.000 Euro in Hamburg.


Aber egal. Nicht nur für mich ist dieses Thema jetzt abgehakt. Auch für Kühne ist das Thema abgehakt. Trotz der Differenzen in den Darlehensverhandlungen mit altem und neuem Vorstand ist er zufrieden. Zumindest teilte er uns das so mit. Dem Abendblatt sagte er: „Es ist richtig, dass ich gestern meine Bedenken gegen einen Verkauf von Calhanoglu aufgegeben habe. Offensichtlich ist es dem Verein gelungen, auf diese Weise den Lasogga-Deal kurzfristig abzuschließen, was ich begrüße.“

Und aus der Welt ist er damit auch nicht. Im Gegenteil. Kühne will sich weiterhin engagieren. Voraussichtlich in Anteilskäufen. „Unverändert strebe ich an, mich im Rahmen der von HSVPLUS vorgesehenen Investorenbeteiligung zu engagieren. Ich hoffe daher sehr, dass die neuen Gremien recht bald in Funktion treten können, damit alles seinen gewünschten Verlauf nimmt.“

Und nachdem selbst Calhanoglu versöhnliche Worte gen Hamburg schickte („Ich hatte in Hamburg eine sehr schöne Zeit, aber in Leverkusen kann ich jetzt den nächsten Schritt nach vorne machen. Mit Leverkusen in die Champions League einzuziehen und in der Bundesliga oben mitzuspielen, ist eine große Herausforderung für mich“) hatte ich ein komisches Gefühl. Ein friedliches Gefühl beim Gedanken an den HSV – das hatte ich lange nicht mehr.

Und selbst die aufkeimende Frage, wie Calhanoglu trotz Krankschreibung bis einschließlich 15. Juli heute seinen Medizincheck und schon morgen sein erstes Training absolvieren kann, ließ mich nicht davon abkommen. Denn der HSV hat sich unter Beiersdorfers Führung in Zusammenarbeit mit Jarchow und Kreuzer nie das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen. Der HSV hat gegenüber Leverkusen, Calhanoglu, Hertha und letztlich auch Kühne Stärke bewiesen und die Entscheidungen aus eigenen Mitteln herbeigeführt. Dass man letztlich seine eigenen Worte fressen und Calhanoglu abgeben würde, war klar. Allein die Tatsache, dass man glaubwürdig das Gegenteil nach außen vertreten hat, zeigt, dass der HSV dazulernt. Anstatt Listen preiszugeben mit aussortierten Spielern für den Grabbeltisch, macht man sich exklusiv. Zumindest im möglichen Rahmen.

Dass der begrenzt ist und der HSV finanziell trotz Transferüberschusses von knapp 4,8 Millionen aus dem Calhanoglu-Verkauf weiterhin auf der Suche nach externen Geldquellen ist – für mich noch kein Problem. Ich glaube tatsächlich, dass es der Anfang einer guten Phase war. Wie gut (Achtung, ’n Heiermann ins Phrasenschwein…), das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Und für die prophezeie ich den nächsten Zugang. Zumindest klang das in einem sehr netten aber leider auf seinen Wunsch hin größtenteils inoffiziellen Gespräch mit Matthias Ostrzolek so. „Ich habe meinen Wunsch beim Verein geäußert und warte jetzt ab, was die Vereine daraus machen.“

Bis dahin trainiert der Linksverteidiger beim FC Augsburg mit, wo er noch einen bis 2015 laufenden Vertrag besitzt. „Die Vorbereitung ist hart, aber gut“, so Ostrzolek, von dem ich wissen wollte, wie es ist, wenn man weiß, dass es wahrscheinlich nicht der Verein ist, wo man zu Saisonbeginn aufläuft. Ob ihn die Kollegen schon frotzeln? „Nein. Ich bin hier und kümmere mich um nichts anders.“ Außer um den neuen HSV-Vorstand. Zumindest weiß ich, dass Ostrzolek bereits ein Gespräch mit Beiersdorfer geführt hat. Ostrzolek lacht: „Wenn man wie ich klar sagt, dass man nach Hamburg wechseln möchte, dann will man sich natürlich auch über alles informieren, was dort passiert. Und mit den Worten, „Dann bis bald“, beendete er das Telefonat. Und ich würde wetten, dass wir nicht mehr allzu lange warten müssen, bis der Linksfuß in Hamburg aufdribbelt.

Apropos aufdribbeln: Pierre Michel Lasogga ist schon heute zu seiner ersten Dienstreise mit dem alten und neuen Verein aufgebrochen. Bereits um kurz vor elf Uhr traf sich das Team am Geschäftsfliegerterminal in Fuhlsbüttel, um von dort aus die einwöchige PR-Tour nach China anzutreten. Besonders gut gestimmt wirkte Lasogga nicht, obwohl er auf der Homepage des HSV ja vorher noch freudigsten Tönen von dem nun feststehenden Transfer nach Hamburg gesprochen hatte.

„Die letzten Wochen waren sehr stressig und nervenaufreibend. Es ist schön, dass der Wechsel nun perfekt und meine Situation geklärt ist. Ich freue mich, weiter für den HSV zu spielen. Ich hoffe, dass wir in eine neue, gute Zeit aufbrechen, die schweren Wochen jetzt einfach vergessen und wieder eine erfolgreiche Zeit einschlagen. Ich bin froh, dass ich dabei helfen kann, dass ein neuer HSV entsteht.“

So Lasogga auf hsv.de.

Ansonsten hatte Lasogga an diesem Freitag nichts zu sagen. Leider hat er kein weiteres Interview gegeben, sondern sich wenige Medien beschränkt, die ihm genehm waren. Schade. Wir hätten hier gern zumindest noch ein paar seiner Eindrücke der turbulenten vergangenen Tage und Wochen wieder gegeben. Was wir wissen ist, dass es kurz vor dem Abflug noch Visa-Probleme für den Torjäger gab. In seinem Reisepass, ebenso wie in dem von Tobias Haucke aus der Presseabteilung des Vereins, fehlte ein entscheidender Stempel. Team-Manager Marinus Bester, der sich um alle Visa für die Mannschaft und die Betreuer gekümmert hat, rotierte ziemlich. Am Ende verzögerte sich der Abflug um eine knappe Stunde – mehr aber auch nicht, denn ein sehr bemühter Mitarbeiter des chinesischen Generalkonsulats kam mit dem fehlenden Stempel samt Kissen zum Flughafen. Der Flug konnte beginnen.

Mit ein bisschen Wehmut ist Heiko Westermann in den Flieger gestiegen. Die eigens gecharterte Maschine, die nur einen Zwischenstopp in der kasachischen Hauptstadt Astana macht, bietet in der Luft keine Möglichkeiten zum WM-Gucken. „Das ist eigentlich das blödeste am Flug. Aber da kann man nichts dran machen. Wir werden höchstens ein bisschen tippen, das ist alles, und uns dann überraschen lassen, wenn wir gelandet sind“, sagte Heiko Westermann.

Auch das mögliche deutsche Halbfinale wird der eine oder andere Spieler wohl verpassen. Es würde in der Nacht zum Mittwoch um 4 Uhr Ortszeit Guangzhou stattfinden – fraglich, ob sich die HSV-Kicker diesen frühen Termin antun können, wenn sie im Trainingsbetrieb stecken.

Westermann äußerte sich auch noch über den Vertragsabschluss Lasogga: „Super, ich freue mich, dass er dabei ist. Ich freue mich, dass er uns erhalten bleibt und hoffentlich viele Tore schießt. Man hat es ja gemerkt letztes Jahr, immer wenn er nicht gespielt hat, hatten wir große Schwierigkeiten.“

Kollege Jansen über Lasogga: „Er ist ein wichtiger Spieler. Ich hoffe, er kann die Vorbereitung voll durchziehen. Er hat ja schon in wenigen Spielen der vergangenen Saison viel gemacht. Aber wir haben für ihn auch einen abgeben müssen. Wie auch immer – gut, dass Pierre dabei ist.“ Zu dem, der abgegeben werden musste, wollte Jansen gar nichts sagen. Nur ein Wort kam ihm über die Lippen: „Phänomenal.“ Da scheint also mit einer gewissen Ironie etwas Bitterkeit über die Umstände des Wechsels und das Verhalten des Ex-Mitspielers dabei zu sein. Heiko Westermann sagte zum Wechsel Calhanoglus nach Leverkusen: „Hakan war letztes Jahr einer der wichtigsten Spieler. Schade, dass es so geendet ist. Wir werden uns wiedersehen auf dem Platz.“

Mit Jaroslav Drobny und Maximilian Beister haben nur zwei HSV-Profis auf die China-Reise verzichtet. Alle anderen, die leicht angeschlagen waren, sind mit dabei – also auch Jonathan Tah und Rene Adler. Und auch Per Skjelbred, wie gewohnt sehr gut gelaunt. Was wird aus ihm? „Per ist im Moment Spieler des HSV. Wir wollen ihn nicht unbedingt abgeben“, so Sportchef Oliver Kreuzer. „Aber wenn Per selbst andere Pläne hat und Hertha auf uns zukommt, dann werden wir reden. Aber ich habe nichts dagegen, wenn er bleibt – im Gegenteil.“

Generell hat Oliver Kreuzer, Stand heute, nicht den Eindruck, dass der HSV aktuell schlechter besetzt ist als im Vorjahr – trotz des Verlustes von Calhanoglu. „Dafür haben wir Zoltan Stieber verpflichtet“, sagt Kreuzer. Und im Mittelfeld sieht er darüber hinaus keinen Aderlass. Mit Rincon und Tesche fehlen zwei Spieler, dafür sind die zuletzt ausgeliehenen Skjelbred und Kacar wieder dabei. „Und Gojko macht im Moment einen sehr guten Eindruck“, so Kreuzer.

Wie geht es nun weiter in China? Am Sonnabend morgen kommt das Team in Guangzohou an und wohnt dort in der Nähe im Hilton Foshan Hotel. Die Stadt soll eine ziemliche Betonwüste sein, nicht gerade eine Schönheit im Reich der Mitte. Aber darum geht es für den HSV ja nicht. Ein paar knackige Einheiten wird Trainer Slomka sich schon einfallen lassen. „Aber es geht auch ums Team-Building“, sagte Oliver Kreuzer. Mit Zeitumstellung, zwei Freundschaftsspielen und insgesamt zwei Tagen im Flugzeug kann das Trainingspensum der vergangenen Tage in Norddeutschland dort natürlich nicht aufrecht erhalten werden.

Das erste Spiel bestreitet der HSV übrigens am Sonntagmittag 14 Uhr deutscher Zeit gegen Guangzhou Evergrande. Die klimatischen Bedingungen sollen dort eher brasilianisch sein. Warm, hohe Luftfeuchtigkeit.

Etwas frischer haben wir es gleich im Champs – zum fünften Mal melden wir uns mit „Matz-ab-live“ zur Fußball-Weltmeisterschaft mit unserem Talk nach dem Ende des Halbfinals Frankreich gegen Deutschland (wir senden auch schon vorab und in der Halbzeit eine Kleinigkeit). Auf jeden Fall freuen wir uns über unsere Gäste: Lotto King Karl (Kult) und Michael Born (Sky).

Bis gleich
Scholle und Lars

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