Archiv für das Tag 'Kacar'

Von Heesen tritt zurück – verloren geht er aber nicht

26. Februar 2015

Während HSV-Trainer Joe Zinnbauer im Zuge der Tischtennis-PK noch eine kleine Partie Kleinfeld-Tischtennis spielte, war es bereits verkündet: Thomas von Heesen tritt als Aufsichtsrat zurück und macht Platz für den delegierten Vereinspräsidenten Jens Meier. Eine Lösung, mit der in den letzten Monaten viele gerechnet hatten, die den Verein aber wertvolles Knowhow im Kontrollgremium kostet. Die letzte Patrone aus der einst geforderten Sportlichen Kompetenz: Peter Nogly. Jener Mann, den die HSVPlus-Verantwortlichen im Sommer noch als potenziellen Streichkandidaten gehandelt hatten.

 

Nun also von Heesen. Und das überrascht nicht, wird es doch schon seit Monaten kolportiert. Von den einst angekündigten “mindestens zwei sportlichen Fachleute” ist somit nur noch einer übrig. Nach Hrubesch, Hieronymus und Jakobs ist damit auch der letzte 83er weg.

 

Oder etwa nicht?

Für Abendblatt-Blogs



Hier geht es zur Mobil-Version

Hinter vorgehaltener Hand wird schon seit Wochen eine große Geschäftsidee als Grund für den Rücktritt gehandelt. Von Heesen und der HSV planen eine Kooperation. Dabei sollen Geldgeber an akquiriert werden, die in potenzielle Nachwuchs-Stars investieren. Dietmar Beiersdorfer, der Vorstandsvorsitzende des HSV, sagte dazu gegenüber „Bild“ vor einigen Wochen: „Es gibt einen Markt von potenziellen Anlegern, die Interesse haben, in Talente zu investieren. In unserer Situation ist man in der Pflicht, sich damit auseinanderzusetzen.“ Und das hat man getan. Erfolgreich offensichtlich – wie der Rücktritt von Heesens vermuten lässt. So vermeidet der Ex-Profi, der insbesondere in Osteuropa sehr eng vernetzt ist, einen Interessenkonflikt.

 

Für den HSV könnte dieser Know-how-Verlust im Kontrollgremium letztlich ein Gewinn werden. Zumindest erhoffen sich das beide Seiten. Der HSV hat somit eine Mischung aus Scout und Sportchef, der auf Provision arbeitet. Ich bin gespannt, was daraus wird. Leider waren Dietmar Beiersdorfer und Thomas von Heesen bis eben noch zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

 

Dafür waren die Spieler da – und eine Entscheidung scheint Bestand zu haben: Trotz Komplimente (“Er hat Reaktion gezeigt“) wird Rafael van der Vaart weiter auf der Bank Platz nehmen. Zumindest ließ Trainer Joe Zinnbauer heute so trainieren, wie er auch nach der Auswechslung des verletzten Ivica Olic gegen Gladbach hatte spielen lassen. Mit Kacar und Jiracek im zentralen Mittelfeld hinter Stieber. Und mit Slobodan Rajkovic neben Djourou. Somit gesellt sich am Main auch Westermann wieder zum Kapitän auf die Bank.

 

Ob dort mit Valon Behrami, Cléber und eventuell sogar Ilicevic drei Neue Platz nehmen, ließ Zinnbauer (siehe Video von der PK) noch offen. Er wolle die letzten beiden Trainingseinheiten abwarten, sagte er vor der heutigen Einheit. Und bei der präsentierten sich sowohl Cléber als auch Behrami auffällig fit. Insbesondere der Brasilianer machte einen extrem bissigen, motivierten Eindruck. Dennoch hoffe ich, dass Zinnbauer sein Leistungsprinzip beibehält und die Innenverteidigung der Vorwoche für ihre gute Leistung belohnt. Dass dahinter ein Cléber brennt und ein Westermann heiß darauf ist, seine Kritiker Lügen zu strafen – DAS ist für mich gesunder Konkurrenzkampf. Und nichts anderes.

Fakt ist, dass Zinnbauer eine Aufstellung gefunden hat, die seine Taktik hervorragend umsetzen kann. Auch ohne Ivica Olic, der zumindest am Sonnabend noch verletzt ausfällt. Für ihn wird mit Rudnevs einer der statistisch schnellsten Stürmer der gesamten Liga auflaufen – und der ist für klares Konterspiel zweifellos geeignet. Hinter ihm soll Zoltan Stieber weiter auf Konter lauern, sie mitlaufen und gegebenenfalls auch selbst abschließen – eben so, wie gegen Gladbach.

 

Es wird sicherlich nicht schöner, den HSV derart destruktiv spielen zu sehen. Sagen viele. Und mir ist das ehrlich gesagt gar nicht so klar. Denn mit dieser defensiv orientierten Spielweise schöpft der HSV aus seinen vorhandenen Qualitäten in meinen Augen das Maximum. Auch heute mussten die Spieler wieder intensiv das Verschieben üben. Immer gefordert: Das schnelle Spiel – am besten mit einem kontrolliert langen Ball auf die Stürmer.

 

Kurzum: Beim HSV manifestiert sich der Sinn für die Realität. Hoffnungen auf die Weltklasseform älterer Tage bei van der Vaart sind aufgegeben. Stattdessen setzt Zinnbauer auf die deutlich aggressivere Spielweise von Kacar und Jiracek. Anstatt andauernden den Ballbesitz zu fordern stellt Zinnbauer auf Konterspiel um – Hauptsache hinten zu Null. Dafür werden auch stundenlange Einheiten absolviert, in denen die Mannschaft noch mal das Basiswissen eines jeden Fußballers eingeimpft bekommt. Kurzum: Man ist einfach nicht mehr falsch eitel.

 

Und das ist ein Fortschritt, der hoffen lässt, nicht noch einmal bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt zittern zu müssen. Der HSV spielt sicherlich kein zuschauerfreundliches 4-4-2-System, aber er spielt endlich wieder einheitlich eines. Und das allein macht das Spiel (wenn die Gladbach-Leistung konserviert wird) für mich schon ansehnlicher als die vielen Spiele, in denen der HSV Dinger zeigen wollte, die dieser Kader schlichtweg nicht (mehr) hergab. Der „Ich-will-ja-kann-es-aber-nicht“-Spielstil ist einem in vielen Teilen hässlichen aber eben pragmatischen Fußball gewichen. Zinnbauer hat alles auf Null gestellt und hat mit dem Gladbach-Spiel den ersten kleinen Fortschritt gemacht. „Das würde ich so noch gar nicht sagen“, hatte mir Kacar gestern gesagt, „denn alles Gute ist erst dann ein Fortschritt, wenn man es wiederholen kann.“ Weise Worte – an die Kacar glaubt: „Wir trainieren gut und unsere Mannschaft weiß, worauf es ankommt. Wir alle haben ein einziges Ziel: Punkten. Egal wie.“

 

Dem Motto schließe ich mich an dieser Stelle gern an. Sehr gern sogar.

 

Und bevor ich den heute etwas kürzeren Blog abschließe, möchte ich noch ein Versäumnis von gestern nachreichen und an einen Mann denken, dem es gerade schlecht geht: Wolfram Wuttke. Der einstige Zehner mit dem Außenrist-Hammer liegt aus noch nicht näher bekannten Gründen im Koma. Und bevor ich hier irgendwelche Gerüchte weitergebe, belasse ich es dabei, dem heute gerade einmal 53-Jährigen von hier aus ausschließlich die besten Genesungswünsche zu schicken. Denn nur darum geht es jetzt.

 

 

In diesem Sinne, morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, bevor es nach Frankfurt geht. Ich melde mich am Abend bei Euch. Bis dahin,

 

PS: Großer Abend für Tolgay Arslan in der Europa League. Der ehemalige HSV-Spieler schoss gegen den FC Liverpool, der das Hinspiel 1:0 gewonnen hatte, das 1:0 für Besiktas Istanbul. Verlängerung und Elfmeterschießen, Arslan verwandelte den fünften Elfmeter zum 5:4 – und die Engländer verschossen ihren fünften Elfer – die Türken (dank Arslan) weiter. Und Glückwunsch an Tolgay Arslan!

 

Scholle

Nächste Einträge »