Archiv für das Tag 'Kacar'

Drei Profis auf dem Absprung – Holtby wirklich nur ein “Märchen”?

28. August 2014

Zwei Spieler, über deren Abgang bereits in den vergangenen Tagen spekuliert wurde, haben heute ihre Wechsel forciert. Jacques Zoua wird vom HSV an den türkischen Erstligisten Erciyesspor verliehen. Der Verein aus der Provinz Kappadokien im Zentrum des Landes ist eigentlich der kleinere Verein der Stadt hinter Kayserispor, aber die Teams haben in den vergangenen Jahren die Ligen getauscht. Erciyesspor spielt jedenfalls in der ersten türkischen Liga und wurde vergangene Saison Vierzehnter. Zoua, der „Schnapper“, wie er in Hamburg scherzhaft genannt wurde, soll dort Spielpraxis und Selbstvertrauen sammeln.

Außerdem soll Kerem Demirbay ein „Roter Teufel“ werden. Der hochveranlagte Mittelfeldspieler wird an den 1. FC Kaiserslautern verliehen, wenn die letzten Formalitäten zwischen den Vereinen geklärt sind. Ein guter Schritt für Demirbay, der beim HSV eine faire Chance vermisst hat. Nach seinem ersten Jahr in Hamburg, in dem seine Fähigkeiten immer wieder angedeutet wurden, allerdings auch einige Verletzungen dazwischen kamen, nun also der Schritt zurück in die Zweite Liga. FCK-Präsident Stefan Kuntz hatte sich schon vor Wochen in Hamburg nach Demirbay umgehört. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, dass Trainer Mirko Slomka und Vereins-Boss Beiersdorfer ihn freigegeben haben.

Noch ist dieses Leihgeschäft aber nicht unterschrieben. Demirbay hat noch drei Jahre Vertrag in Hamburg, und vor diesem Hintergrund haben die Lauterer auch nach einer Ausleihe über zwei Jahre nachgefragt und auch nach den Optionen, den Deutsch-Türken gleich ganz zu kaufen. Das will der HSV nicht, würde aus Hamburger Sicht auch keinen Sinn machen. Spätestens im kommenden Jahr, wenn die HSV-Truppe wegen vieler auslaufender Verträge ein neues Gesicht haben wird, ist Demirbay erst recht eine Option für eine gute Rolle beim HSV. Daher erhält Kaiserslautern auch keine Kaufoption.

Sollte Demirbay eine gewisse Zeit ohne Maleschen auskommen, hat Kaiserslautern ganz sicher einen sehr guten Fang gemacht. Eigentlich wurde dem früheren Dortmunder für diese Saison ja schon beim HSV der Durchbruch zugetraut. Da er offenbar bei Slomka keine allzu hohe Wertschätzung genießt, kann dieser Durchbruch nun also auf dem Betzenberg erfolgen. Der HSV plant für Demirbay eine Ausleihgebühr im niedrigen sechsstelligen Bereich ein, aber wie gesagt – Stand später Nachmittag ist die Kuh noch nicht vom Eis. Vermutlich wird dies erst im Laufe des Freitags der Fall sein.


In die Personalie Per Skjelbred ist ebenfalls Bewegung gekommen. Hertha-Sportdirektor. „Es ist kein Gemeinnis, dass wir noch einen Stürmer suchen und großes Interesse an Per Skjelbred vom HSV haben.“ Allerdings ist beim HSV immer noch kein Angebot aus der Hauptstadt eingetroffen, das Dietmar Beiersdorfer und sein Team überzeugen würde. Bis Montagmittag um 12 Uhr haben die Verhandlungspartner noch Zeit, den Deal einzutüten. Dann schließt die Transferliste für diesen Sommer.

Trainer Mirko Slomka sieht die vollzogenen oder anstehenden Transfers, wie er heute auf der Pressekonferenz sagte, mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Ich gebe grundsätzlich ungern Spieler ab, denn uns fehlen dann die Alternativen. Aber auf der anderen Seite ist da die wirtschaftliche Vernunft. Wir müssen schauen, ob wir im Sinne der Kader-Hygiene dann nicht doch noch einen dazu nehmen. Wir halten Augen und Ohren offen. Jetzt ist eine sehr intensive Transferzeit.“

Die heißdiskutierte Tauschaktion – van der Vaart in die Türkei, dafür Lewis Holtby aus Tottenham an die Elbe, schließt der Trainer nahezu aus: „Erstmal kann ich mir nicht vorstellen, dass Rafael van der Vaart den Verein verlässt. Er ist in einer sehr guten Verfassung und hilft uns im Moment sehr. Er ist Kapitän und führt dieses Team. Und dass Lewis Holtby ein Klassespieler ist – darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber ich weiß nicht, ob das wirtschaftlich machbar ist. Das halte ich eher für ein Märchen.“

Zum Thema Holtby kam heute diese Nachricht vom Sport-Informationsdienst:

LONDON (SID) – Der ehemaliger Schalker Lewis Holtby (23) hat mit einem Abschied vom englischen Top-Klub Tottenham Hotspur kokettiert. Sollte der Spielmacher in London nicht regelmäßiger zum Einsatz kommen, «muss man sehen, was in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird», sagte Holtby dem Internetportal t-online.de.
Holtby, der zwischen Sommer 2011 und Januar 2013 für Schalke spielte, besitzt bei Tottenham noch einen Vertrag bis 2018 und soll in London rund fünf Millionen Euro verdienen. Zuletzt war er mit dem Hamburger SV in Verbindung gebracht worden. «Ich bin ein junger Spieler und will immer spielen. Das ist einfach wichtig für mich, meine Entwicklung und die weitere Karriere», sagte Holtby, «am liebsten würde ich das natürlich hier bei Tottenham tun und hoffe deshalb sehr, dass ich die Chance dazu bekommen werde.» Zuletzt kam Holtby unter Trainer Mauricio Pochettino aber über eine Reservistenrolle nicht hinaus.

Diese Aussagen lassen nun wirklich alle Spekulationen zu.

Im Training heute deutete sich an, dass Mirko Slomka seine Elf aus dem Köln-Spiel für die Partie gegen Paderborn nicht verändern wird. Das heißt dann auch, dass Heiko Westermann wahrscheinlich seinen Stammplatz in der Innenverteidigung behalten wird. Das zentrale Abwehr-Dreieck mit HW4, Johan Djourou und Valon Behrami davor hat in der Domstadt überzeugt, deswegen muss sich Neuzugang Cleber offenbar noch gedulden.

Heiko Westermann hat das Mitspielen in der A-Elf heute im Trainingskick sichtlich Auftrieb gegeben. Nach der Einheit übten die Flügelspieler noch Flanken, die in der Mitte von Westermann und Cleber zum Torschuss genutzt werden sollten. Und das Westermann dort an Toren erzielte, war kaum zu toppen. Volley mit links in den Winkel, Dropkick mit rechts in die Maschen, zwischendurch mal ein Kopfballtorpedo. Es gab für die Serie von Trainingstoren Beifall der Trainingskiebitze, die den schönen Spätsommertag zu einem Besuch im Volkspark genutzt haben.

Aus Heiko Westermann wird jetzt nicht gleich ein Publikumsliebling, seine Kritiker werden weiter zweifeln an seinen Fähigkeiten. Unstrittig ist allerdings, dass der ehemalige Kapitän gerade dann gut spielt, wenn er mit Ruhe und ohne Druck in eine Partie gehen kann. So gesehen dürfen sich die mehr als 50.000 Fans, die bereits ein Ticket für die Partie gesichert haben, auf einen guten Heiko Westermann freuen, bei dem Stockfehler auf ein Minimum reduziert sein sollten.

„Ich glaube, dass die Mannschaft spürt, dass sie besser drauf ist. Die Spieler sind frisch und fit. Diese Stress-Momente, die ich hier erlebt habe in den vergangenen Monaten, sind aktuell nicht da. Natürlich haben wir Druck vor dem Paderborn-Spiel, aber wir haben eine andere Mentalität. Das betrifft Heiko und viele andere Spieler“, so Mirko Slomka. „Noch sind wir nicht ganz auf dem Top-Niveau – bei Lasogga haben wir zum Beispiel noch Nachholbedarf – aber wir arbeiten daran.“

Vor allem ist dem Trainer im Spiel in Köln aufgefallen, dass es Defizite auf dem Weg nach vorn gab. Insgesamt sprach er nochmals von einer „soliden Leistung“. Dennoch: „Wir müssen flexibler nach vorn agieren. Das verlangt der moderne Fußball. Wir haben kein Tor erzielt in Köln, das sollen wir nicht vergessen.“ In diesem Zusammenhang brachte Slomka auch seinen Ersatz-Stürmer Artjoms Rudnevs wieder ins Gespräch. Offenkundig haben die Trainingsleistungen des Letten überzeugt. „Rudi war immer einer der Vorreiter und hat alle Wehwehchen weggesteckt“, so Slomka. „Er kann immer eine wichtige Alternative sein aber auch ein Spieler, der dieser Mannschaft von Anfang an mit Tempo, Wille und Einsatzbereitschaft helfen kann. Deswegen bin ich nicht interessiert daran, ihn abzugeben.“

Zum Gegner Paderborn sagte Slomka auch noch: „Wir haben sie intensiv beobachtet, allein schon, weil sie ja auch als unser Relegationsgegner in der vergangenen Saison hätten sein können. Das hat wenig mit Exotik wie ein Viererbob aus Jamaika oder so. Das ist schon eine richtig gute Fußball-Mannschaft. Außerdem ist es uns egal, ob wir gegen Bayern München oder den SC Paderborn spielen. Wir müssen uns um jedes Spiel kümmern, als sei es ein Finale. Nur so gewinnen wir Vertrauen zurück bei Sponsoren, bei Fans, im Umfeld. Nur so gewinnen wir unser Vertrauen und unsere Souveränität zurück.“

Außenverteidiger Marcell Jansen hat heute Stellung bezogen zu seiner persönlichen Enttäuschung, nicht bei der WM dabei gewesen zu sein. „Für mich persönlich war es schade mit der WM. Ich bin im März leider operiert worden, und habe danach versucht, mit den Klassenerhalt zu sichern. Das hat zum Glück geklappt, wenn auch knapp, hatte aber Priorität.“ Seine Nationalmannschafts-Karriere abzuhaken – daran hat Jansen nach eigener Aussage nicht gedacht: „Ich glaube, dass keine Position fest besetzt ist. Natürlich ist für mich das Thema nicht beendet. Vor meiner Verletzung im Frühjahr war ich gut dabei in der Nationalelf, habe viele Spiele von Anfang an gemacht. Das hat mit Selbstvertrauen gegeben, jetzt wieder anzugreifen.“

Das ist auch die Devise für den Kick gegen Paderborn: „Wir freuen uns auf das erste Heimspiel, wollen und müssen heiß sein, weil der Aufsteiger natürlich mit einer großen Euphorie kommen wird.“ Dass sein HSV dabei auf einem guten Weg ist – daran glaubt der Dienstälteste HSVer (seit 2008 in Hamburg): „Es sind viele Prozesse angestoßen worden. Man sieht, dass wir besser zusammenrücken wollen. Wir müssen es im Prinzip so machen wie gegen Köln. Das war nicht sensationell, aber wir müssen in kleinen Schritten weitergehen. Es geht nicht alles von heute auf morgen. Mit einem Dreier können wir den nächsten Schritt machen.“ Zum Schluss sorgte Jansen noch für das Bonmot des Tages, angesprochen auf die Zielsetzung für diese Saison. „Jetzt die Trommeln zu läuten – mit dieser Art sind wir nicht gut beraten“, so Jansen. Danke, Cello, für diesen schönen Vergleich……

Wie ist der Stand bei den Verletzten? Nicolai Müller soll nach seinen anhaltenden Adduktoren-Beschwerden in der kommenden Woche bei den Tests in Neumünster (Donnerstag) und Danzig (Freitag) jeweils eine Halbzeit spielen. Er wird dann eine Alternative für das folgende Bundesliga-Spiel in Hannover sein. Slobodan Rajkovic ist wieder gelaufen, Zoltan Stieber hat Einzeltraining mit dem Ball absolviert. Gojko Kacar und Maximilian Beister benötigen ebenfalls noch einige Wochen, um mit der Mannschaft trainieren zu können. Ivo Ilicevic und Rafael van der Vaart, die sich unter der Woche mit leichten Muskelbeschwerden herumgeschlagen haben, gaben heute grünes Licht für das Spiel gegen Paderborn.

Gestern hat Scholle Euch hier sehr ausführlich die Campus- und Nachwuchs-Pläne des HSV für die kommende Saison vorgestellt. Die Überlegungen haben Hand und Fuß und haben gegenüber dem ursprünglichen Modell vor allem den Vorteil, dass der Verein das Gelände von sich aus mit Leben füllen will. Viel mehr Mannschaften als angedacht sollen dort einziehen, von den Jugendlichen bis hoch zu den Profis. Das ist allein deshalb schon sinnvoll, weil in der Form eines reinen Nachwuchsinternats, Vorbild Ochsenzoll, im trüben Volkspark für die wenigen Bewohner dort ansonsten so gut wie keine Abwechslung geboten wäre. Außer etwas Trubel im Rahmen von Trainingseinheiten der Profis wäre dort Totenstille – dem Senatskonzept zum Trotz, durch das der Volkspark mit einigen weiteren Aktionen ja aufgewertet werden soll.

Nun nimmt der HSV dies selbst in die Hand und sorgt für ein neues Fußball-Zentrum vieler Altersklassen. Dass darüber der wirtschaftliche Bereich des Campus, wie Dietmar Beiersdorfer sagte, etwas zurücktreten muss, ist absolut zu verschmerzen. Kurz und gut: das neue Campus-Modell hat Hand und Fuß, und es hat die Unzulänglichkeiten des alten Modells aus dem Weg geräumt.

Dass es zu weiteren Verzögerungen kommen wird, wir dürfen hier mindestens von einem halben Jahr ausgehen, ist als Schaden zu betrachten, den die HSV-Verantwortlichen in Kauf nehmen müssen (übrigens ist es für den laufenden Etat nicht nur ein Schaden, sondern auch ein großer Nutzen. Der alte Vereins-Boss Carl Jarchow hatte einen hohen Millionen-Betrag in den Saisonetat 14/15 eingeplant für Baukosten. Durch die Verschiebung werden auch die Kosten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und der enge HSV-Etat entlastet). Die Zusage von Alexander Otto, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen, steht jedenfalls. Es deutet sich an, dass Unternehmer Otto so gesehen als zweiten großer Gönner des HSV auftreten wird – neben Klaus-Michael Kühne. Ich lege allerdings meine Hand ins Feuer: Otto wird diese Rolle mit deutlich weniger Getöse spielen als Kühne in der Vergangenheit (gegenwärtig ist es hier ja auch deutlich ruhiger und sachdienlicher geworden).

Morgen wird am Stadion ohne Öffentlichkeit trainiert – dann ist wieder Scholle Zeit.

Lars
18.49 Uhr

Nächste Einträge »