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So wichtig – ein 2:1 über die Zeit gezittert!

7. Dezember 2014

Das war lange Zeit souverän und wurde dann in den Schlussminuten noch einmal richtig spannend. Der HSV gewinnt sein drittes Heimspiel in Folge, gegen Mainz 05 gab es einen 2:1-Erfolg, der lange Zeit ungefährdet schien, dann aber noch einmal knapp wurde. Immerhin gab es diesen so wichtigen Dreier, der HSV springt damit auf Platz 13 – wie wichtig. Es war kein schönes Spiel, es mangelte beiden Teams an fußballerische Klasse und Finesse, aber das ist alles auch im Abstiegskampf nicht gefragt. Da sind Punkte gefordert, und die müssen dann eben auch mal zur Not etwas „dreckig“ eingefahren werden. Jetzt geht es am nächsten Sonnabend in Freiburg gegen den unbequemen SC, und danach folgt am Dienstag das letzte Heimspiel des Jahres – gegen Huub Stevens und den VfB Stuttgart. Daumendrücken, es geht um jedes Pünktchen – denn wer soll eigentlich aus dieser Liga absteigen? Es ist ja alles so furchtbar eng in der Abstiegszone, die schon im Mittelfeld beginnt.

 


Etliche Plätze in der Arena blieben an diesem nass-kalten Sonntag leer. Nur 45 968 Zuschauer. Was an der Vorweihnachtszeit liegen könnte, am Spieltag – nämlich der ungeliebte Sonntag (Sonnabend spielt die Bundesliga – hieß es früher mal) – und auch an der Tabellen-Situation. Der Vorletzte gegen den Tabellenelften. Das ist in dieser kalten und feuchten Jahreszeit nicht so besonders prickelnd.

 

Trainer Joe Zinnbauer, der frühere Mainzer, hatte wieder einmal viel riskiert – oder auch nur gewagt. Fünf neue Leute gegenüber der 1:3-Niederlage in Augsburg – der HSV immer noch auf der Suche nach der ersten Elf. Heiko Westermann und Valon Behrami fehlten verletzt, Mohamed Gouaida, Ashton Götz und Matthias Ostrzolek, dessen Foul in Augsburg zum 1:2 geführt hatte (und damit auch zur Verärgerung der HSV-Führung) saßen nur auf der Bank. Und Ivo Ilicevic hatte es noch härter erwischt, er durfte auch diesmal nur auf der Tribüne Platz nehmen.

 

Die Umstellungen oder Erneuerungen fruchteten aber, das muss man schon festhalten. Der HSV trat bissig auf, er kämpfte, er hielt dagegen – er wollte. Und Gegner Mainz erwies sich als dankbar für den HSV, denn der Karnevalsverein war früher deutlich besser – keine Frage. Mainz gewann zwar in der ersten Halbzeit die meisten Zweikämpfe, aber leistete sich auch eine Fülle von Fehlpässen. Mehr als der HSV, und der hatte schon einige „krumme Dinger“ dabei, die eigentlich nicht in die Erste Bundesliga gehörten. Aber so ist es wohl, wenn man erst einmal da unten steht. Da spielen dann auch die Nerven mit, und nicht nur die Stiefel und die Kugel.

 

Die erste halbe Stunde verging – ohne einen echten Höhepunkt. Abgesehen von zwei Besonderheiten auf Hamburger Seite. Ecke von links, Nicolai Müller hebt den Arm, bevor er schießt. Das soll heißen: „Freunde, vorübergehend den Flugverkehr einstellen, der Ball kommt hoch und weit.“ Denke ich mal. Der Ball fällt dann aber genau dem ersten (also am ersten Pfosten stehenden) Mainzer auf den Kopf. Oder sollte der den Ball durchlassen und hat den erhobenen Arm nicht richtig gedeutet? Kann auch sein. In der 25. Minute, Freistoß von links für den HSV. Rafael van der Vaart und Müller stehen am Ball, heben den Arm. Beide. Doppel-Arm also. Soll wohl bedeuten, dass nun weder Flugzeuge von links noch von rechts kommen sollen. Der „kleine Engel“ schießt den Ball zur Mitte, und der erste Mainzer köpft die Kugel aus dem Strafraum. Doppel-Arm hilft also auch nicht. Das muss noch geübt werden . . .
Übrigens: Früher wurden Eck- und Freistöße einfach nur zur Mitte geschossen. Ohne Arm.

 

Es war nicht besonders spannend, die erste Halbzeit, aber es fiel immerhin ein Tor. Für den HSV. Eckstoß in der 31. Minute für Mainz, der Ball wird abgewehrt, der Konter über Dennis Diekmeier. Der bedient Müller, und der umkurvt Torwart Karius, doch den nachfolgenden Schuss blockt Brosinski ab – mit der Hand? Mit dem Körper? Schiedsrichter Sascha Stegemann entscheidet auf Eckstoß. Van der Vaart von links, der Ball flippt am Elfmeterpunkt hin und her, Müller schießt, trifft aber nicht richtig, die Kugel prallt Innenverteidiger Cleber vor den rechten Fuß – Tor! Ausgerechnet der Brasilianer! Unfassbar. Und unfassbar schön. Bis auf Jaroslav Drobny kommen alle Spieler zum Gratulieren. Und Cleber strahlt über alle Backen – natürlich.

 

Danach hat der HSV eine sehr gute Zeit. Zweimal Artjoms Rudnevs auf Müller, der einmal vorbeischoss und einmal an Karius hängenbleibt. Aber immerhin. Es gibt Chancen, der HSV spielt nach vorne. Deshalb gibt es Beifall zur Pause.

 

In der Halbzeit war ich bei „Dittsche“ (heute Abend im WDR), bei Olli Dittrich, der sagte zufrieden: „Das sieht deswegen gut aus, weil alle kämpfen, alle in Bewegung sind, keiner den Kopf hängen lässt – sie wehren sich, sie verschenken nichts. So tritt die gesamte Mannschaft auf, das ist eine Geschlossenheit, die mir gefällt.“ Dann sagte „Dittsche“ noch: „Mir imponiert heute Dennis Diekmeier, der ist ja rechts enorm auf Achse und macht viele gute Dinge.“ Stimmt.

 

In der zweiten Halbzeit spielte der HSV auf die Fans im Norden – dort brummte das Leben. Und es wurde in der 53. Minute noch lauter. Pierre-Michel Lasogga flankte von rechts, Noveski sprang dazwischen und klärte mit dem Arm – Elfmeter. Diesmal klar. Selbst Assistent Guido Kleve an der rechten Seite hatte den Strafstoß angezeigt. Es protestierte auch kein Mainzer . . . Rafael van der Vaart schnappte sich den Ball und schoss ihn eiskalt rein – 2:0. Die Vorentscheidung? Fast wäre unmittelbar danach das 3:0 gefallen, als Lewis Holtby den am Strafraum startenden Rudnevs bedient, doch der Lette scheitert freistehend (mit links) an Torwart Karius. Schade. Trotzdem „Rudnevs-Rudnevs“-Rufe. Hat etwas Aufbauendes.

 

Das Spiel plätscherte dann ein wenig vor sich hin, der HSV hatte es gut im Griff. Mainz hatte allerdings eine sehr gute Möglichkeit, die Soto aus sechs Metern vergab – weil er von Rudnevs noch entscheidend gestört worden war. Sehr gut, „Rudi“, das war wichtig. Dennoch fiel der Anschlusstreffer. Ecke von rechts für Mainz, Cleber und Marcos verlieren das luftige Duell, und Okazaki köpft aus drei Metern ein (89.). Da war plötzlich dann doch wieder Spannung drin – Nachspielzeit drei Minuten. In einen weiten Freistoß von Mainz hinein pfeift dann Schiedsrichter Stegemann ab. Es blieb beim 2:1 – Gott sei Dank.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber, Marcos; Jiracek; van der Vaart (83. Arslan); Müller, Holtby; Lasogga (90+3. Gouaida), Rudnevs (90. Kacar).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny bekam nicht so viel zu tun, das, was dann mal kam, hielt er souverän.

 

Dennis Diekmeier bot eine rundherum starke Partie, da gibt es nichts zu meckern – bis auf ein, zwei Abspielfehler.

 

Johan Djourou hielt hinten den Laden zusammen, marschierte sogar einmal über links mit und versuchte sich als „Flanken-Gott“. Note zwei!

 

Cleber lieferte seine bislang beste Partie für den HSV ab, und das nicht nur deshalb, weil er das so wichtige 1:0 schoss. Das war insgesamt eine runde Sache.

 

Ronny Marcos erhielt den Vorzug vor Matthias Ostrzolek, und er nutzte seine Chance. Defensiv stand er gut, nach vorne hatte er etliche Fehlpässe drauf – zweite Halbzeit ließ er etwas nach. Trotz allem solide.

 

Petr Jiracek hatte vorher viele, viele Skeptiker auf seiner Seite, aber er konnte diese Leute frühzeitig beruhigen – das war in Ordnung, was er spielte. Wenn auch einige kleine Unsauberkeiten immer mal dabei sind.

 

Rafael van der Vaart ging kämpferisch wieder mächtig und vorbildlich zur Sache, rieb sich auf, lief viel – Note drei.

 

Nicolai Müller könnte gegen seinen Ex-Club die bislang beste Leistung für den HSV geboten haben. Unheimlich viel unterwegs, ging keinem Zweikampf aus dem Weg – das war einfach nur gut. Warum nicht immer so?

 

Lewis Holtby gefällt mir im Training immer sehr gut, im Spiel benötigt er immer eine längere Anlaufphase, um hinein zu finden. Das gelang ihm zwar auch diesmal, aber er selbst wird damit auch nicht restlos zufrieden sein. Er kann es besser.

 

Artjoms Rudnevs fand erst gegen Ende der ersten Halbzeit so richtig statt, dann aber kam er und beschäftigte die Mainzer Abwehr immer wieder. Hätte aber ein Tor machen können.

 

Pierre-Michel Lasogga sorgte dafür, dass es mit der Doppel-Spitze funktionierte, wich oft auf die Flügel aus (meistens rechts), von wo hm einige gute Vorstöße und Eingaben gelangen.

 

Tolgay Arslan (ab 83. Min. für van der Vaart) hatte in dieser Woche gut trainiert, fiel trotz allem aus der Mannschaft – und durfte dann noch einige Minuten mitmachen. Gut so.

 

Gojko Kacar (ab 90. Min. für Rudnevs) durfte noch mal kurz reinschnuppern.
 

Mohamde Gouaida (ab 90.+3. Min. für Lasogga) nahm noch einige Sekunden von der Uhr.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden dann natürlich über das Spiel gegen Mainz sprechen. Unsere Gäste sind – lasst Euch in diesem Fall mal überraschen. Es wird eine etwas andere „Sendung“, es wird Musike drin sein – davon geht mal aus . . .

 

17.35 Uhr

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