Archiv für das Tag 'Kacar'

Rhythmuswechsel für das schier Unmögliche

8. Mai 2013

Was’n Tag! Sommerwetter, und dann noch eine XXL-Trainingseinheit. Sagt der Trainer. Und er hat Recht, denn mit gut 110 Minuten war es eine der längsten Einheiten der Rückrunde. Allerdings auch nur, weil morgen frei ist. Der Vatertag gehört den Spielern und den Trainern. Und diese Maßnahme sorgt für mächtig Verwirrung.

Wie kann man nur zwei Tage vor einem solch wichtigen Spiel frei machen?

Eine Frage, die Thorsten Fink mit einem von ihm gewünschten „Rhythmuswechsel“ beantwortet. Und wer auch immer sich hier jetzt echauffiert und schreit, dass das alles gar nicht mehr wahr sein kann, dem sei gesagt: es kann! Denn auf den letzten Metern der Saison holt und verliert ein Spieler durch einen Tag Pause keine Fitness. Ganz sicher nicht. Einzig der psychologische Faktor ist diskutabel. Und ob der gut ist oder nicht, das entscheidet sich mit dem Ergebnis in Hoffenheim. Ergo: abwarten.

Abzuwarten bleibt auch, wer aufläuft. Heute im Trainingsspiel mischte Fink bunt durcheinander. Wobei Gojko Kacar fehlte. Der Serbe hatte sich am Dienstag das Knie überstreckt und pausierte heute. „Er hatte in der Nacht eine Reaktion und ist vorsorglich zum Arzt“, so Fink. Eine endgültige Diagnose hatte ich bis jetzt noch nicht, liefere diese aber natürlich nach, sobald sie da ist.

Relativ klar scheint, dass Kacar an sich nicht mehr lange da ist. Nachdem Hannover 96 im Winter Interesse bekundet hatte und der Wechsel überraschend platzte, soll es jetzt etwas werden. Dem Vernehmen nach fordert der HSV knapp zwei Millionen Euro Ablösesumme – die Niedersachsen scheinen dennoch interessiert.

Kacar wäre damit der erste einer ganz langen Reihe von Spielern, die den verein verlassen (sollen). Am Dienstag hatte ich im Abendblatt die Liste veröffentlicht, und zu dieser gesellt sich mit immer größer werdender Wahrscheinlichkeit auch Heung Min Son. Der Südkoreaner hatte dem Verein mitgeteilt, bzw. mitteilen lassen, dass er die sportliche Entwicklung abwarten wollte und dass der internationale Wettbewerb eine gewichtige Rolle spielen würde. Und ob das etwas wird oder nicht, wissen alle in zehn Tagen. Bis dahin will sich der Torjäger mit Ladehemmung entschieden haben. Vieles deutet daraufhin, dass sich Ligakonkurrent Borussia Dortmund die Dienste Sons sichern kann. Der BVB hatte bereits vor einigen Monaten bei Son-Berater Thies Bliemeister angefragt und hat jetzt durch das Erreichen der Champions League das nötige Kleingeld in der Tasche. „Es gibt noch nichts Neues“, sagt Bliemeister, der Verhandlungen mit dem BVB aber dementiert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da Verhandlungen laufen.“ Und er sollte es wissen. Dennoch deutet der Berater sehr wohl an, dass es sehr bald eine Entscheidung geben dürfte. Und das ist gut so.

Angesichts der aktuellen Finanzlage hoffe ich, dass dem HSV noch ein Millionenangebot ins Haus flattert. NDR 90,3 hatte heute erneut von dem drohenden Rekordminus berichtet. In der Agenturmeldung heißt es:

„Die wirtschaftliche Lage des Hamburger SV ist möglicherweise noch deutlich prekärer als erwartet. Nach Informationen des Radiosenders NDR 90,3 aus Kreisen des Fußball-Clubs steuert der HSV im laufenden Geschäftsjahr auf den Rekordverlust von24 Millionen Euro zu. Bisher war ein Minus von rund 15 Millionen Euro erwartet worden. „Ich weiß nicht, wo das herkommt und werde irgendwelche Zahlen, die in die Welt gesetzt wurden, nicht weiter kommentieren“, sagte Clubchef Carl Edgar Jarchow….
….Allerdings geht auch der Vorstandsvorsitzende schon länger von einem „Minus im zweistelligen Millionenbereich“ aus. Fest steht, dass der HSV nach Defiziten von 4,9 (2010/11) und 6,6 Millionen Euro (2011/12) zum dritten Mal in Serie ein Geschäftsjahr tief in den Miesen beenden wird. Dass der Traditionsclub die Lizenz für die nächste Saison dennoch ohne Auflagen erhalten hat, ist seiner Liquidität zu verdanken. Denn zum Nachweis seiner Zahlungsfähigkeit stehen dem Club allein aus einer im Vorjahr erzielten Fan-Anleihe 17,5 Millionen Euro zur Verfügung.“

Umso wichtiger werden aktuell Spielerverkäufe. Entweder die acht, neun Streichkandidaten werden Geld bringend verkauft – oder die Son-Millionen müssen es richten. Denn dieser HSV braucht noch Verstärkungen. In allen Mannschaftsteilen – die Torwartposition mal ausgenommen. Und dafür wird Geld benötigt, auch wenn Fink sagt: „Es geht auch ohne viel Geld. Wir müssen nur einfach ein gutes Auge haben.“

Aber schon die Streichliste zeigt, dass der HSV damit seine Probleme hat. Wenn ich überlege, dass mit Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Jeffrey Bruma und Jacopo Sala gleich vier Chelsea-Transfers verkauft oder wieder abgegeben werden sollen – Frank Arnesen wird eine Menge zu erklären haben, nachdem der fünfte Mann vom FC Chelsea, Gökhan Töre (allerdings gewinnbringend) bereits verkauft ist. „Wir werden uns zeitnah nach Saisonende hinsetzen und die Saison analysieren“, kündigt Vorstandsboss Carl Jarchow an. Ginge es nach Fink, könnte dieses Treffen schon früher stattfinden. Und sein Kompagnon in Sachen Kaderplanung stimmt zu: „Wir sind ständig im Gespräch und wissen, dass wir immer bereit sein müssen. Der Transfermarkt bewegt sich dieses Mal schon deutlich früher als in den letzten Jahren.“ Verantwortlich dafür war unter anderen der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern – der ja auch unmittelbare Auswirkungen auf den HSV haben könnte. Stichwort: Son…

Dass es heute widersprüchliche Meinungen zum Thema Bojan Krkic gibt, wundert mich nicht. Aber es lässt mich befürchten, dass dem HSV ein altbekanntes Problem bevorsteht: Uneinigkeit. Schon bei der letztjährigen Kaderplanung hatten Fink und Arnesen bei der Spielerauswahl teilweise unvereinbar unterschiedliche Meinungen. Zudem hatten Arnesen und Jarchow unterschiedliche Vorstellung, die Investitionssumme betreffend. Erst die Intervention Kühnes in Sachen Rafael van der Vaart und der misslungene Saisonstart brachen den Damm und der HSV investierte. „Natürlich gibt es auch mal unterschiedliche Ansichten“, sagt Fink, „aber letztlich machen wir das zusammen. Immerhin muss ich mich an dem Erfolg der Mannschaft ja auch messen lassen.“ Ebenso wie Arnesen, dessen Vertrag im Herbst, also nach der Kaderzusammenstellung für die neue Saison, besprochen werden soll.

Momentan deutet vieles daraufhin, dass der mit 1,8 Millionen Euro teuerste Sportchef-Vertrag der HSV-Geschichte nicht verlängert wird. Dem Dänen werden nicht allein eine falsche Spielerauswahl vorgeworfen. Immerhin setzte er sich bei Adler gegen alle Widerstände durch. Arnesen wird auch vorgehalten, im Winter sein Ziel, Spieler zu verkaufen, verpasst zu haben. „Im Sommer hat er die Möglichkeit, seine Kritiker Lügen zu strafen“, sagt ein Aufsichtsrat – allein ihm fehle der Glaube daran.

Der fehlt mir noch nicht. Ich will ihn einfach haben und gehe die Sache aus Prinzip schon optimistisch an. Wie bei der Tipprunde, in der der HSV bei mir seit 2003 nicht einen Punkt abgegeben hat. Ich hoffe einfach, dass Arnesen im Sommer nicht nur viele Spieler absetzen sondern auch qualitativ hochwertige dazugewinnen kann. Für ihn, für die Mannschaft, für den Verein – und vor allem für die Fans. Die dürfen sich übrigens darüber freuen, dass Dennis Aogo seine Kapselbeschwerden ausgestanden hat und ebenso wie Marcell Jansen wieder voll zur Verfügung steht. Lediglich Ivo Ilicevic musste heute passen. „Er hat leichte muskuläre Probleme“, so Fink, der einen Einsatz des Kroaten nicht ausschließen will.

In diesem Sinne, bleibt gesund, genießt den Vatertag und drückt die Daumen, dass das nahezu Unmögliche doch noch möglich wird…

Scholle

P.S.: Großen Respekt habe ich vor Sir Alex Ferguson, der nach 27 Jahren als Trainer von Manchester United zurücktritt. Der 71-Jährige ist mit 13 englischen Meistertiteln, fünf Pokalerfolgen und zwei Champions-League-Titeln der erfolgreichste Fußballtrainer Großbritanniens.

Van der Vaart und das Salz in der Cola

25. April 2013

Den Spruch hat inzwischen wohl jeder schon gehört: „Wenn der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt mal eben mit 4:0 wegdonnert, dann relativiert sich das 2:9 des HSV aber ganz, ganz gewaltig.“ Stimmt. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem 4:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid? Hat nicht der HSV den BVB, der mal eben die „Königlichen“ „weggefiedelt“ hat, in dieser Saison gleich zweimal besiegt und dafür gesorgt, dass alle Schwarz-Gelben mit gesenkten Häuptern in der Kabine verschwanden? Und relativiert sich das denn auch? Einmal 3:2, einmal – in Dortmund – 4:1? Mal sehen. Mal sehen, wie sich das jetzt in Gelsenkirchen anlässt. Es sind nur noch vier Spiele, die der HSV in dieser Bundesliga-Saison bestreiten muss, das auf Schalke scheint im Moment das wichtigste zu sein. Es geht ja nicht nur um das „einfache Europa“, es geht um mehr. Und für Rafael van der Vaart ist sogar das Erreichen der Champions-League-Qualifikation kein völlig utopisches Ziel. „Wenn wir am Sonntag bei Schalke 04 gewinnen sollten, darf man ein bisschen daran denken“, sagte der HSV-Kapitän, fügte aber auch gleich warnend hinzu: „Dafür müssen wir natürlich deutlich besser spielen als zuletzt.“

Heute im Training war das schon mal gut. Vielleicht sogar sehr gut. Es ging im Abschlussspielchen mächtig zur Sache. Gerade so, als wisse nun jeder Spieler ganz genau, um was es jetzt geht. Das Spiel zwischen A und B war temporeich, aggressiv und rassig. Da hatte kein Spieler auch nur eine Sekunde Zeit, sich am Ball auszuruhen. Das sah wirklich gut aus. Wobei Thorsten Fink zwei Wechsel zur Halbzeit vornahm: Heung Min Son ging von A nach B, Artjoms Rudnevs ging von B nach A. Und dazu wechselte Dennis Aogo von A nach B, für ihn kam Tomas Rincon von B nach A. Das bedeutete, dass sich der Trainer auf jeden Fall noch etwas offen lassen möchte – bis Sonnabend.

Im Moment scheint es aber so (für mich) zu sein, dass vorne Son beginnen und Rudnevs auf der Bank sitzen wird, und auf der „Sechs“ werden Tolgay Arslan (für den – wohl – verletzt ausfallenden Milan Badelj) und Aogo zum Einsatz kommen – „Reserve“ ist Rincon. Wenn ich die Gedanken des Trainers denn richtig lesen kann . . . Hinten rechts wird dazu, daran ändert sich nichts, Jacopo Sala spielen (für den gesperrten Dennis Diekmeier). Wobei mich schon ein wenig wundert, dass Jeffrey Bruma dann doch so überhaupt keine Chance mehr hat – und auch bekommt. In der Not, so heißt es doch, frisst der Teufel Fliegen, aber Bruma scheint beim HSV nicht nur ein Auslaufmodell zu sein, er wird auch als ein solches behandelt. Knallhart. Die Zeiten ändern sich. Ich habe zudem das Gefühl, dass Thorsten Fink tatsächlich härter auftritt – auf jeden Fall, so behaupte ich, anders als noch vor ein paar Wochen. Aber, das fällt mir just beim Schreiben dieser Zeilen ein, genau das habe ich gemeint, als ich bei „Sky 90“ vor Wochen, einen Tag nach dem 2:9 von und in München, auf die Frage von Moderator Patrick Wasserziehr („Wird der HSV daraus seine Lehren ziehen?“) gesagt habe: „Vor allen Thorsten Fink wird aus diesem Debakel lernen und seine Schlüsse ziehen . . .“ Hat er – in meinen Augen jedenfalls.

Und in diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder das Wort „Penner“ ein. Gebrüllt vom Trainer am vergangenen Freitag, gemeint war die Mannschaft. So etwas gab es in dieser Woche (bislang) noch nicht. Fink: „Wenn ich aber merke, dass die Mannschaft nachlässt, dann werde ich sicherlich wieder etwas sagen, wenn sie nicht nachlässt, dann werde ich auch nichts erfinden. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, wenn sie jedoch mal einen Impuls braucht, dann werde ich ihr diesen auch geben.“ Fink sagte auch: „Wir haben noch vier Spiele, da muss man schon noch vorsichtig sein und aufpassen, dass es jetzt nicht wieder anders herum geht, aber ich denke mit nun 44 Punkten und noch vier Spielen ist das schon gut gelaufen.“

Kurz noch einmal zum heutigen Training zurück. Einige gute, vielleicht auch sehr gute Szenen hatte Gojko Kacar, aber richtig beeindruckt war ich vor allen Dingen von Heung Min So. Der Junge, das stelle ich immer wieder fest, hat viel, nein, er hat sehr viel gelernt beim HSV. Er war heute auch im Spiel Mann gegen Mann, im Dribbling, richtig stark. Sodas ich mir während dieser „Vorstellung“ gedacht habe: „Es ist doch alles Quatsch, wenn da Hinz und Kunz immer wieder sagen, dass Son noch so jung sei, dass ihm noch einige Jahre beim HSV sehr gut tun würden, weil er so in der Bundesliga lernen und zu einem fertigen Spieler werden kann. Das ist, um es noch einmal zu sagen, Quatsch. Er hat jetzt schon viel gelernt, und ich bin davon überzeugt, dass er das auch bei einem Spitzen-Club – wie zum Beispiel Borussia Dortmund – zeigen würde.

Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Und was hat ihm hier jeder in Hamburg prophezeit? Genau: „Der wird dort niemals zum Einsatz kommen, geschweige denn Stammspieler. Der überschätzt sich maßlos – und wird auch maßlos überschätzt.“ Und? Wie kam es? Salihamidzic mischte erst München, dann die Bundesliga und später auch Europa auf. Wie oft hat er allein Real Madrid aufgemischt? Nun gut, das ist, wie Dortmund zeigt, ja auch keine große Kunst mehr . . . Nein, nein, ein Scherz. Das war ein Scherz.

Und noch einmal kurz zum heutigen HSV-Training zurück. Zum Schluss wurde „geballert“. Jeder der wollte, der durfte auch mal. Oder mehrfach. Im Tor standen sie alle, die das können – wobei ich einmal mehr von Sven Neuhaus begeistert war. Wie er fliegt, wie er sich reinhängt, obwohl er am Sonntag wieder nur daheim vor dem Fernseher sitzen wird – das ist schon erste Sahne. Toll. Und vorbildlich. Aber darüber wollte ich gar nicht groß berichten. Es gab da einen Zweikampf, der verbissen geführt wurde. Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart zählten jeden Treffer, das war ein richtig hartes Duell. Und das endete dann auch noch mit einem Unentschieden. Deshalb musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Jeder nur einen Schuss. Der „kleine Engel“ drosch den Ball weit und hoch über das Tor, die Kugel suchen sie morgen noch. Dann Arslan. Als er anlief (gegen Neuhaus), schoss – zum Zwecke der Störung – van der Vaart einen zweiten Ball quer. Wie unfair! Arslan beschwert sich, lief noch einmal an – und verwandelte. Daraufhin ging er in die Knie und hob laut jubelnd seine Arme in die Luft: Sieg.

Und dann sprachen sich die beiden Kontrahenten ab. Was genau, war nicht zu hören. Es ging aber darum: Der Verlierer musste dem Sieger eine Cola mit Zitrone und Eis auf den Umkleideplatz in der Kabine stellen. Und? Hat „Rafa“ das gemacht? Ja. Sagte er. Aber ohne Zitrone und Eis. Dafür war ein wenig Salz in diesem Frei-Getränk. Die Niederländer freute sich diebisch: „Ali hat getrunken und alles sofort wieder ausgespuckt . . .“ Es war dann doch wohl eher ein Pyrrhus-Sieg. Und, um das auch noch zu sagen: Das Schuss-Duell zwischen Arslan und van der Vaart wurde zwar verbissen geführt, aber trotz allem fair und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Was davon zeugt, dass man sich im Moment (nach zwei Siegen) und mit einem neuen Kapitän bestens versteht.

Schnell noch zu einem ganz, ganz anderen Thema. Ich schreibe ja heute zum ersten Mal in dieser Woche, mir brannte in dieser Zeit immer noch die Seite 62 des HSV-live-Magazins unter den Nägeln. Da hatte sich der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow mit einem Leserbrief an den HSV zu Wort gemeldet. Ich fand diese Zeilen schon sehr bemerkenswert, doch irgendwie schienen sie mir doch ein wenig untergegangen zu sein. Und weil ich denke, dass dieser Brief eine größere Aufmerksamkeit verdient (gehabt hätte), möchte ich ihn hier noch einmal veröffentlichen – mit Genehmigung von Udo Bandow.

Liebe Sportfreunde, mit großem Interesse habe ich den Bericht des Aufsichtsrates über seine Arbeit gelesen. Ich stimme ihm voll zu, dass die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins höchste Priorität hat. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Situation des HSVin den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verschlechtert. Ich befürchte, dass der nicht durch Vermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.
Nicht nachvollziehen kann ich die Formulierung: „Oberste Prämisse sei dabei, eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen; es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“
Der Aufsichtsrat sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Wenn wir wieder einen Kader haben, der international Interesse erweckt, was zurzeit leider nicht der Fall ist, wird der Aufsichtsrat ähnlich entscheiden wie er es in anderer Zusammensetzung in der Vergangenheit getan hat. Wenn Spieler Offerten bekommen von Vereinen wie zum Beispiel Bayern München, Real Madrid oder Manchester-Vereinen, dann sind sie nicht zu halten, da sich nicht nur ihre Bezüge kräftig erhöhen, sondern sie auch die Garantie der permanenten Teilnahme in der Champions League haben, was ihre Position in den Nationalmannschaften nachhaltig stärkt.
Entscheidend ist dabei, die ausscheidenden Spieler durch qualitativ gleichwertige, jüngere und finanziell günstigere zu ersetzen. Dies ist bis zur Trennung von Dietmar Beiersdorfer recht gut gelungen.
Ich nenne als Beispiels für jüngere Spieler, die Abgänge ersetzt und später ebenfalls hohe Transfergewinne erbracht haben, nur einige Namen:
Tomas Ujfalusi, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Jerome Boateng und Joris Mathijsen.
Ich hoffe, dass dies bei ähnlicher Konstellation auch in Zukunft gelingen möge.
Ihr Udo Bandow.

Ich habe mit Udo Bandow über diesen Brief gesprochen, er wollte aber nicht mehr ins Detail gehen – was ich verstehe. Er sagte nur noch: „Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, es steht alles drin, es ist alles gesagt.“
Was natürlich auch stimmt, dennoch hätte ich gerne noch etwas „mehr“ gehört. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

PS: Am Freitag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.53 Uhr

Fink mit weckender Wutrede!

19. April 2013

Das saß! Aber wie! Um 16.31 Uhr unterbrach Thorsten Fink das Abschlussspielchen zum zweiten Mal und holte seine Schäfchen zusammen. Was dann folgte, das habe ich unter diesem Trainer noch nie erlebt. Thorsten Fink „donnerte“ seine Spieler zusammen, sodass ihnen anschließend kein Hut mehr passte. Das war nach alter Trainer-Kunst ein Gewitter, das hoffentlich alle Antennen der Herren Profis wieder auf „gerade“ gesetzt haben dürfte. Fink brüllte los wie noch nie: „Das will ich nicht sehen, hier macht schon wieder jeder was er will. In der vergangenen Woche habe ich euch das schon mal gesagt, und dann hat es in Mainz geklappt, aber jetzt läuft schon wieder alles durcheinander, da ist nichts mehr von Disziplin zu sehen. Hört zu, wenn ich etwas sage, und haltet euch gefälligst daran – ihr Penner!“ Das war eine einzigartige Explosion. Glückwunsch, Herr Fink, das war Maßarbeit. Wer jetzt nicht weiß, wie er morgen gegen Fortuna Düsseldorf zu ticken und zu funktionieren hat, der wird es wohl nie begreifen. Ich bin aber davon überzeugt, dass es nun jeder weiß: Heimsieg gegen Düsseldorf!

Ausschlaggebend für den Ausraster des Trainers war ein Eigentor von Heiko Westermann. Dadurch stand es plötzlich 1:0 für die Reservisten gegen das A-Team. Nach der Standpauke Finks waren Flanken von links und rechts angesagt, aber das Spiel war mit einem Schlag, mit einem Donnerschlag beendet worden. Und die gute Stimmung, die bis dahin geherrscht hatte, war mit einem Schlag vorbei. Wie belämmert schlichen die Spieler schweigend über den Rasen. Auch bei den Flanken herrschte Ruhe. Einmal allerdings, da gab es donnernden Applaus. Petr Jiracek hatte geflankt, Gojko Kacar volley eingehämmert (man muss es so nennen!) – und eine schwedische Reisegruppe, die vom an Krücken gehenden Marcus Berg angeführt wurde, stiftete den Beifall. Für ein wahrhaft tolles Tor. Kacar war darin die Nummer eins, Jacopo Sala und Valmir Nafiu schossen ebenfalls bildschöne Tore. Morgen wären dann mal Heung Min Son, Rafael van der Vaart und Marcell Jansen dran. Zum Beispiel.

Thorsten Fink erklärte nach dem laustarken Auftritt: „Ich hatte das Gefühl, dass hier schon wieder jeder macht was er will, und das kann es nicht sein. Ich wollte die Spieler wachrütteln, denn es geht doch für uns gegen Düsseldorf um viel. Das Training an sich war nicht schlecht, nur einige Dinge haben mir eben nicht gefallen, und deshalb musste das mal so sein, wie es war. Damit alle wach sind.“ Und das, ganz genau das, das ist auch gut so. Einen solchen hoch emotionalen Auftritt eines HSV-Trainers habe ich zuletzt zu Zeiten von Huub Stevens erlebt . . .

Nun bin ich mal auf die Reaktion der
Spieler gespannt. Düsseldorf müsste morgen eigentlich aufgefressen werden . . . Und ich habe mich mal in Sachen Bilanz schlauch gemacht: 45 Bundesliga-Partien gab es bislang zwischen beiden Clubs, 20 HSV-Siege, zwölf Unentschieden und 13 Niederlagen stehen zu Buche. Zu Hause hat der HSV 16 Spiele gewonnen. Mir fällt bei dem Stichwort Fortuna Düsseldorf sofort eine besondere Partie ein: Am 31. Mai 1997 spielte der HSV am Rhein 1:1 – es war das zweiten und gleichzeitig das letzte Spiel des HSV-Trainers Ralf Schehr, der ungeschlagen abtreten musste. Damals konnte mal als Journalist noch den Innenraum betreten, deswegen ging wir Hamburger mit dem Trainer in Richtig HSV-Kurve, wo sich die Spieler für die Unterstützung bedanken wollten. Es war ja das letzte Saisonspiel, der HSV endete damals auf Rang 13, war aber lange in höchster Abstiegsgefahr. Deswegen waren die mitgereisten Fans auch nicht besonders gut drauf. Eher war genau das Gegenteil der Fall, denn plötzlich prasselten Wasserbeutel auf die HSV-Spieler ein. Wobei ich heute sehr, sehr hoffe, dass es auch tatsächlich Wasser war . . . Auf jeden Fall verließen die Spieler und auch wir fluchtartig den Innenraum – ein etwas anderes Saisonende.

Hoffen wir, dass es morgen alles gut und friedlich über die Bühne geht. Woran ich aber keinen Zweifel habe. Der HSV will endlich wieder einen Heimsieg, und die Fortuna ist eigentlich auf einem leicht absteigenden Ast. Vor sechs, sieben Wochen hat doch am Rhein niemand im Ernst daran gedacht, dass Düsseldorf noch in Abstiegsgefahr geraten kann. Aber nun ist es geschehen, und damit muss diese Mannschaft – so plötzlich – zurechtkommen. Ob das noch gelingt? Die letzte Ergebnisse habe nicht bestätigt, dass dieser Abstiegskampf schon in Düsseldorf angekommen ist. Man darf gespannt sein . . .

Zu diesem Spiel gab es dann auch folgende Aussage – eines Hamburgers.
„Ich freue mich richtig auf das Spiel. Durch den Sieg in Mainz hat die ganze Mannschaft wieder Selbstvertrauen. Jetzt wollen wir nachlegen.“ Natürlich. Wer will das nicht. Der, der diese Aussage machte, ist Heung Min Son. Er will morgen gegen die in Abstiegsgefahr geratene Fortuna aus Düsseldorf nachlegen. Und der selbstverständlich will das auch der HSV. Denn es wird, wie ja schon seit Wochen verraten wird, immer nur von Spiel zu Spiel gedacht. Von der Papierform her dürfte der HSV an diesem Sonnabend vor einem leichten, okay, ich will mal von einem lösbaren Heimspiel reden, stehen.

Son weiter: „Wir haben ja auch noch etwas gut zu machen gegen Düsseldorf. Im Hinspiel
ist es ja nicht so toll gelaufen. Und dann gab es danach im Hotel mitten in der Nacht auch noch den Feueralarm . . .“ Ist nicht vergessen. Und der Südkoreaner hat ja auch allen Grund, weiter schön Gas zu geben – bei bislang elf Treffern will er es sicher noch nicht bewenden lassen. Er ist jedenfalls voll motiviert: „Ich finde es richtig geil, dass die Arena voll wird. Ich würde gern
wieder treffen – für unsere Fans. Vielleicht werde ich mir die Tore vom vergangenen Wochenende vor dem Spiel nochmal anschauen. Obwohl ich auch so schon motiviert bin ohne Ende.“ Er wird die einzige Spitze sein, hat vorerst Artjoms Rudnevs verdrängt. Son: „Vorn in der Spitze fühle ich mich auch am wohlsten. Hoffentlich können mir Rafa oder Milan wieder ein paar Bälle auflegen . . .“ Das hoffen wir auch.

Übrigens: Nicht im Kader für das Düsseldorf-Spiel ist Jeffrey Bruma. Auch ein Anzeichen dafür, dass sich die Wege des Niederländers und des HSV am Saisonende ganz sicher trennen werden. Der Club hat nicht das nötige Kleingeld, um Bruma vom FC Chelsea zu kaufen. Das hat ihm auch Sportchef Frank Arnesen bereits mitgeteilt, die Sache ist somit beschlossen und verkündet. Wobei ich gespannt auf den weiteren Verlauf der Bruma-Karriere bin. Er hätte das Zeug, ein Großer zu werden, aber dafür muss er sich deutlich mehr engagieren, als er es in Hamburg und beim und für den HSV getan hat. Schade, dass ein solches Talent solche Umwege einlegen muss.

So, gleich geht es los mit dem Matz-ab-Treffen im HSV-Restaurant “1887″ – die ersten Gäste sind bereits da.

18.36 Uhr

Nächste Einträge »