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Na bitte: HSV schlägt Werder 3:2!

22. November 2014

Ein wunderbarer Konter über drei Stationen. Wir schreiben die 90. Minute. Melvin Krol gibt den Ball gekonnt weiter auf Johann Buttler, dessen Vorarbeit Leon Deichmann zum Siegtreffer nutzt. Großer Jubel im Stadion und bei Trainer Otto Addo – der HSV hat Werder Bremen mit 3:2 besiegt! So war es heute Mittag an der Hegenbeckstraße im Derby der U-19-Mannschaften der beiden Nordrivalen. Aus Sicht des HSV ein schöner Vorgeschmack auf das, was 57.000 Zuschauer mehrheitlich am Sonntagnachmittag im Volkspark erleben wollen.

„Vielleicht nehmen unsere Profis diesen Spielerverlauf und dieses Ergebnis ja auch ein wenig mit in ihr Spiel“, freute sich Siegtorschütze Deichmann. Ein paar Stunden später ließen es die Profis dann krachen bei ihrer Trainingseinheit, der abschließenden vor dem Nordderby, neben dem Stadion. Flanken von links, Flanken von rechts, garniert mit erfolgreichen Torschüssen – so wurden den Spielern noch einmal Erfolgserlebnisse ermöglicht, die ja in den Pflichtspielen dieser Saison noch äußerst rar waren.

Die Frage schlechthin, die sich viele Fans vor der Partie stellen, wurde auch bei der Einheit heute nicht endgültig beantwortet. Wieviele von den U-23-Spielern stellt Joe Zinnbauer morgen in die Startelf? Bei den vier Tests der vergangenen zwei Wochen hat er vielen der nachrückenden Talente Bewährungschancen gegeben, und einige scheinen sie genutzt zu haben. Mit Nachwuchstorwart Alexander Brunst, den Außenverteidigern Ronny Marcos und Ashton Götz sowie mit Flügelstürmer Mohamed Gouaida steht gleich ein ganzes Quartett junger Spieler im 18-Mann-Kader für morgen. Wird Zinnbauer auf sie setzen? Im Trainingsspielchen durften Götz, Marcos und Gouaida zunächst gleich gemeinsam ran. Später wurde getauscht. Götz und Marcos wurden durch die Stamm-Außenverteidiger Dennis Diekmeier und Matthias Ostrzolek ersetzt. Außerdem kam Tolgay Arslan rein und – durch verschiedene Verschiebungen – Pierre Michel Lasogga ging raus. Was den Kader angeht, sind gegen Werder mit Zoltan Stieber, Gojko Kacar, Ivo Ilicevic und Julian Green nicht dabei.

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Die Personalie Lasogga ist nun, wie ich finde, interessant. Nicolai Müller gab in der zweiten Trainings-Formation den Götze. Geht Lasogga vielleicht nur auf die Bank? Aber auch das bleibt unwahrscheinlich, denn wenn Lasogga als Joker in Betracht käme, müsste nicht noch Artjoms Rudnevs im Kader sein – ist er aber. Insofern dürfte von der Revolution vermutlich nur eine kleine Variante übrig bleiben – mit Mohamed Gouaida für den verletzten Marcell Jansen. Aber vielleicht überrascht Joe Zinnbauer ja noch alle mit einer ganz anderen Variante.

Zurück noch einmal zu Pierre Michel Lasogga. In einem Interview hat er unter der Woche gesagt, dass ihn die Kommentare und die Kritik von außen kalt ließen. Schön wäre es, denn dann würde er sich unbeeindruckt auf seine Stärken besinnen können. Aber das konnte er in dieser Saison viel zu selten. Abgesehen von seiner Torquote und der Tatsache, dass er auch sehr wenige Bälle bekommt, ist Lasogga schwächer als im Vorjahr. Mit Fitnessproblemen, wie zu Beginn der Saison, kann das inzwischen nichts mehr zu tun haben. Die hat er längst aufgeholt. Auch Lasogga leidet offensichtlich unter der Erfolglosigkeit des Teams. Das muss er auch nicht öffentlich bestreiten. Es ist völlig normal, dass er sich Gedanken macht. Lasogga hat sich im Sommer ganz bewusst für den HSV entschieden, weil er etwas aufbauen wollte. Der HSV hat tief für ihn in die Tasche gegriffen, vermutlich tiefer, als es vernünftig gewesen wäre. Und dann legt der Verein solch einen miesen Saisonstart hin – da kann, nein da muss man nachdenklich werden. Aus der Mannschaft, zuletzt vor einigen Wochen von Tolgay Arslan, haben wir gehört, dass Lasogga sehr wohl ruhiger geworden ist. Ich finde das normal, und umso wichtiger ist, dass der Stürmer an seinen Schwächen arbeitet. Nur dann kann er – und das gilt ja für das gesamte Team – aus der aktuell miesen Lage herauskommen. Übrigens: In den Testspielen zuletzt war Lasogga nicht mit einem einzigen Treffer dabei – bei insgesamt 17 Toren der gesamten Mannschaft.

In diesem Zusammenhang wird ja auch schon Kritik laut an Joe Zinnbauer. Verständlich, denn neun Punkte und vier Tore aus elf Spielen sind keinesfalls allein das Werk seines Vorgängers Mirko Slomka. Es gehörte in Hamburg in den vergangenen Jahren zum guten Ton, nach relativ kurzer Zeit die Schwächen des jeweiligen Übungsleiters herauszukehren. Das war meist relativ einfach, denn allen fehlten schließlich nach gewisser Zeit die Ergebnisse. Kann Joe Zinnbauer nur die eine Masche – die des Motivators? Überfrachtet er die Mannschaft mit Video-Analysen? Versteht ihn das Team immer noch nicht? Verunsichert er zusätzlich durch das permanente Loben der jungen Spieler?

Um diese Zweifel beiseite zu räumen, braucht es Ergebnisse. Schon morgen im Nordderby – das würde für Nachhaltigkeit und Rückendeckung sorgen. Joe Zinnbauer muss es gelingen, im Team die entscheidenden Spieler auf seine Seite zu ziehen. Sein Weg mit jungen Leuten muss mitgetragen werden – er kann den Karren nicht allein ziehen, sondern muss durch Valon Behrami, Jaroslav Drobny und ein paar andere unterstützt werden. Ein Trainer kann nur funktionieren, wenn er sich auf verlängerte Arme auf dem Rasen verlassen kann. Mein Lieblingsbeispiel: Kurt Jara, der Österreicher, hatte 2001 bis 2003 ganz sicher keine Top-Mannschaft zur Verfügung, aber er hat sich die Haudegen Bernd Hollerbach, Nico Hoogma und Martin Pieckenhagen zur Seite genommen, die seinen Weg auf dem Rasen weitergegangen sind. So entstand, fußballerisch limitiert, eine Einheit, die 2003 sogar auf Platz vier in der Bundesliga landete.

Zinnbauer muss diesbezüglich den Jara machen. Er muss die richtigen Strategen finden, vielleicht gehören Johan Djourou und Lewis Holtby auch perspektivisch dazu, dann hat sein Konzept eine Chance. Fühlen sich zu viele Arrivierte vor den Kopf gestoßen durch den Jugendwahn, steht der „neue“ HSV auf noch tönenderen Füßen, als er es ohnehin schon tut.

Was hören wir heute aus Bremen? Franco di Santo ist verletzt – soviel war klar. Nun fällt Trainer Viktor Skripnik auch Innenverteidiger Sebastian Prödl aus. Der Österreicher hat Probleme im Oberschenkel. Und dann hat sich ein ehemaliger HSV-Spieler, der Niederländer Eljero Elia, auf Facebook gemeldet. Leider unterste Schublade. Dazu kein weiterer Kommentar.

Der Vollständigkeit halber noch ein Wort zu Kerem Demirbay. In den Kommentaren gestern wurde nach dem an Kaiserslautern ausgeliehenen Mittelfeldspieler gefragt. Zufällig habe ich vergangene Woche mit einem Kollegen aus dem Südwesten gesprochen, der die Roten Teufel seit Jahrzehnten begleitet. Tenor: Demirbay macht dort einen sehr guten Eindruck. Aktuell ist er mit einem Außenbandriss im Sprunggelenk, den er sich nach einem üblen Tritt eines Gegenspielers zugezogen hatte, noch außer Gefecht. Aber Demirbay wird vielleicht schon nächste Woche zurückkehren in die erste Elf. Spielerisch gut, effektiv, guter Auftritt außerhalb des Rasens – das sind die lobenden Worte über den jungen Demirbay, der unter Mirko Slomka im Sommer keine Chance hatte. Offenbar gefällt es ihm sogar sehr gut auf dem Betzenberg. In der Mannschaft sind allein fünf U-21-Nationalspieler, die sich alle gut verstehen. Diese Aussagen mal zugrunde gelegt ist also ein positives Zwischenfazit zu ziehen. Demirbay wird im kommenden Sommer ganz sicher ein Kandidat für den erweiterten Stamm der HSV-Profis sein.

So könnte der HSV gegen Werder Bremen spielen: Drobny – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, van der Vaart – Müller, Holtby, Gouaida – Lasogga.
Weiter im Kader: Brunst, Arslan, Cleber, Götz, Jiracek, Marcos, Rudnevs

Und jetzt rein ins 101. Nordderby der Bundesliga! Anschließend, ab etwa 17.45 Uhr, melden sich Dieter und Scholle mit “Matz ab live” und ihren Gästen – einer wird Ex-Torwart Sven Neuhaus sein.

Lars
18.28 Uhr

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