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Eduardo kommt nicht zum HSV – Elia schon

3. August 2012

So, seit 14 Uhr gibt’s nen Aufnahmestopp für die Fragen an Herrn Jarchow. Ich werde die gesammelten Werke einmal überfliegen und nur die Fragen rausnehmen, die wie gestern erwähnt einfach nur den Sinn erfüllen, den HSV-Vorstandsvorsitzenden zu beleidigen. Aber, versprochen: grenzwertige Fragen bleiben drin. Und die schicke ich noch heute Abend per Email an Herrn Jarchow. Der Klubboss hatte davon bereits gelesen, als ich ihn gestern Nachmittag darauf ansprach. Und was in den letzten zehn Jahren als Ding der Unmöglichkeit galt, wird möglich. „Wenn ich gefragt werde, antworte ich“, so Jarchow, den auch die teilweise grenzwertigen Kritiken im Blog nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil. Er bleibt ruhig. „Fragen bieten dem gefragten immer auch die Möglichkeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Dass ich es nicht schaffe, restlos jeden zu überzeugen, war mir klar, als ich mein Amt antrat.“

Und egal, wer hier was auch immer von Jarchow hält, so eine Aktion zollt mir allerhöchsten Respekt ab. Denn ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass es in der Bundesliga keinen zweiten Klubboss gibt, der so etwas mitmachen würde. Das nur für die unter uns, die das als selbstverständlich erachten…

Selbstverständlich ist seit Messi sportlich nichts mehr. Dennoch gab es jetzt aus München Entwarnung. „Ich nehme den Cup sehr ernst“, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes und kontert damit die etwas undurchdachte – oder einfach nur ehrliche? – Aussage von Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller. „Ich denke nicht, dass wir mit der ersten Elf auflaufen. Auch die anderen werden noch durchwechseln“, sagt Weidenfeller vor dem Halbfinale gegen den HSV am Sonnabend (16.30 Uhr/Sat.1 überträgt live). Nicht dabei sein wird Mario Götze (Bindehautentzündung), dafür aber Marco Reus, von dem offenbar nicht nur ich ein großer Fan bin fehlen. „Ich bin ein Fan von Reus“, sagte Frank Arnesen heute, „er ist kreativ, schnell, torgefährlich – eben ein moderner Angreifer.“

Aber leider keiner, den sich der HSV angeln kann. Ob demnächst der neue beim HSV zu erwarten ist? Wohl eher nicht. Frank Arnesen ließ durchblicken, dass wohl zuerst ein Innenverteidiger kommen dürfte. Zumindest ein Anfang.

Dabei hatte ich vor zwei Tagen gehört, dass der HSV unmittelbar vor der Verpflichtung des neuen Kreativen stünden. Nach gemeinsamen Recherchen mit meinem Kollegen Kai Schiller kamen wir auf den Namen Carlos Eduardo, der bei Rubin Kazan keine Rolle mehr spielt. Demnach hätte der HSV Interesse an der Verpflichtung des ehemaligen Hoffenheimers, der seit knapp zwei Jahren kaum noch spielt und den Kazan abgeben wolle. Die von transfermarkt.de kolportierten 15 Millionen Euro Marktwert werden auf Beraterbene mit inzwischen nur noch 5 Millionen Euro gehandelt. Ein Betrag, der dem HSV schwer fallen dürfte – der aber nicht unmöglich sein dürfte. Zumal dann nicht, wenn Eduardo zunächst mit Kaufoption ausgeliehen würde.

Allerdings hat sich diese Info nicht bestätigt. Stattdessen habe ich erfahren, dass Eduardo vor einem Wechsel nach Wolfsburg steht. Zumindest hat Trainer Felix Magath, er den Brasilianer schon im Winter zum Werksklub holen wollte, bei Kazan sein neuerliches Interesse hinterlegt. Dem Vernehmen nach geht es jetzt nur noch darum, dass Diego abgegeben wird. Und für den hätte ich einen Abnehmer…

Apropos Problemfälle. Ein solcher war (ist?) auch Eljero Elia. Zumindest beim HSV. Und auch bei Juventus Turin ist der Niederländer mit zweifellos überdurchschnittlichem Talent nicht glücklich geworden. Jetzt versucht es der pfeilschnelle Rechtsfuß bei Werder Bremen und ist mit dem Nordrivalen morgen und Sonntag zu Gast in der Imtech-Arena. Grund genug, den Rückkehrer zu befragen.

Eljero Elia über…
…seine Rückkehr nach Hamburg:
„Ich freue mich auf die Spiele im Liga-Pokal und auf das Wiedersehen mit al-ten Bekannten. Besonders mit Jeffrey Bruma, Dennis Aogo und Tomas Rincon stehe ich im Kontakt. Sobald ich mal frei habe, werde ich sie in Hamburg besuchen. Die HSV-Fans werden mich möglicherweise weniger herzlich begrüßen, aber das ist doch ganz normal. Mich macht das nur noch stärker.“

…die Gründe für seinen Wechsel zu Werder: „Ich hatte ein sehr schweres Jahr in Turin, habe eigentlich nie eine echte Chance bei Juventus erhalten. Ich wollte unbedingt wieder Fußball spielen, und diese Chance hat mir Werder geboten. Für mich ist der Wechsel nach Bremen auch deshalb so wichtig, weil ich endlich Konstanz in meinem Leben haben möchte. Ich habe auch meiner Freundin gesagt, dass ich keine Lust habe, nächstes Jahr schon wieder zu wechseln. Als Fußballer kann man natürlich niemals nie sagen, aber ich werde definitiv nicht zu einem anderen Verein mehr wechseln, der auf einem ähnlichen Level wie Werder ist. Gemeinsam mit unserer Tochter haben wir auch ein schönes Häuschen in Bremen bezogen, aus dem wir so schnell nicht ausziehen wollen.“

…über die Saisonziele von Werder und den HSV: „Ich bin mir sicher, dass wir mit Werder um einen europäischen Platz spielen können. Bremen ist schon in der vergangenen Saison sehr gut gestartet, ist dann leider in der Rückrunde etwas eingebrochen. Was den HSV betrifft, so weiß ich nicht ganz genau, was da in der kommenden Saison möglich sein wird. Wie in der vergangenen Spielzeit sind auch in diesem Sommer wieder viele gute Jungs wie Mladen Petric, Paolo Guerrero, Gökhan Töre oder David Jarolim verkauft worden. Es wird wohl keine ganz einfache Saison für Hamburg.“

…sein schweres Jahr in Turin: „Obwohl ich kaum spielen durfte, habe ich den Wechsel nie bereut. Juventus ist eine der größten Vereine der ganzen Welt, da musste ich mein Glück einfach versuchen. Aber mir ging es auch privat nicht so gut in Turin. In unser Haus wurde dreimal eingebrochen, da habe ich meine Familie zurück nach Holland geschickt. Für mich war es aber wichtig, dass ich auch so eine Phase in meinem Leben überstehe.“

…seinen Ruf als Problemprofi: „Ich weiß nicht, warum ich immer als Problemprofi abgestempelt werde. Obwohl ich in Turin nie spielen durfte, habe ich nie Ärger gemacht. Ich habe fast ein Jahr lang kein Interview mehr gegeben, weil ich lieber Taten statt Worte sprechen lassen wollte. Mein Wunsch ist, dass die Verantwortlichen in Turin eines Tages bereuen, mich haben gehen zu lassen.“

…eine mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft: „Natürlich ist es mein Ziel, wieder für die Niederlande zu spielen. Dafür muss ich mich aber erst mal bei Werder mit Leistung anbieten. Für mich kann es ein großer Vorteil sein, dass Louis van Gaal neuer Bondscoach ist. Er ist ein Supertrainer, der mich damals als Bayerncoach unbedingt nach München holen wollte. Die Verhandlungen zwischen ihm, Bernd Hoffmann und meinem Berater waren damals auch sehr weit fortgeschritten, ein Wechsel nach München ist nur ganz knapp gescheitert.“

…seinen Wechsel der Berater: „Nach dem schwierigen Jahr in Turin wollte ich einen kompletten Neuanfang. Frank Schouten ist immer noch ein guter Freund von mir, aber trotzdem habe ich mich mit Rodger Linse für einen neuen Berater entschieden. Ich wollte einfach alles ändern, ich bin jetzt ein ganz neuer Ellie.“

…die Hilfe von Marko Arnautovic in Bremen: „Ich kenne Marko schon seit einer Ewigkeit. Wir haben gemeinsam in Enschede gespielt, er war 17 und ich war 19 Jahre alt. Und wir haben uns immer super verstanden, der Kontakt riss nie ab. Als ich beim HSV war hat mich Marko häufiger in Hamburg besucht und auch während meiner Juventus-Zeit haben wir viel miteinander telefoniert. Mit Marko ist es für mich hier ein wenig leichter.“

…sein zwiespältiges Verhältnis zu Medien: „In der Vergangenheit wurde nicht immer nur positiv über mich berichtet, aber das ist abgehakt. In Turin habe ich nur deswegen keine Interviews mehr gegeben, weil ich nicht gespielt habe. Aber wenn ich in Bremen wieder mehr spiele, dann ist es auch ganz normal, dass ich wieder häufiger Interviews gebe.“

In diesem Sinne, ich freue mich auf das Turnier. Bis morgen, dann wieder mit Dieter.

Scholle

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