Archiv für das Tag 'Juventus'

Eduardo kommt nicht zum HSV – Elia schon

3. August 2012

So, seit 14 Uhr gibt’s nen Aufnahmestopp für die Fragen an Herrn Jarchow. Ich werde die gesammelten Werke einmal überfliegen und nur die Fragen rausnehmen, die wie gestern erwähnt einfach nur den Sinn erfüllen, den HSV-Vorstandsvorsitzenden zu beleidigen. Aber, versprochen: grenzwertige Fragen bleiben drin. Und die schicke ich noch heute Abend per Email an Herrn Jarchow. Der Klubboss hatte davon bereits gelesen, als ich ihn gestern Nachmittag darauf ansprach. Und was in den letzten zehn Jahren als Ding der Unmöglichkeit galt, wird möglich. „Wenn ich gefragt werde, antworte ich“, so Jarchow, den auch die teilweise grenzwertigen Kritiken im Blog nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil. Er bleibt ruhig. „Fragen bieten dem gefragten immer auch die Möglichkeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Dass ich es nicht schaffe, restlos jeden zu überzeugen, war mir klar, als ich mein Amt antrat.“

Und egal, wer hier was auch immer von Jarchow hält, so eine Aktion zollt mir allerhöchsten Respekt ab. Denn ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass es in der Bundesliga keinen zweiten Klubboss gibt, der so etwas mitmachen würde. Das nur für die unter uns, die das als selbstverständlich erachten…

Selbstverständlich ist seit Messi sportlich nichts mehr. Dennoch gab es jetzt aus München Entwarnung. „Ich nehme den Cup sehr ernst“, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes und kontert damit die etwas undurchdachte – oder einfach nur ehrliche? – Aussage von Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller. „Ich denke nicht, dass wir mit der ersten Elf auflaufen. Auch die anderen werden noch durchwechseln“, sagt Weidenfeller vor dem Halbfinale gegen den HSV am Sonnabend (16.30 Uhr/Sat.1 überträgt live). Nicht dabei sein wird Mario Götze (Bindehautentzündung), dafür aber Marco Reus, von dem offenbar nicht nur ich ein großer Fan bin fehlen. „Ich bin ein Fan von Reus“, sagte Frank Arnesen heute, „er ist kreativ, schnell, torgefährlich – eben ein moderner Angreifer.“

Aber leider keiner, den sich der HSV angeln kann. Ob demnächst der neue beim HSV zu erwarten ist? Wohl eher nicht. Frank Arnesen ließ durchblicken, dass wohl zuerst ein Innenverteidiger kommen dürfte. Zumindest ein Anfang.

Dabei hatte ich vor zwei Tagen gehört, dass der HSV unmittelbar vor der Verpflichtung des neuen Kreativen stünden. Nach gemeinsamen Recherchen mit meinem Kollegen Kai Schiller kamen wir auf den Namen Carlos Eduardo, der bei Rubin Kazan keine Rolle mehr spielt. Demnach hätte der HSV Interesse an der Verpflichtung des ehemaligen Hoffenheimers, der seit knapp zwei Jahren kaum noch spielt und den Kazan abgeben wolle. Die von transfermarkt.de kolportierten 15 Millionen Euro Marktwert werden auf Beraterbene mit inzwischen nur noch 5 Millionen Euro gehandelt. Ein Betrag, der dem HSV schwer fallen dürfte – der aber nicht unmöglich sein dürfte. Zumal dann nicht, wenn Eduardo zunächst mit Kaufoption ausgeliehen würde.

Allerdings hat sich diese Info nicht bestätigt. Stattdessen habe ich erfahren, dass Eduardo vor einem Wechsel nach Wolfsburg steht. Zumindest hat Trainer Felix Magath, er den Brasilianer schon im Winter zum Werksklub holen wollte, bei Kazan sein neuerliches Interesse hinterlegt. Dem Vernehmen nach geht es jetzt nur noch darum, dass Diego abgegeben wird. Und für den hätte ich einen Abnehmer…

Apropos Problemfälle. Ein solcher war (ist?) auch Eljero Elia. Zumindest beim HSV. Und auch bei Juventus Turin ist der Niederländer mit zweifellos überdurchschnittlichem Talent nicht glücklich geworden. Jetzt versucht es der pfeilschnelle Rechtsfuß bei Werder Bremen und ist mit dem Nordrivalen morgen und Sonntag zu Gast in der Imtech-Arena. Grund genug, den Rückkehrer zu befragen.

Eljero Elia über…
…seine Rückkehr nach Hamburg:
„Ich freue mich auf die Spiele im Liga-Pokal und auf das Wiedersehen mit al-ten Bekannten. Besonders mit Jeffrey Bruma, Dennis Aogo und Tomas Rincon stehe ich im Kontakt. Sobald ich mal frei habe, werde ich sie in Hamburg besuchen. Die HSV-Fans werden mich möglicherweise weniger herzlich begrüßen, aber das ist doch ganz normal. Mich macht das nur noch stärker.“

…die Gründe für seinen Wechsel zu Werder: „Ich hatte ein sehr schweres Jahr in Turin, habe eigentlich nie eine echte Chance bei Juventus erhalten. Ich wollte unbedingt wieder Fußball spielen, und diese Chance hat mir Werder geboten. Für mich ist der Wechsel nach Bremen auch deshalb so wichtig, weil ich endlich Konstanz in meinem Leben haben möchte. Ich habe auch meiner Freundin gesagt, dass ich keine Lust habe, nächstes Jahr schon wieder zu wechseln. Als Fußballer kann man natürlich niemals nie sagen, aber ich werde definitiv nicht zu einem anderen Verein mehr wechseln, der auf einem ähnlichen Level wie Werder ist. Gemeinsam mit unserer Tochter haben wir auch ein schönes Häuschen in Bremen bezogen, aus dem wir so schnell nicht ausziehen wollen.“

…über die Saisonziele von Werder und den HSV: „Ich bin mir sicher, dass wir mit Werder um einen europäischen Platz spielen können. Bremen ist schon in der vergangenen Saison sehr gut gestartet, ist dann leider in der Rückrunde etwas eingebrochen. Was den HSV betrifft, so weiß ich nicht ganz genau, was da in der kommenden Saison möglich sein wird. Wie in der vergangenen Spielzeit sind auch in diesem Sommer wieder viele gute Jungs wie Mladen Petric, Paolo Guerrero, Gökhan Töre oder David Jarolim verkauft worden. Es wird wohl keine ganz einfache Saison für Hamburg.“

…sein schweres Jahr in Turin: „Obwohl ich kaum spielen durfte, habe ich den Wechsel nie bereut. Juventus ist eine der größten Vereine der ganzen Welt, da musste ich mein Glück einfach versuchen. Aber mir ging es auch privat nicht so gut in Turin. In unser Haus wurde dreimal eingebrochen, da habe ich meine Familie zurück nach Holland geschickt. Für mich war es aber wichtig, dass ich auch so eine Phase in meinem Leben überstehe.“

…seinen Ruf als Problemprofi: „Ich weiß nicht, warum ich immer als Problemprofi abgestempelt werde. Obwohl ich in Turin nie spielen durfte, habe ich nie Ärger gemacht. Ich habe fast ein Jahr lang kein Interview mehr gegeben, weil ich lieber Taten statt Worte sprechen lassen wollte. Mein Wunsch ist, dass die Verantwortlichen in Turin eines Tages bereuen, mich haben gehen zu lassen.“

…eine mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft: „Natürlich ist es mein Ziel, wieder für die Niederlande zu spielen. Dafür muss ich mich aber erst mal bei Werder mit Leistung anbieten. Für mich kann es ein großer Vorteil sein, dass Louis van Gaal neuer Bondscoach ist. Er ist ein Supertrainer, der mich damals als Bayerncoach unbedingt nach München holen wollte. Die Verhandlungen zwischen ihm, Bernd Hoffmann und meinem Berater waren damals auch sehr weit fortgeschritten, ein Wechsel nach München ist nur ganz knapp gescheitert.“

…seinen Wechsel der Berater: „Nach dem schwierigen Jahr in Turin wollte ich einen kompletten Neuanfang. Frank Schouten ist immer noch ein guter Freund von mir, aber trotzdem habe ich mich mit Rodger Linse für einen neuen Berater entschieden. Ich wollte einfach alles ändern, ich bin jetzt ein ganz neuer Ellie.“

…die Hilfe von Marko Arnautovic in Bremen: „Ich kenne Marko schon seit einer Ewigkeit. Wir haben gemeinsam in Enschede gespielt, er war 17 und ich war 19 Jahre alt. Und wir haben uns immer super verstanden, der Kontakt riss nie ab. Als ich beim HSV war hat mich Marko häufiger in Hamburg besucht und auch während meiner Juventus-Zeit haben wir viel miteinander telefoniert. Mit Marko ist es für mich hier ein wenig leichter.“

…sein zwiespältiges Verhältnis zu Medien: „In der Vergangenheit wurde nicht immer nur positiv über mich berichtet, aber das ist abgehakt. In Turin habe ich nur deswegen keine Interviews mehr gegeben, weil ich nicht gespielt habe. Aber wenn ich in Bremen wieder mehr spiele, dann ist es auch ganz normal, dass ich wieder häufiger Interviews gebe.“

In diesem Sinne, ich freue mich auf das Turnier. Bis morgen, dann wieder mit Dieter.

Scholle

Westermann soll perfekt sein!

18. Juli 2010

Dieser Artikel wurde um 23.22 Uhr noch einmal angefasst. Die neue Zeile des Artikels könnte nun auch lauten:

ALLES KLAR, WESTERMANN KOMMT!

Nur der nun folgende Einstieg ist neu. Weil es ganz frische Erkenntnisse gibt. Ich habe weiter recherchiert, es gibt nun folgenden Stand: Heiko Westermann wird zum HSV kommen, es sei denn, in letzter Sekunde kommt noch etwas dazwischen. Fakt ist: Der HSV ist sich mit Westermann und auch mit Schalke einig, an diesem Montag soll, an diesem Montag könnte die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt werden. Ich weiß nicht, das gebe ich zu, ob die Sporttauglichkeits-Untersuchung schon erfolgt ist, wenn nein, so könnte sie natürlich, falls sie negativ ausfallen sollte, auch noch etwas verändern – oder verhindern. Ansonsten steht einer Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege. Übrigens: Westermann hat am Sonntag volle 90 Minuten für Schalke 04 gespielt. So, nun geht es so weiter, wie am Abend bereits veröffentlicht.

0:0 in Lübeck gegen Juventus Turin, der HSV bleibt ungeschlagen. Das Spiel war trotz der fehlenden Tore gut anzusehen, aber ich gehe darauf erst später ein. Wichtiger erscheint mir eine Meldung in Sachen Neuverpflichtung: Heiko Westermann soll zum HSV wechseln. Ein ehemaliger Bundesliga-Trainer, mit dem ich befreundet bin, gab mir diesen Tipp während der 90 Minuten in Lübeck. Er sagt, dass dieser Wechsel perfekt sei. Warten wir mal ab. Der HSV wollte ja mit seinen Neuzugängen ins österreichische Trainingslager nach Längenfeld, und das beginnt an diesem Mittwoch. Bis dahin müsste Westermann dann unterschrieben haben. Und noch eine Personalie soll „rund“ sein: Marcus Berg soll, so ein Gerücht, zu Ajax Amsterdam gehen. Das aber stimmt so nicht, wie Medien-Chef Jörn Wolf behauptet: „Wer das erzählt, der hat es exklusiv.“ Wahrscheinlich wird da Eindhoven mit Amsterdam verwechselt. Aber abwarten.

Zum Fußball: Spiele gegen Juventus haben es immer in sich. Weil die Italiener immer so richtig schön zur Sache gehen. Mal offen, mal versteckter, aber meistens sehr hart, einige Male auch überhart und böse. So wie in der 50. Minute, als Lanzafame den HSV-Kapitän ganz, ganz übel umtrat. Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) stand daneben, zog aber nicht einmal die Gelbe Karte. Was ich dem Unparteiischen sogar noch nachsehen kann, denn für einen Deutschen ist es schwer, eine deutsche Mannschaft gegen tretende Italiener zu pfeifen. Ich möchte eine solche undankbare Aufgabe niemals übernehmen. Bitter ist nur, dass Ze Roberto mit einer Knöchelverletzung (rechts) ausscheiden musste, der Fuß ist geschwollen, morgen soll die genauere Untersuchung erfolgen. Ich vermute, so wie dieses Foul aussah, eine Bänderverletzung.

Ansonsten bleibt sportlich festzustellen, dass dieses Spiel schon besser war, als noch das 3:3 gegen und in Split. Der HSV spielte geordneter und disziplinierter, stand in der Defensive sicherer und ließ sich auch nicht durch italienische Konter überrumpeln.

Frank Rost im Tor bot eine fehlerlose Partie, er spielte so, wie ihn die Hamburger kennen und schätzen. Dennis Diekmeier hatte ein, zwei Szenen, die unglücklich aussahen (ein Rückpass!), ansonsten aber deutete er sein Können an. Offensiv ist der junge Mann schon eine sehr gute „Waffe“, dass er flanken kann, war einige Male zu sehen. Der noch jüngere Mohamed Besic (17, spielte nur eine Halbzeit) wirkte auf mich diesmal weniger nervös, als noch bei seiner Premiere in Split. Ich denke, dass Armin Veh mit seiner Nominierung ein sehr gutes Auge bewiesen hat, Besic wirkt auf mich auf jeden Fall besser, als alle anderen Nachwuchsspieler, die sich in der jüngsten Vergangenheit auf den defensiven Positionen versucht haben.

David Rozehnal zeigte diesmal ein solides Spiel, er hatte zwar auch in Lübeck nicht immer nur souveräne Szenen, aber insgesamt wirkte er auf mich ein wenig stabiler als zuletzt. Die Überraschung in der Defensive war die Nominierung des Linksverteidigers: Ze Roberto. Das nenne ich Mut. Veh hat ihn ganz offenbar, auf die Idee wäre wohl kaum ein anderer Hamburger gekommen. Und: Ze Roberto spielte gut, wenn er auch defensiv kaum einmal gefordert wurde. Dennoch eine gute Sache, denn im Umschalten von Abwehr auf Angriff ist er ohnehin ein Weltmeister – ich finde, dass dieser Schachzug äußerst gelungen war. Wenn ich aber auch zugeben muss, dass dieses Experiment sicher keine Zukunft hat, denn: Es gibt ja Dennis Aogo und Marcell Jansen.

Im Mittelfeld ackerte David Jarolim wie gewohnt jeden Zentimeter des Rasens ab – mir hat „Jaro“ wieder einmal sehr gut gefallen. Er holte sich viele Bälle, stopfte viele Lücken, und er trennte sich viel schneller vom Ball, als noch vor Monaten. Er hat es begriffen, was der Trainer will. Dass Jarolim einmal versuchte, einen Elfmeter zu schinden, sehe ich ihm nach, obwohl ich natürlich weiß, dass es nicht okay ist, und dass es wieder viele von Euch auf die Palme bringt. Der Versuch und mein Nachsehen.

Tomas Rincon verdarb sich sein Spiel mit einem überflüssigen Foul, das er sich bereits nach Sekunden leistete. Als er später die Gelbe Karte sah, war er um seine Stärke gebracht. Dennoch behaupte ich: Rincon zeigte einmal mehr gute Ansätze, der Junge ist erst 22 Jahre alt, der ist schon ein (kleines) Juwel.

Das trifft natürlich auch Heung Min Son zu, der Koreaner spielte von Beginn an und bewies in Dribblings sein großes Talent und seinen großen Mut. Son schreckte auch vor großen Namen nicht zurück, er ging dorthin, wo es wehtut – der Junge ist klasse, der Junge wird allen HSV-Fans noch viel, viel Freude bereiten.

Paolo Guerrero schlüpft immer mehr in die ihm zugedachte Rolle des Spielmachers. Er ist ein Super-Fußballer, er ist dribbelstark und hat Ideen, er ist clever und er hat ein gutes Auge. Was er meiner Meinung noch ein wenig mehr haben müsste: Tempo. Das fehlt mir gelegentlich, aber wenn er auch das noch hätte, dann wäre diese Rolle mit ihm perfekt besetzt. In Halbzeit zwei allerdings ließ Guerrero stetig nach, aber das lässt sich ja noch im Training regeln.

Jonathan Pitroipa war nicht so auffällig wie in Split, hatte aber dennoch einige viel versprechende Szenen, und einige (wenige) auch, die schon sehr, sehr gut aussahen. Ihm geht es zurzeit hervorragend, er spürt das Vertrauen des Trainers, und er sagt über sich: „Ich habe in den zwei Jahren, in denen ich beim HSV bin, sehr viel gelernt. Und ich bin mental stärker geworden.“ Das zeigt sich auch daran, dass er auf Deutsch spricht – was er bislang kaum einmal gemacht hat. Mir hat er auf jeden Fall verraten, dass seine einst geäußerten Wechselabsichten im Moment kein Thema mehr sind, er will beim HSV Gas geben und mithelfen, eine bessere Saison zu spielen. Besser für den Klub, besser für ihn.

Vorne war Mladen Petric (für den leicht angeschlagenen Ruud van Nistelrooy) die einzige Spitze, und auch wenn er phasenweise nicht zu sehen war, so behaupte ich: Petric hat, trotz dieser Pausen, ein gutes Spiel gemacht. Er hatte es oft mit einer Übermacht an italienischen Abwehrspielern zu tun, dafür hat er sich meiner Meinung nach recht gut (spielerisch) behauptet. Schade war nur, dass seine Freistöße so katastrophal waren. Am Sonnabend hatte er nach dem Training noch freiwillig geübt, da sahen seine Schüsse doch wesentlich besser aus. Und wir wissen ja auch alle, dass er es eigentlich gut kann. Hoffen wir, dass es wieder besser wird.

Zur Pause kam Collin Benjamin für Besic, „Collo“ spielte abgeklärt und fehlerlos, er ist eben der „Mr. Zuverlässig“ des HSV. Robert Tesche kam für Rincon, das war auch absolut okay. Und als Ze Roberto raus musste, trat Lennard Sowah in das Spiel, und auch er gefiel mir. Ließ er sich doch nicht von großen Namen schocken, sondern hielt sehr gut dagegen, stellte auch einige Male seinen Körper zwischen Ball und Gegner – das sah viel versprechend aus.

Auch der eingewechselte Marcus Berg hatte noch zwei Chancen, aber ihn hat ganz einfach das Glück verlassen. Hoffen wir für ihn, dass es in den Niederlanden zu ihm zurückkehren wird.

Fazit: Es sieht weiterhin nach Fußball aus, was der HSV seinen Fans anbietet. Und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Veh-Truppe eine bessere Rolle in der Bundesliga spielen wird, als zuletzt. Der HSV hatte sich in der vergangenen Saison (mehr als „erlaubt“) sehr gut verstärkt, es kam leider nicht so viel dabei herum. Auch deshalb, weil es zwischen Mannschaft und Trainer nicht so recht passte. Mit der „alten“ Mannschaft, von der nur Jerome Boateng fehlt, und mit dem neuen Trainer – das könnte doch gehen. Zumal es ja noch mindestens eine weitere Neuerwerbung geben soll – außer Westermann.

21.11 Uhr

“Gänsehautmomente”

8. Oktober 2009

So, gejammert wird nicht mehr! Und aufgebaut auch nicht, alles wird gut – habe ich gerade bei „Matz ab“ gelesen. Und der Anfang ist ja auch gemacht. Jerome Boateng soll, so werden die Zeichen in Mainz gedeutet, am Sonnabend im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Moskau gegen Russland in der Startformation stehen. Wenn das nicht erfreulich ist! Obwohl? Ein ganz kleines mulmiges Gefühl habe ich schon dabei. Was ist, wenn er in seinem ersten Länderspiel nervös wird? Und daraus resultiert dann auch noch. . . Nein, ich weigere mich, diesen Satz zu Ende zu bringen. Alles wird gut. Und wenn nicht, dann trifft den Herrn Bundestrainer ganz sicher auch eine Mitschuld, denn die eventuelle Nervosität Boatengs hätte er in den jüngsten Länderspielen, fast alles Pille-palle-Partien, schon frühzeitig abbauen können. Aber gut Ding will eben auch beim DFB etwas Weile haben.

Gilt aber auch für „Matz ab“. Vor Wochen hatten wir einmal das Thema (kam aus Euren Reihen) „Gänsehautmomente“. Ich habe mal darüber nachgedacht, was ich seit über 50 Jahren mit dem HSV erlebt habe, wann ich solche Gefühle hatte. Die Liste ist ganz sicher nicht vollständig, aber es beginnt schon sehr früh. Nämlich in der Oberliga Nord, es muss 1961 oder 1962 gewesen sein: Der HSV traf am Rothenbaum auf Bergedorf 85, er gewann, so versuche ich mich zu erinnern, 4:1. Es war einer jener Tage, an dem es nicht hell wurde in Hamburg, und es schüttete ohne Ende. In der Südkurve (zur Kirche hin) standen nur einige Aufrechte. Und ich. Es mögen zwölf bis 15 Fans gewesen sein, wir waren schon alle nass wie die Katzen. Dazu der Sturm – man musste schon ein echt hartgesottener Anhänger sein, um das zu ertragen. Aber man hielt ja durch, auch als kleiner Knabe. Und irgendwann, es war wohl Mitte der ersten Halbzeit, kam das HSV-Unikum „Seppl“ Derkum zu uns. Er war das Mädchen für alles beim HSV, er hatte Narrenfreiheit am Rothenbaum, und er war so beliebt wie heute Hermann Rieger. „Seppl“ fluchte still vor sich, als er vor uns trat. „Bei diesem Wetter schickt man ja keinen Hund vor die Tür“, und so weiter. Und er sagte: „So, ihr krabbelt jetzt alle über die Barriere und kommt mit mir auf die Tribüne am Turmweg.“ Das war der erste Gänsehautmoment beim HSV für mich. Ich kleiner Schüler, keinen Pfennig auf der Naht, durfte auf die (Steh-)Tribüne, was für ein Glücks-Tag!

So richtig Gänsehaut hatte ich auch im Dezember 1961, als der HSV im Volksparkstadion auf die deutsche Nationalmannschaft traf. Tagsüber war es nicht unbedingt bitterkalt, und ich fuhr schon nachmittags mit der Bahn Richtung Stadion. Nur mit einem Pullover bekleidet. Als die Stadiontore geöffnet wurden, pfiff schon ein eisiger Wind durch das Oval, und ich stellte mich ganz unten in die erste Reihe der Westkurve. Ich gebe es ehrlich zu: Nie wieder habe ich in meinem Leben so gefroren, wie bei diesem Spiel. Es herrschte Orkan über Hamburg, und es waren inzwischen Minustemperaturen. Mit 0:3 lag der HSV vor 65 000 Zuschauen (3000 waren über die Zäune geklettert!) zur Pause zurück, der Orkan hatte alle Tore im Osten fallen lassen. Und in der zweiten Halbzeit schoss der HSV noch vier Tore gegen Hans Tilkowski, dreimal traf Uwe Seeler, dann erzielte Klaus Neisner den Siegtreffer. Alle sieben Tore waren im Osten gefallen – so ein Pech. Und ich hatte zweimal Gänsehaut. Einmal wegen der Kälte, dann auch wegen des Sieges, der stürmisch gefeiert wurde – im wahrsten Sinne des Wortes.

Und: Heute vor ungefähr 29 Jahren hatte ich ebenfalls Gänsehaut. Da stand ich vor meinem ersten Interview mit Uwe Seeler. Früher war er mein ganz großes Idol, mein Vorbild, ich bin auf dem Bolzplatz oft in seine Rolle geschlüpft – und dann durfte ich mit ihm in seiner Norderstedter Firma an der Ulzburger Straße an einem Tisch sitzen, er beantwortete meine Fragen. Das war ein unglaubliches Glücksgefühl.

Gänsehaut bekam ich auch im Herbst 1991. Ich sah dem HSV dienstlich beim Training zu (Ochsenzoll, ganz hinten links auf dem Platz), als es plötzlich einen lauten Knall gab. Und Schreie. Ich konnte erst gar nicht begreifen, was da vor sich gegangen war, denn es hatte keinen Zweikampf gegeben. Andreas Merkle aber lag am Boden und schrie vor Schmerzen laut auf. Ihm war die Achillessehne gerissen. Der laute Knall rührte daher. Unfassbar, wie laut das war. Und wie hilflos ein „Kerl wie ein Baum“ da lag und nicht weiter konnte.

Gänsehaut bei einem Spiel? Natürlich gab es das auch. Der 4:1-Sieg über den FC Burnley im März 1961 gehört natürlich dazu. Der 1:0-Erfolg im Mai 1983 in Athen im Europapokalfinale der Landesmeister gegen Juventus Turin, selbstverständlich. Und dann werde ich den 13. September 2000 nie vergessen. Dazu muss ich ein wenig ausholen: Das Hamburger Abendblatt wird (bis auf freitags, da noch früher) um 22 Uhr angedruckt. Ein Champions-League-Spiel aber ist erst gegen 23.35 Uhr beendet. Also muss in den Raum auf der Seite, in dem später der Spieltext stehen soll, vorher ein anderer Text einfließen, damit angedruckt werden kann. Andruck-Exemplar wird das genannt. An diesem Tag aber war alles anders beim Abendblatt, denn der HSV traf auf Juventus Turin.

Also entschieden die Chefs: Wir drucken nicht um 22 Uhr an, wir drucken mit dem Schlusspfiff an. Erstmalig und einmalig. Wir waren mit vier Kollegen im Stadion, damit wir auch mit dem Schlusspfiff fertig sein würden. Ich hatte die Aufgabe, den Spieltext zu schreiben. Es wurde der Horror! Der HSV lag 0:2 und 1:3 zurück – ich schrieb, logisch, von einer (bevorstehenden) Niederlage. Plötzlich hieß es 3:3. Im Stadion war der Teufel los, aber ich schrieb den ganzen Text wieder um – Unentschieden. Es hieß ja aus der Chefredaktion: Mit dem Schlusspfiff fertig sein! Dann führte der HSV. Wieder umschreiben, diesmal auf Sieg. Dann 4:4, kurz vor dem Schlusspfiff. Unglaublich. Der Wahnsinn! Wieder umschreiben. Es drehten sich mir die Sinne. Vom Spiel sah ich in der zweiten Halbzeit nichts, die Kollegen schilderten mir ihre Eindrücke, die ich in den Computer gab. Da macht sich kein Leser am nächsten Tag Gedanken, wie so etwas gelaufen ist. Auf jeden Fall schafften wir es, pünktlich vom Hof zum kommen. Mit Gänsehautfeeling total. Und nachts sah ich mir das Spiel dann im Fernsehen an.

Ja, es gibt sicher noch den einen oder anderen Moment mehr, bei dem meine Haut eine etwas andere Konsistenz hatte. Solltet Ihr nun Eure Gedanken aufschreiben, werde ich mich sicher dabei ertappt fühlen, dass es für mich noch wesentlich mehr Spiele und Situationen gab, in denen ich eine HSV-Gänsehaut hatte. Und wer weiß, vielleicht ist das ja auch nach dem Spiel in acht Tagen gegen Bayer Leverkusen wieder der Fall.

12.20 Uhr

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.