Archiv für das Tag 'Jol'

Wenn…

10. Mai 2015

  1. … der HSV in Stuttgart gewinnt, dann reicht die Niederlage eines anderen Konkurrenten (Freiburg gegen die Bayern, Hannover in Augsburg, Paderborn in Schalke), damit der HSV nicht mehr direkt absteigt.
  2. … der HSV in Stuttgart gewinnt, und zwei andere Konkurrenten verlieren, dann ist der HSV gerettet.
  3. … der HSV in Stuttgart gewinnt, und alle drei anderen Konkurrenten gewinnen ebenfalls, dann kann der HSV mit einer Niederlage gegen Schalke noch direkt absteigen.
  4. … der HSV in Stuttgart Unentschieden spielt oder verliert, dann werden alle Entscheidungen auf den letzten Spieltag vertagt.
  5. … der HSV in Stuttgart verliert und alle anderen Konkurrenten gewinnen, was der ungünstigste Fall wäre, dann würde dem HSV nicht einmal ein Sieg gegen Schalke ohne Schützenhilfe den Klassenerhalt sichern.

 

Mit anderen Worten: Der HSV muss auf jeden Fall punkten, um sein Schicksal am letzten Spieltag in den eigenen Händen zu halten.

Soweit zum Spekulationsbereich, der sich aus dem heutigen Nachmittagsspiel, dass der SC Paderborn gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3 verloren hat, ergibt.

Die Situation im Tabellenkeller:

  • 13. Hertha          -15 34 (H Frankfurt, A Hoffenheim)
  • 14. HSV              -26 32 (A Stuttgart, H Schalke)
  • 15. Freiburg        -11 31   (H Bayern, A Hannover)
  • 16. Hannover      -18 31  (A Augsburg, H Freiburg)
  • 17. Paderborn     -32 31  (A Schalke, H Stuttgart)
  • 18. Stuttgart       -20 30 (H HSV, A Paderborn)

 

Trainer Bruno Labbadia hat seinen Profis für heute und für morgen weitestgehend frei gegeben. Luft holen nach dem Kraftakt gegen den SC Freiburg. „Wir wollen dann am Dienstag frisch und ausgeruht in die Trainingswoche vor dem Spiel gegen Stuttgart gehen“, begründete Labbadia seine Maßnahme. Einige Spieler müssen am Montag aber trotzdem zur Arena kommen, andere wüssten, so Labbadia, dass sie morgen eigenständig ein kleines Programm zu absolvieren hätten.

 

Und dann geht die Reise weiter. Zwar gab es die rechnerische Hoffnung, dass sich die Hamburger gegen Freiburg befreien konnten, doch dem war nicht so. „Wir haben uns im Rennen gehalten“, so Labbadia. „Vor kurzem waren wir am Ertrinken, nun haben wir die Lippen über Wasser und Luft bekommen. Die Situation ist besser als vor ein paar Wochen, aber es wird ein Kampf bis zum letzten Tag.“ So und nicht anders sieht es wohl aus, wenn am kommenden Wochenende nicht die beste aller oben skizzierten Konstellationen eintritt.

 

Dass es ein erneuter Kraftakt wird, dessen Ausgang ungewiss ist, hat schon eine Aussage von Gojko Kacar am Freitagabend gezeigt. Der Serbe wurde wieder zum Held für einen Tag und bekannte anschließend, wie müde er sei. „Wenn man die ganze Saison unten steht, ist man emotional etwas platt. Außerdem vertraut man nicht so in sein Spiel. Am Ende haben wir das Tor nur mit Willen getroffen.“ Und genau diese Eigenschaft gilt es noch zwei Mal abzurufen – und gerade vor dem Hintergrund der Selbsteinschätzung Kacars ist Labbadias Entscheidung, erst am Dienstag wieder in den geregelten Trainingsbetrieb zu gehen, einzuordnen.

 

Labbadia muss mit seinen Personalentscheidungen und mit seiner Aufstellung in Stuttgart nun die richtigen Lehren aus den Fehlern im Freiburg-Spiel ziehen. Ich habe über den Auftritt des HSV mit Martin Jol gesprochen, der ja erstmals seit seinem Abschied 2009 wieder im Volksparkstadion war. Zwei Dinge waren Jol insbesondere aufgefallen: „Rajkovic ist das Opfer der HSV-Spielweise.“ Und: „van der Vaart und Holtby sind gute Spieler. Aber sie bekommen überhaupt nicht den Ball.“

 

Zum Thema Rajkovic hat Scholle gestern schon etwas geschrieben. Die Verteidiger hatten keine Anspielstationen im Mittelfeld, weswegen vor allem Rajkovic zu einigen haarsträubenden langen Schlägen gezwungen war. Er hatte die meisten Ballkontakte aller HSV-Spieler, immerhin 71 Prozent seiner Pässe kamen auch an, aber dabei war viel Quergeschiebe, ehe der Pass in die Tiefe allzu oft beim Gegner landete. Außenverteidiger standen zu hoch, zentrale Mittelfeldspieler haben den Aufbau nicht an sich gerissen – darunter litt Rajkovic ganz besonders.

 

„Wir sind sehr selbstkritisch mit dem Spiel umgegangen“, sagte Bruno Labbadia dazu. „Teilweise war es mehr das Negative, das auch die Mannschaft angesprochen hat. Sie waren sehr selbstkritisch. Wir haben uns nicht optimal mit dem Ball verhalten und Fehler gemacht in der Vorwärtsbewegung.“ Rafael van der Vaart, um zu Martin Jols zweiter Anmerkung zu kommen, hatte mit 12,7 Kilometern Laufleistung den höchsten Wert aller Hamburger Spieler. Doch ist Laufen seine größte Stärke? Van der Vaart hatte nur 57 Ballkontakte – gerade einmal halb so viele wie Rajkovic. Und Lewis Holtby hatte in seiner knappen Stunde auf dem Rasen nur 33 Mal den Ball. Dass beiden Kreativen, van der Vaart und Holtby, darüber hinaus äußerst wenig aus ihren Aktionen gemacht haben, kommt erschwerend hinzu.

 

Welche personellen Alternativen ergeben sich nun fürs Stuttgart-Spiel? Diaz im zentralen Mittelfeld statt van der Vaart. Diekmeier als Rechtsverteidiger, dafür Westermann statt Rajkovic in der Mitte. Jansen für Holtby. Das sind Gedankenspiele, wobei Labbadia ja dazu neigt, wenig zu verändern. Wir werden sehen.

 

Vor allem ist und bleibt ALLES eine Frage der Einstellung. Labbadia: „Entscheidend aber war gegen Freiburg, dass wir in der zweiten Halbzeit Mut gezeigt haben. Das nehme ich mit.“ Und die Mannschaft sollte es auch, sonst steht der aktuelle Tabellenletzte VfB Stuttgart nach dem 33. Spieltag vor dem HSV. Als Sinnbild bezeichnete Labbadia dabei die Leistungssteigerung von Gojko Kacar während des Spiels: „Er hat wie einige andere in der ersten Halbzeit nicht so gut gespielt Aber er hat es in der zweiten korrigiert, war kurz am Boden und ist wieder aufgestanden. Mit dem Tor hat er sich belohnt und die Mannschaft reich beschenkt.“

 

Wie reich und was dieser eine Punkt am Ende bringt – auch das werden wir sehen.

 

Gestern waren Labbadias Assistent Eddy Sözer und der Direktor Profifußball Peter Knäbel live in Stuttgart. Dort haben sie sich das 2:0 des VfB gegen Mainz 05 angesehen. In Stuttgart war, abgesehen davon, dass der Sieg verdient war, eine ebenso stürmische Atmosphäre wie in den letzten zwei Heimspielen des HSV zu erleben. Und auch darauf müssen sich die Hamburger Spieler einstellen. Beim VfB wird ähnlich um den Klassenerhalt gefightet wie in Hamburg. Und die Stuttgarter haben ähnlich wie der HSV alles selbst in der Hand. Zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten – Huub Stevens wird alles mobilisieren, damit sein Ruf als ultimativer Retter auch danach noch Bestand hat.

 

Neben den aktuellen Sorgen um den Klassenerhalt nehmen natürlich auch die Meldungen und Gerüchte zu, was das HSV-Gesicht der kommenden Saison angeht. Während Bruno Labbadia nach wie vor versichert, sich um dieses Thema im Moment überhaupt nicht zu kümmern, gehen Namen rum. Jonathan Schmid vom SC Freiburg; heute kam aus Frankreich die Meldung, die Hamburger würde sich um den mosambikanischen (heißt das so???) Innenverteidiger Mexer von Stade Rennes kümmern.

 

Im Gegenzug werden auch hier in den Kommentaren Dutzendweise Namen von aktuellen HSV-Spielern genannt, die bitteschön endlich verschwinden sollen. Ich finde, mit allem muss man sich inzwischen mal ein wenig zurückhalten. Was wurde geschimpft auf van der Vaart, Ilicevic und Co. – jetzt hat sie Bruno Labbadia zu seiner Rettungsmission reaktiviert. Ein Spieler, ob Behrami, Cleber oder Kacar, funktioniert immer im Mannschafts- oder Vereinsgefüge. Natürlich sind einige nach Jahren der Misserfolge und der Querelen in Hamburg wie durch den Fleischwolf gedreht und entsprechend erfolgen auch personelle Wechsel. Entscheidend aber ist, dass Bruno Labbadia ein Gefüge entwickelt, einen Mannschaftsgedanken fortführt, den er auch jetzt immer im Abstiegskampf betont. Auf einer anderen Grundlage sind Augsburg, Mainz und Freiburg in den vergangenen Jahren auch nicht erfolgreich gewesen. Auf dieser Grundlage funktioniert – in seiner deutlich höheren Spielklasse – auch der FC Bayern. Ich möchte einfach nicht wieder millionenschwere Spieler in Hamburg sehen, die ihr Eingewöhnungspaket wie einen Ballast auf dem Rücken herumtragen. Ich möchte keine Kompromiss-Transfers (Aggressive Leader, aber chronisch verletzt) oder hektische Last-Minute-Aktionen (Stürmer mit HSV-Gen, aber kurz vor der Rente) erleben. Dies nur als Gedankenansatz – die Zukunftsplanungen und vor allem die Fehler-Analyse dieser Saison, die sich ganz stark auf die Vereins-Spitze beziehen muss, werden folgen, wenn’s geschafft ist.

 

Vorbei ist es in der Zwischenzeit wohl für die U 23 von Rodolfo Cardoso. Nach dem 1:0 unter der Woche gegen Werder Bremen gab es heute eine 0:2-Niederlage gegen den TSV Havelse. Und diese Niederlage war hochverdient. Der Koreaner Kim in der Innenverteidigung leitete das 0:1 mit einem schlimmen Stockfehler ein (später sah Kim nach einem Ellbogenschlag auch noch Rot – aber die Entscheidung war zu hart, so schlimm war der Hieb nicht). Torchancen für den HSV gab es kaum, was auch an einem recht blutarmen Auftritt von Maximilian Beister lag, über dessen Leistung auf der Tribüne kräftig geschimpft wurde.

 

Morgen ist noch einmal trainingsfrei, ehe es am Dienstag mit zwei Einheiten am Stadion weitergeht.

 

Lars

18.10 Uhr

Nächste Einträge »