Archiv für das Tag 'Jol'

Beiersdorfer freut sich auf den FC Bayern – Gregoritsch soll der erste Neue werden

26. Juni 2015

Kaum zu fassen! Der HSV hat die alte Bundesliga-Saison abgeschlossen mit dem Relegations-Krimi in Karlsruhe – und der HSV eröffnet das neue Spieljahr gleich mit dem ersten Auftritt beim FC Bayern München. Was haben sich die Spielplangestalter der DFL dabei bloß gedacht? Wahrscheinlich ist ein Eröffnungsspiel noch nie unter solch klaren Vorzeichen gestartet worden. Das schreibe ich zwar jetzt hier knapp zwei Monate vor dem Anpfiff, aber an der Konstellation wird sich nicht nennenswert etwas ändern. Den ganzen Beitrag lesen »

Wenn…

10. Mai 2015

  1. … der HSV in Stuttgart gewinnt, dann reicht die Niederlage eines anderen Konkurrenten (Freiburg gegen die Bayern, Hannover in Augsburg, Paderborn in Schalke), damit der HSV nicht mehr direkt absteigt.
  2. … der HSV in Stuttgart gewinnt, und zwei andere Konkurrenten verlieren, dann ist der HSV gerettet.
  3. … der HSV in Stuttgart gewinnt, und alle drei anderen Konkurrenten gewinnen ebenfalls, dann kann der HSV mit einer Niederlage gegen Schalke noch direkt absteigen.
  4. … der HSV in Stuttgart Unentschieden spielt oder verliert, dann werden alle Entscheidungen auf den letzten Spieltag vertagt.
  5. … der HSV in Stuttgart verliert und alle anderen Konkurrenten gewinnen, was der ungünstigste Fall wäre, dann würde dem HSV nicht einmal ein Sieg gegen Schalke ohne Schützenhilfe den Klassenerhalt sichern.

 

Mit anderen Worten: Der HSV muss auf jeden Fall punkten, um sein Schicksal am letzten Spieltag in den eigenen Händen zu halten.

Soweit zum Spekulationsbereich, der sich aus dem heutigen Nachmittagsspiel, dass der SC Paderborn gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3 verloren hat, ergibt.

Die Situation im Tabellenkeller:

  • 13. Hertha          -15 34 (H Frankfurt, A Hoffenheim)
  • 14. HSV              -26 32 (A Stuttgart, H Schalke)
  • 15. Freiburg        -11 31   (H Bayern, A Hannover)
  • 16. Hannover      -18 31  (A Augsburg, H Freiburg)
  • 17. Paderborn     -32 31  (A Schalke, H Stuttgart)
  • 18. Stuttgart       -20 30 (H HSV, A Paderborn)

 

Trainer Bruno Labbadia hat seinen Profis für heute und für morgen weitestgehend frei gegeben. Luft holen nach dem Kraftakt gegen den SC Freiburg. „Wir wollen dann am Dienstag frisch und ausgeruht in die Trainingswoche vor dem Spiel gegen Stuttgart gehen“, begründete Labbadia seine Maßnahme. Einige Spieler müssen am Montag aber trotzdem zur Arena kommen, andere wüssten, so Labbadia, dass sie morgen eigenständig ein kleines Programm zu absolvieren hätten.

 

Und dann geht die Reise weiter. Zwar gab es die rechnerische Hoffnung, dass sich die Hamburger gegen Freiburg befreien konnten, doch dem war nicht so. „Wir haben uns im Rennen gehalten“, so Labbadia. „Vor kurzem waren wir am Ertrinken, nun haben wir die Lippen über Wasser und Luft bekommen. Die Situation ist besser als vor ein paar Wochen, aber es wird ein Kampf bis zum letzten Tag.“ So und nicht anders sieht es wohl aus, wenn am kommenden Wochenende nicht die beste aller oben skizzierten Konstellationen eintritt.

 

Dass es ein erneuter Kraftakt wird, dessen Ausgang ungewiss ist, hat schon eine Aussage von Gojko Kacar am Freitagabend gezeigt. Der Serbe wurde wieder zum Held für einen Tag und bekannte anschließend, wie müde er sei. „Wenn man die ganze Saison unten steht, ist man emotional etwas platt. Außerdem vertraut man nicht so in sein Spiel. Am Ende haben wir das Tor nur mit Willen getroffen.“ Und genau diese Eigenschaft gilt es noch zwei Mal abzurufen – und gerade vor dem Hintergrund der Selbsteinschätzung Kacars ist Labbadias Entscheidung, erst am Dienstag wieder in den geregelten Trainingsbetrieb zu gehen, einzuordnen.

 

Labbadia muss mit seinen Personalentscheidungen und mit seiner Aufstellung in Stuttgart nun die richtigen Lehren aus den Fehlern im Freiburg-Spiel ziehen. Ich habe über den Auftritt des HSV mit Martin Jol gesprochen, der ja erstmals seit seinem Abschied 2009 wieder im Volksparkstadion war. Zwei Dinge waren Jol insbesondere aufgefallen: „Rajkovic ist das Opfer der HSV-Spielweise.“ Und: „van der Vaart und Holtby sind gute Spieler. Aber sie bekommen überhaupt nicht den Ball.“

 

Zum Thema Rajkovic hat Scholle gestern schon etwas geschrieben. Die Verteidiger hatten keine Anspielstationen im Mittelfeld, weswegen vor allem Rajkovic zu einigen haarsträubenden langen Schlägen gezwungen war. Er hatte die meisten Ballkontakte aller HSV-Spieler, immerhin 71 Prozent seiner Pässe kamen auch an, aber dabei war viel Quergeschiebe, ehe der Pass in die Tiefe allzu oft beim Gegner landete. Außenverteidiger standen zu hoch, zentrale Mittelfeldspieler haben den Aufbau nicht an sich gerissen – darunter litt Rajkovic ganz besonders.

 

„Wir sind sehr selbstkritisch mit dem Spiel umgegangen“, sagte Bruno Labbadia dazu. „Teilweise war es mehr das Negative, das auch die Mannschaft angesprochen hat. Sie waren sehr selbstkritisch. Wir haben uns nicht optimal mit dem Ball verhalten und Fehler gemacht in der Vorwärtsbewegung.“ Rafael van der Vaart, um zu Martin Jols zweiter Anmerkung zu kommen, hatte mit 12,7 Kilometern Laufleistung den höchsten Wert aller Hamburger Spieler. Doch ist Laufen seine größte Stärke? Van der Vaart hatte nur 57 Ballkontakte – gerade einmal halb so viele wie Rajkovic. Und Lewis Holtby hatte in seiner knappen Stunde auf dem Rasen nur 33 Mal den Ball. Dass beiden Kreativen, van der Vaart und Holtby, darüber hinaus äußerst wenig aus ihren Aktionen gemacht haben, kommt erschwerend hinzu.

 

Welche personellen Alternativen ergeben sich nun fürs Stuttgart-Spiel? Diaz im zentralen Mittelfeld statt van der Vaart. Diekmeier als Rechtsverteidiger, dafür Westermann statt Rajkovic in der Mitte. Jansen für Holtby. Das sind Gedankenspiele, wobei Labbadia ja dazu neigt, wenig zu verändern. Wir werden sehen.

 

Vor allem ist und bleibt ALLES eine Frage der Einstellung. Labbadia: „Entscheidend aber war gegen Freiburg, dass wir in der zweiten Halbzeit Mut gezeigt haben. Das nehme ich mit.“ Und die Mannschaft sollte es auch, sonst steht der aktuelle Tabellenletzte VfB Stuttgart nach dem 33. Spieltag vor dem HSV. Als Sinnbild bezeichnete Labbadia dabei die Leistungssteigerung von Gojko Kacar während des Spiels: „Er hat wie einige andere in der ersten Halbzeit nicht so gut gespielt Aber er hat es in der zweiten korrigiert, war kurz am Boden und ist wieder aufgestanden. Mit dem Tor hat er sich belohnt und die Mannschaft reich beschenkt.“

 

Wie reich und was dieser eine Punkt am Ende bringt – auch das werden wir sehen.

 

Gestern waren Labbadias Assistent Eddy Sözer und der Direktor Profifußball Peter Knäbel live in Stuttgart. Dort haben sie sich das 2:0 des VfB gegen Mainz 05 angesehen. In Stuttgart war, abgesehen davon, dass der Sieg verdient war, eine ebenso stürmische Atmosphäre wie in den letzten zwei Heimspielen des HSV zu erleben. Und auch darauf müssen sich die Hamburger Spieler einstellen. Beim VfB wird ähnlich um den Klassenerhalt gefightet wie in Hamburg. Und die Stuttgarter haben ähnlich wie der HSV alles selbst in der Hand. Zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten – Huub Stevens wird alles mobilisieren, damit sein Ruf als ultimativer Retter auch danach noch Bestand hat.

 

Neben den aktuellen Sorgen um den Klassenerhalt nehmen natürlich auch die Meldungen und Gerüchte zu, was das HSV-Gesicht der kommenden Saison angeht. Während Bruno Labbadia nach wie vor versichert, sich um dieses Thema im Moment überhaupt nicht zu kümmern, gehen Namen rum. Jonathan Schmid vom SC Freiburg; heute kam aus Frankreich die Meldung, die Hamburger würde sich um den mosambikanischen (heißt das so???) Innenverteidiger Mexer von Stade Rennes kümmern.

 

Im Gegenzug werden auch hier in den Kommentaren Dutzendweise Namen von aktuellen HSV-Spielern genannt, die bitteschön endlich verschwinden sollen. Ich finde, mit allem muss man sich inzwischen mal ein wenig zurückhalten. Was wurde geschimpft auf van der Vaart, Ilicevic und Co. – jetzt hat sie Bruno Labbadia zu seiner Rettungsmission reaktiviert. Ein Spieler, ob Behrami, Cleber oder Kacar, funktioniert immer im Mannschafts- oder Vereinsgefüge. Natürlich sind einige nach Jahren der Misserfolge und der Querelen in Hamburg wie durch den Fleischwolf gedreht und entsprechend erfolgen auch personelle Wechsel. Entscheidend aber ist, dass Bruno Labbadia ein Gefüge entwickelt, einen Mannschaftsgedanken fortführt, den er auch jetzt immer im Abstiegskampf betont. Auf einer anderen Grundlage sind Augsburg, Mainz und Freiburg in den vergangenen Jahren auch nicht erfolgreich gewesen. Auf dieser Grundlage funktioniert – in seiner deutlich höheren Spielklasse – auch der FC Bayern. Ich möchte einfach nicht wieder millionenschwere Spieler in Hamburg sehen, die ihr Eingewöhnungspaket wie einen Ballast auf dem Rücken herumtragen. Ich möchte keine Kompromiss-Transfers (Aggressive Leader, aber chronisch verletzt) oder hektische Last-Minute-Aktionen (Stürmer mit HSV-Gen, aber kurz vor der Rente) erleben. Dies nur als Gedankenansatz – die Zukunftsplanungen und vor allem die Fehler-Analyse dieser Saison, die sich ganz stark auf die Vereins-Spitze beziehen muss, werden folgen, wenn’s geschafft ist.

 

Vorbei ist es in der Zwischenzeit wohl für die U 23 von Rodolfo Cardoso. Nach dem 1:0 unter der Woche gegen Werder Bremen gab es heute eine 0:2-Niederlage gegen den TSV Havelse. Und diese Niederlage war hochverdient. Der Koreaner Kim in der Innenverteidigung leitete das 0:1 mit einem schlimmen Stockfehler ein (später sah Kim nach einem Ellbogenschlag auch noch Rot – aber die Entscheidung war zu hart, so schlimm war der Hieb nicht). Torchancen für den HSV gab es kaum, was auch an einem recht blutarmen Auftritt von Maximilian Beister lag, über dessen Leistung auf der Tribüne kräftig geschimpft wurde.

 

Morgen ist noch einmal trainingsfrei, ehe es am Dienstag mit zwei Einheiten am Stadion weitergeht.

 

Lars

18.10 Uhr

Zinnbauer vor dem Aus – Knäbel war das Spiel zu „wirr“

21. März 2015

Heute wird es keine Entscheidung geben über die Zukunft von Joe Zinnbauer beim HSV. So viel vorweg – aber das Wochenende ist noch lang. Denn ungeachtet des Zeitplans steht fest: Acht Spiele vor dem Ende dieser Bundesliga-Saison, die ähnlich desaströs zu werden scheint wie die vorige, ist die Zeit von Rettungsankern und Strohhalmen gekommen. Ein Trainerwechsel steht vor der Tür.

Manager Peter Knäbel, der sonst recht deutlich hinter Zinnbauer stand, ist von seiner ursprünglichen Wortwahl deutlich abgewichen. Das betrifft den Auftritt der Mannschaft: „Es gab viel zu viele Phasen, in denen wir zu wenig klar waren im Aufbauspiel und keine Struktur hatten. Als wir mit zwei Stürmern gespielt haben, hat die Mannschaft nicht so umgeschaltet, dass die zwei Stürmer in Szene gesetzt wurden. In der zweiten Halbzeit war es, je länger es dauerte, wirr.“ Wo Knäbel sonst davon gesprochen hatte, sehr zufrieden mit Joe Zinnbauer zu sein, sagte er jetzt im Hinblick auf das Krisengespräch, das vermutlich am morgigen Sonntag ein Ergebnis haben wird: „Das allerwichtigste ist, welche Maßnahmen man trifft, um in den folgenden acht Spielen die Klasse zu halten. Es sind Fakten auf dem Tisch, es ist eine Situation zu klären. Das muss man in aller Nüchternheit tun und in aller Verantwortung für den Hamburger Sport Verein.“

Was ich jetzt hier schreiben könnte aktuell zum Hertha-Spiel, das ist auch an dieser Stelle schon tausend Mal geschrieben worden. Kampf und Einsatz waren zu Beginn da, wie so oft. Dann gelingt kein Tor, wie so oft. Dann zieht sich die Mannschaft zurück, wie so oft. Dann wird es planlos, wie so oft. Dann fällt das entscheidende Gegentor, wie so oft. Aus diesem Teufelskreis ist der HSV in dieser Saison nur sporadisch ausgebrochen – und wenn, dann nur unter allerhöchstem Einsatz und gelegentlich an der Grenze der Legalität.

Dass dies so gekommen ist, sorgt in der Führungsetage des Vereins für Ratlosigkeit. Eigentlich, so war man doch überein gekommen, hat man einen jungen und frischen Trainer geholt. Unverbraucht in der Bundesliga noch dazu. Die Mannschaft wurde aufgepeppt mit Lasogga, Holtby, Ostrzolek, Müller, Cleber, Olic und Diaz. Dazu frisches Blut mit Gouaida, Götz und Marcos. Und zwei Torhüter auf Top-Niveau, Adler und Drobny. Doch: Es passt alles nicht!

Nur zu gern hätten die Verantwortlichen den Schwung mitgenommen aus dem vergangenen Sommer und der Umwandlung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG. Doch das hat nicht funktioniert. Warum nur? Selbst Finanz-Spritzen im Winter durch Klaus-Michael Kühne und Alexander Otto, selbst etwas fürs Herz, die bevorstehende Rückkehr des „Volksparkstadions“, bewirken nichts. In einer Mannschaft, die vom vermeintlichen Können der einzelnen Spieler auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen müsste, als sie das aktuell tut.

Warum also all dies? Johan Djourou hat ja recht, wenn er die Leistung gegen Hertha BSC skizziert: „Das ist nicht genug von uns. Zuhause gegen einen direkten Konkurrenten müssen wir einfach mehr tun. Es ist nicht gut genug!“ Und beim Blick auf den Spielplan wird einem sowieso Angst und Bange. Die nächsten Gegner heißen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagte Außenverteidiger Dennis Diekmeier, gegen Hertha sogar noch einer der Schlechtesten. „Die Mannschaft will und hält zusammen.“ Nun ja…

Ungeachtet struktureller Defizite, die die Arbeit der mittleren und fernen Zukunft betreffen, wird die HSV-Führung nun Handlungsfähigkeit in der Gegenwart nachweisen und der Notwendigkeit nachkommen, einen Cheftrainer zu präsentieren, der den Klassenerhalt schaffen soll. Joe Zinnbauer könnte in diesem Fall zur U 23 zurückkehren. Dort ist der Posten für die kommende Saison noch nicht besetzt. Und da Zinnbauer ohnehin einen Vertrag beim HSV bis 2016 besitzt, wäre diese Variante denkbar. Dass Dennis Diekmeier unmittelbar nach dem Ende des Hertha-Spiels davon sprach, die Mannschaft stehe voll und ganz hinter Zinnbauer, weil er immer Einsatz zeige, wird sich schnell überholt haben. Zinnbauer erreicht die Mannschaft nicht mehr, sie vertraut seinen Maßnahmen nicht. Diese These hat Mental-Trainer Olaf Kortmann vor einigen Wochen bereits in einem Interview genannt. Er scheint Recht zu haben.

Was mit Zinnbauer geschieht, ist bis hierhin noch Kaffeesatzleserei. Genauso gibt es noch keine konkreten Erkenntnisse, wer den Kahn wieder flott machen kann. Labbadia, Jol, von Heesen – das sind die Namen, die die Runde machen. Ich werde mich jetzt nicht ergehen in Prozentzahlen, wer wie wahrscheinlich ist. Nur eines vielleicht: Die heiße Spur soll nicht zu von Heesen führen.

In der aktuellen Lage muss das Dreigestirn beim HSV, zu dem noch Sportdirektor Bernhard Peters gehört, darauf setzen, dass dieser Club vor allem ein Trainerproblem hat. Dass ein Magier kommt und den verunsicherten Hanseaten die Laufwege zeigt, die zum Tor führen. Viele, die in den vergangenen Wochen und Monaten beim Training oder auch im Trainingslager dabei waren, haben beobachten können, wie intensiv Joe Zinnbauer gerade am schnellen Offensiv-Spiel gearbeitet hat. Aber ob ihm nun durch Verletzungen das Stammpersonal nicht ausreichend zur Verfügung stand oder die Übungen einfach nicht zur Umsetzung reichten – es nützt alles nichts: Die desaströse HSV-Offensive konnte Zinnbauer nicht beleben. Die Zahlen sind eine Katastrophe. Es sind die Zahlen eines Absteigers. Erst 16 Tore geschossen in 26 Partien. Aktuell auch wieder 315 Minuten ohne Treffer. Das ist alles an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, konnten der VfB Stuttgart und der SC Freiburg ihre Bundesliga-Spiele des Nachmittags gewinnen. Paderborn hat einen Punkt geholt. Auch das noch. Der HSV ist erneut auf den Relegationsrang 16 zurückgefallen.

Gestern nach der Niederlage gegen Hertha habe ich einen extrem genervten HSV-Fan getroffen. „Das ist doch alles Verarschung hier mit dem HSV“, schimpfte er. „Voriges Jahr zittern wir so sehr, dass es wehtat. Wir haben so schlimm gelitten wie noch nie und alles gegeben für den HSV. Wir dachten, dass es ein Wunder ist, dass wir es geschafft haben. Das würde uns so schnell nicht wieder passieren und uns könnte nichts so schnell umhauen. Und was ist? Jetzt daddeln die sich wieder dem Abstieg entgegen, so als habe es die Erfahrung in Fürth nicht gegeben. Verarschung!“

Menschenskinder, nächste Woche ist das Abschiedsspiel von David Jarolim. Wem ist wohl aktuell zum Feiern zumute?

Heute hatte die Mannschaft trainingsfrei. Morgen stehen einige Lauftests für Spieler auf der Tagesordnung, ehe am Montag eine Doppelschicht ansteht. Joe Zinnbauer leitet sie – Stand jetzt. Der Sonntag wird daran wahrscheinlich etwas ändern. Darüber hält Euch Dieter dann auf dem Laufenden.

Lars
18.05 Uhr

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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Auch der Trainer wird hinterfragt, und das ist richtig. Nur nicht so…

12. Juni 2014

Die beste Nachricht vorweg: Dieter wird am morgigen Freitag aus dem Krankenhaus entlassen. Es geht ihm wieder deutlich besser und die schlimmen Vorahnungen haben sich glücklicherweise allesamt nicht bestätigt. Zum Glück!

Einen Blumenstrauß hat Dieter auch von Mirko Slomka bekommen. Eine nette Geste des HSV-Trainers, der sich aktuell unverhofft verschiedensten Spekulationen ausgesetzt sieht.

Wenn man nicht die gleichen Ziele hat, muss man den Mut haben und Entscheidungen treffen. Der Trainer gehört wie der Sportchef und der Nachwuchsleiter zum Kernteam. Wir wollen einen ganz neuen HSV, diskutieren sehr offen darüber.

Ob der Trainerstuhl das dritte Mal binnen 12 Monaten kippen kann? Gernandt:

Es ist eine schwebende Diskussion. Zum Schluss müssen wir aber eine Entscheidung fällen. Es warten arbeitsintensive Wochen. Aber Didi ist nicht gekommen, um da weiterzumachen wo andere aufgehört haben, sondern für einen Neuanfang.

Diese Aussage des designierten Aufsichtsratsbosses Karl Gernandt hat meine Kollegen animiert, die von Kreuzer und Jarchow vor Wochen verkündete Einhaltung des Trainervertrages infrage zu stellen. Und obgleich ich zugeben muss, dass diese erneut mehr als unglückliche Aussage diese Spekulationen definitiv zulassen (um nicht zu sagen sogar „provozieren“), glaube ich nicht daran, dass Slomkas Aus beschlossen ist, da sich Slomka und Beiersdorfer noch nicht persönlich ausgetauscht haben.

Das wird aber passieren und ich halte es für absolut legitim, dass bei einem Neuanfang alles – also wirklich ALLES – auf den Prüfstand gestellt wird. Und dazu gehört auch der Trainer. Und bei Beiersdorfer bin ich mir auch sicher, dass er wirklich ALLES analysiert. Und wenn er letztlich zu dem Schluss kommt, dass Slomka der Falsche ist, dann muss er handeln. Dabei wird er mit Sicherheit alle Umstände mit einbeziehen. Sicher auch den, dass Slomka hier einen Haufen übernehmen musste, der kaum noch zu lenken war. Letztlich wird Beiersdorfer dann eine Entscheidung fällen, die ganzheitlich passend ist für sein Konzept, seine sportliche Ausrichtung. Und obwohl ich hier nicht gegen Slomka plädiere – irgendwie finde ich alles grundsätzlich erst mal gut, was anders wird als es zuletzt war…

Kadertechnisch auf jeden Fall. Da muss sich einiges tun. Mehr, als ein Stieber und ein Ostrzolek bestenfalls verändern können. Und auch der noch immer mögliche Verbleib von Pierre Michel Lasogga würde noch nicht ausreichen, das weiß Beiersdorfer – und das wissen Klaus Michael Kühne sowie Karl Gernandt. Soll heißen: Während man Lasogga mit dem Gegengeschäft Per Skjelbred halbwegs erträglich teuer machen könnte, fehlt weiteres Kapital. Zum einen, um die Lizenzauflagen nicht zu gefährden, zum andern für weitere Neuzugänge. Und eines hat sich Beiersdorfer ganz sicher abgesichert: Dass er den HSV so gestalten kann, wie er es nötig hat, um erfolgreich zu sein. Und das dürfte teurer werden als die 25 Millionen Euro, die bislang als Erstinvestition Kühnes kolportiert wurden. Zumal dann, wenn Abfindungen hinzukommen…

Eine mögliche Einnahme wäre der Verkauf aktueller Spieler. Dem Vernehmen nach ist der HSV bemüht, den extrem verletzungsanfälligen kroatischen Nationalspieler Ivo Ilicevic zu verkaufen. Zudem gab es zuletzt immer wieder Gerüchte um einen möglichen Wechsel Marcell Jansens. Der Linksverteidiger, auf dessen Positionen (er spielte links schon vorn wie hinten) mit Stieber Konkurrenz geholt wurde und mit Ostrzolek noch geholt werden soll, hat in seinem Vertrag eine festgeschriebene Ablösesumme von fünf Millionen Euro und galt zuletzt als Kandidat für seinen Heimatklub Mönchengladbach. Ob er wechseln will? „Die Situation ist klar: Ich habe einen vertrag. Und was ich am HSV finde, muss ich nicht noch mal wiederholen. Das wissen inzwischen alle“, sagt Jansen, der 2008 für acht Millionen Euro zum HSV wechselte. Damals übrigens geholt von: Dietmar Beiersdorfer.

Und der könnte für Jansen ausschlaggebend werden. „Didi war damals einer von zwei Hauptgründen. Er und Trainer Martin Jol. Als beide ein Jahr später weg waren, war das für mich eine Enttäuschung.“ Jetzt könnte sich für Jansen mit der Rückkehr Beiersdorfers ein Kreis schließen. Zumindest setzt Jansen darauf: „Ich habe es schon vor Wochen gesagt, dieser Verein muss aus den vergangenen – sagen wir mal mindestens vier Jahren lernen. Wir sind zweimal gerade noch von der Schippe gesprungen, dieses Jahr so knapp wie es nur irgendwie denkbar ist. Das war ein massives Zeichen für Veränderung. Und deshalb freue ich mich umso mehr, dass Didi wieder da ist. Er hat die nötigen Kenntnisse, was sich ändern muss. Ich freue mich auf die Vorbereitung und werde zum Auftakt am 18. Juni auf dem Platz stehen.“

Gut, das war jetzt noch kein Treueschwur auf den HSV – aber es klingt für mich zunächst einmal nicht nach Abschied. Und sollte Jansen wieder so auftreten wie in seinem ersten Jahr zusammen mit Beiersdorfer – es wäre mir sogar sehr recht…

Rechtlich gesehen ist Thomas von Heesen noch nicht im Amt als Aufsichtsrat. Auch wenn er sich faktisch schon seit Wochen zusammen mit Beiersdorfer um die sportliche Neuausrichtung des HSV kümmert. Dass er jetzt schon Spieler bei anderen Vereinen anbietet war heute großes Thema. Zumal es sich bei einem Spieler um Matti Steinmann drehte, der parallel beim HSV seinen Vertrag verlängern sollte.

Das klingt erstmal nicht gut.

Allerdings klingt von Heesens Version anders. „Ich wurde gebeten, nach einem Klub zu suchen, bei dem sich Nils Brüning weiterentwickeln könne. Und das habe ich gemacht. In dem Gespräch mit der Arminia wurde ich dann nach Matti Steinmann gefragt. Mehr ist nicht passiert“, sagt von Heesen, der seinerseits als Spielerberater tätig ist. Im Grunde ist er damit nur seinem Job nachgegangen. Und da er noch nicht im Amt des Aufsichtsrates ist, ist also alles ok, oder? Nicht für die Kritiker der neuen Struktur. Die machten sich heute in verschiedenen Internet-Foren lustig darüber, dass sich mit den Neuen nichts ändern würde.

Und es bliebe auch tatsächlich ein fader Beigeschmack – wäre da nicht die mir zugetragene Info, dass von Heesen das Thema sehr wohl intern angesprochen hatte – nur nicht mit dem amtierenden Vorstand, der gerade den Vertrag mit Steinmann verlängern wollte. Anders als mit Brüning. Dem traut intern aktuell keiner den Sprung zu den Profis zu, deshalb soll er auf Drittligaebene Spielpraxis sammeln. Fazit: In meinen Augen bleibt es unglücklich – aber es ist für mich kein ausreichender Grund, von Heesens Loyalität zum HSV infrage zu stellen. Zumal ich gehört habe, dass von Heesen auch ein ernst zu nehmender Kandidat für den Posten des Sportchefs ist.

Wichtiger ist für mich sowieso, dass sich der neue HSV möglichst schnell findet und schnellstmöglich auch offiziell agieren kann.

So, und jetzt geht es langsam los. Wobei ich ehrlich gesagt noch nicht wirklich im WM-Fieber bin. Vielleicht ja, weil beim HSV einfach zu entscheidende Dinge anstehen, die ich wichtiger finde. Oder, weil der Donnerstag als Starttermin für die WM genommen wurde. Soweit:

http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/depression-diese-berufe-machen-depressiv/10020546.html

geht es dann aber doch nicht.

In diesem Sinne, lasst die Spiele beginnen!

Bis morgen! Und: Ganz frisch reingekommen: Ganz, ganz liebe Grüße an alle vom hörbar erleichterten Blogvater!!

Scholle

Slomka jammert nicht – er macht einfach…

12. März 2014

Mirko Slomka hat es nicht leicht – Sagen die einen. Die anderen behaupten – manchmal nicht ganz ernst gemeint – es sei doch nichts leichter, als einfach immer alles anders zu machen als die Vorgänger. Irgendwie haben beide Recht. Aber am wichtigsten dabei ist, dass Slomka nicht müde wird, das Richtige zu machen. In meinen Augen zumindest. Vor allem schenkt er seiner Mannschaft Vertrauen, ohne sie zu schonen. Er lässt sie im Training hart arbeiten wie lange nicht – und auf der anderen Seite demonstriert er Tag für Tag, dass er tatsächlich alle Spieler braucht. Er jammert nicht über die Verletzten, sondern spricht lieber die Gesunden stark. „Alternativlos“, nannte es Slomka zu Beginn seiner HSV-Zeit. Heute sagte er: „Ich verwende lieber alle Energie auf die Spieler, die Sonntag dabei sein können.“ Und ich bin mir sicher, dass das so richtig ist.

Einen Platz hat der HSV unter Slomka in der Tabelle gutgemacht. Den nächsten will der HSV am Sonntag gegen Nürnberg wettmachen. „Ich bin hier angetreten und habe gesagt, wir wollen mindestens zwei Plätze klettern. Einen haben wir geschafft, wir sind von 17 auf 16. Den nächsten können wir jetzt am Sonntag schaffen, wir haben die Chance von 16 auf 15 zu klettern. Und das ist das vorgegebene Ziel. Und dann gilt es, das zu verteidigen. Denn ich kann nur wiederholen“, so der Trainer, „dass alles noch unglaublich eng ist. Kein Team, das noch keine 30 Punkte hat, kann sich sicher sein. Mannschaften, die sich in Sicherheit wiegen, können noch mit in den Sog gerissen werden. Das geht so schnell. Deshalb sind die vier Punkte, die wir in drei Spielen geholt haben, in Ordnung – aber nicht ideal. Wir müssen am Sonntag gegen Nürnberg nachlegen.“

Punkt.

Unter normalen Umständen müsste ein Trainer seiner Mannschaft nichts weiter sagen, um die richtige Einstellung für ein direktes Abstiegsduell wie gegen Nürnberg herauszukitzeln. Slomka jedoch macht es. Am Nachmittag heute ging es dafür mal überraschend ins Gym zum alternativen Training.

Fussball

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Boxen stand auf dem Plan, um Abwechslung ins Training zu bringen und harte Arbeit mit Spaß zu verbinden. Zudem beugt Slomka so weiteren Verletzungen vor, nachdem sich zuletzt die Muskelverletzungen gehäuft hatten und der Verdacht aufkam, die Belastung aus der Drucksituation im Abstiegskampf sowie das härtere Training könnten mitverantwortlich sein.

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„Das kann ich in Gänze nicht beurteilen“, sagt Slomka, „weil ich die Eingangsuntersuchungen und die Leistungsdiagnostik nicht mitgemacht habe. Was ich sagen kann ist, dass wir den Umfang deutlich erhöht haben und gerade was das Training angeht. Es gibt die Anpassung der Belastung des Spiels aufs Training. Wir müssen 90 Minuten richtig marschieren können, daher müssen wir uns das im Training hart erarbeiten. Und daher gibt es hier und da sicher auch mal muskuläre Verhärtungen.“ Die seien aber nicht zu vermeiden, will man sich physisch auf den notwendigen Stand bringen. Wobei ich noch einmal sagen muss, dass es Slomka ehrt, diesbezüglich nicht auf seine Vorgänger einzugehen. So offensichtlich die Missstände ob seiner Maßnahmen auch werden – er jammert nicht. Er macht einfach.

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Wie im Fall Lasogga. Slomka wurde nicht müde, heute die Bedeutung des Stürmers hervorzuheben, nannte Lasogga den wahrscheinlich momentan traurigsten Bundesligaspieler überhaupt, „weil er unbedingt will. Er ist ein verrückt denkenden Fußballer. Ihm tut das wahnsinnig weh, das er nicht bei der Mannschaft ist und er tut ganz sicher alles, um schon am Sonntag wieder bei der Mannschaft zu sein. Allerdings bin ich da weiterhin skeptisch.“ Und das ist wohl leider berechtigt. Denn auch heute konnte der HSV noch keine Optimismus verbreitende Diagnose verkünden. „Wir warten ab – riskieren aber nichts“, so Slomka, wissend, dass Lasogga angeschlagen wie im Abstiegskampf noch eine entscheidende Rolle einnehmen kann.

Ihn am Sonntag vertreten dürfte erneut Jacque Zoua. Notgedrungen – aber von Slomka starkgeredet. Anstatt die Chancenarmut öffentlich zu diskutieren, hob er die zwei, drei guten Szenen Zouas („Hervorragender Linksschuss, den Trapp stark pariert“) hervor und betonte immer wieder, wie willens- und kopfballstark der Ex-Basel-Profi sei. „Jacque hat seine Sache ordentlich gemacht. Für ihn ist es nicht leicht gewesen, weil er nie mehrere Spiele am Stück hatte. Aber die braucht er, um noch besser zu werden“, so Slomka, der neben Zoua zuletzt vor allem auch die Bedeutung des auch hier am meisten diskutierten Spieler hervorhob: Rafael van der Vaart. „Rafael ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Und genau das verlange ich von ihm.“

Fussball

Und dafür bekommt van der Vaart ein neues Bewegungsfeld vorgegeben. „Er braucht viele Bälle in der Zone, wo er unsere Angreifer optimal einsetzen kann und selbst zum Abschluss kommt. Rafa hat einen sehr gezielten, wichtigen Abschluss mit einer hohen Quote. Ich würde behaupten, bei zehn guten Möglichkeiten würde er sieben Mal treffen – und das ist eine sehr gute Quote. Die müssen wir zum Einsatz bringen.“ Auf der Sechserposition sei der HSV spielerisch gut genug, vorne fehle dieser aber. „Ich brauche einen Anspieler, der sich im vorderen Feld als hängender Spieler das Spiel lenkt und leitet. Das ist etwas, was ich bei ihm immer sehrt bewundert habe und wofür ihn die Mannschaft auch dringend braucht.“

Absolut. Alternativlos nenne ich es, van der Vaart stark zu reden. Zu viele Spieler wurden im Laufe dieser Saison unnötig von außen geschwächt. Aussortiert, aus finanziellen Notsituationen heraus zum Verkauf feilgeboten, zur U23 degradiert und nach Japan verliehen – am Ende aber werden sie alle gebraucht. Das ist nichts, was ich jetzt exklusiv habe, das weiß selbst Wortspieler (Achtung, nur n Scherz…). Aber es ist einfach wahr. Martin Jol hat dieses Prinzip beherrscht und allen Spielern das Gefühl gegeben, sie seien besonders wichtig für ihn. Und obwohl die Spieler schon Scherze machten, dass Jol wohl allen sagen würde, dass sie die jeweils besten seien – es kam an. Der Trainer kam an. So, wie Doll mit seiner leidenschaftlichen, teamnahen Art wählt Slomka den Weg, allen Spielern im Voraus Vertrauen zu schenken. Und wer zurückzahlt, der bleibt.

Siehe Ilicevic am Wochenende. Der wird in der Startelf stehen, darauf würde ich wetten. Sollte hier jemand anderer Meinung sein, meldet Euch bei mir… So, wie es Mediendirektor Jörn Wolf machen wollte, sobald er von Lasogga Neues gehört hat. Denn der Angreifer weilte heute in München, wo er sich von Nationalelf-Doktor Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Sobald ich hier etwas Neues habe, melde ich m9ch noch einmal mit einem Update.

Ansonsten verbleibe ich für heute mit den besten Wünschen an die HSV-Verletzten und Euch natürlich. Genießt den Champions-League.-Abend, der gestern mit einer sehr interessanten zweiten Halbzeit des Bayern-Spiels beendet wurde. Mit Hoeneß auf der Tribüne – und weiter ohne ihn im Blog. Das überlasse ich gern anderen.

In diesem Sinne, wir haben hier unsere eigenen Sorgen. Und deshalb zählt für mich hier weiterhin nur der HSV!

Scholle

FOTOS: WITTERS (6)

Der letzte Strohhalm: Mirko Slomka ist da !

17. Februar 2014

Der Aufwand ist schon riesig. Finanziell für den HSV sowieso, aber auch der Andrang für „den Retter“, wie Mirko Slomka (aus dem Polnischen Übersetzt „der Strohhalm“) in Hamburg von Optimisten genannt wird war riesig. 16 Kamerateam, rund 80 Journalisten und mehr als 15 Fotografen wollten sich den Auftakt Slomkas als HSV-Trainer nicht nehmen lassen und kämpften mit teilweise harten Bandagen um die besten Plätze in dem Presseraum der Imtech-Arena. „Wir haben genug Zeit“, beruhigte Mediendirektor Jörn Wolf die Massen – und meinte damit lediglich die Präsentation des Trainers um 13 Uhr. Denn für alles andere ist es nicht mehr nur kurz vor zwölf.

Aber das weiß auch Slomka selbst. Unter anderem auch deshalb dauerten die Verhandlungen nicht mal einen Tag, bis Slomka den Vertrag bis 2016 – ohne Ausstiegsklausel für den Fall des Abstiegs – unterschrieb. „Ich beschäftige mich noch überhaupt nicht. Auf sportlicher Ebene und von Vorstandsseite muss man daran denken. Aber sollten wir es nicht schaffen, dann bin ich auch bereit, die Mannschaft aus der Zweiten Liga wieder hochzuführen.“


Der studierte Mathe- und Sportlehrer machte bei seinem ersten Auftritt als HSV-Trainer eine gute Figur. Seine Worte waren geschliffen, er brachte auf den Punkt, was zu tun ist: „Die Mannschaft braucht Vertrauen in sich selbst.“ Und das fehlt. Ebenso wie die Fitness, wie ich glaubte. Allerdings sieht Slomka das anders: „Ich habe gegen Braunschweig eine Mannschaft gesehen, die leidenschaftlich gekämpft und gefightet hat. Vielleicht ist die fußballerische Klasse dabei ein wenig auf der Strecke geblieben.“ Eine Einschätzung, die streitbar ist. Aber wie so vieles, wenn man unmittelbar vor dem Abgrund steht, ist dafür keine Zeit. Wir haben keine Wahl, als dem neuen Trainer zu folgen – und deshalb mache ich das gern. Slomka gab sich entsprechend auch große Mühe, nur Positives hervorzuheben – auch bei der Mannschaft. Er hofft: „Wir werden die Qualität jedes einzelnen Spielers in unser Spiel einfließen lassen.“

Als Slomka das Team von Hannover 96 einst in Abstiegsnot übernahm war es noch die Fitness, bei der er zuerst ansetzte, heute glaubt Slomka wie zuvor van Marwijk an die Fitness der Mannschaft. Trotz der katastrophalen statistischen Laufwerte: „Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Mannschaft nicht fit ist, ganzen im Gegenteil. Glauben sie mir, jede Bundesliga-Mannschaft ist dazu in der Lage, über 120 Kilometer pro Partie gemeinsam zu laufen. Wir werden an kleinen Stellschrauben drehen, um das Ruder herumzureißen.“ Eine davon ist, mehr zu trainieren. Zum einen natürlich, um alle Spieler so in der Kürze der Zeit besser kennenzulernen – der andere Grund aber wird sein, dass diese Mannschaften es nötig hat. Auch, wenn Slomka das nicht sagt…

Für Abendblatt-Blogs


Und während van Marwijk heute noch mal von fehlender Qualität in der Mannschaft sprach, wollte Slomka das nicht gelten lassen: „Die Mannschaft ist toll zusammengestellt und hat Qualität. Jetzt müssen wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und positiv denken!“ Schon am Sonnabend gegen niemand geringeres als den BVB, die zweitbeste Mannschaft Deutschlands. „Jetzt gilt es für uns, gut in die Woche zu kommen. Ich freue mich auf das Spiel gegen Dortmund und glaube, dass es genau richtig kommt, um gleich zu zeigen, dass Leben in der Mannschaft und im Verein ist.“

Na dann. Los geht’s!

Das Training selbst heute war unspektakulär. Trotz der außergewöhnlich vielen, rund 500 Zuschauer. Slomka stand mit der Pfeife im Mund an der Mittellinie, während seine Spieler zuerst Passübungen und dann ein Abschlussspiel (mit den U23-Leihgaben Götz und Jordan) absolvierten. Er unterbrach bei Fehlern und Foulspielen, ließ aber das meiste durchgehen und beobachtete. Dabei wirkte er sehr motiviert, obgleich er eigentlich eine längere Pause machen wollte nach vier Jahren Hannover. „Wenn ein Verein wie der HSV anruft, ist das anders. Es war für mich nie eine Diskussion, diesen Job nicht anzunehmen. Ganz im Gegenteil.“

Sehr zur Freude von Heiko Westermann, den Slomka einst als Wunschspieler von Bielefeld zu Schalke lotste. Und für Johan Djourou, dessen Fehlleistungen in Hamburg für Verwunderung sorgten und der sich in einem massiven Formtief befindet: „Ich kenne ihn aus Hannover und muss zugeben, dass es für mich positiv ist, das er jetzt hier ist. Ich hatte unter ihm in Hannover – wie die gesamte Mannschaft – eine sehr gute, erfolgreiche Zeit. Ich hoffe, dass wir das hier wiederholen.“

Es ist die Zusammenführung Slomkas mit seiner alten Flamme – womit ich nicht einen der Spieler meine. Denn Slomka hat auch früher kein Geheimnis daraus gemacht, den HSV sehr attraktiv zu finden. Im Januar 2009 habe ich zusammen mit meinem Kollegen Rainer Grünberg ein Interview mit Slomka in Hannover geführt. Wir saßen in einem Café gute zweieinhalb Stunden zusammen. Kurz danach, im Sommer 2009, ging HSV-Trainer Jol überraschend zu Ajax Amsterdam und der HSV suchte. Slomka sagte mir damals schon, dass er sich Hamburg sehr gut vorstellen können. Jetzt ist es soweit. Spät – aber hoffentlich nicht zu spät. Vor allem nicht für den HSV.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr trainiert. Im Abspann noch ein Thema, das ich heute aus bewussten Gründen nicht zu hoch hängen wollte, da es überhaupt nichts mit dem Sportlichen zu tun hat. Und wer sich jetzt noch mal mit Ratsintrigen und Unfähigkeiten einzelner Verantwortlicher auseinandersetzen will, kann das im Abspann machen. Ich gebe zu, hier und heute noch nicht vor Euphorie platzen zu können – aber ich sehe es als alternativlos an, jetzt die sportlich Verantwortlichen zu stützen und allem eine Chance zu geben. Zumal alles das, was anders ist als vorher. Denn das ist im Zweifel zunächst einmal besser.

Bis morgen. Da wird um zehn und um 15 Uhr trainiert. Und ich bin an dieser Stelle raus. Also, noch einmal von hier aus ein herzliches Willkommen Mirko Slomka! Und uns allen zusammen viel Glück sowie jetzt einen schönen Abend!
Scholle

ABSPANN:
Und zum Schluss noch mal zum Dauerthema: Aufsichtsrat. Bis jetzt sind fünf Mitglieder zurückgetreten. Sechs sind noch übrig, was auch für die Handlungsfähigkeit innerhalb des Aufsichtsrates nötig ist, da mit Wulff und Westphalen zwei verbliebene Räte nicht von der Mitgliederversammlung gewählt sondern delegiert wurden. Das erklärt auch die am häufigsten gestellte Frage („Warum tritt der Ratsvorsitzende nicht zurück?“) von selbst. Wäre auch Meier zurückgetreten, hätte es eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben müssen, auf der ein neuer Aufsichtsrat hätte gewählt werden müssen. Zurückgetreten sind somit bislang nur Floberg, Eghbal, Klüver, Erhardt und Ertel. Wobei letztere mit einem Knall abtreten wollte. Via „Facebook“ teilte er mit, warum er zurücktritt und greift dabei etliche Offizielle des HSV offen an. Auch im Vorstand. Aber lest selbst:

Liebe Freunde, (werte Mitleser,)
es ist vorbei. Ich habe mit Wirkung von heute, 8.02 Uhr (Zustimmung zur Personalie Mirko Slomka) meinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat erklärt und mein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. IHR habt einen Anspruch darauf, die Gründe zu erfahren, MIR ist es wichtig, üblen Legenbildungen in manchen Blättern mit großen Überschriften vorzubeugen.

Ich habe mich in den letzten Tagen manipuliert, instrumentalisiert und genötigt gefühlt. Ich bin unter Vortäuschung falscher Tatsachen in eine Personaldebatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit Felix Magath getrieben und anschließend durch gezielte Indiskretionen über Medien, durch die Verbreitung von Halbwahrheiten und auch Fehlinformationen genötigt worden, der Personalie um jeden Preis zuzustimmen.

Ich hätte mir eine Zusammenarbeit mit Felix Magath als Trainer und „Retter“ unter Umständen sogar vorstellen können, aber nicht um jeden Preis. Und vor allem nicht um den Preis, dafür mitten im existenziellen Abstiegskampf unseres HSV gleich die halbe Vereinsführung (oder mehr) zu entlassen. Zumindest jetzt ist Ruhe und Geschlossenheit erste HSV-Pflicht.

Mein Vertrauen wurde in der vergangenen Woche zum wiederholten Male gröblichst missbraucht. Meine Loyalität gegenüber dem HSV und einem seiner Gremien wurde auf eine harte Probe gestellt. Verantwortlich dafür sind (kleine) Teile im Aufsichtsrat und Vorstand in Zusammenarbeit mit Kräften außerhalb des Vereins.

Das war nicht das erste Mal. Meine Loyalität gegenüber Verein und dem Vorstand wurde schon in den vergangenen Monaten mehrfach, viel zu oft, überstrapaziert. Durch Kampagnen gegen den Ex-Sportchef Frank Arnesen zum Beispiel, durch gezielte Indiskretionen wie im Sommer an die Adresse der BILD und durch vorsätzliche Obstruktion gegen einzelne Vorstandsmitglieder oder vereinspolitische Entscheidungen.
Ich bin nicht länger bereit, die Machenschaften von zwei oder drei Kollegen im Aufsichtsrat und einem Vorstand weiter auf meinen Schultern austragen zu lassen. Ich bin nicht länger bereit für wirre Alleingänge oder eitle Karriereplanungen Einzelner in Haftung genommen zu werden. Ich bin nicht länger bereit, meine persönliche Glaubwürdigkeit durch solche Manöver in Frage stellen zu lassen und meine Reputation innerhalb des Vereins und nach außen endgültig aufs Spiel zu setzen.
Und ich bin nicht bereit, mich dem Hass und den persönlichen Angriffen, die zuletzt in gewalttätigen Bedrohungen und Lynchaufrufen gipfelten, auszusetzen.
Ich bin auch nicht bereit, den HSV solchen Machenschaften zu unterwerfen. Also gehe ich, das bin ich meinem Anspruch an mich und meinem Verhältnis zum HSV aber auch der Fürsorgepflicht für meine Familie schuldig.

Ich bedanke mich ausdrücklich für eine überaus vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit mit Teilen des Aufsichtsrates, vor allem bei den Kollegen Jens Meier, Eckart Westphalen, Björn Floberg und Hans-Ulrich Klüver. Ähnliches gilt auch für die eine oder den anderen Kollegen.
Ich bedanke mich außerdem für eine enge, vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit bei Oliver Kreuzer aber auch bei Oliver Scheel und Carl Jarchow. Und einigen Kolleginnen der Geschäftsstelle.
Ich bedanke mich vor allem aber auch für das Vertrauen großer Teile der Mitgliedschaft und für den engen, freundschaftlichen und immer erfrischenden Austausch mit Euch und vielen anderen Fans.
Ich werde meine ganze Kraft weiter für einen erfolgreichen Kampf gegen den Abstieg und eine erfolgreiche Zukunft meines HSV aufwenden. In Zukunft aber wieder ausschließlich aus der Kurve.

Nur der HSV

Ganz deutlich: Ertel attackiert namentlich niemanden, lässt aber auch keine Zweifel daran aufkommen, wer gemeint ist. So zum Beispiel Vorstand Joachim Hilke. Und völlig losgelöst von einer eventuellen Richtigkeit seiner Behauptungen macht Ertel damit ein Fass auf, das ich mir an einem Tag wie heute nicht näher ansehen kann – und vor allem gar nicht will. Ich weiß um Lancierungen über Ertel. Aber heute ist kein Aufsichtsrat das Thema Nummer eins, egal, was ihm passiert ist, sondern der letzte Versuch, diesen HSV vor dem Abstieg zu retten. Daher das Ganze auch erst im Abspann.

Aber es ist letztlich auch ein weiterer von vielen – vor allem auch selbstverschuldeten – Gründen für Ertel, endgültig zurückzutreten. „Der Aufsichtsrat besteht aus ausreichend vielen Mitgliedern und ist handlungsfähig“, antwortete Klubboss Carl Jarchow heute auf die Frage nach der Gesamtlage im Verein durch die Rücktritte. Und er liegt damit falsch. Denn dieser Aufsichtsrat war und ist noch nicht handlungsfähig gewesen – außer auf dem Papier. Das Beispiel heute beweist das nur noch einmal…

Magath unterschreibt beim FC Fulham! Der ruhige Freitag – oder nur die Ruhe vor dem Sturm?

14. Februar 2014

*******Eben noch #HSV, jetzt Premier League: Felix #Magath ist neuer Trainer beim FC Fulham*****

Heute war mal so gar nichts anders als sonst. Nichts außergewöhnlich. Nicht einmal der Aufsichtsrat – oder ist Ruhe doch etwas Außergewöhnliches? Egal wie, auch das Training war heute wie immer vor Auswärtsspielen wenig bis gar nicht spektakulär. Kreisspiel in verschiedenen Varianten und ein Zonen-Spiel mit Überzahl – und nach gut 75 Minuten war Feierabend. Die Spieler waren zumindest ein wenig in Bewegung und versammelten sich vor dem Ausgang und warteten, bis alle da waren, um dann von ihrem Trainer in die Kabine geschickt zu werden.

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Von eben jenem Trainer, dem man öffentlich schon ein „Spiel auf Bewährung“ in Braunschweig angekündigt hat. „Für mich ist dieser Druck nicht schlimm. Ich kenne den, der gehört dazu“, versucht van Marwijk die Situation um ihn herum ein wenig zu deeskalieren. Und ich nehme ihm seine Ruhe auch ab. Nach sechs Niederlagen in der Bundesliga nacheinander, einem 0:5 im Pokal gegen Bayern und dem 17. Tabellenplatz mit der schlechtesten Punktequote aller HSV-Trainer musste die Diskussion um seinen Posten kommen. Das weiß und sagt auch van Marwijk, der zudem wissen dürfte, dass eine Abberufung gerade für ihn jetzt auch positive Aspekte bereithielte…


Dennoch will er kämpfen. Sagt van Marwijk selbst. Ihn interessiere nicht, ob um ihn herum neue Trainer für seinen Posten gehandelt werden. Nicht einmal, dass seine „Verbündete“ aus dem Vorstand, insbesondere Sportchef Oliver Kreuzer bereits Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen. Zum Beispiel Martin Jol, der Niederländer ist einer davon. Mirko Slomka ein weiterer. Der Hannoveraner soll seinerseits großes Interesse am Job in Hamburg haben – hatte er in den letzten Jahren eh immer mal wieder. Ich erinnere mich noch an den Abgang von Jol, in dessen Folge ich ein Interview mit Slomka hatte. Darin bekundete er sein Interesse am Trainerposten beim HSV, musste dann aber Bruno Labbadia den Vorzug lassen.

Slomka soll Kreuzer von einem Aufsichtsrat „sehr nahegelegt“ werden. Was in meinen Augen grundsätzlich eine Schwierigkeit darstellt. Zumindest jetzt. Denn immerhin ist es wiederholt der Eingriff der Aufsichtsrates ins operative Geschäft und zudem kommt das in einer Phase, in der Kreuzers berufliche Zukunft beim HSV von ebene jenen Räten abhängig ist, mit ner Menge bitteren Beigeschmackes rüber, um an dieser Stelle das Wort Erpressung zu vermeiden…

Nein, es ist eine völlig verkorkste Situation. Man spricht schon mit Nachfolgern von van Marwijk, würde ihn aber „zu 100 Prozent den Rücken stärken“, wenn er in Braunschweig gewinnt. Was für ein Quatsch. Am vergangene Sonntag hatte der Vorstand in der Aussprache vor den Kontrolleuren zwar bekräftigt, weiter an van Marwijk zu glauben. Allerdings formulierte Kreuzer an jenem Sonntag schon, dass eine Niederlage in Braunschweig gleichbedeutend mit der Demission van Marwijks wäre. Und so kommt mir diese ganze Diskussion zwischen dem Vorstand und den Aufsichtsräten wieder nur vor, als wäre es ein sinnloses Kräftemessen. Dass die bekannt gewordene und von den Beteiligten bestätigte Diskussion um van Marwijk allein schon die Ablösung des Trainers nach sich ziehen muss – egal. Nach dem Motto, „Warten wir das Braunschweig-Spiel noch ab. Wenn er da nach sechs Niederlagen in der Liga gewinnt, ist er trotz des Zweifels an ihm wieder der Beste für uns“ verpassen es alle, vom Vorstand bis zum letzten Rat (oder Rätin), die aktuelle Gefahr zu erkennen und zu handeln.

Und Dieter hätte da auch gleich eine Idee. Er würde sogar über seinen eigenen Schatten springen und jemanden empfehlen, mit dem er persönlich nicht besonders gut klarkam: Huub Stevens. Allerdings ist der bei PAOK Saloniki noch bis 2015 unter Vertrag und dem Vernehmen nach auch glücklich dort. Was Dieter zum Namen Thomas Doll übergehen ließ. Denn der steht zwar bei Ferencvaros Budapest unter Vertrag, würde den aber für seinen HSV sofort auflösen, wenn er gefragt würde. Das wiederum erscheint eher unwahrscheinlich – trotzdem Dieter mit einer Menge guter Argumente für Doll zu werben versteht. Vor allem die nachweislich für den HSV vorhandene Leidenschaft stellt Dieter raus – und ich gebe ihm Recht. Dennoch glaube ich nicht, dass Doll beim HSV von den Entscheidern als Lösung gesehen wird. Zumal dann nicht, wenn er aus seinem Vertrag herausgekauft werden müsste…

Denn das ist auch klar: dieser HSV will kein Geld ausgeben. Er will einfach nur gerettet werden. Ohne finanziellen Aufwand bitte…

Unmöglich? Tatsächlich nicht…

Felix Magath hatte vorgeschlagen, im Falle des Klassenerhaltes eine Erfolgsprämie von einer Million Euro zu bekommen und bis dahin ohne Bezahlung zu arbeiten. „Weil ich überzeugt davon bin, dass diese Mannschaft zu retten ist, dass das Potenzial da ist, um die Klasse zu halten“, so Magath, der zugleich aber einen Posten im Vorstand als Verantwortlicher für den sportlichen Bereich haben wollte. Zudem wollte er seinen Assistenten Bernd Hollerbach und sein Team mitbringen, wofür ihm der Aufsichtsrat allerdings nur „kleines Geld“ zugestehen wollte.

Nein, die Causa Magath/HSV passte nicht – und das macht das ganze Theater in dieser Woche noch fataler. Ich bin leider fest davon überzeugt, dass die öffentliche Bloßstellung purer Ahnungslosigkeit dem Verein mächtig Schaden zugefügt hat. Neben dem Pokalspiel ist auch das erste Abstiegsendspiel in Braunschweig schon unnötig vorbelastet. Immerhin weiß doch inzwischen jeder, dass sowohl der Sportchef als auch der Trainer auf der Kippe stehen. Und wer da schon mal stand, hat es in den allermeisten Fällen auch nicht überlebt…

Wobei ich mich frage, ob der HSV einen Slomka günstig schießen kann? Ich glaube es eher nicht. Und bei Martin Jol noch weniger. Denn der Niederländer würde ebenfalls wie Magath seinen eigenen Trainerstab mitbringen wollen.

Aber okay, abwarten. Vielleicht ändert sich personell ja gar nichts.

Womit das Spiel in Braunschweig auch ein echter Charaktertest für die Mannschaft ist. Wie reagiert die Mannschaft? Kämpft sie um Punkte und somit auch für ihren Trainer? „Der Trainer ist wirklich gut, glaub mir das“, hatte mir Heiko Westermann nach dem 0:5 gegen Bayern versichert und sich samt seiner Kollegen in die Pflicht genommen: „Wir verteidigen nicht gut, setzen die Vorgaben des Trainers immer nur bis zu einem Punkt um, wo wir ein Negativerlebnis zu verkraften haben. Und da müssen wird drüberweg. Wir müssen mit allem, was uns zur Verfügung steht die Null verteidigen und vorne mindestens eins machen. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, um den Glauben an uns zurückzugewinnen.“

Stimmt.

Und wenn Heiko Westermann wirklich Recht hat, dürfte die Mannschaft am Sonnabend beim Tabellenletzten um ihr Leben rennen. So, wie es die Braunschweiger gemacht haben und ganz sicher auch gegen den HSV machen werden. Wer sich morgen zurücknimmt gehört aussortiert. So, wie es Gojko Kacar passiert ist. Der Serbe wurde gerade bis Saisonende nach Japan verliehen. Ohne Ablöse und mit einer Zuzahlung zum Gehalt seitens der Hamburger. Aber zurück zur aktuellen Mannschaft, die in Braunschweig zentral auf Milan Badelj verzichten muss. Rund drei Wochen fällt der Kroate mit einem Bänderanriss im Knöchel aus und. Tomas Rincon, der gegen die Bayern noch am besten war (wenn man das bei einer derartigen Vorführung überhaupt so sagen darf) wird voraussichtlich mit Tolgay Arslan die Doppelsechs bilden, sofern van Marwijk nicht von seinem 4-2-3-1-System abrückt. Davor sollen Hakan Calhanoglu, Rafael van der Vaart und Ivo Ilicevic wirbeln und Pierre Michel Lasogga mit Pässen füttern. „Alles gut, ich bin bereit“, sagte Lasogga nach dem Training. Ob er von beginn an spielt, wusste er allerdings auch noch nicht.
Gespannt bin ich bei der Viererkette. Zentral werden Tah und Westermann wieder spielen, da bin ich mir ziemlich sicher. Links wird Jansen schon allein ob fehlender Alternativen auflaufen und rechts – da hat van Marwijk die Entscheidung zwischen Zhi Gin Lam und Dennis Diekmeier zu treffen. Und ich persönlich glaube, dass der Niederländer wieder wechseln wird und Lam diesmal nur auf der Bank sitzt. Aber okay, noch ist das nicht mehr als reine Spekulation – womit wieder der Bogen hergestellt ist zum Thema Nummer eins dieser Tage. Die Trainerfrage. Als hätte der Klub nicht schon Sorgen genug…

Womit ich zum Ende des Blogs komme. Es war mal wieder eine extrem intensive, aufreibende Arbeitswoche mit und beim HSV. Und ehrlich gesagt fällt mir auch wirklich nicht mehr viel ein, was ich noch sagen kann. Im Gegenteil: Ich kann nur noch hoffen. Das ist zwar leider ziemlich unbegründet, aber eben alternativlos. Ich kann nur hoffen, dass der HSV das Spiel am Sonnabend gewinnt und anschließend die Trainerfrage abschließend klärt. Und wenn in diesem Thema endlich Ruhe eingekehrt sein sollte, sollten sich einige Herren in Vorstand und Aufsichtsrat überlegen, wie sie dem Verein mehr helfen – im Amt oder nur noch als Privatperson…

Meine Antwort darauf ist bekannt.

In diesem Sinne, gebt nicht auf! Glaubt weiter daran, dass es klappt und unterstützt die Mannschaft auch dann, wenn es mal so richtig schwer fällt. So, wie jetzt.

Bis morgen! Dann aus dem Champs und mit Matz ab live nach dem Spiel.

Scholle

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