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Zinnbauer vor dem Aus – Knäbel war das Spiel zu „wirr“

21. März 2015

Heute wird es keine Entscheidung geben über die Zukunft von Joe Zinnbauer beim HSV. So viel vorweg – aber das Wochenende ist noch lang. Denn ungeachtet des Zeitplans steht fest: Acht Spiele vor dem Ende dieser Bundesliga-Saison, die ähnlich desaströs zu werden scheint wie die vorige, ist die Zeit von Rettungsankern und Strohhalmen gekommen. Ein Trainerwechsel steht vor der Tür.

Manager Peter Knäbel, der sonst recht deutlich hinter Zinnbauer stand, ist von seiner ursprünglichen Wortwahl deutlich abgewichen. Das betrifft den Auftritt der Mannschaft: „Es gab viel zu viele Phasen, in denen wir zu wenig klar waren im Aufbauspiel und keine Struktur hatten. Als wir mit zwei Stürmern gespielt haben, hat die Mannschaft nicht so umgeschaltet, dass die zwei Stürmer in Szene gesetzt wurden. In der zweiten Halbzeit war es, je länger es dauerte, wirr.“ Wo Knäbel sonst davon gesprochen hatte, sehr zufrieden mit Joe Zinnbauer zu sein, sagte er jetzt im Hinblick auf das Krisengespräch, das vermutlich am morgigen Sonntag ein Ergebnis haben wird: „Das allerwichtigste ist, welche Maßnahmen man trifft, um in den folgenden acht Spielen die Klasse zu halten. Es sind Fakten auf dem Tisch, es ist eine Situation zu klären. Das muss man in aller Nüchternheit tun und in aller Verantwortung für den Hamburger Sport Verein.“

Was ich jetzt hier schreiben könnte aktuell zum Hertha-Spiel, das ist auch an dieser Stelle schon tausend Mal geschrieben worden. Kampf und Einsatz waren zu Beginn da, wie so oft. Dann gelingt kein Tor, wie so oft. Dann zieht sich die Mannschaft zurück, wie so oft. Dann wird es planlos, wie so oft. Dann fällt das entscheidende Gegentor, wie so oft. Aus diesem Teufelskreis ist der HSV in dieser Saison nur sporadisch ausgebrochen – und wenn, dann nur unter allerhöchstem Einsatz und gelegentlich an der Grenze der Legalität.

Dass dies so gekommen ist, sorgt in der Führungsetage des Vereins für Ratlosigkeit. Eigentlich, so war man doch überein gekommen, hat man einen jungen und frischen Trainer geholt. Unverbraucht in der Bundesliga noch dazu. Die Mannschaft wurde aufgepeppt mit Lasogga, Holtby, Ostrzolek, Müller, Cleber, Olic und Diaz. Dazu frisches Blut mit Gouaida, Götz und Marcos. Und zwei Torhüter auf Top-Niveau, Adler und Drobny. Doch: Es passt alles nicht!

Nur zu gern hätten die Verantwortlichen den Schwung mitgenommen aus dem vergangenen Sommer und der Umwandlung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG. Doch das hat nicht funktioniert. Warum nur? Selbst Finanz-Spritzen im Winter durch Klaus-Michael Kühne und Alexander Otto, selbst etwas fürs Herz, die bevorstehende Rückkehr des „Volksparkstadions“, bewirken nichts. In einer Mannschaft, die vom vermeintlichen Können der einzelnen Spieler auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen müsste, als sie das aktuell tut.

Warum also all dies? Johan Djourou hat ja recht, wenn er die Leistung gegen Hertha BSC skizziert: „Das ist nicht genug von uns. Zuhause gegen einen direkten Konkurrenten müssen wir einfach mehr tun. Es ist nicht gut genug!“ Und beim Blick auf den Spielplan wird einem sowieso Angst und Bange. Die nächsten Gegner heißen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagte Außenverteidiger Dennis Diekmeier, gegen Hertha sogar noch einer der Schlechtesten. „Die Mannschaft will und hält zusammen.“ Nun ja…

Ungeachtet struktureller Defizite, die die Arbeit der mittleren und fernen Zukunft betreffen, wird die HSV-Führung nun Handlungsfähigkeit in der Gegenwart nachweisen und der Notwendigkeit nachkommen, einen Cheftrainer zu präsentieren, der den Klassenerhalt schaffen soll. Joe Zinnbauer könnte in diesem Fall zur U 23 zurückkehren. Dort ist der Posten für die kommende Saison noch nicht besetzt. Und da Zinnbauer ohnehin einen Vertrag beim HSV bis 2016 besitzt, wäre diese Variante denkbar. Dass Dennis Diekmeier unmittelbar nach dem Ende des Hertha-Spiels davon sprach, die Mannschaft stehe voll und ganz hinter Zinnbauer, weil er immer Einsatz zeige, wird sich schnell überholt haben. Zinnbauer erreicht die Mannschaft nicht mehr, sie vertraut seinen Maßnahmen nicht. Diese These hat Mental-Trainer Olaf Kortmann vor einigen Wochen bereits in einem Interview genannt. Er scheint Recht zu haben.

Was mit Zinnbauer geschieht, ist bis hierhin noch Kaffeesatzleserei. Genauso gibt es noch keine konkreten Erkenntnisse, wer den Kahn wieder flott machen kann. Labbadia, Jol, von Heesen – das sind die Namen, die die Runde machen. Ich werde mich jetzt nicht ergehen in Prozentzahlen, wer wie wahrscheinlich ist. Nur eines vielleicht: Die heiße Spur soll nicht zu von Heesen führen.

In der aktuellen Lage muss das Dreigestirn beim HSV, zu dem noch Sportdirektor Bernhard Peters gehört, darauf setzen, dass dieser Club vor allem ein Trainerproblem hat. Dass ein Magier kommt und den verunsicherten Hanseaten die Laufwege zeigt, die zum Tor führen. Viele, die in den vergangenen Wochen und Monaten beim Training oder auch im Trainingslager dabei waren, haben beobachten können, wie intensiv Joe Zinnbauer gerade am schnellen Offensiv-Spiel gearbeitet hat. Aber ob ihm nun durch Verletzungen das Stammpersonal nicht ausreichend zur Verfügung stand oder die Übungen einfach nicht zur Umsetzung reichten – es nützt alles nichts: Die desaströse HSV-Offensive konnte Zinnbauer nicht beleben. Die Zahlen sind eine Katastrophe. Es sind die Zahlen eines Absteigers. Erst 16 Tore geschossen in 26 Partien. Aktuell auch wieder 315 Minuten ohne Treffer. Das ist alles an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, konnten der VfB Stuttgart und der SC Freiburg ihre Bundesliga-Spiele des Nachmittags gewinnen. Paderborn hat einen Punkt geholt. Auch das noch. Der HSV ist erneut auf den Relegationsrang 16 zurückgefallen.

Gestern nach der Niederlage gegen Hertha habe ich einen extrem genervten HSV-Fan getroffen. „Das ist doch alles Verarschung hier mit dem HSV“, schimpfte er. „Voriges Jahr zittern wir so sehr, dass es wehtat. Wir haben so schlimm gelitten wie noch nie und alles gegeben für den HSV. Wir dachten, dass es ein Wunder ist, dass wir es geschafft haben. Das würde uns so schnell nicht wieder passieren und uns könnte nichts so schnell umhauen. Und was ist? Jetzt daddeln die sich wieder dem Abstieg entgegen, so als habe es die Erfahrung in Fürth nicht gegeben. Verarschung!“

Menschenskinder, nächste Woche ist das Abschiedsspiel von David Jarolim. Wem ist wohl aktuell zum Feiern zumute?

Heute hatte die Mannschaft trainingsfrei. Morgen stehen einige Lauftests für Spieler auf der Tagesordnung, ehe am Montag eine Doppelschicht ansteht. Joe Zinnbauer leitet sie – Stand jetzt. Der Sonntag wird daran wahrscheinlich etwas ändern. Darüber hält Euch Dieter dann auf dem Laufenden.

Lars
18.05 Uhr

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