Archiv für das Tag 'Jol'

Petric soll zum FC Fulham wechseln

28. Juni 2012

Also doch! Der Sport-Informations-Dienst meldet heute:

„Stürmer Mladen Petric vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV steht nach englischen Medienberichten vor einem Wechsel zum FC Fulham nach London. Der Vertrag des 31-Jährigen bei den Hanseaten läuft am Samstag aus und wird nicht verlängert. Coach beim Premier-League-Klub ist der Niederländer Martin Jol, unter dem Petric in der Saison 2008/2009 bei den Norddeutschen trainierte.“

Ich habe es vor Wochen schon geahnt – und hier geschrieben, zumindest den vagen Verdacht geäußert. Damals war der Bruder von Martin Jol, „Cock“ Jol, beim HSV-Training im Volkspark. Und er begrüßte Mladen Petric zwar sehr nett, aber eben auch ein wenig zu cool – wie ich fand (ich stand zufällig daneben). Deswegen schrieb ich, dass ich mir einen Wechsel des hSV-Torjägers zum FC Fulham durchaus vorstellen könne. Fast schon ein Treffer! Und es wird wohl auch einer. Da kann man Petric nur beglückwünschen. Bin aber trotz allem sehr gespannt darauf, wie er sich dem schnellen Spiel in England anpassen wird. Aber das wird man sehen – England ist ja nicht aus der Welt.

(um 17.31 Uhr ergänzt: Petric wird zum FC Fulham wechseln, das soll am Abend noch perfekt gemacht werden.)

Bei der Gelegenheit: „Cock“ Jol hatte mir damals verraten, dass sein Bruder gerne Marcell Jansen bei sich sehen würde. Also auch beim FC Fulham. Das aber würde daran scheitern, dass der HSV erstens Jansen nicht gehen lassen will, und zweitens eventuell auch nur den Preis in die Höhe treiben möchte. Nun steht Jansen ja inzwischen vor der Vertragsverlängerung, es soll ja auch alles perfekt sein – nur die Unterschriften fehlen noch. Weil einige maßgebliche Herren noch im Urlaub weilen. Aber mal abwarten, wie lange sich das noch hinzieht.

So, noch ist ja EM. Und ich warte immer noch auf den „Maulwurf“. Vor dem Viertelfinale gegen Griechenland war jetzt um diese Zeit schon lange die Aufstellung „draußen“. Und jetzt immer noch nicht. Das „Tierchen“ lässt jetzt schon nach. Nun gut, es ist ja auch noch ein wenig Zeit bis zum Anpfiff.

Vorher gibt es aber noch einen dapd-Bericht über einen wohl ziemlich schwer enttäuschten Dr. Theo Zwanziger. Der Mann, wer weiß es noch, stand einst an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes. Motto: „Ich werde immer ein Kämpfer für den Amateurfußball bleiben.“ Das haben alle Amateur-Klubs auch gemerkt. Und nun meldet sich Zwanziger wieder einmal zu Wort:

Theo Zwanziger hat kurz vor dem Ende der Fußball-Europameisterschaft öffentlich nochmals die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine angeprangert und auch versteckte Kritik an der Spitze des deutschen Fußball-Bundes (DFB) geübt. „Ich bin nicht mehr Delegationsleiter der deutschen Mannschaft und habe deswegen keine Verpflichtung, Spiele in der Ukraine zu besuchen. Sport und Politik sind kein Gegeneinander, sondern sie müssen sich wechselseitig unterstützen“, sagte der ehemalige DFB-Präsident in einem Interview des Fachmagazins „Kicker“.

Zwanziger wird auf einen Besuch des Finales am Sonntag verzichten – auch bei einer Beteiligung Deutschlands, das am Donnerstag in Warschau gegen Italien im Halbfinale spielte. Am Freitag reist der 67-Jährige zur Exekutiv-Sitzung der UEFA nach Kiew und am Samstag zurück nach Deutschland.

Der Jurist, Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA), stieß damit im Sport die heftige Kritik an der Staatsführung mit Präsident Wiktor Janukowitsch öffentlich erneut an. Vor dem Turnierstart hatten bereits Bundestrainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Philipp Lahm öffentlich den Umgang mit der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko kritisiert, die in Charkiw eine siebenjährige Gefängnisstrafe verbüßen muss.

Zwanziger hielt seinem Nachfolger Niersbach, der seit dem 2. März an der DFB-Spitze steht, versteckt inkonsequentes Handeln vor. „Wolfgang Niersbach hat im Mai vollkommen zurecht gesagt, dass die Euro auch die Chance bietet, Missstände in der Ukraine anzuprangern. Dann muss man es aber auch tun, wenn man dort ist“, sagte der Jurist zur Diskussion, ob man die EM überhaupt in einem solchen politischen System überhaupt austragen hätte dürfen. „Aber was ist passiert? Die Euro ist ein großes Spektakel. Der ukrainische Staatspräsident wird überall hofiert auf der Ehrentribüne. Ich frage mich: Was denken in einer solchen Situation die Minderheiten, die Betroffenen des Regimes, die außerhalb des Fußballs stehen?“, sagte Zwanziger.

Zwanziger rief dazu auf, im Fußball mehr Flagge zu zeigen und nicht nur in sportbezogenen Kategorien zu denken. „Wir Fußballer können … die aktuellen Verhältnisse in der Ukraine nicht umkrempeln, aber wir sollten schon ein bisschen Mut haben und darauf hinweisen“, sagte er.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Zwanziger hätte besser geschwiegen. Aber gut, es ist nun einmal passiert.
Und dann gibt es noch, weil es ja irgendwie auch unsere „Schublade“ betrifft, diesen Bericht von dapd über ein besonders EM-Gezwitscher:

Was Spieler und Prominente über die Fußball-EM auf Twitter und Facebook schreiben
Ein Großteil der Spieler bei der Fußball-EM ist bei sozialen Netzwerken und beim Kurznachrichtendienst Twitter aktiv. Die Trainer gehen unterschiedlich tolerant mit dem Thema um. dapd verfolgt die Tweets der Spieler und ihre Facebook-Accounts und fasst die Ergebnisse täglich zusammen.

GUTE STIMMUNG: „Die Vorfreude auf das Halbfinale gegen Italien ist riesig. Wir sind gut drauf und die Stimmung in der Truppe ist ausgezeichnet. Das ganze Team ist heiß auf das Spiel.“ Via Facebook lässt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Philipp Lahm, die Fans teilhaben an der Atmosphäre im Team. Nach vier Siegen aus vier Spielen nur allzu verständlich.
( http://url.dapd.de/opT3BG )

PUBLIC VIEWING: Jürgen Klinsmann entpuppt sich als Fan des Public Viewing. „Ich habe das Spiel auf der Fanmeile in Warschau geguckt. Gratulation an Spanien zum Erreichen des Finales“, twitterte der aktuelle Nationaltrainer der USA. Das Beweisfoto lieferte er direkt mit.
( http://url.dapd.de/qWZjEV )

ERINNERUNG: Vor dem Halbfinale erinnert Oliver Pocher an das schmerzhafte Halbfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigene Land. Als den „schlimmsten Tag 2006!!!!“ bezeichnete er den Moment der Niederlage. Auch einige aktuelle Nationalspieler waren damals schon dabei und werden vor dem Halbfinale gewarnt sein.
( http://url.dapd.de/WjMZ2J )

ÜBERRASCHUNG: Michael Owen räumt Italien vor dem Halbfinale gegen Deutschland gute Chancen ein. „Ich denke Italien kann morgen für eine Überraschung sorgen“, twitterte er am Abend vor dem Halbfinale. Es bleibt zu hoffen, dass seine Vorhersage nicht eintritt.
( http://url.dapd.de/PCjWlM )

VAMOS: Die Freude der Spanier nach dem Halbfinalsieg gegen Portugal ist verständlicherweise groß. Noch aus der Kabine kamen die ersten Grüße an die Fangemeinde. „Was für eine Freude!! Wir sind im Finale! Dieses Team ist großartig. Danke!“ schrieb Andres Iniesta via Twitter und fügte gleich ein Bild mit lachenden Spaniern hinzu.
( http://url.dapd.de/hI2Wh9 )

URLAUB: Nach dem enttäuschenden Ausscheiden der Engländer weilt Wayne Rooney mit seiner Freundin inzwischen schon im Urlaub. „Ich und Coleen sind beim Abendessen in Los Angeles. Zeit zum Entspannen.“
( http://url.dapd.de/3ysNFi )

ANFEUERUNG: Englands ausgemusterter Superstar Rio Ferdinand hat im Halbfinale am Mittwoch für seine Freunde aus Portugal gefiebert. Via Twitter nannte er seinen Mitspieler „Super-Nani“ und feuerte zudem Cristiano Ronaldo an, der mit Ferdinand bei Manchester United kickte.

Dann gab es noch eine besondere Mail mit einem Tipp an den HSV-Sportchef:

Lieber Dieter,
ich habe mich ewig nicht mehr im Blog gemeldet, weil ich auch die Kommentare teils sehr unqualifiziert finde. Den Blog lese ich aber täglich!

Hier nur ein Tipp für Frank Arnesen, falls er bei seinen Gesprächen mit Alkmaar nicht nur Rasmus Elm bespricht bzw. der zu teuer wird. Ich gehe davon aus, dass die Journalisten ihm etwas sagen dürfen. Ob er etwas daraus machen möchte, steht auf einem anderen Blatt.
Adam Maher soll laut Aussage meiner Kollegen in Groningen (ein Kollege war selbst Fußballer, hat auch mit Elia zusammengespielt früher) sehr gut sein, jung und talentiert. Hat gute Saison gespielt.

Ich kann nicht beurteilen ob er schon die Übersicht und Struktur bringen kann wie es hoffentlich Elm bringt. Einfach erwähnen und dann sehen wir weiter. Dank im voraus und

Nur der HSV :-)
Andreas
(bin Jg. 64, kein Fußballer, dafür hat mein Papa als Schüler bei Walddörfer auch gegen Uwe gespielt).

So, immer noch nichts vom Maulwurf, ich muss nun aber – gemeinsam mit „uns Scholle“ – los. Auf ins „Champs“ nach Schnelsen, dort sind heute „Lotto King Karl“ und HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke zu Gast bei „Matz ab live“. Wir werden kurz nach dem letzten Ballwechsel in Warschau auf Sendung gehen – und ich hoffe schwer auf euch, dass auch ihr dann wieder mit von der Partie seid. Bis nachher also.
PS: Schnell noch ein Dankeschön an alle User, die sich “Matz ab live” ansehen – und ein ganz spezieller Gruß geht diesmal nach Köln: Lieber Sebastian, vielen Dank für Dein Lob, noch mehr Dank aber für Deinen “glänzenden” Tipp. Ich werde schon heute meine Lehre daraus ziehen, “uns Scholle” will sich das noch nicht antun, aber vielleicht kann ich ihn ja noch überreden. Wenn nicht – Du wirst uns den Unterschied berichten. Und ihm.

17.03 Uhr

Jarolim – Entscheidung am Kunden vorbei!

29. April 2012

„So etwas will ich nie wieder erleben!“ Sagte HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow nach dem 0:0 gegen Mainz 05 und der damit verbundenen Rettung, dem Erstliga-Klassenerhalt. Wer hat es sich in diesen Stunden nicht auch schon gesagt? So etwas möchte ich auch nie wieder erleben. Wer möchte das schon? Man ist ja schließlich nicht jahrelang als Fußball-Masochist unterwegs. Eine solche unterirdische Saison sollte eigentlich erst einmal für viele Spielzeiten reichen. „Das war ein Grottenkick“, befand HSV-Kapitän Heiko Westermann nach dem Mainz-Spiel, und doch wusste jeder, wie unerheblich dieser Rückblick auf die 90 niveauarmen Minuten war. Der Punkt war wichtig, nur darauf kam es an; aber dieses Spiel steht und stand auch irgendwie für ein ganzes Spieljahr voller Enttäuschungen und Rückschlägen. Jetzt kann es und soll es nur noch besser werden, Sportchef Frank Arnesen blickte am Sonnabend einmal mehr schon optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, dass wir mit den Erfahrungen der letzten Wochen bald einen oder auch zwei Schritte nach vorne machen.“ Wobei der Däne mit dieser Aussage schon einen Schritt zurück machte, denn zuletzt hatte Arnesen immer auch betont, dass die jungen HSV-Spieler durch diese harte und lehrreiche Saison „nicht nur einen, sondern gleich drei Schritte nach vorne machen“ werden. Vielleicht aber auch nur zwei. Oder eventuell auch nur einen? Wäre ja immerhin auch noch nach vorn . . .

Wir alle werden es in der nächsten Spielzeit, die 50. Erstliga-Saison für den HSV, erleben. Ich habe am Sonnabend nach dem Kick solche und solche Stimmen gehört. Viele glauben, dass der HSV auf jeden Fall gefestigt sein wird, dass es zu einem ungefährdeten Mittelfeldplatz reichen wird, nicht wenige aber blicken auch unverändert skeptisch in die Zukunft – weil sie dem Frieden (noch) nicht so ganz trauen. Der HSV mag zwar nach großen Namen wie Rene Adler und Dirk Kuyt greifen, aber erneut ohne internationalen Startplatz und damit auch ohne zusätzliche Einnahmen aus der Europa League dürfte es für den finanziell angeschlagenen Klub schwer werden, mit einem leeren Beutel noch so große und hohe Sprünge zu machen. Wobei die Personalie Adler vielleicht noch zu einem kleinen Politikum innerhalb des HSV wird, denn es gibt hinter der vorgehaltenen Hand Stimmen, die davon sprechen, dass einige Aufsichtsräte weit davon entfernt sind, diesen Super-Transfer mal eben so locker vom Hocker durchzuwinken. Man darf gespannt sein.

Schön aber auf jeden Fall, dass der 125. Geburtstag der Rothosen jetzt doch in Liga eins gefeiert werden kann.

„Ich wollte nicht der erste Trainer sein, der mit dem HSV den Gang in die Zweite Liga antreten muss. Mir fällt natürlich ein Stein vom Herzen, denn es war ja schon damals klar, als ich zum HSV kam, dass es eine sehr schwierige Saison für uns werden würde. Dass wir in Zukunft besser spielen müssen, das wissen wir“, sagte Thorsten Fink nach dem Schlusspfiff erleichtert. Alle konnten dem Coach ansehen, dass er unter dieser Spielzeit enorm gelitten hat – und es war in Finks Gesicht nicht nur die Nachwirkungen einer Magen- und Darm-Grippe erkennbar. Der frühere Bayern-Profi dürfte einige graue Haare mehr in diesem Jahr bekommen haben. Und auch er ist ganz sicher um einige Erfahrungen reicher geworden. Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen. Nächste Saison kann man zusammen einiges erreichen, ohne gleich wieder große Ziele zu setzen, aber der Abstiegskampf sollte es nicht wieder sein . . .“ Da war auch der Sportchef ganz bei ihm. Frank Arnesens Blick in die nähere Zukunft des HSV: „Europäischen Fußball können wir auch in der nächsten Saison noch nicht bieten, aber hoffentlich in zwei Jahren.“
Dieser Hoffnung schließe ich mich gerne an, allein mir fehlt noch etwas der Glaube. Noch.

Das kann sich ja aber auch schon in den nächsten Tagen und Wochen schon ändern. Wenn die ersten Neuzugänge beim HSV „eintrudeln“. Arnesen hat ja wohl schon ganz klare Vorstellungen vom HSV 2012/13, ansonsten hätte es einige Personalien wohl in dieser Form nicht gegeben. Dass Mladen Petric würde gehen müssen, das stand spätestens um den Jahreswechsel fest – und damit hatte sich der HSV-Anhang auch schnell, unspektakulär und mehr oder weniger schweigend abgefunden. Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum. Die „David-Jarolim“-Sprechchöre am Sonnabend sollten den HSV-Verantwortlichen noch immer in den Ohren klingeln und auch ein weiteres Mal zu denken geben.

Ich habe es in 32 Jahren als HSV-Reporter höchst selten einmal erlebt (eigentlich kann ich mich nicht an einen einzigen Fall erinnern), dass die Klub-Oberen so am Kunden vorbei entscheiden. Und dass einmal eine Entscheidung so hart, unerbittlich und konsequent verfolgt und durchgezogen wird, obwohl es viele, viele Widerstände gibt. Zumal ja ein Plan besteht, David Jarolim später in irgendeiner Form beim HSV anstellen zu wollen (wenn er denn jetzt noch besteht!). Da hätte es ein „kleinerer Anschlussvertrag“ vielleicht noch einmal getan, um einen Vollblut-HSVer zu halten – und um später noch einmal von ihm zu profitieren. Und nicht wenige Fans haben sich beim Verlassen des Volksparks am Sonnabend auch die Frage gestellt: „Was ist, wenn der HSV wieder in eine solche Abstiegsgefahr geraten sollte? Wer spielt dann den David Jarolim beim HSV? So richtig viele und adäquate Kandidaten scheint es da – meiner unmaßgeblichen Meinung nach – beim HSV noch nicht zu geben. Aber: gut Ding will Weile haben. Arnesen hat einen Plan im Kopf, lassen wir uns mal überraschen. Allerdings geht er in meinen Augen ein sehr hohes Risiko, denn sollte es so schiefgehen wie in dieser Saison, dann dürfte schnell ein Sündenbock ausgemacht sein. Hoffen wir (und ich hoffe es wirklich!), dass es nicht so kommen mag. Hoffentlich.

Zurück noch einmal zu diesem 0:0. Der Punkt war das sportliche Highlight (weil die Rettung), die Abschiedsfeier für David Jarolim, Mladen Petric und auch für Romeo Castelen aber durch nichts, wirklich durch nichts zu toppen. Ich gebe es zu (und ich bin erstaunt, wie viele Kollegen es später auch zugaben), auch mir kullerten ein paar Tränen bei dieser Zeremonie zu Boden. Selten einmal so etwas Emotionales erlebt. Wobei ich auch Thorsten Fink danke, dass er sich trotz des engen Spielstandes in der Lage sah, sowohl Petric als auch Jarolim vorzeitig vom Platz zu nehmen, damit sie schon ein erstes Mal gebührend gefeiert werden konnten. Das war großes Kino, danke Herr Fink!

„Es war ein so emotionaler und sensationeller Moment, der mir sehr nahe gegangen ist“, gab Petric später, als seine Tränen getrocknet waren, zu. Seine sportliche Zukunft ist geklärt, aber noch hat er nicht verraten, wohin es ihn ziehen wird. Ob er sich, so denke ich schon seit einigen Tagen, auf seine alten Tage noch einmal den englischen Fußball antun wird? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, ich habe auch nichts läuten gehört, aber irgendwie habe ich im Hinterkopf, als ob sich Fulhams Trainer Martin Jol noch an Petric erinnern könnte . . . Mal abwarten. Aber ich denke auch: Wenn Heung-Min Son mit Newcastle in Verbindung gebracht wird, wenn Markus Marin für sieben Millionen zum FC Chelsea geht (ob er dort auch so oft und so schön und so leicht fällt?), dann könnte auch Mladen Petric . . .

Noch nichts ist bei Jarolim bekannt. Ich fand es ja super, dass der Tscheche zuletzt zugegeben hat (er hatte bis dahin ja nie öffentlich etwas dazu gesagt), dass er bis zuletzt doch noch auf eine kleine Hintertür gehofft hatte, um noch beim HSV bleiben zu können. Das macht ihn nur noch menschlicher. „Jaro“ sagte nach seinem letzten Spiel auf „heiligem Boden“ und nach neun Jahren HSV: „Ich bin sehr glücklich, dass wir uns gerettet haben, und nun wünsche ich dem HSV, dass man Konstanz hier reinbringen wird, und dass es ein wenig ruhiger wird, was die Klubführung angeht.“ Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“ Jarchows Wort in des Fußballgottes Gehörgang . . .

Wie Trainer Fink sich den weiteren Weg mit dem HSV vorstellt, das verriet er auch schon einmal (ganz kurz) am Sonnabend: „Wir wollen nicht tausend neue Leute holen, sondern uns gezielt verstärken. Den Großteil der Mannschaft wollen wir schon behalten, ich glaube, dass die jungen Spieler gelernt haben – wir haben, so denke ich, den drittjüngsten Kader der Bundesliga, von daher gehe ich aus, dass wir einiges gelernt haben in diesem Jahr.“ Lernen. Das dürfte wohl aber auch auf die älteren Herrschaften (in Mannschaft und Klub-Führung) zutreffen. Wäre schön, wenn sich diesbezüglich einige den Schuh anziehen würden, nämlich die entsprechenden Lehren aus 2011/12 zu ziehen. Thorsten Fink lobte aber immerhin den Zusammenhalt im Klub: „Wir haben uns nicht nervös machen lassen, wir haben unser Ding durchgezogen, ich habe im Verein große Unterstützung gehabt. Das ist ja immer wichtig, dass man merkt, dass sportlicher Leiter, der Präsident, alle möglichen Leute im Aufsichtsrat, dass einem alle das Vertrauen schenken und aussprechen – und die Fans auch. Das alles zusammen hat uns sicher den Klassenerhalt gesichert, und daran sieht man, dass Teamwork im Fußball sehr viel bewirkt. Es gab einige Klubs, bei denen das nicht so gelaufen ist . . .“

Apropos andere Klubs. Ein schneller und kurzer Abstecher zu Thomas Tuchel sei mir noch gestattet. Der Mainzer Trainer war oft genug (auch) für mich ein „rotes Tuch“, aber diesmal hat er bei mir Boden gut gemacht. Er hat mir sogar imponiert. Während des Spiels kaum eine Regung (oder gar ein Wutausbruch) gegen den guten Schiedsrichter Florian Meyer, und auch nach dem Spiel immer den direkten Weg zum Tor . . . Tuchel „zerlegte“ seine Mannschaft ohne Rücksicht auf Verluste: „Wir geben mit einer Fahrlässigkeit Punkte und Tabellenplätze her, da fällt es mir schwer, mich zu freuen oder auch zufrieden zu sein. Wir haben heute schlechten Fußball gespielt, diese Art und Weise passt mir gar nicht. Sehr fehlerhaft und mangelhaft bei eigenem Ballbesitz, beim Umschalten gab es wahnsinnig viele Fehler, unsere wenigen Torchancen haben wir schlampig vergeben, noch viel schlampiger sind wir mit jenen Chancen umgegangen, die erst gar keine Torchancen wurden – weil wir sie mit schlechtem Passspiel und ungenauem Freilaufverhalten verhindert haben. Das hat von hinten bis vorne gar nicht gepasst, und das ist ein Abziehbild dieser gesamten Saison.“
Das war mal Klartext. Alle Achtung, Herr Tuchel, auch so kann man es mal machen. Kompliment! Dickes Kompliment sogar. Das war die ungeschminkte, schonungslose Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

So, das war mein Wort zum Sonntag. Nach einer ziemlich harten und feucht-fröhlichen Nacht, das sei einmal zugegeben, denn wir Hamburger Journalisten haben (auf eigene Kosten) den Saisonausklang in Hamburg gefeiert – und ein wenig natürlich auch auf den Klassenerhalt angestoßen. Eine nette Feier, von drei Kollegen organisiert – ich glaube, das gibt es in dieser Form nicht oft in anderen deutschen Städten. NDR, Bild, Mopo, Welt, Abendblatt, Kicker, Stern, Sky und, und, und – alle an einem Tisch, das ist eine schöne und runde Sache. Bei allem Konkurrenzdenken gibt es auch in unserem Job noch so etwas wie Menschlichkeit und Freundschaft. Danke dafür – ich freue mich schon auf die neue Saison; ich fühle mich sehr wohl in diesem (euren) Kreis.

Bei der Gelegenheit, weil wir alle so nett unter uns beisammen saßen: NDR-90,3-Moderatorin Britta Kehrhahn verriet eine kleine Besonderheit. Am Sonnabend waren rund um die Bundesliga-Spiele „nur“ Frauen in die Nachmittags-Sendung involviert. Sie sehen ja auf Monitoren auch das Spiel. Eigentlich wird ein laufendes Musikstück nur bei einem Tor unterbrochen, diesmal entschied Britta Kehrhahn aber einmal ganz anders: Als David Jarolim in der 88. Minute vom Platz ging, überließ sie Reporter Lars Pegelow die Szenerie. Abends gab Britta Kehrhahn zu: „Wir Frauen wären auch gar nicht in der Lage gewesen, etwas zu sagen – wir haben alle vor Rührung geheult . . .“

Toll, diese entwaffnende Ehrlichkeit. Passte aber zu diesem grandiosen Jarolim-Abgang – und zu diesem gelungenen Saison-Abschieds-Abend in der Schanze. Ganz nebenbei: Auch der HSV war mit seiner Presseabteilung (Jörn Wolf an erster Stelle) vertreten, Thorsten Fink wollte dabei sein, aber die Magen- und Darm-Grippe . . . Aber selbst Teammanager Marinus Besten war mit von der Partie. Ich weiß, ich weiß, er heißt Marinus Bester, aber ich nenne ihn schon seit Jahren nur „Herr Besten“. Der Grund für diese Namesänderung? Der sei denn noch schnell verraten: Als der Österreicher Kurt Jara hier Trainer war, da merkten wir alle schnell, dass er sich nicht so richtig die Namen seiner „Untergebenen“ und der Randfiguren merken konnte. Nico Hoogma hieß bei Jara noch lange „Hoogmann“, Co-Trainer Armin Reutershahn hieß bei Jara schon mal „Reutershagen“, und ich hieß beim Trainer nur „Herr Matzen“. Obwohl Marinus „Besten“ ihm so oft – auch schon vor den Gesprächen – zugeflüstert hatte: „Kurt, der Matzen heißt nur Matz!“ Es blieb aber bei Matzen. Also hieß „Herr Besten“ auch nur „Herr Besten“ – und das ist bis heute so geblieben.
Ende.

PS: Am Montag wird nicht trainiert.

18.49 Uhr

Die Qualität – jetzt muss sie sich zeigen

25. März 2012

Statt Osterhasen gibt es in diesem Jahr in Hamburg nur Angsthasen. Und davon laufen in diesen Tagen schon weit vor dem heiligen Fest sehr, sehr viele durch die Stadt. Man erkennt sie an den gesenkten Blicken, am genervten Gesichtsausdruck und an der Dünnhäutigkeit, wenn über das Thema Bundesliga-Abstieg im Zusammenhang mit dem HSV philosophiert und diskutiert wird. Alles nicht mehr so ganz normal in dieser schweren Zeit. Aber, und das ist vielleicht ein kleiner Trost, das wunderschöne Vorsommer-Wetter ist wenigstens wunderschön . . . Wenn’s nur nicht alles so traurig wäre. Geht’s euch nicht auch so: Das nächste Spiel ist viel zu lange weg. Der Dino geht am Stock, schlimmer noch, er kämpft fast schon verzweifelt ums Überleben – man möchte so gerne helfen, aber man kann nicht. Das ist doch alles absolut entsetzlich.

Und dann noch diese Bundesliga. Spielt auf einmal wie im wilden Westen. Als ob es alles gegen den HSV gehen muss. Sogar Werders A-Jugend lässt sich in der dreiminütigen Nachspielzeit noch einen von Augsburg einschenken. Das ist doch alles Mist – ist das doch.
Nun gut, der HSV wird sich am eigenen Schopfe aus dem Schlammassel ziehen müssen, und müsste damit am besten schon am Sonnabend auf dem „Betze“ anfangen. Dann mit der Einstellung von Wolfsburg, vielleicht noch mit dem einen oder anderen Prozent mehr, dann könnte es tatsächlich etwas werden.

Wenn dazu dann auch noch das Offensivspiel etwas verbessert werden könnte, dann wäre das sicher ganz hilfreich. 15:4 Torschüsse in Wolfsburg, das ist doch echt zu dürftig. Obwohl Trainer Fink und Sportchef Frank Arnesen damit leben können, denn beide erklärte unisono: „Wir haben auswärts gespielt, da ist eine solche Bilanz ganz normal.“ Na ja. Bei solchen Aussagen ertappe ich mich immer mehr, in der Vergangenheit zu forschen. Bin in den 80er-Jahren gelandet. Bei der unglaublich Siegesserie des HSV. Damals, als der HSV auch nach 30 Bundesliga-Spielen nicht verloren hatte, erfand der damalige Abendblatt-Sportchef eine Zeile, die heute noch Kreise zieht (in der Redaktion): „Wer will diesen HSV noch siegen sehen?“ Was ich damit sagen will: Bei diesen über 30 unbesiegten Spielen waren sicher auch zwei, drei Auswärtssiege dabei. Und zwar nicht immer nur 1:0. Da muss damals also durchaus doch mehrmals auf das gegnerische Tor (und in jenes hinein) geschossen worden sein – damals wahrscheinlich auch völlig normal. So wie es heute eben völlig normal ist, dass man nur viermal . . . Zumal ja, das wird uns Woche für Woche von verantwortlicher Seite bestätigt, die Qualität innerhalb des HSV-Teams ja durchaus gut oder sogar sehr gut sein soll.

Was sie natürlich nicht ist. Das wird uns in spätestens zehn Jahren auch in einer privaten Unterhaltung bestätigt werden, nur offiziell eben noch nicht. Weil es dieser Kader ja richten soll, richten muss – drin zu bleiben.

Ich bin mal gespannt, ab es personelle Veränderungen im Hinblick auf das Lautern-Spiel am Sonnabend geben wird. Sehr gespannt. Marcell Jansen und Ivo Ilicevic zum Beispiel – werden sie erneut spielen dürfen? Von beiden Profis kam null Wirkung. Null. Wieder einmal. Und ich sage (schreibe) es höchst ungern, aber ich schreibe es heute: bei Ilicevic gebe ich meine Hoffnung auf. Ich habe ihm eine große Zukunft beim HSV vorhergesagt, ich war begeistert, als er vom HSV verpflichtet worden ist – und bin jetzt so was von enttäuscht. Da kommt ja gar nichts. Bei Jansen kommen ja wenigstens tolle Erklärungen, warum da nichts kommt – aber Ilicevic? Wie gesagt, keine Hoffnung mehr. Jetzt muss Gökhan Töre helfen – bitteschön. Der Deutsch-Türke wurde am Ende der Hinrunde als bester Nachwuchsmann der Liga ausgezeichnet, daran darf er nun gerne wieder mal anknüpfen. Bitte, bitte.

Gespannt bin ich auch, wie es sich mit Mladen Petric entwickelt. Ich habe meine Meinung zu ihm schon in Wolfsburg geschrieben – ich würde ihn (natürlich) auch auf dem Betzenberg bringen. Ganz klar. Auch schon deshalb, weil es ja gar keine großen Alternativen mehr gibt. Aber immerhin hat sich Marcus Berg (mit seinem sehr schönen Tor) ja wieder in Erinnerung gebracht – mit einer durchaus guten Leistung. Habe ich ihm gar nicht zugetraut, gebe ich zu, aber man ist eben nie vor Überraschungen gefeit. Und das ist ja auch gut so.

Gefragt wurde ich im Blog auch nach Per Ciljan Skjelbred. Er war nicht im Kader für das Wolfsburg-Spiel. Thorsten Fink hat so entschieden. Obwohl ich denke, dass es nun mal an der Zeit wäre, dass der Norweger endlich mal zeigt, was ihn einst in den internationalen Fußball gebracht hat. Im Training, so finde ich, macht Skjelbred durchaus mal die eine oder andere gute Sache, aber insgesamt macht er einfach zu wenig. Dennoch glaube ich, dass er ja seine Erfahrungen gesammelt hat, und die könnten doch eventuell noch einmal ganz hilfreich sein – so hoffe ich mindestens. Vielleicht erhört er mich ja mal und reißt sich nun und ab jetzt zusammen.

So, um nicht zu lang zu werden, denn es kommt zum Schluss ja noch einiges, beende ich diesen Sonntags-Beitrag.

Vom SID, Sport-Informations-Dienst, kommt der heutige Bundesliga-Kommentar:

Reif fürs Museum

Von Kristof Stühm

Sechs Euro kostet beim HSV eine Reise in die glorreiche Vergangenheit. Im klubeigenen Museum kann jeder Besucher auf 700 Quadratmetern die erfolgreiche Geschichte der Hamburger atmen, die Trophäen bestaunen, ein Meistertrikot von Uwe Seeler bewundern und die großen Triumphe immer und immer wieder auf bewegten Bildern anschauen. Sieben Spieltage vor Saisonende ist es längst nicht mehr ausgeschlossen, dass Direktor Dirk Mansen im Mai für ein weiteres historisches Exponat einen Platz finden muss – die legendäre Bundesliga-Uhr.

Zwar tickt sie noch und zählt die Jahre, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, die der HSV in der Bundesliga spielt – seit Gründung der Eliteliga 1963 als einziger Klub ununterbrochen. Doch nach vier Pleiten in Serie taumeln die Hamburger immer schneller in Richtung
2. Liga. Und während die Konkurrenten aus Augsburg, Freiburg und Berlin den brutalen Existenzkampf längst angenommen haben und ihre viel bescheideneren Mittel leidenschaftlich in die Waagschale werfen, üben sich die Hanseaten weiter in Schönfärberei. Motto: Wir sind zu gut für den Abstieg!

Trainer Thorsten Fink überraschte erneut mit seiner sehr eigenen Analyse: „Wir müssen nichts ändern.“ Vergangene Woche hatte er noch gesagt, der HSV sei „kein Abstiegskandidat“. Und Sportdirektor Frank Arnesen behauptete nach der Niederlage in Wolfsburg: „So werden wir noch unsere Punkte holen.“

Doch Punkte holen längst nur noch die anderen. In Freiburg hat Trainer Christian Streich eine verschworene Elf geformt, die Augsburger haben sowieso nichts zu verlieren, weil ihnen schon vor Saisonbeginn klar war, dass sie bis zum Schluss unten drinstecken würden. Und plötzlich gewinnt sogar die Hertha aus Berlin mit Otto Rehhagel.

In der wichtigsten Phase der Saison spricht der Trend klar gegen den HSV. Die Abwehr leistet sich regelmäßig Aussetzer – vor allem bei Standardsituationen. Dem Mittelfeld fehlt es an Ideen und Esprit. Bezeichnend: Bester Mann in der für den Spielaufbau so wichtigen Zentrale ist der eigentlich schon ausgemusterte David Jarolim.

Der Angriff verbreitet auch nicht gerade Angst und Schrecken. Paolo Guerrero darf nach seinem Kung-Fu-Tritt gegen Stuttgarts Sven Ulreich erst in den letzten beiden Spielen wieder mitmachen. Marcus Berg hat zwar in Wolfsburg getroffen, ein Torjäger ist er aber nicht. Und Mladen Petric hat am meisten mit sich selbst zu tun. Dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird, trägt sicher nicht dazu bei, dass sich der Kroate über das Mindestmaß hinaus bewegt.

Und so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende der Saison zwei eigentlich in Stein gemeißelte Fußball-Serien enden: Die Unaufsteigbaren aus Fürth steigen auf. Und die Unabsteigbaren aus Hamburg steigen ab.

 

Zu diesem brisanten Thema gab natürlich auch bei uns wieder zahlreiche Kommentar. Pro und kontra. Drei Meinungen davon einmal exemplarisch veröffentlicht.

„Bubi Hönig“ am 25. März 2012 um 10:15:


Guten Morgen, ich möchte nicht in die Diskussion einsteigen, weil aus meiner Sicht die Zeit dafür vorbei ist. Es geht nicht um den Trainer, den VV,
den Sportchef und nicht um einzelne, oder besser alle Spieler. Es geht nur noch ums Überleben!! Ich will mal Dieters Absatz zum Publikumsvergleich
herausgreifen, weil er damit aus meiner Sicht einen wichtigen Punkt anspricht. Aus meiner Erinnerung gab es die wildeste Stimmung beim HSV (natürlich
neben den Meisterjahren) in den bedrohlichsten Phasen, z.B. 1972. Die Leidenschaft der Zuschauer war für jeden in ihrer gesteigerten Form spürbar,
ganz sicher auch für die Spieler. sogar unsere Geliebte Presse rief zur Unterstützung auf! Mir kommt es vor, als wenn heute eher über zu hohe Ablösen
diskutiert wird, oder um zu hoch stehende AV. Vielleicht verhindern diese fehlenden % bei den Fans auch den Abruf derselben bei den Spielern. In WOB
fand ich die Mannschaft OK und am Rande ihrer Möglichkeiten. Fehlende Klasse lässt sich eben nicht so einfach wettmachen.
Guten Tag.

Von Eisenwilli:

ich hatte es vor monaten schon geschrieben, selbst wenn herr mourinho
persönlich auf der trainerbank sitzen würde, oder van gaal oder sonst wer,
die situation wäre vermutlich die gleiche.

es liegt an der einkauf- und verkaufsspolitik der letzten jahre. kein
einziges “talent” hat sich beim HSV entwickelt oder durchgesetzt. komisch,
daß ein choupo woanders plötzlich trifft, es war für all die jungen leute
die beste entscheidung, den verein zu verlassen und woanders ihr glück zu
suchen.

und dieter, ich fand es damals schon unmöglich, für rohzenal 7 mios
auszugeben, für berg gar 10. die spirale hatte ihre spitze erreicht, es
war der pure wahninn! doch wer wagte es, dies zu stoppen? die
transfersummen beim HSV hatten eine atemberaubende dimension erreicht, die
kaum mehr nachzuvollziehen war. man city war daran nicht ganz unbeteiligt,
will ich an dieser stelle anmerken.

dass nun eine rückkehr zur politik der sparsamkeit eingekehrt ist, das war
uns ALLEN klar, birgt auch ein großes risiko. dass es nun gegen den
abstieg geht, tja, auch damit hätte man rechnen können, spätestens in der
letzten winterpause, doch hochmut kommt vor dem fall! die erspielten
punkte gegen bayern und gladbach halten uns nun noch mit der nasenspitze
über wasser, mehr aber auch nicht.

 

Und dann auch der Kommentar von “HSV seit 1981″:

Absolut korrekt: Verantwortlich für die Mieserensaison 2011/2012 ist diese
Vereinsführung und diejenigen, die sie ins Amt gehievt haben.
Nur dagegen zu sein, hilft nicht. Man muss auch ein Konzept haben, dass
über Umbruch (oder war es Abbruch) hinaus geht.
Wer einen Verein mit Amateuren und wie einen Amateurclub führen will, der
wird auch bald mit solchen spielen.
Unter Hoffmann haben wir wenigstens – wenn es eine Saison schlecht lief -
um den letzten Qualiplatz für die Europa League mitgespielt und nicht um
die Relegation.

Drei kleinere Dinge noch.

1.) Der Beitrag von Thorsten Bettin, den ich hier gestern veröffentlichte, fand bei Freunden, Bekannten, Usern und Fans sehr viel Zuspruch. Danke dafür. Der Altenwerder-Trainer hatte ja viele Punkte kritisch hinterfragt, auch das Trainingspensum eines Profis allgemein – und das des HSV-Profis ganz speziell. Ich möchte zu diesem Thema nur sagen, dass so etwas immer wieder diskutiert wird auch von Amateurtrainern, die gelegentlich beim HSV zusehen. Ich habe mich in meinen über 30 Jahren beim HSV oft genug mit dieser Problematik befasst, und ich bin es, ehrlich gesagt, Leid, darüber zu schreiben. Ich kann nur sagen: So, wie dieser HSV jetzt unter der Regie von Thorsten Fink trainiert, so wurde er auch unter Michael Oenning, Armin Veh, Bruno Labbadia, Martin Jol, Huub Stevens, Thomas Doll, Frank Pagelsdorf, Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Martin Wilke und Co trainiert. Da gibt es keine großen Unterschiede. Und deswegen schreibe ich auch nicht mehr drüber.

Mir ist das, auch das gebe ich zu, viel zu wenig. Und viel zu wenig individuell. Aber auch das ist schon oft von mir geschrieben worden. Die Profis trainieren eben so, ob sich darüber ein Matz aufregt oder nicht. Und nun könnte ich diese ganzen Namen, die ihr eben gelesen habt, erneut runterbeten – sie haben alle so trainiert. Und so ist es offenbar Sitte. Und ein Trainer-Guru wie Otto Rehhagel, dem wird ja nachgesagt, dass er meistens nur spielen lässt, ansonsten soll sein Training antiquiert sein. Und? Was soll’s? Es ist so, wie es ist. Er wird sich nicht mehr ändern, kein Trainer in Deutschland (und in der Ersten Bundesliga) wird sich mehr ändern. Die ziehen ihr Ding so durch. Ende.

Eine kleine Nuance aber, das muss ich doch noch zugeben, gab es mal. Tatsache! Als Oenning von Veh übernahm, also der Co-Trainer seinen Chef beerbte, da zog Oenning kurz vor dem Ende der Saison das Trainingspensum doch noch einmal an. Im krassen Gegensatz zu allen ansonsten üblichen Aussagen aller oben aufgezählten Bundesliga-Trainer, die immer Stein und Bein schworen: „Gegen Ende der Saison bringt das überhaupt nichts mehr, den Grundstein für Ausdauer, Kraft und Kondition muss man in der Vorbereitung legen . . .“ Super. Dann legt mal schön weiter . . .
Und wenn ich schon dabei bin: Ich habe schon seit Monaten ganz einfach das Gefühl, dass sich Mannschaften wie Freiburg oder vor allem auch Augsburg ganz anders den Arsch aufreißen (können), als unser HSV. Aber das mag ja noch kommen . . .

Um das Thema abzuschließen: Lieber Thorsten Bettin, ich kann verstehen, dass Du skeptisch bist, wenn Du das alles siehst, aber ich kann Dir versichern, Du bist nicht der erste (Hamburger) Amateurtrainer, der ein solches Aha-Erlebnis im Volkspark hat, und Du wirst nicht der letzte sein. Ganz sicher Aber das ist alles ganz normal – wie in der ersten Bundesliga eben.

Wobei, und das muss schnell noch erlaubt sein, da fällt mir doch gerade noch ein kleines Nähkästchen ein: Unter Frank Pagelsdorf waren wir mal im Trainingslager an der Algarve. Da haben die Spieler während des Trainings auch oft im Gras und in der Sonne gelegen. So viel und so oft, dass wir uns draußen fragten, ob das noch „gesund“ ist? Irgendwann sprachen wir am Ende des Trainings auch darüber mit HSV-Boss Werner Hackmann und Sportchef Holger Hieronymus. Letzterer gab dann zu: „Komisch, das sehen wir genau so wie ihr – ich werde mal mit dem Trainer reden.“ Das tat er dann auch, was dazu führte, dass Pagelsdorf völlig sauer auf uns war. Irgendwann sprachen wir in großer (Presse-)Runde darüber, und der HSV-Coach sagte: „Holger Hieronymus hat mir gesagt, dass ihr euch bei ihm über mein zu lasches Training beklagt habt – und das finde ich einfach eine riesige Sauerei . . .“ So viel zum Thema: „Ich werde mal mit dem Trainer darüber reden.“ Und nun tatsächlich Ende mit diesem leidigen Thema.

2.) Heute um 21.45 Uhr gibt es bei beim TV-Sender „HH 1“ die Hamburger Presserunde zum Thema HSV, mit von der Partie ist „Lotto King Karl“.

3.) Und dann gibt es in der jetzigen Situation ja, Ihr werdet es gemerkt haben, unglaublich viele Witze über den angeschlagenen HSV. Ich sage immer: „Man muss auch über sich selbst lachen können. Und wer zuletzt lacht, lacht am besten.“

Hier ein Witz, über den ich lachen kann, schickte mir Bernd F. zu, auch dafür vielen Dank:

Die Fee gewährt dem Mann einen Wunsch.

Der Mann: „Ich möchte gerne unsterblich sein!”

Die Fee: „Tut mir leid, aber das ist der einzige Wunsch, den ich dir nicht erfüllen kann!”

Der Mann: „Okay, dann möchte ich erst dann sterben, wenn der HSV mal wieder – Deutscher Meister – wird!”

Die Fee: „Du raffinierter Kerl . . .”

PS: Training am Montag im Volkspark, wahrscheinlich um 15 Uhr, aber gesichert ist das nicht.

17.36 Uhr

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