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HSV nach Rot für Drobny chancenlos – 0:3!

14. März 2015

Auswärts nichts Neues. Der HSV gab seine Visitenkarte in Sinsheim ab und kassierte ein 0:3-Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Nichts Neues, aber alt und bekannt bleibt, dass dieser HSV immer tiefer in den Strudel Richtung Liga zwei kommt. Es ist im Fußball eine alte Weisheit, dass wenn man erst unten steht, kaum etwas geht. Und erst hatte der HSV kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu, denn in der 19. Minute foulte Torwart Jaroslav Drobny den durchlaufenden Schipplock, es gab Elfmeter und die Rote Karte für den Tschechen. Zu zehnt hatte der HSV, der schon komplett kaum zu Tormöglichkeiten kommt, keine reelle Chance mehr, auch nur ein Pünktchen zu holen. Es geht bergab, und am Freitag geht es im Volkspark gegen Hertha BSC – fast ein Endspiel, wenn man das sieht, was danach noch alle kommt. Und man mag es sich ja gar nicht weiter ausmalen, was passiert, wenn diese Pechsträhne weiter anhält. Es ist grausam – aber das Leben in der Bundesliga geht auch nach dem 25. Spieltag noch weiter.

 


 

Auf dem Weg zu diesem Artikel erfuhren wir die Aufstellung – und ich hätte fast einen Unfall gebaut. Fast wie fassungslos. Da hatte der Trainer aber wieder mal viel Bauchgefühl. Johan Djourou doch nicht, weil er im Hotel ein Infekt eingefangen haben soll. Dafür dann doch der Brasilianer Cleber, der während des Abschlusstrainings noch in Ungnade gefallen und von Joe Zinnbauer in die Kabine geschickt worden war. Aber dann: Ivo Ilicevic von Beginn an. Das ist mal eine Kehrtwendung. Vor Wochen ganz eliminiert, nun Hoffnungsträger. Und auch Julian Green dabei – auf der Bank. Der Leihspieler des FC Bayern fiel zuletzt bei der U23 in der Regionalliga nicht auf . . . Aber die Personalnot sorgt wohl für solche Kapriolen.
Und offenbar war Ilicevic auch besonders griffig und giftig, denn in der vierten Minute grätschte er sogar (unfreiwillig, natürlich) Valon Behrami um.

 

Apropos Behrami: Mit dem Auflaufen noch eine Überraschung: Der Schweizer ist der Ersatz-Kapitän! Sensationell. Das ist mal eine Karriere. Rafael van der Vaart, Johan Djourou und Rene Adler nicht im Team, Jaroslav Drobny wollte wohl nicht (oder hatte weniger Bock?), andere dann auch nicht – und Behrami macht ja auch Sinn. Nach den letzten „Schlag“-Zeilen stand er zu sehr im Mittelpunkt, und einen Kapitän stellt man als Schiedsrichter vielleicht nicht ganz so schnell vom Platz. Das schreibe ich um 15.42 Uhr – und nehme es auch nicht wieder zurück.
Bei der Gelegenheit, die älteren Herrschaften unter uns werden sich vielleicht daran erinnern, was ich zuerst gedacht habe, als Behrami die Mannschaft auf den Rasen führte: In den 60er-Jahren, ich weiß, ich weiß, es ist lange, lange her, kam der HSV schon einmal auf eine besondere Idee: Dieter Seeler wurde statt Uwe Seeler Kapitän. Weil Dieter nicht nur der Ältere war, sondern auch eisenhart. Er stand in fast jedem Spiel kurz vor einem Platzverweis! Dabei oft auch über die Grenze gehend. Aber als Kapitän genoss er bei den Unparteiischen dann einen gewissen Bonus, nicht ganz so schnell verwarnt zu werden. Das klappte sehr gut. Mal sehen, wie das mit Behrami klappt . . .

 

Wobei das nicht lange die wichtigste Frage dieses Spiels geblieben ist. Der HSV hatte sich des Drucks der Hoffenheimer zu erwehren, das tat er zunächst etwas hektisch, aber nach zehn Minuten koordinierter – und gut. Bis zur 19. Minute. Da wurde Schipplock in den HSV-Strafraum geschickt, Cleber kam nicht ran und auch nicht richtig hinterher, Jaroslav Drobny kam raus – Elfmeter. Es war einer, auch wenn „ganz Hamburg“ protestierte, auch der Keeper. Für ihn gab es Rot, Rene Adler wurde eingewechselt und Mohamed Gouaida musste raus. Pech für ihn, aber riesiges Pech für Drobny, und unfassbares Pech für den HSV. Ja, steht man erst einmal unten, dann kommt es eben immer knüppeldick. Obwohl auch die Frage gestellt werden darf, warum der HSV in dieser Szene so herrlich unsortiert stand – und so wunderschön offen? Darüber werden sich die Verantwortlichen aber ganz sicher (hoffentlich) noch Gedanken machen.

Den Elfmeter verwandelte Polanski mit Glück (22.), denn Adler dran noch war. Schade, schade. Aber wenn man erst da unten steht, dann . . .

 

Dann läuft es eben nicht mehr nach Wunsch, wenn man nur noch zu zehnt spielt. Dafür verkaufte sich der HSV bis zum Halbzeitpfiff noch ansehnlich. Vor allem oder in erster Linie im Defensivverhalten. Nach vorne ging kaum etwas, was nach Tormöglichkeit aussah – aber in diesem Punkt blieb auch der Gastgeber vieles schuldig. Das Spiel plätscherte irgendwie und meistens spannungslos still vor sich hin. Nur eine Chance hatte die TSG noch. Die aber war tatsächlich hochkarätig: Plötzlich kreuzte Firmino allein vor Adler auf, weil Dennis Diekmeier auf Abseits spielen wollte – der HSV-Keeper entschied das Duell für sich, er hielt den nicht allzu scharfen Schuss aus elf Metern sehr gut (44.). Pause.

 

Im zweiten Durchgang wollte Hoffenheim wohl ernst machen, die Hopp-Jünger drängten. Und hatten in der 48. Minute auch die große Chance zum 2:0. Diesmal aber schlug der freistehende Polanski, elf Meter vor dem Tor, ein Loch in die Luft – und am Ball vorbei. Das hätte er mal beim Elfmeter machen sollen . . .

 

Der Rest ist schnell erzählt. Hoffenheim ließ den HSV immer glauben, dass es noch zum 1:1 kommen könnte, aber dann gab es in der 81. Minute den Fangschuss. Wieder Polanski, diesmal traf er mit einem Schuss aus elf Metern in die lange Ecke – unhaltbar. Das war es dann mit dem HSV-Betriebsausflug nach Sinsheim.

 

Auch wenn der HSV in der 86. Minuten noch vor dem Anschlusstreffer stand, doch Baumann hielt den harten Schuss von Zoltan Stieber, der leider genau auf Mann gezielt (?) hatte. Im Gegenzug fiel dann in der 87. Minute das 3:0 für Rudy. Weil der HSV zum „Tag der offenen Tür“ gebeten hatte. Kurz-Kommentar von Trainer Joe Zinnbauer: er winkte kurz aber heftig ab! Zum Schluss zeigte der HSV bedenkliche (oder eher unbedenkliche?) Auflösungserscheinungen. Wenn es nicht das lange Spiel in Unterzahl war. Das wird zu ergründen sein.

 

Der HSV spielte mit: Drobny (bis 22. Min.); Diekmeier, Cleber, Westermann (ab 70. Min. Kacar), Ostrzolek (ab 80. Min. Holtby); Behrami, Jiracek; Gouaida (ab 22. Min. Adler), Stieber, Ilicevic; Olic.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny durfte nur bis zur 22. Minute, dann sah er Rot. Ganz bitter für ihn, aber es war wohl die richtige Entscheidung, denn die hohen und älteren Herren des Regelwerks wünschen ja diese dreifach Bestrafung: Elfer, Rot und Tor.

 


Dennis Diekmeier
hatte hinten rechts nur selten Probleme, aber nach vorne blieb er fast wirkungslos. Wenn er mal in der Rechtsaußen-Position auftauchte, kam die Flanke nicht zum richtigen Mann. Leider. Aber wer sollte sie denn auch in der Mitte abnehmen? Da steht ja höchst selten einmal ein Hamburger, der auf die Kugel lauert. Baute in der zweiten Halbzeit ab.

 

Cleber war nach dem Vorfall vom Abschlusstraining besonders giftig und zweikampfstark, aber beim 0:1 stand er nicht so gut. Ging bei jeder Standard-Situation des HSV mit vor das TSG-Gehäuse und war sichtlich bemüht, ein Tor zu erzielen. Das war lobenswert.

 

Heiko Westermann räumte ab, räumte auf, stand wie eine Eiche – der Rest wird jetzt von jedem von Euch erzählt . . . Musste in der 70. Minute, beim Stande von 1:0 für Hoffenheim, verletzt raus, das rechte Bein funktionierte nicht mehr so, wie er es wollte.

 

Matthias Ostrzolek war am Boden okay, in der Luft hat er (nach wie vor) Schwächen, auch im Spiel nach vorne, was fast gar nicht stattfand.

 

Valon Behrami hielt sich merklich zurück, wenn es um Zweikämpfe ging – das war okay, es geht also, die Koordination stimmt offenbar schon wieder. Der Kapitän lief viel, eroberte und erkämpfte etliche Bälle, das ist seine Stärke, die spielte er aus – Note drei.

 

Petr Jiracek knüpfte vor allem in Halbzeit eins an seine zuletzt guten Leistungen an, dann ließ er stetig etwas nach – ohne ganz abzufallen.

 

Mohamed Gouaida fand, wie zuletzt meistens, nicht sofort ins Spiel – und diesmal dann gar nicht. Weil er für den eingewechselten Rene Adler „geopfert“ wurde.

 

Zoltan Stieber war immer auf Achse, wollte viel, aber es gelang nicht ganz so viel. Auch die Standards fielen unter diese Rubrik.

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Ivo Ilicevic wirkte von Beginn an engagiert, aber das gab sich schnell – tauchte alsbald völlig ab. Sah aber noch Gelb, weil Volland nach Hollywood wollte – eine große schauspielerische Leistung, fast reif für einen Oscar. Aber die wurden nun ja gerade verteilt . . . Nur Freistoß für Hoffenheim, obwohl Ilicevic den Ball getroffen hatte.

 

Ivica Olic rieb sich als Einzelkämpfer vorne auf, weil er lief und lief und lief. Zum Abschluss aber kam und kommt er nicht, was sicher auch ein wenig an der Dezimierung lag.

 

Rene Adler
(ab 22. Min. für Gouaida) hielt sehr gut, aber wer hatte etwas anderes erwartet. So könnte er bald wieder die Nummer eins werden.

 

Gojko Kacar (ab 70. Min. für Westermann) wie man ihn kennt: Er könnte nachts um drei Uhr geweckt werden, und schon wäre er im Spiel. Stark.

 

Lewis Holtby (ab 80. Min. für Ostrzolek) kam rein, um noch etwas nach vorne zu bewegen – aber dann fiel das zweite TSG-Tor. Pech. Aber immerhin, es geht langsam aufwärts mit ihm.

 

Das war es zunächst vom Spiel aus Sinsheim gegen Hoffenheim, aber Ihr wisst es ja, es geht noch weiter – wie immer. Gleich sind wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über die soeben erlebten 90 Minuten sprechen. Unsere Gäste versprechen eine hochinteressante Sendung. Wir haben den ehemaligen HSV-Profi Stefan Schnoor sowie Kult-Sänger und HSV-Legende „Lotto King Karl“ für die nächsten Minuten „eingefangen“ und freuen uns darüber sehr, sehr, sehr, denn es kommt Klartext auf den Tisch des Restaurants „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel), in dem wir uns erneut versammelt haben. Vielen Dank, dass Ihr dabei seid, „Scholle“ und ich freuen uns, wenn Ihr per Bildschirm wieder bei uns sein würdet – bis gleich.

 

17.33 Uhr

Anmerkung von den Moderatoren um 19:40 Uhr: Es ist wohl so, dass jemand krank war und es deshalb zu Komplikationen mit dem Live-Stream kam. Die Aufzeichnung wird euch irgendwann zur Verfügung gestellt. Dieter tut es aufrichtig leid und er entschuldigt sich dafür.

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