Archiv für das Tag 'Jiracek'

Holtby begeistert – auf und neben dem Platz

5. November 2014

Vorweg das Wichtigste am heutigen HSV-Tag:

Herzlichen Glückwunsch Uwe Seeler!!
Fussball

 

 

 

 

 

 

 

 

Das HSV-Idol feiert heute seinen 78. Geburtstag und wir wünschen ihm von Matz ab aus alles Gute, eine tolle Feier und vor allem: Gesundheit.

 

Seeler, der den Auftritt des HSV gegen Bayer in den allerhöchsten Tönen gelobt hatte, ist ein selbst ernannter Fan von dem Mann, den ich für eine uneingeschränkt starke Verpflichtung halte. Und diese Meinung vertreten sicherlich nicht nur Uwe Seeler und ich, klar. Aber ich muss gestehen, dass sich mein Eindruck nach dem Gespräch heute mit Lewis Holtby noch verstärkt hat. Der Junge hat richtig was! Auf dem Platz sowieso – und definitiv auch neben dem Platz. Fast jeder Satz, der heute von ihm kam, war 1:1 abdruckbar. Geschliffen in der Wortwahl und inhaltlich einwandfrei. Und wenn man mal das Gefühl hatte, dass das alles schon gar zu weichgespült rüberkommt, musste man sich nur Holtby anschauen, um zu merken, dass der Junge wirklich so tickt. Ein 23-Jähriger mit dem Auftreten eines Routiniers – stark.

Holtby wurde auch heute nie müde, die Bedeutung der bevorstehenden Aufgaben zu betonen sowie seine Teamkollegen und sich selbst stark in die Pflicht zu nehmen. Welche Durchschnittsnote er sich für seine bisherigen Leistungen geben würde, fragte mein geschätzter Kollege Florian Rebien (Mopo) und Holtby antwortete: „Ich überlasse meine Benotung lieber Außenstehenden, die können das besser. Aber ich kann für mich sagen, dass ich mit meinen Leistungen bislang nicht zugfrieden bin. Ich habe noch eine ganze Menge Luft nach oben. Gerade was meinen letzten Pass und meine Kreativität im vordersten Drittel anbelangt, muss von mir noch mehr kommen.“ Stimmt. Wirklich Torgefahr strahlt der Deutsch-Brite noch nicht aus. „Aber wenn es um unsere spielerische Weiterentwicklung geht, muss jetzt gerade von den van der Vaarts und Holtbys bei uns mehr kommen“, hatte Zinnbauer gefordert – und er rennt bei Holtby offene Türen ein: „Das ist schön zu hören, weil ich die Rolle eines Führungsspielers sehr gern annehme. Das ist auch mein Anspruch, das habe ich immer betont. Ich weiß, dass ich es in mir habe und der wahre Lewis Holtby, so wie ich es mir vorstelle, noch nicht auf de Platz stand. Aber ich bin mir sehr bewusst darüber, dass ich allein nichts reißen kann und wir nur im Verbund stark sind. Nur so holt man gegen Bayern einen Punkt und gewinnt solche Spiele wie gegen Leverkusen. Hier entsteht von Woche zu Woche mehr, alle kommen wieder richtig gern zur Arbeit. Fußball macht allen wieder Spaß, wie man gegen Bayer gesehen hat. Da ist auch unsere Bank komplett aufgesprungen, wenn was los war. DAS ist Teamgeist. Da haben wir dem Gegner gezeigt, dass hier nichts zu holen ist, das wir alle zusammenhalten. Und so wollen wir auch weiterhin auftreten.“

FussballIm Mittelfeld am liebsten zusammen mit Rafael van der Vaart. „Ich habe diese Diskussion ehrlich gesagt nie verstanden und mich auch nie daran beteiligt. Ich habe hier auch keine außergewöhnliche Konkurrenz zwischen uns erkannt, im Gegenteil: Rafa und ich verstehen uns auf und neben dem Platz super. Und es ist doch logisch, dass der Trainer das Beste aufstellt, was er hat. Es gibt eh nur das eine Ziel: Gewinnen. Und dem ordnen sich bei uns alle unter“, so Holtby, der mit dem Auftritt gegen Leverkusen kämpferisch zufrieden war, „auch ich. Es gilt hier nicht, über van der Vaart oder Holtby oder sonstwen zu diskutieren, es geht nur ums Kollektiv. Das Ganze muss stimmen auf dem Platz. Und dazu gehören auch ein Jiracek, ein Steinmann oder auch Arslan, der seine Sache gegen Leverkusen richtig gut gemacht hat. Erst, wenn wir uns ausschließlich als Kollektiv verstehen, können wir uns entwickeln. Wir lernen jetzt, die Basics zu konservieren – und das Spielerische muss sich langsam dazugesellen. Wir müssen über unsere Trainingseinheiten Automatismen herstellen. Wir müssen taktisch und in den Zweikämpfen diszipliniert auftreten und die Spielzüge des Trainers verinnerlichen. Das wird kaum unter der Woche geschehen, sondern dauert und gehört eher in eine Vorbereitung, in ein Trainingslager, wo man viel einstudieren kann.“

Bis dahin gilt es, das 4-1-4-1-System mit van der Vaart und Holtby umzusetzen. „Wir sehen uns noch kritisch, weil wir noch Lücken haben. Aber wir spielen es schon ziemlich konsequent und diszipliniert. Es funktioniert schon ganz gut“, so Holtby, der weiß, dass es vor allem einen Grund, weshalb es funktioniert: Weil Valon Behrami dahinter abräumt, was abzuräumen ist. Der Kämpfer mit den anhaltenden Knieproblemen ist sowas wie die Mittelfeld-Versicherung. „Er ist ne Granate, eine absolute Maschine, unfassbar, was der wegarbeitet. Der ist verletzt und kann eigentlich gar nicht auflaufen – und dann läuft der wie ein Bär 90 Minuten alles ab und geht in jeden Zweikampf rein. Der Typ ist einfach Gold wert. Er hat den Biss, den wir brauchen. Und die Erfahrung. Kurz gesagt: Er sieht mit seiner Frisur nicht nur aus wie ein Chef, sondern man merkt einfach, dass er bei vielen großen Vereinen gespielt hat, dass er die Qualität hat.“

Und das Beste: Behrami konnte heute wieder mittrainieren und absolvierte die komplette Einheit, während Marcell Jansen noch zwei Tage individuell arbeiten wird, ehe es am Freitag wieder auf den Platz geht. Da morgen individuell trainiert werden soll (die Spieler haben Vorgaben für individuelle Läufe mitbekommen) wollen Johan Djourou und Nicolai Müller am Freitag wieder auf dem Platz stehen. Ihre Einsätze in Wolfsburg sind dem Vernehmen nach nicht gefährdet.

Topfit ist Holtby. Das sieht man ihm an. Und es hat einen guten Grund, denn Holtby arbeitet nicht nur an der Imtech-Arena an sich, sondern auch privat. Mit Christian Titz, einem aktuell arbeitslosen Fußballlehrer, analysiert er seine Spiele separat, trainiert entsprechend extra. Auch in der Länderspielpause wird Holtby zusätzliche Einheiten mit Titz absolvieren, der dafür extra nach Hamburg kommt. „Mit Titz trainiere ich alles. Und ich telefoniere regelmäßig mit ihm.“ Ansätze zur persönlichen Verbesserungen ergeben sich so immer wieder. „Im Moment setze ich vielleicht zu viel auf das Läuferische und dadurch kommen andere Dinge zu kurz.“

Holtby klingt nicht nur extrem vernünftig, er verhält sich auch so. Neben den Extraeinheiten und den Analysen hat er seit einigen Jahren einen Mentaltrainer – und macht Yoga. „So große Spieler wie Ryan Giggs haben vorgemacht, was das ausmachen kann. Die haben auch jenseits der 40 Jahre noch auf allerhöchstem Niveau gespielt“, so der Linksfuß, der in der Mannschaft schon erfolgreich für Yogatraining geworben hat. Gut möglich, dass demnächst eine ganze Gruppe HSV-Profis Yoga macht. „Wir haben es vor“, so Holtby, der sich in der Mannschaft wie auch in Hamburg schnell eingelebt hat. In Winterhude untergebracht ist Hamburg für ihn nach London wie Urlaub. „In London brauchst Du ein anderes Nervenkostüm, das ist alles deutlich stressiger als hier. Hamburg ist angenehmer, das ist im Vergleich fast schon dörflich. Hier ist es einfacher zu leben, viel angenehmer“, lacht Holtby, der auch mit dem bevorstehenden Bundesligagegner gute Erinnerungen verbindet. „Mit Mainz haben wir dort mal 0:3 zurückgelegen und am Ende noch 4:3 gewonnen.“ Ähnliche Ziele hat er auch jetzt: „Wir sind da sicher kein Favorit, nur weil wir Leverkusen geschlagen haben. Aber wir fahren ohne Angst dahin und wollen Punkte mitnehmen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, wir sind auf der Hut. Aber wir wissen eben auch, dass wir es können.“ Ob er glaubt, dass man in Wolfsburg eine Atmosphäre herstellen kann wie zuletzt in der Imtech-Arena? „Schwer zu sagen. Aber darum geht es auch nicht allein. Wir als Mannschaft müssen geschlossen auftreten wie in Dortmund oder zuletzt gegen Leverkusen. Dann werden auch die ja immer extrem zahlreich mitgereisten HSVer sicher auch angesteckt und steuern ihren Teil bei. Es liegt – wie immer – allein an uns.“ Und ich bin mir sicher, wenn der HSV nur einen Bruchteil dessen umsetzt, was Holtby für sich formuliert hat, ist auch beim Werksklub etwas zu holen.

In diesem Sinne, morgen ist nichts los an der Imtech-Arena. Erst am Freitag geht es um 15 Uhr weiter. Und während die Spieler nach ihrem jeweiligen Lauf frei haben, weilt Trainer Joe Zinnbauer am Abend in Wolfsburg, wo er sich deren Auftritt in der Europa League anschauen will.

Bis morgen,
Scholle

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »