Archiv für das Tag 'Jiracek'

“Sonnabend stehen Spieler mit Herz auf dem Platz”

17. April 2014

Es wird wirklich Zeit, dass wieder gespielt wird. Denn alles, was gesagt wird, wiederholt sich. Und während ich eine Mischung aus gelangweilt und genervt bin, gibt sich Trainer Mirko Slomka unvermindert optimistisch und voller Tatendrang. Ob das wirklich seinem aktuellen Gemütszustand entspricht, vermag ich nicht zu sagen. Aber das ist auch egal. Immerhin agiert der Trainer weiter als Vorreiter in Sachen Wille und Kampfgeist. Als verbaler Antreiber – wie am Anfang der Woche. Da hatte Slomka den Spielern ihre Fehler aus dem Hannover-Spiel vorgehalten und Lösungen aufgezeigt. Und die Ansprache hat Wirkung gezeigt. „Man spürt sofort, wie das ankommt“, sagt Slomka und versichert, dass die Mannschaft „eine Reaktion zeigen will“. Und das muss sie auch. Denn das Spiel gegen Wolfsburg ist nicht nur so genannt ein Endspiel. Insbesondere mit Blick auf die Auswärtsschwäche des HSV und der Tatsache, dass nach dem VfL nur noch die Übermannschaft des Rekordmeisters aus München zu Gast ist.

Nicht helfen können weiterhin Zhi Gin Lam, Slobodan Rajkovic und Marcell Jansen, wobei bei Letztgenanntem der Heilungsprozess nach der Knöchel-Operation deutlich schneller voranschreitet als eingeplant. „Marcell ist sehr weit und deutlich vor seinem Plan. Unser Ziel ist, dass Marcell in der kommenden Woche schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigt und uns anschließend gegen Augsburg schon zur Verfügung steht“, hofft Trainer Mirko Slomka auf eine Rückkehr des Nationalspielers, der seinerseits noch sportliche Nachweise erbringen will, weshalb ihn Bundestrainer Joachim Löw mit zur WM nehmen muss.

Keine Empfehlungen für seine Nominierung konnte zuletzt Rafael van der Vaart erbringen, der gegen Wolfsburg definitiv ausfallen wird, nachdem er heute nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Dafür wirkten heute schon Milan Badelj und Heiko Westermann auf dem Trainingsplatz am Ball mit. Noch separat mit Rehatrainer Markus Günther – aber beide sollen am Sonnabend mitwirken können. „Wir kämpfen mit allen Mitteln darum, sie dabei haben zu können.“

Fit ist definitiv die positive Überraschung – nein: die größte Freude der Saison, Hakan Calhanoglu. Der 20-Jährige hat seine leichte Rachenreizung auskuriert und wirkt topfit. „Ich bin gut drauf, fühle mich gesund und fit“, sagt der letzte Hoffnungsträger in der Offensive nach Lasoggas voraussichtlichem Saisonaus. Dass durch das Fehlen des Topstürmers sowie die Verletzung vom eh formschwachen Rafael van der Vaart viel Verantwortung auf seinen Schultern lastet, stört Calhanoglu nicht. „Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen. Klar spüre ich Druck, weil alle Augen plötzlich auf mich gerichtet sind. Aber ich lasse das gar nicht zu nahe an mich heran.“ Wie? Ganz einfach: Nicht nachdenken. „Und das ist eine meiner Stärken“, so Calhanoglu, „auf dem Platz mache ich mir einfach keine Gedanken.“ Okay, das klingt witzig, aber wir alle wissen wohl, wie Hakan Calhanoglu das meint.

Ebenso oft wie die Aussprache seines Nachnamens (Hakan selbst: „Dschall-anol-lu“) habe ich zuletzt über die Bedeutung des Deutsch-Türken für den HSV diskutiert. Denn klar ist, dass Calhanoglu in dieser Saison einer der wichtigsten Spieler für den HSV ist. Und ich persönlich werte das als Zeichen für die mangelnde Kaderzusammenstellung. Denn bei allem Respekt vor dem Leistungsvermögen des besten Freistoßschützen seit Ewigkeiten im HSV, eigentlich darf das nicht so sein. Der normale Verlauf wäre, dass sich Calhanoglu in seiner ersten Bundesligasaison an einem Weltklassemann wie Rafael van der Vaart orientiert und in der Liga etabliert.

Dass er dabei immer wieder mit Geniestreichen glänzen kann – logisch! Das ist absolut erwünscht und erhofft. Und das macht er auch. Aber dem 20-Jährigen jetzt schon die Rolle eines Leaders in der vielleicht schwierigsten Situation der HSV-Historie zuzugestehen ist allemal gefährlich. Denn wer weiß schon, wie stabil dieser junge, angehende Bundesligastar wirklich ist. Und nur zum Verständnis: Ich rechne es Hakan groß an, dass er sich der Verantwortung stellt und sie annimmt. Ich behaupte aber auch, dass er die Folgen selbst nicht absehen kann und sehe darin eine große, unnötige Gefahr.

Aber okay, bislang sind es zum Glück noch mehr die Hoffnungen denn die Erwartungen der Fans, dass Calhanoglu den HSV rettet. Um den Jungen zu schützen, erwähnt Slomka auch immer wieder die Bedeutung von Spielern wie Rene Adler („In absoluter Topform“), Heiko Westermann und Milan Badelj. Selbst van der Vaart wird der Trainer nicht müde, starkzureden. Und das ist auch gut so. Alternativlos – wie ich dem gestrigen Blog angemessen sagen würde… ;-)

Für mich auch ein Hoffnungsträger: Ivo Ilicevic. So bitter das ist, einen so verletzungsanfälligen Spieler als Strohhälmchen zu nehmen, der Kroate hat wenigstens das Potenzial, vorn für Gefahr zu sorgen. Und das gegen die zweifellos anfällige Defensive der offensiv im Gegenzug umso stärkeren Wolfsburger. „Im Offensivbereich ist Wolfsburg extrem besetzt“, lobt Slomka, „aber in der Rückwärtsbewegung sind sie anfällig.“ Wer das nutzen soll? Natürlich: Hakan Calhanoglu: „Er sucht die Entscheidung“, frohlockt Slomka, der gegen Wolfsburg voraussichtlich Petr Jiracek wieder auf die Bank setzen wird, da für den Linksfuß nach der Rückkehr von Westermann und Ilicevic auf links sowie Badelj zentral kein Platz mehr zu sein scheint. Es sei denn, Calhanoglu (über Außen finde ich ihn deutlich wirkungsvoller) oder Tolgay Arslan rücken ins Zentrum hinter die einzige Spitze Jacques Zoua. Wobei Letztgenannter im Training im Moment alles schuldig bleibt, was er zuletzt hatte erhoffen lassen. Aber, da ist wieder mein Lieblingswort, Zoua ist eben alternativlos…

Und bevor ich hier wieder anfange, die beschwörenden Sätze gelobter Besserung seitens der Spieler zu wiederholen, will ich diesen Blog mit der Hoffnung beschließen, dass Slomka das richtige Gespür für seine Mannschaft hat. Denn der HSV-Trainer, der wieder die Bedeutung des Zusammenspiels von Mannschaft und Fans betonte („Unser zwölfter Mann ist entscheidend“) betonte, sieht seine Mannschaft in einem Reifeprozess: „Die Analyse hat Wirkung gezeigt. Ich werde der Mannschaft verdeutlichen, dass jedes Spiel ein Endspiel ist und es immer weiter geht. Egal, ob wir gerade mal erfreut oder enttäuscht sind. Und das bis zum Rest der Saison. Angefangen mit dem ersten Sieg des HSV in einem Samstagabend-Topspiel mit Typen auf dem Platz, die das vom Herzen her können und wollen. Denn man kann merken, dass die Mannschaft den letzten Eindruck am Sonnabend wieder umdrehen will.“

Ich kann es nur hoffen. Denn es ist so verdammt wichtig. Es ist sogar alterna… – nein, das schenke ich mir. Ihr wisst ja, was ich meine…

Bis morgen. Da wird übrigens ob des Fanmarsches der Supporters nicht wie geplant unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. „Wir freuen uns über den tollen Zuspruch unserer Anhänger“, so Slomka, „da wollen wir sie nicht aussperren.“

Also, kommt hin. Ich werde da sein.

Scholle

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »