Archiv für das Tag 'Jiracek'

Mach’s noch einmal, Ivi!

30. Januar 2015

Auf den Tag vor acht Jahren lernten wir im damals noch AOL-Arena heißenden Volksparkstadion einen jungen, schüchternen, kein Deutsch sprechenden Kroaten kennen, der bei Hertha BSC die Bundesligatauglichkeit abgesprochen bekommen hatte und der über ZSKA Moskau den Weg nach Hamburg fand. Mit einer gewöhnungsbedürftigen Frisur, die Ivica Olic heute bei der Pressekonferenz zur Belustigung aller Anwesenden als „noch russische Frisur“ bezeichnete.

Heute vor genau acht Jahren: Olic wechselt mit seiner "russischen Frisur" das erste Mal zum HSV.

Heute vor genau acht Jahren: Olic wechselt mit seiner “russischen Frisur” (oder meinte er Didi??) das erste Mal zum HSV.

Seit 8.30 Uhr im Dienst des HSV beim Medizincheck. Um 14.11 Uhr offiziell als HSV. Ausgestattet mit einem Vertrag bis 2016. Und ich freue mich ausdrücklich darüber. So stark ich einen Transfer von Josip Drmic gefunden hätte (und noch immer finden würde… ;-)), Olic wird dem HSV helfen.

Bei der Facebook-Gruppe von Matz ab schrieb Ole Preikschas: „Olic ist wie eine Ein-Mann-Büffelherde.“ Und wisst Ihr was? Das ist absolut zutreffend. Emotional überrennt der Kroate schon heute nahezu alle. Die Meldung, dass der Linksfuß zurückkehrt, lässt sogar bei den ärgsten Kritikern andere existenzielle Baustellen kurzzeitig verschwinden. Sie sorgt für Euphorie. Oder hat gestern einer von Euch noch großartig darüber nachgedacht, dass der HSV zentral defensiv ein massives Problem hat? Nein, und das macht auch überhaupt nichts. Man darf sich in dieser schwierigen HSV-Zeit auch einfach mal nur freuen, ohne damit Schaden anzurichten – wenn am Ende zumindest die HSV-Verantwortlichen alles im Blick behalten. Und das haben sie.

Aber zurück zu DEM Thema: Ivica Olic. Der dribbelte heute morgen frisch und fröhlich beim Medizincheck auf. Und irgendwie werde ich bei dem Offensivmann den Eindruck nicht los, dass ihm genau das Spaß macht: Körperlich bis an die Grenzen gehen. Mein sehr geschätzter und in Sachen Olic immer am besten informierter Kollege Thomas Hiete, der Olic in Wolfsburg kennengelernt hat und seither – wen wundert’s? – ein sehr gutes Verhältnis zu dem 35-Jährigen pflegt, schrieb heute morgen: „OIlic zerstört gerade den Medizincheck“ – ein weiterer, sehr passender Vergleich. Denn bis heute komme ich nicht umher, Olic sportlich als „Maschine“ zu sehen. Trotz zweier Knie, die jedem halbwegs normal durchtrainierten Menschen Sorgen bereiten müssten.

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Nicht aber Olic – die „Ein-Mann-Büffelherde“ macht schlichtweg immer mindestens einen Schritt mehr als alle anderen. „Er ist fitter als man es sich vorstellen kann“, sasgt Bastian reinhardt, der 2007 dabei war, als Olic aus Moskau nach Hamburg wechselte. Und ich habe im Zuge meiner Knie-Operationen und den anschließenden Behandlungen meines Knorpelschadens die Ärzte immer wieder gefragt, wieso Olic noch immer einer der fittesten Fußballer überhaupt sein kann. Ich bekam immer dieselbe Antwort: „Er hat eine unfassbar gut durchtrainierte Muskulatur, die seine Knie hält. Und die hat er, weil er unbändig fleißig sein muss.“ Und das ist er bekanntermaßen. Auf dem Platz ackert Olic bis zum Umfallen. „Er sieht nach den Spielen immer aus, als hätte er einen Ganzkörperkrampf“, hatte Dietmar Beiersdorfer einst gesagt und das lobend gemeint: „Und am nächsten Tag reißt er das Pensum gleich noch mal ab. Unfassbar.“

Zugegeben, Olic ist mit 35 Jahren keine Investition in die Zukunft und mit zwei Millionen Euro Ablöse auch nicht billig. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass seine Mentalität der Mannschaft helfen wird, sein Teamdenken die Mannschaft noch enger zusammenrücken lässt. Und vor allem bin ich überzeugt davon, dass er auf dem Platz erneut das Vorbild sein wird, das diese Mannschaft sucht. „Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass ein gesunder Ivica Olic am Ende den großen Unterschied ausmachen wird. Durch Tore und Vorlagen – aber noch mehr durch seine unglaublich mitreißende Art. Ivi ist einfach nicht totzukriegen. Wenn wir früher pausiert haben, weil wir am Ende waren, ist er in den Kraftraum.

Ivica Olic und Bastian Reinhardt bei der gemeinsamen Verabschiedung 2009 neben dem damaligen Sportchef und heutigen Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer.

Ivica Olic (l.) und Bastian Reinhardt bei der gemeinsamen Verabschiedung 2009 neben dem damaligen HSV-Sportchef und heutigen Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer.

Und ich weiß, das macht er noch heute so. Und das zeichnet ihn auch aus. Hat man ihm im Training den Ball abgenommen, konnte man sicher sein, dass er nur Millisekunden später wieder an dir dran war und sich den Ball zurückholte. Er ist das Beispiel an Einstellung, das junge Spieler heute brauchen, um zu lernen, wie es richtig ist“, lobt Reinhardt. „Wenn der HSV schlau ist, gibt er Olic einen Vertrag bis zu dem Zeitpunkt, wo er nicht mehr laufen kann. Und ich bin mir sicher, dass Ivi nach Vertragsende noch lange nicht aufhört. Aös er bei uns ankam, hatte er immer mindestens zwölf Kilometer Laufleistung – und davon einen Kilometer im Sprint, was unglaublich ist. Der Nächstbeste hatte immer 300 bis 400 Meter im Vollsprint. Ich hatte vielleicht gerade mal 150 Meter“, lacht Reinhardt, der sich sicher ist, dass das noch heute so bei Olic ist: „Der ist topfit.“

Olic wird wird laufen, laufen, laufen – dann treffen – und gleich wieder laufen. „Er wird auch immer mal wieder Aktionen drin haben, wo alle denken: ‚Wie kann das passieren?’ Aber er wird die Aktionen so lange wiederholen“, weiß Reinhardt, „bis sie einmal klappen und damit alle Kritiker verstummen lassen.“ Und das ist der aus meiner Sicht auch zweifelsfrei realistische Plan der HSV-Granden Joe Zinnbauer, Peter Knäbel und Dietmar Beiersdorfer. Die hatten sich lange Zeit um den mit 22 Jahren deutlich jüngeren und perspektivischeren Josip Drmic bemüht. Vergebens. Zumindest bis jetzt. Dass Knäbel jetzt sagt, Olic sei der Wunschspieler des HSV – es ist alles andere als gelogen. Zumal er nicht gesagt hat, es sei der einzige Wunschspieler.

Denn davon gibt es immer ein paar mehr. Zdravko Kuzmanovic ist auch so einer. Und der defensive Mittelfeldspieler ist weiter Plan A des HSV. Obgleich der abgebende Verein Inter Mailand ein erstes Angebot des HSV (soll bei drei Millionen gelegen haben) abgelehnt hat. Und obwohl der HSV weitere Kandidaten hat, die nicht minder gut sind. Zuletzt wurde der ehemalige Real-Madrid-Star Lassana Diarra, der vereinslos ist und sogar noch nach Ablauf der Transferfrist wechseln dürfte, dafür im Gehalt wahrscheinlich nicht realisierbar ist. Zudem sollen neben Inter auch der AC Mailand und Klubs aus England Interesse haben. Zudem geistert seit Donnerstagabend der Name eines viel versprechenden französischen Talentes über die HSV-Flure: Adrien Rabiot. Der 19-jährige Franzose gilt als großes Nachwuchstalent im defensiven Mittelfeld und hat beim Champions-League- und Ibrahimovic-Klub gerade einen sehr gut dotierten Vertrag bis 2019 unterschrieben. Mehr als ein Leihgeschäft ist hier also nicht drin. Und inwieweit das Sinn macht, ohne die Möglichkeit auf einen Kauf – mehr als fraglich.

Nein, bei aller Euphorie und Freude über Olic bleibt es dabei, dass der HSV auf der Sechs ein massives Problem hat, solange Valon Behrami ausfällt. Sechs Spiele sollen das Stand jetzt werden. Und so, wie ich Knäbel und Beiersdorfer kenne, wird sich hier noch etwas tun. Muss auch. Im Übrigen soll sich der HSV mit dem Chilenen Marcelo Diaz über einen Wechsel bereits einig sein. Einzig mit dem abgebenden Klub FC Basel konnte der HSV noch keine Einigung erzielen, will die Schweizer Zeitung „Blick“ wissen. Demnach soll der HSV bereits zwei Millionen Franken geboten haben – zu wenig für den FCB der Schweiz.

Im Training heute zeigte sich indes, dass es am morgigen Sonnabend um 15.30 Uhr in der (Noch-)Imtech-Arena gegen den 1. FC Köln neben Olic einen weiteren Rückkehrer geben wird: Slobodan Rajkovic. Der Serbe wird aller Voraussicht nach neben Johan Djourou verteidigen, während Heiko Westermann ins defensive Mittelfeld rückt. Nicht in der A-Elf: Zoltan Stieber, der sich zu Beginn der Woche noch große Hoffnungen machte und als einer der Gewinner der Vorbereitung galt. Für ihn scheint der wieder genesene Petr Jiracek wieder ins Team zu rutschen, während sich Marcell Jansen bei Zinnbauer wieder als Linksverteidiger durchgesetzt zu haben scheint. Einzige Spitze im 4-1-4-1-System: Ivica Olic. Und der Kroate deutete im ersten Training gleich einmal an, wie entscheidend er sein kann, indem er um 16.29 Uhr das einzige Tor des Trainingsspiels erzielte. „Ich freue mich auf morgen“, so Ivi nach dem Training glücklich.

In diesem Sinne: Mach’s noch einmal, Ivi! Oder zweimal, oder dreimal – ach, egal! Mach es so oft und solange, wie Dich Deine Füße tragen. Willkommen zu Hause!

Bis morgen,
Scholle

HSV: Drobny – Götz, Djourou, Rajkovic, Jansen – Westermann – Müller, van der Vaart, Jiracek, Gouaida – Olic.

P.S.: Für Maxi Beister und Ivica Olic flogen Julian Green und Matthias Otrzolek aus dem Kader.

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