Archiv für das Tag 'Jiracek'

Die Verantwortlichen bleiben ruhig – und das ist gut so

26. September 2014

„Wir sind hier jetzt eine Woche mit der Mannschaft unterwegs.“ Sagt Joe Zinnbauer und meint damit, dass keine Wunder erwartet werden dürfen, sehr wohl aber gute Arbeit. Dem Hype nach dem Bayern-Spiel folgte die Enttäuschung nach dem Gladbach-Spiel. Meinte zumindest ein Kollege heute. Und ich konnte dem gedanken gar nicht folgen. „Wir vollbringen hier kein Wunder, sondern wir haben einen Weg und brauchen Zeit“, so Zinnbauer, der beim spätnachmittäglichen Training insbesondere die Abläufe für den Offensivbereich üben ließ. „Gegen Bayern und Gladbach haben wir schon defensiv gut gearbeitet“, so Zinnbauer, dessen Dreistufenplan zuerst „die Stabilisierung der Defensive, dann das Mittelfeld und eben jetzt die Offensivaktionen“ vorsieht, wie er bei der PK heute erklärte. „Es fehlt uns einfach der letzte Pass.“

Wer aber aus dem Mittelfeld diesen Ball spielen soll, wusste Zinnbauer nicht zu benennen. Stattdessen nahm er die gesamte Mannschaft in die Pflicht. „Grundsätzlich müssen alle diesen Pass spielen können“, so der HSV-Trainer, der allein deswegen schon sehnsüchtig auf die Rückkehr von Rafael van der Vaart warten dürfte – und auch noch warten muss. Denn der Niederländer trainierte auch heute noch nicht mit der Mannschaft, soll aber in der kommenden Woche wieder mit ins Mannschaftstraining einsteigen und nach Möglichkeit in einer Woche am kommenden Sonnabend in Dortmund wieder als Kapitän die Mannschaft anführen.

Bis dahin könnte auch eine Doppelspitze interessant sein. Dachte ich, zumindest. Nein, ich hoffte es irgendwie. Zinnbauer allerdings erweckte heute nicht den Eindruck, als sei es auch seine Präferenz. „Denkbar ist alles“, so Zinnbauer ausweichend, er wolle erst noch abwarten, wie sich die Spieler im Training präsentierten. Zumal der eine oder andere noch kleine Wehwehchen hätte. Soll heißen: Ich glaube daran, dass Zinnbauer zum dritten Mal in Folge die identische Startelf ins Rennen schickt.

Und obgleich ich noch immer überzeugt davon bin, dass der HSV keine, (bzw. nicht diese) Doppelsechs braucht, hat Zinnbauers Taktik Charme. Denn so würde er demonstrieren, dass er Geduld und Vertrauen nicht nur predigt, sondern es auch vorlebt. Es wäre ein weiterer Schulterschluss zwischen Mannschaft und neuem Trainer. Denn selbst diejenigen, die draußen sind, wissen dann, dass sich gute Leistung auszahlt. Auch wenn es ihnen im Moment anders vielleicht etwas lieber wäre, zumal Zinnbauer heute nicht müde wurde, die Qualität der Mannschaft hervorzuheben. „Die Mannschaft hat Gesicht gezeigt, sie rückt zusammen und hat auch nach dem 0:1 in Gladbach nicht die Köpfe hängenlassen.“ Zudem habe er sich das Video vom Spiel noch zweimal angesehen und sei der Meinung, dass es besser war, als es teilweise gemacht wurde. „Unser Spiel war nicht so schlecht, es fehlte nur der letzte Ball in die Box“, so Zinnbauer, der glaubhaft versichert, dass ihn der Negativrekord des VfL Bochum nicht interessiert. „Das ändert auch nichts daran, dass wir das Tor wollen, wir wollen alle gewinnen.“ Einzig die ständige Wiederholung des Übels könne hemmende Wirkung haben: „Wenn ein Spieler das jeden Tag in der Zeitung liest, macht er sich wohl seine Gedanken.“ Insofern hoffe ich zumindest in diesem Fall einfach mal, dass die Spieler ihren Worten Taten folgen lassen und „aus Prinzip“ keine Nachrichten über den HSV lesen.

Für Abendblatt-Blogs


Zumindest bei Lasogga mache ich mir da im Übrigen eher weniger Sorgen. Ich glaube nicht, dass der Angreifer zu viel darüber nachdenkt, warum es nicht funktioniert. Ich glaube, dass der bullige Topstürmer einfach weitermacht, bis es klappt. Er ackert nach besten Kräften und wird von Spiel zu Spiel langsam fitter. Eben so, wie er es heute in „Bild“ angekündigt hat. „Der größte Fehler wäre es, jetzt zu viel nachzudenken“, sagt er dort und betont ebenso wie Zinnbauer heute auf der PK, dass es kein Kopfproblem sei und er sich sicher sei, dass der Knoten bald platzt. „Und dann richtig.“

Die Pressekonferenz als Audio-Datei (Danke, Lars!!):

Im Training heute traf Lasogga schon mal. Und nicht nur er. Nachdem es eine längere Videoanalyse gegeben hatte, kam die Mannschaft mit knapp 20 Minuten Verspätung zum spätnachmittäglichen Training. Nach einem Spielchen auf verkürztem Feld wurden Torabschlüsse trainiert. Und dabei war von Ladehemmung keine Spur. Weder beim Spielchen, wo der geschonte Behrami von Jiracek ersetzt und ansonsten die gleiche Startelf in einem Team agierte, noch beim anschließenden Schusstraining. Wobei, das mit dem Training und der tatsächlichen Spielleistung hatten wir ja schon oft genug…

Oft genug hatten wir auch das Thema Peter Knäbel. Im Blog sogar schon im Juli, als es das erste intensive Werben des HSV gab, was zunächst nicht zu einem einvernehmlichen Ende führte. Aber Dietmar Beiersdorfer ist hartnäckig geblieben und hat nachgesetzt. So lange, bis der ehemalige St.-Pauli-Profi (einer der besten Techniker zu seiner Zeit) nachgab und dem Schweizer Fußball-Verband seinen Entschluss mitteilte, nach Hamburg zu wechseln. Dafür soll dem Vernehmen nach eine kleine Ablöse fällig werden – dennoch glaube ich, dass Knäbel der richtige Schritt ist. „Der Schweizer Fußball-Verband gilt als extrem gut sortiert“, hatte mir Bernhard Peters im Trainingslager in Österreich erzählt und im selben Atemzug gesagt: „Und das ist nicht zuletzt auch sein Verdienst.“

Klingt doch gut. Zumal Dietmar Beiersdorfer so endlich die Unterstützung hat, die er braucht, um den Kader in den nächsten Monaten und Jahren weiter umzubauen. Heute war Dalibor Lacina bereits im Vorstandsbüro und legte dem HSV-Boss seine Spielerliste vor. „Da sind viele junge, talentierte Leute dabei“, so Lacina, der auch Petr Jiracek betreut und gemeinhin nicht viel mit Journalisten über das Geschäft spricht. Heute aber schien er nach dem Gespräch etwas loswerden zu wollen: „Dieser HSV hat wieder einen Plan. Man merkt, dass hier in eine Richtung gedacht wird. Das ist gut.“ Stimmt. Wenn dem so ist – und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln – dann ist das gut. Sehr gut sogar. Knäbel sagt auf HSV.de: „Ich habe in meiner Hamburger Zeit die Region und die Menschen schätzen gelernt und weiß wie groß die Sehnsucht nach sportlichem Erfolg ist. Ich freue mich mit Dietmar Beiersdorfer und Bernhard Peters bei den zukünftigen sportlichen Konzepten und der Neuausrichtung des Vereins mitwirken zu können.“

Fazit: Beim HSV wird tatsächlich langfristig gedacht. Auf Vorstandsebene ebenso wie direkt an der Mannschaft. Und das ist gut so. Jetzt fehlt nur noch ein Dreier gegen Frankfurt. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird übrigens – wie heute auch dann wieder mit Julian Green, der seine Rippenprobleme ausgestanden hat – unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Ich habe es als Kommentar auf „Senger“ heute schon geschrieben und bestätige es auch hier gern noch einmal: Ich werde die de-Vrij-Geschichte hier im Blog auflösen. Nachhaltig, eindeutig. Aber dafür muss ich mich nach dem Terminkalender meines Zeugen richten, mit dem diese ganze Geschichte für den 1. September abgesprochen und terminiert war. Leider konnte er dann nachvollziehbar doch nicht, hatte anschließend zweifellos wichtigere Baustellen und zuletzt konnte ich nicht, weil ich Wichtigeres zu tun hatte, als meine Unschuld zu beweisen (was eh schon paradox ist…). Zudem hatte ich im Blog vor einiger Zeit auch angekündigt, dass es doch noch etwas dauern könnte, dafür aber eindeutig wird und bat um Vertrauen – weil ich weiß, dass ich es rechtfertigen werde. Früher oder später. Insofern bin und bleibe ich ganz ruhig. Bis er kann. Und wer mich bis dahin als Lügner sieht oder meine journalistische Integrität gefährdet sieht, der/die soll das gern tun. Ich bin nur gespannt, was diejenigen machen, wenn ich den Beweis erbracht habe. Wobei, ehrlich gesagt ist mir das gar nicht so wichtig.

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »