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Labbadia: „Man darf nie aufgeben. Nie!“

14. Mai 2015

Das war mal ein ganz besonders schöner Vatertag. Oder? Schön ist eigentlich falsch, es war ein ungewöhnlicher Vatertag. Weil ich den HSV trainieren hören konnte. Was für ein besonderes Erlebnis. Ich hörte den HSV, konnte ihn aber nicht sehen. Geheimtraining heißt das Zauberwort. Es wurde nicht hinter den weißen Lappen geübt, sondern in der Arena, und die war hermetisch abgeriegelt. Alles ganz geheim, wie der HSV am Sonnabend in Stuttgart gewinnen will. Und wenn es denn so kommt, dann finde ich auch jedes Geheimtraining der Welt völlig gerechtfertigt. Völlig. So aber, zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel am Neckar, kann ich Euch nicht berichten, wie das Training gelaufen ist, wer gut war, war schlecht war, wer laut war, wer früher vom Platz ging – null. Immerhin sickerte durch, dass Petr Jiracek heute nicht trainieren konnte, weil er seit dem gestrigen Training einen so dicken großen Zeh hat, dass er nicht in einen Fußballstiefel hinein kam. Soll aber wohl morgen, wenn wieder ganz geheim trainiert wird, wieder behoben sein. Ebenfalls nicht trainiert haben – jedenfalls nicht im Stadion – heute Valon Behrami und Nicolai Müller. Beide werden wohl auch bis zum Saisonende, das ja ohnehin ganz nah ist, ausfallen – bei Müller ist es ja schon seit einer Woche beschlossen und verkündet.
Dagegen kehrte heute der Brasilianer Cleber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Ob der Innenverteidiger in Stuttgart schon wieder mit von der Partie ist, ließ sich Trainer Bruno Labbadia noch offen: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, ob wir ihn in Stuttgart oder erst gegen Schalke brauchen, das wissen wir nicht – das, was wir heute von ihm gesehen haben, das war ordentlich, nun müssen wir abwägen, ob es schon sinnvoll ist, ihn mit nach Stuttgart zu nehmen.“ Ich denke und behaupte einmal: nein. Cleber wird noch ein Woche auf die Wiese gehen müssen, ehe er wieder dabei ist. Wenn überhaupt. Das kommt auch auf den Ausgang des Stuttgart-Spiels an.

 

Kurz noch zum Thema Behrami zurück. Der Schweizer liegt seit einigen Wochen flach, Knie- und Oberschenkel-Probleme. Bruno Labbadia zu seinem vielleicht schwierigsten Patienten: „Seine Probleme rühren her von seiner Operation, die er im Winter hatte, und sie sind eine Folge davon, dass er nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, das aufzuarbeiten. Da kommen viele Dinge zusammen, das ist sehr schade, aber wir müssen das akzeptieren. Wir müssen jetzt so mit ihm arbeiten, dass wenn wir ihn doch noch brauchen, er notfalls doch noch einsteigen könnte – aber im Moment ist das schwer.“

 

Auf der faulen Haut, das muss ich noch schnell einfügen, habe ich trotz allem während des Geheimtrainings zwischen zehn Uhr und 11.30 Uhr nicht gelegen, ich habe mir das Training der U23 „reingezogen“. Die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso und Soner Uysal spielt an diesem Sonnabend in Lübeck um Punkte. Nur um Punkte, nicht um die Meisterschaft, dieses Ziel wurde ja am vergangenen Wochenende durch eine 0:2-Heimniederlage gegen Havelse verspielt. Und ich hatte den Eindruck, dass vor allem Uysal immer noch stocksauer darüber ist, dass die Meisterschaft so leichtfertig verspielt wurde. Aber so is Lebbe. So richtig aufgefallen ist mir bei diesem Training keiner, es waren ja auch die besten Leute beim gleichzeitigen Profi-Training beschäftigt . . . Für einige Minuten sah auch Sport-Chef Bernhard Peters dem bunten Treiben im Volkspark zu. Und Helm-Peter, der total enttäuscht war, dass er den Profis nicht mal durch ein Loch im Kunststoffzaun mit einem Auge folgen durfte. Aber es gibt ja Schlimmeres.

 

 

Zum Spiel gegen Stuttgart. Ich gebe zu, dass ich nicht besonders optimistisch bin. Das ist bei mir eigentlich ein ganz normaler Vorgang, diesmal aber wird dieser noch durch zwei Dinge etwas negativ beeinflusst. Erstens hat der HSV zuletzt gegen Freiburg wieder einmal, bis auf zehn Minuten in der Schlussphase, seine hässliche Fratze gezeigt, und zweitens befindet sich der VfB Stuttgart, auch wenn das die Ergebnisse nicht unbedingt belegen, seit einigen Wochen in einer konstant guten Form. Und die Schwaben haben nach dem 2:0 gegen Mainz ihr zweites Heimspiel in Folge, das halte ich für den jetzigen Stand der Meisterschaft, also zwei Spieltag vor Schluss, als etwas ungewöhnlich, aber es ist wohl vom Terminplaner her nicht anders möglich. Und da zuletzt, also am vergangenen Wochenende, in Stuttgart die „Hölle los war“, beim Spiel gegen Mainz, wird das auch für den HSV nicht so sonderlich leicht, dort gegen zwölf Mann zu bestehen. Wer sich erinnern kann: Die Super-Stimmung beim VfB wurde am vergangenen Montag von allen Zeitung und Illustrierten besonders hervorgehoben.

 

Leicht wäre das Spiel ohnehin nicht geworden, aber so wird es noch etwas schwerer. Für den HSV. Vermute ich jedenfalls. Und wenn ich so an Martin Harnik denke, den Hamburger im VfB-Trikot, dann wird mir sowieso schon immer leicht „schwummerig“, denn der Österreicher trifft ja ganz besonders gerne gegen den HSV, der einst sein Talent (bei Vier- und Marschlande) nicht erkannt (oder verschmäht) hatte. Sei es wie es sei, auf Harnik bin ich besonders gespannt – und Matthias Ostrzolek dürfte es bereits jetzt ähnlich ergehen. Da wird der ehemalige Augsburger schon mal sein Gesellenstück schmieden können, wenn er Harnik an die Kette legen würde. Wird aber haarig, keine Frage.

 

Und wer spielt beim HSV? Rene Adler im Tor, keine Frage. Die Viererkette davor bleibt auch unverändert, und auch die beiden Sechser dürften im Team bleiben: Gojko Kacar und Rafael van der Vaart. Dann aber wird es schon weniger mit den Stammplätzen. Ich denke mal, ohne dass ich ihn heute auf dem Rasen gesehen habe, dass Lewis Holtby wohl eher auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Seine Vorstellung gegen Freiburg war doch viel zu wenig, als dass er noch einmal die Chance von Beginn an erhalten müsste. Ein Mittelfeld mit Zoltan Stieber, Ivica Olic und Marcell Jansen hätte gewiss seinen Reiz, allerdings würden sich dann dort gleich drei „Linksfüßer“ die Ehre geben, und ob das so spannend ist? Ich weiß es nicht. Aber Bruno Labbadia wird es wissen, das verriet er uns heute schon nach dem Training. Er hat die Aufstellung schon im Kopf, aber soweit geht die Liebe eben doch nicht, als dass er sie uns schon in die Blöcke diktieren würde. Geduld ist angesagt. Ich könnte mir trotz der Vorbehalte gegen drei „Linksfüßer“ vorstellen, dass es so kommen wird – und vorne soll und wird sich dann Pierre-Michel Lasogga versuchen.

 

Klingt doch auch nicht schlecht, diese Aufstellung. Aber im Ernst, so richtig schlecht klang die HSV-Aufstellung auch während dieser Saison eigentlich nie, und trotz allem wurde teilweise ein so finsterer Fußball zum Abgewöhnen dargeboten. Es kommt eben auf die Tagesform der Helden an – und auf die mentale Verfassung. Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, heißt es ja so schön schon seit Wochen, nun wollen wir alle mal hoffen, dass die HSV-Jungs – alle – ihre Köpfe dafür frei haben. Nur mal so zur Erinnerung: Stuttgart als Schlusslicht hat 30 Punkte auf dem Konto, der HSV als Tabellenvierzehnter 32 Punkte. Sollten der VfB gewinnen . . .
Dann müsste der HSV wohl ganz auf die eine Woche später folgende Heim- und Schlusspartie gegen Schalke 04 setzen. Wirklich nur mal so am Rande. Damit sich alle, wirklich alle mental auf die Begegnung mit den Schwaben einstellen.
Meine Kollegen sind übrigens fast alle sehr bis verhalten optimistisch. Am meisten wurde ein 2:2 getippt, wobei ich mich frage, wer denn zwei Tore . . . Nun gut, auch das gab es ja zuletzt. Sohar einmal ein 3:2. „Helm-Peter“ wurde heute vom NDR-Hörfunk nach seinem Tipp gefragt – und was sagte er? Na klar, 2:2. Sollte es so kommen, werde ich ihm (im Picknick und beim nächsten Geheimtraining) eine Currywurst mit Pommes spendieren, damit er immer gut gestärkt auf seinem Drahtesel nach Hause strampeln kann.

 

Apropos Geheimtraining. Bruno Labbadia erklärte den Rückzug ins Stadion heute wie folgt: „Wir wollten einmal in der Abgeschiedenheit einige Dinge abtrainieren, vor allem auch die Ruhe genißene, die dazugehört – gerade am Vatertag.“ Auf Stuttgart bezogen sagte der HSV-Coach: „Wir sehen das Spiel als weitere Chance, unsere Situation weiter zu verbessern. Wir haben uns mit den letzten drei Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, die wollen wir nun weiter verbessern.“ Co-Trainer Eddy Sözer und Sport-Direktor Peter Knäbel haben ja vor einer Woche den VfB gegen Mainz 2:0 gewinnen sehen und konnten mit Sicherheit live und vor Ort einige wichtige Eindrücke mit nach Hamburg bringen. Was, darüber allerdings schwieg der Trainer: „Sie haben mir berichtet, dass der VfB ein ordentliches Spiel gemacht hat – aber wir kennen den VfB ja auch, wir wissen, was auf uns zukommen wird, aber wir konzentrieren uns letztlich auf uns selber.“

 

Mein „Sky“-Kollege Sven Töllner sprach bei seiner Frage an den HSV-Trainer von einem „glücklichen Punktgewinn gegen Freiburg“ (so hätte ich es ganz sicher auch formuliert – weil es ganz glücklich war!), aber Bruno Labbadia stellte das 1:1 für sich in ein rechtes Licht: „Es war ein erkämpfter Punkt!“ Wie dem auch sei. Ich will das Spiel gegen Freiburg auch nicht im Nachhinein noch einmal von allen Seiten beleuchten, für mich war es einfach nur schlecht (vom HSV), und zwar erschreckend schlecht. Bis auf die Schlussphase. Und ich glaube, dass auch alle HSV-Verantwortlichen gut daran täten, wenn sie diese 90 Minuten aus dem vorletzten Heimspiel der Saison so oder ähnlich negativ einschätzen oder einstufen würden. Alles andere wäre Augenwischerei.
Bruno Labbadia relativierte aber aus seiner Sicht: „Das sieht man nicht nur bei uns, dass es da Schwankungen gibt, das ist auch bei anderen Mannschaften zu sehen. Ich habe zum Beispiel Kaiserslautern gegen St. Pauli gesehen, da lagen die Lauterer plötzlich 0:1 zurück und es ging nicht mehr viel. Das war bei uns ebenfalls so: Wir hätten das 1:0 gegen Freiburg machen können, kriegst aber das 0:1 und dann passieren solche Spiele. Dann, mit dem 1:0 im Rücken, macht es der Gegner auch gut, und dann gibt es solche Spiele. Freiburg hat es dann auch richtig gut gemacht, wir nicht – aber das haben wir ja auch zugegeben. Und ich habe einige Sachen bei uns gesehen, die nicht so liefen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Dass es doch noch ein 1:1 gab, lag vornehmlich daran, dass Labbadia voll auf Offensive setzte und noch jeden Stürmer einwechselte, den er noch hatte. Auch wenn Maximilian Beister vielleicht einige Minuten zu spät kam, wie etliche Kollegen noch am Sonntag bemerkten.

 

Immerhin konnte Bruno Labbadia als Coach doch noch etwas Positives aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen: „Es hat uns gezeigt, dass wir immer wieder aufstehen können. Dass wir zwar mal kurz am Boden liegen, dass wir mal Rückschläge erleiden, aber dass wir immer wieder dagegen an arbeiten, das hat uns dieses Spiel gezeigt, aber auch schon die Spiele davor. Wir sind zuletzt immer wieder aufgestanden, und das bringt uns dann auch eine gute Stimmung in die Mannschaft. Man darf nie aufgeben. Nie.“

 

Keine Frage (die am Rande eines Trainingstages immer mal wieder aufkommt!) spielt übrigens für den Trainer, ob Rafael van der Vaart auch in Stuttgart wieder zur Auflaufformation gehören wird: „Rafa hat sich gleich zu Anfang im Training gezeigt, dass er dem Verein und der Mannschaft helfen will. Das haben wir aufgenommen. Dann haben wir ihn auf verschiedenen Positionen eingesetzt, aber ganz klar ist er derjenige, der für mich auf der Acht spielen könnte – weil er eine gewisse spielerische Qualität bei uns reinbringt.“
Jetzt spielt der „kleine Engel“ aber auf der Sechs, doch auch das sieht der Trainer nur positiv: „Er hat das dort mit Gojko Kacar gemeinsam, was die Arbeit betrifft, was die Kompaktheit betraf, sehr gut gemacht. Und von dem her ist es gut, dass der Kapitän zuletzt solche Leistungen gebracht hat.“ Bruno Labbadia dann noch zum Abschluss über van der Vaart: „Ich glaube, dass er sich als Kapitän von seinem Verein einfach nur gut verabschieden will, und dazu kann er selbst viel beitragen.“ Mit einem Spiel mit Herz und Leidenschaft. Und das wird der Niederländer auch, bei aller Kritik, die es immer wieder mal für ihn gibt, auch am Sonnabend wieder an den Tag legen.

 

Apropos Tag. Bruno Labbadia befand über sein Wirken im Moment (weil er von den meisten neutralen Beobachtern gelobt wird): „Der Abstiegskampf hat mich zu einem kompletteren Trainer gemacht. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten, aber ich brauche es nicht jeden Tag.“

 

Das Schlusswort zum Vatertag, aber eher schon im Hinblick auf Stuttgart, kam auch noch von Labbadia, der befand: „Wir haben uns zuletzt eine Ausgangslage geschaffen, von der wir vor einigen Wochen nur geträumt haben. Diesen Weg müssen wir jetzt weiter gehen. Das ist ein Kraftakt, aber es hilft nichts, es sind ja nur noch zwei Spiele.“

 

Und für die gilt:

Verlieren verboten!

 

Nur der HSV!

 

PS: Nachdem Lars Pegelow gestern so gefeiert wurde, weil er an Carl-Edgar Jarchow (der an diesem Freitag seinen letzten offiziellen HSV-Tag hat) gedacht hat, möchte ich mich auch noch kurz daran versuchen – und mir meine Belobigungen dafür abholen. Schon jetzt dafür ein herzliches Dankeschön!

Da ich weiß, dass im Hause Jarchow auf jeden Fall einer bei Matz ab mitliest, mache ich das mal so:

„Lieber Herr Jarchow, Sie haben gewiss keine schöne zweite HSV-Zeit (nach der Aufsichtsrat-Tätigkeit) gehabt, im Gegenteil, Ihr Wirken gestaltete sich äußerst zäh und wenig erfolgreich. Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich Ihren Mut bewundert habe, dass Sie dieses Amt übernommen haben. Kaum ein anderer HSVer hätte das gemacht. Und obwohl Sie ziemlich schnell wussten, was Sie da übernommen hatten, verlängerten Sie auch noch. Warum auch immer, spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich, Dieter Matz, das Handtuch geworfen.
Sie hatten in meinen Augen nie eine richtige, eine faire Chance, den HSV wieder nach oben zu führen, weil die Club-Kasse chronisch leer war. So ist es, die Ausnahme heißt Klaus-Michael Kühne, bis heute geblieben – und nun wollen wir mal sehen, wie sich der HSV in Zukunft so machen wird.

Auf jeden Fall waren Sie immer ein fairer Gesprächspartner, und obwohl Sie mitunter recht heftig kritisiert und attackiert wurden, haben Sie immer Rede und Antwort gestanden, ohne ausfällig oder beleidigt zu sein. Das war hanseatisch stark und immer Erste Liga!
Das muss Ihnen erst einmal – vor allem über eine so lange Zeit – einer nachmachen. Natürlich haben Sie auch manchen Fehler gemacht, ganz klar – aber wer macht die nicht? Diejenigen, die nun am meisten in die Luft gehen, die sollten sich vielleicht selbst einmal fragen, ob das alles so richtig ist, wie sie ihren Weg gehen – oder bislang gegangen sind . . .

Alles Gute für Ihren weiteren Weg, ich freue mich, dass Sie zum Hamburger Fußball-Verband gehen werden – ich bin dann ein „Untergebener“ von Ihnen.

Dieter Matz

 

18.04 Uhr

Spätes Training – später Blog. Und späte Hoffnung…

5. Mai 2015

Da machte der regen dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Um 18 Uhr sollte das Training beginnen. Um 18.40 Uhr konnte die Mannschaft den regendurchnässten Rasen betreten und beginnen. Ziel der ungewöhnlichen Trainingszeit war es, dass die Spieler nach dem gestrigen regenerativen (Auslauf-)Training eine möglichst lange Zeitspanne Pause haben, ohne gleich einen ganzen Tag auszusetzen. Durch das Sonntags- und jetzt Freitagsspiel haben wir uns für diesen Rhythmus entschieden“, so Trainer Bruno Labbadia, der so versucht, die Spannung hoch zu halten. Wobei sich die Aufstellung schon größtenteils aus der Verletztensituation ergeben dürfte. Denn heute fehlten neben Ilicevic (Oberschenkelquetschung), dem ausfallenden Müller (Knochenödem) und Cléber auch weiterhin Jaroslav Drobny und Petr Jiracek (alle drei mit Muskelproblemen) sowie Valon Behrami, der auch am Freitag gegen Freiburg ausfallen wird, wie Labbadia heute bestätigte.

Trotz dieser Ausfälle funktioniert Labbadias Angang bei der Mannschaft. Weil momentan alles irgendwie zu funktionieren scheint. Was auch immer angefasst wird, es passt irgendwie. Von den Umstellungen in der Startelf bis zu den Ergebnissen und der daraus resultierenden Stimmung. Selbst der unantastbare „Kaiser“ Franz Beckenbauer hat sein Urteil revidiert und prophezeit dem HSV inzwischen den Klassenerhalt. Er dichtet dem Ganzen zwar eine Menge „Glück“ an – aber wen störts? Mich jedenfalls nicht. Aber: Dass die Mannschaft mit einer Niederlage am Freitag gleich wieder hinten dran wäre – es wird lediglich verdrängt.

 

Aber das ist ja das „Phänomen Hamburg“: Binnen eines Wimperschlages wird eine emotionale 180-Grad-Wendungen vorgenommen. Zwei Siege und Platz 14 lassen die Fans träumen. Nur gut, dass die Spieler anders ticken. Zumindest anders klingen. „Das war ein kleiner Schritt – aber unten punkten alle. Wir haben noch drei ganz harte Ritte vor uns“, lässt sich Marcell Jansen zitieren. Entscheidend für mich ist aber vielmehr, dass wirklich alle Spieler den Fokus auf das Freiburg-Spiel zu legen scheinen. Sie wissen um die unverhoffte Chance, die ihnen am Freitag geboten wird. Denn die Partie gegen Mitabstiegskandidat Freiburg kann im Erfolgsfall einen zweifellos vorentscheidenden Charakter haben angesichts der Restprogramme der Abstiegskandidaten. „Ich glaube, dass wir am Freitag gegen Freiburg punkten werden“, sagt Thomas von Heesen. „weil die Mannschaft begriffen hat, dass sie mit einem geschlossenen Auftritt das kleine Wunder noch schaffen kann. Und ich glaube fest daran, dass die Aussicht auf eine eigens herbeigeführte Rettung die Mannschaft beflügeln wird und wir am Ende die Klasse halten.“

Ebenso denkt übrigens Kerem Demirbay, der in Kaiserslautern gerade sein erstes Profitor erzielte – mit einer direkt verwandelten Ecke. „Warum einfach, wenn es auch so geht“, lacht der vom HSV verliehene defensive Mittelfeldspieler und meint damit sowohl seinen ersten Treffer als auch die HSV-Saison. „Ich hoffe, dass die Mannschaft irgendwie drin bleibt“, so Demirbay, der sich zu den besten Mittelfeldspielern der zweiten Liga entwickelt hat. Allerdings umging er zuletzt eine klare Antwort auf die Frage, ob er denn zurück zum HSV wechseln werde. Und das, obwohl man beim HSV nichts anderes zulassen will und voll auf Demirbay setzt.

 

Demirby soll ein Baustein des „Umbruchs 4.0“ werden. Oder schon 5.0? Egal, auf jeden Fall scheint sich für den erneuten Umbruch aktuell einiges zu bewegen, wie auch von Heesen am Sonntag in unserer Matz-ab-Sendung andeutete. Während Bernhard Peters den HSV im Jugendbereich weiterhin versucht, umzustrukturieren, kümmert sich der jüngst zurückgetretene Aufsichtsrat zusammen mit dem Direktor Profifußball, Trainer Bruno Labbadia sowie Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer um die Voraussetzungen, in Zukunft an die Toptalente Europas herantreten zu können. „Wir sind bereits seit längerer Zeit dabei, die Strukturen dahingehend aufzustellen und aktuell in der Phase, wo letzte Verfeinerungen vorgenommen werden“, so von Heesen zuversichtlich.

 

Ziel wird es sein, dass der HSV in den nächsten zwei, drei Jahre auf jeweils zehn Top-Talente in den Jahrgängen direkt unterhalb der Profimannschaft zurückgreifen kann. Zuletzt hatte man sich um das Mittelfeldtalent Krystian Bielik gekümmert, musste aber ob der geforderten die Millionen Euro ebenso passen wie letztlich bei Nathan. Der brasilianische, offensive Mittelfeldspieler war dem HSV angeboten worden und wollte zunächst auch kommen. Zusammen mit dem Vater hatte sich der 19-Jährige höchstselbst vom HSV überzeugt.

Bringt er dem HSV neue Toptalente? Thomas von Heesen

Bringt er dem HSV neue Toptalente? Thomas von Heesen

Und während der HSV bei Bielik vorrangig an der zu hohen Ablöse scheiterte, war es bei Nathan das zu zögerliche Verhalten. „Ein Verein, der finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen kann, muss haushalten, ganz klar“, sagt von Heesen, fordert aber zugleich: „Andererseits zeigt das Beispiel Nathan, was möglich ist. Er wechselt jetzt für rund acht Millionen Euro zum FC Chelsea, während wir gerade einmal einen Bruchteil dessen hätten bezahlen müssen.“ Rund eine Million Euro sollte Nathan kosten – eine Summe, bei der in Hamburg schon einiges abgewogen werden muss. Oder nicht? Von Heesen setzt darauf, dass man in Hamburg mutiger wird: „Manchmal muss man das Risiko gehen, um am Ende trotz geringer Mittel einen großen Coup zu landen. Fakt ist: Heutzutage kommt es bei allen Entscheidungen auf Tempo an. Man muss schneller sein als alle. Und wir arbeiten daran, diese Struktur zu schaffen.“

 

Dass er nur Aufsichtsrat geworden sei, um als so genannter Trojaner HSVPlus zu unterstützen, entkräftet von Heesen schnell. „Die Gespräche sind zu Saisonbeginn aufgenommen worden und die Ideen haben sich entwickelt. Ich wollte meinem Verein helfen – und will es immer noch. Letztlich ging es aber auch darum, wo ich dem Verein am besten helfen kann.“ Und das scheint im operativen Geschäft besser möglich zu sein. Von Heesen, der über ein ausgeprägtes Netzwerk potenter Investoren (in Spieler, nicht Anteile) verfügt, soll ein Investorenmodell entwickeln, bei dem junge Spieler zum HSV kommen, die man aktuell gar nicht anzusprechen braucht. Dabei werden Investoren mit einbezogen, die letztlich an der Wertsteigerung der Spieler beteiligt werden, wenn sie hier erfolgreich ausgebildet werden und in der Bundesliga-Mannschaft erfolgreich auftreten. Im Grunde ist es ähnlich wie einst Klaus Michael Kühne beim HSV mit Guerrero, Jansen, Aogo und Westermann. Damals hatte sich Kühne im Rahmen des Hoffmann-Modells „Anstoß hoch drei“ mit 12,5 Millionen Euro beteiligt.

 

Wichtig sei zudem die Tatsache, dass der HSV den Talenten neben dem Geld die sportliche Struktur von unten nach oben bieten könne, so von Heesen, der den HSV im Nachwuchs zu einer Top-Marke machen soll und will. Auch mit der Unterstützung von Kühne, der von Beginn an in die Gedankenspiele mit einbezogen war und begeistert sein soll. Während sich der HSV so die Chance auf Spieler, die man sich ausgebildet nicht mehr leisten könnte, eröffnet, soll den Spielern in Hamburg eine kompakte Ausbildung geboten werden. Schule, Fußball – Profitum. Den Trainerstab soll Peters in den nächsten Monaten und Jahren sukzessiv entwickeln und ausbilden, der Campus wird dank der Finanzspritze Alexander Ottos gebaut, und die Zusammenarbeit mit dem Profiteam ist mit Labbadia bereist besprochen. „Die Voraussetzungen sind wirklich gut“, so von Heesen, „jetzt liegt es an uns, das Ganze umzusetzen.“

 

Und wer von Heesen kennt, der weiß, dass der ehemalige HSV-Profi kein Schwätzer sondern ein Macher ist. Von Heesen kennt die Mechanismen des Marktes aus dem Effeff und verfügt über ein Netzwerk, das sich auf Nachwuchsspieler spezialisiert hat.

Ein Glücksfall für den HSV?

Ich glaube schon. Denn von Heesen spricht nicht allein von der Verpflichtung etlicher Toptalente für viel fremdes Geld, sondern vor allem davon, dass der HSV versuchen muss, Spieler auszubilden, die in Hamburg etwas aufbauen und sich mit dem Verein identifizieren. Immer wieder nennt er das Beispiel Heung Min Son. Am Sonntag fragte er Dieter: „Für wen geht man gern ins Stadion? Für wen gehst Du gern ins Stadion?“ Und Dieter antwortete: „Rafael van der Vaart.“ Bezeichnenderweise nannte Dieter einen Spieler, der mit 32 Jahren bereits auf den letzten Metern seiner großen Karriere ist. Warum Dieter das sagte? Weil der HSV andere Spieler gar nicht mehr zu bieten hat.

 

Womit wir wieder bei Kerem Demirbay sind. Der Linksfuß zählt wie noch viel deutlicher auch Jonathan Tah zu der Kategorie Spieler, die der HSV in der aufbieten muss, wenn er seinem neuen Nachwuchsmodell auch erfolgreiche Beispiele anheften will. Beispiel dafür, dass der HSV jungen Spielern Karrieren eröffnet. Denn von diesem Image ist der HSV noch weiter entfernt als vom Erreichen eines Champions-League-Halbfinales. Aber es ist in der wohl noch auf Jahre angespannten Finanzsituation der aussichtsreichste Weg zurück zum Erfolg. Und vielleicht wird dieser Weg, der hier vor Jahren als „großer Umbruch“ angekündigt wurde und jährlich wird, dann endlich einmal mit Leben gefüllt.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich nach der Pressekonferenz sowie dem anschließenden Training um 14.30 Uhr wieder bei Euch.

 

Bis morgen,

Scholle

Das Gefühl der Deutschen Meisterschaft

30. April 2015

Wenn die Stimmung eines Trainers ein Gradmesser ist für die Atmosphäre im gesamten HSV, dann braucht sich niemand Sorgen zu machen um das Abschneiden des Teams von Bruno Labbadia am Sonntag in Mainz. Das 3:2 gegen den FC Augsburg war nicht nur punktemäßig ein Brustlöser, sondern auch atmosphärisch. Der Trainer kommt ungeheuer locker rüber, und vermittelt er seinen Spielern eine ähnliche Gelassenheit, dann sollte es grundsätzlich auch Anlass zu Optimismus geben für einen ordentlichen Auftritt in der Coface-Arena.

Einen Knackpunkt hat Labbadia, dessen Pressekonferenz ihr hier wie gewohnt und komplett sehen könnt, aber auch genannt. Der HSV-Coach erwähnte die Aussage von Rafael van der Vaart mitten in der Jubel-Welle vom vergangenen Sonnabend. „Ein Gefühl wie eine Deutsche Meisterschaft“ hat van der Vaart dort beschrieben. Und mit dieser Aussage kommt gleich zweierlei zum Ausdruck.

Zum einen beschrieb „Rafa“ damit die Bedeutung des Erfolgs, die er gespürt hat. Nach neun sieglosen Spielen muss den Hamburger Kickern ein Dreier in der Bundesliga wie die Erklimmung des Mount Everest, wie das Durchtauchen des Mariannen-Grabens oder die Umsegelung der Erde auf einem Surfbrett vorgekommen sein. Oder eben die Deutsche Meisterschaft. Eine unglaublich hohe Hürde wurde überwunden. Glückwunsch dazu.

Gleichzeitig wohnt in solch ungewöhnlich großen Leistungen, oder auch nur in der Empfindung dessen, auch schon der nächste Misserfolg inne. Dass der HSV in den vergangenen Jahren so unglaublich selten nach einem Sieg nachlegen konnte – ausnahmsweise im Februar mit den Siegen in Paderborn und gegen Hannover -, untermauert die Misserfolgsmentalität in Hamburg. Siege sind gar keine Selbstverständlichkeit mehr beim HSV, wie es Bruno Labbadia heute ausdrückte. Insofern ist in Hamburg nach einem Sieg zuletzt immer wieder eine Niederlage gefolgt. Keine Spannung, kein Druck, keine weitere Sehnsucht nach Erfolg, kein Sauerstoff mehr auf dem Gipfel des Mount Everest. Keiner von Labbadias Vorgängern hat diese Haltung ausmerzen können. Nun ist Labbadia dran. Vielleicht gelingt es ihm.

Ich hatte unter der Woche die Gelegenheit mit Henning Vöpel, dem Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zu sprechen. Er hat hat eine Theorie genannt, warum der HSV nun schon dauerhaft der Musik hinterher rennt. Seiner Ansicht nach ziehe der HSV seit Jahren seine Motivation aus dem Erhalt des Dino-Images. Also der Vermeidung eines Misserfolgs. Da, so Vöpel, ist überhaupt keine positive Motivation bei, etwa einen Titel zu holen oder wenigstens eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. Zwar wird oft genug ein positives Ziel formuliert von der Vereins-Führung, aber gelebt, so Vöpel, werde doch nur der Dino und die Ewige Uhr, die um Gottes Willen nicht aufhören darf zu ticken.

Sicherlich ein guter Ansatz, hiermit müssen sich die Vereins-Vorderen dann am Anfang der nächsten Serie auseinander setzen. Im Moment könnte man zwar versuchen, ein positives Ziel auszugeben (Platz 15), doch im Kern geht’s aktuell leider auch wieder nur um die Vermeidung eines sportlichen GAUs, des Abstiegs in Liga zwei. Immerhin packt Labbadia das Ganze positiv an und vermutlich auch mit der ersten Elf, die auch gegen den FC Augsburg auf dem Rasen stand.

Ob diese Prognose bis zum Sonntag Bestand hat, werden die nächsten Trainingseinheiten zeigen. Valon Behrami und Lewis Holtby stehen nach ihren abgesessenen Sperren jedenfalls wieder zur Verfügung. Ob Labbadia sie berücksichtigt – fraglich. Ziemlich unwahrscheinlich ist, dass Marcelo Diaz in Mainz zum Einsatz kommt. Nach seiner Adduktorenverletzung deutet doch eher vieles auf ein Comeback im Freiburg-Spiel fünf Tage später hin.

Was die Gerüchteküche angeht, ist heute mal wieder mit dem Namen von Rafael van der Vaart gespielt worden. Und zwar im türkischen Internet-Portal „Fanatik“. Dort werden gleich eine ganze Reihe von angeblichen Interessenten genannt: Besiktas und Fenerbahce, Trabzonspor und Bursaspor. Niederländische Spieler haben durchaus Tradition am Bosporus, und tatsächlich könnte man sich ja einen Wechsel des „kleinen Engels“ zum Ausklang seiner Karriere vorstellen. Wobei bekannt ist, dass van der Vaart durchaus daran liegt, dass wegen seines Sohnes alles familienverträglich läuft. Wie auch immer: türkische Vereins, Clubs aus den USA, Katar oder natürlich Ajax – sie alle werden gespielt, solange der HSV-Kapitän nicht offiziell irgendwo vorgestellt wird.

Gestern hat Peter Knäbel auf Nachfrage ein paar Kommentare abgegeben zu den Planspielen mit den verliehenen Spielern, die im Sommer mutmaßlich zum HSV zurückkehren werden. Gemeinsam mit der unklaren Zukunft der beiden Innenverteidiger Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic, deren Verträge Stand heute auslaufen, ergibt sich jetzt schon dieses Kader-Bild des HSV für die kommende Saison. Ganz wichtig: Wir reden hier über den Fall des Verbleibs in der Bundesliga. Bei einem Abstieg würden sich ganz andere Nöte ergeben, die heute nicht ernsthaft vorherzusehen sind. Also, das ist der HSV 2015/2016:

  • Tor: Adler (Vertrag bis 2017), Drobny (2017)
  • Rechter Verteidiger: Diekmeier (2016), Götz (2017)
  • Innenverteidiger: Tah (2018), Djourou (2016), Cleber (2018), Sobiech (2016)
  • Linker Verteidiger: Ostrzolek (2017), Marcos (2017)
  • Defensives/zentrales Mittelfeld: Behrami (2017), Diaz (2017), Demirbay (2017), Holtby (2018), Jiracek (2016)
  • Flügelstürmer: Müller (2018), Gouaida (2018), Stieber (2017), Beister (2016)
  • Angreifer: Lasogga (2019), Rudnevs (2016), Olic (2016), Zoua (2016)

Auf dieser Grundlage operiert Peter Knäbel zur Zeit gemeinsam mit dem Vereins-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. 23 Spieler – das geht erst einmal.

Allerdings sind verschiedene Sachen zu bedenken. Einige der 23 werden sicher nicht die allerhöchste Wertschätzung genießen bei Beiersdorfer/Knäbel/Labbadia. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Verantwortlichen mit den Ausgeliehenen Lasse Sobiech (FC St. Pauli) und Jacques Zoua (Erciyesspor) in die nächste Saison gehen möchten. Was die Innenverteidigerfrage angeht, hat der HSV das Heft des Handelns mehr oder weniger in eigenen Händen, die Optionen liegen auf dem Tisch. Westermann und Rajkovic sind mögliche Alternativen.

Was die Lage im Sturm angeht – und angesichts der Tatsache, dass dort nur Pierre Michel Lasogga einen langfristigen Vertrag besitzt -, sind Veränderungen wahrscheinlich. Lasogga und Olic sind klar, aber wenn Zoua wirklich nicht wiederkommt und der HSV einen Verein finden sollte für Artjoms Rudnevs (letzte Chance, eine Ablöse zu bekommen, in dieser Saison bei allen Trainer nur zweite bis dritte Wahl), dann ist hier noch eine Verstärkung vonnöten.

Mit seinen neun Mittelfeldspielern kann der HSV zunächst ganz gut auskommen. Lediglich Maxi Beister und Petr Jiracek haben Verträge, die bereits 2016 auslaufen. Beim Tschechen Jiracek kann der Verein recht gelassen abwarten, was sich ergibt – bei Beister steht wohl mal ein Grundsatzgespräch an. Seine Fähigkeiten sind unbestritten, ebenso seine Verbundenheit zum HSV. Ob topfit oder nicht – Berater hin oder her – Trainingsleistungen gut oder schlecht – all dies muss auf den Tisch und eine mittelfristige Perspektive besprochen werden. Ich würde mir wünschen, dass Beister länger an den HSV gebunden wird. In jedem Fall kann es sich der Club kaum erlauben, ihn im nächsten Jahr ablösefrei gehen zu lassen. Das wäre Verschwendung.

Johan Djourou ist im Moment der erfahrenste Innenverteidiger, der beim HSV in der kommenden Saison sicher unter Vertrag steht. Die Dominanz und die Klasse eines überdurchschnittlichen Bundesliga-Abwehrspielers hat er sicher nicht unter Beweis gestellt. Dennoch, zumal mit Tah und Cleber gerade zwei recht junge an seiner Seite stehen, müsste der HSV Djourous Zukunft auch demnächst in Angriff nehmen. Es sei denn, Knäbel und Co. entscheiden sich für Heiko Westermann als Stütze, ehe die nächste Generation verlässlich nachrückt.

Bei den Außenverteidigern ist der HSV soweit solide besetzt, wobei Ashton Götz und Ronny Marcos noch nicht die zuverlässigen Backups gewesen sind, die sie sein müssten. Ein flexibler Verteidiger zusätzlich würde dem HSV guttun. Und was die Torhüterfrage angeht, hat der Verein sicher kein Problem.

 

 

All diesen subjektiven Einschätzungen liegt die Frage zugrunde, wie der HSV in der nächsten Saison eine solide Basis legen kann für die Zukunft. Den meisten HSV-Anhängern und auch den Verantwortlichen und Spielern wäre ja schon mal geholfen, wenn eine normale durchschnittliche Spielzeit wie bei Eintracht Frankfurt oder Mainz 05 herausspringen würde. Selbst der 1. FC Köln hat es hinbekommen, ohne allzu große Erschütterungen durch die vergangenen Monate zu kommen.

Entscheidend für den Verlauf ist natürlich auch, was sich auf Führungsebene beim Bundesliga-Dino tut. Eine kritische Analyse für die Zeit nach Saisonende hat Peter Knäbel ja schon angedeutet. Hoffentlich stellen sich alle Verantwortlichen dieser kritischen Analyse.

Morgen und übermorgen trainiert die Mannschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einige kicken heute noch bei der U 23 mit, die um 19 Uhr in Meppen antritt. Maximilian Beister ist heute nicht in der Regionalliga dabei – er darf sich also wieder Hoffnung machen auf eine Kader-Berücksichtigung bei Bruno Labbadia.

Lars
18.05 Uhr

3:2! Jetzt beginnt die Saison erst richtig!

25. April 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Die Arena bebte, als dieses Liedchen gesungen wurde. Der HSV lebt wieder, der HSV ist wieder da, der HSV kann doch noch Tore schießen und gewinnen. Mit 3:2 wurde der FC Augsburg abgeschossen – ein überlebensnotwendiger Sieg der Hamburger. Vor dem Spiel hatten fast alle ein Motto auf den Lippen: „Wenn heute kein Sieg, dann war es das wohl.“ Jetzt darf doch wieder gehofft werden. Die HSV-Mannschaft präsentierte sich diesmal von Beginn an als Einheit, diesmal kämpfte jeder für den Nebenmann mit, alle gaben alles. Trainer Bruno Labbadia hat offensichtlich schon in wenigen tagen ganze Arbeit geleistet, das muss erwähnte werden, das darf auch festgehalten werden. Bleibt der HSV dieser Marschroute treu, dann kann durchaus noch der Klassenerhalt drin sein – zurzeit rangiert der HSV schon (wieder) auf dem Relegationsplatz. Nun sollte in Mainz noch einmal so richtig nachgelegt werden – und dann die beiden restlichen Heimspiele gewonnen werden, dann darf ganz Hamburg so feiern, wie es heute schon mal genossen wurde. Wer wird Deutscher Meister? Hahaha-HSV! So muss es von den Feierlichkeiten her gewesen sein, als der HSV einst mehrfach den Gewinn der Schale feiern durfte. Die Saison 2014/15 scheint für den HSV erst mit dem 25. April 2015 begonnen zu haben – noch ist es nicht zu spät. Haut rein, Jungs, nur der HSV!

 

Die Überraschung hieß beim Anstoß Ivo Ilicevic. Wieder einmal. Offenbar kommt an dem ehemaligen Lauterer kein HSV-Trainer vorbei. „Scholle“ sagte zu dieser Nominierung: „Ivo hat wirklich gut trainiert, er hat es sich verdient. Wahrscheinlich will Bruno Labbadia mit ihm ein wenig mehr Tempo im Spiel nach vorne haben.“ Vielleicht. Wobei Ilicevic zu Beginn der Partie auch lebendig wirkte, aber dieser Zustand hielt nicht ganz so lange – dann sah man wieder die „alten Ilicevic“, der zögerte, der zauderte, der nicht richtig zur Sache ging. Für ihn war Petr Jiracek draußen geblieben, Rafael van der Vaart rückte wieder einmal zurück – auf die Doppel-Sechs, neben Gojko Kacar, der gesperrten Valon Behrami vertrat. Oder Lewis Holtby? Egal, Kacar spielte mal wieder von Beginn an, und er zeigte beherzten Einsatz und den Willen, hier etwas zu bewegen. Wenn ich gelegentlich auch darüber überrascht war, wie offensiv er teilweise seinen „Job“ interpretierte.

 

Die Stimmung in der Arena von Beginn an „sensationell“, die Fans waren erneut bereit, alles zu geben. Und das klappte besonders im Norden und Nord-Westen sehr, sehr gut, das war vorbildlich. Trotz allem hatte der FC Augsburg die erste Möglichkeit des Spiels, aber Feulner schoss den ball aus halbrechter Position, 20 Meter vor dem Gehäuse von Rene Adler, vorbei. Interessant danach: Johan Djourou wies Nebenmann Heiko Westermann darauf hin, dass er nicht, wie wahrscheinlich abgesprochen, zur Mitte eingerückt war. Westermann hörte es, zeigte aber keine Reaktion.

 

Das heißt, die Reaktion zeigte er auf dem Rasen, denn bis auf zwei, drei kleinere (?) Fehlpässe spielte er eine sauberer Partie, zerstörte das Augsburger Offensivspiel auf der linken Seite, zeigte vor allem mehrfach sein großartiges Kopfballspiel. Etwas, was sein Kollege auf der linken HSV-Seite der Viererkette oft nicht hat, daran sollte bei und mit Matthias Ostrzolek vielleicht doch einmal besonders geübt werden. Nicht jeder ist in dieser Beziehung ein Naturtalent.

 

Das erste Tor des Spiels fiel dann aber Sekunden nach der FCA-Chance auf der Gegenseite – für den HSV. Westermann gab eine flache Eingabe von der Rechtsaußen-Position zur Mitte, Zoltan Stieber schoss – doch Ivica Olic stand diesem Schuss im Wege. Zum Glück! Von dem kroatischen Linksfuß prallte der Ball unhaltbar für Torwart Hitz ins Netz (11.). Dass Stieber auf der Anzeigentafel als Torschütze genannt wurde, das wurmte Olic zwar ein wenig, aber das kann ja auch noch nach dem Spiel geklärt werden . . .

 

Plötzlich war der HSV da. Alles eine Frage des Kopfes? Es scheint wirklich so zu sein. Mit der Führung im Rücken wirkte der HSV befreiter, traute sich mehr zu. So schoss Pierre-Michel Lasogga einen Freistoß aus 30 Metern direkt auf das Tor. Eigentlich viel zu weit, aber im Eifer des Gefechtes versucht man auch ein solches Kunststück einmal. Und Keeper Hitz hatte Probleme, lenkte die Kugel in höchster Not (und mehr mit der Brust) zur Ecke (15.).

 

Vier Minuten später hieß es dann 2:0. In Worten „zwei-zu-null“. Unfassbar. Der HSV schießt zwei Tore in einer Halbzeit. Ilicevic und Rafael van der Vaart spielten sich links einige Male den Ball hin und her, die Kugel kam zu Ostrzolek, der flankte bilderbuchartig zur Mitte, wo Lasogga völlig unbedrängt aus fünf Metern einköpfen konnte. Mit etwas Glück, das muss festgehalten werden, denn der HSV-Stürmer köpfte genau auf Hitz, der den Ball nur noch durchrutschen lassen konnte.

 

2:0 – eine schöne und beruhigende Führung. Endlich einmal. Aber denkste! Der HSV ist immer und jederzeit in der Lage, auch eine solche Partie wieder spannend werden zu lassen. Freistoß halbrechte Position für Augsburg, Linksfuß Werner schießt. An den Fünfmeterraum, dort sollten eigentlich die Defensivspezialisten des HSV per Kopf in der Lage sein, sich zu behaupten, aber keiner fühlte sich zuständig. Alle ließen den Ball passieren – und Adler konnte sich nicht dazu entschließen, dem Ball entgegenzufliegen. Diesem Umstand verdankte es Bobadilla, dass der das 1:2 köpfen konnte. Zurück blieben viele ratlose Blicke in der HSV-Mannschaft – und Westermann haderte ein wenig mit Adler. Musste der Keeper da rauskommen? Es wäre ratsam gewesen. Und gewiss nicht verkehrt.

 

Und so macht man den Gegner wieder stark, baut ihn auf, holt ihn zurück ins Spiel. Auf diese Art muss das nicht sein, ganz klar. Augsburg wurde danach etwas besser. Aber der HSV versteckte sich nicht. Er hielt dagegen, stürmte mitunter sogar richtig gut und mit einigen schönen Ideen im Repertoire. Nicht ganz so schön aber der Versuch, den sich Lasogga in der 32.Minute leistete, er schoss aus 18 Metern weit über den hohen Zaun, ganz nach oben auf den Oberrang. Zu überhastet, denn neben Lasogga stand Ostrzolek völlig frei, er hätte es besser machen können, oder auch noch einmal ablegen. Aber gut, so sind Torjäger nun einmal, und Lasogga hatte ja immer schon mal wieder getroffen . . .

 

Glück für den HSV dann in der 36. Minute, als Slobodan Rajkovic den Augsburger Esswein im Strafraum zu Fall bringt, aber Schiedsrichter Welz nicht pfeift. Es protestierte aber auch kaum ein Augsburger, jedenfalls nicht so heftig, als dass es den Unparteiischen hätte ins Grübeln bringen können. Die letzte Tormöglichkeit des ersten Durchgangs hatten dann wieder die Süddeutschen, doch Bobadilla köpft auf fünf Metern über das Tor – wobei Adler wohl auch zur Stelle gewesen wäre (39.). Halbzeit. Und auf dem Weg in die Kabinen gab es riesigen Beifall von den Fans für diese lebhafte Darbietung.

 

Die erste Möglichkeit hatte dann nach dem Seitenwechsel wieder der HSV. Rechtsflanke von lasogga, Ivo Ilicevic köpft aus vollem Lauf und aus fünf Metern – genau auf Hitz. Das war eigentlich eine Hundertprozentige (65.). Das nächste Tor aber fiel dann auf der anderen Seite. Ganz, ganz bitter. Stieber wollte – etwas zu lässig – Kacar bedienen, das ging schief, prompt lief der Konter. Und Werner, der Linksfuß, umkurvt im Strafraum Rajokvic, lässt Adler mit einem Schuss aus 13 Metern keine Chance – 2:2 (69.). Geht das heute wieder schief?

 

Nein, denn der HSV kommt noch einmal zurück. Dank Lasogga. Stieber köpfte ihm den Ball zu, der Torjäger zog aus halbrechter Position aus sechs Metern ab – drin der Fisch! Was für ein Jubel!! Karneval in Rio ist nichts dagegen. Der HSV schießt sein drittes Tor in einem Spiel – und darf wieder träumen. Marcel Jansen, für Ilicevic eingewechselt, traf danach noch einmal den Pfosten (73.) – und danach begann die Zeit des Wackelpuddings. Der HSV wackelte, und zwar enorm, und er hatte mit seinen Kräften (die nicht mehr da waren) zu kämpfen. Augsburg kam, Augsburg drückte, aber der HSV stand. Endlich einmal. Und endlich einmal wieder ein Dreier. Vielen Dank für diese Vorstellung!

 

Der Rest war Jubel. Djourou rannte nach dem Schlusspfiff Richtung Bank und umarmte alle – zuerst sprang er Jaroslav Drobny (noch auf dem Rasen) um den Hals. Alle Ersatzspieler kamen zum Gratulieren und feierten mit – das sah richtig gut und endlich mal nach einer Mannschaft aus. Bruno Labbadia hat offenbar innerhalb von wenigen tagen ein Umdenken in dieser Truppe erreicht. Nur gemeinsam ist man stark – der HSV scheint es jetzt doch noch begriffen zu haben. Jubel, Trubel, Heiterkeit – ein schönes Wochenende noch für Euch alle. Aufatmen, jetzt ist die Rettung doch noch möglich. Wunder gibt es immer wieder . . .

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar (90.+3 Rudnevs), van der Vaart (75. Jiracek); Stieber, Olic, Ilicevic (67. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 1:2 nicht so sehr souverän aus, ansonsten hielt er aber das, was zu halten war. Note drei.

 

Heiko Westermann hatte anfangs einige (zwei, drei) Unsicherheiten auf Lager, vor allem im Abspiel, aber insgesamt eine sehr gute Partie des Rechtsverteidigers (!), der diesmal auch viel, viel Beifall für seine vorbildliche Vorstellung bekam. Note zwei.

 

Slobodan Rajkovic wirkte gelegentlich etwas eckig, aber gegen den „Klotz“ Bobadilla war er genau der richtige Mann. Note drei.

 

Johan Djourou wirkte ruhig und solide, steigerte sich im zweiten Durchgang und überzeugte vor allem durch sein überragendes Kopfballspiel. Note drei.

 

Matthias Ostrzolek biss sich gegen die alten Kollegen mutig in diese Partie, zeigte Esswein wo der Hammer hängt – weiter so. Note drei.

 

Gojko Kacar war da, als er gebraucht wurde. Das war wieder einmal der Beweis dafür, dass auf ihn – trotz des Abschiedes aus Hamburg – stets Verlass ist. Ein Vorbild-Profi, der sich voll reinkniete.

 

Rafael van der Vaart zeigte es seinen Kritikern, indem er eine solide Partie ablieferte. Alles das, was er machte, hatte Hand und Fuß – er war dieser HSV-Mannschaft eine Stütze.

 

Zoltan Stieber lief viel, arbeitete emsig, ohne den ganz großen Einfluss zu nehmen. Schien gegen Ende des Spiel ein wenig kraftlos. Aber das betraf auch etliche seiner Kollegen.

 

Ivica Olic rackerte wie immer, „schoss“ sogar (s)ein Tor – es geht bergauf. Obwohl sein Spiel immer noch nicht das Gelbe vom Ei ist, aber solche Siege stärken bestimmt auch sein Selbstvertrauen.

 

Ivo Ilicevic begann schwungvoll, aber leider nur zehn, 15 Minuten. Dann tauchte er wieder viel zu oft ab, zeigte nicht so richtig viel Leben. Schade, bei dem Talent.

 

Pierre-Michel Lasogga ackerte enorm, er wollte, das war ihm von der ersten Minuten anzumerken – und der Wille versetzt bekanntlich Berge, zwei Tore – und eine Vorstellung, die hoffen lässt.

 

Marcell Jansen (ab 67. Min. für Ilicevic) ist ganz sicher nocvh nicht bei 100 Prozent, aber er kann ja doch Fußball. Und deswegen war es wichtig, dass er gegen Ende doch noch einmal mitmischte.

 

Petr Jiracek (ab 75. Min. für van der Vaart) kann kämpfen, und das zeigte er auch diesmal wieder. Er hängt sich rein, wenn auf ihn gebaut wird, und das ist schön zu sehen. Vor allem auch für den Trainer.

 

Artjoms Rudnevs durfte noch einige Sekunden von der Uhr nehmen – und hatte sogar noch eine Ballberührung.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Augsburg. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Stefan Böger, einst DFB-Nachwuchstrainer und zuletzt Coach bei Dynamo Dresden, sowie der Sport-Moderator Uli Pingel, u.a. bei „Hamburg 1“ und Sport1“ auf Sendung. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet.

 

17.51 Uhr

 

Ohne Beister nach Bremen – zur großen Chance

18. April 2015

Es ist nicht die Saison des HSV. Für keinen Spieler – und für einen noch weniger: Maxi Beister. Ein Jahr pausierte er, Anfang 2015 kämpfte er sich zurück ins Training. Er schaffte das Comeback gleich im ersten Rückrundenspiel, wo er 18 Minuten vor Schluss eingewechselt wurde. Drei weitere Einwechslungen und insgesamt 64 Spielminuten in der Bundesliga stehen seither bei Beister zu Buche. Ein maßlos enttäuschender Wert, den er in Bremen aufbessern wollte – aber nicht wird. Denn Beister ist nicht einmal im Kader. Zusammen mit Ronny Marcos und Mohamed Gouaida soll er Spielpraxis bei der U23 sammeln, die am Sonntag um 14 Uhr gegen Neumünster ran muss. Gut für die U23 – bitter für Beister, der sich von dem Trainerwechsel sicher mehr erhofft hatte.

Auch ich hätte Beister gern in Bremen dabei gehabt. Und ich kann die Begründung, dass der Offensivmann Spielpraxis sammeln soll ebenso verstehen, wie ich sie den HSV-Verantwortlichen vorhalte. Denn dieses ständige, planlose Hin- und Her-Geschiebe zwischen den Mannschaften ist absurd.

Nicht einmal im Kader: Maxi Beister

Nicht einmal im Kader fürs Derby: Maxi Beister

Schlimmer noch: So wurde verpasst, eine zusätzliche Kraft für den Saisonendspurt zu aktivieren. Beister wurde nicht ausreichend gefördert, nicht spielfit bekommen. Ein Fehler sondergleichen, aber eben auch nur ein Versäumnis seiner Vorgänger, das Labbadia am Ende ausbaden muss. Und ich befürchte gar, dass diese Saison und dieser Umgang miteinander am Ende noch schlimmere Folgen haben können. So, wie zuletzt über Abgänge der ausgeliehenen Talente Tah und Demirbay spekuliert wurde und wird, dürfte auch über Beister zu sprechen sein. Zumindest ist Beister, der sich zu seiner Situation nicht äußern will, die Unzufriedenheit anzusehen.

Statt Beister ist am Sonntag Artjoms Rudnevs wieder dabei. Der Lette steht nach zuletzt drei Nichtnominierungen und insgesamt fünf Spielen ohne Einsatzzeit zumindest erst einmal ebenso wie Ivo Ilicevic im vorläufigen 19-Mann-Kader, wo noch ein Spieler gestrichen werden muss. Wer das am Ende sein wird, ist offen. Dabei sind auf jeden Fall Adler, Drobny, Westermann, Götz, Cleber, Rajkovic, Ostrzolek, Jansen, Kacar, Jiracek, Behrami, Holtby, Ilicevic, van der Vaart, Müller, Stieber, Olic, Lasogga, Rudnevs.

Und egal wer am Ende auf dem Platz stehen wird, er hat die große Chance, den HSV wieder an die Konkurrenz heran- und dank der heutigen Ergebnisse sogar vorbeizuschieben. Stuttgart veliert in Augsburg,  Paderborn ist bei starken Dortmundern 3:0 unterlegen gewesen und hat dabei bis auf kurze Strecken der ersten Hälfte nie gezeigt, weshalb sie nicht absteigen werden. Im Gegenteil: Das Spiel der Breitenreiter-Equipe war so hoffnungslos schlecht wie die zweite Halbzeit des HSV gegen Wolfsburg. Dass heute auch Hannover mit 4:0 in Leverkusen unterging – es dürfte zumindest personell Folgen haben. Denn wenn ich meinen Hannover-Kollegen glauben darf, dann wird der bei Mannschaft wie Vorstand geschätzte und beliebte Trainer Tayfun Korkut jetzt doch gehen müssen.

Heute haben bislang alle für den HSV gespielt. Auch der SC Freiburg vergeigt sein Heimspiel gegen Mainz, womit ich nicht gerechnet – worauf ich aber gehofft hatte. Das bedeutet, dass die Mannschaft von neu- und Alt-Trainer Bruno Labbadia morgen die große Chance hat, sich tabellarisch mit einem Sieg wieder bis auf einen Punkt an Platz 14 heranzuspielen und nebenbei in dem prestigeträchtigen Nordderby eine Menge Selbstvertrauen für die letzten fünf Spiele zu tanken.

Wie Labbadia spielen lässt, ist offen. Heute wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Imtech-Arena trainiert. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Labbadia morgen nicht wenigstens eine überraschende Personalie aufbietet. Im Training deutete bis heute alles auf Adler – Westermann, Cléber, Rajkovic, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Stieber, van der Vaart, Olic – Lasogga. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Labbadia versucht hat, Nicolai Müller ein wenig zu ködern und dessen Reaktion auf die vermeintliche Nichtnominierung abgewartet hat. Abetr egal wie, jetzt geht es also darum, dass der HSV die Vorlagen der Konkurrenz nutzt und endlich auch mal selbst für sich spielt. Mit neuem Trainer, altem Personal aber dennoch neuem Elan? Labbadia hofft es. Wir hoffen es.

Mehr gibt es an diesem Sonnabend nicht zu sagen, außer, dass ich nicht nachvollziehen kann, weshalb ich hier dazu aufgefordert wurde, einen Spieler wie Valon Behrami in Ruhe zu lassen. Und das auch noch von den Leuten, die sonst immer so für „schonungslose Analysen und knallharte Kritik“ plädieren. Wahnsinn! Zumal die Personalie Behrami tatsächlich eine ist, die der Mannschaft in sportlicher Topform ganz sicher helfen kann – die sie aber auch runterziehen kann, wenn sich der Schweizer weiterhin so gegenüber seinen Kollegen verhält, wie er es zuletzt tat. Aber okay, dazu muss ich ja nichts mehr schreiben. Es gibt hier ja sogar einen netten Blogger, der im Nachhinein immer schon alles vorher gewusst hat und der sowieso alles weiß und jeden kennt. Er wird Euch dann sicher auch davon berichten können ;-)).

Aber noch mal ohne Spaß und im Ernst: Ich für meinen Teil sehe in der Personalie Behrami einen echten Schlüsselreiz für die ganze Mannschaft. Wenn Labbadia den Schweizer noch mal einfangen konnte – Okay! Dann könnte Behrami tatsächlich mit seinen Defensivqualitäten ein Schlüsselspieler für den Erfolg werden, ganz klar. Dass der Nationalspieler über das dafür nötige Potenzial verfügt habe ich nicht anzweifeln wollen. Und niemand freut sich am Ende mehr als ich, wenn Behrami 100 Prozent bringt und der HSV gewinnt. Aber, und darauf deutete viel hin, sollte Labbadia den Schweizer noch nicht richtig gepackt haben, wird es schwer. Wobei das natürlich auch für zuletzt enttäuschenden van der Vaart, Holtby, Olic und Lasogga sowie noch mehr für Müller im Falle seiner Nominierung gilt.

Und dafür ist das Spiel in Bremen zu wichtig. Dieses Nordderby kann tatsächlich ein unfassbarer Startschuss werden. Per sofort für die Tabelle und auf Sicht natürlich auch fürs Selbstvertrauen. Pierre Michel Lasogga hat im Vorfeld ebenso wie Rafael van der Vaart vom Trainer sprichwörtlich noch einmal die Hand gereicht bekommen. Hinten wird Slobodan Rajkovic wie gewohnt mit 120 Prozent verteidigen, was zu verteidigen ist. Und wenn ich die Worte des Trainers unter der Woche richtig gedeutet habe, wird er den Spielern ihre jeweilige Kernkompetenz klarmachen – und dementsprechend ausschließlich selbige einfordern. Soll heißen: Hinten bekommt Cléber (wie zuletzt übrigens auch ausdrücklich von Knäbel) Daddelverbot. Klare Kante – nicht mehr, nicht weniger. Davor soll Behrami als Abfangjäger alle Energie darauf verschwenden, Werders Mittelfeldspiel zu zerstören und den Ball nach Ballgewinn sofort an einen der versierteren Passgeber (Holtby, van der Vaart, Stieber) abzugeben. „Ich habe den Spielern gesagt, was ich von jedem einzelnen erwarte“, so Labbadia unter der Woche. Hoffen wir mal, dass die Mannschaft es besser verstanden hat als zuletzt gegen den VfL.

Mehr gibt es eigentlich vor so einem wichtigen Derby nicht mehr zu sagen. Jetzt heißt es: Machen – nicht reden. Und ich hoffe darauf, dass die Mannschaft den Forderungen Labbadias nach „Geschlossenheit“ Rechnung trägt und seine Fans mit einer couragierten Leistung und bestenfalls drei Punkten belohnt. Am besten mit einem Ballgewinn Behramis den Konter über Holtby und van der Vaart einleiten, den Ball über Olic auf links zu Lasogga in den 16er bringen, der daraus das entscheidende Tor macht… Obwohl, wie sie gewinnen, ist mir ehrlich gesagt sch…egal. Wenn sie denn gewinnen auch, mit wem sie das schaffen. Hauptsache, sie tun’s.

In diesem Sinne, alle Mann an Bord. Ich bin dabei. Morgen nach dem Spiel sind übrigens Edelfan und HSV-Gönner Andreas Maske, Unternehmer und Erfinder des “Uwe-Seeler-Fußes”, sowie Ex-HSV-Angreifer Andreas Merkle bei „Matz ab live“ zu Gast. Bis dahin,

Scholle

0:2 – der HSV schon auf dem vorletzten Platz!

11. April 2015

Gewollt haben sie gewiss, aber gekonnt haben sie leider immer noch nicht so viel. Deswegen hat der HSV auch das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg mit 0:2 verloren. Wieder kein Tor, wieder kein Punkt, inzwischen schon auf Platz 17 abgerutscht, und wenn es ganz schlecht läuft, dann ist der HSV morgen, sollte der VfB Stuttgart gegen Werder Bremen gewinnen, sogar Tabellenschlusslicht der Bundesliga. Es läuft alles gegen Hamburg, nicht nur der heutige Spieltag. Vor 57 000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion hatte der HSV nicht seinen schlechtesten Tag zufassen, doch es reicht gegen eine so gute Mannschaft wie die aus der Autostadt eben nicht, nur nicht ganz so schlecht zu sein. Da müsste schon mehr kommen – aber woher? Wenn du einen solchen Anti-Lauf hast, dann muss schon etwas ganz Besonderes passieren, um noch eine Wende herbeizuführen, aber auch dieses Besondere gelingt dem in seinen fußballerischen Mitteln zu beschränkten HSV eben nicht. „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die VfL-Fans, während die HSV-Anhänger im Norden lauthals sangen: „Wir ha’m die Schnauze voll . . !“ Am nächsten Sonntag geht es nach Bremen, es darf dennoch weiter gehofft werden. Auch wenn dieser Torlos-HSV wirklich immer mehr wie ein Absteiger spielt.

Alles aufgeboten, was Fußball spielen kann. Das muss man mal sagen und feststellen. Vom Namen her eine Top-Mannschaft. Auch das darf gesagt und festgehalten werden. Da spielte der Tabellenvorletzte gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga. Und die Stimmung in der Arena war trotz des Regens prächtig –„alle Mann an Bord“. Und „nur der HSV“! Es war richtig schön laut. Im Norden jedenfalls.

 

Das Spiel begann mit einer Groß-Chance der Wolfsburger – bereits in der dritten Minute. Nach einem Freistoß von De Bruyne kam Naldo an den Ball, bedrängt von seinem Landsmann Cleber köpfte der Brasilianer aus fünf Metern auf das HSV-Tor, doch Rene Adler konnte den Ball, der zum Glück auf Mann flog, abwehren. Es regnete, und der Himmel verfinsterte sich zunehmend . . .

 

Das lag nicht nur am Wetter, denn in der zehnten Minute verdaddelte Cleber an der Mittellinie den Ball gegen De Bruyne – der bediente Dost, der direkt zu Guilavogui, und der schoss, als er allein vor Adler auftauchte, prompt das erste Tor des Abends. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft! Es ist ein Jammer, dass dieser HSV immer wieder solche anfängerhaften Fehler macht. Und ich glaube, dass das auch mit einer gehörigen Portion Übermut zu erklären ist, denn: Die ersten Aktionen von Cleber waren gelungen, sehr gelungen sogar, er erhielt dafür auch Beifall auf offener Szene. Und dann verfällt man als HSV-Profi offenbar in eine Art Größenwahn. Anders sind solche haarsträubenden Aktionen nicht zu erklären. Wie schon zuletzt in Leverkusen nicht nur ein frühes Gegentor, sondern ein solcher kapitaler Bock. Da kannst du nicht gegenanspielen, nein, das kann man nicht!
Das Tolle an diesem Tor: die Fans. Die HSV-Anhänger im Norden. Die kannten kein Verzagen, die machten weiter Musik. Großartig! Grandios! Vorbildlich! So muss es sein.

 

Dann der erste Torschuss des HSV in der 22. Minute. Und es war der erste Torschuss von Ivica Olic seit vier Spielen (in denen er nicht einen hatte!). Er schoss aus 23 Metern, aber daneben. Immerhin ging VfL-Keeper Benaglio vorsichtshalber zu Boden . . . Und von Pierre-Michel Lasogga gab es sogar (aufbauenden) Beifall für den Teamkollegen. Mehr davon. Man ist ja schon bescheiden geworden in Hamburg.

 

Wolfsburg aber hatte das Spiel im Griff. Obwohl der HSV sehr wohl etwas wollte, auch mehr nach vorne spielte als in den letzten Spielen. Aber oft war es zu durchschaubar, dann auch zu fehlerhaft, weil der Ball zu ungenau gespielt wurde. Bezeichnend für die Misere des HSV: In der 35. Minute schlug Cleber einen Ball von hinten links nach vorne rechts. Unbedrängt. Der Ball flog und flog und flog, über 40 Meter – ins Toraus. Es war kein Hamburger in der Nähe. Ballbesitz für Wolfsburg, der HSV wieder im Rückwärtsgang. Und Valon Behrami starrte sekundenlang ins Leere, weil er einen solchen Pass einfach nicht glauben konnte. Kann man ja auch nicht. Aber so ist es eben – wenn man unten steht.

 

Wolfsburg hatte die wesentlich besseren offensiven Aktionen. Perisic flankte in der 39. Minute von links in den Strafraum, Dost stiegt hoch – und köpfte die Kugel hoch und weit vorbei. Das kann der Niederländer sicher besser, und der HSV hatte Glück. Zwei Minuten später konnte der HSV dann seinen zweiten Torschuss in dieser Partie bewundern. Olic tankte sich bis an den VfL-Strafraum durch, schoss aus 20 Metern mit rechts – hoch und weit vorbei. Immerhin aber ein Torschuss. Besser machte es auf der Gegenseite Vieirinha, der einen Linksschuss aus 20 Metern riskierte, den Adler aber sehr gut hielt – nur Eckstoß für den VfL statt 0:2 (42.).
Und trotz des Rückstandes gab es zum Pausenpfiff von Schiedsrichter Zwayer (Berlin) verhaltenen Beifall von den HSV-Fans. Die Hoffnung stirbt ja auch zuletzt. Immer noch. Und hier erst recht.

 

Der HSV kämpfte im zweiten Durchgang, das ist der Mannschaft nicht abzusprechen – wieder einmal nicht. Und als der Norden lautstark „Maxi Beister“ rief und forderte, dann freuten sich alle, dass Peter Knäbel diesem Wunsche auch Folge leistete. In der 72. Minute kam Beister für den darüber wenig begeisterten Lasogga – und in der 73. Minute fiel die Entscheidung in diesem Spiel. Heiko Westermann köpfte den Ball hinten rechts nach vorne, ein Wolfsburger dazwischen, der Ball kam zu Caligiuri, der zu Dost, Doppelpass – Caligiuri schob den Ball mühelos ins leere Tor. Ende aller Hamburger Träume und Bemühungen.

 

Dass zum schlechten Schluss auch noch Johan Djourou vom Platz gestellt wurde, rundete diese Partie nur noch mies ab. Es ist ein Bild des Jammers, was dieser HSV da unter Erstliga-Fußball versteht – und abliefert. Immerhin stellten sich die Spieler dem Norden, auch wenn sie dabei kräftig attackiert und ausgepfiffen wurden. „Wir ha’m die Schnauze voll . . !“

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Djourou, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Diaz (ab 46. Jiracek); Holtby, van der Vaart (ab 62. Müller), Olic; Lasogga (ab 72. Beister).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war ein sicherer Rückhalt seiner Mannschaft, an ihm lag diese erneute Niederlage gewiss nicht.

 

Heiko Westermann schien einige Male in der Rückwärtsbewegung etwas orientierungslos zu sein (vor allem wenn Caligiuri kam), konnte auch nicht alles, was von Wolfsburg über links nach vorne kam, unterbinden, weil er am Boden gleich etliche Schwächen offenbarte – aber in Sachen Kopfball war das ganz okay. Und er half, das muss noch einmal gesagt werden, auf der von ihm ungeliebten Position hinten rechts aus.

 

Johan Djourou stand sicher, spielte gut, hatte kaum einen Fehler in seinem Auftritt. Das war nach seinem dicken Schnitzer in Leverkusen ganz okay. Allerdings nur bis zur 88. Minute, da sah der Schweizer wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte. Auch das noch. Und das ist dann einfach nur noch unprofessionell. Aber es scheint auch egal zu sein, man meckert und geht dann eben vom Platz – und fehlt im nächsten Spiel. So ist das eben.

 

Cleber begann gut bis zur zehnten Minute, als er den Bock schoss und das 1:0 begünstigte. Danach verhaltener, ohne groß abzufallen – obwohl souverän etwas ganz anderes ist. Er könnte es doch . . . Auch beim 0:2 nicht besonders glücklich gegen Dost, der das Tor vorlegte.

 

Matthias Ostrzolek gab sein Bestes, aber das sieht leider immer noch nicht gut aus. Nach vorne sind die meisten Aktionen von ihm zu durchschaubar. Aber bei ihm habe ich die Hoffnung, dass es nur am mangelnden Selbstvertrauen liegt – ein gutes, ein richtig gutes Spiel (nicht nur von ihm) könnte durchaus befreiende Wirkung haben. Er hat es doch in Augsburg oft genug bewiesen, wozu er eigentlich fähig wäre.

 

Valon Behrami wollte vorangehen, motivierte, stellte seine Kollegen, aber nach vorne kommt von ihm keine entscheidende Idee. Und manchmal scheint er auch ein wenig zu resignieren, dann wirkt er nachdenklich, dann grübelt er wohl darüber nach, in welche HSV-Truppe er hier hineingeraten ist. Aber, ganz klar, auch er hat in den letzten Spielen deutlich unter seinen Möglichkeiten gespielt.

 

Marcelo Diaz tanzte nur eine Halbzeit, dann musste er (wahrscheinlich verletzt) wieder raus. Bis dahin solide, ohne besonders zu glänzen – aber das war nach der langen Pause auch nicht anders zu erwarten. Immerhin, er hatte nicht allzu viele Fehlpässe wie sonst die Jungs, die sich auf der Sechs versuchen durften.

 

Lewis Holtby mit Licht und Schatten, wobei der Schatten überwog. Fußballerisch könnte er sicher viel mehr, und natürlich ist im rechten Mittelfeld auch nicht seine „Lieblingsposition“, aber er könnte dennoch mehr machen. Was wohl auch bei ihm das fehlende Selbstvertrauen verhindert.

 

Rafael van der Vaart hatte ein, zwei gute Ideen im Spiel nach vorne, aber insgesamt war das natürlich auch viel zu wenig. Dennoch muss festgehalten werden: Die Kollegen, die sonst für ihn gespielt haben, die machen es doch nicht besser – im Gegenteil. Und wer geht denn in dieser HSV-Mannschaft nicht mit unter? Sie spielen doch alle weit unter ihren Möglichkeiten. So gesehen ist der Name van der Vaart doch immerhin einer, der beim Gegner noch einen gewissen Wert genießt – und vielleicht auch noch etwas Respekt einflößend ist. Vielleicht.

 

Ivica Olic war gegen seinen ehemaligen Club sehr unternehmungslustig, er versuchte viel, wenn es beim HSV nach vorne ging, dann war er meistens dabei – das war eine gute Vorstellung, eventuell seine bislang beste in seiner zweiten HSV-Zeit. Wenn auch nicht von (Tor-)Erfolg gekrönt.

 

Pierre-Michel Lasogga blieb da vorne natürlich ein Einzelkämpfer, obwohl die Reihe hinter ihm eigentlich Offensivqualitäten hat. Er versuchte es immer wieder, den rechten Durchbruch aber schaffte er nie, und zum Torabschluss kam er auch nicht.

 

Petr Jiracek (ab 46. Min. für Diaz) mischte auf Anhieb gut mit, kämpfte, ging zur Sache – aber wir müssen uns nichts vormachen, er wird nie eine spielbestimmende Figur in diesem HSV. Wenn es läuft, läuft es auch bei ihm, wenn nicht, läuft bei ihm fast nichts.

 

Nicolai Müller (ab 62. Min. für van der Vaart) bewegte nicht mehr viel.

 

Maximilian Beister (ab 72.Min. für Lasogga) durfte mal wieder, aber als er kam, hieß es schnell 0:2 – und wieder war schon alles gelaufen. Er kämpfte, er biss, er wollte, aber das allein langt in dieser glücklosen und auch schwachen HSV-Mannschaft schon lange nicht mehr.

 

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Tobias Homp (Linksverteidiger in der Happel-Ära) sowie HH1-Sportmoderator (und Sport1-Mitarbeiter) Uli Pingel. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet – die Sendung nach dem Leverkusen-Drama ist zuletzt ja kräftig durch die Decke geschossen . . . Weiter so! Aber dann vielleicht auch mal wieder mit einem HSV-Erfolgserlebnis.

 

20.26 Uhr

 

Olic: “Wie eine Blockade im Kopf”

8. April 2015

Bevor Ihr Euch den Blog durchlest, hört Euch bitte an, was Ivica Olic in dem Interview sagt. Und wie er das macht. Der Kroate, den Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer einst als „unkaputtbar“ betitelte, ist erstaunlich angeschlagen. Ordentlich sogar. Er habe nicht damit gerechnet, dass der HSV so sehr am Boden sei, als er nach Hamburg zurückwechselte. Dass er immer wieder auch nachschiebt, dennoch optimistisch zu bleiben und alles geben zu wollen – logisch. Alles andere wäre nicht mehr er, nicht mehr der unkaputtbare Ivica Olic. Aber ich kenne den Linksfuß nun schon seit vielen Jahren und habe ihn – wie alle wahrscheinlich – als nimmermüdes Stehaufmännchen erlebt, das sich von nichts und niemandem unterkriegen lässt.

Wenn einer Optimismus verbreitet, dann er. Umso erstaunter war ich, wie desillusioniert er heute wirkte. Nach dem Videointerview saß Ivica noch bei uns in der Runde. Und er sprach viel von verlorenem Selbstvertrauen, fehlendem Spaß und schwachem Spiel. Und mir fiel auf, wie sehr er unter der massiven Defensivtaktik Joe Zinnbauers gelitten haben muss. Nicht unter Zinnbauer selbst wohlgemerkt. Allein darunter, wie der HSV spielen musste. Zinnbauer hatte das Hauptaugenmerk auf die eigene Defensive gelegt und darunter litt der eh schon schwache Offensivdrang zusätzlich. „Wenn wir so nicht absteigen, würde ich auch wie ein Innenverteidiger spielen“, sagt Olic, „aber grundsätzlich ist es mir lieber, wir verlieren mal 3:4 und können wenigstens sagen, dass wir Chancen hatten und vielleicht einfach zu wenige genutzt haben. Hier aber war es aber so, dass ich als Stürmer drei Wochen lang nach Hause kam, meinem traurigen Sohn erklärte, weshalb wir wieder verloren hatten und dabei selbst feststellen musste, dass ich drei Spiele in Folge nicht mal einen Torschuss hatte. Das war unfassbar. Vor allem, nachdem sich das im vierten Spiel nicht änderte…“

 

Olic, das ist deutlich zu spüren, will unbedingt mehr Offensivdrang vorgegeben haben. Vom Trainer. „Der Trainer lässt es uns im Training üben und Peter Hermann fordert uns immer wieder auf, mutiger zu sein. Aber das eine ist das Üben – das andere die Leistung auf dem Platz. Und bei uns ist das, als hätten wir eine Blockade im Kopf. Das wirkt so, als wollte nicht jeder jeden Ball haben, als wäre Angst im Spiel. Dabei müssen wir auch jetzt Spaß haben. Wir müssen den Mut haben, einen Hackentrick zu probieren, wenn wir glauben, dass er hilfreich ist. Wir müssen ins Eins-gegen-Eins gehen und auch wenn wir den Zweikampf verlieren, nicht aufhören. Wenn wir Mut beweisen, können wir die Saison noch retten.“

Der neue starke Mann neben dem momentan vielleichst geschwächtesten:Peter Hermann (r.) nimmt den zuletzt nicht einmal für den Kader  berücksichtigten Artjoms Rudnevs in den Arm

Der neue starke Mann neben dem momentan vielleichst geschwächtesten:Peter Hermann (r.) nimmt den zuletzt nicht einmal für den Kader berücksichtigten Artjoms Rudnevs in den Arm

Worte, die gut klingen – aber das hatten wir hier jahrelang ohne gewünschte Wirkung. Gespannt bin ich, ob Knäbel und Hermann am Wochenende tatsächlich den langsam wieder in Form gekommenen Pierre Michel Lasogga von Beginn an aufbieten. Olic würde bei nominell einer klaren Spitze dafür auch freiwillig auf die Außenbahn ausweichen. „Das spiele ich in der Nationalmannschaft fast immer, das kenne ich. Und ich habe immer gesagt, dass ich mich mit einem klaren Strafraumspieler um mich herum sehr wohl fühle. Wenn Pierre jetzt wieder in der Lage ist, 90 Minuten zu spielen, würde ich mich sehr freuen, mit ihm zusammen zu beginnen.“ So, wie heute in der zweiten Hälfte des Abschlussspiels.

 

Klar scheint indes, dass Marcelo Diaz nach auskurierter Verletzung neben Valon Behrami beginnen wird. Der Chilene soll dem lahmenden Aufbauspiel etwas mehr Kultur verleihen, als es zuletzt Petr Jiracek neben dem Vollzeitzerstörer Behrami (nicht) schaffte. „Wenn ich kämpfen muss, mache ich auch das“, sagt Diaz, „aber grundsätzlich möchte ich helfen, das Spiel zu gestalten, kreativ zu sein und vielleicht die Pässe spielen, die uns zuletzt häufiger fehlten.“

Ein „Hoffnungsträger“ sei er, hatte Peter Knäbel nach dem 0:4 über Diaz gesagt. Und Diaz hört das zwar gern, muss gar ein wenig verlegen lächeln, als er davon erfährt. Aber er stellt klar: „Ich sehe mich nicht als Hoffnungsträger. Ich bin kein Messi und auch kein Ronaldo, die Spiele allein komplett verändern. Ich bin ein Mannschaftsspieler und vertraue meiner Mannschaft – und meine Mannschaft mir.“ Dass er im Zentrum neben dem Ballverteilen auch dirigieren soll, stört ihn nicht. Auf englisch, italienisch „und Fußballersprache“ erledige er das zusammen mit Behrami, der laut Diaz noch das Zepter in der Hand hält. „Er ist der Chef und ich arrangiere mich super mit ihm. Wir machen das zusammen“, so Diaz, dessen größte Hoffnung auf den Klassenrehalt wo liegt? Bei Gott.

Oha, möchte man meinen, denn der liebe Gott hatte schon in der vergangenen Saison alles Glück für den HSV aufgebraucht. Und ein so richtig gutes Gefühl habe ich bei diesem Hoffnungsträger allein nicht. Diaz schon. „Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und werde meinen Glauben nie verlieren. Gott wird uns helfen.“ Allerdings muss sich die Mannschaft zweifellos zuallererst selbst helfen. Als Hilfe gekommen, musste Diaz zuletzt schnell erkennen, dass diese Mannschaft schlechter dran ist, als er es vorher gedacht hatte. „Ich hatte tatsächlich nie geglaubt, dass es so schwer wird. Auf keinen Fall. Aber ich bin ein positiver Mensch und glaube daran, dass wir es schaffen.“

 

Und das am Sonnabend gegen niemand geringeren als gegen das vielleicht formstärkste deutsche Team (neben dem FC Bayern) derzeit. „Wolfsburg ist die einzige Mannschaft, die Bayern schlagen kann“, sagt Olic, der dem VW-Klub für die nächsten Jahre eine dauerhafte Champions-League-Teilnahme prophezeit. „Die werden das nie öffentlich sagen, dass sie Bayern jagen. Aber wenn sie demnächst wieder mal nicht ausnahmsweise einen, sondern gleich mehrere 20-Millionen-Transfers machen, wächst der Druck und die Erwartungshaltung von ganz allein. Das ist schon ein richtig gutes Team mit einer ganz großen perspektive“, so Olic über jenen Verein, von dem er im Winter zum abstiegsbedrohten HSV wechselte. Frau und Kinder wohnen zwar noch in Wolfsburg, sollen aber zeitnah nach Hamburg ziehen. „Viele fragen mich, warum ich das gemacht habe“, so Olic, „aber ich sehe da kein Problem. Ich hätte auch beim FC Bayern bleiben können und es mir leicht machen. Aber ich will spielen, kämpfen und Spaß haben. So, wie es die Wolfsburger haben. Halt irgendwie so, wie man es bei uns momentan leider nicht erkennt. Außer im Training…“

Hat das Training in der Hand - und die Mannschaft hinter sich: Cotrainer Peter Hermann.

Hat das Training in der Hand – und die Mannschaft hinter sich: Cotrainer Peter Hermann.

Und das stimmt. Je mehr man vom Training sieht und je mehr man mit den Spielern spricht, desto dringlicher weckt es in mir den Wunsch, dass der HSV endlich Peter Hermann in den Vordergrund rückt, ihn machen lässt. So, wie es Olaf Kortmann in der „Matz ab live“-Sendung nach der Bayer-Pleite so treffend forderte. Hermann als den Mann für die Fußballarbeit und Knäbel als Strategen und Entscheider dabei. Als Team mit klaren Qualitäten und Aufgabenteilung. „Peter ist überragend“, platze es heute aus Ivica Olic heraus, als er auf Hermann angesprochen wurde. „Peter Knäbel hat vielleicht nicht so viel Erfahrung als Trainer, aber das macht nichts, wenn er Peter Hermann dabei hat. Ich habe zwei Jahre unter ihm beim FC Bayern gespielt und schon da hat er überragend trainiert. Genau so macht er es jetzt hier“, so der Angreifer, der lächelnd einschränkt: „Das alles natürlich mit anderen Spielern.“ Aber eben mit einem sehr ähnlichen Effekt: „Wenn einer uns Spielern wieder den Spaß am Fußball vermitteln kann, dann er. Peter hat schon die Besten trainiert und die waren begeistert. Weil er alles weiß.“ Peter Hermann wohlgemerkt…

 

Passend dazu stimmte heute ein Felix Magath noch mit ein. Als Schirmherr der traditionsreichen Schach-Veranstaltung „linkes gegen rechtes Alsterufer“ wurde er heute auch zum HSV befragt. Und er antwortete deutlich: „Das Umfeld des HSV war wohl zu sorglos“, meint Magath. Man habe geglaubt, dass alles nach der Ausgliederung besser werden wird. Und auch in der Trainersache sei man leichtsinnig geworden: „Als Vertreter des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer beschäftigt mich die Tatsache, dass man den Eindruck vermittelt, als wäre der Trainerposten relativ beliebig. Als könnte jeder, der gerade Lust hat, der mal Fußball gespielt hat oder fußballinteressiert ist, eine Bundesliga-Mannschaft trainieren.“ Und zieht man jetzt noch den Frust ab, der bei Magath seit der Posse um seine Verpflichtung vor ziemlich genau einem Jahr entstanden war, bleibt dennoch noch viel berechtigte Kritik übrig. Ein Grund mehr, Hermann auch öffentlich mehr in die Verantwortung zu heben. Auch wenn klar ist, dass er nach Saisonende geht.

 

Früher vom Platz gegangen ist heute Dennis Diekmeier, der mit Oberschenkelproblemen das Training früher abbrechen musste. Der Rechtsverteidiger wird mit einem Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zwei Wochen ausfallen. Ob dafür Heiko Westermann wie im Trainingsspiel auf rechts rückt und Rajkovic oder Cléber neben Djourou in die Innenverteidigung rücken ist noch offen. Knäbel und Hermann übten heute mit verschiedenen Varianten, setzten zudem vorn auf zunächst eine Spitze und anschließend auf Olic über links mit Lasogga vorn im Sturmzentrum.

 

Es bleibt spannend. Und ich melde mich morgen nach dem Nachmittagstraining (15 Uhr) wieder bei Euch. Mal sehen, wie das Duo Hermann/Knäbel da üben lässt.

 

Bis dahin,

Scholle

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