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Fink: “Eine ordentliche Saison von uns”

19. Mai 2013

Noch immer rätseln sie bei mir im Umfeld, ob man nun lachen oder doch eher weinen sollte? Der HSV auf Platz sieben, das ist wie Platz vier in der Leichtathletik – das Treppchen verfehlt. Und damit auch Europa verpasst. Deswegen könnte man als HSV-Fan durchaus enttäuscht, frustriert und eventuell sogar sauer sein. Aber Platz sieben gegenüber Platz 15 im Vorjahr, das sollte sich dann auch ein jeder, der nun hadert, noch einmal vor Augen führen. Wer zu Beginn dieser Saison, zumal nach drei Niederlagen und dann auch den Abstiegskampf immer noch im Hirn, davon gesprochen hätte, dass dieser HSV knapp oder haarscharf an Europa vorbeischliddert, den hätte ich leicht für verrückt oder auf jeden Fall für viel zu optimistisch erklärt. Doch der HSV hat an das Tor zu Europa angeklopft, hat eine gewisse „internationale Euphorie“ entfacht und konnte gegen die Geister, die er damit rief, nicht anspielen. Da wurden gewisse Erwartungen geweckt, die diese Mannschaft, die zwar durch und durch mit Nationalspielern aller Herren Länder besetzt ist, die aber dennoch bei weitem nicht die Klasse von Bayern München, Borussia Dortmund, Leverkusen und auch Schalke 04 hat, nicht in die Tat umsetzen konnte. Der HSV ist der Spitzenreiter der Bundesliga-Mittelmäßigkeit. Und aus der gilt es in der nächsten Saison herauszukommen. So einfach ist das.

Der Unterschied zu Bayer Leverkusen, machen wir uns nichts vor, war schon eklatant. In der Werkself viele, viele Klasse-Spieler, beim HSV etliche solide Kicker, die aber höchsten Ansprüchen nicht gerecht werden. Die Statistik des Spiels spricht eine klare Sprache: 15:14 Torschüsse für Leverkusen, 6:2 Ecken für den Sieger des Spiels, 13:12 Flanken und 52:48 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Bayer. Auch die meisten Ballkontakte hatte ein „Roter“: Carvajal hatte 85, der beste Hamburger hatte 73, und das war Heiko Westermann. Reinartz war mit 73 Prozent gewonnener Zweikämpfe der beste Mann, Petr Jiracek brachte es als bester Hamburger auf 63 Prozent.

Erschwerend kommt hinzu, dass der HSV in der Torstatistik die Null stehen hatte, und Leverkusen eine eins. Und ich schließe mich der Rede von Bundesliga-Profi Nummer 001, Harry Bähre, an, der bei „Matz ab live“ gesagt hat: „Machen wir uns nichts vor. Wenn wir nicht einen überragend haltenden Nationaltorwart zwischen den Pfosten gehabt hätten, dann hätten wir 0:3 oder 0:4 verloren. Rene Adler hat uns lange Zeit mit großartigen Paraden im Spiel gehalten.“ Bei der Gelegenheit, lasst mich schnell einmal abschweifen: Ich danke Harry Bähre und auch den ehemaligen HSV-Stürmer Klaus Fock für ihre Gastrolle bei „Matz ab live“, beide Herren haben ihre Sache ausgezeichnet gemacht – vielen, vielen Dank nochmals dafür, das hat viel Spaß gebracht.

Zurück zum Spiel: Der HSV hatte, das müssen auch diejenigen anerkennen, die bis zuletzt von einem HSV-Sieg geträumt hatten, keine hundertprozentige Tormöglichkeit in diesem Spiel. Keine. Und wenn das so ist, dann kann man natürlich nicht gewinnen. Nein, nein, der Unterschied zwischen dem Tabellendritten und dem Tabellensiebten war riesig – und viel, viel größer, als es der Unterschied auf den ersten Blick erkennen lässt.

„Wir müssen uns punktuell verstärken und weiterentwickeln. Nächste Saison wollen wir den Schritt machen. Der HSV gehört nach Europa, aber wir wollen Schritt für Schritt gehen“, sagte Trainer Thorsten Fink nach dem letzten Saisonspiel. Natürlich sagt er so etwas. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass er Europa abgelehnt hätte, wenn der HSV, sein HSV, wegen „unreiner Gangart“ schon ein, zwei Schritte schneller gegangen wäre – und jetzt schon international geworden wäre. So aber bleibt einem Trainer ja gar nichts anderes übrig, als von „Schritt für Schritt“ zu sprechen. Und im Prinzip ist ja auch nicht viel dagegen zu sagen, denn der HSV hatte ja vor zwei Jahren angekündigt, dass der Umbruch vollzogen wird, und dass nun zunächst ein paar magere Jahre kommen werden. Gespannt bin ich nur darauf, ob die Erwartungen der Fans – und auch die des Trainers – am Ende der nächsten Spielzeit dann auch tatsächlich erfüllt worden sind. „Der HSV gehört nach Europa, aber wir wollen Schritt für Schritt gehen.“ Und: „Wir wollen diesen nächsten Schritt nun machen.“ Das hört sich großartig an, ein wenig hanseatisch, ein wenig pathetisch – aber wer gibt die Garantie, dass es so wird? Oder ist es in einem Jahr dann doch eher so, dass man – als Fan – dann wieder die eine oder andere Ausrede hört (nicht nur vom Trainer) – getreu dem Motto: „Was stört mich mein Geschwätz aus dem Mai 2013?“

Abwarten. Mehr bleibt nicht.

„Wir haben alles gegeben, wir haben großartig gefightet, aber es hat nicht gereicht. Die Mannschaft hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr gut gespielt, aber wir müssen in Zukunft mehr Konstanz bekommen. Trotz allem bin ich davon überzeugt, dass wir eine ordentliche Saison gespielt haben“, bilanzierte Fink.

Heiko Westermann und Marcell Jansen betonten unisono: „Die Europa League haben wir nicht gegen Leverkusen verspielt, sondern vorher.“ Stimmt. Westermann, der für mich einmal mehr bester Mann war (neben Rene Adler), sagte auch: „Mit einer so miesen Heimbilanz wie wir sie haben, wäre es ein kleines Wunder gewesen, wenn wir es nach Europa geschafft hätten.“ Stimmt auch. Rafael van der Vaart schien nicht unzufrieden mit Platz sieben: „Wenn man sich gerade noch vor dem Abstieg gerettet hat, nach drei Spieltagen ohne Punkt schon wieder als Abstiegskandidat gilt, und wenn man dann am Ende Siebter wird, dann muss man zufrieden sein. Obwohl wir natürlich auch ganz nah dran waren, nach Europa zu kommen – und das eigentlich ja auch schaffen wollten.“

Immerhin, und das macht mir tatsächlich Mut, hat Thorsten Fink erkannt, dass er mehr Qualität in seine Mannschaft bekommen muss. Und, um ehrlich zu sein, eigentlich darf es nicht nur bei einem Innenverteidiger und einem Stürmer bleiben. Es fehlt viel mehr. Natürlich auch das nötige Kleingeld, das ist schon klar, aber es fehlt wohl auch an jenen Experten, die überall auf dieser Welt Ausschau für den HSV halten, wo es noch preiswerte Talente zu holen gibt. Auch daran hat es lange, lange, sogar jahrzehntelang, gemangelt. Andere Vereine sind da weiter. Viel weiter, sehr viel weiter sogar. Auf diesem Feld muss der HSV nicht nur aktiver, sondern ganz einfach auch viel, viel besser werden. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass ein Mann wie Hakan Calhanoglu, der nun vom KSC kommen wird, diesem HSV sehr gut tun wird. Der junge Karlsruher hat, ganz nebenbei bemerkt, Platz vier mit 17 Treffern in der Torschützenliste der Dritten Liga belegt – mit natürlich sehr vielen Elfmetern, aber 17 ist schon eine tolle Zahl. Und noch einmal nebenbei: St. Paulis Daniel Ginczek, den viele HSV-Fans nun gerne im Volkspark gehabt hätten, schoss heute sein 18. Saisontor. Jetzt wird er wohl aber beim 1. FC Nürnberg landen . . .

Aber gut, es wird sich sicherlich auch beim HSV etwas tun, auch wenn zurzeit noch niemand weiß, was. Gut Ding will Weile haben. Traditionell kommt der HSV – natürlich auch wegen des fehlenden Geldes – eher spät auf (Einkaufs-)Touren. Fest steht für mich aber, dass nicht nur etwas getan wird, sondern auch etwas getan wird. Getreu dem Motto: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Obwohl ich zuletzt, in etwa in den letzten drei Wochen, so bei mir gedacht habe, dass sich der HSV in Sachen Einheit doch etwas gefangen hat. Irgendwie wirkte diese Mannschaft kompakter auf mich, als in den Wochen und Monaten zuvor.

Ob das an Petr Jiracek gelegen haben kann? Ich weiß es nicht, aber mir war so, als hätte der wuselige Tscheche diesem HSV-Team sehr, sehr gut getan, auch wenn viele (Experten) noch immer der Meinung sind, dass der HSV-Jiracek noch immer nicht mit dem EM-Jiracek vergleichbar ist. Ich denke aber, dass der Mittelfeldkämpfer mit dem lockigen Haar viele Zweikämpfe bestreitet, keinem Duell aus dem Wege geht, dass er hart, gelegentlich auch überhart zur Sache geht – und dass er deshalb auch ein ganz wichtiger Stabilisator (geworden) ist. Ein Mann nämlich, der zur Sache geht und zur Sache kommt, steht diesem HSV besonders gut zu Gesicht, denn was ich im hinteren Defensivbereich teilweise tut oder getan hat, das erinnerte doch zeitweise an einen „Streichelzoo“: Nur keinem Gegenspieler mal aus Versehen auf die Stöcker klopfen, das könnte dem ja wehtun . . . Bei der Gelegenheit muss ich daran denken (und darüber schmunzeln), was Rene Adler vor dem Leverkusen-Spiel noch laut gesagt hat: „Der Gegner muss wissen, dass es gegen uns wehtut.“ Kein Gegner hatte das in den 33 Spielen zuvor gewusst, nicht mal geahnt hat er es. Und wenn Adler in diesen 34 Spielen nicht mindestens 20 „Unhaltbare“ noch gehalten hätte, dann stünde diese HSV-Defensive in einem noch viel schlechteren Licht, als das jetzt auch schon der Fall ist – mit 53 Gegentreffern.

Was mir noch – zuletzt – an diesem HSV aufgefallen ist: Thorsten Fink hat in den letzten Spielen 90 Minuten am Rand gestanden und alles gegeben. Der Mann hat gebrüllt, geschimpft, gemeckert, motiviert, angetrieben, geordnet und dirigiert – wie ein ganz, ganz Großer. Herbert von Karajan war gegen ihn ja nur ein Taschenspieler. Fink ist aufgegangen in seinem Job – das war 100 Prozent HSV. Der Mann wollte. Und er will jetzt sicher immer noch. Nämlich besser werden – mit seiner Mannschaft. Er hat den Biss, er hat jetzt den nötigen Biss, den dieser Verein braucht, damit er sich weiterentwickelt. Endlich einmal so richtig weiterentwickelt. Dazu wird ein Trainer benötigt, der beißt, der Leidenschaft zeigt.

Übrigens:
Die Nummer eins im Norden sind wir. Die Nummer eins im Norden ist in diesem Jahr wieder der HSV.

Ein kurzer Blick noch zum letzten Spieltag dieser 50. Bundesliga-Saison: Die Tränen, die Jupp Heynckes in Mönchengladbach nach dem 4:3-Sieg der Bayern vergossen hat, weil ihn die Borussen-Fans in seiner alten Heimat so sehr gefeiert hatten, die haben diesen Mann – für mich – nur noch sympathischer werden lassen.

Und dann war da noch Düsseldorf. Trainer Norbert Meier hatte vor dem Spiel in Hannover immer wieder betont: „Ich habe gesagt, dass wir nicht absteigen, also werden wir auch nicht absteigen.“ Nun ist die Fortuna doch noch ein wenig abgestiegen, was ich für schade halte, aber Meier sagt fast schon trotzig: „Ich werde in Düsseldorf bleiben, etwas anderes stellt sich für mich nicht.“ Er wird vielleicht in Düsseldorf bleiben, nämlich wohnen, aber Fortuna-Trainer? Da würde ich mich festlegen, dass das nicht passiert wird. Das wäre noch so ein Wunder. Wie das, was da am letzten Tag noch mit Hoffenheim passiert ist. Die waren doch schon seit Monaten weg . . .

PS: Morgen, am Pfingstmontag, spielt der HSV noch einmal, und zwar in Meldorf (Anstoß 14 Uhr). Und wer dorthin nicht fahren möchte, dem sei das Hamburger Oddset-Pokalfinale an der Hoheluft ans Herz gelegt, dort stehen sich um 16 Uhr der Regionalliga-Vertreter SC Victoria und Hamburgs Oberliga-Meister FC Elmshorn gegenüber.

PSPS: Die „Zweite“ des HSV hat die Regionalliga gehalten, denn die Mannschaft von Trainer Rodolfo Cardoso holte heute mit einem 2:2 (HSV-Tore: 1:0 George Kelbel und 2:1 Fabian Graudenz) gegen Wilhelmshaven den einen Punkt, der noch zur Rettung benötigt wurde.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass es so mit dem Klassenerhalt tatsächlich auch stimmt, man weiß das in dieser Liga ja nie so genau, denn was sich da mit der Insolvenz von Oberneuland getan hat (oder besser: getan wurde), ist in meinen Augen – gelinde gesagt – unmöglich. Aber okay, ich will mich damit nicht auch noch befassen (oder mich einmischen), für mich steht aber fest, dass mit einer so späten Insolvenz „gespielt“ – und vielleicht auch ein wenig mehr als das – werden könnte. Dass der Norddeutsche Fußball-Verband so urteilt, der Deutsche Fußball-Bund wohl anders urteilen würde – das ist für mich ein Hammer. Aber nun langt es auch.

Ein schönes Pfingstfest noch weiterhin für euch und eure Lieben.

18.41 Uhr

0:1 nach großem Kampf – schade!

18. Mai 2013

Schade, schade, HSV! Trotz einer guten und teilweise starken Vorstellung vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gab es gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen eine 0:1-Heimniederlage. Aus Europa ist nichts mehr geworden, diese Chance aber hatte der HSV schon Wochen vorher gegen Fürth, Augsburg oder Freiburg liegen lassen, aber an diesem 18. Mai 2013 hat die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink trotz allem und ganz sicher viele Freunde zurückerobert. Diesmal hat die Mannschaft beherzt gespielt, alles gegeben, alles versucht – und war leider in der Offensive etwas zu schwach besetzt. Natürlich kam dieser Endspurt etwas zu spät, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie willig ist, dass sie lebt, dass sie sich doch nicht aufgegeben hat. Trotz der erneuten Heimniederlage – die Fans feierten ihren HSV, und das hatte die Mannschaft diesmal auch verdient. Das haben die HSV-Anhänger ganz, ganz toll gemacht, ein riesiges Kompliment an die Zuschauer – an den 12. Mann. Großartig. Und ein toller, trotz allem gelungener Saisonabschluss. Und bitte an alle, die nun enttäuscht sind: Seid nicht zu traurig, geht nicht zu sehr und zu hart mit euren Lieblingen ins Gericht, heute haben sie alles versucht. Stadionsprecher „Lotto King Karl“ sagte es richtig: „Das war ein Mega-Spiel.“ Das war es.

Als um 15.41 Uhr auf der Anzeigentafel das 1:0 der Wolfsburger in Frankfurt erschien, lief im Spiel gegen Leverkusen gerade die elfte Minute. Genau genommen zehn Minuten und 41 Sekunden. Und das Stadion glich einem Tollhaus. Wird doch noch alles gut? Nach 19 Spielminuten und 51 Sekunden stand es dann in Hamburg immer noch 0:0, aber in Frankfurt sogar schon 0:2. „Hey, hey, hier kommt Hamburg“, skandierte der Norden lautstark. „Scholle“, der neben mir saß, zeigte mir seine Gänsehaut auf beiden Armen. Wahnsinn. Mir ging es ebenso. Welch eine Dramaturgie! Was für ein Krimi auf diesem seifigen, schmierigen Rasen, auf den fast alle Spieler mehrfach ausrutschten! Es muss unheimlich schwer gewesen sei, da stets das Gleichgewicht zu behaupten. Zudem musste ich während des Spiels immer an Thorsten Fink denken, der am Tag zuvor ja über die Qualität der Werkself gesagt hatte. Leverkusen hat da schon eine sehr, sehr feine Mannschaft beisammen, vor allem die Offensive ist ja wirklich erstklassig besetzt. Damit lässt sich schon prächtig Fußball spielen . . .

Die Stimmung in der Arena war hervorragend, alles bereit für das „Finale Furioso“. Nur fußballerisch war das noch nicht ganz das Gelbe vom Ei – aus Sicht des HSV. Leverkusen hatte in Person von Hegeler, als Slobodan Rajkovic zu spät zur Grätsche ansetzte – doch Rene Adler hielt den Schuss des Bayer-Stürmers bravourös. Statt 0:1 nur Eckstoß (9.) – zum Glück für den HSV. Torchancen blieben in diesem ersten Durchgang ohnehin Mangelware. Der HSV hatte zwei gute Möglichkeiten, etwas aufzubauen, als einmal Heung Min Son links auf der Torauslinie durchmarschierte, in der Mitte aber keinen Mitspieler fand, und als noch einmal Son links durch war, auf Dennis Aogo ablegte, doch der Schuss des Nationalspielers flog über das Bayer-Tor (39.)

Halbzeit. In der Pause sprach ich mit „Pipo“, der HSV-Neuerwerbung (aus dem ARD-„Frühstücksfernsehen), die ihre Beine noch immer in Gips trägt: Olli Dittrich. Natürlich. Der Comedian und HSV-Fan war angetan von den ersten 45 Minuten: „Das ist ganz sicher eines der besseren Heimspiele des HSV, da ist viel Tempo drin, man sieht, dass die Spieler wollen. Und bislang hat Wolfsburg ja super mitgemacht. Aber egal wie die Jagd nach Europa auch ausgehen wird, der HSV sollte sich auf jeden Fall mit einer guten, auf jeden Fall soliden Leistung aus dieser Saison verabschieden, das haben die großartigen Fans verdient. Und wenn es dann nicht für einen internationalen Startplatz gelangt hat, dann lag es nicht an dem heutigen Spiel, sondern zum Beispiel an den Auftritten gegen Fürth und Augsburg. Da hätte mehr kommen müssen.“ Eine großartige Bilanz, die „Dittsche“ da schon mal zur Pause gezogen hat.

Die ersten Möglichkeiten des zweiten Durchgangs hatte Leverkusen, vor allem der starke Hegeler. Und als Schürrle vor Adler aufkreuzte, faustete der HSV-Keeper den Ball in höchster Not in Feld zurück (57.). Der HSV drückte, der HSV kam, er das erlösende 1:0 wollte und wollte nicht fallen. Als Dennis Diekmeier von rechts flankte stieg in der Mitte Heiko Westermann der Kugel entgegen – und Lars Bender sprang dem HSV-Abwehrchef nur in den Rücken. Kein Elfmeter, Schiedsrichter Wolfgang Stark breitete beide Arme aus: „Nichts.“

Das traf auch für die HSV-Torstatistik zu: nichts. Leider. Und weil Leverkusen in der 90. Minuten traf, als Kießling allein auf Adler zugelaufen war (ein Bilderbuch-Konter), kam die heutige große Schlacht, die der HSV abgeliefert hatte, leider etwas zu spät. Trotz allem: Dieser HSV hat sich heute sehr gut verkauft – und er hat insgesamt eine gute Saison gespielt. Eine Saison, die Hoffnung auf bessere Zeiten macht. Ganz sicher. Auch wenn heute einige traurige HSV-Fans wieder meckern und zetern werden – das war insgesamt schon okay. Und, das ist vielleicht ein ganz kleiner Trost: Wolfsburg schaffte in Frankfurt letztlich doch nur ein 2:2, selbst ein HSV-Sieg hätte heute also nicht mehr gelangt . . .

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt wieder einmal sehr gut, war bärenstark, nur mit dem Fuß hatte er so seine (kleineren) Schwierigkeiten, den Ball sinnvoll nach vorne zu befördern, das wirkte mitunter doch wackelig. Aber das vergessen wir an diesem Tag mal schnell, denn er hielt ansonsten hervorragend. Note zwei.

Dennis Diekmeier war hinten und vorne zu finden, das machte Spaß, ihm zuzusehen – in dieser Verfassung wäre er tatsächlich ein Kandidat für den „amerikanische“ „Jogi“ Löw gewesen . . .

Heiko Westermann war bester Mann. Unfassbar, wo er überall den Ball eroberte, erahnte, wo er Löcher stopfte, wo er abblockte, wo er mit dem Kopf zur Stelle war, wo er grätschte, sich ganz lang machte – das ist einfach nur großartig. Und vorbildlich. Und dazu dann dieses Wahnsinns-Pensum! Klärte in der 66. Minute überragend vor dem leeren Tor und vor Hegeler. Note eins.

Slobodan Rajkovic begann fahrig, vielleicht auch nervös, aber nach 30 Minuten hatte er sich im Griff. Dann war das ganz solide, was er ablieferte – obwohl es sicher noch besser und souveräner ginge.

Marcell Jansen ging weite Wege, leitete einige gefährliche (oder im Ansatz gefährlich wirkende) Dinger ein, aber irgendwie wirkte er auch nicht bei 100 Prozent, als wenn er leicht angeschlagen war. Aber er biss sich durch.

Tomas Rincon ackerte wie ein Gaul, rauf und runter, quer und zurück, er gab alles und das machte ihn so wertvoll. Ganz, ganz großartig, der kleine „Popeye“!

Milan Badelj spielte nicht so auffällig, schloss seine Aktionen aber auch nicht immer besonders glücklich ab – er kann es besser. Obwohl er nicht groß abfiel. In der 67. Minute ausgewechselt.

Petr Jiracek zeigte sein großes Kämpferherz, rieb sich in heißen Zweikämpfen (in denen er und es tüchtig zur Sache ging) auf, zerstörte und trieb voran – sehr engagiert, gelegentlich übertrieb er die Härte – und er lag nicht immer richtig in Sachen Abspiel.

Dennis Aogo war von der ersten Sekunde an griffig und bissig, er ging mächtig zur Sache – eine Stütze der Mannschaft.

Rafael van der Vaart lief wie gewohnt sehr viel, aber es lief auch einiges an ihm vorbei. Ganz sicher wollte er, aber so richtig viele und vor allem gute Sachen gelangen ihm an diesem wichtigen Tag nicht.

Heung Min Son war der gefährlichste Mann in der HSV-Offensive, er hat, auch wenn er hin und wieder leichtere Fehler begeht, in dieser Saison unglaublich viel dazugelernt. Note drei.

Artjoms Rudnevs (ab 67. Min. für Badelj) hatte leichte bis größere Schwierigkeiten, in diese Partie zu finden. Ein Einwechselspieler wird er wohl nicht mehr werden. Oder?

Maximilian Beister (ab 78. Min. für Aogo) wurde als Zusatz-Offensive ins Spiel geworfen und er machte auch richtig Dampf, aber er konnte es nicht mehr herbeiführen – das eine so sehr erhoffte Tor.

Ivo Ilicevic (ab 81. Min. für Aogo) sollte noch den entscheidenden Pass geben, die entscheidende Flanke – aber er schaffte es nicht mehr.

PS: Ein kleiner Hinweis für alle HSV-Fans: Morgen, Pfingstsonntag, zeigt der NDR nach dem Sportclub live (23 Uhr) die HSV-Nacht von Athen 1983, der Europapokal-Gewinn des HSV vom 25. Mai 1983 wird rauf und runter und kreuz und quer beleuchtet. Ein Muss für HSV-Anhänger.

So, jetzt geht sie gleich los, die Block-House-Talkrunde, „Matz-ab-live“. Zwei Gäste warten auf uns und natürlich auf euch. Einer davon ist Harry Bähre, der Bundesliga-Profi Nummer 001, und der zweite ist ebenfalls ein Hamburger Jung, nämlich Klaus Fock. Der frühere Stürmer kam einst, welch ein großes Kunststück, vom kleinen TuS Finkenwerder zum großen HSV, brachte es dann aber leider nur auf 25 Bundesliga-Spiele und fünf Tore brachte. Wir werden natürlich über das Leverkusen-Spiel sprechen, über die Saison allgemein und über den HSV ganz speziell. Wäre super, wenn ihr uns eure Zeit schenken würdet, um dabei zu sein.

17.32 Uhr

Stadionverkauf wird diskutiert – hoffentlich nicht mehr lange…

15. Mai 2013

Und Ihr denkt, Ihr habt Probleme? Mitnichten. Das Spielhaus, das wir für unseren Lütten im Garten aufgebaut haben ist ein Problem. Zumindest für unseren Nachbarn, der sich schnellstmöglich bei unserer Verwaltung gemeldet hat – bevor er mich angesprochen hat. Jetzt sollen wir alles zurückbauen und das wiederum missfällt meiner Frau. Zurecht, denn es steckt sehr viel Arbeit drin und jetzt auch wieder sehr viel Arbeit vor uns. Und das mit einem hausgemachten Problem. Hätten wir vorher gefragt, wäre ja „alles gar kein Problem“ gewesen. Sagt der Nachbar. Meint er aber nicht. Und deshalb haben wir jetzt ein Problem. Auch mit ihm.

Warum ich das Ganze schreibe? Weil es mich sehr an den HSV erinnert, der sich immer wieder selbst vor Probleme stellt, weil die Kommunikation schief läuft. Eben so, wie bei den Finanzproblemen des HSV, die hier im Blog seit Jahren beschrieben wurden und bei denen sich bis heute noch Blogger hinstellen, die das leugnen. Aber okay, das Minus ist amtlich, die Not so groß, dass jetzt sogar der Verkauf des Stadions diskutiert wird. Ein Vorgehen, das mit Sicherheit einen tiefen Graben in die Mitgliedschaft ziehen würde, sollte an dem Gedanken festgehalten werden. Allerdings glaube ich nicht, dass der Verkauf jemals Wirklichkeit wird. Oder besser: ich hoffe es ganz stark. Denn der HSV hat für mich nur eine Heimat – und das ist die Imtech-Arena.

Vielmehr sollte der Vorstand in der Lage sein, das Minus anders einzudämmen. Gerade ein vereinsintern so umjubelter Vermarktungsprofi wie Joachim Hilke sollte in der Lage sein, dem HSV neue Geldquellen zu öffnen. Wobei ich die erneute Erhöhung der Dauerkarten damit nicht meine. Gestern schrieb mich ein Blogger an, er habe seine Dauerkarte erneut bestellt und müsse jetzt 13 Prozent mehr bezahlen. Er ärgerte sich fürchterlich, meinte dann aber, er sei halt HSVer und habe ja keine andere Wahl, wenn er seinen Verein nicht künftig ausschließlich vor dem TV verfolgen wolle.

Stimmt.

Aber Freunde macht sich der HSV damit keine neuen. Im Gegenteil. Die Grenze der Ticketpreise hat der HSV in meinen Augen längst erreicht. Der HSV ist im Bundesligavergleich im oberen Drittel angesiedelt, hat bei Top-Spielen sogar Spitzenpreise. Und schon jetzt gibt es dauerhafte Proteste der Fanvereinigungen, die sich ausweiten werden. Auch nach Hamburg. Da bin ich mir inzwischen sicher.

Und es ist auch verständlich. Immerhin hat der HSV seit Jahren einen Zuschauerschnitt jenseits der 50000-er-Marke. Dass der Verein wachsen will und dafür Geld braucht, ist auch völlig okay. Aber er muss intern wachsen können, mit neuen Sponsoren und nicht immer nur auf Kosten der Anhängerschaft. Der HSV ist das Bundesliga-Urgestein mit einem Jahresumsatz jenseits der 100-Millionen Euro. Da sollte es machbar sein, einen Kader zusammenzustellen und zu finanzieren, der international spielt. Denn das wiederum würde bedeuten, dass es mehr Pflichtspiele als aktuell gibt – und diese Mehreinnahmen sollten eine erneute Ticketpreis-Erhöhung vermeidbar machen.

Das Argument, dass der Stadionbesucher auch den höheren Preis bezahlt, zieht zwar noch – aber es kann sich schneller drehen, als es den Verantwortlichen hier recht ist. Zumal dann, wenn sich die sportliche Leistung nicht verbessert. Mit welchem Argument zahle ich aktuell mehr für den HSV als vor vier, fünf Jahren, als der HSV noch international spielte. Damals spielte der HSV zweifellos attraktiveren Fußball als heute – und der Fan musste dafür nicht so tief in die Tasche greifen wie jetzt. Und schon gar nicht so tief wie in der kommenden Saison.

Der HSV geht ein hohes Risiko und macht seine Marke exklusiv weil teuer – sogar mit Erfolg. Noch. Aber was passiert, wenn die Fans irgendwann wegbleiben und plötzlich man plötzlich wieder den Stand aus dem alten Volksparkstadion mit 25000 Zuschauern gegen Teams wie Mainz, Augsburg, Wolfsburg etc. hätte? Ich glaube nicht, dass das hier irgendwer will. Ebenso wenig wie ein verkauftes Stadion.

Deshalb muss der aktuelle HSV-Vorstand ein Konzept entwickeln, wie man den andauernden Verlusten entgegenwirkt. Das hat schon lange nichts mehr mit den Altlasten allein zu tun. Nein, dieser HSV macht weiter Minus – mit neuen Oberen, die sich dafür verantworten müssen. Heute sind es Scheel, Jarchow, Arnesen und Hilke, die einen Weg finden müssen, den HSV zu verbessern, ohne die Kosten dafür auf die eigenen Anhänger abzuwälzen.

Aber okay, noch besteht ja sogar die Chance auf einen internationalen Wettbewerb. Wenn auch klein, die Möglichkeit ist da. Allerdings mit einer hammerharten Aufgabe gegen den Dritten Bayer Leverkusen. Heute konnte Trainer Thorsten Fink zwar wieder alle Spieler (bis auf die Dauerverletzten Arslan und Berg) auf dem Platz begrüßen. Und er hatte auch gleich mal wieder eine Idee. Eine überraschende sogar. „Gegen einen so starken Gegner wie Leverkusen muss man vielleicht auch mal was Besonderes versuchen“, so Fink, der dafür ein 3-5-1-1-System einstudierte. Dabei agierten Bruma, Westermann und Rajkovic in der Dreierkette nebeneinander, leicht vorgezogen Diekmeier über rechts und Jansen über links. Badelj machte die einzige Sechs, Jiracek kam über die rechte Seite, Aogo über lins, während van der Vaart hinter der einzigen echten Spitze Son spielte. Musste die Mannschaft auf defensive umschalten, hatte Fink plötzlich ein 5-4-1-System, als mit Diekmeier und Jansen in der Abwehrkette. Vorteil hierbei: „Leverkusen ist nicht nur bei Kontern sondern auch mit ihren vielen Kopfballspielern gefährlich“, so Fink, der mit Bruma statt Rincon so einen Kopfballspezialisten mehr auf dem Platz hätte.

Allerdings wirkte diese Formation nicht so eingespielt, dass Fink sie sofort einsetzen könnte. Im Gegenteil: bei einem letzten Spiel, in dem es um viel geht, wäre das Risiko größer als die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert. Und mal angenommen, der Fink’sche Versuch ginge nach hinten los – das Echo darauf wäre gewaltig. Ich glaube nicht, dass Fink das riskiert.

Warum auch? Gegen Hoffenheim hat der HSV nach langer Zeit mal wieder richtig gut gespielt und verdient mit 4:1 gewonnen. Dabei entscheidend war sicher auch wieder Heung Min Son, dessen Zukunft nach Saisonende zügig geklärt werden soll. Auf die Nachfrage, wann das passiert, antwortete mir Jarchow heute: „Es gibt noch keinen Termin.“ Aber man werde es sicher nicht zu weit nach hinten hinauszögern. Die gleiche Frage beantwortete mir Sons Berater Thies Bliemeister: „Wir haben noch keinen Fahrplan. Aber wenn das letzte Spiel gespielt ist, haben wir Zeit, uns hinzusetzen und alles zu besprechen. Es ist auch möglich, dass Son bleibt.“

Klingt nach Abschied. Mal wieder. Aber bevor ich jetzt von Tag zu Tag hin und her wechsele, lasse ich es lieber ganz und warte ab, bis es ein Ergebnis gibt. Denn, das sagte Bliemeister auch, der BVB ist längst noch nicht aus dem Poker um Son ausgestiegen. Allerdings, wenn ich mir die Namen der anderen Kandidaten durchlese, dürfte Son nicht allererste Wahl sein.

Erste Wahl war Scharner bei Wigan. Die allerdings sind seit dem 1:4 gegen Arsenal am Dienstag zweitklassig, womit sich Scharners Zukunft auf der Insel trotz der ihm gewidmeten, imposant zahlreichen Lobeshymnen der Wigan-Fans geklärt hat. Der Österreicher hatte vor seinem Leihwechsel gesagt, auf keinen Fall zweitklassig spielen zu wollen und beteuerte den extra angereisten Fink und Arnesen, dass er zurückkommen wolle – und wird. Und das finde ich gar nicht so schlecht. Denn wer sich in der Premier League gut verkauft, dürfte auch das zeug haben, dem HSV zu helfen. Und gerade auf der Innenverteidigerposition hat der HSV Nachholbedarf, den Scharner vielleicht lösen kann. Und da auch noch vergleichsweise günstig…

Und jetzt Daumen drücken – für die U23, die gerade beim SC Victoria ein wegweisendes Spiel im Abstiegskampf bestreitet.

Bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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