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Zinnbauer muss gegen Hertha etwas ändern

17. März 2015

Und da war es ein Hoffnungsträger weniger. Nach einer unglücklichen Bewegung musste Maxi Beister das Training vorzeitig abbrechen. „Der Rücken“, so seine Erklärung gegenüber Fitnesstrainer Carsten Schünemann. Der wiederum alarmierte den Mannschaftsarzt – ohne heilende Wirkung. Selbst eine kurze Behandlungspause reichte nicht aus, und so marschierte Beister niedergeschlagen in die Kabine. Ob er bis zum Hertha-Spiel am Freitagabend (20.30 Uhr, Imtech-Arena) fit wird, ist noch offen – aber sicher nicht ausgeschlossen.

Das wiederum scheint bei Marcell Jansen anders zu sein. Der Linksfuß laboriert noch immer an Oberschenkelproblemen und absolvierte bislang noch kein Mannschaftstraining und droht wie Petr Jiracek nach dessen (fünfte gelbe Karte) auszufallen. Auch heute konnte Jansen nur leichtes Balltraining mit Rehatrainer Markus Günther absolvieren.

Joe Zinnbbauer mischte nach dem Haupttraining noch munter mit und sorgte für gute Laune

Joe Zinnbbauer mischte nach dem Haupttraining noch munter mit und sorgte für gute Laune

FussballFleißiger mittrainieren konnte sogar Joe Zinnbauer, der sichtlich darum bemüht ist, die Stimmung nach dem 0:3 in Hoffenheim wieder hochzufahren. Erst gab es nach dem Abschlussspiel eine launige Torabschlussübung, ehe er selbst fleißig mitmischte (s. Fotos) und sich für keinen Scherz zu schade war. Insbesondere der wieder gut aufgelegte und vor allem offensichtlich gesunde Pierre Michel Lasogga hat seinen Spaß mit dem Chefcoach.

Seitenwechsel.

Während der Trainer des HSV die Stimmung aufzulockern versuchte, setzte Herthas Trainer Pal Dardai in Berlin derweil auf Druck. Er ließ seine Mannschaft auf einer Hälfte vier (Angreifer) gegen zwei (Verteidiger) spielen. Dabei mussten die Angreifer den Angriff jeweils nach zehn Sekunden abschließen. Und das gelang nicht besonders. Nach zehn Angriffen gab es noch keinen Treffer, was den Ungarn nicht besonders erfreute. „Sauber Jungs“, schimpfte der Trainer, „zehn Angriffe und kein Tor. Das wird in Hamburg nicht so – da bekommt ihr gar nicht erst die zehn Angriffe.“ Worte, die wirkten – spät allerdings. Erst im 17. Versuch traf Lustenberger…

Warum ich das schreibe? Weil ich immer wieder dieselben Diskussionen führe, wenn hierzulande behauptet wird, nichts sei schlechter und schwächer als dieser HSV. Dass noch immer Leute herumlaufen, die einen Abstieg des HSV als hilfreich erachten – Wahnsinn. Denn auch in anderen Vereinen läuft es nicht besser als beim HSV. Damit will ich nichts hier beschönigen, absolut nicht. Aber es zeigt mal die Relation auf. In Stuttgart beispielsweise habe ich mich mit einem Mannschaftsmitglied darüber unterhalten. Und er erzählte mir, dass er es sich kaum schlimmer vorstellen könne. Dass beim VfB von allen Seiten eine Untergangsstimmung verbreitet wird, dass Trainerdiskussionen den Ablauf ebenso stören wie das öffentliche Anprangern der Unfähigkeit der Spieler. Und wisst Ihr was? Genau das gleiche Bild liefert Berlin.


In der Hauptstadt ist Dardai nicht der Einzige, der mit Galgenhumor umschreibt, was die Hertha abliefert. Insofern: Die Chance auf den Klassenerhalt hier ist nicht schlechter als anderswo – auch, wenn wir es in unserem Hohn und Spott so andeuten. Allerdings ist auch klar, dass der HSV langsam das Maß aus Defensive und Offensive finden muss. Schon gegen Hertha wird eine destruktive Spielweise wie gegen Hoffenheim, Dortmund, Gladbach, um nur einige zu nennen, nicht funktionieren. Zumal die Berliner nichts anderes spielen als Abwehr und lange Bälle auf Kalou oder Ben-Hatira.

Nein, Zinnbauer sollte sich die klagenden Worte von Ivica Olic heute bei den Kollegen zu Herzen nehmen und zusehen, dass er seinen Angriff reaktiviert. Das reine Kontern funktioniert nicht, wenn sich der einzige Stürmer zumeist in Defensivzweikämpfen aufreibt. Schon deshalb freut sich Olic auf die Rückkehr von Pierre Michel Lasogga. Und ich ehrlich gesagt auch. Denn mit dem bulligen Angreifer stünde einer auf dem Platz, der sich nicht zu tief fallen ließe. Nicht einmal, wenn der Trainer das so wollte. Nein, Pierre Michel Lasogga wäre gesund eine Alternative für das Sturmzentrum mit Olic drumherum. Der Kroate könnte weiterhin brutal alles ablaufen, könnte allerdings auch mal auf die Außen ausweichen. Er könnte Flanken schlagen oder auch aus zweiter Reihe mal abziehen, wenn er vorn einen Anspielpunkt hätte.

Allerdings befürchte ich, dass der Trainer andere Pläne hat. Zumindest deutet sein Training eher daraufhin, dass er das beim HSV zur Rarität verkommene schnelle Spiel über die Außen vordringlich mit seinen Außenverteidigern plant. Die Mittelfeldspieler sind demnach eher dafür da, defensiv zu arbeiten sowie den Außenverteidigern wie Matthias Ostrzolek und Dennis Diekmeier Räume zu schaffen. Dass diese beiden selbige ausreichend nutzen – es wäre wünschenswert. Aber es darf angesichts der letzten Statistiken mit zwei, drei oder maximal vier Flanken aus dem Spiel heraus stark angezweifelt werden.

Dem HSV mangelt es an kreativen Spiel – das wissen inzwischen alle. Zum einen, weil die Qualität dafür nur bedingt vorhanden ist, zum anderen, weil der Mannschaft der Mut und das Selbstvertrauen dafür fehlt. Auch deshalb versuchte es Zinnbauer am vergangenen Wochenende auch mit Ivo Ilicevic, dessen Qualitäten in seinen leider oft zu kurz geratenen gesunden Phasen immer wieder aufblitzen. Mannschaftsintern gilt der Kroate als der Mann mit dem vielleicht größten Potenzial in der Offensive. Nur gezeigt hat er davon auch in Hoffenheim zu wenig. Dort fiel er in den ersten Minuten eher dadurch auf, dass er defensiv fleißig arbeitete…

Womit ich noch mal auf die Problemzone des HSV kommen möchte: Die Außenbahnen. Dort kommt von Diekmeier und Ostrzolek nach vorn noch zu wenig Brauchbares. Auch deshalb hat es Olic in den letzten drei Spielen auf null Torschüsse gebracht, was einen Liga-Topwert – im negativen Sinne darstellt. Zudem funktioniert ein Mohamed Gouaida zweifellos den Umständen entsprechend gut – aber eben nicht gut genug, um die Offensive ausreichend zu versorgen. Noch weniger kam und kommt von Nicolai Müller.

Am allerwenigsten kommt von Maxi Beister, der diesen Umstand allerdings nur zu gern ändern würde. Am liebsten schon gegen Hertha. Ob er bis dahin wieder fit ist? „Ich glaube, dass es gehen sollte“, so Beister heute, „ich hoffe mal, dass wir es schnell in den Griff bekommen.“ Noch mehr hofft er sicherlich, nach seinem überraschenden 30-Minuten-Einsatz gegen Frankfurt wieder zu spielen. Obgleich vor einigen Wochen öffentlich verkündet worden war, dass er (wie eigentlich auch Ivo Ilicevic) bis zur bevorstehenden Länderspielpause bei den Amateuren spielen soll. Geworden sind es bei Beister seit Januar gerade einmal drei Spiele. Und ich frage mich, warum das so ist? Warum spielt ein Beister nicht konsequent jede Minute, die man ihm bieten kann? Und wenn es letztlich erst einmal die Amateure sind, dann ist das so. Es geht nichts über Spielpraxis. Und die braucht Beister nach seiner langen Verletzungspause. Irgendwie scheint Beister für oben noch nicht weit genug und für unten als zu schaden empfunden werden. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären. Zumal ich weiß, wie viel Wertschätzung die Offensivhoffnung bei den Verantwortlichen genießt. Und das in meinen Augen auch völlig zurecht.

Und, nur weil ich darauf angesprochen wurde: Ich sehe in Nicolai Müller sehr wohl eine außergewöhnlich große Menge Potenzial – aber eben nicht in diesem System. Müllers Qualitäten sind im letzten Drittel, vor dem Tor, im Anschluss und im Dribbling mit Tempo. Dass er Räume für den hinter ihm postierten Diekmeier reißt – das darf einfach nicht seine Hauptaufgabe sein. Das wäre Verschwendung und passt im Übrigen genauso wenig auf Ivo Ilicevic.

Ich bin tatsächlich sehr gespannt, was sich Zinnbauer („Wir werden gegen Hertha Tore erzielen und wir werden gegen Hertha gewinnen!“) am Freitag einfallen lässt. Stur an seinem zuletzt gespielten, sehr defensiven System festhalten kann er gegen die außergewöhnlich defensiv spielen Berliner eigentlich nicht. Ich hoffe es zumindest inständig.

In diesem Sinne, morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Bis dahin,

Scholle

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