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Misslungene Generalprobe = gutes Omen?

6. März 2015

Wenn das ungeschriebene Gestz mit der misslungenen Generalprobe stimmt, dann wird der HSV nach diesem Abschlusstraining morgen gegen den BVB ein sensationelles Spiel abliefern. Und das ohne Marcell Jansen.

Fällt erneut aus: Marcell Jansen

Fällt erneut aus: Marcell Jansen

Denn der Linksfuß, der im Abschlusstraining im B-Team agierte, ist nach eigener Aussage noch nicht bei 100 Prozent und wird dementsprechend noch einmal pausieren. Dafür hat Pierre Michel Lasogga seinen Muskelfaserriss auskuriert und ist erstmals seit Köln wieder im Kader. Von Beginn an stürmen wird allerdings ein anderer: Ivica Olic. Zumindest agierte der Kroate heute im Abschlusstraining über die gesamte Spieldauer als einzige Spitze im A-Team. Dass er dabei kein Scheunentor treffen wollte, wir werten es einfach mal als misslungene Generalprobe…

Misslungen, das muss ich hier einwerfen, sind im Übrigen auch einige Kommentare hier im Blog. Das ist grundsätzlich nicht neu und normalerweise auch nicht oft wirklich schlimm. Aber wenn ich lese, dass Labbadia sich an irgendwelchen Spielerfrauen vergangen haben soll, könnte ich kotzen. Wer von Euch WEISS das denn? Und woher? Dass der eine oder andere sein Halbwissen hier als Wahrheit verkauft – okay. Aber einen Menschen derart zu diffamieren ohne jeden Beweis für die Behauptung: Das ist einfach nur inakzeptabel. Nur, damit das hier mal klargestellt wird. Ich werde in Zukunft derartige Blogbeiträge rigoros löschen.

Aber zurück zum HSV. Der stellt wieder einige Positionen um. Cléber wird den verletzten Rajkovic ersetzen. Und der Brasilianer zeigte in den letzten Trainingseinheiten auch, warum sich Trainer Joe Zinnbauer für ihn entschieden hat. Erbarmungslos nagelte der O-beinige Brasilianer heute alles weg, was in Richtung Tor wollte. Viel für den Spielaufbau tat er nicht – aber er zeigte schon mal, worauf sich Immobile, Reus und Co. freuen dürfen. „Es wird ein sehr intensives Spiel, ganz sicher“, hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp gestern geahnt. Und ich bin mir sicher: Er wird Recht behalten.

Zumal der HSV hinten dicht machen will. Drei Innenverteidiger und Diekmeier sollen den gefährlichen Angriff der Dortmunder stoppen. Westermann erhält als Linksverteidiger den Vorzug vor Ronny Marcos und dürfte sich freuen, niemand geringeren als den wohl schnellsten Spieler der Liga gegen sich zu haben: Aubameyang. Ob Reus spielen wird, ließ Klopp zwar offen. Dennoch glaube ich nicht, dass Reus nur wegen eines Pferdekusses ausfällt.

Soll heißen: Defensiv kommt Schwerstarbeit auf den HSV zu. Wohl auch deshalb drückt Zinnbauer Behrami mit allen Mitteln in die Startelf. „Es geht so“, sagte Behrami heute nach dem Training und deutete an, dass er noch immer nicht bei 100 Prozent ist. Worte, die für Gojko Kacar wie Schläge in die Magengrube wirken dürften. Zumal er am vergangenen Wochenende in Frankfurt für mich noch zu den Besseren gehörte. Dennoch, Zinnbauer setzt auf Jiracek und Behrami, so scheint es.

Und während es auf den Außen mit Gouaida und Müller keine Veränderungen geben wird, ist Ivica Olic vorn wieder dabei. Der Kroate ackerte auch heute wieder wie wild – aber das Tor traf nur Lasogga. Olic hingegen hatte Chance auf Chance – und scheiterte immer wieder. Mal an Adler, mal an sich selbst. Selbst bei der Abschlussübung, in der er ca. 30 Mal zum Abschluss kam, traf er wenig. Aber wie oben schon geschrieben: Werten wir es als misslungene Generalprobe und demnach als gutes Omen für morgen. Zu viele Gedanken wird sich Olic definitiv nicht machen – er kennt es nur zu gut, binnen Sekunden von Kreisklassenaktion auf Weltklasseaktion umzustellen…

Gut drauf – zumindest auf dem Platz – war Pierre Michel Lasogga. Nach einer bedenklich langen Muskelfaserriss-Pause (wir haben sehr wohl nachgefragt, bekommen aber vom HSV keine andere Antwort als „hartnäckige Muskelverletzung“) präsentierte sich der bullige Angreifer heute stark. Er traf fürs B-Team beim Abschlussspiel und wirkte fit. Mit ihm, Beister und Rudnevs hat Zinnbauer dem Anschein nach wieder echte Alternativen im Angriff.

Und mit Julian Green will sich ein weiterer Spieler empfehlen. „Ich habe mich mit dem Trainer unterhalten und will mich anbieten“, so die Bayern-Leihgabe heute nach dem Training. Dafür wird er am Sonnabend in der U23 spielen und das alte Interview, das die „Zeit“ am Donnerstag veröffentlichte, vergessen machen. Darin hatte er sein Unverständnis über den Umgang der HSV-Verantwortlichen mit ihm bekundet. Ein Gespräch, das den Eindruck erwecken könnte, der HSV würde sich um seine jungen Talente nicht kümmern. Dass sein Berater Roman Grill zuvor im Winter schon ein Gespräch mit Peter Knäbel über die Situation seines Schützlings hatte blieb unerwähnt und verzog das Bild ein wenig. Heute wurde es geradegerückt – mit einem erneuten Gespräch zwischen Grill und Knäbel…

Egal wie, Green ist ebenso wie Marcell Jansen, der gelbrot-gesperrte Matthias Ostrzolek sowie Ahmet Arslan nicht im Kader für das Dortmund-Spiel, das einige Wissende schon als Bewährungsspiel bezeichnen. Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen, und hoffe, dass der HSV nicht binnen weniger Wochen seine eigenen Worte frisst und stattdessen geduldig bleibt. Denn eines ist nach den letzten Jahren und Monaten klar: Am Trainer allein liegt es nicht. Und wer sich vor 14 Tagen noch „begeistert“ von der Art des Trainers zeigt, kann heute nicht dessen Demission anregen, ohne selbst an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Peter Knäbel jedenfalls schätze ich nicht so ein. Im Gegenteil: Alles, was ich zu hören bekam war, dass der HSV sich überhaupt keine Gedanken über andere Trainer machen würde. Und das ist gut so.

Obgleich Zinnbauer zweifellos Fehler gemacht hat, wie er selbst zugibt. Aber das muss er auch noch dürfen, dafür ist er noch zu frisch im Bundesligageschäft, um etwas anderes erwarten zu können. Und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, dass das Reindrücken Behramis der richtige Schritt ist. FussballDass der Schweizer wichtig für den HSV ist – klar! Aber eben nur, wenn er fit ist. Und da Behrami selbst sagt, er sei noch nicht bei 100 Prozent und bekanntermaßen Knieprobleme hat, die nie ganz geheilt werden können, sollte man hier vorsichtig sein. Zumal dann, wenn man mit Gojko Kacar jemanden opfern muss, der gut gespielt hat. „Es ist halt so“, war alles, was Kacar heute achselzuckend dazu sagen wollte. Aber was soll er auch sagen…?!

Somit haben wir für morgen folgende wahrscheinliche Startelf: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber, Westermann – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Gouaida – Olic. Aber vielleicht hat Zinnbauer wieder eines dieser oft zitierten Bauchgefühle über Nacht, die die Aufstellung noch mal ein wenig drehen. Warten wir es ab…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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