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***AKTUALISIERT: Kommt Innenverteidiger Cléber?*** Elfmeterschießen! HSV zittert sich weiter!

18. August 2014

***Aktualisiert: Laut brasilianischen Medien wechselt Innenverteidiger Cleber Janderson Pereira Reis (23, Corinthians) zum HSV. Den Medizincheck soll er bereits am heutigen Dienstag absolvieren.***

Auch einige andere Erstliga-Vertreter mussten an diesem Pokal-Wochenende mächtig zittern, benötigten dann sogar noch das Elfmeterschießen. Alles ganz normal. Und überall war zu hören: „Es ging doch nur ums Weiterkommen.“ Da wollte der HSV nicht ganz ohne in die Runde zwei, er machte es beim 1:1-2:2-6:3-Sieg nach Verlängerung und Elfmeterschießen ebenfalls spannend. Und wie! Souverän und gut ist etwas anderes, aber hier ging es tatsächlich nur ums Überleben. HSV-Trainer Mirko Slomka hatte sein Team ohne Matthias Ostrzolek und Pierre-Michel Lasogga aufgestellt, die beiden saßen zunächst auf der Bank, zudem fehlten Zoltan Stieber und Nicolai Müller, die beide in Hamburg saßen. So sahen die 15 000 Zuschauer in der Lausitz zunächst nur den „alten HSV“. Und so „alt“ spielte er dann auch, eben immer noch wie der HSV 2013/14. Aber wie war das dann noch? Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige, und das war eben der HSV.

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Das wird kein Spaziergang für den Erstliga-Vertreter, das war mit dem Anstoß sonnenklar. Cottbus biss, Cottbus ging zur Sache, Cottbus verschenkte nicht einen Zentimeter. Von Beginn an war klar, dass zwischen diesem Drittliga-Club, nämlich der FC Energie, und dem Testspiel beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt Welten liegen. Die Erfurter spielten dagegen fast körperlos. Und ehe der HSV ins Spiel gefunden hatte, lag er schon zurück.

Heiko Westermann wollte den Ball zurück in die Arme von Rene Adler köpfen, traf die Kugel aber nicht voll. Der HSV-Keeper musste raus aus dem Kasten, Petr Jiracek wollte seinem Schlussmann den Vortritt lassen, doch Adler kam etwas zu spät. Er prallte mit Energie-Spieler Perdedaj zusammen, kam nicht an den Ball – Schiedrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) entschied auf Elfmeter, und das war richtig (9.). Den Strafstoß verwandelte Zeitz ganz souverän, Adler lag in der falschen Ecke, der Drittligist führte (10.).

Damit wurde die Aufgabe noch einen Tick schwieriger. Cottbus erhöhte den Einsatz, es ging verstärkt zur Sache, und das Publikum war natürlich ganz auf der Seite des Energie-Teams. Bei HSV-Fouls brannte schnell die Luft, auch das war vorher klar – von wegen Stadion der Freundschaft. Den ersten Schuss der Hamburger, der Richtung Energie-Tor flog, den gab Milan Badelj in der 13. Minute ab, der Mittelfeldspieler schoss aus 20 Metern – und schoss auch 20 Meter hoch und weit am Tor vorbei. Kurios: Die erste Gelbe Karte erhielt Sekunden danach Ivo Ilicevic, der Michel umrannte. Gar nicht seine Art, aber der Pokal hat wohl doch andere Gesetze . . .

Nach einer Viertelstunde taute der HSV etwas auf. Artjoms Rudnevs tankte sich links großartig durch und passte zur Mitte, wo Rafael van der Vaart aus zwölf Metern schoss – doch Keeper Kevin Müller hielt großartig. Und er war auch auf der Höhe, als Ilicevic von rechts flach auf das Tor schoss, Fußabwehr, Eckstoß, aber kein Ausgleich. Dann dauerte es bis zur 37. Minute, ehe der HSV wieder einmal von einem Tor träumen durfte. Van der Vaart schoss aus halblinker Position und aus zwölf Metern am langen Eck vorbei. Mehr war leider nicht. Cottbus hatte zwar auch nichts, beschränkte sich mehr oder weniger auf die Defensiv-Arbeit – und die wurde fast hundertprozentig, konzentriert und diszipliniert erledigt. Am Rande war Trainer Krämer der zwölfte Mann, er schien immer auf Ballhöhe.

Kuriosum am Rande. Weil Cottbus-Ersatzspieler Holz den Ball auf das Spielfeld schoss, obwohl der HSV gerade mit einem anderen Ball einwerfen wollte, zeigte Kinhöfer die Gelbe Karte. Völlig berechtigt. Aber das brachte dem HSV auch nichts Zählbares, es ging mit einem 0:1-Rückstand in die Halbzeit-Kabine.

Zum zweiten Durchgang kam ein veränderter HSV auf den Rasen: Pierre-Michel Lasogga kam für Petr Jiracek, Rudnevs ging nach rechts, Ilicevic nach links, Jansen rückte links in die Viererkette zurück. Wenn es denn hilft . . .

Es half. Der HSV wurde besser, spielte mehr und mehr Richtung Cottbus-Tor. Und in der 70. Minute stand es dann zum Glück auch 1:1. Van der Vaart schlug aus der halblinken Position einen Freistoß in den Energie-Strafraum, dort steigen viele Spieler hoch, doch Heiko Westermann stieg gegen Möhrle am höchsten und köpfte den Ball zum Ausgleich ein. Endlich. Wenigstens diese Etappe war geschafft.

Und fast wäre der HSV in der 73. Minute sogar in Führung gegangen. Dennis Diekmeier flankte von rechts, Pierre-Michel Lasogga schoss direkt aus acht Metern, doch der Schuss wurde abgeblockt – Chance vorbei.

Dann kam die 88. Minute. Lasogga tauchte vor Torwart Müller aus, wollte ihn umspielen, vielleicht auch nur überlupfen, aber es gelang nicht. Und den Nachschuss setze Ivo Ilicevic weit über das Energie-Gehäuse. Und noch einmal Aufregung in den Schlusssekunden. Erst lenkte Adler einen Mimbala-Freistoß über die Latte, und in der 92. Minute köpfte Rudnevs aus 16 Metern (nach schwacher Faustabwehr von Müller) knapp am rechten Torwinkel vorbei – vorbei ist vorbei, auch wenn es knapp war.

Verlängerung.

Und in der hatte zunächst Rafael van der Vaart seinen großen Auftritt. Er schoss einen 22-Meter-Freistoß aus der halbrechten Position in den oberen rechten Winkel, zum Glück stand die Energie-Mauer so weit weg vom Ball, sodass dieser Schuss auch ganz genau „passte“ (96.), ein herrliches „Tor des Monats“.

Und die Entscheidung? Es wäre so schön gewesen. Sekunden vor dem zweiten Halbzeitpfiff aber hieß es 2:2. Johan Djourou ließ sich ohne Gegenwehr überlaufen, Michel traf flach aus halblinker Position – die Zitterei begann von vorne. Bis zum Schlusspfiff in der 120. Minute spielte dann mehr oder weniger Cottbus, der HSV war da in die Fürth-Form abgetaucht. Die harte Vorbereitung? Oder war die harte Vorbereitung noch nicht hart genug? Immerhin, in der 120. Minute gab es noch ein Lebenszeichen aus Hamburg, doch Lasoggas Hechtkopfball war zu harmlos – gehalten. Und ab ins Elfmeterschießen.

1:0 van der Vaart, dann hält Adler den Schuss von Pawela, 2:0 Djourou, 2:1 Holz, 3:1 Jansen, dann hält Adler den Schuss von Michel, 4:1 Rudnevs. Ende gut, alles gut.

Der HSV mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jiracek (ab 46. Lasogga); Badelj (ab 61. Arslan), Behrami; Ilicevic (ab 115. Zoua), van der Vaart, Jansen; Rudnevs.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hatte nicht viel zu tun, wurde aber kalt erwischt, als er in der neunten Minute den Elfmeter verursachte. Ansonsten wach, wenn er es sein musste, ohne dass er Großtaten verrichten musste. Und souverän sieht sein Spiel dann auch immer noch nicht wieder aus. In der Verlängerung wurde er stärker gefordert – und ich weiß nicht, ob er das 2:2 (105.) früher und in Bestform nicht vereitelt hätte? Super dann allerdings, dass der HSV-Keeper im Elfmeterschießen zwei Schüsse abwehrte – er ließ den HSV dann doch in Runde zwei rutschen.

Dennis Diekmeier hatte in der Defensive kaum einmal Probleme, nach vorne waren zunächst die Räume eng, dadurch kam er kaum einmal erfolgsversprechend zum Zuge, aber zweite Halbzeit kam „DD“ auf Touren und schlug einige sehr schöne Flanken. Ein guter Auftritt.

Johan Djourou spielte seinen Job sehr routiniert herunter, er ist wesentlich besser geworden, als in seiner Anfangszeit beim HSV – eine große Stütze.

Heiko Westermann war sichtlich bemüht, keinen Fehler zu machen – beim Elfmetertor gelang das nicht völlig. Ansonsten beschränkte er sich auf Sicherheitspässe über sieben, acht Meter, mehr Risiko ging er nicht, sollte er wohl auch nicht. Bis auf die Standardsituationen, denn da ist seine Kopfballstärke gefragt – wie in der 70. Minute, als er das wichtige und erlösende 1:1 köpfte.

Petr Jiracek liebt hinten links nicht, dennoch wird er dort aufgestellt (und Marcell Jansen ist mit im Team!). „Jira“ konnte nicht an seine ansonsten guten Leistungen in der Vorbereitungen anknüpften, hatte hinten Schwierigkeiten und brachte nichts nach vorne, da war es klar, dass er zur Pause geopfert werden würde. Er wurde. Ein schwacher Auftritt des Tschechen.

Milan Badelj zeigte Licht und Schatten, aber immer dann, wenn es den Anschein hatte, dass er jetzt sein Spiel gefunden hat, machte er es mit einer schlechten Aktion wieder zunichte. Schade. Dass er in der 61. Minute raus musste, war folgerichtig.

Valon Behrami will mehr Verantwortung übernehmen, macht es auch, aber es passt noch lange nicht alles. Immerhin: In der siebten Minute rüffelte er lautstark eine Fehlleistung seines Mitspielers Jiracek, das ist schon mal ein gutes Zeichen, dass da endlich einmal Leben in die Bude kommt.

Ivo Ilicevic spielte mit, hatte auch nette Szene, aber bei ihm vermisse ich den unbändigen Einsatz, dass er sich reinhängt bis zur völligen Erschöpfung. Das gibt es leider nicht. Es ist mitunter schön anzusehen, was er macht, aber es kommt so richtig nichts dabei herum. Und mit zunehmender Spieldauer tauchte er immer mehr ab. Leider, leider.

Rafael van der Vaart war zwar nicht von Anfang an im Spiel, aber er steigerte sich, wollte auch, bot sich immer wieder an und hatte auch in Halbzeit eins die besten Chancen. Er kommt noch, ganz sicher, vielleicht sogar noch einmal in Bestform – heute waren bereits gute Ansätze zu sehen. Und sein Tor wird ihm weiter auf diesem Weg helfen.

Marcell Jansen suchte in Halbzeit eins seine Rolle im linken Mittelfeld, gefunden hat er sie nicht richtig. Zweite Halbzeit ganz hinten war er wertvoller, keine Frage.

Artjoms Rudnevs war bemüht, hatte auch durchaus gute Szenen, war aber dann auch zu oft allein auf sich gestellt. Nach der Pause, mit Lasogga an der Seite, noch etwas aktiver, wenn auch nicht glücklicher (im Abschluss). Dennoch nicht schlecht.

Pierre-Michel Lasogga (ab 46. Min. für Jiracek) spielte zunächst sehr unauffällig, erst nach dem 1:1 machte er so richtig gut Alarm. Sein Einsatz war enorm wichtig, weil er jede Abwehr verunsichert.

Tolgay Arslan (ab 61. Min. für Badelj) brachte sofort mit einem Alleingang Schwung, das war ein guter und gelungener Kurz-Auftritt. Er zeigte Leben, er biss, er riss sogar mit, auch wenn das eventuell einige „Matz-abber“, die das Spiel nicht gesehen haben, nicht glauben werden.

Jacques Zoua (ab 115. Min. für Ilicevic) kam und lief noch ein wenig mit. Und schoss sogar noch einmal auf das Tor, doch Müller hielt ohne Mühe.

PS: Morgen, am Dienstag, wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

21.13 Uhr

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