Archiv für das Tag 'Jarolim'

Arslan ist weg, noch kein Neuer da – Guerrero-Comeback unwahrscheinlich

26. Januar 2015

Dietmar Beiersdorfer hatte Grund zum feiern – und auch wieder nicht. Denn während der Vorstandsboss beim Boulevard ob der Millionenspritzen der HSV-Milliardäre Klaus Michael Kühne und Alexander Otto als „Dukaten-Didi“ Renaissance feiert, hat er sportlich noch lange nichts verbessert. Im Gegenteil. Bisher steht nur der Abgang von Tolgay Arslan zu Besiktas Istanbul (500000 Euro Ablöse und Beteiligung am Weiterverkauf) fest, den es nun doch zu Besiktas zieht. Und das, obwohl er bei Trabzonspor (Arsenal London war keine ernsthafte Option) dem Vernehmen nach bis zu drei Millionen Euro netto per annum hätte verdienen können. Via facebook verkündete er: „Ich freue mich, euch berichten zu können, dass ich einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterzeichnet habe. Letzten Endes konnte ich trotz verlockender Angebote nur auf mein Herz hören und das schlägt für Besiktas!!! Ich möchte mich aber vor allem auch bei dem HSV und seinen Fans für die unglaublichen Jahre mit vielen Höhen und Tiefen bedanken. Vielen Dank für eure Unterstützung – Hamburg ist und bleibt mein zu Hause und ich werde euch immer in meinem Herzen behalten!
Euer Tolgay“. Um 16.30 Uhr hob der defensive Mittelfeldspieler dann per Flieger gen Istanbul ab. Alles Gute Tolgay!

 

Arslan musste gehen, nachdem Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer unmissverständlich klar gemacht hatte, dass Arslan bei ihm nicht spielen würde. Einzig die Frage nach dem „Warum?“ wurde nie wirklich erklärt. Und auch Tolgay äußerte sich nicht. Dabei soll der junge Mittelfeldspieler im Zuge der Enttäuschung nur kurz nach Amtsübernahme Zinnbauers gemeckert haben. Dabei schimpfte Arslan dem Vernehmen über das neue System Zinnbauers, das ihn zum Reservisten degradierte. Pech für Arslan war in diesem Fall, dass im Nebenraum Cotrainer Patrick Rahmen saß und alles mit anhören konnte. Seither soll das Verhältnis Arslan/Zinnbauer nachhaltig beeinträchtigt gewesen sein – vorsichtig formuliert…

 

Wobei, glaubt man den schnellen italienischen Medien, hatte der HSV schon Ersatz, als es Arslan per Flieger in die Türkei zog. Gegen Mittag sollen sich demnach der HSV und Inter Mailand auf einen Wechsel des Serben Zdravko Kuzmanovic geeinigt haben. Das aber dementierte der HSV umgehend. Noch.

 

Nicht geleugnet – aber auch betont „nur Alternative“ ist Paolo Guerrero. Bislang zumindest. Wobei ich noch immer ein bekennender Fan seines Fußballs bin und glaube, dass der Peruaner genau der Typ Spieler ist, den der HSV für vorn sucht. Technisch stark kann kaum einer besser den Ball festmachen und verteilen als er. Allerdings würde es mich wundern, wenn Guerrero selbst kann sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu wechseln. Allerdings würde ich mich wundern, wenn es der HSV schaffte, den 31-Jährigen finanziell glücklich zu machen, ohne sich zu verheben. Rund drei Millionen Euro im Jahr soll der 31-Jährige bei Corinthians kassieren. Und die Brasilianer wollen den ehemaligen HSVer unbedingt halten.

 

Aber wie dem auch sei, heute passiert eher nichts mehr. Zumindest kommt kein Neuer. Dennoch rechnen beim HSV intern alle fest damit, dass die benötigten Verstärkungen bis zum Transferende am 2. Februar kommen. Dass Dietmar Beiersdorfer den Wunschkandidaten Josip Drmic bereits mehr oder weniger abschreibt („Es würde mich sehr wundern, wenn er zu uns wechselt“) werte ich nicht als Aufgabe. Der HSV will und muss Bayer Leverkusen klar machen, dass sie die Entscheidung des Werksklubs nicht über Wohl und Wehe des HSV entscheidet, und dass der HSV Alternativen hat. Daher wird Guerrero, den Leverkusen übrigens mit der Begründung ablehnte, dass Drmic ja bleiben würde, nicht abgehakt – aber intern eben auch nur als B-Lösung betrachtet.

 

Immer erste Kategorie war David Jarolim. Menschlich wie sportlich war er ein Vorzeigeprofi. Heute war der Tscheche in Hamburg, um sich sportärztlich untersuchen zu lassen. Und der ehemalige Sechser nutzte die Gelegenheit, um noch einmal in eigener Sache für sein Abschiedsspiel am 28. März zu werben – obgleich das kaum nötig ist. Und er freut sich: „Natürlich hast du am Anfang immer Angst, dass die Leute es nicht annehmen. Umso mehr freue ich mich, dass jetzt so viele Tickets abgesetzt wurden. Es wird einer der emotionalsten Augenblicke, die ich je in diesem tollen Stadion erleben durfte.“

Anbei ein Videointerview mit Jarolim im (entschuldigt bitte!) unüblichen Hochformat…

Der Sportdirektor von Mlada Boleslav hat es geschafft, dass bereits mehr als 21000 Tickets abgesetzt sind. Als Fünftbeliebtester HSVer aller Zeiten wählten ihn die Leser der „BILD“ zuletzt. „Das fühlt sich gut an“, so Jarolim, dem der HSV immer wieder nahegelegt hatte, ihn im eigenen Nachwuchs unterbringen zu wollen. Als Trainer. „Ich werde das jetzt auch machen“, so Jarolim, „allerdings erst einmal bei uns im Klub. Ich bleibe Sportdirektor und werde zusätzlich die Woche die U19 von Boleslav trainieren, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich will meine Lizenzen erwerben – dann schaue ich weiter.“

 

 

Allerdings, einmal hier, kam Jaro nicht umhin, sich auch zum HSV zu äußern. „Ich glaube, dass der HSV die richtigen Leute auf den wichtigen Positionen hat und dass sie die Situation erkannt haben. Deshalb bin ich auch optimistisch. Es wird wieder eine schwierige Saison, aber sie wird nicht noch mal so schlimm wie die letzte Saison.“ Dass der HSV noch in dieser Wintertransferphase Verstärkung braucht – auch Jaro sieht es so. Obwohl er überlegt, etwas anderes zu sagen, gibt er zu: „Wenn die Möglichkeit besteht, jemanden zu bekommen, der helfen würde, dann sollte man es machen.“ Ob er Guerrero empfehlen würde? „Das kann ja nicht klappen – der hat doch Flugangst…“, scherzte Jarolim, um dann hinzuzufügen: „Paolo ist ein super Fußballer. Helfen könnte er immer.“

 

Womit ich noch einmal kurz auf die Mitgliederversammlung eingehen will. Die hat gezeigt, was eine Person des Vertrauens bewirken kann. Wobei es sicher mindestens zwei waren, die der Versammlung zu einem friedlichen Verlauf verholfen haben, wie wir ihn schon Ewigkeiten nicht mehr miterleben durften. Immerhin in einer finanziell und sportlich derart angespannten Situation – das war für mich dann doch überraschend. Aber nehmen wir die auf deutlich zu persönlicher Ebene geführten Reden von und gegen Manfred Ertel mal aus, war es letztlich ein sehr erfreulicher Sonntag. Die Verantwortlichen der Campus-Anleihe wurden zwar unter dem Eindruck der Zehn-Millionen-Spende von Alexander Otto unverdient wenig in die Verantwortung genommen – andererseits hätte es mehr als neuen Ärger dadurch auch nicht gegeben. Moralisch verheerend sind die Herren Jarchow, Hilke, Arnesen und Scheel rechtlich abgesichert – das Kleingedruckte macht’s möglich.

 

Dennoch war bei der Veranstaltung ein Hauch von Einigkeit zu spüren, die dieser Verein dringend benötigt. Und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer ist das Gesicht der Neuausrichtung – zusammen mit Otto. Und Klaus Michael Kühne natürlich. Wobei die beiden Millionen-Unterstützer unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier Otto, der bewusst zurückhaltend agiert und keine Anteile zeichnen sondern in letzter Instanz dem Amateursport helfen will. Und auf der anderen Seite Kühne – der Mann, der sein Darlehen lang und hart verhandelte, ehe er es in Anteile umwandelte und der gern öffentlichkeitswirksam sagt, was er denkt. Aber – in diesem Fall sollte man es nur so nehmen, wie es im Moment ist: als unfassbar große Hilfe für die Konsolidierung des HSV. Den Dank haben sich die beiden Milliardäre verdient.

 

In diesem Sinne, der Testspieler Innocent Emeghara wird nicht genommen, Ivo Ilicevic darf vorerst ebenso bei den Profis weiter mittrainieren, wie die U23-Youngster Philipp Müller, Ahmet Arslan und Nils Brüning (Marcos, Götz und Gouaida bleiben natürlich auch). Pierre Michel Lasogga ist wieder einsatzbereit, hat aber morgen frei, da kein Training ist.

 

Bis dahin, Scholle

 

P.S.: Angeblich ist Mpoku (Standard Lüttich) in Deutschland zu Verhandlungen. Und Inter Mailands Trainer Roberto Mancini soll sich nun doch gegen die Abgabe Kuzmanovics entschieden haben. Diese Gerüchte habe ich deshalb ins „P.S.“ gestellt, weil sie in fünf Minuten wieder überholt sein werden. Wetten dass…?

Jaro ist das beste Beispiel

20. November 2014

Es ist noch gar nicht so lange her, da schrieb ich von Topspielern des HSV, die im Unfrieden und in meinen Augen auch unter unwürdigen Umständen den Verein wechselten. Bei Calhanoglu und einigen anderen geschah dies unter mehr als fragwürdigen Umständen und wurde zu Recht kritisiert. Allerdings wurden auch bei anderen plötzlich Geschichten lanciert, die den Spieler schlecht aussehen ließen. Ob es ein Vincent Kompany war, dem man nachsagte, er habe am Ende nicht mehr alles für den HSV gegeben oder ein Frank Rost, der angeblich immer wieder Politik gegen die Vereinsführung gemacht hatte. In dem Moment, wo klar war, dass sie nicht mehr für den HSV auflaufen würden, gab’s was hinterhergeschmissen. Vergessen waren die Leistungen für den Verein. Es gab einige (zu viele) Beispiele von verdienten Spielern, denen man den Abgang leicht hätte machen können – wenn nicht gar müssen. Wäre da nicht das Hamburger Problem mit den Eitelkeiten…

Für Abendblatt-Blogs



Mit Dietmar Beiersdorfer hat der HSV seit diesem Sommer wieder einen Vereinsboss, der bekannt dafür ist, menschlich mit seinen Spielern umzugehen. Egal wer den Verein verließ – über Beiersdorfer gab es eigentlich nie etwas Negatives zu hören.

Von Chef und Angestelltem zu Freunden geworden: Dietmar Beiersdorfer (l.) und David Jarolim

Von Chef und Angestelltem zu Freunden geworden: Dietmar Beiersdorfer (l.) und David Jarolim

Und von ihm noch weniger. Genauso wenig wie von und über David Jarolim. Aber auf den komme ich am Ende des Artikels noch mal (inklusive Video), der hoffentlich der Anfang von einer ganzen Reihe vernünftiger Abschiede ist.

Aber bevor ich mich Jaro widme, möchte ich mich noch einmal der gestern überraschend verkündeten Personalie Otto Addo widmen. Wie ich jetzt erfahren habe, hatte Addo am Mittwoch vor der Meldung des HSV ein Gespräch samt Anwalt und der Personalleiterin des HSV, Daniela Schumacher. In diesem Gespräch verständigten sich alle darauf, so sagt es Addos Anwalt Tobias Andresen, „dass wir nach außen noch nichts kommunizieren, ehe grundsätzliche Fragen geklärt sind.“ Eine dieser Fragen – und die ist tatsächlich elementar – ist die nach dem Angestelltenverhältnis. Der HSV ging und geht noch immer davon aus, dass der bis Juni 2015 datierte Vertrag nicht verlängert wird und daher das Angestelltenverhältnis Addos mit seinem Vertragsende automatisch im kommenden Sommer endet. „Dem ist allerdings nach nunmehr sechs Jahren nicht so“, sagt Andresen. Das einst zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnis habe sich inzwischen in ein unbefristetes verändert.

Am Tag der erfolglosen Schlichtung zwischen dem HSV und Mirko Slomka und einen Tag vor dem Gerichtstermin mit Fitnesstrainer Nikolai Vidovic bahnt sich offenbar der nächste Rechtsstreit an. Denn die anwaltliche Vertretung Addos weist daraufhin, dass die Möglichkeit der Befristung über den so genannten “Verschleißtatbestand” hier nicht funktioniert. In Bundesligamannschaften gilt dieser, da der Trainer sich dort abnutzen kann. Im Wortgebrauch heißt es dann immer ‚Er erreichte die Mannschaft nicht mehr’. Bei Addo gestaltet sich das allerdings etwas schwieriger, da sich die Mannschaft des U19-Trainers spätestens alle zwei Jahre durchwechselt und Addo immer neue Spieler trainiert. „Daher sind wir uns sehr sicher, dass Otto Addos Vertrag nach den Jahren beim HSV als unbefristet einzustufen ist“, so Andresen.

Die Nachfrage beim HSV, weshalb die Pressemitteilung trotz anderslautender Absprache gestern schon veröffentlicht wurde, konnte mir niemand beantworten. Der Hinweis, Addo hätte vor der Veröffentlichung den Text erhalten, dementierte Akeem Adewunmi, Addos Berater, vehement. „Wenn dem so gewesen wäre, hätten wir gestern schon alles daran gelegt, dass dieser Text nicht erscheint. Schließlich wollen wir in Otto Addos Sinn, dass hier alles reibungslos abläuft. So gern er auch bei seinem HSV geblieben wäre.“

Warum sich der HSV diese eh ungewöhnlich früh verkündete Personalentscheidung nicht verkneifen konnte, bleibt mir bis heute schleierhaft. Gewinner hat diese Verkündung jedenfalls keinen. Zumal im Verein niemand zu finden ist, der nicht daran glaubt, dass Addo seinen Abgang ohne Streit hinter sich bringen will. „Otto war als Spieler in der Jugend angeblich nicht gut genug, hat dann eine beachtliche Karriere hingelegt und ist dennoch zurückgekommen – weil er ein HSVer ist“, sagt Adewunmi, „umso trauriger sind wir, dass Vereinbarungen hier so missachtet wurden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ganz grundsätzliche Sachen noch zu klären sind. Otto ist der Letzte, der im Streit gehen will.“ Wobei Adewunmi und Andresen auch klar sein muss, dass sie in Sachen Entlassungen und folgenden Rechtsstreit auf einen HSV-Anwalt treffen, der sich gerade mächtig einspielen konnte…

Die Liste mit den Eingeladenen für Jarolims Abschiedsgala liest sich gut. Sehr gut sogar...

Die Liste mit den Eingeladenen für Jarolims Abschiedsgala liest sich gut. Sehr gut sogar…

Ausgespielt hat seit zweieinhalb Jahren beim HSV auch David Jarolim. Vor zweieinhalb Jahren zog es ihn vom HSV zurück nach Tschechien, wo er als Profi bis in den Sommer diesen Jahres spielte. Seither fungiert er als Sportchef des tschechischen Topklubs Boleslav – mit seinem Vater Karel als Trainer. „Wir sind Fünfter und haben zuletzt Punkte liegen lassen. Er weiß, dass er jetzt vier Punkte aus zwei Spielen holen muss, wenn er nicht entlassen werden will“, scherzt der Tscheche, der am 28. März mit einer tschechischen Auswahl gegen eine Auswahl seiner HSV-Weggefährten antreten wird.

Die Tickets, die ab Montag im Handel erhältlich sind, sollen nicht mehr als zehn Euro kosten. Die launige PK mit einem der Großen will ich hier nicht noch mal in Schriftform darstellen. Aber ich empfehle Euch das Video der launigen PK, das zeigt, wie sehr Jaro zum HSVer geworden ist. Dazu passt auch, dass er mir vor einigen Tagen erzählte, dass er ein Angebot des HSV abgelehnt habe, hier als Jugendtrainer anzufangen. „Ich mache meinen B-Schein und brauche noch Zeit. Ich will nicht einfach so und unvorbereitet ran. Ich brauche noch etwas zeit, eine Menge Lehrstunden und Erfahrung. Und wenn ich bereit bin, werde ich es wissen und mich melden. Das Gute an Didi (Beiersdorfer, Anm. d. Red.) ist, dass er mir gesagt hat, die Tür sei immer offen für mich. Das ist ein tolles Gefühl – und ich fühle die Verpflichtung, vorher das Bestmögliche gemacht zu haben, um für meinen HSV am Ende die erhoffte Verstärkung zu werden.“ Viel mehr geht einfach nicht, oder?

Hier die PK:

Für Abendblatt-Blogs

Dennoch will und muss ich heute, keine 70 Stunden vor dem Anpfiff auf das bevorstehende Nordderby eingehen. Mit Jarolims Tochter als Glücksbringer (siehe Video) kann zwar eigentlich nichts mehr schiefgehen, zumal dazu eine Atmosphäre erwartet wird, die dem Leverkusen-Spiel entspricht. Allein ob das mit Forderungen wie heute von Dietmar Beiersdorfer und anderen dann auch so kommt, wage ich zu bezweifeln. Ebenso Pierre Michel Lasogga, der heiß darauf ist, endlich wieder zu treffen. Am liebsten zum Sieg im 101. Nordderby „Ich würde das gar nicht als Ladehemmung beschreiben“, sagte Lasogga. Immerhin hätte man in den letzten Wochen das Hauptaugenmerk auf die Defensive gelegt. „Jetzt hoffen wir, dass auch das Spiel nach vorne besser wird. Vielleicht ist solch ein Derby ein Dosenöffner für die ganze Saison.“

13 Treffer in der vergangenen Saison – auch Lasogga läuft seiner Form noch hinterher. Er weiß das – aber er ignoriert es, so gut es geht. „Die Diskussionen lassen mich kalt und interessieren mich gar nicht. Ich weiß, was ich kann und auch, was die Mannschaft kann“, sagte der 22 Jahre alte Stürmer, der nur noch das Derby im Kopf hat: „Werder ist im Aufwind durch die Siege zuletzt und wir hatten eine kleine Schwächephase. Trotzdem wollen wir zu Hause gewinnen. Wir wollen an die letzten guten Spiele zu Hause anknüpfen. Dass der Nord-Schlager gegen Werder laut Klub-Kampagne zum „lautesten Nordderby aller Zeiten“ werden soll, ist ihm egal: „Das wichtigste ist nicht, ob es das lauteste oder das leiseste wird“, so Lasogga, „sondern dass wir das Spiel gewinnen und es das erfolgreichste wird.“ Und obgleich das drei Euro für Wontorras Phrasenschwein wären – Lasogga hat Recht. Und so sehr ich mich über eine Atmosphäre wie gegen Leverkusen auch freuen würde, ich finde, diesmal sollten die Spieler in Vorkasse gehen und mit Leistung auf dem Platz die Zuschauer für sich gewinnen. Denn die sind das letzte Faustpfand. Die einzige Konstante der letzten Jahre. „Darauf freue ich mich mit am meisten“, so Jarolim. Und ich freue mich darüber bzw. hoffe, dass er das beste Beispiel dafür ist, dass der HSV es doch noch kann. Also das mit dem verdienten Abschied für verdiente Spieler. Weiter so!

Es geht wieder los – Slomka bittet zum Training

18. Juli 2014

Morgen, genau an diesem Sonnabend, 19. Juli, beginnt die zweite Trainings-Dekade des HSV. Um 15 Uhr bittet Trainer Mirko Slomka seine Mannen im Volkspark zum zweiten Aufgalopp, und wenn ich mich nicht verhört habe, dann spricht der Coach davon, dass es noch härter wird als zum Auftakt. Und was habe ich gemacht, als ich das hörte? Einen Luftsprung! Einen? Drei, vier! Eigentlich springe ich immer noch. Endlich spricht ein Trainer von „Härte“ im Training und in der Vorbereitung. Schluss mit dem Pille-Palle-Training. Mirko Slomka, der von Beginn an die gravierenden Defizite in Sachen körperlicher Fitness seines Teams erkannt und auch sofort reagiert hatte, gibt weiter Gas. Und das ist auch gut so. Der HSV hat doch namentlich eine gute Truppe beisammen, das kann doch keiner bestreiten, diese Truppe muss nur gut oder bestens trainiert werden, um Leistungen zu bringen – und nun ist offenbar ein Trainer am Ruder, der das auch in die Tat umsetzen wird. An diesem Sonnabend werden dann auch die WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj wieder ins Training einsteigen. Fehlen eigentlich nur noch zwei, drei, vier neue Spieler, die der HSV noch dringend benötigt. Um in Richtung Mittelfeld durchstarten zu können.

Durchstarten ist das Stichwort. Das gilt ja nicht nur für die HSV-Profis, das gilt im Grunde genommen für den gesamten Verein. Es gibt viel zu tun, sehr viel aufzuholen, und es ist nun endlich mal an der Zeit, dass da vernünftig und mit Plan angepackt wird. Und da habe ich, das schrieb ich gestern bereits, ein wirklich gutes Gefühl. Deswegen werte ich es auch als sehr gutes Zeichen, dass Bernhard Peters, der beim HSV vom 1. August an als Direktor den Nachwuchsbereich unter Kontrolle bekommen soll, heute bereits einmal sein neues Umfeld inspiziert hat. Der Noch-Hoffenheimer sah sich auch die „Talentschmiede“ Ochsenzoll an. Die Meldung (der Bild), dass Peters bis Ende des Jahres noch in beratender Funktion für die TSG 1899 tätig sein wird, schockt übrigens niemand im HSV. Darunter, so die einhellige Meinung im Volkspark, wird die Arbeit von Bernhard Peters für den HSV nicht leiden. Und auch ich gehe davon aus, denn der ehemalige Hockey-Nationaltrainer ist ein Mann, der anpackt und der etwas erreichen will. Halbe Sachen sind seine Sache nicht. Geht davon aus.

Ansonsten hat sich auch heute wieder nicht so wirklich etwas im HSV getan. Die Sache mit den Neuverpflichtungen dauert noch, da müssen wir alle noch ein wenig Geduld aufbringen. Aber sind wir das nicht schon aus den letzten Jahren gewöhnt? Ich meine ja. Laut Mopo soll ja ein „alt-bekannter“ HSVer im Anmarsch sein: David Jarolim. Der Tscheche hat es in seinem Vertrag stehen, dass er irgendwann einmal als Jugendtrainer (oder in ähnlicher Funktion) beim HSV einsteigen kann. Und wird. Wann das so ist, ist allerdings noch offen. Dietmar Beiersdorfer hatte bis vor wenigen Tagen noch nicht mit „Jaro“ gesprochen, ich denke ja auch, dass das dann eher auch in den „Beritt“ von Bernhard Peters fallen dürfte. Gut finden würde ich es natürlich, wenn ein alter Fahrensmann für David Jarolim, der die Raute stets in seinem Herzen trug, wieder nach Hamburg zurückkehren würde.

Dann gab es ja noch das Gerücht, dass Slobodan Rajkovic in ein Tauschgeschäft verwickelt sein soll. Damit habe ich beim HSV nachgefragt – es ist nichts dran. Die Antwort, die ich erhielt, war eher ein wenig schroff: „Totaler Blödsinn.“ Denke ich ja auch, denn welcher verein bemüht sich jetzt um einen Spieler, der nicht vor Ende des Jahres fit ist? Dieser verein dürfte dann wohl aktuell keinerlei Sorgen haben . . . Nein, nein, ich glaube auch, dass das eine Voll-Ente ist. Dazu passend ist auch das Gerücht, das es um den Dribbelkünstler Hiroshi Kiyotake (24) vom 1. FC Nürnberg gibt. Der HSV soll dran sein, der HSV soll Interesse haben. Was ich mir sogar vorstellen könnte, denn bei seinem ersten Auftritt in Hamburg bot der Japaner eine so großartige Vorstellung, dass ich ihn am liebsten hierbehalten hätte. Ging leider nicht. Und nun soll er fünf Millionen Euro kosten, das ist schon hammerhart. Wobei, das muss ich auch zugeben, Kiyotake meiner Meinung nach nie wieder an jene Leistung herangekommen ist, die er einst im Spiel beim und gegen den HSV gezeigt hatte.

Apropos Leistung: Hakan Calhanoglu hat mal wieder etwas zum Besten gegeben. In der Bild. Der junge Mann ist das unermüdlich. Er hat sich über die HSV-Fans beklagt: „Man hat mich beschimpft und gemobbt, obwohl ich so viel für den Verein getan habe . . .“ Mir wären fast die Tränen gekommen. Ehrlich. Er hat so viel für den HSV getan. Und der HSV? Hat der nicht auch etwas für ihn getan? Immerhin pünktlich das Gehalt überwiesen. Und das dürfte mehr sein, als ein Karstadt-Verkäufer, ein Installateur, ein Versicherungsmakler, ein Maler oder ein Bäcker verdient, gewesen sein. Und all diese Leute haben auch so viel für ihren Arbeitgeber getan – weil es ihre Pflicht ist. So funktioniert das mit der Arbeit. Nur so. Und der HSV hat immerhin dafür gesorgt, dass ein Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC in die Erste Bundesliga kommen konnte, und dass dieser junge Mann davon träumen darf (kann ihm ja niemand verbieten), eines Tages ein so großer Fußballer wie Messi oder Cristiano Ronaldo zu sein.

Nein, irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig. Irgendwann sollte auch ein Berater, der Millionen verdient, in beratender Funktion einschreiten und seinem Mandanten nahelegen, besser mal den Mund zu halten. Es ist doch wesentlich besser, Taten sprechen zu lassen, als sich immer nur zu beklagen. Dass die HSV-Fans sauer auf einen Spieler sind, der sogar davon sprach, bei einem Abstieg in die Zweiten Liga weiterhin für die Raute kicken zu wollen, ist doch klar. Sonnenklar. So ging es letztlich fast jedem Spieler, der es in Hamburg vorzog, das Weite zu suchen – ein Beispiel von vielen ist der Name Daniel van Buyten. Ob sich ein Jung-Millionär allerdings so weit herunterlassen kann, um sich in die Lage eines kleinen HSV-Fans, der seinen Verein ohne jeden Kompromiss liebt, zu versetzen? Da glaube ich fehlt es dann doch. An allem.

Ein anderes Thema. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft von Kapitän Philipp Lahm. Ich denke ja auch, dass mindetens noch ein weiterer Spieler folgen wird – wenn nicht noch mehr. Ich rechne auch mit dem Abschied von Miroslav Klose. Und dann denke ich sofort auch an den HSV. Wenn Dennis Diekmeier und Pierre-Michel Lasogga (den viele ja schon für die WM 2014 auf dem Zettel hatten) nun ordentlich Gas geben, auch ordentlich Gas geben können, weil sie bestens trainiert werden (ja, ich bohre weiter in dieser Wunde herum!), dann könnten sie doch eines Tages für Deutschland auflaufen. Könnten. Ich will da nicht zu viel hineingeheimnissen – aber möglich wäre es immerhin. Weil es ansonsten ja nicht mehr so viele Kandidaten gibt – bislang jedenfalls nicht. Aber, das stimmt natürlich auch, einige Talente sollten es nicht mehr allzu lange auf ihre Entdeckung warten, denn dann läuft man die Gefahr, als „ewiges Talent“ in die Geschichte einzugehen. Thomas von Heesen, der ja hier mitliest, weiß wovon ich spreche . . . Leider. Ich hätte ihm eine Karriere in der Nationalmannschaft gewünscht und auch zugetraut, allein sie blieb ihm versagt.

Ich komme für heute zum Schluss. Und da kommt mir noch eine wunderschöne und zudem eine etwas andere Fußball-Geschichte in den Sinn. Eine HSV-Geschichte. Die Alt-Liga der Rothosen flog kürzlich zum Saisonabschluss in die Türkei. Mit von der Partie der frühere HSV-Meisterspieler von 1960, Erwin Piechowiak. Der heute 77-Jährige Norderstedter hatte bis weit über 70 Jahre für die Alt-Liga des HSV gespielt (und für die Senioren von TuRa Harksheide), dann aber krankheitsbedingt einige Rückschläge erlitten. Erwin Piechowiak, ein fantastischer Mensch, muss mehrmals in der Woche zur Dialyse – und dann in die Türkei? Es wurde, weil „Old Erwin“ nur Freunde hat, alles von den alten HSVern gemanagt. Piechowiak flog – beinahe möchte ich schreiben natürlich – mit in die Türkei, und wurde dort dann zur Analyse gefahren, wenn es sein musste. So viel Zeit muss sein.
Und ich finde, dass das doch wirklich eine Klasse-Geschichte ist. Was Freundschaft und Kameradschaft im Fußball doch so alles bewirken kann. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten, die das bewerkstelligt haben – vorbildlich.

Ganz zum Schluss noch ein ganz anderes Thema. Im Moment wohl auch ein wenig (oder ein wenig mehr) aktuell. Es geht um HSVer, die ihrem Verein den Rücken kehren. Aus dem Westen der Republik erhielten wir nun folgende Mail, die wir hier veröffentlichen möchten. Weil ich trotz allem der Meinung bin, dass man zu seinem Club stehen sollte, und dass man erst einmal abwarten sollte, wohin sich der Verein mit der neuen AG tatsächlich bewegt. Und damit meine ich nicht allein den sportlichen Erfolg (oder Misserfolg), sondern die gesamte Situation im HSV. Manche sehen das anders, einige haben es anders gesehen und haben sich davon gemacht – hier nun gibt es ein neues Beispiel davon. Obwohl ich jeden bitten möchte, nicht zu voreilig zu handeln, obwohl ich jedes Mitglied darum bitten möchte, dem neuen HSV wenigstens eine kleine Chance zu geben. In dem nun folgenden Fall ist es wohl zu spät – schade. Sehr schade.

Hier nu die Mail, die vornehmlich an den HSV gerichtet ist:

Ich leite diese Mail an Euch weiter, damit Ihr seht, warum vielleicht noch mehr HSVer austreten, damit vielleicht zu diesem Thema ein kleiner Blog veröffentlich wird. Es dreht sich mir hauptsächlich um den Umgang mit Menschen, die noch einen Vertrag haben, in diesem Fall bis 2016.
Auch Euch einen schönen Gruß aus Bocholt von Klaus W.

Sehr geehrte Herren vom Vorstand der Fußball AG HSV.

Schweren Herzens habe ich mich nach einigen Nächten “Überschlafen” entschlossen, aus ” meinem ” ehemaligen HSV auszutreten! Es kann doch nicht sein, wie man beim HSV mit Menschen umgeht. Erst wurde Herr Kreuzer, weil Er günstig war, vom Drittligisten KSC geholt um dem HSV nach besten Wissen zu dienen. Man kann doch nicht allen Ernstes verlangen, das Er bei 100 Millionen Verbindlichkeiten des HSV z. B. Messi, Ronaldo und Thomas Müller vielleicht für insgesamt 3 Mill. zum HSV holt. Der Mann hat aus Unerfahrenheit den Transfer durch T. Fink (Zoua) und durch B. v Marwijk (Bouy und noch einen Holländer) leider zugestimmt. Das war natürlich ein großer Fehler, den Er auch selber einsieht. Schade. Er hat aber auch den Vertrag mit Calhanoglu im Februar bis 2018 verlängert, sodass der HSV dadurch 14,5 Mill. eingenommen hat. Außerdem hat Er, nach Aussagen von Herrn Lasogga, durch die Verhandlungsführung mit sich und seiner Mutter, den Wunschstürmer des HSV an den Verein gebunden. Nun kommt Herr Beiersdorfer und fängt mit Herrn Kreuzer die Kaderplanung an und von Heute auf Morgen heißt es: Wir brauchen dich nicht mehr! Nee, Leute, so geht man nicht mit Menschen um!!! Im Profifußball vielleicht doch? Ich weiß es nicht. Darum möchte ich zu dem nächstmöglichen Termin meine Mitgliedschaft kündigen.
Ich bin jetzt 72 Jahre alt und war seit 56 Jahren mit ganzem Herzen HSVer. Ob im Volkspark oder im restlichen Deutschland (hauptsächlich im Westen, da ich in Bocholt wohne), Ich war sehr oft dabei. Schade! Mein Verstand sagt zum HSV nein, aber mein Herz sagt weiterhin ja zum HSV.
Mit freundlichen Grüßen aus Bocholt von Klaus W.

Das war es heute von mir, ich wünsche Euch und Euren Lieben einen schönen Feierabend und ein wunderschönes Wochenende.

Dieter

17.54 Uhr

Alle haben Fehler gemacht – jetzt gilt es: Wir alle müssen die Lehren daraus ziehen!

8. Juni 2014

Das Kapitel Bert van Marwijk ist geschlossen, und das ist auch gut so. Der Vize-Weltmeister-Trainer und der HSV haben sich auf Ablösemodalitäten geeinigt, die Trennung ist jetzt auch finanziell besiegelt. Zu welchen Konditionen ist offen, aber es dürfte dem Dino gekostet haben . . . Das waren teure und trostlose 143 Tage, an denen der Niederländer den HSV nur noch tiefer in den Sumpf geführt hat. Aber gut, dieser Teil der äußerst unrühmlichen Vergangenheit der Rothosen ist bekannt – und nicht zu ändern. Erst in der neuen Saison. Und der blicke ich durchaus optimistisch entgegen, denn irgendwann wird auch dieser bislang von vielen Amateuren geführte HSV aus seinen schwersten Fehlern lernen müssen. Genau das hatten in der Vergangenheit immer wieder viele Experten und HSV-Ehemalige an diesem Verein kritisiert.


 

Einer von ihnen ist der frühere HSV- und Nationaltorwart Uli Stein. Ich traf ihn beim ersten Relegationsspiel gegen Fürth, wir hatten einige Zeit, um über diesen HSV zu sprechen. Und genau ein Thema war dabei, dass der HSV nie gelernt hat, die Fehler, die zum stetigen Niedergang geführt haben, zu analysieren und daraus Nutzen zu ziehen. Stein hoffte deshalb vor allem auf neue Strukturen – und die sind dem Club nun gegeben. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt, es könnte “von oben” nun alles besser werden, wenn unten, an der Basis, mit offenen Augen die neue Saison geplant wird. Und das muss ganz klar heißen: Die Lehren aus dem Desaster 2013/14 ziehen.

Ich habe in den letzten Tagen jeden einzelnen Spieler unter die Lupe genommen und oft auch hart kritisiert. Dieses “Hart kritisiert” flog mir danach oft um die Ohren – weil es zu hart war? Schon vergessen, was der HSV für eine grottige Saison gespielt hat, mit seinen kümmerlichen sieben Siegen und 27 Pünktchen? Wahrscheinlich ist es so. Mir flogen aber auch unglaubliche viele Leserbriefe zu, und die habe ich sehr genau durchgelesen. Ein Punkt kam dabei immer wieder hervor, und ich zitiere aus einer Mail an mich:

Ich verstehe es, wenn Ihr Jarchow nicht wehtun wollt, indem Ihr die Wahrheit schreibt. Mir persönlich hätte es allerdings nach dieser Saison eine gewisse Befriedigung meiner geschundenen HSV-Seele gegeben, wenn Klartext geredet werden würde und die Dinge einmal komplett aufgearbeitet werden würden, um dann mit dem leidigen Thema abzuschließen und in eine hoffentlich bessere Zukunft zu schauen.

Carl-Edgar Jarchow ist für viele hier der Sündenbock Nummer eins. Für mich nicht. Gebe ich zu, dazu stehe ich auch. Obwohl er ganz klar auch gravierende Fehler begangen hat – aber wer hat das nicht in diesem HSV? Sie haben alle unheimlich viele und große Fehler gemacht. Jarchows vielleicht größter war, dass er nach einigen Monaten nicht das in die Tat umgesetzt hat, was er vorher angekündigt hat – nämlich dass er nur übergangsweise der HSV-Boss ist. Er hatte Gefallen daran gefunden, ein gefragter Mann in der Hamburger Öffentlichkeit zu sein, er fühlte sich vielleicht auch ein wenig geschmeichelt, dass er der große Mann des HSV geworden war – aber er übersah die vielen, vielen Probleme, die er geerbt hatte. Die hätten ihn, ganz eindeutig sogar, zur frühen, ich meine sogar zur sofortigen Aufgabe des Amtes zwingen müssen. Weil er, das kommt noch ganz entscheidend hinzu, ja auch in der Öffentlichkeit niemals darüber plauderte, was er eigentlich beim HSV vorgefunden hatte – als er der Boss wurde. Carl-Edgar Jarchow hat geglaubt, dass er es mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art richten würde, dass er es so packen würde mit dem HSV, aber das war sein größter Irrglaube.

Zumal er, und das ist Fehler Nummer zwei, nicht der Mann ist, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Nicht dass er dazu nicht fähig wäre, nein, ganz gewiss nicht, er wird auch das können – aber er konnte es mit seinen “Untergebenen”, die für die Bundesliga-Mannschaft des HSV die Hauptverantwortung trugen, nicht. Er konnte zum Beispiel keinem Trainer mehr Fleiß injizieren, Jarchow sah mehr oder weniger tatenlos zu, wie die Herren Trainer nur das machten, was sie wollten, was sie für richtig und die Mehrheit der Experten für grundlegend falsch hielten. Die Trainer machten nicht das, was dieser Club und vor allem diese Mannschaft so dringend gebraucht hätte – und von “oben” sahen die Herren nur zu, auch und genau Carl-Edgar Jarchow.

Ihr werdet Euch noch – sehr unangenehm – an die 2:9-Pleite von München erinnern, vorletzte Saison. Danach stellte sich Carl-Edgar Jarchow vor alle Kameras dieser Welt und sagte mit zusammengekniffenen Lippen (wenn das überhaupt so geht, aber so habe ich es in Erinnerung) und mächtigem Grummeln in der Stimmen und mit ganz bösem, bösem Blick: “Dieses Debakel wird Konsequenzen haben, wir werden am Ende der Saison ganz genau analysieren – und dann dementsprechend reagieren.” Sollte heißen: Köpfe werden rollen, innerhalb der Mannschaft, die so krass versagt hatte. Was blieb aber am Ende (wieder einmal) übrig von diesen Ankündigungen? Nichts. Nur der Trainer wurde gewechselt. Die Spieler durften dem Verein weiter auf der Nase herumtanzen – und Millionen nach Hause abschleppen. Das, was Herr Jarchow angekündigt hatte, war ein Sturm im Wasserglas, dieser sollte die Masse beruhigen – und tat es ja auch im ersten Moment.

Nur: Wenn die Spieler, die ja in der Mehrheit auch große Schlitzohren sind, so etwas mitbekommen, dass große und harte Konsequenzen getätigt werden, aber nie etwas passiert, dann legen die Herren Profis erst recht ihre Füße hoch und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein – und Carl-Edgar Jarchow erst recht. Es ist ja nichts zu befürchten, nicht das Geringste, alles nur heiße, heiße Luft. Wenn überhaupt.

Das sind die Fehler, die ich dem Noch-Boss des HSV ankreide. Er hat es sicher auf seine hanseatische Art niemals böse gemeint, er hat besonders in seiner ersten Zeit wieder für Ruhe im Verein gesorgt, aber ganz sicher wäre es besser gewesen, wenn er auch seinen leitenden Angestellten gegenüber mal etwas energischer aufgetreten wäre. Als Mensch, das muss ich ganz klar sagen, hat mich Jarchow immer überzeugt, da würde ich niemals ein schlechtes Wort über ihn verlieren – deswegen würde ich mir auch wünschen, wenn er diesem und seinem HSV erhalten bliebe, und zwar als der Repräsentant. Und wenn es nicht anders ginge, dann eben nur als Präsident des e.V. Ob er sich diesen Job allerdings noch antun würde? Da habe ich dann doch meine leichten Zweifel.

Welche (glorreichen?) Zeiten nun auf den HSV zukommen könnten, das hat mir einmal mehr das Interview, das die Kollegen der Bild mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in dieser Woche geführt haben, gezeigt. Gernandt, der es bis zur “rechten Hand” von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebracht hat, hat nicht nur angedeutet, wie stramm er in der Führung des HSV mitarbeiten wird. Der Mann gibt eine klare Richtung vor, und ich denke mal nicht, dass er sich auch nur einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen lässt. Gernandt sagt etwas einmal, und dann muss es sitzen, ansonsten wird es Konsequenzen für den geben, der sich nicht nach den Worten des AR-Vorsitzenden richtet. Das ist für mich schon mal nicht nur sehr gut, es ist auch nicht anders durchführbar. Und genau deshalb hat es ja diesen Struktur-Wandel im HSV gegeben. Die Führung gibt die Linie vor, und von außen hat kein Sabbelfreier mehr die Chance, dummes Zeug zum Besten zu geben. Und wenn er es dennoch tut, bleibt es – natürlich – unerhört.

Hinzu kommen wird beim HSV ja auch noch der AG-Vorsitzende, und das wird Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mit dem “Didi” gestern gesprochen, es ist im Fluss. Im Moment liegt es eher an Zenit St. Petersburg, wie und wie schnell es gehen kann, es wird demnächst ein Telefonat zwischen Beiersdorfer und seinem Noch-Club geben, eventuell wird der “Didi” auch noch erst nach Russland gebeten – aber ich denke mal, nachdem was alles hinter den Kulissen läuft und schon gelaufen ist, dass Dietmar Beiersdorfer der erste AG-Vorsitzende des HSV werden wird. Und das ist schon mal sehr beruhigend zu wissen, denn er kennt den HSV, kennt das Geschäft und er weiß genau, was Hamburg von ihm erwartet.

Wer dazu, den Posten gibt es ja auch, der Sportchef des HSV wird, ist noch offen. Obwohl ich mich auch da klar festlege: Es wird einen neuen Mann geben. Oliver Kreuzer, wir erinnern uns, hatte von Beginn an beim HSV dem Titel “Drittliga-Manager” zu leben, der ihm von Klaus-Michael Kühne verpasst worden war. Kaum anzunehmen, dass der große Mann im HSV-Hintergrund jetzt nicht seinem Mann, nämlich Karl Gernandt, die Anweisung geben wird, einen neuen Sportchef zu suchen und zu installieren.

Oliver Kreuzer hat ja auch bei einem Teil (ob nun ein großer oder kleiner Teil, das sei dahingestellt) des HSV-Anhanges fast schon jeglichen Kredit verspielt. Ganz sicher gab es auch einige Entscheidungen, die zu kritisieren waren und sind, ganz sicher gab es auch einige unglückliche Äußerungen von Kreuzer, und wie schwerwiegend die in der Summe dann sind, das müssen die “neuen Herren des HSV” nun bewerten. Wobei ich denke, dass sie es schon längst getan haben, es aber nur deswegen noch nicht verkünden, weil sie offiziell ja erst vom 1. Juli an in Amt und Würden sind. Und mit einem neuen Sportchef, der eventuell sogar technischer Direktor heißen wird, steigt weiter die Hoffnung, dass endlich wieder der Leistungs-Fußball in Hamburg Einzug hält.

Und genau das ist der Punkt, dem ich Oliver Kreuzer am meisten ankreide: Der Sportchef sah zu, wie diese Trainer, die Herren Thorsten Fink und Bert van Marwijk, diesen HSV ins untere Tabellendrittel trainierten. Das war unfassbar. Und ich möchte da mal eine Begebenheit zum Besten geben, die sich vor der Saison abgespielt hat. Und zwar am 21. Juli 2013. Telekom-Cup in Mönchengladbach, der HSV hatte gerade das “kleine Finale” gegen Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Da trafen sich zwei Nationalspieler, je einer von den beteiligten Clubs. Wer das war, verrate ich besser nicht, ich weiß es aber, möchte diese Herren nur schützen. Beide unterhielten sich auch über die Torturen der Vorbereitung. Sagte der Dortmunder: “Man, man, man, ich habe vielleicht dicke Beine, der Trainer scheucht uns gnadenlos, so etwas Hartes habe ich noch nie erlebt, das ist fast schon unmenschlich. Laufen laufen, laufen, das zweimal am Tag, mehr ist im Moment nicht, ich weiß nicht, wie lange das noch andauert – und wie lange ich das noch mitmachen kann. Irgendwann werde ich körperlich am Ende sein. Und was macht ihr?” Der HSV-Profi druckste rum, sah sich nach links und rechts und nach hinten um, suchte nach einer Erklärung und übte sich dann in Diplomatie: “Ja, gelegentlich trainieren wir auch zweimal pro Tag . . .”

Genau das war es doch. Genau, genau, genau. Hier wurden die Spieler im Training doch dicker. Was hier unter dem Thema “Vorbereitung” ablief, das war Kindergarten. Ich wiederhole mich da gerne: Kindergarten. Pille-palle. Lächerlich. Und grausam schlecht. Dafür hätte der HSV eigentlich einen Sportchef gebraucht, der ganz klar sagt was Sache ist. Gab es aber nicht. Oliver Kreuzer sah diesem schlimmen Treiben tatenlos zu, anstatt sich mit seinem “Kumpel” Fink zusammenzusetzen und mal Tacheles zu sprechen, dass es so nicht geht. Es musste erst die Entlassung des Trainers kommen, so geht es dann ja eben auch. Vielleicht wäre es auch gegangen, wenn der HSV eine Führung gehabt hätte, die sich einig darin gewesen wäre, dass sie ihrem Trainer mal den Marsch bläst. Nur dazu fehlte den Herren einheitlich der Schneid.

Und, das gebe ich zu, auch uns, den Hamburger Journalisten, die den HSV begleiteten, fehlte diese Courage. Auch mir, ganz klar, ich nehme mich da nicht aus, auch ich sah nur tatenlos und dämlich zu. Da wird in der Oberliga Hamburg ganz anders und viel härter trainiert, das weiß ich, weil ich einige Trainer kenne, die gelegentlich auch bei den HSV-Profis zusahen – und sich schlapplachten. Bei den Bundesliga-Herren wird das Training ja schon seit geraumer Zeit als “höchst wissenschaftlich” verkauft. Geh mir weg mit “wissenschaftlich”, geh mir weg. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich, so lange ich diesen Job noch machen werde, ich nie mehr wegsehen werde, wenn sich solche gravierenden Missstände wieder einmal auftun sollten. Und wenn ich von dem jeweiligen Trainer jeden Tag was an die Ohren bekomme – ich werde es anprangern. Weil ich von diesem in meinen Augen total unprofessionellen Verhalten die Schnauze gestrichen voll habe. Obwohl ich auch gestehen möchte (und festhalten will): Ich bin nur der kleine Matz, der hier nichts, aber auch absolut nichts zu sagen oder zu entscheiden hat. Also zählt mein Urteil natürlich nicht, ich möchte da nicht auch nur im Ansatz an Selbstüberschätzung leiden – aber bemerkbar werde ich mich trotz allem machen.

Dabei sei noch kurz angefügt, dass in Hamburg wirklich alle Fehler gemacht haben – auch die Fans. Das sollte keiner übersehen, und vielleicht sollte so mancher HSV-Anhänger (Anhängerinnen sind eingeschlossen) doch ganz heimlich und im stillen Kämmerlein Besserung geloben. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Spieler permanent niedergemacht werden. Es begann, so glaube ich, bei Daniel van Buyten (nach Bekanntwerden seines Bayern-Wechsels), dann war Piotr Trochowski dran, es folgte David Jarolim, dann Dennis Aogo und zuletzt Heiko Westermann. Muss das wirklich sein? Ich denke nein. Bei aller Liebe zum HSV, die eigenen Spieler fertig zu machen, das passt nicht. Auch daran darf getrost zur neuen Saison gearbeitet werden.

Aber zurück zur Kraftlosigkeit der HSV-Mannschaft 2013/14. Alle haben sie es doch gesagt, alle, dass diese HSV-Mannschaft total untrainiert ist. Immer und immer wieder. Passiert ist nichts. Auch innerhalb der Führung nicht. Sie alle sahen zu und schwiegen. Das, jawohl, das ist der schlimmste Fehler, der hier passiert ist. Denn es ging doch um einen Profi-Fußball-Verein, da müssen doch die Angestellten, die hier die Punkte einfahren sollen, fit gemacht werden, sodass sie ihrem Auftrag auch gerecht werden können. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die erste Saison, in der es “Matz ab” gab – vor fünf Jahren. Da standen wir mal bei eisiger Kälte im Volkspark und sahen – mit sieben, acht “Matz-abbern” – dem Training zu. Bis “el presidente” mal ganz unaufgeregt in die Runde fragte: “Wann wird hier eigentlich mal Konditionstraining durchgeführt? Ich sehe hier seit Monaten nichts. Machen die das heimlich? Laufen die dann durch den Volkspark, wenn keine Fans da sind? Laufen die vielleicht nachts, in der Dunkelheit?” Gute Frage, aber Antworten hat der gute Benno Hafas darauf nie bekommen. Weil es diese Antwort nie gab – auch in den so genannten Trainingslagern nie. Nie!

Saft und kraftlos waren die Herren in den meisten Spielen. Wenn ich nur an die letzte Partie denke, das in Fürth. Nach dem 1:1 taumelten die HSV-Spieler nur so über den Platz, eine halbe Stunde lang. Schlecht konnte einem davon werden, so etwas zu sehen und erleben zu müssen. Ich hoffe nur, dass die Herren, die dafür verantwortlichen waren (nicht Mirko Slomka!) dass auch gesehen und sich mies dabei gefühlt haben. Hoffentlich, obwohl, mir fehlt der Glaube.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mit der neuen Führung, dazu Beiersdorfer und der neue Sportchef, hier die Post abgehen wird. Sie müssen doch aus ihren Fehlern gelernt haben. Und wenn dann der jeweilige Trainer nicht so mitziehen will, wie die Führung es sich vorstellt, dann muss eben gehandelt werden. Kontinuität hin, Kontinuität her, es muss hier endlich ein richtiger und absoluter Profi-Verein installiert werden, endlich, endlich, endlich. Wenn ein Trainer wirklich gut ist, dann soll er von mir ein Herrgott sein, aber nur dann. Und hier war schon so lange keiner mehr gut, das ist auch klar.

Denn sonst wären die Spieler, auch die Talente, hier gelegentlich besser geworden, aber nichts da, Pustekuchen. Und wer da vielleicht Heung Min Son als Gegenbeispiel anführen möchte – lass mal stecken. Das war überwiegend der Papa. Der hat seinen Filius trainiert. Mit Ball und ohne. Jeden Tag. Jeden noch so langen Tag. Und auch wenn es da einen Vize-Weltmeister-Trainer gegeben hat beim HSV, der feststellte – und es auch der staunenden (?) Öffentlichkeit verkündete: “Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, das einmal Training pro Tag reicht . . . Man kann die Spieler auch kaputttrainieren.” Oha.

Ich habe schon vor einiger Zeit gefragt, ob es wissenschaftlich vielleicht auch längst erwiesen ist, dass zweimaliges Training am Tag nicht schadet? Wenn ich da so an den Herren aus Dortmund erinnern darf, wo zweimal am Tag und tagtäglich gelaufen, gelaufen und gelaufen wurde – es hat dem BVB offenbar nicht sonderlich geschadet. Obwohl, natürlich, der Club von Klopp ist nur Vizemeister geworden. Da war vielleicht doch mehr drin, bei nur einmal Training am Tag.

Es ist beim HSV in diesem Punkt so viel geschludert. Meistens einmal am Tag Bewegung, dann wurde (vielleicht) noch im Kraftraum gearbeitet – das war es. Kaum Standards. Kein Einzeltraining, um gewisse Schwächen abzustellen, oder Stärken noch stärker zu machen. Und wenn ich das schreibe, denke ich sofort an Oliver Bierhoff. Einst bekanntlich HSV-Stürmer und hier gnadenlos gescheitert. Ich habe mich damals schwer getäuscht, weil ich bei seinem Abgang aus Hamburg fest davon überzeugt war: “Den siehst du im großen Fußball nie wieder.” Denkste. Torjäger in Italien ist er noch geworden. Unter anderem deswegen, weil Trainer Alberto Zacceroni bei Udinese Calcio mit ihm Sonderschichten fuhr. Zacceroni hatte bei Bierhoff, der mit 1,91 Meter ja ein großer Kerl ist, eine gravierende Kopfballschwäche festgestellt. Also wurde trainiert, trainiert, trainiert. Der Coach verlangte alles. Früher zog Bierhoff im Kopfballduell immer den Kopf ein, machte sich also kleiner als er ist – und zog meistens den Kürzeren. Unter Zacceroni blühte Bierhoff auf, er “marschierte” dann in den luftigen Duellen immer mächtig durch – und wechselte mit dem Erfolgstrainer dann auch zum AC Mailand.

So geht es eben auch, wenn man sich Mühe gibt, wenn man als Coach etwas erreichen will, wenn einem als Trainer der Verein und die Spieler am Herzen liegen. Hier waren sie zuletzt alle unheimlich bequem, mehr nicht. Und das hätte die Führung erkennen und abstrafen müssen, dann wäre es mit dem HSV nicht so weit gekommen, wie es gekommen ist.

Fehler über Fehler eben. Die vier “Aussortierten” – hat sich das über einen so langen Zeitraum irgendein “Bonbon-Club” erlaubt? Ich kenne keinen, der vier Spieler abschob, obwohl es nur bergab ging. Und dass diese Spieler nicht so schlecht waren, wie sie gemacht wurden, das haben wir in der Endphase der Saison gesehen. Dazu gab es auf dem Rasen keinen Leader, der das Heft mal in die Hand nehmen konnte, um noch etwas zu bewirken. Niemand. Alle gingen sie stets mit unter. Wobei ein Kapitän Rafael van der Vaart schon deswegen eine Fehlbesetzung war, weil er sich einfach zu viele private Eskapaden erlaubte. Zu früheren Zeiten hätte da die HSV-Führung, und wenn es nur der Trainer gewesen wäre, ganz hart durchgegriffen – hier passierte wieder nichts. Dann wurden in der Winterpause mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler geholt, die mindestens ein halbes Jahr keine Spielpraxis mehr hatten. Wahnsinn, wirklich der nackte Wahnsinn Und alle sahen zu! Per Cilian Skjelbred wurde auch abgeschoben, zu Hertha BSC, ketzerische HSVer sagen, weil er dem Trainer zu viel lief! Dass beim HSV eine Doppel-Zehn stets auf der Doppel-Sechs stand, das fiel hier vielen Usern auf, aber keinem Trainer. Ferner stand (oder steht) der HSV in Sachen Marketing an 18. Stelle in Europa. Es müsste also Geld genug da sein, ist es aber nicht. Weil hier seit Jahren das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde. Immer raus damit, wir haben es ja. Und die Aufsichtsräte nickten eifrig und fleißig alles ab. Hauptsache wir bleiben im Amt und bekommen unsere Freikarten . . .

So ließe sich die Liste der groben Fehler sicher noch lange fortsetzen, aber ich lasse es damit jetzt mal bewenden. In der Hoffnung, dass diesmal wahre Experten am Ruder sind, die den HSV wieder aufrichten und zu gewissen Erfolgen führen werden. Darauf hoffe ich, aber ich bin, wie anfangs schon geschrieben, davon auch absolut überzeugt, dass es so kommen wird.

So, und allen jenen, denen ich nun wieder einmal etwas zu forsch auf die Füße getreten bin, bitte ich um Nachsicht. Es musste noch einmal sein. Das war meine General-Analyse von schlechtesten HSV aller Zeiten – ab jetzt nur noch positiv und nach vorne.

Dieter

Mitglieder wählen HSVPlus-Initiative

24. Mai 2014

+++++ Aktualisierung +++++
Dies soll nur als eine Art kleine Zusammenfassung und Aktualisierung des ereignisreichen, ja historischen, Tages beim HSV dienen. Die Mitglieder haben für die Ausgliederung, für die HSVPlus-Initiative gestimmt. 86,9 Prozent der 9702 anwesenden Mitglieder – nie kamen mehr zu einer HSV-Versammlung – stimmten am Sonntag um 16.33 Uhr für die entsprechenden Pläne der Reforminitiative HSVPlus.

Der Klub wird nun völlig umgekrempelt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow steht vor dem Aus. Stattdessen soll der ehemalige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer an der Spitze der neuen Fußball-AG stehen. Die neue HSV-Fußball-AG muss nun noch ins Handelsregister aufgenommen werden – dies soll bis Ende Juni passieren. Erst dann können die neuen Macher auch offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Alles Weitere Infos gibt es in den Videos, im Ticker und ab morgen, dann auch wieder hier. Bis dahin genießt den Rest des sonnigen Sonntages und erholt Euch so schnell wie möglich von dieser, nun vergangenen, Saison.
+++++ Aktualisierung +++++

Es kribbelt schon genau so, wie vor dem Relegations-Spiel in Fürth, das vor einer Woche mit 1:1 gewonnen wurde. Ähnlich knapp dürfte der „Sieg“ morgen bei der Mitgliederversammlung ausfallen, entweder für „HSVPlus“, oder für die Traditionalisten der „HSV-Allianz“. „Zerstört sich der HSV morgen selbst“, so stand es in großen Lettern auf der Seite eins der „Bild“, und im Sportteil des Abendblatts hieß die Zeile: „Die letzte Schlacht um den HSV“. Unter dem Aufmacher-Artikel des Kollegen Alexander Laux lautete die Überschrift des „Fußkastens“: Otto: „Es darf kein Triumphgeheul geben“.


HIER GEHT‘S ZUM TICKER FÜR SMARTPHONES

 

Da kamen sofort Erinnerungen auf, denn bei der letzten Mitgliederversammlung des HSV fiel eine ganz wichtige Entscheidung, als bereits viele, viele Mitglieder die Halle verlassen hatten – es war weit mehr als die Hälfte. Und es ging dann immerhin noch um den so wichtigen Punkt der Briefwahl. Damals siegte die Opposition, und diese Damen und Herren stimmten sehr wohl ein ganz besonders lautes Indianergeheul an. Weil vorher keiner auf die Bremse getreten war, wie jetzt der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Alexander Otto?

 

Interessant an dem Interview, das HA-Sportchef Peter Wenig mit Otto führte, fand ich besonders eine Passage. Da sagt der Multi-Millionär unter anderem: „Frisches Geld hilft ohne Frage, aber es löst nicht alle Probleme.“ Und: „Viel wichtiger ist ein handlungsfähiger Vorstand, der schnelle, klare und transparente Entscheidungen trifft. Der FC Augsburg arbeitet mit einem viel kleineren Etat erfolgreicher als der HSV. Das zeigt, dass Geld eben nicht alles ist.“

 

Natürlich nicht. Besonders dann, wenn man es hat . . . Aber noch einmal zum Vorstand zurück. Otto fordert eine HSV-Führung, die „schnelle, klarere und transparente Entscheidungen trifft“. Toll. Aber, das ist nun eine der Kernfragen, die alle HSV-Mitglieder morgen beschäftigen sollte: „Wer hat diesen Vorstand denn ins Amt gehoben?“ Richtig. Und wer hat diesen Aufsichtsrat zu Leben erweckt? Richtig. Und rückblickend, das werden wahrscheinlich auch einige Damen und Herren der Opposition einsehen (müssen), gibt es da zu konstatieren: „Es ist wohl nicht immer alles ganz richtig gelaufen. Oder: Es sind wohl oft die falschen Leute dazu befähigt worden, diesen Verein zu führen.“ Zu was das letztlich geführt hat, das wissen inzwischen alle. Hoffentlich. Obwohl mir dabei einfällt, dass es bestimmt noch den einen oder anderen Menschen gibt, der glaubt, dass alles so richtig war, wie es gelaufen ist. Nur die Spieler haben versagt . . .

 

Wie dem auch sei, dem HSV steht die letzte Schlacht bevor, vielleicht auch nur die bislang größte der Vereinsgeschichte.

 

Hoch interessant in dem Abendblatt-Artikel von Alexander Laux war auch die Aussage von HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der aussagte: „Mit HSVPlus fährt man die Mitgliederbestimmung von 100 auf fünf Prozent zurück.“ Zum Wohle des Vereins? Oder: Zum Wohle des Vereins. Denn die Mitglieder hatten in jenen Jahren, in denen sie den Aufsichtsrat (und der dann den Vorstand) bestimmten und wählten, doch immer viel, sogar sehr viel zu meckern und zu kritisieren. Und, siehe oben, es ist doch, bei aller Liebe zum HSV, vieles, ja so vieles falsch gelaufen. So unendlich viel. Bis hin zur Relegation. Ob das nun ein letzter Warnschuss war? Man wird sehen.

 

Und es wird ganz sicher spannend, eventuell sogar dramatisch. Und es könnte auch ein langer Abend werden. Der Beginn dieser so brisanten Mitgliederversammlung, zu der sich bis heute knapp 9000 Mitglieder angesagt haben, ist auf elf Uhr taxiert, das Ende aber ist völlig offen. Wegen der großen Flut von Satzungsänderungs-Anträgen. Sollte abends über „HSVPlus“ abgestimmt werden, könnten sich schon wieder viele HSV-Mitglieder per Bahn oder Zug auf den weiten Heimweg gemacht haben. Und damit würden dann natürlich die Chancen steigen, dass die Dreiviertelmehrheit, die „HSVPlus“ erreichen muss, verfehlt wird – und dass die Opposition doch ein Indianergeheul anstimmen kann. Es sei denn, die Damen und Herren nehmen den Rat von Alexander Otto auf.

 

Der HSV steht vor seiner größten Zerreißprobe, keine Frage. Es wird nach diesem Sonntag Austritte geben, vielleicht sogar hageln – so oder so. Mal sehen, wie der Club damit wird umgehen können.

 

Die Frage, die sich am Ende des Tages aber stellen könnte, ist die: „Kann es denn überhaupt noch schlechter werden?“ Natürlich kann es das, nämlich mit dem direkten Abstieg in Liga zwei. Und das mit einer ähnlichen grottenschlechten Saison wie die gerade erlebte. Und im Moment sieht es eher danach aus, dass diejenigen Spieler, die es noch halbwegs konnten, Hamburg verlassen werden. Ich habe gestern schon geschrieben, dass ich fest mit der Vertragsauflösung von Rafael van der Vaart rechne. Jetzt hat der Niederländer im WM-Vorbereitungs-Quartier seiner Nationalmannschaft folgende nette Sätze über sein momentanes Befinden gesagt – und zwar: „Es fühlt sich wie eine Befreiung an, nach so einer Saison mit dem HSV. Wenn du zur Nationalmannschaft kommst, ist das Niveau höher und es sind Spieler da, die Titel gewonnen haben. Deshalb ist die Stimmung hier positiv, ich fühle mich richtig wohl.“
Na dann.
Es klingt doch eher nach Abschied, oder?

 

Und nachdem der zweitbeste HSV-Torschütze, nämlich Hakan Calhanoglu, seinen Abschied schon verkündet und auch mehrfach gefordert hat, geht – natürlich – auch der beste HSV-Torjäger. Hertha-Manager Michael Preetz sagte über den Hamburger Leihspieler: „Wir wollen ihn zurück, denn wir wollen nicht auch noch, nach dem Wechsel von Ramos nach Dortmund, unseren zweiten Top-Torjäger verlieren.“ Natürlich nicht. Es sei denn? Gibt es da noch ein Hintertürchen? Preetz: „Da müsste schon ein Angebot für Pierre-Michel kommen, das wir unmöglich ablehnen können, aber das gibt es nicht.“ Und wenn es ein solches Angebot tatsächlich doch geben sollte, dann – nach jetzigem Stand – ganz bestimmt nicht vom HSV.

 

Ja, ja, das liebe Geld. Das allerdings spielte in der gerade zurückliegenden Winterpause keine Rolle, als es darum ging, ob David Jarolim zum HSV – sofort – zurückkehren wird. „Jaro“ der zurzeit noch für den tschechischen Tabellendritten FK Mlada Boleslav spielt, wäre dazu bereit gewesen, er stand parat und saß zugleich auf gepackten Koffern. Der HSV, die sportliche Führung, wollte ihn nicht. Dabei wäre der Dauerläufer, der „kleine Emil Zatopek“, ganz sicher in besserer körperlicher Verfassung gewesen, als der Großteil der HSV-Spieler. Aber gut, es war ja auch nur ein Angebot . . . Quasim Bouy und Ola John waren da schon ganz andere Kaliber, kamen sie doch nicht aus Tschechien, sondern von Juventus Turin und Benfica Lissabon. Nee, liebe Leute, ich komme über diese beiden Herren einfach nicht hinweg. Der HSV hat sich in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen schon einige richtig dicke Klops erlaubt (Marcus Berg, David Rozehnal waren zuletzt wohl die größten Fehler), aber diese beiden Winter-Leihgaben, die bleiben die ungekrönte Krönung, sie sind der Knüller der Vereinsgeschichte. Aber Jarolim ablehnen . . .

 

Natürlich ist „Jaro“ auch heute noch topfit. Das war er immer – ein Vorbild-Profi eben. Deswegen muss er doch eigentlich über die letzten 30 Minuten in Fürth entsetzt gewesen sein, wie der HSV da über das Spielfeld taumelte, weil ihm die Kraft ausgegangen war. Die meisten Hamburger waren stehend k.o. Jarolim: „Deswegen hatte ich ja auch eine so große Angst um den HSV, aber ich habe mich gefragt, warum das so ist. Eindeutig war, dass Fürth in Hamburg spritziger und läuferisch stärker war, und dass dem HSV dann in der letzten halben Stunde in Fürth die Kraft ausging. Einige Spieler hingen mächtig durch, wobei es bei van der Vaart, Lasogga und Jansen schon klar war, denn sie hatten lange Verletzungspausen zu überstehen.“ Jarolim lobt aber auch: „Die erste Halbzeit war super vom HSV, da hat die Mannschaft genau so gespielt, wie man es in einer solchen Begegnung machen muss.“ Aber dann. . . Dann gab es den Einbruch. Und David Jarolim sagt dazu auch noch: „Das war schade, denn es gibt einer Mannschaft auch Selbstbewusstsein, wenn sie genau weiß, dass sie jedes Tempo des Gegners bis zur letzten Sekunde mitgehen kann.“ Natürlich. Aber davon konnte beim HSV in dieser Saison nie die Rede sein.

 

Der gute David Jarolim hatte sich am vergangenen Sonntag gemeinsam mit seiner Frau auf die 300 Kilometer von Prag nach Fürth gemacht, die Karten hatten ihnen Medien-Direktor Jörn Wolf und Teammanager Marinus Bester besorgt: „Diese beiden Spiele gegen Fürth waren schwer zu ertragen für mich, wenn man nur zuschauen und nicht helfen kann. Besonders das Rückspiel hatte es in sich, das war in der Schlussphase ganz, ganz schwierig, das zu erleben. Ich habe noch an den Klassenerhalt des HSV geglaubt, aber ich habe auch unheimlich gezittert. Nach dem 1:1 von Fürth spielte ja nur noch eine Mannschaft, die Spannung war unerträglich.“

 

300 Kilometer – das zeugt davon, dass Jarolim die Raute immer noch im Herzen trägt. Er sagt aber: „Leider war es nach zwei Jahren erst das erste Spiel des HSV, bei dem ich im Stadion war – das ist zu wenig, das enttäuscht mich selbst ein bisschen. Dafür haben wir uns aber auch schon eine Woche vorher gefreut, dass wir Karten für das Fürth-Spiel hatten. Mindestens eine Woche Vorfreude auf den HSV war das.“

 

Aber er ist natürlich auch noch selbst Spieler, deswegen fehlte ihm oft die Zeit, den HSV mal live zu sehen. Und morgen steht in Tschechien erst der vorletzte Spieltag auf dem Programm, Boleslav muss daheim gegen Meister Sparta Prag antreten, aber unabhängig vom Ausgang dieses Spiels, die Mannschaft von David Jarolim, die von seinem Vater Karel trainiert wird, hat sich bereits für die Europa League qualifiziert. Und für das morgige Spitzenspiel ist er total optimistisch: „Wir hätten es nun, nachdem wir in Europa dabei sind, leicht, locker und leger angehen lassen können, aber mein Vater und die gesamte Mannschaft ist so ehrgeizig, wir haben trainiert, als ging es um die Meisterschaft. Und das ist auch gut so, ich bin ja immer dafür gewesen, dass man hart arbeitet.“

 

Hart arbeiten soll – oder sollte – „Jaro“ ja auch nach seiner Profi-Karriere, und zwar beim HSV. Das ist noch immer nicht vom Tisch. Würde eine neue Vereinsführung denn die Chancen auf eine Rückkehr des Mittelfeldspielers verringern? Er sagt: „Nein, im Gegenteil. Ich habe von der jetzigen Vereinsführung lange nichts mehr gehört, wir haben keinen Kontakt mehr, da gab es früher, als Frank Arnesen noch da war, mehr Telefonate. Ich weiß zwar, dass der HSV natürlich ganz andere Sorgen gehabt hat und hat, aber trotz allem denke ich, dass wenn Interesse da gewesen wäre, dass man mich dann mal angerufen hätte.“

 

Jetzt hofft er auf die neue HSV-Führung. Und speziell auf einen Mann. Jarolim: „Ich hoffe darauf, dass Dietmar Beiersdorfer zum HSV zurückkommen wird, mit ihm lief es damals doch gut wir hatten ein gute und auch eine erfolgreiche Zeit.“ „Jaro“ weiter: „Ich habe auf jeden Fall noch Interesse, der HSV ist mein Club, und als meine Frau und ich die HSV-Fans nun live erlebt haben, da dachten wir schon an die Zeit zurück – und wie toll es doch wäre, wenn wir wieder in Hamburg wären. Zumal wir noch immer unsere Wohnung dort haben, wir würden also sofort wieder heimisch sein in Hamburg. Auf jeden Fall. Wir haben es vor.“ Wobei sich David Jarolim noch immer nicht entschlossen hat, ob er noch weiterhin als Profi spielen wird. Sein Vater versucht ihn zu überreden, aber „Jaro“ lässt es sich noch offen. Vielleicht auch wegen der Option Hamburg.

 

Schnell noch zu einem Mann, der Hamburg in diesem Sommer (wohl) verlassen wird. Co-Trainer Roger Stilz hat sich bekanntlich vom HSV verabschiedet, und ich denke nicht, dass er künftig im Hamburger Amateurfußball arbeiten wird. Vielleicht ist Wolfsburg seine nächste Station im Profi-Fußball – mal sehen. Ich, das muss ich an dieser Stelle mal sagen, bedauere seinen Abschied vom HSV, weil Stilz sehr wohl ein Mann ist, der viel, sogar sehr viel vom Fußball versteht, der auch seine klaren Vorstellungen von dem hat, wie es im Profi-Fußball zu laufen hat. Deswegen wäre er weiterhin ein guter Mann für den HSV gewesen – und für mich zugleich auch eine Art Hoffnungsträger, dass vieles gut gemacht wird, dass nicht allzu vieles schief läuft.
Schade, schade, aber es ist nicht mehr zu ändern.

 

So, hoffentlich wird das nun nicht das Motto für diejenigen HSVer, die morgen den Volkspark verlassen und sich eventuell zu einer solchen Aussage veranlasst sehen.

 

Ich wünsche allen eine gute Wahl, auf dass der HSV endlich wieder aufblühen wird. Alles Gute für Euch, für morgen und für alle Rothosen. Und dann noch einen wunderschönen Fußballabend mit zweimal Madrid in Lissabon.

16.03 Uhr

PS: Die Zweite hat ihr letztes Saisonspiel in der Regionalliga bei Meister VfL Wolfsburg mit 2:3 verloren, dabei aber zur Pause noch mit 2:0 geführt. Für die Tore hatten Nils Brüning und Ronny Marcos gesorgt, es war die Abschiedsvorstellung von Trainer Rodolfo Cardoso, dessen Mannschaft letztlich auf dem 14. Tabellenplatz einlief.

Jarolim: “So darf es nicht weitergehen”

1. Januar 2014

Neues Jahr, neues Glück. Hoffentlich. Der HSV wird meiner Meinung nach die Dame Fortuna auf seine Seite ziehen müssen, wenn er „unbeschadet“ aus dieser bislang verkorksten Saison herauskommen will. Wo ich bei Glück bin: Das haben wir uns alle in der vergangenen Nacht gewünscht, das gehört dazu. Früher, als Felix Magath noch für den HSV unterwegs war – und ich an seiner Seite oder in seiner Nähe – da habe ich ihm vor den Spielen auch oft Glück gewünscht, aber er wollte das gar nicht. Er antwortete immer wieder: „Wünsch mir kein Glück, wünsch mir Können. Das ist nämlich entscheidend.“ Irgendwie lag er damit ja richtig, aber Glück gehört ab und an eben auch dazu. Wenn ich da an das Freiburg-Spiel denke, als sich Torwart Baumann gleich drei „Dinger“ ins eigene Tor schmiss, das war schon viel, viel Glück für den HSV – und relativ wenig Können. Aber können sich die Rothosen tatsächlich nur und ausschließlich auf ihr Können verlassen, um die Klasse auch in diesem neuen Jahr zu halten? Ich bin und bleibe da skeptisch. Das Können hätte dann schon bislang für mehr als nur Platz 14 und nur lächerlichen 16 Punkten reichen müssen – eigentlich. Und bin deswegen auch absolut pessimistisch, obwohl ich natürlich hoffe, hoffe, hoffe, dass auch dieses Mal nichts schief geht.

Und Können ist in diesem Problem-Fall HSV ja nicht nur fußballerisch gemeint und gefordert, sondern auch und vor allem – bei diesem prekären Tabellenstand – kämpferisch. Und in diesem Punkt hat der HSV bislang nicht allzu viel zu bieten gehabt, eher war das Gegenteil der Fall. Was ja auch Sportchef Oliver Kreuzer schon nach dem Augsburg-Spiel (0:1) monierte, indem er sagte: „Wir müssen über die Leidenschaft und das Engagement kommen, das machen uns Vereine wie Augsburg, Freiburg oder Braunschweig vor.“ Auch Mainz 05 und der 1. FC Nürnberg wären da zu nennen gewesen . . . Leidenschaft und Engagement, das bedeutet Kampfgeist, Einstellung, Willenskraft. Hat wohl nicht nur mir viel zu oft gefehlt. Und das ist ja auch keine Sache, die nur diese HSV-Mannschaft vermissen lässt, nein, so (enttäuschend) „zogen“ auch schon viele HSV-Mannschaften in den Jahren zuvor auf.

Die Mischung macht’s. Es fehlen auch diesem Team die Kämpfer. In diesem HSV wird zu oft versucht, die Dinge nur spielerisch zu lösen. Ich sprach zum Jahreswechsel mit einem, der stets die Ärmel für den HSV hochgekrempelt hat, der stets ein Vorbild an profihafter Einstellung war, der in jedem Spiel alles für die Raute gegeben und an seine Grenzen gegangen ist: Nico Hoogma. Der ehemalige HSV-Kapitän war in den letzten Tagen des Jahres 2013 mit der Familie in Dänemark und fuhr auch beim Heimweg wieder auf der A 7 am Volkspark vorbei. Der 45-jährige Niederländer gibt zu: „Wenn ich dann nach rechts blicke, zum Stadion, dann kribbelt es am ganzen Körper. Der HSV ist mein Verein, für mich ist das immer noch ein Fußball-Riese, und bei dem habe ich meine beste Zeit als Spieler erlebt.“

Nico Hoogma beobachtet den HSV zumeist aus der Ferne – aber so intensiv wie möglich. Auch wenn er sagt: „Es gelingt mir leider nicht immer, Ausschnitte von jedem HSV-Spiel zu sehen. Aber manchmal schaue ich mir schon ein Live-Spiel im Fernsehen an, und ich war in der Arena beim Spiel gegen Hannover 96, das der HSV ja gewonnen hat.“ Ich konfrontiere Hoogma damit, dass diesem HSV Spieler fehlen, die auf dem Platz den Ton angeben, es stimmt in Sachen Hierarchie hinten und vorne nicht. Wie aber schafft es eine Mannschaft, eine vernünftige Hierarchie aufzubauen? Hoogma; Das steckt in den Spielern drin – oder auch nicht. Das muss man sich Trainingsleistungen, gute Arbeit und auch mit der nötigen Einstellung erarbeiten. Man muss als Führungsspieler immer da sein, wo es brennt. Man muss der Mannschaft in jeder Situation helfen, und dann gelingt das automatisch.“ Hoogma erinnert sich dann ans eine HSV-zeit zurück, als er der Leader dieses Teams wurde und lange Zeit war: „Wir hatten damals einen Rodolfo Cardoso, der konnte mit dem Ball zaubern. Der war aber auch froh, dass es solche Spieler wie mich gab, die zur Sache gingen – und er hat es akzeptiert, dass ich der Kapitän hier war.“ Hoogma weiter: „Man kann das nicht erzwingen, dass ein Spieler bestimmt wird, der in einer Mannschaft vorangeht, so klappt das nie. Das muss sich automatisch entwickeln, und vielleicht klappt das in dieser HSV-Mannschaft nun nicht, weil es keine Spieler gibt, die in eine solche Rolle schlüpfen können. Und auch wollen.“

Wobei es auch hilfreich ist, dass sich ein Team auch abseits des Rasens gut oder sehr gut versteht. Auch das prägt eine Hierarchie. Hoogma: „Wir haben damals viel, oft und lange Karten gespielt, wir sind auch gelegentlich gemeinsam losgegangen und haben ein Bier getrunken. Wir haben uns auch nach dem Training zusammengesetzt und haben uns die Wahrheit an die Köpfe gehauen, wenn es mal nicht so wie gewünscht lief. Und wir sind auch mal nachts gemeinsam losgezogen. Aber jeder wusste ganz genau, dass er am nächsten Tag Leistung abzuliefern hatte. Und das konnten wir dann auch.“

Obwohl so etwas im heutigen Profi-Sport wohl allmählich zu einer Rarität verkümmert, denn die alte Sepp-Herberger-Weisheit „Elf Freunde müsst ihr sein“, die ist doch schon lange total auf der Strecke geblieben. Wenn ich das so aus der Ferne betrachte, und nach all dem, was man so in Bundesliga-Kreisen hört, funktioniert ein solcher „alter“ Teamgeist wohl in Dortmund noch am besten.

Fehlen Nico Hoogma solche Führungsspieler heute – nicht nur beim HSV, sondern allgemein? Und Typen, die die Kollegen mitreißen können? Der kernige Niederländer, schon seit Jahren Sportchef des Erstliga-Clubs Heracles Almelo, sagt: „Das ist wohl so, aber was haben denn der Manni Kaltz, der Felix Magath oder auch der Ditmar Jakobs nach ihren Karrieren gesagt? Die haben doch zu meinen Zeiten auch gesagt, dass ihnen im heutigen Fußball die Typen fehlen . . .“

Gespannt ist Nico Hoogma, wie es nach dem 19. Januar mit dem HSV weitergehen wird. Braucht der Club neue Strukturen? Hoogma sagt sofort: „Unbedingt. Es müssten viel weniger Leute dort mitreden, weil man viel schneller entscheiden muss. Wenn man sich erst langatmig mit elf und noch mehr Personen abstimmen muss, dann kann das nicht funktionieren. Zumal beim HSV auch die Fußball-Fachleute fehlen. Da gehören Fußballer an die Spitze, so wie beim FC Bayern zum Beispiel. Und bei Heracles sind es der Präsident und ich, die gemeinsam die Richtung bestimmen. Das ist ganz einfach.“ Und wie denkt Nico Hoogma über eine Ausgliederung? „Ich bin dafür, denn wenn die käme, dann würden wohl in erster Linie Fußballer bestimmen, wohin der Weg des HSV gehen soll und wird. Der FC Bayern wird vom HSV wohl nie eingeholt werden können, aber trotz allem muss man sich diesen Verein mal zum Vorbild nehmen. Da sind nur Fußballer, die bestimmen, die würden doch nie auf die Idee kommen, einen Aufsichtsrat zu installieren, in denen überwiegend Fans sitzen. Undenkbar wäre das in München. In meinen Augen muss ein Fußball-Verein auch von Fußballern geführt werden“, sagt der frühere HSV-Kapitän. Und? Wäre Nico Hoogma auch bereit, irgendwann einmal für den „neuen“ HSV zu arbeiten? Er sagt: „Das ist keine Frage, unbedingt.“

In Almelo leistet Nico Hoogma seit Jahren beste Arbeit, der kleine Club hält sich beständig in der Ersten Liga. Obwohl der Sportchef sagt: „Es ist nicht einfach, denn jedes Jahr verlieren wir unsere besten Spieler, die uns von den großen Vereinen weggekauft werden, Wir bilden die aus, die Spitzen-Clubs profitieren davon, das ist unser Schicksal. Im vergangenen Sommer haben wir elf neue Spieler geholt, dazu einen neuen Trainerstab bekommen – das ist schwer, das braucht auch seine Zeit, immer wieder aufzubauen. Zuletzt aber haben wir das großartig hinbekommen, wir haben im Dezember viele sehr gute Spiele gemacht.“

Im Gegensatz zum HSV. Und das beunruhigt in Prag auch den ehemaligen HSV-Spielführer David Jarolim, der mit seinen 34 Jahren immer noch in der Ersten tschechischen Liga spielt, beim FK Mlada Boleslav. „Jaro“ soll eines Tages zum HSV zurückkommen, aber wann das der Fall sein wird, steht in den Sternen. Er sagt: „Ich habe lange nichts mehr gehört vom Verein, habe keinen Kontakt zu Sportchef Oliver Kreuzer und zum Präsidenten Carl-Edgar Jarchow, es hat sich auch keiner bei mir gemeldet. Aber es ist ja auch noch zu früh, und der Club hat im Moment wohl auch andere Probleme, die es zu lösen gilt.“

In der Tat. David Jarolim verfolgt das Geschehen in Hamburg ganz intensiv, sieht sich viele Spiele live im Fernsehen an. Macht auch er sich Sorgen um den HSV? Jarolim: „Ich hatte zwischendurch, unmittelbar nach dem Trainerwechsel, ein gutes Gefühl. Aber nachdem die letzten drei Spiele verloren gingen, vor allen Dingen gegen wen man verloren hat, und wie man verloren hat, dann muss man sich schon ein bisschen Gedanken machen. Für mich hat sich die Spielweise der Mannschaft nicht so viel verändert. Nur 16 Punkte, das spricht eine deutliche Sprache. Ich habe auch die Niederlagen gegen Augsburg und Mainz gesehen, da muss ich klar sagen, dass das nicht gut war, was da und wie da gespielt wurde.“

Das haben allerdings auch alle erkannt, Und der HSV-Trainer und der HSV-Sportchef. Nur wie kann das abgestellt werden? David Jarolim: „Gerade in einer solchen schwierigen Situation braucht eine Mannschaft Spieler, der voranmarschieren, aber die gibt es nicht. Die HSV-Mannschaft ist sehr jung. Und die wenigen erfahrenen Leute, die es noch gibt, die sind vom Charakter her nicht unbedingt geeignet, ein Team da unten herauszuführen, die gehen eher mit unter.“

Und wie steht „Jaro“ den Struktur-Änderungen gegenüber, die es demnächst im HSV geben könnte? Muss diese Veränderung kommen? David Jarolim: „Diese Struktur-Veränderung muss unbedingt kommen, unbedingt. So wie jetzt, kann und darf es nicht weitergehen. In meinen Augen wird immer nur daran gebastelt, eine Situation zu verändern, aber nicht grundlegend und nachhaltig zu verbessern. Da wurde zwar immer reagiert, aber ich vermisse eine klare Philosophie.“ Dann ergänzt Jarolim: „Es wurde schon oft, viel zu oft darüber gesprochen, dass im Aufsichtsrat zu viele Leute sind. Besser wäre es, wenn es da drei Leute gäbe, die auch fußballerische Kompetenz mitbringen, das würde reichen. Aus weniger Leuten, die den Verein führen, könnte man viel besser ein Team bilden, das dann auch zusammenhält und gemeinsam entscheidet. So wäre es optimal.“

Wäre.

Und Abstieg? Könnte der HSV in diesem Jahr eventuell doch absteigen? David Jarolim: „Dass man gegen den Abstieg spielen wird, das ist Fakt, denn 16 Punkte sind einfach zu wenig. Gerade Mannschaften wie Braunschweig, die zeigen es doch, wie es geht, denn die Eintracht kämpft, die Spieler zerreißen sich.“

Ja, die zerreißen sich. Wie früher Nico Hoogma und David Jarolim. Und genau solche Typen fehlen dem HSV jetzt. Auch deshalb, weil es versäumt wurde, auf solche Charaktere zu setzen. Es geht eben nicht nur mit Schönspielerei und körperlosen Fußball, da gehören auch Leidenschaft und Engagement zu. Kampfgeist. Einsatz bis an die eigenen Grenzen. Für 90 Minuten und ein paar Sekunden länger. 17 Spiele a 90 Minuten stehen dem angeschlagenen HSV noch bevor, Zeit, sich darauf mental einzustellen, Zeit, um sich auch noch körperlich darauf umzustellen. Am 3. Januar gibt es den Trainingsauftakt im Volkspark, von diesem Tag an bleibt den Fans und den Verantwortlichen nur die Hoffnung, dass sich die Spieler jetzt ihrer Lage und ihrer Verantwortung gegenüber dem Verein im Klaren sind. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch im Volkspark.

So, zum Schluss noch eine Anmerkung zu meinem Beitrag vom 31. Dezember. „Donta Hightower“ schreibt mir dazu (vielen Dank dafür!):

„Richtig, Herr Matz! 2009 war ein grandioses Jahr! Unvergessen der Sieg gegen Werder Bremen im Pokal-, sowie UEFA-Cup-Halbfinale. Von diesen Festen,
wo wir den Erzrivalen dominiert und gedemütigt haben, erzähle ich noch meinen Enkelkindern.”

Dazu möchte ich anmerken, dass es für mich nur um die Bundesliga ging (bis auf das 4:4 in der Champions League gegen Juventus Turin), ich habe DFB-Pokal und Europa League bewusst ignoriert. Wobei ich zum Jahre 2009 anmerken möchte: Gedemütigt, fußballerisch jedenfalls, wurden der HSV von den Bremern ja auch nicht. In Bremen hatte der HSV sogar durch ein Kopfballtor von Piotr Trochowski 1:0 gewonnen. Natürlich war es bitter, zweimal gegen Werder auszuscheiden, aber da war auch Pech mit im Spiel – und dann war es zweimal das Halbfinale. Ist das nichts?
Obwohl ist, ganz klar, auch zugeben muss, dass ich damals sehr, sehr enttäuscht war. Weil ein Erfolg, nur ein einziger Erfolg, doch zum Greifen nahe schien . . .
Davon allerdings sind wir ja nun schon Jahre, gefühlt Lichtjahre, entfernt.
Nach den Bremer Niederlagen bin ich übrigens ganz spontan, um Flagge zu zeigen, in den HSV eingetreten. Das wollte ich eigentlich immer erst dann machen, wenn ich nicht mehr über den Club schreibe, aber damals musste es ganz einfach sein. Und davon, „Donta Hightower“, davon werde ich meinen Enkeln auch noch in Jahren erzählen. Hoffentlich.

Und dann noch: Ein herzliches Willkommen in 2014, ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes, erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr.

18.06 Uhr

‘Uns Uwe’ fordert: „Wir müssen Mumm haben!“

9. Dezember 2013

Heute morgen im Kindergarten. Ein Zettel hängt am Schwarzen Brett. „Es gibt Scharlach!“ Schon wieder, denke ich. Alle paar Monate dasselbe. Da denkst du, du kommst wieder zu Kräften, lebst gesünder und hast aus deinen Fehlern gelernt. Vielleicht hat sogar das neue Mittelchen gewirkt. Aber dann kommt von irgendwoher wieder der alte Virus, der dich bedroht.

Von diesem Gedanken aus dem Kindergarten bis zum HSV ist es nur ein ganz kurzer Weg. Schwerer Rückfall vorgestern gegen Augsburg. Wie unter Fink, wie unter Veh, wie unter Oenning, wie unter Labbadia und so weiter und so fort. Es stimmt, dass Bert van Marwijk nach dem 0:1 gegen Augsburg total entgeistert war. So etwas hat er wohl nur ganz selten gesehen. Wie gut, dass wir in Hamburg einen Vorteil haben: wir kennen das schon aus der Vergangenheit, wir haben Abwehrkräfte gegen solche Leistungen, wir werden wieder hingehen, bis zum nächsten Rückschlag.


Aber nun Schluss für heute mit dem Sarkasmus. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte mir vorhin Uwe Seeler. Zugegeben, aus diesem Satz spricht eigentlich nur ganz wenig Hoffnung, aber das dokumentierte sich heute morgen schon bei „Uns Uwe“ in einem Zitat der „Bild“-Kollegen. „Es wäre so schön gewesen, wenn wir eine Runde weitergekommen wären. Wirklich schade“, sagte Seeler zur DFB-Pokal-Auslosung, die dem HSV am 11. oder 12. Februar den FC Bayern beschert. Ob sie dann überhaupt noch gegen die Münchner antreten, die Jungs von Bert van Marwijk, wenn es eh schon gelaufen ist?

Bei Uwe Seeler wirkt das Augsburg-Spiel jedenfalls noch kräftig nach. „Ich hatte gehofft, dass die Mannschaft nach dem Sieg gegen Köln Schwung mitnimmt in die Bundesliga. Aber schon in den ersten 20 Minuten musste man ernsthafte Bedenken haben. Augsburg ist eigentlich so aufgetreten, wie der HSV hätte auftreten müssen“, sagte Seeler. Schade sei dies, fügte er einigermaßen milde hinzu. „Die Punkte, die wir da holen mussten, können wir nicht zurückholen.“

Der HSV verharrt bei 16 Zählern im unteren Mittelfeld der Tabelle. Die Kollegen von der „Mopo“ haben Adler, Rincon, Lasogga und den anderen im Schnitt sogar schlechtere Noten gegeben als den Spielern von Werder Bremen nach dem 0:7-Desaster gegen den FC Bayern. „So kann man nicht gewinnen“, meint Uwe zum Auftritt des HSV, auch wenn das Ergebnis in Hamburg deutlich knapper war als beim Konkurrenten von der Weser.

Vor einigen Wochen, als Bert van Marwijk noch relativ neu war in Hamburg, da hat Uwe Seeler große Stücke gehalten auf den neuen Mann aus den Niederlanden. Obwohl der Schritt nach oben ausbleibt und das Augsburg-Spiel solch eine Qual für die Augen war, will Uwe von seiner alten Einschätzung noch nicht abweichen. „Ich denke, der Trainer hat erkannt, woran es liegt. Mit Laufbereitschaft und Kampf ist Vieles möglich. Diese Mannschaft ist erst im Aufbau. Es fehlt ihr an Kontinuität.“


>> Zur Version für iPhone und iPad

Wie soll es bei diesem Urteil nur einigermaßen heil über die Bühne gehen am kommenden Sonnabend? Der HSV tritt um 15.30 Uhr in der Höhle des Löwen an, in der Münchner Allianz Arena. Im März gab es dort bereits eine historische 2:9-Klatsche. „Mit der entsprechenden Einstellung kann man einiges gut machen. Es wird auf die Moral ankommen. Wir müssen Mumm haben!“ Warum soll bei den Bayern das da sein, was schon gegen Augsburg fehlte? „Ich denke, der HSV hat gestandene Profis. Die müssen dagegen halten. Angst haben – das darf man auf keinen Fall.“ Gelingt die Umsetzung, davon ist Uwe Seeler überzeugt, kann es auch zu einem achtbaren Ergebnis in München reichen. Wenn nicht…

Im Sommer ist der HSV mit der Zielsetzung in die Saison gestartet, im Kampf um Platz sechs mitzumischen. „In der Rückrunde wird sich erst entscheiden, wohin er Weg geht“, sagt Uwe Seeler diplomatisch. „Aber mit jetzt 16 Punkten kann man keine großen Ambitionen haben. Ich habe den Druck Richtung Europa sowieso nie formuliert. Die Mannschaft muss erst Stärke und Konstanz kriegen.“

Zum Thema FC Bayern hat sich heute auch der frühere Mannschaftskapitän David Jarolim geäußert. Er stand mit auf dem Platz, als die Hamburger 2007 in München gewonnen haben – zum bislang letzten Mal. „Wenn du dorthin fährst, und denkst, dass Du verlierst, dann hast du schon verloren.“ Mehr dazu und von anderen, die in München schon einmal einen HSV-Sieg feiern konnten, lest Ihr in der Dienstags-Ausgabe vom „Hamburger Abendblatt“.

Gar nicht „amused“ ist heute Carl Jarchow, der Chef des HSV. „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, beschäftigt uns“, sagte Jarchow sehr ernst. „Immer diese ‚Ups‘ und ‚Downs‘“! Besonders von den erfahrenen Spielern, namentlich nennt Jarchow Rene Adler und Marcell Jansen, hätte mehr kommen müssen. Er habe allerdings volles Vertrauen in Bert van Marwijk, dass er die Mannschaft zurück auf Kurs kriege, sagte Jarchow. „Unser Trainer hat jetzt auch wieder eine neue Seite an seiner Mannschaft kennen gelernt.“ In Wahrheit, so Jarchow, habe er manches Mal ein schlechtes Gefühl, wenn es gegen Gegner wie Augsburg geht. „Da haben wir uns schon sehr häufig sehr schwer getan.“

Für die Partie beim FC Bayern erwartet Jarchow, dass sich der HSV ordentlich präsentiert. Als Beispiel nennt Carl Jarchow den Auftritt von Eintracht Braunschweig dort vor ein paar Wochen. Trotz eines schnellen Gegentores verloren die Niedersachsen nur mit 0:2 und hatten selbst einige Torchancen. Was ein „HSV-Virus“ angeht, hält Carl Jarchow dagegen: „Das empfinden wohl viele Fans so, wenn sie auf ihre eigene Mannschaft gucken. Ich glaube nicht, dass sich der HSV von anderen in dieser Hinsicht, also was Schwankungen angeht, wesentlich unterscheidet.“

Trotz des Rückschlags am Sonnabend will sich Jarchow nicht von seinem Saisonziel abbringen lassen. In München verlieren, gegen Mainz gewinnen – darf man dann mit 19 Punkten überhaupt noch an die Europa League denken? „Man muss“, entgegnet Jarchow. 30 Punkte, minimum, müsste der HSV in der Rückrunde einfahren, damit das Unterfangen einen Hauch von Realität haben soll. Kann sich ja jeder ausrechnen und ausdenken, ob das noch drin ist.

In England wird in der Zwischenzeit kräftig spekuliert über die Zukunft von Hakan Calhanoglu:

Die englischen Premier-League-Vereine FC Arsenal und FC Liverpool sollen Interesse an Hakan Calhanoglu vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV haben. Das berichtete die englische Tageszeitung „Sunday Mirror“. Beide Clubs hätten den 19 Jahre alte Türken bereits beobachtet, informierte das Blatt. Den Hamburgern liege jedoch weder ein Angebot noch eine Anfrage vor, teilte der Verein am Montag mit. Calhanoglu, der beim HSV einen Vertrag bis 2016 hat, erzielte in dieser Saison vier Tore und erwies sich bei Freistößen als Kunstschütze. Das seien „echte Waffen“, sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer vor kurzem. Vor einigen Wochen hatten türkische Vereine Interesse an dem Mittelfeldspieler bekundet. Damals erklärte der Nationalspieler seines Landes, den Vertrag in Hamburg erfüllen zu wollen.

Das wird nicht die letzte Meldung dieser Art gewesen sein. Wo gerade der Name Oliver Kreuzer fällt: Unmittelbar nach Abpfiff der Augsburg-Partie hatte sich der Sportchef kräftig Luft verschafft. Bei den Bayern würde man mit einer ähnlichen Darbietung zwölf Stück bekommen, sagte Kreuzer und verabschiedete sich zu einer Dienstreise nach Brasilien (Kooperation mit einer Fußball-Schule).

Mit Sicherheit war es von Kreuzer nicht schlau, die HSV-Profis mit solch einer Aussage in Hamburg zurückzulassen. So sehr sie verständlich ist nach der Enttäuschung gegen den schwäbischen Underdog aus Augsburg. Wenn sich der HSV am nächsten Sonnabend schon vor Spielbeginn wie ein Hündchen auf den Rücken schmeißt vor dem übermächtigen Gegner, sollte er das seinen Fans im Vorwege mitteilen. Dann können sie alle vielleicht noch ihr Bahn- oder Busticket in den Süden stornieren.

Nicht falsch verstehen: ich glaube nicht, dass Kreuzer selbst aus solchem Holz geschnitzt ist und vorab einknickt. Aber einige Spieler in dieser Mannschaft sind es ganz sicher, und sie könnten – nein, ich fürchte, sie werden – den Satz ihren Vorgesetzten in den falschen Hals bekommen. Trotzreaktion nach dem Tiefschlag gegen den FC Augsburg? Das wäre mal eine Antwort. Wäre.

Vorhin hatte ich kurz Bert Ehm am Apparat. Hamburgs scheidendes Trainer-Urgestein, der bei Germania Schnelsen (Oberliga Hamburg) die Brocken hingeschmissen hat. Seine Idee für die Partie bei den Bayern ist interessant. „Ein Libero hinter der Abwehr, dann die Viererkette, und mit Rincon einen Abräumer davor.“ So ähnlich hat es bereits Eintracht Braunschweig gemacht.

Morgen wird um 15 Uhr am Volkspark trainiert. Passend dazu diese Meldung des HSV:

Nachdem sich Rafael van der Vaart am vergangenen Freitag aus bekannten privaten Gründen für die Trainingseinheiten sowie das Heimspiel gegen den FC Augsburg bei Trainer Bert van Marwijk abgemeldet hatte, absolvierte der niederländische Nationalspieler am Montag zum ersten Mal wieder eine lockere individuelle Einheit an der Imtech Arena. Einem kurzen Waldlauf folgte noch ein Kraftprogramm im Trainingszentrum. Nach einem Gespräch mit dem Trainer entschied van der Vaart zudem, dass er ab Dienstag wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren wird. „Ich denke, dass mir das Training mit der Mannschaft gut tun wird, um auch wieder auf andere Gedanken zu kommen“, sagte van der Vaart gegenüber HSV.de.

Dieter ist für Euch morgen wieder am Ball, um die Vorbereitung aufs Bayern-Spiel einzuläuten.

Viele Grüße von Lars

Adler setzt auf van Marwijks Grundgesetz

16. Oktober 2013

„Von Nebensächlichkeiten darfst Du Dich nicht ablenken lassen – das ist schon die halbe Miete“, hat mir einst einer meiner Lehrer gesagt. Zum einen, weil ich ein sehr lebhaftes Kind war, leider auch oft während des Unterrichtes abgelenkt war. Zum anderen aber – und vor allem -, weil er damit einfach recht hat. Deshalb widme mich trotz der einen oder anderen persönlichen Beleidigung lieber zu 100 Prozent dem neuen Blog. Zumal der Erfreuliches zu bieten hat: WM-Fahrer en masse. Johan Djourou kehrte heute zurück, ist mit der Schweiz qualifiziert. Ebenso Rafael van der Vaart mit den Niederlanden und die Drei Deutschen (Westermann, Jansen, Adler). Das Beste daran: alle sind gesund geblieben und trainierten heute – wenn auch verkürzt – mit der Mannschaft.

„Es ist angenehm, mit so einem Positiverlebnis hach Hause zu kommen“, sagt Rene Adler, „Das gibt einen Aufschub.“ Für Stuttgart am Sonntag. „Wir haben unseren Job gut gemacht, treffen uns jetzt hier wieder und wissen, dass wir nachlegen müssen. Und wir sind wieder ein paar Tage weiter.“ Mit dem neuen Trainer, meint Adler. „Er hat uns seine Philosophie dargestellt und wir nehmen sie an“, so der Keeper, „und das wird uns mit zunehmender Spieldauer auch besser gelingen. Zuletzt war es schon ganz gut – hoffentlich wird es am Sonntag noch besser.“

Gerade im Hinblick auf die Nominierungen der Nationalspieler für die WM 2014 in Brasilien setzt Adler auf Zusatzmotivation. „Alle wissen, dass sie nur zur WM mitfahren, wenn sie auch im Klub gut und erfolgreich spielen“, sagt der HSV-Keeper, der selbst doppelt und dreifach motiviert sein dürfte. Immerhin muss er wohl hinnehmen, dass der Dortmunder Roman Weidenfeller am 15. November seine Premiere im Tor des DFB feiern darf. Ob Löw mit ihm darüber gesprochen hat? Immerhin gilt Adler bislang als Nummer zwei als gesetzt. „Nein, wir haben noch nicht darüber gesprochen, es ist ja auch noch ein Monat Zeit. Du ich kann es nur wiederholt betonen: Nur weil über andere Namen spekuliert wird, setze ich das nicht in Zusammenhang mit mir.“ Ob er Weidenfellers Nominierung nicht unlogisch findet? Eigentlich hätte die feststehende Qualifikation doch die Möglichkeit bieten sollen, der gesetzten Nummer zwei Spielpraxis zu bieten. Zumal er selbst damit gerechnet hatte, im Falle eines Ausfalls Neuers da zu sein. „Im Fußball ist vieles nicht logisch. Ich denke, dass die Trainer sich das gut überlegen werden. Ich bin aber auch der Falsche, jetzt irgendwas zu fordern. Und auch, um mir zu viele Gedanken zu machen. Ich bin die Nummer zwei in Deutschland – das ist nichts Negatives. Im Gegenteil. Das ist eine Riesenauszeichnung. Klar, will ich spielen. Aber ich habe gelernt, mein persönliches Anliegen hinter das Wohl der Mannschaft zu stellen – ohne dadurch auch nur das kleinste Bisschen weniger spielen zu wollen und motiviert zu trainieren. Der Augenblick, wo ich gebraucht werde, wird kommen – daher verschwende ich keine Energie darauf, jetzt zu hadern. Ich gehe davon aus, ganz normal nominiert zu werden.“

Ich auch. Alles andere wäre Quatsch. Es sei denn, Adler patzt ab jetzt regelmäßig oder verletzt sich – dreimal auf Holz geklopft, dass das nie passiert…!

Kaum geringere Chancen dabei zu sein hat auch Marcell Jansen. Der Linksverteidiger hat zwei vernünftige Spiele gegen Irland und Schweden absolviert. Jansen wird wohl neben BVB-Verteidiger Schmelzer mit nach Brasilien fahren – und setzt darauf, dort auch Stammspieler zu sein. „Ich muss gesund bleiben, das ist das Wichtigste. Es war schön, das Vertrauen zu bekommen. Ich habe versucht, in den Spielen Akzente zu setzen. Und genau das will ich jetzt weiterhin machen. Gleich Sonntag gegen Stuttgart.“

Alles andere als die dritte WM-Nominierung wäre für Jansen eine Enttäuschung – für Heiko Westermann sicher eher das I-Tüpfelchen. Der beim HSV zum Rechtsverteidiger umfunktionierte Ex-Kapitän wurde für die WM-Quali nachnominiert und hat zumindest gute Außenseiterchancen auf die WM. Zumal ich weiß, dass Westermann beim DFB-Trainerteam ein hohes Ansehen als extrem zuverlässiger und nicht minder teamorientierter Spieler genießt. „Sie haben es alle drei verdient“, glaubt Milan Badelj, der gerade die Nachricht erfahren hat, dass künftig Niko Kovac über die Geschicke der kroatischen Nationalelf entscheidet. Der Vorstand des kroatischen Verbands nahm auf Vorschlag des Präsidenten und DFB-Schreck Davor Suker das Rücktrittsangebot von Nationaltrainer Igor Stimac an und ernannte Kovac zum Nachfolger. In den WM-Playoffs (15. und 19. November) kann Kroatien auf Schweden, Frankreich, Island oder Rumänien treffen.

Nicht treffen soll Stuttgarts Stürmer Vedad Ibisevic gegen den HSV am Sonntag. Und dafür verantwortlich ist auch der Torhüter, Rene Adler. Der wiederum setzt weiter auf den Van-Marwijk-Effekt. „Der Trainer ist jetzt ein paar Wochen da und man kann sehen, dass einige Mechanismen jetzt schon besser greifen. Im Spiel in Frankfurt war schon einiges deutlich zu erkennen, obwohl der neue Trainer und wir nur ein paar Tage gemeinsam hatten. Aber das 5:0 in Nürnberg zeigt, dass wir in der Mannschat, im Konstrukt, kompakter stehen. Wir bewegen uns auf einem guten Weg und diese Art und Weise wollen wir beibehalten.“ Ein Schlendrian scheint ausgeschlossen: „Der Trainer hat die nötige Distanz zu uns und ist eine absolute Respektsperson, hier herrschen klare Regeln. Für alle gleichermaßen. Das ist bei uns intern wie extern für alle das Grundgesetz. Und das fördert unsere Leistung. Ich freue mich jetzt darauf, wieder qualitativ hochwertig zu trainieren. Denn wenn das irgendwann mal nicht so ist, knallt der Trainer schon ordentlich dazwischen. Darauf ist Verlass.“

Seine verbindliche Art beibehalten hat auch David Jarolim. Vor allem aber hat er seine Hamburger Autos behalten – und weiter in Hamburg gemeldet. „Die Abmeldung lohnt sich ja gar nicht“, hat der ehemalige HSV-Kapitän unserem Blogvater bei dessen Besuch in Prag gesagt. Immerhin sei er ja eh bald wieder in Hamburg. Schon im Sommer soll Jarolim beim HSV in die Nachwuchsarbeit eingebunden werden. Bevor sich Dieter, Frau M. und Jarolim jedoch trennten, übergab der Tscheche unserem Blogvater noch eines seiner Trikots (s. Foto) von Boleslav zum verlosen.

IMG_9608

Und diese Verlosung wird am Sonnabend im Rahmen unseres Matz-Ab-Treffens im „Anno1887“ (Beginn ist um 19 Uhr) durchgezogen.

Und obgleich Carl Jarchow heute noch einmal klarstellte, dass sich der HSV-Vorstand bei Transfers vom Aufsichtsrat „nie unter Druck gesetzt fühlte“ und ich zahlreiche Anrufe wegen des gestrigen Blogs bekam und immer noch bekomme – mehr gab es heute nicht zu berichten. Außer, dass Ivo Ilicevic weiter voll mittrainiert und die Muskulatur endlich wieder hält, während Gojko Kacar mit Rückenproblemen heute pausieren musste. „Es ist aber nicht allzu schlimm“, so Kacar, „ich hoffe, dass ich schon am Donnerstag wieder voll mittrainieren kann.“

Ich drücke ihm die Daumen. Ebenso wie Euch, dass Ihr noch einen schönen Rest-Mittwoch habt. Bis morgen,

Scholle

P.S.: Am Donnerstag wird übrigens um 16 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

P.P.S.: Ergänzend zum Blog werde ich die Interviews in Oscar-verdächtiger Aufnahmequalität für Euch auf unsere Facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) als Videos online stellen.

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »