Das letzte Heimspiel 2012 – es soll der Schritt nach vorn werden, den der HSV zuletzt immer wieder verpasste. „Wir sind noch immer nicht konstant genug, ganz klar“, hatte Rene Adler gesagt, „aber wir sind auf einem guten Weg.“ Und der soll auch faktisch mit einem Sieg gegen Hoffenheim untermauert werden. „Sollten wir das Spiel erfolgreich gestalten, wäre das ein guter Abschluss vor eigenen Zuschauern für eine gelungene Hinserie“, sagt Trainer Thorsten Funk und wird von Tolgay Arslan noch ergänzt: „Ein wirklich guter Abschluss wäre ein Heimsieg und der eine oder andere Punkt in Leverkusen. Warum sollten wir weniger von uns erwarten?“
Eine rhetorische Frage, klar. Dennoch war ich geneigt zu antworten. Denn wer hätte selbst nach der Verpflichtung von Rafael van der Vaart gesagt, dass der HSV nun in den Dunstkreis der internationalen Plätze gehört? Beziehungsweise: Gehört der HSV dort überhaupt schon hin?
Ich sage ja. Allerdings auch nur, weil mit Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen auch nur vier Mannschaften einfallen, die definitiv besser sind. Alles, was sich tabellarisch ansonsten noch in Europacup-Nähe tummelt ist entweder ebenso inkonstant wie der HSV (Stuttgart, Hannover, Bremen, Gladbach) oder nicht mal personell besser (Mainz, Frankfurt). Insofern klingt es vermessen und falsch, jetzt über die Plätze für die Europa League zu sprechen. Aber faktisch betrachtet, muss das das Ziel sein.
Und das ist es auch. Auch wenn sich kein Spieler hinstellt und sagt, dass dem so ist, lassen es fast alle durchblicken. Und warum auch nicht? Kleingeredet hat sich der HSV in den letzten 18 Monaten schon genug. Jetzt kann der Blick mal wieder voraus gehen. Zumal am morgigen Freitag im letzten Heimspiel der Hinrunde bis Platz fünf alles drin ist. Und um hier einen Aufschrei zu vermeiden: Ich sage NICHT, dass der HSV auf Platz fünf gehört. Ich sage lediglich, dass sich der HSV diesen Platz holen soll, wenn er ihm so auf dem Tablett serviert wird…
Ähnlich formuliert es Tolgay Arslan: „Wenn wir am Ende der Saison da stehen, nehmen wir das gern mit“, sagt der junge U21-Nationalspieler, der eher zu denen zählt, die was im Kopf haben. Arslan weiß auf jeden Fall, wie er sein Ziel erreicht. „Ich weiß aber auch, was uns noch fehlt, was ich noch nicht so gut mache. Und daran müssen wir, daran muss ich arbeiten. Es bringt nichts, jetzt zu hohe Ziele auszurufen, die unnötig Druck aufbauen. Wir wissen, dass wir noch vieles verbessern können und müssen. Das ist für uns als Mannschaft ebenso gültig wie für mich als Spieler.“
Wobei Arslan grundsätzlich sehr zufrieden sein kann mit dem bisherigen Saisonverlauf. Nachdem er anfangs drei Spiele verletzt verpasst hatte stieg er just zu Beginn des HSV-Aufschwungs ein: gegen Dortmund. Seither (s. dazu auch das Video) hat Arslan 20 Punkte bei 12 Spielen mit dem HSV geholt. Hochgerechnet wären das rund 57 Punkte am Saisonende – ein internationaler Tabellenplatz wäre garantiert. „Das ist mein großes Ziel“, so Arslan, „ich will irgendwann eine WM mitspielen – da gehört der internationale Wettbewerb mit dem HSV fast zwingend dazu.“
Gegen Hoffenheim soll dafür ein kleiner Schritt gemacht werden. Mit Arslan auf der Zehn. „Es wird ein schweres Spiel. Aber wir spielen zu Hause und sind der Favorit. Vor allem sind wir es den Fans schuldig, dass Jahr mit einem positiven Ergebnis abzuschließen“, so der Mittelfeldspieler. Zuerst Zu Hause – später auch noch in Leverkusen. „Aber so weit sollte noch keiner denken“, warnt Fink, der im heutigen Abschlusstraining die offensivere Variante spielen ließ. „Zhi Gin wird hinten links beginnen, weil er dafür prädestiniert ist“, sagt Fink, der allgemein eine sehr hohe Meinung von dem talentierten Youngster hat: „Er hat die Ballsicherheit, er spielt taktisch sehr clever – das habe ich schon beim Turnier in Südkorea gesehen. Er muss jetzt einfach nur mal zum richtigen Zeitpunkt ein richtig gutes Spiel machen.“ Ähnlich wie Arslan gegen Dortmund. „Genau“, so der HSV-Coach, „wer weiß, was für ihn noch möglich ist, wenn sich Dennis im linken Mittelfeld festsetzt…“
Unten festgesetzt hat sich inzwischen leider unsere U23, zu der ich aus aktuellem Anlass ganz kurz kommen möchte. Denn morgen steigt bei Werder Bremen II das kleine Nordderby – und Trainer Rodolfo Cardoso sowie sein Cotrainer Soner Uysal scheinen nicht wirklich optimistisch zu sein. „Es ist eine harte Phase“, so die zwei Ex-Profis, die mit einem personell engen Kader in der Regionalliga klarkommen müssen. Hoffnung macht da nur der Plan, in der Winterpause den eh schon sehr dünnen Kader nachzubessern. So soll neben David Jarolim nun auch Collin Benjamin wieder die Schuhe schnüren. Wobei es mich wundert, dass bei dem immer wieder betont „zu großen“ Kader der Bundesligamannschaft nicht immer drei, vier Profis abgestellt werden können. Aber okay, vielleicht hilft es ja, die zwei HSV-Ikonen Jarolim und Benjamin in den jungen Haufen zu integrieren. Denn klar ist: so sehr ich mich als Niendorfer über den HSV am Sachsenweg gefreut habe, die Zweite brauchen wir am Sachsenweg nicht – zumindest nicht als regulären Oberligagegner…
Zurück zum großen Bundesligafußball. 19 Leute wird Trainer Thorsten Fink morgen mit ins Tageshotel nehmen. Um 9.30 Uhr trifft sich die Mannschaft zum Frühstück. Anschließend gibt es ein kurzes Aufwärmtraining, ehe es ins Tageshotel geht, wo die Besprechungen samt Videoanalysen stattfinden. „Wirklich überraschen werden uns die Hoffenheimer eh nicht“, so Fink, der auch darüber informiert war, dass die TSG bereits heute in Hamburg gastiert, hier heute bereits trainiert hat und auch morgen noch ein kurzes Warmup machen wird. „Für die Ausrichtung unseres Spiels hat das eh keine Auswirkung…“
Selbstbewusste Worte, die hoffentlich am Freitagabend mit Taten bestätigt werden. Folgende Elf soll das richten: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Skjelbred, Badelj, Arslan, Aogo – Rudnevs, Son. „Egal, wer aufläuft – wir treten als Team auf“, weiß Arslan, der genau dieses Gefühl vor zwei Jahren, bei seinem ersten Versuch, hier Fuß zu fassen, nicht hatte. „Es ist absolut kein Vergleich zu der Mannschaft vor zwei Jahren. Wir haben heute eine harmonierende Mannschaft, die sich auch außerhalb der Trainingszeiten trifft. Es gibt keine Streitfaktoren – es sei denn, auf dem Platz muss mal was gesagt werden. Aber das gehört dazu.“ Anders als einst mit großen Namen wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy oder auch Joris Mathijsen. Arslan: „Heute haben wir eine junge Truppe, in der die älteren Spieler gute Vorgaben machen und wir Jüngeren trotzdem Mitspracherecht haben. Dazu kommt, dass der Trainer genau unsere Sprache spricht.“
Na dann. Dann steht einem Sieg gegen die TSG Hoffenheim ja nichts mehr im Wege. Ich hoffe es. Ich tippe es. Ich glaube es auch.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend und bis morgen. Dann berichtet Dieter abends aktuell vom Spiel.
***Korrektur: Summe Arslan ist nicht fünf- sondern vierstellig****
Es gibt keinen Tag Pause mehr – bis zur Winterpause, die am 16. Dezember beginnt und am 29. Dezember schon wieder für die HSV-Profis endet. Zunächst steht am Freitag Hoffenheim auf dem Plan. Lange Zeit bleibt anschließend nicht, immerhin fliegt die Mannschaft um 23 Uhr zum Testkick nach Brasilien. Ein Termin, der finanziell ebenso notwendig ist wie anstrengend. Dennoch gibt es beim HSV niemanden, den das ärgert. Zumindest nicht offiziell. Auch Heiko Westermann sagt: „Der Verein hat diesen Termin gemacht und braucht die Einnahmen. Das ist normal. Ich glaube auch, dass Brasilien eine lustige Reise wird, wenn wir das Spiel vorher gewinnen“, so der Kapitän, der zwar das erste Mal nach Brasilien reist – aber wenn es nach ihm geht, eben nicht das letzte Mal. Ob das vielleicht schon ein kleiner Test zum Kennenlernen für die WM 2014 mit ihm wird? Westermann lacht und nickt vorsichtig. Er hätte sicher nichts dagegen.
Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Und auch Westermann ist sich der Chance bewusst, die sich dem HSV aktuell und mal wieder bietet. Mit einem weiteren Heimsieg, dem dann dann bereits dritten in Folge, kann der HSV mal wieder zu den internationalen Plätzen aufschließen. Und anschließend in Leverkusen ist für den HSV auch etwas drin, wie Westermann sagt. „Da haben wir eigentlich immer gut ausgesehen, was zwar nichts zu sagen hat. Was mich aber optimistisch stimmt. Wir müssen unsere Hausaufgaben gegen Hoffenheim machen – und dann auf Zusatzpunkte in Leverkusen hoffen.“
Und das wird nicht leichter, nachdem in Hoffenheim Frank Kramer, der ehemalige U-23-Trainer der TSG, übernimmt. Ein dort gefeierter Jungtrainer, der mit Sicherheit Feuer hat und wie alle anderen neuen Trainer erst einmal „eine ganz andere und viel bessere Ansprache an die Mannschaft“ finden wird, wie alle ach so ehrlichen Profis der TSG formulieren werden. „Die werden jetzt alle richtig Gas geben und sich versuchen, zu empfehlen“, weiß Maxi Beister, der zu gern dabei wäre. „Vom Schmerz her würde ich sagen, es geht. Aber aus medizinischer Sicht scheint das unvernünftig.“
Wohl wahr. Nutznießer ist dafür voraussichtlich Heung Min Son, über den wir im letzten Blog ausreichend berichtet haben. Der Südkoreaner soll helfen, „genau da anzuknüpfen, wo wir gegen Schalke aufgehört haben“, wie Westermann sagt. Soll heißen: Auch gegen Hoffenheim will der HSV Pressing spielen. „Dieses Spielsystem liegt uns am besten“, sagt Westermann. „Vorne attackieren liegt uns.“ Warum dieses kraftaufwändige Spiel nicht für 90 Minuten reicht? „Keine Ahnung“, so der HSV-Kapitän, der die Frage auch nach dem Spiel in Wolfsburg stellte. „Wir sind die letzten 30 Minuten überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen und haben fast logischerweise den Ausgleich kassiert.“ Ob irgendwer eine Antwort hatte? Westermann verneint. „Ich habe viele gefragt, und von allen kam nur, dass sie topfit sind. Und das sind wir auch alle. Ich kann es mir nur so erklären, dass wir einfach mehr gelaufen sind.“ Und das stimmt tatsächlich. Zumindest im Spiel gegen Wolfsburg waren es 119,2 Kilometer Mannschaftslaufleistung. Und das ist ein wahrlich beachtlicher Wert. Zum Vergleich: die laufstarken Wolfsburger brachten es auf ebenfalls beachtliche 116 Kilometer (Bundesligaschnitt sind ca. 115 Kilometer/Spiel).
Insofern wird sich die Mannschaft ihre Kräfte einfach etwas besser einteilen müssen. „Vielleicht müssen wir das wirklich“, sagt Westermann, der ansonsten auch keine endgültige Lösung parat hat. Klar sei allerdings, dass der HSV weiter den hohen Aufwand betreiben wolle, um auf eine etwaige Verunsicherung des Gegners zu setzen. Das gepaart mit der Sicherheit im Defensivverbund sind die zwei Schlüssel zum Erfolg, wie Westermann sagt. „Wir stehen immer sicherer, stimmen uns immer besser ab“, sagt der Abwehrchef und lobt dabei neben den Außenverteidigern insbesondere seinen Nebenmann Michael Mancienne. „Michael wird immer sicherer. Er bekommt immer mehr Vertrauen in sich selbst. Wir sind eingespielt und der eine hält dem anderen den Rücken frei. Das ist sehr gut.“
Und fürwahr, Mancienne ist ein Spieler, für den man sich vielleicht den einen Tick mehr über dessen gute Leistungen freut. Denn der Brite zählt zu den technisch etwas limitierteren Spielern, die aber auf der Gegenseite das fehlende Talent mit unbändigem Einsatz ausgleichen. „Er ist ein absoluter Teamplayer“, schwärmt Trainer Thorsten Fink, „einer, auf den ich mich verlassen kann.“ Auch deshalb erhält Mancienne weiter den Vorzug vor dem sicher talentierteren Jeffrey Bruma, der sich in der Vergangenheit schon in Sphären wähnte, die er de facto sportlich nicht bestätigen konnte. Bruma hatte sich meines Erachtens zu oft zu sehr auf sein Talent verlassen, während sich Mancienne ob seines Einsatzes und Teamgeistes bei Fink zum Stammspieler mauserte. Wie wichtig Teamgeist aktuell ist, zeigt Westermanns Aussage: „Wir wachsen als Mannschaft immer enger zusammen. Das habe ich hier so noch nie erlebt – aber immer gehofft.“
Bestes Beispiel dafür war der gestrige Montagabend. Da lud Tolgay Arslan (für seine unnötige fünfte Gelbe im Schalke-Spiel) die Mannschaft bei „Mr. Kebap“ zum Essen ein. Und es kamen – 25 Mann. „Es war eine sehr nette Runde“, so Arslan, der am Ende einen vierstelligen Betrag zahlen musste, aber nicht verraten wollte, wie viel es letztlich genau war. „Darum geht es auch nicht“, so der Rechtsfuß, der gegen Hoffenheim wieder zur Startelf gehören wird. „Es war ein schöner Abend für uns als Mannschaft. Ich habe selten so gern eine Strafe beglichen…“
Von 18 bis 23 Uhr saß die Mannschaft in geschlossener Gesellschaft zusammen, speiste und trank. Sogar ein Discjockey wurde gestellt. Zum Vergleich: In der Saison 2010/2011 gab es einmal ein Babypinkeln in der „Bullerei“. Der Termin war lange angekündigt. Doch am Ende kamen gerade mal acht Leute, um mit ihrem Mannschaftskollegen dessen Kinderglück zu feiern. Noch schlimmer kam es, als die Mannschaft sich in derselben Saison zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollte. Da kamen am Ende gerade drei Leute…
Ich habe es damals häufiger geschrieben und meine es auch heute noch ernst: Solche Abende sind enorm wichtig. Solche Abende geben der Mannschaft oft mehr als Trainingseinheiten. Das ist im kleinen Fußballbereich nicht anders als bei den Profis. Denn genau bei solchen Gelegenheiten formt sich der Zusammenhalt, der am Ende in knappen Spielen über Sieg und Niederlage entscheidet. Insofern: Chapeau, HSV! Zumal es noch deutlich mehr Teilnehmer gewesen wären, wenn die Presseabteilung nicht schon lange vorher für denselben Zeitpunkt die Weihnachtsfeier mit uns Journalisten angesetzt hätte. Dort kamen wie immer auch die Trainer, „die aber allesamt persönlich und begründet bei uns abgesagt hatten“, so Arslan über einen Abend, der mich in den von Westermann formulierten Optimismus einstimmen lässt: Da formt sich eine Mannschaft!
Form nimmt langsam auch die Liste der Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat an. Und was lange vermutet wurde, ist jetzt amtlich: Ralf Bednarek, aktuell noch Abteilungsleiter der Supporters, tritt am 13. Januar bei der Jahreshauptversammlung zur Wahl an. Insgesamt werden vier neue Räte zu wählen sein, für die bislang acht Kandidaten feststehen. Neben Bednarek sind das Klaus Krägel, Jens Meier, Stephan F. Rebbe, Otto Rieckhoff, Christian Strauß, Peter von le Fort und Cord Wöhlke. „Ich werde zum 12. Januar meinen Vorsitz bei den Supporters abgeben und mich anschließend zur Wahl stellen“, so Rechtsanwalt Bednarek.
Womit ich das Thema Aufsichtsräte auch schnell wieder beenden will. Das wird früh genug wieder für alle wichtig, hat aber mit der sportlichen Entwicklung aktuell nichts zu tun. Im Gegenteil: denn die macht Spaß…
Spaß am Gespräch hatte heute Abend auch David Jarolim. Der traf sich mit Sportchef Frank Arnesen und sprach über seine nähere Zukunft. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Jarolim, dem Arnesen nahelegte, die in den Abstiegsstrudel geratene U23 zu retten. „Ich bin froh, dass ich diesen Termin hatte“, so Jarolim, der in den nächsten Wochen abwarten will, ob sich für ihn noch etwas auf dem Transfermarkt für die Bundesliga ergibt. „Wir haben vereinbart, dass wir die nächsten Wochen noch abwarten und uns dann entscheiden“, sagt Jarolim, während Arnesen Verständnis für dessen Haltung hat: „Jaro ist ein vorbildlicher Profi mit toller Reputation – und er ist topfit. Ich kann ihn voll verstehen, dass er noch weiter als Profi spielen will.“ Sollte es sich dennoch nicht ergeben, kann sich Jarolim auch eine Rückkehr zum HSV vorstellen. Als erfahrener Dachs im jungen U23-Team. „Es ist alles vorstellbar“, so Jarolim, der heute Abend noch zurück zur Familie nach Prag fliegt. „Es ist ja auch nicht so, dass ich jedes Angebot annehmen würde. Im Gegenteil: es muss schon sehr gut passen. Ansonsten helfe ich meinem HSV.“
So, bei so viel Harmonie im sportlichen Bereich und weihnachtlicher Musik im Rücken – bevor mir die Tränen kommen verabschiede ich mich lieber für heute mit er klaren Ansage, dass der ehemalige Bremer Marko Marin beim HSV kein Thema ist. Im Anhang findet Ihr zudem noch ein nettes Gewinnspiel für eine sehr nette Veranstaltung. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.
Scholle
Gewinnspiel und Ankündigung:
Am Donnerstag den 06. Dezember 2012 präsentiert das HSV-Museum den erfolgreichsten Fußballkomiker Deutschlands: Am Nikolausabend wird Ben Redelings gemeinsam mit dem bekannten HSV-Autor Axel Formeseyn auf der Bühne stehen. Ben Redelings („Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten“, „Der Ball ist eine Kugel. Das große Buch der Fußballbücher“, „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“ u.v.m.) und HSV-Autor Axel Formeseyn („Voll die Latte“, „Unser HSV“) werden zusammen mit Gästen und Zuhörern eine unterhaltsame Reise durch die letzten 50 Jahre Bundesliga bestreiten. Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Rudi Kargus und Stefan Schnoor. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro inklusive eines Begrüßungsgetränks. Die Karten gibt es im HSV-Museum oder über den Merchandising-Shop der Supporters.
Oder eben hier. Denn wir verlosen zwei Tickets sowie je ein Buch „Voll die Latte“ und „50 Jahre Bundesliga“, das neue Buch von Redelings. Beantwortet einfach folgende Frage per Email bis zum 5. Dezember 2012 bis 18 Uhr an: preisfrage@abendblatt.de.
Gewinnfrage: Wer bestritt in 50 Jahren Bundesliga die meisten Bundesligaspiele für den HSV und wie viele waren es?
Die Gewinner/innen veröffentlichen wir an dieser Stelle im morgigen Blog, der um voraussichtlich 19 Uhr veröffentlicht wird. Alle Angaben sind ohne Gewähr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!
Das haben die Jungs mit den Feuerzeugen im Block ja optimal gelöst: Statt über die deprimierende 0:2-Niederlage von Düsseldorf zu reden, spricht „ganz Hamburg“ von den Pyrotechnikern unter den HSV-Anhängern. Fußball wird in den Hintergrund gedrängt, das allgemein beherrschende Thema war das Feuer im HSV-Block. Was für ein Wahnsinn – im doppelten Sinne. Was hätte da nicht alles passieren können? Statt der heiß geliebten Fahne hätten doch auch Jacken, Hosen – und sogar Menschen brennen können. Natürlich alles ganz harmlos . . .
Inzwischen gibt es dazu auch eine Stellungnahme vom Supporters Club:
Der HSV Supporters Club reagiert enttäuscht auf das Abbrennen von Pyrotechnik und dessen Folgen (Brand von Bannern und einige Leichtverletzte) kurz zu Beginn des Spiels Fortuna Düsseldorf gegen den HSV in der HSV-Fankurve. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass angesichts der aktuellen und z.T. hysterischen öffentlichen Debatte um die Sicherheit in den Stadien und der berechtigten Kritik daran, einige Fußballfans das negative Bild bestätigen und allen Recht zu geben scheinen, die ausschließlich auf hartes und kompromissloses Vorgehen gegen Fehlverhalten von Fans vorgehen wollen.
Auch wenn diejenigen, die am Zünden von Pyrotechnik in der Kurve beteiligt waren, sicher niemanden gefährden wollten, hat diese Aktion erneut gezeigt, dass Pyrotechnik unwägbare Risiken birgt und wir weit davon entfernt sind, kontrolliertes Abbrennen in den Fankurven zu ermöglichen.
Nichtsdestotrotz werden wir uns weiter für den Dialog mit der gesamten Fanszene einsetzen und plädieren für einen sachlichen Umgang mit der Sicherheitsthematik. Dazu gehört auch die Differenzierung zwischen Pyrotechnik und Gewalt. Wir fordern aber auch besonders die Fans, die das Abrennen von Pyrotechnik unterstützen, auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und Regeln so lange zu akzeptieren, so lange sie gelten. Wenn sie daran etwas ändern wollen, sollten sie dafür streiten, aber nicht systematisch gegen diese Regeln verstoßen. Zu einem sachlichen und konstruktiven Dialog gehören immer zwei und die jeweils andere Seite massiv unter Druck zu setzen, ist für keine Seite förderlich. Schon gar nicht für ein gutes Ergebnis.
Dieser Appell richtet sich aber nicht nur an die Fans, sondern auch an alle andere Beteiligten – wie die Verbände, Vereine, Sicherheitsbehörden, Ordnungsdienste, Politiker und die Presse – mit einer einseitigen, teilweise populistischen Betrachtungsweise werden wir den Dialog nicht fördern sondern nur für immer härtere und starrere Haltungen auf allen Seiten sorgen.
Unsere Aufforderung an alle Beteiligten lautet: Nur gemeinsam werden wir es hinbekommen!
Bei „Matz ab live“ hat das Vorstandsmitglied Joachim Hilke schon (wie ich finde) ausführlich und auch knallhart Stellung für den Klub bezogen. Heute war auch Vorstands-Chef Carl-Edgar Jarchow an der Arena und stellte sich diesem Thema. Der Klub-Boss sagte: „Diese kleine Gruppe von Unbelehrbaren ist in der Tat kaum davon zu überzeugen, von den Gefahren, die diese Bengalos bedeuten – aber ich denke jetzt, dass diese Ereignisse am Freitag in Düsseldorf auch denen gezeigt haben – als ihre Flagge brannte – wie gefährlich die ganze Geschichte doch ist. Vielleicht öffnet das bei einigen Leuten ja jetzt endlich mal die Augen. Es soll ja, wie ich gehört habe, auch zu Brandverletzungen geführt haben. Vielleicht ist das ja jetzt mal ein Anfang, dass man diese Gruppe der Unbelehrbaren noch weiter reduzieren kann.“
Kurios an diesen Vorfällen, oder sogar grotesk: Unten wurde gezündelt, und darüber hing ein Plakat: „DFL-Papier ablehnen.“ Und zu dem, was dort abgelehnt werden sollte, gehören ja auch die Pyro-Dinge, die bislang immer wieder als völlig harmlos hingestellt wurden. Hoffentlich, kann ich nur sagen, nimmt sich jetzt ganz Deutschland ein Beispiel daran, dass solche Sachen sehr wohl enorm gefährlich sind, und hoffentlich erkennen alle nun auch noch rechtzeitig, wie es wohl wäre, wenn Menschen von und mit dieser Pyro-Technik in Verbindung kommen sollten. Nicht auszudenken.
Carl Jarchow weiter zum Freitagabend: „Mir wurde berichtet, dass die Leute, die diese Feuer verursacht haben, durchaus geschockt waren von dem, was passiert ist und von der Wirkung, die das haben kann. Was uns alle ja nicht mehr überrascht, denn wir wissen ja, wie gefährlich diese Pyrotechnik auf so engem Raum und bei so vielen Menschen sein kann.“ Zum Sicherheits-Papier der DFL sagte Jarchow: „Da muss man einige Dinge unterscheiden. Das bezieht sich ja nicht nur auf Pyro-Technik, das ist ja nur ein ganz kleiner Teil davon. Ich bin sehr dafür, dass man den Dialog mit den Fans, mit allen Betroffenen, in den Sicherheitsfragen weiter fortführt. Und nicht sagt: ‚Es gibt zwar nur eine relativ überschaubare Zahl von Pyro-Verrückten, aber wir brechen den gesamten Dialog dennoch ab.’ Das wäre mit Sicherheit verkehrt. Aber diejenigen, die für diese Vorfälle in Düsseldorf verantwortlich sind, die haben natürlich der Argumentation einen Bärendienst erwiesen.“
Kurz-Kommentar zu den heißen Vorkommnissen in Düsseldorf von HSV-Trainer Thorsten Fink: „Das war kein vorbildliches Verhalten unserer Fans, das können wir nicht gutheißen“
Übrigens: Zu dieser Thematik tut sich beim HSV in den nächsten Tagen etwas. Der Klub gibt dazu bekannt:
Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat in dieser Woche das überarbeitete Eckpunktepapier „Sicheres Stadionerlebnis“, zu dem alle Klubs der Fußball-Bundesliga Ende Oktober ihre Stellungsnahmen abgegeben hatten, erneut an die Vereine geschickt und um eine Bewertung gebeten. Bevor der Vorstand des HSV der DFL erneut eine Stellungsnahme übermittelt, möchte er das Sicherheitspapier mit seinen hierfür im Verein zuständigen Bereichen der Fanbetreuung und des Sicherheitsbeauftragten sowie den Mitglieder und Fans diskutieren. Dazu lädt der Vorstand am Mittwoch, dem 28. November um 18:30 Uhr alle HSVer zu einer offenen Diskussionsrunde in die „Raute“ ein. Diese Vorgehensweise hat der Verein ebenfalls der DFL mitgeteilt.
Carl-Edgar Jarchow dazu: „Wir werden das mit den Fans besprechen, und dann werden wir entscheiden, was wir dazu sagen.“
Bislang hatten es die Vereine schwer, die Verursacher dieser Zündeleien zu identifizieren, denn diese Jungs trugen zumeist Masken, die ihre Gesichter (natürlich) verhüllten. Video-Aufnahmen aus den Kurven waren deshalb zweck- weil wertlos. Diesmal aber gibt es Hoffnung auf die Erkennung der Täter, denn einige von ihnen sollen Brandwunden erlitten – und deshalb auch ihre Masken kurzzeitig abgesetzt haben. Daher soll es Video-Aufnahmen geben, auf denen die Täter zu erkennen sind. Und wenn diese Leute identifiziert werden, dann dürften sie in den nächsten Wochen und Monaten auch richtig schön und tief in die Tasche kommen, denn der HSV will sich an diesen Jungs schadlos halten – in Sachen Geldstrafen. Es ist diesmal mit einem kleinen, lächerlichen Stadion-Verbot nicht mehr getan – und das ist auch gut so.
„Wir gehen gegen diese Leute vor, aber natürlich“, sagte Jarchow entschieden: „Wenn wir Namen haben, dann gehen wir gegen diese Leute vor. Diesmal waren offenbar nicht alle vermummt, und wenn diese Leute bekannt sind, dann werden wir tätig. So haben wir es in der Vergangenheit auch schon immer gemacht.“ Nur bei den „Pyro-Technikern“ bissen sie bislang – aus den schon geschilderten Gründen, auf Granit.
Carl-Edgar Jarchow sprach dann auch noch ganz allgemein zur Gewalt im Fußball – oder im Sport: „Wir müssen eines sehen, und das ist das Entscheidende bei dieser ganzen Sicherheitsproblematik – und das ist auch der Vorwurf gegenüber der DFL: Es gibt eine Gewalt-Problematik im Fußball, aber die gibt es nicht singulär im Fußball, sondern die hat durchaus gesellschaftliche Gründe. Und diese Situationen sind in den einzelnen Stadien durchaus unterschiedlich. Im Moment allerdings haben wir eine Situation, in der wir alles über einen Kamm scheren, und wo die DFL unter dem Druck der Politik versucht, möglichst schnell eine Lösung zu präsentieren. Ich bin aber ein Vertreter davon, erst einmal sehr genau zu sehen, wie individuell diese Situationen sind, denn hier in Hamburg haben wir das bislang normalerweise nicht gehabt, in Leverkusen oder anderen Stadien auch nicht.“ Deswegen plädiert Jarchow erst einmal für Ruhe: „Wir dürfen uns nicht von außen unter Druck setzen lassen, dass dies nun alles innerhalb von vier Wochen entschieden sein muss. Wenn ich von der DFL einen Brief bekomme, in dem mir nahe gelegt wird, mich mit meinen Fans auszutauschen, und um dann aber gleichzeitig die Kommentierung dieses Briefes innerhalb von fünf Tagen zurückzuschicken, dann halte ich das für unangemessen. Und das werde ich auch bei jeder Gelegenheit sagen. Ich sehe den Druck nämlich nicht.“
Über die Strafen, die jetzt auf den HSV aufgrund der Vorkommnisse in Düsseldorf zukommen werden, gibt es bislang nur Mutmaßungen. Es wird auf jeden Fall eine saftige Geldstrafe geben. Und dazu eine Block-Sperre für HSV-Fans in einem, zwei Auswärtsspielen? Carl-Edgar Jarchow: „Ich weiß nicht, was es geben wird, es sind ja einige Ding denkbar. Und sie werden nun sicher auch ein Zeichen setzen, denn es war ja schon etwas gravierender, was sich unsere Fans – Fans in Anführungsstrichen, denn das sind keine Fans für mich – da erlaubt haben.“
Zum Fußball, auch wenn der ja fast schon unwichtig geworden ist:
Gegen Schalke 04 am Dienstag wird der deutsche U-21-Nationalspieler Tolgay Arslan die Position des verletzten Rafael van der Vaart übernehmen. Und Arslan traut sich das zu, denn er sagt: „Ich habe schon viel gelernt von Rafa. Zum Beispiel seine Geduld. Und dass er zum Beispiel hinten einfach spielt, und vorne dann versucht, seine tödlichen Pässe an den Mann zu bringen. Er ist ein absoluter Führungsspieler. Dazu seine Präsenz, die der Gegner in jeder Szene und Situation spüren kann. Und er hat natürlich auch ein großes Selbstvertrauen. Ich will ihn so gut es geht ersetzen, traue mir das aber auch zu.“ Was wiederum auch für ein großes Selbstvertrauen spricht.
Ergänzung um 21.15 Uhr
So, nun ist es raus. Rafael van der Vaart kennt seinen Körper eben am besten. Er selbst hatte sofort einen Muskelfaserriss diagnostiziert, und es ist ein Muskelfaserriss bestätigt worden. Damit fällt der Spielmacher voraussichtlich drei Wochen aus. Ob es für ihn noch zu einem Einsatz in der Hinrunde reichen wird, ist fraglich, aber noch nicht komplett ausgeschlossen.
Aber damit nicht genug der Hiobsbotschaften: Auch Heung Min Son wird gegen Schalke nicht dabei sein. Der Südkoreaner zog sich im Spiel in Düsseldorf eine Zerrung im rechten Oberschenkel zu und steht Thorsten Fink ebenfalls nicht zur Verfügung. Zum Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Sonntag (02.12.12, Anstoß: 17.30 Uhr) könnte “Sonny” aber wieder dabei sein.
Und dann das noch: Auch mit Tomás Rincón meinte es Fortuna nicht gut. Dem Venezolaner riss eine Beugesehne im rechten Ringfinger. Gegen Schalke 04 wird der kampfstarke Mittelfeldspieler deshalb mit einer Spezialschiene auflaufen. Danach muss er allerdings operiert werden, teilte die medizinische Abteilung mit. Ob und wie lange Rincón danach ausfallen wird, hängt von den Möglichkeiten ab, auch nach der Operation eine Schiene zu tragen.
Neben Rincón muss auch Gojko Kacar operiert werden. Den Mittelfeldspieler wird ein knöcherndes Gewebestück im Knöchel entfernt, das sich nach seinem operierten Knöchelbruch im April gebildet hat und ihm in den vergangenen Wochen immer wieder Schmerzen bereitete. Diese sind nun so stark geworden, dass eine Operation unumgänglich ist. Kacar wird danach voraussichtlich drei Wochen pausieren müssen, bevor er wieder ins Training einsteigen kann.
Das war die personelle Ergänzung.
Nun aber wieder zurück zum Schalke-Spiel am Dienstag: Mit Tolgay Arslan spielt ein ehemaliger Dortmunder gegen die Knappen. Die Rivalität ist bekannt. Er sagt: „Es ist immer noch etwas Besonders, gegen Schalke zu spielen – das habe ich schon in der Jugend gemerkt. Das waren immer heiße Spiele.“ Und was gibt es am Dienstag, wenn der ersatzgeschwächte HSV gegen Gelsenkirchen spielt? „Wir müssen direkt zeigen, dass wir die Heimmannschaft sind, müssen direkt Pressing spielen, müssen Schalke unter Druck setzen. Die haben die englische Woche gehabt, das müssen wir ausnutzen – wir müssen mit Power zur Sache gehen.“
Ach, wenn’s doch wahr wäre . . .
Denn eines darf nicht passieren, dass der HSV noch einmal einen solchen erschreckenden Auftritt wie in Düsseldorf abliefert. Zu diesen 90 Minuten hatte Thorsten Fink ja gesagt: „Wir haben gedacht, dass wir mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen können. Das war ein Irrtum. Wir müssen viel mehr und härter arbeiten.“ Und: „Wenn du nur 60, 70 Prozent von dem bringst, was du kannst, reicht das nicht. Wir haben gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.“
Also: Ärmel aufkrempeln, zur Sache gehen, zur Sache gehen wollen – und los! Endlich mal wieder mit Herz Fußball spielen. Und mit Spaß und Lust.
Was ich noch zu dieser 0:2-Pleite sagen möchte: Das Beste an diesem erschütternden Auftritt von Düsseldorf war der Klartext, der von Kapitän Heiko Westermann („So geht es gar nicht, so kann man nicht auftreten“) gesprochen wurde. Hoffentlich hat er es nicht nur in Fernsehkameras gesagt, sondern auch in die Gesichter der Kollegen. Das wäre dringend vonnöten. Damit auch jedem mal die Augen geöffnet werden. Endlich mal. Denn man kann ja (mal) schlecht spielen, aber man darf dabei eines nicht vergessen: Kampfgeist! Kämpfen geht immer. Oder sollte immer gehen. Beim HSV sehe ich dieses Zerreißen, diese Leidenschaft, dieses Herz eben nur selten. Und wenn ich sehe, wie sich alle anderen Mannschaften, meistens die Außenseiter (nicht nur in der Ersten Liga!), von der ersten Minute an wehren und sich den Hintern aufreißen, dann muss eindeutig festgestellt werden: Da fehlt etwas beim HSV!
Zu diesem Dilemma gab es heute einen viel beachteten Bericht von „pietkunz“, der hier schon oft gelobt wurde. Da ich weiß, dass nur ein Bruchteil der Blogleser diese Kommentare auch liest, dieser aber lesenswert ist, stelle ich ihn hier nun in ganzer Länge (und er ist sehr lang!) hinein. Im ersten Absatz, das sage ich nur mal zur „Früherkennung”, werde ich mit meinem Bericht vom Sonnabend zitiert. Danach dann „pietzkunz“ – im Original und unverändert (von mir):
Auch ich bin bedient. Restlos. Mal wieder. Weil Fußball doch eigentlich ganz anders geht, als ihn der HSV zu interpretieren versucht. Nur wer sagt es den hochgezüchteten „Stars“, die ja leider von allen Seiten immer nur in Watte gepackt werden?
Keine Ahnung, ob unsere Stars immer nur in Watte oder überhaupt gepackt werden.
Entscheidend ist ja, ob sie denn auch in griffige Zielvorgaben und ein Anforderungsprofil gepackt werden und dies verinnerlichen…
Insofern habe ich das eigentlich mal als sehr wohltuend empfunden, dass Trainer Fink aus den drei Spielen allerdeutlichst 7 Punkte eingefordert hat!
Aber wie reagiert Fink nun auf die verkorkste Umsetzung, die in der Düsseldorf-Partie meiner Ansicht nach insbesondere den technischen Schwächen bei der Ballbehauptung, den Pässen und Flanken sowie einmal mehr der mangelnden Bereitschaft, nachzusetzen, sich freizulaufen, auch mal über mehr als 70 min Gas zu geben und sich gegen eine Niederlage zu stemmen geschuldet waren…?
Hat Fink allein die Autorität und den Respekt bei den Spielern, sie zu Leistungssteigerungen und Konstanz zu führen – oder will er hier wie seine Vorgänger in absehbarer Zeit “verschlissen” und abgefunden werden?
Es haben in der Hinsicht schon Eiches Berichte aus dem Trainingslager, wonach die Spieler ihrem Trainer kaum zuhören, Zweifel aufkommen lassen…
Und was ist denn mit dem Thema Son, der im rechten OM jedes Mal taktisch überfordert ist, aber trotz seiner Torjägerqualtitäten ja eh nie im Sturm eingesetzt wird – hat er wirklich eine vertraglich zugesicherte Einsatzgarantie…?? Dazu wäre allmählich eine öffentliche Stellungnahme seitens des Vereins erforderlich – solange solche Gerüchte kursieren und Son ohnehin Überheblichkeit nachgesagt wird, dürfte sich das angesichts Son`s fortlaufender Stümperei fatal auf die Team-Motivation auswirken… Schließlich besetzt er ständig die Ideal-Position von Beister – der als Rechtsfuß auf dem linken Flügel überhaupt nicht zurecht kommt und merklich angefressen ist, während sich ganz Hamburg über mangelnde Flanken wundert…
Und was ist mit Badelj, der erschreckend schwach spielt? Badelj war in Zagreb Kapitän, Leader, Spielgestalter und hat seinen (Ex-)Verein mit auch mit Freistoßtoren in die CL geballert…
Badelj vernüggert auf der 6er-Position von Spiel zu Spiel – ist mittlerweile ohne Selbstvertrauen… Warum wurde ein erfahrener, technisch beschlagener 8er wie Badelj nach der VdV-Auswechslung nicht als Spielmacher vorgeschoben statt des jungen Arslan, der auf der 6er Position mit seinem Elan und Biss doch bestens klarkommt…!?
Und es ehrt einen Klumpfuß wie Westermann, dass er dank Bergs dämlicher Catching-Einlage einen Freistoß in die Machen donnern durfte – aber warum ist Badelj bei so einer Freistoßposition außen vor…??
Mich wundert nicht, warum Badelj nur noch wie enteiert herumtrabt und in der eigenen Hälfte haarsträubende Fehlpässe fabriziert…
Und überhaupt Westermann – niemand hätte sich hintergangen fühlen brauchen, wenn hier ein van der Vaart sogleich zum Kapitän ernannt worden wäre – das hätte insbesondere Westermann gut getan, der sich dann viel mehr auf sich selbst hätte konzentrieren können… Er hat einfach nicht die Ausstrahlung eines Führungsspielers – aber kaum ist vdV vom Platz, nimmt Westermann mehr schlecht als recht alles wieder selbst in die Hand – von Spielgestalter über Freistoßschütze bis Stürmer – der Harmonie und Struktur im Team tut das alles andere als gut… Und niemand da, der ihn da mal bremst und eine frische Struktur fördert…
Das Sagen haben weiterhin Westermann und Aogo – was dabei herauskommt, wenn die vor`m Spiel ihre aufgesetzen Schlachtparolen in die Mikros heucheln, erleben wir hier jetzt schon seit Jahren…
Tja, wer sagt den “Stars” es nun, um noch mal auf Dieter´s Frage zurückzukommen…
Mir haben ja die Hinweise von Ju aus Qu zu Denken gegeben, wonach es bei einigen Spielern an der nötigen Berufsauffassung mangeln soll…
Mich haben die Kommentare von Lars49 einmal mehr sehr bewegt!
Der Verein zehrt inzwischen nur noch von seiner Tradition, seiner glorreichen Vergangenheit und seinem Kult – jeder im Verein, ob Vorständler, AR, Spieler oder Mitglied, hält sich hier sogleich für was Großes und 7-fachen Meister, Europacupsieger und Bundesliga-Dino… Energien werden nur noch für Eitelkeit, Macht, Traditionserhalt, Mitgliederbasis und Fankultur investiert – die Träume von einem zweiten Traditionsmodell Barcelona weichen modernen sportwirtschaftlichen Innovationen und entsprechenden Strukturveränderungen, ohne sachliche Realisierung, dass Vorbild Barca eine unerreichbare Ausnahmeerscheinung mit weltweiter Vermarktung, aber dennoch hoch verschuldet und im Grunde ein Auslaufmodell ist…
Und bei all der Träumerei verpasst man es beim HSV, professionelle Grundlagen zu schaffen, eine Strategielinie vorzugeben, neue Ziele schrittweise zu fixieren und den Leistungsdruck zu erhöhen… Visionen werden nur vernebelt vorgegeben und ohne klares Konzept und (entsprechend der Basis-Herkunft) überwiegend amateurhaft, kaum fachgerecht angegangen…
Es wirkt sich fatal aus, dass in diesem Wahn nach traditioneller Basisorientierung weder fremde Fachkräfte, Investoren oder Mitgesellschafter in den Entscheidungsprozessen zugelassen noch von außen jegliche wirtschaftliche Beratung angenommen wird. Frei nach dem Motto “wir brauchen keine Drittbeteiligungen und keine Stars mehr kaufen, bauen unseren Campus mit Fan-Anleihen selbst – und alles wird gut”…
Und ich finde es einfach absurd und bezeichnend für die Unprofessionalität unserer Vereinsführung, dass der Run auf diese Fan-Anleihen, die inzwischen einen hoch zu verzinsenden Schuldenberg von 17,5 Millionen zu Lasten des HSV angehäuft haben, auch noch bejubelt wird – während anderswo die Hannover 96 GmbH unter kapitalgesellschaftlicher Beteiligung von Rossmann, Street One u.a. ein 30-Mio-Nachwuchsleistungszentrum hinzimmert oder sich die FC Bayern AG über einen Umsatzgewinn von 11,1 Mio erfreut…
Bei uns zieht sich die Führungsschwäche wie ein roter Faden durch alle Ebenen – ein Jarchow ruft mit seinem letzten Laut Platz 11 – 15 als Saisonziel aus – entsprechend tritt die Mannschaft auch auf…
Ein Hilke präsentiert uns nun schon seit fast zwei Jahren diese beiden südkoreanischen Kleinsponsoren als sein Lebenswerk und stammelt bei der Präsentation des Campus ebenso verunsichert rum wie bei “Matz ab live”, wenn Dieter ihn nach den Finanzen fragt…
Ein Scheel ist im Vorstand völlig unnütz und beschert dem HSV mit seinen Ziehsöhnen Bednarik und Liebnau nur noch Schaden – und wenn schon im Verein niemand da ist, der selbst die Spieler mal hart anpackt und fordert, so schafft es beim HSV auch erst recht keiner, endlich mal die Hardcore-Supporters maßzuregeln und Ultras zu disziplinieren mit ihrem Pyro-Spielkram, der eine Menschengefährdung und saftige DFB-Geldstrafe nach der anderen nach sich zieht. Dann sollte man solche Funktionäre, die sich Sicherheitskonzepten widersetzen und lieber stur dem Fankult alle Freiheiten gewähren wollen, auch einmal wegen Unterlassung oder gar Anstiftung und Beihilfe strafrechtlich belangen.
Über unseren AR braucht man kaum noch Worte verlieren – dass Otto, Kraran und Debatin mit geballten Fäusten in der Tasche die Flucht ergreifen und die nächsten SC-Kandidaten schon mit den Hufen scharren, sagt alles über den Zustand des HSV…
Dann ist da noch Arnesen – einst hoffnungsvoll als “Messias” empfangen, inzwischen als Feindbild bestimmter SC-gesinnter Funktionäre verkommen und nur noch mit einem entsprechend enteierten Auftreten wahrnehmbar – und keine Hinweise vorhanden, dass er unseren leistungsverweigernden Spielern mal weniger lachs und smart grinsend gegenübertritt als den Kameras, auch keine Anhaltspunkte, dass er sich mit seinem Stab inzwischen mal besser im deutschen Fußballmarkt auskennen oder wenigstens unsere Ladenhüter an den Mann bringen würde…
Wer also sollte beim HSV mal auf den Tisch hauen, wenn`s nicht läuft – niemand… Und schlimmer noch – es kommt hier auch gar nicht erst jemand auf die Idee…
Dasselbe Bild zeichnet sich übrigens im Nachwuchsbereich ab, wo unsere Führung mit der Erennung solcher Schlafmützen wie Reinhardt und Schröder zu dessen Leitern und der Installation halb-ausgebildeter Trainer die Illusion der eigenen Aufzucht mit einem Schlag wieder zunichte gemacht hat, was sich an der verheerenden Niederlagenserie des HSVII und den Absturz auf den Relegationsplatz zu Liga 5 mehr als hinreichend bemerkbar macht… Aber wer gönnt sich schon den Luxus eines Campus für Fünftklässler…
Und warum nun ausgerechnet ein introvertierter biederer Handwerker wie Jarolim, noch behaftet mit all der Mehltau-Tristesse der vergangenen Jahre, in die Trainingsarbeit beim Nachwuchs eingebunden werden soll, erschließt sich mir nicht – aber Hauptsache einer mit Stallgeruch und Arni hat mal wieder ne “fantastische” Idee…
Tja, wer sagt es den “Stars” nun…
Mein Vorschlag – es muss sich endlich eine starke Opposition zu den Supporters entwickeln – warum sich das im großen Hamburg bisher nicht ergeben hat, finde ich merkwürdig…
Der AR muss mit selbstlosen Profis besetzt werden aus Wirtschaft und Bundesliga – die Satzung umändern und endlich die Ausgliederung der Profiabteilung vorantreiben – mit starken, wirtschaftlichen Führungskräften und modernen Visionen und einer leistungsorientierten Philosophie, die endlich auch mal auf die Spieler ausgestrahlt und übertragen wird – ein Klacks, solche im Bereich HH anzuheuern…
Und kein SCer bräuchte angesichts der deutschen 50+1-Regelung Angst um den Erhalt seines Traditionsvereins haben… Aber der HSV mit seinen Ambitionen wäre langfristig nur noch in kapitalgesellschaftlicher Form wettbewerbsfähig – in Hamburg fänden sich mit Kußhand hochkarätige Unternehmensbeteiligungen, die zum einen Hoeneß und Watzke vor Neid erblassen lassen würden, zum anderen wirtschaftliche Risiken mittragen, aber vielmehr Investitionen in die Kasse mit den drei Rostigen spulen, die sich gewaschen haben… Und dann wären auch solche ruinösen Fan-Anleihen bald Geschichte…
Und hier noch mal ein NDR-Zitat zur Lage beim VfL Osnabrück, an dem sich der HSV (wenn auch finanziell nicht so angeschlagen) auch mal messen kann… Die kleinen Vereine machen es schon vor!
„Sie können wirtschaftlich tragfähige und weitreichende Entscheidungen nicht mehr auf emotionalisierten Mitgliederversammlungen mit Hunderten von Mitgliedern entscheiden. Sie brauchen kleine, effiziente Gremien mit Menschen, die etwas von Fußball verstehen, aber auch etwas von Finanzen”, erklärte Fritz Brickwedde, Fraktionschef der Osnabrücker CDU, dem NDR Sportclub: “Wenn wir Geld in Richtung VfL geben, dann muss das unter Strukturen erfolgen, bei denen wir die Sicherheit haben, dass das nachhaltige Lösungen sind.”
PS: Morgen, am Montag, findet das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Ein Leben ohne den HSV ist für Dieter Matz nicht denkbar. Seit über 30 Jahren begleitet er als Abendblatt-Redakteur den HSV, und auch national ist er ein anerkannter Fußball-Fachmann. mehr
Es ist vollbracht. Das letzte Gewinnspiel von „Matz ab“ ist gelaufen, die Gewinner ermittelt. Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern, nicht nur an die Glücklichen des Leverkusen-Spiels. Ich bedanke mich bei euch für die stets rege Teilnahme an diesem Spielchen, es hat mir Spaß gebracht – und euch hoffentlich auch. Selbst wenn es gelegentlich zu schwer gewesen sein sollte.
Was bleibt noch? Die Aufklärung der letzten beiden (Leverkusen-)Aufgaben:
Frage eins:
Wie viele Tore schoss Kevin Keegan einst in der Bundesliga gegen Leverkusen? Die Antwort: keines.
Frage zwei:
Welchem HSV-Profi gelang als erstem Hamburger ein Doppelpack in einem Bundesliga-Spiel gegen Leverkusen? Die Antwort: William „Jimmy“ Hartwig.
Gewonnen haben diesmal gleich drei HSV-Fans. Das Trikot von Sören Bertram ging nach Kiel, dort wohnt Stephan Griem. Das Trikot von Zhi Gin Lam ging nach 31535 Neustadt, dort wohnt Simone Schmidt-Stach. Und die beiden Eintrittskarten für das Leverkusen-Spiel gehen nach Braunschweig, dort wohnt HSV-Anhänger Robert Dykowski.
Nochmals vielen Dank an alle „Matz-abber“ für’s Mitmachen.