Archiv für das Tag 'Jarolim'

Beiersdorfer freut sich auf den FC Bayern – Gregoritsch soll der erste Neue werden

26. Juni 2015

Kaum zu fassen! Der HSV hat die alte Bundesliga-Saison abgeschlossen mit dem Relegations-Krimi in Karlsruhe – und der HSV eröffnet gleich das neue Spieljahr mit dem ersten Auftritt beim FC Bayern. Was haben sich die Spielplangestalter der DFL dabei bloß gedacht? Wahrscheinlich ist ein Eröffnungsspiel noch nie unter solch klaren Vorzeichen gestartet worden. Das schreibe ich zwar jetzt hier knapp zwei Monate vor dem Anpfiff, aber an der Kostellation wird sich nicht nennenswert etwas ändern.

Nun gut, dann hat man’s eben hinter sich, mögen die einen sagen. Von Anfang an wieder unten drin, sagen die anderen. In jedem Fall kommt es für den HSV insgesamt knüppeldick. Nach dem ersten Heimspiel eine Woche später gegen den VfB Stuttgart folgen zwei Auswärtspartien – in Köln und in Mönchengladbach.

HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer war heute bei der Scheckübergabe der Einnahmen aus dem David-Jarolim-Abschiedsspiel im UKE. 35.000 Euro sind dabei für die Fördergemeinschaft Kinderkrebszentrum Hamburg e.V. zusammen gekommen. Die eigentliche Summe war etwas niedriger, aber „Jaro“ selbst und „Didi“ haben den Betrag nach oben aufgerundet. Tolle Sache. „Ich hatte einfach diese Beziehung zu der Kinderkrebsstation“, berichtete Jarolim nach vielen Besuchen, die er dorthin auch mit der gesamten HSV-Mannschaft gemacht hat. „Hier wird jeder Euro gebraucht – und am Ende haben wir eine schöne Summe zusammen bekommen. Ich möchte mich auch noch einmal ganz herzlich bei allen Fans bedanken, die das durch ihren Besuch bei meinem Abschiedsspiel möglich gemacht haben. Ich bin darüber sehr glücklich.“

Zum Fußball.

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van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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Jarolim betet für den HSV: “Wir packen das!”

31. Mai 2015

Mit 19 Spielern reiste der HSV heute Abend nach Karlsruhe. Für den Fall, dass doch noch einer ausfällt, nachdem zuletzt Petr Jiracek (Knie), Ivica Olic (Rücken). Pierre Michel Lasogga (irgendwie alles ein bisschen) und Ivo Ilicevic (Adduktoren) angeschlagen waren und heute im Abschlusstraining mitwirken konnten. Daumen hoch hieß es anschließend bei Ilicevic, der zwar vorzeitig in die Kabine ging – allerdings aus reiner Vorsicht. Ebenso bei Olic, der zunächst als 50:50-Kandidat galt, jetzt aber grünes Licht gab. „Das ist super. Ivi ist mit seiner Art immer einer, der entscheiden kann“, freut sich auch Ivica-Freund und Ex-HSVer David Jarolim aus der Ferne, ehe er entscheidend einschränkt: „Wenn er fit ist.“

Denn das war der Kroate zuletzt nicht. Gegen Karlsruhe im Hinspiel sah man ihm an, dass ihn die Rückenbeschwerden in der Beweglichkeit einschränkten. „Aber selbst wenn er nicht von Beginn an spielt, ist er einer, der bei einer Führung zum Beispiel als einzige Spitze die Abwehr des Gegners so beschäftigt, dass das wiederum die eigene Defensive entlastet. Kein Gegner kann ruhig das eigene Spiel aufbauen, wenn gegenüber so ein Ivi rumläuft.“ Telefoniert habe Jarolim mit seinem Kumpel extra nicht. „Ich habe mit Drobny gesprochen – aber auch nur vor dem ersten Relegationsspiel. Danach sollen sich alle voll auf die Relegationsspiele konzentrieren.“

 

Ob er das Hinspiel gesehen hat? „Ja, aber nur am TV, da ich mich parallel noch auf meine Aufnahmeprüfung zum Fußballlehrer vorbereiten muss. Ich hatte aber meinen Vater und meinen Bruder vor Ort – und wir haben seeeehr viel telefoniert.“ Weil sie so erschrocken waren? „So ungefähr. Mein Vater hatte den HSV länger nicht gesehen und war erstaunt über die vorsichtige Spielweise“, so Jarolim junior. Wie er selbst das Spiel gesehen hat? „Das Ergebnis ist völlig okay – weil es besser als das Spiel war. Und es bedeutet, dass du auswärts einen Treffer erzielen musst. Genau das hättest Du aber auch machen müssen, wenn Du im Hinspiel 0:0 gespielt hättest.“

 

Und obwohl Jarolim anzumerken ist, dass er enttäuscht war vom Hinspiel, kommt in dem Mittelfeldspieler sofort der HSV-Kapitän durch, der er einst mal war. „Relegation ist mächtig Druck, da geht fast alles über die mentale Stärke. Und ich bin mir sicher: Karlsruhe wird im Rückspiel mehr machen als in Hamburg. Sie werden uns mehr Räume bieten, weil sie zu Hause spielen und ihre große Chance wittern. Und wenn wir es schaffen, die Mischung aus defensiver Stabilität und schnellem Umschalten hinzubekommen – dann packen wir es.“ Wir wohlgemerkt. Wie der HSV aber mit dem vorhandenen Personal schnell umschalten soll, weiß auch Jarolim nicht wirklich. Stattdessen konstruiert er sich selbst ein wenig Hoffnung: „Mit Diekmeier kommt ein schneller Mann wieder rein, der nach vorn Dampf machen kann. Zusammen mit Ivo Ilicevic, den ich im Hinspiel übrigens echt gut fand.“

 

Am Montagmorgen wird Jarolim in ein Kloster gehen und für den HSV beten. Und das, obgleich er gar nicht besonders gläubig ist. Aber wenn er schon nicht selbst als Glücksbringer vor Ort sein könne – dann wolle er zumindest im Geiste dabei sein. „Ich mache alles für dieses eine Spiel. Es ist ein richtiges Finale. Ein Spiel, in dem wirklich alles scheißegal ist – außer der Sieg.“ Auch die Aufstellung?

David Jarolim Fussball Abschiedsspiel David Jarolim, HSV All-Stars - Jarolim Dream-Team

David Jarolim
setzt auf seinen HSV: “E wird schwer – aber wir schaffen es!”

Heute im Training agierte die A-Elf mit Diaz und van der Vaart zentral-defensiv, während davor Ilicevic, Holtby und Stieber agierten. „Warum eigentlich Jiracek oder van der Vaart? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass van der Vaart neben Jiracek eine sehr gute Alternative wäre“, so Jarolim, der seinen Landsmann betreffend hinzufügt: „Petr muss natürlich fit sein – aber dann ist er eine echte Variante. Petr hat in seiner Karriere schon genug schwere Spiele gespielt und kennt den Druck. Und er hat Biss. Petr will immer, der kann einfach nicht verlieren. Und diese Mentalität muss morgen von der ersten Sekunde an zu sehen sein. Und das vor allem auch bis zur letzten Sekunde. Wir müssen morgen ackern, was der Körper hergibt. Danach ist genug Zeit für alle, um auszuruhen.“ Außer für die Nationalspieler, die zu ihren Teams fliegen müssen – sage ich und bekomme sofort die Quittung: „Aber auch das darf nichts zählen. Gar nichts!“, raunzt mich Jarolim an. Wobei – inhaltlich hat er Recht. Daher belasse ich es dabei. Zu einem Ergebnis-Tipp wollte sich Jaro dann auch nicht hinreißen lassen. Außer, dass der HSV die Klasse hält. „Scheiß drauf wie – aber das klappt!“

 

Na dann, ich vertrete ja auch die Meinung, dass der HSV es erneut knapp schafft, und dass erneut am Ende niemand weiß, warum er es geschafft hat. Alles andere macht auch keinen Spaß…

 

Apropos, den Spaß hatte die Mannschaft heute im Training – aber sie wich schnell der Anspannung. Labbadia versammelte die Mannschaft um sich herum und hielt eine längere Ansprache. Zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Trainings wurde viel gesprochen. Und wer sich die Bilder ansieht, wie die 19 Mann (Adler, Brunst, Beister, Cleber, Diaz, Diekmeier, Djourou, Gouaida, Holtby, Ilicevic, Jiracek, Lasogga, Marcos, Müller, Olic, Ostrzolek, Rajkovic, Stieber, van der Vaart) am Flughafen eincheckt, der kann erkennen, dass die Spieler die Bedeutung des Rückspiels schon spüren. „Egal wie lange man dabei ist“, so Jarolim, „in so einem Spiel produziert dein Körper Adrenalin ohne Ende. Da merkst du den einen oder anderen Schmerz nicht – da kannst du laufen ohne Ende. Oder aber du kommst nicht ins Spiel und verkrampfst immer mehr. Und ich kann mir vorstellen, dass der KSC das erste Mal den Druck spürt, so nah dran zu sein und doch noch alles verspielen zu können. Sie waren so kurz vor dem 2:0 im Hinspiel, hätten gewinnen können und es damit schon fast entschieden. Und dennoch haben sie es nicht geschafft. Sie haben sogar noch das 1:1 kassiert. Wie schon in der Saison, wo man auch direkt hätte hochgehen können. Insofern haben wir vielleicht sogar einen kleinen Vorteil mit den erfahrenen Spielern im Team. Aber dieser Vorteil zahlt sich nur aus, wenn wir ihn uns mit 110, nein: mit 150 Prozent Einsatz erarbeiten und von Beginn an allen klarmachen, dass da eine andere Mannschaft als im Hinspiel auf dem Platz steht.“ Zumindest personell wird es auf jeden Fall so kommen müssen nach den Sperren für Westermann und Kacar, die zwar mitgeflogen sind – aber fast noch mehr leiden als die einsetzbaren Spieler. Kacar zu meinen Kollegen der Mopo: „Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll.“

Dabei ist die Antwort genauso simpel wie schwer umzusetzen: Mit einem Sieg oder einem Sieg oder einem höheren Remis als 1:1.

 

In diesem Sinne, bis morgen. ich muss zugeben, dass sich meine Müdigkeit in eine gewisse Anspannung gewandelt hat. Aber das war in der letzten Saison auch so. Damals hatte ich allerdings ein deutlich schlechteres Gefühl als heute. Das habe ich auch Jaro gesagt und den zweiten Raunzer abgekommen: „Gefühle sind schön“, Jarolim, „aber nur zu Hause. Okay, cool kann eigentlich keiner bleiben. Nicht mal ich aus der Entfernung. Ich habe schon im Hinspiel gezittert, wie als Spieler nie. Als Spieler konnte ich die Anspannung meistens sehr gut in positive Energie umwandeln. Und glaub mir, das geht unseren Jungs morgen nicht anders. Morgen ist der größere Wille allein entscheidend. Und ich weiß, dass Bruno Labbadia allen Spielern genau das mehr als deutlich machen wird.“ Jarolims Erfolgsformel: „Ich glaube, dass wir körperlich auch im Hinspiel am Ende etwas mehr zuzulegen hatten. Wenn wir das diesmal gleich von Beginn an zeigen, Labbadia die richtigen Worte findet und mein Gebet greift – dann klappt das!“

 

Na dann, mir ist es mehr als recht. Mir ist tatsächlich alles recht, was legal ist und zum Klassenerhalt reicht. In diesem Sinne. Bis morgen!

 

(Ein deutlich angespannter) Scholle

 

P.S.: Für das morgige Matz ab live nach dem Spiel haben wir uns einen Gast eingeladen, der schon mal an entscheidender Stelle als Glücksbringer fungierte. Insofern haben auch wir unsere Hausaufgaben erledigt…

P.P.S.: Die “Chosen few” haben sich heute offiziell als Gruppierung aufgelöst. Einen Tag vor dem wichtigen Relegationsspiel. Und so sehr ich ihr Engagement auch loben könnte – der Zeitpunkt der Bekanntmachung hätte dümmer nicht gewählt werden können. Schade – im doppelten Sinne…

Jarolim: “Wir holen noch elf Punkte!”

21. April 2015

Die Ruhetage beim HSV sind für mich zuletzt eher quälend gewesen. Nicht, weil ich kein Training beobachten und mit dem Trainer etc. sprechen kann. Nein, irgendwie habe ich zurzeit das Gefühl, dass dieser freie Tag anders genutzt werden könnte. So wie heute, um ehrlich zu sein. Denn heute waren einige Profis trotz ihres freien Tages richtig fleißig. Marcelo Diaz beispielsweise absolvierte erneut eine individuelle Einheit und soll nach Möglichkeit noch in dieser Woche wieder ins Training einsteigen. Noch etwas schneller war Dennis Diekmeier unterwegs. Der Rechtsverteidiger absolvierte schon intensive Läufe. Dennoch soll sich der Rechtsverteidiger mit seinem Comeback noch etwas gedulden. Sein Einsatz gegen Augsburg ist eher unwahrscheinlich. Ausfallen wird sicher Cléber Reis (Kapselriss). Und um derartigen Verletzungen vorzubeugen absolvierten René Adler, Valon Behrami und Rafael van der Vaart am trainingsfreien Dienstag ein leichtes regeneratives Programm im provisorischen Trainingszentrum. Nicht dabei war Pierre Michel Lasogga, obgleich ihm Trainer Bruno Labbadia zuletzt noch etwas fehlende Praxis attestiert hatte. Schade eigentlich – den Stürmer mit Nachholbedarf hätte ich am ehesten erwartet…

Apropos Labbadia, wenn es in diesen Tagen irgendeinen Funken Hoffnung gibt, dann ist er dafür verantwortlich. „Bruno Labbadia ist definitiv einer meiner Toptrainer gewesen“, erinnert sich der ehemalige HSV-Vorzeigeprofi David Jarolim an die Saison 2009/2010 zurück. „Seitdem Bruno Labbadia wieder da ist, habe ich tatsächlich ein viel besseres Gefühl“, so der einstige HSV-Kapitän, der weiterhin auf Nichtabstieg setzt. „Gegen Augsburg gewinnt der HSV am Sonnabend 1:0“, ist sich Jarolim sicher. Und eigentlich wäre es auch eine sichere Sache, immerhin wollte er am Sonnabend als Glücksbringer live vor Ort sein. Daraus wird aber nicht, da das Ligaspiel seines tschechischen Klubs auf Sonnabend gelegt wurde.

 

„Wenn ich mit meinen Kindern da war, haben wir nie verloren. Und wenn es nach mir ginge, wäre ich die letzten fünf Spiele immer live dabei“, so Jarolim, der trotz seiner Abwesenheit auf elf Punkte aus den verbliebenen fünf Partien tippt. Nach dem Sieg gegen Augsburg gibt’s ein 1:1 gegen Mainz, einen 2:1-Sieg gegen Freiburg, ein 1:1 in Stuttgart und ein 1:0-Sieg am letzten Spieltag in der Imtech-Arena gegen Schalke. „Super, oder?“, lacht Jarolim. Allerdings ohne die Tipps zu revidieren, wie er ausdrücklich wiederholt.

schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia - hier in der Saison 2009/2010

Schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia – hier in der Saison 2009/2010

Auch Jarolim hält große Stücke auf Labbadia. „Unter ihm hatten wir am Anfang einen tierischen Lauf, haben den besten Fußball seit langer Zeit gespielt und haben am Ende trotz der vielen verletzten Spieler und der schwierigen Umstände ohne echt gesunden Stürmer noch das Halbfinale in der Europa League erreicht. Dass der Trainer trotzdem gehen musste, lag dann an Dingen drumherum, die nicht normal waren.“

 

Unter anderem auch daran, dass es sich Labbadia mit dem einen oder anderen großen Namen (u.a. Zé Roberto, van Nistelrooy, Petric) in der Mannschaft verscherzt hatte. Und das, weil er das Leistungsprinzip gnadenlos angesetzt hatte. Namen zählten nicht. Und ich für meinen Teil weiß noch, dass einer der Stammspieler Labbadia mir gegenüber zu seinem bis dahin besten Trainer gekürt hatte. Bis er nach einer Verletzung nicht automatisch wieder ins Team rückte. Plötzlich hatte Labbadia seiner Aussage nach „keine Ahnung“ mehr – was mir ehrlich gesagt gefiel. Dennoch musste Labbadia am Ende nach einer außergewöhnlich fragwürdigen Niederlage in Hoffenheim gehen.

 

„Dass er zurück ist, ist richtig und gut“, lobt Jarolim die Entscheidung des Vorstandes. Sie sei zwar etwas spät gefallen – aber sie sei wichtig. „Er gibt mir ein besseres Gefühl und ich weiß noch, dass bei ihm jedes Training mit dem bevorstehenden Spiel zu tun hatte. Labbadia hat in der Woche immer genau das trainiert, was er am Wochenende sehen wollte. Er beherrschte es, der Mannschaft Automatismen beizubringen und hatte immer einen Plan.“ Ein Vorbild für den angehenden Trainer? „Von ihm habe ich auf jeden Fall eine ganze Menge mitnehmen können.“ Dennoch, das weiß auch Jarolim, den Rest dieser Saison kann Labbadia nur noch verwalten. „Er hat nicht die Zeit, hier viel Neues einzustudieren. Aber er wird erkennen, wen er gebrauchen kann, wer wirklich will und fit ist.“

 

Dass er will, kann man Pierre Michel Lasogga nicht absprechen. Aber er kann noch nicht so, wie er will und wie es alle erwarten. Auch deshalb lässt Labbadia keine Gelegenheit aus, den Toptorjäger der Vorsaison starkzureden. „Wir brauchen ihn, ganz klar“, sagt Labbadia und Jarolim stimmt zu: „Wenn der HSV den Fußball spielt, der zu Flanken und Pässen in den Sechzehner führt, kann es schnell was werden. Ein Tor, und der Knoten könnte platzen“, sagt Jarolim. „Ich weiß, wie das ist. Plötzlich wird alles, was einen vorher runtergezogen hat, umgekehrt und es läuft. Das kann einen tierischen Lauf geben, das entwickelt eine tolle Dynamik. Und das braucht diese Mannschaft.“

Jarolim, der sich momentan als Seelsorger für seinen Freund Ivica Olic (Jarolim: „Er ist nicht gut drauf, er leidet. Aber er wird am Ende noch sehr wichtig“) verdingt, glaubt tatsächlich an den Nichtabstieg. Und ich will ihm für heute mal folgen. Einen Tag lang mal Hoffnung zwischen vielen Tiefschlägen seitens eines erfahrenen Profis zu erfahren – das tut selbst einer geschundenen Reporterseele mal ganz gut. Daher belasse ich es heute mal damit und sage: Danke Jaro! Auf dass Du Recht behältst…

 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen (Champions-League?)Abend, bis morgen! Da wird um 10 und um 15.30 trainiert.

 

Scholle

Jarolim: “Der Trainer muss gewechselt werden” – kommt Magath?

14. April 2015

Was kann jetzt noch helfen? Oder besser: Wer kann jetzt noch helfen? Auf jeden Fall hat einer bereits ein Zeichen gesetzt und geholfen, wenn auch nicht auf dem Platz: der 55-jährige Helmut Bohnhorst. Der Agrarunternehmer aus Niedersachsen hatte seine Verträge bereits im März unterzeichnet, die ihn einen Betrag von vier Millionen Euro in den HSV investieren lassen. Der Neuaktionär der Fußball-AG im Interview gegenüber “www.hsv.de”: „Natürlich leide ich mit meinem Verein. Aber darum wende ich mich ja nicht automatisch ab. Ich sehe den HSV noch immer im Umbruch. Die sportlichen Tiefschläge sind mitunter schmerzhaft, ja, und die Bundesliga ist stark und gnadenlos. Trotzdem glaube ich fest an die handelnden Personen. Wir brauchen beim HSV inhaltlich starke Aufbauarbeit mit guten Konzepten und Strategien. Ich sehe da mit den handelnden Vorständen die richtigen Personen am Werk. Dass ich genau jetzt meinen Anteilskauf veröffentliche, ist ja auch kein Zufall. Ich möchte ein Zeichen setzen, dass es weiter geht für unseren HSV; dass die Verantwortlichen, die Mannschaft, die Mitarbeiter und alle Fans zusammenstehen müssen.“

Stark. Ganz stark, Herr Bohnhorst!

Nichts anderes fällt mir dazu ein. Vier Millionen Euro für 1,6 Prozent am HSV – der Verein versucht sich weiterhin finanziell neu aufzustellen. In den nächsten Tagen sollen weitere Vertragsabschlüsse mit Sponsoren und Kooperationspartnern bekanntgegeben werden – trotz der sportlichen Talfahrt. Und diese guten Nachrichten in schlechten Tagen kommen kein bisschen zu früh, denn die Liga begibt sich schon in Reichweite, um die besten Talente abzuwerben. Unter anderem ist Borussia Mönchengladbach ernsthaft an einer Verpflichtung von Jonathan Tah interessiert, der noch bis Saisonende an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist. Tah selbst hingegen fiebert seiner Rückkehr zum HSV entgegen, wie er im Interview mit HSVTotal beteuert.

Für Gespräche mit Peter Knäbel, dem Direktor Profifußball (früher Sportchef), dürfte selbst für diese Personalie nur wenig Zeit bleiben. Der Interimstrainer hat genug damit zu tun, seine Mannschaft zu sortieren. Ginge es nach mir, würde Knäbel hier ein Zeichen setzen müssen, wenn der HSV selbst schon nicht bereit ist, auf dem Trainerposten noch einmal eine Veränderung vorzunehmen. Auch Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor schlägt (siehe Video) in diese Kerbe: „Es muss etwas passieren – sowohl innerhalb der Mannschaft als auch auf dem Trainerposten. Wenn der HSV nicht noch einen drastischen Impuls setzen kann, wird es ganz eng. Schlimmer noch: So steigt man ab.“

Der einstige Bundesligakapitän plädiert für eine Suspendierung der Streit-„Brüder“ Johan Djourou und Valon Behrami. „Derartiges Verhalten kann keine Mannschaft im Abstiegskampf gebrauchen. Auf dem Trainingsplatz darf es gern mal krachen – aber nicht in der Halbzeit. Ich hätte beide sofort rausgenommen. Sowas geht nicht. Schon gar nicht von so genannten Führungsspielern. Wenn man hier nicht sanktioniert, läuft es schnell aus dem Ruder.“ Knäbel indes begnadigte beide.

Von einer Schweiz-Connection war die Rede, als sich Knäbel, damals noch als Direktor Profifußball unterwegs, insbesondere auf dem Schweizer Markt um Zugänge bemühte. Innerhalb der Mannschaft gilt der Schweizer Behrami als „von denen da oben“ besonders geschützt. Behrami könne sich sanktionslos Mitarbeitern wie Mannschaftskollegen und Spielern der U23 gegenüber respektlos verhalten. Dass Cléber für einen zweifellosen üblen sportlichen Fehler von Knäbel öffentlich angegriffen wurde, während die beiden Prügel-Brüder ungestraft davonkommen – es mutet zumindest seltsam an.

Auf jeden Fall kommt diese Ungleichbehandlung bei Teilen der Mannschaft alles andere als gut an. Knäbel, der eigentlich keine Probleme mit unpopulären Entscheidungen haben soll und als geradlinig gilt, wirkt auf die Mannschaft inkonsequent. Und Behrami gilt immer mehr als Sonderling. Der Mann mit dem unbändigen Willen und den kaputten Knien isoliert sich zusehends. Apropos: Auch heute trainierte Behrami nicht mit der Mannschaft. Vormittags abgesprochen, sollte er nachmittags auf den Platz, blieb aber in der Kabine und absolvierte stattdessen Individualtraining.

Einer, der dafür wieder dabei ist und helfen will ist Marcell Jansen. Der Linksfuß ist nach ausgestandener Zerrung wieder einsetzbar. „Ich habe einige gute Trainingseinheiten hinter mir und kann spielen“, so der Ex-Nationalspieler. Noch nicht wieder dabei sein wird Dennis Diekmeier. „Ich hatte darauf gehofft, aber es sieht nicht so aus. Der Sonntag käme wahrscheinlich noch zu früh“, so Diekmeier. Für ihn wird voraussichtlich erneut Heiko Westermann die rechte Seite bearbeiten. Und das ist gut. Denn so rückt Slobodan Rajkovic aller Voraussicht nach wieder in die Startelf. Zumindest trainierten die beiden heute bei den Flankenübungen als ein Verteidigerduo.

Rajkovic gilt als ebenso limitierter Fußballer wie großartiger Zweikämpfer und Mannschaftsspieler und ist für mich zumindest ein erster neuer Ansatz, ein klitzekleines Fünkchen neue Hoffnung, von der bei Weltmeister Franz Beckenbauer nichts mehr übrig ist. Sagt er selbst: „Ich sehe keinen Punkt, der Hoffnung macht“, so der Ex-HSV-Profi und bekennender HSV-Freund. „Wenn ich mir den HSV jetzt anschaue, dann sehe ich überhaupt keine Anhaltspunkte, wie diese Mannschaft in der Liga bleiben kann.“ Noch etwas deutlicher wird der wahrscheinlich loyalste HSV-Spieler der letzten 15 Jahre: David Jarolim. Der Tscheche, der bei Bedarf auch Klartext spricht, dabei aber nie irgendeinen Spieler oder Verantwortlichen persönlich angreift, wird deutlich: „Ich bin der Letzte, der öffentlich was sagen will. Aber das, was gerade passiert, ist unverantwortlich“, so Jarolim, der mit Mlada Boleslav nach einem 5:3-Heimsieg heute gerade ins tschechische Pokalhalbfinale eingezogen ist. Richtig freuen wollte er sich dennoch nicht. „Ich habe immer wieder Kontakt zu Spielern, und ich bin traurig. Es stimmt so vieles scheinbar nicht. In der Kabine ist es offenbar schwer, drumherum ist viel passiert. Aber da jetzt alles so zu lassen, wie es gerade ist, wäre falsch. Dann steigst du ab. Der HSV muss jetzt noch mal was ändern. Noch vor dem Derby am Sonntag in Bremen am besten.“

Jarolim schließt sich dem Gros der deutschen Fußballexperten an. Auch der jüngst vom HSV verabschiedete Ex-Kapitän plädiert für einen erneuten Trainerwechsel. „Das ist keine leichte Entscheidung, so eine Entscheidung zurückzunehmen oder zu korrigieren. Aber es ist in meinen Augen die einzig richtige und vor allem die deutlich mutigere Entscheidung, als einfach wegzusehen, so weiterzumachen und zu hoffen, dass es irgendwie doch noch klappt. Jarolim: „Mit einem neuen Coach könnte noch mal ein entscheidender Ruck durch die Mannschaft gehen.“ Ähnliche Worte, wie von Schnoor, Hitzfeld, Beckenbauer und Co.

Und Worte, die bei Beiersdorfer ankommen. Noch ignoriert er sie offiziell nach außen, aber intern macht sich der Vorstandsboss zweifellos seine Gedanken. In einem Gespräch mit Sponsoren holte sich Beiersdorfer jetzt deren Meinungen ein. Trainer wechseln oder nicht? Die Mehrheit der kleinen Runde plädierte für einen erneuten Wechsel – und hatte auch gleich einen passenden Kandidaten parat: Felix Magath. Beiersdorfer registrierte das Votum – reagierte aber nicht. Zumindest nicht selbst. Statt seiner rief einer der Sponsoren bei Magath an und erkundigte sich nach dessen Bereitschaft. Mit einem positiven Feedback. So soll Magath angeboten haben, bis Saisonende umsonst zu kommen, wenn er im Erfolgsfall einen Anschlussvertrag erhält. Warum nicht Beiersdorfer selbst anrief? Ganz einfach – und in der angespannten Situation auch richtig: Um Knäbel nicht zusätzlich zu schwächen. Denn so bleibt immer die Möglichkeit, ohne zu lügen sagen zu können, dass es nicht der HSV war, der Magath kontaktiert hat. Und dennoch weiß man, ob Magath dabei wäre oder nicht…

Beiersdorfer selbst wollte diesen Vorgang nicht bestätigen. Logischerweise nicht. Mir allerdings macht dieser Vorgang Hoffnung. Nach Rajkovic ist es schon ein zweiter, kleiner Funken Hoffnung, dass dieser HSV in den letzten sechs Spielen das repariert, was er in den letzten Monaten – nein: Jahren zu zerstören droht. Ich schließe mich letztlich den Worten von Jarolim an, dem ich damit auch den Schlusssatz für heute überlassen möchte. Jarolim: „Dieser HSV gehört in die Erste Liga. Alles andere ist eine Katastrophe. Wenn sich das alle klarmachen, werden sie noch richtig entscheiden. Auch wenn es weh tut…“

Hoffentlich.

Bis morgen,
Scholle

Alle hoffen – und Gernandt spricht Klartext

29. März 2015

Das war doch mal wieder ein schöner Tag, den die über 32 000 Zuschauer da im Volkspark erlebt haben. Freude pur – und zwar überall. Und ich habe so viele Fans und Autogrammjäger nach dem Spiel gesehen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Die „alten Herren“ ziehen eben immer noch. Und die „guten, alten Zeiten“ waren an diesem Nachmittag allgegenwärtig. Auf den Tribünen und auch in den Kabinen. Gemeinsam mit meinen Kollegen haben wir festgestellt, dass es nicht nur schöne Zeiten waren, die wir mit diesen „Jungs“ erlebt haben, sondern dass diese Herren auch fast alle das Herz an der rechten Stellen haben, dass sie immer noch voll in diese Welt passen, dass fast ein jeder absolut in Ordnung ist, geblieben ist. Und dass die ehemaligen HSV-Profis nicht nur über ihre tollen Zeiten in Hamburg sprechen, sondern dass sich ein jeder auch große Sorgen um den Ex-Club macht. Dass der HSV mit 5:7 gegen die tschechische Auswahl verlor, war an diesem Tag total nebensächlich, es war rundherum ein gelungenes Fest, in deren Mittelpunkt David Jarolim stand, der zur Recht lautstark und lange gefeiert wurde – er hat es sich verdient.

 

Nach dem Abschiedsspiel befand „Jaro“ zur aktuellen Situation seines HSV: „Die Jungs werden, davon bin ich absolut überzeugt, alles geben. Das sind alles Profis, sie werden es schaffen – und ich werde in den letzten Spielen dabei sein und ihnen die Daumen drücken.“

 

Das sagt Jarolim. Ihn haben die Fans sofort wiedererkannt, natürlich. Bei einem ehemaligen Kollegen hatten sie aber allergrößte Schwierigkeiten – wie ich gestern bereits schrieb. Tomas Ujfalusi, einst schlank und mit langen Harren, trat absolut gegenteilig auf. Und er gab zu: „95 Prozent der Leute hier haben mich nicht wiedererkannt. Ich habe mir vor zwei Tagen eine Glatze schneiden lassen. Ich wollte das schon lange Zeit. Ich habe nun Jahrzehnte lange Haare gehabt, jetzt wollte ich mal etwas anderes machen. Aber ich werden mir nun wohl einen neuen Pass machen lassen müssen, sonst werde ich es schwer haben, in andere Länder zu reisen.“

 

Über die schwere Lage seines ehemaligen Vereins befand der Tscheche: „Die Jungs schaffen das. Ansonsten wäre es sehr schade. Auch für mich. Für alle. Der HSV ist doch als einziger Club von Anfang an dabei und noch nie abgestiegen. Die müssen etwas ändern, so darf es nicht weitergehen. Der HSV ist doch ein Club, der eigentlich immer unter den besten fünf Vereinen der Bundesliga stehen müsste. Aber das braucht jetzt sicher einige Zeit. Nur absteigen darf der HSV nicht. Obwohl der HSV heute auch verloren hat . . .“

 

Mit ihm. Er hatte doch eine Halbzeit für den HSV, eine Halbzeit für das Dream-Team ge-spielt: „Ich habe einen Punkt geholt, denn zur Pause stand es immerhin 3:3“, sagt Ujfa-lusi scherzend. Er war einst Kapitän des HSV, daran erinnert er sich. Trainer Klaus Toppmöller hatte ihn dazu gemacht. Und der frühere tschechische Nationalspieler erinnert sich: „Ich war 14 Tage Kapitän, das stimmt, aber ohne gespielt zu haben, weil ich verletzt war.“ Und als er wieder fit war, wechselte er nach Italien . . . Und Daniel van Buyten wurde sein Nachfolger als HSV-Spielführer.

 

Erstaunlich, wie gut Ujfalusi immer noch Deutsch spricht. Wie geht das? Er erklärt: „Ich lese viele deutsche Zeitungen und Illustrierten. Ich will diese Sprache weiter beherrschen, sonst waren die dreieinhalb Jahre in Hamburg doch umsonst.“

 

Er lebt jetzt in Prag und wird dem Fußball nun als Spielerberater erhalten bleiben: „Ich will meine Kontakte nutzen, die ich zu vielen Ligen habe.“ Das wird er sicherlich auch so großartig tun, wie er einst als Profi auf dem Platz gewirkt hat. Ihn wiederzutreffen, war ein echtes Erlebnis, absolutes ein Highlight.

 

Das galt auch für Mladen Petric. Der Schweizer zur Lage des HSV und wie die Spieler nun reagieren sollten: „Nicht verzweifeln, trotz allem selbstbewusst auftreten und an sich selbst glauben.“ Petric wurde hier ebenfalls lautstark gefeiert, und er sagte über sich und Hamburg: „Ich hatte hier eine überragende Zeit, die Zeit beim HSV gehört zu den schönsten in meiner Karriere. Dass die Fans mich gefeiert haben, war ein sehr schönes und emotionales Gefühl, ich habe das sehr genossen. Das war ganz einfach fantastisch. Unwahrscheinlich schön, so etwas zu erleben, dass zu spüren, dass die Fans mich so sehr ins Herz geschlossen haben. Und es freut mich auch, dass die Zuschauer heute ihren Spaß hatten.“

 

Dann fügte er noch hinzu: „Ich habe das letzte Spiel gegen Hertha gesehen, das war schwierig, da hätte der HSV wenigstens einen Punkt holen müssen. Das Gute aber an der jetzigen Situation ist, dass sie es noch selbst in der Hand haben.“ Woran liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV solche Schwierigkeiten hat? Petric: „Es liegt nicht daran, dass die Stürmer in jedem Spiel drei, vier Hundertprozentige versieben. So weit kommt der HSV ja meistens gar nicht.“

 

Dennoch ist er optimistisch: „Ich hoffe, dass der HSV, der ja schon die letzten beiden Jahre immer im Abstiegskampf war, so viel Erfahrung dabei gesammelt hat, dass er davon nun profitieren kann. Die Situation ist sicher nicht leicht, ich glaube noch an ein gutes Ende.“

 

Dass in seinem Herzen noch immer eine kleine Raute steckt, dass verriet er dann, als er sagte: „Ich verfolge den HSV aus der Ferne ausführlich, sehe mir fast alle Spiele an. Die Lage mit dem neuen Trainer kann ich nicht beurteilen, aber Didi Beiersdorfer wird schon das Richtige machen, davon bin ich überzeugt, obwohl es schwierig für ihn ist. Er hat ja aber schon so viele gute Dinge für den HSV gemacht – und ich hoffe, dass noch alles gut wird.“
 

Mladen Petric machte an diesem Sonnabend einen rundherum zufriedenen Eindruck. Ihm geht es in Athen sehr gut, er hat mit Panathinaikos viel Erfolg, steht mit dem Traditions-Club zurzeit an zweiter Stelle: „Ich fühle mich dort super, ich bin glücklich, es läuft wunderbar – es stimmt alles, wahrscheinlich werde ich noch ein Jahr verlängern.“ Er stürmt gemeinsam mit Marcus Berg, den der HSV einst für zwölf Millionen (und mehr) gekauft hatte, dann nach Athen verschenkte! Petric: „Ich spiele hinter Marcus Berg, ich setze ihn mit meinen Vorlagen ein – wir verstehen uns prächtig. Er hat mittlerweile neues Selbstvertrauen, schießt viele Tore, es funktioniert gut mit uns.“

 

Zu Mladen Petric sagte mir der frühere HSV-Torwart Horst Schnoor (Meister-Keeper von 1960) nach dem Spiel etwas ganz Interessantes: „So einen, wie den Mladen Petric, den haben wir heute nicht in der Mannschaft. Wenn ich könnte, würde ich den sofort zurückholen. Und dazu den langen Jan Koller, der hat ja auch unfassbar gut gespielt – mit seinen mittlerweile 42 Jahren. Unfassbar.“

 

In diese Kategorie fiel wohl auch der Einsatz von Martin Groth, der auf der Rückreise von Sylt nach Hannover (mit seiner Familie) nur mal vorbeigucken wollte, und dann mitspielen durfte, musste: „Ich hatte dann schon Vorfreude gehabt, und es war nett, alte Gesichter wieder zu sehen. Obwohl ich nur gegen David Jarolim gespielt habe damals, nie miteinander.“ Natürlich verfolgt Groth den HSV noch aus der Ferne, und er sagt: „Ich verfolge den Club natürlich noch mit dem größten Interesse, ich hatte ja eine tolle Zeit hier. Und ich hoffe, dass das nicht eintritt, dass jetzt schon viele Leute wieder befürchten . . .“
Wir hoffen mit.

 

Der Rostocker Stefan „Paule“ Beinlich befand nach dem Spiel: „Es war wie ein Klassentreffen, das ist wunderschön, macht einfach nur Spaß. Nicht nur miteinander zu spielen, sondern auch zu klönen – wir waren ja, logisch, die Besten, das ist doch klar.“

 

Das dachte wohl auch Thomas Doll, der von den Fans großartig aufgenommen und begrüßt worden war. Der Trainer von Ferencvaros Bu-dapest sagte: „Es ist immer wieder großartig, in dieses tolle Stadion einzulaufen, das ist schon beeindruckend, einfach nur großartig. Super, die Spieler von früher zu treffen – und man trifft sich natürlich immer wieder gerne.“ Und wie denkt er über den HSV 2015? Das wurde er von unserem Matz-ab-Kollegen Lars Pegelow, der heute einen sehr guten Eindruck im „Doppelpass“ von Sport1 hinterließ, gefragt. Und Doll tat sich zunächst schwer: „Jetzt gebe ich meinen Senf auch noch dazu, okay: Sie werden in der HSV-Führung schon wissen, was sie machen. Peter Knäbel war ja eng an der Mannschaft dran, bekommt mit Peter Hermann eine sehr guten, einen absoluten Top-Mann an seine Seite. Trotz allem wird es schwierig, in den letzten acht Spielen noch etwas zu bewegen – aber sie werden schon wissen was sie machen.“

 

Dass an diesem Wochenende vier Spieler, nämlich Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erfuhren, dass sie am Saisonende den HSV verlassen müssen, rückte Doll ins rechte Licht: „Für die Jungs ist es bitter, natürlich, aber sie werden alles geben, werden sich reinhauen, sie wollen auch nicht als die Spieler in die HSV-Geschichte eingehen, die als erste mit dem Club abgestiegen sind. Das ist der größte Ansporn für sie, ganz sicher.“

 

Zur Trennung von den vier „Altinternationalen“ äußerte sich auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben mit Rafael und Marcell gesprochen, die Situation ist bei beiden fast identisch, sie können sich vorstellen, noch einmal ins Ausland zu gehen. Und es gibt im Fußball ja immer mal einen Zyklus, wo es gut zusammenpasst . . . Wir haben hier nun aber viele neue Dinge angestoßen, da gehört es für uns dazu, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. Das wird nun geschehen, und wir glauben, dass wir das richtig gemacht haben.“

 

Mit Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann sprachen Beiersdorfer und Peter Knäbel ebenfalls. Beiersdorfer: „Wir haben uns vertagt, weil es bei ihnen fehlende Planungssicherheit gibt. Erste Liga, zweite Liga? Das ist ja nicht geklärt. Deswegen können wir jetzt keine Entscheidungen treffen, das haben wir ihnen erklärt. Natürlich wir nehmen wir damit in Kauf, dass sie wechseln, sollten sie andere Angebote von anderen Vereinen haben. Dass sie dann auch wechseln, das ist dann ihre Sache, und ansonsten werden wir uns am Ende der Saison wieder zusammensetzen. Anders geht es für uns im Moment nicht.“

 

Dann gab „Didi“ Beiersdorfer auch noch zu: „Nach Hertha waren wir down, das ist doch klar, ist nicht einfach, einen Trainer freizustellen – bei dieser prekären Situation. Wir sind aber überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Peter Knäbel ist sehr klar in seiner Ansprache, er vereinfacht einige Situationen, denn am Schluss ist Fußball doch nicht so kompliziert, wie er oft dargestellt wird.“
Hoffen wir das Beste.

 

Zu diesem Thema hat sich an diesem Wochenende dann auch Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt geäußert. Im NDR-Sportclub live sagte die „rechte Hand“ von HSV-Investor Klaus-Michael Kühne einige Dinge, die in der Freizügigkeit doch etwas überraschten. Zum Beispiel dies: „Wir wussten, dass es ein schwieriger Weg wird. Aber dass wir jetzt in einer wirklichen Existenzfrage stecken, haben wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Das ist worst case, was wir hier zurzeit erleben.” Mit dem Trainerwechsel von Joe Zinnbauer zu Peter Knäbel soll nun der Abstieg verhindert werden. Gelingt dies, hat der HSV bereits die große Lösung parat: Die Option mit Thomas Tuchel als neuer Coach sei „sehr, sehr intensiv und detailliert durchdekliniert”, sagte Gernandt.

 

Der frühere Mainzer Trainer Thomas Tuchel steht beim HSV also tatsächlich hoch im Kurs. Karl Gernandt spricht im exklusiven Sportclub-Interview über die aktuellen Sorgen und Wünsche beim Bundesliga-Drittletzte: „Wir versuchen einen Trainer zu finden, der für einen langfristigen und sehr soliden Aufschwung steht. Wir wollen den HSV da hinbringen, dass sich Menschen innerhalb des HSV weiterentwickeln und nicht von außen kommen.” Der HSV sei bereit, „ein Konzept mit Tuchel zu gehen” – und hat mit den angekündigten Trennungen von Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic uns Gojko Kacar bereits erste Weichen für die Zukunft gestellt. „Am Ende entscheidet Herr Tuchel, was er macht”, erklärte der 54-Jährige. Der Wunschcoach würde den HSV allerdings wohl nur in der Bundesliga betreuen. „Zweite Liga? Das ist schwer vorstellbar”, sagte Tuchel in der „Zeit”.
 

Dass Tuchel viel Geld kosten würde, ist der HSV-Führung klar. Doch die Mittel und die Bereitschaft, dieses Geld auch auszugeben, scheint beim HSV vorhanden zu sein. „Thomas Tuchel kostet viel Geld. Ob er teuer ist, muss man rausarbeiten. Wenn er es wert ist, ist er nicht teuer”, sagte Gernandt. Im Gegensatz zur sportlichen Misere fühlen sich die Verantwortlichen wirtschaftlich gut aufgestellt: „Die Sponsoren zeichne eine große Vereinstreue aus“, betonte Gernandt. Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Investor, der nicht genannt werden will, seien bereit, „ordentliche Beträge” auf den Tisch zu legen – und das, ohne Gegenleistungen dafür zu verlangen. „Von der finanziellen Seite her bin ich zufrieden mit dem, was wir in den vergangenen neun Monaten hinbekommen haben”, erklärte Gernandt: „Das passt alles. Das einzige, was nicht passt, ist unser Tabellenplatz.”
 

Acht Spiele hat Interimstrainer Knäbel nun noch Zeit, den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern, darunter die schweren Partien in Leverkusen, gegen Wolfsburg und das Nordderby in Bremen. „Wenn Peter Knäbel derjenige ist, der die Uhr im Stadion abstellt, wird sein Gesicht mit einer solchen Niederlage zusammengebracht. Es wird dann schwer, wieder positive Strahlkraft rauszuholen”, weiß Gernandt um das Risiko: „Auf der anderen Seite weiß jeder, dass er den Job für acht Spiele hat und er jemand ist, der vom ersten Tag an funktioniert. Wir haben kein Problem, was das Trainingskonzept angeht, wir müssen die Mannschaft erreichen.” Der Aufsichtsratschef hofft inständig, dass alle Spieler mitziehen. „Es ist 30 Sekunden vor zwölf. Wir müssen mit Sicherheit noch mehr als sechs Punkte holen, ansonsten weiß ich nicht, wie wir uns retten sollen. Wir haben schwierige Spiele vor uns.” Und wenn der Tag X am Ende doch kommt? „Dann muss man in die Hände spucken und verdammt hart weiterarbeiten”, so Gernandt.
 

Bei NDR-Moderator Alexander Bommes ist am heutigen Sonntag auch noch Dietmar Beiersdorfer zu Gast, die Sendung im Dritten beginnt um 22.30 Uhr.

 

PS: Heute war trainingsfrei, morgen ist ebenfalls kein Training im Volkspark angesetzt.

 

PSPS: Ich danke Lars Pegelow für die tolle Zusammenarbeit, das hat ganz fein gepasst – trotz des Doppelpasses.

 

18.37 Uhr

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

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