Archiv für das Tag 'Jarolim'

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Adler und Aogo wollen höher angreifen – Kacars und Jaros Wechsel geplatzt

4. Januar 2013

Das ist bitter. Für alle eigentlich. Denn als Gewinner des geplatzten Transfers von Gojko Kacar zu Hannover 96 darf und kann sich keiner fühlen. Im Gegenteil: der Spieler verpasst die Möglichkeit, sich bei einem zweifellos guten Bundesligisten eine neue Chance zu holen. Der Verein verpasst Einsparungen von rund vier Millionen Euro (zwei Millionen Ablöse, zwei Millionen Gehalt) und Hannover 96 bekommt einen gewünschten Spieler nicht. Wobei bei den Schilderungen, weshalb der Deal geplatzt ist, noch Unklarheiten herrschen. So gibt der HSV an, dass sich Kacar und Hannover nicht hätten einigen können. „Die Vereine sind sich weitgehend einig“, sagte Arnesen bereits vor einer Woche, um heute zu sagen: „Es ist schade, dass sich Gojko und Hannover nicht einigen konnten. Wir haben jetzt aber noch einen Monat Zeit, für Gojko einen neuen Verein zu finden.“
Und auch wenn jetzt hier der eine oder die andere damit nicht einverstanden sein sollte, ich werde hier nicht nach einem Schuldigen suchen. Den gibt es unter Umständen auch gar nicht. Denn wie alle gesagt hatten, waren der HSV und Hannover nah beieinander, Hannover und Kacar auch. „Hannover wäre eine gute Lösung für Gojko“, sagte mir heute dessen Onkel und Berater Milan Kacar, „Gojko wäre zu einem professionell geführten Verein gekommen, der ihn wirklich wollte. Er hätte dort wieder gut Anschluss finden können.“ Allerdings nicht um jeden Preis. „Bei so einem Transfer sind es drei Parteien, die am Ende zufrieden sein müssen. Wenn ein einziger davon nicht zufrieden ist, passt es nicht. Und in diesem Fall hat es nicht gepasst. Das gehört im Professionellen Fußball dazu – auch wenn ich weiß, dass jetzt alle schreiben werden, dass Gojko zu gierig war und er zum Deppen gemacht wird.“

Wird er nicht. Zumindest nicht hier im Blog. Denn klar ist, dass Kacar für einen Wechsel bereit war, auf Geld zu verzichten. „Gojko ist wirklich derjenige in dieser Dreiecksverhandlung, der allen Seiten noch am meisten entgegengekommen ist“, sagt Milan Kacar und fügt hinzu: „Aber es ist auch längst nicht klar, ob allein finanzielle Gründe entscheidend waren. Vielleicht gab es dann am Ende doch ein paar Zweifel in Hannover und man hat sich für eine günstigere Variante entschieden.“ Zumal die Hannoveraner mit Sicherheit auch nicht an zwei Millionen Euro Ablöse gedacht hatten, als sie nach dem lange Zeit schwer verletzten („Vor ein paar Jahren hat eine solche Verletzung noch das Karriereende bedeutet“ O-Ton Arnesen) Kacar fragten. Im Gegenteil, die Niedersachsen hatten sicher auf ein Schnäppchen gehofft, das sie jetzt mit dem ehemaligen Duisburger U-20-Nationalspieler für 800000 Euro glauben, gemacht zu haben.
Egal wie, letztlich hat es nicht gepasst. Und das kann man ganz sachlich sehen, Immerhin haben der HSV und Kacar einen Vertrag, den beide Seiten erfüllen müssen. Sollte es zu einer vorzeitigen Trennung kommen sollen, müssten sich beide Parteien einigen. Zur Not auch über die Zahlung eines Dritten, in diesem Fall wäre das Hannover gewesen. Wenn aber der Dritte (Hannover) nicht bereit ist, die dafür nötige Summe X (ob an Spieler oder Verein ist egal) zu zahlen, der HSV andererseits dem Spieler keine Abfindung zahlen will, dann ist es das gute Recht des Spielers, zu bleiben. Zumal dann – und das ist meine fast ausschließliche Motivation im Fall Kacar -, wenn der betreffende Spieler sich bislang nie etwas hat zu Schulden kommen lassen. Kacar ist zweifellos ein guter Fußballer und gibt im Training immer Vollgas. Er gilt als tadelloser Typ, was von Mannschaft wie Trainern und Vorständen bestätigt wird. Und er hat realistische Chancen, zu spielen, wenn er fit ist. Beim großen HSV wohlgemerkt. Dass er weg soll, ist sicherlich weniger seinen sportlichen denn den momentanen finanziellen Gründen geschuldet. Und im Gegensatz zu den absoluten Bankdrückern (Drobny, Tesche, Rajkovic, Berg etc.) gab es für den Serben einen Interessenten. Deshalb werde ich hier einen Teufel tun und irgendwen als „Schuldigen“ hinstellen.

Das werde ich im Übrigen auch bei den von mir als „absolute Bankdrückern“ nicht machen, da auch sie einen Vertrag haben, den der HSV mit ihnen aus freien Stücken verhandelt hat. Allerdings muss ich immer wieder hinterfragen, weshalb der eine oder andere nicht wechselt. Und darin bestehen, wie in den letzten Blogs zu den einzelnen Spielern aufgeführt, immer wieder aufgeführt, kleine aber eben auch entscheidende Unterschiede.

Ein kleines Bisschen hat auch nur noch an der Konstellation Kaiserslautern/David Jarolim gefehlt. Genau gesagt, die Zustimmung von Jaro hat gefehlt – und wird weiter fehlen. „Wir waren sehr weit, das Angebot war sehr gut – aber ich habe mich doch dazu entschieden, in Prag zu bleiben“, sagt Jarolim, der in der tschechischen Hauptstadt nach einem neuen Klub sucht. Zumindest bis Sommer. „Gut möglich, dass ich hier das eine halbe Jahr überbrücke und dann zurückkomme, um beim HSV als Trainer anzufangen“, sagt Jaro, dessen Pläne so heute in Abu Dhabi von Sportchef Frank Arnesen bestätigt wurden.

Große Pläne indes Dennis Aogo. Der Linksfuß traf sich heute im Trainingslager mit meinem hoch geschätzten Kollegen Kai Schiller und sprach dort über seine bislang schwerste Zeit seiner noch jungen Karriere. „Durch das vergangene Jahr bin ich etwas gelassener geworden. Ich habe meine innere Balance gefunden“, sagt der 25-Jährige, der harte Wochen in der Rehaklinik hinter sich hat. Ein rätselhafter Ermüdungszustand mit schlechten Blutwerten hatte dazu geführt, dass sich Aogo eine Zwangspause nehmen musste. Eine Zeit, über die er heute gut sprechen kann. „Es war die härteste, aber auch wichtigste Zeit in meinem Leben. Ich habe einen Weg gefunden, zu mir selbst zu finden“, sagt der gläubige Bibelleser und fügt hinzu: „Ich bin zufriedener und ausgeglichener als früher. Früher bin ich den Erwartungen anderer hinterhergelaufen.“ Heute nicht mehr.

Denn zum einen setzt er sich selbst diesem Druck nicht mehr aus, zum anderen hat es sportlich zuletzt hingehauen. Und auch im Trainingslager wusste Aogo, der mit viereinhalb Jahren Vereinszugehörigkeit immerhin schon dienstälteste HSV-Profi, bislang zu gefallen. „Dennis macht einen guten Eindruck. Wir planen weiterhin im Mittelfeld mit ihm“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Aogos Stammplatz als Linksverteidiger in dessen Abwesenheit an Konkurrent Marcell Jansen übergeben hat. Für Aogo kein Problem – zumindest nicht mehr. „Über so etwas mache ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken mehr. Mir ist vor allem wichtig, dass ich Spaß auf dem Platz habe, da ist es ganz egal, ob ich im Mittelfeld oder in der Abwehr spiele.“

Er will wieder dabei sein – und der Mannschaft helfen, im Jahr 2013 wieder in die Nähe der internationalen Startplätze zu kommen. Denn die dürfen noch immer – ausgesprochen oder nicht – das Ziel bleiben. Zumindest sieht es auch Rene Adler so. „Nach dem Trainingslager wollen wir in der Rückrunde mal richtig angreifen. Platz zehn ist doch Niemandsland, damit bin ich nicht zufrieden“, sagt der 27-Jährige. „Frankfurt, Freiburg und Mainz – vor diesen Teams habe ich Hochachtung.“

Ganz im Gegensatz zum unfassbaren Hype um das Ehe-Aus der van der Vaarts. Wie wohl alle in der Mannschaft zeigt auch Adler Mitgefühl mit seinem Teamkameraden: „Das ist sicher keine einfache Zeit für ihn, aber er ist Vollprofi. Im Training sieht man ihm das alles nicht an“, sagt Adler, der ein derart öffentlich geführtes Privatleben wie bei seinem Kollegen mit allen Mitteln vermeiden will. „Ich habe viel mit meiner Freundin darüber gesprochen. Wir haben uns klar dagegen entschieden“, sagt der Keeper, der mit der bekannten Schauspielerin Lilli Hollunder liiert ist, „wir verzichten bewusst auf die eine oder andere Anfrage, wollen lieber unsere Ruhe haben.“ Gut so. Denn bei allem Respekt vor den van der Vaarts insbesondere auch im Hinblick auf die schwierige Zeit für Sohn Damian – mich als Fußballfan langweilt sowas eher…

Aber okay, so viel zum heutigen, ansonsten eher ruhigen Freitag. Bis auf Jacopo Sala, der wegen eines Fieberschubes kurzerhand in ein Einzelzimmer (haben sonst nur Tscharner, van der Vaart und Neuhaus als ältester Spieler) verlegt wurde, sind glücklicherweise alle Spieler gesund geblieben und haben gut trainiert. Dabei wurde in zwei Gruppen gearbeitet. Ein Teil auf dem Platz (Mancienne soll dabei ein absolutes Traumtor nach einer Traumkombination mit Per Skjelbred erzielt haben), der andere Teil des Teams im Kraftraum mit Fitnesscoach Vidovic. Und morgen geht es weiter. Dann hoffentlich wieder nur mit Fußball und Dieter – sofern sich mein heute arg kränkelnder Kollege und Freund bis dahin wieder gesund meldet. Ansonsten, und versteht das bitte nicht als Drohung, bin ich wieder für Euch da.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Wochenendstart und (vielleicht) bis morgen,

Scholle

P.S.: Gojko Kacar reist übrigens dennoch nicht nach Abu Dhabi nach. Zudem absolviert der HSV seine Tests jetzt am Montag, Dienstag und Mittwoch und für Marcus Berg gibt es laut Arnesen trotz anderslautender Ankündigungen noch keine Anfragen aus Spanien.

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

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