Archiv für das Tag 'Jarolim'

Kampf, Herz und Leidenschaft

4. März 2010

Die Freude war fast allen HSV-Fans, die als Kiebitze dem Training am Donnerstag folgten, an der Nase anzusehen. Und das lag nicht daran, dass der Schnee im Volkspark fast weg ist, dass die Temperaturen nicht mehr im Minusbereich angesiedelt sind, sondern vielmehr daran, dass Ruud van Nistelrooy wieder dabei war. Noch nicht wieder voll“ dabei, aber immerhin dabei. Beim Laufen allerdings nicht mittendrin, sondern eher immer hinten dran, wie „Devildino“ richtig erkannt hatte, aber die Hoffnung auf einen Kurz-Einsatz am Sonnabend gegen Hertha BSC besteht. Immerhin. „Ich habe keine Schmerzen mehr, ich trainiere ohne Einschränkung, alles ist gut“, sagte van Nistelrooy nach der Einheit. Er will das Training am Freitag (15 Uhr) abwarten, wie er das übersteht, dann will er entweder Grünes Licht geben – oder doch passen. Ich denke aber doch daran, dass er Grünes Licht geben wird.

Trainer Bruno Labbadia über van Nistelrooy: „Für uns ist wichtig, dass Ruud in diesem halben Jahr in einen Rhythmus rein kommt, es ist wichtig, dass er über Teileinsätze seine Form bekommt. Er hat die Qualität, uns in diesen Teileinsätzen zu helfen, die hat er aber auch nur dann, wenn er gesund ist, und wenn er Schritt für Schritt fit wird – aber das dauert sicher noch eine längere Zeit. Wir haben aber auch immer gesagt, dass er kein kurzfristiger Einkauf für uns war, sondern auch – trotz seines Alters – im Hinblick auf die nächste Saison. Wir wissen sehr wohl, dass wir noch ein Stückchen Arbeit mit ihm haben werden, aber das werden wir machen, keine Frage.“

Im Volkspark wurde an diesem Donnerstag die „Hohe Ballschule“ trainiert, Pässe, immer wieder Pässe. Und dann auch wieder Torschüsse. Bei dieser Übung brillierte dann auch wieder Ruud van Nistelrooy. Gelegentlich wirkt es bei der Ballannahme etwas hölzern oder auch umständlich, aber wenn er dann die Kugel ins Tor drischt, dann zeigt allen, was für ein Ausnahmefußballer er ist. Motto: „Was mache ich nun mit dem Ball? Wenn ich das nicht weiß, dann schießen ich ihn am besten ins Tor.“

Allerdings waren nicht alle Spieler mit von der Partie: Eljero Elia und Jerome Boateng trainierten im Kraftraum, Marcus Berg verabschiedete sich mit einer Grippe nach Hause, Mladen Petric („Ich kann gegen Hertha spielen“) ebenfalls, noch gar nicht in Hamburg war Tomas Rincon, der von seiner Länderspielreise erst heute wieder in der Elbe eintreffen wird. Die Frage, ob er gegen die Berliner im Kader sein wird, dürfte sich von selbst beantworten. „Popeye“, die Kraftmaschine, ist allzeit bereit, er könnte, so sehe ich das, nur vom Trainer gebremst werden, aber welcher Trainer macht das schon?

Auf dem Rasen waren wieder Frank Rost und auch Marcell Jansen anzutreffen. Schön zu sehen. Der Torwart machte das volle Programm mit, ging erst unmittelbar vor dem abschließenden Spiel in die Kabine – so war es abgesprochen, alles in Ordnung. Der Trainer geht davon aus, dass beide Spieler gegen die Berliner zur Verfügung stehen werden.

Bis zum Ende blieb Ze Roberto. Der Brasilianer nähert sich allmählich seiner besten körperlichen Konstitution, e ist wirklich schön zu sehen, wie gepflegt er mit der Kugel umgeht. Und: Bezüglich des Gerüchts, er können (demnächst) für Red Bull New York spielen, gab er eine eher ausweichende Antwort. Oder wie würdet Ihr die folgenden Sätze interpretieren? Ze Roberto: „Ich sehe das für mein Alter sehr positiv, es gibt nicht viele Spieler, die in meinem Alter noch Angebote bekommen. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich im Moment nur an den HSV denke, wir haben noch Ziele, wir wollen noch in die Champions League – ich bin zu 100 Prozent mit dem Kopf beim HSV. Ich hatte auch keinen Kontakt zu Red Bull, und außerdem ist ein Vereinswechsel jetzt kein Thema für mich.“ Und dass er im Jahr 2011 endgültig aufhören wird, aufhören will, eventuell dann in Brasilien seine Karriere ausklingen lassen möchte? Ze Roberto verriet: „Wenn ich mich 2011 körperlich noch gut, noch bestens fühle, dann könnte es auch sein, dass ich noch weiterhin spielen werde.“ Die Fragen aber, wo und für wen, die ließ Ze Roberto offen.

Nicht offen ist dagegen für Dennis Aogo die Frage, für welches Land er (demnächst) Länderspiele bestreiten wird. Trotz der Nicht-Berücksichtung für das Argentinien-Länderspiel sagt der 23-jährige Hamburger, der unzweifellos vor einer großen Zukunft steht: „Ich gehe diesen Weg zu 100 Prozent nur über Deutschland.“ Super. Großartig. Ich finde das echt klasse. Und er sagt das in einem Moment, wo er nicht besonders gut gelaunt sein dürfte. Weil er ja zuletzt auch beim HSV keine Berücksichtigung gefunden hatte. In München. Als Jerome Boateng für ihn links verteidigte. Eine taktische Maßnahme, denke ich. Als Aogo danach befragt wurde, gab er eine für mich überraschende Erklärung ab: „Ich weiß von nichts.“ Wie? Gab es vorab kein klärendes Gespräch mit dem Trainer? „Nein.“ Und? Ist das gut? Aogo: „Es ist uninteressant, was ich gut oder nicht gut finde, ich habe nicht gespielt, und das finde ich nicht gut.“

Was ja letztlich wohl jedem Spieler so geht, sonst wäre etwas ja auch nicht in Ordnung.
Wobei ich auch gleich bei David Jarolim bin. Der Kapitän wurde in München zum bereits vierten Mal vorzeitig vom Platz geholt. Meine Frage deshalb an Bruno Labbadia: „Wird das später, nach dem Spiel, besprochen und in irgendeiner Form aufbereitet?“ Der HSV-Coach: „Jaro ist sehr emotional, aber genau das ist seine Stärke, das ist seine Art und das ist gewiss nicht negativ. Und die Auswechslung war eine rein taktische Sache, wir mussten Risiko gehen, wir mussten offensiver spielen. Ich rede sehr viel mit ihm, aber ich muss nicht explizit über die Auswechslung mit ihm reden. Jaro ist für uns sehr, sehr wertvoll.“

Das wird er am Sonnabend wieder zeigen, ganz sicher. Er wird es auch zeigen müssen. Da kommt nämlich ein Tabellenschlusslicht, das mit Kampf, Herz und Leidenschaft gegen den drohenden Abstieg zur Sache gehen wird. Kann der HSV diese Attribute nicht ebenfalls in die Waagschale werfen, so dürfte er vor einem fast aussichtslosen Duell stehen. Bruno Labbadias Worte jedenfalls sollten jedem seiner Spieler eine Warnung sein: „Es kommt ein Gegner, der besser ist als sein Tabellenstand. Hertha hat sich im Winter sehr, sehr gut verstärkt, das sieht man an den Spielen in diesem Jahr.“ Der HSV-Coach befindet weiter: „Wir freuen uns auf dieses Heimspiel, es wird hier wieder eine gute Stimmung herrschen – Bundesliga ist immer etwa Schönes. Und wir sind überzeugt davon, dass wir gewinnen werden.“

Wenn das kein Versprechen ist.

Übrigens: Tagsüber gab es heute einige Irritationen bezüglich des Matz-ab-Blogs. Motto: Kein Anschluss unter dieser Nummer . . . Dazu gibt es folgende Erklärung unserer Internet-Abteilung: „Der Ausfall der Kommentarfunktion war auf einen Fehler zurückzuführen, der in der Blog-Software, die wir verwenden, aufgetreten ist. Dadurch wurde unbeabsichtigt verhindert, dass die Seiten, die die Userkommentare enthalten, ausgeliefert werden. Das Problem ist behoben, und es sind auch keine Daten verloren gegangen.“ Alles klar?

19.54 Uhr

Die Nörgler sind unter uns

26. Februar 2010

Der HSV hat das Achtelfinale der Europa League erreicht. Das ist schon mal erfreulich. Es bringt dem HSV Geld und Renommee, und es sollte der Mannschaft Selbstvertrauen geben – trotz der 2:3-Niederlage beim PSV Eindhoven. Der HSV steht also unter den letzten 16 Klubs der Europa League, und er nimmt immer noch Rang vier in der Bundesliga ein. Das bleibt festzuhalten. Das sind die Tatsachen. Und trotz allem wird hier gegen den Trainer und verschiedene Spieler geschossen, dass es einem ganz schummrig wird. Natürlich: Der HSV, der in der Bundesliga den zweithöchsten Etat aller Klubs hat, steht nicht dort, wo er stehen müsste, er hat auch in dieser Saison Platz eins verfehlt, auch Platz zwei, aber er spielt noch immer in Europa mit, und er spielt in der Bundesliga auch noch eine „gewisse“ Rolle. Trotzdem gibt es HSV-Fans, denen das alles nicht gefällt. Die Frage ist, die ich mir seit Wochen stelle, ist die: Was machen diese HSV-Fans eigentlich, wenn „ihr Klub“ am Ende das Europa-League-Finale am 12. Mai in Hamburg verfehlt hat, und zudem in der Bundesliga nur Platz sechs erreicht worden ist? Dann geht es wohl so richtig rund, oder? Vielleicht hören sie aber auch auf, HSV-Fans zu sein?

Natürlich läuft es in diesem Jahr noch nicht so rund, wie von vielen erwartet, von vielen erhofft, von manchen gewünscht. Über die Gründe aber ist auch hier schon unzählige Male philosophiert worden. Die meisten von Euch haben diese Gründe begriffen und akzeptiert, einige nicht – sie wollen es offenbar auch nicht. Ihnen ist keine Ausrede (jawohl, Ausrede!) gut genug. Für sie gibt es keine Erklärung, warum zum Beispiel Ze Roberto noch nicht in Bestform ist? Oder warum Eljero Elia nicht auf die Füße kommt? Oder weshalb Guy Demel nicht erst seit dem Afrika Cup seiner Form meilenweit hinterher läuft? Oder warum Paolo Guerrero nach seinem doppelten (!) Kreuzbandriss nicht fit wird? Das alles hat ganz offenbar keine Rolle zu spielen, der HSV hat einfach zu funktionieren, sonst ist er nicht der HSV.

Mich, das gebe ich ehrlich zu, mich macht ein solches „Schwarz-weiß-Denken“ fertig. Total fertig sogar. Der HSV ist immer noch in der Europa League, steht in der Bundesliga auf Platz vier – das alles wird mit einem Handstreich weggewischt, als wenn es nichts wäre. Unfassbar! Ganz sicher nicht nur für mich, aber eben auch für mich. Dass das Spiel in Eindhoven absolut nach Fußball aussah, dass der HSV nach einem 0:2-Rückstand eine großartige Moral bewiesen hat, dass in diesen 95 Minuten alles geboten wurde, was ein Klasse-Fußballspiel benötigt, dass vor den Bildschirmen massenweise Leute von ihren Sitzen hochsprangen, weil sie es vor Spannung und Dramatik nicht mehr aushielten – das alles zählt ganz offenbar nicht. Auch die Tatsache nicht, dass der PSV Eindhoven ja durchaus keine „Laufkundschaft“ in Europa ist, dass die Niederländer sonst eigentlich immer in der Champions League ihren Platz habe, dass sie – bis auf ein einziges Pokalspiel – immer noch ungeschlagen sind in dieser Saison, dass sie in der Europa League bislang daheim kein einziges Gegentor kassiert hatten – das alles juckt anscheinend nicht. Es wird – zum Glück ja nur von einer kleinen Minderheit – genörgelt.

Diesen Nörglern möchte ich hiermit aber auch sehr wohl zugeben und es auch schreiben: Mir ist nicht entgangen, dass Guy Demel zurzeit ein Schwachpunkt der HSV-Mannschaft ist. Mir ist auch nicht entgangen, dass mit Jerome Boateng ein aktueller deutscher Nationalspieler nur auf der Bank sitzt. Mir ist nicht entgangen, dass Ze Roberto immer noch nicht bei 100 Prozent ist. Mir ist auch nicht entgangen, dass Elia nur bei ungefähr 45 Prozent ist. Mir ist ebenfalls nicht entgangen, dass der junge (und talentierte) Tomas Rincon (22) immer mehr beißen muss, und dass bei ihm kaum noch etwas Vernünftiges nach vorne läuft. Mir ist auch nicht entgangen, dass Trainer Bruno Labbadia in Eindhoven, vor einem ganz, ganz wichtigen Spiel, seiner Mannschaft eine andere Taktik als sonst vorgegeben hat. Mir ist sehr wohl nicht entgangen, dass Frank Rost einmal mehr seine Mannschaft im Spiel (und damit im Wettbewerb) gehalten hat – aber ein Torwart gehört zu einem Team und darf auch über einige Spiele mal Weltklasse sein. Mir ist auch ferner nicht entgangen, dass Demel eventuell vor einer Gelb-Roten Karte hätte bewahrt werden können, indem er nach dem ersten Gelb vorsichtshalber ausgewechselt worden wäre. Mir ist darüber hinaus nicht entgangen, dass Jonathan Pitroipa in den Schlussminuten einen wunderbare Konterchance, als links und rechts drei Hamburger mitgelaufen waren und auf ein Anspiel warteten, fahrlässig vergeben hat, weil er sich wieder einmal verdribbelt hatte.

Aber mir ist auch nicht entgangen, dass der HSV im Achtelfinale der Europa Legaue steht. Und dass Millionen Fernsehzuschauer ein großartiges Fußballspiel gesehen haben müssen. Mit einem großartigen PSV Eindhoven. Und mit einem HSV.

Ich kann darüber hinaus auch nichts dafür, dass Bruno Labbadia Demel aufgestellt hat, und nicht Boateng. Das ist allein, so hieß es einst im Volksmund, allein Sache des „Bundestrainers“. Labbadia ist der Mann, der so etwas zu bestimmen hat, er allein muss auch damit leben, wenn seine Saat nicht aufgeht. Dann muss er, nicht ich, nicht Ihr, dann muss er ganz allein mit den Konsequenzen leben. So geht es jedem Trainer, egal in welchem Land, egal in welcher Spielkasse. In Hamburg aber scheint es HSV-Fans zu geben, die es überhaupt nicht interessiert, dass „ihr“ Klub auf Platz vier in der Bundesliga steht, dass „Ihr“ Klub noch in der Europa League vertreten ist: „Der Trainer gehört weg, und damit basta.“ Vielleicht sollten jene Zeitgenossen, die das fordern, einmal bei Bernd Hoffmann vorstellig werden,. Es ist jener Herr, der dem Trainer im Sommer 2009 einen Drei-Jahres-Vertrag gegeben hat, und es ist auch jener Herr Hoffmann, der das Sagen hat in diesem Hamburger Sport-Verein. Und er allein kann bestimmen: Daumen hoch, Daumen runter. Also, auf an alle diejenigen, die Bruno Labbadia nun, weil der HSV nur auf Platz vier steht und nebenbei auch noch in der Europa League spielt, vor die Tür setzen wollen. Packt es an! Bei Bernd Hoffmann. Nicht bei mir. Nur bei ihm. Bitte.

Übrigens: Ich habe Bruno Labbadia heute bei der Pressekonferenz gefragt, ob er im Nachhinein nicht überlegt hätte, Guy Demel mit einer vorzeitigen Auswechslung vor Gelb-Rot zu schonen? Die Antwort des Trainers im Wortlaut: „Die Art des Schonens gab es zur Halbzeit ja schon mit Robert Tesche. Wir mussten da eine Entscheidung treffen: wie stellen wir um? Wir haben uns dann dafür entschieden, ein Stück weit offensiver aufzutreten, und dann auch ein Stück Risiko zu gehen, mit Piotr Trochowski zentral, wo Eindhoven sehr stark war. Und es war die richtige Wahl. Und man kann natürlich nicht jeden Spieler der Gelb hat vom Platz nehmen. Wir müssen damit sorgsamer umgehen. Und ich muss als Spieler wissen, dass ich da nicht so einfach grätschen darf. Aber das passiert, ich denke, das gehört dazu. Es gibt auch Spieler, die zu Beginn des Spiels eine Gelbe Karte kassieren, und die kann man auch nicht jedes Mal herausnehmen. Das sind Dinge, die sind so.“

Dennoch denke ich, und damit komme ich zum Sonntagsspiel beim FC Bayern, dass diesmal in München Jerome Boateng von Beginn an zum Einsatz kommen wird. Rechts. In der Viererkette. Obwohl mir ein HSV-Mitarbeiter auch einen andere, für mich durchaus interessante Variante andiente: Boateng für den etwas müde wirkenden Rincon im defensiven Mittelfeld. Aber dann hätten wir wieder jene Situation, die von Euch schon vielfach kritisiert wurde: Der HSV hat immer noch keine Stamm-Elf gefunden. Immer wieder gibt es Veränderungen im Team. Das aber, so behaupte ich, liegt in den meisten Fällen an den immer wieder neuen personellen Ausfällen. Wie zuletzt mit David Jarolim (gesperrt) und Marcell Jansen (erkrankt).

Apropos: Jansen lief auch gestern nur auf dem Laufband, erst am Sonnabend (13.30 Uhr Trainingsbeginn) entscheidet sich, ob der Nationalspieler in München eingesetzt werden kann. Dass Ruud van Nistelrooy, der am Freitag Steigerungsläufe absolvierte, weiterhin ausfällt, das habt Ihr bestimmt schon mitbekommen.

Beim Training am Freitag, das zum Abschluss, trainierten nur jene Spieler, die in Eindhoven nicht oder nur begrenzt zum Einsatz kamen. Es war also wenig los, auf dem kleinen Platz hinter der Arena. Nach Beendigung der Einheit schob Marcus Berg noch eine Sonderschicht, indem er Schüsse auf das von Tom Mickel gehütete Tor abgab. Und am Rande unterhielten sich der Trainer und sein Kapitän bestimmt noch sehr angeregte zehn Minuten unter vier Augen. Ob es im Gespräch zwischen Labbadia und David Jarolim um die Aufstellung gegen die Bayern ging?

Ein Satz noch in eigener Sache: Wenn hier etwas von Zensur geschrieben wird (oder sich beschwert wird!), dann ist das nur die halbe Wahrheit. Ich finde es nicht lustig, im Gegensatz zu dem einen oder anderen von Euch (sehr lustig!), wenn hier statt über Fußball, oder über den HSV, über homosexuelle Menschen geschrieben wird. Wer das lustig findet, muss in der Tat völlig falsch gepolt sein. Der Springer Verlag wird das jedenfalls nicht dulden, denn sollten sich die betreffenden Persönlichkeiten per Anwalt bei uns melden, könnte das dem Unternehmen viel Geld kosten. Und ich bitte jeden, der das normale Denken noch nicht ganz eingestellt hat, das zu akzeptieren. Es ist nicht unsere Aufgabe, (prominente) Mitmenschen zu outen oder in einen total falschen Verdacht zu bringen. Und wer das auch noch lustig findet, sollte sofort den Blog wechseln. Bitte!

PS: Für Dauerkarten-Inhaber läuft der Vorverkauf für das Europa-Legaue-Heimspiel gegen Anderlecht (am 11. März) ab sofort bis zum 2. März, am 3. März läuft er für die HSV-Mitglieder, am 4. März beginnt dann der offene Verkauf. Die Preise liegen zwischen 15 und 48 Euro.

17.24 Uhr

Ein Albtraum, dieser Trainingsbesuch

23. Februar 2010

Wisst Ihr, was ein Albtraum ist? Ich kann es Euch mal schildern. Stellt Euch vor, Ihr kommt zum Training und freut Euch auf die letzte Einheit des HSV vor der morgigen Reise nach Eindhoven. Erst wirkt noch alles ganz normal. Die Temperaturen steigen, es taut. Beim Olé-Spiel (5 gegen 2) jauchzen die Profis, während sich Bruno Labbadia mit einem Mann auf dem Rasen unterhält. Der Mann ist erst nicht ganz deutlich zu erkennen, doch beim näheren Hinschauen entpuppt er sich als Mannschaftsarzt Dr. Linewitsch. Das schürt die Neugier. Nach fünf Minuten geht der Doc, und der Trainer wirkt irgendwie bedröppelt. Liegt das alles nur an Ruud van Nistelrooy, dessen muskuläre Probleme offenbar doch schwerwiegender sind als zunächst angenommen? Der Niederländer war jedenfalls wieder nicht im Mannschaftstraining – also wird es wohl kaum etwas mit seinem Einsatz beim PSV.

Doch dann gibt es Aufklärung in Sachen Miesepeter-Gesicht Labbadias, und zwar in dem Moment, als sich die Mannschaft zum Aufwärmen in einer Gruppe versammelt. „Das sieht aber mager aus“, schoss es mir sofort durch den Kopf. Und ich meinte nicht Jonathan Pitroipa, sondern das gesamte Team. Nach Mützencheck und Hautfarben-Scan wird klar, dass nicht nur „Van the man“ fehlt, sondern neben ihm auch Marcell Jansen, Dennis Aogo und Zé Roberto aus der Stammbesetzung nicht dabei sind. Oha. Wenn man dann noch bedenkt, dass David Jarolim in den Niederlanden Gelb-gesperrt fehlen wird, kann es einem ganz anders werden…

Nun gut, es kann sich alles noch zum Positiven wenden. Zé Roberto hat in Absprache mit der medizinischen und sportlichen Abteilung nur ein leichtes Kraftprogramm drinnen absolviert, er wird also im Kader und wahrscheinlich sogar in der Startelf stehen. Van Nistelrooys Einsatz war eh unwahrscheinlich, aber die Komplettauflösung der linken Seite mit Aogo (Rückenprobleme) und Jansen (grippaler Infekt) war ja alles andere als erwartbar. Ein Albtraum eben.

Ich fühlte mich plötzlich an meine Kindheit erinnert. Wisst Ihr, wenn man ein Fußballspiel anschaut und das Gefühl hat, eine Mannschaft sei in Überzahl – und man versucht den herumtollenden Haufen an Spielern abzuzählen, was kaum gelingt. Ich landete immer wieder bei der Zahl 18 – plus drei Torhüter. Naja, dann kann es ja gar nicht so schlimm sein, dachte ich. Aber einer meiner Kollegen klärte mich auf, dass ich den mit Leibchen versehenen Techniktrainer Ricardo Moniz ebenso mitgezählt hatte wie den gesperrten Jarolim sowie die Amateurspieler Christian Groß, Henrik Dettmann und Gerrit Pressel. Ganz ehrlich: Bei jedem Spieler mehr spürte ich eine eisige Kälte in mir hochsteigen, und das lag bestimmt nicht an dem vereisten Untergrund neben dem HSV-Trainingsgelände.

Nun ist Bruno Labbadia kein Jammerlappen, daher wird er nicht in mein von Angst und Skepsis erfülltes Jammergeheul mit einstimmen. Aber wie, bitteschön, soll sich eine Restelf des HSV denn bitte in Eindhoven durchsetzen? Als sich Frank Rost dann auch noch während des Trainings zweimal von Physiotherapeut Uwe Eplinius behandeln ließ, weil ihn offenbar noch immer Nackenprobleme plagen, reichte es mir. Ich notierte mir einfach eine sichere erste Elf, die dann doch noch ein Remis erreichen könnte: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Boateng – Rincon, Tesche – Trochowski, Elia – Petric, Berg. Und sollte Zé dabei sein, würde Tesche eben neben Pitroipa und Torun auf der Bank sitzen.

Nach der Einheit reduzierte das Trainerteam meine Befürchtungen wenigstens ein bisschen. Aogo und Jansen sollen auf jeden Fall mit nach Eindhoven fliegen, Zé Roberto sowieso. Und ihre Einsatzchancen sollen gar nicht so schlecht stehen. Na gut, warten wir es ab. Nur van Nistelrooys Einsatz ist ausgeschlossen. Er bleibt zum Aufbautraining in Hamburg und wird, so wünschen es sich alle Beteiligten, am Sonntag in München zum Kader stoßen – sofern sich die Muskelverhärtung bis dahin „erweichen“ lässt.

Ich habe Eure Beiträge zum Thema Innenverteidigung übrigens mit großem Interesse gelesen. Es gibt ja wirklich einige, die eine Verschnaufpause von Joris Mathijsen für sinnvoll halten. Denen möchte ich an dieser Stelle eines sagen: Dieses Risiko würde Trainer Labbadia niemals eingehen, da bin ich mir ganz sicher. Das liegt nicht nur daran, dass Mathijsen der Inbegriff solider Abwehrarbeit ist, das liegt auch an seinem Wirkungskreis außerhalb der puren sportlichen Aufgabe. Mathijsen ist ein Führungsspieler, der seine Nebenleute anfeuert, sie verbal auf eine Linie bringt, der ähnlich wie David Jarolim ein Siegergen in sich trägt. Für solche Typen sind Niederlagen wie Messerstiche. Unerträglich. Und das merkt man. Nicht nur in den Pflichtspielen.

Ihr müsst Euch echt mal den Besuch einer Trainingseinheit genehmigen, wenn Trainer Labbadia zu seinem beliebten „Ball aus der Luft“-Spielchen aufruft. Dann könnt Ihr fast sicher davon ausgehen, dass Mathijsen in einen Mini-Konflikt mit Schiedsrichter Eddy Sözer gerät. Der Grund sind meist zu Unrecht aberkannte Treffer seines Teams oder strittige Tore des Gegners. Mathijsen will gewinnen – um jeden Preis. Und damit ist er sogleich eine Antriebsfeder dieses HSV.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Hatte ich anfangs vom Albtraum in Form eines Trainingsbesuchs gesprochen, taucht an dieser Stelle ein Hoffnungsschimmer auf. Die gebeutelte HSV-Mannschaft wird bestimmt nicht als Favorit ins Duell nach Eindhoven fahren, schon gar nicht nach den jüngsten Hiobsbotschaften. Aber vielleicht wird diese Truppe ja umso leidenschaftlicher und hartnäckiger kämpfen. Ich setze darauf, denn ich liebe Happy Ends.

13:25 Uhr

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