Archiv für das Tag 'Jarchow'

0:2 gegen ManCity – der HSV hielt nur eine Hälfte dagegen

21. Januar 2015

Im dritten und letzten Testspiel des Trainingslagers in Dubai setzte es für den HSV die erste Niederlage. Das Zinnbauer-Team verlor gegen Manchester City mit 0:2. Eine Halbzeit gar nicht schlecht gespielt vor 5.000 Fans in Al Ain, danach ging aber nicht mehr viel – das ist das Fazit. Auf Twitter machte schnell die Runde: die Gegentore waren die ersten gegen einen Champions-League-Verein in dieser Saison nach den Bundesliga-Partien gegen die Bayern (0:0), in Dortmund (1:0), gegen Leverkusen (1:0) und in Schalke (0:0). Auf jeden Fall blieb dem HSV durch diese Partie im Hazza Bin Zayed Stadium, das einjähriges Bestehen feierte, am Ende ein Sümmchen übrig, das das Trainingslager finanziert.

Die ersten Aktionen waren recht nervös vom HSV. Die junge ersatzgeschwächte Truppe hatte doch ein wenig Ehrfurcht vor dem englischen Meister. Allen voran Sven Mende, der erst kurzfristig für Petr Jiracek (Wadenprobleme) reingerutscht war. In der 5. Minute der erste gute Angriff des HSV. Nach einem öffnenenden Pass von van der Vaart flankte Marcos von links, aber Gouaidas Schuss aus 16 Metern ging über das City-Gehäuse. Das erste Mal eng auf der anderen Seite wurde es in der 12. Minute, als Götz eine Milner-Vorlage beinahe ins eigene Netz lenkte.

Auffällig in der ersten Halbzeit: Beim HSV lief alles über van der Vaart. In der 16. Minute prüfte er Caballero im Manchester-Gehäuse mit einem 25-Meter-Fernschuss. Weniger Mühe hatte der Schlussmann mit einem van-der-Vaart-Freistoß einige Augenblicke später. In der 27. Minute segelte ein Ball von Artjoms Rudnevs, halb Schuss, halb Flanke, über das englische Tor. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar: Der HSV wollte und konnte auch nach vorn spielen. Vielleicht lag es ja daran, dass Frank Lampard Mitte der ersten Hälfte das Feld verließ. Einer der britischen Fußball-Stars des vergangenen Jahrzehnts war offenbar leicht angeschlagen. Glück für die Hamburger kurz vor dem Wechsel, als kurz nacheinander Sagana und Jovetic mit ihren Schüssen das Tor von Jaroslav Drobny verfehlten.

Einmal gab es Hamburger Torjubel, aber Stiebers Treffer in der 43. Minute zählte zurecht nicht, weil der im Abseits stehende Emeghara den Ball abfälschte (43.). Beinahe machte der Leih-Stürmer diese unglückliche Aktion wett, als er eine Minute später aus 22 Meter aufs lange Eck zog. Erneut war Caballero aber zur Stelle.

Die zweite Halbzeit begann mit dem 0:1. Nach einem Milner-Steilpass nahm Jovetic den Ball mit der Brust runter und überwand Adler direkt, obwohl der Hamburger Torwart noch mit der Hand am Ball war (50.). Beim HSV wurde nun viel gewechselt, der Spielfluss schwand zusehends. Mohamed Goauida hatte noch einen sehenswerten Fernschuss übers Tor (73.). Ex-Wolfsburger Edin Dzeko erhöhte in der 74. Minute auf 2:0 für Manchester. Der Treffer hätte wegen eines vorausgegangenen Handspiels auch abgepfiffen werden können. Die jungen Hamburger brachten die englischen Stars nur noch zweimal in Verlegenheit. Nach einer flachen Vorlage von Ashton Götz traf Philipp Müller aus acht Metern die Latte (77.), und ein Kopfball von Ahmet Arslan ging knapp drüber (89.)

Bei den Engländern fehlte übrigens der etatmäßige Kapitän Vincent Kompany. Der ehemalige HSV-Verteidiger wurde geschont und absolvierte vor der Partie im Stadion sein leichtes Trainingsprogramm. Auch Nationalkeeper Joe Hart stand nicht auf dem Rasen.

So spielte der HSV: Drobny (46. Adler) – Götz, Djourou (46. Cleber), Rajkovic (67. Westermann), Marcos (46. Jansen) – Mende – Stieber (67. Kacar), Gouaida (78. A. Arslan), van der Vaart (60. P. Müller), Emeghara (60. Beister) – Rudnevs (74. Green)

Nach diesem Test plant Zinnbauer für den Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ohne zwei seiner Spieler: Valon Behrami und Lewis Holtby. Behrami ist ohnehin gesperrt wegen der fünften Gelben Karte und überdies noch am Knie verletzt. Holtbys Schlüsselbeinbruch war die schwerste Verletzung des Trainingslagers. Alle anderen sollen gegen Köln zur Verfügung stehen. Auch Pierre Michel Lasogga. „Davon gehe ich aus“, so Zinnbauer. „Auch wenn es vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen wird.“ Gleiches gilt für Nicolai Müller, der in Hamburg gleich wieder ins Training einsteigen und schon das Testspiel gegen Odense (hinter verschlossenen Türen) bestreiten soll.

Was die Verletzungen in Dubai angeht, weist Zinnbauer darauf hin, dass nur wenige muskuläre Probleme aufgrund von Überbeanspruchung dabei seien. „Holtby und Ostrzolek waren Unfälle. Lasogga und Behrami haben ihre Maleschen schon mitgebracht. Jung und Cleber haben einen Schlag bekommen, und nur Nicolai Müller hat eine Muskelverhärtung.“ Bei Dennis Diekmeier liegt eine Knochenhautreizung vor. Schmerzhafte Angelegenheit, die auch dauern kann. Zeitpunkt der Rückkehr offen.

Tolgay Arslan wird am Donnerstag – ziemlich sicher ein letztes Mal – den Flieger mit der HSV-Mannschaft besteigen. Der Verkauf zu Besiktas Istanbul ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Sein Vater und Berater hat bestätigt, dass zuvor ein Angebot von Trabzonspor abgelehnt worden war. „Wir sind in Verhandlungen und gehen davon aus, dass wir uns einigen werden“, sagte HSV-Manager Peter Knäbel in Dubai zu den Gesprächen mit Besiktas.

Noch längst nicht soweit ist Ivo Ilicevic. Der Kroate hält sich in Hamburg fit und hat keinen neuen Verein. Sein Vertrag beim HSV läuft bis Saisonende. „Ich kenne Ivo schon aus seiner Zeit in Kaiserslautern. Er ist ein guter Spieler“, sagte Joe Zinnbauer heute. „Aber wir haben die Entscheidung getroffen, ihn in Hamburg zu lassen. Die Begründung habe ich über Peter Knäbel ausrichten lassen.“ Stilistisch nicht ganz elegant, und darüber hat sich Ilicevic heute auch in der „Mopo“ beklagt. Aber guter Stil hin oder her – entscheidend im Profi-Geschäft ist die Leistung, und die hat der Kroate nach Einschätzung der Verantwortlichen in Hamburg viel zu selten abgerufen seit 2011.

In aller Stille hat der HSV mittlerweile den Vertrag mit Ashton Götz bis 2018 verlängert. Götz hat in der Hinrunde seine ersten Profi-Meriten gesammelt. Im Stadionheft des Manchester-Kicks wurde er sogar neben Rafael van der Vaart als zweiter HSV-Star mit großem Porträt vorgestellt – eine etwas voreilige Maßnahme. Joe Zinnbauer ist mit Götz‘ Entwicklung zufrieden und von seiner Perspektive überzeugt: „Ich finde ihn gut. Er kommt aus dem eigenen Stall und hat Qualität. Asthon ist schnell, gut in der Spieleröffnung und agiert sehr vorausschauend. Aber natürlich muss er auch noch besser werden.“

Auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 25. Januar stehen wohl diese vier entscheidenden Punkte. Unter Punkt sechs der Bericht des HSV-Präsidiums, unter Punkt sieben der des AG-Vorstands, dann unter Nummer zwölf die Neuwahl des Präsidiums mit den Präsidentschafts-Kandidaten Jens Meier, und unter Punkt 17 schließlich die verschiedenen Anträge.

Bei sechs und sieben geht es insbesondere um die wirtschaftliche Situation des HSV. Der e.V. hat seinen Verlust des Geschäftsjahres bereits mit knapp vier Millionen Euro beziffert. Vereinbarungsgemäß wurde dieser Verlust je zur Hälfte auf e.V. und AG verteilt, woraus sich ein Gesamtminus von etwa 7,5 Millionen Euro ergibt, den der alte Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Carl Jarchow zu beklagen und zu verantworten hat. Die konkreten AG-Zahlen fehlen allerdings noch, weswegen eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Situation noch offen bleiben muss. Wie hoch sind die Gesamt-Verbindlichkeiten? Welchen Berg schiebt der HSV vor sich her? Wieviel Geld wurde für den Campus-Bau genau verplant bzw. für andere Projekte ausgegeben? Auch interessant zu hören in diesem Zusammenhang: Wie weit ist der HSV mit Alexander Otto, der den Campus finanzieren möchte?

Je nachdem, wie die Berichte ausfallen, geht es auch um die Entlastungen für alte Vorstände und Aufsichtsräte. Ob die Neuwahl des Präsidiums eine lange Angelegenheit wird, ist heute schwer zu beurteilen. Viel eher kann ich mir denken, dass die Debatte sich um das Wahlverfahren ranken wird. Ist es richtig, dass der Beirat für jedes Amt nur einen Kandidaten benennt? Zu dieser Frage sind dann einige Anträge zu entscheiden, die eine Änderung des aktuellen Verfahrens bei künftigen Sitzungen zur Folge haben sollen. Alternativ könnte der Antrag des Seniorenrates zum Tragen kommen, genau diese Frage zu verschieben und bei einer der nächsten Versammlungen zu besprechen, denn Zeitdruck besteht in dieser Frage nicht. Die nächste Präsidiumswahl steht für 2018 an.

Es gibt unsinnige Anträge (wie den nach der Entlassung von Karl Gernandt als Aufsichtsrats-Vorsitzendem, was die Mitgliederversammlung des e.V. gar nicht zu entscheiden hat) und es gibt natürlich noch den Antrag von Manfred Ertel. Der Ex-Aufsichtsrats-Boss hat im Wortlaut beantragt:

Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert alle erdenklichen Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.

In der Praxis würde das bedeuten, dass Jens Meier Karl Gernandt ablösen könnte. Aber: Gernandt selbst hat ja bereits erklärt, dass es eine derartige Klausel nach AG-Recht gar nicht greifen würde. Letzten Endes müsste sich mit der Thematik aber die Hauptversammlung beschäftigen – kurioserweise wäre das dann das e.V-Präsidium selbst als aktuell alleiniger Anteilseigner der AG. Überspitzt formuliert: Meier selbst und seine Mitstreiter könnten darauf drängen, dass Meier den AG-Vorsitz übernimmt. In diesem Szenario sind eine Menge Konjunktive, zumal Hafen-Chef Meier ja bereits angedeutet hat, dass er nicht mit dem Ziel antritt, den Job von Karl Gernandt zu übernehmen. Meier tritt an, um HSV-Präsident zu werden. Was aus der anderen Regelung wird, sollte sie denn durch entsprechende Zustimmung zum Ertel-Antrag angeschoben werden, bleibt abzuwarten. Wie vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, taugt Bayern München hier vielleicht als Beispiel. Die Anteilseigner an der Bayern-AG sitzen im Aufsichtsrat und haben an ihre Spitze Karl Hopfner gewählt, ein FC Bayern-Urgestein. Und zwar ohne entsprechende Aufforderung durch die Bayern-Mitglieder, sondern aus eigener Entscheidung.

Der Antrag von Manfred Ertel spiegelt auch Unzufriedenheit mit dem aktuellen Amtsinhaber wieder. Karl Gernandt selbst hat zwar vor zwei Wochen einen Interessenkonflikt zwischen seiner HSV- und seiner Kühne-Tätigkeit zurückgewiesen. Doch fast im selben Atemzug hat er in die Mikrofone von TV und Radio auch gesagt, dass er sich aus allen Entscheidungen, die Klaus-Michael Kühne beim HSV betreffen, heraushalten würde. Das würde seine Unabhängigkeit beweisen.

Für mich ist das gerade ein Beleg des Gegenteils. Denn als HSV-Aufsichtsrat müsste er auch in Kühne-Fragen allein die Interessen des HSV vertreten können. Eine öffentliche Erklärung zu dieser Frage, noch ehe auf der Versammlung darüber die große Diskussion ausbricht, könnte Gernandt und seiner Glaubwürdigkeit im HSV sicher nicht schaden.

Und dann ist da angesprochene Antrag auf Einzelentlastung, der sich insbesondere gegen das „alte“ e.V.-Präsidium Jarchow/Hilke/Kreuzer/Scheel richtet. Ihnen soll die Entlastung verweigert werden wegen verschiedener schlechter wirtschaftlicher Prozesse und Entscheidungen des betreffenden Geschäftsjahres.

Morgen fliegt der HSV zurück nach Hamburg. Gegen 19 Uhr ist die Landung in Fuhlsbüttel, und mit im Gepäck hat die Mannschaft auf ihr selbstgestecktes Saisonziel. Auf einem Mannschaftsabend am Dienstag hat sich das Team (ohne Trainer) intern auf eine Marschroute für die folgenden 17 Spiele dieser Saison geeinigt. In der Vorrunde blieb sie mit 17 statt angestrebten 19 Zählern knapp hinter der selbstgesteckten Vorgabe zurück. In zehn Tagen startet der zweite Versuch – und er wird anders angegangen. Kein Punkteziel, sondern einzelne, individuelle Zielvorstellungen für die einzelnen Bundesliga-Spiele, die formuliert wurden und werden. Von Spiel zu Spiel. Na dann.

Bis morgen
Lars

18.25 Uhr

PS: Im Vorlauf zu diesem Beitrag hat es ein “Erinnerungsstück” zum Fall Hoyzer gegeben.

Joe droht mit Kamelen – Scheels “geile Zeit”

14. Januar 2015

Wie sich die Bilder doch gleichen. Oder die Situationen. Am 5. August 2014 stand im Matz-ab-Blog folgende Passage aus einem Interview zu lesen, das „Scholle“ mit dem damaligen HSV-Trainer Mirko Slomka geführt hat:

 

Matz ab: Wie sehr sorgen Sie sich um den Fitnesszustand bei Pierre-Michel Lasogga, der gerade die dieswöchige, sehr intensive Phase nicht mitmachen konnte?

Mirko Slomka: Für ihn ist das viel schlimmer als für uns. Wir haben ja neben dem Platz auch viel mit ihm gearbeitet, aber ihm fehlt natürlich die Spielpraxis. Er ist ein Typ, den man sofort reinschmeißen kann und der sofort funktionieren wird. Die Situation frustriert ihn natürlich selbst am meisten. Er muss Dinge machen auf dem Nebenplatz, die keinen Spaß machen, während die anderen Spielformen einstudieren. Wie bitter ist das denn…?! Vor allem nach einer eigentlichen Kleinigkeit, die leider sehr schmerzhaft ist. Aber wir arbeiten daran, dass er schnell zurückkommt und hoffen, das in den nächsten zwei, drei Tagen hinzubekommen.

 

Ja, wir hatten doch alles schon einmal. Im Fußball heißt es ja so schön und so oft, dass sich alles immer mal ausgleicht, aber offenbar wiederholt sich auch alles. Im Juli 2014 war der HSV ins Trainingslager nach Stegersbach in Österreich gefahren. Damals mit einem „leicht“ angeschlagenem Pierre-Michel Lasogga. Bei der Abreise aus Hamburg hieß es seinerzeit, dass der Torjäger vorsichtshalber aus dem Training herausgenommen worden ist, er aber im Trainingscamp wieder voll einsteigen wird. Und so wurde fortan von Tag zu Tag gehofft – und von einem angeschlagenen Lasogga berichtet.
Am 28. Juli hieß es bei Matz ab:

 

„Heute nicht im Training dabei war Pierre-Michel Lasogga, der weiterhin mit muskulären Problemen pausiert und im Mannschaftshotel behandelt wurde.“

 
Auch einen Tag später hieß es bei uns:

 

„Lasogga arbeitete auch heute wieder im Mannschafts-Hotel mit den Physios und absolvierte am Nachmittag einen Lauftest auf dem Laufband. Er soll am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.“

 

Schrieb „Scholle“. Aber: Lasogga stieg tatsächlich erst wieder am 16. August ins Mannschaftstraining ein. Und genau zwei Tage später fand in Cottbus das DFB-Pokalspiel gegen Energie statt. Lasogga galt für diese Partie als HSV-Strohhalm und wurde in der 46. Minute eingewechselt. Von nun an ging’s bergauf? Nicht ganz. Lasogga stand zwar eine Woche später, beim Bundesliga-Auftakt in Köln, in der Startformation, aber noch wochenlang bescheinigte ihm die gesamte Hamburger Medienlandschaft: „Er ist noch lange nicht bei 100 Prozent, kann es ja auch gar nicht sein.“

 

Auch heute hat Pierre-Michel Lasogga nicht mit der Mannschaft trainiert, und nicht nur in mir werden Erinnerungen an den Start dieser Saison wach. Was soll werden, wenn die ganze Sache wieder so läuft wie im Sommer 2014? Irgendeiner sollte doch dafür zuständig sein, Tore für den HSV zu machen. Aber vielleicht findet sich derjenige ja noch in den restlichen Tagen – bis zum 31. Januar, dem Auftakt mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Nur, das sollte doch zu denken geben, es sind ja nur noch 16 Tage. Das könnte wieder einmal recht knapp werden, und dabei hoffen wir doch alle, dass der Neun-Törchen-HSV in diesem Jahr mal so richtig loslegt in Sachen Toren.

 

Bei der Gelegenheit, das fand ich auch im Blog vom August 2014 – weil ich doch gerade bei neuen Spielern für den HSV war. Damals gab es ein Interview mit Klaus-Michael Kühne, und der sagte dabei am 14. August zu seinem (Fast-)Lieblings-Thema:

 

„Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt eine Chance geben. Man sollte jetzt kein überehrgeiziges Ziel formulieren.“ Was das sein könnte? „Einen einstelligen Tabellenplatz erhoffe ich mir schon“, sagt Kühne und schiebt nach: „Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Aber das ist vielleicht dann erst in der übernächsten Saison der Fall.“
Beim Thema Neuzugänge (Kühne: „Ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen“) zeigte sich Kühne bislang sehr zufrieden. „Herr Beiersdorfer hat das Talent dazu. Er musste nur leider die guten Spieler immer wieder zu schnell verkauft und viel Geld damit verdient. Und das Geld daraus ist alles verwirtschaftet worden – ein Phänomen für mich“, so Kühne kritisch, ehe er sehr moderat und mit Weitsicht formuliert: „Ich hoffe, dass die Finanzen des Vereins dann irgendwann so gut werden, dass die guten Spieler nicht gleich wieder verkauft werden müssen, sondern bleiben, damit es eine eingespielte, homogene Mannschaft wird. Und das geht nicht von heute auf morgen, das muss in Jahren aufgebaut werden. Es muss hier ganz sicher mittel- bis langfristig gedacht werden.“

 

Mit anderen Worten: Geduld ist gefragt. Hatten bsilang aber nicht alle. Und ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, dass auch Klaus-Michael Kühne zu diesen etwas ungeduldigen Menschen gehörte. Oder immer noch gehört. Nun gut, wir werden es abwarten müssen, wie sich die Geschichte mit ihm und auch mit den eventuellen Verpflichtungen noch entwickelt.

 

Und das ist ja auch in jedem Jahr dasselbe. Oder in jeder Sommer- oder Winter-Pause. Neu ist allerdings der heutige Tag für Oliver Scheel gewesen. Das HSV-Vorstandsmitglied hatte heute seine Schlussvorstellung beim HSV. Scheel ist zwar offiziell noch bis zum 25. Januar ein ehrenamtliches HSV-Vorstandsmitglied, an diesem 14. Januar 2015 aber packte er seine sieben Sache in der HSV-Geschäftsstelle zusammen und – ging. „Nach einem halben Jahr das Abtauchens und zum Verdauen ist meine Vorstandsarbeit beim und im HSV nun abgeschlossen. Ich gehe aufrecht durch das Stadion, denn ich weiß, was ich für den Verein geleistet habe.“

 

Der 49-jährige Rechtsanwalt war sechs Jahre HSV-Vorstand und geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Weinend, weil ich gerne im HSV-Vorstand gearbeitet habe. Lachend, weil ich weiß, dass nun eine neue Zeit im Club beginnt, dass nun eine neue Generation heranreift. Ich weiß, dass ich dieses Kapitel nun gut abschließen kann, es sollen und werden nun andere richten, und ich freue mich, dass der HSV jetzt drei Persönlichkeiten bekommen wird, die dem Verein gut tun werden.“ Oliver Scheel wäre gerne geblieben, das ist auch klar, aber er wollte als bezahlter Präsident bleiben – das hat der HSV aber abgebogen. Und Scheel sagt dazu: „Das ist auch okay so. Man hat sich für das Ehrenamt entschieden, und das war eben nichts für mich.“

 

Rückwirkend sagt Scheel zu seiner Zeit in der HSV-Führungsetage: „Es war unterm Strich eine wirklich geile Zeit, trotz aller Intrigen und aller Härte, die es dabei gab. Der Druck lag auch auf meinen Schultern, es war nicht immer leicht, aber insgesamt war es ein schöner Lebensabschnitt für mich. Ich habe viele Dinge mitgemacht, habe sogar Europapokal-Spiele miterleben dürfen, und auch die größte und auch die längste Mitgliederversammlung in der HSV-Geschichte.“ Und er hat sie fast alle organisiert. Und er stand oft im Mittelpunkt, wenn etwas schiefgelaufen war – mit den Fans, mit seinen Fans: „Ich habe mein Gesicht hinhalten müssen, wenn unsere Anhänger mal wieder einen Zug auseinandergenommen hatten.“ Oder in Sachen Pyro-Techniker unter den HSV-Fans. Scheel gibt zu: „Sicher habe ich auch Fehler gemacht, aber war macht die nicht? Ich wäre ja sonst Supermann, und der HSV wäre schon auf Augenhöhe mit dem FC Bayern . . .“

 

Auf die Frage, ob er seine Arbeit für den HSV entsprechend gewürdigt sah, antwortete Olli Scheel: „Ja. Mit dem Hintergrund, dass meine Arbeit ja nicht in der großen und breiten Öffentlichkeit geschehen ist. Dennoch habe ich stets viele zufriedene und auch glückliche Menschen im Stadion getroffen, die mit mir einverstanden waren.“

 

Jetzt, wo er geht – sorgt er sich da um den HSV? Um seinen HSV? Oliver Scheel: „Das ist in der Gesamtheit sicherlich schwer zu beantworten, denn in der Bundesliga-Abteilung fehlt mir seit einem halben Jahr der Einblick. Von außen ist für mich erkennbar, dass es dort sicher noch einiger Zeit bedarf, ehe der Aufschwung zu sehen ist. Mit Dietmar Beiersdorfer an der Spitze ist der HSV aber gut aufgestellt, es freut mich, dass er wieder zu uns zurückgekehrt ist. Mit ihm habe ich meine Amtszeit damals begonnen, mit ihm höre ich nun auf – das werte ich als gutes Zeichen. Es kann aber, das muss ich schon sagen, nicht gleich alles von heute auf morgen funktionieren, was nun angedacht und angeschoben worden ist, es können nicht auf Anhieb wieder blühende Landschaften zu sehen sein – alles braucht seine Zeit. Aber ich bin optimistisch, dass das auch klappen wird.“

 

Auch im Zusammenspiel AG und e.V.? Scheel dazu: „Natürlich kann man dafür nicht endlos Zeit beanspruchen, aber auch in diesem Punkt bin ich Optimist. Wir müssen sportlich durch diesen Sommer kommen, das ist klar, um dann bis Mitte 2016 gemeinsam in ein gutes und gesundes Fahrwasser zu kommen. Ich will damit nicht sagen, dass wir dann in der Champions League spielen werden, dass der Club wieder total aufgeblüht ist, aber die größten Einlauf-Schwierigkeiten sollten bis Mitte 2016 dann doch behoben sein.“ Sein Wort in Fußball-Gottes Gehörgang. Ich wünsche es Oliver Scheel, dass es so kommen wird, ich wünsche es auch dem HSV und seinem Anhang.

 

Aber verlässt er jetzt nicht doch etwas desillusioniert den Verein? Oliver Scheel überlegt ein, zwei Sekunden und sagt dann: „Nein. Ich habe es mir nicht leichter vorgestellt, also kann ich auch nicht desillusioniert sein. In meinen sechs Jahren als HSV-Vorstandsmitglied habe ich ja, es ist allen bekannt, einige Male gegen die Mehrheit gestimmt, und da hätte ich mir schon gelegentlich gewünscht, dass ich Unterstützung erhalte, um diese Dinge in meine Richtung umzusetzen. Grundsätzlich aber sage ich rückblickend, dass es schon klar war, wie schwer ein solches Amt zu bekleiden ist.“

 

Und nun? Als einfaches HSV-Mitglied? Gibt es nun eine Freikarte für ihn? Scheel lacht: „Hoffentlich nicht, denn ich habe mir meine Dauerkarten immer selbst gekauft.“ Er saß überwiegend auf der Südtribüne, ließ sich aber bei Spielen immer überall mal sehen: „Da war ich flexibel, und das möchte ich auch bleiben.“ Und eines fernen Tages wieder ein HSV-Amt? Scheel: „Das will ich nicht ausschließen. Es ist ja nicht so, dass mich nun sage: Schluss – und nie wieder. Aber ich würde nicht um jeden Preis ein Amt übernehmen. Die Rahmenbedingungen müssen schon stimmen. Was nicht heißen soll, dass ich nur Ja-Sager um mich herum haben möchte, aber ich würde die Gewissheit haben wollen, dass ich in einem Team arbeite, dass die gleichen Ansichten vertritt, wie ich. Man sollte schon in dieselbe Richtung marschieren.“

 

Ich wünsche Oliver Scheel für seine Zukunft alles Gute. Und ich bedanke mich für die stets faire und gute Zusammenarbeit. Das hat trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten sehr gut und professionell geklappt. Und vielleicht ist es ja so, wie es in Deutschland ja auch oft und schön heißt: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Oliver Scheel wird wohl als Rechtsanwalt arbeiten, sagt aber auch: „Ich habe auch einige andere Ideen im Kopf, die wollte ich aber solange nicht forcieren, wie ich noch beim HSV bin. Jetzt werde ich sicherlich die eine oder andere Sache für mich ausloten.“ Vielleicht schon am heutigen Abend. Den hatte Oliver Scheel schon genau geplant: „Um 17 Uhr werde ich das Stadion verlassen, dann werde ich mich zu Hause umziehen und um die Außenalster laufen. Dabei werde ich noch einmal an die Zeit beim HSV zurückdenken.“ Und vielleicht schon mit der konkreten Zukunftsplanung beginnen? Wer weiß?

 

Eine letzte Frage musste ich Scheel aber dann doch noch stellen. Die von „Scholle“ zum Thema Finanzen und Campus. Am 25. Januar, so hatte es „Scholle“ gestern formiert, auf der Mitgliederversammlung wird der alte Vorstand ob der in den Bilanzen versenkten Campus-Millionen Stellung beziehen müssen. Oliver Scheel tat es heute schon: „Ganz klar, juristisch ist das alles einwandfrei gelaufen, da war und ist alles in Ordnung. In der Option der Anleihe konnte jeder lesen, was im Prospekt stand. Wir sind da völlig rein. Dass einige nicht alles lesen, das kann uns nicht zum Nachteil gereichen. Dennoch sage ich auch: Wir hätten damals genau diesem Punkt doch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollen, das wäre am Ende dann . . .“ Oliver Scheel hält inne. Sagt dann: „Da suche ich noch nach dem richtigen Wort. Man sollte sich das schon klar ins Gesicht schauen können, aber grundsätzlich sage ich auch, dass das ein schwieriges Thema ist. Wenn das ein wenig klarer herausgestellt worden wäre, dann wären wir wohl alle eine einvernehmliche Anliegergemeinschaft gewesen wären – das glaube ich schon.“

 

„Scholle“ wollte diese Frage auch Carl-Edgar Jarchow gestellt haben, aber das klappte aus technischen Gründen nicht – deshalb sprang ich in die Bresche. Der HSV-Vorstandsvorsitzende sagte zu diesem diffizilen Thema: „Das Geld ist damals zu bestimmten Bedingungen eingeworben worden, das konnte jeder lesen. Wir durften das Geld anderweitig anlegen, das ist klar. Wenn ich jetzt immer wieder höre, dass der Campus nicht gebaut wird, dann sage ich allen: Wartet es doch mal ab! Der nächste Trainingsplatz ist bereits geplant, es geht voran. Wenn auch langsamer, als damals gedacht. Die Leute werden es aber erleben, dass der Campus kommt, und sogar mit einem Platz mehr als ursprünglich geplant.“ Abschließend sagt Jarchow zu diesem Thema: „Wir haben die liquiden Mittel anderweitig benutzt, das ist klar, aber dazu stehen wir, denn es war legitim. Ich kenne die Vorwürfe, die uns in diesem Zusammenhang gemacht werden, aber sie schockieren mich nicht.“

 

So, und nach diesem Abstecher in die Vorstandsarbeit geht es dann doch noch nach Dubai und auf den dortigen Trainingsacker. Das heißt, um es mit „Scholle“ zu sagen, ich bin nicht in Dubai, ich sitze in der Redaktion und habe heute verschiedentlich mit Männern in Dubai telefoniert. Vornehmlich mit meinem Kollegen Kai Schiller, der mich umfassend über den Tag informiert hat.

 

Morgens stand ein Lauf vor dem Frühstück auf dem Programm, dann wurde von 11 Uhr bis 13 Uhr (oder sogar eine halbe Stunde länger?) hart trainiert. Dabei wurde der Coach auch ein wenig lauter, weil es nicht alles so lief, wie er sich das vorgestellt hatte: „Wenn ihr das nicht schafft, dann könnt ihr drüben in der Wüste Kamele reiten . . .” Oha! Es soll ja in Dubai millionenschwere Renn-Kamele geben, die nicht ganz so leicht zu reiten sein werden. Als ich mit dem HSV vor Jahren in Dubai war, logierten wir gegenüber einer solchen Kamele-Ranch – und ich machte mich eines Tages mal auf, solche Tierchen zu filmen. Eines fraß mir ein wenig vom Ärmel meines Hemdchens ab, ein anderes Kamel stieß mit dem Kopf voll gegen die Kamera (die ich durch den Zaun gehalten hatte!) und damit gegen mein rechtes Auge. Da habe ich dann mal kurzzeitig ein Auge zugedrückt . . . Also, Joe Zinnbauer, das mit den Kamelen wird doch nicht so leicht sein – wie Fußball.

 

Beim Training nicht dabei waren Pierre-Michel Lasogga, Dennis Diekmeier und Valon Behrami. Besonders bitter ist Lasogga, der nicht mal auf dem Platz zu sehen war, sondern nur individuell im Hotel trainierte. Diekmeier war gestern beim Kernspin fällt noch mit Kniereizung ein paar weitere Tage aus. Behrami war ebenfalls nicht auf dem Platz zu sehen, überhaupt noch nicht in Dubai, aber das war nach seiner Operation nicht anders zu erwarten. Ronny Marcos drehte immerhin Runden. Das Quartett wird sicherlich morgen beim Spiel gegen Frankfurt im Hazza-bin-Zayed-Stadium in Al-Ain fehlen. Anpfiff ist um 20 Uhr Ortszeit (bei uns in Deutschland 17 Uhr), Hessen 3 überträgt live.

 

Zitat Joe Zinnbauer zum Fehlen seines Torjägers: „Lasoggas Verletzung ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Wir nehmen ihn ein paar Tage raus.” Apropos raus: Heiko Westermann und Maximilian Beister waren beide am harten Vormittag voll dabei, wurden am Nachmittag aber geschont. Grundsätzlich hat mir Kai Schiller verraten: „Das Training hier ist sehr intensiv, das alles macht einen hervorragenden Eindruck.“ Besonders ein Spieler hat es dabei meinem Kollegen angetan: Cleber Reis. Schiller: „Der Brasilianer räumt alles ab, der ist super drauf, an ihm kommt keiner vorbei, und er gibt auch lautstark Anweisungen. Der macht ein richtig tollen Eindruck.“ Der Schweizer Testspieler Innocent Emeghara, der durch seine Schnelligkeit beeindruckt, fand auch Erwähnung, weil er ein schönes Fallrückzieher-Tor schoss. Er soll morgen gegen Frankfurt zum Einsatz kommen. Apropos Testspieler: Ein solcher könnte eventuell auch Mohamed Salah Ghaly werden. Der ägyptische Profi ist ebenfalls für seine Schnelligkeit bekannt, ist Linksfüßer und spielt als Stürmer für den FC Chelsea. Seit 2011 gehört der 22-Jährige dem Kader der ägyptischen Nationalmannschaft an.
Was mich an dieser Personalie stört? FC Chelsea! Für die Älteren unter uns – es gab mal ein Lied: „Wer kann das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?“ Ansonsten hätte ich nichts dagegen. Und irgendwann ist ja auch ein Ruud van Nistelrooy von Real Madrid zum HSV gewechselt, nicht wahr, Eiche und Jacek Dembinski?
Das waren noch Zeiten.

 

So, wir sind ein wenig lang geworden heute, aber ich hatte ja auch, zwangsläufig, längere Zeit ausgesetzt. So ist das, wenn sich drei Herren um eine gute Sache verdient machen möchten.

 

17.47 Uhr

Ich bin dann mal weg…

13. Januar 2015

So, obwohl ich es in der letzten Woche schon geschrieben hatte, jetzt noch mal: Ich bin in Hamburg und nicht in Dubai vor Ort dabei. Meine Infos vom Training erhalte ich von meinen geschätzten Kollegen vor Ort, insbesondere natürlich von meinem Abendblatt-Kollegen Kai Schiller. Ansonsten bleibt mir wie sonst auch das Telefon. Das nur, weil ich gestern mehrfach gefragt wurde. Ab Freitag ist dann Lars für uns live vor Ort und wird Euch mit frischen Infos erfreuen, während morgen und übermorgen Dieter wieder dabei ist. Ich mache zwangsläufig einige Tage frei und melde mich dann am 23. Januar wieder. Aber bis dahin haben wir noch den heutigen Blog vor uns. Ab geht’s…

…allerdings noch immer nicht für Pierre Michel Lasogga, der mal wieder mit Oberschenkelproblemen pausieren muss. Auch heute konnte der Angreifer, dessen Trainingspause vor einer Woche als „Vorsichtsmaßnahme“ tituliert wurde, wieder nicht mittrainieren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Zusammen mit Ronny Marcos (Zerrung) ging Lasogga nur Joggen und verpasste das Training ebenso wie Dennis Diekmeier, dessen Kniereizung heute per MRT noch einmal festgestellt wurde. Der Rechtsverteidiger wird einige Tage pausieren müssen. Ebenso wie Valon Behrami, der bis heute lediglich im Kraftraum arbeiten konnte, wie mir die Kollegen berichteten.

Richtig rasant ging es heute dennoch zur Sache. Nicht nur, dass Artjoms Rudnevs seinen 27. Geburtstag vor Ort feierte, sondern auch, weil die Spieler zum Ultimativen Sprinttest gebeten wurden.

Matthias Ostrzolek beim Sprinttest

Matthias Ostrzolek beim Sprinttest

In der angrenzenden Sporthalle des Nad Al Sheba Sports Complexes wurden die Werte über fünf, zehn und 30 Meter gemessen. Der Schnellste: Nicolai Müller, der sich knapp vor dem Geburtstagskind sowie Marcell Jansen durchsetzen konnte. Wie schnell René Adler war, konnte mir niemand sagen. Dafür stand der zuletzt oft kritisierte Keeper heute den Kollegen vor Ort Rede und Antwort.

Unmittelbar nach der Vertragsverlängerung von Jaroslav Drobny nicht der leichteste Zeitpunkt, nachdem er zuletzt geschwiegen hatte. Wobei Adler gut drauf zu sein scheint. Zumindest vermittelt er diesen Eindruck: „Ich bin fit, habe auch zuhause in meinem eigenen Gym gearbeitet. Auf den Vorbereitungsstart habe ich mich extrem gefreut. Die Bedingungen hier sind atemberaubend.“ Am Donnerstag wird Adler 30. Ob er irgendetwas ändern will? „Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden, auch wenn ich kein gutes Jahr hatte. So ist das manchmal im Sport.“

Professionellste Bedingungen für René Adler und Co. in Dubai.

Professionellste Bedingungen für René Adler und Co. in Dubai.

Sportlich. Aber auch erst einmal nur Worte von Adler, der sich als absoluter Teamplayer präsentiert. Und obwohl er als Nummer eins geholt und inzwischen nur noch die Nummer zwei ist, versucht er souverän zu bleiben. Kein böses Wort – obwohl ihn die Situation seit Wochen erkennbar belastet. Adler er respektiert die Entscheidungen des Trainers. „Die Mannschaft lebt doch vom Konkurrenzkampf. Wir kommen extrem gut klar, auch wenn natürlich jeder spielen will. Ich will dem Trainer Argumente liefern. So trainiere ich jeden Tag.“ Wie er die Vertragsverlängerung Drobnys aufgefasst hat? „Wenn ich Sportdirektor wäre, dann hätte ich es genauso gemacht. Drobo hat gut gespielt, jetzt hat er genauso lange Vertrag wie ich. Und das Trainingslager ist eine von vielen Chancen, einen Stammplatz zu erobern. Ich will durch Leistung überzeugen. Ich will von hinten Druck machen.“

Adler kennt es, bis an den Rand der Aufgabe getrieben zu sein. Gut 60 Wochen Verletzungspause in vier Jahren, dazu eine verpasste WM und den Verlust der Nummer eins in der Nationalelf an den inzwischen unumstrittenen Manuel Neuer – „da gab es nicht wenige Situationen, die hart waren“, so Adler damals. Und heute? Adler betont ruhig: „Natürlich ist es nicht einfach, es lässt mich nicht kalt. Aber es ist auch eine gute Erfahrung. Man muss auch mal so eine Phase durchgemacht haben.“ Aufgeben sei das letzte, was ihm vorschwebt: „Ich werde meine Karriere beenden, wenn ich das irgendwann sage. Davon bin ich aber sehr weit weg. Wichtig ist mir nur, dass ich selbst das irgendwann entscheiden werde.“

Nicht zuletzt die Vertragsverlängerung 35 Jahre alten Drobnys dürfte ein Zeichen des HSV gewesen sein, dass sie mit der aktuellen Nummer eins zufrieden sind. Adler selbst hatte zuletzt jedoch nie einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er in Hamburg bleiben werde und sich durchsetzen will. „Der HSV ist ein Verein, der mir am Herzen liegt. Nur weil es mal nicht so läuft, wie ich mir das gerade vorstelle, muss man ja nicht alles hinwerfen. Ich bin keiner, der dann auf beleidigte Leberwurst macht, auch wenn ich als Sportsmann natürlich spielen will.“

Adler zählt zweifellos zu den fleißigsten Profis. Das bestätigen fast alle Spieler, mit denen ich über ihn gesprochen habe. „Wenn einer wirklich immer als Erster im Gym ist und auch noch als Letzter trainiert, dann ist es zweifellos René“, hatte mir Marcell Jansen zuletzt erzählt. Dennoch die hohe Verletzungsanfälligkeit. Ob Adler irgendwas geändert habe? „Ich trainiere auch ein bisschen ökonomischer. Ich kann nicht mehr so trainieren wie ein 18- oder 20-Jähriger.“ Und das erwartet auch niemand von ihm. Im Gegenteil: Adler soll die Jungen führen. Zumal der HSV-Kader immer jünger wird. Oder besser: werden soll.

Hierbei gibt es aber leider noch nichts Neues. Krystian Bielik ist weiter ein ganz heißes Eisen. Und auch Drmic ist weiter Stürmer Nummer eins auf der Prioritäten-Liste des HSV, soll aber noch immer rund sechs Millionen Euro kosten. Knäbel betonte heute noch mal, dass er dennoch eine Chance sehe, den Schweizer von Bayer Leverkusen loszueisen. Und das, obwohl es auch weiterhin keinen konkreten Ansatz eines Spielerverkaufs gibt.

Ob ein Wechsel ins Ausland für Adler irgendwann noch mal eine Option sei? „Es wäre schon schön, irgendwann noch mal eine neue Sprache zu lernen. Aber es muss auch sportlich stimmen. Man sollte auch mal zufrieden sein mit dem, was man hat. In Spanien können doch die meisten Vereine außer die Top Drei gar nicht pünktlich die Gehälter zahlen. Da hätte ich keinen Bock drauf.“ Hat wohl keiner.

Wobei sich der HSV diesbezüglich wird erklären müssen. Am 25. Januar auf der Mitgliederversammlung wird der alte Vorstand ob der in den Bilanzen versenkten Campus-Millionen Stellung beziehen müssen. Spricht man mit den Verantwortlichen, werden schnell die Verantwortlichkeiten auf zwei Personen gelenkt: Carl Jarchow und Joachim Hilke. Und während Letztgenannter gerade zusammen mit Karl Gernandt in Dubai eingetroffen ist, um dort mit Hauptsponsor Emirates zu verhandeln, konnte ich Jarchow nicht erreichen, habe ihm aber auf Band gesprochen. Ich bin allerdings für morgen telefonisch mit Oliver Scheel verabredet und weiß aus der Vergangenheit, dass sich Jarchow auch diesen unangenehmen Fragen nicht entzieht.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich mit Neuigkeiten zu bevorstehenden Transfers und mit ersten Antworten zu zurückliegenden Anleihe-Geschäften. Ich bin dann mal weg…

Scholle

Neujahr 2015 – der HSV steckt noch immer im Wendemanöver

1. Januar 2015

Ich wünsche Euch allen zunächst ein frohes neues Jahr 2015! Viel Gesundheit und Glück – und dass wir alle mal ganz zufrieden sein können mit unserem HSV.

Aber die Sache mit der Zufriedenheit ist nicht so ganz leicht herzustellen. Der HSV beginnt das Jahr 2015 im Vergleich zum Jahresbeginn 2014 mit einem komplett anderen Gesicht. Statt e.V. ist der Profi-Fußball-Bereich eine AG geworden. Statt Carl Jarchow sitzt nun Dietmar Beiersdorfer dem HSV als Vorstands-Chef vor. Es gibt den alten Aufsichtsrat nicht mehr, um den herum sich so viel Unruhe entwickelt hatte. Manfred Ertel war vor zwölf Monaten dessen Vorsitzender. Nun ist es Karl Gernandt im AG-Aufsichtsrat. Im sportlichen Bereich sind komplett neue Leute an der Führung. Statt Kreuzer/van Marwijk haben wir dort nun Peters/Knäbel/Zinnbauer.

Vom Campus liegt immer noch kein einziges Steinchen, der HSV ist finanziell nackt bis auf die Knochen. Klaus-Michael Kühne fungiert nach wie vor als Kreditgeber – er hat im Laufe des Jahres sein Darlehen von 8 auf 25 Millionen Euro erhöht. Im Sommer ist der HSV recht knapp am Lizenz-Entzug vorbeigeschrammt, und schon jetzt gelten alle wirtschaftlichen Planungen dem Ziel, ein enges Rennen wie zuletzt zu vermeiden. Mit dem Bitburger-Bier-Deal wurde vorab geleistet, was im Vorjahr mit adidas der Rettungsanker war.

Gaaanz langsam angekommen ist der Prozess beim HSV in der Bundesliga-Mannschaft. Das Fußballjahr 2013 beendete der HSV mit einer 2:3-Heimniederlage gegen Mainz (Tore: Calhanoglu, van der Vaart) mit 16 Punkten auf Rang 14. Nun gab es ein 0:0 auf Schalke, was bedeutet: Ebenfalls Platz 14, diesmal mit 17 Punkten. Von den elf Spielern in der Startaufstellung Ende 2013 sind Ende 2014 nur zwei übrig geblieben – Torwart Jaroslav Drobny und Innenverteidiger Johan Djourou.

Viele, viele Veränderungen also – aber der Tanker HSV steckt noch mitten im Wendemanöver und hat noch längst nicht Tempo aufgenommen für eine zügige Weiterfahrt in die richtige Richtung.

Noch immer sind die Verantwortlichen dabei, auf allen möglichen Ebenen Fehler der Vergangenheit zu begradigen, um nicht unnötigen Ballast mitzuschleppen. Dazu gehört der offene Arbeitsgerichts-Prozess mit Ex-Sportchef Oliver Kreuzer, aber dazu gehört in erster Linie die Anpassung des Profi-Kaders an die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dies hinzubekommen ist die Kernaufgabe des Jahres 2015. Kühne-Kredit, Bier-Vertrag – all das ist für die Katz, wenn der HSV Jahr um Jahr Gehälter bezahlt in der Größenordnung von Champions-League-Vereinen. Schon das Winter-Transferfenster, das sich diesmal bis zum 2. Februar erstreckt, soll hier Erfolge bringen. Dummerweise weiß ganz Fußball-Europa um die wirtschaftlichen Zwänge des HSV, was die Preise nachhaltig beeinflusst. Jüngstes Gerücht: Tolgay Arslan soll bei Inter Mailand auf der Beobachtungsliste stehen. Das berichtet der Internet-Dienst calciomercato in einer Silvester-Meldung. Arslan ist demnach eine Option für Trainer Roberto Mancini, wenn die Italiener den gewünschten Transfer von Lassana Diarra (zuletzt Lokomotive Moskau) nicht unter Dach und Fach bekommen.

Ebenfalls aus Italien kam in diesen Tagen die Meldung, der HSV sei am Schweizer Innenverteidiger Timm Klose vom VfL Wolfsburg dran. Wie ich gehört habe, kann diese Meldung allerdings vernachlässigt werden.

Wie auch immer: Arslan, Jansen, Adler, Ilicevic, Rajkovic und ein paar andere – die Liste der HSV-Profis, auf die der Verein bei entsprechendem Angebot reagieren würde, ist nicht ganz kurz. Ähnlich sieht es übrigens beim VfB Stuttgart aus. Auch die Schwaben haben ein halbes Dutzend Profis auf ihrer Liste, die sie gern veräußern würden.

Dass sich die Lage zu Jahresbeginn 2015 noch immer so kritisch darstellen würde, hätten viele HSV-Freunde am 25. Mai, dem Tag der beschlossenen Ausgliederung, nicht für möglich gehalten. Die Gleichung, die aufgemacht wurde, lautete damals: HSVPlus + Kühne + Beiersdorfer = Entschuldung + weitere Investoren.

So ist es nicht gekommen, und bis auf einen Punkt ist das wohl auch nicht überraschend. Die Überraschung im negativen Sinne ist, dass Klaus-Michael Kühne beim HSV nicht als Anteilseigner eingestiegen ist. Hieran bestand eigentlich kein Zweifel, bzw. es wurde insbesondere von Karl Gernandt der Eindruck erweckt, dass kein Zweifel an einem entsprechenden Engagement seines Geldgebers Kühne berechtigt sei. Gernandt hat sich jedoch vertan, und diese Fehleinschätzung schmerzt den HSV. Einerseits.

Andererseits beweist Klaus-Michael Kühne mit seinen Interviews, in diesem Halbjahr erschienen in Abendblatt, Stern und Zeit, dass der HSV froh sein muss, ihn nicht als Anteilseigner zu haben. Was Dietmar Beiersdorfer versucht auszustrahlen – Verlässlichkeit, Geradlinigkeit, Konzepttreue, ruhige Hand, Vertrauen – das konterkariert Kühne immer wieder, auch wenn – und das habe ich hier in verschiedenen Blogs immer wieder betont – Kühne sich als Helfer in der Not (angebotene Bürgschaft in der Lizenzfrage im Mai) auch um den HSV verdient gemacht hat. Umso unverständlicher erscheint immer wieder sein Wankelmut, der offenbar keiner geraden Linie folgen mag. Und darunter leidet natürlich auch die Position von Karl Gernandt, der es „nicht mal“ fertig gebracht hat, „seinen“ Kühne an den HSV zu binden.

Weniger überraschend ist dagegen, dass bislang kein anderer HSV-Anteilseigner gefunden wurde. Die Unternehmensbewertung in Höhe von 330 Millionen Euro wird in der Wirtschaft mit Zweifeln betrachtet – nicht nur bei Klaus-Michael Kühne. Und vor allem: die Unsicherheit in der sportlichen Entwicklung, vielleicht sogar in der Liga-Zugehörigkeit, hält Firmen im Moment von zahlungskräftigem Investment ab. Es bleibt dabei: sportliche Entwicklung ist der Motor für den HSV. Stabilisiert sich die Mannschaft, wird der Club auch wieder attraktiver und der Markenwert wird sichtbar. Die Metropole Hamburg, der Status als letzter Dino, die Größe des Vereins – all das ist eine schlummernde Kraft des HSV, die geweckt werden will.

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang gar nicht schlecht, wenn die stets aus der Not geborene Zusammenarbeit zwischen dem HSV auf der einen und Kühne auf der anderen Seite nun eine klarere Basis hat. Kein „vielleicht Investor“ mehr. Kein „will einsteigen“ mehr. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Am 25. Januar wird Jens Meier mutmaßlich neuer Präsident des HSV e.V. Sollte zugleich der Antrag von Manfred Ertel angenommen werden, wonach der e.V.-Präsident automatisch Aufsichtsrats-Vorsitzender der HSV-AG werden soll (ein verständliches Bestreben, schließlich ist und bleibt der e.V. Mehrheitseigner der AG), dann steht – wie ich finde – auch die Position von Karl Gernandt auf gesünderen Füßen. Allein schon die theoretische Möglichkeit eines Interessenkonflikts birgt Unruhe-Potenzial. Beim FC Bayern beispielsweise, die einige Verwaltungsrats-Posten mit Vertretern ihrer Investoren besetzt haben, ist der Vorstands-Posten „in den Händen“ des FC Bayern geblieben – durch Karl Hopfner.

Besteht nun beim HSV weitgehende Einigkeit in allen HSV-Gremien, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, dann muss damit auch kein Gesichtsverlust einher gehen für Karl Gernandt. Selbst wenn Gernandt, der rhetorisch stark und mit einer breiten Mehrheit ausgestattet starten konnte, an Strahlkraft verloren zu haben scheint. Man könnte eine veränderte Konstruktion jedenfalls als die Linderung einer Kinderkrankheit betrachten.

Ob damit dann am 31. Januar mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln eine erfolgreiche Rückrunde eingeläutet werden kann, ist offen. Trainer Joe Zinnbauer muss in den vier Trainingswochen bis dahin insbesondere an den Offensiv-Problemen des HSV arbeiten. Er wird dies bis zum Erbrechen tun, ganz sicher. Ein neuer Stürmer könnte dabei helfen, ganz klar, aber ein Allheilmittel ist auf dem Transfermarkt ganz sicher nicht zu bekommen. Ganz sicher nicht! Immerhin: aus den eigenen Reihen drängt der lange verletzte Maximilian Biester nach. Doch bei ihm sind nach dem Kreuzbandriss und den darauf folgenden Problemen in der Reha sowie insgesamt einem Jahr Fußball-Pause keine Wunder erwartet werden.

Wichtig wäre, wenn die Vorbereitungsarbeit schnell von Erfolgserlebnissen untermauert wird. Wird die Bundesliga-Rückrunde angepfiffen, und die Mannschaft fällt automatisch wieder in alte Verhaltensmuster und alte Ängste zurück, dann wird auch diese Rückrunde eine zähe Angelegenheit. 27, 31, 31, 36, 31, 30, 31, 34, 33, 35 – das sind die Punktezahlen des jeweiligen Tabellen-Sechzehnten der vergangenen Dekade. Das muss der HSV übertreffen, damit es nicht erneut zum Herzkasper-Showdown kommt. Ich traue Joe Zinnbauer und dem HSV zu, sich Abstand von den Abstiegsrängen zu erkämpfen, um in diesem Jahr im sicheren hinteren Mittelfeld einzulaufen.

Zinnbauer wird verstärkt darauf achten, welche Spieler er auf seinem Weg mitnehmen kann. Dass nun schon ein Sextett von U-23-Spielern mit ins Trainingslager fährt (Götz, Gouaida, Marcos, Brunst, Mende, A. Arslan), ist auch ein Beleg für seine Unzufriedenheit mit einigen Etablierten. Die Hierarchie wird umgebaut – mannschaftsintern ein komplizierter Prozess. Wie präsentiert sich Königstransfer Lasogga, eine der größten Enttäuschungen der Hinrunde? Gibt es ein Überraschungs-Comeback eines möglicherweise „Aussortierten“? Und dann auch hier: wird Zinnbauers Linie von einem Erfolgserlebnis, etwa schon gegen Köln, getragen?

Der HSV steht vor einem Jahr voller Fragezeichen. Aber er genießt auch Kredit. Nach wie vor schöpft der HSV Kraft aus der Führungsperson Dietmar Beiersdorfer, dessen Maßnahmen überwiegend auf große Akzeptanz stoßen. Dass nichts alle Transfers sitzen konnten, war doch klar. Dass nicht alle HSV-Plus-Hoffnungen sofort wahr werden würden, ist logisch gewesen. Nach einem halben Jahr HSV-AG ist der Verein weiter gekommen. Viel mehr, denke ich, war im Gesamtpaket kaum drin. Und auch heute in einem Jahr kann es sein, dass der HSV noch nicht dort angekommen ist, wo er gerne hin möchte.

Mir haben viele Heimspiele des HSV in der Hinrunde sogar ansatzweise Spaß gemacht. Da war Leben in der Bude. Mal abgesehen vom Stuttgart-Spiel kann ich mich auch an keinen Auftritt unter Joe Zinnbauer erinnern, an dessen Ende die Mannschaft mit Pfiffen verabschiedet wurde. Es werden junge Spieler eingebaut. Der gesamte Trainerstab, auch inklusive Zinnbauer-Vorgänger Mirko Slomka, hat an der katastrophalen Defensiv-Darbietung der Vorsaison gearbeitet. Auch am desolaten körperlichen Zustand vieler Profis. Es sind Veränderungen sichtbar, wenn auch noch längst nicht genügend.

Vielleicht müssen alle HSVer zu Beginn des neuen Jahres auch ein wenig froh sein, dass ihr Verein nicht mehr hinten dran hängt. Er hat den Anschluss an die hinteren Mannschaften hergestellt. Das war im Frühjahr 2014 wahrlich nicht selbstverständlich, als der HSV in allen Bereichen komplett am Boden lag und den unverdientesten Nichtabstieg der Bundesliga-Geschichte perfekt gemacht hat.

Dietmar Beiersdorfer hat vor zwei Wochen von einem „Pioniergeist“ gesprochen, den er im Verein spüre. Diesen Geist gilt es zu bewahren und auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen. Es bleibt dabei: einen anderen Weg gibt es nicht, ist er auch noch so steinig und langsam. Es bleibt aber auch dabei: keinesfalls ist es ein Automatismus, dass der Weg am Ende ins Licht führt. Die handelnden Personen dürfen nicht erlahmen, müssen weiter durchgreifen und das Sanieren nicht vernachlässigen.

Lars
18.05 Uhr

Die Lage nach der Niederlage in Augsburg

30. November 2014

„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.“ Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg. Im April 2013 gab es letztmalig in der Bundesliga zwei Siege in Folge, gegen Mainz und Düsseldorf. Seit dieser Zeit tritt der HSV kräftig auf der Stelle. „Ich kann mich selber nicht mehr hören, immer die gleiche Scheiße zu erzählen“, sagte Kapitän Rafael van der Vaart nach dem 13. Spiel dieser Saison. Der HSV hat bislang 27 Spieler eingesetzt, aber, das ist das große Dilemma, er hat immer noch keine Elf gefunden.

 


 

Immerhin hat mit Ronny Marcos, der von allen Spielern, die auf dem Augsburger Rasen standen, die meisten Kilometer abriss (über 13!), einmal mehr ein Talent aus der U23 sein Debüt gegeben. Nach Matti Steinmann, Ashton Götz, Mohamed Gouaida und Tolcay Cigerci bereits der fünfte Mann aus dem Nachwuchs – in meinen Augen der richtige Weg. Auch wenn dieser noch sehr, sehr steinig und mühsam wird. Aber ganz wichtig dabei: Zweifel, ob Joe Zinnbauer der richtige Trainer für den HSV sei, wischte Profi-Direktor Peter Knäbel heute kurz und schmerzlos vom Tisch: „Ich zweifle grundsätzlich nicht, wir bereiten uns auf das nächste Spiel genauso beharrlich vor wie auf das letzte Spiel.“ Sehr gut. Trotz der Tatsache, dass es unter Joe Zinnbauer in zehn Bundesliga-Spielen erst drei Siege gab. Alle wussten, dass diese HSV-Genesung nicht über Nacht funktionieren würde.

 

Bitter nur, dass jetzt Heiko Westermann ausfallen wird. Für „HW4“ ist die Hinrunde gelaufen, er zog sich in Augsburg in der 31. Minute eine schwerere Knie-Verletzung zu. Diagnose: Innenbandanriss im linken Knie. „Mit Heiko verlieren wir unseren stabilsten Spieler“, sagte Knäbel mit betretener Miene. Es gibt, leider, leider, etliche HSV-Fans, die das ganz anders sehen. Aber jedem seine Meinung, keine Frage – ich schließe mich deshalb Peter Knäbel an. Vorbehaltlos.

 

Obwohl es, da beißt die Maus keinen Faden ab, an allen Ecken und Enden kneift. Der HSV, das ist klar, sucht seine Formation, sucht noch nach dem Weg, dort unten raus zu kommen – und er probiert, experimentiert. Dazu gehören die jungen Leute aus der U23. Natürlich. Zinnbauer hatte es bei seinem Amtsantritt am 17. September gesagt, dass er „seinen“ Leuten die Chance geben wird – wenn die arrivierten Profis nicht so funktionieren, wie er es sich vorstellt und wünscht. Von der Club-Führung hat Joe Zinnbauer die Unterstützung – ganz offenbar. Peter Knäbel sagte heute: „Jeder Spieler kann jeden Tag seine Qualität und seine Bedeutung für den HSV beweisen. Am sinnvollsten macht er das, indem er die entsprechenden Zahlen liefert. Das heißt: Duelle gewinnen, Torschüsse nicht nur auf das Tor, sondern ins Tor, und indem er dabei ist, wenn der HSV gewinnt.“
Das ging wohl in erster Linie an Holtby und Lasogga. Die – etwas überraschend (?) – draußen blieben. Knäbel sagt generell: „Die Spieler, die von Joe Zinnbauer jetzt mal durchrotiert worden sind, haben die Entscheidung akzeptiert. Das ist eine Grundlage des Profi-Geschäfts. Kein Spieler hat bei einem solchen großen Kader eine Garantie, dass er spielt. Gegen Augsburg hat Joe Zinnbauer versucht, mehr Geschwindigkeit nach vorne rein zu bringen, das hat sich in den ersten 15 Minuten gerechnet, vom Resultat zur Halbzeit her war das auch in Ordnung.“

Trotz allem sollten sich die Herren Profis, die nun auf der Bank oder sogar nur zu Hause saßen, einmal hinterfragen, was sie besser machen könnten. Artjoms Rudnevs hat auf eine mehrfache Nichtberücksichtigung die richtige Antwort gegeben, jetzt sind die anderen „Jungs“ gefragt. Dazu gehören auch Zoltan Stieber, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar – neben Holtby, Arslan und Lasogga.

 
Wobei die erste Halbzeit des HSV gut war. Dabei bleibe ich. Es war vielleicht die beste Halbzeit, die der HSV in dieser Saison gespielt hat. Vielleicht, darüber könnte man streiten. Dass es dann doch keinen Sieg gab, das lag wohl auch am schnellen 1:1 in der 49. Minute. Matthias Ostrzolek rutschte, als er zu spät gegen Djurdjc kam, in den Mann – Freistoß. Das war schon dumm. Dann segelte dieser Freistoß in den Fünfer, wo alle HSV-Spieler – nebst Johan Dhourou und Cleber) abtauchten. Einige Experten forderten rückblickend, dass Jarolsav Drobny hätte die Linie verlassen müssen, aber wie soll das gehen, wenn so viele Leute unmittelbar vor ihm stehen? Geht er raus und berührt einer der Vorderleute die Kugel, dann sieht er erst recht alt aus. Es war meiner Meinung nach ein Fehler, dass die HSV-Defensive so weit hinten stand, und es war natürlich falsch, sich nur abzuducken statt hoch zu springen. Und ich behaupte mal, wie wohl auch Knäbel: Mit Westermann da hinten drin wäre das nicht passiert.

 

Bei Tor Nummer zwei sahen die Youngster Ashton Götz und vor allem Mohamed Gouaida nicht gut aus, aber auch die Innenverteidiger nicht. Hätten sie besser gestanden, hätte der letzte Mann dieser Kette, nämlich der Augsburger Bobadilla, nicht an den Ball kommen können. Und über Tor Nummer drei müssen wir nicht diskutieren – das war ein Witz-Elfmeter. Obwohl ich die ganze Nacht nicht darüber lachen konnte, und auch heute nicht. Heute morgen war ich beim Oberliga-Spiel Paloma gegen Germania Schnelsen (2:1), ich haben niemanden gefunden, der das sagte, was offenbar der „Ober-Guru“ Dr. Markus Merk sagte: „Das war ein klarer Elfmeter.“ Soll, ich wiederhole, soll Merk gesagt haben – ich habe es nicht gehört. Und wenn er es tatsächlich gesagt hat, dann kommen mir nur noch mehr Zweifel an dieser ganzen Schiedsrichterei. Wobei ich weiß, dass Merk bei seinen ehemaligen Kollegen ohnehin schon seit geraumer Zeit unten ist, weil er als „Ober-Ober-Schiedsrichter“ immer alles besser weiß (auf Sky), als die Kollegen, die auf dem Rasen stehen. Und da muss man eben mal sagen: „Das war ein klarer Elfmeter.“

 

Das war es natürlich nicht. Und ich finde es bitter, wenn man dann sagt: „Daran lag es nicht, dann hätte der HSV eben nur 1:2 verloren.“ Jeder Fußballer weiß aber doch, dass ein 1:2 schneller zu egalisieren ist, als ein 1:3. Und gerade die HSV-Spieler wissen es am besten. Bei 1:2 hätte doch noch die Chance bestanden, dass sich der gegnerische Torwart die Kugel wieder selbst in die Kiste schmeißt . . . Weil ein zweites HSV-Tor in einem Spiel? Das wäre ja ohnehin die Krönung der Auslese. Und man will ja auch gar nicht zu viel auf einmal verlangen.

 

Unabhängig von diesem Skandal-Elfmeter, den dieser Herr Doktor sich da zurechtpfiff, hat der HSV natürlich auch in Halbzeit zwei schlechter gespielt. Weil dieses 1:1 zu schnell kam. Mittelfeldspieler Valon Behrami fand deshalb in Augsburg mahnende und vor allem offene, ehrliche Worte nach dieser Niederlage: „Nach dem 1:1 in der zweiten Halbzeit war es wie immer, wir schalten ab, und zwar komplett, es passiert nichts mehr. Das ist die Verantwortung der älteren Spieler. Spieler wie ich, Rafael van der Vaart und Johan Djourou. Aber wir haben nichts gemacht, das ist unser Fehler. Das ist eine Frage des Charakters, das ist sicher. Das liegt an der Professionalität, aber die kann man nicht kaufen. Entweder hat man das, oder man hat es nicht.“

Über die Zufriedenheit, über die ja kürzlich auch Sport-Direktor Bernhard Peters gesprochen hatte, sagte Behrami: „Wenn man denkt, man hat etwas erreicht, wenn man zwölf Punkte nach zwölf Spielen hat, dann liegt man damit total falsch – wir haben nichts erreicht.“
Und zur aktuellen personellen Situation befand der Schweizer: „Die jungen Spieler kommen mit Spaß und Freude zu uns. Aber uns können auch die erfahrenen Spieler helfen. Die hatten wir heute auf der Bank, die haben Qualität, das sind wichtige Spieler für uns, wie Holtby, Lasogga und auch Arslan. Die jungen Spieler sind gut für die Konkurrenz, so muss jeder mehr machen im Training und im Spiel. Aber wir brauchen die Qualität dieser Spieler, obwohl es natürlich auch klar ist, dass das die Entscheidung des Trainers ist.“

 

Zur Lage mit den jungen Leuten fällt mir dabei noch ein Name ein, den ich an diesem Wochenende in der ARD-Sportschau vernahm. Beim Spiel Werder gegen Paderborn (4:0) spielte der 22.jährige Janek Sternberg von beginn an mit, und er spielte nicht nur mit, er gehörte mit zu den besten Bremern. Und Sternberg war ja auch mal einer, der die Raute auf der Brust trug. Auch hin und wieder bei den Profis. So kann es gehen.

 
Apropos junge Leute: Matti Steinmann, diesmal unser Mann bei „Matz ab live“, (neben seinem Teamkollegen Ahmet Arslan – nochmals vielen Dank), sah ja vor einer Woche beim Spiel in Norderstedt die Gelb-Rote Karte. Er ließ sich deshalb schnell am Meniskus operieren, versäumt daher wohl kein einziges Spiel, denn nun geht es in die Winterpause. Und danach ist Matti wieder fit. Ein “älterer Herr” dagegen wird wohl nicht so schnell fit: Rene Adler. Weil die Rückenprobleme des Nationaltorhüters (a.D.) nicht besser werden, fliegt Adler morgen nach München, um sich dort von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen.
Unterdessen deutete Peter Knäbel an, dass der HSV den Vertrag mit Jaroslav Drobny demnächst verlängern wird. Gut so.

 

Ja, und dann ist inzwischen klar (und wohl auch bekannt), dass Carl-Edgar Jarchow als Präsident des HSV vom Mai an nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Für mich war das schon seit längerer Zeit klar, deswegen habe ich das nicht mehr als das ganz große Thema angesehen. Dass ich seinen Schritt durchaus bedauere, das will ich gerne bekennen, obwohl ich dafür natürlich von vielen Freunde um die Ohren bekomme. Ist egal. Jedem seine Meinung, ich schrieb es bereits. Und Jarchow hat vor allem den einen Fehler gemacht (zum Wohle des HSV), indem er nicht ausplauderte, was er für einen tollen Verein bei Amtsantritt vorgefunden hat. Dabei möchte ich es belassen, das allein wird wieder genügend Öl ins Feuer gießen – das wird für mehrere Tage reichen.

 

Ein erfreulicheres Thema ist das neue Uwe-Seeler-Buch, das unser geschätzter Abendblatt-Kollege Jens Meyer-Odewald geschrieben hat, das nun auch rechtzeitig zum Weihnachtsfest erschienen ist. Es ist ja auch in der rechten Spalte neben dem Matz-ab-Bericht zu sehen. Und ich habe es im neuesten Matz-ab-live auch entsprechend angepriesen. Dazu habe ich nun auch ein weihnachtliches Gewinnspiel vorbereitet. Drei Bücher „Uns Uwe – ein Hamburger mit Herz“ werde ich verlosen. Drei Bücher, von Uwe Seeler (so hoffe ich – ich bemühe mich) für den Gewinner namentlich signiert, und die ich von den ehemaligen Meisterspielern von 1960 auch unterschreiben lassen werde, gehen noch vor dem Fest an die Gewinner.

 

Die Frage, die ich stelle und die zu beantworten wäre, ist ganz einfach:

Für welchen Verein ist Uwe Seeler – neben dem HSV – noch auf Punktejagd gegangen?

Es können die Antworten (bis zum nächsten Sonntag) bei „Matz ab“ im Internet (per Email an: blog*at*matz-online.net) abgegeben werden, oder per Post:

Dieter Matz
Sportredaktion Hamburger Abendblatt
Axel-Springer-Platz 1
20355 Hamburg

 

Dann noch schnell dies und das:

Manfred aus Lünen schrieb mir kürzlich (und er trug es auch beim Matz-ab-Treffen persönlich vor!):

 

Dieter, ich möchte noch einmal an unser Gespräch wegen der Weitergabe der Mail-Adressen erinnern. Über das Abendblatt kann man bei Angabe der Postleitzahl erkennen, wie viele HSV-Mitglieder im Ort wohnen (bei uns sind es drei Mitglieder).
Die Anregung kam von Erhard W. (HSV57) aus Ölbronn, wir möchten so vielleicht Fahrgemeinschaften zu den Spielen zu organisieren.

Bitte rege es doch einmal im Blog an, der eine oder andere Matz-abber wird es lesen und sich die Adressen von den Mods geben lassen.

 

Dann gab es kürzlich schon ein Gewinnspiel bei uns, und da kam ein Gewinner aus Hille. Ich wusste nicht, wo dieses Hille liegt (ich kannte früher nur das BU-Brüderpaar Hansi und Fredy Hille) – aber der Matz-abber schrieb mir und klärte mich auf:

 

Hallo Herr Matz,
habe mich sehr über den Gewinn des Heftes von Oliver Wurm aus Ihrem Quiz gefreut. Ich will Ihnen gerne erklären wo Hille liegt.
Hille liegt etwa 20 km entfernt von Minden (Melitta Werke – GWD Minden) in Ostwestfalen.
Hille ist eine Handball-Hochburg und lieferte schon mehrere Nationalspieler.
Es seien nur drei Namen genannt:
Jimmy Waltke (erzielte bei der WM 1978 im Endspiel gegen die UDSSR in 193 Sekunden 3 entscheidene Tore vom 14:12 bis zum 16:12. Deutschland wurde bekanntlich mit 20:19 Weltmeister.

Rainer Niemeyer (Torwart) wurde ebenfalls 1978 Weltmeister.
Sein Sohn Arne Niemeyer spielte in der Saison 2008/2009 für den HSV Hamburg und spielt heute bei GWD Minden.

Frank von Behren, 167 Länderspiele für Deutschland
Vize-Europameister 2002 und Silbermedaille bei Olympia 2004.

Sie sehen, dass sich unser Dorf Hille nicht zu verstecken braucht.

Mit freundlichen Grüßen aus Hille, Helmut F.

 

Dann möchte ich schnell noch auf eine interessante Geschichte hinweisen. Im WDR und im NDR Fernsehen läuft heute wieder „Dittsche“ – sehenswert. Und um 23.35 Uhr geht es im NDR-Fernsehen um Fußball. Der Bericht heißt:

 

Flucht aus der Kurve

 

Die Entfremdung zwischen der Vereinsführung und einem Teil der Fans – in der Bundesliga keine Seltenheit mehr. Beim Hamburger SV sind etliche Anhänger ausgestiegen, nachdem im Sommer die Profiabteilung in eine AG ausgegliedert wurde. In Hannover besuchen Ultras und andere Gruppierungen seit Beginn dieser Saison die 96-Spiele nicht mehr, weil der Club in der vergangenen Spielzeit die Busanreise zum Derby nach Braunschweig angeordnet hatte. Nur wer im organisierten Konvoi mitfuhr, bekam seine Eintrittskarte. Die Situation ist verfahren, eine Lösung der Konflikte nicht in Sicht – dabei leidet die Stimmung im Stadion spürbar.
„Wir sind offen, mehr kann ich nicht anbieten. Wir sind da, wir laufen nicht weg“, sagte 96-Boss Martin Kind bei den Dreharbeiten zur „Sportclub Reportage“. Das sehen die Fanvertreter anders: „Herr Kind sagt immer so schön: Dialog ist keine Einbahnstraße. Doch er will sagen, wie es läuft und nicht.“ Sie fordern, dass sich Kind „dafür entschuldigt, dass den Auswärtsdauerkarteninhabern die Karten vorenthalten wurden“. Für den Unternehmer kommt das nicht in Frage: „Warum sollten wir uns entschuldigen? Bei allem Verständnis für Dinge, aber eine Entschuldigung ist nicht nötig.“
In Hamburg haben einige Fans im Juli einen neuen Verein gegründet, den HFC Falke, der mittlerweile 350 Mitglieder zählt. Mit dem HSV haben sie abgeschlossen: „Ich vergleiche mich manchmal mit einem Alkoholiker“, sagt Ex-Vorstandsmitglied Christian Reichert: „Ich bin auf Entzug, habe aber einen Vorteil: Meine Rückfallgefahr ist gering. Denn was ich am HSV geliebt habe, gibt es nicht mehr.“
HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer würde die Aussteiger allerdings gerne zurückgewinnen: „Ich verstehe den HSV, den ich 1986 als Spieler kennengelernt habe, immer noch als den HSV wie er hier und heute ist, auch wenn es mit der AG und dem e.V. verschiedene Rechtsformen gibt.“ Auch Kind fehlt etwas: „Dieser harte Kern der Fans ist wichtig, weil sie f ür die Stimmung stehen und weil sie eine unglaubliche Loyalität zum Fußball, zu ihrer Marke haben“, sagt der 96- Präsident. Die Reaktion eines Fanvertreters ist indes bezeichnend und verdeutlicht die tiefe Kluft: „Loyalität zu einer Marke? Ich bin doch nicht Fan einer Marke, ich bin Fan eines Vereins!“

 
PS: An diesem Montag haben die Profis trainingsfrei.
 

So, das war es heute wieder mal in etwas längerer Form, ich wünsche trotz allem noch einen schönen ersten (Rest-)Advent. Und morgen einen großartigen Start und eine tolle und erfolgreiche Woche,

Dieter

 
18.28 Uhr

U 23 zieht die Hinrunde ungeschlagen durch

15. November 2014

Joe Zinnbauer hatte gestern nach dem 1:0 im Test gegen Eintracht Braunschweig angekündigt, verstärkt auf die Nachwuchsspieler aus der U 23 zu achten. Scholle hatte dies hier ausführlich aufgegriffen. Wie weit die Jugend wirklich ist, konnten 1.250 Zuschauer heute an der Hagenbeckstraße verfolgen. Die Partie musste wegen des großen Andrangs vor den Kassenhäuschen mit acht Minuten Verspätung erst begonnen werden.

U-23-Trainer Daniel Petrowsky setzte allein sechs Spieler ein, die tags zuvor auch einige Minuten mit den Profis gegen Braunschweig auf dem Rasen standen. Ronny Marcos in der Abwehr; Ahmet Arslan, Sven Mende und Mohamed Gouaida im Mittelfeld; Nils Brüning und Philipp Müller im Sturm. Anfangs lief alles nach Plan. Im Anschluss an einen Freistoß nutzte Francis Adomah, heute als Innenverteidiger eingesetzt, das folgende Durcheinander in der VfB-Deckung zum 1:0. Großer Jubel schon in der 8. Minute.

Doch der dauerte nicht lange an. Schon im Gegenzug gelang Andre Senger der Ausgleich (9.), wenige Minuten später fiel durch Markeineke gar das 1:2 (14.). Dieser Halbzeitstand war für den HSV noch schmeichelhaft, denn Lübecks bester, Andre Senger, traf noch einmal den Pfosten (27.). In der zweiten Halbzeit bissen sich die Petrowsky-Schützlinge lange vergebens die Zähne aus an der sicheren Gäste-Deckung. Bis eine sensationelle Kombination doch noch das Unentschieden und damit die Rettung der Serie brachte. Mohamed Gouaida spielte prächtig Doppelpass mit Ahmet Arslan und vollendete diese Aktion mit einem platzierten Schuss zum 2:2 (84.).

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Kapitän Sven Mende. „Aber wir können natürlich auch ein bisschen stolz sein. Eine ganze Hinrunde ungeschlagen zu sein, hat noch niemand geschafft. Dennoch müssen wir für heute zufrieden sein, wenn wir kurz vor dem Schluss erst den Ausgleich schaffen. Wenn wir jetzt noch für die restlichen drei Spiele dieses Jahres konzentriert bleiben, sieht es gut aus für das neue Jahr.“ Am kommenden Sonntag tritt der HSV zunächst bei Eintracht Norderstedt an. Und in der Tat sieht es gut aus in der Tabelle: Aktuell zwölf Punkte Vorsprung sind eine sensationelle Bilanz (wobei Verfolger Werder Bremen morgen noch spielt). Da ist das Ziel natürlich, die Aufstiegsrunde zur 3. Liga zu erreichen, wo dann allerdings die Karten völlig neu gemischt werden.

So spielte der HSV: Brunst – Jordan (58. Derflinger), Jung, Adomah, Marcos – Arslan, Mende, Haut (77. Charrier), Gouaida – P. Müller, Brüning (68. Benkarit)
Tore: 1:0 Adomah (8.), 1:1 Senger (9.), 1:2 Marheineke (14.), 2:2 Gouaida (84.)
Zuschauer: 1.250

Zu einem anderen Thema. Am 25. Januar, genau acht Monate nach der historischen Mitgliederversammlung im Stadion, als die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung in eine AG beschlossen wurde, steigt die nächste große Sitzung des HSV. Es handelt sich um die erste ordentliche Mitgliederversammlung des „neuen“ HSV e.V. und um das Ende der bisherigen Übergangsregelung. Das betrifft vor allem die Besetzung des Präsidiums.

Bekanntlich sind aktuell Carl Jarchow (Präsident), Joachim Hilke (Vizepräsident) und Oliver Scheel (Schatzmeister) im Präsidium. Sie sind sozusagen das Überbleibsel aus dem alten Vereins-Vorstand vor der AG-Ausgliederung. Die Verträge von Jarchow und Hilke enden am 31. Mai kommenden Jahres. Oliver Scheel, ursprünglich von der Mitgliedschaft als deren expliziter Vertreter in den Vorstand gewählt, scheidet bereits Mitte Januar aus.

Hinter den Kulissen wird seit Monaten kräftig daran gewerkelt, ein neues e.V.-Präsidium auf die Beine zu stellen. Dafür verantwortlich ist der Beirat unter Leitung des Vorsitzenden Eckart Westphalen (er ist der Delegierte aus den Amateur-Abteilungen des HSV). Ferner sitzt ihm als Stellvertreter Andreas Peters (Vorsitzender des Ehrenrates) sowie Walter Koninski, Engelbert Wichelhausen (beide ebenfalls Mitglieder des Ehrenrates) sowie Sven Winkelmann (Förderer) zur Seite. Die fünf Herren hatten und haben die heikle Aufgabe, Kandidaten für den neuen Vorstand zu finden und letztlich der Mitgliederversammlung vorzuschlagen.

Genau genommen ist die Aufgabe schon in dem Punkt heikel geworden, als sich der Beirat auf das Wahl-Procedere einigen musste. Wie sich herausstellte, ist die neue e.V.-Satzung in einigen Punkten offenbar nicht eindeutig. Juristische Hilfe wurde in Anspruch genommen – und dies führte am Ende zu dem Ergebnis, das der Beirat auf der Internet-Seite des HSV vor einigen Tagen veröffentlichte.

Was das Verfahren am 25. Januar angeht, ist nun folgendes angedacht. Der Beirat schlägt ein Präsidium vor, also drei Personen, die er für die Geeignetsten hält. Es soll keinen Wahlkampf auf dieser Veranstaltung geben, sondern nur eine Vorstellung eines Präsidenten-, eines Vize-Präsidenten- und eines Schatzmeister-Bewerbers. Die Mitgliedschaft soll anschließend mit einfacher Mehrheit beschließen, ob der jeweilige Kandidat das Amt dann auch für drei Jahre antritt. Abgesehen davon, dass dieser Weg dann sehr dem des FC St. Pauli ähnelt, der ja morgen seinen spannenden Sitzungs-Tag hat, hatten die Satzungs-Väter des HSV eine konkrete Idee, die dahinter steckt. In den vergangenen Jahren ist der HSV nicht zuletzt deswegen immer wieder auf härteste Belastungsproben gestellt worden, weil ein unerträgliches Hauen und Stechen um Ämter die Vereins-Versammlungen und damit das Klima im Verein vergiftet hatte. Beispiele muss ich an dieser Stelle nicht aufführen. Eigentlich waren alle Veranstaltungen im CCH in den letzten 20 Jahren geprägt von verbalen Tiefschlägen, Beschimpfungen, Anfeindungen, Gepöbel. Unerträglich eben, und daher ist die Entscheidung, nur einen Kandidaten pro Amt vorzuschlagen, konsequent – und eben überdies rechtlich geboten.

Wünschenswert ist im Sinne der Befriedung des HSV und der Eindeutigkeit der Entscheidung, und auch, damit ein neues Präsidium mit möglichst großer Unterstützung ins neue Amt gehen kann, dass eine große Mehrheit für die neuen Leute gefunden wird. Aus diesem Grund kommt dem Beirat eine verantwortungsvolle Aufgabe zu, denn er muss den Kandidaten finden, der nicht nur der beste ist, sondern auch die höchste Akzeptanz in der Mitgliedschaft besitzen könnte – hier muss spekuliert werden.

Mit Namen hält sich der Beirat zurzeit zurück. Das wird in den kommenden Wochen sicher folgen, wenn die sondierenden Gespräche mit möglichen Kandidaten abgeschlossen sind. Dennoch sind drei Namen bereits als Tuschelthema in der Öffentlichkeit unterwegs, und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass keiner der drei Namen bisher für Begeisterungsstürme gesorgt hat.

Nummer eins war Oliver Scheel, der dem Beirat proaktiv sein Interesse am Präsidentenamt mitgeteilt hat. Gleichzeitig betonte Scheel, dass er nur als hauptamtlicher Präsident zur Verfügung stehe. Diese Kern-Entscheidung hat der Beirat ja auch noch zu treffen – wird der Präsident angestellt oder ehrenamtlich (mit Aufwandsentschädigungen) bestellt? Intern wird die ehrenamtliche Variante bevorzugt, was allein schon die Kandidatur von Scheel ausschließen würde. Dass der gelernte Anwalt ohnehin ein Kandidat wäre, der aufgrund seiner kritischen Position zur AG-Ausgliederung umstritten ist, kommt dazu.

Die Namen zweier weiterer Längjähriger wabern im HSV-Raum. Otto Rieckhoff, der im letzten Vierteljahrhundert so ziemlich jedes Amt im HSV bekleidet hat, ist einer von ihnen. Carl Jarchow, von 2011 bis 2014 Vorstands-Vorsitzender des Vereins, ist der andere. Offizielle Kommentare gibt es aktuell von beiden nicht. Wobei sich Rieckhoff wahrscheinlich bei jedem Gespräch, dass er in den letzten Wochen geführt hat seit einer entsprechenden Veröffentlichung im Hamburger Abendblatt, eine Frage stellen lassen muss: „Warum willst Du das jetzt doch machen – du hattest doch am 25. Mai noch ganz deutlich gesagt, kein Amt im HSV anzustreben?“

Die Beantwortung dieser Frage und damit das Schließen einer Glaubwürdigkeitslücke wird Rieckhoffs Kernaufgabe sein, wenn er eine Chance besitzen will, im Januar als Präsident anzutreten. Carl Jarchow hatte sich in bisherigen Veröffentlichungen zu seiner möglichen Zukunft (entsprechende Aussagen liegen allerdings auch schon Monate zurück) ebenfalls bedeckt gehalten was seine persönliche Motivation auf Übernahme des Präsidenten-Amtes angeht. Nun ist er also wieder im Gespräch. Der Mann also, der als Haupt-Verantwortlicher steht für die drei katastrophalsten Jahre der Hamburger Bundesliga-Geschichte. Ist dies bereits das Ausschluss-Kriterium? Oder denken die Beiräte zurück an die Gründe, die den damaligen Aufsichtsrat 2011 bewogen hatten, Jarchow als Nachfolger für Bernd Hoffmann zu bestellen. Jarchow sollte den Verein befrieden, was ihm im ersten Schritt gelungen ist. Das Drama begann mit der Verlängerung seines Vertrages, als andere, nämlich strategische und richtungsweisende Entscheidungen anstanden, die – das wissen wir heute – im Zusammenhang mit personellen, wirtschaftlichen und sportlichen Fehlentscheidungen fast der gesamten HSV-Führungsriege im Beinahe-Untergang gipfelten.

Im Kern heißt die Frage also bei diesen drei Namen: hat einer von ihnen noch eine Chance verdient oder ist es auch im HSV-e.V.-Präsidium Zeit für ganz neue Leute? Das Anforderungsprofil, das der Beirat auf der oben genannten Internet-Seite herausgegeben hat, ist nicht eben klein. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob nicht wirklich ein hauptamtlicher Präsident gefunden werden muss bei dem gewaltigen Umfang der anstehenden Aufgaben. Abgesehen von der großen Verantwortung der Aufgabe auch für die AG. Denn immer noch ist der e.V. der Mehrheitseigner der AG – und das wird sich auch nicht ändern. Darüber hinaus sitzt der e.V.-Präsident automatisch im Aufsichtsrat der AG, was ihm zusätzliches Gewicht verleiht.

So gesehen wäre eine von weiten Teilen der HSV-Vergangenheit unbelastete Persönlichkeit gut, die trotzdem einen hohen Bezug zum HSV besitzt und ein Standing in der Stadt ohnehin. Auch wenn die ganz laute Musik des HSV im Vorstand der AG gespielt wird – das Amt des e.V.-Präsidenten ist ein ganz entscheidendes für die Zukunft des gesamten Vereins.

Zum Ablauf am 25. Januar noch eine Schluss-Bemerkung. Natürlich ist es praktisch möglich, dass einer oder mehrere der vorgeschlagenen Kandidaten für eines der Ämter durchfallen. Was geschieht dann? Bleibt der e.V. führungslos? Das soll und muss natürlich vermieden werden, deswegen würde es so sein, dass noch auf derselben Veranstaltung ein zweiter Kandidat vorgestellt werden würde, über den dann ebenfalls noch an diesem Tag abgestimmt werden soll. Erst wenn der dann auch noch durchfällt – rein theoretisch – wäre eine weitere Vereins-Versammlung fällig.

Wir dürfen gespannt sein, wen der Beirat „ausgräbt“.

Morgen ist Scholle hier wieder am Ball. Das nächste Training der Profis steigt am Dienstag um 10 Uhr.

Lars

17.43 Uhr

Arslan droht auszufallen

7. November 2014

Eine kleine, entschuldigende Geste, ein „Sie haben ja Recht, passiert nicht wieder. Ich benutze wieder die Freisprecheinrichtung“ und er durfte weiterfahren. Wo jeder Normalo ordentlich Bußgeld erwarten dürfte und zudem einen Punkt in Flensburg, da erntet er ein verständnisvolles Nicken vom Herren Schutzbeauftragten: Roy Präger ist in Wolfsburg längst eine kleine Legende. Auch mit Handy am Ohr während des Autofahrens. Gut, nun kann man sagen, dass das in dem wunderschönen VW-Städtchen nicht allzu schwer ist, aber bei Präger kommt die ehrliche Verbundenheit hinzu. „Ich bin hier sowas von festgesetzt“, sagt der ehemalige HSV-Stürmer, „meine Familie lebt hier, meine Kinder wachsen hier auf – und ich habe hier meine Fußballkarriere so richtig begonnen. Der Aufstieg in die Bundesliga damals ist ein Erlebnis, das ich nie vergesse. Ebenso wenig wie den HSV.“ Und der kommt am Sonntag nach Wolfsburg in sein Wohnzimmer. „Punkte gibt’s hier zwar nicht“, lacht Präger, „aber ich freue mich auf meinen Ex-Klub.“

2:1 oder 3:1 – Präger will sich nicht festlegen, wie hoch der VfL gewinnt – aber er ist sich sicher, dass der HSV in der VW-Arena nichts zu bestellen hat. „Obwohl sie mir zuletzt besser gefallen. Es ist wieder eine Kultur in der Mannschaft zu erkennen. Sie fighten füreinander und haben mit Müller, Holtby und Lasogga auch einige gute Jungs dazubekommen. Didi hat einen Plan.“ Mit Didi ist natürlich der HSV-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer gemeint, den Präger in Hamburg aktiv gerade eben verpasste. Als er im Juli 2002 zum VfL Wolfsburg zurückwechselte, kam Beiersdorfer zwei Monate später zum ersten Mal zum HSV. Dennoch kennt Präger den neuen HSV-Boss. Und er schätzt ihn. „Didi macht alles richtig. Er baut eine neue Mannschaft auf und braucht dafür eine Hierarchie. Dafür sind jetzt Leute wie Drobny, Westermann und van der Vaart beispielsweise wichtig. Und zugleich werden Jungs wie Holtby, Lasogga und Müller aufgebaut. An ihnen können sich dann in den nächsten Jahren die Neuen orientieren. Ich glaube, dass Didi den permanenten Wechsel in Hamburg stoppt. Denn in den letzten Jahren konnte da schon durch die unzähligen Wechsel auf den verschiedenen Positionen nichts entstehen. Junge Spieler mussten auf einen Schlag zu viel Last tragen. Und das wäre auch fast schief gegangen. Es gab einfach zu wenige Führungsspieler, weil alles Aufgebaute immer wieder eingerissen wurde.“

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Wie wichtig eine funktionierende Hierarchie ist, weiß Präger noch aus seiner Zeit beim HSV. „Ich bin angekommen und hatte schon ein wenig gezeigt, dass ich was kann. Trotzdem musste ich mich hinter Leuten wie Hoogma, Butt, Hertzsch, Panadic und auch Yeboah anstellen. Und das war nicht nur okay – das war einer unserer Schlüssel zum Erfolg damals, der viele überraschte. Uns aber irgendwie nicht. Wir wussten, dass wir eine echte Einheit waren. Und wir wuchsen immer besser zusammen. Genau das hoffe ich beim neuen HSV.“ Denn nur so könne es funktionieren, sagt der einst so kampfstarke Angreifer (19 Tore in 97 Bundesligaspielen für den HSV). „Individuell sind ein paar gute Jungs dabei. Aber offensiv fehlt es. Ein van der Vaart ist sicher nicht mehr in seiner Topverfassung und braucht die Mannschaft hinter sich. Genau so, wie am vergangenen Wochenende gegen Leverkusen.“

Angesichts der beeindruckenden Offensivkraft des VfL Wolfsburg (Olic, Perisic, Dost, Bendtner, Hunt) hat Präger leicht Reden. Zumal mit Kevin de Bruyne aktuell ein offensiver Mittelfeldmann in Weltklasseform seine Angreifer versorgt wie kaum ein andere in der Bundesliga. „Offensiv sind wir im Moment ganz sicher eine Macht. Selbst hinter den Spitzen. Da ist Kevin de Bruyne im Moment unglaublich gut drauf. Er ist ein wesentlicher Faktor für unseren Erfolg.“ Ob er dem HSV-Abräumer Valon Behrami zutraut, die Schaltkreise des Belgiers einzudämmen? „Schwer. Das wird sehr, sehr schwer für Behrami. Ehrlich gesagt sehe ich den VfL hier wie fast überall noch im Vorteil.“

Wie auch sonst? Präger, der aktuell die Fußballschulen des VfL leitet, ist VfLer, kein Hamburger mehr. „Aber der HSV ist immer mein zweiter Blick. Ich habe mitgelitten als es nicht lief. Und ich freue mich darüber, dass jetzt wieder eine positive Entwicklung zu erkennen ist. Ehrlich, der HSV darf jedes Spiel gewinnen – wenn er gegen uns eine Ausnahme macht“, lacht Präger.

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Das allerdings hat der HSV nicht vor. Obgleich Zinnbauer gewohnt demütig an die Partie gegen die formstarken Niedersachsen herangeht. Beeindruckt von der zweiten Halbzeit, stapelte er tief. „Wolfsburg ist im Moment sicher mit das Beste, was man vor der Nase haben kann“, so der HSV-Trainer, „dort einen Punkt mitzunehmen, wäre schon eine super, super Sache.“ Ob nicht auch mehr drin ist? Zinnbauer bleibt vorsichtig: „Wir müssen gegenüber dem Leverkusen-Spiel noch mal eine Schippe drauflegen. Aber wir fahren auch nicht hin, um vier Dinger zu kassieren.“ Zinnbauer’sches Tiefstapeln – oder eben „Realität“, wie er es selbst nennt. Zuletzt hat es funktioniert, deshalb sehe ich hier mal lieber von jeder Kritik ab. Zumal Realismus nicht schaden muss, im Gegenteil.

Wie schnell einen die Wirklichkeit einholen kann hat Tolgay Arslan zuletzt miterleben müssen. Von einem Tag auf den anderen war er nur noch Ersatz und der Boulevard bejubelte mit van der Vaart und Holtby das „neue Traumduo“. Dass ihn Letztgenannter anschließend ausdrücklich lobte wird da nur ein schwacher Trost gewesen sein. Und heute? Heute war Arslan im Trainingsspiel mit dem grünen Hemd dem so genannten B-Team zugeordnet. Und als die Startelf aus dem Leverkusen-Spiel (mit den wieder genesenen Jansen, Djourou, Müller und Behrami) im Abschlussspiel auch mit dem Duo van der Vaart hinter Holtby zu gefallen wusste, war Arslan schon gar nicht mehr da. Dem Mittelfeldspieler schoss es bei einem Spielchen auf verkürztem Feld derart in den Oberschenkel, dass er abbrechen musste und in die Kabine gefahren wurde. Ob er in Wolfsburg dabei sein kann erscheint derzeit mehr als fraglich. Daher von dieser Stelle aus: Gute Besserung, Tolgay!

Ansonsten hat Zinnbauer fast den ganzen Kader zur Verfügung. Und es deutet sich eine Premiere an: Erstmals seit seinem Amtsantritt könnte Zinnbauer ein zweites Mal in Folge mit der identischen Startelf beginnen. „Stimmt“, sagt der HSV-Trainer, „bislang habe ich immer etwas verändert“ Heute im Abschlussspiel nicht. „Aber das hat nichts zu bedeuten“, sagt der HSV-Trainer, „meine endgültige Aufstellung lege ich tatsächlich immer erst in der Nacht vor dem Spiel endgültig fest. Und das werde ich diesmal sicher wieder so handhaben.“

Dennoch deutet vieles daraufhin, dass es zu dieser besagten Premiere kommt. Im Training heute ließ Zinnbauer das A-Team erneut Pressing spielen. Ob er für das Wolfsburg-Spiel die Flucht nach vorn antritt? „Klar ist, dass wir Wolfsburg keinen Millimeter mehr Spielraum lassen dürfen als Leverkusen. Eher noch weniger“, so der HSV-Coach. Das heißt: Auf die HSV-Profis kommt der zweite große Kampf zu. „Aber nicht nur“, so der HSV-Trainer, „denn wir wollen auch Fußball spielen. Die Mannschaft will es jetzt sofort, das ist klar. Aber wir müssen hier jeden Schritt gehen. Nach und nach. Dann kommen wir unserem Ziel, nämlich beides miteinander zu kombinieren, immer näher.“

Stimmt.

In diesem Sinne, morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert und Dieter wird sich bei Euch melden. Ebenso am Sonntag, wo wir nach dem Spiel wieder live aus dem „Champs“ senden. Unsere Gäste diesmal sind zwei, die sich bei beiden vereinen bestens auskennen – deren Herzen aber für den richtigen Klub schlagen, für den HSV: Stefan Schnoor und Alexander Laas. Wir freuen uns darauf und ich hoffe, dass der HSV am Sonntag in Wolfsburg über sich hinauswächst. An jener Stelle, an der ich meine, mal das qualitativ hochwertigste Spiel des HSV in den letzten Jahren gesehen zu haben. Damals, beim 4:2 am 23. August 2009 unter Trainer Bruno Labbadia. Ich war live vor Ort, gewann anschließend das Tippspiel (4:2 tippte ich, weil alles andere weg war) und bekam dafür Holiday-Inn-Gutscheine für zwei. Mit dem Haken, dass diese nur im ähnlich wie Wolfsburg wunderdschönen Mannheim einzulösen waren und dementsprechend noch heute in einer Schublade mit vielen anderen Gutscheinen liegen…

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Aktuell haben der HSV und Alexander Otto einige Workshops hinter sich, in denen das neue Bauprojekt Campus inhaltlich festgezurrt wurde. Von den einst für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen ist fast nichts geblieben. Der Campus soll weniger kommerziell als für die Nachwuchsausbildung genutzt werden. Ob Otto letztlich die acht Millionen Euro Kosten tatsächlich übernimmt, ist noch offen, gilt aber als höchstwahrscheinlich. Und da ich Herrn Jarchow noch nicht erreichen konnte, kann ich Euch leider auch noch nichts zum Verbleib der 17,5 Millionen Euro Anleihe sagen, was nicht spekuliert wäre.

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