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Teilentwarnung bei Lasogga – aber wenn Zoua so weitermacht….

31. März 2014

Oha, das wird ein Aufmacher für den Boulevard: Cardoso verklagt den HSV. Der ehemalige Publikumsliebling und Immer-wieder-Interimstrainer des HSV klagt auf Entfristung seines Arbeitsverhältnisses – und somit darauf, vom HSV eine Abfindung kassieren zu können. Denn dass er gehen soll, ist seit einigen Wochen beschlossen. Zumindest als Trainer der U23 des SV hat Cardoso keine Zukunft mehr, nachdem HSV-Sportchef Oliver Kreuzer seinen guten bekannten Joe Zinnbauer aus Karlsruhe nach Hamburg holt. Der Ex-Profi soll im Sommer in Hamburg beginnen und zudem das eine oder andere Talent aus Karlsruhe mit an die Elbe bringen. Warum Cardoso klagt bzw., was er dazu sagt, werde ich Euch nachliefern, sobald ich ihn erreicht habe. Aber aktuell steckt der einstige Zehner inmitten seiner Fußballlehrerausbildung in Hennef.

Die Klage setzt einer zuletzt unrühmlichen Zusammenarbeit das Krönchen auf. Denn auch Cardosos Klage ist nicht wirklich solide, nachdem der angehende Fußballlehrer in den letzten Jahren mit den angehenden Bundesligaprofis seine Ziele immer wieder verfehlte. Dass Kreuzer ihm inmitten des vorherrschenden Abstiegskampfes mitteilt, nicht über den Sommer hinaus mit ihm zu planen ist allerdings nicht minder unclever. Da bleibt nur die Hoffnung, dass es schon am Freitag beim ersten Gütetermin vor Gericht zu einer gütlichen Einigung – und normalerweise auch Trennung kommt. Gerettet ist die U23 noch nicht – aber weiter zusammenarbeiten ist unter den Gegebenheiten nicht gesund. Höchstwahrscheinlich wird Co-Trainer Soner Uysal den Rest der Saison hauptverantwortlich agieren – Zumal der Klub plant, mit dem Son-Entdecker weiter zusammenzuarbeiten.


Probleme wohin man nur blickt. Das ist der aktuelle Zustand – und mit dem müssen sich alle arrangieren. Allen voran Trainer Mirko Slomka und die Mannschaft. Die hatte in Gladbach einen passablen Auftritt, der mal wieder erfolglos endete. Schuld daran ist kein Auswärtsfluch oder dergleichen – behaupte ich. Denn ich glaube daran, dass jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist. Nein, es ist vielmehr die Summe der Negativerlebnisse, die diese Mannschaft zweifeln und bei jedem kleinen Rückschlag (wie gestern beim bitteren Elfer zum 1:1) in sich zusammensacken lassen. Diese Mannschaft ist fragil, und das schon seit zweieinhalb Jahren zunehmend.

Es fehlen die Typen, an denen sich die Mannschaft hochzieht – womit ich Euch auch die Wichtigkeit eines Milan Badelj begründe. Der Kroate ist im Mittelfeld einer von ganz wenigen, die immer den Ball haben wollen, die sich jeder Situation stellen. Dass er nicht prädestiniert dafür ist, die tödlichen Pässe zu spielen oder selbst zu treffen – richtig. Aber vergleiche ich ihn mit einem van der Vaart, der eine Mischung aus „kann nicht mehr“ und „will nicht mehr“ darstellt – ich würde Badelj nehmen. Obgleich ich aus purem Zweckoptimismus weiterhin an Rafael van der Vaart glauben möchte. So lässig er in meinen Augen nach dem Spiel im Sky-Interview auch war, im Kabinengang soll er bitter enttäuscht gewesen sein, haben mir meine Kollegen versichert, die vor Ort waren. Und auch heute machte Rafael auf mich nicht den Eindruck, als wolle er hier in Hamburg abschenken. Im Gegenteil. „Wir werden es schaffen“, so van der Vaart, der sich sicher ist, dass die Mannschaft schon am Freitag gegen Leverkusen gewinnt.

Okay, zugegeben, das klingt erst einmal nach dem, was wir immer wieder hören und was uns alle nervt: nach Worten ohne folgende Taten. Davon gab’s in den letzten Tagen, Wochen und Monaten zu viel. Aber van der Vaart machte auf mich in Gladbach tatsächlich den Eindruck, als habe er den Ehrgeiz wiederentdeckt, dieser Mannschaft helfen zu wollen. Und das nach einer schwierigen Phase, wie er selbst zugibt. „Ich habe zuletzt nicht so gespielt, wie ich das gewohnt bin und wie ich es muss. Ich habe mich auch körperlich nicht top gefühlt. Aber in Gladbach habe ich mich schon wieder viel besser gefühlt und glaube, dass das so weitergeht.“ Endlich habe er wieder Torgefahr entwickelt. „Der Kopfball war knapp, aber den Schuss muss ich einfach machen. Insgesamt hatten wir genug Gelegenheiten, um auch den Rückstand zu drehen und das Spiel für uns zu entscheiden.“

Und obgleich es die Mannschaft erneut verpasste, macht genau das Hoffnung. Sagt der HSV-Kapitän: „Unser Auftreten ist nicht mehr das von vor einigen Wochen. Wir sind stabiler“, so van der Vaart und ich zuckte ob der vermeintlichen Verkennung der Tatsachen zusammen, ehe der Niederländer relativierte: „Zumindest haben wir die Spiele offen gestaltet und hatten es selbst in der Hand. Das zeigt uns, dass wir uns auch selbst retten können, wenn wir weiter so kämpfen.“

Das stimmt sicherlich. Aber es muss allen klar sein, dass der HSV hinterherläuft. Vier Punkte aus den letzten fünf Partien mit vermeintlich vorentscheidenden vier Spielen gegen direkte Mitkonkurrenten sind schlichtweg zu wenig. „Das wissen wir“, sagt, „aber kämpferisch war es schon besser. Musste es auch. Am Ende hat uns auch ein wenig Glück gefehlt. Aber dass wir es nach dem 1:1 auch wieder probiert haben und Chancen hatten, macht mich zuversichtlich.“ Trotz des Ausfalles von Pierre-Michel Lasogga. „Wenn er wieder ein paar Wochen ausfällt, ist das ganz bitter und traurig für uns.“
Dennoch, van der Vaart sieht Jacques Zoua auf dem Vormarsch und traut dem Kameruner offensiv einiges zu. „Er wird immer besser. Gekämpft hat er immer, jetzt hat er endlich auch getroffen. Er hat in Gladbach sehr gut gespielt – leider haben wir nicht gewonnen.“ Auch, weil Zoua den entscheidenden Pass auf ihn selbst verpasst hat. „Ja, aber auch das kommt. Er macht das schon gut.“

Jetzt ist Zoua die letzte Hoffnung im Sturm. Lasogga fällt aus und dem HSV wird seine kapitale Fehlplanung bei der Kaderzusammenstellung erneut vor Augen geführt. Ich will das ganze Thema hier nicht noch einmal hochkochen, das habe ich in den gefühlt letzten 100000 Matz-ab-Live-Sendungen ebenso getan wie in den letzten Blogs vor Gladbach. Und bei der Kritik habe ich die Sportliche Leitung als allererstes in die Pflicht genommen, den restlichen Vorstand dabei aber keineswegs ausgenommen. Das nur, weil hier immer wieder die wildesten „Jarchow-wird-ausgelassen“-Theorien herumgeistern.

Nein, diese Saison wurden auf und vor allem auch neben dem Platz so viele Fehler gemacht, dass meine Themenliste für den ersten Blog nach dem Saisonende schon überquillt und dass ein Abstieg damit sogar annähernd erklärbar würde – obgleich der nie kommen wird! Denn noch bleiben sechs Spiele mit 18 möglichen Punkten, um die aktuell zwei Zähler Rückstand auf den rettenden 15. Rang zu schaffen. Das ist nichts Unmenschliches. „Es wird bis Saisonende immer wieder hin- und hergehen“, sagt Slomka, der tatsächlich nicht müde wird, das Positive bei der Mannschaft herauszukehren. Aber okay, was anderes wäre auch fatal wie die einstige Aufsichtsratsbesetzung und der Verleih von Rudnevs im Winter. Aber das hatten wir ja schon und der Gedanke an die Fheler dieser Saison lassen einen fast verzweifeln.

Da hilft nur, Dinge vorübergehend auszublenden und alle Kraft in die Gegenwart zu legen. Kompromisslosigkeit auf allen Ebenen – vor allem auf dem Platz. Und das gilt auch für die Fans, die sich zu kleinen Teilen in Gladbach nicht besser präsentierten als die Mannschaft in der Saison. Zum wiederholten Male wurden Bengalos gezündet – dem HSV drohen weitere Strafen wie bei zuletzt jedem Auswärtsspiel. Und das ist bitter. Gerade dieser klamme HSV muss wegen der Dummheit einiger weniger in dieser Saison erneut einen gut sechsstelligen Betrag Strafe zahlen. „Und wenn wir Pech haben, werden wir auch weitergehend belangt“, sagt Klubboss Carl Jarchow. „Dann kann es durchaus sein, dass wir unsere Auswärtstickets gestrichen bekommen. Und das alles, weil ein kleiner Teil sich nicht im Griff hat.“

Bitter.

Dennoch, so sauer die Dummheit dieser Bekloppten einen machen kann, auch in diesem Fall würde ich allen beteiligten empfehlen, sich auf die letzten sechs Spiele zu fokussieren – auf nichts sonst. So, wie es der Vorstand in Sachen Fehleranalyse auch macht. Ob sich der Vorstand intern wenigstens hinsetzt und alle Fehler anspricht, wollte ich von Jarchow wissen. „Wir sitzen jede Woche zusammen und sprechen über alles. Nur nicht öffentlich.“ Na dann. Auch das wird sich nach Saisonende sicherlich ändern. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was dabei herauskommt und ob Rücktritte bislang nur deshalb ausgeblieben sind, weil sie für noch mehr Unruhe und Ablenkung in einer sehr sensiblen Phase sorgen könnten. Wobei ich hier ebenso wie beim Klassenerhalt eine Wette eingehen würde. Allein, es würde sicher niemand gegen mich wetten…

In diesem Sinne, die Unterlagen für Erste und Zweite Liga liegen beim DFB und sollten in Sachen Lizensierung kein Problem für den HSV darstellen, sagte Jarchow heute. Womit ich mit der einen guten Nachricht für heute rausgehen wollte – ehe mich die zweite gute erreichte: Lasoggas Verletzung entpuppte sich als nicht allzu schlimm. „Es ist zum Glück keine neue Verletzung“, so Mediendirektor Jörn Wolf. Dennoch sei davon auszugehen, dass Lasogga gegen Leverkusen noch pausieren muss, um dann in der kommenden Woche in Hannover wieder anzugreifen. Also, Glück im Unglück. Und bis dahin macht es Zoua noch mal besser. Sollte er sich weiter so entwickeln wie zuletzt, dürfte uns am Freitag Großes erwarten. Denn: Im ersten Spiel ohne Lasogga war Zou spielerisch schwach und läuferisch okay. Im Zweiten Spiel war er läuferisch gut und spielerisch okay. Im dritten Spiel war er läuferisch stark und spielerisch tatsächlich gut. Im vierten Spiel – diesmal mit Lasogga im Angriff – war Zoua läuferisch stark spielerisch gut, und maßgeblich am einzigen HSV-Tor beteiligt. Im fünften Spiel war Zoua als Außenspieler läuferisch top, spielerisch gut, er erzielte seinen ersten Treffer seit Braunschweig in der Hinrunde – und er hatte tatsächlich weitere potenziell spielentscheidende Szenen auf dem Fuß – ohne sie zu nutzen. Wenn er also jetzt alles Gute beibehält und die entscheidenden Szenen gegen Leverkusen besser umsetzt – dann feiere ich ihn eine ganze Matz-ab-live-Sendung durch. Nonstop.

Zumal der wirklich sehr sympathische Kameruner beim HSV eine lange Anlaufphase hatte, ehe er zumindest andeutete, warum Thorsten Fink ihn haben wollte. Dass Zoua noch lange kein Knipser ist, weiß er selbst. Aber er weiß auch, was er einbringen kann. Und das macht er auch. Er ackert, er macht Bälle fest, er legt sie ab – und jetzt trifft er endlich auch. „Ein Stürmer wird natürlich an Toren gemessen“, sagt Zoua, der bislang lediglich zwei Treffer vorzuweisen hat, „aber dafür habe ich wieder mehr Selbstvertrauen. Zunehmend. Ich werde dem HSV weiter helfen, wenn ich gebraucht werde und kann nur sagen, dass das Tor sehr wichtig für mich war.“ Und obgleich er „wirklich sehr traurig“ darüber war, dass nicht gewonnen wurde, ist Zoua angekommen. Sagt er auf jeden Fall. Denn neben seinem Treffer auf dem Platz hat er seine im September 2013 geheiratete Ehefrau endlich an der Seite. „Ich fühle mich hier endlich richtig heimisch“, sagt Zoua und schiebt hinterher, dass er seine Heimat verteidigen wolle. Und wenn schon nicht mit eigenen Treffern, dann zumindest mit allem, was er kann. Bedingungslos. Eben so, wie es diese Situation erfordert.

In diesem Sinne, morgen wird um 15 Uhr trainiert. Ohne Lasogga, aber mit Zoua. Und ganz ehrlich, es sind in Hamburg schon Spieler für mich zu unvergessenen Helden im Kampf um den Klassenerhalt aufgestiegen, die deutlich weniger Spielminuten vorzuweisen hatten als Zoua. Nicht wahr, Marinus….? Daher bleibe ich dabei: Ich glaube bis zur letzten Sekunde an den Klassenerhalt.

Warum? Ganz einfach: Weil ich es will.

Scholle

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