Es gibt schlechte Interviews und welche, die gut sind. Es gibt Interviews, die Neuigkeiten hervorberingen und welche, die sich wiederholen und dann noch welche, die langweilen. Und es gibt Interviews wie das mit Richard Golz. Das hat mich in einigen Erkenntnissen der letzten Jahre bestätigt – aber leider nicht im positiven Sinne. Es zeigt nur sehr deutlich auf, wo es beim HSV seit Jahren und noch immer kapital hapert. Wenn der oberste sportliche Verantwortliche sich nicht um seine Angestellten und deren Verträge (Golz, Heinemann, Teuber, Diekmeier etc.) kümmert, sein Attaché die Jugendarbeit zwar offiziell auf die Fahne geschrieben bekommt, diese aber nicht nur vernachlässigt sondern sie größtenteils verweigert – dann kann sich nichts entwickeln. Es sei denn, die verweigerte Arbeit wird mit teurem Geld für fertige Spieler ausgeglichen. So, wie es der HSV lange Zeit machen konnte, weil die Umsätze und die sportlichen Erfolge stimmten. Aber so, wie es der HSV heute sicher nicht kann.
Aber jetzt?
Jetzt muss sich beim HSV einiges ändern. Das ist platt formuliert, bekannt und schon tausendmal gesagt – ich weiß. Aber es ist nach wie vor richtig. Wenn ich allein die Congerton-Aussage von Golz überdenke – wieso gibt es da keine Kontrolle? Oder wenn es denn intern bekannt war – wovon auszugehen ist – wieso gab es da keine Konsequenzen? So macht sich der HSV nur zu genau dem, was er nach eigener Aussage nicht sein will: Zum Selbstbedienungsladen mit extremem Arbeitnehmer-Wohlfühlfaktor und somit zu einem Verein mit einem Effizienzleck. Teure Leute (Congerton verdient 600000 Euro per annum, sein Chef Frank Arnesen hat dem Vernehmen nach 1,8 Millionen Euro im Jahr) holen, um nachhaltig und tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen, diese Leute aber unkontrolliert machen lassen, was sie wollen – das ist Dilettantismus in Reinkultur. Und in diesem Fall beißt es den HSV heftig in den Allerwertesten. Extrem teuer ist es zudem.
Die Konsequenzen hat der Aufsichtsrat, der nicht nur den Vorstand bestellt sondern selbigen auch kontrollieren soll, inzwischen gezogen, indem er Arnesen entlassen hat. Denn Congerton ist letztlich im Paket Arnesen enthalten. Dass sich auch der Vorstand hinterfragen muss – ganz klar. Die verbliebenen drei Herren (Oliver Kreuzer nehme ich da selbstverständlich raus) hätten eine Zielvereinbarung treffen müssen (was sie wahrscheinlich auch gemacht) und in ihren anschließenden, gemeinsamen Vorstandstreffen mit Arnesen zumindest Zwischenstände abfragen müssen. Wobei Arnesen nur zwei Jahre da war und eine Zeit erwischt hat, in der der Profibereich kriselte und einen außergewöhnlichen hohen Aufwand erforderte. Deshalb ist kaum einem aufgefallen, dass Congerton selten in Ochsenzoll war. Ob er wirklich nur ein einziges Mal da war – ich kann es nicht beantworten und auch ein Richard Golz wird das nicht sicher sagen können.
Viel schlimmer jedoch finde ich, und das ist meine persönliche Meinung, dass Congerton niemals das Aufgabenfeld Jugendarbeit hätte angetragen werden dürfen. Das ist nicht sein Gebiet, da kennt er sich auch nicht aus. Congerton ist jedoch jemand, der fleißig ist, sich im Profibereich extrem gut auskennt und sich ständig über verschiedenste Spieler (ab Herrenalter) informiert hat. Congerton verfügt zusammen mit Steve Houston über eine Datenbank, die inzwischen so groß und umfangreich ist, dass sie ihresgleichen sucht. Das ist auch das Aufgabengebiet, das Congerton mir gegenüber immer beschrieben hatte, wenn wir uns unterhalten hatten. Ich weiß noch aus einem Gespräch im Trainingslager in Marbella, wie Congerton sich und seine Position beschrieben hat. „Ich bin das Auge und das Ohr von Frank. Wir sammeln jeden Fetzen an Informationen, stecken ihn in die Datenhülle, die Houston entwickelt hat und haben so immer die Möglichkeit, bei Bedarf nach bestimmten Attributen suchen zu können. Ich bin sozusagen die personifizierte Suchmaschine für Frank.“ Und wäre es bei diesem Job geblieben – niemand hätte Congerton einen Vorwurf gemacht. Obwohl, angesichts der ganzen Chelsea-Spieler vielleicht schon.
Auf jeden Fall aber habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich gelesen habe, was Golz über Arnesen und Congerton gesagt hat. Denn das ist genau das, was aus Teilen des Aufsichtsrates als Begründung für Arnesens Entlassung kam.
Und jetzt soll Kreuzer die Versäumnisse der letzten Monate und Jahre mit einem Schlag aufarbeiten – na dann Prost. Nichts gegen den neuen Sportchef, wirklich nicht. Aber der dürfte angesichts der To-Do-Liste das kalte Kotzen kriegen. Er soll jetzt nicht nur die Spieler verkaufen, die im Winter nicht abgegeben werden konnten. Er soll zudem ohne viel Geld Verstärkungen nach Hamburg locken, den internationalen Wettbewerb erreichen und mal eben den Jugendbereich neu aufbauen. Bitter.
Einer, der genau solche Missstände schon als Spieler angesprochen und sich damit vereinsintern eine Menge Feinde gemacht hatte, wurde heute als neuer HSV-Sportchef vorgestellt. Allerdings beim Handball. Frank Rost leitet ab heute als Geschäftsführer die Geschicke des Champions-League-Siegers und nannte als eine seiner wichtigsten Aufgaben den eigenen Jugendbereich. Wobei man sagen muss, dass sich der HSV Handball in Sachen Nachwuchs einen guten Namen gemacht hat. „Trotzdem muss der Blick genau dorthin gerichtet sein“, so Rost, der in die Mentalitätskerbe von Golz schlägt: „Wenn wir unsere Spieler im eigenen Verein ausbilden, lernen sie die Vereinskultur und identifizieren sich mit dem Klub – für alle Außenstehenden ist das dann sichtbar. Und das wiederum macht den Verein für seine Fans greifbar, sympathisch. Es entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das zum Faustpfand des Klubs werden kann. Zumindest aber ist das eine mehr als lohnenswerte Vereins-Philosophie, die wir hier beim HSV verfolgen sollten.“
Und mir schien es fast so, als hätte Rost aus den Fehlern des großen Bruders von nebenan gelernt zu haben. Bislang sind zwar auch das nur Antrittsworte, ganz klar. Aber Frank Rost wird seinen Forderungen und Ankündigungen Taten folgen lassen. Koste es, was es wolle. Wetten dass….?!?
In diesem Sinne, ich verabschiede mich für ein paar Sommerpausentage und melde mich spätestens aus dem Trainingslager in Österreich im Zillertal wieder. Dass es dort einen hohen Grad an Unzufriedenheit gibt, weil der HSV nur fünf Tage dort weilt und anschließend noch einen Testspieltrip nach Klagenfurt (Kärnten) absolviert, ist mir bekannt. Noch jedoch ist keine Klage gegen den HSV eingereicht worden, wie hier einige vermuten. Bislang laufen Gespräche – Ergebnis offen. Aber sobald es dort einen neuen Vorgang gibt, berichten wir Euch davon.
Bis die Tage!
Euer Scholle
P.S.: In Sachen Transfers gab es heute nichts Neues.
An Tagen wie diesen . . . Singen die Toten Hosen. Passt irgendwie genau auf diesen Tag. An Montagen wie diesen, die dazu noch in der Fußball-Sommerpause liegen, da passiert so gut wie nichts. Aber ist ja auch irgendwie normal. Auch die Sache mit den Neuzugängen – ganz normal. Das hat beim HSV schon Tradition, dass es noch ein wenig länger dauert. Das ist in diesem Jahr eigentlich wie immer. Obwohl der neue Sportchef Oliver Kreuzer von den HSV-Führungskräften schon gelobt wird. Der Mann ist heiß am Ball, er soll auf dem richtigen Weg sein und – das stimmt mich zuversichtlich, er soll die Dinge ohne Umschweife anpacken. In etwa so, wie einst Uwe Seeler gespielt hat. Und wie hat er immer gespielt? Stets den direkten Weg zum Tor. So soll Kreuzer auch seine Arbeiten verrichten. Klingt doch gut. Ich habe darüber mit einigen HSV-Leuten gesprochen, auch mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow. Und der sagte mir auf die Frage, ob er guter Hoffnung für die neue Saison sei: „Sportchef Oliver Kreuzer fokussiert sich auf die wichtigen Dinge, und das macht er sehr gut, und wenn die zu einem guten Abschluss gebracht werden, und davon gehe ich aus, bin ich auch guter Hoffnung.“
Ja, und ich hoffe mal mit. Irgendwie bin ich sogar sehr guter Hoffnung, auch wenn ich nicht weiß, warum? Platz sieben war es immerhin in der nun abgelaufenen Spielzeit, und Platz sieben klingt doch echt nicht ganz so schlecht. Finde ich jedenfalls. Und immerhin ist dieser Platz sieben trotz der Tatsache erreicht worden, dass der HSV 53 Gegentore schlucken musste, dass der HSV die meisten Torschüsse der Gegner zuließ, dass der HSV nie mehr als zwei Siege in Folge geschafft hatte, und dass der HSV nie mehr als vier Spiele in Folge ungeschlagen blieb. Wenn all diese Tatsachen verbessert werden, und daran arbeitet Kreuzer ja jetzt mit Hochdruck, dann muss es doch eigentlich auch besser werden.
Und mir wäre es dazu auch egal, was hier bei „Matz ab“ schon ein wenig kritisiert wurde, dass nämlich Thorsten Fink oft nur die Spieler des FC Basel im Blick (als Verstärkungen) hat. So wie schon in der Vergangenheit, als es der Trainer gerne gesehen hätte, wenn die Basel-Spieler David Abraham, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nach Hamburg gewechselt wären. Alle drei nicht schlecht, ich würde mal behaupten, dass jeder von ihnen einen Stammplatz beim HSV gehabt hätte – aber sie waren eben auch unerschwinglich. Den Wunsch kann man haben, das Geld sollte man aber auch haben. Das hat der HSV ja nun – in diesen Tagen – auch schon mit dem Schweizer Timm Klose erlebt – wahrscheinlich jedenfalls. Um noch mal auf die drei Fink-Wunschkandidaten zu kommen: Shaqiri ist für mich ein überragender Mann, der in jeder anderen Bundesliga-Mannschaft gesetzt wäre – nur bei Bayern nicht. Aber er brachte es immerhin auf 26 (von 34) Bundesliga-Einsätze (vier Tore), wobei er in 13 Partien eingewechselt und in sieben Begegnungen ausgewechselt wurde. Abraham kam erst in der Winterpause aus Getafe nach Hoffenheim und war in zwölf Spielen und den beiden Relegationsspielen gegen Kaiserslautern dabei – mit durchweg guten Noten. Einige Anlaufschwierigkeiten hatte Xhaka in Mönchengladbach, aber auch er brachte es noch auf 22 Einsätze in der Bundesliga, dabei waren sieben Ein- und drei Auswechslungen – und ein Tor.
Wie gesagt: Alle drei Spieler hätten beim HSV – oder als HSV-Profis – noch bessere Bilanzen gehabt. Quintessenz: Nur her mit den Profis aus Basel.
Aber da muss natürlich auch die Kasse des HSV mitmachen. Doch auch in dieser Beziehung ist ja schon eine (leichte) Besserung eingetreten – dank Heung Min Son und Sportfive.
Themenwechsel. Struktur-Wandel im HSV. Ich habe geschrieben, dass sich etwas tut, dass hinter den Kulissen fleißig gewerkelt wird. In dieser Woche treffen sich dazu einige „hohe Herren“, um die gute Sache voranzutreiben. Ich kann noch keine Namen nennen, ich weiß aber schon, wer dabei ist, wer schon für den „neuen HSV“ geworben wurde – das stimmt mich absolut zuversichtlich. Immer mehr von Fans machen mit, reichen auch ihre Vorschläge ein, damit der HSV professioneller aufgestellt wird, und immer mehr richtig große Größen sitzen inzwischen mit im Zug. Verlangt bitte noch keine Namen, die werden früher oder später schon publik, ich weiß nur, dass da etwas Gutes entsteht. Und wenn ihr das wisst, dann ist das doch auch schon mal ein schönes Zeichen.
Wenn nicht jetzt, wann dann? So hatte es Ernst-Otto Rieckhoff bei der Mitgliederversammlung gefragt, und ich kann nur sagen – jetzt!
Zu diesem Thema habe ich mich mit Carl-Edgar Jarchow unterhalten, es ist für ihn als Vereins-Chef gewiss nicht leicht, sich dazu öffentlich zu äußern. Ganz, ganz vorsichtig hat er es dann aber doch getan – ich habe lange genötigt . . . Wie steht CEJ zu neuen Strukturen, zu solchen Veränderungen im HSV? Er sagt: „Ich habe viele Jahre darüber nachgedacht, ich saß in vielen AGs und war tätig, um solchen Veränderungen herbeizuführen. Letztlich hat es nie gekappt.“ Und wie ist heute seine Meinung dazu: „Wir vom Vorstand werden uns da heraushalten, denn ich denke, dass so etwas aus der Mitgliedschaft kommen muss. Wir können zu diesem Thema eine klare Meinung haben, aber erst sind jetzt die Mitglieder gefragt.“ Denn schließlich muss es für solche Änderungen eine Dreiviertelmehrheit geben. Jarchow sagt aber auch zu den jetzigen Bestrebungen (von Ernst-Otto Rieckhoff, Jürgen Hunke und vielen anderen HSV-Größen): „Wir werden es begleiten und dann zur Verfügung stehen, wenn wir gefragt werden. Und wir werden dann Stellung beziehen, wenn diese Dinge auf der Tagesordnung stehen.“ Jarchow sagt aber auch: „Dass Rieckhoff und Hunke es nun angepackt haben, ist der richtige Weg. Sie müssen werben, damit sie die nötige Mehrheit bekommen.“
Wie er die Chancen beurteilt, dass es letztlich auch zu den angestrebten Struktur-Änderungen kommen wird? Jarchow: „Mit einer Voraussage tue ich mich schwer.“ Auch aus diesen Gründen: „Rieckhoff und Hunke haben unterschiedliche Vorstellungen, sie sollten sich angleichen. Und dann kommt sicherlich auch hinzu, wie wir sportlich im Januar, wenn die Mitgliederversammlung durchgeführt wird, stehen. Es hängt von vielen Faktoren ab.“ Das war auch bei der Mitgliederversammlung in der Arena zu erleben und zu spüren. Obwohl ich da letztlich das Gefühl hatte, dass es an diesem Sonntag hätte klappen können, denn von den 600 Mitgliedern, die anwesend waren, erhoben sich nach der Rieckhoff-Struktur-Änderungs-Rede mindestens drei Viertel der Mitglieder und applaudierten minutenlang. Mich stimmt das zuversichtlich. Obwohl Carl-Edgar Jarchow auch sagt: „Es lag in der Vergangenheit nicht nur an den Strukturen, dass die großen Erfolge ausblieben, es lag auch an den handelnden Personen.“ Stimmt. Aber in einer Welt- und Wirtschaftsstadt wie Hamburg würden neue Strukturen ganz sicher für neue Impulse sorgen.
In der Hoffnung, das ich nicht zu viel und auch nichts Verbotenes geschrieben habe, lieber Herr Jarchow (denn es ist ja ein ganz spezielles Thema!), komme ich jetzt noch einmal kurz zum sportlichen Teil dieser Ausgabe. Es geht um
den Sommerfahrplan des HSV. Und der sieht wie folgt aus:
1. Juli in Hamburg: Trainingsstart im Volkspark
5. – 10. Juli in Mayrhofen: Trainingslager im Zillertal
5. Juli: Wacker Innsbruck – HSV
8. Juli: Zillertal-Auswahl – HSV
13./14. Juli in Hamburg: Offizielle Saisoneröffnung beim Nordcup mit HSV, FC Kopenhagen, VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig
15. – 19. Juli Testspielreise nach Klagenfurt
16. Juli in Villach: RSC Anderlecht – HSV
20. Juli: Telekom-Cup in Mönchengladbach:
Halbfinale: Borussia Mönchengladbach – HSV
21. Juli: Telekom Cup: Spiel um Platz 3 oder Finale
23. Juli in Flensburg: West Ham United – HSV
27. Juli in Hamburg: HSV – Inter Mailand
2. – 5. August: 1. Hauptrunde im DFB-Pokalwettbewerb: SV Schott Jena – HSV
8. August: TSV Etelsen – HSV
9. – 11. August: 1. Bundesliga-Spieltag der Saison 2013/2014
Jetzt geht es in die Vollen. Fast täglich gibt es neue Namen. Selten sind es die, die auch wirklich kommen. Aber fast immer sind es Namen, mit denen sich der HSV tatsächlich beschäftigt. Und das sind natürlich deutlich mehr als am Ende verpflichtet werden können. Roque Santa Cruz war da sicherlich der vom Namen her bislang dickste Fisch – allerdings mit einem geschätzt sieben Millionen Euro teuren Jahreseinkommen auch mindestens drei Stufen über dem hiesigen Gehaltsgefüge. Insofern ist der Wunsch des HSV verständlich – aber eben eher unrealistisch, dass es am Ende auch zu einer Verpflichtung kommt.
Dennoch, und das ist das Gute an solchen Geschichten, der HSV macht auf sich aufmerksam, weil man eben nicht immer nur kleine Namen angeht. Täte man das und paart es mit der leidigen Darstellung der schlechten Finanzsituation – der HSV wäre schnell einer der unattraktivsten Klubs der Liga. Insofern: Ganz nach oben greifen, um am Ende vielleicht eine oder zwei Stufen drunter liegend zugreifen zu können ist immer noch besser, als von Beginn an klein zu denken. „Ich werde nicht klein denken, das verspreche ich“, hatte mir der neue Sportchef Oliver Kreuzer vor einer Woche gesagt. Und er scheint Wort zu halten.
So eine Art Mittelding ist der heute in der Morgenpost genannte Basel-Stürmer Jaques Zoua. Positionell, nominell und finanziell. Denn der gebürtige Kameruner hat alle Veranlagungen, er kann auch überall spielen (auf den Außen und im Angriff), aber er ist weder der gesuchte Sturmtank noch ein reines Talent. Finanziell liegt der bis 2015 in Basel vertraglich gebundene 21-Jährige mit rund zwei Millionen Euro Ablösesumme über dem, was Kreuzer („Am liebsten vertragslose, ablösefreie Verstärkungen“) sich vorgenommen hat.
Aber es ist ein Spieler, der in Hamburg bekannt ist. Sowohl Kreuzer als auch – und vor allem – Thorsten Fink kennen den Spieler gut. Fink hatte den Offensivmann 2009 zum Profi gemacht, las ich heute in der Mopo. Er wird wissen, was Zoua kann. Ich habe ein paar Videos gesehen und will mir hier kein Urteil erlauben. Aber ich würde behaupten wollen, dass der HSV eher die Sofortverstärkung mit einer anderen Position besetzen wird und Zoua trotzdem Sinn machen kann. Zumindest für den Fall, dass man Dennis Aogo abgibt.
Reiner Humbug?
Nein. Dennis Aogo zählt beim HSV schon seit längerer Zeit zu der Kategorie Spieler, die man abgeben würde. Und das hat nichts mit seinen sportlichen Leistungen zu tun. Im Gegenteil, Fink hält große Stücke auf Aogo. „Dennis hat sich in den letzten Jahren beim HSV zum Stamm- und Führungsspieler hochgearbeitet“, hatte zudem Klubboss Carl Jarchow am Saisonende gesagt, als ich ihn fragte, wie die Personalie Aogo perspektivisch zu sehen sei. Und Jarchow ließ keinen Zweifel daran, dass er ebenso wie die sportliche Leitung viel von Aogo hält. Allerdings weiß Jarchow mehr als jeder andere, dass der HSV sparen muss und dafür muss der Kader reduziert werden. Und dabei wird bei den Topverdienern angesetzt. Dort wird abgewogen, inwieweit der sportliche Nutzen den preislichen Aufwand rechtfertigt. Eine Rechnung, die für Aogo schwer wird, immerhin verdient der Linksfuß rund drei Millionen Euro per annum und zählt damit eindeutig zu den Topverdienern.
Das allein kann man ihm aber definitiv nicht vorwerfen. Absolut nicht. Wie im Fall Berg mache ich das auch hier nicht. Denn zu (finanziell) besseren HSV-Zeiten hat der Profi halt gut verhandelt. Oder besser: verhandeln lassen, damals, unmittelbar vor der Jahreshauptversammlung im Januar 2011, auf welcher der damalige Klubboss Bernd Hoffmann die Vertragsverlängerung verkündete und dafür Jubel erntete. Eine gelungene Abwechslung für den damals in der Kritik stehenden HSV-Boss.
Egal wie, dieser Vertrag macht Aogo zu einem reichen Mann – und eben zu einem Spieler, der zu teuer sein könnte für diesen jetzigen HSV. Wobei ich klarstellen möchte, dass ich Dennis Aogo als vorbildlichen Profi empfinde. Sobald der Linksfuß den Platz betritt, egal ob zum Training oder Spiel, dann gibt er Vollgas. Man weiß bei Aogo, was man bekommt nd was man nicht erwarten darf – aber das hat ihn zum Nationalspieler gemacht, was allein ein gutes Zeugnis ist. Zudem paart Aogo seine guten Leistungen mit einem vorbildlich sympathischen Auftreten den Fans gegenüber. Aber wie in jedem anderen Unternehmen, das sparen muss, kann sich keiner mehr seines Arbeitsplatzes sicher sein. Und für Dennis Aogo, da bin ich mir sicher, bieten sich neben dem HSV noch viele andere Top-Möglichkeiten hierzulande wie auch im Ausland. Obgleich ich weiß, wie gern Aogo beim HSV spielt…
Gern geblieben wäre auch Frank Arnesen. Allerdings genießt der geschasste Sportchef seine unerwartete Frei(z)heit auch. „Ich konnte zu dieser Jahreszeit seit knapp 20 Jahren keinen Urlaub mehr machen. Ich habe ständig die Geburtstage meiner Enkelkinder verpasst, das ist jetzt anders“, sagt der Däne, der sich in den kommenden zwei Wochen mit dem HSV zusammensetzt und über seine Vertragsauflösung spricht. Wobei diese eher nicht zu erwarten ist. Wie ich aus dem Aufsichtsrat schon gehört und hier auch geschrieben hatte, rechnen alle Verantwortlichen damit, dass Arnesen seinen Vertrag aussitzt. „Ich werde die nächsten zwei, drei Monate ganz sicher nichts machen. Ich habe auch alle Gespräche diesbezüglich mit neuen Vereinen bislang abgelehnt. Ich mache das Beste aus der Situation und nutze sie für meine Familie.“ Mit der soll es auch in zwei Wochen in das familieneigene Haus nach Spanien (Malaga) gehen. „Ich werde mit meiner Frau viel reisen, natürlich auch sehr viel Fußball schauen. Aber ich habe dem Aufsichtsrat in Person von Jens Meier auch klar gesagt, dass ich nichts neues habe und in den nächsten Monaten auch nichts Neues machen werde. Das habe ich mir und das hat vor allem meine Familie verdient.“ Soll heißen, Arnesen hat ab jetzt bezahlten Urlaub. Es gibt sicherlich schlimmere Schicksale derzeit…
Aber das alles gilt selbstredend nur so lange, wie Arnesen nichts Neues machen will. „Sollte irgendwann ein Angebot kommen, das mich reizt, werde ich auf den HSV zugehen. Ganz klar. So sind wir verblieben.“ Dann wohl auch mit Lee Congerton, der noch immer für den HSV arbeitet. “Lee hat noch ein jahr Vertrag und erfüllt den. Aber wenn ich irgendwo was Neues mache, hätte ich ihn gern dabei. Das wissen alle. Wir arbeiten ja schon seit acht Jahren zusammen und Er ist meine linke und meine rechte Hand”, sagt Arnesen.
Gesprochen hat Arnesen mit Oliver Kreuzer – noch nicht. „Er hat mir eine Nachricht auf Band gesprochen, ich habe ihn vorgestern zurückgerufen und er mich gestern – irgendwie verpassen wir uns aber immer. Aber wir werden reden. Sehr gern. Ich würde mich freuen, wenn ich ihm und dem HSV noch irgendwie helfen kann“, sagt Arnesen, der darauf hofft, dass der HSV dieses Jahr den internationalen Wettbewerb schafft. „Darauf hatten wir alles abgestimmt, das war unser und ist sicher noch immer das Ziel des HSV.“
Und bevor ich den heutigen Blog mit dem Hinweis schließe, Euch gegen Mitternacht noch ein kleines, wirklich sehr lesenwertes Bonbon hier in diesen Blog reinzustellen, noch der Hinweis auf morgen. Denn da findet in der ARD-Sportschau ab 18 Uhr statt. Und der HSV hat wie in den letzten Jahren immer, eine Teilnahme am Wettbewerb bis hin zum Achtelfinale eingeplant. Eigentlich wollte ich zum bevorstehenden Wettbewerb noch Stimmen einholen. Die aber wären ebenso wie Zielvorgabe dieselben wie jedes Jahr. „Der Pokal ist der kürzeste Weg nach Europa“, „Wir wollen mal wieder nach Berlin und ein Finale mit HSV-Beteiligung sehen“ und so weiter – sucht Euch die Antwort einfach aus. Sie ist auch wahlweise auf alle HSV-Beteiligten verteilbar. Logisch irgendwie.
In diesem Sinne, ich hoffe an diesem ruhigen Freitag darauf, dass der HSV am morgigen Sonnabend einen Gegner bekommt, der hier auf der Ecke spielt. Den SC Victoria zum Beispiel. Das wäre der nächste Gegner. Dann würde man als HSV dem Hamburger Regionalligisten mit einem vollen Stadion (im Volkspark) die leeren Kassen füllen. Und es wäre eine Art Ablösespiel für den in der kommenden Woche vom SCV zum HSV wechselnden Cotrainer Roger Stilz. Es gibt „noch letzte vertragliche Details zu klären“ heißt es vom HSV.
Bis später. Da bekommt Ihr eine kleine Zugabe zum heutigen Blog. Nichts Exklusives – also bitte erwartet nicht zu viel. Aber doch was sehr Nettes.
Scholle
P.S.: Huub Stevens wird neuer Trainer des griechischen Erstligaklub PAOK Saloniki. Nächste Woche soll der 59-jährige Coach seinen vertrag unterschrieben und beim Tabellenzweiten der abgelaufenen Saison offiziell vorgestellt werden. Mit so einem Wechsel hätte ich bei dem grundsoliden, konservativen Niederländer tatsächlich niemals gerechnet…
P.P.S.: Anbei das eigentlich schon zu Mitternacht versprochene Bonbon. Ein sehr schönes Interview von einen Kollegen Kai Schiller und Alexander Laux. Aber lest selbst:
Obwohl Oliver Kreuzer erst seit Montagabend in Hamburg ist, weiß sich der neue Sportchef des HSV im Stadion schon zurechtzufinden. Fünf Minuten vor dem verabredeten Zeitpunkt erscheint er in einer Loge im VIP-Bereich. In der Stadt, gibt der gebürtige Badener dagegen zu, könne er sich noch nicht so gut zurechtfinden: „Bislang kenne ich eigentlich nur den Weg vom Hotel ins Stadion und zurück“, sagt er, „meine einzige Abwechslung war ein Termin bei der Bank, um mir ein neues Konto zu eröffnen.“
Hamburger Abendblatt: Herr Kreuzer, zum Start des Gesprächs haben wir uns, wenn Sie erlauben, ein kleines Hamburg-Quiz überlegt.
Oliver Kreuzer: Oha. Dann mal los.
Was oder wer ist denn der Michel?
Kreuzer: Ich weiß, dass der Michel ein Hamburger Wahrzeichen ist. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich aber nicht, was genau der Michel ist.
Wir geben Ihnen einen halben Punkt. Der Michel ist Hamburgs bedeutendste Kirche. Kennen Sie Hagenbeck?
Kreuzer: Ich kenne nur Häagen-Dasz (lacht). Das ist ein Eis aus den USA. Hagenbeck? Klingt nach Gebäck.
Nicht ganz. Hagenbeck ist Hamburgs bekannter Tierpark. Letzte Chance: Was ist die Herbertstraße – und wann waren Sie das letzte Mal dort?
Kreuzer: Jetzt werden Sie sagen: typisch, der Fußballer. Natürlich habe ich schon mal von der Herbertstraße auf St.Pauli gehört, und mit Sicherheit war der eine oder andere frühere Mannschaftskollege von mir auch schon mal dort. Ich muss allerdings gestehen, dass ich noch nie auf der Reeperbahn war.
Sie waren nach Ihrer aktiven Karriere als Sportchef fast so etwas wie ein Wandervogel, waren in Basel, Salzburg, Graz und Karlsruhe. Warum wollten Sie nun unbedingt nach Hamburg?
Kreuzer: Rein sportlich gesehen ist der HSV meine bedeutendste Station als Manager. Mir war von Anfang an klar, dass ich diese Chance ergreifen und nutzen will. Aber natürlich hat mich auch die Stadt Hamburg gereizt. Noch wohne ich ja im Hotel, aber ich will hier möglichst schnell heimisch werden.
Anders als zuvor suchen Sie jetzt auch gemeinsam mit Ihrer österreichischen Lebensgefährtin Doris, die noch in Graz lebt, eine gemeinsame Wohnung. Warum haben Sie sich entschlossen, die Fernbeziehung nach vier Jahren zu beenden?
Kreuzer: Ehrlich gesagt wäre Doris vielleicht auch in diesem Jahr nach Karlsruhe gezogen, wenn ich dort meinen Vertrag verlängert hätte. Zuvor hat es leider irgendwie nie gepasst. Sie hat zwei Kinder und studiert auch noch. Aber in Hamburg gibt es ja eine große Universität, und nach vier Jahren Fernbeziehung wollten wir nun endlich auch mal einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt haben.
Ist es schwer, Beziehung und Beruf unter einen Hut zu bekommen?
Kreuzer: Sehr schwer. Im Profifußball führt man ja ein anderes Leben als beispielsweise ein Bankangestellter. Wenn ein Filialleiter aus Karlsruhe zu einer Bank nach Hamburg wechseln soll, dann hat er zumindest die Möglichkeit, Freitagabend mit dem Flieger zu seiner Familie zurückzufliegen und bis Montagmorgen zu bleiben. Diese Regelmäßigkeit ist im Fußball nicht möglich. Man hat kein freies Wochenende. Eine Fernbeziehung ist deswegen verdammt viel Arbeit für alle Beteiligten. Das muss auch unser Trainer Thorsten Fink wissen. Er und seine Frau haben sich ja entschlossen, dass das gemeinsame Haus in München der Lebensmittelpunkt der Familie sein soll. Ich kann das gut verstehen, allerdings ist das auch schwierig. Aber wahrscheinlich kann ihm niemand bessere Tipps über Fernbeziehungen geben als ich (lacht).
Ist das der Preis, den man für den Traumberuf im Profifußball zahlen muss?
Kreuzer: Ja, und es ist ein hoher Preis. Ich habe zwei Söhne aus meiner ersten Ehe, die beide noch mit meiner Ex-Frau in Basel wohnen. Als ich noch Spieler war, habe ich die beiden natürlich viel gesehen. Aber seit ich Manager bin, ist das leider nicht mehr so möglich. Auch Geburtstage habe ich häufig verpasst. Im letzten Jahr habe ich die Firmung meines Kleinen verpasst, weil der KSC gerade ein Auswärtsspiel hatte. Ich kann da ja kaum sagen: Spielt mal heute ohne mich, ich bin dann mal weg bei einer Familienfeier.
Haben Ihre Kinder Ihnen irgendwann mal einen Vorwurf gemacht?
Kreuzer: Nein, meine Söhne sind mittlerweile alt genug und verstehen, dass Papa einen etwas anderen Job hat. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern, aber natürlich würde ich sie schon gerne häufiger sehen. Manchmal gibt es so viel Stress, dass ich mal zwei Tage nicht dazu komme, mit ihnen zu telefonieren. Da bekomme ich natürlich sofort ein ganz schlechtes Gewissen.
Sie kennen die schönen, aber eben auch die anstrengenden Seiten des Geschäfts. Sind Sie trotzdem stolz darauf, dass Ihr Sohn Niklas in Ihre Fußstapfen tritt?
Kreuzer: Ich freue mich für ihn, auch wenn ich ihn nie aktiv dazu gedrängt habe. Aber natürlich haben die Jungs mit mir früher immer im Garten gekickt und waren oft beim Training oder bei Spielen dabei. Da hat es mich dann nicht gewundert, dass beide gute Fußballer werden. Tim ist 16 und spielt in Basels U16, Niklas ist 20 und hat auch in Basel gespielt, will jetzt in die Bundesliga nach Deutschland wechseln.
Vor einigen Monaten war er ja auch im Probetraining beim HSV. Wäre das für Sie schwierig, wenn Ihr Sohn in Ihrer Mannschaft spielen würde?
Kreuzer: Tatsächlich soll Niklas im Probetraining einen ganz guten Eindruck hinterlassen haben. Das haben mir zumindest Thorsten Fink und Rodolfo Cardoso berichtet. Aber nach meinem Jobwechsel nach Hamburg würde ich das in der Tat unglücklich finden, wenn auch Niklas hier spielen würde. Ich glaube nicht, dass man dem Jungen so einen Gefallen tut.
Auch Sie haben Ihre Managerkarriere in Basel begonnen. Wie kam es dazu?
Kreuzer: Ich bin da so reingeschlittert, nach dem Learning-by-doing-Prinzip. Mit 36 Jahren hatte ich in Basel meine aktive Karriere beendet und wurde dann vom damaligen Präsidenten René C. Jäggi gefragt, ob ich mir die Rolle des Managers, zunächst des Teammanagers, vorstellen kann.
Und Sie haben sofort zugesagt?
Kreuzer: Ja, mir war schon als Spieler immer klar gewesen, dass mich der Job des Sportchefs reizen könnte. Ich habe zwar auch meinen Trainer-A-Schein gemacht, aber mein Fokus lag eigentlich immer im Sportmanagement. Vor meiner aktiven Karriere habe ich auch in Ketsch eine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen. Da habe ich schon gemerkt, dass ich ganz gut mit Bilanzen und Geld umgehen kann.
Wie ist Ihr Verhältnis heute zu Geld?
Kreuzer: Ich denke schon, dass ich ein sehr entspanntes Verhältnis zu Geld habe. Natürlich kann ich das so sagen, weil ich auch gut verdiene.
Wird im Fußball zu sehr aufs Geld geschaut?
Kreuzer: Das mag so sein. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass die Spieler sich nicht immer vom schnellen Geld verführen lassen würden.
Zuletzt wurde über ein mögliches HSV-Interesse an Nürnbergs Timm Klose berichtet, an dem auch Wolfsburg interessiert ist. Hätte der HSV überhaupt eine Chance, finanziell mit dem solventen VfL auf Augenhöhe mitzubieten?
Kreuzer: Natürlich kann man in Wolfsburg gutes Geld verdienen, aber auch beim HSV wird niemand arm. Letztendlich muss der Spieler entscheiden, was ihm wichtig ist. Vor nicht allzu langer Zeit gab es mal eine Phase, da sind viele dem Lockruf des Geldes nach Wolfsburg gefolgt, aber nur wenige wurden glücklich. Das mag sich geändert haben, aber ein Spieler sollte generell nicht den Faktor Geld überbewerten.
Sie sind Manager und müssen Verträge aushandeln. Ist es da kein Problem, dass Sie gerade Ihren eigenen Vertrag in Karlsruhe unbedingt auflösen wollten, genauso wie Thorsten Fink seinen laufenden Vertrag zuvor in Basel zugunsten des HSV beenden wollte?
Kreuzer: Das empfinde ich nicht als Problem. So brutal das auch klingen mag, aber so ist nun mal das Geschäft.
Was würden Sie denn jetzt einem René Adler sagen, wenn er plötzlich zu Arsenal London gehen wollen würde? Das Argument, dass er einen laufenden Vertrag hat, zieht ja nicht mehr.
Kreuzer: Ich bin mir sicher, dass dieser Fall nicht eintreten wird. Aber mal ganz allgemein gesprochen gilt bei mir das Motto: Reisende soll man nicht aufhalten. Wenn ein Spieler mit laufendem Vertrag unbedingt wegwill, dann soll er eben gehen. Voraussetzung ist allerdings, dass am Ende des Tages alle Parteien zufrieden sein müssen. Das heißt also, dass ich natürlich auf eine entsprechende Ablöse bestehen müsste.
Können Sie also die Verantwortlichen des BVB nicht verstehen, die Robert Lewandowski nicht nach München wechseln lassen wollen?
Kreuzer: Das kann ich aus der Ferne nur sehr schwer beurteilen. Aber dieser Fall scheint mir speziell zu sein. Für Dortmund ist es natürlich ein großes Problem, wenn nach Mario Götze auch ein zweiter Leistungsträger zum direkten Konkurrenten geht. Am Ende des Tages müssen sich alle Parteien aber einigen.
Nach langen Verhandlungen haben sich ja auch der HSV und Karlsruhe über ihren Wechsel geeinigt. Die Einigung war aber nur möglich, weil Sie persönlich auf insgesamt 100.000 Euro verzichtet haben sollen.
Kreuzer: Ich habe ja schon gesagt, dass Geld bei mir nicht an erster Stelle steht, deswegen war es auch kein Opfer, für meinen Traumjob hier beim HSV auf eine Summe X zu verzichten. Ich gebe nicht übermäßig viel Geld für Luxusartikel aus, trage ganz normale Klamotten, fahre nur ein Auto und suche mir auch eine normale Wohnung. Als Spieler ist man da wahrscheinlich anfälliger, aber man wird ja auch älter und reifer.
Als Spieler sollen Sie auch sehr aktiv den Börsenhandel verfolgt haben.
Kreuzer: Wie viele andere habe auch ich mich damals von dem Hype um den neuen Markt und Bio-Tech anstecken lassen. Ich habe an der Börse ein paar Euro gewonnen und ein paar Euro verloren. Großen Schaden habe ich nicht verursacht. Mir hat das damals als Spieler einfach Spaß gemacht, die Fachzeitungen zu lesen und dann zu handeln. Aber nach meiner aktiven Karriere hatte ich ganz einfach keine Zeit mehr für Aktien und die Börse.
Wenn der HSV eine Aktie wäre, wie müsste man diese dann einordnen?
Kreuzer: Spekulativ mit Potenzial nach oben. Die Fachzeitungen würden für risikobewusste Anleger wohl eine Kaufempfehlung aussprechen.
Ein Leben ohne den HSV ist für Dieter Matz nicht denkbar. Seit über 30 Jahren begleitet er als Abendblatt-Redakteur den HSV, und auch national ist er ein anerkannter Fußball-Fachmann. mehr
Es ist vollbracht. Das letzte Gewinnspiel von „Matz ab“ ist gelaufen, die Gewinner ermittelt. Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern, nicht nur an die Glücklichen des Leverkusen-Spiels. Ich bedanke mich bei euch für die stets rege Teilnahme an diesem Spielchen, es hat mir Spaß gebracht – und euch hoffentlich auch. Selbst wenn es gelegentlich zu schwer gewesen sein sollte.
Was bleibt noch? Die Aufklärung der letzten beiden (Leverkusen-)Aufgaben:
Frage eins:
Wie viele Tore schoss Kevin Keegan einst in der Bundesliga gegen Leverkusen? Die Antwort: keines.
Frage zwei:
Welchem HSV-Profi gelang als erstem Hamburger ein Doppelpack in einem Bundesliga-Spiel gegen Leverkusen? Die Antwort: William „Jimmy“ Hartwig.
Gewonnen haben diesmal gleich drei HSV-Fans. Das Trikot von Sören Bertram ging nach Kiel, dort wohnt Stephan Griem. Das Trikot von Zhi Gin Lam ging nach 31535 Neustadt, dort wohnt Simone Schmidt-Stach. Und die beiden Eintrittskarten für das Leverkusen-Spiel gehen nach Braunschweig, dort wohnt HSV-Anhänger Robert Dykowski.
Nochmals vielen Dank an alle „Matz-abber“ für’s Mitmachen.