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Die Hoffnung auf die Rückkehrer – und: Was erlauben Fink?

23. April 2014

Okay, wenn der Thorsten das sagt. Mit ihm hätte der HSV also keine Abstiegsnöte durchleiden müssen – genau genommen sagte er: „Ich kenne die Mannschaft sehr gut und hätte es hinbekommen, den Schlendrian aus ihr herauszubekommen. Mit mir wäre der HSV in dieser Saison vielleicht nicht in den Europacup gekommen. Aber er hätte mit dem Abstieg nichts zu tun.“ Die Frage, die ich mir beim Lesen dieser Zeilen stelle, ist, wie er darauf kommt. Denn: Seinen Punkteschnitt von 0,8 Pro Spiel in dieser Saison vorausgesetzt würde bedeuten, dass der HSV jetzt (aufgerundet) 25 Punkte hätte – also zwei weniger als tatsächlich und gerade mal so viele wie der Tabellenletzte Eintracht Braunschweig. „Ich kenne die Mannschaft, ich hätte den Schlendrian herausbekommen“, sagt der ehemalige Trainer via Sport Bild – und ich frage mich, warum. Immerhin habe ich Fink als durchaus loyalen Typen kennengelernt, der sich selten bis nie zu voreiligen Äußerungen – „Zoua ist ein Typ wie Guerrero“ im Sommer mal ausgenommen – hatte hinreißen lassen.

Jetzt also doch.

Denn ich empfinde diese Aussage als Affront und despektierlich seinen Nachfolgern gegenüber. Vor allem Slomka gegenüber, der letztlich nur noch das Übel seiner Vorgänger verwalten und ausbügeln muss. Denn für die Planungen des Kaders waren Fink im vergangenen Sommer und van Marwijk im Winter verantwortlich. Und immerhin hatte sich Fink im Sommer für einen Verkauf von Heung Min Son ausgesprochen und Artjoms Rudnevs als intern aufs Abstellgleis gestellt. Fink hatte zudem die Verpflichtung von Jacques Zoua empfohlen, er hat Sobiech mit Sportchef Oliver Kreuzer gescoutet und etliche Spieler (zum Verkauf) aus dem Kader suspendiert – ergo: Er hat maßgeblichen Anteil an der Planung des Kaders, dem inzwischen nicht nur ich fehlende Qualität attestiere.

Nein, das kann Fink schlichtweg nicht ernst meinen. Wobei, eine Erklärung für Finks plötzliches, öffentlich mutiges, lautes Auftreten gibt’s dann doch: Er hat etwas in der Pipeline und will sich nachhaltig ins Gespräch bringen.

Und tatsächlich, keine zwei Telefonate nach diesem ersten Verdacht bekomme ich tatsächlich die Info, dass Thorsten Fink vor einem neuen Engagement steht. Kein Quatsch. Am Wochenende wird sich der ehemalige HSV-Trainer, der zuletzt auch bei Eintracht Frankfurt im Gespräch war, mit seinem noch bis Ende Juni beim HSV unter Vertrag stehenden Assistenten Patrick Rahmen sowie Vereinsoffiziellen unterreden, ob das Job-Angebot interessant ist. Meinen Recherchen nach handelt es sich bei Finks potenziell neuem Arbeitgeber diesmal um den HSV-Konkurrenten im Abstiegskampf, um den 1. FC Nürnberg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder soll diese Kleinattacke den HSV im Abstiegskampf noch mal verunsichern und so die Chancen erhöhen, dass der FCN doch noch drin bleibt? Oder ist es doch Frankfurt? Ein perfides Gedankenspiel – hoffe ich zumindest…

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Und wo ich schon mal dabei bin, zugegebenermaßen zu spekulieren: Auch Bayer Leverkusen sucht einen neuen Trainer (und soll sich mit Salzburgs Schmidt inzwischen einig sein). Das ist noch nicht besonders, weil bekannt. Allerdings hatte der Werksklub zuvor intern verlauten lassen, dass man sich mit dem FSV-Mainz-Trainer Thomas Tuchel so gut wie einig sei. Unter den Bundesligamanagern und bei den Spielerberatern galt das als fix. Tuchel allerdings hat inzwischen zur Überraschung aller abgesagt – und viele fragen sich: warum?

Ein Klub wie Bayer wäre für Tuchel finanziell ein Quantensprung – und sportlich ebenfalls eine massive Steigerung. „Was passiert aber, wenn Jogi Löw nach der WM sein Amt nicht mehr weiter ausführen soll oder will?“, fragte mich mein Gesprächspartner heute rhetorisch. Denn er spielte darauf an, dass – und das ist ein offenes Geheimnis – Jürgen Klopp in dem einen Fall Borussia Dortmund verlassen würde und zum DFB wechseln könnte. Dann würde Tuchel für den BVB als Klopp-Nachfolger hochinteressant.

Sollte da eine große Rochade vorgeplant sein?

Damit mich hier keiner falsch versteht, das ist eine zugegeben wilde Theorie. Und egal wie viele Konjunktive hier zweifellos zu nutzen sind, es ist zumindest eine interessante Theorie. Ebenso wie die von Finks Aussage im Zusammenhang mit einem Engagement in Nürnberg.

Gesund geworden, und das ist dann doch wichtiger als jede Trainerdiskussion, ist Milan Badelj. Ebenso wie Marcell Jansen absolvierte er heute erneut große Teile des intensiven Trainingsprogrammes, das immer wieder von Trainer Mirko Slomka unterbrochen wurde. Umschaltspiel stand auf dem Plan und Slomka forderte insbesondere Offensive Abschlüsse. Auffällig gut war hierbei Ivo Ilicevic – und auch Kerem Demirbay wusste zu gefallen. Dass Badelj am Sonntag in Augsburg in der Startelf steht, sofern ihm nichts mehr passiert, scheint klar. Und ich bin mir noch nicht sicher, wen Slomka neben den Kroaten stellen wird. Die defensivste Lösung mit Tomas Rincon? Oder die spielerischere Lösung mit Tolgay Arslan? Oder setzt Slomka auf frisches Blut und die Willensstärke des Deutsch-Türken, der allen zeigen will, weshalb er nach Hamburg gewechselt ist. „Es fiel mir extrem schwer, immer zuzusehen und nicht mithelfen zu können“, hatte Demirbay kurz vor seinem Debüt gegen Wolfsburg gesagt. Und auch anschließend konnte er sich ob der 1:3-Niederlage nicht richtig freuen. „Das habe ich mir anders vorgestellt, das kann es noch nicht sein.“

Demirbay ist jung, unerfahren – aber heiß. Arslan hingegen ist auch jung, trotzdem relativ erfahren – aber im Moment außer Form. Gegen Leverkusen noch bärenstark, wirkte der Deutsch-Türke zuletzt zweimal völlig neben der Spur. Er war in Hannover ebenso wie zu Hause gegen Wolfsburg maßgeblich an den entscheidenden Gegentoren beteiligt und wurde ausgewechselt. Nicht wenig spricht dafür, dass Slomka Arslan auch gegen Augsburg eine Pause gönnt. Wobei ich dabei bleibe, dass in Arslan trotz seines fehlenden Sprinttempos deutlich mehr Potenzial steckt, als ihm der Großteil der Blogger hier zuspricht. „Das ist ein richtig guter Fußballer“, hatte mich auch Thomas Strunz, den ich als absoluten Fachmann schätzen- und kennenlernen konnte, am Sonntag in meiner Meinung bestärkt. Ebenso wie in der Annahme, dass Arslan eben Badelj defensiv zu viel zulässt.

Sicher fehlen werden Johan Djourou (Muskelfaserriss) und Pierre-Michel Lasogga (Muskelbündelriss). Wobei Letztgenannter am Donnerstag nach München fliegt, um sich dort erneut von Nationalmannschafts-Doc Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Anschließend soll entschieden werden, ob und wann der Angreifer endlich wieder ins Training einsteigen darf. Heute jedenfalls absolvierte Lasogga schon einen ersten, lockeren Lauf mit Rafael van der Vaart, der ebenfalls noch nicht mit der Mannschaft trainieren kann und dessen Rückkehr somit für Sonntag nahezu ausgeschlossen ist.

Ergo: Demirbay als Newcomer und Marcell Jansen sowie Milan Badelj als Rückkehrer sollen der gegen Wolfsburg wie Hannover zuletzt leblos wirkenden Mannschaft neue Impulse verleihen. So, wie der schärfere Ton im Training von Mirko Slomka. Immer wieder ermahnte er seine Offensivleute, den Abschluss zu finden – eine der wahrscheinlich größten Schwächen im Moment. Es fehlen einfach eigene Tore.

Ohne Angreifer ist das kein Wunder – womit sich der Kreis zu Fink wieder schließt, der maßgeblich am Verleih von Rudnevs mitgewirkt hat, indem er Sportchef Oliver Kreuzer klarmachte, dass der gehaltstechnisch teure Lette bei ihm keinen Platz hätte. Dafür empfahl er dem HSV Jacques Zoua, der seine Tauglichkeit eher ausnahmsweise unter Beweis stellen konnte. Bleiben noch die Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu und – wie vor Wolfsburg als kleiner Hoffnungsschimmer von mir geschrieben – Ivo Ilicevic. Und der Kroate, der trotz seiner häufigen Verletzungen weiterhin auf einen Platz im WM-Kader der Kroaten hoffen darf, war auch heute wieder derjenige, von dem mal etwas außergewöhnlich Gutes im Eins-gegen-Eins zu sehen war. Zudem sucht der dribbelstarke Kroate die Zweikämpfe und sorgt somit zumindest für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der HSV zu seinen zuletzt einzigen Torchancen kommt: zu Freistößen von Hakan Calhanoglu.

Und obwohl ich lange überlegt habe, lasse ich hier und heute Vereinspolitik komplett ruhen. Wir haben akutere Probleme und die Geschichte mit der Lizenz haben wir gestern ausreichend erläutern können. Geändert hat sich seitdem eh nichts. Die Frage, die sich alle stellen (Ist der HSV in Liga zwei überhaupt überlebensfähig?) beantwortete Klubboss Carl Jarchow eindeutig: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Zeit erfüllen.“ Hoffentlich.

Morgen geht es um zehn Uhr an der Imtech-Arena weiter. Dann sollen Marcell Jansen und Milan Badelj ihr Pensum nochmals steigern, damit sie am Freitag komplett mitmachen können.

Bis dahin,
Scholle

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