Archiv für das Tag 'Jarchow'

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Die Hoffnung des HSV? Der liebe Gott und ein Wunder

17. Mai 2015

Das, was keiner will, ist eingetreten. Der HSV hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand. Ebenso wie das eigene 1:2 beim VfB Stuttgart waren die Siege des SC Freiburg und Hannover 96 für diese Konstellation verantwortlich. Vielleicht wirft die Haltung der Bayern im Breisgau Fragen auf, aber am Ende bekommt der HSV, was er verdient. Und das ist nach diesem desaströsen Spiel in der Mercedes-Benz-Arena der vorletzte Tabellenplatz und die Gewissheit, dass nicht einmal ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke den Klassenerhalt – oder wenigstens die Relegation – aus eigener Kraft sichern würde.

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

„Wir haben eine Ausgangslage, die sich drastisch verschlechtert hat“, stellte Trainer Bruno Labbadia klar. „Dabei war uns ja von Beginn an klar, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen würden. Allerdings haben wir uns die gute Position, die wir uns erarbeitet haben, kaputt gemacht.“ Und wie sie das gemacht haben. Gegen 15.45 Uhr stand der HSV mit eineinhalb Beinen in der Bundesliga, am Ende steht die Mannschaft mit eineinhalb Beinen im Unterhaus. „Es war ein Matchball, den wir vergeben haben“, setzte Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer drauf. „Die Leistung war enttäuschend. Das war schwach und zu wenig.“ Weitere Analysen über die Hintergründe dieses Auftritts lieferten die Verantwortlichen nicht. Im Grunde war das auch schnell zu erkennen. Ich will mich auf wenige Dinge beschränken, die alle miteinander zu tun haben.

Das erste Mal hatte ich an diesem Nachmittag in Stuttgart ein ungutes Gefühl, als die HSV-Profis mit den T-Shirts zum Warmlaufen auf den Rasen marschierten. „Wir schaffen es!“ stand darauf. Allzu große Sicherheit, die Bekanntgabe einer Hoffnung als Tatsache, die die Spieler am Ende eingeholt hat. Ein Ergebnis sollte man erst nach vollbrachter Arbeit verkünden – nicht schon vorher. Besser haben es die Stuttgarter Fans gemacht, die ihre Mannschaft mit einem großen „Niemals-aufgeben“-Plakat begrüßt haben. DAS war das eigentliche Motto. Und der VfB hat es deutlich besser umgesetzt als der HSV.

Es war beängstigend mit anzusehen, wie der HSV nach 25 Minuten aufgehört hat, an dieser Partie teilzunehmen. Mit dem Stuttgarter Ausgleich, dessen Zustandekommen vielleicht glücklich war, erlahmte alles bei den Hamburgern. Rajkovic und Djourou fanden keine Anspielstationen mehr, weil sich alle Mittelfeldspieler verkrümelten. Wo war van der Vaart? Wo war Kacar? Was war mit den Flügeln Jansen und Ilicevic, die nicht zu sehen waren? Es war so viel Angst im Spiel, dass alle nur noch weggerannt sind.

Einige Spieler verdienen besondere Beachtung. Rafael van der Vaart zum Beispiel hat 90 Minuten nach einer Gelbe Karte gebettelt. Fouls, Geschimpfe, Nicklichkeiten. Immer wieder sprach Schiedsrichter Manuel Gräfe beschwichtigend mit ihm – aber in der Nachspielzeit konnte er nicht mehr anders. Nach einer weiteren Meckerei gab’s endlich die 10. Gelbe Karte und damit die Sperre gegen Schalke. Van der Vaart hat sich dazu gestern nicht mehr geäußert, aber das hatte schon schwer den Anschein, als ob er diese Verwarnung provoziert hätte. Ein schlimmes Verhalten.

Pierre Michel Lasogga durfte nach dem frühen Zusammenprall mit seinem Kollegen Ivica Olic bis zur 59. Minute weiterwurschteln. Der Bursche gehörte aber sofort ausgewechselt, er torkelte nur über den Rasen. Es war keine Kopfverletzung, sondern eine Schulterprellung, wie heute diagnostiziert wurde. Trotzdem: Bei Lasogga ging gar nichts, der HSV auch aus diesem Grund quasi eine Stunde lang nur zu zehnt. Bruno Labbadia versicherte heute nochmals, dass er seinen Angreifer immer wieder gefragt habe, ob es weitergehe. Lasogga sagte ja – eine Fehleinschätzung.

Am Ende fehlte der gesamten Mannschaft Spannkraft. Nichts war zu spüren von dem Willen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. Die meisten Zweikämpfe gingen flöten, es war eine Selbstaufgabe. Das, was Bruno Labbadia mühsam an Streichhölzchen aufgebaut hatte in den vergangenen Wochen zu einem ansehnlichen Türmchen, fiel durch einen Windhauch zusammen. Es war nicht mehr als ein Windhauch, denn natürlich war auch Stuttgart zunächst total unsicher. Zwar stürmten sie in den ersten fünf Minuten, aber nach dem 0:1 durch Kacar schossen die Schwaben die einfachen Pässe ins Seitenaus oder die steilen Schläge ins Nirvana. Bis sie merkten, dass sie vom HSV nichts zu befürchten hatten. 10:1 Schüsse aufs Tor – so sah es am Ende aus. Die Partie hätte 5:1 ausgehen müssen, wenn Rene Adler nicht so viel gehalten hätte.

„Als wir gekommen sind, waren wir Tabellenletzter“, so Bruno Labbadia heute. „Da hätte niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Natürlich hatten wir nicht gedacht, dass wir diesen Rückschlag erleiden würden. Aber trotzdem haben wir noch eine Möglichkeit. Wir müssen nicht jammern, sondern an uns glauben. Wir müssen Schalke schlagen, und dann werden wir sehen, was passiert.“

Dietmar Beiersdorfer wurde heute mehrfach gefragt nach seinen Fehlern in dieser Saison. Die Ernennung von Peter Knäbel zum Cheftrainer zum Beispiel. Beiersdorfer wehrte all diese Fragen ab und verwies auf die nächste Woche, wenn die Saison vorbei ist. „Es ist unsere Aufgabe, im Management intern über alle Szenarien zu sprechen. Das tun wir schon länger. Aber unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vorher, das Spiel gegen Schalke zu gewinnen und die Möglichkeiten zu haben, drin zu bleiben.“ Dies kann ich im Moment nachvollziehen. Beiersdorfer bringt es heute nichts, Selbstzerfleischung zu betreiben oder auch nur den nachvollziehbaren Wunsch der Öffentlichkeit nach Benennung der Schuldigen zu befriedigen. In den kommenden sechs Tagen geht es nur um das Schalke-Spiel.

Vielleicht geht es danach noch um die Relegationsspiele – das weiß der Fußballgott. Auf den wird es übrigens auch wieder ankommen. Dessen ist sich Zoltan Stieber sicher, der beim Blick auf die Konstellation keine anderen Ratschläge mehr hat: „Wir müssen alles geben gegen Schalke und gewinnen. Hoffen wir, dass der liebe Gott auch mit uns ist.“ Ähnlich formulierte es Rene Adler: „Wir haben jetzt noch ein Spiel und können die Tabelle auch lesen. Die Situation ist beschissen. Aber wir können es noch schaffen. Ich glaube, dass wir Schalke schlagen, und mit ein bisschen Hoffen und Bangen – vielleicht gibt es noch ein Wunder.“ Oder hat der HSV im vergangenen Jahr alles Glück der Welt aufgebraucht?

Und wie soll diese Truppe, die in Stuttgart offenkundig unter dem Druck zusammen gebrochen ist, den noch viel größeren Druck des kommenden Spiels meistern? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Hoffnung gibt es nur, weil es in dieser Saison ab und an geklappt hat. Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben schon mal ähnlichen Druck gehabt gegen Augsburg. Das war auch ‚letzte Ausfahrt Klassenerhalt‘. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht. Man muss das Positive sehen. Wenn man nicht dran glaubt, wird es auch nichts. Wir werden bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist unsere Pflicht und unsere Leidenschaft.“ Na ja….

Als besondere Maßnahme prüft der Verein nun ein erneutes Trainingslager. Die Entscheidung, ob das kurzfristig zu realisieren ist, steht zur Stunde noch aus. Jedenfalls würde Labbadia nach dem trainingsfreien Montag ab Dienstag gern mit seinen Profis eine Luftveränderung vornehmen. Klar ist, dass es nicht erneut nach Rotenburg gehen wird, wo er den HSV bereits nach seinem Amtsantritt zusammengesammelt hatte.

Hoffnung hat übrigens auch Peter Knäbel – das sagte er gestern im ZDF-Sportstudio: „Die Relegation zu gewinnen, wäre für uns wahrscheinlich auch schon ein Erfolg. Wir haben es fast in eigener Hand. Bei den ganzen Entwicklungen dieses Spieltages sehen wir, dass es auch schnell mal in die andere Richtung gehen kann.“ Knäbel war heute übrigens zur Spielbeobachtung in Braunschweig, wo der mögliche Hamburger Relegationsgegner Karlsruher SC mit 2:0 gewann.

Und nun noch ein Wort mehr oder weniger in eigener Sache. Am vergangenen Mittwoch habe ich ein paar Absätze zu Carl Jarchow geschrieben, der aus dem HSV-Vorstand ausgeschieden ist. Die Pawlowsche Reaktion bei einigen Kommentaren hätte ich mir denken können. „Gefälligkeitsjournalismus“ hier – „die Presse ist Teil des Problems“ da.

Habe ich geschrieben, dass Jarchows Vertragsverlängerung 2012 ein Fehler war? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass Jarchow viele sportliche und wirtschaftliche Fehler begangen hat? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass der Verein nach seiner Amtszeit schlechter dastand als vorher? Komisch, das habe ich ja auch geschrieben.

Ich lasse mir ungern das Wort im Mund herum drehen und insofern waren einige der Kommentare aus meiner Sicht reichlich daneben. Ich habe hier schon vor einigen Wochen ausführlich zur Campus-Peinlichkeit Stellung bezogen. Dieses Projekt wurde damals von Jarchow/Hilke angeschoben, und dass es primär eine Geld-Beschaffungsmaßnahme war – dieser Eindruck ist wohl kaum zu leugnen. Gut verpackt mit einem neuen Nachwuchsprojekt, zugegeben, aber die Umplanungsmaßnahmen, die durch Bernhard Peters und Co. vorgenommen wurden, zeigen, dass das ursprüngliche Konzept auch inhaltlich nicht durchgetaktet war. Inhaltlich – das war nicht die Priorität. Aber: Jarchow und alle anderen im HSV waren und sind dafür rechtlich nicht zu belangen gewesen. Das ist Stand heute Tatsache.

Diese Zusammenhänge, und dass Alexander Otto den Granden den Allerwertesten gerettet hat mit seiner 10-Millionen-Euro-Zuwendung, das wurde auch hier von Scholle, Dieter und mir thematisiert. Als ich geschrieben habe, dass Jarchow gut aus seiner HSV-Vorstands-Zeit herausgekommen ist, wurde das hier ebenfalls als Medien-Problem dargestellt. Nach der Devise: Ihr habt ihn aber auch schön in Frieden gelassen.

Wer bitteschön hat Carl Jarchow, der jahrelange Minus-Zahlen als Vorstands-Vorsitzender zu verantworten hatte, denn vor allem in Frieden gelassen? Das waren die HSV-Mitglieder selbst, von denen einige mich nun hier kritisiert haben. Jarchow hat nicht eine einzige kritische Nachfrage erhalten auf der Mitgliederversammlung im Januar. Da war nicht die Rede davon, dass der Verein reihenweise Rote Zahlen geschrieben hat und die Campus-Millionen versickert sind. Von der Frage, ob die einzelnen Vorstände denn überhaupt entlastet werden – auch Joachim Hilke hätte diese Frage treffen können – war ebenfalls nichts zu hören. Gar nichts.

Was mir wichtig ist und war bei der Betrachtung Jarchows und vieler anderen, deren Wirken für den HSV am Ende in einem negativen Licht stand: Sie alle wurden auch von bestimmten Leuten, namentlich vom Aufsichtsrat, eingesetzt. Wenn Jarchow gescheitert ist, dann ist auch der alte Aufsichtsrat gescheitert. Führungskräfte in Unternehmen haben EIN wesentliches Instrument zur Steuerung der ganzen Firma, und das ist die Personalauswahl. Ist also Jarchow gescheitert, dann spricht das gegen diejenigen, die ihn ins Amt gehoben haben. Analog heute: Zeigt sich, dass Dietmar Beiersdorfer, wie von Scholle am Montag geschrieben, eigentlich kein Vorstands-Vorsitzender ist, dann geht diese Kritik in erster Linie an das Gremium, das Beiersdorfer bestellt hat. Und schon wären wir bei Karl Gernandt und seinem Team.

Zurück zu Jarchow. Zu guter letzt wurde nämlich angezweifelt, dass Jarchow für die Ausgliederung war. War er aber. Nicht als jemand, der sie initiiert hätte oder angeschoben. Das waren andere – das war die Gruppe HSV-Plus um Otto Rieckhoff. Aber dass Jarchow dessen ungeachtet dafür war, ist einfach Fakt. Das haben mir alle möglichen Menschen aus dem Verein bestätigt. Vermutlich wird mir nun auch noch weiter vorgehalten, ich habe HSV-Plus nicht gewollt. Ich verweise höflich auf eine „Matz-ab-live“-Sendung vom September 2013. Hier habe ich deutlich gesagt, die Ausgliederung muss kommen. Zu diesem Zeitpunkt war HSV-Plus gerade ein paar Tage auf dem Markt. Dass ich diese Haltung anschließend nicht marktschreierisch vor mir hergetragen habe wie andere, liegt wohl daran, dass ich Journalist bin. Aber egal, ob jemand aus meiner Sicht schlechte Arbeit geleistet hat – Kritik unter der Gürtellinie wird es von mir nicht geben.

Im übrigen: Welche Gefälligkeit sollte ich wohl von Carl Jarchow erwarten, wenn er Vize-Präsident des Hamburger Fußball Verbandes ist? VIP-Karte fürs Oddset-Pokal-Endspiel?

Noch sechs Tage bis zum Schalke-Spiel.

Lars
18.00 Uhr

Labbadia: „Man darf nie aufgeben. Nie!“

14. Mai 2015

Das war mal ein ganz besonders schöner Vatertag. Oder? Schön ist eigentlich falsch, es war ein ungewöhnlicher Vatertag. Weil ich den HSV trainieren hören konnte. Was für ein besonderes Erlebnis. Ich hörte den HSV, konnte ihn aber nicht sehen. Geheimtraining heißt das Zauberwort. Es wurde nicht hinter den weißen Lappen geübt, sondern in der Arena, und die war hermetisch abgeriegelt. Alles ganz geheim, wie der HSV am Sonnabend in Stuttgart gewinnen will. Und wenn es denn so kommt, dann finde ich auch jedes Geheimtraining der Welt völlig gerechtfertigt. Völlig. So aber, zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel am Neckar, kann ich Euch nicht berichten, wie das Training gelaufen ist, wer gut war, war schlecht war, wer laut war, wer früher vom Platz ging – null. Immerhin sickerte durch, dass Petr Jiracek heute nicht trainieren konnte, weil er seit dem gestrigen Training einen so dicken großen Zeh hat, dass er nicht in einen Fußballstiefel hinein kam. Soll aber wohl morgen, wenn wieder ganz geheim trainiert wird, wieder behoben sein. Ebenfalls nicht trainiert haben – jedenfalls nicht im Stadion – heute Valon Behrami und Nicolai Müller. Beide werden wohl auch bis zum Saisonende, das ja ohnehin ganz nah ist, ausfallen – bei Müller ist es ja schon seit einer Woche beschlossen und verkündet.
Dagegen kehrte heute der Brasilianer Cleber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Ob der Innenverteidiger in Stuttgart schon wieder mit von der Partie ist, ließ sich Trainer Bruno Labbadia noch offen: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, ob wir ihn in Stuttgart oder erst gegen Schalke brauchen, das wissen wir nicht – das, was wir heute von ihm gesehen haben, das war ordentlich, nun müssen wir abwägen, ob es schon sinnvoll ist, ihn mit nach Stuttgart zu nehmen.“ Ich denke und behaupte einmal: nein. Cleber wird noch ein Woche auf die Wiese gehen müssen, ehe er wieder dabei ist. Wenn überhaupt. Das kommt auch auf den Ausgang des Stuttgart-Spiels an.

 

Kurz noch zum Thema Behrami zurück. Der Schweizer liegt seit einigen Wochen flach, Knie- und Oberschenkel-Probleme. Bruno Labbadia zu seinem vielleicht schwierigsten Patienten: „Seine Probleme rühren her von seiner Operation, die er im Winter hatte, und sie sind eine Folge davon, dass er nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, das aufzuarbeiten. Da kommen viele Dinge zusammen, das ist sehr schade, aber wir müssen das akzeptieren. Wir müssen jetzt so mit ihm arbeiten, dass wenn wir ihn doch noch brauchen, er notfalls doch noch einsteigen könnte – aber im Moment ist das schwer.“

 

Auf der faulen Haut, das muss ich noch schnell einfügen, habe ich trotz allem während des Geheimtrainings zwischen zehn Uhr und 11.30 Uhr nicht gelegen, ich habe mir das Training der U23 „reingezogen“. Die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso und Soner Uysal spielt an diesem Sonnabend in Lübeck um Punkte. Nur um Punkte, nicht um die Meisterschaft, dieses Ziel wurde ja am vergangenen Wochenende durch eine 0:2-Heimniederlage gegen Havelse verspielt. Und ich hatte den Eindruck, dass vor allem Uysal immer noch stocksauer darüber ist, dass die Meisterschaft so leichtfertig verspielt wurde. Aber so is Lebbe. So richtig aufgefallen ist mir bei diesem Training keiner, es waren ja auch die besten Leute beim gleichzeitigen Profi-Training beschäftigt . . . Für einige Minuten sah auch Sport-Chef Bernhard Peters dem bunten Treiben im Volkspark zu. Und Helm-Peter, der total enttäuscht war, dass er den Profis nicht mal durch ein Loch im Kunststoffzaun mit einem Auge folgen durfte. Aber es gibt ja Schlimmeres.

 

 

Zum Spiel gegen Stuttgart. Ich gebe zu, dass ich nicht besonders optimistisch bin. Das ist bei mir eigentlich ein ganz normaler Vorgang, diesmal aber wird dieser noch durch zwei Dinge etwas negativ beeinflusst. Erstens hat der HSV zuletzt gegen Freiburg wieder einmal, bis auf zehn Minuten in der Schlussphase, seine hässliche Fratze gezeigt, und zweitens befindet sich der VfB Stuttgart, auch wenn das die Ergebnisse nicht unbedingt belegen, seit einigen Wochen in einer konstant guten Form. Und die Schwaben haben nach dem 2:0 gegen Mainz ihr zweites Heimspiel in Folge, das halte ich für den jetzigen Stand der Meisterschaft, also zwei Spieltag vor Schluss, als etwas ungewöhnlich, aber es ist wohl vom Terminplaner her nicht anders möglich. Und da zuletzt, also am vergangenen Wochenende, in Stuttgart die „Hölle los war“, beim Spiel gegen Mainz, wird das auch für den HSV nicht so sonderlich leicht, dort gegen zwölf Mann zu bestehen. Wer sich erinnern kann: Die Super-Stimmung beim VfB wurde am vergangenen Montag von allen Zeitung und Illustrierten besonders hervorgehoben.

 

Leicht wäre das Spiel ohnehin nicht geworden, aber so wird es noch etwas schwerer. Für den HSV. Vermute ich jedenfalls. Und wenn ich so an Martin Harnik denke, den Hamburger im VfB-Trikot, dann wird mir sowieso schon immer leicht „schwummerig“, denn der Österreicher trifft ja ganz besonders gerne gegen den HSV, der einst sein Talent (bei Vier- und Marschlande) nicht erkannt (oder verschmäht) hatte. Sei es wie es sei, auf Harnik bin ich besonders gespannt – und Matthias Ostrzolek dürfte es bereits jetzt ähnlich ergehen. Da wird der ehemalige Augsburger schon mal sein Gesellenstück schmieden können, wenn er Harnik an die Kette legen würde. Wird aber haarig, keine Frage.

 

Und wer spielt beim HSV? Rene Adler im Tor, keine Frage. Die Viererkette davor bleibt auch unverändert, und auch die beiden Sechser dürften im Team bleiben: Gojko Kacar und Rafael van der Vaart. Dann aber wird es schon weniger mit den Stammplätzen. Ich denke mal, ohne dass ich ihn heute auf dem Rasen gesehen habe, dass Lewis Holtby wohl eher auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Seine Vorstellung gegen Freiburg war doch viel zu wenig, als dass er noch einmal die Chance von Beginn an erhalten müsste. Ein Mittelfeld mit Zoltan Stieber, Ivica Olic und Marcell Jansen hätte gewiss seinen Reiz, allerdings würden sich dann dort gleich drei „Linksfüßer“ die Ehre geben, und ob das so spannend ist? Ich weiß es nicht. Aber Bruno Labbadia wird es wissen, das verriet er uns heute schon nach dem Training. Er hat die Aufstellung schon im Kopf, aber soweit geht die Liebe eben doch nicht, als dass er sie uns schon in die Blöcke diktieren würde. Geduld ist angesagt. Ich könnte mir trotz der Vorbehalte gegen drei „Linksfüßer“ vorstellen, dass es so kommen wird – und vorne soll und wird sich dann Pierre-Michel Lasogga versuchen.

 

Klingt doch auch nicht schlecht, diese Aufstellung. Aber im Ernst, so richtig schlecht klang die HSV-Aufstellung auch während dieser Saison eigentlich nie, und trotz allem wurde teilweise ein so finsterer Fußball zum Abgewöhnen dargeboten. Es kommt eben auf die Tagesform der Helden an – und auf die mentale Verfassung. Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, heißt es ja so schön schon seit Wochen, nun wollen wir alle mal hoffen, dass die HSV-Jungs – alle – ihre Köpfe dafür frei haben. Nur mal so zur Erinnerung: Stuttgart als Schlusslicht hat 30 Punkte auf dem Konto, der HSV als Tabellenvierzehnter 32 Punkte. Sollten der VfB gewinnen . . .
Dann müsste der HSV wohl ganz auf die eine Woche später folgende Heim- und Schlusspartie gegen Schalke 04 setzen. Wirklich nur mal so am Rande. Damit sich alle, wirklich alle mental auf die Begegnung mit den Schwaben einstellen.
Meine Kollegen sind übrigens fast alle sehr bis verhalten optimistisch. Am meisten wurde ein 2:2 getippt, wobei ich mich frage, wer denn zwei Tore . . . Nun gut, auch das gab es ja zuletzt. Sohar einmal ein 3:2. „Helm-Peter“ wurde heute vom NDR-Hörfunk nach seinem Tipp gefragt – und was sagte er? Na klar, 2:2. Sollte es so kommen, werde ich ihm (im Picknick und beim nächsten Geheimtraining) eine Currywurst mit Pommes spendieren, damit er immer gut gestärkt auf seinem Drahtesel nach Hause strampeln kann.

 

Apropos Geheimtraining. Bruno Labbadia erklärte den Rückzug ins Stadion heute wie folgt: „Wir wollten einmal in der Abgeschiedenheit einige Dinge abtrainieren, vor allem auch die Ruhe genißene, die dazugehört – gerade am Vatertag.“ Auf Stuttgart bezogen sagte der HSV-Coach: „Wir sehen das Spiel als weitere Chance, unsere Situation weiter zu verbessern. Wir haben uns mit den letzten drei Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, die wollen wir nun weiter verbessern.“ Co-Trainer Eddy Sözer und Sport-Direktor Peter Knäbel haben ja vor einer Woche den VfB gegen Mainz 2:0 gewinnen sehen und konnten mit Sicherheit live und vor Ort einige wichtige Eindrücke mit nach Hamburg bringen. Was, darüber allerdings schwieg der Trainer: „Sie haben mir berichtet, dass der VfB ein ordentliches Spiel gemacht hat – aber wir kennen den VfB ja auch, wir wissen, was auf uns zukommen wird, aber wir konzentrieren uns letztlich auf uns selber.“

 

Mein „Sky“-Kollege Sven Töllner sprach bei seiner Frage an den HSV-Trainer von einem „glücklichen Punktgewinn gegen Freiburg“ (so hätte ich es ganz sicher auch formuliert – weil es ganz glücklich war!), aber Bruno Labbadia stellte das 1:1 für sich in ein rechtes Licht: „Es war ein erkämpfter Punkt!“ Wie dem auch sei. Ich will das Spiel gegen Freiburg auch nicht im Nachhinein noch einmal von allen Seiten beleuchten, für mich war es einfach nur schlecht (vom HSV), und zwar erschreckend schlecht. Bis auf die Schlussphase. Und ich glaube, dass auch alle HSV-Verantwortlichen gut daran täten, wenn sie diese 90 Minuten aus dem vorletzten Heimspiel der Saison so oder ähnlich negativ einschätzen oder einstufen würden. Alles andere wäre Augenwischerei.
Bruno Labbadia relativierte aber aus seiner Sicht: „Das sieht man nicht nur bei uns, dass es da Schwankungen gibt, das ist auch bei anderen Mannschaften zu sehen. Ich habe zum Beispiel Kaiserslautern gegen St. Pauli gesehen, da lagen die Lauterer plötzlich 0:1 zurück und es ging nicht mehr viel. Das war bei uns ebenfalls so: Wir hätten das 1:0 gegen Freiburg machen können, kriegst aber das 0:1 und dann passieren solche Spiele. Dann, mit dem 1:0 im Rücken, macht es der Gegner auch gut, und dann gibt es solche Spiele. Freiburg hat es dann auch richtig gut gemacht, wir nicht – aber das haben wir ja auch zugegeben. Und ich habe einige Sachen bei uns gesehen, die nicht so liefen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Dass es doch noch ein 1:1 gab, lag vornehmlich daran, dass Labbadia voll auf Offensive setzte und noch jeden Stürmer einwechselte, den er noch hatte. Auch wenn Maximilian Beister vielleicht einige Minuten zu spät kam, wie etliche Kollegen noch am Sonntag bemerkten.

 

Immerhin konnte Bruno Labbadia als Coach doch noch etwas Positives aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen: „Es hat uns gezeigt, dass wir immer wieder aufstehen können. Dass wir zwar mal kurz am Boden liegen, dass wir mal Rückschläge erleiden, aber dass wir immer wieder dagegen an arbeiten, das hat uns dieses Spiel gezeigt, aber auch schon die Spiele davor. Wir sind zuletzt immer wieder aufgestanden, und das bringt uns dann auch eine gute Stimmung in die Mannschaft. Man darf nie aufgeben. Nie.“

 

Keine Frage (die am Rande eines Trainingstages immer mal wieder aufkommt!) spielt übrigens für den Trainer, ob Rafael van der Vaart auch in Stuttgart wieder zur Auflaufformation gehören wird: „Rafa hat sich gleich zu Anfang im Training gezeigt, dass er dem Verein und der Mannschaft helfen will. Das haben wir aufgenommen. Dann haben wir ihn auf verschiedenen Positionen eingesetzt, aber ganz klar ist er derjenige, der für mich auf der Acht spielen könnte – weil er eine gewisse spielerische Qualität bei uns reinbringt.“
Jetzt spielt der „kleine Engel“ aber auf der Sechs, doch auch das sieht der Trainer nur positiv: „Er hat das dort mit Gojko Kacar gemeinsam, was die Arbeit betrifft, was die Kompaktheit betraf, sehr gut gemacht. Und von dem her ist es gut, dass der Kapitän zuletzt solche Leistungen gebracht hat.“ Bruno Labbadia dann noch zum Abschluss über van der Vaart: „Ich glaube, dass er sich als Kapitän von seinem Verein einfach nur gut verabschieden will, und dazu kann er selbst viel beitragen.“ Mit einem Spiel mit Herz und Leidenschaft. Und das wird der Niederländer auch, bei aller Kritik, die es immer wieder mal für ihn gibt, auch am Sonnabend wieder an den Tag legen.

 

Apropos Tag. Bruno Labbadia befand über sein Wirken im Moment (weil er von den meisten neutralen Beobachtern gelobt wird): „Der Abstiegskampf hat mich zu einem kompletteren Trainer gemacht. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten, aber ich brauche es nicht jeden Tag.“

 

Das Schlusswort zum Vatertag, aber eher schon im Hinblick auf Stuttgart, kam auch noch von Labbadia, der befand: „Wir haben uns zuletzt eine Ausgangslage geschaffen, von der wir vor einigen Wochen nur geträumt haben. Diesen Weg müssen wir jetzt weiter gehen. Das ist ein Kraftakt, aber es hilft nichts, es sind ja nur noch zwei Spiele.“

 

Und für die gilt:

Verlieren verboten!

 

Nur der HSV!

 

PS: Nachdem Lars Pegelow gestern so gefeiert wurde, weil er an Carl-Edgar Jarchow (der an diesem Freitag seinen letzten offiziellen HSV-Tag hat) gedacht hat, möchte ich mich auch noch kurz daran versuchen – und mir meine Belobigungen dafür abholen. Schon jetzt dafür ein herzliches Dankeschön!

Da ich weiß, dass im Hause Jarchow auf jeden Fall einer bei Matz ab mitliest, mache ich das mal so:

„Lieber Herr Jarchow, Sie haben gewiss keine schöne zweite HSV-Zeit (nach der Aufsichtsrat-Tätigkeit) gehabt, im Gegenteil, Ihr Wirken gestaltete sich äußerst zäh und wenig erfolgreich. Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich Ihren Mut bewundert habe, dass Sie dieses Amt übernommen haben. Kaum ein anderer HSVer hätte das gemacht. Und obwohl Sie ziemlich schnell wussten, was Sie da übernommen hatten, verlängerten Sie auch noch. Warum auch immer, spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich, Dieter Matz, das Handtuch geworfen.
Sie hatten in meinen Augen nie eine richtige, eine faire Chance, den HSV wieder nach oben zu führen, weil die Club-Kasse chronisch leer war. So ist es, die Ausnahme heißt Klaus-Michael Kühne, bis heute geblieben – und nun wollen wir mal sehen, wie sich der HSV in Zukunft so machen wird.

Auf jeden Fall waren Sie immer ein fairer Gesprächspartner, und obwohl Sie mitunter recht heftig kritisiert und attackiert wurden, haben Sie immer Rede und Antwort gestanden, ohne ausfällig oder beleidigt zu sein. Das war hanseatisch stark und immer Erste Liga!
Das muss Ihnen erst einmal – vor allem über eine so lange Zeit – einer nachmachen. Natürlich haben Sie auch manchen Fehler gemacht, ganz klar – aber wer macht die nicht? Diejenigen, die nun am meisten in die Luft gehen, die sollten sich vielleicht selbst einmal fragen, ob das alles so richtig ist, wie sie ihren Weg gehen – oder bislang gegangen sind . . .

Alles Gute für Ihren weiteren Weg, ich freue mich, dass Sie zum Hamburger Fußball-Verband gehen werden – ich bin dann ein „Untergebener“ von Ihnen.

Dieter Matz

 

18.04 Uhr

Noch drei Tage bis „Buffalo“…

13. Mai 2015

… Nun, ganz so weit ist es vielleicht nicht, denn das Gedicht von Theodor Fontane bezieht sich auf den letzten Teil einer Reise – eben nach Buffalo – und für den HSV ist Stuttgart ja vielleicht nur die vorletzte Station bis zum Klassenerhalt. Doch wenn’s besonders gut läuft, dann könnte Stuttgart für den HSV zum „Buffalo“ mit gutem Ausgang werden.

Aufatmen heute beim Training. Johan Djourou, der gestern mit dickem Knöchel das Training abbrechen musste, war offensichtlich ohne größere Probleme am Start. Er sei leicht umgeknickt, hatte der HSV schon vorher mitgeteilt. Nun spielte er im Trainingskick wieder mit, so dass die HSV-Defensive sich nicht verändern wird. Auch Dennis Diekmeier, genesener Rechtsverteidiger, muss sich gedulden und Heiko Westermann des Vortritt lassen.

Offen ist nur die Besetzung der offensiven Mittelfeldreihe. Ivo Ilicevic und Lewis Holtby streiten hier wohl um den letzten freien Platz. Ansonsten bleibt es im Wesentlichen bei der Mainz- und der Freiburg-Formation. Die beiden Spieler mussten sich heute immer wieder abwechseln, so dass Bruno Labbadia wohl nach den Trainingseindrücken aus dem Bauch heraus entscheiden wird. Dietmar Beiersdorfer und Sportdirektor Peter Knäbel haben sich weite Strecken des Trainings übrigens auch angesehen – zusammen mit Michael Schröder, der Allzweckwaffe des HSV im Scouting-, Nachwuchs-, Trainerbereich.

Gestern habe ich Euch hier lang und breit wieder gegeben, was Rene Adler an Einschätzungen vor dem Spiel genannt hat. Ich habe es nicht statistisch ausgewertet, aber in Euren Kommentaren bekam der Torwart dafür überwiegend auf die Glocke. Zum Beispiel ist es nicht gut angekommen, dass er dem Stuttgart-Spiel den Endspiel-Status abgesprochen hat. Was ist an dieser Aussage so schlimm? Ich finde Adlers Perspektive schlau. Es nützt doch nichts, dieses Stuttgart-Spiel zum Ultimativen Finale zu erklären. Was passiert, wenn danach immer noch alles unklar ist? Wenn der HSV gar in die Relegation muss? Was kommt nach dem Endspiel???

Ich fand einen Satz von Gojko Kacar nach dem 1:1 gegen Freiburg Besorgnis erregend. Er sei mental platt, hat Kacar gesagt. Deswegen ist jetzt alles erlaubt und richtig, was Spieler mental aufrichtet – denn darauf kommt es an. Und sei es das „sich-stark-reden“ und den Druck nehmen, in dem man dem anstehenden Spiel in der Bundesliga eine angemessene Bedeutung gibt. Glaubt jemand, Adler nehme Stuttgart leicht, nur weil es für ihn kein Endspiel ist?

Ob einem Golf nun Spaß macht oder nicht – ein freier Tag mit vom Fußball abgeschaltetem Kopf ist ebenso notwendig. Das ist doch eine Binsenweisheit. Ich bin noch nie ein Freund gewesen davon, der Mannschaft immer alle freien Tage zu streichen. Straftraining als PR-Gag – davon hat noch keine Mannschaft profitiert. Wenn der Akku immer auf Reserve ist, dann gibt’s keine Beschleunigung mehr. Entscheidend ist, was auf dem Trainingsplatz passiert. Hier muss die Mannschaft knallhart arbeiten, so wie Adler es auch betont. Zumindest die letzten drei Spiele in der Bundesliga haben gezeigt, dass der Fokus wieder sitzt. Nicht mehr auf Interviews, die einem das Blaue vom Himmel versprechen. Sprechblasen-Interviews gibt es zur Genüge. Wer Adlers Aussagen im TV gesehen hat, der wird gespürt haben, dass hier keine Sprechblasen kamen. Wie ich Euch gestern geschrieben habe, machte Adler einen sehr konzentrierten und klaren Eindruck bei seinen Aussagen – den er nach meinem Dafürhalten in den vergangenen Jahren beim HSV nicht immer hinterlassen hat. Diesmal aber hat er es getan, und alle Signale aus der Mannschaft sprechen dafür, dass jetzt anders geackert wird als vorher – zumindest so, wie es der Abstiegskampf erfordert. Über mehr und anderes sprechen wir hier nicht.

Ob das dann am Ende alles reicht in Stuttgart, oder der VfB, der mit Huub Stevens einen besonders guten Motivator hat, die Oberhand behält – wir werden es erleben. In jedem Fall wollte ich noch einmal eine Lanze für Adler brechen. Was er gesagt hat, war aus meiner Sicht völlig okay, und es passte zu seinen jüngsten Auftritten. Immerhin hat der HSV trotz spielerischer Schwächen mentale Härte demonstriert – eigentlich hat Adler nichts anderes gesagt.

Am Freitag endet offiziell die Amtszeit von Carl Jarchow als Vorstands-Mitglied des HSV. Ich habe eine Zeit überlegt, ob ich das hier noch einmal thematisieren soll. Über Jarchow wurde viel geschrieben, hier im Blog ist er sowieso bei den meisten untendurch. Seine Bilanz muss hier jedoch nicht noch einmal bis ins Kleinste aufgezeichnet werden. Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow, der deutlich erfolgreichere Zeiten zu verantworten hatte, sagt von sich selbst oft bescheiden, er sei „a man of yesterday“. Auf Jarchow trifft das seit einem Jahr im Grunde auch zu, denn mit der AG war seine Zeit als Vorstands-Vorsitzender des HSV beendet.

Dass Jarchow insgesamt gut aus seiner HSV-Amtszeit heraus gekommen ist und nicht mit kübelweise Dreck überschüttet wurde, ist sicher seinem Gentleman-Auftreten geschuldet. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann hatte es da schwerer. Hoffmann polarisierte allein schon durch sein Erscheinen, wenngleich seine Amtszeit von sportlichen Erfolgen gekennzeichnet war. Aber ich will nicht in alten Geschichten wühlen: Jarchow ist Geschichte, dem HSV ging es bei seinem Amtsantritt deutlich besser als heute. Doch er hat immer mit offenen Karten gespielt, und allein das verdient (bedauerlicherweise) schon Erwähnung beim HSV der vergangenen Jahre. Jarchow hat sich intern übrigens stets für eine Ausgliederung ausgesprochen, auch wenn er dies nicht polternd und plump tat, um Wohlgefallen zu erregen.

Auf der anderen Seite lag er mit sportlichen Einschätzungen und Entscheidungen – zusammen mit dem jeweiligen Sportchef – zu häufig daneben, um dem HSV eine ordentliche Gesundung zukommen zu lassen. So nachvollziehbar es vom damaligen Aufsichtsrat unter der Führung von Otto Rieckhoff war, Jarchow 2011 zu holen, um den HSV zu befrieden – so falsch war seine Vertragsverlängerung 2012. Schon damals zeigte die Entwicklung so deutlich nach unten, dass der Aufsichtsrat radikales Eingreifen hätten einfordern müssen. Solch ein Kurswechsel war mit Jarchow nicht durchzuziehen. Es war sozusagen das falsche Signal – ein „weiter so“ anstelle eines „sofort wenden“. Ich hatte manchmal persönlich den Eindruck, Jarchow war zu integer, um die Abzocker-Mentalität im HSV, auch unter einigen seiner Kollegen, durchbrechen zu können. Er war, um es plakativ zu sagen, Täter und Opfer zugleich.

Nun führt sein Weg in den Hamburger Fußball-Verband, wo er für das Amt des Vize-Präsidenten kandidiert. Und in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt Jarchow auch noch, so dass er die öffentliche Bühne nicht verlassen wird.

Aus der großen weiten Welt der Social Media gibt’s am Ende noch diesen Hinweis. Gojko Kacar ist laut dem FC SELFIE (fcselfie.de) unter allen Profis der ersten und zweiten Bundesliga der „Aufsteiger der Woche“ bei Instagram. Er hat 38 Prozent mehr Follower dazu gewonnen. Auf der FC-Selfie-Homepage kann man sich übrigens eintragen für einen wöchentlichen Newsletter. Viel Spaß!

Zum Schmunzeln noch eine kurze Nachricht von „Khabar Online“: „Der ehemalige HSV-Profi Mehdi Mahdavikia hat den Kia FC in seinem Heimatland Iran gegründet. Der Klub aus dem Umkreis von Teheran soll der TSG 1899 Hoffenheim nachempfunden sein und überwiegend auf Talente setzen.“ Ohne Worte….

Nachdem ich diese wichtigen Hinweise noch losgeworden bin, wünsche ich einen schönen Feiertag. Es soll ja durchaus noch Menschen geben, die sich beim Vatertag nicht die Hucke vollsaufen, sondern für die dieser Tag Christi Himmelfahrt ist. Auf jeden Fall wird im Stadion oder am Stadion hinter Planen trainiert – genau wie am Freitag.

Lars
18.40 Uhr

Drei Bewerbungsspiele für Zinnbauer

4. März 2015

Joe oder nicht Joe – das ist hier die Frage. Über den Trainer des HSV wird in diesen Tagen kräftig gestritten, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Namen anderer Trainer gespielt werden. Labbadia, Keller, Tuchel. Das ist nicht unnormal bei einem Verein, der den sportlichen Ansprüchen – vor allem seinen eigenen – nicht genügt, braucht aber nur dann Beachtung zu finden, wenn aus dem Verein selbst Hinweise über Unzufriedenheit mit dem Amtsinhaber kommen.

Zu Beginn der Arbeit von Joe Zinnbauer hat Vereinschef Dietmar Beiersdorfer mit dem Einschub, der Coach bleibe „bis auf Weiteres“, Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Ein paar Wochen später erhielt Joe Zinnbauer dann eine Vertragsanpassung. Aus dem Trainer der U-23-Nachwuchsmannschaft wurde offiziell ein Bundesliga-Trainer. Darüber regten sich hinter den Kulissen auch wieder einige Experten auf, dabei ist es doch normal – und zwar nicht nur für einen Fußball-Trainer, sondern für jeden Angestellten irgendeines Unternehmens -, dass der Arbeitsvertrag sich auf das Tätigkeitsfeld bezieht, dass auch wirklich beackert wird.

Nun ist Joe Zinnbauer kein etablierter Profi-Coach. Es kam und kommt immer wieder zu Nachfragen nach seiner Perspektive beim HSV. Die Verantwortlichen mühen sich redlich, keine Trainerdebatte aufkommen zu lassen – und sich gleichzeitig nicht insoweit festzulegen, dass eine unbedachte Äußerung später mal auf sie zurückfallen könnte. Dass Bruno Labbadia, Thomas Tuchel und eventuell auch Jens Keller mal intern diskutiert wurden, muss da nicht stören. Umso überraschender diese Meldung heute, die sich auf einen Sport-Bild-Bericht bezieht:

Die Verantwortlichen des Hamburger SV wollen spätestens Anfang April die Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Josef Zinnbauer treffen. «Wir haben mit Joe in Dubai vereinbart, dass wir uns in der Länderspielpause zusammensetzen und seine Zukunft beim HSV über die Saison hinaus besprechen», sagte HSV-Fußballdirektor Peter Knäbel der «Sport Bild». (Mittwoch). «Planungssicherheit ist für beide Seiten wichtig.» Zinnbauers Vertrag beim Bundesliga-15. laufe bis 2016. Auch mit den langjährigen Führungsspielern Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, und Marcell Jansen werde man ernste Gespräche führen, kündigte er an.

Für Abendblatt-Blogs


Mit anderen Worten: Zinnbauer hat zwar einen Vertrag bis 2016, es ist aber nicht einmal ausgemacht, dass er im Sommer 2015 noch Trainer bleibt – ansonsten müsste man sich Anfang April ja gar nicht zusammen setzen. Anders formuliert: Zinnbauer hat noch drei Spiele, um nachhaltig Werbung in eigener Sache zu betreiben. Dass der Coach hohe Wertschätzung bei Peter Knäbel & Co. besitzt, wurde zuletzt häufig öffentlich erklärt. Der Hinweis auf das anstehende Gespräch trägt allerdings nicht wirklich zur Vertrauensbildung bei. Natürlich ist Planungssicherheit wichtig, wie Peter Knäbel sagte. Aber besteht die nicht eigentlich schon in der momentanen Vertragslage? Hier ist es nun wirklich zu einem unbedachten Halbsatz gekommen, der den Manager des Vereins spätestens nach einer weiteren Niederlage – zum Beispiel in drei Tagen gegen Borussia Dortmund – einholen könnte.

Letztlich ist das Alltagsgeschäft schon schwierig genug. Gute Nachricht des heutigen Trainingstages: Auch Lewis Holtby ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, wenngleich er sieben Wochen nach seinem komplizierten Schlüsselbeinbruch noch nicht alle Übungen mitmachen durfte, in denen es um Körperkontakt ging. Aber immerhin. Dafür wurde Pierre Michel Lasogga auf dem Trainingsgrün weiterhin vergebens gesucht.

Die Frage vor dem Dortmund-Spiel ist nun: Wieviele der Gegenesen wird Joe Zinnbauer tatsächlich bringen? Cleber, Behrami und Jansen böten sich an. Nach dem Bayern-Desaster scheint Ronny Marcos sich hinten anstellen zu müssen, darüber hinaus ist Matthias Ostrzolek als linker Verteidiger gesperrt. Vieles deutet auf das Comeback von Marcell Jansen auf dieser Position hin. Ob es für Valon Behrami reicht, ist schwer abzusehen. Auch heute war der Schweizer dabei, trabte jedoch vor seinen Kollegen zurück in die Kabine. Offenbar eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem Behrami gestern im Testkick gegen die eigene U 23 mitgemischt hatte. Dieter hat Behramis Leistung in diesem Test gestern sehr kritisch gesehen. Ich habe mich spontan an den Saisonbeginn erinnert. Behrami hat da mindestens eine Handvoll Spiele gebraucht, ehe er zu einem Stabilisator im Mittelfeld wurde. Er verlor Zweikämpfe, produzierte Fehlpässe. Und auch jetzt braucht er Zeit, um wieder reinzukommen. Doch: Zeit hat der HSV nicht mehr. Es sind nur noch elf Spiele.

Dies muss überhaupt nicht als Kritik an dem Schweizer mit kosovarischen Wurzeln verstanden wissen. Es ist absolut normal. Und selbst gestandene HSV-Profis hatten in der Vergangenheit Probleme mit ihren ersten Spielen.- Daniel van Buyten war unbestritten einer der besten HSV-Verteidiger der vergangenen Dekade. Mindestens. Aber seine ersten fünf Spiele damals ab 2004: in jedem Spiel ging ein Gegentor auf seine Kappe. Übrigens auch beim legendären, weil verschobenen Pokalspiel in Paderborn. Und das Gegentor verursachte van Buyten ganz ohne Hilfe des „Unparteiischen“ Robert Hoyzer.

Sollte Behrami jedenfalls dennoch dabei sein gegen Dortmund – und an seiner Bedeutung fürs Team haben weder Trainer Zinnbauer noch Manager Knäbel einen Zweifel gelassen – dann könnte es Petr Jiracek treffen, der auf die Ersatzbank muss. Ein Weg zurück für Rafael van der Vaart erkenne ich im Moment nicht. In diesem Zusammenhang sei noch einmal nachgetragen, dass die Verantwortlichen von Sporting Kansas City inzwischen hoffnungsvolle Gespräche mit Rafael van der Vaart über einen Wechsel in die USA bestätigt haben.

Bleibt die Frage, ob Cleber oder Heiko Westermann für den verletzten Slobodan Rajkovic in die Innenverteidigung rückt. Den Trainingseindrücken folgend, könnte Westermann die Nase vorn haben. Eventuell kommt Dortmund für den Brasilianer Cleber noch eine Woche zu früh. Unter Umständen spielt es den Hamburgern in die Karten, dass Dortmunds Marco Reus nicht spielen kann. Das ist noch offen, nachdem der Nationalspieler gestern beim 2:0 im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden angeschlagen ausgewechselt werden musste. Hier der aktuelle Reus-Stand:

Fußball-Nationalspieler Marco Reus hat sich im Pokal-Achtelfinalspiel von Borussia Dortmund beim Drittligisten Dynamo Dresden am Dienstagabend nur leicht verletzt. Es handele sich um einen «Pferdekuss» im Oberschenkel, erklärte BVB-Sprecher Sascha Fligge am Mittwoch. Die Verantwortlichen würden nun Tag für Tag schauen, wie sich der Bluterguss bei Reus entwickelt. Ob er im Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Hamburger SV eingesetzt werden kann, ist noch nicht ganz klar.

Zum Schluss möchte ich Euch noch das Hamburger Abendblatt von morgen ans Herz legen. Kai Schiller hat dort ein hochinteressantes Interview geführt mit dem Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin, zugleich einem glühenden HSV-Fan. Duin beobachtet von Düsseldorf aus die Geschicke seines Vereins im hohen Norden und ist insbesondere mit der wirtschaftlichen Seite sehr unzufrieden. So ist er äußerst unglücklich mit der Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne: „Sich nur auf Herrn Kühne zu verlassen, halte ich für sehr unklug. Niemand weiß doch, wann Herr Kühne sich mal wieder räuspert und mit einigen Bemerkungen wieder mal den ganzen Verein in Schutt und Asche legt. So eine Konstellation gibt es bei keinem anderen Club – und ich halte dies für extrem problematisch.“ Sehr kritisch sieht Wirtschaftspolitiker Duin auch die Campus-Anleihe, die – wie mittlerweile bekannt ist – komplett im laufenden Betrieb des HSV versickert ist. Der Campus-Bau kann nur durch eine Zehn-Millionen-Euro-Spende von Alexander Otto realsiert werden. „Wenn ein Unternehmen in der freien Wirtschaft mit den Geldern einer Anleihe derart umgehen würde, dann gäbe es sicherlich sehr viel größeren Ärger als es beim HSV bislang gab“, sagt Duin dazu.

Es ist ja auch wirklich erstaunlich, wie leicht die HSV-Mitglieder ihren Vorstand aus dieser Nummer herausgelassen haben. Keine weiteren Nachfragen auf der Mitgliederversammlung im Januar, keine Probleme mit der Entlastung. Der Wunsch nach Friede war zu groß. 17,5 Millionen Euro – dieser Betrag wurde mal eben aufgefressen, kein einziger Cent ging in den „Campus“. Rechtlich mag das in Ordnung sein, auch hat die Staatsanwaltschaft sich gegen die Aufnahme eines Verfahrens gegen den ehemaligen Vorstand ausgesprochen. Am Komplett-Versagen der Herren Jarchow und Hilke in erster Linie ändert das in diesem Punkt allerdings gar nichts. Aber, wie gesagt, mehr dazu morgen in dem kompletten Interview mit Garrelt Duin – aus einer sehr spannenden Perspektive, wie ich finde.

Übrigens stellt sich nach wie vor die Frage, wo denn eigentlich die Zahlen des HSV für das abgelaufene Jahr 2013/14 bleiben. Immer noch wird in der Öffentlichkeit mit der alten Zahl von 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten hantiert, die sich auf den Stichtag 30. Juni 2013 bezieht. Wie hoch sind die Schulden zum 30. Juni 2014 gewesen? Etwa um die 120 Millionen? Der HSV-Vorstand ist hier in der Bringschuld, das verlangt das Aktienrecht.

******ERGÄNZUNG (23.30 Uhr). Inzwischen liegt die Konzernbilanz vor. Danke an “revolu” für den Hinweis. Demnach hat der HSV zum 30. Juni 2014 Verbindlichkeiten von 90,5 Millionen Euro, also weniger als die in den Raum gestellten 100 oder gar 120 Millionen. Auffällig bei den Zahlen: Der HSV hat sein Anlagevermögen (Vorjahr 36 Millionen aus Spielerwerten) drastisch auf 71,3 Millionen gesteigert durch die Neu-Einführung eines “Markenwertes” (41,2 Millionen), den es vorher nicht gab******

Morgen wird um 15.30 Uhr an der Arena trainiert.

Lars
18.20 Uhr

Arslan ist weg, noch kein Neuer da – Guerrero-Comeback unwahrscheinlich

26. Januar 2015

Dietmar Beiersdorfer hatte Grund zum feiern – und auch wieder nicht. Denn während der Vorstandsboss beim Boulevard ob der Millionenspritzen der HSV-Milliardäre Klaus Michael Kühne und Alexander Otto als „Dukaten-Didi“ Renaissance feiert, hat er sportlich noch lange nichts verbessert. Im Gegenteil. Bisher steht nur der Abgang von Tolgay Arslan zu Besiktas Istanbul (500000 Euro Ablöse und Beteiligung am Weiterverkauf) fest, den es nun doch zu Besiktas zieht. Und das, obwohl er bei Trabzonspor (Arsenal London war keine ernsthafte Option) dem Vernehmen nach bis zu drei Millionen Euro netto per annum hätte verdienen können. Via facebook verkündete er: „Ich freue mich, euch berichten zu können, dass ich einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterzeichnet habe. Letzten Endes konnte ich trotz verlockender Angebote nur auf mein Herz hören und das schlägt für Besiktas!!! Ich möchte mich aber vor allem auch bei dem HSV und seinen Fans für die unglaublichen Jahre mit vielen Höhen und Tiefen bedanken. Vielen Dank für eure Unterstützung – Hamburg ist und bleibt mein zu Hause und ich werde euch immer in meinem Herzen behalten!
Euer Tolgay“. Um 16.30 Uhr hob der defensive Mittelfeldspieler dann per Flieger gen Istanbul ab. Alles Gute Tolgay!

 

Arslan musste gehen, nachdem Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer unmissverständlich klar gemacht hatte, dass Arslan bei ihm nicht spielen würde. Einzig die Frage nach dem „Warum?“ wurde nie wirklich erklärt. Und auch Tolgay äußerte sich nicht. Dabei soll der junge Mittelfeldspieler im Zuge der Enttäuschung nur kurz nach Amtsübernahme Zinnbauers gemeckert haben. Dabei schimpfte Arslan dem Vernehmen über das neue System Zinnbauers, das ihn zum Reservisten degradierte. Pech für Arslan war in diesem Fall, dass im Nebenraum Cotrainer Patrick Rahmen saß und alles mit anhören konnte. Seither soll das Verhältnis Arslan/Zinnbauer nachhaltig beeinträchtigt gewesen sein – vorsichtig formuliert…

 

Wobei, glaubt man den schnellen italienischen Medien, hatte der HSV schon Ersatz, als es Arslan per Flieger in die Türkei zog. Gegen Mittag sollen sich demnach der HSV und Inter Mailand auf einen Wechsel des Serben Zdravko Kuzmanovic geeinigt haben. Das aber dementierte der HSV umgehend. Noch.

 

Nicht geleugnet – aber auch betont „nur Alternative“ ist Paolo Guerrero. Bislang zumindest. Wobei ich noch immer ein bekennender Fan seines Fußballs bin und glaube, dass der Peruaner genau der Typ Spieler ist, den der HSV für vorn sucht. Technisch stark kann kaum einer besser den Ball festmachen und verteilen als er. Allerdings würde es mich wundern, wenn Guerrero selbst kann sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu wechseln. Allerdings würde ich mich wundern, wenn es der HSV schaffte, den 31-Jährigen finanziell glücklich zu machen, ohne sich zu verheben. Rund drei Millionen Euro im Jahr soll der 31-Jährige bei Corinthians kassieren. Und die Brasilianer wollen den ehemaligen HSVer unbedingt halten.

 

Aber wie dem auch sei, heute passiert eher nichts mehr. Zumindest kommt kein Neuer. Dennoch rechnen beim HSV intern alle fest damit, dass die benötigten Verstärkungen bis zum Transferende am 2. Februar kommen. Dass Dietmar Beiersdorfer den Wunschkandidaten Josip Drmic bereits mehr oder weniger abschreibt („Es würde mich sehr wundern, wenn er zu uns wechselt“) werte ich nicht als Aufgabe. Der HSV will und muss Bayer Leverkusen klar machen, dass sie die Entscheidung des Werksklubs nicht über Wohl und Wehe des HSV entscheidet, und dass der HSV Alternativen hat. Daher wird Guerrero, den Leverkusen übrigens mit der Begründung ablehnte, dass Drmic ja bleiben würde, nicht abgehakt – aber intern eben auch nur als B-Lösung betrachtet.

 

Immer erste Kategorie war David Jarolim. Menschlich wie sportlich war er ein Vorzeigeprofi. Heute war der Tscheche in Hamburg, um sich sportärztlich untersuchen zu lassen. Und der ehemalige Sechser nutzte die Gelegenheit, um noch einmal in eigener Sache für sein Abschiedsspiel am 28. März zu werben – obgleich das kaum nötig ist. Und er freut sich: „Natürlich hast du am Anfang immer Angst, dass die Leute es nicht annehmen. Umso mehr freue ich mich, dass jetzt so viele Tickets abgesetzt wurden. Es wird einer der emotionalsten Augenblicke, die ich je in diesem tollen Stadion erleben durfte.“

Anbei ein Videointerview mit Jarolim im (entschuldigt bitte!) unüblichen Hochformat…

Der Sportdirektor von Mlada Boleslav hat es geschafft, dass bereits mehr als 21000 Tickets abgesetzt sind. Als Fünftbeliebtester HSVer aller Zeiten wählten ihn die Leser der „BILD“ zuletzt. „Das fühlt sich gut an“, so Jarolim, dem der HSV immer wieder nahegelegt hatte, ihn im eigenen Nachwuchs unterbringen zu wollen. Als Trainer. „Ich werde das jetzt auch machen“, so Jarolim, „allerdings erst einmal bei uns im Klub. Ich bleibe Sportdirektor und werde zusätzlich die Woche die U19 von Boleslav trainieren, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich will meine Lizenzen erwerben – dann schaue ich weiter.“

 

 

Allerdings, einmal hier, kam Jaro nicht umhin, sich auch zum HSV zu äußern. „Ich glaube, dass der HSV die richtigen Leute auf den wichtigen Positionen hat und dass sie die Situation erkannt haben. Deshalb bin ich auch optimistisch. Es wird wieder eine schwierige Saison, aber sie wird nicht noch mal so schlimm wie die letzte Saison.“ Dass der HSV noch in dieser Wintertransferphase Verstärkung braucht – auch Jaro sieht es so. Obwohl er überlegt, etwas anderes zu sagen, gibt er zu: „Wenn die Möglichkeit besteht, jemanden zu bekommen, der helfen würde, dann sollte man es machen.“ Ob er Guerrero empfehlen würde? „Das kann ja nicht klappen – der hat doch Flugangst…“, scherzte Jarolim, um dann hinzuzufügen: „Paolo ist ein super Fußballer. Helfen könnte er immer.“

 

Womit ich noch einmal kurz auf die Mitgliederversammlung eingehen will. Die hat gezeigt, was eine Person des Vertrauens bewirken kann. Wobei es sicher mindestens zwei waren, die der Versammlung zu einem friedlichen Verlauf verholfen haben, wie wir ihn schon Ewigkeiten nicht mehr miterleben durften. Immerhin in einer finanziell und sportlich derart angespannten Situation – das war für mich dann doch überraschend. Aber nehmen wir die auf deutlich zu persönlicher Ebene geführten Reden von und gegen Manfred Ertel mal aus, war es letztlich ein sehr erfreulicher Sonntag. Die Verantwortlichen der Campus-Anleihe wurden zwar unter dem Eindruck der Zehn-Millionen-Spende von Alexander Otto unverdient wenig in die Verantwortung genommen – andererseits hätte es mehr als neuen Ärger dadurch auch nicht gegeben. Moralisch verheerend sind die Herren Jarchow, Hilke, Arnesen und Scheel rechtlich abgesichert – das Kleingedruckte macht’s möglich.

 

Dennoch war bei der Veranstaltung ein Hauch von Einigkeit zu spüren, die dieser Verein dringend benötigt. Und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer ist das Gesicht der Neuausrichtung – zusammen mit Otto. Und Klaus Michael Kühne natürlich. Wobei die beiden Millionen-Unterstützer unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier Otto, der bewusst zurückhaltend agiert und keine Anteile zeichnen sondern in letzter Instanz dem Amateursport helfen will. Und auf der anderen Seite Kühne – der Mann, der sein Darlehen lang und hart verhandelte, ehe er es in Anteile umwandelte und der gern öffentlichkeitswirksam sagt, was er denkt. Aber – in diesem Fall sollte man es nur so nehmen, wie es im Moment ist: als unfassbar große Hilfe für die Konsolidierung des HSV. Den Dank haben sich die beiden Milliardäre verdient.

 

In diesem Sinne, der Testspieler Innocent Emeghara wird nicht genommen, Ivo Ilicevic darf vorerst ebenso bei den Profis weiter mittrainieren, wie die U23-Youngster Philipp Müller, Ahmet Arslan und Nils Brüning (Marcos, Götz und Gouaida bleiben natürlich auch). Pierre Michel Lasogga ist wieder einsatzbereit, hat aber morgen frei, da kein Training ist.

 

Bis dahin, Scholle

 

P.S.: Angeblich ist Mpoku (Standard Lüttich) in Deutschland zu Verhandlungen. Und Inter Mailands Trainer Roberto Mancini soll sich nun doch gegen die Abgabe Kuzmanovics entschieden haben. Diese Gerüchte habe ich deshalb ins „P.S.“ gestellt, weil sie in fünf Minuten wieder überholt sein werden. Wetten dass…?

Friede, Freude, Eierkuchen – Meier gewählt. Und Beister rettet 1:1 gegen Odense

25. Januar 2015

Das war ein großer Tag für den HSV. Jetzt soll und wird Ruhe einkehren. So jedenfalls die Hoffnung vieler, vieler Mitglieder. Ob es so kommen wird, steht in den Sternen, aber was stirbt nicht auch beim HSV zuletzt? Jens Meier ist neuer Präsident des HSV e.V., Henning Kinkhorst ist neuer Vizepräsident und Dr. Ralph Hartmann ist der neue Schatzmeister des Clubs – es ist also angerichtet, diese Herren wurden für drei Jahre in ihre Ämter gewählt. Ein besonders schöner Tag für den HSV wurde es allerdings auch und vor allem durch Alexander Otto. Der ehemalige Aufsichtsrats-Chef spendet dem HSV 10 Millionen Euro für den Campus-Bau. Der Milliardär verkündete seine und diese Großzügigkeit während der Mitgliederversammlung und wurde spontan mit standing ovations gefeiert. „Wir sind sehr glücklich, dass Alexander Otto unser Campus-Projekt, das ja seit Sommer 2014 noch einmal komplett umgeplant wurde, so geduldig und mit großem Verständnis im Sinne unserer Neufokussierung auf den Sport begleitet hat“, sagte Dietmer Beiersdorfer und bedankte sich bei Otto herzlich und immer wieder. Wahrlich ein großartiger Tag für den HSV – und nach der finanziellen Hilfe von Investor Klaus-Michel Kühne ein weiterer Schritt, den Club der Rothosen weiter auf gesunde – oder gesündere – Beine zu stellen.

 

Der Campus-Baubeginn soll, so Alexander Otto, gegen Ende dieses Jahres starten und im Frühjahr 2017 soll dann das schnittige Gebäude bezugsfertig sein. Der Fußball-Gott möge dem HSV bei diesem Vorhaben beistehen – und die Planungen unterstützen.

 

„Ich freue mich, dass wir mit dem HSV-Campus gleich doppelten Nutzen stiften: Die Nachwuchsarbeit für die Profis wird dadurch deutlich verbessert, und gleichzeitig fördern wir darüber den HSV-Amateursport. Beides liegt mir besonders am Herzen. Ich bin überzeugt, dass die Weichen beim HSV mit der jetzigen sportlichen Leitung und dem Campus für eine erfolgreiche Zukunft gestellt sind“, sagte Alexander Otto, der der gefeierte Mann war.

So soll der Campus, der zehn Millionen Euro kostet, aussehen

So soll der Campus, der zehn Millionen Euro kostet, aussehen

Und der den Beifall sichtlich genoss: „Es ist ja mal schön, wenn man eine solche Neuigkeit auch mal während einer Mitgliederversammlung verkünden kann. Diesen Tipp sollte man auch dem Herrn Kühne vielleicht mal geben, es fühlt sich jedenfalls sehr gut an.“ Otto stiftet die zehn Millionen an die HSV-Campus-gGmbH – also die gemeinnützige GmbH. Die vermietet das 4600-Quadratmeter-Gebäude für 500.000 Euro per annum an die HSV Fußball AG, und damit werden gemeinnützige Sportprojekte des HSV e.V. gefördert und unterstützt. Dem Beirat der gGmbH gehören u.a. Dietmar Beiersdorfer, Jens Meier und Alexander Otto an. Gesellschafter der HSV-Campus-gGmbH sind die HSV Fußball AG mit 75 Prozent und Alexander Otto mit 25 Prozent Anteilen. Zu den Geschäftsführern wurden Rando Aust, Vorstandsvorsitzender der Alexander Otto Sportstiftung, und Joachim Hilke, Vorstand der HSV Fußball AG, bestellt.

Der HSV-Campus von innen

Der HSV-Campus von innen

 

771 stimmberechtigte Mitglieder waren um 11.22 Uhr anwesend, nicht stimmberechtigt aber trotz allem 55 Minuten anwesend: die HSV-Profis. Mit viel Beifall begrüßt, mit ebenso vielem Applaus zum bevorstehenden Spiel gegen Odense verabschiedet. Mitten drin hechelte der etwas verspätete Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in den Saal. Und hatten zu Beginn dieser MV noch zwei Herren darüber geklagt, dass der Ton zu rüde sei, so wurde es im Laufe des Nachmittags immer harmonischer.

 

Gleich zu Beginn wurde über einen Antrag des ehemaligen Aufsichtsrats-Bosses Manfred Ertel abgestimmt. Der hatte folgenden Antrag eingebracht: „Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert, alle erdenkliche Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV-Fußball-AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.“ Unabhängig davon, dass ein solcher Beschluss ohne rechtliche Gültigkeit geblieben wäre – der Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Wobei ja auch Jens Meier vorher in diversen Interviews (zwei im Hamburger Abendblatt) angekündigt hatte, nicht Aufsichtsrats-Chef der AG werden zu wollen. Dieses Amt übt weiterhin Karl Gernandt aus, und wenn ich die Stimmung im Saael richtig deute, dann übt er dieses Amt zum Wohle der meisten Mitglieder aus.

 

Dann ging es nur noch erfreulich weiter. Carl-Edgar Jarchow hielt seine Abschiedsrede, er erhielt dafür Beifall im doppelten Sinne. Überwiegend mehr Applaus gab es dafür, dass er für den HSV gearbeitet hat, es gab aber auch Beifall dafür (hielt sich in Grenzen), dass er nun abtritt. Richtig viel Applaus gab es danach für Dietmar Beiersdorfer, der über seine bisherigen sieben Monate Auskunft gab. Der HSV ist ein Verein – stellte „Didi“ fest und schloss sich dann seinen Mitstreitern Bernhard Peters und Peter Knäbel an: „Wir sind mit unserer Arbeit immer noch ganz am Anfang.“ Natürlich. Über Nacht geht da nichts. Das wird nun auch das Präsidium des e.V. zu spüren bekommen. Beiersdorfer aber zeigte gute oder bessere Perspektiven auf: „Wir schwimmen immer noch nicht in Geld, aber wir haben die finanzielle Lage stabilisiert.“ Zur Stimmungslage innerhalb des Vereins befand der Club-Chef: „Es gibt bei uns jetzt nicht mehr die oder die, sondern nur noch einen HSV.“ Und: „Aus Alt und Neu wird zurzeit gerade eines: unser HSV!“ Zum Abschluss seiner Rede sagte Beiersdorfer auch: „Ich sehe den Einsatz und den Willen aller, für den HSV zu arbeiten. Das stimmt mich für die Rückrunde zuversichtlich.“

Zur sportlichen Seite hatte der „Didi“ vorher auch gesprochen. „Wir haben die Defensive stabiler hinbekommen, nur drei Vereine sind in dieser Spielzeit bislang besser als der HSV, und nur der FC Bayern hat bislang öfter zu null gespielt. Dafür muss ich aber auch zugeben, dass vorne viel zu oft die Null bei uns stand, aber daran arbeiten wir.“ Dafür erntete er Gelächter. Ernster wurde es beim Thema Trainer – und Entlassung. Beiersdorfer: „Wir mussten uns von Trainer Slomka trennen, denn es bestand weniger bis gar keine Hoffnung auf Besserung. Mit Trainer Joe Zinnbauer kam ein akribisch arbeitender Mann, der der Mannschaft Mentalität zurückgegeben hat, die eines HSV würdig ist.“

 

Wie gesagt: Friede, Freude, Eierkuchen bei diesem HSV. Der HSV spielt demnächst wieder im Volksparkstadion, und vielleicht wird es einem total verunsicherten, etwas bröckelnden oder leicht auseinandergebrochenen und unruhigen Club ja doch eines Tages noch gelingen, EIN HSV zu werden. An diesem 25. Januar 2015 wurde auf jeden Fall viel dafür getan – und es wurde nicht nur ein Schritt gemacht, das waren viele. So zufrieden, wie die meisten Mitglieder diesmal den CCH-Saal (2) verlassen haben, so zufrieden sind sie wohl seit Jahrzehnten nicht mehr nach Hause gegangen. Jetzt müsste es nur noch sportlich passen – aber das wird. So mein Bauchgefühl. Und während ich das schreibe, sitzt „Scholle“ im Volksparkstadion bei der Generalprobe, dem Spiel gegen Odense BK. Er darf von diesem Spiel keine Zwischenstände oder Ähnliches vermelden, das hat der HSV so bestimmt, deswegen müsst Ihr Euch noch ein wenig gedulden. Ob „Scholle“ dann den Bericht hier anfügt, oder einen neuen anlegt, das vermag ich aus dem CCH nicht zu sagen, ist ja aber auch unwichtig.

 

Um noch schnell auf die Wahlen zu kommen. Jens Meier wurde mit 84,5 Prozent gewählt, 15,5 Prozent waren gegen ihn, bei 32 Enthaltungen. Henning Kinkhorst wurde mit 82,6 Prozent gewählt, 17,4 Prozent waren gegen ihn, es gab 60 Enthaltungen. Und Dr. Ralph Hartmann erhielt 76,6 Prozent Ja-Stimmen, 23,4 Prozent waren gegen ihn, dazu gab es 73 Enthaltungen. Bei der Wahl des Delegierten der Fördernden Mitglieder in den Beirat wurde Patrick Ehlers gewählt. Jan Wendt wurde in einer Kampfabstimmung zum Vertreter der Amateure in den Beirat gewählt, das ehemalige Aufsichtsratsmitglied setzte sich mit 53,8 Prozent gegen das bisherige Beiratsmitglied Eckart Westphalen (46,2 Prozent) durch.

Der erste Präsident des neuen HSV e.V.: Jens Meier

Der erste Präsident des neuen HSV e.V.: Jens Meier

 

 

So, und nun könnte es dann demnächst sportlich werden – mit „Scholle“ und dem HSV gegen Odense.

 

So fühlen sich also Geisterspiele an. Null Zuschauer – zumindest keine Fans, sondern nur Vereinsverantwortliche auf der Tribüne. Jedes Wort auf dem Platz war zu hören, jeder Trainerkommentar bis auf die Tribüne wahrnehmbar. Einzig guter Fußball war kaum zu sehen. Und das lag nicht allein an der fehlenden Durchschlagskraft des HSV, der mit dem U23-Spieler Nils Brüning als einzige Spitze im 4-1-4-1-System anfing. Vielmehr war es der Tabellenzehnte (von zwölf) aus Dänemark, der den HSV kaum bis gar nicht zu fordern verstand – es sei denn, die HSV-Abwehr lud ein. Wie in der zweiten Minute, als der ansonsten vergleichsweise agile Zoltan Stieber den Ball unnötig in der eigenen Hälfte verlor und die Dänen frei zu Schuss kamen und nur den Pfosten trafen.

In der einseitigen Partie (Odense war über den Großteil des Spiels mit allen elf Spielern in der eigenen Hälfte) konnten die HSV-Profis schon mal erahnen, was am kommenden Sonnabend auf sie zukommt. Gegen die massierte Abwehr der Dänen fiel dem HSV dabei erneut nur sehr wenig ein. Bis auf Mohamed Gouaida in der vierten, Zoltan Stieber in der 44. Minute und zwei Fernschüssen Heiko Westermanns gab es keine Torszenen.

In der zweiten Hälfte brachte Zinnbauer dann Artjoms Rudnevs und den wieder nicht überzeugenden Innocent Emeghara. Gefährlich wurde es dennoch zunächst erneut durch Heiko Westermann – per Kopf nach einem Eckball Rafael van der Vaarts (48.). Und ebenfalls wieder durch individuelle Fehler. Diesmal war es Jaroslav Drobny, der auch für Köln gesetzt ist, der mit einem katastrophalen Fehlpass die Führung der Dänen einleitete. Mathias Peter Greve Petersen traf zum 1:0 für die Gäste.

Aber der HSV reagierte. In der 65. Minute wechselte Zinnbauer mit Green, Lasogga und Beister drei frische Offensivkräfte ein. Und das hatte Wirkung. Eine gute Viertelstunde vor Schluss zog Comebacker Maxi Beister einfach mal aus 25 Metern ab – und traf zum 1:1.

Torschütze Maximilian Beister (l.) zeigte erneut, dass schon bald wieder mit ihm zu rechnen ist

Torschütze Maximilian Beister (l.) zeigte erneut, dass schon bald wieder mit ihm zu rechnen ist

Wobei Odenses Keeper bei dem Flachschuss in die Tormitte keine gute Figur machte. Und hätte Lasogga in der 81. Minute nicht nur den Innenpfosten getroffen – der HSV wäre tatsächlich als Sieger vom Platz gegangen. So aber bleib es beim eher enttäuschenden 1:1 gegen alles andere als starke Dänen bei der Erkenntnis, dass der HSV noch eine Menge Arbeit vor sich hat – zumal sich personell derzeit nichts tut. Tolgay Arslan steht vor der Wahl, zu Besiktas oder (tendenziell eher zu) Trabzonspor zu wechseln, kann sich aber noch nicht entscheiden. Bei Jospip Drmic kommt aktuell keine Bewegung rein (Beiersdorfer: „Seine Verpflichtung wird sehr schwer“), ebenso wenig bei Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe stand bei Inter Mailands 0:1-Niederlage gegen Torino sogar noch in der Startelf.

Fakt ist, dass es der HSV in der Bundesliga mit deutlich schwereren Kalibern zu tun bekommen wird als heute. Obgleich Zinnbauer die Frage in den Raum stellte: „Vielleicht waren die aber nicht nur schwach, sondern wir ganz ordentlich…“ Eine Frage, die auf den zweiten Abschnitt bezogen zutreffend ist. Dennoch weiß auch Zinnbauer, dass das Kernproblem, die fehlende Torgefahr, noch nicht behoben ist. „Wir brauchen mehr Torgefahr.“

Auf Maxi Beister, der davon trotz seines körperlichen Defizites noch am meisten ausstrahlt, wird sich Zinnbauer noch nicht stützen können. Obgleich ihn die Situation überlegen lässt. „Maxi fehlt noch etwas. Wir müssen schon überlegen, ob er für den Kader in Frage kommt.“ Bei Pierre Michel Lasogga – neben Biester der zweite positive Aspekt des Spiels – stellt sich diese Frage nicht. „Er wird im Kader sein gegen Köln. Wir werden unter der Woche dosiert mit ihm umgehen, ihn sehr konzentriert trainieren lassen. Aber er ist dabei. Wenn auch noch nicht über 90 Minuten.“

Überzeugend war heute der Auftritt von Heiko Westermann auf der Sechs. „Er hat das defensiv gewohnt gut gelöst und auch offensiv gute Szenen gehabt“, lobte Zinnbauer, der überlegt, Westermann auch gegen Köln auf die Sechs zu stellen. Zumindest für den Fall, dass bis dahin kein neuer Sechser verpflichtet werden kann. Zinnbauer: „Ich plane mit den Spielern die ich jetzt habe.“

Nicht mehr dabei sein werden Testspieler Emeghara und Ivo Ilicevic. Mit beiden wird sich Zinnbauer am Montag unterhalten und ihnen seine Entscheidung mitteilen. Genau so, wie er es heute mit Rene Adler gemacht hatte. „Ich habe mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass Drobo vorn ist. Er hat es sehr gut aufgenommen, die Entscheidung akzeptiert. Wir, Torwarttrainer Stefan Wächter und ich, sehen, dass Drobo seinen Vorsprung gehalten hat. Aber auch, dass ich Rene sehr gut eingefügt hat, sehr präsent ist.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dieter und ich verabschieden uns an dieser Stelle bis morgen, wo um zehn Uhr an der Arena trainiert wird.

 

Bis dahin,

Scholle

 

HSV (1.Hz.): Drobny – Götz, Djourou, Cléber, Marcos – Westermann – Müller, van der Vaart, Stieber, Gouaida – Brüning.

2.Hz.: Drobny – Jansen, Djourou (65. Kacar), Rajkovic, Ostrzolek – Westermann (65. Mende) – Müller (65. Beister), van der Vaart (65. Green), Stieber (65. Lasogga), Emeghara – Rudnevs.

 

PS: Bei der Gelegenheit: Vielen Dank für die Teilnehmer am Matz-ab-Abend vom Sonnabend. Es war wieder einmal toll und großartig und harmonisch, es hat allen viel Spaß gemacht – und das möchte ich hiermit noch kurz würdigen. In der Hoffnung, dass Ihr alle wieder gut nach Hause gekommen seid, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen (und wünsche allen einen guten Start in die neue Woche!),
Dieter

 

16.23 Uhr

0:2 gegen ManCity – der HSV hielt nur eine Hälfte dagegen

21. Januar 2015

Im dritten und letzten Testspiel des Trainingslagers in Dubai setzte es für den HSV die erste Niederlage. Das Zinnbauer-Team verlor gegen Manchester City mit 0:2. Eine Halbzeit gar nicht schlecht gespielt vor 5.000 Fans in Al Ain, danach ging aber nicht mehr viel – das ist das Fazit. Auf Twitter machte schnell die Runde: die Gegentore waren die ersten gegen einen Champions-League-Verein in dieser Saison nach den Bundesliga-Partien gegen die Bayern (0:0), in Dortmund (1:0), gegen Leverkusen (1:0) und in Schalke (0:0). Auf jeden Fall blieb dem HSV durch diese Partie im Hazza Bin Zayed Stadium, das einjähriges Bestehen feierte, am Ende ein Sümmchen übrig, das das Trainingslager finanziert.

Die ersten Aktionen waren recht nervös vom HSV. Die junge ersatzgeschwächte Truppe hatte doch ein wenig Ehrfurcht vor dem englischen Meister. Allen voran Sven Mende, der erst kurzfristig für Petr Jiracek (Wadenprobleme) reingerutscht war. In der 5. Minute der erste gute Angriff des HSV. Nach einem öffnenenden Pass von van der Vaart flankte Marcos von links, aber Gouaidas Schuss aus 16 Metern ging über das City-Gehäuse. Das erste Mal eng auf der anderen Seite wurde es in der 12. Minute, als Götz eine Milner-Vorlage beinahe ins eigene Netz lenkte.

Auffällig in der ersten Halbzeit: Beim HSV lief alles über van der Vaart. In der 16. Minute prüfte er Caballero im Manchester-Gehäuse mit einem 25-Meter-Fernschuss. Weniger Mühe hatte der Schlussmann mit einem van-der-Vaart-Freistoß einige Augenblicke später. In der 27. Minute segelte ein Ball von Artjoms Rudnevs, halb Schuss, halb Flanke, über das englische Tor. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar: Der HSV wollte und konnte auch nach vorn spielen. Vielleicht lag es ja daran, dass Frank Lampard Mitte der ersten Hälfte das Feld verließ. Einer der britischen Fußball-Stars des vergangenen Jahrzehnts war offenbar leicht angeschlagen. Glück für die Hamburger kurz vor dem Wechsel, als kurz nacheinander Sagana und Jovetic mit ihren Schüssen das Tor von Jaroslav Drobny verfehlten.

Einmal gab es Hamburger Torjubel, aber Stiebers Treffer in der 43. Minute zählte zurecht nicht, weil der im Abseits stehende Emeghara den Ball abfälschte (43.). Beinahe machte der Leih-Stürmer diese unglückliche Aktion wett, als er eine Minute später aus 22 Meter aufs lange Eck zog. Erneut war Caballero aber zur Stelle.

Die zweite Halbzeit begann mit dem 0:1. Nach einem Milner-Steilpass nahm Jovetic den Ball mit der Brust runter und überwand Adler direkt, obwohl der Hamburger Torwart noch mit der Hand am Ball war (50.). Beim HSV wurde nun viel gewechselt, der Spielfluss schwand zusehends. Mohamed Goauida hatte noch einen sehenswerten Fernschuss übers Tor (73.). Ex-Wolfsburger Edin Dzeko erhöhte in der 74. Minute auf 2:0 für Manchester. Der Treffer hätte wegen eines vorausgegangenen Handspiels auch abgepfiffen werden können. Die jungen Hamburger brachten die englischen Stars nur noch zweimal in Verlegenheit. Nach einer flachen Vorlage von Ashton Götz traf Philipp Müller aus acht Metern die Latte (77.), und ein Kopfball von Ahmet Arslan ging knapp drüber (89.)

Bei den Engländern fehlte übrigens der etatmäßige Kapitän Vincent Kompany. Der ehemalige HSV-Verteidiger wurde geschont und absolvierte vor der Partie im Stadion sein leichtes Trainingsprogramm. Auch Nationalkeeper Joe Hart stand nicht auf dem Rasen.

So spielte der HSV: Drobny (46. Adler) – Götz, Djourou (46. Cleber), Rajkovic (67. Westermann), Marcos (46. Jansen) – Mende – Stieber (67. Kacar), Gouaida (78. A. Arslan), van der Vaart (60. P. Müller), Emeghara (60. Beister) – Rudnevs (74. Green)

Nach diesem Test plant Zinnbauer für den Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ohne zwei seiner Spieler: Valon Behrami und Lewis Holtby. Behrami ist ohnehin gesperrt wegen der fünften Gelben Karte und überdies noch am Knie verletzt. Holtbys Schlüsselbeinbruch war die schwerste Verletzung des Trainingslagers. Alle anderen sollen gegen Köln zur Verfügung stehen. Auch Pierre Michel Lasogga. „Davon gehe ich aus“, so Zinnbauer. „Auch wenn es vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen wird.“ Gleiches gilt für Nicolai Müller, der in Hamburg gleich wieder ins Training einsteigen und schon das Testspiel gegen Odense (hinter verschlossenen Türen) bestreiten soll.

Was die Verletzungen in Dubai angeht, weist Zinnbauer darauf hin, dass nur wenige muskuläre Probleme aufgrund von Überbeanspruchung dabei seien. „Holtby und Ostrzolek waren Unfälle. Lasogga und Behrami haben ihre Maleschen schon mitgebracht. Jung und Cleber haben einen Schlag bekommen, und nur Nicolai Müller hat eine Muskelverhärtung.“ Bei Dennis Diekmeier liegt eine Knochenhautreizung vor. Schmerzhafte Angelegenheit, die auch dauern kann. Zeitpunkt der Rückkehr offen.

Tolgay Arslan wird am Donnerstag – ziemlich sicher ein letztes Mal – den Flieger mit der HSV-Mannschaft besteigen. Der Verkauf zu Besiktas Istanbul ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Sein Vater und Berater hat bestätigt, dass zuvor ein Angebot von Trabzonspor abgelehnt worden war. „Wir sind in Verhandlungen und gehen davon aus, dass wir uns einigen werden“, sagte HSV-Manager Peter Knäbel in Dubai zu den Gesprächen mit Besiktas.

Noch längst nicht soweit ist Ivo Ilicevic. Der Kroate hält sich in Hamburg fit und hat keinen neuen Verein. Sein Vertrag beim HSV läuft bis Saisonende. „Ich kenne Ivo schon aus seiner Zeit in Kaiserslautern. Er ist ein guter Spieler“, sagte Joe Zinnbauer heute. „Aber wir haben die Entscheidung getroffen, ihn in Hamburg zu lassen. Die Begründung habe ich über Peter Knäbel ausrichten lassen.“ Stilistisch nicht ganz elegant, und darüber hat sich Ilicevic heute auch in der „Mopo“ beklagt. Aber guter Stil hin oder her – entscheidend im Profi-Geschäft ist die Leistung, und die hat der Kroate nach Einschätzung der Verantwortlichen in Hamburg viel zu selten abgerufen seit 2011.

In aller Stille hat der HSV mittlerweile den Vertrag mit Ashton Götz bis 2018 verlängert. Götz hat in der Hinrunde seine ersten Profi-Meriten gesammelt. Im Stadionheft des Manchester-Kicks wurde er sogar neben Rafael van der Vaart als zweiter HSV-Star mit großem Porträt vorgestellt – eine etwas voreilige Maßnahme. Joe Zinnbauer ist mit Götz‘ Entwicklung zufrieden und von seiner Perspektive überzeugt: „Ich finde ihn gut. Er kommt aus dem eigenen Stall und hat Qualität. Asthon ist schnell, gut in der Spieleröffnung und agiert sehr vorausschauend. Aber natürlich muss er auch noch besser werden.“

Auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 25. Januar stehen wohl diese vier entscheidenden Punkte. Unter Punkt sechs der Bericht des HSV-Präsidiums, unter Punkt sieben der des AG-Vorstands, dann unter Nummer zwölf die Neuwahl des Präsidiums mit den Präsidentschafts-Kandidaten Jens Meier, und unter Punkt 17 schließlich die verschiedenen Anträge.

Bei sechs und sieben geht es insbesondere um die wirtschaftliche Situation des HSV. Der e.V. hat seinen Verlust des Geschäftsjahres bereits mit knapp vier Millionen Euro beziffert. Vereinbarungsgemäß wurde dieser Verlust je zur Hälfte auf e.V. und AG verteilt, woraus sich ein Gesamtminus von etwa 7,5 Millionen Euro ergibt, den der alte Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Carl Jarchow zu beklagen und zu verantworten hat. Die konkreten AG-Zahlen fehlen allerdings noch, weswegen eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Situation noch offen bleiben muss. Wie hoch sind die Gesamt-Verbindlichkeiten? Welchen Berg schiebt der HSV vor sich her? Wieviel Geld wurde für den Campus-Bau genau verplant bzw. für andere Projekte ausgegeben? Auch interessant zu hören in diesem Zusammenhang: Wie weit ist der HSV mit Alexander Otto, der den Campus finanzieren möchte?

Je nachdem, wie die Berichte ausfallen, geht es auch um die Entlastungen für alte Vorstände und Aufsichtsräte. Ob die Neuwahl des Präsidiums eine lange Angelegenheit wird, ist heute schwer zu beurteilen. Viel eher kann ich mir denken, dass die Debatte sich um das Wahlverfahren ranken wird. Ist es richtig, dass der Beirat für jedes Amt nur einen Kandidaten benennt? Zu dieser Frage sind dann einige Anträge zu entscheiden, die eine Änderung des aktuellen Verfahrens bei künftigen Sitzungen zur Folge haben sollen. Alternativ könnte der Antrag des Seniorenrates zum Tragen kommen, genau diese Frage zu verschieben und bei einer der nächsten Versammlungen zu besprechen, denn Zeitdruck besteht in dieser Frage nicht. Die nächste Präsidiumswahl steht für 2018 an.

Es gibt unsinnige Anträge (wie den nach der Entlassung von Karl Gernandt als Aufsichtsrats-Vorsitzendem, was die Mitgliederversammlung des e.V. gar nicht zu entscheiden hat) und es gibt natürlich noch den Antrag von Manfred Ertel. Der Ex-Aufsichtsrats-Boss hat im Wortlaut beantragt:

Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert alle erdenklichen Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.

In der Praxis würde das bedeuten, dass Jens Meier Karl Gernandt ablösen könnte. Aber: Gernandt selbst hat ja bereits erklärt, dass es eine derartige Klausel nach AG-Recht gar nicht greifen würde. Letzten Endes müsste sich mit der Thematik aber die Hauptversammlung beschäftigen – kurioserweise wäre das dann das e.V-Präsidium selbst als aktuell alleiniger Anteilseigner der AG. Überspitzt formuliert: Meier selbst und seine Mitstreiter könnten darauf drängen, dass Meier den AG-Vorsitz übernimmt. In diesem Szenario sind eine Menge Konjunktive, zumal Hafen-Chef Meier ja bereits angedeutet hat, dass er nicht mit dem Ziel antritt, den Job von Karl Gernandt zu übernehmen. Meier tritt an, um HSV-Präsident zu werden. Was aus der anderen Regelung wird, sollte sie denn durch entsprechende Zustimmung zum Ertel-Antrag angeschoben werden, bleibt abzuwarten. Wie vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, taugt Bayern München hier vielleicht als Beispiel. Die Anteilseigner an der Bayern-AG sitzen im Aufsichtsrat und haben an ihre Spitze Karl Hopfner gewählt, ein FC Bayern-Urgestein. Und zwar ohne entsprechende Aufforderung durch die Bayern-Mitglieder, sondern aus eigener Entscheidung.

Der Antrag von Manfred Ertel spiegelt auch Unzufriedenheit mit dem aktuellen Amtsinhaber wieder. Karl Gernandt selbst hat zwar vor zwei Wochen einen Interessenkonflikt zwischen seiner HSV- und seiner Kühne-Tätigkeit zurückgewiesen. Doch fast im selben Atemzug hat er in die Mikrofone von TV und Radio auch gesagt, dass er sich aus allen Entscheidungen, die Klaus-Michael Kühne beim HSV betreffen, heraushalten würde. Das würde seine Unabhängigkeit beweisen.

Für mich ist das gerade ein Beleg des Gegenteils. Denn als HSV-Aufsichtsrat müsste er auch in Kühne-Fragen allein die Interessen des HSV vertreten können. Eine öffentliche Erklärung zu dieser Frage, noch ehe auf der Versammlung darüber die große Diskussion ausbricht, könnte Gernandt und seiner Glaubwürdigkeit im HSV sicher nicht schaden.

Und dann ist da angesprochene Antrag auf Einzelentlastung, der sich insbesondere gegen das „alte“ e.V.-Präsidium Jarchow/Hilke/Kreuzer/Scheel richtet. Ihnen soll die Entlastung verweigert werden wegen verschiedener schlechter wirtschaftlicher Prozesse und Entscheidungen des betreffenden Geschäftsjahres.

Morgen fliegt der HSV zurück nach Hamburg. Gegen 19 Uhr ist die Landung in Fuhlsbüttel, und mit im Gepäck hat die Mannschaft auf ihr selbstgestecktes Saisonziel. Auf einem Mannschaftsabend am Dienstag hat sich das Team (ohne Trainer) intern auf eine Marschroute für die folgenden 17 Spiele dieser Saison geeinigt. In der Vorrunde blieb sie mit 17 statt angestrebten 19 Zählern knapp hinter der selbstgesteckten Vorgabe zurück. In zehn Tagen startet der zweite Versuch – und er wird anders angegangen. Kein Punkteziel, sondern einzelne, individuelle Zielvorstellungen für die einzelnen Bundesliga-Spiele, die formuliert wurden und werden. Von Spiel zu Spiel. Na dann.

Bis morgen
Lars

18.25 Uhr

PS: Im Vorlauf zu diesem Beitrag hat es ein “Erinnerungsstück” zum Fall Hoyzer gegeben.

Joe droht mit Kamelen – Scheels “geile Zeit”

14. Januar 2015

Wie sich die Bilder doch gleichen. Oder die Situationen. Am 5. August 2014 stand im Matz-ab-Blog folgende Passage aus einem Interview zu lesen, das „Scholle“ mit dem damaligen HSV-Trainer Mirko Slomka geführt hat:

 

Matz ab: Wie sehr sorgen Sie sich um den Fitnesszustand bei Pierre-Michel Lasogga, der gerade die dieswöchige, sehr intensive Phase nicht mitmachen konnte?

Mirko Slomka: Für ihn ist das viel schlimmer als für uns. Wir haben ja neben dem Platz auch viel mit ihm gearbeitet, aber ihm fehlt natürlich die Spielpraxis. Er ist ein Typ, den man sofort reinschmeißen kann und der sofort funktionieren wird. Die Situation frustriert ihn natürlich selbst am meisten. Er muss Dinge machen auf dem Nebenplatz, die keinen Spaß machen, während die anderen Spielformen einstudieren. Wie bitter ist das denn…?! Vor allem nach einer eigentlichen Kleinigkeit, die leider sehr schmerzhaft ist. Aber wir arbeiten daran, dass er schnell zurückkommt und hoffen, das in den nächsten zwei, drei Tagen hinzubekommen.

 

Ja, wir hatten doch alles schon einmal. Im Fußball heißt es ja so schön und so oft, dass sich alles immer mal ausgleicht, aber offenbar wiederholt sich auch alles. Im Juli 2014 war der HSV ins Trainingslager nach Stegersbach in Österreich gefahren. Damals mit einem „leicht“ angeschlagenem Pierre-Michel Lasogga. Bei der Abreise aus Hamburg hieß es seinerzeit, dass der Torjäger vorsichtshalber aus dem Training herausgenommen worden ist, er aber im Trainingscamp wieder voll einsteigen wird. Und so wurde fortan von Tag zu Tag gehofft – und von einem angeschlagenen Lasogga berichtet.
Am 28. Juli hieß es bei Matz ab:

 

„Heute nicht im Training dabei war Pierre-Michel Lasogga, der weiterhin mit muskulären Problemen pausiert und im Mannschaftshotel behandelt wurde.“

 
Auch einen Tag später hieß es bei uns:

 

„Lasogga arbeitete auch heute wieder im Mannschafts-Hotel mit den Physios und absolvierte am Nachmittag einen Lauftest auf dem Laufband. Er soll am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.“

 

Schrieb „Scholle“. Aber: Lasogga stieg tatsächlich erst wieder am 16. August ins Mannschaftstraining ein. Und genau zwei Tage später fand in Cottbus das DFB-Pokalspiel gegen Energie statt. Lasogga galt für diese Partie als HSV-Strohhalm und wurde in der 46. Minute eingewechselt. Von nun an ging’s bergauf? Nicht ganz. Lasogga stand zwar eine Woche später, beim Bundesliga-Auftakt in Köln, in der Startformation, aber noch wochenlang bescheinigte ihm die gesamte Hamburger Medienlandschaft: „Er ist noch lange nicht bei 100 Prozent, kann es ja auch gar nicht sein.“

 

Auch heute hat Pierre-Michel Lasogga nicht mit der Mannschaft trainiert, und nicht nur in mir werden Erinnerungen an den Start dieser Saison wach. Was soll werden, wenn die ganze Sache wieder so läuft wie im Sommer 2014? Irgendeiner sollte doch dafür zuständig sein, Tore für den HSV zu machen. Aber vielleicht findet sich derjenige ja noch in den restlichen Tagen – bis zum 31. Januar, dem Auftakt mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Nur, das sollte doch zu denken geben, es sind ja nur noch 16 Tage. Das könnte wieder einmal recht knapp werden, und dabei hoffen wir doch alle, dass der Neun-Törchen-HSV in diesem Jahr mal so richtig loslegt in Sachen Toren.

 

Bei der Gelegenheit, das fand ich auch im Blog vom August 2014 – weil ich doch gerade bei neuen Spielern für den HSV war. Damals gab es ein Interview mit Klaus-Michael Kühne, und der sagte dabei am 14. August zu seinem (Fast-)Lieblings-Thema:

 

„Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt eine Chance geben. Man sollte jetzt kein überehrgeiziges Ziel formulieren.“ Was das sein könnte? „Einen einstelligen Tabellenplatz erhoffe ich mir schon“, sagt Kühne und schiebt nach: „Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Aber das ist vielleicht dann erst in der übernächsten Saison der Fall.“
Beim Thema Neuzugänge (Kühne: „Ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen“) zeigte sich Kühne bislang sehr zufrieden. „Herr Beiersdorfer hat das Talent dazu. Er musste nur leider die guten Spieler immer wieder zu schnell verkauft und viel Geld damit verdient. Und das Geld daraus ist alles verwirtschaftet worden – ein Phänomen für mich“, so Kühne kritisch, ehe er sehr moderat und mit Weitsicht formuliert: „Ich hoffe, dass die Finanzen des Vereins dann irgendwann so gut werden, dass die guten Spieler nicht gleich wieder verkauft werden müssen, sondern bleiben, damit es eine eingespielte, homogene Mannschaft wird. Und das geht nicht von heute auf morgen, das muss in Jahren aufgebaut werden. Es muss hier ganz sicher mittel- bis langfristig gedacht werden.“

 

Mit anderen Worten: Geduld ist gefragt. Hatten bsilang aber nicht alle. Und ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, dass auch Klaus-Michael Kühne zu diesen etwas ungeduldigen Menschen gehörte. Oder immer noch gehört. Nun gut, wir werden es abwarten müssen, wie sich die Geschichte mit ihm und auch mit den eventuellen Verpflichtungen noch entwickelt.

 

Und das ist ja auch in jedem Jahr dasselbe. Oder in jeder Sommer- oder Winter-Pause. Neu ist allerdings der heutige Tag für Oliver Scheel gewesen. Das HSV-Vorstandsmitglied hatte heute seine Schlussvorstellung beim HSV. Scheel ist zwar offiziell noch bis zum 25. Januar ein ehrenamtliches HSV-Vorstandsmitglied, an diesem 14. Januar 2015 aber packte er seine sieben Sache in der HSV-Geschäftsstelle zusammen und – ging. „Nach einem halben Jahr das Abtauchens und zum Verdauen ist meine Vorstandsarbeit beim und im HSV nun abgeschlossen. Ich gehe aufrecht durch das Stadion, denn ich weiß, was ich für den Verein geleistet habe.“

 

Der 49-jährige Rechtsanwalt war sechs Jahre HSV-Vorstand und geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Weinend, weil ich gerne im HSV-Vorstand gearbeitet habe. Lachend, weil ich weiß, dass nun eine neue Zeit im Club beginnt, dass nun eine neue Generation heranreift. Ich weiß, dass ich dieses Kapitel nun gut abschließen kann, es sollen und werden nun andere richten, und ich freue mich, dass der HSV jetzt drei Persönlichkeiten bekommen wird, die dem Verein gut tun werden.“ Oliver Scheel wäre gerne geblieben, das ist auch klar, aber er wollte als bezahlter Präsident bleiben – das hat der HSV aber abgebogen. Und Scheel sagt dazu: „Das ist auch okay so. Man hat sich für das Ehrenamt entschieden, und das war eben nichts für mich.“

 

Rückwirkend sagt Scheel zu seiner Zeit in der HSV-Führungsetage: „Es war unterm Strich eine wirklich geile Zeit, trotz aller Intrigen und aller Härte, die es dabei gab. Der Druck lag auch auf meinen Schultern, es war nicht immer leicht, aber insgesamt war es ein schöner Lebensabschnitt für mich. Ich habe viele Dinge mitgemacht, habe sogar Europapokal-Spiele miterleben dürfen, und auch die größte und auch die längste Mitgliederversammlung in der HSV-Geschichte.“ Und er hat sie fast alle organisiert. Und er stand oft im Mittelpunkt, wenn etwas schiefgelaufen war – mit den Fans, mit seinen Fans: „Ich habe mein Gesicht hinhalten müssen, wenn unsere Anhänger mal wieder einen Zug auseinandergenommen hatten.“ Oder in Sachen Pyro-Techniker unter den HSV-Fans. Scheel gibt zu: „Sicher habe ich auch Fehler gemacht, aber war macht die nicht? Ich wäre ja sonst Supermann, und der HSV wäre schon auf Augenhöhe mit dem FC Bayern . . .“

 

Auf die Frage, ob er seine Arbeit für den HSV entsprechend gewürdigt sah, antwortete Olli Scheel: „Ja. Mit dem Hintergrund, dass meine Arbeit ja nicht in der großen und breiten Öffentlichkeit geschehen ist. Dennoch habe ich stets viele zufriedene und auch glückliche Menschen im Stadion getroffen, die mit mir einverstanden waren.“

 

Jetzt, wo er geht – sorgt er sich da um den HSV? Um seinen HSV? Oliver Scheel: „Das ist in der Gesamtheit sicherlich schwer zu beantworten, denn in der Bundesliga-Abteilung fehlt mir seit einem halben Jahr der Einblick. Von außen ist für mich erkennbar, dass es dort sicher noch einiger Zeit bedarf, ehe der Aufschwung zu sehen ist. Mit Dietmar Beiersdorfer an der Spitze ist der HSV aber gut aufgestellt, es freut mich, dass er wieder zu uns zurückgekehrt ist. Mit ihm habe ich meine Amtszeit damals begonnen, mit ihm höre ich nun auf – das werte ich als gutes Zeichen. Es kann aber, das muss ich schon sagen, nicht gleich alles von heute auf morgen funktionieren, was nun angedacht und angeschoben worden ist, es können nicht auf Anhieb wieder blühende Landschaften zu sehen sein – alles braucht seine Zeit. Aber ich bin optimistisch, dass das auch klappen wird.“

 

Auch im Zusammenspiel AG und e.V.? Scheel dazu: „Natürlich kann man dafür nicht endlos Zeit beanspruchen, aber auch in diesem Punkt bin ich Optimist. Wir müssen sportlich durch diesen Sommer kommen, das ist klar, um dann bis Mitte 2016 gemeinsam in ein gutes und gesundes Fahrwasser zu kommen. Ich will damit nicht sagen, dass wir dann in der Champions League spielen werden, dass der Club wieder total aufgeblüht ist, aber die größten Einlauf-Schwierigkeiten sollten bis Mitte 2016 dann doch behoben sein.“ Sein Wort in Fußball-Gottes Gehörgang. Ich wünsche es Oliver Scheel, dass es so kommen wird, ich wünsche es auch dem HSV und seinem Anhang.

 

Aber verlässt er jetzt nicht doch etwas desillusioniert den Verein? Oliver Scheel überlegt ein, zwei Sekunden und sagt dann: „Nein. Ich habe es mir nicht leichter vorgestellt, also kann ich auch nicht desillusioniert sein. In meinen sechs Jahren als HSV-Vorstandsmitglied habe ich ja, es ist allen bekannt, einige Male gegen die Mehrheit gestimmt, und da hätte ich mir schon gelegentlich gewünscht, dass ich Unterstützung erhalte, um diese Dinge in meine Richtung umzusetzen. Grundsätzlich aber sage ich rückblickend, dass es schon klar war, wie schwer ein solches Amt zu bekleiden ist.“

 

Und nun? Als einfaches HSV-Mitglied? Gibt es nun eine Freikarte für ihn? Scheel lacht: „Hoffentlich nicht, denn ich habe mir meine Dauerkarten immer selbst gekauft.“ Er saß überwiegend auf der Südtribüne, ließ sich aber bei Spielen immer überall mal sehen: „Da war ich flexibel, und das möchte ich auch bleiben.“ Und eines fernen Tages wieder ein HSV-Amt? Scheel: „Das will ich nicht ausschließen. Es ist ja nicht so, dass mich nun sage: Schluss – und nie wieder. Aber ich würde nicht um jeden Preis ein Amt übernehmen. Die Rahmenbedingungen müssen schon stimmen. Was nicht heißen soll, dass ich nur Ja-Sager um mich herum haben möchte, aber ich würde die Gewissheit haben wollen, dass ich in einem Team arbeite, dass die gleichen Ansichten vertritt, wie ich. Man sollte schon in dieselbe Richtung marschieren.“

 

Ich wünsche Oliver Scheel für seine Zukunft alles Gute. Und ich bedanke mich für die stets faire und gute Zusammenarbeit. Das hat trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten sehr gut und professionell geklappt. Und vielleicht ist es ja so, wie es in Deutschland ja auch oft und schön heißt: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Oliver Scheel wird wohl als Rechtsanwalt arbeiten, sagt aber auch: „Ich habe auch einige andere Ideen im Kopf, die wollte ich aber solange nicht forcieren, wie ich noch beim HSV bin. Jetzt werde ich sicherlich die eine oder andere Sache für mich ausloten.“ Vielleicht schon am heutigen Abend. Den hatte Oliver Scheel schon genau geplant: „Um 17 Uhr werde ich das Stadion verlassen, dann werde ich mich zu Hause umziehen und um die Außenalster laufen. Dabei werde ich noch einmal an die Zeit beim HSV zurückdenken.“ Und vielleicht schon mit der konkreten Zukunftsplanung beginnen? Wer weiß?

 

Eine letzte Frage musste ich Scheel aber dann doch noch stellen. Die von „Scholle“ zum Thema Finanzen und Campus. Am 25. Januar, so hatte es „Scholle“ gestern formiert, auf der Mitgliederversammlung wird der alte Vorstand ob der in den Bilanzen versenkten Campus-Millionen Stellung beziehen müssen. Oliver Scheel tat es heute schon: „Ganz klar, juristisch ist das alles einwandfrei gelaufen, da war und ist alles in Ordnung. In der Option der Anleihe konnte jeder lesen, was im Prospekt stand. Wir sind da völlig rein. Dass einige nicht alles lesen, das kann uns nicht zum Nachteil gereichen. Dennoch sage ich auch: Wir hätten damals genau diesem Punkt doch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollen, das wäre am Ende dann . . .“ Oliver Scheel hält inne. Sagt dann: „Da suche ich noch nach dem richtigen Wort. Man sollte sich das schon klar ins Gesicht schauen können, aber grundsätzlich sage ich auch, dass das ein schwieriges Thema ist. Wenn das ein wenig klarer herausgestellt worden wäre, dann wären wir wohl alle eine einvernehmliche Anliegergemeinschaft gewesen wären – das glaube ich schon.“

 

„Scholle“ wollte diese Frage auch Carl-Edgar Jarchow gestellt haben, aber das klappte aus technischen Gründen nicht – deshalb sprang ich in die Bresche. Der HSV-Vorstandsvorsitzende sagte zu diesem diffizilen Thema: „Das Geld ist damals zu bestimmten Bedingungen eingeworben worden, das konnte jeder lesen. Wir durften das Geld anderweitig anlegen, das ist klar. Wenn ich jetzt immer wieder höre, dass der Campus nicht gebaut wird, dann sage ich allen: Wartet es doch mal ab! Der nächste Trainingsplatz ist bereits geplant, es geht voran. Wenn auch langsamer, als damals gedacht. Die Leute werden es aber erleben, dass der Campus kommt, und sogar mit einem Platz mehr als ursprünglich geplant.“ Abschließend sagt Jarchow zu diesem Thema: „Wir haben die liquiden Mittel anderweitig benutzt, das ist klar, aber dazu stehen wir, denn es war legitim. Ich kenne die Vorwürfe, die uns in diesem Zusammenhang gemacht werden, aber sie schockieren mich nicht.“

 

So, und nach diesem Abstecher in die Vorstandsarbeit geht es dann doch noch nach Dubai und auf den dortigen Trainingsacker. Das heißt, um es mit „Scholle“ zu sagen, ich bin nicht in Dubai, ich sitze in der Redaktion und habe heute verschiedentlich mit Männern in Dubai telefoniert. Vornehmlich mit meinem Kollegen Kai Schiller, der mich umfassend über den Tag informiert hat.

 

Morgens stand ein Lauf vor dem Frühstück auf dem Programm, dann wurde von 11 Uhr bis 13 Uhr (oder sogar eine halbe Stunde länger?) hart trainiert. Dabei wurde der Coach auch ein wenig lauter, weil es nicht alles so lief, wie er sich das vorgestellt hatte: „Wenn ihr das nicht schafft, dann könnt ihr drüben in der Wüste Kamele reiten . . .” Oha! Es soll ja in Dubai millionenschwere Renn-Kamele geben, die nicht ganz so leicht zu reiten sein werden. Als ich mit dem HSV vor Jahren in Dubai war, logierten wir gegenüber einer solchen Kamele-Ranch – und ich machte mich eines Tages mal auf, solche Tierchen zu filmen. Eines fraß mir ein wenig vom Ärmel meines Hemdchens ab, ein anderes Kamel stieß mit dem Kopf voll gegen die Kamera (die ich durch den Zaun gehalten hatte!) und damit gegen mein rechtes Auge. Da habe ich dann mal kurzzeitig ein Auge zugedrückt . . . Also, Joe Zinnbauer, das mit den Kamelen wird doch nicht so leicht sein – wie Fußball.

 

Beim Training nicht dabei waren Pierre-Michel Lasogga, Dennis Diekmeier und Valon Behrami. Besonders bitter ist Lasogga, der nicht mal auf dem Platz zu sehen war, sondern nur individuell im Hotel trainierte. Diekmeier war gestern beim Kernspin fällt noch mit Kniereizung ein paar weitere Tage aus. Behrami war ebenfalls nicht auf dem Platz zu sehen, überhaupt noch nicht in Dubai, aber das war nach seiner Operation nicht anders zu erwarten. Ronny Marcos drehte immerhin Runden. Das Quartett wird sicherlich morgen beim Spiel gegen Frankfurt im Hazza-bin-Zayed-Stadium in Al-Ain fehlen. Anpfiff ist um 20 Uhr Ortszeit (bei uns in Deutschland 17 Uhr), Hessen 3 überträgt live.

 

Zitat Joe Zinnbauer zum Fehlen seines Torjägers: „Lasoggas Verletzung ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Wir nehmen ihn ein paar Tage raus.” Apropos raus: Heiko Westermann und Maximilian Beister waren beide am harten Vormittag voll dabei, wurden am Nachmittag aber geschont. Grundsätzlich hat mir Kai Schiller verraten: „Das Training hier ist sehr intensiv, das alles macht einen hervorragenden Eindruck.“ Besonders ein Spieler hat es dabei meinem Kollegen angetan: Cleber Reis. Schiller: „Der Brasilianer räumt alles ab, der ist super drauf, an ihm kommt keiner vorbei, und er gibt auch lautstark Anweisungen. Der macht ein richtig tollen Eindruck.“ Der Schweizer Testspieler Innocent Emeghara, der durch seine Schnelligkeit beeindruckt, fand auch Erwähnung, weil er ein schönes Fallrückzieher-Tor schoss. Er soll morgen gegen Frankfurt zum Einsatz kommen. Apropos Testspieler: Ein solcher könnte eventuell auch Mohamed Salah Ghaly werden. Der ägyptische Profi ist ebenfalls für seine Schnelligkeit bekannt, ist Linksfüßer und spielt als Stürmer für den FC Chelsea. Seit 2011 gehört der 22-Jährige dem Kader der ägyptischen Nationalmannschaft an.
Was mich an dieser Personalie stört? FC Chelsea! Für die Älteren unter uns – es gab mal ein Lied: „Wer kann das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?“ Ansonsten hätte ich nichts dagegen. Und irgendwann ist ja auch ein Ruud van Nistelrooy von Real Madrid zum HSV gewechselt, nicht wahr, Eiche und Jacek Dembinski?
Das waren noch Zeiten.

 

So, wir sind ein wenig lang geworden heute, aber ich hatte ja auch, zwangsläufig, längere Zeit ausgesetzt. So ist das, wenn sich drei Herren um eine gute Sache verdient machen möchten.

 

17.47 Uhr

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