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Slomka: “Es war eine harte, ehrliche Analyse”

15. April 2014

Mirko Slomka ist weiter auf Fehlersuche beim HSV. Wobei das meiner Meinung nach keine echte Suche ist. Immerhin sind es so viele Fehler, die Woche für Woche einlaufen, ohne dass man suchen muss. Nach guten folgen schlechte Spiele. Und das immer und immer wieder. Einzige Ausnahme ist, wenn es mal ein paar mehr schwache Partien in Folge sind. „Zwei Siege nacheinander hatten wir in dieser Saison noch nicht“, sagt Slomka, „und das sagt schon so einiges aus.“ Konstanz ist ein Fremdwort – aber notwendig im Abstiegskampf. Das betonen die Spieler, das weiß Slomka. „Wir waren alle enttäuscht, teilweise waren wir auch ein bisschen schockiert. Für den Moment zumindest. Aber gleich in der Nacht darauf haben wir uns darum gekümmert, eine entsprechende Analyse für die Mannschaft zusammenzustellen. Ich wollte allen sehr deutlich machen, worum es geht und was gefehlt hat, um zu gewinnen“, sagt Slomka (siehe folgendes Interview).

Die unerklärliche Darbietung in Hannover – heute wird sie noch aufgearbeitet – ab heute Abend zählt allein der VfL Wolfsburg. Und um sich besser auf die Niedersachsen vorzubereiten, empfahl Slomka seinen Akteuren, sich das Pokalspiel live anzuschauen. Aber Slomka legt auch Wert auf lückenlose Analysen und führte dafür etliche Einzelgespräche – weitere sollen folgen. „Ich glaube schon, dass wir uns mittlerweile alle im Klaren sind, in welcher Situation wir uns befinden. Auch, was es bedeutet, so ein Spiel wie zuletzt mit dem tollen Tor von Heiko zu gewinnen. Der ganze Zuspruch von außen, die Lautstärke, die Euphorie“, sagt Slomka und wundert sich über die zu kurze Halbwertzeit solcher Erfolgserlebnisse: „Diese Euphorie – und trotzdem ist dann in Hannover etwas abgelaufen auf dem Platz, was uns am Ende zehn Kilometer weniger laufen ließ und dazu führte, dass wir nur die Hälfte der intensiven Läufe, die Hälfte der Sprints gemacht haben“, so Slomka, der die Analyse öffentlich wie gewohnt moderat ausführt, intern aber lauter geworden sein soll.

Weil er genauso wenig wie wir nachvollziehen kann, dass eine Mannschaft plötzlich so abtaucht. „Man kann ganz genau erkennen, was für ein positives Ergebnis das gibt, wenn man viel mehr läuft als der Gegner. 2:1- Sieg und in allen Laufstatistiken besser – und dann in Hannover genau das Gegenteil mit 109 Kilometern. Das ist es, was uns die Fragezeichen in die Augen treibt. Aber das mussten wir den Spielern aufzeigen. Und deshalb war es intern eine sehr deutliche, sehr klare Analyse. Sie war in der Ansprache nicht positive, war gerade, persönlich und hart.“

Zuckerbrot und Peitsche – Slomkas Prinzip für diesen HSV. Zumindest ist Slomka weiterhin bemüht, den Schulterschluss mit der Mannschaft zu halten. „Ich habe nicht mit dem Lehrerstock auf den Tisch gehauen, sondern ich muss die Spieler mitnehmen und ihnen zeigen, was genau gefehlt hat, wo sie einen Meter zu wenig gemacht haben. Es geht nicht nur darum, Spieler auf dem Platz zu haben, die wissen, worum es geht. Wir müssen auch Leute auf dem Platz haben, die wissen, wie es geht.“

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Stimmt. Aber die hat der HSV momentan nur bedingt. Heute meldete sich zudem noch Hakan Calhanoglu ab. Der zweitbeste HSV-Torschütze klagt über Halsschmerzen und bekam präventiv Ruhe sowie einige Medikamente verschrieben, um für Sonnabend wieder komplett hergestellt und einsatzbereit zu sein. Gleiches will auch Milan Badelj. „Es fühlt sich ganz gut an“, freute sich der Kroate heute nach dem Lauftraining mit Rehatrainer Markus Günther. Allerdings wollte er noch keine Prognose abgeben. „Das ist zu früh“, so Badelj, der am Mittwoch die Laufintensität steigern und am Donnerstag langsam wieder mit dem Ball arbeiten soll. „Er will unbedingt wieder spielen“, sagt Slomka, „und er ist für uns auch immens wichtig. Aber wir müssen vorsichtig sein, da wir ihn auch in den anderen drei Spielen noch brauchen werden.“

Dennoch hat Slomka noch eine kleine Resthoffnung, den Kroaten am Sonnabend wieder auf der Sechs zu haben. Zumal die Doppelsechs mit Tomas Rincon und Tolgay Arslan gegen Hannover komplett fehlschlug. „Die beiden haben kein gutes Spiel gemacht“, so Slomka, der in dieser Woche erstmals auch Kerem Demirbay Chancen einräumt, wieder zum Kader zu gehören. „Kerem ist heiß und wir werden uns das in den nächsten Tagen genau ansehen“, so Slomka, der auf Ouasim Bouy („Schade, weil er bissig wirkte und sich näher herangearbeitet hat“) verzichten muss. Der Winterzugang war im Training ausgerutscht und hatte sich dabei am Knöchel verletzt. Wie lange er ausfällt, ist offen. Wieder gut im Saft ist Ivo Ilicevic. Zumindest heute im Training.

Ebenso wie die Rückkehr von Rafael van der Vaart. Der HSV-Trainer: „Wir haben einige Fragezeichen. Beim Kapitän Rafael van der Vaart wird es sehr eng mit einer Zerrung in der Wade. Werden alles versuchen, und er kann auch Schmerzen ertragen“, hofft Slomka, „aber für das Spiel am Sonnabend kann ich seinen Einsatz nahezu ausschließen.“ Besser sieht es dagegen bei Heiko Westermann aus. „Bei ihm wird es von Tag zu Tag besser, er wird behandelt und beginnt am Mittwoch mit Lauftraining, um ihn am Sonnabend wieder auf dem Platz zu haben.“

Fehlen wird definitiv Pierre-Michel Lasogga. Der Toptorjäger mit der rätselhaft langwierigen Verletzung weilt momentan in Gelsenkirchen, nachdem er sich in München bei Dr. Müller-Wohlfahrt hatte untersuchen lassen. Weswegen einer der Schlüsselspieler sich nicht in Hamburg untersuchen lässt, erschließt sich mir nicht. „In Gelsenkirchen ist er bei seiner Familie und kann mal so richtig abschalten“, hofft Slomka auf seelische Entspannung bei seinem Toptorjäger. „Klar ist auch, dass emotionale Anspannung den körperlichen Zustand beeinflusst“, so der studierte Pädagoge. Wann Lasogga wieder eingeplant werden kann? „Das wird sicher noch nicht in der kommenden Woche, aber vielleicht in der Woche darauf.“ Dann gegen Bayern München – hofft Slomka.

Am Mittwochmittag indes wird es erstmal wieder politisch. Denn da stellt die Initiative HSVPlus seine personellen Vorschläge für den Fall einer Dreiviertelmehrheit am 25. Mai für ihre Strukturreform vor. „Wir werden unsere Liste per Pressemitteilung veröffentlichen und uns anschließend wieder zurückziehen“, sagt Initiator Ernst-Otto Rieckhoff, „damit wir uns alle sofort wieder auf das Spiel am Sonnabend gegen Wolfsburg konzentrieren können.“ Nicht auf der Liste potenzieller Amtsträger wird überraschenderweise Holger Hieronymus sein. Der sagt unmittelbar vor der Präsentation ab. „Ich kannte seine Entscheidung schon länger und war nicht überrascht“, sagt Rieckhoff. Dass mit Hieronymus der wohl namhafteste Kandidat bislang von der Liste gestrichen wird, stört Rieckhoff nicht. Sagt er. „Holger wird zwar kein Amt übernehmen, aber sich weiterhin intensiv für HSVPlus einsetzen.“ In den nächsten Wochen seien schon fünf, sechs gemeinsame Termine bei Fan-Clubs angesetzt.

Bislang ist tatsächlich relativ wenig durchgedrungen, was die Kandidaten von HSVPlus betrifft. Peter Nogly, Kühne-Attaché Karl Gernandt und Thomas von Heesen scheinen gesichert, ansonsten wird wild spekuliert – was ich hier sein lassen werde. Allerdings konnte die Liste auch deshalb so lange geheim gehalten werden, weil sich selbige erst spät herauskristallisiert hat und der eine oder andere Wunschkandidat (unter anderem auch Hieronymus) letztlich doch nicht für ein Amt beim HSV begeistert werden konnte. „Ich habe nie gesagt, dass ich ein Amt übernehmen will und bin überrascht, dass andere überrascht sind“, sagt Hieronymus selbst. Dass er nicht für den Aufsichtsrat kandidiert, um letztlich von selbigem als Vorstand bestimmt zu werden, ließ Hieronymus („Ich will keine Diskussionen befeuern, wir brauchen Ruhe für den sportlichen Bereich“) unkommentiert. Und Rieckhoff versprach: „Es werden einige Überraschungen dabei sein.“ Ich warte es ab. Morgen um elf soll es soweit sein.

Bis dahin! Um zehn Uhr wird trainiert, was das Wichtigste an diesem Tag sein dürfte. Trotz der Infoveranstaltung am Abend im Grand Elysée. In diesem Sinne: Das Sportliche voranstellen ohne die anschließend zwingend notwendigen Veränderungen aus dem Blick zu verlieren – nur so kann es funktionieren.

Scholle

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