Archiv für das Tag 'Jansen'

Die Hoffnung des HSV? Der liebe Gott und ein Wunder

17. Mai 2015

Das, was keiner will, ist eingetreten. Der HSV hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand. Ebenso wie das eigene 1:2 beim VfB Stuttgart waren die Siege des SC Freiburg und Hannover 96 für diese Konstellation verantwortlich. Vielleicht wirft die Haltung der Bayern im Breisgau Fragen auf, aber am Ende bekommt der HSV, was er verdient. Und das ist nach diesem desaströsen Spiel in der Mercedes-Benz-Arena der vorletzte Tabellenplatz und die Gewissheit, dass nicht einmal ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke den Klassenerhalt – oder wenigstens die Relegation – aus eigener Kraft sichern würde.

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

„Wir haben eine Ausgangslage, die sich drastisch verschlechtert hat“, stellte Trainer Bruno Labbadia klar. „Dabei war uns ja von Beginn an klar, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen würden. Allerdings haben wir uns die gute Position, die wir uns erarbeitet haben, kaputt gemacht.“ Und wie sie das gemacht haben. Gegen 15.45 Uhr stand der HSV mit eineinhalb Beinen in der Bundesliga, am Ende steht die Mannschaft mit eineinhalb Beinen im Unterhaus. „Es war ein Matchball, den wir vergeben haben“, setzte Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer drauf. „Die Leistung war enttäuschend. Das war schwach und zu wenig.“ Weitere Analysen über die Hintergründe dieses Auftritts lieferten die Verantwortlichen nicht. Im Grunde war das auch schnell zu erkennen. Ich will mich auf wenige Dinge beschränken, die alle miteinander zu tun haben.

Das erste Mal hatte ich an diesem Nachmittag in Stuttgart ein ungutes Gefühl, als die HSV-Profis mit den T-Shirts zum Warmlaufen auf den Rasen marschierten. „Wir schaffen es!“ stand darauf. Allzu große Sicherheit, die Bekanntgabe einer Hoffnung als Tatsache, die die Spieler am Ende eingeholt hat. Ein Ergebnis sollte man erst nach vollbrachter Arbeit verkünden – nicht schon vorher. Besser haben es die Stuttgarter Fans gemacht, die ihre Mannschaft mit einem großen „Niemals-aufgeben“-Plakat begrüßt haben. DAS war das eigentliche Motto. Und der VfB hat es deutlich besser umgesetzt als der HSV.

Es war beängstigend mit anzusehen, wie der HSV nach 25 Minuten aufgehört hat, an dieser Partie teilzunehmen. Mit dem Stuttgarter Ausgleich, dessen Zustandekommen vielleicht glücklich war, erlahmte alles bei den Hamburgern. Rajkovic und Djourou fanden keine Anspielstationen mehr, weil sich alle Mittelfeldspieler verkrümelten. Wo war van der Vaart? Wo war Kacar? Was war mit den Flügeln Jansen und Ilicevic, die nicht zu sehen waren? Es war so viel Angst im Spiel, dass alle nur noch weggerannt sind.

Einige Spieler verdienen besondere Beachtung. Rafael van der Vaart zum Beispiel hat 90 Minuten nach einer Gelbe Karte gebettelt. Fouls, Geschimpfe, Nicklichkeiten. Immer wieder sprach Schiedsrichter Manuel Gräfe beschwichtigend mit ihm – aber in der Nachspielzeit konnte er nicht mehr anders. Nach einer weiteren Meckerei gab’s endlich die 10. Gelbe Karte und damit die Sperre gegen Schalke. Van der Vaart hat sich dazu gestern nicht mehr geäußert, aber das hatte schon schwer den Anschein, als ob er diese Verwarnung provoziert hätte. Ein schlimmes Verhalten.

Pierre Michel Lasogga durfte nach dem frühen Zusammenprall mit seinem Kollegen Ivica Olic bis zur 59. Minute weiterwurschteln. Der Bursche gehörte aber sofort ausgewechselt, er torkelte nur über den Rasen. Es war keine Kopfverletzung, sondern eine Schulterprellung, wie heute diagnostiziert wurde. Trotzdem: Bei Lasogga ging gar nichts, der HSV auch aus diesem Grund quasi eine Stunde lang nur zu zehnt. Bruno Labbadia versicherte heute nochmals, dass er seinen Angreifer immer wieder gefragt habe, ob es weitergehe. Lasogga sagte ja – eine Fehleinschätzung.

Am Ende fehlte der gesamten Mannschaft Spannkraft. Nichts war zu spüren von dem Willen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. Die meisten Zweikämpfe gingen flöten, es war eine Selbstaufgabe. Das, was Bruno Labbadia mühsam an Streichhölzchen aufgebaut hatte in den vergangenen Wochen zu einem ansehnlichen Türmchen, fiel durch einen Windhauch zusammen. Es war nicht mehr als ein Windhauch, denn natürlich war auch Stuttgart zunächst total unsicher. Zwar stürmten sie in den ersten fünf Minuten, aber nach dem 0:1 durch Kacar schossen die Schwaben die einfachen Pässe ins Seitenaus oder die steilen Schläge ins Nirvana. Bis sie merkten, dass sie vom HSV nichts zu befürchten hatten. 10:1 Schüsse aufs Tor – so sah es am Ende aus. Die Partie hätte 5:1 ausgehen müssen, wenn Rene Adler nicht so viel gehalten hätte.

„Als wir gekommen sind, waren wir Tabellenletzter“, so Bruno Labbadia heute. „Da hätte niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Natürlich hatten wir nicht gedacht, dass wir diesen Rückschlag erleiden würden. Aber trotzdem haben wir noch eine Möglichkeit. Wir müssen nicht jammern, sondern an uns glauben. Wir müssen Schalke schlagen, und dann werden wir sehen, was passiert.“

Dietmar Beiersdorfer wurde heute mehrfach gefragt nach seinen Fehlern in dieser Saison. Die Ernennung von Peter Knäbel zum Cheftrainer zum Beispiel. Beiersdorfer wehrte all diese Fragen ab und verwies auf die nächste Woche, wenn die Saison vorbei ist. „Es ist unsere Aufgabe, im Management intern über alle Szenarien zu sprechen. Das tun wir schon länger. Aber unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vorher, das Spiel gegen Schalke zu gewinnen und die Möglichkeiten zu haben, drin zu bleiben.“ Dies kann ich im Moment nachvollziehen. Beiersdorfer bringt es heute nichts, Selbstzerfleischung zu betreiben oder auch nur den nachvollziehbaren Wunsch der Öffentlichkeit nach Benennung der Schuldigen zu befriedigen. In den kommenden sechs Tagen geht es nur um das Schalke-Spiel.

Vielleicht geht es danach noch um die Relegationsspiele – das weiß der Fußballgott. Auf den wird es übrigens auch wieder ankommen. Dessen ist sich Zoltan Stieber sicher, der beim Blick auf die Konstellation keine anderen Ratschläge mehr hat: „Wir müssen alles geben gegen Schalke und gewinnen. Hoffen wir, dass der liebe Gott auch mit uns ist.“ Ähnlich formulierte es Rene Adler: „Wir haben jetzt noch ein Spiel und können die Tabelle auch lesen. Die Situation ist beschissen. Aber wir können es noch schaffen. Ich glaube, dass wir Schalke schlagen, und mit ein bisschen Hoffen und Bangen – vielleicht gibt es noch ein Wunder.“ Oder hat der HSV im vergangenen Jahr alles Glück der Welt aufgebraucht?

Und wie soll diese Truppe, die in Stuttgart offenkundig unter dem Druck zusammen gebrochen ist, den noch viel größeren Druck des kommenden Spiels meistern? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Hoffnung gibt es nur, weil es in dieser Saison ab und an geklappt hat. Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben schon mal ähnlichen Druck gehabt gegen Augsburg. Das war auch ‚letzte Ausfahrt Klassenerhalt‘. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht. Man muss das Positive sehen. Wenn man nicht dran glaubt, wird es auch nichts. Wir werden bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist unsere Pflicht und unsere Leidenschaft.“ Na ja….

Als besondere Maßnahme prüft der Verein nun ein erneutes Trainingslager. Die Entscheidung, ob das kurzfristig zu realisieren ist, steht zur Stunde noch aus. Jedenfalls würde Labbadia nach dem trainingsfreien Montag ab Dienstag gern mit seinen Profis eine Luftveränderung vornehmen. Klar ist, dass es nicht erneut nach Rotenburg gehen wird, wo er den HSV bereits nach seinem Amtsantritt zusammengesammelt hatte.

Hoffnung hat übrigens auch Peter Knäbel – das sagte er gestern im ZDF-Sportstudio: „Die Relegation zu gewinnen, wäre für uns wahrscheinlich auch schon ein Erfolg. Wir haben es fast in eigener Hand. Bei den ganzen Entwicklungen dieses Spieltages sehen wir, dass es auch schnell mal in die andere Richtung gehen kann.“ Knäbel war heute übrigens zur Spielbeobachtung in Braunschweig, wo der mögliche Hamburger Relegationsgegner Karlsruher SC mit 2:0 gewann.

Und nun noch ein Wort mehr oder weniger in eigener Sache. Am vergangenen Mittwoch habe ich ein paar Absätze zu Carl Jarchow geschrieben, der aus dem HSV-Vorstand ausgeschieden ist. Die Pawlowsche Reaktion bei einigen Kommentaren hätte ich mir denken können. „Gefälligkeitsjournalismus“ hier – „die Presse ist Teil des Problems“ da.

Habe ich geschrieben, dass Jarchows Vertragsverlängerung 2012 ein Fehler war? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass Jarchow viele sportliche und wirtschaftliche Fehler begangen hat? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass der Verein nach seiner Amtszeit schlechter dastand als vorher? Komisch, das habe ich ja auch geschrieben.

Ich lasse mir ungern das Wort im Mund herum drehen und insofern waren einige der Kommentare aus meiner Sicht reichlich daneben. Ich habe hier schon vor einigen Wochen ausführlich zur Campus-Peinlichkeit Stellung bezogen. Dieses Projekt wurde damals von Jarchow/Hilke angeschoben, und dass es primär eine Geld-Beschaffungsmaßnahme war – dieser Eindruck ist wohl kaum zu leugnen. Gut verpackt mit einem neuen Nachwuchsprojekt, zugegeben, aber die Umplanungsmaßnahmen, die durch Bernhard Peters und Co. vorgenommen wurden, zeigen, dass das ursprüngliche Konzept auch inhaltlich nicht durchgetaktet war. Inhaltlich – das war nicht die Priorität. Aber: Jarchow und alle anderen im HSV waren und sind dafür rechtlich nicht zu belangen gewesen. Das ist Stand heute Tatsache.

Diese Zusammenhänge, und dass Alexander Otto den Granden den Allerwertesten gerettet hat mit seiner 10-Millionen-Euro-Zuwendung, das wurde auch hier von Scholle, Dieter und mir thematisiert. Als ich geschrieben habe, dass Jarchow gut aus seiner HSV-Vorstands-Zeit herausgekommen ist, wurde das hier ebenfalls als Medien-Problem dargestellt. Nach der Devise: Ihr habt ihn aber auch schön in Frieden gelassen.

Wer bitteschön hat Carl Jarchow, der jahrelange Minus-Zahlen als Vorstands-Vorsitzender zu verantworten hatte, denn vor allem in Frieden gelassen? Das waren die HSV-Mitglieder selbst, von denen einige mich nun hier kritisiert haben. Jarchow hat nicht eine einzige kritische Nachfrage erhalten auf der Mitgliederversammlung im Januar. Da war nicht die Rede davon, dass der Verein reihenweise Rote Zahlen geschrieben hat und die Campus-Millionen versickert sind. Von der Frage, ob die einzelnen Vorstände denn überhaupt entlastet werden – auch Joachim Hilke hätte diese Frage treffen können – war ebenfalls nichts zu hören. Gar nichts.

Was mir wichtig ist und war bei der Betrachtung Jarchows und vieler anderen, deren Wirken für den HSV am Ende in einem negativen Licht stand: Sie alle wurden auch von bestimmten Leuten, namentlich vom Aufsichtsrat, eingesetzt. Wenn Jarchow gescheitert ist, dann ist auch der alte Aufsichtsrat gescheitert. Führungskräfte in Unternehmen haben EIN wesentliches Instrument zur Steuerung der ganzen Firma, und das ist die Personalauswahl. Ist also Jarchow gescheitert, dann spricht das gegen diejenigen, die ihn ins Amt gehoben haben. Analog heute: Zeigt sich, dass Dietmar Beiersdorfer, wie von Scholle am Montag geschrieben, eigentlich kein Vorstands-Vorsitzender ist, dann geht diese Kritik in erster Linie an das Gremium, das Beiersdorfer bestellt hat. Und schon wären wir bei Karl Gernandt und seinem Team.

Zurück zu Jarchow. Zu guter letzt wurde nämlich angezweifelt, dass Jarchow für die Ausgliederung war. War er aber. Nicht als jemand, der sie initiiert hätte oder angeschoben. Das waren andere – das war die Gruppe HSV-Plus um Otto Rieckhoff. Aber dass Jarchow dessen ungeachtet dafür war, ist einfach Fakt. Das haben mir alle möglichen Menschen aus dem Verein bestätigt. Vermutlich wird mir nun auch noch weiter vorgehalten, ich habe HSV-Plus nicht gewollt. Ich verweise höflich auf eine „Matz-ab-live“-Sendung vom September 2013. Hier habe ich deutlich gesagt, die Ausgliederung muss kommen. Zu diesem Zeitpunkt war HSV-Plus gerade ein paar Tage auf dem Markt. Dass ich diese Haltung anschließend nicht marktschreierisch vor mir hergetragen habe wie andere, liegt wohl daran, dass ich Journalist bin. Aber egal, ob jemand aus meiner Sicht schlechte Arbeit geleistet hat – Kritik unter der Gürtellinie wird es von mir nicht geben.

Im übrigen: Welche Gefälligkeit sollte ich wohl von Carl Jarchow erwarten, wenn er Vize-Präsident des Hamburger Fußball Verbandes ist? VIP-Karte fürs Oddset-Pokal-Endspiel?

Noch sechs Tage bis zum Schalke-Spiel.

Lars
18.00 Uhr

Die “Affen” tanzen, der HSV liegt am Boden!

16. Mai 2015

Stuttgart bezwingt den HSV im Abstiegs-Endspiel 2:1 – die „Affen“ tanzen, der HSV liegt am Boden. Nun muss es sich am letzten Spieltag zeigen, ob der HSV tatsächlich immer wieder aufstehen kann. Am Sonnabend geht es im Volkspark gegen Schalke 04 um alles – jetzt ist der HSV erst einmal auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen. Es scheint, als müsste auch in diesem Jahr wieder ein Wunder helfen, um den Dino vor der Zweiten Liga zu bewahren. Der HSV bot auch im Ländle eine erschütternde Leistung, der Tabellenletzte war klar und deutlich das bessere Team und gewann verdient. Die Hamburger hatten deutlich mehr Unzulänglichkeiten zu bieten, als der VfB, HSV-Trainer Bruno Labbadia schlug sich mehrfach entsetzt die Hände vor das Gesicht. So wird das kaum noch etwas. Und für das Schalke-Spiel fällt nun auch tatsächlich noch Kapitän Rafael van der Vaart aus, der sich in der Nachspielzeit die zehnte Gelbe Karte der Saison erbettelte – Schiedsrichter Manuel Gräfe erhörte den Niederländer! Jetzt hat es der HSV schon nicht al mehr in eigener Hand, den Abstieg noch zu vermeiden. So sieht die Realität im Mai 2015 aus. Gute Nacht!

 

Mit der Aufstellung überraschte Trainer Bruno Labbadia auch diesmal wieder. Es scheint ein Hobby von allen Fußball-Lehrern zu sein, die den HSV coachen. Diesmal kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste, und Ivo Ilicevic musste wohl deswegen ins Team, weil er ein Rechtsfuß ist. Obwohl der frühere Lauterer mal gesagt hatte, dass er rechts eigentlich nicht spielen möchte. Nun gut, in der allergrößten Abstiegs-Not frisst der Teufel wohl doch Fliegen . . .

 

Die „Affen“, wie VfB-Trainer Huub Stevens seine Spieler in der Woche tituliert hatte, traten mit der stimmgewaltigen Unterstützung von 54 000 Zuschauern an – aber der HSV hielt tapfer dagegen. Und ging sogar mit 1:0 in Führung. Freistoß von halbrechts, den gab Rafael van der Vaart mustergültig (diesmal mustergültig!) vor das Stuttgarter Tor, und dort stieg am Elfmeterpunkt Gojko Kacar in die Luft und köpfte ein. Der Wahnsinn! Kacars drittes Tor in Folge! Das ist unfassbar! Und die Teamkollegen erdrückten den Serben fast vor Freude. Der HSV auf dem Weg zum rettenden Ufer?

 

Leider nein. Und ausgerechnet Kacar bereitete den Ausgleich der Schwaben vor. Der HSV-Torschütze hätte einen Ball weit und hoch aus dem Strafraum herausschlagen können, nein müssen, aber er traf den Ball nicht gut. Stuttgarts Serey Die fing den Ball leichtfüßig ab, und postwendend flog die Kugel wieder zurück in den HSV-Strafraum, weil Marcell Jansen die Flanke nicht verhindern konnte, im Gegenteil, er fälschte die Kugel noch leicht ab. Am Fünfmeterraum-Eck kam Gentner an den Ball, und der schoss, bedrängt von Slobodan Rajkovic, aus der Drehung den Ball durch die Beine von Rene Adler ins Tor (27.). Wie bitter. Plötzlich war Stuttgart hellwach.

 

Und legte nach. In der 35. Minute hieß es 2:1 für den Tabellenletzten. Eckstoß von links, am kurzen Pfosten verlängerte Gentner (setzte sich gegen Ivica Olic durch) den Ball auf das lange Eck, und dort schien die gesamte HSV-Defensive irgendwie eingenickt. Marcell Jansen ließ den aus Hamburg stammenden Martin Harnik (Vier- und Marschlande) gewähren, der auf der Torlinie (am Pfosten) stehende Ilicevic zog schnell mal den Kopf zwischen die Schultern – Tor. Wie bitter war das denn bitte? So kann man im Abstiegskampf, jedenfalls den in der Ersten Bundesliga, nicht agieren. Das ist ein ganz schlimmes Abwehrverhalten, spricht aber Bände für diesen HSV. Und wenn es ganz schlecht gekommen wäre, dann hätte Harnik kurz vor der Pause noch das 3:1 erzielt, nachdem er sich gegen Rajkovic und Johan Djourou durchgesetzt hatte, aber der Österreicher schoss dann doch zwei, drei Meter am HSV-Tor vorbei.

 

Halbzeit. Und Stuttgart jubelte. Weil der VfB dann ganz klar Chef im Ring war. Die „Affen“, die nach dem 2:1 auch wie die Affen getanzt hatten, waren deutlich besser. Der HSV leistete sich viele und in der Entstehung ganz amateurhafte Fehlpässe, Stuttgart war schneller, wirkte frischer, zeigte viele Ideen – und waren schlicht williger, auch viel hungriger auf den Erfolg. Die HSV-Spieler zeigten dazu einige ungewöhnliche technische Fehler. So „paddelte“ Ivica Olic gleich zweimal bei VfB-Eckstößen am Ball vorbei, als er an erster Stelle stand. So etwas darf ganz einfach nicht passieren – aber beim HSV ist das leider an der Tagesordnung.

 

Die Überlegenheit des Schlusslichtes, das längst am HSV vorbeigezogen war, wurde im zweiten Durchgang noch eklatanter. Der VfB stürmte mit Mann und Maus, und der HSV hatte kaum bis nichts dagegen zu setzen. In der 62. Minute schien das 3:1 fällig, überfällig sogar, als Harnik an Rajkovic vorbeigezogen war und quer legte, aber Djourou rettete in allerhöchster Not vor Ginczek – nur Eckball für den VfB. Und als kurz darauf Adler unter einer Flanke durchlief, hätte Didavi eigentlich nur köpfen müssen, dann hätte es 3:1 gestanden – aber der Stuttgarter zögerte zu lange, Chance vorbei. Glück für den HSV. Aber was hilft es?

 

Adler wehrte noch bravourös gegen den frei vor ihm auftauchenden Kostic ab, der Ball prallte danach gegen die Latte (83.). Und noch einmal Adler in der 88. Minute, als er super gegen den durchlaufenden Werner hält. Zum Schluss war das 1:2 für den HSV noch glücklich, weil es nur so knapp war.

 

Niemals Zweite Liga.
???? Das wird noch enger als 2014!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Ilicevic, Jansen (64. Min. Jansen); Olic; Lasogga (58. Min. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler leistete sich eine Schwäche, ansonsten bewahrte er den HSV vor einer höheren Niederlage. Das war eine Weltklasse-Leistung, Note eins mit Sternchen. Aber was hilft es, wenn eine solche Benotung nur auf den Torwart zutrifft?

 

Heiko Westermann hatte gegen den pfeilschnellen Kostic einen ganz schweren Stand, zweimal wurde er regelrecht „nass“ gemacht, ansonsten war das halbwegs in Ordnung.

 

Slobodan Rajkovic wirkte hölzern und langsam, im Moment scheint er mehr und mehr an Form zu verlieren.

 

Johan Djourou war der einzige Lichtblick in der Viererkette, der Schweizer warf sich immer wieder in die Angriffe der Schwaben – das war okay.

 

Matthias Ostrzolek schwamm mit, und zwar tüchtig, da war von Souveränität und Erstliga-Niveau nicht allzu viel zu erkennen.

 

Gojko Kacar markierte „sein“ Tor, da sah alles noch rosig aus, aber dann ging es bergab mit dem HSV – leider auch für den Serben.

 

Rafael van der Vaart ging leider nach dem 1:1 stetig mit unter.

 

Ivo Ilicevic war nie zu sehen. Warum er das so lange zeigen durfte? Ich weiß es nicht! Null Zweikampfverhalten, das mal nur so nebenbei.

 

Marcell Jansen blieb fast alles schuldig, leider, leider.

 

Ivica Olic das war überhaupt nichts. Und zwar 90 Minuten lang.

 

Pierre-Michel Lasogga tauchte von der ersten Minuten an ab und spielte viel zu lange.

 

Artjoms Rudnevs (ab 58. Min. für Lasogga) wollte bestimmt, konnte aber nichts mehr bewegen. Weil sein Umfeld es auch nicht mehr konnte.

 

Zoltan Stieber (ab 64. Min. für Jansen) ist nicht der Typ, der reinkommt und alles durcheinanderwirbelt. Das bewies er auch in Stuttgart.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Stuttgart. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die Schwaben zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Abwehrspieler Detlef Spincke sowie Hamburgs erfolgreichster Amateurtrainer, Bert Ehm, zurzeit Manager des TSV Sasel. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.

 

PS: Die Zweite hat heute ihr Regionalliga-Spiel in Lübeck gegen den VfB mit 2:0 gewonnen. Ahmet Arslan, der ehemalige Lübecker, erzielte das 1:0, Matti Steinmann den 2:0-Endstand – schon vor dem Seitenwechsel. Glückwunsch!

 

PSPS: Wer immer noch mehr HSV und Fußball will, der sollte morgen den „Sportclub live“ im Dritten Programm (NDR) einschalten. Da sind der frühere HSV-Trainer Frank Pagelsdorf und der ehemalige Volleyball-Bundestrainer, heutige Mental-Coach und immer noch HSV-Ehrenmitglied Olaf Kortmann (auch bei uns schon mehrfach zu sehen) zu Gast. Viel Spaß.

 

17.27 Uhr

Labbadia: „Man darf nie aufgeben. Nie!“

14. Mai 2015

Das war mal ein ganz besonders schöner Vatertag. Oder? Schön ist eigentlich falsch, es war ein ungewöhnlicher Vatertag. Weil ich den HSV trainieren hören konnte. Was für ein besonderes Erlebnis. Ich hörte den HSV, konnte ihn aber nicht sehen. Geheimtraining heißt das Zauberwort. Es wurde nicht hinter den weißen Lappen geübt, sondern in der Arena, und die war hermetisch abgeriegelt. Alles ganz geheim, wie der HSV am Sonnabend in Stuttgart gewinnen will. Und wenn es denn so kommt, dann finde ich auch jedes Geheimtraining der Welt völlig gerechtfertigt. Völlig. So aber, zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel am Neckar, kann ich Euch nicht berichten, wie das Training gelaufen ist, wer gut war, war schlecht war, wer laut war, wer früher vom Platz ging – null. Immerhin sickerte durch, dass Petr Jiracek heute nicht trainieren konnte, weil er seit dem gestrigen Training einen so dicken großen Zeh hat, dass er nicht in einen Fußballstiefel hinein kam. Soll aber wohl morgen, wenn wieder ganz geheim trainiert wird, wieder behoben sein. Ebenfalls nicht trainiert haben – jedenfalls nicht im Stadion – heute Valon Behrami und Nicolai Müller. Beide werden wohl auch bis zum Saisonende, das ja ohnehin ganz nah ist, ausfallen – bei Müller ist es ja schon seit einer Woche beschlossen und verkündet.
Dagegen kehrte heute der Brasilianer Cleber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Ob der Innenverteidiger in Stuttgart schon wieder mit von der Partie ist, ließ sich Trainer Bruno Labbadia noch offen: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, ob wir ihn in Stuttgart oder erst gegen Schalke brauchen, das wissen wir nicht – das, was wir heute von ihm gesehen haben, das war ordentlich, nun müssen wir abwägen, ob es schon sinnvoll ist, ihn mit nach Stuttgart zu nehmen.“ Ich denke und behaupte einmal: nein. Cleber wird noch ein Woche auf die Wiese gehen müssen, ehe er wieder dabei ist. Wenn überhaupt. Das kommt auch auf den Ausgang des Stuttgart-Spiels an.

 

Kurz noch zum Thema Behrami zurück. Der Schweizer liegt seit einigen Wochen flach, Knie- und Oberschenkel-Probleme. Bruno Labbadia zu seinem vielleicht schwierigsten Patienten: „Seine Probleme rühren her von seiner Operation, die er im Winter hatte, und sie sind eine Folge davon, dass er nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, das aufzuarbeiten. Da kommen viele Dinge zusammen, das ist sehr schade, aber wir müssen das akzeptieren. Wir müssen jetzt so mit ihm arbeiten, dass wenn wir ihn doch noch brauchen, er notfalls doch noch einsteigen könnte – aber im Moment ist das schwer.“

 

Auf der faulen Haut, das muss ich noch schnell einfügen, habe ich trotz allem während des Geheimtrainings zwischen zehn Uhr und 11.30 Uhr nicht gelegen, ich habe mir das Training der U23 „reingezogen“. Die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso und Soner Uysal spielt an diesem Sonnabend in Lübeck um Punkte. Nur um Punkte, nicht um die Meisterschaft, dieses Ziel wurde ja am vergangenen Wochenende durch eine 0:2-Heimniederlage gegen Havelse verspielt. Und ich hatte den Eindruck, dass vor allem Uysal immer noch stocksauer darüber ist, dass die Meisterschaft so leichtfertig verspielt wurde. Aber so is Lebbe. So richtig aufgefallen ist mir bei diesem Training keiner, es waren ja auch die besten Leute beim gleichzeitigen Profi-Training beschäftigt . . . Für einige Minuten sah auch Sport-Chef Bernhard Peters dem bunten Treiben im Volkspark zu. Und Helm-Peter, der total enttäuscht war, dass er den Profis nicht mal durch ein Loch im Kunststoffzaun mit einem Auge folgen durfte. Aber es gibt ja Schlimmeres.

 

 

Zum Spiel gegen Stuttgart. Ich gebe zu, dass ich nicht besonders optimistisch bin. Das ist bei mir eigentlich ein ganz normaler Vorgang, diesmal aber wird dieser noch durch zwei Dinge etwas negativ beeinflusst. Erstens hat der HSV zuletzt gegen Freiburg wieder einmal, bis auf zehn Minuten in der Schlussphase, seine hässliche Fratze gezeigt, und zweitens befindet sich der VfB Stuttgart, auch wenn das die Ergebnisse nicht unbedingt belegen, seit einigen Wochen in einer konstant guten Form. Und die Schwaben haben nach dem 2:0 gegen Mainz ihr zweites Heimspiel in Folge, das halte ich für den jetzigen Stand der Meisterschaft, also zwei Spieltag vor Schluss, als etwas ungewöhnlich, aber es ist wohl vom Terminplaner her nicht anders möglich. Und da zuletzt, also am vergangenen Wochenende, in Stuttgart die „Hölle los war“, beim Spiel gegen Mainz, wird das auch für den HSV nicht so sonderlich leicht, dort gegen zwölf Mann zu bestehen. Wer sich erinnern kann: Die Super-Stimmung beim VfB wurde am vergangenen Montag von allen Zeitung und Illustrierten besonders hervorgehoben.

 

Leicht wäre das Spiel ohnehin nicht geworden, aber so wird es noch etwas schwerer. Für den HSV. Vermute ich jedenfalls. Und wenn ich so an Martin Harnik denke, den Hamburger im VfB-Trikot, dann wird mir sowieso schon immer leicht „schwummerig“, denn der Österreicher trifft ja ganz besonders gerne gegen den HSV, der einst sein Talent (bei Vier- und Marschlande) nicht erkannt (oder verschmäht) hatte. Sei es wie es sei, auf Harnik bin ich besonders gespannt – und Matthias Ostrzolek dürfte es bereits jetzt ähnlich ergehen. Da wird der ehemalige Augsburger schon mal sein Gesellenstück schmieden können, wenn er Harnik an die Kette legen würde. Wird aber haarig, keine Frage.

 

Und wer spielt beim HSV? Rene Adler im Tor, keine Frage. Die Viererkette davor bleibt auch unverändert, und auch die beiden Sechser dürften im Team bleiben: Gojko Kacar und Rafael van der Vaart. Dann aber wird es schon weniger mit den Stammplätzen. Ich denke mal, ohne dass ich ihn heute auf dem Rasen gesehen habe, dass Lewis Holtby wohl eher auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Seine Vorstellung gegen Freiburg war doch viel zu wenig, als dass er noch einmal die Chance von Beginn an erhalten müsste. Ein Mittelfeld mit Zoltan Stieber, Ivica Olic und Marcell Jansen hätte gewiss seinen Reiz, allerdings würden sich dann dort gleich drei „Linksfüßer“ die Ehre geben, und ob das so spannend ist? Ich weiß es nicht. Aber Bruno Labbadia wird es wissen, das verriet er uns heute schon nach dem Training. Er hat die Aufstellung schon im Kopf, aber soweit geht die Liebe eben doch nicht, als dass er sie uns schon in die Blöcke diktieren würde. Geduld ist angesagt. Ich könnte mir trotz der Vorbehalte gegen drei „Linksfüßer“ vorstellen, dass es so kommen wird – und vorne soll und wird sich dann Pierre-Michel Lasogga versuchen.

 

Klingt doch auch nicht schlecht, diese Aufstellung. Aber im Ernst, so richtig schlecht klang die HSV-Aufstellung auch während dieser Saison eigentlich nie, und trotz allem wurde teilweise ein so finsterer Fußball zum Abgewöhnen dargeboten. Es kommt eben auf die Tagesform der Helden an – und auf die mentale Verfassung. Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, heißt es ja so schön schon seit Wochen, nun wollen wir alle mal hoffen, dass die HSV-Jungs – alle – ihre Köpfe dafür frei haben. Nur mal so zur Erinnerung: Stuttgart als Schlusslicht hat 30 Punkte auf dem Konto, der HSV als Tabellenvierzehnter 32 Punkte. Sollten der VfB gewinnen . . .
Dann müsste der HSV wohl ganz auf die eine Woche später folgende Heim- und Schlusspartie gegen Schalke 04 setzen. Wirklich nur mal so am Rande. Damit sich alle, wirklich alle mental auf die Begegnung mit den Schwaben einstellen.
Meine Kollegen sind übrigens fast alle sehr bis verhalten optimistisch. Am meisten wurde ein 2:2 getippt, wobei ich mich frage, wer denn zwei Tore . . . Nun gut, auch das gab es ja zuletzt. Sohar einmal ein 3:2. „Helm-Peter“ wurde heute vom NDR-Hörfunk nach seinem Tipp gefragt – und was sagte er? Na klar, 2:2. Sollte es so kommen, werde ich ihm (im Picknick und beim nächsten Geheimtraining) eine Currywurst mit Pommes spendieren, damit er immer gut gestärkt auf seinem Drahtesel nach Hause strampeln kann.

 

Apropos Geheimtraining. Bruno Labbadia erklärte den Rückzug ins Stadion heute wie folgt: „Wir wollten einmal in der Abgeschiedenheit einige Dinge abtrainieren, vor allem auch die Ruhe genißene, die dazugehört – gerade am Vatertag.“ Auf Stuttgart bezogen sagte der HSV-Coach: „Wir sehen das Spiel als weitere Chance, unsere Situation weiter zu verbessern. Wir haben uns mit den letzten drei Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, die wollen wir nun weiter verbessern.“ Co-Trainer Eddy Sözer und Sport-Direktor Peter Knäbel haben ja vor einer Woche den VfB gegen Mainz 2:0 gewinnen sehen und konnten mit Sicherheit live und vor Ort einige wichtige Eindrücke mit nach Hamburg bringen. Was, darüber allerdings schwieg der Trainer: „Sie haben mir berichtet, dass der VfB ein ordentliches Spiel gemacht hat – aber wir kennen den VfB ja auch, wir wissen, was auf uns zukommen wird, aber wir konzentrieren uns letztlich auf uns selber.“

 

Mein „Sky“-Kollege Sven Töllner sprach bei seiner Frage an den HSV-Trainer von einem „glücklichen Punktgewinn gegen Freiburg“ (so hätte ich es ganz sicher auch formuliert – weil es ganz glücklich war!), aber Bruno Labbadia stellte das 1:1 für sich in ein rechtes Licht: „Es war ein erkämpfter Punkt!“ Wie dem auch sei. Ich will das Spiel gegen Freiburg auch nicht im Nachhinein noch einmal von allen Seiten beleuchten, für mich war es einfach nur schlecht (vom HSV), und zwar erschreckend schlecht. Bis auf die Schlussphase. Und ich glaube, dass auch alle HSV-Verantwortlichen gut daran täten, wenn sie diese 90 Minuten aus dem vorletzten Heimspiel der Saison so oder ähnlich negativ einschätzen oder einstufen würden. Alles andere wäre Augenwischerei.
Bruno Labbadia relativierte aber aus seiner Sicht: „Das sieht man nicht nur bei uns, dass es da Schwankungen gibt, das ist auch bei anderen Mannschaften zu sehen. Ich habe zum Beispiel Kaiserslautern gegen St. Pauli gesehen, da lagen die Lauterer plötzlich 0:1 zurück und es ging nicht mehr viel. Das war bei uns ebenfalls so: Wir hätten das 1:0 gegen Freiburg machen können, kriegst aber das 0:1 und dann passieren solche Spiele. Dann, mit dem 1:0 im Rücken, macht es der Gegner auch gut, und dann gibt es solche Spiele. Freiburg hat es dann auch richtig gut gemacht, wir nicht – aber das haben wir ja auch zugegeben. Und ich habe einige Sachen bei uns gesehen, die nicht so liefen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Dass es doch noch ein 1:1 gab, lag vornehmlich daran, dass Labbadia voll auf Offensive setzte und noch jeden Stürmer einwechselte, den er noch hatte. Auch wenn Maximilian Beister vielleicht einige Minuten zu spät kam, wie etliche Kollegen noch am Sonntag bemerkten.

 

Immerhin konnte Bruno Labbadia als Coach doch noch etwas Positives aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen: „Es hat uns gezeigt, dass wir immer wieder aufstehen können. Dass wir zwar mal kurz am Boden liegen, dass wir mal Rückschläge erleiden, aber dass wir immer wieder dagegen an arbeiten, das hat uns dieses Spiel gezeigt, aber auch schon die Spiele davor. Wir sind zuletzt immer wieder aufgestanden, und das bringt uns dann auch eine gute Stimmung in die Mannschaft. Man darf nie aufgeben. Nie.“

 

Keine Frage (die am Rande eines Trainingstages immer mal wieder aufkommt!) spielt übrigens für den Trainer, ob Rafael van der Vaart auch in Stuttgart wieder zur Auflaufformation gehören wird: „Rafa hat sich gleich zu Anfang im Training gezeigt, dass er dem Verein und der Mannschaft helfen will. Das haben wir aufgenommen. Dann haben wir ihn auf verschiedenen Positionen eingesetzt, aber ganz klar ist er derjenige, der für mich auf der Acht spielen könnte – weil er eine gewisse spielerische Qualität bei uns reinbringt.“
Jetzt spielt der „kleine Engel“ aber auf der Sechs, doch auch das sieht der Trainer nur positiv: „Er hat das dort mit Gojko Kacar gemeinsam, was die Arbeit betrifft, was die Kompaktheit betraf, sehr gut gemacht. Und von dem her ist es gut, dass der Kapitän zuletzt solche Leistungen gebracht hat.“ Bruno Labbadia dann noch zum Abschluss über van der Vaart: „Ich glaube, dass er sich als Kapitän von seinem Verein einfach nur gut verabschieden will, und dazu kann er selbst viel beitragen.“ Mit einem Spiel mit Herz und Leidenschaft. Und das wird der Niederländer auch, bei aller Kritik, die es immer wieder mal für ihn gibt, auch am Sonnabend wieder an den Tag legen.

 

Apropos Tag. Bruno Labbadia befand über sein Wirken im Moment (weil er von den meisten neutralen Beobachtern gelobt wird): „Der Abstiegskampf hat mich zu einem kompletteren Trainer gemacht. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten, aber ich brauche es nicht jeden Tag.“

 

Das Schlusswort zum Vatertag, aber eher schon im Hinblick auf Stuttgart, kam auch noch von Labbadia, der befand: „Wir haben uns zuletzt eine Ausgangslage geschaffen, von der wir vor einigen Wochen nur geträumt haben. Diesen Weg müssen wir jetzt weiter gehen. Das ist ein Kraftakt, aber es hilft nichts, es sind ja nur noch zwei Spiele.“

 

Und für die gilt:

Verlieren verboten!

 

Nur der HSV!

 

PS: Nachdem Lars Pegelow gestern so gefeiert wurde, weil er an Carl-Edgar Jarchow (der an diesem Freitag seinen letzten offiziellen HSV-Tag hat) gedacht hat, möchte ich mich auch noch kurz daran versuchen – und mir meine Belobigungen dafür abholen. Schon jetzt dafür ein herzliches Dankeschön!

Da ich weiß, dass im Hause Jarchow auf jeden Fall einer bei Matz ab mitliest, mache ich das mal so:

„Lieber Herr Jarchow, Sie haben gewiss keine schöne zweite HSV-Zeit (nach der Aufsichtsrat-Tätigkeit) gehabt, im Gegenteil, Ihr Wirken gestaltete sich äußerst zäh und wenig erfolgreich. Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich Ihren Mut bewundert habe, dass Sie dieses Amt übernommen haben. Kaum ein anderer HSVer hätte das gemacht. Und obwohl Sie ziemlich schnell wussten, was Sie da übernommen hatten, verlängerten Sie auch noch. Warum auch immer, spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich, Dieter Matz, das Handtuch geworfen.
Sie hatten in meinen Augen nie eine richtige, eine faire Chance, den HSV wieder nach oben zu führen, weil die Club-Kasse chronisch leer war. So ist es, die Ausnahme heißt Klaus-Michael Kühne, bis heute geblieben – und nun wollen wir mal sehen, wie sich der HSV in Zukunft so machen wird.

Auf jeden Fall waren Sie immer ein fairer Gesprächspartner, und obwohl Sie mitunter recht heftig kritisiert und attackiert wurden, haben Sie immer Rede und Antwort gestanden, ohne ausfällig oder beleidigt zu sein. Das war hanseatisch stark und immer Erste Liga!
Das muss Ihnen erst einmal – vor allem über eine so lange Zeit – einer nachmachen. Natürlich haben Sie auch manchen Fehler gemacht, ganz klar – aber wer macht die nicht? Diejenigen, die nun am meisten in die Luft gehen, die sollten sich vielleicht selbst einmal fragen, ob das alles so richtig ist, wie sie ihren Weg gehen – oder bislang gegangen sind . . .

Alles Gute für Ihren weiteren Weg, ich freue mich, dass Sie zum Hamburger Fußball-Verband gehen werden – ich bin dann ein „Untergebener“ von Ihnen.

Dieter Matz

 

18.04 Uhr

Gojko Kacar rettet den HSV erneut – 1:1!

8. Mai 2015

Das war knapp! In der letzten Minute schaffte der HSV doch noch den Ausgleich gegen den SC Freiburg. Das 1:1 hilft zwar nicht so gut wie die beiden letzten Siege zuletzt, aber immerhin wurde der Abstand zu den Breisgauern gewahrt. Deswegen war der Hamburger Jubel nach dem Schlusspfiff auch riesig, gigantisch, sensationell. Es bleibt aber festzuhalten, dass dieser HSV über eine Stunde lang wieder in alte Schwächen zurückgefallen war und nur ein sehr, sehr dürftiges Spiel abgeliefert hat. Das war weder Fleisch noch Fisch, das war kein Abstiegskampf noch war irgendwie etwas von spielerischer Linie zu sehen – von spielerischer Klasse mal ganz abgesehen. Das war Dusel, das war viel Glück – und das war wieder einmal Gojko Kacar, der in der 90. Minuten das 1:1 köpfte. Der Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, aber diesmal half auch das Glück – wieder einmal. Hoffentlich geht es gut – am nächsten Sonnabend geht es zum nächsten Abstiegsendspiel nach Stuttgart. Und an diesem Wochenende kann der HSV nun in Ruhe abwarten, was die Konkurrenz macht. Noch ist nichts entschieden, es wird noch eine ganz, ganz heiße Schlussphase dieser Spielzeit geben. Der Fußball-Gott möge dem HSV erneut so beistehen, wie im Sommer 2014!
Nur der HSV!


 

Man, man, man! Fußball-Hamburg auf Wolke sieben. Vorher. 3:1, 4:1, 3:0 – so kann es gehen. Nach zwei Siegen am Stück sind die Hanseaten nicht mehr zu bremsen, sie flippen regelrecht aus. Nur der HSV! Klar. Wer soll hier denn sonst siegen? Mehr Optimismus geht gar nicht. Vergessen ist der Rest der Saison, als hier Zweitliga-Fußball geboten wurde. Jetzt ist alles neu – der Trainer wird es schon richten. Immer wieder habe ich heute gehört, dass man Bruno Labbadia vor etwas weniger als sechs Jahren niemals hätte vor die Tür setzen dürfen. Ja, aber ein Trainer, auch wenn er noch so heiß ist, kann nur ohnmächtig am Rande stehen, wenn seine elf Spieler wieder einen Rückfall in alte Zeiten erleben. Oder hinlegen. Dramatisch. Freiburg spielte in Hamburg Fußball mit dem HSV. Auf meinem Notizblock habe ich nach 20 Minuten geschrieben: „Schon jetzt würde sich Bruno Labbadia wohl schon den Halbzeitpfiff ganz dringend herbeisehnen, damit er seine Truppe aufwecken kann.“ Und zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0 . . .

 

Allmählich werde ich neurotisch, gebe ich ehrlich zu. Wenn ich solche Trainer am Rande ausrasten sehe. An diesem Mittwoch Pep Guardiola in Barcelona, jetzt der Herr Streich in Hamburg. Unfassbar. Ob diesem Coach schon jemals 90 Minuten von ihm am Stück vorgeführt worden sind? Und ob er dann nicht sofort den Job hinschmeißen würde. Was Streich da am Rande fabriziert, wie er gestikuliert, jedem Ball die genau richtige Richtung anzeigt, jedes Foul erkennt, jeden Einwurf richtig zuordnet – man, wie geht mir das auf den Zeiger! Wann pfeift der Herr eigentlich sein erstes Bundesliga-Spiel? Das ist doch längst überfällig! Bereits nach einer Minute und 20 Sekunden wurde Streich beim vierten Offiziellen vorstellig, weil der Trainer natürlich erkannt hatte, dass Lewis Holtby nur mit einer Schwalbe einen Freistoß für sich herausgeholt hat. Das ist unmenschlich. Wie halten die Schiedsrichter so etwas aus?

 

Natürlich hat es daran nicht gelegen, dass der HSV so chancenlos und teilweise hilflos Fußball gespielt hat. Das hatte mit Streich nun wirklich nichts zu tun. Natürlich nicht. Dabei wurde die Mannschaft von Beginn lautstark unterstützt und von den Fans getragen. Mehr Stimmung geht nicht. Aber die HSV-Spieler ließen sich davon nicht anstecken. Leider, leider. Woran das lag? Vielleicht schon zu gut, die ganze Stimmung, die Euphorie in der Stadt?

 

Freiburg begann stark. Und blieb auch stark. Bereits nach acht Minuten hätte es 0:1 stehen können, doch Rafael van der Vaart grätschte am Elfmeterpunkt noch gerade so eben in den Schuss, sodass er damit einen Freiburger Treffer verhinderte. Großartig. In der 14. Minute der erste HSV-Schuss: Pierre-Michel Lasogga von der Strafraumgrenze, doch Bürki im SCF-Tor hält. Drei Minuten später der erste HSV-Eckstoß, getreten von rechts von van der Vaart. Abgewehrt, Konter. Darida gegen die HSV-Absicherung Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby. Innerhalb von Sekunden aber waren noch vier weitere Hamburger zurückgeeilt und beendeten den Vorstoß. Dafür gab es viel Applaus von den Zuschauern, die es honorierten, wie gut in diesem Fall verteidigt wurde.

 

In der 18. Minute höchste Alarmstufe im HSV-Strafraum. Van der Vaart, Slobodan Rajkovic verhinderten mit letztem Einsatz ein Gegentor, doch dann stand Freiburgs Klaus plötzlich drei Meter frei vor Adler – und der HSV-Keeper hielt mit einer Weltklasse-Parade a la Neuer sein Tor sauber. Die Chance der Freiburger eingeleitet hatte an der Mittellinie Ivica Olic, der einen Ball leichtfertig herschenkte. Das macht mich fassungslos, wieso das so einfach geht!
Spätestens jetzt hätte ein Umdenken in der HSV-Truppe erfolgen müssen, die Mannschaft sich zusammenreißen müssen, aber es wurde weiter nach Schema F gespielt. Amateurhaft. Null Aufbau. Hin und her und quer und zurück – dann ein langes Ding. So einfallslos. Oder soll man besser sagen: so hilflos, so ideenlos. Das ist zu wenig, wenn man im Abstiegskampf bestehen will. Viel, viel zu wenig.

 

Dennoch hätte es in der 24. Minute im Freiburger Tor klingeln können, denn Zoltan Stieber zog aus 15 Metern ab, der Ball wurde abgefälscht – und dennoch parierte Bürki die Kugel mit dem Fuß. Das Tor fiel dann Sekunden später auf der Gegenseite. Abstoß Bürki, kurz hinter der Mittellinie verlor Raijkovic das Kopfballduell gegen den ehemaligen HSV-Spieler (U23) Guede, Mehmedi lief Johan Djourou leichtfüßig davon – und schoss den Ball hart, aber nicht platziert auf das Tor. Der Schuss aus elf Metern (halbrechte Position) flog aber ins Tor, weil Rene Adler seine Arme nicht schnell genug hoch bekam. Haltbar? Ich vermag das nicht zu sagen, das sollen mir Torhüter erklären – aber ich würde eher haltbar sagen. Auf jeden Fall nicht unhaltbar. Und auf jeden Fall 1:0 für Freiburg, und das nicht unverdient.

 

Plötzlich und unerwartet war die alte Verunsicherung beim HSV wieder da. Sie war schon weg, in den Gedanken vieler jedenfalls, aber so schnell geht das im Fußball. Wenn die ersten Aktionen nicht klappen, dann geht es oftmals in die Hose. Da es spielerisch schon nicht klappen wollte, hätte die Mannschaft aber wenigstens hundertprozentig kämpfen sollen – aber das war auch kein Abstiegskampf. Höchstens Abstiegskämpfchen. Wenn überhaupt.

 

In der 40. Minute geht Stieber im Strafraum der Freiburger zu Boden, Klaus (der Sohn des ehemaligen HSV-Stürmers Fred Klaus) hatte ihn attackiert, aber der gute Schiedsrichter Knut Kircher ließ weiterspielen – und das war wohl auch richtig so. Für Trainer Streich ohnehin . . . Sekunden vor dem Pausenpfiff hatte Lasogga dann noch „einen“ auf dem Fuß, doch sein Drehschuss aus 16 Metern flog relativ weit am langen Pfosten vorbei ins Aus. Pfiffe zur Pause.

 

Beide Mannschaften kamen unverändert aus den Kabinen. Beim HSV überraschte das, aber wer hilft dem HSV in einer solchen Truppe, in der kaum etwas zusammenläuft? Da ist kein „Überflieger“ mehr auf der Bank. Bruno Labbadia hatte umgestellt, nahm Holtby ins Mittelfeld zurück, beorderte Olic neben Lasogga nach vorne. Ein Versuch. Es war ein Anfang für eine bessere Struktur in der Hamburger Offensive. Und immerhin gab es dann doch einen Wechsel: In der 58. Minute ging der schwache Holtby, für den Marcell Jansen kam. Der HSV spielte auf den Norden zu, der mächtig Stimmung machte – aber außer einigen kleineren Chancen war da nichts Zwingendes dabei. Es sah mitunter gefällig aus, mehr aber auch nicht.

 

Das Spiel wurde erst offener, dann wurde der HSV allmählich überlegen – bei Freiburg ließ die Kraft nach. Bruno Labbadia setzte in der Schlussphase voll auf Offensive – wa sblieb ihm auch anderes übrig? Und er setzte auf die richtige Karte. Der Ausgleich fiel doch noch. Zum Glück. Zum Glück! Eckstoß von links von van der Vaart, in der Mitte stiegen drei Hamburger hoch, Olic köpfte die Kugel (wohl?) auf das Tor, doch Bürki war zunächst mit einer Faust zur Stelle. Gojko Kacar aber gab nicht auf, er stieg in die Luft und köpfte den Ball noch an Bürki vorbei ins Netz. Der Rest war Jubel.

 

Bis auf die 95. Minute. Freistoß für Freiburg am HSV-Strafraum, abgewehrt. Es hätte ein Konter gefahren werden können, doch von der Freiburger Bank wurde kurzerhand ein zweiter Ball auf das Feld geschossen. Sehr sportlich. Aber Knut Kircher pfiff die Partie ab. Während sich am Rande beide Lager der Ersatzspieler zofften.
Ob der Herr Streich wohl wütend gegen den Mann vorgegangen ist, der den Ball auf dem Platz schoss? Müsste er doch – als Ehrenmann und als Sportsmann. Hat er bestimmt auch, er wird diesen Mann zur Rechenschaft ziehen, ganz sicher. Ganz, ganz sicher!

 

Niemals Zweite Liga. Vor allem im Norden wurde gefeiert. Weil der HSV doch noch so gerade dem Tod von der Schippe gesprungen war. Toll, diese Fans!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek (79. Min. Rudnevs); Kacar, van der Vaart; Stieber (86. Min. Beister), Olic; Holtby (58. Min. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 0:1 nicht ganz so glücklich aus, ansonsten aber zeigte er sich von seiner besten Seite und hielt mehrfach glänzend. Seine Fußarbeit (Abstöße) könnten aber besser werden.

 

Heiko Westermann ackerte hinten rechts – und zeigte eine gute Partie.

 
Slobodan Rajkovic war lange nicht so souverän, wie zuletzt.

 

Johan Djourou zeigte diesmal eine schwächere Partie, er wirkte unsicher, verlor sogar etliche Kopfballduelle – das war allerhöchstens Note fünf! Die Rettungsaktion in der 79. Minute bewahrte ihn vor einer glatten Sechs – da verhinderte der Schweizer das 2:0 gegen Petersen.

 

Matthias Ostrzolek stand zu oft zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, sodass der immer den Ball annehmen konnte. Ganz Hamburg wartet immer noch darauf, dass bei ihm mal der Knoten platzt. Ob der aber noch platzt? Ich habe meine Zweifel – so ganz allmählich.

 

Gojko Kacar fand langsam ins Spiel, aber dann war er fast in der Verfassung, in der er zuletzt so geglänzt hatte. Aber insgesamt nicht so wirkungsvoll wie in den Spielen zuvor. Er rettete den HSV erneut.

 

Rafael van der Vaart vergab viele Freistoßmöglichkeiten, weil die Bälle auf dem Weg in die Gefahrenzone „verhungerten“. Das war diesmal zu wenig, denn er hatte seine besten Szenen zu Beginn, als er gleich dreimal in höchster Not grätschend rettete.

 

Zoltan Stieber zeigte nur hin und wieder seine Gefährlichkeit, er tauchte zu oft zu lange ab. Da muss, nein, da müsste viel mehr kommen.

 

Ivica Olic fand in Halbzeit eins kaum einmal statt, dann auch nur sehr, sehr sporadisch. Von ihm aber kam der Kopfball in der 90. Minute, der dann noch zum späten Ausgleich führte – durch Kacar.

 


Lewis Holtby
war nie zu sehen, das war eher eine glatte Sechs.

 

Pierre-Michel Lasogga blieb ohne echte Torszene, deswegen auch hinter den hohen Erwartungen, die er zuletzt geweckt hatte, zurück. Trotz seines Kampfeseifers.

 

Marcell Jansen
(ab 58. Min. für Holtby) spielte mit, mehr auch nicht. Schade.

 

Artjoms Rudnevs (ab 79. Min. für Ostrzolek) hatte in der 81. Minute das 1:1 auf dem Fuß, als er nach Jansens Flanke aus vier Metern zum Schuss kam – aber neben das Tor zielte. Ansonsten hätte ich ihn gerne wegen seiner unorthodoxen Art etwas eher gesehen.

 

Maximilian Beister (ab 86. Min. für Steiber) sollte noch etwas versuchen, ganz sicher wollte er es auch – aber die Zeit war zu knapp. Immerhin, mit ihm fiel der Ausgleich.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Freiburg. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die „Streich(er)“-Truppe zu sprechen. Unsere Gäste sind heute zwei ehemalige HSV-Profis. Der eine war einst der Nachfolger von Uwe Seeler, es handelt sich um Klaus Fock (Stammverein TuS Finkenwerder). Der zweite Mann an unserer Seite ist Stefan Böger, den wir nach dem (und seinem) Auftaktsieg gegen Augsburg als Glücksbringer gebeten haben, wieder mit von der Partie zu sein. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.
Dieter
 

22.39 Uhr

 

Spätes Training – später Blog. Und späte Hoffnung…

5. Mai 2015

Da machte der regen dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Um 18 Uhr sollte das Training beginnen. Um 18.40 Uhr konnte die Mannschaft den regendurchnässten Rasen betreten und beginnen. Ziel der ungewöhnlichen Trainingszeit war es, dass die Spieler nach dem gestrigen regenerativen (Auslauf-)Training eine möglichst lange Zeitspanne Pause haben, ohne gleich einen ganzen Tag auszusetzen. Durch das Sonntags- und jetzt Freitagsspiel haben wir uns für diesen Rhythmus entschieden“, so Trainer Bruno Labbadia, der so versucht, die Spannung hoch zu halten. Wobei sich die Aufstellung schon größtenteils aus der Verletztensituation ergeben dürfte. Denn heute fehlten neben Ilicevic (Oberschenkelquetschung), dem ausfallenden Müller (Knochenödem) und Cléber auch weiterhin Jaroslav Drobny und Petr Jiracek (alle drei mit Muskelproblemen) sowie Valon Behrami, der auch am Freitag gegen Freiburg ausfallen wird, wie Labbadia heute bestätigte.

Trotz dieser Ausfälle funktioniert Labbadias Angang bei der Mannschaft. Weil momentan alles irgendwie zu funktionieren scheint. Was auch immer angefasst wird, es passt irgendwie. Von den Umstellungen in der Startelf bis zu den Ergebnissen und der daraus resultierenden Stimmung. Selbst der unantastbare „Kaiser“ Franz Beckenbauer hat sein Urteil revidiert und prophezeit dem HSV inzwischen den Klassenerhalt. Er dichtet dem Ganzen zwar eine Menge „Glück“ an – aber wen störts? Mich jedenfalls nicht. Aber: Dass die Mannschaft mit einer Niederlage am Freitag gleich wieder hinten dran wäre – es wird lediglich verdrängt.

 

Aber das ist ja das „Phänomen Hamburg“: Binnen eines Wimperschlages wird eine emotionale 180-Grad-Wendungen vorgenommen. Zwei Siege und Platz 14 lassen die Fans träumen. Nur gut, dass die Spieler anders ticken. Zumindest anders klingen. „Das war ein kleiner Schritt – aber unten punkten alle. Wir haben noch drei ganz harte Ritte vor uns“, lässt sich Marcell Jansen zitieren. Entscheidend für mich ist aber vielmehr, dass wirklich alle Spieler den Fokus auf das Freiburg-Spiel zu legen scheinen. Sie wissen um die unverhoffte Chance, die ihnen am Freitag geboten wird. Denn die Partie gegen Mitabstiegskandidat Freiburg kann im Erfolgsfall einen zweifellos vorentscheidenden Charakter haben angesichts der Restprogramme der Abstiegskandidaten. „Ich glaube, dass wir am Freitag gegen Freiburg punkten werden“, sagt Thomas von Heesen. „weil die Mannschaft begriffen hat, dass sie mit einem geschlossenen Auftritt das kleine Wunder noch schaffen kann. Und ich glaube fest daran, dass die Aussicht auf eine eigens herbeigeführte Rettung die Mannschaft beflügeln wird und wir am Ende die Klasse halten.“

Ebenso denkt übrigens Kerem Demirbay, der in Kaiserslautern gerade sein erstes Profitor erzielte – mit einer direkt verwandelten Ecke. „Warum einfach, wenn es auch so geht“, lacht der vom HSV verliehene defensive Mittelfeldspieler und meint damit sowohl seinen ersten Treffer als auch die HSV-Saison. „Ich hoffe, dass die Mannschaft irgendwie drin bleibt“, so Demirbay, der sich zu den besten Mittelfeldspielern der zweiten Liga entwickelt hat. Allerdings umging er zuletzt eine klare Antwort auf die Frage, ob er denn zurück zum HSV wechseln werde. Und das, obwohl man beim HSV nichts anderes zulassen will und voll auf Demirbay setzt.

 

Demirby soll ein Baustein des „Umbruchs 4.0“ werden. Oder schon 5.0? Egal, auf jeden Fall scheint sich für den erneuten Umbruch aktuell einiges zu bewegen, wie auch von Heesen am Sonntag in unserer Matz-ab-Sendung andeutete. Während Bernhard Peters den HSV im Jugendbereich weiterhin versucht, umzustrukturieren, kümmert sich der jüngst zurückgetretene Aufsichtsrat zusammen mit dem Direktor Profifußball, Trainer Bruno Labbadia sowie Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer um die Voraussetzungen, in Zukunft an die Toptalente Europas herantreten zu können. „Wir sind bereits seit längerer Zeit dabei, die Strukturen dahingehend aufzustellen und aktuell in der Phase, wo letzte Verfeinerungen vorgenommen werden“, so von Heesen zuversichtlich.

 

Ziel wird es sein, dass der HSV in den nächsten zwei, drei Jahre auf jeweils zehn Top-Talente in den Jahrgängen direkt unterhalb der Profimannschaft zurückgreifen kann. Zuletzt hatte man sich um das Mittelfeldtalent Krystian Bielik gekümmert, musste aber ob der geforderten die Millionen Euro ebenso passen wie letztlich bei Nathan. Der brasilianische, offensive Mittelfeldspieler war dem HSV angeboten worden und wollte zunächst auch kommen. Zusammen mit dem Vater hatte sich der 19-Jährige höchstselbst vom HSV überzeugt.

Bringt er dem HSV neue Toptalente? Thomas von Heesen

Bringt er dem HSV neue Toptalente? Thomas von Heesen

Und während der HSV bei Bielik vorrangig an der zu hohen Ablöse scheiterte, war es bei Nathan das zu zögerliche Verhalten. „Ein Verein, der finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen kann, muss haushalten, ganz klar“, sagt von Heesen, fordert aber zugleich: „Andererseits zeigt das Beispiel Nathan, was möglich ist. Er wechselt jetzt für rund acht Millionen Euro zum FC Chelsea, während wir gerade einmal einen Bruchteil dessen hätten bezahlen müssen.“ Rund eine Million Euro sollte Nathan kosten – eine Summe, bei der in Hamburg schon einiges abgewogen werden muss. Oder nicht? Von Heesen setzt darauf, dass man in Hamburg mutiger wird: „Manchmal muss man das Risiko gehen, um am Ende trotz geringer Mittel einen großen Coup zu landen. Fakt ist: Heutzutage kommt es bei allen Entscheidungen auf Tempo an. Man muss schneller sein als alle. Und wir arbeiten daran, diese Struktur zu schaffen.“

 

Dass er nur Aufsichtsrat geworden sei, um als so genannter Trojaner HSVPlus zu unterstützen, entkräftet von Heesen schnell. „Die Gespräche sind zu Saisonbeginn aufgenommen worden und die Ideen haben sich entwickelt. Ich wollte meinem Verein helfen – und will es immer noch. Letztlich ging es aber auch darum, wo ich dem Verein am besten helfen kann.“ Und das scheint im operativen Geschäft besser möglich zu sein. Von Heesen, der über ein ausgeprägtes Netzwerk potenter Investoren (in Spieler, nicht Anteile) verfügt, soll ein Investorenmodell entwickeln, bei dem junge Spieler zum HSV kommen, die man aktuell gar nicht anzusprechen braucht. Dabei werden Investoren mit einbezogen, die letztlich an der Wertsteigerung der Spieler beteiligt werden, wenn sie hier erfolgreich ausgebildet werden und in der Bundesliga-Mannschaft erfolgreich auftreten. Im Grunde ist es ähnlich wie einst Klaus Michael Kühne beim HSV mit Guerrero, Jansen, Aogo und Westermann. Damals hatte sich Kühne im Rahmen des Hoffmann-Modells „Anstoß hoch drei“ mit 12,5 Millionen Euro beteiligt.

 

Wichtig sei zudem die Tatsache, dass der HSV den Talenten neben dem Geld die sportliche Struktur von unten nach oben bieten könne, so von Heesen, der den HSV im Nachwuchs zu einer Top-Marke machen soll und will. Auch mit der Unterstützung von Kühne, der von Beginn an in die Gedankenspiele mit einbezogen war und begeistert sein soll. Während sich der HSV so die Chance auf Spieler, die man sich ausgebildet nicht mehr leisten könnte, eröffnet, soll den Spielern in Hamburg eine kompakte Ausbildung geboten werden. Schule, Fußball – Profitum. Den Trainerstab soll Peters in den nächsten Monaten und Jahren sukzessiv entwickeln und ausbilden, der Campus wird dank der Finanzspritze Alexander Ottos gebaut, und die Zusammenarbeit mit dem Profiteam ist mit Labbadia bereist besprochen. „Die Voraussetzungen sind wirklich gut“, so von Heesen, „jetzt liegt es an uns, das Ganze umzusetzen.“

 

Und wer von Heesen kennt, der weiß, dass der ehemalige HSV-Profi kein Schwätzer sondern ein Macher ist. Von Heesen kennt die Mechanismen des Marktes aus dem Effeff und verfügt über ein Netzwerk, das sich auf Nachwuchsspieler spezialisiert hat.

Ein Glücksfall für den HSV?

Ich glaube schon. Denn von Heesen spricht nicht allein von der Verpflichtung etlicher Toptalente für viel fremdes Geld, sondern vor allem davon, dass der HSV versuchen muss, Spieler auszubilden, die in Hamburg etwas aufbauen und sich mit dem Verein identifizieren. Immer wieder nennt er das Beispiel Heung Min Son. Am Sonntag fragte er Dieter: „Für wen geht man gern ins Stadion? Für wen gehst Du gern ins Stadion?“ Und Dieter antwortete: „Rafael van der Vaart.“ Bezeichnenderweise nannte Dieter einen Spieler, der mit 32 Jahren bereits auf den letzten Metern seiner großen Karriere ist. Warum Dieter das sagte? Weil der HSV andere Spieler gar nicht mehr zu bieten hat.

 

Womit wir wieder bei Kerem Demirbay sind. Der Linksfuß zählt wie noch viel deutlicher auch Jonathan Tah zu der Kategorie Spieler, die der HSV in der aufbieten muss, wenn er seinem neuen Nachwuchsmodell auch erfolgreiche Beispiele anheften will. Beispiel dafür, dass der HSV jungen Spielern Karrieren eröffnet. Denn von diesem Image ist der HSV noch weiter entfernt als vom Erreichen eines Champions-League-Halbfinales. Aber es ist in der wohl noch auf Jahre angespannten Finanzsituation der aussichtsreichste Weg zurück zum Erfolg. Und vielleicht wird dieser Weg, der hier vor Jahren als „großer Umbruch“ angekündigt wurde und jährlich wird, dann endlich einmal mit Leben gefüllt.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich nach der Pressekonferenz sowie dem anschließenden Training um 14.30 Uhr wieder bei Euch.

 

Bis morgen,

Scholle

Hilfe! Labbadia will nichts ändern!

1. Mai 2015

Wenn am Sonntag gegen halb drei in der Mainzer Coface-Arena die Mannschaftsaufstellungen vor der Bundesliga-Partie von Mainz 05 gegen den HSV verteilt werden, dann wissen alle Hamburger Fans schon, ob’s was werden kann. Im Training hat sich auch heute angedeutet, dass Coach Bruno Labbadia die elf Spieler auf den Rasen lässt, die beim 3:2 gegen Augsburg in der Startelf standen. Wahrscheinlich weiß Labbadia nicht, dass statistisch alles gegen ihn spricht, wenn er dabei bleibt. In dieser Saison hat der HSV immer verloren, wenn der jeweilige Trainer einer Elf vertraute.

Allein vier Mal in dieser Saison ist eine unveränderte HSV-Formation in ein Stadion eingelaufen. Die eindeutige Bilanz: vier Niederlagen. So vertraute Trainer Mirko Slomka am 2. Spieltag gegen den SC Paderborn den Spielern, die in der Woche zuvor ein 0:0 zum Saison-Auftakt in Köln geholt hatten. Das Ergebnis war desaströs, der HSV ließ sich beim 0:3 gegen den Aufsteiger geradezu vorführen.

Joe Zinnbauer ist anschließend drei Mal gescheitert, wenn er versucht hatte, absolute Konstanz in die Mannschaft zu bekommen. Auf sein 0:0 zum Start gegen die Bayern folgte mit selber Elf ein 0:1 in Mönchengladbach. Später holte die Fighter-Truppe, die Leverkusen 1:0 niederrang, eine 0:2-Pleite in Wolfsburg ab. Und schlimm wurde es kurz vor Ende der Hinrunde. 0:0 in Freiburg – der Lohn für eine passable Leistung war Bewährung beim nächsten Heimspiel gegen Stuttgart – das Vertrauen des Trainers wurde mit einer schwachen Leistung und einer 0:1-Niederlage verspielt.

Und hier die komplette Liste der Startelf-Veränderungen in dieser Saison:

  • 1. Spieltag: 0:0 in Köln
  • 2. Spieltag: 0:3 gegen Paderborn (0 Veränderungen)
  • 3. Spieltag: 0:2 in Hannover (7)
  • Trainerwechsel Slomka / Zinnbauer
  • 4. Spieltag: 0:0 gegen die Bayern (2)
  • 5. Spieltag: 0:1 in Mönchengladbach (0)
  • 6. Spieltag: 1:2 gegen Frankfurt (1)
  • 7. Spieltag: 1:0 in Dortmund (2)
  • 8. Spieltag: 1:1 gegen Hoffenheim (2)
  • 9. Spieltag: 0:3 bei Hertha (2)
  • 10. Spieltag: 1:0 gegen Leverkusen (2)
  • 11. Spieltag: 0:2 in Wolfsburg (0)
  • 12. Spieltag: 2:0 gegen Bremen (1)
  • 13. Spieltag: 1:3 in Augsburg (3)
  • 14. Spieltag: 2:1 gegen Mainz (5)
  • 15. Spieltag: 0:0 in Freiburg (1)
  • 16. Spieltag: 0:1 gegen Stuttgart (0)
  • 17. Spieltag: 0:0 in Schalke (4)
  • 18. Spieltag: 0:2 gegen Köln (5)
  • 19. Spieltag: 3:0 in Paderborn (2)
  • 20. Spieltag: 2:1 gegen Hannover (1)
  • 21. Spieltag: 0:8 bei den Bayern (2)
  • 22. Spieltag: 1:1 gegen Mönchengladbach (7)
  • 23. Spieltag: 1:2 in Frankfurt (1)
  • 24. Spieltag: 0:0 gegen Dortmund (4)
  • 25. Spieltag: 0:3 in Hoffenheim (2)
  • 26. Spieltag: 0:1 gegen Hertha (4)
  • Trainerwechsel Zinnbauer / Knäbel
  • 27. Spieltag: 0:4 in Leverkusen (2)
  • 28. Spieltag: 0:2 gegen Wolfsburg (5)
  • Trainerwechsel Knäbel / Labbadia
  • 29. Spieltag: 0:1 in Bremen (2)
  • 30. Spieltag: 3:2 gegen Augsburg (3)

In dieser Statistik, die natürlich auch eine Spielerei ist (Verletzungen und Sperren finden keine Berücksichtigung) fallen zudem die beiden Ausschläge nach oben auf. Mirko Slomka hat bei seinem letzten Versuch, in Hamburg noch alles zu retten, Risiko gewählt. Nach dem 0:3 gegen Paderborn krempelte er das Team fast komplett um, was ihm anschließend in Hannover nicht den gewünschten Erfolg brachte. Ebenfalls sieben Änderungen nahm Joe Zinnbauer nach dem 0:8-Debakel bei den Bayern vor, was im nächsten Spiel wenigstens zu einem Teilerfolg führte.

Klar ist jedenfalls: Aufpassen, Herr Labbadia, ein und dieselbe Elf des HSV hat in dieser Saison noch nie in zwei Spielen hintereinander überzeugt.

Zum Alltag der Bundesliga-Mannschaft. Trainer Bruno Labbadia hat am Vormittag zur 90-Minütigen Einheit auf dem Rasen gebeten. Auch wenn das Training hinter den Planen stattfand, war doch deutlich zu hören, dass Labbadia immer wieder unterbrochen hat und geradezu penibel genau darauf achtete, dass seine taktischen Vorgaben erfüllt sein müssen. Verschieben, Löcher zulaufen, Räume ausfüllen. Da muss jeder Einzelne genau aufpassen, sonst stimmt das gesamte Gefüge nicht. Im Grunde ist diese Art von Training Taktik-Grundlage für eine Saison-Vorbereitung. Was dabei herauskommt, würde man als Labbadias Handschrift bezeichnen, so wie sie im Sommer 2009 deutlich wurde, als der Coach mit einer unzweifelhaft stärkeren HSV-Mannschaft Tabellenführer der Bundesliga wurde. Das ist übrigens keinem anderen Trainer in Hamburg nach ihm gelungen.

Was die Aufstellung angeht, müssen sich Valon Behrami nach seiner Rot-Sperre sowie Lewis Holtby nach seiner Gelb-Sperre weiter offenbar hinten anstellen. Ivo Ilicevic bleibt vermutlich im Team, wobei er meiner Auffassung nach ein erster Wackelkandidat wäre. Holtby über die linke Seite oder Marcell Jansen – das wären die Alternativen. Übrigens trainierte Maximilian Beister, über den in den vergangenen Wochen so viel geschrieben wurde, bei den Profis mit und darf sich Hoffnungen auf eine Kader-Nominierung machen. Das trifft zunächst nicht auf die jungen Ashton Götz, Mohamed Gouaida und Ronny Marcos zu, die gestern beim 1:2 der U 23 in Meppen auf dem Rasen standen und heute nur leicht ausliefen.

Nach dem Mannschaftstraining und den taktischen Spielen stand noch der Torabschluss auf dem Programm. Offenbar hat Labbadia vor, Mainz über deren rechte Abwehrseite zu knacken. Matthias Ostrzolek haute die (guten) Flanken rein, in der Mitte profilierten sich insbesondere Pierre Michel Lasogga und Heiko Westermann mit kernigen Abschlüssen. Knifflig wurde es nur einmal: Ivica Olic war im „Dreikampf“ mit zwei Gegenspielern am rechten Fuß getroffen worden und humpelte danach vom Trainingsplatz. „Ist aber kein Problem“, sagte Olic anschließend, so dass sein Einsatz in Mainz wohl nicht gefährdet ist.

Heute habe ich die Bundesliga-Studie der DFL 2015 in die Hände bekommen. Die Studie ist zwar bereits im Januar erschienen, doch sie enthält viele interessante Daten. Generell ist da von der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der gesamten Liga und auch der 2. Bundesliga die Rede. Und es wird deutlich, dass der HSV zu den Vereinen gehört, die die Statistik noch deutlich nach unten zerren. Vieles im wirtschaftlichen Konstrukt des HSV ist ungesund. In Relation viel zu hohe Personalkosten, eine viel zu niedrige Eigenkapitalquote (11,5 % gegenüber 35,3 % in der Bundesliga) – nur fünf von 18 Bundesligisten haben zuletzt Rote Zahlen geschrieben. Mit einem Minus von 6,6 Millionen Euro gehörte der HSV natürlich dazu. Aber darauf wollte ich nicht hinaus, das ist überwiegend bekannt, und nicht zuletzt durch den Einstieg zweier Aktionäre (Klaus-Michael Kühne und Helmut Bohnhorst) sowie der Campus-Spende von Alexander Otto werden sich die Zahlen zum 30.6.2015 deutlich verschieben. Dennoch: Der “Bundesliga-Report 2015” ist lesenswert, ich kann sie jedem empfehlen, der sich bis Sonntagnachmittag langweilt.

Morgen trainiert die Mannschaft noch einmal ohne Öffentlichkeit. Dieter hält Euch dann über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden. Sonntag um 15.30 Uhr ist Anpfiff in Mainz – und in „Matz ab live“ begrüßen wir direkt anschließend Thomas von Heesen als Gast. Das solltet Ihr Euch vormerken.

Lars
18.15 Uhr

Labbadia: „Die Hoffnung ist wieder da”

26. April 2015

„Wir werden jetzt keine Purzelbäume schlagen.“
 
Das war ein Kommentar von HSV-Trainer Bruno Labbadia nach dem 3:2-Erfolg über den FC Augsburg.
 
Richtig so. Jetzt gilt es für alle, den Ball schön flach zu halten. Immer schön flach halten. Noch ist nämlich überhaupt nichts erreicht. Dieser Sieg war einfach Pflicht, denn sonst wäre der HSV nicht nur optisch am Ende geblieben. Er war Pflicht – und trotz allem schön. Keiner konnte doch erwarten, dass dieser offensivflaue HSV plötzlich dazu in der Lage ist, gleich drei Treffer zu markieren. Viele hatten es zwar erhofft, denn irgendwann musste der Knoten ja einmal platzen – aber ausgerechnet gegen Angstgegner Augsburg? Der FCA hatte noch kein Bundesliga-Spiel im Volkspark verloren. Die Freude sei jedem gegönnt, auch dass schön gefeiert wurde – am Sonnabend. Nun aber muss damit schon wieder Schluss sein. Am Sonntag steht die schwere Auswärtspartie in Mainz auf dem Programm, und da heißt es natürlich für den HSV: nachlegen! Und das kann mit Sicherheit nur dann funktionieren, wenn jetzt niemand ausrastet oder ausflippt. Immer schön die Ruhe bewahren – und hart arbeiten. Und wie gesagt: Ball flach halten. Und auf keinen Fall Purzelbäume schlagen.

 

 

Die Freude darüber, dass der HSV mit diesem Dreier plötzlich doch wieder lebt, soll natürlich niemandem genommen werden, aber jetzt schon wieder davon zu träumen, dass der HSV nun noch in den letzten vier Spielen das Feld von hinten aufrollen wird, das kann jetzt tatsächlich niemand im Ernst meinen. Es ist „unten“ richtig schön eng, und für den HSV ist es mit Sicherheit auch gut, dass nun mit Hannover 96 ein weiterer heißer Kandidat um den Startplatz in der Zweiten Liga begrüßt werden darf. Ab Tabellenplatz 14 darf wohl kräftig gezittert werden, also beginnt mit dem SC Freiburg (30 Punkte) die aktuelle Abstiegszone. Hannover auf Platz 15 hat 29 Zähler, der HSV auf dem Relegationsplatz 16 liegt mit 28 Punkten hauchdünn dahinter, und dann rangieren der punktgleiche SC Paderborn (heute 2:2 gegen Werder) und Schlusslicht VfB Stuttgart (27 Punkte) auf den roten Rängen – mit denen es dann etwas später direkt runter geht. Es ist also unheimlich eng dort in der kritischen Zone, im Gegensatz zum Vorjahr, als Braunschweig, Nürnberg und der HSV einträchtig nebeneinander verloren. . . War das schön. In diesem Jahr muss der HSV dagegen schon tüchtig ackern, um dem Tod noch von der Schippe zu springen.

„Die Hoffnung ist jetzt wieder da, dieser Sieg war ein kleiner, aber sehr wichtiger Schritt für uns“, sagt Bruno Labbadia und fügte hinzu: „Diesen Sieg haben wir ganz einfach gebraucht. Die Mannschaft hat sich damit die Hoffnung und den Glauben zurückgeholt. Und zwar für sich selbst und für den ganzen Verein und die Stadt. Wir haben uns mit dem 3:2 weitere vier Endspiele gesichert.“ Der Coach fügte an diesem Tag auch noch etwas an, was vielleicht viele Trainer nach einem solchen Erfolg sagen würden, für Labbadia war es bestimmt auch ganz normal, so etwas zu sagen – für Hamburg war es das aber nicht: „Geschlossenheit war unser Faustpfand.“ Was? Geschlossenheit? Geschlossenheit beim HSV? Gibt es doch gar nicht! Gibt es doch seit vielen Monden nicht mehr. Hier doch nicht! Aber Labbadia befand tatsächlich: „Wir haben in den vergangenen Tagen versucht, geschlossen aufzutreten – und das hat die Mannschaft hervorragend umgesetzt. Die Mannschaft ist der Matchwinner.“ Damit lag der Trainer abermals richtig.
 

In der Tat war eine Geschlossenheit zu erkennen. Und die gab es wohl auch erstmalig nach langer, langer Zeit. Viele Experten haben es schon seit Jahren schon erkannt und beim Namen genannt: „Der HSV hat keine Mannschaft, keine Einheit, zeigt bei den Spielen null Geschlossenheit.“ Sogar die Club-Führung wusste von diesem riesigen Manko. Und mit Sicherheit wurde auch einiges unternommen, um Besserung auf diesem Sektor zu erzielen, nur gefruchtet hat eigentlich nichts. Bis Labbadia kam. Das muss man dem Trainer bescheinigen. Er setzte früh auf Einzelgespräche, führte eines nach dem anderen, um die Spieler besser packen zu können, und um ihnen auch Selbstvertrauen zurückzugeben. Und er setzte auf den Punkt Geschlossenheit. Wurde vor dem Spiel in Bremen (wieder einmal) davon gesprochen, dass nun endlich einer für den anderen rennen und kämpfen würde, so war das gegen Augsburg auf jeden Fall deutlich zu erkennen. Da hat der neue Coach schon sehr viel bewegt – Kompliment. Auch wenn für mich natürlich das gilt, was ich eingangs schrieb: Ball flach halten. Denn noch war diese Geschlossenheit erst in diesem einen Spiel so richtig zu erkennen. Während der 90 Minuten, und während der Minuten nach dem Abpfiff. Da konnte man schon erkennen, dass aus einer Truppe doch eventuell noch eine Mannschaft werden könnte. Der Anfang jedenfalls ist gemacht – und das ist für Bruno Labbadia und für die anderen HSV-Verantwortlichen sicherlich eine ganz wichtige Erkenntnis. Das ist nun eine ganz kleine und noch sehr zerbrechliche Pflanze, die gehegt und gepflegt werden muss. Verbunden mit der großen Hoffnung, dass es nun auch der letzte Spieler kapiert hat, dass es nur so gehen kann. Und wird.
 

Die ganz großen Optimisten der HSV-Fangemeinde hatten ja schon vor dem Spiel eine kühne Rechnung aufgestellt: „Gegen Augsburg 1:0 gewinnen, in Mainz 0:0, gegen Freiburg 1:0 gewinnen, in Stuttgart 0:0 – und dann noch einmal 1:0 gegen Schalke 1:0 gewinnen. Das muss und dürfte reichen.“ Tut es wohl auch. Und gelegentlich dürfte der HSV ja auch mal drei Tore erzielen – wie jetzt getan. Wichtig ist dabei, viele werden es erkennt haben: Nach dieser Hochrechnung kassierte der HSV kein Gegentor mehr. Das aber fand schon gegen Augsburg ein schnelles Ende. Denn eines ist sicher: Nur durch die gepredigte und geforderte Geschlossenheit sind die vielen Fehler, die sich in dieser Saison wieder in das HSV-Spiel eingeschlichen haben, nicht sofort abgestellt. Im Gegenteil. Auch am vergangenen Sonnabend wurden die beiden Gegentore wieder viel zu leichtfertig her geschenkt. Beim 1:2 schlief die gesamte Abwehr – einschließlich Torwart Rene Adler. Ich sprach nach dem Spiel mit zwei ehemaligen HSV-Torhütern, unabhängig voneinander (einer ist ein bekennender Adler-Fan!), und beide sagten unisono: „Da muss Adler raus und sich den Ball greifen. Selbst wenn er dabei Freund und Feind erwischt und umhaut. Das ist sein Ding.“

 
Beim 2:2 machte sich dann wieder eine gewisse Nachlässigkeit bemerkbar, die sich beim HSV auch immer wieder sehr schnell einschleicht, nur wenn einige Aktionen mal ganz gut gelungen sind. So diesmal bei Zoltan Stieber, der den Ball lässig zu Gojko Kacar passen wollten – und den Teamkollegen dabei leicht verfehlte. Konter, Tor. Danke.Allein schon deshalb gebietet es sich jetzt, nur den Ball völlig flach zu halten. Zumal ja in der Vergangenheit bekannt war, dass sich der HSV damit schwertut, zwei Spiele in Folge zu gewinnen. Obwohl er es in dieser Saison tatsächlich schon geschafft hat: In Paderborn und dann gegen Hannover. Zur Nachahmung empfohlen.
 

Und vielleicht hilft dabei ja dann doch sehr tatkräftig Pierre-Michel Lasogga wieder mit. Seine zwei Treffer gegen Augsburg waren hoffentlich erst der Anfang (s)eines unbändigen Schlussspurtes. „Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als wenn die Leute deinen Namen rufen“, sagte der Doppelpacker nach dem Sieg – und seiner „Wiederauferstehung“. Es könnte ja wie in der vergangenen Saison werden, als Lasogga den HSV rettete. In diesem Jahr schien die Trumpfkarte Lasogga schon ausgespielt zu haben, aber plötzlich ist er wieder da und der Held. „Ihm werden die Tore für die nächsten Spiele weiterhelfen“, sagte Labbadia. Der Trainer hat maßgeblichen Anteil daran, dass der Torjäger wieder funktioniert, denn Ex-Torjäger Labbadia setzte von beginn an auf den HSV-Torjäger a. D. Der Coach päppelte Labbadia wieder mit vielen Gesprächen auf. Er gab ihm das Selbstvertrauen zurück, er gab ihm vor allem das Vertrauen, dass ein „hochsensibler Bär“ wie Lasogga dringend für sein Spiel benötigt.

 

Indem Labbadia voll auf Lasogga, der eigentlich schon im Hamburger Niemandsland verschwunden war, setzte, ging er hohes Risiko, aber es zahlte sich aus. Auf die Frage, ob sich der Trainer dadurch bestätigt fühle, antwortete Labbadia selbstbewusst: „Ich brauche keine Bestätigung. Ich bin kein Zauberer. Ich wusste, dass ich ihn hinkriegen muss. Und bei nur noch sechs Spielen musst du als Trainer einfach Entscheidungen treffen, und zwar mit voller Überzeugung.“ Und weiter führte der Coach aus: „Pierre-Michel hat einen Torriecher, und den verliert man nicht. Er hat sich mit seinen beiden Toren in erster Linie selbst geholfen. Und dazu auch unsere Ärzte und Physios, die viel für ihn getan haben. Und außerdem hat diesmal die Mannschaft viel für ihn getan, er ist ein Stürmer, der mit Vorlagen gefüttert werden muss – und das ist diesmal passiert.“ Der an diesem Wochenende so viel gelobte HSV-Stürmer selbst befand zu seinem Auftritt: „Mit Toren kann ich dem Trainer das Vertrauen, das er mir gibt, zurückzahlen. Wir müssen nun jede Woche den Kampf annehmen, und wenn uns das gelingt, dann, so bin ich mir sicher, werden wir auch die nötigen Punkte zum Klassenerhalt noch sammeln. Der Sieg gegen Augsburg war für uns erst ein Schritt, wir müssen aber noch vier weitere machen.“

 

Wie sehr im Fußball Glück und Pech nebeneinander liegen, das erfuhr Lasogga – ganz nebenbei – an diesem Sonnabend auch. Er drosch den Ball in der 32. Minute voller Wucht hoch und weit über den Ballfangzaun vor der Südtribüne, die Zuschauer ganz oben auf den Rängen mussten in Deckung gehen. Und dennoch riskierte der HSV-Stürmer in der 71. Minute noch einen ähnlichen Schuss. Viele hätten noch überlegt, ob sie überhaupt aus diesem Winkel schießen sollten, Lasogga aber fackelte nicht lange und zog volley ab. Und hatte das Glück auf seiner Seite – wurde so zu einem der Matchwinner an diesem Tag.

 

Etwas kleinere Gewinner gab es aber auch. Gojko Kacar zum Beispiel war einer von ihnen, weil er nach langer Zeit mal wieder ins kalte Wasser geworfen wurde – und auf Anhieb super funktionierte. Der „Aussortierte“ spielte sicher nicht spektakulär, aber er machte seine Sache umsichtig und solide, hatte nicht einen „Aussetzer“ dabei. Ein weiterer Gewinner war Marcell Jansen, der ebenfalls zu den „Aussortierten“ gehört. Obwohl er weiß, dass er am Saisonende gehen muss, gab Jansen nach seiner Einwechslung (in der 67. Minute) sofort Gas. Und traf sogar noch den Pfosten des Augsburger Tores. Sicherlich ist Jansen noch nicht wieder bei 100 Prozent, aber diese Minuten werden ihm dabei helfen, sich seiner besten Fitness weiter zu nähern – und das hilft dann auch dem HSV.

 

Ein anderer Gewinner hat an diesem Sonnabend gar nicht gespielt: Jaroslav Drobny. Der Ersatzkeeper hat in den vergangenen Wochen allein schon dadurch gewonnen, dass er wieder klaglos auf der Ersatzbank Platz nahm. Nach dem Schlusspfiff des Augsburg-Spiels war der Tscheche dann der erste Ersatzmann, der den Rasen enterte, um die Kollegen, die bis dahin so wacker gekämpft hatten, zu feiern. Johan Djourou sprang Drobny um den Hals, danach eilte der Torwart zu Landsmann Petr Jiracek, um ihn zu „knuddeln“. Später sprang Drobny dann noch zu den Fans im Norden, um mit ihnen gemeinsam zu jubeln zu singen und zu feiern. Schließlich gab er beim Verlassen der Tribüne noch sein Torwart-Trikot als Souvenir. Das war einmal mehr ein vorbildlicher Auftritt des HSV-Keepers – einfach nur lobenswert.

 

Und selbst auf die Gefahr hin, dass ich hier wieder von einigen „geschlachtet“ werde, schreibe ich noch von einem anderen Gewinner: HW4. In Halbzeit eins noch mit einigen kleineren Fehlpässen, spielte er dann einen ganz starken zweiten Durchgang, in dem ihm nur eine Flanke hinter das Tor rutschen ließ. Ansonsten: überragend! Schon vor dem Seitenwechsel erhielt Heiko Westermann, so wie es sich anhörte, besonders aus dem Osten und Süden, viel Szenenapplaus, nach dem Wiederanstoß zur zweiten Halbzeit klappten dann alle seine Aktionen, sodass er schon fast von allen HSV-Anhängern gefeiert wurde. Weiter so! Und zwar beide Seiten. Es hilft nämlich der Mannschaft und dem HSV.
Und wo ich gerade bei der Viererkette bin, da darf ich auch Johan Djourou nicht vergessen. Ebenfalls ein Klein-Gewinner. Was der Schweizer dort hinten herausköpfte, was er erahnte und abfing, wo er grätschte und den Kollegen neben und vor sich half, das war schon erste Sahne. Djourou gewann, das sei noch erwähnt, stolze 92 Prozent seiner Zweikämpfe und war damit der beste Mann auf dem Platz – in dieser Disziplin.

 

Aber wie bereits mehrfach geschrieben: Ball flach halten! Bitte, bitte. Sagt auch Heiko Westermann: „Wir dürfen jetzt nicht durchdrehen, sondern müssen weiter fokussiert bleiben.“ Eben. Und Marcell Jansen mahnt: „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“ Genau.

 

PS: Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal den beiden Gästen von “Matz ab live”, Stefan Böger (ehemaliger HSV-Profi) und Moderator Uli Pingel (HH1 und Sport1), für die es sehr viel Lob gab – auch heute noch den ganzen Tag. Das schreit geradezu nach einer Fortsetzung – mit diesem Sieg im Rücken! Glücksbringer!

 

PSPS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert, am Dienstag geht es um 15.30 Uhr weiter.

 
Einen schönen Rest-Sonntag noch für Euch und Eure Lieben,
Dieter

 

18.38 Uhr

3:2! Jetzt beginnt die Saison erst richtig!

25. April 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Die Arena bebte, als dieses Liedchen gesungen wurde. Der HSV lebt wieder, der HSV ist wieder da, der HSV kann doch noch Tore schießen und gewinnen. Mit 3:2 wurde der FC Augsburg abgeschossen – ein überlebensnotwendiger Sieg der Hamburger. Vor dem Spiel hatten fast alle ein Motto auf den Lippen: „Wenn heute kein Sieg, dann war es das wohl.“ Jetzt darf doch wieder gehofft werden. Die HSV-Mannschaft präsentierte sich diesmal von Beginn an als Einheit, diesmal kämpfte jeder für den Nebenmann mit, alle gaben alles. Trainer Bruno Labbadia hat offensichtlich schon in wenigen tagen ganze Arbeit geleistet, das muss erwähnte werden, das darf auch festgehalten werden. Bleibt der HSV dieser Marschroute treu, dann kann durchaus noch der Klassenerhalt drin sein – zurzeit rangiert der HSV schon (wieder) auf dem Relegationsplatz. Nun sollte in Mainz noch einmal so richtig nachgelegt werden – und dann die beiden restlichen Heimspiele gewonnen werden, dann darf ganz Hamburg so feiern, wie es heute schon mal genossen wurde. Wer wird Deutscher Meister? Hahaha-HSV! So muss es von den Feierlichkeiten her gewesen sein, als der HSV einst mehrfach den Gewinn der Schale feiern durfte. Die Saison 2014/15 scheint für den HSV erst mit dem 25. April 2015 begonnen zu haben – noch ist es nicht zu spät. Haut rein, Jungs, nur der HSV!

 

Die Überraschung hieß beim Anstoß Ivo Ilicevic. Wieder einmal. Offenbar kommt an dem ehemaligen Lauterer kein HSV-Trainer vorbei. „Scholle“ sagte zu dieser Nominierung: „Ivo hat wirklich gut trainiert, er hat es sich verdient. Wahrscheinlich will Bruno Labbadia mit ihm ein wenig mehr Tempo im Spiel nach vorne haben.“ Vielleicht. Wobei Ilicevic zu Beginn der Partie auch lebendig wirkte, aber dieser Zustand hielt nicht ganz so lange – dann sah man wieder die „alten Ilicevic“, der zögerte, der zauderte, der nicht richtig zur Sache ging. Für ihn war Petr Jiracek draußen geblieben, Rafael van der Vaart rückte wieder einmal zurück – auf die Doppel-Sechs, neben Gojko Kacar, der gesperrten Valon Behrami vertrat. Oder Lewis Holtby? Egal, Kacar spielte mal wieder von Beginn an, und er zeigte beherzten Einsatz und den Willen, hier etwas zu bewegen. Wenn ich gelegentlich auch darüber überrascht war, wie offensiv er teilweise seinen „Job“ interpretierte.

 

Die Stimmung in der Arena von Beginn an „sensationell“, die Fans waren erneut bereit, alles zu geben. Und das klappte besonders im Norden und Nord-Westen sehr, sehr gut, das war vorbildlich. Trotz allem hatte der FC Augsburg die erste Möglichkeit des Spiels, aber Feulner schoss den ball aus halbrechter Position, 20 Meter vor dem Gehäuse von Rene Adler, vorbei. Interessant danach: Johan Djourou wies Nebenmann Heiko Westermann darauf hin, dass er nicht, wie wahrscheinlich abgesprochen, zur Mitte eingerückt war. Westermann hörte es, zeigte aber keine Reaktion.

 

Das heißt, die Reaktion zeigte er auf dem Rasen, denn bis auf zwei, drei kleinere (?) Fehlpässe spielte er eine sauberer Partie, zerstörte das Augsburger Offensivspiel auf der linken Seite, zeigte vor allem mehrfach sein großartiges Kopfballspiel. Etwas, was sein Kollege auf der linken HSV-Seite der Viererkette oft nicht hat, daran sollte bei und mit Matthias Ostrzolek vielleicht doch einmal besonders geübt werden. Nicht jeder ist in dieser Beziehung ein Naturtalent.

 

Das erste Tor des Spiels fiel dann aber Sekunden nach der FCA-Chance auf der Gegenseite – für den HSV. Westermann gab eine flache Eingabe von der Rechtsaußen-Position zur Mitte, Zoltan Stieber schoss – doch Ivica Olic stand diesem Schuss im Wege. Zum Glück! Von dem kroatischen Linksfuß prallte der Ball unhaltbar für Torwart Hitz ins Netz (11.). Dass Stieber auf der Anzeigentafel als Torschütze genannt wurde, das wurmte Olic zwar ein wenig, aber das kann ja auch noch nach dem Spiel geklärt werden . . .

 

Plötzlich war der HSV da. Alles eine Frage des Kopfes? Es scheint wirklich so zu sein. Mit der Führung im Rücken wirkte der HSV befreiter, traute sich mehr zu. So schoss Pierre-Michel Lasogga einen Freistoß aus 30 Metern direkt auf das Tor. Eigentlich viel zu weit, aber im Eifer des Gefechtes versucht man auch ein solches Kunststück einmal. Und Keeper Hitz hatte Probleme, lenkte die Kugel in höchster Not (und mehr mit der Brust) zur Ecke (15.).

 

Vier Minuten später hieß es dann 2:0. In Worten „zwei-zu-null“. Unfassbar. Der HSV schießt zwei Tore in einer Halbzeit. Ilicevic und Rafael van der Vaart spielten sich links einige Male den Ball hin und her, die Kugel kam zu Ostrzolek, der flankte bilderbuchartig zur Mitte, wo Lasogga völlig unbedrängt aus fünf Metern einköpfen konnte. Mit etwas Glück, das muss festgehalten werden, denn der HSV-Stürmer köpfte genau auf Hitz, der den Ball nur noch durchrutschen lassen konnte.

 

2:0 – eine schöne und beruhigende Führung. Endlich einmal. Aber denkste! Der HSV ist immer und jederzeit in der Lage, auch eine solche Partie wieder spannend werden zu lassen. Freistoß halbrechte Position für Augsburg, Linksfuß Werner schießt. An den Fünfmeterraum, dort sollten eigentlich die Defensivspezialisten des HSV per Kopf in der Lage sein, sich zu behaupten, aber keiner fühlte sich zuständig. Alle ließen den Ball passieren – und Adler konnte sich nicht dazu entschließen, dem Ball entgegenzufliegen. Diesem Umstand verdankte es Bobadilla, dass der das 1:2 köpfen konnte. Zurück blieben viele ratlose Blicke in der HSV-Mannschaft – und Westermann haderte ein wenig mit Adler. Musste der Keeper da rauskommen? Es wäre ratsam gewesen. Und gewiss nicht verkehrt.

 

Und so macht man den Gegner wieder stark, baut ihn auf, holt ihn zurück ins Spiel. Auf diese Art muss das nicht sein, ganz klar. Augsburg wurde danach etwas besser. Aber der HSV versteckte sich nicht. Er hielt dagegen, stürmte mitunter sogar richtig gut und mit einigen schönen Ideen im Repertoire. Nicht ganz so schön aber der Versuch, den sich Lasogga in der 32.Minute leistete, er schoss aus 18 Metern weit über den hohen Zaun, ganz nach oben auf den Oberrang. Zu überhastet, denn neben Lasogga stand Ostrzolek völlig frei, er hätte es besser machen können, oder auch noch einmal ablegen. Aber gut, so sind Torjäger nun einmal, und Lasogga hatte ja immer schon mal wieder getroffen . . .

 

Glück für den HSV dann in der 36. Minute, als Slobodan Rajkovic den Augsburger Esswein im Strafraum zu Fall bringt, aber Schiedsrichter Welz nicht pfeift. Es protestierte aber auch kaum ein Augsburger, jedenfalls nicht so heftig, als dass es den Unparteiischen hätte ins Grübeln bringen können. Die letzte Tormöglichkeit des ersten Durchgangs hatten dann wieder die Süddeutschen, doch Bobadilla köpft auf fünf Metern über das Tor – wobei Adler wohl auch zur Stelle gewesen wäre (39.). Halbzeit. Und auf dem Weg in die Kabinen gab es riesigen Beifall von den Fans für diese lebhafte Darbietung.

 

Die erste Möglichkeit hatte dann nach dem Seitenwechsel wieder der HSV. Rechtsflanke von lasogga, Ivo Ilicevic köpft aus vollem Lauf und aus fünf Metern – genau auf Hitz. Das war eigentlich eine Hundertprozentige (65.). Das nächste Tor aber fiel dann auf der anderen Seite. Ganz, ganz bitter. Stieber wollte – etwas zu lässig – Kacar bedienen, das ging schief, prompt lief der Konter. Und Werner, der Linksfuß, umkurvt im Strafraum Rajokvic, lässt Adler mit einem Schuss aus 13 Metern keine Chance – 2:2 (69.). Geht das heute wieder schief?

 

Nein, denn der HSV kommt noch einmal zurück. Dank Lasogga. Stieber köpfte ihm den Ball zu, der Torjäger zog aus halbrechter Position aus sechs Metern ab – drin der Fisch! Was für ein Jubel!! Karneval in Rio ist nichts dagegen. Der HSV schießt sein drittes Tor in einem Spiel – und darf wieder träumen. Marcel Jansen, für Ilicevic eingewechselt, traf danach noch einmal den Pfosten (73.) – und danach begann die Zeit des Wackelpuddings. Der HSV wackelte, und zwar enorm, und er hatte mit seinen Kräften (die nicht mehr da waren) zu kämpfen. Augsburg kam, Augsburg drückte, aber der HSV stand. Endlich einmal. Und endlich einmal wieder ein Dreier. Vielen Dank für diese Vorstellung!

 

Der Rest war Jubel. Djourou rannte nach dem Schlusspfiff Richtung Bank und umarmte alle – zuerst sprang er Jaroslav Drobny (noch auf dem Rasen) um den Hals. Alle Ersatzspieler kamen zum Gratulieren und feierten mit – das sah richtig gut und endlich mal nach einer Mannschaft aus. Bruno Labbadia hat offenbar innerhalb von wenigen tagen ein Umdenken in dieser Truppe erreicht. Nur gemeinsam ist man stark – der HSV scheint es jetzt doch noch begriffen zu haben. Jubel, Trubel, Heiterkeit – ein schönes Wochenende noch für Euch alle. Aufatmen, jetzt ist die Rettung doch noch möglich. Wunder gibt es immer wieder . . .

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar (90.+3 Rudnevs), van der Vaart (75. Jiracek); Stieber, Olic, Ilicevic (67. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 1:2 nicht so sehr souverän aus, ansonsten hielt er aber das, was zu halten war. Note drei.

 

Heiko Westermann hatte anfangs einige (zwei, drei) Unsicherheiten auf Lager, vor allem im Abspiel, aber insgesamt eine sehr gute Partie des Rechtsverteidigers (!), der diesmal auch viel, viel Beifall für seine vorbildliche Vorstellung bekam. Note zwei.

 

Slobodan Rajkovic wirkte gelegentlich etwas eckig, aber gegen den „Klotz“ Bobadilla war er genau der richtige Mann. Note drei.

 

Johan Djourou wirkte ruhig und solide, steigerte sich im zweiten Durchgang und überzeugte vor allem durch sein überragendes Kopfballspiel. Note drei.

 

Matthias Ostrzolek biss sich gegen die alten Kollegen mutig in diese Partie, zeigte Esswein wo der Hammer hängt – weiter so. Note drei.

 

Gojko Kacar war da, als er gebraucht wurde. Das war wieder einmal der Beweis dafür, dass auf ihn – trotz des Abschiedes aus Hamburg – stets Verlass ist. Ein Vorbild-Profi, der sich voll reinkniete.

 

Rafael van der Vaart zeigte es seinen Kritikern, indem er eine solide Partie ablieferte. Alles das, was er machte, hatte Hand und Fuß – er war dieser HSV-Mannschaft eine Stütze.

 

Zoltan Stieber lief viel, arbeitete emsig, ohne den ganz großen Einfluss zu nehmen. Schien gegen Ende des Spiel ein wenig kraftlos. Aber das betraf auch etliche seiner Kollegen.

 

Ivica Olic rackerte wie immer, „schoss“ sogar (s)ein Tor – es geht bergauf. Obwohl sein Spiel immer noch nicht das Gelbe vom Ei ist, aber solche Siege stärken bestimmt auch sein Selbstvertrauen.

 

Ivo Ilicevic begann schwungvoll, aber leider nur zehn, 15 Minuten. Dann tauchte er wieder viel zu oft ab, zeigte nicht so richtig viel Leben. Schade, bei dem Talent.

 

Pierre-Michel Lasogga ackerte enorm, er wollte, das war ihm von der ersten Minuten anzumerken – und der Wille versetzt bekanntlich Berge, zwei Tore – und eine Vorstellung, die hoffen lässt.

 

Marcell Jansen (ab 67. Min. für Ilicevic) ist ganz sicher nocvh nicht bei 100 Prozent, aber er kann ja doch Fußball. Und deswegen war es wichtig, dass er gegen Ende doch noch einmal mitmischte.

 

Petr Jiracek (ab 75. Min. für van der Vaart) kann kämpfen, und das zeigte er auch diesmal wieder. Er hängt sich rein, wenn auf ihn gebaut wird, und das ist schön zu sehen. Vor allem auch für den Trainer.

 

Artjoms Rudnevs durfte noch einige Sekunden von der Uhr nehmen – und hatte sogar noch eine Ballberührung.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Augsburg. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Stefan Böger, einst DFB-Nachwuchstrainer und zuletzt Coach bei Dynamo Dresden, sowie der Sport-Moderator Uli Pingel, u.a. bei „Hamburg 1“ und Sport1“ auf Sendung. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet.

 

17.51 Uhr

 

Ohne Beister nach Bremen – zur großen Chance

18. April 2015

Es ist nicht die Saison des HSV. Für keinen Spieler – und für einen noch weniger: Maxi Beister. Ein Jahr pausierte er, Anfang 2015 kämpfte er sich zurück ins Training. Er schaffte das Comeback gleich im ersten Rückrundenspiel, wo er 18 Minuten vor Schluss eingewechselt wurde. Drei weitere Einwechslungen und insgesamt 64 Spielminuten in der Bundesliga stehen seither bei Beister zu Buche. Ein maßlos enttäuschender Wert, den er in Bremen aufbessern wollte – aber nicht wird. Denn Beister ist nicht einmal im Kader. Zusammen mit Ronny Marcos und Mohamed Gouaida soll er Spielpraxis bei der U23 sammeln, die am Sonntag um 14 Uhr gegen Neumünster ran muss. Gut für die U23 – bitter für Beister, der sich von dem Trainerwechsel sicher mehr erhofft hatte.

Auch ich hätte Beister gern in Bremen dabei gehabt. Und ich kann die Begründung, dass der Offensivmann Spielpraxis sammeln soll ebenso verstehen, wie ich sie den HSV-Verantwortlichen vorhalte. Denn dieses ständige, planlose Hin- und Her-Geschiebe zwischen den Mannschaften ist absurd.

Nicht einmal im Kader: Maxi Beister

Nicht einmal im Kader fürs Derby: Maxi Beister

Schlimmer noch: So wurde verpasst, eine zusätzliche Kraft für den Saisonendspurt zu aktivieren. Beister wurde nicht ausreichend gefördert, nicht spielfit bekommen. Ein Fehler sondergleichen, aber eben auch nur ein Versäumnis seiner Vorgänger, das Labbadia am Ende ausbaden muss. Und ich befürchte gar, dass diese Saison und dieser Umgang miteinander am Ende noch schlimmere Folgen haben können. So, wie zuletzt über Abgänge der ausgeliehenen Talente Tah und Demirbay spekuliert wurde und wird, dürfte auch über Beister zu sprechen sein. Zumindest ist Beister, der sich zu seiner Situation nicht äußern will, die Unzufriedenheit anzusehen.

Statt Beister ist am Sonntag Artjoms Rudnevs wieder dabei. Der Lette steht nach zuletzt drei Nichtnominierungen und insgesamt fünf Spielen ohne Einsatzzeit zumindest erst einmal ebenso wie Ivo Ilicevic im vorläufigen 19-Mann-Kader, wo noch ein Spieler gestrichen werden muss. Wer das am Ende sein wird, ist offen. Dabei sind auf jeden Fall Adler, Drobny, Westermann, Götz, Cleber, Rajkovic, Ostrzolek, Jansen, Kacar, Jiracek, Behrami, Holtby, Ilicevic, van der Vaart, Müller, Stieber, Olic, Lasogga, Rudnevs.

Und egal wer am Ende auf dem Platz stehen wird, er hat die große Chance, den HSV wieder an die Konkurrenz heran- und dank der heutigen Ergebnisse sogar vorbeizuschieben. Stuttgart veliert in Augsburg,  Paderborn ist bei starken Dortmundern 3:0 unterlegen gewesen und hat dabei bis auf kurze Strecken der ersten Hälfte nie gezeigt, weshalb sie nicht absteigen werden. Im Gegenteil: Das Spiel der Breitenreiter-Equipe war so hoffnungslos schlecht wie die zweite Halbzeit des HSV gegen Wolfsburg. Dass heute auch Hannover mit 4:0 in Leverkusen unterging – es dürfte zumindest personell Folgen haben. Denn wenn ich meinen Hannover-Kollegen glauben darf, dann wird der bei Mannschaft wie Vorstand geschätzte und beliebte Trainer Tayfun Korkut jetzt doch gehen müssen.

Heute haben bislang alle für den HSV gespielt. Auch der SC Freiburg vergeigt sein Heimspiel gegen Mainz, womit ich nicht gerechnet – worauf ich aber gehofft hatte. Das bedeutet, dass die Mannschaft von neu- und Alt-Trainer Bruno Labbadia morgen die große Chance hat, sich tabellarisch mit einem Sieg wieder bis auf einen Punkt an Platz 14 heranzuspielen und nebenbei in dem prestigeträchtigen Nordderby eine Menge Selbstvertrauen für die letzten fünf Spiele zu tanken.

Wie Labbadia spielen lässt, ist offen. Heute wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Imtech-Arena trainiert. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Labbadia morgen nicht wenigstens eine überraschende Personalie aufbietet. Im Training deutete bis heute alles auf Adler – Westermann, Cléber, Rajkovic, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Stieber, van der Vaart, Olic – Lasogga. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Labbadia versucht hat, Nicolai Müller ein wenig zu ködern und dessen Reaktion auf die vermeintliche Nichtnominierung abgewartet hat. Abetr egal wie, jetzt geht es also darum, dass der HSV die Vorlagen der Konkurrenz nutzt und endlich auch mal selbst für sich spielt. Mit neuem Trainer, altem Personal aber dennoch neuem Elan? Labbadia hofft es. Wir hoffen es.

Mehr gibt es an diesem Sonnabend nicht zu sagen, außer, dass ich nicht nachvollziehen kann, weshalb ich hier dazu aufgefordert wurde, einen Spieler wie Valon Behrami in Ruhe zu lassen. Und das auch noch von den Leuten, die sonst immer so für „schonungslose Analysen und knallharte Kritik“ plädieren. Wahnsinn! Zumal die Personalie Behrami tatsächlich eine ist, die der Mannschaft in sportlicher Topform ganz sicher helfen kann – die sie aber auch runterziehen kann, wenn sich der Schweizer weiterhin so gegenüber seinen Kollegen verhält, wie er es zuletzt tat. Aber okay, dazu muss ich ja nichts mehr schreiben. Es gibt hier ja sogar einen netten Blogger, der im Nachhinein immer schon alles vorher gewusst hat und der sowieso alles weiß und jeden kennt. Er wird Euch dann sicher auch davon berichten können ;-)).

Aber noch mal ohne Spaß und im Ernst: Ich für meinen Teil sehe in der Personalie Behrami einen echten Schlüsselreiz für die ganze Mannschaft. Wenn Labbadia den Schweizer noch mal einfangen konnte – Okay! Dann könnte Behrami tatsächlich mit seinen Defensivqualitäten ein Schlüsselspieler für den Erfolg werden, ganz klar. Dass der Nationalspieler über das dafür nötige Potenzial verfügt habe ich nicht anzweifeln wollen. Und niemand freut sich am Ende mehr als ich, wenn Behrami 100 Prozent bringt und der HSV gewinnt. Aber, und darauf deutete viel hin, sollte Labbadia den Schweizer noch nicht richtig gepackt haben, wird es schwer. Wobei das natürlich auch für zuletzt enttäuschenden van der Vaart, Holtby, Olic und Lasogga sowie noch mehr für Müller im Falle seiner Nominierung gilt.

Und dafür ist das Spiel in Bremen zu wichtig. Dieses Nordderby kann tatsächlich ein unfassbarer Startschuss werden. Per sofort für die Tabelle und auf Sicht natürlich auch fürs Selbstvertrauen. Pierre Michel Lasogga hat im Vorfeld ebenso wie Rafael van der Vaart vom Trainer sprichwörtlich noch einmal die Hand gereicht bekommen. Hinten wird Slobodan Rajkovic wie gewohnt mit 120 Prozent verteidigen, was zu verteidigen ist. Und wenn ich die Worte des Trainers unter der Woche richtig gedeutet habe, wird er den Spielern ihre jeweilige Kernkompetenz klarmachen – und dementsprechend ausschließlich selbige einfordern. Soll heißen: Hinten bekommt Cléber (wie zuletzt übrigens auch ausdrücklich von Knäbel) Daddelverbot. Klare Kante – nicht mehr, nicht weniger. Davor soll Behrami als Abfangjäger alle Energie darauf verschwenden, Werders Mittelfeldspiel zu zerstören und den Ball nach Ballgewinn sofort an einen der versierteren Passgeber (Holtby, van der Vaart, Stieber) abzugeben. „Ich habe den Spielern gesagt, was ich von jedem einzelnen erwarte“, so Labbadia unter der Woche. Hoffen wir mal, dass die Mannschaft es besser verstanden hat als zuletzt gegen den VfL.

Mehr gibt es eigentlich vor so einem wichtigen Derby nicht mehr zu sagen. Jetzt heißt es: Machen – nicht reden. Und ich hoffe darauf, dass die Mannschaft den Forderungen Labbadias nach „Geschlossenheit“ Rechnung trägt und seine Fans mit einer couragierten Leistung und bestenfalls drei Punkten belohnt. Am besten mit einem Ballgewinn Behramis den Konter über Holtby und van der Vaart einleiten, den Ball über Olic auf links zu Lasogga in den 16er bringen, der daraus das entscheidende Tor macht… Obwohl, wie sie gewinnen, ist mir ehrlich gesagt sch…egal. Wenn sie denn gewinnen auch, mit wem sie das schaffen. Hauptsache, sie tun’s.

In diesem Sinne, alle Mann an Bord. Ich bin dabei. Morgen nach dem Spiel sind übrigens Edelfan und HSV-Gönner Andreas Maske, Unternehmer und Erfinder des “Uwe-Seeler-Fußes”, sowie Ex-HSV-Angreifer Andreas Merkle bei „Matz ab live“ zu Gast. Bis dahin,

Scholle

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