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Tolgay Arslan packt die Koffer – das Ticket nach Istanbul liegt bereit

20. Januar 2015

Dass Tolgay Arslan in aussichtsreichem Kontakt steht mit Besiktas Istanbul – das ist nicht die Neuigkeit des Tages. Und doch scheint die Entwicklung nun schnell zu gehen. Heute nach dem Nachmittagstraining in Dubai gab es einen kurzen Dialog von Arslan mit Sportdirektor Peter Knäbel. Die Nachricht ist klar gewsen: Arslan ist sich mit Besiktas praktisch handelseinig und wird in die Türkei wechseln. Allerdings steht noch die Einigung zwischen den Vereinen aus. Eine halbe Million Euro Ablöse hätte Peter Knäbel schon gern noch für den Mittelfeldspieler. Aber hier kann nun alles schnell gehen – der erste Winterabgang zeichnet sich immer deutlicher ab.

Inhaltlich bewerten, ob dieser Transfer für den HSV nun gut oder schlecht ist in der aktuellen Lage knapp zwei Wochen vor dem Rückrundenstart – das lohnt sich nicht mehr. Alle Parteien sind seit Wochen auf dem Stand, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht angestrebt wird. Arslan war in den letzten Spielen der Bundesliga-Hinrunde nicht mehr von Trainer Joe Zinnbauer berücksichtigt worden. Nun also der Wechsel in die Türkei. Im Kollegenkreise haben wir hier am Persischen Golf vorhin darüber diskutiert, ob der Schritt an den Bosporus für Tolgay Arslan im Alter von 24 Jahren sinnvoll ist. Oder manövriert man sich in der Süper-Lig ins fußballerische Abseits? Sicher ist diese Liga nicht mit der Bundesliga zu vergleichen, aber einem der großen Vereine in Istanbul anzugehören ist immer noch eine gute Sache, zumal Arslan dort mehr Einsatzzeiten bevor stehen als hier in Hamburg, wo er sich nie den Status erkämpfen konnte, unumstritten zu sein.

Allerdings fällt Tolgay Arslan in den vergangenen Tagen, seit er wieder ins Training einsteigen konnte, in Dubai mit sehr guten Trainingsleistungen auf. Er ist bissig und griffig, leistet sich wenige Fehler und ist für alle Gegenspieler in den Trainingsduellen ein unangenehmer Zeitgenosse. Besiktas kann sich also über einen Arslan in guter Verfassung freuen – vorausgesetzt, das ist klar, die letzten Schritte dieses Transfers werden nun auch noch gegangen. Aber das scheint Formsache zu sein.

Ob Arslan das Trainingslager des HSV bis Donnerstag vollständig beendet, ist zur Minute gerade nicht klar – aber auf einen Tag mehr oder weniger kommt es nun wahrscheinlich auch nicht mehr an. Auf jeden Fall sollte es mich sehr überraschen, wenn Trainer Joe Zinnbauer Arslan im Härtetest gegen Manchester City noch einmal aufbieten würde. Durch eine eventuelle Verletzung würde ja nur der Transfer gefährdet werden.

Weitere personelle Bewegung hat sich heute nicht ergeben. Dass Michael Schade, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, dem Hamburger Manager Peter Knäbel einige unfreundliche Worte entgegen geschleudert hat, störte Knäbel heute nicht. Er wolle sich zu allen Dingen um Stürmer Josip Drmic dazu nicht mehr äußern, sagte Knäbel heute, konfrontiert mit den Schade-Aussagen. Der HSV sei naiv, was in Hamburg alles geredet werde, und überhaupt habe Knäbel gar nicht mit Bayer gesprochen, sondern nur der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer. Abwarten was passiert – wobei ich mich über die Schärfe im Ton schon wundere. Zwischendurch wurde heute darüber spekuliert, der Hoffenheimer Torwart Koen Casteels könne vor einem Engagement in Hamburg stehen, aber den Belgier zieht es nun zu Werder Bremen.

Heute beim Training gab es wieder einmal kaum personellen Zuwachs. Von den sieben Angeschlagenen und Verletzten waren auf dem Rasen nur Nicolai Müller und Pierre Michel Lasogga zu sehen. Beide absolvierten am Morgen ihre individuellen Einheiten. Bei Nicolai Müller sollte die Rückkehr ins Mannschaftstraining schnell gehen, bei Lasogga dauert es noch. Das sind die Wasserstands-Meldungen. Bei allen anderen Kandidaten bleibt es im Wesentlichen bei den Aussagen von gestern.

So ist der Kader der Hamburger, der in der Lage sein könnte, morgen Manchester City im abschließenden Dubai-Test Paroli zu bieten, schon recht dünn. Zumal ein weiterer Angeschlagener am Nachmittag dazu kam. Der Brasilianer Cleber, mit dem ich hier eigentlich ein Interview präsentieren wollte, humpelte nach einem Pressschlag mit Ashton Götz in die Kabine. Die Diagnose lautet: schmerzhafte Prellung auf dem Spann des linken Fußes. Schon gestern hat Cleber dorthin einen Tritt bekommen, nun also den zweiten Tag in Folge. Zuviel sogar für den bulligen Cleber, bei dem ich mir bislang gar nicht denken konnte, dass ihn eine Verletzung würde stoppen können. Recht missmutig stapfte Cleber jedenfalls von dannen. Das Interview muss verschoben werden, was wir hier an dieser Stelle verschmerzen müssen. Ich finde es allerdings schade, denn ich habe Cleber bislang als äußerst geradlinige Persönlichkeit mit einer klaren Vorstellung und Einstellung kennen gelernt, und war schon gespannt auf das Gespräch, aber seine Genesung geht natürlich vor. Ärgerlich ist schon, dass er gegen ManCity aller Wahrscheinlichkeit nach keine Alternative sein kann. Unmittelbar vor dem Gang in den Mannschaftsbus gab Cleber immerhin noch einige Worte weiter: „Im Moment ist es sehr schmerzhaft. Ich würde gegen Manchester City gern spielen, will aber kein Risiko eingehen. Wichtiger ist der Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln.“

Und das ausgerechnet in einer Situation, wo er seinen Stammplatz an der Seite von Johan Djourou im Abwehrzentrum zu festigen schien. In fast allen Trainingsformen spielten die beiden zusammen, was sich ja am Ende der Vorrunde nach dem Ausfall des verletzten Heiko Westermann bewährt hatte. Nun könnte also wieder Westermanns Stunde schlagen. In den vergangenen Tagen zog er sein Programm nach überstandener Knieverletzung voll durch, klagt aber immer noch über die eine oder andere Eingewöhnungsschwierigkeit nach der Innenbandverletzung im Knie. Oder kommt Slobodan Rajkovic zum Zuge? Trainer Zinnbauer lobte den Serben hier in Interviews mehrfach – und zwar, ohne nach ‚Boban‘ gefragt worden zu sein. Morgen sind wir vielleicht ein wenig schlauer.

Joe Zinnbauer hat heute in beiden Einheiten – wie schon die vergangenen Tage – großen Wert auf das Spiel um und im Strafraum gelegt. Spielformen drei gegen zwei oder drei gegen drei wurden durchgegangen mit hohem Tempo. Immer wieder feuerte Zinnbauer an und kritisierte nicht zu wenig. Ganz klar, die Entwicklung des Teams in der entscheidenden Zone vor dem gegnerischen Tor gefällt dem Coach noch nicht. Die Torausbeute, diese Prognose wage ich jetzt schon einmal, wird auch weiterhin eine Problemzone bleiben, wenn sich nicht personell etwas tut. Sprich: Wenn Lasogga nicht schnell und in guter Form zurückkehrt und/oder ein neuer Angreifer dazu kommt.

Zum Abschluss des Trainingslagers werden wir wie üblich ein Abschlussgespräch mit Joe Zinnbauer führen. Gewinner und Verlierer, Enttäuschungen und Überraschungen wird uns der Trainer hoffentlich nennen. Zu den Profis, die mir hier in Dubai gut gefallen haben, gehören übrigens Zoltan Stieber, der auf mich einen robusteren und zielstrebigeren Eindruck macht als noch vor Wochen. Nicht so gut habe ich Julian Green gesehen. Auch Artjoms Rudnevs unterstreicht immer wieder seine Janusköpfigkeit. Mal sensationeller Abschluss, dann stümperhafter technischer Fehler. Aus diesem Stürmer werde einer schlau. Aber genug zu diesem Zwischenfazit. Das abschließende Testspiel gegen Manchester City gehört unbedingt zur Beurteilung einzelner Profis dazu.

Die Mannschaft hatte heute in ihrer Mittagspause einen ungewöhnlichen Termin. Ein Vertreter des „Scheich Mohamed Zentrums für kulturelle Verständigung“ hielt einen Vortrag über den Islam. Sehr launige und hochinteressante Veranstaltung war das, in der über die Hintergründe muslimischen Glaubens und bestimmter Verhaltensweise diskutiert wurde. Es ging um Verschleierung, erlaubte und verbotene Handlungsweisen in der Öffentlichkeit, es ging um ISIS und Krieg im Namen einer Religion. Anschließend hatte die versammelte Mannschaft die Gelegenheit, Fragen zu stellen, was ausgiebig genutzt wurde. Es war der Anlass, mal über den Tellerrand des Luxus-Lebens hier in Dubai hinauszuschauen – diese Veranstaltung hat sich allemal gelohnt.

Der HSV bestreitet bekanntlich am Sonntag noch einen abschließenden Test in Hamburg gegen den dänischen Verein aus Odense. Diese Partie, das an alle, die sich über die Ansetzung am Tage der Mitgliederversammlung im CCH gewundert haben, findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit als interner Test statt.

Morgen werde ich mich vermutlich etwas später als gewöhnlich melden mit den Eindrücken vom Test gegen Manchester City. Die Partie findet etwa 120 Kilometer entfernt von Dubai in Al Ain statt. Am Vormittag hat Coach Zinnbauer noch zu einem Training gebeten, ehe der englische Meister getestet wird. „Das wird ein geiles Spiel, eine große Herausforderung für uns“, wie Marcell Jansen sagte. „Ich freue mich auf Man City, weil ich gegen die natürlich auch in der Premier League ein paar Mal gespielt habe“, ergänzte Rafael van der Vaart.

Bis morgen also aus Dubai
Lars
18.55 Uhr

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