Archiv für das Tag 'Jansen'

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Stadionverkauf wird diskutiert – hoffentlich nicht mehr lange…

15. Mai 2013

Und Ihr denkt, Ihr habt Probleme? Mitnichten. Das Spielhaus, das wir für unseren Lütten im Garten aufgebaut haben ist ein Problem. Zumindest für unseren Nachbarn, der sich schnellstmöglich bei unserer Verwaltung gemeldet hat – bevor er mich angesprochen hat. Jetzt sollen wir alles zurückbauen und das wiederum missfällt meiner Frau. Zurecht, denn es steckt sehr viel Arbeit drin und jetzt auch wieder sehr viel Arbeit vor uns. Und das mit einem hausgemachten Problem. Hätten wir vorher gefragt, wäre ja „alles gar kein Problem“ gewesen. Sagt der Nachbar. Meint er aber nicht. Und deshalb haben wir jetzt ein Problem. Auch mit ihm.

Warum ich das Ganze schreibe? Weil es mich sehr an den HSV erinnert, der sich immer wieder selbst vor Probleme stellt, weil die Kommunikation schief läuft. Eben so, wie bei den Finanzproblemen des HSV, die hier im Blog seit Jahren beschrieben wurden und bei denen sich bis heute noch Blogger hinstellen, die das leugnen. Aber okay, das Minus ist amtlich, die Not so groß, dass jetzt sogar der Verkauf des Stadions diskutiert wird. Ein Vorgehen, das mit Sicherheit einen tiefen Graben in die Mitgliedschaft ziehen würde, sollte an dem Gedanken festgehalten werden. Allerdings glaube ich nicht, dass der Verkauf jemals Wirklichkeit wird. Oder besser: ich hoffe es ganz stark. Denn der HSV hat für mich nur eine Heimat – und das ist die Imtech-Arena.

Vielmehr sollte der Vorstand in der Lage sein, das Minus anders einzudämmen. Gerade ein vereinsintern so umjubelter Vermarktungsprofi wie Joachim Hilke sollte in der Lage sein, dem HSV neue Geldquellen zu öffnen. Wobei ich die erneute Erhöhung der Dauerkarten damit nicht meine. Gestern schrieb mich ein Blogger an, er habe seine Dauerkarte erneut bestellt und müsse jetzt 13 Prozent mehr bezahlen. Er ärgerte sich fürchterlich, meinte dann aber, er sei halt HSVer und habe ja keine andere Wahl, wenn er seinen Verein nicht künftig ausschließlich vor dem TV verfolgen wolle.

Stimmt.

Aber Freunde macht sich der HSV damit keine neuen. Im Gegenteil. Die Grenze der Ticketpreise hat der HSV in meinen Augen längst erreicht. Der HSV ist im Bundesligavergleich im oberen Drittel angesiedelt, hat bei Top-Spielen sogar Spitzenpreise. Und schon jetzt gibt es dauerhafte Proteste der Fanvereinigungen, die sich ausweiten werden. Auch nach Hamburg. Da bin ich mir inzwischen sicher.

Und es ist auch verständlich. Immerhin hat der HSV seit Jahren einen Zuschauerschnitt jenseits der 50000-er-Marke. Dass der Verein wachsen will und dafür Geld braucht, ist auch völlig okay. Aber er muss intern wachsen können, mit neuen Sponsoren und nicht immer nur auf Kosten der Anhängerschaft. Der HSV ist das Bundesliga-Urgestein mit einem Jahresumsatz jenseits der 100-Millionen Euro. Da sollte es machbar sein, einen Kader zusammenzustellen und zu finanzieren, der international spielt. Denn das wiederum würde bedeuten, dass es mehr Pflichtspiele als aktuell gibt – und diese Mehreinnahmen sollten eine erneute Ticketpreis-Erhöhung vermeidbar machen.

Das Argument, dass der Stadionbesucher auch den höheren Preis bezahlt, zieht zwar noch – aber es kann sich schneller drehen, als es den Verantwortlichen hier recht ist. Zumal dann, wenn sich die sportliche Leistung nicht verbessert. Mit welchem Argument zahle ich aktuell mehr für den HSV als vor vier, fünf Jahren, als der HSV noch international spielte. Damals spielte der HSV zweifellos attraktiveren Fußball als heute – und der Fan musste dafür nicht so tief in die Tasche greifen wie jetzt. Und schon gar nicht so tief wie in der kommenden Saison.

Der HSV geht ein hohes Risiko und macht seine Marke exklusiv weil teuer – sogar mit Erfolg. Noch. Aber was passiert, wenn die Fans irgendwann wegbleiben und plötzlich man plötzlich wieder den Stand aus dem alten Volksparkstadion mit 25000 Zuschauern gegen Teams wie Mainz, Augsburg, Wolfsburg etc. hätte? Ich glaube nicht, dass das hier irgendwer will. Ebenso wenig wie ein verkauftes Stadion.

Deshalb muss der aktuelle HSV-Vorstand ein Konzept entwickeln, wie man den andauernden Verlusten entgegenwirkt. Das hat schon lange nichts mehr mit den Altlasten allein zu tun. Nein, dieser HSV macht weiter Minus – mit neuen Oberen, die sich dafür verantworten müssen. Heute sind es Scheel, Jarchow, Arnesen und Hilke, die einen Weg finden müssen, den HSV zu verbessern, ohne die Kosten dafür auf die eigenen Anhänger abzuwälzen.

Aber okay, noch besteht ja sogar die Chance auf einen internationalen Wettbewerb. Wenn auch klein, die Möglichkeit ist da. Allerdings mit einer hammerharten Aufgabe gegen den Dritten Bayer Leverkusen. Heute konnte Trainer Thorsten Fink zwar wieder alle Spieler (bis auf die Dauerverletzten Arslan und Berg) auf dem Platz begrüßen. Und er hatte auch gleich mal wieder eine Idee. Eine überraschende sogar. „Gegen einen so starken Gegner wie Leverkusen muss man vielleicht auch mal was Besonderes versuchen“, so Fink, der dafür ein 3-5-1-1-System einstudierte. Dabei agierten Bruma, Westermann und Rajkovic in der Dreierkette nebeneinander, leicht vorgezogen Diekmeier über rechts und Jansen über links. Badelj machte die einzige Sechs, Jiracek kam über die rechte Seite, Aogo über lins, während van der Vaart hinter der einzigen echten Spitze Son spielte. Musste die Mannschaft auf defensive umschalten, hatte Fink plötzlich ein 5-4-1-System, als mit Diekmeier und Jansen in der Abwehrkette. Vorteil hierbei: „Leverkusen ist nicht nur bei Kontern sondern auch mit ihren vielen Kopfballspielern gefährlich“, so Fink, der mit Bruma statt Rincon so einen Kopfballspezialisten mehr auf dem Platz hätte.

Allerdings wirkte diese Formation nicht so eingespielt, dass Fink sie sofort einsetzen könnte. Im Gegenteil: bei einem letzten Spiel, in dem es um viel geht, wäre das Risiko größer als die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert. Und mal angenommen, der Fink’sche Versuch ginge nach hinten los – das Echo darauf wäre gewaltig. Ich glaube nicht, dass Fink das riskiert.

Warum auch? Gegen Hoffenheim hat der HSV nach langer Zeit mal wieder richtig gut gespielt und verdient mit 4:1 gewonnen. Dabei entscheidend war sicher auch wieder Heung Min Son, dessen Zukunft nach Saisonende zügig geklärt werden soll. Auf die Nachfrage, wann das passiert, antwortete mir Jarchow heute: „Es gibt noch keinen Termin.“ Aber man werde es sicher nicht zu weit nach hinten hinauszögern. Die gleiche Frage beantwortete mir Sons Berater Thies Bliemeister: „Wir haben noch keinen Fahrplan. Aber wenn das letzte Spiel gespielt ist, haben wir Zeit, uns hinzusetzen und alles zu besprechen. Es ist auch möglich, dass Son bleibt.“

Klingt nach Abschied. Mal wieder. Aber bevor ich jetzt von Tag zu Tag hin und her wechsele, lasse ich es lieber ganz und warte ab, bis es ein Ergebnis gibt. Denn, das sagte Bliemeister auch, der BVB ist längst noch nicht aus dem Poker um Son ausgestiegen. Allerdings, wenn ich mir die Namen der anderen Kandidaten durchlese, dürfte Son nicht allererste Wahl sein.

Erste Wahl war Scharner bei Wigan. Die allerdings sind seit dem 1:4 gegen Arsenal am Dienstag zweitklassig, womit sich Scharners Zukunft auf der Insel trotz der ihm gewidmeten, imposant zahlreichen Lobeshymnen der Wigan-Fans geklärt hat. Der Österreicher hatte vor seinem Leihwechsel gesagt, auf keinen Fall zweitklassig spielen zu wollen und beteuerte den extra angereisten Fink und Arnesen, dass er zurückkommen wolle – und wird. Und das finde ich gar nicht so schlecht. Denn wer sich in der Premier League gut verkauft, dürfte auch das zeug haben, dem HSV zu helfen. Und gerade auf der Innenverteidigerposition hat der HSV Nachholbedarf, den Scharner vielleicht lösen kann. Und da auch noch vergleichsweise günstig…

Und jetzt Daumen drücken – für die U23, die gerade beim SC Victoria ein wegweisendes Spiel im Abstiegskampf bestreitet.

Bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Kühne These: Kauft Kühne Son für den HSV?

13. Mai 2013

Er war schon ein wenig enttäuscht. Auch wenn er es sich nicht anmerken lassen wollte, hatte Dennis Diekmeier aufgrund von 19 Absagen für die USA-Reise eine kleine Restchance für sich gesehen. „Ich darf und will da gar nicht vermessen werden, es wäre schon sehr überraschend gewesen“, so der Rechtsverteidiger, „aber ich mag Überraschungen dieser Art ganz gern.“

Dennis Aogo auch – und der Linksfuß darf sich freuen, immerhin zählt er zum vorläufigen Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw. Ebenso wie für seine HSV-Kollegen René Adler, Heiko Westermann und Marcell Jansen fragte der DFB offiziell auch für Aogo beim HSV an. Überraschend? Irgendwie schon. Aber irgendwie auch wieder nicht. Denn Aogo ist gesund und gehörte immer zum erweiterten Kreis – und aus dem bedient sich Löw bei Ausfällen seiner Stammleute vorrangig. Dennoch bin ich gespannt, wer noch dazu kommt. Immerhin dienen solche Länderspiel-Promo-Reisen auch immer ganz gut dafür, neue Gesichter zu testen. Zumindest finde ich es deutlich spannender, welcher Youngster sich dann am besten präsentiert und als Hoffnung für die nächsten Jahre geeignet ist.

Gut, Diekmeier ist es nicht, aber damit war auch nicht wirklich zu rechnen. Obwohl der Rechtsverteidiger beim HSV eine ordentliche Saison spielt und für mich – das diskutiere ich immer wieder mit meinen Kollegen im HSV-Reporterkreis – die besten Flanken schlägt. Scharfe Flanken mit der Kurve zum Kopf. Eigentlich perfekt für ein Kopfballungeheuer – das hat der HSV allerdings (noch) nicht. Gesucht wird bereits seit längerer Zeit ein solches. Eines, das am besten auch noch technisch gut den Ball verarbeiten und am Spiel teilhaben kann. Der reine Stoßstürmer soll es nicht sein – den hat man mit Artjoms Rudnevs bereits. Vielmehr ist es die spielerische Lösung á la Lewandowski, die gesucht wird. Aber dabei müssen auch die Finanzen mitspielen – zumal der Markt nicht gerade überschwemmt wird mit perfekten Stürmern.

Und, das wird in dieser Woche noch an der einen oder anderen Stelle groß gespielt werden, der HSV hat weiterhin finanziell Sorgen und ist zum Sparen gezwungen. Fakt ist, dass der HSV nach Defiziten von 4,9 (2010/2011) und 6,6 Millionen Euro (2011/2012) aktuell bereits zum dritten Mal in Folge ein Geschäftsjahr mit einem großen Minus beenden wird. Dass die Lizenz für die nächste Saison dennoch ohne Auflagen erteilt wurde, ist der Liquidität zu verdanken, zu deren Nachweis der Klub die im Vorjahr aufgelegte Fan-Anleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro vorweisen kann. Zweckgebundenes Geld allerdings. Wobei der HSV aus seinem Vermarktervertrag mit Sportfive in kürzerer zeit mit einem Signing-Fee von rund fünf Millionen Euro rechnen kann und zudem der Verkauf von Heung Min Son weiterhin näher rückt. Rund zehn Millionen Euro waren bislang kolportiert worden. Eine Summe, die Borussia Dortmund locker zahlen kann nach dem Götze-Transfer nach München. Zudem wird immer wahrscheinlicher, dass auch Lewandowski den Klub verlässt. Vor ein paar Wochen hatte ich etwas voreilig von vollendeten Tatsachen gesprochen – allerdings gilt es auch jetzt noch als höchstwahrscheinlich, dass der BVB-Angreifer nach München wechselt. Allein die Bekanntgabe soll diesmal hinausgezögert werden und für nach dem CL-Finale abgesprochen sein.

Egal wie, alles (noch) Spekulation . Und dieser Wechsel ist für den HSV eh nur interessant, weil es die Verhandlungsposition gegenüber dem BVB verbessern würde, der für mich etwas überraschend starkes Interesse an Son hat. „Dortmund war von Beginn an dabei und ist mit Tottenham aktuell am hartnäckigsten“, hatte Sportchef Frank Arnesen letzte Woche verraten. Und Sons Berater Thies Bliemeister kündigte an, dass sich Son unmittelbar nach Saisonende entscheiden will.

Und ganz ehrlich, bei aller Freude und einer gehörigen Portion Respekt vor zwölf Toren und einem beim HSV lange nicht mehr gesehenen Potenzial – angesichts der wirtschaftlichen Voraussetzungen macht leider nichts anderes als ein Verkauf Sinn. Sollte es Son dabei letztlich nur um die Kohle gehen (was niemals nie irgendeiner der Beteiligten zugeben würde) wäre doch Klaus-Michael Kühne noch eine Variante – sofern sich dieser noch mal auf einen solchen Deal einlässt. Zumindest kam mir diese Idee. Er könnte so an einem möglichen Verkauf in ein paar Jahren beteiligt werden und der HSV hätte weitere Millionen, um „seinen HSV“ zu verstärken. Dann hätte man ein Riesentalent gehalten – und zusätzlich kurzfristig Geld.

Aber okay, es ist in der Tat nur ein Gedanke mit vielen Konjunktiven. Und letztlich ist es eh Son, der entscheidet. Nicht der HSV.

Entschieden wird vom HSV (auch mit Hilfe Sons) am Sonnabend die Frage, ob der HSV sich in letzter Sekunde über einen internationalen Platz freuen darf oder ob er sich über zig vergebenen Matchbälle ärgern muss. Das Gebrabbel, man dürfe schon jetzt zufrieden sein, weil man überhaupt noch die Chance hat, kann ich leider nicht ernst nehmen. Stattdessen wäre ich glücklich, wenn alle Beteiligten mal Tacheles reden und aufhören, den Druck von allen Beteiligten zu nehmen. Denn auch sie wissen, dass eine lange Sommerpause immer wieder das Thema der verpassten Chance hervorbringen würde. Ergo: wenn ein Trainer oder auch ein Vorstandsboss schon jetzt davon sprechen, egal wie zufrieden zu sein, ist das nicht mehr als Taktik. Selbstschutz. So nimmt man Druck von sich und versucht den Vorwürfen vorzubeugen, dass im Laufe der Saison nicht genug erreicht wurde. Dabei bin ich mir ganz sicher, dass gerade die zwei sich – wie alle anderen auch – deutlich mehr über die vielen verschenkten Punkte ärgern als über einen „überraschenden siebten Platz“ freuen würden. Ganz sicher sogar.

Aber – und dafür kennt Ihr mich inzwischen auch alle gut genug – ich hoffe bis zuletzt, dass der HSV mit einem Sieg gegen Bayer bei einem gleichzeitigen Patzer von Frankfurt den Strohhalm ergreift. Denn obwohl dadurch keine großen Sondereinnahmen einzuplanen wären, es würde die sportliche Attraktivität des HSV deutlich steigern. Und ganz nebenbei: der HSV käme in die Bedrouille, ob der Doppelbelastung doch wieder einen breiten Kader aufzustellen. Vielleicht könnte diese Not Herrn Kühne – und damit schließt sich dieser Kreis – erneut erweichen, Geld zur Verfügung zu stellen.

Träumereien an einem Tag, an dem beim HSV ansonsten nichts passiert ist. Das allerdings wird sich morgen ändern. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert und anschließend steht uns aller Voraussicht nach der Trainer Rede und Antwort.

Bis morgen!
Scholle

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