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Blog Teil 2: HSV siegt in Graz glanzlos mit 2:0

30. Juli 2014

Wie in Blogteil 1 geschrieben, ist die Innenverteidigung ein Kernthema beim HSV. Und es bleibt vorerst auch so. Denn gerade in der Innenverteidigung wird sich noch einiges tun. Tun müssen. Die Achillesferse der abgelaufenen Saison (wenn man die nicht gar in allen Mannschaftsteilen findet…) mit den meisten Bundesliga-Gegentoren der Vereinsgeschichte ist momentan mit fünf Innenverteidigern besetzt. Neben Djourou, der bei Slomka höchstes Ansehen genießt, stehen auch Kacar, Tah, bald wieder Rajkovic und der bislang immer zum Stammpersonal zählende Heiko Westermann im Kader. Nur fünf Bundesligaspiele hat der gebürtige Franke seit seinem (7,5-Millionen Euro Ablöse schweren) Wechsel 2010 von Schalke nach Hamburg verpasst. Und gerade für Letztgenannten scheint es knapp zu werden, sich einen Stammplatz zu erarbeiten. Zumindest konnte er im Gespräch mit Trainer Slomka nichts Konkretes in Erfahrung bringen. „Er wollte sich bei mir auf keine Position festlegen“, sagt Westermann. Glücklich sieht er bei dieser Feststellung nicht aus.

Auch beim 2:0-Testspielsieg bei Oliver Kreuzers Ex-Klub SK Sturm Graz durfte Westermann zu Beginn nicht innen verteidigen – er spielte auf der rechten Außenbahn und wurde in der zweiten Halbzeit von dem hier an sich gesetzten Dennis Diekmeier ersetzt, während in der ersten Hälfte Djourou/Tah und in der zweiten Halbzeit Tah/Kacar das IV-Duo bildeten. Und das bei Dauerregen beginnende Spiel vor 5698 Zuschauern dauerte ein wenig, bis der HSV Fahrt aufnahm. Die anstrengenden Einheiten der letzten Tage zeigten Wirkung. Erwartungsgemäß. „Die Beine tun schon weh, das ist klar“, sagt Westermann, „aber wir wollten es so, jetzt haben wir es so. Da muss man sich auch mal quälen.“ Zumal dann, wenn der Gegner wie der SK Puntigamer Sturm Graz nach zwei Niederlagen in den ersten zwei Saisonspielen der österreichischen Bundesliga um Wiedergutmachung bemüht war und in der siebten Minute hätte in Führung gehen können. Allein, Marc Andre Schmerböck verpasste den Flachpass freistehend aus 12 Metern.

Aber der HSV, der mit einer Überdosis Sechsern begann, wusste im Umschaltspiel zu gefallen. Im anfänglichen 4-2-3-1-System mit Arslan rechts, Badelj und Skjelbred auf der Sechs, Ilicevic links und dem in der Vorbereitung auffällig guten Demirbay auf der zehn hinter Rudnevs. Es wirkte sogar so, als hätte Slomka die Vorgabe gemacht, dass die HSV-Profis mit maximal drei Ballkontakten arbeiten müssen. Allerdings auf zweifellos schwierigem Geläuf mit nur sehr mäßigem Erfolg trotz guter Kontermöglichkeiten, die zumeist von Ilicevic über links vorgetragen und verdaddelt (wenn nicht durch Foul gestoppt) wurden.

Bis zur 41. Minute passierte nahezu nichts nach vorne. Während die Österreicher zwei potenzielle Chancen kläglich vergaben, war es Rudnevs, der eine schöne Kombination über Demirbay und Ilicevic gegen die Laufrichtung von Graz- und Ex-St.-Pauli-Keeper Benedict Pliquett zum 1:0 vollendete. Passend zum an sich eher harmlosen Spiel dann das 2:0 durch ein Eigentor von Anel Hadzic. Der Grazer Innenverteidiger fälschte eine Ilicevic-Flanke unhaltbar zum 2:0 (45.) für den HSV ab.

Gleich sieben Wechsel nahm Slomka zur Halbzeit vor. Unter anderem mit Kacar für Djourou in die Innenverteidigung neben Tah. Westermann hingegen ging raus. „Der Trainer hat zu mir gesagt, dass er mich auf der Sechs und hinten ausprobieren will. Und jetzt habe ich zuletzt immer wieder in der Innenverteidigung gespielt“, sagt Kacar, der sich hinten wohlfühlt und die Konkurrenz nicht scheut: „Das ist nur gut. Die Konkurrenz macht uns stärker. Keiner hat mehr Pause, alle müssen immer alles geben. Das macht mich stärker. Ich freue mich darüber.“

Selbst die Tatsache, dass noch ein Führungsspieler für die Innenverteidigung gesucht wird, lässt Kacar kalt: „Wir sind als Mannschaft bereit für Neue. Wir werden sie schnell integrieren und mit ihnen noch stärker. Als Mannschaft und als einzelner Spieler. Noch mehr Qualität kann für uns nur gut sein! Wir wollen alle Erfolg – und bloß nie wieder so eine Saison wie zuletzt.“

Das sollte allemal möglich sein. Denn so schlecht geht es kaum noch einmal. Zumal dann nicht, wenn der HSV fit ist und sich auf entscheidenden Positionen noch verstärkt. Ostrzolek für links hinten, Müller für die Offensive, Behrami für die Sechs und eben ein Innenverteidiger sollen auf jeden Fall kommen. Und sie werden kommen, wie ich Beiersdorfer kenne. Die Frage ist nur wann. Und: Muss für die Zentrale offensiv noch jemand geholt werden? Sollte ein van der Vaart sich weiter so gut präsentieren wie zuletzt, erscheint das eher unnötig. Zumindest für die Position hinter der Spitze. Allerdings ist Pierre Michel Lasogga erneut verletzt. Diesmal zwingt ihn eine Kapselverletzung im Sprunggelenk seit Sonnabend bereits zum pausieren. Ausgerechnet in der Phase, in der die härtesten Einheiten einen wesentlichen Bestandteil der körperlichen Belastbarkeit herbeiführen sollen. Jacques Zoua jedenfalls, das zeigt die Vorbereitung mal wieder, reicht für die Bundesliga nicht. Das muss ich konstatieren, so nett ich ihn auch finde… Negativer Höhepunkt: Heute brachte der zweifellos bemühte, aber fußballerisch allzu limitierte Angreifer sogar das Kunststück fertig, eine flache Hereingabe von Stieber aus 0,5 Metern völlig freistehend vor dem leeren Kasten vorbeizuschießen.

Aber okay, wir müssen weiter abwarten. Es soll sich personell noch einiges tun. Und spielerisch kann der Test heute kein Maßstab sein. Schwache Österreicher gegen müde Hamburger – so, wie’s klingt, lief das Spiel, obgleich der HSV die Partie in der zweiten Halbzeit kontrollierte. “Wir konnten nicht alles so umsetzen, wie wir es uns vorgenommen hatten. Viele sind an der Grenze ihrer körperlichen Belastbarkeit”, resümierte Slomka, der sich zudem über die Rückendeckung Beiersdorfers freute.

Und damit beende ich den Blog, Teil 2. Obwohl, nein, ich muss in Sachen Müller noch etwas nachschieben. Da hat sich heute Abend Manager Heidel noch einmal zu Wort gemeldet. Bei Sky Sport News sagte er: Finden wir einen Ersatzmann für Nicolai Müller – was ganz schwierig ist, insbesondere mit unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten – und liegt zeitgleich ein akzeptables Angebot des HSV vor, könnte ich mir eine Freigabe vorstellen. Aber von beiden Punkten sind wir derzeit noch ganz weit weg. Ich habe mit Dietmar Beiersdorfer telefoniert, wir haben uns ausgetauscht. Der HSV weiß genau um unsere Problematik, bei uns steht ganz klar die Überschrift ‘Wir werden uns sportlich nicht schwächen’. Das kommt nicht in Frage.“

Na dann. Klingt, als müsse der HSV hier noch etwas Geduld haben…

In diesem Sinne, bis morgen. Da soll Beiersdorfer in Stegersbach aufdribbeln. Und ich wage mal die Prognose: er kommt nicht. Mit einer für mich beruhigend schön klingenden Begründung: Er hat schlichtweg zu viel zu tun in Sachen Transfers…

HSV, 1.HZ.: Adler – Westermann, Tah, Djourou, Jiracek – Badelj, Skjelbred – Arslan, Demirbay, Ilicevic – Rudnevs.
2.Hz: Adler – Diekmeier, Kacar, Tah, Jansen – Arslan (63. Steinmann), Jung – Demirbay (63. Nafiu), van der Vaart, Stieber – Zoua.

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