Archiv für das Tag 'Jansen'

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Nichts los im Volkspark – die Ruhe vor dem Sturm

9. Juni 2015

Die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen, und schon ist klar: Der HSV verpasst mal wieder einen gelungene Umbruch. So liest es sich zumindest größtenteils in den Kommentaren in verschiedenen Foren – nicht nur hier. Weil es heißt, Ivo Ilicevic soll einen neuen Vertrag bekommen. Einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag, weil Trainer Bruno Labbadia die Chance sieht, dauerhaft von den zweifellos vorhandenen Qualitäten des Offensivspielers profitieren zu können. Vergessen die Verletzungsarie des heute 28-Jährigen, der seit seiner Unterschrift 2011 für den HSV 61 Spiele verpasste, das heißt jeweils 15 Spiele pro Saison im Schnitt. Verletzt.
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Auf der Suche nach dem neuen Herzstück

7. Juni 2015

Champions-League-Finale in Berlin. 75.000 im Stadion, halb Spanien und halb Italien vor den Fernsehgeräten. Es geht um den höchsten Titel in Europa. Am Ende gewinnt der Favorit, freut sich ekstatisch, und der gemeine Hamburger sitzt auf dem Sofa vor der Glotze und denkt sich nur: Regt Euch doch nicht so auf, seid doch nicht so nervös – es ist doch nur Champions League.

Ja, was ist das alles im Vergleich zum Drama in Karlsruhe. Zweifelsohne eine andere Fußballwelt. Den ganzen Beitrag lesen »

Personalsorgen – na und…?!

30. Mai 2015

Bruno Labbadia lachte viel und feuerte seine Jungs beim Fußball-Tennis an (Siegerteam: Holtby, van der Vaart, Diekmeier). Der HSV-Trainer will sich nichts anmerken lassen, und doch erkennt man genau, was in ihm los ist: Labbadia macht sich Sorgen um sein Personal. Ivo Ilicevic pausierte heute sogar mit leichten Adduktorenproblemen, die eigentlich ein Training nicht zwingend ausschließen. Aber es wird in Watte gepackt, wer angeschlagen ist. Der HSV geht kein Risiko mehr ein, nachdem auf der Zielgeraden immer mehr Spieler wegbrechen.

 

Zum einen sind sie gesperrt – wie Gojko Kacar (5. Gelbe) und Heiko Westermann (10. Gelbe). Zum anderen sind sie verletzt wie Valon Behrami (Knie), Artjoms Rudnevs (Adduktoren) und Marcell Jansen (muskuläre Probleme), die allesamt noch immer nicht mit der Mannschaft trainieren können. Zudem ist neben Ilicevic auch weiter unklar, ob Petr Jiracek (Knie), Pierre Michel Lasogga (Schulter) und Ivica Olic nach seinem Allergieschock wieder vollkommen fit werden bis Montagabend. Letztgenannter war am Freitagabend ins Krankenhaus eingeliefert und am Sonnabend wieder entlassen worden. „Wir müssen schauen, was sich bis Montag ergibt“, so Labbadia, der im heutigen Training ausschließlich auf aktive Regeneration setzte.

Viel machen kann man in den letzten Tagen sowieso nicht mehr. Was jetzt nicht drin ist, bekommt man auch nicht mehr rein. Und fit genug war der HSV, ich meine sogar, der HSV hätte in den letzten 20 Minuten deutlich mehr Kraft gehabt als der KSC, dem der im Hinspiel beste Zweikämpfer (mit den meisten Ballaktionen seines Teams) fehlen wird: Dominic Peitz. Übrigens ebenfalls wegen einer Gelbsperre.

 

Beim HSV rückt auf jeden Fall Dennis Diekmeier für Westermann auf die Rechtsverteidigerposition. „Wir müssen jetzt nicht mehr groß nachdenken, was alles hätte sein können“, so Diekmeier, „wir müssen uns auch keine Gedanken darüber machen, wer gegen den KSC spielt. Wir haben jetzt nur dieses eine Spiel, das alles verändern wird. Und unsere Aufgabe ist mehr als eindeutig: nur der Klassenerhalt zählt. Wie und mit wem wir den schaffen – das ist mir jedenfalls absolut schnuppe.“

 

Stimmt. Absolut sogar. Und dennoch wird heiß diskutiert, ob im Zentrum Rafael van der Vaart neben Marcelo Diaz auflaufen soll oder ob es doch eher der etwas defensivstärkere Jiracek sein sollte, sofern dieser bis dahin komplett fit ist. Gar nicht diskutiert wird offenbar die interessante Variante, die mir mein sympathischer Sky-Kollege und Fußballexperte Sven Töllner heute vorschlug: Warum nicht mit einer Sechs spielen, also mit einem echten Abräumer. „Cléber Reis könnte das doch“, so Tölles Idee, die ich zunächst sehr charmant fand, da ich noch immer davon überzeugt bin, dass der HSV mit der Doppelsechs gegen einen Gegner wie Karlsruhe eine Position verschenkt.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Aber so interessant ich die Idee auch finde, ich glaube, dass eine derart gravierende Umstellung vor einem derart wichtigen Spiel für Labbadia nicht infrage kommt. Und das ist sicherlich auch gut so. „Wir werden auf den letzten Metern nicht mehr groß was probieren“, hatte Labbadia vor dem Hinspiel gegen den KSC gesagt. Und auch diesmal wird er sich an seine Worte halten, glaube ich. Ob letztlich mit van der Vaart für Kacar oder mit Jiracek – offen.

Mehr als wahrscheinlich ist, dass der HSV in Karlsruhe nicht mit einem Gegner rechnen muss, der von der ersten Sekunde an volles Risiko geht. Im Gegenteil. Der KSC muss kein Tor schießen. Wobei ich gelesen habe, dass der KSC mit dem für Montag angesetzten Schiedsrichter Manuel Gräfe beide Heimspiele in dieser Saison verloren hat…

 

Aber im Ernst: Gegen den KSC darf der HSV mutiger spielen als im Hinspiel. Nein, er muss es sogar. Sollte Olic rechtzeitig fit werden, wird er als zweite Spitze zu Lasogga stoßen, der heute zumindest beim zweikampflosen Tennisfußball einen guten Eindruck hinterließ. Dahinter agierte im Hinspiel Lewis Holtby mehr schlecht als recht. Und ich hoffe, dass dieses Mal der einzige auch aus der zweiten Reihe torgefährliche Mittelfeldspieler kommt: Zoltan Stieber.

 

Noch nicht wieder bei 100 Prozent ist Maxi Beister, der sicherlich eine echte Alternative werden dürft, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen sollten. Dem Youngster fehlt nach wie vor die Spielpraxis. Ebenso wie zuletzt Nicolai Müller, der knapp vier Wochen wegen eines Knochenödems ausgefallen war. Beide sollen aber gegen Karlsruhe dabei sein – und beide haben das, was Lasogga und Olic nicht haben: Tempo. Sollte der HSV also wieder nicht in der Lage sein, sich in der Karlsruher Hälfte festzubeißen und mit Flanken auf Lasogga und Co. zu agieren, stünden Labbadia Alternativen bereit.

 

Apropos, beim KSC spielt eine Offensivkraft, die ich sehr gern in Hamburg sehen würde: Dimitrij Nazarov. Der flinke Rechtsfuß brillierte gegen den HSV mit seiner Technik und zeigte bei seinem Lattentreffer in der zweiten Hälfte, dass der 25-Jährige auch torgefährlich ist. Oliver Kreuzer hatte den Nationalspieler Aserbeidschans bereits massivst gelobt – und nicht zu viel versprochen. Und angesichts der Tatsache, dass der HSV mit Jansen und Ilicevic zwei Flügelspieler sowie mit van der Vaart einen nominellen Zehner verliert, finde ich Nazarov schon ob der finanziell sehr angespannten Lage beim HSV hochinteressant. Er hat zwar noch einen Vertrag bis 2016 – aber angesichts des aktuellen Marktwerts von 650000 Euro (Quelle: www.transfermarkt.de) noch eine Menge Potenzial – auf allen Ebenen.

 

Aber okay, das nur nebenbei. Wichtiger als Neue sind jetzt die, die fit sind und in Karlsruhe schaffen sollen, was gefühlt eine Mehrheit nicht mehr zu glauben scheint: den Klassenerhalt. Ich persönlich glaube daran, dass der HSV es schafft, so schwer es auch wird. Mehr gab es heute nicht – und mehr gibt es grundsätzlich eigentlich auch nicht mehr zu sagen. In diesem Sinne: Euch allen einen schönen DFB-Pokalabend. Und bis morgen.

 

Scholle

 

P.S.: Apropos Pokal: So sieht Public Viewing in Wolfsburg aus (Quelle “1887tv”), zumindest 90 Minuten vor Anpfiff:

Wolfsburg vor dem Pokalendspiel

“Nur wer bei 100 Prozent ist, kann spielen”

26. Mai 2015

Ein Gast am Tresen, ansonsten war es heute leer. Und das bei dem herausragenden Essen. Letztes Mal war es ein XXL-Schnitzel mit Beilagen bis zum Abwinken – diesmal war es frischer Spargel mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise für 11,50 Euro auf „Mascha’s“ Tafel mit dem Angebot des Tages. Und so lecker sein Essen ist, so präzise sind seine Vorhersagen. Zuletzt hatte er gesagt, der HSV schaffe es. Zumindest in die Relegation. Dieses Mal sieht Manfred-Michael Janz, wie Mascha bürgerlich heißt, den HSV schon im Hinspiel deutlich vorn. 2:0 in der Imtech-Arena. Sagt er. Und ich würde diesen Tipp sofort unterschreiben…

 

Mascha im Interview, Teil 2:

 

Ebenso Bruno Labbadia, der um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe weiß. Auch der Direktor Profifußball, Peter Knäbel, mahnt, den Relegationsgegner nicht zu unterschätzen. Er habe in den letzten fünf Wochen jeweils die Spiele der Karlsruher gesehen und warnt vor der Ausgeglichenheit der Mannschaft. „Sie ist in sich gefestigt. Der KSC spielt guten Fußball, ist in der Liga die Mannschaft mit dem meisten Ballbesitz und den wenigsten Gegentoren. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so Knäbel heute bei schönstem Sonnenschein vor der Trainingseinheit der Profis in Malente.

 

Wobei ich mir sicher bin, dass die Mannschaft den Gegner nicht unterschätzt. Diejenigen, die schon letzte Serie gegen Fürth dabei waren, werden sich sicherlich gut erinnern und diese Erinnerungen an den Rest weitergeben. „Wir reden viel miteinander“, sagt Labbadia, der das zweite Mal Malente als teambildend empfindet, „weil ich sehe, dass die Mannschaft sich mit sich selbst beschäftigt. Es wird viel miteinander gesprochen. Und der Zusammenhalt ist das, was unser Spiel auszeichnet.“ Das und die zweifellos letzte erstklassige Bastion im Klub: die Fans. Das Hinspiel war schon so gut wie ausverkauft, noch bevor der Gegner feststand.

Offen ist indes noch, ob Rafael van der Vaart nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder ins Team rücken wird. Auch, weil mit Ivica Olic (Rücken) und Pierre Michel Lasogga noch zwei angeschlagene Spieler fraglich sind. Und während Letztgenannter heute ohne Probleme durchtrainierte, beendete Olic das Training vorzeitig. Abgesprochen zwar – aber der Kroate ist eben noch nicht wieder gesund.

Balltraining - aber für den Rücken und nicht mit den Füßen für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist noch offen

Balltraining – aber mehr für den Rücken als für die Füße hieße es heute noch für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist wegen anhaltender Rückenplobleme noch offen

„Klar ist, dass in den beiden Spielen nur spielen kann, wer bei 100 Prozent ist. Wenn irgendwer auch nur einen Prozentpunkt Konzentration auf seinen Zeh, seinen Rücken oder seine Schulter verschwendet, fehlt ihm dieser im Zweikampf und es geht schief“, sagt Knäbel und Labbadia pflichtet seinem direkten Vorgesetzten bei: „Das werden zwei außergewöhnlich intensive Spiele, in denen uns definitiv alles abverlangt wird. Deshalb arbeitet unsere medizinische Abteilung unter Hochdruck und wir müssen ganz genau schauen, wer wie weit ist.“

 

Außer verletzungsbedingt hat Labbadia tatsächlich wenig Grund zu wechseln. Wobei – ich würde es dennoch machen. Denn der KSC wird den HSV nicht annähernd so hoch angreifen wie die meisten Bundesligisten. Der HSV wird agieren müssen – die Karlsruher reagieren. Dafür muss der HSV so spielstark wie möglich aufgestellt werden. Zuletzt bekam der Chilene Marcelo Diaz nach langer Verletzungspause seine Chance – und konnte sie nur bedingt nutzen. Neben Kacar gelang ihm nicht viel, obgleich die Analyse-Experten von „spielverlagerung.de“ ihn zum Schlüssel für den Sieg erkoren. „Besser. Noch besser“, waren Diaz’ Worte nach dem Spiel – und er meinte sich selbst. Er erwartet noch mehr von sich. Und das ist gut so. Denn in Sachen Spielaufbau übernahm er zwar die Rolle des Anspielpunktes im Mittelfeld, allerdings ohne dabei offensive Aktionen einleiten zu können.

 

Aber zurück zur großen Frag: Spielt Rafael van der Vaart oder spielt er nicht? Ich glaube, er spielt, sobald Lasogga und/oder Olic ausfallen. Und obgleich ich ihm das Erstligaformat nach nunmehr 34 langen Spieltagen absprechen musste, in dieser Partie könnte er noch mal wichtig sein. Zum einen, weil ich weiß, dass er sich selbst sehr über sich selbst geärgert hat und traurig war, sich nicht auf dem Feld verabschieden zu können. „Er hat am Rand gelitten, weil er zum Zuschauen verdammt war“, sagte Knäbel heute und versicherte: „Wenn er noch mal gebraucht wird, wird er da sein. Er will sich gut verabschieden.“

 

 

Stimmt, aber allein darauf kommt es nicht an. Denn in diesem beiden Spielen ist nicht allein ein feiner Fuß (der zu selten zur Wirkung kommt) gefragt, sondern auch Körperlichkeit und vor allem Tempo. Einzige Ausnahme könnte die Spitze sein, sofern der HSV das voraussichtlich defensivere KSC-Spiel für Flankenläufe und Bälle in den Sechzehner nutzen kann. Denn dort ist und bleibt Lasogga gefährlich. Und dort hat Olic seinen ersten ernst zu nehmenden Treffer selbst erzielt. Heute indes drehte er nur einige Runden um den Platz und verbrachte den größten Teil der Trainingszeit im Kraftraum sowie auf der Massagebank.

Der Rest der Mannschaft absolvierte ein lockeres Balltraining ohne größere Laufarbeit. „Auflockern, ausschlafen und den Kopf wieder frei bekommen“, hatte Labbadia sich vom erneuten Trainingslager versprochen. Und viel mehr scheint es auch nicht zu sein. Morgen soll am späten Nachmittag die zweite Einheit stattfinden. Viel ausstehen müssen die HSV-Profis demnach nicht. „Fein-Tuning“ nennen die Verantwortlichen den Inhalt des Malente-Trainingslagers, Teil zwei.

 

Dabei wird es am Donnerstag in erster Linie darum gehen, wie die Mannschaft mit dem zweifellos vorhandenen Druck umgehen wird. Der HSV kann etwas verlieren und muss zudem gleich zu Beginn zu Hause antreten. „Der HSV hat die Qualitäten, den KSC zu bezwingen“, weiß der an den FC Kaiserslautern verliehene und heute für die U21-EM nominierte Kerem Demirbay (Glückwunsch, Kerem!!!), der auch warnt: „Karlsruhe ist eine seltsamerweise sehr erfahrene Truppe mit einer guten Abwehr und einem richtig guten Stürmer, auf dessen Namen ich gerade nicht komme.“ Rouwen Hennings? „Richtig“, so Demirbay, „die sind hinten kompakt und vorn gefährlich. Aber der HSV hat diese Mittel auch und braucht sich absolut nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Der HSV muss zeigen, dass er den KSC ernst nimmt, ihm aber keine Chance lässt.“ Demirbays Prognose? „Es wird hart, aber der HSV hat das Zeig, im Hinspiel die Weichen zu legen und die Klasse zu sichern.“

 

Na denn. Das klingt doch gut. Und um noch einmal auf van der Vaart zurückzukommen: Ich würde ihn allein ob der Szene in Stuttgart zunächst nur auf die Bank setzen und es ihm gegenüber auch so begründen. Allerdings glaube ich, dass diese Szene in van der Vaart gärt und er nichts lieber will, als diesen Fehler zu korrigieren. Damit hätte man einen hochmotivierten Mann, der von der Bank aus das Spiel verändern könnte. Andererseits, sollte van der Vaart am Ende sogar von Beginn an spielen – dann wird Labbadia es sich sehr gut überlegt haben und sportlich seine Gründe haben. Denn dass er sich nicht von Namen blenden sondern nach Leistung aufstellt, hat er unlängst bewiesen. Das zeigt schon die Art, wie und auch dass er Valon Behrami “aussortiert” hat. Eine Maßnahme mit Signalwirkung an die Mannschaft. Vielleicht hat Labadia ja auch die richtigen Signale für seinen Kapitän parat. Ich hoffe es – nein: ich glaube es.

 

In diesem Sinne, alle Mann an Bord.

 

Bis morgen

Scholle

Die Hoffnung des HSV? Der liebe Gott und ein Wunder

17. Mai 2015

Das, was keiner will, ist eingetreten. Der HSV hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand. Ebenso wie das eigene 1:2 beim VfB Stuttgart waren die Siege des SC Freiburg und Hannover 96 für diese Konstellation verantwortlich. Vielleicht wirft die Haltung der Bayern im Breisgau Fragen auf, aber am Ende bekommt der HSV, was er verdient. Und das ist nach diesem desaströsen Spiel in der Mercedes-Benz-Arena der vorletzte Tabellenplatz und die Gewissheit, dass nicht einmal ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke den Klassenerhalt – oder wenigstens die Relegation – aus eigener Kraft sichern würde.

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

„Wir haben eine Ausgangslage, die sich drastisch verschlechtert hat“, stellte Trainer Bruno Labbadia klar. „Dabei war uns ja von Beginn an klar, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen würden. Allerdings haben wir uns die gute Position, die wir uns erarbeitet haben, kaputt gemacht.“ Und wie sie das gemacht haben. Gegen 15.45 Uhr stand der HSV mit eineinhalb Beinen in der Bundesliga, am Ende steht die Mannschaft mit eineinhalb Beinen im Unterhaus. „Es war ein Matchball, den wir vergeben haben“, setzte Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer drauf. „Die Leistung war enttäuschend. Das war schwach und zu wenig.“ Weitere Analysen über die Hintergründe dieses Auftritts lieferten die Verantwortlichen nicht. Im Grunde war das auch schnell zu erkennen. Ich will mich auf wenige Dinge beschränken, die alle miteinander zu tun haben.

Das erste Mal hatte ich an diesem Nachmittag in Stuttgart ein ungutes Gefühl, als die HSV-Profis mit den T-Shirts zum Warmlaufen auf den Rasen marschierten. „Wir schaffen es!“ stand darauf. Allzu große Sicherheit, die Bekanntgabe einer Hoffnung als Tatsache, die die Spieler am Ende eingeholt hat. Ein Ergebnis sollte man erst nach vollbrachter Arbeit verkünden – nicht schon vorher. Besser haben es die Stuttgarter Fans gemacht, die ihre Mannschaft mit einem großen „Niemals-aufgeben“-Plakat begrüßt haben. DAS war das eigentliche Motto. Und der VfB hat es deutlich besser umgesetzt als der HSV.

Es war beängstigend mit anzusehen, wie der HSV nach 25 Minuten aufgehört hat, an dieser Partie teilzunehmen. Mit dem Stuttgarter Ausgleich, dessen Zustandekommen vielleicht glücklich war, erlahmte alles bei den Hamburgern. Rajkovic und Djourou fanden keine Anspielstationen mehr, weil sich alle Mittelfeldspieler verkrümelten. Wo war van der Vaart? Wo war Kacar? Was war mit den Flügeln Jansen und Ilicevic, die nicht zu sehen waren? Es war so viel Angst im Spiel, dass alle nur noch weggerannt sind.

Einige Spieler verdienen besondere Beachtung. Rafael van der Vaart zum Beispiel hat 90 Minuten nach einer Gelbe Karte gebettelt. Fouls, Geschimpfe, Nicklichkeiten. Immer wieder sprach Schiedsrichter Manuel Gräfe beschwichtigend mit ihm – aber in der Nachspielzeit konnte er nicht mehr anders. Nach einer weiteren Meckerei gab’s endlich die 10. Gelbe Karte und damit die Sperre gegen Schalke. Van der Vaart hat sich dazu gestern nicht mehr geäußert, aber das hatte schon schwer den Anschein, als ob er diese Verwarnung provoziert hätte. Ein schlimmes Verhalten.

Pierre Michel Lasogga durfte nach dem frühen Zusammenprall mit seinem Kollegen Ivica Olic bis zur 59. Minute weiterwurschteln. Der Bursche gehörte aber sofort ausgewechselt, er torkelte nur über den Rasen. Es war keine Kopfverletzung, sondern eine Schulterprellung, wie heute diagnostiziert wurde. Trotzdem: Bei Lasogga ging gar nichts, der HSV auch aus diesem Grund quasi eine Stunde lang nur zu zehnt. Bruno Labbadia versicherte heute nochmals, dass er seinen Angreifer immer wieder gefragt habe, ob es weitergehe. Lasogga sagte ja – eine Fehleinschätzung.

Am Ende fehlte der gesamten Mannschaft Spannkraft. Nichts war zu spüren von dem Willen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. Die meisten Zweikämpfe gingen flöten, es war eine Selbstaufgabe. Das, was Bruno Labbadia mühsam an Streichhölzchen aufgebaut hatte in den vergangenen Wochen zu einem ansehnlichen Türmchen, fiel durch einen Windhauch zusammen. Es war nicht mehr als ein Windhauch, denn natürlich war auch Stuttgart zunächst total unsicher. Zwar stürmten sie in den ersten fünf Minuten, aber nach dem 0:1 durch Kacar schossen die Schwaben die einfachen Pässe ins Seitenaus oder die steilen Schläge ins Nirvana. Bis sie merkten, dass sie vom HSV nichts zu befürchten hatten. 10:1 Schüsse aufs Tor – so sah es am Ende aus. Die Partie hätte 5:1 ausgehen müssen, wenn Rene Adler nicht so viel gehalten hätte.

„Als wir gekommen sind, waren wir Tabellenletzter“, so Bruno Labbadia heute. „Da hätte niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Natürlich hatten wir nicht gedacht, dass wir diesen Rückschlag erleiden würden. Aber trotzdem haben wir noch eine Möglichkeit. Wir müssen nicht jammern, sondern an uns glauben. Wir müssen Schalke schlagen, und dann werden wir sehen, was passiert.“

Dietmar Beiersdorfer wurde heute mehrfach gefragt nach seinen Fehlern in dieser Saison. Die Ernennung von Peter Knäbel zum Cheftrainer zum Beispiel. Beiersdorfer wehrte all diese Fragen ab und verwies auf die nächste Woche, wenn die Saison vorbei ist. „Es ist unsere Aufgabe, im Management intern über alle Szenarien zu sprechen. Das tun wir schon länger. Aber unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vorher, das Spiel gegen Schalke zu gewinnen und die Möglichkeiten zu haben, drin zu bleiben.“ Dies kann ich im Moment nachvollziehen. Beiersdorfer bringt es heute nichts, Selbstzerfleischung zu betreiben oder auch nur den nachvollziehbaren Wunsch der Öffentlichkeit nach Benennung der Schuldigen zu befriedigen. In den kommenden sechs Tagen geht es nur um das Schalke-Spiel.

Vielleicht geht es danach noch um die Relegationsspiele – das weiß der Fußballgott. Auf den wird es übrigens auch wieder ankommen. Dessen ist sich Zoltan Stieber sicher, der beim Blick auf die Konstellation keine anderen Ratschläge mehr hat: „Wir müssen alles geben gegen Schalke und gewinnen. Hoffen wir, dass der liebe Gott auch mit uns ist.“ Ähnlich formulierte es Rene Adler: „Wir haben jetzt noch ein Spiel und können die Tabelle auch lesen. Die Situation ist beschissen. Aber wir können es noch schaffen. Ich glaube, dass wir Schalke schlagen, und mit ein bisschen Hoffen und Bangen – vielleicht gibt es noch ein Wunder.“ Oder hat der HSV im vergangenen Jahr alles Glück der Welt aufgebraucht?

Und wie soll diese Truppe, die in Stuttgart offenkundig unter dem Druck zusammen gebrochen ist, den noch viel größeren Druck des kommenden Spiels meistern? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Hoffnung gibt es nur, weil es in dieser Saison ab und an geklappt hat. Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben schon mal ähnlichen Druck gehabt gegen Augsburg. Das war auch ‚letzte Ausfahrt Klassenerhalt‘. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht. Man muss das Positive sehen. Wenn man nicht dran glaubt, wird es auch nichts. Wir werden bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist unsere Pflicht und unsere Leidenschaft.“ Na ja….

Als besondere Maßnahme prüft der Verein nun ein erneutes Trainingslager. Die Entscheidung, ob das kurzfristig zu realisieren ist, steht zur Stunde noch aus. Jedenfalls würde Labbadia nach dem trainingsfreien Montag ab Dienstag gern mit seinen Profis eine Luftveränderung vornehmen. Klar ist, dass es nicht erneut nach Rotenburg gehen wird, wo er den HSV bereits nach seinem Amtsantritt zusammengesammelt hatte.

Hoffnung hat übrigens auch Peter Knäbel – das sagte er gestern im ZDF-Sportstudio: „Die Relegation zu gewinnen, wäre für uns wahrscheinlich auch schon ein Erfolg. Wir haben es fast in eigener Hand. Bei den ganzen Entwicklungen dieses Spieltages sehen wir, dass es auch schnell mal in die andere Richtung gehen kann.“ Knäbel war heute übrigens zur Spielbeobachtung in Braunschweig, wo der mögliche Hamburger Relegationsgegner Karlsruher SC mit 2:0 gewann.

Und nun noch ein Wort mehr oder weniger in eigener Sache. Am vergangenen Mittwoch habe ich ein paar Absätze zu Carl Jarchow geschrieben, der aus dem HSV-Vorstand ausgeschieden ist. Die Pawlowsche Reaktion bei einigen Kommentaren hätte ich mir denken können. „Gefälligkeitsjournalismus“ hier – „die Presse ist Teil des Problems“ da.

Habe ich geschrieben, dass Jarchows Vertragsverlängerung 2012 ein Fehler war? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass Jarchow viele sportliche und wirtschaftliche Fehler begangen hat? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass der Verein nach seiner Amtszeit schlechter dastand als vorher? Komisch, das habe ich ja auch geschrieben.

Ich lasse mir ungern das Wort im Mund herum drehen und insofern waren einige der Kommentare aus meiner Sicht reichlich daneben. Ich habe hier schon vor einigen Wochen ausführlich zur Campus-Peinlichkeit Stellung bezogen. Dieses Projekt wurde damals von Jarchow/Hilke angeschoben, und dass es primär eine Geld-Beschaffungsmaßnahme war – dieser Eindruck ist wohl kaum zu leugnen. Gut verpackt mit einem neuen Nachwuchsprojekt, zugegeben, aber die Umplanungsmaßnahmen, die durch Bernhard Peters und Co. vorgenommen wurden, zeigen, dass das ursprüngliche Konzept auch inhaltlich nicht durchgetaktet war. Inhaltlich – das war nicht die Priorität. Aber: Jarchow und alle anderen im HSV waren und sind dafür rechtlich nicht zu belangen gewesen. Das ist Stand heute Tatsache.

Diese Zusammenhänge, und dass Alexander Otto den Granden den Allerwertesten gerettet hat mit seiner 10-Millionen-Euro-Zuwendung, das wurde auch hier von Scholle, Dieter und mir thematisiert. Als ich geschrieben habe, dass Jarchow gut aus seiner HSV-Vorstands-Zeit herausgekommen ist, wurde das hier ebenfalls als Medien-Problem dargestellt. Nach der Devise: Ihr habt ihn aber auch schön in Frieden gelassen.

Wer bitteschön hat Carl Jarchow, der jahrelange Minus-Zahlen als Vorstands-Vorsitzender zu verantworten hatte, denn vor allem in Frieden gelassen? Das waren die HSV-Mitglieder selbst, von denen einige mich nun hier kritisiert haben. Jarchow hat nicht eine einzige kritische Nachfrage erhalten auf der Mitgliederversammlung im Januar. Da war nicht die Rede davon, dass der Verein reihenweise Rote Zahlen geschrieben hat und die Campus-Millionen versickert sind. Von der Frage, ob die einzelnen Vorstände denn überhaupt entlastet werden – auch Joachim Hilke hätte diese Frage treffen können – war ebenfalls nichts zu hören. Gar nichts.

Was mir wichtig ist und war bei der Betrachtung Jarchows und vieler anderen, deren Wirken für den HSV am Ende in einem negativen Licht stand: Sie alle wurden auch von bestimmten Leuten, namentlich vom Aufsichtsrat, eingesetzt. Wenn Jarchow gescheitert ist, dann ist auch der alte Aufsichtsrat gescheitert. Führungskräfte in Unternehmen haben EIN wesentliches Instrument zur Steuerung der ganzen Firma, und das ist die Personalauswahl. Ist also Jarchow gescheitert, dann spricht das gegen diejenigen, die ihn ins Amt gehoben haben. Analog heute: Zeigt sich, dass Dietmar Beiersdorfer, wie von Scholle am Montag geschrieben, eigentlich kein Vorstands-Vorsitzender ist, dann geht diese Kritik in erster Linie an das Gremium, das Beiersdorfer bestellt hat. Und schon wären wir bei Karl Gernandt und seinem Team.

Zurück zu Jarchow. Zu guter letzt wurde nämlich angezweifelt, dass Jarchow für die Ausgliederung war. War er aber. Nicht als jemand, der sie initiiert hätte oder angeschoben. Das waren andere – das war die Gruppe HSV-Plus um Otto Rieckhoff. Aber dass Jarchow dessen ungeachtet dafür war, ist einfach Fakt. Das haben mir alle möglichen Menschen aus dem Verein bestätigt. Vermutlich wird mir nun auch noch weiter vorgehalten, ich habe HSV-Plus nicht gewollt. Ich verweise höflich auf eine „Matz-ab-live“-Sendung vom September 2013. Hier habe ich deutlich gesagt, die Ausgliederung muss kommen. Zu diesem Zeitpunkt war HSV-Plus gerade ein paar Tage auf dem Markt. Dass ich diese Haltung anschließend nicht marktschreierisch vor mir hergetragen habe wie andere, liegt wohl daran, dass ich Journalist bin. Aber egal, ob jemand aus meiner Sicht schlechte Arbeit geleistet hat – Kritik unter der Gürtellinie wird es von mir nicht geben.

Im übrigen: Welche Gefälligkeit sollte ich wohl von Carl Jarchow erwarten, wenn er Vize-Präsident des Hamburger Fußball Verbandes ist? VIP-Karte fürs Oddset-Pokal-Endspiel?

Noch sechs Tage bis zum Schalke-Spiel.

Lars
18.00 Uhr

Die “Affen” tanzen, der HSV liegt am Boden!

16. Mai 2015

Stuttgart bezwingt den HSV im Abstiegs-Endspiel 2:1 – die „Affen“ tanzen, der HSV liegt am Boden. Nun muss es sich am letzten Spieltag zeigen, ob der HSV tatsächlich immer wieder aufstehen kann. Am Sonnabend geht es im Volkspark gegen Schalke 04 um alles – jetzt ist der HSV erst einmal auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen. Es scheint, als müsste auch in diesem Jahr wieder ein Wunder helfen, um den Dino vor der Zweiten Liga zu bewahren. Der HSV bot auch im Ländle eine erschütternde Leistung, der Tabellenletzte war klar und deutlich das bessere Team und gewann verdient. Die Hamburger hatten deutlich mehr Unzulänglichkeiten zu bieten, als der VfB, HSV-Trainer Bruno Labbadia schlug sich mehrfach entsetzt die Hände vor das Gesicht. So wird das kaum noch etwas. Und für das Schalke-Spiel fällt nun auch tatsächlich noch Kapitän Rafael van der Vaart aus, der sich in der Nachspielzeit die zehnte Gelbe Karte der Saison erbettelte – Schiedsrichter Manuel Gräfe erhörte den Niederländer! Jetzt hat es der HSV schon nicht al mehr in eigener Hand, den Abstieg noch zu vermeiden. So sieht die Realität im Mai 2015 aus. Gute Nacht!

 

Mit der Aufstellung überraschte Trainer Bruno Labbadia auch diesmal wieder. Es scheint ein Hobby von allen Fußball-Lehrern zu sein, die den HSV coachen. Diesmal kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste, und Ivo Ilicevic musste wohl deswegen ins Team, weil er ein Rechtsfuß ist. Obwohl der frühere Lauterer mal gesagt hatte, dass er rechts eigentlich nicht spielen möchte. Nun gut, in der allergrößten Abstiegs-Not frisst der Teufel wohl doch Fliegen . . .

 

Die „Affen“, wie VfB-Trainer Huub Stevens seine Spieler in der Woche tituliert hatte, traten mit der stimmgewaltigen Unterstützung von 54 000 Zuschauern an – aber der HSV hielt tapfer dagegen. Und ging sogar mit 1:0 in Führung. Freistoß von halbrechts, den gab Rafael van der Vaart mustergültig (diesmal mustergültig!) vor das Stuttgarter Tor, und dort stieg am Elfmeterpunkt Gojko Kacar in die Luft und köpfte ein. Der Wahnsinn! Kacars drittes Tor in Folge! Das ist unfassbar! Und die Teamkollegen erdrückten den Serben fast vor Freude. Der HSV auf dem Weg zum rettenden Ufer?

 

Leider nein. Und ausgerechnet Kacar bereitete den Ausgleich der Schwaben vor. Der HSV-Torschütze hätte einen Ball weit und hoch aus dem Strafraum herausschlagen können, nein müssen, aber er traf den Ball nicht gut. Stuttgarts Serey Die fing den Ball leichtfüßig ab, und postwendend flog die Kugel wieder zurück in den HSV-Strafraum, weil Marcell Jansen die Flanke nicht verhindern konnte, im Gegenteil, er fälschte die Kugel noch leicht ab. Am Fünfmeterraum-Eck kam Gentner an den Ball, und der schoss, bedrängt von Slobodan Rajkovic, aus der Drehung den Ball durch die Beine von Rene Adler ins Tor (27.). Wie bitter. Plötzlich war Stuttgart hellwach.

 

Und legte nach. In der 35. Minute hieß es 2:1 für den Tabellenletzten. Eckstoß von links, am kurzen Pfosten verlängerte Gentner (setzte sich gegen Ivica Olic durch) den Ball auf das lange Eck, und dort schien die gesamte HSV-Defensive irgendwie eingenickt. Marcell Jansen ließ den aus Hamburg stammenden Martin Harnik (Vier- und Marschlande) gewähren, der auf der Torlinie (am Pfosten) stehende Ilicevic zog schnell mal den Kopf zwischen die Schultern – Tor. Wie bitter war das denn bitte? So kann man im Abstiegskampf, jedenfalls den in der Ersten Bundesliga, nicht agieren. Das ist ein ganz schlimmes Abwehrverhalten, spricht aber Bände für diesen HSV. Und wenn es ganz schlecht gekommen wäre, dann hätte Harnik kurz vor der Pause noch das 3:1 erzielt, nachdem er sich gegen Rajkovic und Johan Djourou durchgesetzt hatte, aber der Österreicher schoss dann doch zwei, drei Meter am HSV-Tor vorbei.

 

Halbzeit. Und Stuttgart jubelte. Weil der VfB dann ganz klar Chef im Ring war. Die „Affen“, die nach dem 2:1 auch wie die Affen getanzt hatten, waren deutlich besser. Der HSV leistete sich viele und in der Entstehung ganz amateurhafte Fehlpässe, Stuttgart war schneller, wirkte frischer, zeigte viele Ideen – und waren schlicht williger, auch viel hungriger auf den Erfolg. Die HSV-Spieler zeigten dazu einige ungewöhnliche technische Fehler. So „paddelte“ Ivica Olic gleich zweimal bei VfB-Eckstößen am Ball vorbei, als er an erster Stelle stand. So etwas darf ganz einfach nicht passieren – aber beim HSV ist das leider an der Tagesordnung.

 

Die Überlegenheit des Schlusslichtes, das längst am HSV vorbeigezogen war, wurde im zweiten Durchgang noch eklatanter. Der VfB stürmte mit Mann und Maus, und der HSV hatte kaum bis nichts dagegen zu setzen. In der 62. Minute schien das 3:1 fällig, überfällig sogar, als Harnik an Rajkovic vorbeigezogen war und quer legte, aber Djourou rettete in allerhöchster Not vor Ginczek – nur Eckball für den VfB. Und als kurz darauf Adler unter einer Flanke durchlief, hätte Didavi eigentlich nur köpfen müssen, dann hätte es 3:1 gestanden – aber der Stuttgarter zögerte zu lange, Chance vorbei. Glück für den HSV. Aber was hilft es?

 

Adler wehrte noch bravourös gegen den frei vor ihm auftauchenden Kostic ab, der Ball prallte danach gegen die Latte (83.). Und noch einmal Adler in der 88. Minute, als er super gegen den durchlaufenden Werner hält. Zum Schluss war das 1:2 für den HSV noch glücklich, weil es nur so knapp war.

 

Niemals Zweite Liga.
???? Das wird noch enger als 2014!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Ilicevic, Jansen (64. Min. Jansen); Olic; Lasogga (58. Min. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler leistete sich eine Schwäche, ansonsten bewahrte er den HSV vor einer höheren Niederlage. Das war eine Weltklasse-Leistung, Note eins mit Sternchen. Aber was hilft es, wenn eine solche Benotung nur auf den Torwart zutrifft?

 

Heiko Westermann hatte gegen den pfeilschnellen Kostic einen ganz schweren Stand, zweimal wurde er regelrecht „nass“ gemacht, ansonsten war das halbwegs in Ordnung.

 

Slobodan Rajkovic wirkte hölzern und langsam, im Moment scheint er mehr und mehr an Form zu verlieren.

 

Johan Djourou war der einzige Lichtblick in der Viererkette, der Schweizer warf sich immer wieder in die Angriffe der Schwaben – das war okay.

 

Matthias Ostrzolek schwamm mit, und zwar tüchtig, da war von Souveränität und Erstliga-Niveau nicht allzu viel zu erkennen.

 

Gojko Kacar markierte „sein“ Tor, da sah alles noch rosig aus, aber dann ging es bergab mit dem HSV – leider auch für den Serben.

 

Rafael van der Vaart ging leider nach dem 1:1 stetig mit unter.

 

Ivo Ilicevic war nie zu sehen. Warum er das so lange zeigen durfte? Ich weiß es nicht! Null Zweikampfverhalten, das mal nur so nebenbei.

 

Marcell Jansen blieb fast alles schuldig, leider, leider.

 

Ivica Olic das war überhaupt nichts. Und zwar 90 Minuten lang.

 

Pierre-Michel Lasogga tauchte von der ersten Minuten an ab und spielte viel zu lange.

 

Artjoms Rudnevs (ab 58. Min. für Lasogga) wollte bestimmt, konnte aber nichts mehr bewegen. Weil sein Umfeld es auch nicht mehr konnte.

 

Zoltan Stieber (ab 64. Min. für Jansen) ist nicht der Typ, der reinkommt und alles durcheinanderwirbelt. Das bewies er auch in Stuttgart.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Stuttgart. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die Schwaben zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Abwehrspieler Detlef Spincke sowie Hamburgs erfolgreichster Amateurtrainer, Bert Ehm, zurzeit Manager des TSV Sasel. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.

 

PS: Die Zweite hat heute ihr Regionalliga-Spiel in Lübeck gegen den VfB mit 2:0 gewonnen. Ahmet Arslan, der ehemalige Lübecker, erzielte das 1:0, Matti Steinmann den 2:0-Endstand – schon vor dem Seitenwechsel. Glückwunsch!

 

PSPS: Wer immer noch mehr HSV und Fußball will, der sollte morgen den „Sportclub live“ im Dritten Programm (NDR) einschalten. Da sind der frühere HSV-Trainer Frank Pagelsdorf und der ehemalige Volleyball-Bundestrainer, heutige Mental-Coach und immer noch HSV-Ehrenmitglied Olaf Kortmann (auch bei uns schon mehrfach zu sehen) zu Gast. Viel Spaß.

 

17.27 Uhr

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