Archiv für das Tag 'Jansen'

Beim HSV gehen die Lichter aus

28. Oktober 2014

Wenn die Generalprobe in die Hose geht – dann ist das nicht immer schlecht. Im Gegenteil. Zumindest besagt das eine alte Theaterregel – und demnach hätte der HSV morgen gegen den FC Bayern München tatsächlich gute Chancen auf ein Weiterkommen. Denn nach einem sehr durchschnittlichen, eher laschen Abschlusstraining musste Trainer Josef Zinnbauer die Einheit vorzeitig abbrechen, nachdem die Flutlichtanlage plötzlich erlosch. „Das war alles so geplant“, lachte Zinnbauer die kleine Panne weg. Zumal er die letzte Übung (Abschluss nach Flanke und Pass) eh nur noch wenige Minuten laufen lassen wollte. Statt 18 Uhr war somit fünf Minuten früher als geplant, um 17.55 Uhr Schluss. Wichtiger: Der Trainer war nur bedingt schlauer, was seinen Kader für das Bayern-Spiel betrifft.

Die Sendung beginnt um 23:00 Uhr.

Denn der hat noch ein großes Fragezeichen: Kann Valon Behrami spielen oder nicht? Im Abschlusstraining war der Schweizer dabei. Allerdings war deutlich zu sehen, dass er noch nicht ganz fit ist. Der so wichtige Abräumer mied Zweikämpfe sicherlich präventiv – allerdings lief er sauch extrem unrund. Zwischendurch machte es den Anschein, als würde er gar abbrechen wollen, was „der Beißer“ aber selbstredend nicht tat. „Ich werde mich unterhalten“, so Zinnbauer, „mit Valon und unseren Medizinern. Danach entscheiden wir.“

Für Abendblatt-Blogs


Und diese Entscheidung sah heute Abend so aus, dass zunächst 19 Spieler im Kader sind. Zu dem Hertha-Kader gesellt sich für den Pokalfight der wieder genesene Petr Jiracek als möglicher Behrami-Ersatz. Eine Personalie, die Zinnbauer im Abschlusstraining testete. Er mischte im Abschlussspiel die Mannschaftsteile. Soll heißen: Die Stamm-Viererkette mit Götz, Westermann, Djourou, Ostrzolek und Keeper Drobny sowie den beiden Sechsern Arslan und eben Jiracek spielte mit dem B-Mittelfeld. Davor agierten Lasogga und Rudnevs als Doppelspitze. Derweil testete Zinnbauer auf der anderen Seite das Mittelfeld Müller, Holtby, Green mit van der Vaart als einzige Spitze vor den potenziellen Reservisten.

Mein Kollege Kai Schiller wollte für seine Aufstellung im Printbereich wissen, ob es mehr nach Behrami oder Jiracek auf der Sechs aussah. Und ich sagte: Mehr nach Jiracek. Allerdings wissen wir alle, wozu die heutige Medizin fähig ist. Und sollte Zinnbauer den Pokalabend gegen die nominell übermächtigen Bayern doch hundertprozentig wichtig nehmen, dürfte der Schweizer mit Schmerzmitteln fit gemacht werden können. Dass er im spielfähigen Zustand momentan unverzichtbar ist, ist hinlänglich bekannt. Allerdings hoffe ich, dass der HSV gerade hier kein überhöhtes Risiko eingeht und eher mit Weitsicht und der Priorität Bundesliga seine Mannschaft aufstellt. Soll heißen: Behrami schonen, wenn er nicht wirklich 100 Prozent fit ist. Zumal ich tatsächlich gespannt wäre, wie sich Jiracek auf der Sechs macht. Gerade gegen den FC Bayern, der ohne Arjen Robben anreist, dürfte es hier mächtig viel Arbeit geben. Und somit auch mächtig viele Möglichkeiten, sich zu empfehlen.

Nicht wirklich empfohlen hatte sich zuletzt Rafael van der Vaart mit durchwachsenen Leistungen gegen Hoffenheim und Hertha. Und das blieb auch heute im Training so. Der Versuch mit ihm als Spitze samt Holtby auf der Zehn dahinter erscheint mir sehr mutig. Mehr noch: Es wirkt auf mich wie ein Eingeständnis im Vorwege, sich gegen den FC Bayern nach vorn wenig bis nichts auszurechnen. Denn dass man mit dem Niederländer noch weniger auf Konter spielen kann als mit Pierre-Michel Lasogga ist klar. Womit ich bei der Frage nach Artjoms Rudnevs bin. Weshalb Zinnbauer nicht einmal gegen die spielerisch derart überlegenen Bayern auf die Schnelligkeit und das Laufvermögen von Artjoms Rudnevs setzt, erschließt sich mir nicht. Der Lette ist wie zuletzt gegen Hoffenheim und Hertha BSC nicht einmal im Kader. Dabei hat Mönchengladbach am Sonntag erst gezeigt, was man mit einer massierten Defensive und schnellen Kontern auch gegen den Rekordmeister für Gefahr ausstrahlen kann. Und wenn Rudnevs eine Qualität hat, dann seine Laufstärke. Sowohl in Sachen Tempo als auch in Sachen Ausdauer könnte man ihn als einzige Spitze aufbieten. „Er zeigt, dass er ins Team will“, hatte Zinnbauer gesagt und erklärt, er wolle Rudnevs mit der Nichtberücksichtigung kitzeln. Ich allerdings glaube, dass aus dem Kitzeln bald eine so verhärtete Front entstanden sein wird, dass man sich im Winter über eine Trennung unterhält.

Etwas überraschend ließ Zinnbauer heute Julian Green im vermeintlichen A-Mittelfeld auf links agieren. Dafür zog er Marcell Jansen als Linksverteidiger in die B-Abwehrreihe. „Meinst Du, er lässt Green gegen seinen Klub von Beginn an ran“, wollte mein Kollege nach dem Training wissen, in dem Green durchgehend neben Müller, Holtby und van der Vaart spielte. Und ich kann es mir ehrlich gesagt kaum vorstellen. Zumindest habe ich Jansen in Berlin trotz seiner vergebenen Chance nicht so schlecht gesehen wie manch anderen HSVer. Dennoch könnte Zinnbauer damit versuchen, die Van-der-Vaart-Laufschwäche zu kompensieren, indem er drei sehr schnelle, laufstarke Spieler hinter ihm agieren lässt. Denn mit Holtby zentral sowie Müller rechts und eben Green kann man sicher kontern.

 



 

Es ist mal wieder spannend. Lässt Zinnbauer Jansen für Green draußen? Kann Behrami spielen? Und: Beginnt Lasogga oder van der Vaart im Angriffszentrum? Drei Fragen, die der Trainer heute ganz bewusst offenhielt. Zumal ich mir sicher bin, dass Zinnbauer mehr Wert auf das Sonnabendspiel gegen Bayer Leverkusen legt als auf den Pokalkick. Er wird versuchen, den bestmöglichen Spagat hinzulegen, ohne zu viel zu riskieren. Ergo: Ich glaube (und hoffe), dass Behrami geschont wird. Ich glaube und hoffe zudem, dass Holtby auf der Zehn anfängt. Ich würde so spielen lassen: Drobny – Götz, Westermann, Djourou, Ostrzolek – Arslan, Jiracek – Müller, Holtby, Green – Lasogga.

Warum ich Green für Jansen spielen lassen würde? Ganz einfach, um ihn „zu aktivieren“. Denn bislang fristet der Youngster noch immer eine Art Schattendasein. Er ist (vor allem verletzungsbedingt) mal dabei, mal nicht. Er gilt als große Hoffnung, bekommt aber nur sporadisch Spielzeit. Ihm würde ein Einsatz von Beginn an vielleicht gerade rechtzeitig vor den wichtigen Bundesligaspielen gegen Leverkusen und Wolfsburg weiterhelfen, Selbstvertrauen zu tanken. Auch Zinnbauer konnte sich noch keinen nachhaltigen Eindruck seines Zugangs unter Wettbewerbsbedingungen machen. Und dafür kommt ein Pokalspiel gegen Greens Heimatklub FC Bayern vielleicht gerade recht. Und sollte dieser Versuch in die Hose gehen, hätte Zinnbauer fürs Wochenende noch immer den erfahrenen (und dann ausgeruhten) Jansen in der Hinterhand.

Aber okay, wir werden es morgen Abend sehen. Und anschließend wollen wir darüber sprechen im „Matz ab live“. Das beginnt wie bei allen Heimspielen rund 45 Minuten nach Spielschluss.

Bis dahin!

Scholle

P.S.: Allen, die bei Zinnbauer von einem hohen Gehalt sprechen, sei gesagt: Dem ist nicht so. Der Cheftrainer erhält die maximale Summe von 800000 Euro im Jahr, wenn er alle möglichen Erfolgsprämien einfährt. Zinnbauers U23-Gehalt von 10000 Euro im Monat wurde also mitnichten auf 80000 hochgeschraubt. Und da weder vom Titel noch vom Pokalsieg auszugehen ist, wird Zinnbauer am Ende der günstigste HSV-Trainer der jüngeren Geschichte sein.

Nächste Einträge »