Archiv für das Tag 'Jansen'

Nun aber – die Saisonbilanz, Teil eins

9. Juni 2013

Es tut sich was. Leider nur bei anderen Clubs. Beim HSV ruht, erwartungsgemäß, noch ganz still er See. Neuerwerbungen? Pustekuchen. Und Verkäufe? Fehlanzeige! Fast jedenfalls. Nur in Sachen Marcus Berg tut sich wohl etwas. Der Schwede soll, das berichtete der Kicker, nach übereinstimmenden schwedischen und griechischen Medienberichten bereits mit dem griechischen Klub Panathinaikos Athen einig sein. Der 26 Jahre alte Stürmer wird angeblich am Montag in der griechischen Hauptstadt zum Medizincheck erwartet und soll danach einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Na bitte. Das klingt doch gut.

Ansonsten aber ist ja auch noch so viel Zeit. Zudem kommt der HSV ja – zumindest in den letzten Jahren – immer sehr schwer aus den Puschen. Erst einmal verkaufen, damit Geld reinkommt. Und das mit dem Verkauf ist ja auch so eine Sache. Wer will schon Spieler, die der HSV aussortieren möchte, kaufen? Und das noch möglichst zu einem Spitzenpreis. Das hat Frank Arnesen nun ein Jahr lang nicht hinbekommen, und der neue Sportchef Oliver Kreuzer nimmt seine Arbeit ja auch erst am Dienstag auf. Ob er dann mit den von Trainer Fink aussortierten Robert Tesche und Gojko Kacar beginnen wird? Oder steht dann doch eher Heung Min Son ganz oben auf der Prioritätenliste? Bei Son hapert es ja schon lange. Während der Saison, in der sein Verbleiben (?) so oft in Aussicht gestellt worden ist, und jetzt zu Beginn der Sommerpause wieder. Eigentlich sollte mit Leverkusen doch schon alles klar sein – aber das scheitert wohl bislang an dem bevorstehenden Verkauf von Leverkusens Nationalstürmer Andre Schürrle zum FC Chelsea. Wenn dieser Transfer perfekt ist, dann wird wohl auch Son als Bayer-Neuzugang offiziell begrüßt werden können.

Also üben wir uns in Geduld. Mehr bleibt auch nicht. Per Ciljan Skjelbred hat es uns ja vorgemacht, dass man einen langen Atem braucht. Vier Jahre hat er nicht in der norwegischen Nationalmannschaft gespielt, nun feierte er sein Comeback. Ein kurzes, aber immerhin. Gegen (und in) Albanien wurde der HSV-Mittelfeldspieler in der 84. Minute eingewechselt, dann erzielte Norwegen (drei Minuten später) das Tor zum 1:1-Endstand. Immerhin nicht verloren. Wie auch Tomas Rincon, der mit Venezuela ebenfalls ein 1:1 schaffte, und zwar im Auswärtsspiel in Bolivien. Tschechien erreichte mit Petr Jiracek (und Jaroslav Drobny auf der Bank) im Team einen Achtungserfolg, denn es gab gegen Italien ein 0:0. Dagegen blamierte sich Kroatien mit den HSV-Profis Milan Badelj und Ivo Ilicevic mit einem 0:1 daheim gegen Schottland. Lettland traf es noch härter, denn es gab im Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina eine 0:5-Klatsche – die HSV-Torschützenkönig Artjoms Rudnevs von der Bank aus betrachten durfte.

Ich habe von all diesen WM-Qualifikationsspielen, das gebe ich zu, herzlich wenig gesehen, obwohl ich sonst alles sehe, was nach Fußball aussieht. Aber diesmal war ich viel auf Achse. Am Sonnabend traf ich bei einer Party eine „schöne Fee“, die mir ins Ohr flüsterte: „Hasan Salihamidzic ist ohne Verein und wäre ablösefrei zu bekommen. Er ist zwar mittlerweile 36 Jahre alt, aber er ist noch topfit. Und der HSV hat ja wenig Geld für neue teure Spieler – falls er den Brazzo nach Einsätzen bezahlen würde, wäre es doch einen Versuch wert. Oder?“ Naja. Ich bin kein Salihamidzic-Fan, muss ich zugeben. Und zuletzt in Wolfsburg hat er ja auch kaum noch gespielt- obwohl dafür nicht sein Alter ausschlaggebend gewesen sein soll. Wenn ich an den „Brazzo“ denke, er hat ja von 1996 bis 1998 für den HSV gespielt, dann habe ich immer Uli Hoeneß in den Ohren. Weil der FC Bayern ja dann der neue Arbeitgeber von Salihamidzic geworden war. Hoeneß sagte mir einmal: „Der Brazzo ist ein Phänomen für mich, so einen hatten wir hier noch nie. Der arbeitet jeden Tag wie ein Besessener, der gibt immer alles – und eines ist ganz besonders wichtig: er will sich jeden Tag verbessern.“ Was er in München ja auch wohl geschafft hat. Aber ich denke trotz allem, dass seine Zeit mit 36 wohl doch eher vorbei ist. Selbst für den klammen HSV. Oder hat da jemand eine andere Meinung?

Vielleicht ja auch erst dann, wenn man Hasan, den „Altmeister“, mit jenen Spielern vergleicht, die der HSV in der vergangenen Saison in der Abwehr hatte. Ich möchte heute, weil es doch einige „Matz-abber“ so gewünscht haben, mit der bislang ausgebliebenen Saison-Benotung der HSV-Spieler – und zum Schluss auch der Offiziellen – beginnen. Zuerst mit der Abwehr.

Rene Adler erhält von mir die Note eins – aber ich arbeite ja auch nicht bei einem Fachblatt. Der Nationaltorwart hat eine überragende Saison gespielt, in der er sich nur einen „Aussetzer“ erlaubte, nämlich den beim 1:5 in Hannover. Ansonsten hat Adler den HSV, davon waren und sind immer noch viele HSV-Altmeister restlos überzeugt, viele Punkte gerettet. Allein in der Hinrunde sollen es, so wurde mir oft genug vorgerechnet, acht bis zehn Punkte gewesen sein. Natürlich hat Adler 52 (von insgesamt 53) Gegentore geschluckt, und das ist schon eine gewaltige Zahl, aber ohne Adler hätte der HSV wahrscheinlich 75 oder mehr Treffer kassiert. Ich glaube, dass noch nie ein HSV-Torwart so viele „Unhaltbare“ gehalten hat, wie Adler – ihm ganz nahe kam, so denke ich, wohl Frank Rost. Note eins.

Jaroslav Drobny ersetzte Adler zweimal, und zwar beim 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach (16. Februar) und beim 1:1 gegen Wolfsburg (5. Mai.). Beide Male zeigte er, dass er nichts von seinem großen Können verlernt hat. Immerhin ist er ja auch noch in der Nationalmannschaft der Tschechen noch der Ersatzkeeper. Was Drobny ansonsten auszeichnet? Er ist ein absoluter Teamplayer und sorgt praktisch Tag für Tag für gute Stimmung. Allein deswegen musste er gehalten werden – und wurde er ja auch. Note drei.

Sven Neuhaus ist Torwart Nummer drei, kam aber nur zu Einsätzen in der Regionalliga-Mannschaft. Da war der Routinier aber in der schwierigen Phase, als der Abstieg drohte, eine Bank. Neuhaus wurde gelobt und gefeiert, weil er großartig hielt. Im Training zeigt er zudem eine hervorragende Einstellung, auch er ordnet sich ausgezeichnet ein und sorgt so für ein gutes Klima beim HSV. Auch seine Vertragsverlängerung ist nur zu begrüßen. Note drei.

Dennis Diekmeier hat in dieser Saison einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Schon in der Hinrunde zeigte er sich stabiler als in den Spielzeiten davor, in der Rückrunde, speziell gegen Ende der Saison, wurden seine Leistungen dann noch einmal deutlich besser. Auch wenn, das muss erwähnt werden, er noch Luft nach oben hat. Er kann sich besonders in der Defensivarbeit noch verbessern, da sollte er noch aggressiver, durchsetzungsfähiger und härter werden. Note drei.

Jeffrey Bruma brachte es in dieser Saison auf 18 Einsätze, wobei er acht Mal eingewechselt wurde. Der Niederländer gehört deswegen zu meinen ganz großen Enttäuschungen der Spielzeit 2012/13, weil er eigentlich die besten Voraussetzung hat, ein erstklassiger Abwehrspieler zu sein – aber das Phlegma . . . Ich habe höchst selten einmal bei ihm erkannt, dass er sich mit dem HSV zu 100 Prozent identifiziert. Deswegen ist sein Abschied aus Hamburg nur eine logische Konsequenz aus dieser Saison. Note fünf.

Heiko Westermann erhält meine Bestnote der Feldspieler. Weil er ein vorbildlicher Profi ist, der sich von der ersten bis zur letzten Sekunde für seine Mannschaft und seinen Club nicht nur einsetzt, sondern alles gibt. Das schreibt sich so leicht: alles gibt. Westermann aber hängt sich stets voll rein, er gibt nie auf, er versucht es auch in noch so aussichtlosen Situationen – hervorragend. Genau deswegen verzeihe ich ihm auch den einen oder anderen Fehlpass oder Stockfehler. Mit zehn Westermännern im Feld hätte der HSV in diesem Jahr ganz sicher international gespielt. Note eins.

Michael Mancienne begann großartig, war eine Stütze und gefiel im Zusammenspiel mit Westermann. Dann verletzte sich der Engländer und musste deshalb lange pausieren – und kam nicht mehr in jenen Schwung, den er noch in der Hinserie hatte. Mich haben seine unzähligen Quer- und Rückpässe genervt (und oft auf die Palme gebracht!), und ich kritisiere auch jetzt sein körperloses Spiel. Das ist zu wenig für einen Innenverteidiger in der Bundesliga. Note fünf.

Slobodan Rajkovic hatte sich über Monate selbst ins Abseits manövriert, feierte dann aber doch noch – etwas unerwartet – sein Comeback. Das sah mitunter nicht schlecht aus, gelegentlich sogar auch ganz gut – insgesamt aber ist auch das zu wenig gewesen. Dem Serben fehlt die Beweglichkeit, er hat eine zu lange Übersetzung. Er wird, so glaube ich, bei einem anderen verein versuchen müssen, seine Leistungen zu steigern, ich denke, dass er beim HSV keine Zukunft mehr haben wird. Note vier.

Marcell Jansen ist einer der Aufsteiger dieser 50. Bundesliga-Saison. Viele hatten den Nationalspieler schon lange aus der Nationalmannschaft verabschiedet, und plötzlich feierte der ehemalige Mönchengladbacher auch im DFB-Trikot ein Comeback. Hinten links. Vor allem dort hatte ich ihn schon verabschiedet – so geht es gelegentlich im Fußball. Jansen hat eine (fast) verletzungsfreie Saison gespielt, das allein ist schon ein bemerkenswerter Punkt in seiner Karriere, zudem hat er kämpfen gelernt. So oft, wie er in dieser Spielzeit grätschend am Boden lag, hat er es wohl noch nie geschafft. Ich ziehe vor dieser Steigerung meinen Hut und hoffe darauf, dass er nicht nur so weiter machen wird, sondern auch noch zulegen kann, Die nächste WM kommt bestimmt . . . Note zwei.

Zhi Gin Lam brachte es auf vier Einsätze hinten links, einmal schaffte er dabei volle 90 Minuten. Mit Sicherheit ist Lam ein Fußballer, der technisch einiges drauf hat, dennoch gehe ich immer noch nicht mit Trainer Thorsten Fink konform, dass dieser Zhi Gin Lam hinten links eine Zukunft hat. Da fehlt körperlich doch noch zu viel – auch wenn der Bayern-Kollege Lahm es Jahr für Jahr beweist, dass auch ein vergleichsweise kleiner Abwehrspieler seine (teilweise überragenden) Leistungen bringen kann. Da aber gibt es, wie gesagt, körperlich doch noch einigen Nachholbedarf. Note vier.

So, das war die Abwehr. Und irgendwie finde ich, das habe ich beim Schreiben dieser Zeilen für mich entdeckt, dass es durchaus noch Spaß bringt, sich noch einmal in dieser Form mit der abgelaufenen Saison zu beschäftigen. Ich war jedenfalls wieder mittendrin. Genau so, als stünde morgen schon das nächste Bundesliga-Spiel für den HSV auf dem Programm.

19.07 Uhr

Endlich: Positive Nachrichten vom HSV! ***ERGÄNZT mit AR-Sitzung*****

30. Mai 2013

***ERGÄNZUNG: Als Manfred Ertel um 22.20 Uhr vor uns trat, war er gut gelaunt. Allein die Tatsache, dass sich die elf Räte so schnell hatten zu Entscheidungen durchringen können, stimmte ihn offenbar froh. Und so verkündete er: “Wir haben die Vertragsverlängerung mit Jaroslav Drobny mehrheitlich gebilligt. Der Vorstand hat deutluch gemacht, wie wichtig diese Personalie ist.” Soll heißen, der Tscheche verlängert seinen Vertrag bis 2015 und erhält dem vernehmen nach rund 900000 Euro per annum – ohne Anschlussvertrag. Zudem befand der Aufsichtsrat über die Budgetplanung des Vorstandes. “Dieser Planung sind wir positiv gefolgt”, so Ertel, der aber einschränken musste: “Die Planung ist sehr eng mit der Vertragsverlängerung mit Sportfive um weitere fünf Jahre verbunden.” Die wiederum, dazu hatte sich der Aifsichtsrat entschlossen, soll erst den Mitgliedern vorgestellt werden, ehe eine Entscheidung gefällt wird. Und das passiert am Sonntag auf der Mitgliederversammlung. “Unsere Mitglieder können uns da sehr deutlich machen, was sie davon halten.” Sogar noch ablehnen? “Unter dem Eindruck der Vorstellung werden wir im Anschluss an die Veranstaltung in einer Dringlichkeitsversammlung unsere formalen Beschlüsse fassen.” Das Budget – mit der Verlängerung des Sportfive-Vertrages, der dem HSV 12,4 Millionen Euro Darlehen ebenso wie die TV-Beteiligung der abgelaufenen Saison (5 Mio) erlassen und zudem für die Verlängerung eine Einmalzahlung von rund 5 Millione Euro an den HSV einbrächte – sieht bislang eine “kleine schwarze Null” vor, wie Ertel sagt. Mal sehen, ob die Mitglieder dieser Idee folgen.****

Immer dann, wenn in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vier HSV-Spieler gleichzeitig auf dem Rasen standen, dann hat die DFB-Auswahl auch gewonnen. Was schließen wir daraus? Dass Deutschland viel öfter mal mit vier HSV-Profis spielen müsste. Dreimal nämlich war das in der deutschen Länderspiel-Geschichte erst der Fall. Erstmalig am 13. Mai 1980, und zwar beim 3:1-Erfolg über Polen in Frankfurt, als Manfred Kaltz, Ditmar Jakobs, Felix Magath und Horst Hrubesch spielten, und dann am 9. April 1986, als in Basel mit 1:0 gegen die Schweiz gewonnen wurde. Da waren Uli Stein, Jakobs, Wolfgang Rolff und Magath zeitgleich auf dem Rasen – in der zweiten Halbzeit, denn zum zweiten Durchgang wurde Jakobs (er kam für Karlheinz Förster) eingewechselt. Und nun das dritte Mal, beim 4:2-Sieg über Ecuador, als Rene Adler, Heiko Westermann und Marcell Jansen 90 Minuten durchspielten, und dann Dennis Aogo in der 79. Minute für Debütant Max Kruse (gebürtiger Reinbeker!) eingewechselt wurde. Da kommt schon Freude auf. Weiter so, Herr Löw – nur Mut!

Wobei Adler in Boca Raton der beste Mann der deutschen Nationalmannschaft war. Deswegen gab es reichlich Lob für den Hamburger, der in der abgelaufenen Saison schon seinem Team mehrfach Punkte – und somit auch Spiele – gerettet hatte. Bundestrainer Joachim Löw fand ihn einfach „überragend gut“. Adler hat in Abwesenheit der unumstrittenen Nummer 1 in der Fußball-Nationalmannschaft, Manuel Neuer, seine überragenden Fähigkeiten unterstrichen.

In seinem (erst) zwölften Länderspiel hielt Adler den Sieg fest, das wurde auch von den Verlierern immer wieder behauptet. „Es waren vier, fünf, sechs Situationen mit klasse Abschlüssen von Ecuador, die nicht immer einfach zu halten waren“, sagte Löw. Ob Adler auf dem Niveau angekommen sei, das ihn bis zu seiner Verletzung vor der WM
2010 zur Nummer eins in Deutschland gemacht hatte? Löw: „René Adler ist eine Persönlichkeit. Er hat schon das ganze Jahr in Hamburg eine super Form gehabt und das bestätigt er auch hier. Er hat mehrfach gezeigt, dass er ein exzellenter Torwart ist.“

Der 28 Jahre alte Adler hob die Teamleistung hervor. „Unter dem Strich steht der Sieg gegen eine richtig gute Mannschaft, das ist das Wichtigste.“ Nur das 2:4, als Lukas Podolski und Dennis Aogo die Freistoßmauer auflösten und der Ball im kurze Eck einschlug, ärgerte den HSV-Schlussmann – aber nur kurz. „Das macht ja keiner mit Absicht, der Poldi hat ja auch genügend Tore gemacht“, meinte der Keeper.

Wobei Lukas Podolski seinen Mauer-Nachbarn Dennis Aogo schon ein wenig vorwurfsvoll ansah. Da hatte man kurz den Eindruck, als wolle der Wahl-Engländer die Schuld auf den HSV-Spieler abwälzen. Apropos HSV-Spieler: Marcell Jansen hat mir in diesem Länderspiel außerordentlich gut gefallen – noch besser als bei seinen Spielen in der Bundesliga. Dass er am ersten Gegentor maßgeblich beteiligt war, das war nur dem unfähigen Selbstdarsteller mit der Pfeife im Mund zu verdanken. Als Jansen an der Eckfahne gecheckt wurde, für mich gefühlte acht Meter weit, da sah das ganze Gespann aus Mitleid mal kurz verlegen zu Boden. Motto: Die armen Ecuadorianer . . .

Und noch ein ganz kurzer Blick zurück. In Amerika hatten ja drei der vier Nationalspieler (Adler, Jansen und Aogo) des HSV etwas zur derzeitigen Situation gesagt. Das rief sogleich HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow auf den Plan. Er griff zum Telefon und stellte etwas gerade. In der Art: „Ich habe den drei Spielern gesagt, was ich davon halte – nämlich nichts. Sie sollen sich besser darauf konzentrieren, was sie am besten können, und das ist Fußball spielen. Und das haben sie dann ja auch gegen Ecuador getan . . .“

So, zum HSV in Hamburg. Der hatte heute einen richtig großen Tag im Rathaus. Bei Innen- und Sportsenator Michael Neumann und dem stellvertretenden Leiter des Bezirksamts Altona
Kersten Albers wurde der Bauantrag für das Nachwuchsleistungszentrum „HSV-Campus“ ab- und übergeben. Wir erinnern uns, oder? Die Anleihe! Nun kommt Bewegung in die ganz Geschichte. Gegen Ende des Jahres soll, wenn alles so läuft wie gedacht und geplant, mit den Bauarbeiten begonnen werden, und heute in zwei Jahren soll die Eröffnung stattfinden – wenn wiederum bis dahin alles so gelaufen ist, wie sich das heute alle Beteiligten vorgestellt haben. Carl-Edgar Jarchow: Wenn alle so mitziehen, wie wir es uns erhoffen, dann wird es funktionieren Zunächst sind wir einmal auf das Bezirksamt Altona angewiesen, dort ist man guten Mutes – ich bin es auch.“

Und das ist nach wie vor geplant: Unmittelbar angrenzend an das Gelände der Imtech Arena soll mit dem HSV-Campus einen Funktionskomplex entstehen, der Raum für HSV-Internat, Leistungs- sowie Trainingszentrum bietet. Der HSV-Nachwuchs soll damit und dadurch intensiver betreut werden, zudem ist der HSV-Campus als Begegnungsstätte im Grünen gedacht und soll im Volkspark infrastrukturell für die gesamte Hamburger Bevölkerung geöffnet werden.

Sportsenator Michael Neumann: „Der HSV ist ein wichtiger Partner im Hamburger Sport, der mit dem HSV-Campus die Weichen auf Zukunft stellt und die Nachwuchsarbeit zurück in die Stadt holt. Er gibt talentierten Nachwuchsspielern aus der Region eine Chance und
engagiert sich gleichzeitig im Volkspark für Freizeit- und Breitensport, ganz im Sinne der Parksport-Idee unserer Dekadenstrategie.“

Der HSV erhofft sich für seine Nachwuchsarbeit künftig einen zusätzlichen Schub. Die Nachwuchsarbeit soll damit intensiviert und verbessert werden. Jarchow: „Das ist natürlich ein Schub, der nicht von heute auf morgen kommen wird, denn wir ziehen ja erst in zwei Jahren dort ein. Bis dahin versuchen wir schon, die Nachwuchsarbeit an seinem jetzigen Standort in Ochsenzoll zu intensivieren. Bis sich dann die Ergebnisse des neuen Campus’ materialisieren, das wird dann bestimmt noch fünf Jahre dauern.“ Jarchow und die HSV-Führungsherren sahen es bislang als Nachteil an, dass der HSV-Nachwuchs im 20 Kilometer entfernten Norderstedt trainieren und spielen musste. Er sagt: „Das dortige Zentrum stand nicht unter der permanenten Einflussnahme der Verantwortlichen. Die U 23 ist ja bereits im Volkspark, die übrigen Leistungsmannschaften sollen und werden folgen.“

Wobei ich genügend Stimmen gehört habe, die sich dazu äußerten, was der Umzug der U 23 von Ochsenzoll in den Volkspark gebracht hat: nichts. Jedenfalls hat niemand etwas anderes bemerkt. Eine Annäherung oder gar eine Verschmelzung /(an manchen Tagen) hat es nicht gegeben. Die einen trainieren hier, die anderen dort. Das könnte so auch im Volkspark und zeitgleich in Ochsenzoll stattfinden, ganz sicher. Darauf sprach ich heute Carl Jarchow an, und dessen Antwort war: „Die handelnden Personen müssen das wollen und sich danach richten. Das ist so wie mit dem Campus hier. Damit kann man alles richtig machen, aber wenn dort die falschen Leute arbeiten, dann wird da auch nichts bei rauskommen. Aber ic kann zunächst ja nur die Voraussetzungen schaffen, damit es mal klappen kann.“ Ja, und nun sind tatsächlich die handelnden Personen gefragt.
Ich bin aber weiter skeptisch, ob in die von der HSV-Führung gedachte Richtung tatsächlich auch künftig etwas mehr passieren wird. Ich glaube, um mal Butter bei die Fische zu geben, nicht dran. Gut gedacht, aber es wird eben nicht umgesetzt. Wie das dann beim Campus sein wird? Abwarten.
Bei der Gelegenheit verriet Jarchow auch: „Die U 23 wird in der kommenden Saison die Heimspiele nicht wieder bei Eintracht Norderstedt austragen, sondern wieder in Hamburg, und zwar an der Hagenbeckstraße.“

So, dann noch einen ganz kurzen Blick voraus: Heute findet am Abend und in der Nacht eine ganz normale Aufsichtsratssitzung statt, da geht es um das Budget für das kommende Geschäftsjahr 2013/2014. Die Zahlen wird der Vorstand dem Rat vorlegen, und dann wird genehmigt. Oder gestrichen. Oder ganz abgelehnt? Das wohl nicht. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass es da den einen oder anderen besonderen Höhepunkt geben wird. „Scholle“ wird vor Ort sein und sich die Nacht im Volkspark um die Ohren schlagen, und sollte etwas für „Matz ab“ dabei herausspringen, so wird er das in diesen Blog ergänzend hineinbringen. Danke dafür schon mal vorab, „Scholle“.

In Sachen Sportchef wird es wahrscheinlich auch heute das eine oder andere Gespräch zwischen Vorstand und Aufsichtsrat geben. Am Sonnabend aber soll es dann die Entscheidung geben. Intern ist ja längst alles geklärt, Oliver Kreuzer wird der neue Sportchef des HSV, die Räte haben mit 11:0 Stimmen für den Mann aus Karlsruhe gestimmt. Nun muss man sich nur noch finanziell mit dem KSC einigen, und das wird am Sonnabend in Berlin passieren. Sodass es dann am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in der Arena (Beginn 11 Uhr) voller Stolz verkündet werden kann. Mal wieder etwas Positives vom HSV. Wobei – heute gab es ja auch schon mal wieder etwas. Positives.

Und dann gibt es noch diese kleine Meldung:

Rafael van der Vaart wird entgegen den ursprünglichen Planungen pünktlich zum Trainingsstart des HSV zurückkehren. Der Mittelfeldspieler musste seine Teilnahme an der Asienreise der niederländischen Nationalmannschaft wegen Achillessehnenproblemen am linken Fuß absagen. Deshalb braucht er seinen Urlaub nun nicht zu verlängern. Der HSV beginnt am 1. Juli mit dem Training.

17.38 Uhr

Tag sechs ohne Sportchef: Kreuzer-Verhandlungen auf Sonnabend vertagt

28. Mai 2013

Die Sportchefsuche zieht sich. Nicht, weil täglich neue Kandidaten verhandelt werden, sondern vielmehr, weil sich der Karlsruher SC noch schwer tut, seinen Sportchef Oliver Kreuzer ziehen zu lassen. Noch immer steht das HSV-Angebot: 100000 Euro Ablösesumme, ein Freundschaftsspiel zuzüglich etwaiger Erfolgsprämien. Wobei mich allein letzteres schon ein wenig schmunzeln lässt. Aber egal, das Angebot hat auch beim KSC gleichbleibendes Interesse hervorgerufen: nämlich gar keins. Und deshalb ruhen die Verhandlungen.

Ein Grund, weshalb ich mich heute aus Prinzip der Berichterstattung in der Causa Kreuzer entziehen wollte. Aber irgendwie geht das nicht. Dafür ist die Position dann doch zu wichtig. Selbst die HSV-Nationalspieler in den USA beschäftigt das Thema, sie üben Kritik an der Sportchefsuche in ihrem Verein. Verteidiger Dennis Aogo sagte NDR Info: „Die wichtige Phase ist ein halbes Jahr vor der Transferperiode. Jetzt sind alle Vereine aktiv. Man muss das schon wesentlich früher machen. Das haben wir nun verpennt.“ Sein Teamkollege Marcel Jansen reagierte auf das Hin und Her in Sachen Sportchefsuche mit Sarkasmus: „Das kann mich nicht mehr frustrieren. Ich bin das schon gewohnt.“ Nationaltorwart René Adler hofft auf eine schnelle Lösung: „Das ist natürlich blöd für die Spieler. Gerade der Transfer oder Verbleib von Son steht jetzt noch an. Das ist für alle nicht optimal.“

Stimmt. Und die Aufsichtsräte merken, dass ihnen steife Brisen entgegenwehen. Für Sonntag sind schon etliche Aufrufe gestartet. Insbesondere Manfred Ertel soll auf der Mitgliederversammlung am Sonntag mit Kritik an seiner Arbeit und der Hoeneß/JVA-Entgleisung nicht verschont werden. Im Gegenteil. Es bahnt sich mal wieder eine Versammlung an, die deutlich machen wird, wie wenig momentan in diesem Verein stimmt. Zumindest strukturell kann man das sagen – denn dazu ist auch die Besetzung des Sportchefpostens zu zählen.

Dieser Verein ist aufgebläht in allen Bereichen. Angefangen bei den Aufsichtsräten, die eine zu gewichtige Rolle einnehmen. „Bei uns hören sie ein, vielleicht zwei- und maximal dreimal im Jahr etwas vom Aufsichtsrat“, hatte mir Uli Hoeneß vor einem Jahr in einem Interview gesagt, „und das ist, wenn Verträge abgesegnet und Budgetplanungen abgenommen werden. Ansonsten überlässt man uns das operative Geschäft, weil man uns vertraut.“ Und der Erfolg gibt den Bayern seit Jahrzehnten Recht. Wobei erschwerend hinzukommt, dass der FC Bayern München den Luxus genießen kann, im Aufsichtsrat honorige Vorstände größter deutscher Unternehmen wie adidas, VW, Telekom, Burda und Audi sitzen zu haben, die parallel dafür sorgen, das Geld durch ihre Unternehmen dem Verein zufließen. In München hilft der Aufsichtsrat mit seinem Einfluß auf die deutsche Wirtschaft – in Hamburg nimmt die Wirtschaft Einfluss auf den HSV. Und das ist wenig hilfreich.

Aber das ist alles nicht neu. Auch nicht die Problematik, im Sommer, in der finalen Phase der Kaderplanung, plötzlich führungslos zu sein. Ok, besser formuliert: an entscheidender Stelle unbesetzt. Und das wird auch noch dauern. Da KSC-Präsident Ingo Wellenreuther weiterhin im Türkei-Urlaub weilt übernahm sein Vize Günter Pilarsky die Geschäfte und teilte dem HSV mit, am Rande des DFB-Pokalendspiels ein Treffen arrangieren zu wollen. Bis dahin solle sich – was auch totaler Quatsch ist, weil unrealistisch – KSC-Manager Kreuzer einzig um die Badener kümmern. Ein sicher nicht ernst gemeinter Vorschlag sondern vielmehr der Versuch, dem HSV seine Macht zu verdeutlichen. Und unmittelbar bevor ich diesen Blog online stellen konnte, kam dazu folgende „SportBild“-Agentur:

„Herr Jarchow ist zwar formal nicht zuständig, hatte aber trotzdem das Bedürfnis mal mit mir zu sprechen“, sagt Wellenreuther, der zuvor stets mit dem eigentlich zuständigen HSV-Aufsichtsrat gesprochen hatte. „Herr Jarchow befürwortet Verhandlungen am Verhandlungstisch. Ein Treffen dafür ist nun für kommenden Samstag an einem neutralen Ort avisiert. Eine Bestätigung durch den Aufsichtsrat des HSV habe ich dafür aber noch nicht.“

Ob Jarchow dafür von seinen direkten Vorgesetzten ein Mandat erhalten hatte? Jarchow selbst war nicht zu erreichen. Und obgleich der erste Impuls fast natürlich war, dass sich dort neuer Ärger zwischen dem Vorstandsboss und dem AR anbahnt, scheint eine andere Variante logischer: Jarchow selbst ist momentan der sportlich entscheidende Verhandlungspartner. Sollte als Ablösesumme für Kreuzer auch ein Leihspieler vorgeschlagen werden, wäre es seine Entscheidung, zu sagen, wer das ist. Und ob es gemacht wird.

Und ein wenig später gab es dann auch Entwarnung. Der Vorgang war abgestimmt. Denn auch der Aufsichtsrat ist sich einig, dass alles andere als eine schnelle Einigung noch viel schlimmer wäre als Missachtungen interner Protokolle. Denn schon jetzt verlieren beide Klubs. Besser gesagt: Sie haben schon verloren. Kreuzer ist beim KSC nicht mehr tragbar. Und der HSV kann die verloren gegangene Zeit für wichtige Transfers nicht mehr zurückholen. Und das in der Saison, für die sowohl Trainer Thorsten Fink als auch Klubboss Carl Jarchow zuletzt einen internationalen Tabellenplatz als realistisches Ziel ausgegeben hatten. Sollte dieses Ziel verpasst werden, hätten alle Beteiligten schon wieder ein dankbares, definitiv auch gültiges Alibi: den Aufsichtsrat. Allein das würde mich als Kontrolleur schon ankotzen. Schon wieder steht uns ein Jahr bevor, in dem keiner der Verantwortlichen, weder das Trainerteam und noch weniger der Sportchef, wirklich an einem Ziel gemessen werden kann.

Am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung sollten sich die Mitglieder dennoch erst einmal Gedanken darüber machen, inwieweit ein reines Aufsichtsrats-Bashing weiterhilft. Denn, und das habe ich schon häufiger gesagt, das Problem ist, dass die Mitglieder einen solchen Aufsichtsrat quasi selbst ins Leben gerufen haben. Die einen mit Stimmzettel, die anderen, weil sie nicht zu den Wahlen erschienen sind. Aber vor allem, indem sie Satzungsänderungen zu Strukturveränderungen immer wieder ablehnen. Schon Bernd Hoffmann wurde einst übel angezählt, als er davon sprach, die Profiabteilung auszugliedern. Warum? Weil damals die Zeit schlichtweg noch nicht reif war und über das Beispiel Abramowitsch/Chelsea schnell Ängste geschürt werden konnten. Es fehlte damals an Aufklärung. Es fehlte an einer Verdeutlichung der Folgen und Auswirkungen einer Ausgliederung, wie sie passenderweise die immer wieder als Vorbild für den aktuellen Umbruch genannte Borussia Dortmund vollzogen hat. Dort ist die Profiabteilung eigenständig – ohne Scheich und mit unbeschadetem Erhalt der jahrelangen Klubtradition. Oder habt ihr mal irgendwann irgendwas gehört oder gelesen, dass dort die Fans demonstrieren? Nein, weil es funktioniert. Sehr gut sogar.

Das allein ist sicherlich kein Persilschein für Hamburg – aber zumindest ein positives Beispiel. Und so wenig die Zeit unter Hoffmann reif war, so ist sie es jetzt. Wenn sich die Vereinsoberen die Mühe machen, ihre Mitglieder ausreichend über Kosten, Chancen und Risiken aufzuklären. Schade, dass die Zeit am Sonntag nicht dafür genutzt wird, sondern höchstwahrscheinlich dazu, den verantwortlichen ihre Fehler vorzuführen und die Kritisierten selbst vorzuführen. Denn egal wie verdient die Kritik an der HSV-Führung auch ist, nach vorn orientierte Lösungsansätze zu diskutieren würde diesem angeschlagenen HSV jetzt deutlich mehr helfen.

In diesem Sinne,
Scholle

P.S.: Interviews und weitere Meldungen findet Ihr wie immer auf unserer neuen Facebook-Seite www.facebook.com/groups/matzab. Unter anderem ist dort noch einmal die Rasant-Sendung vom Montag zum Thema Kreuzer zu sehen. Ebenso wie ein Interview mit Aufsichtsrat Ronny Wulff.

P.P.S.: Janek Sternberg verlässt den HSV – und wechselt zu Werder Bremen. Das allerdings nicht, ohne seinem Noch-Klub einen mitzugeben. Auf seiner facebookseite schreibt er:

Hey Leute,
gestern war mein letztes Training für den HSV.
Nach 6 wundervollen Jahren ist es nun Zeit für einen Tapetenwechsel. Es fällt mir schwer, denn mein Herz hat schon als kleiner Junge nur für den HSV geschlagen.
Ich finde es schade, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs beim HSV nur „sehr selten“ eine Chance bekommen sich zu beweisen. Ein Geheimnis ist das ja nicht

Ich hoffe ihr unterstützt mich auch in Zukunft weiterhin. Egal wo es hingeht.
Aber ich bin mir sicher, ich kann mich da auf euch verlassen.
Ich danke euch!

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