Archiv für das Tag 'Ivanauskas'

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

Zwei neue Sommergeschichten

20. Juni 2010

Sommer? Was heißt hier Sommer? Am Montag ist es offiziell Sommer, aber darf man den Wetter-Propheten trauen, dass es auch dann ein wenig sommerlicher wird? Allmählich wird es Zeit . . . Obwohl, wir hier bei „Matz ab“ haben ja schon seit Wochen Sommer – und sommerliche Geschichten. Die erwärmen mich nun nicht unbedingt, aber sie erfreuen mich im hohen Maße. Es macht einfach Spaß, wie Ihr mitmacht, wie Ihr mit Herz und Leidenschaft dabei seid. Einfach sensationell. Vielen, vielen Dank dafür.

Heute warte ich mit einem Novum auf, denn die erste Sommergeschichte hat keinen „Absender“. Ich hätte zwar die Internet-Adresse nehmen können, aber da ich damit schon einmal daneben lag, lasse ich lieber die Finger davon. Ich hoffe sehr, dass sich der „Mister Unbekannt“ noch „outen“ wird. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Viel Spaß beim Lesen, nun geht es los:

Moin Dieter,
zunächst ein Mal ein ganz dickes Lob für Dich und Deinen Blog. Selten so etwas Großartiges auf täglicher Basis gelesen; informativ, aktuell und mit einer Menge Hintergrundwissen und Charme. Ich teile wenn auch nicht jede, aber doch sehr viele (sportliche) Meinungen von Dir. Als eine Art stummer Konsument lese ich ihn täglich, habe aber bisher nichts zum Funktionieren des Blogs beigetragen. Genau das wollte ich nun aber ändern und Deinem Aufruf folgen, alte HSV-Geschichten kundzutun:

Mit Peter Lux ging mir ein Licht auf

Als gebürtiger Hesse und wohnhafter Berliner hört man die Frage oft: „HSV – wie kommt das denn?“ Nachdem man die Studiumsfrage verneint hat, komme ich nicht darum herum, die Story zu erzählen: 1982/1983 war die große Zeit unseres so heiß geliebten Vereins. Mein fußballverrückter, den „Eff-Zeh“ favorisierender Bruder gab sich nun alle Mühe, der damals 5-jährigen Nervensäge den Fußballsport näher zu bringen, was ihm auch meisterlich gelang (quasi so, wie unserem Mehdi ausnahmslos jede Flanke hinter das Tor zu schlagen, aber das nur am Rande). Dummerweise zeigte ich auf den zu diesem Zeitpunkt Führenden _ es war der Klub mit dieser wunderbaren Raute.

Eine Liebe war geboren, ab sofort wurde jede Woche gefragt, wie die Rothosen gespielt haben und wer die Tore gemacht hat – also die verbleibenden neben Hrubesch. „Rothosen“ mochte ich übrigens nie, jedes meiner knapp 15 Trikots enthält die Farben schwarz-weiß-blau.

Meinen Freund Tommi habe ich damals ziemlich schnell angesteckt mit der Liebe. Selbstverständlich sind wir dann damals, es war genau am 15. Juli 1986, zum Testspiel gegen den SV Langd gefahren. Bewaffnet mit selbst gebastelten Autogrammwänden machten wir uns auf die Suche nach den Schriftzügen unserer Lieblinge. Und dann habe ich HSV-Spieler Peter Lux gesehen. Er stand an einem Würstchenstand, wo ich ja auch gerade hinwollte, um mir eine Fanta zu holen. Ich muss ihn wohl etwas entgeistert angestarrt haben mit meinen sieben Jahren, aber er fragte mich damals tatsächlich, ob er mir auch eine Wurst bestellen sollte. Für mich als kleinen Steppke war es damals das Allergrößte, auch wenn ich sein Angebot ausschlug und mir „nur“ diverse Autogramme abholte. Ich war ganz baff, aber mein Freund Tommi war ja lieber am Spielfeldrand geblieben, um das Spiel weiter zu verfolgen. Sein Pech. Mir aber ging mit Peter Lux ein Licht auf.

Bis heute zieht uns beide die Faszination HSV in den Bann. Über das wunderbare 4:4 gegen Juventus, wo wir beide ob der monströsen taktischen Cleverness der Italiener bis zum 3:1 beeindruckt waren, über den krabbelnden Thomas Doll, auch heute noch mein Lieblingsspieler, beim 3:2 gegen Werder Bremen, über das 1:1 im letzten Jahr gegen den Nordrivalen, wo ich mich beim Olic-Tor in etwa vier Reihen tiefer wiederfand, oder auch die geplante Reise zum Europa-League-Finale, die ins Wasser gefallen ist.

Dieses stete Auf und Ab sollte das sein, was das „ Fan sein“ ausmacht. Derzeit ist das Gejammer in Hamburg groß, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Mittlerweile kommen Leute wie Ruud van Nistelrooy zum HSV, wo ich mich früher über den Jungspund Walter Laubinger gefreut habe. Ich bin auch sicher, dass es in der nächsten Saison nach einer Blutauffrischung wieder bergauf gehen wird.

Mich hat es mittlerweile beruflich nach Berlin verschlagen, Tommi ist auch weiterhin mein bester Freund, und wöchentlich tauschen wir uns über die aktuellen Entwicklungen aus. Sein mittlerweile achtjähriger Sohn bekam zu seiner Geburt vom Patenonkel gleich einen HSV-Schnuller und auch einen Strampler geschenkt. So muss es sein.

Und zu meinem 32. Geburtstag schenkte mir der Tommi dieses kolossale Werk von Axel F.: „Unser HSV!“ Ja, es ist auch wirklich UNSER HSV, und wir haben gleich auch gemeinsam nachgeschaut, ob unser Spiel von Langd auch enthalten ist. Und sieh da . . .

In diesem Sinne, lieber Dieter und liebe Matz-abber,
HUMMEL HUMMEL MORS MORS!
.
So, das war die erste Geschichte, aber die zweite folgt zugleich:

Hallo an die Matz-abber, das ist meine Sommergeschichte, die allerdings im kalten Winter 1996 stattfand. Auf Matz-ab habe ich gelegentlich unter dem Nickname BeeemIt Beiträge gepostet, lese aber die meiste Zeit nur mit. Mir bringt die Nähe und die emotionale Beschreibung meines HSV auf dem Blog sehr viel Spaß und ich hoffe, dass unser Verein noch lange in einer solch intensiven Art und Weise betreut wird.
Liebe Grüße, Daniel.

Mit dem „falschen“ Team auf den Rasen

Es war ein eiskalter Dezember-Tag, als meine Liebe zum HSV richtig heiß entflammte. Am 7. Dezember 1996 traf der Hamburger Sport-Verein im Betonkessel Volksparkstadion auf Fortuna Düsseldorf. Ich spielte damals in der F-Jugend eines Vereins im östlichen Speckgürtel der Stadt. Unsere Mannschaft sollte im Vorlauf des Spiels gegen die HSV-Jugend im Volksparkstadion antreten. Doch als wir am Stadion ankamen, die Ernüchterung: Die Footballer der Blue Devils hatten den Rasen in einen wahren Acker verwandelt. Der Platzwart hatte dem Rasen bis zum Bundesligaspiel Schonung verordnet. Wir traten also auf einem Nebenplatz an – noch nicht mal Rasen, nur festgefrorene Asche.

Im Laufe des Spiels, das leider ziemlich deutlich an die Buben des großen HSV ging, sammelten sich um den Platz immer mehr Fans. Die Hamburger Anhänger waren zwar zahlenmäßig überlegen, die Fans der Fortuna feuerten uns aber lautstark an. Ein geniales Gefühl, wenn mal als 12-Jähriger einmal in den Genuss einer solchen Stimmung kommt. Nach dem Spiel stand dann der eigentlich große Augenblick an: Einlaufen mit den Stars. Doch nicht die HSV-Spieler sollten mit uns das Stadion betreten, sondern die (undankbare) Auswärtsmannschaft.

Die für uns unbekannten Spieler aus Düsseldorf nahmen uns im knallig roten Tunnel an die Hand und warteten auf das Startsignal zum Einlaufen. Ich hatte die Hand von Thomas Seeliger erwischt, der mir erzählte, dass es ein besonderes Gefühl heute wäre. Er stamme aus Hamburg und freue sich, in der Heimat antreten zu dürfen. Später erfuhr ich, dass er sogar der einzige Hamburger war, der an dem Tag auf dem heiligen Rasen kicken durfte.

Die Enttäuschung über das „falsche“ Team beim Einlaufen war also schnell vergangen und das Spiel nahm einen kuriosen Verlauf: Nach 13 Minuten beförderte der eben noch so euphorische Thomas Seeliger den Ball über die Linie in das Hamburger Tor. Außer mir freuten sich nur wenige Zuschauer über das Tor des Exil-Hamburgers. Der HSV gewann nach einem kämpferischen Auftritt trotzdem noch mit 2:1 gegen die Rheinländer und befreite sich aus der Abstiegszone.

Für mich war der Nachmittag der Startschuss für eine Verbundenheit mit dem HSV, die bis heute anhält. Obwohl ich damals auch mit den spielstarken Dortmundern um Sammer, Möller und Chapuisat sympathisierte, hat dieser aufregende Nachmittag im Volksparkstadion doch jedes weitere Interesse an einem anderen Verein zerstört. Spieler wie Rodolfo Cardoso, Valdas Ivanauskas und Karsten Bäron waren ab sofort meine Idole.

Vielen Dank nochmals den beiden Autoren. Und allen „Matz-abbern“ sei auch schnelll noch einmal der „Doppel-Schlag“ vom Sonnabend ans Herz gelegt, als „Jonny“ und „Benno Hafas“ die Autoren waren. Ihre Beiträge wurden vielleicht etwas zu schnell vom nächsten Thema „abgelöst“

15.29 Uhr

Dritte Sprechstunde

4. Oktober 2009

So, die dritte Sprechstunde bei „Matz ab“ nimmt ihren Lauf. Es stehen wieder unheimlich viele Fragen auf meinen Zetteln – es dürfte lang und länger werden. Wobei ich eine Bitte habe: Falls Ihr eine (oder mehrere) Frage habt, dann schreibt sie bitte am Ende Eures Textes (nach einem Absatz) auf, dann ist es leichter für mich, sie als Frage zu identifizieren. Ansonsten ist es schon beschwerlich, alles so herauszufiltern, dass man nichts übersieht. So, es geht los, von hinten nach vorne:
„Christian“ fragte nach Mickael Tavares, warum er so chancenlos ist – und ob Robert Tesche besser trainiert? Letzteres muss ich bejahen. Und zu Tavares selbst? Er wirkt im Training wie ein Mitläufer, ohne Temperament, übertrieben gesagt: ziemlich blutleer. Und dazu kommt natürlich die schlimme Vorstellung im Randers-Spiel. Ich glaube, dass Tavares nicht mehr allzu viele Chancen beim HSV erhalten wird.
„Eiche Nogly“ fragte, warum die Presse nicht auch Privates über Gerhard Mayer-Vorfelder, Udo Lattek, Joachim Löw oder zum Beispiel Oliver Bierhoff schreibt? Ich frage: Warum sollte sie? Nur weil es Gerüchte, Gerüchte und immer wieder Gerüchte gibt? Bei Harald Junke zum Beispiel ist immer etwas Handfestes passiert. Wenn er ein Konzert ausfallen ließ, standen die Leute da mit ihrem Talent.
Allgemein wurde viel zum DSF-Doppelpass gefragt. Ich habe schon mal gesagt, dass ich diese Sendung ins Herz geschlossen habe – ist doch klar, oder? Und dass da viel über die Bayern gesprochen wird, ist für mich auch klar. Die Sendung kommt aus München, und der FC Bayern ist nun mal der erste Klub im Staate, und auch sie muss an die Quote denken. So sehr die HSV-Fans auch die Raute im Herzen tragen. Bayern hat die meisten Fans, ich kenne sogar viele Hamburger, die „eine Lederhose“ tragen, und dem wird das DSF gerecht. Oder versucht es. Was sollen denn andere Vereine sagen? Okay, okay, der HSV ist ein ganz besonderer Verein, aber wird im Dopa über Bochum, Frankfurt, Nürnberg und Co gesprochen? Fast Null!
„curtis moore“ fragte, ob den ahnungslosen Doppelpass-Gästen die Anfangszitate einfach in den Mund gelegt werden? Nein, werden sie nicht. Das wird alles mit jedem Gast und mit Jörg Wontorra angesprochen, fair und nett, ohne auf irgendetwas zu drängen.

„Alex“ wollte wissen, ob Bernd Hoffmann St.-Pauli-Mitglied ist – natürlich ein Scherz. Der Grund dafür: Der vergebene Block 13 C beim Celtic-Spiel. Bernd Hoffmann ist geschäftstüchtig, denn das Spiel gegen Tel Aviv war nicht ausverkauft – und der HSV hat keinen Cent zu verschenken. Ich bin da ganz bei Hoffmann.
„Dylan 1941“ fragte, und nicht nur er, ob es nicht einen Nord-Doppelpass geben könne? Ihr stellt Euch so etwas viel zu leicht vor. Bevor ein Sender eine solche Sendung installieren würde, vergehen Jahre. Hier eine Untersuchung, dort eine Gesprächsrunde, dort ein Treffen, hier eine Diskussion um die Finanzen, eine Befragung, und, und, und. Ich weiß, dass ARD und ZDF schon vor vielen, vielen Jahren mit den Gedanken gespielt haben, eine ähnliche Sendung ins Leben zu rufen – aber sie ließen letztlich die Finger davon. Es wäre wahrscheinlich schlecht kopiert, und das will jeder Sender vermeiden – der Ruf würde nur leiden.
Was eventuell möglich sein könnte, wäre ein Nord-Dopa bei „Hamburg 1“. Dort gibt es gewisse Überlegungen, aber wie weit so etwas gedeihen kann, entzieht sich meinen Kenntnissen.
Wobei ich allgemein auch noch sagen muss: Nicht ich, Dieter Matz, habe „Matz ab“ erfunden, wie schon vielfach aus Eurem Kreis geschrieben, sondern Abendblatt-Chefredakteur Claus Strunz. Der packte es entschlossen an, was andere HA-Mitarbeiter verschiedentlich vorschlugen, ohne auf Erfüllung zu pochen. Claus Strunz hatte die Idee, sagte „los jetzt“, und dann ging es auch sofort los.
Und noch einmal allgemein: Ihr habt kaum ein gutes Haar an den TV-Kommentatoren gelassen, und das empfand ich als sehr, sehr, hart. Ich glaube wirklich, dass nicht alle so schlecht sind, wie Ihr sie beschreibt. Ich werde auf keinen Fall bei dieser Kritik mit einsteigen, ich denke, dass es durchaus gute „Jungs“ gibt. Bela Rethy sehe ich zum Beispiel als sehr gut an, egal, was er vor Jahren einmal gesagt hat. Dann sind von mir Gerd Gottlob (NDR) zu nennen, der Ahnung vom Fußball hat, Hansi Küppers, Tom Bayer und Kai Dittmann (alle Sky), Tom Bartels (ARD), Bernd Schmelzer (Bayern), Rolf Töpperwien (ZDF) – das wären, ohne groß im Hinterstübchen zu kramen, meine Favoriten. Aber wie gesagt, das ist meine ganz persönliche Meinung, und ich sehe alle anderen Kollegen nicht so schlecht, wie sie bei Euch wegkommen.
Und wenn ich noch einen Hinweis geben darf: Unter Matz-ab-Autor hat sich der für mich überragende Rundfunkreporter (leider von einst) unserer Zeit, Manfred Breuckmann, zu Wort gemeldet. Ich finde das, und das gilt auch für Ex-HSV-Profi Carsten Kober, einfach überragend. Der „große Manni“, der auf Mallorca lebt, meldet sich – aus freien Stücken – beim kleinen Matz – sensationell. Weiter so!
„HSVboerni“ fragte, ob Lotto King Karl einst für BU gespielt hat? Nein, hat er nicht. Sein Vater ist früher oft mit ihm zum Rupprecht-Platz gepilgert, dadurch hat Lotto BU kennen und lieben gelernt. Und wenn es seine Zeit erlaubt, ist er sonntags auch an der Steilshooper Straße anzutreffen. Was ich persönlich klasse finde – Lotto, der zugibt, null Talent in den Füßen zu haben, ist ein Held meines Lebens, weil er einfach ein Super-Typ ist.
„HSV-Oliver“ und auch „Mario“ fragten nach der Willkürlichkeit des DFB-Sportgerichts? Vermag ich, ganz ehrlich, nicht zu erkennen. Vielleicht liegt das, was Ihr kritisiert, auch ein wenig am HSV. Der dürfte in meinen Augen ruhig ein wenig entschiedener in Frankfurt (a. M.) auftreten, wenn es darum gilt, einen Spieler zu verteidigen. Ich denke da an Felix Magath, der sich einst gegen eine Geldstrafe mit Händen und Füßen und mehreren Anhörungen wehrte – und schließlich besser wegkam, als beim ersten Urteil. Also: Es gehören Schneid, Frechheit und Entschiedenheit dazu, und da könnte der HSV, so glaube ich, durchaus nachlegen.
„HSV-Oliver“ fragte nach Martin Jol. Ich kann nur sagen: Er fühlte sich von den Hamburger Medien durchaus gut behandelt, er denkt positiv über den jetzigen HSV (und freut sich mit dem Klub), und was aus seinem Haus in Othmarschen wird? Kürzlich war Jol-Bruder Cornelis hier, es ging auch um das Haus. Martin Jol wird hier längere Zeit nicht anzutreffen sein, denn er ist ja der „Magath von Ajax“ und hat bis Unterkante Oberlippe zu tun.
„Dembinski“ fragte, ob David Rozehnal schon bei Sportchef Dietmar Beiersdorfer auf dem Zettel stand? Stand er mal, aber das ist lange her. Rozehnal wurde oft vom HSV beobachtet, dann entschied sich der „Didi“ gegen ihn. Als „Didi“ dann weg war, wurde Rozehnal geholt.
„Dilder Hopfensack“ beschwerte sich über die zu leichten Gewinnspielfragen (tat auch „Peacock“ schon). Ich gebe dabei zu bedenken, dass ja auch Kinder und Jugendliche dabei mitmachen (sollen). Was haltet Ihr aber von einer Splittung? Eine harte Frage für die Karten, eine leichte für das Trikot?
„comebackhomegravesen“ fragte nach Valdas Ivanauskas. Er kam in der Schock-Ära von Austria Wien, weil „Schocker“ einen Tipp bekommen hatte. Horst Eberstein, damals die rechte Hand von Schock, wickelte den Transfer ab, übergab „Ivan“ in Norderstedt die Wohnung von Waldemar Matysik. 1997 ging Ivanauskas zu Red Bull Salzburg, da er ein Angebot des VfL Wolfsburg abgelehnt hatte – seine Frau wollte nicht in die niedersächsische Provinz. Laut Horst Eberstein hat sich die Familie Ivanauskas in Norderstedt bis zum Ende „pudelwohl gefühlt“, aber die sportlichen Leistungen des Paps stagnierten zum Schluss, das das Ende.
„Peppino“ fragte nach Marcus Berg, den auch ich schon in die Nähe eines Fehleinkaufs gerückt hatte. Ich gebe zu, dass ich mittendrin schon arge Bedenken hatte, aber so richtig (also im vollen Umfang) hatte ich ihn nicht abgeschrieben.
„JtFromHamburg“ fragte, ob Ecken und Freistöße trainiert werden, klare Antwort: ja. Jetzt, so habe ich das Gefühl, sogar verstärkt, obwohl ich auch kritisch sagen muss: es könnte noch mehr.
„Denny“ wollte meine Meinung zu Bayerns Talenten Badstuber und Müller wissen. Ich glaube, dass sie vor einer großen Karriere stehen und traue ihnen zu, dass sie mit zur WM nach Südafrika fahren könnten (so Deutschland dann fahren wird!) – warum nicht? Aber ich glaube auch, dass Jerome Boateng auf jeden Fall fahren wird, und Dennis Aogo sehe ich langfristig auch in der Nationalmannschaft.
„de Jong“ fragte nach einem zusätzlichen Forum zum Diskutieren bei „Matz ab“. Ich frage: warum? Lasst es doch so, wie es ist. Hauptsache der Ton stimmt, die Länge ist für mich nicht so von Bedeutung.
„HSV-Oliver“ fragte danach, ob Werder noch kommen könnte in dieser Saison? Aber gewiss, kann ich da nur sagen, zurzeit führen die Bremer in Stuttgart 1:0. Und an der Weser wird Kontinuität groß geschrieben, auf allen Gebieten, deswegen ist mit den „Schaafen“ immer zu rechnen. Ob es allerdings für Platz eins reicht? Das glaube ich dann doch nicht.
So, hiermit beende ich erst einmal die Sprechstunde, es geht gegen Mitternacht noch einmal weiter, weil es noch etliche Fragen gibt, aber zunächst möchte ich Euch nicht noch weiter überfordern.

16 Uhr