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Demirbay: “Ich höre nur Positives von den Jungs”

30. September 2014

Irgendwann musste Nürnberg ja gewinnen. „Aber doch nicht gegen uns“, sagt Kerem Demirbay, dem die Enttäuschung über das 2:3 mit seinem Leihklub 1. FC Kaiserslautern am Montag beim FCN anzuhören ist. „Wir haben hier große Ziele und in Nürnberg uns selbst geschlagen. Auch ich habe einen bösen Bock drin gehabt“, so Demirbay, der noch bis 2017 in Hamburg unter Vertrag steht. Ob er nach dieser Saison wieder nach Hamburg zurückkommt wäre eine logische Frage. Allerdings auch eine, die zum jetzigen Zeitpunkt niemand realistisch beantworten kann.

Ich weiß, dass HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer viel von dem impulsiven Linksfuß hält. Mehr jedenfalls als Mirko Slomka, unter dem Demirbay zwar eine blitzsaubere Vorbereitung ablieferte, unter dem er allerdings auch letztlich anderen die Stammplätze überlassen musste. Eine Entscheidung, die zu argumentieren war, die intern aber zum Bruch von Trainer und Spieler führte. „Wir haben nicht viel gesprochen“, so Demirbay zu dem Gerücht, dass er und der Trainer im Streit auseinandergegangen sind. „Ich habe m ich nur geärgert, dass ich in Hamburg keine echte Chance bekommen habe. Ich hätte mich gern unter Wettkampfbedingungen präsentiert. Zumal ich mich gerade in dieser Saison wirklich gut gefühlt habe. Ich war bereit und wurde gar nicht berücksichtigt, obwohl mir eine starke Vorbereitung attestiert wurde. Dass man mir keine faire Chance geben wollte, hat mich zum Nachdenken gebracht.“

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Wie gut er diese Saison drauf ist, zeigt er aktuell beim FCK. Dort hat er im zentralen Mittelfeld alle Freiheiten – und er nutzt sie. „Kerem Demirbay ist für uns eine Stütze“, lobte zuletzt FCK-Vorstandsboss Stefan Kuntz den Leihspieler des HSV gelobt, den er eigentlich kaufen wollte. Das Veto Beiersdorfers verhinderte den Verkauf des Perspektivspielers, der sich in Kaiserslautern richtig wohlfühlt, jedoch. „Das zeigt mir, dass ich nicht alles falsch gemacht habe“, so Demirbay, der aktuell aber wenige Gedanken an den HSV verschwendet. „Ich bin jetzt beim FCK und fühle mich richtig wohl im Team. Mein Fokus liegt jetzt darauf, hier die Ziele des Vereins zu verwirklichen.“ Und die enden den Vorstellungen des FCK zufolge im Aufstieg in die Erste Liga. Dorthin will auch Demirbay. Aktuell mit Lautern. Allerdings ginge auch der Weg zurück nach Hamburg. „Ich habe in Hamburg viele Freunde und einen Vertrag bis 2017. Was mit mir passiert, kann ich nicht allein sagen. Ich kann nur für den Moment sprechen – und da zählt nur der FCK.“

Dennoch, mit ein bisschen Bohren konnte ich auch Demirbay ein wenig Heimweh entlocken. „Ich verfolge natürlich jedes Wochenende genau, was der HSV macht. Klar! Und ich finde, dass die Mannschaft deutlich besser spielt, als es die Ergebnisse aussagen. Deshalb habe ich auch jetzt keine Zweifel, dass meine Jungs das nicht packen. Im Gegenteil, ich glaube, dass die Situation jetzt mit dem neuen Trainer und einem solchen Gegentor wie gegen Frankfurt in der 90. Schwer ist für alle – aber am Ende gehen sie gestärkt daraus.“ Zuletzt hatte er regelmäßig Kontakt zu Ilicevic und Arslan. „Ich höre jedenfalls von den Jungs nur Positives über den Zusammenhalt innerhalb des Teams“, so Demirbay, der den Mannschaftsabend am Montag als weiteres Indiz dafür sieht.

Egal wie, dass sich dieser neue Zusammenhalt bis zu Demirbay rumspricht, klingt doch gut. Und einer, der diesen Zusammenhalt noch intensivieren könnte, ist der Mannschaftskapitän. Und der kehrt zurück. Heute absolvierte Rafael van der Vaart zusammen mit Slobodan Rajkovic ein intensives Aufbautraining mit Reha-Coach Markus Günther. Und während sich Boban noch gedulden muss, soll van der Vaart morgen um 15 Uhr parallel zur Vorstellung des neuen Direktors Profifußball, Peter Knäbel, ins Mannschaftstraining einsteigen. „Rafael kann sehr wichtig für uns werden“, hatte Zinnbauer bei seinem Amtsantritt gesagt und anschließend darauf verwiesen, dass der Niederländer aber in seinen Gedanken keine Rolle spielen dürfe, solange er verletzt ist. Das ist jetzt anders.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Zinnbauer plant, seinen Kapitän einzubauen. Ich hoffe es auch. Denn der Niederländer dürfte am meisten von dem intensiven Spiel des HSV unter Zinnbauer profitieren. Zumindest dann, wenn er sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann und hinter Lasogga alle Freiheiten bekommt. Dass er dabei viel läuft, ist eh bekannt. Allerdings sind momentan vermehrt die Ideen des einstigen Weltklasse-Regisseurs gefragt. Denn daran hapert es noch – den Pass von Holtby auf Müller mal außen vor gelassen.

Sollte van der Vaart schon beim BVB von Beginn an dabei sein, hoffe ich darauf, dass Zinnbauer den Mut hat, Holtby als offensive Variante des Sechsers dahinter zu stellen und offensiv ansonsten alles beibehält. Soll heißen, Stieber links, Müller rechts, Lasogga vorn – und es gebe plötzlich nur noch einen echten Sechser (unterstützt vom nicht minder lauffreudigen Holtby): Valon Behrami. Gegen den BVB könnte sich die Lauf- und Zweikampfmaschine Behrami mal so richtig austoben – hinter der Kreativabteilung van der Vaart/Holtby – die zumindest nominell einiges verspricht.

Nominell verspricht auch Peter Knäbels Verpflichtung so einiges. Zumindest aber scheinen die jüngsten Personalien bei den Leihspielern gut anzukommen. Von Jonathan Tah, der bei Fortuna Düsseldorf einen starken Job abliefert und als gesetzt gilt , ist ebenso Lob zu hören wie von dem Demirbay: „Es passiert in Hamburg etwas, es scheint endlich langfristig geplant zu werden. Das war beim HSV sicher nicht immer so“, freut sich Demirbay, der übrigens sein komplettes Mobiliar aus Hamburg mit nach Lautern genommen hat. Ein cleverer Schachzug des FCK, es seinem Wunschspieler – trotz der vom HSV abgelehnten Kaufoption hoffen die FCK-Verantwortlichen noch immer auf einen Kauf Demirbays – heimelig zu machen. Und er funktioniert. „Der FCK hat das alles für mich organisiert. Und ich kann sagen, dass ich schnell und komplett in Lautern angekommen bin. Ich fühle mich heimisch – und sportlich geht es voran.“

Bleibt zu hoffen, dass das genau so bleibt und Tah sowie Demirbay am Ende der Saison in ihren jeweiligen Klubs für ihre Entwicklungen gefeiert werden – kurz bevor sie zum HSV zurückkehren. Denn dann wäre es genau das, was sich Beiersdorfer von diesen Leihdeals versprochen hatte: Ein Gewinn für Spieler wie Verein.

In diesem Sinne, heute war trainingsfrei, morgen wird um 15 Uhr trainiert. Ich melde mich morgen Abend mit und nach der Knäbel-Vorstellung.

Scholle

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