Archiv für das Tag 'Ilicevic'

3:2! Jetzt beginnt die Saison erst richtig!

25. April 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Die Arena bebte, als dieses Liedchen gesungen wurde. Der HSV lebt wieder, der HSV ist wieder da, der HSV kann doch noch Tore schießen und gewinnen. Mit 3:2 wurde der FC Augsburg abgeschossen – ein überlebensnotwendiger Sieg der Hamburger. Vor dem Spiel hatten fast alle ein Motto auf den Lippen: „Wenn heute kein Sieg, dann war es das wohl.“ Jetzt darf doch wieder gehofft werden. Die HSV-Mannschaft präsentierte sich diesmal von Beginn an als Einheit, diesmal kämpfte jeder für den Nebenmann mit, alle gaben alles. Trainer Bruno Labbadia hat offensichtlich schon in wenigen tagen ganze Arbeit geleistet, das muss erwähnte werden, das darf auch festgehalten werden. Bleibt der HSV dieser Marschroute treu, dann kann durchaus noch der Klassenerhalt drin sein – zurzeit rangiert der HSV schon (wieder) auf dem Relegationsplatz. Nun sollte in Mainz noch einmal so richtig nachgelegt werden – und dann die beiden restlichen Heimspiele gewonnen werden, dann darf ganz Hamburg so feiern, wie es heute schon mal genossen wurde. Wer wird Deutscher Meister? Hahaha-HSV! So muss es von den Feierlichkeiten her gewesen sein, als der HSV einst mehrfach den Gewinn der Schale feiern durfte. Die Saison 2014/15 scheint für den HSV erst mit dem 25. April 2015 begonnen zu haben – noch ist es nicht zu spät. Haut rein, Jungs, nur der HSV!

 

Die Überraschung hieß beim Anstoß Ivo Ilicevic. Wieder einmal. Offenbar kommt an dem ehemaligen Lauterer kein HSV-Trainer vorbei. „Scholle“ sagte zu dieser Nominierung: „Ivo hat wirklich gut trainiert, er hat es sich verdient. Wahrscheinlich will Bruno Labbadia mit ihm ein wenig mehr Tempo im Spiel nach vorne haben.“ Vielleicht. Wobei Ilicevic zu Beginn der Partie auch lebendig wirkte, aber dieser Zustand hielt nicht ganz so lange – dann sah man wieder die „alten Ilicevic“, der zögerte, der zauderte, der nicht richtig zur Sache ging. Für ihn war Petr Jiracek draußen geblieben, Rafael van der Vaart rückte wieder einmal zurück – auf die Doppel-Sechs, neben Gojko Kacar, der gesperrten Valon Behrami vertrat. Oder Lewis Holtby? Egal, Kacar spielte mal wieder von Beginn an, und er zeigte beherzten Einsatz und den Willen, hier etwas zu bewegen. Wenn ich gelegentlich auch darüber überrascht war, wie offensiv er teilweise seinen „Job“ interpretierte.

 

Die Stimmung in der Arena von Beginn an „sensationell“, die Fans waren erneut bereit, alles zu geben. Und das klappte besonders im Norden und Nord-Westen sehr, sehr gut, das war vorbildlich. Trotz allem hatte der FC Augsburg die erste Möglichkeit des Spiels, aber Feulner schoss den ball aus halbrechter Position, 20 Meter vor dem Gehäuse von Rene Adler, vorbei. Interessant danach: Johan Djourou wies Nebenmann Heiko Westermann darauf hin, dass er nicht, wie wahrscheinlich abgesprochen, zur Mitte eingerückt war. Westermann hörte es, zeigte aber keine Reaktion.

 

Das heißt, die Reaktion zeigte er auf dem Rasen, denn bis auf zwei, drei kleinere (?) Fehlpässe spielte er eine sauberer Partie, zerstörte das Augsburger Offensivspiel auf der linken Seite, zeigte vor allem mehrfach sein großartiges Kopfballspiel. Etwas, was sein Kollege auf der linken HSV-Seite der Viererkette oft nicht hat, daran sollte bei und mit Matthias Ostrzolek vielleicht doch einmal besonders geübt werden. Nicht jeder ist in dieser Beziehung ein Naturtalent.

 

Das erste Tor des Spiels fiel dann aber Sekunden nach der FCA-Chance auf der Gegenseite – für den HSV. Westermann gab eine flache Eingabe von der Rechtsaußen-Position zur Mitte, Zoltan Stieber schoss – doch Ivica Olic stand diesem Schuss im Wege. Zum Glück! Von dem kroatischen Linksfuß prallte der Ball unhaltbar für Torwart Hitz ins Netz (11.). Dass Stieber auf der Anzeigentafel als Torschütze genannt wurde, das wurmte Olic zwar ein wenig, aber das kann ja auch noch nach dem Spiel geklärt werden . . .

 

Plötzlich war der HSV da. Alles eine Frage des Kopfes? Es scheint wirklich so zu sein. Mit der Führung im Rücken wirkte der HSV befreiter, traute sich mehr zu. So schoss Pierre-Michel Lasogga einen Freistoß aus 30 Metern direkt auf das Tor. Eigentlich viel zu weit, aber im Eifer des Gefechtes versucht man auch ein solches Kunststück einmal. Und Keeper Hitz hatte Probleme, lenkte die Kugel in höchster Not (und mehr mit der Brust) zur Ecke (15.).

 

Vier Minuten später hieß es dann 2:0. In Worten „zwei-zu-null“. Unfassbar. Der HSV schießt zwei Tore in einer Halbzeit. Ilicevic und Rafael van der Vaart spielten sich links einige Male den Ball hin und her, die Kugel kam zu Ostrzolek, der flankte bilderbuchartig zur Mitte, wo Lasogga völlig unbedrängt aus fünf Metern einköpfen konnte. Mit etwas Glück, das muss festgehalten werden, denn der HSV-Stürmer köpfte genau auf Hitz, der den Ball nur noch durchrutschen lassen konnte.

 

2:0 – eine schöne und beruhigende Führung. Endlich einmal. Aber denkste! Der HSV ist immer und jederzeit in der Lage, auch eine solche Partie wieder spannend werden zu lassen. Freistoß halbrechte Position für Augsburg, Linksfuß Werner schießt. An den Fünfmeterraum, dort sollten eigentlich die Defensivspezialisten des HSV per Kopf in der Lage sein, sich zu behaupten, aber keiner fühlte sich zuständig. Alle ließen den Ball passieren – und Adler konnte sich nicht dazu entschließen, dem Ball entgegenzufliegen. Diesem Umstand verdankte es Bobadilla, dass der das 1:2 köpfen konnte. Zurück blieben viele ratlose Blicke in der HSV-Mannschaft – und Westermann haderte ein wenig mit Adler. Musste der Keeper da rauskommen? Es wäre ratsam gewesen. Und gewiss nicht verkehrt.

 

Und so macht man den Gegner wieder stark, baut ihn auf, holt ihn zurück ins Spiel. Auf diese Art muss das nicht sein, ganz klar. Augsburg wurde danach etwas besser. Aber der HSV versteckte sich nicht. Er hielt dagegen, stürmte mitunter sogar richtig gut und mit einigen schönen Ideen im Repertoire. Nicht ganz so schön aber der Versuch, den sich Lasogga in der 32.Minute leistete, er schoss aus 18 Metern weit über den hohen Zaun, ganz nach oben auf den Oberrang. Zu überhastet, denn neben Lasogga stand Ostrzolek völlig frei, er hätte es besser machen können, oder auch noch einmal ablegen. Aber gut, so sind Torjäger nun einmal, und Lasogga hatte ja immer schon mal wieder getroffen . . .

 

Glück für den HSV dann in der 36. Minute, als Slobodan Rajkovic den Augsburger Esswein im Strafraum zu Fall bringt, aber Schiedsrichter Welz nicht pfeift. Es protestierte aber auch kaum ein Augsburger, jedenfalls nicht so heftig, als dass es den Unparteiischen hätte ins Grübeln bringen können. Die letzte Tormöglichkeit des ersten Durchgangs hatten dann wieder die Süddeutschen, doch Bobadilla köpft auf fünf Metern über das Tor – wobei Adler wohl auch zur Stelle gewesen wäre (39.). Halbzeit. Und auf dem Weg in die Kabinen gab es riesigen Beifall von den Fans für diese lebhafte Darbietung.

 

Die erste Möglichkeit hatte dann nach dem Seitenwechsel wieder der HSV. Rechtsflanke von lasogga, Ivo Ilicevic köpft aus vollem Lauf und aus fünf Metern – genau auf Hitz. Das war eigentlich eine Hundertprozentige (65.). Das nächste Tor aber fiel dann auf der anderen Seite. Ganz, ganz bitter. Stieber wollte – etwas zu lässig – Kacar bedienen, das ging schief, prompt lief der Konter. Und Werner, der Linksfuß, umkurvt im Strafraum Rajokvic, lässt Adler mit einem Schuss aus 13 Metern keine Chance – 2:2 (69.). Geht das heute wieder schief?

 

Nein, denn der HSV kommt noch einmal zurück. Dank Lasogga. Stieber köpfte ihm den Ball zu, der Torjäger zog aus halbrechter Position aus sechs Metern ab – drin der Fisch! Was für ein Jubel!! Karneval in Rio ist nichts dagegen. Der HSV schießt sein drittes Tor in einem Spiel – und darf wieder träumen. Marcel Jansen, für Ilicevic eingewechselt, traf danach noch einmal den Pfosten (73.) – und danach begann die Zeit des Wackelpuddings. Der HSV wackelte, und zwar enorm, und er hatte mit seinen Kräften (die nicht mehr da waren) zu kämpfen. Augsburg kam, Augsburg drückte, aber der HSV stand. Endlich einmal. Und endlich einmal wieder ein Dreier. Vielen Dank für diese Vorstellung!

 

Der Rest war Jubel. Djourou rannte nach dem Schlusspfiff Richtung Bank und umarmte alle – zuerst sprang er Jaroslav Drobny (noch auf dem Rasen) um den Hals. Alle Ersatzspieler kamen zum Gratulieren und feierten mit – das sah richtig gut und endlich mal nach einer Mannschaft aus. Bruno Labbadia hat offenbar innerhalb von wenigen tagen ein Umdenken in dieser Truppe erreicht. Nur gemeinsam ist man stark – der HSV scheint es jetzt doch noch begriffen zu haben. Jubel, Trubel, Heiterkeit – ein schönes Wochenende noch für Euch alle. Aufatmen, jetzt ist die Rettung doch noch möglich. Wunder gibt es immer wieder . . .

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar (90.+3 Rudnevs), van der Vaart (75. Jiracek); Stieber, Olic, Ilicevic (67. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 1:2 nicht so sehr souverän aus, ansonsten hielt er aber das, was zu halten war. Note drei.

 

Heiko Westermann hatte anfangs einige (zwei, drei) Unsicherheiten auf Lager, vor allem im Abspiel, aber insgesamt eine sehr gute Partie des Rechtsverteidigers (!), der diesmal auch viel, viel Beifall für seine vorbildliche Vorstellung bekam. Note zwei.

 

Slobodan Rajkovic wirkte gelegentlich etwas eckig, aber gegen den „Klotz“ Bobadilla war er genau der richtige Mann. Note drei.

 

Johan Djourou wirkte ruhig und solide, steigerte sich im zweiten Durchgang und überzeugte vor allem durch sein überragendes Kopfballspiel. Note drei.

 

Matthias Ostrzolek biss sich gegen die alten Kollegen mutig in diese Partie, zeigte Esswein wo der Hammer hängt – weiter so. Note drei.

 

Gojko Kacar war da, als er gebraucht wurde. Das war wieder einmal der Beweis dafür, dass auf ihn – trotz des Abschiedes aus Hamburg – stets Verlass ist. Ein Vorbild-Profi, der sich voll reinkniete.

 

Rafael van der Vaart zeigte es seinen Kritikern, indem er eine solide Partie ablieferte. Alles das, was er machte, hatte Hand und Fuß – er war dieser HSV-Mannschaft eine Stütze.

 

Zoltan Stieber lief viel, arbeitete emsig, ohne den ganz großen Einfluss zu nehmen. Schien gegen Ende des Spiel ein wenig kraftlos. Aber das betraf auch etliche seiner Kollegen.

 

Ivica Olic rackerte wie immer, „schoss“ sogar (s)ein Tor – es geht bergauf. Obwohl sein Spiel immer noch nicht das Gelbe vom Ei ist, aber solche Siege stärken bestimmt auch sein Selbstvertrauen.

 

Ivo Ilicevic begann schwungvoll, aber leider nur zehn, 15 Minuten. Dann tauchte er wieder viel zu oft ab, zeigte nicht so richtig viel Leben. Schade, bei dem Talent.

 

Pierre-Michel Lasogga ackerte enorm, er wollte, das war ihm von der ersten Minuten anzumerken – und der Wille versetzt bekanntlich Berge, zwei Tore – und eine Vorstellung, die hoffen lässt.

 

Marcell Jansen (ab 67. Min. für Ilicevic) ist ganz sicher nocvh nicht bei 100 Prozent, aber er kann ja doch Fußball. Und deswegen war es wichtig, dass er gegen Ende doch noch einmal mitmischte.

 

Petr Jiracek (ab 75. Min. für van der Vaart) kann kämpfen, und das zeigte er auch diesmal wieder. Er hängt sich rein, wenn auf ihn gebaut wird, und das ist schön zu sehen. Vor allem auch für den Trainer.

 

Artjoms Rudnevs durfte noch einige Sekunden von der Uhr nehmen – und hatte sogar noch eine Ballberührung.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Augsburg. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Stefan Böger, einst DFB-Nachwuchstrainer und zuletzt Coach bei Dynamo Dresden, sowie der Sport-Moderator Uli Pingel, u.a. bei „Hamburg 1“ und Sport1“ auf Sendung. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet.

 

17.51 Uhr

 

Nächste Einträge »