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Hat Sammer Muffe vor Zinnbauer?

18. September 2014

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Nachtrag (s.u.): Sieg der U 23 in Braunschweig
Statement von Mirko Slomka
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Ist es schon jemandem aufgefallen? In dieser Woche scheint pausenlos die Sonne! Liegt es vielleicht am neuen HSV-Trainer Joe Zinnbauer? Jedenfalls konnte der 44 Jahre alte Franke heute wieder bei besten Bedingungen auf den Trainingsplatz bitten. Und langsam manifestiert sich, was Zinnbauer für die Partie gegen den FC Bayern als Stammelf vorsehen könnte.

Wenn wir hinten anfangen, dann spricht das meiste für Jaroslav Drobny. Er stand erneut im Kasten der ersten Elf, und das bei zwei verschiedenen Spielformen. Rene Adler hatte gestern auch mal Kontakt zu den Stammspielern – aber Drobny doch überwiegend mehr. Also: Die Chancen stehen aktuell 90:10 für Drobny.

Die Viererkette dürfte mit Diekmeier, Djourou, Westermann und Ostrzolek besetzt werden. Beachtlich vor allem die mögliche Rückkehr von „HW4“. 2010 ist er für 7,5 Millionen Euro von Schalke 04 zum HSV gekommen. Zuletzt schien seine Zeit in Hamburg zu Ende zu gehen. Der Wechsel in Hannover, als ihn der Brasilianer Cleber erstmals vertrat, war für viele folgerichtig.

Heute hat Heiko Westermann über den Trainerwechsel Slomka/Zinnbauer gesprochen. Bzw. eigentlich nicht gesprochen, was als Spieler nachvollziehbar ist: „Ich bin nicht dafür da, um über Trainerwechsel zu sprechen. Wichtig ist, dass wir Erfolg haben. Wir haben letztes Jahr mit Slomka die Klasse gehalten, jetzt sind wir schlecht gestartet. Der Verein hat dann gehandelt.“ So pragmatisch muss man es wohl sehen als HSV-Profi. Nach Westermanns Einschätzung sind die Kardinal-Fehler des Vereins und der Mannschaft seit langer Zeit im Argen. „Ich habe es die letzten Jahre immer betont, dass wir als Team auftreten müssen. Das haben wir die letzten zwei Spiele wieder nicht getan, deswegen stehen wir im Keller. Wir müssen jetzt die Vorgaben des Trainers umsetzen, dass jeder für den anderen da ist. Sonst funktioniert es nicht.“


Ob es wohl gegen die Bayern funktioniert? Natürlich ist es der schwerste Gegner, der möglich ist. Westermann: „Wir sind klarer Außenseiter. Ich habe mir auch die Champions League Partie gegen Manchester angesehen. Sie sind wieder auf dem Weg, die beste Mannschaft der Welt zu sein. Es wird eine sehr schwere Aufgabe, aber wenn wir nicht dran glauben, ist auch nichts möglich. Wir müssen als Mannschaft auftreten. Kompakt, als Einheit und viel laufen.“

An der Außenseiterrolle des HSV ändert das nicht eben viel. Und trotzdem kommen aus München vorsichtige Töne. Dort hat sich Sportdirektor Matthias Sammer nach dem 1:0 in der Champions League gegen Manchester City über den nächsten Gegner in der Bundesliga geäußert: „Ich sage ihnen ganz ehrlich: vor unserem Spiel habe ich gehofft, dass wir gegen Manchester gewinnen, aber sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich in diesen Tagen an den HSV gedacht habe. Die Trainerkonstellation, wie sich dort ergeben hat – es ist nicht gerade so, dass uns das superrecht ist.“

Oha – da warnt aber einer vor dem HSV, vor dem Tabellenletzten der Bundesliga. Reicht der Ruf von Joe Zinnbauer als Motivator bis zum FC Bayern? Von wegen „Mia san mia“, oder wie? Na, ganz so weit wird es vielleicht nicht gehen, und man kennt ja auch den warnenden Sammer. Doch auch wir hier in Hamburg haben ja den Eindruck, dass der neue Trainer seine Aufgabe auch irgendwie anders, leidenschaftlicher und authentischer angeht als einige seiner Vorgänger.

Heiko Westermann kennt den Zinnbauer ja aus gemeinsamen Tagen im Frankenland. Das sei 13 Jahre her, er wisse gar nicht mal mehr wo die erste Begegnung war, so Westermann. „Über einen Trainer zu urteilen, ist allerdings schwierig. Es ist einfach wichtig, dass wir uns finden. Er steht für Ordnung, Disziplin und ein offensives Spiel. Alles weitere, was ihn ausmacht, wird man sehen.“

Zinnbauer wird vermutlich eine Mischung aus alten und neuen Spielern finden. Oder sind die Alten nicht einfach zu verbraucht? Westermann widerspricht dieser Einschätzung und spricht für sich: „Das Thema ist gegessen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei jemandem noch etwas auf der Schulter lastet. Wir müssen ein positives Gefühl reinkriegen, egal, was hinter uns liegt mit der Trainerentlassung.“

Schlusswort Westermann zum Bayern-Spiel: „Man hat schon viel mitgemacht beim HSV in den letzten Jahren, aber ich denke nicht groß über die Vergangenheit nach. Es ist viel passiert, aber man muss immer wieder aufstehen. Jetzt ist eine Riesenchance für uns, etwas gutzumachen. Die Chance ist vielleicht nicht groß, aber sie ist da. Jeder kommt schlecht rum, wenn man immer verliert. Am Sonnabend sind wir als Mannschaft gefordert – niemand sonst. Wir wollen eine gute Atmosphäre schaffen, das Stadion mitnehmen und versuchen, etwas zu drehen.“

Eine Riesenchance, etwas gutzumachen.

Zurück zur möglichen Aufstellung. Im Mittelfeld ist offenbar nur Valon Behrami vor der Viererkette gesetzt. Gestern musste er zwar früher mit dem Training aufhören, heute war er wieder erste Wahl. Im großen Trainingsspiel stand Petr Jiracek an seiner Seite. Joe Zinnbauer setzt also um, was er angekündigt hat. Er wechselt im Training durch, da ist die Wahl fürs Wochenende nicht so leicht vorauszusehen.

Die offensive Dreierreihe sowie der Sturm sind dagegen zu prognostizieren. Nicolai Müller über rechts, Lewis Holtby zentral, Zoltan Stieber über links, vorn Pierre Michel Lasogga. Viele andere Alternativen bieten sich Zinnbauer nicht. Julian Green, der in Hannover noch Lehrgeld zahlen musste, bleibt wohl zunächst nur auf der Bank. Nach gut eineinhalb Stunden war diese Trainingseinheit abgeschlossen.

Auffällig: Zinnbauer unterbrach immer wieder, ging zu einzelnen Spielern hin, um ihnen Ratschläge zu geben. Das Training ist intensiv, es gibt kaum Pausen. Aber das ist nur der Eindruck von außen. Entscheidend wird nachher sein, ob der neue Mann in der Kabine eine Atmosphäre erzeugt, die die Spieler mitreißt. Ob er sie in der Ansprache packen kann, und ob sie sich auch so packen lassen, wie es mit der U 23 möglich war.

Fehlen wird den Hamburgern übermorgen Ivo Ilicevic und Marcell Jansen – und wohl auch noch in den folgenden Spielen der Kapitän. Wie berichtet hat sich Rafael van der Vaart vergangene Woche an der Wade verletzt, und zwar an eben jener Stelle, die ihn auch schon kurz zuvor zu einer Pause gezwungen hatte. Trainer Mirko Slomka hatte auf der Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel ausführlich Stellung genommen zu dieser Verletzung, er bezeichnete sie sinngemäß als neue Verletzung, die nichts mit der alten Wadenverletzung des Niederländers zu tun habe. Dies ist, gelinde gesagt, nur ein Teil der Wahrheit – beide Verletzungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang.

So ist van der Vaart seine Wadenverhärtung, die sich durch Bluteinlagerungen im Muskel kennzeichnet, herausmassiert worden. Durch Anregung des Stoffwechsels ist dies relativ schnell möglich, der Schmerz lässt in diesem Fall schon nach wenigen Tagen nach. Die Symptome sind also verschwunden, was allerdings nicht bedeutet, dass die betreffenden Stelle oder das Gewebe drum herum schon wieder zu 100 Prozent leistungsfähig sind. Bei starker Belastung kann es zu einer neuerlichen Verletzung kommen, entweder an der alten Stelle oder in der Nähe. Genau das ist passiert. Dass Slomka ungehalten auf die entsprechende Nachfrage reagierte, ist nachvollziehbar. Schließlich wollte er nicht die Debatte aufkommen lassen, er oder jemand anderes habe diese erneute Verletzung fahrlässig provoziert.

Tatsächlich ist ihm dies auch nicht vorzuwerfen, schließlich hat er van der Vaart nicht gegen den Rat der Ärzte auf den Platz gescheucht. Genauso wenig ist van der Vaart selbst übertriebener Ehrgeiz in diesem Fall nachzusagen. Trotz allen Fortschritts sind Muskelreaktionen nicht auf den Punkt vorauszusagen, es kommt da natürlich viel auf Erfahrungswerte an. Aus diesem Grund ist van der Vaart, ohnehin ja schon anfälliger als andere Profis für Muskelverletzungen, nun zumindest vorsichtig geworden. Mit Sicherheit wird er beim nächsten Comeback-Versuch ganz genau aufpassen, nicht zu früh zu belasten.

Abschließend noch ein großer Glückwunsch. Charly Dörfel wird heute 75 Jahre alt. Lieber Charly, alles Gute zu Deinem dreiviertel Jahrhundert! Charly war ganz sicher einer der ganz großen Spieler, die der HSV hervorgebracht hat. Dass er immer ein bisschen anders war, verrückt und etwas eigensinnig, ist bekannt. Wahrscheinlich hat ihm sein flottes Mundwerk eine Welt-Karriere erschwert – aber Charly hat sich nie verbiegen lassen. Wie der „Bild“ zu entnehmen war, feiert Charly heute im Krankenhaus, nachdem er eine Bauch-OP hatte. Neben dem Glückwunsch also auch noch Gute Besserung!

Lars

18.24 Uhr

PS: Die Zweite siegt auch ohne Joe Zinnbauer – es ist der Wahnsinn. Aber herrlich! Bei der zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig, die bislang auch unbesiegt war, gab es den neunten Sieg im neunten Spiel. 4:1 wurde in Niedersachsen gewonnen, Daniel Petrosky war der Trainer am Spielfeldrand. Und die Tore für den unangefochtenen Tabellenführer der Regionalliga Nord erzielten Domink Masek (22), Nils Brüning (28.) zum 0:2, Tolcay Cigerci zum 1:3 (43.) und noch einmal Brüning (54.) zum Endstand. Glückwunsch dieser tollen Truppe!
P.P.S.: Mirko Slomka hat auf seiner Homepage Abschied genommen vom HSV. Hier sein Statement im Wortlaut:

“Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,
Liebe Fußball-Fans,

als ich im Februar das Training beim „Dino der Bundesliga“ übernommen habe, war ich mir sehr sicher, dass ich einiges verändern kann und den Verein zum so lange erwarteten Erfolg führen würde. Ich wollte etwas bewegen. Gemeinsam haben wir intensive Wochen erlebt und konnten den Abstieg verhindern. Für die bemerkenswerte Unterstützung in dieser Zeit kann ich mich nur erneut bedanken.
Ich wünsche dem Verein und den Verantwortlichen sehr, dass sie zeitnah nachhaltigen Erfolg mit ihrem Handeln haben werden – auch im Sinne meines Nachfolgers Joe Zinnbauer und seinem Team.

Ich bin schon früher immer gerne nach Hamburg gekommen, und das wird auch in Zukunft so sein. In der (zu) kurzen Zeit in der Hansestadt habe ich viele neue Ecken entdeckt und einige tolle Bekanntschaften gemacht. Der Verein hat ein sensationelles Stadion mit großartigen Fans und eine intakte, aber neu zusammengestellte Mannschaft, die noch etwas Zeit braucht. Die Stadt beheimatet viele Förderer und Sponsoren des Fußballs und begeistert mich mit all ihren Facetten. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des HSV und seiner Kooperationspartner. Unsere Wege werden sich hoffentlich bald wieder kreuzen. In Hamburg sagt man “Tschüss” – ich sage auch “Auf Wiedersehen!”
Alles Gute,

Euer Mirko Slomka”

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