Archiv für das Tag 'Hunke'

Wieder Rote Zahlen – HSV schreibt zwei bis drei Millionen Euro Miese

1. Juni 2014

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Aktualisierte Meldungen ganz unten (DFB-Pokal, Lasogga, Doll)
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Mit unserer Serie über die Beurteilung einzelner Mannschaftsteile wollen wir heute mal einen Tag aussetzen. Dieter macht dann morgen weiter mit dem Mittelfeld. Genau eine Woche nach der geschichtsträchtigen Vereins-Versammlung in der Arena und eine Woche nach der faktischen AG-Gründung heute nun einige aktuelle Zwischenstände.

Karl Gernandt, der designierte Aufsichtsrats-Vorsitzende der Fußball AG, war ja offensiv vorgeprescht mit seiner Ankündigung, Dietmar Beiersdorfer zum neuen Vorstands-Vorsitzenden des HSV zu machen. „Daran lasse ich mich messen“, so Gernandt. Im Moment ist es noch nicht so weit. Carl Jarchow und Oliver Kreuzer führen sowieso noch die Geschäfte. Erste Transfers werden abgewickelt. Der alte Aufsichtsrat arbeitet diesbezüglich mit dem neuen zusammen, es kann ja nicht alles liegengelassen werden. Denn schon am 18. Juni beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison. Und Trainer Mirko Slomka hat sicherlich wenig Lust, erst ganz spät sein Team zusammen zu haben.

Wobei man sich schon ein bisschen wundert, woher der HSV plötzlich seine wirtschaftlichen Mittel hat. 1,2 Millionen Euro für Zoltan Stieber, zwei (gebotene) Millionen für Matthias Ostrzolek. Gar nicht mal wenig für den Pleite-Verein der Liga schlechthin. Natürlich wird sich auch noch einiges tun in Sachen Abgängen. Und mit Robert Tesche und Tomas Rincon sind ja auch schon zwei Spieler von der Pay-Roll verschwunden. Dennoch: wie schlecht es laufen kann auf dem Transfermarkt, hat die Transferperiode im vergangenen Sommer gezeigt. Aber ich will nicht unken, es soll ja alles besser werden.

Deshalb zurück zu Beiersdorfer. In der kommenden Woche, so ist es zu hören, sollen sich entscheidende Dinge tun. Beiersdorfer selbst bricht zu Gesprächen nach St. Petersburg auf, wo er mit den Entscheidungsträgern von Zenit über seine vorzeitige Freigabe verhandeln möchte. Gazprom, der russische Energie-Riese, sitzt mit am Tisch. Läuft alles glatt, diesen Zeitrahmen hat sich der neue Aufsichtsrat gesteckt, dann soll direkt nach Pfingsten die Entscheidung verkündet werden.

Karl Gernandt, designierter neuer Chef des AG-Aufsichtsrates, scheint bis dahin recht entspannt zu sein. Heute hat er sich die Entscheidung im Deutschen Springderby in Klein Flottbek vor Ort angeschaut. Morgen steigt er dann wieder voll ein am HSV-Verhandlungstisch. Mit dem aktuellen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Jens Meier steht ein Gespräch an über die Übergabe der Geschäfte. Formal ist Meier mit seinen sieben Leuten an der Seite ja noch im Amt, bis die AG im Handelsregister eingetragen ist.

Entsprechende Unterlagen sind mittlerweile notariell beglaubigt. Sie liegen bei der Richterin des Registergerichts, also beim Amtsgericht in der Caffamacherreihe. Geht innerhalb von vier Wochen kein Einspruch ein gegen die Registrierung im Handelsregister, dann ist die HSV Fußball AG Ende Juni Tatsache.

Erst dann nimmt der neue Aufsichtsrat auch formell seine Arbeit auf und kann den neuen Vorstand bestimmen. Immer wieder gibt es diesbezüglich ja auch zweifelnde Stimmen. Hat sich Karl Gernandt schon zu weit nach vorn gewagt? Passt das überhaupt – Beiersdorfer mit Joachim Hilke als zweitem Mann?

Tatsächlich scheint es, sollte es so kommen, keine Liebesheirat zu werden – muss es aber auch nicht, wenn die Personalien am Ende im Sinn des HSV sind. Jedenfalls zeichnet es sich vorsichtig ab, so viel ist eine gute Woche vor der erhofften Bekanntgabe zu prognostizieren, dass die beiden die Favoriten auf die Vorstands-Ämter im neuen HSV sind. Aber diese Kuh ist noch nicht vom Eis.

Spannend zu sehen wird sein, wie es in der Ebene darunter aussehen wird. Sport-Direktor, Finanz-Direktor, Marketing-Direktor, Medien-Direktor – auch dieses Team sollte ja bis Ende Juni stehen, damit der Verein dann mit neuen Schwung und auch mit Sicherheit auf allen Schnittstellen in die Zukunft starten kann. Mal abgesehen davon, dass eine Aufwertung des Nachwuchsbereiches und ein verschärfter Blick auf die Arbeit in Ochsenzoll genauso dringend kommen muss, wie angekündigt wurde.

In der laufenden Woche kam ja auch noch die entscheidende Nachricht von der Deutschen Fußball Liga. Alle Vereine haben spätestens auf dem zweiten Bildungsweg die Lizenz für die kommende Saison erhalten. Dazu gehört auch der HSV, der nach dem ersten Anlauf noch Bedingungen zu erfüllen hatte. Weil dies ein Besorgnis erregender Vorgang war, der in der HSV-Vergangenheit kaum einmal vorkam, wurde viel spekuliert und weitreichend verhandelt. Von Fehlbeträgen zwischen zehn und 20 Millionen Euro war die Rede. Mit Klaus-Michael Kühne hatte sich ein Bürgschaft-Geber gefunden, der für zehn Millionen Euro gerade stehen wollte, sollte es eng werden. Weitere zwei Millionen Tilgungsaufschub hatte Kühne in Aussicht gestellt. Im Hintergrund hatte sich auch Jürgen Hunke bereit erklärt, zu bürgen – wenn auch nur für den Erstliga-Fall.

Am Ende musste der HSV keine der Bürgschaften in Anspruch nehmen – diese Informationen liegen uns mittlerweile vor. Demnach hatte die DFL für den Erstliga-Fall zunächst einen Fehlbetrag von 11,4 Millionen Euro beim HSV gesehen. Ein Großteil dieses Betrages führte zurück auf Worst-Case-Annahmen was das TV-Ranking angeht. Einige andere Bundesligisten hatten so oder ähnlich ebenfalls mit schlechten Planzahlen der DFL zu kämpfen, Werder Bremen hatte sogar offiziell Einspruch gegen den ungünstigen Lizenz-Vorbescheid eingelegt. Der HSV hat den Zahlen ebenfalls widersprochen, und damit inhaltlich Recht behalten.

Denn am Ende der Saison war der HSV mit Bundesliga-Platz 16 bei der DFL plötzlich nur noch mit 3,8 Millionen Euro „in der Kreide“. Diesen Betrag wies der Verein durch die Verlängerung des Ausrüster-Vertrages mit adidas, der ein Signing Fee von sechs Millionen Euro mit sich führte, nach. Das heißt: der HSV erhielt die Lizenz, ohne auf die Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne angewiesen zu sein.

Was bedeutet das ganze nun für die Bilanz des Vereins in der abgelaufenen Saison? Drei Mal in Folge hatte der HSV tiefrote Zahlen geschrieben. Allein im TV-Ranking gingen dem Verein zuletzt sieben Millionen Euro flöten. Mit Platz 6 war kalkuliert worden, mit Platz 13 ging der HSV in dieser Rangliste aus der schlechtesten Saison der Geschichte heraus. Dagegen standen einige unerwartete Einnahmen, wie zum Beispiel das Viertelfinale im DFB-Pokal mit dem ausverkauften Haus gegen Bayern München. Über das Ergebnis des Spiels decken wir noch einmal den Mantel des Schweigens.

Aber auch andere Einnahmen kamen dazu, bzw. Minderausgaben. So „sparte“ sich der HSV ein halbes Jahr Gehalt für Maximilian Beister und einige Monate bei Slobodan Rajkovic. Beide fielen und fallen mit ihren Kreuzbandrissen aus. Die Berufsgenossenschaft übernahm das Gehalt.

Dagegen stehen nun wieder unerwartete Verpflichtungen wie die vielen und hohen Trainergehälter. Bert van Marwijk zum Beispiel ist bis heute nur freigestellt und hat im Prinzip Anspruch auf Gehalt beim HSV bis Juni 2015. An einer Auflösungsvereinbarung wird gearbeitet – dieser Faktor kann die Bilanz des noch laufenden wie des folgenden Geschäftsjahres beeinflussen.

Es gibt also noch einige Unbekannte, dennoch ist deutlich abzusehen, dass der Verein auch in dieser Saison mit Roten Zahlen abschließen wird. Dem Vernehmen nach liegt die Summe zwischen zwei und drei Millionen Euro. Nicht so schlimm wie in den Vorjahren, aber immer noch schlimm genug.

Der kroatische Nationaltrainer Niko Kovac hat heute seinen 23-Mann-Kader für die WM in Brasilien benannt. Dazu passt diese Meldung der dpa:

Mit den drei Bundesliga-Profis Mario Mandzukic vom deutschen Meister Bayern München sowie den Wolfsburgern Ivan Perisic und Ivica Olic nimmt Kroatien die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien in Angriff. Nach dem 2:1 (1:0) im Testspiel am Samstag in Osijek gegen Mali, in dem Perisic beide Treffer (15./64. Minute) erzielte, legte sich Nationaltrainer Niko Kovac auf seinen endgültigen 23er-Kader fest. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ivo Ilicevic (Hamburger SV) sowie Niko Kranjcar und Ivan Strinic strich Kovac auch den zweiten HSV-Spieler Ivan Badelj (Muskelverletzung) aus seinen Überlegungen.

Bitter für Milan Badelj. Und die Liste der HSV-Profis an der Copacabana ist auf einen geschrumpft. Johann Djourou, der Schweizer Verteidiger. Eine traurige HSV-Bilanz am Ende einer traurigen Saison.

Heute Abend noch interessant: Die Auslosung im DFB-Pokal (18.50 Uhr in der ARD, Horst Hrubesch zieht die Lose) und das Test-Länderspiel Türkei (mit Hakan Calhanoglu) gegen den deutschen WM-Gruppengegner USA. Anpfiff in New Jersey 20 Uhr MEZ.

Für heute grüßt Euch Lars

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AKTUELLE MELDUNGEN:
1) Soeben hat Horst Hrubesch gezogen – der HSV tritt in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Zweitliga-Absteiger Energie Cottbus an. Die Spiele finden vom 15. bis 18. August statt.
2) Laut „Sky“ hat Stürmer Pierre Michel Lasogga dem HSV abgesagt. Demnach hätte der HSV zwar angekündigt, Lasogga ein Angebot zu unterbreiten, dies aber versäumt. Deswegen, so die Darstellung des Spielers, habe sich das Thema HSV für ihn erledigt.
3) Ein großer Glückwunsch geht nach Ungarn. Thomas Doll hat durch einen 2:0 gegen Paks FC mit seinem Verein Ferencvaros Budapest den neunten Sieg in Folge errungen und damit die Europa League erreicht. „Dolly“ wird in der ungarischen Hauptstadt seit Wochen gefeiert – für ihn ist das ein großartiger Erfolg!
4) Und ein weiterer Glückwunsch, diesmal zum Geburtstag, geht nach Berlin an unseren „Matz-ab-Rechtsanwalt“!

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